Ich nehme die Bezeichnis OFF TOPIC für die Kategorie mal sehr wörtlich und möchte hier über unsere diesjährige Safarireise nach Indien berichten. Da es sich hierbei nicht um einen Kulturreise gehandelt hat, sondern es sich einizig und allein um das dort heimische "Kätzchen" drehte, könnte dies doch auch interessant sein für den einen oder anderen Afrika-Safarireisenden. Ich werde versuchen, ab der zweiten Dezemberwoche täglich zu berichten, was wir erlebt und gesehen haben. Nur jetzt schon mal soviel: Es könnte etwas eintönig werden. Der Bericht wird "leider" recht katzenlastig.
Teil 202. Dez. 2018
Wie immer schreibe ich diesen Bericht vor allem als Reisetagebuch für uns selbst. Er ist also an einigen Stellen sehr detailliert und subjektiv. Es ist unser erster Besuch in Indien. Warum also eine Tigersafari anstelle der üblichen Rundreise (Taj Mahal, Palast der Winde etc.) ? Das Ganze begann vor zwei Jahren auf unserer Jaguarsafari im brasilianischen Pantanal. Ein Mitreisender erzählte uns, das er nach Löwe und Leopard in Afrika, Tiger in Indien nun mit dem Jaguar eine weitere Großkatze auf dem dritten Kontinent in freien Wildbahn gesehen habe. Moment mal: Jaguar, Löwe und Leopard haben wir ja auch schon gesehen. Der Tiger „fehlt“ uns noch ! Im Sommer 2017 fand meine Frau dann das Angebot einer Tigersafari mit einem deutschen Biologen als Reiseleiter im Mai 2018. Im Oktober haben wir diese Reise wie immer recht kurz entschlossen gebucht. Trotz des Hinweises durch die Mitarbeiterin des Veranstalters: „Ihnen muss aber klar sein, das wird sehr anstrengend. Im Mai herrschen in Zentralindien bis zu 50 Grad Hitze.“ Na und ? 😎
Teil 304. Dez. 2018
15.05.2018 Anreise Teil 1 Mitte Mai geht es dann endlich los: Am 15.5.2018 geht es um 4.45 Uhr mit dem ersten Bus zum Bahnhof und weiter mit dem ICE zum Flughafen nach Frankfurt. Drei Flüge liegen vor uns: Zunächst nach Doha. Die Boeing 777 von Quatar Airways ist mit kaum 50 (!) Passagieren besetzt. Ob das am Beginn des Ramadan am 16.5. liegt ? Egal. Jeder kann sich nach Lust und Laune auf 3-4 Sitzen ausbreiten. Und auch mal zu einem Fensterplatz schlendern, wenn unten was interessantes vorbeizieht. Die Flugbegleiter können uns paar Passagieren derweil das volle Verwöhnprogramm bieten. Herrlich. Wenn Fliegen nur immer so wäre. Leider dauert dieser Flug „nur“ 6 Stunden. Viel zu früh landen wir wieder. 2 Stunden später startet unser Flieger nach Delhi. Dieser ist recht voll besetzt. Aber wir haben wieder Glück. Der 3. Platz in unserer Dreierreihe bleibt leer. Also auch hier Raumgewinn. Um 2 Uhr morgens erreichen wir Delhi. Einreise erfolgt problemlos, schnell noch Geld gewechselt und schon nimmt uns unser Reiseleiter in Empfang. Unsere Reisegruppe besteht aus neun Leuten. Nach kurzer Fahrt durch die Nacht erreichen wir nahe dem Flughafen unser Hotel. Hier wird unser Gepäck am Eingang wieder genauestens durchleuchtet und auch wir überprüft. Soweit so gut. Wir sind im 5. Stock untergebracht. Der Aufzug fährt mit uns aber nur bis zum 2. Stock ? Also wieder runter fahren in die Lobby. Neuen Anlauf nehmen: Die Zugangskarte für die Zimmertür neu in den Kartenleser im Aufzug gesteckt: Wieder nur bis 2. Stock ? Einige weitere Versuche folgen..... Trotz Müdigkeit versuchen unsere grauen Zellen eine Lösung zu finden: Wir variieren die Vorgehensweise also jeweils ein wenig. Landen aber immer wieder nur im 2. Stock. Was ist hier los, denken wir leicht entnervt ? Ein Hotelangestellter klärt uns auf: Die Karte in den Kartenleser an der LINKEN Aufzugswand stecken. (Ups, da ist auch einer ?) Nicht in den an der rechten Seite. (Ob der defekt ist oder eine andere Funktion hat: Keine Ahnung. Wir sind zu müde, das zu ergründen. ) Jedenfalls landen wir jetzt im 5. Stock. Um 3:30 liegen wir im Bett, finden aber irgendwie kaum Schlaf. Diagnose: Zu Müde zum Denken, zu aufgedreht zum Schlafen…… Der laut laufende Deckenventilator ist da auch nicht gerade hilfreich. Erst am Morgen finde ich bei der Vielzahl der Schalter und Knöpfe im Zimmer den Ausschaltknopf für das nervige Teil. 😠
Teil 404. Dez. 2018
16.05.2018 Anreise Teil 2 Nach dem Frühstück um 6:30 fahren wir zum Regionalflughafen direkt neben dem internationalen Airport. Mit 45 Minuten Verspätung startet unsere 2-motorige Propellermaschine zum knapp zweistündigen Flug ins 1000 Kilometer entfernte Jabalpur. Dort warten bereits unsere Transferfahrzeuge für die Fahrten von Nationalpark zu Nationalpark: 5 weiße Toyota Innova. Auf unserer Reise wird uns auch die Mitarbeiterin unseres deutschen Reiseunternehmens begleiten. Sie möchte vor Ort mal wieder Eindrücke aus erster Hand sammeln sowie etliche andere Unterkünfte auf der Route besichtigen. Hierzu wird sie von den drei Inhabern der indischen Partneragentur begleitet. WOW ! Da haben wir ja eine geballte Betreuungskompetenz auf unserer Reise. Eine Fahrt von 200 Kilometern durch eine ausgetrocknete, ländliche Gegend mit einigen verstreuten Dörfern und kleinen Städten liegt nun vor uns. In den Orten immer wieder viel Verkehr und Kühe auf den Straßen. Nach etwa der Hälfte der Strecke passiert es auf einer kurvenreichen Gefällstrecke: Unser linken Hinterreifen platzt, der Wagen will ausbrechen. Aber die moderne Elektronik und das Geschick unseres Fahrers bringen die Lage sofort wieder unter Kontrolle. Wir halten an und steigen aus. Es hat über 40 Grad im Schatten. Aber Schatten ist hier weit und breit keiner. Dazu weht ein glühend heißer Wind. Es fühlt sich an, als würden wir mit einem riesigen Haarfön auf höchster Stufe angeblasen. Jetzt erahnen wir, warum wir mit 5 Autos anstelle eines Kleinbusses unterwegs sind. Bei Pannen sind hier technische Hilfe oder gar Ersatzteile oft erst nach Tagen zu bekommen. Würde ein Fahrzeuge komplett liegen bleiben, könnten die rechtlichen 4 Autos alle Passagiere aufnehmen und die Fahrt weitergehen. Aber soweit kommt es nicht. Unser Fahrer und der Fahrer eines weiteren Wagens unseres Konvois wechseln in wenigen Minuten den Reifen und wir können unsere Fahrt fortsetzen. Unterwegs legen wir noch eine kurze Pause ein, um gekühlte Getränke und ein paar Bananen zu kaufen. Hier treffen wir auch unsere restlichen Fahrzeuge wieder. Wieder vereint fährt unser kleiner Konvoi, den ich im Gedanken schon in die „weiße Flotte“ umbenannt habe, weiter.
Wir erreichen die Lodge aufgrund der Panne erst nach 17 Uhr. Der geplante Abendspaziergang zur Vogelbeobachtung auf dem Lodgegelände macht aufgrund der nahen Dämmerung keinen Sinn mehr. Außerdem wartet hier immer noch das für uns bereitete Mittagessen (!). Höflich essen wir eine Kleinigkeit. Um 20.30 Uhr folgt dann das Abendessen.
Davor findet am Pool das 1. Briefing durch unseren Reiseleiter statt: In den Parks gibt es jeweils unterschiedliche Zonen für die Safariausfahrten. Wir sind namentlich für jede Ausfahrt in eine bestimmte Zone eingeteilt. Wir werden in jedem Park nach und nach alle Zonen und damit alle Landschaftstypen kennen lernen. Die Zusammensetzung der Reisenden je Jeep ist fix und kann nicht geändert werden. Das musste bereits viele Monate vor der Reise je nach Buchungseingang der Reisenden in den Nationalparks eingebucht werden. Die Reise war so ausgeschrieben, das max. 4 Personen pro Jeep sein werden. Da wir neun Gäste sind, werden wir mit drei Jeeps mit jeweils 3 Gästen unterwegs sein. Ein toller Luxus. Sind die Jeeps doch für 6 Gäste ausgelegt, die aber dann auf den 2 Sitzreihen wirklich eng zusammen rücken müssten. Bewegungsfreiheit zum Fotografieren oder einfach mal die Beine etwas ausstrecken geht da dann nicht mehr. Unsere Reiseleiter wird reihum jeweils mit einem der Jeeps auf Safari gehen und uns als Biologe bei Bedarf noch zusätzliche Informationen geben. Wir werden jeweils eine halbe Stunde vor Parköffnung vom Fahrer des Jeeps abgeholt. Am Gate erfolgt dann die Registrierung und die Zuteilung eines Guides. Wir behalten in jedem Park den jeweiligen örtlichen Fahrer des Jeeps, die von der indischen Agentur bewusst ausgesucht wurden. Die Guides wechseln von Ausfahrt zu Ausfahrt. So können hier sehr viele Guides reihum beschäftigt werden und möglichst viele Menschen vor Ort vom Park profitieren.
Teil 506. Dez. 2018
17.05.2018 Erste Safaris im Bandhavgarh N.P. Unser Tagesablauf wird ab jetzt jeden Tag in etwa so aussehen: 4 Uhr aufstehen, 4:30 Uhr Kaffee + Kekse, 5:00 Ausfahrt mit den Jeeps, 11:00 Rückkehr. Dann Frühstück und Siesta bis zum Mittagessen 14:00 Uhr, Ausfahrt um 15:30 Uhr, Rückkehr um 19:00 Uhr, Abendessen 20:00 Uhr. Wobei da abends einige Bewegung rein kommen sollte. Werden wir doch begleitet von den Inhabern der indischen Agentur India Nature Trails. Raghu stellt sich als bekannten Naturkundler und Fotograf heraus, der unter anderem lange in Kanha gearbeitet hat und Adi ist ein prämierter Naturfotograf. Das alles erfahren wir aber erst nach und nach in den nächsten Tagen. Unser Abendprogramm sollte jedenfalls aufgrund dieser illustren Begleiter um einiges bereichert werden. Bei der ersten Ausfahrt sichten wir in der ersten Stunde zunächst Vögel, südliche Hanuman-Languren, Mungos, Gaur, Storch, Sunda-Marabu, eine Hindu-Halsbandeule in einer Baumhöhle und indische Palmenhörnchen. Teils ist noch zu dunkel für Fotos...
Dann erreichen wir eine Ansammlung von Jeeps am Rande des Parks.
Außerhalb der Begrenzungsmauer des N.P. Soll im Unterholz eine Tigerin liegen. Nach einigem Suchen entdecken wir tatsächlich schemenhaft das Tier. Wir warten einige Zeit, überlegen schon, ob wir wohl weiterfahren sollen, als die Tigerin aufsteht und los läuft. Zunächst parallel zu Mauer und Piste. Begleitet von einer Anzahl Jeeps. Dann nähert sie sich langsam immer weiter der Piste. Plötzlich springt sie wenige Meter entfernt auf einen umgestürzten Baum und brüllt unsere Fahrzeuge an. Mehrmals, in einer unglaublichen Lautstärke ! Wow. Die Fahrer haben verstanden. Die Tigerin will zurück in den Park und die Straße überqueren. Nach kurzen Zurufen zwischen den Fahrern weichen die Jeeps in beide Richtungen zurück und eine größere Gasse wird freigemacht. Die Tigerin läuft einige Zeit weiter. Die Gasse wandert mit. Dann ist es soweit: Die Tigerin springt über die Mauer und ist für uns erstmals offen zu sehen.
Sie läuft einige Zeit im gegenüberliegenden Unterholz parallel zur Piste. Dreht dabei mehrfach uns. Die Jeeps wenden alle ebenfalls immer wieder auf der sehr engen Piste. Jeweils hektisches Rangieren. Jeep-Ballet eben…. und die Tigerin ist die Choreografin. Nach einiger Zeit entfernt sie sich immer weiter und verschwindet langsam im Unterholz.
Wir fahren ein Stück weiter und sehen einen Elefanten im Wald. Erst unser Fahrer und der Guide zeigen uns neben dem zahmen Elefanten mit den Safarigästen den Tiger, der dort auf einem umgestürzten Baumstamm liegt.
Nach und nach entdecken wir durch unseren Fahrer zwischen den Bäumen noch 2 weitere junge Tiger liegen. Es handelt sich um die drei Jungen der Tigerin, die wir eben gesehen haben.
Anscheinend ist sie auf dem Weg zu ihnen. Viele Fahrzeuge sind jetzt um uns herum. Die Mutter kommt jetzt auch. Der Elefant pendelt regelmäßig zwischen den Tigern und den Jeeps. Setzt dort seine Gäste auf den Jeeps ab, nimmt neue auf und nährt sich immer wieder den Tigern sehr, sehr nahe. 2-3 Meter. Die Tiger reagieren immer wieder auf den nahen Elefanten. Uns gefällt das nicht so. Der Abstand erscheint uns zu gering. Außerdem haben wir den Eindruck, das der Elefant mit jeder neuen Tour noch einen Tick näher an die Tiger getrieben wird. Damit die Tiger aufschauen, veranlasst der Mahoud anscheinend auch immer mal wieder den Elefanten, einen Strauch zu schütteln. Die erste von zwei unschönen Situationen auf dieser Reise. Die Gäste in den Jeeps, davon viele Inder (es sind Ferien) mit Kindern verhalten sich dagegen sehr ruhig. Nach einiger Zeit reicht es uns. Wir fahren weiter. Genießen die Ruhe im Sektor, da alle Jeeps bei den Tigern sind. Wir beobachten intensiv das Familienleben der Hanuman-Languren, die zur Zeit viele Babys haben.
Auch Axishirsche und Vögel können wir jetzt in aller Ruhe genießen. Es geht jetzt eine felsige Piste hoch auf einen Felsrücken. Hier bemerken wir die aufziehende Hitze. Nach langer Fahrt manövrieren unsere Guides den Jeep an eine Felskante. Unter uns ein kleiner Canyon, mit einem Bach. Hmm, sollen wir hier die Aussicht auf die Landschaft bewundern ? Warum dann aber so aufwändig milimetergenau an die Felskante ran manövrieren ? Da sagt unser Fahrer ganz trocken mit einem verschmitzten Lächeln: „Und, seht ihr den Tiger ? Schaut in den kleinen Canyon. An der Engstelle ist ein Loch. Schaut da durch. Da liegt der Tiger.“ Aaah. Alle sehen den Tiger. Ich sehe nur Steine, wenn ich durch das Loch schaue.
Einige Beschreibungsversuche später nimmt mich unser junger Guide am Arm, führt mich auf das hintere Trittbrett des Jeep. „Setz dich da drauf.“ Durch die veränderte Perspektive verarbeitet mein Hirn das Bild neu. Und tatsächlich. Jetzt sehe ich den Tiger klar und deutlich !
Unglaublich, wie gut zum einen die Tarnung des Tieres wirkt. Und welche Streiche uns unser Gehirn manchmal spielt. Ich hatte die ganz Zeit genau den Tiger angeschaut. Aber mein Hirn hat aus früheren Erfahrungen in der Felsklamm einfach Geröll erwartet – und mir Geröll gezeigt. Jetzt endlich genießen wir ALLE den Anblick des Tigers, der ungestört seine Siesta an seinem kühlen, schattigen Plätzchen macht. Ein sehr schöner Abschluss des Vormittags.
Teil 606. Dez. 2018
Exkurs: Tiger-Gymnastik Auf einer Safarireise ist es ja meist so, das der Reisende nicht viel Bewegung abbekommt. Man wird an der Lodge von Jeeps abgeholt und darf das Fahrzeug -verständlicherweise- während der Ausfahrt nicht verlassen. Bereits am ersten Vormittag haben wir allerdings ein tolles Bewegungsprogramm während den Ausfahrten entdeckt: Die Tiger-Gymnastik. Kennt ihr nicht ? Ganz einfach. Teilweise liegen oder sitzen die gesichteten Tiger etliche Meter im Wald. Da ist es jetzt richtig knifflig, ein Plätzchen im abgestellten Jeep zu finden, an dem man durch die Bäume, Äste, Blätter und Gräser eine freien Blick auf den Tiger erhaschen kann. Also beginnt die Tiger-Gymnastik. Zunächst steige man auf die Sitzbank. Vielleicht sieht man ja aus der erhöhen Position schon mehr. Reicht das nicht, mit einer Hand am Überrollbügel des Jeeps festhalten und Oberkörper weit nach vorne,hinten oder zur Seite neigen. Immer noch kein gutes Sichtfeld ? Dann steige man vorsichtig mit einen Fuß auf den mittleren und mit dem anderen Fuß auf den hinteren Überrollbügel. Dann sich langsam hoch drücken und aufrichten und hier ohne Haltemöglichkeit in luftiger Höhe die Balance suchen. Siehst du jetzt besser ? Hmm, wenn das immer noch nicht reicht, kannst du auch mal auf die äußeren Einstiegstrittbretter des Jeeps steigen oder auch mal auf das am Heck des Jeeps befestigte Ersatzrad klettern. Das alles machst du natürlich nicht alleine. Alle 3 Reisegäste und auch Guide und Fahrer bewegen sich, um eine gute Postion zur Beobachtung zu finden. Du musst also a) immer mal wieder mit Schwankungen des Jeeps aufgrund der Bewegungen anderer rechnen und b) immer mal wieder Platz machen für andere Personen, die auch auf der Suche nach der richtigen Position sind. Sobald Guide oder Fahrer vorne eine gute Position gefunden haben, winken und rufen sie uns Reisegäste natürlich herbei. Also wirst du deine gerade eingenommene Position verlassen und dich unter Abstimmung und gegenseitigem Platz machen neben, über oder unten deinen Mitinsassen durch quetschen, um den neuen Beobachtungsplatz z.B. auf dem Fahrersitz einzunehmen. Wundere dich nicht, wenn du irgendwann feststellt, das du mit einem Fuß auf dem Lenkrad des Jeeps stehst. Das gehört alles zum Fitnessprogramm während der Ausfahrten. Sollte sich die neue Position als besonders toll herausstellen, genieße diese einige Minuten und rufe dann den nächsten Mitreisenden herbei. Damit beginnt dann die nächste Runde der Tiger-Gymnastik. Das Ganze macht aus vielen Gründen Spaß und auch Sinn. Du lernst deine Mitreisenden sowie den Guide und Fahrer ganz intensiv kennen. Die Durchblutung deiner Beine wird angeregt und dein Gleichgewichtssinn wird trainiert. Die Zeit vergeht wie im Flug. Langeweile kann gar nicht aufkommen. Ach ja, und den Tiger kannst du dabei auch noch ganz toll sehen ! 😄
Teil 707. Dez. 2018
Aber jetzt zurück zum weiteren Tagesablauf. In der Lodge geht es zum späten Frühstück, dann Siesta und nach dem Mittagessen fahren wir wieder raus mit unserem Fahrer, den wir bereits ins Herz geschlossen haben. (Auch dank der Tiger-Gymnastik !) Mit einem neuen Guide fahren wir durch Gate 2 in eine andere Zone. OK. Jetzt ist es richtig heiß. Wir sehen wieder Vögel, erstmals männliche und weibliche Pfaue, Sambarhirsche etc. Wir kommen an ein Gehege im Wald. In diesem großen, mit mehreren Metern hohen Drahtzäunen umgebenen Gelände sehen wir drei Tiger. Ihre Mutter ist gestorben, als die Jungtiere noch ganz klein waren. Die Ranger haben sie von Hand groß gezogen und jetzt leben die drei mittlerweile zu stattlichen Tigern herangewachsenen Tiere hier in diesem Gehege. Auswildern ist nicht möglich, da sie niemals zu jagen gelernt haben.
Nach einem kurzem Stopp fahren wir für längere Zeit durch die Landschaft. Drehen eine große Runde ohne nennenswerte Sichtungen. Da entdecken wir eine Hinduracke (Indian Roller) , die auf einen Ast sitzt und sich minutenlang in ihre Farbenpracht präsentiert. Dann fliegt der kleine Vogel zu Boden und pickt dort etwas auf. Wir sehen dabei sein wunderschönes, strahlend neonblau gefärbtes Gefieder im Flug. Er fliegt zu einem anderen Ast und setzt sich dort hin. Dies wiederholt sich zu unserer Freude mehrfach. Zu Boden gleiten, Futter picken, zum Ast zurückfliegen.
Wir bleiben längere Zeit dort im Schatten unter einem Baum stehen und beobachten den schillernden Vogel bei der Futtersuche. In einer Senke neben unserem Jeep kommen jetzt mehrere weibliche und männliche Pfauen aus dem hohen Gras hervor und laufen langsam Richtung Wald.
Ein Stück weiter sehen wir eine größere Anzahl Sambarhirsche weidend durch das Grasland laufen. Als wir uns endlich von dieser Idylle losreißen können und weiterfahren, treffen wir einen anderen Jeep und erfahren von einem gesichteten Tiger. Als wir dort ankommen, sehen wir schon von weiten die typische Ansammlung von Jeeps. Weit hinten im Gras liegt wohl ein Tiger. Nur mit den Fernglas wäre da möglicherweise ab und an ein wenig zu erkennen. Da wir nichts erkennen und es eh viel schöner finden, wenn die Tiere nah genug sind um sie mit eigenen Augen gut beobachten zu können, fahren wir nach einiger Zeit weiter. Letztlich folgt aber eh nur noch eine staubigen Rückfahrt zur Lodge, die wir nach Sonnenuntergang erreichen. Während wir uns für das Abendessen richten, gibt es zwei kurze Stromausfälle. Kein Problem. Die Taschenlampen sind griffbereit. Uns erstaunt, wie wenig stabil die Stromversorgung hier in Zentralindien ist. Wir erleben auf der gesamten Reise täglich mehrere Stromausfälle. Immer nur kurz, da alle Lodges große Dieselgeneratoren haben, die bei Stromausfall angeworfen werden.
Teil 807. Dez. 2018
18.05.2018 Tiger im Anmarsch Bei unserer dritten Ausfahrt ist erstmals unser Reiseleiter mit an Bord. Ich bin bereits etwas eher vor der Lodges und unterhalte mich mit unserem Fahrer. Wir starten wieder ganz entspannt unsere Ausfahrt mit dem Beobachten von Vögeln. Unter anderem sehen wir einen Bengalenpitta. Sein neunfarbiges Gefieder kommt im ersten Morgenlicht schon sehr schön zur Geltung.
Erst vor und dann über uns ballen sich dunkle Wolken zusammen und dann gibt es tatsächlich einen kurzen, aber kräftigen Platzregen. Aber bereits wenige Minuten später scheint wieder die Sonne. Wir erfahren von einem gesichteten Leoparden und fahren dort hin. Bei unserer Ankunft sind bereits einige Jeeps dort. Hoch oben an einem Hang liegt ein Leopard, der nur durch das Fernglas zu erkennen ist. Als ich mit dem Fernglas gerade noch die Katze suche, erhebt diese sich und verschwindet. Wir fahren die Strecke zurück um unsere Runde wieder aufzunehmen. Plötzlich sieht unser Fahrer weit im Gelände im Unterholz die Tigerin von gestern marschieren. Er fährt ein ganzes Stück weiter da er damit rechnet, dass sie in Richtung des gestrigen Rastplatzes der Tigerfamilie marschiert. Wir stehen jetzt an einer größeren, offenen Fläche und warten angespannt. Wird die Tigerin wirklich die offene Fläche vor uns überqueren ? Und dann passiert es. Hinter einem Baum kommt die Tigerin zum Vorschein. Keine 15 Meter von uns entfernt. Und dann ändert sie ihre Marschrichtung und kommt fast direkt auf uns zu ! Wir sind fassungslos, dieses kraftvolle Tier so nahe zu sehen.
Wenige Meter hinter unserem Auto überquert sie die Piste und verschwindet im Wald. Hier sehen wir sie noch einige Minuten immer wieder durch Vegetationslücken jeweils für kurze Momente. Unser Fahrer plant jetzt zum gestrigen Rastplatz zu fahren, um dort die Ankunft der Tigerin zu beobachten. Kurz vorher quert ein Bachlauf die Piste. Als wir auf der kleinen Brücke darüber sind fahren, bremst unser Fahrer plötzlich. Tiger ! Wahnsinn, direkt vor uns im Bachlauf liegt einer der jungen Tiger.
Er genießt sichtbar das kühle Bad. Nach einigen Minuten erhebt es sich und läuft im Bachlauf in unsere Richtung. Er ist jetzt nur noch ca. 4 Meter von uns weg. Dreht sich einmal um sich selbst, und lässt sich dann auf typische Katzenart wieder im Bachlauf nieder. Mit dem Hinterlauf kratzt er sich hinter den Ohren.
Man könnte meinen, eine sehr große Hauskatze vor sich zu haben. Jetzt aus der Nähe erkennen wir deutlich die noch recht verspielte Art des Jungtieres. Aber die Idylle bleibt nicht lange ungestört. Weitere Jeeps kommen und dann kommt wieder der -ich muss es leider so sagen- blöde Safarielefant zum Einsatz. Und wieder nähert sich der Mahoud mit seinen Gästen dem Tiger sehr nahe. Zu nahe für den Tiger. Er erhebt sich aus dem Wasser und klettert die hohe Böschung rauf und legt sich einige Meter weiter hinter einen umgefallenen Baumstamm. Hier hin kann ihm der Elefant zum Glück nicht folgen.
Der Tiger rollt sich mehrmals wollig auf den Rücken, räkelt sich und putzt sich lange. Dabei rückt er immer weiter an den Baumstamm heran. Und plötzlich passiert es. Erschrocken springt das Tier mit einem gequälten Schmerzlaut auf. Irgendwas hat in gestochen oder gebissen ! Einen kurzen Moment steht das Tier irritiert da, dann humpelt es schnell durch den Bach Richtung Piste. Mittlerweile sind mindestens 15 Jeeps anwesend. Und jetzt haben wir unser zweites – und zum Glück letztes unangenehmes Erlebnis auf dieser Safarireise. Das Tier leidet Schmerzen, ist auch sichtbar geschockt und will humpelnd auf der Piste so schnell wie möglich weg von uns und an einem ruhigen Plätzchen seine Schmerzen abklingen lassen. Aber jetzt starten die Fahrer die Motoren und jagen dem Tier in schneller Fahrt hinterher. Manche sofort im Rückwärtsgang. Andere rangieren erst mal hektisch, um zu wenden. Auch wir fahren im hinteren Teil der Meute etwa 50 Meter hinterher. Aber uns geht es nicht mehr um den Tiger. Wir wollen nur noch sehen, wie diese Situation weitergeht. Aber dann haben wir genug und bitten unseren Fahrer Mohan zu stoppen. Wir wollen Tiere beobachten, nicht hetzen. Einen Lichtblick gibt es immerhin. Mehr als die Hälfte der Jeeps stoppen jetzt ebenfalls nach und nach und brechen ab. Auch hier entwickelt sich anscheinend so etwas wie Respekt vor der Natur. Die Fahrer und auch die Guides stehen hier natürlich unter einem riesigen Druck: Die Gäste wollen Tiger sehen ! Alles dreht sich zunächst um den Tiger. Tag für Tag „müssen“ sie die Tiger aufspüren für ihre Gäste. Ihr Trinkgeld und somit ihre finanzielle Existenz hängen oft direkt davon ab. Diese Region Indiens nimmt sichtbar nicht am wirtschaftlichen Aufschwung des riesigen Landes teil. Strukturschwaches Gebiet würde man bei uns sagen. Daher werden die Fahrer immer alles versuchen, ihren Gästen soviel und so lange Tiger zu zeigen wie möglich. An uns Gästen liegt es, die Grenze zu bestimmen. Und das haben viele, vor allem auch indische Gäste in diesem Moment getan. Andere leider nicht. Danach beobachten wir wieder Vögel und Affen. In einem lichten Waldstück kämpfen zwei männliche Hinduracken um das Revier und die anwesende Hinduracken-Dame. Immer wieder fliegen sich die beiden Vögel an und wollen sich gegenseitig vertreiben. Es ist ein toller Anblick, wie diese farbenprächtigen Vögel im schnellen, kurvenreichen Flug immer wieder zwischen den Bäumen umher fliegen.
Danach machen wir Rast an einem Platz, an dem Einheimische einige Verkaufsstände mit Essen, Trinken und ein paar wenigen Souvenirs aufgebaut haben. Dort kaufen wir Cola und Nüsse. Nicht weil wir Hunger haben, sondern damit diese Leute auch etwas teilhaben können. Und nicht nur die Last tragen durch die vielen Auflagen und Verbote in der Pufferzone um den Nationalpark. Ganz zu schweigen von den gerissenen Kühen. Die Tigerin gestern kam ja von so einem nächtlichen Ausflug in die Pufferzone zurück. Wir fahren weiter Richtung des Plateaus, auf dem das ehemalige Fort der Maharajas von Rewa trohnt . In engen Serpentinen windet sich die Piste nach oben. Das Fort auf dem Plateau darf nicht mehr besichtigt werden. Privatbesitz. Aber eine liegende Statue von Vishnu unterhalb des Forts können wir erreichen.Neben der Piste sehen wir auch die in den Fels gehauene Ställe für die Pferde und Unterkünfte für die Soldaten des Forts. Die am Wegesrand stehenden Ghosttrees (Indischer Stinkbaum - Sterculia urens ) treiben bereits die ersten frischen, grünen Vortriebe aus. Die Vegetation bereit sich auf den nahenden Monsun vor. Die Einheimischen ritzen den Stamm der Ghosttrees ein um ein Gummiharz zu gewinnen, das eine heilende Wirkung hat und in der pharmazeutischen Industrie als Karayagummi bekannt ist. An einer Wasserstelle sehen wir zum Abschluss noch einen Schmutzgeier und in einem nahen Baum einen Schlangenadler.
Teil 907. Dez. 2018
Bei der Nachmittagsausfahrt in eine andere Zone sehen wir erstmals Schakale in einiger Entfernung. Es ist wieder richtig heiß. Kaum Tiere zu sehen. Nach längerer Fahrt erreichen wir ein Wasserloch. Hier stehen viele Fahrzeuge. Im hohen Gras hinter dem Wasserloch liegt ein Tiger, heißt es. Immer mal wieder will jemand den Kopf mit dem Fernglas entdeckt haben. Der Tiger ist wohl tatsächlich da. Denn eine Gruppe Sambarhirsche kommt zum Wasserloch und bemerkt sofort die Anwesenheit der Raubkatze. Ein männliches Tier geht weit ins Wasser und droht mit aufgestellten Schweif in Richtung des versteckten Tigers. Immer wieder tritt er mit ausgestreckten Vorderläufen in Richtung des Verstecks der Katze. Lass uns in Ruhe! Wir sind wachsam. Im Schutz des Wächters kommen die Weibchen samt Jungtieren zum Trinken ans Wasserloch.
Als die Sambarhirsche ohne Zwischenfall abgezogen sind, werden auch die Hanuman-Languren mutig und kommen langsam von den umliegenden Bäumen.
Als ein Affe trinken kann ohne Angriff, kommt die ganze Gruppe ans Wasser. Danach erscheint ein Pfau und schlägt ein Rad um eine Henne zu beeindrucken. Als der sein Rad wieder einklappt läuft er zu einem Baum und mit nicht geahnter Sprungkraft hüpft er hoch in die Äste. Aber dann wird es richtig ruhig am Wasserloch. Nach einiger Zeit fragen wir den Guide, ob wir nicht besser weiterfahren sollten. Aber er ist sich absolut sicher, das der Tiger in Kürze ans Wasserloch kommt. Wir vertrauen auf den Guide. Haben wir doch schon oft erlebt, das die Führer selbst die Charakterzüge einzelner Tiere sehr gut einschätzen und erstaunlich genau das Verhalten vorher sagen können. Nun ja, diesmal will der Tiger aber nicht. Nach längerer Wartezeit läuft die Zeit ab und wir treten die staubige Rückfahrt an. Unserem Guide ist das sichtlich peinlich. Aber so ist eben die Natur. Letztlich machen solche Ausfahrten die tollen Tigersichtungen des Vormittags umso wertvoller.
Nach dem Abendessen treffen wir uns an einem eigens für uns entfachten Lagerfeuer. Fürsorglich haben die Lodgeangestellten daneben ein großes Klimagerät bereitgestellt. Ist ja auch eine lustige Idee, bei über 35 Grad am Abend ein Lagerfeuer zu schüren. Wir verzichten aber dankend darauf, das Klimagerät in Betrieb zu nehmen. Die Hitze des Feuers auf unserer Haut stört uns kaum noch. Kein Wunder nach der Hitze des Fahrtwindes bei der nachmittäglichen Anfahrt zum Gate auf der in der prallen Sonne liegenden Asphaltstraße.
Teil 1007. Dez. 2018
19.05.2018 Auf nach Kanha ! Heute frühstücken wir „erst“ um 6 Uhr. Denn wir fahren weiter zum Kanha Nationalpark. Unsere weiße Flotte steht bereits aufgereiht vor der Lodge. Wir fahren wieder durch ein ausgetrocknetes Land mit vielen kleinen Dörfern. Die Felder liegen brach. Alles wartet auf den Monsunregen. In einem kleinen Dorf halten wir. Unser Biologe hat in einem großen Baum mitten im Ort eine große Kolonie Flughunde entdeckt. Mehrere hundert Tiere hängen hier kopfüber an den Ästen. Ab und zu gibt es leichtes Gerangel unter den Tieren um die besten Plätze im Schatten.
Ein paar Meter weiter steht ein zweiter Baum mit Flughunden. Immer wieder fliegen einzelne Tiere über unsere Köpfe hinweg von einem Baum zum anderen. Mehrere -erfolglose- Versuche folgen, die Tiere im Flug zu fotografieren. Nebenbei können wir die Frauen des Dorfes beim Wasserschöpfen am Brunnen beobachten. Dann setzen wir die Fahrt fort. Einen weiteren Stopp auf unserer sechsstündigen Fahrt legen wir bei einem Fernfahrerhalt ein. Hier wird frischer Chai-Tee zubereitet. Wir sehen wie die Ingwerknollen und andere Gewürze in den Sud gerieben werden, der auf offenen Feuer köchelt. Hier trinken wir den besten Chai-Tee auf unserer gesamten Reise. Ein ganz junger Ziegenbock versucht seine Kräfte mit einigen Mitreisenden zu messen. Sie versuchen immer nur zaghaft ihn beiseite zu schieben. Erfolglos. Denn dieses Schieben und Drücken gehört für das Tier wohl zum Spiel. Dann kommt ein Junge und packt das Böcklein an einem Ohr und führt ihn fort. Aha, so geht das. Einen weiteren Stopp legen wir bei einem Motel ein, um Kaffee zu trinken. Die Stopps sind wichtig für die Fahrer. Denn es ist anstrengend, auf den engen, kurvigen Straßen zu fahren. Jederzeit muss mit allem gerechnet werden. Kühe stehen mitten auf der Straße, Ochsenkarren oder Viehherden versperren den Weg, überladene LKWs benötigen die gesamten Breite der Straße. Ganz zu schweigen von den Fahrrädern, Motorrädern, TukTuks und Fußgängern mitten auf der teils schmalen Fahrbahn. Dazu immer wieder Schlaglöcher, Straßenschäden und Baustellen. Wir sind froh, unseren Transferfahrer mit dem komfortablen Toyota Innova zu haben. Als wir das Tuli Tiger Resort erreichen, wartet natürlich schon das Mittagessen auf uns. Und wir erfahren die erste von mehreren Überraschungen. Wir wurden upgegradet. Unsere gebuchten Bungalows wären zwar frei, aber die Lodge hat unsere gesamte Gruppe in die noch luxuriöseren Zeltbungalows umgebucht. Ob dies wohl an unseren Begleitern liegt ? Raghu hat in der Lodge einige Jahre als Chef der Naturführer gearbeitet. Etliche der in der Lodge überall hängenden Tigerbilder wurden von ihm während dieser Ausfahrten mit den Gästen der Lodge aufgenommen. Zwei seiner Bilder sind sogar im offiziellen Tigerbuch des Kanha N.P. Wir laufen durch die Anlage und passieren ein weiteres großes Tor. Hier beginnt der Bereich der Zeltbungalows mit einem weiteren exklusiven Swimmingpool für diesen Bereich. Die Bungalows haben vier feste Wände mit großen Fensterfronten. Anstelle des Daches ragt dann ein riesiges Zelt darüber. Genauer mehrere Zelte. Das innere Stoffzelt wird von einem äußeren, strapazierfähigen und wasserdichten Zelt überspannt. Das Schlafzimmer ist riesig und mit Schreibtischen, Sesseln, Kommoden aus Holz wunderbar möbliert.
Im Badezimmer steht mitten im Raum eine Badewanne. Daneben gibt es jeweils eigene Räume für Dusche und Toilette und separate Nischen für die Reisetaschen. Und auch 2 (!) Terrassen mit Stühlen und Liegen fehlen nicht. Hammer. Wir sind beeindruckt. Nun ja, zu lange können wir uns aber nicht daran ergötzen. Schließlich wartet die erste Nachmittagsausfahrt auf uns.
Zunächst bekommen wir Gaur (Wildrinder) und einen der sehr scheuen indischen Muntjaks (kleine Hirschart) zu sehen.
Dann die Information eines anderen Guides: Warnrufe der Affen. Warnrufe der Tiere sind für die Guides ein wichtiges Hilfsmittel, um Tiger aufzuspüren.
Eine lange Fahrt zu einem Wasserloch folgt. Aber kein Tiger taucht dort auf. Während des Wartens am Wasserloch beobachten wir wieder Pfaue, Hirsche und im Wald hinter uns viele Hanuman-Languren die in den Bäumen umher klettern.
Wir drehen noch eine kleine Runde über einen Hügel. Aber erfolglos. Eine staubige Rückfahrt im Konvoi der Jeeps folgt. Nach dem Abendessen ziehen sich alle bald zurück. Die Müdigkeit fordert langsam ihren Tribut.
Teil 1107. Dez. 2018
20.05.2018 Tigerfieber Eine Mitreisende hat Geburtstag. Zum Kaffee am Morgen gibt es einen Kuchen mit Kerzen und kleine Geschenke. Dann geht es wieder raus mit den Jeeps. Heute ist es kühler als an den vorangegangenen Tagen. Das tut gut. Dies merken auch die Tiere und sind deutlich aktiver. Direkt nach dem Gate kommen uns drei Schakale entgegen und überqueren hinter uns die Straße. Dabei hatte ich meine Foto noch gar nicht bereit. Unser Fahrer findet am Boden eine schlafende Dschungelnachtschwalbe.
Diese nachtaktiven Vögel lassen sich tagsüber mitten im Gelände nieder, um zu schlafen. Leider oft auch auf Straßen.... Als wir nach einiger Fahrt aus dem Wald auf eine große grasbedeckte Ebene kommen, sehen wir eine große Herde Gaur. Wir postieren uns nahe bei ihnen und beobachten diese schönen Wildrinder beim Grasen.
Auf einem Erdhügel daneben sitzt ein Rabe. Und neben dem Erdhügel erkennt unsere Mitreisende eine Bewegung. Bei näherem Hinweise entdecken wir dort einen indischen Mungo, der Insekten fängt. Immer wieder wuselt er im Gras umher und richtet sich kurz auf, um die Umgebung zu sondieren. Währenddessen nähern sich die grasenden Gaur langsam der Piste. Irgendwann läuft die Leitkuh los und uns wird klar, die ganze Herde wird direkt vor uns die Piste überqueren. Es ist sehr eindrucksvoll, diese kraftvollen Tiere nach und nach samt Jungtieren vorbeiziehen zu sehen. Zwei große Bullen bilden den Abschluss und bleiben nicht weit von der Piste entfernt stehen. Als wollten sie die Herde gegen uns abschirmen.
Wir erfahren, das an einem Wasserloch eine Tigerin liegt. Wieder fahren wir eine weite Strecke. Um die Tigerin nicht zu verpassen, lassen wir unterwegs sogar die selteneren Hirschziegenantilopen die etwas weiter entfernt im Gelände stehen, außer acht. Nur ein schneller Blick und ein Foto im Vorbeifahren. Das Tigerfieber halt mal wieder...... Die Tigerin hat sich ein schattiges Plätzchen unter einen Baum ausgesucht. Hier liegt sie mit dem Hinterteil im Wasser. Tief und fest schlafend.
Na da hätten wir uns nicht so beeilen müssen. Wir fahren noch an eine andere Stelle hinter dem Liegeplatz der Tigerin und warten einige Zeit. In der Hoffnung, das die zunehmende Hitze die Tigerin vom Wasserloch vertreibt. Und sie hier an uns vorbei läuft. Was sie aber nicht tut. Als wir dann zurück zu den Antilopen fahren, sind diese natürlich schon weiter gezogen. Merke: auf Safari jede Sichtung sofort wahrnehmen. In der Natur ist immer alles in Bewegung. --- Außer tief und fest schlafende Tigerinnen 🙂 Wir fahren weiter und steuern einen Platz an, wo alle Fahrzeuge Frühstückspause machen. Denn wir haben diesmal unser Frühstück dabei. In der Ferne in einer Senke mit Wasserloch sehen wir die hier vorkommenden Barasinghahirsche, Auf deutsch auch als Zackenhirsche bezeichnet. Das Frühstück nehmen wir in einem Gebäude zusammen mit Fahrer und Guide ein. Danach noch kurzes Shopping im Souvenirshop auf dem Gelände. Eine Broschüre mit den Vogelarten wechselt den Besitzer. Ein Kapuzenshirt würde uns auch gefallen. Es ist aber nicht in der richtigen Farbe und Größe vorhanden. Bei der weiteren Pirschfahrt sehen wir neben Hanumanlanguren noch zwei Goldschakale um einem Baum herum.
Aber auch ein Wechselkuckuck und immer wieder die Hanuman-Languren begeistern und immer wieder.
Und auf dem Rückweg ein Wildschwein, das eine Suhle am Wegesrand zur genussvollen Abkühlung nutzt.
Alle Tiere verziehen sich jetzt in den Schatten. Zeit für uns, zur Lodge zurück zu kehren.
Teil 1207. Dez. 2018
Wald voller Tiger Mittags wird jetzt auch die Geburtstagstorte vom Morgen gefuttert. Kurz vor der Nachmittagsausfahrt laufen wir noch mit unserem Biologen, Raghu und Adi in das ausgetrocknete Flussbett direkt hinter unserer Lodge und installieren an einem Baum eine Kamerafalle. Wir sehen überall Pfade von Tieren und sind gespannt, was wir hier „einfangen“ werden. Außerdem ist es interessant, was unser Biologe uns darüber erzählt, wie Kamerafallen in der Wildtierforschung verwendet werden und was da alles zu beachten ist. Für Wildtierzählungen werden z.B. komplette Bereich mit 30-50 Kamerafallen versehen, um ein möglichst vollständiges Bild der in der Gegend anwesenden Tiere zu erhalten. Leider werden den Forschern immer wieder Kamerafallen von Wilderern gestohlen. Die lieben die Dinger gar nicht. Denn längst haben die Kamerafallen auch eine Rolle übernommen im Kampf gegen die Wilddiebe. Die Nachmittagsausfahrt bringt uns bereits nach kurzer Zeit eine Tigersichtung. Direkt an der Hauptpiste hat sich ein männlicher Tiger in einem Wasserloch niedergelassen, um die Nachmittagshitze im kühlen Nass auszusitzen.
Wir fahren weiter durch das uns bereits bekannte Waldgebiet und erreichen wieder die höher gelegene offene Ebene. Hier im Grasland hoffen wir, die Barasinghahirsche und die Hirschziegenantilopen nochmals zu finden. Aber es kommt anders. Plötzlich Aufregung. Rechts weit im Gelände zwischen Bäumen läuft eine Tigerin mit 4 Jungtieren entlang eines ausgetrockneten Flussbettes. Wir sehen sie einige Zeit aus der Ferne und fahren dabei immer wieder ein Stück weiter.
In einer Senke vor uns führt eine kleine Brücke über das ausgetrocknete Flussbett. Ein idealer Beobachtungspunkt. Aber leider stehen in der Senke auf und um die Brücke bereits 10-15 Jeeps. Da kommen wir nicht mehr in eine gute Position. Dennoch sollten wir da hin denke ich, um vielleicht doch ein paar Blicke zu erhaschen. Unser Fahrer bleibt aber weiter oben stehen. Warum, denke ich ? Aber er hat einen listigen Plan, wie uns bald klar werden sollte. Aus unserer erhöhten Position können wir durch die Bäume die Tigerin mit den Jungtieren lange vor den Jeeps in der Senke immer mal wieder kurz durch den Bewuchs sehen. Natürlich sind wir aufgeregt, deuten auf die Tiere. Versuchen irgendwie durch die Äste ein Foto hin zu bekommen. Die Jeeps unten beobachten unsere Aufregung und etliche Fahrer verlieren die Nerven – und fahren hoch zu uns. In dem Moment ruft unser Fahrer: „Hold on – we move“. Und fährt links halb an der Böschung an all den Jeeps vorbei. Und schon stehen wir mittig auf der Brücke. Zwar nur in der 2. Reihe. Aber so unverschämt wollte unser Fahrer wohl doch nicht sein, sich auch noch auf einen freien Platz in der 1. Reihe zu stellen. Ein Bravourstück ! Wir sollten noch ein weiteres Mal bemerken, wir vorausschauend unser Fahrer plant. Aber jetzt warten wir gespannt, das die Tiger aus dem Buschwerk im Flussbett auftauchen. Und dann ist es soweit. Zunächst taucht die Tigerin auf und dann nach und nach die 4 Jungtiere. Sie laufen genau auf uns zu.
Ihr Ziel ist ein kleines Wasserloch direkt unter der Brücke. Genau darüber stehen wir mit unserem Jeep ! Es ist unglaublich. Sowohl die Mutter wie auch die Jungtiere schauen immer wieder zu uns hoch. Vor allem die Jungtiere schauen uns mit einer Mischung aus Neugier und Scheu an. Sie kennen diese komischen Geschöpfe in den Blechkisten noch nicht so gut. Immer wieder hört man ihr unsicheres Maunzen in Richtung der Mutter.
Die Mutter bleibt aber ruhig und so marschieren auch die Jungtiere nach dem Saufen am Wasserloch mit neuem Selbstvertrauen die Böschung aus dem Flussbett hoch und überqueren die Piste vor uns.
Im Waldstück links von uns „wimmelt“ es jetzt vor quirligen Tigerjungen. Sie laufen kreuz und quer durch den Unterwuchs um die wartende Mutter umher.
Als diese sicher ist, das alle vollzählig die Piste überquert haben, marschiert die Familie weiter in den Wald hinein. Alle Insassen der Fahrzeuge sind sprachlos. Eine Stille und Ruhe liegt über der Senke. Wir blicken uns an und können kaum fassen was wir eben hautnah erlebt haben. Erst nach einigen Minuten löst sich diese atemlose Anspannung und wir reden aufgeregt über das soeben erlebte. Alle strahlen und sind glücklich. Nach dieser langen Sichtung wird es Zeit zur Rückfahrt. An der Lodge angekommen ist das Erlebte immer noch Thema Nummer 1. Unser Fahrer hat sein Handy an den Fahrer des Jeeps in der 1. Reihe weitergereicht. Dieser hat es bei laufender Handykamera über den Rand der Brücke gehalten. Auf dem Film sehen wir, was von der Brücke nicht einsehbar war: Die Tigerin mit den 4 Jungtieren beim Trinken am Wasserloch. Toll. In der Unterhaltung erfahre ich, das unser Fahrer bereits seit 20 Jahren Touristen durch den Park fährt. Er ist im Park aufgewachsen, denn sein Vater hat dort 40 Jahre als Mahoud gearbeitet, bevor er letztes Jahr in Rente gegangen ist. Wieder mal wird uns klar, welch handverlesenen Fahrer uns hier Raghu und Adi von India Nature Trails ausgesucht haben. Nach dem Duschen gehen wir zum Abendessen – oder besser gesagt, wir werden zum Abendessen gefahren. Denn die Überraschungen seitens der Lodge sind noch nicht zu Ende. Jeeps stehen für uns bereit und schon fahren wir durch die Dunkelheit. Es geht einige Minuten um das Gelände der Lodge herum. Hier in der Natur hinter der Lodge haben fleißige Helfer ein Lager extra für unser Abendessen aufgebaut. In zwei gegenüberliegenden Halbkreisen stehen Stühle für uns bereit. Vor jedem Stuhl ein kleines hockerähnliches Tischchen. Beleuchtet wird alles von Öllampen und Kerzenschein. Gekühlte Getränke werden uns gereicht. Und dann bekommen wir nach und nach immer neue kleine Köstlichkeiten auf unsere Teller serviert. Gemüse, Fleisch, Fisch, etc.. Alles sehr lecker. Als ich bereits recht satt bin, wird mir klar: Das waren nur die Vorspeisen, denn jetzt wird das Hauptbuffet eröffnet ! Während wir essen, unterhalten uns weitere Gäste: Die Baiga Dancer. Die Baiga sind eine Volksgruppe der Region. Sie haben bis in jüngste Zeit fern der modernen Welt gelebt und dabei abends regelmäßig zur eigenen Unterhaltung kunstvolle Lieder gesungen, begleitet von Trommeln und Tänzen. Dieses Können führt diese Gruppe uns nun vor. Eine tolle Atmosphäre. Wir sitzen im Dunkeln, erleuchtet nur durch Kerzenschein und in der Mitte unserer beiden Halbkreise sitzen die Musiker und spielen für uns. Als dann noch die Tänzer und Tänzerinnen dazu kommen ist das Bild perfekt. Zum Abschluss holen uns die Tänzer nach und nach alle in den Kreis und so tanzen wir zusammen um die sitzenden Musiker, die den Rhythmus unseres Tanzes vorgeben: Mal schneller, mal langsamer, aber immer mitreisend. Auch die Mitglieder dieser Gruppe kennt Raghu persönlich. Zum Abschluss gibt es noch eine weitere große Geburtstagstorte im Stile einer Schwarzwälder Kirschtorte ! Der Abend könnte noch ewig so weiter gehen, aber bei uns fordert das tägliche frühe Aufstehen langsam seinen Tribut. Weit nach 23 Uhr liegen wir in unseren Betten und schlafen mit den Eindrücken des Tages ein.
Teil 1307. Dez. 2018
21.05.2018 Auf der Lauer und stürmische Gewitter Es wird wieder ein kurzer Schlaf. Um 3:45 Uhr klingelt der Wecker, denn wir machen unsere Morgensafari in einem etwas weiter entfernten Sektor. Schon beim Aufstehen bemerken wir, wie schwül es heute ist. Der Tag beginnt ruhig. Wir sehen einige weibliche Barasinghahirsche im fahlen Morgenlicht. Dann lange Zeit nichts. Auch die Tiere bemerken die Schwüle und reduzieren ihre Aktivitäten auf ein Minimum. Wir durchqueren in einem Waldstück einen ausgetrockneten Bachlauf.
Danach geht es steil bergan und sofort wieder steil bergab. Hier trifft der Weg erneut auf den ausgetrockneten Bachlauf. Als wir oben auf der Höhe sind, plötzlich Warnrufe. Ein Tiger läuft im Bachlauf ! Unsichtbar für uns. Wir fahren erst auf die eine Seite zum ausgetrockneten Bachlauf, dann über den Berg wieder zum anderen Ende. Weitere Jeeps kommen dazu. Weitere Alarmrufe. Die Guides wissen: Im nicht einsehbaren Verlauf des Bachlaufes gibt es noch eine Stelle mit Wasser. Dort liegt der Tiger jetzt. Wir können ihn nicht sehen. Aber wir können die Reaktion der anderen Tiere auf die Anwesenheit des Tigers beobachten. Sambar- und Axishirsche geben Warnrufe und starren Richtung Tiger. Eine kleine Gruppe Gaur-Rinder mit Jungtieren möchte zum Wasser. Bleibt aber stehen und rückt nach und nach immer wieder vorsichtig einige Meter vor. Immer den Blick auf den für uns unsichtbaren Tiger gerichtet. Werden die großen Gaur den Tiger vom Wasser verdrängen ? Wir stehen lange Zeit mit ausgeschalteten Motor im Bachlauf und warten. Vögel lassen sich in der Nähe auf Ästen nieder, Schmetterlinge umschwirren uns. Wir nehmen die Geräusche des Waldes wahr. Nach einiger Zeit kommt Bewegung in die Situation. Über den Hang flüchten die Axishirsche nach oben. Der Tiger läuft wohl los. Unsere Spannung steigt. Aber um die Biegung im ausgetrockneten Bachlauf kommen – zwei Mitarbeiter des Nationalparks mit Äxten. Ja, der Tiger liegt am Wasser berichten die beiden. Als sie dort auftauchten, ist er kurz aufgestanden und einige Meter zurück gewichen, hat sich dann aber wieder an Ort und Stelle niedergelassen. Letztlich bleibt der Tiger also für uns unsichtbar. Dennoch war es ein eindrucksvoller Vormittag. Bei all unseren Ausfahrten freuen wir uns immer wieder, die farbenprächtige Hinduracke zu erspähen. Umso mehr als uns ein Guide erzählt, das die Hinduracke von der Landbevölkerung als Inkarnation von Shiva verehrt wird. Der Anblick dieses Vogels soll Glück für den ganzen Tag bringen. Gut, das wir auch an diesem Morgen schon die Hinduracke beobachtet haben und das Glück uns somit an diesem Nachmittag hold ist. Denn die Schwüle des Tages entlädt sich kurz vor unserer Nachmittagsausfahrt zunächst in einem kräftigen Regenschauer. Vor unserem Zeltbungalow stand schon die ganze Zeit ein Regenschirm bereit. Jetzt nutzen wir diesen, um trocken zur Rezeption zu kommen. Als die Jeeps kommen, hat es bereits wieder aufgehört zu regnen. Am Gate müssen wir wie immer warten, bis der Fahrer mit unseren Reisepässen die Registrierung vorgenommen hat. Während dieser Zeit fegen plötzlich heftige Sturmböen durch die Bäume. Der Sturm dauert kaum 15 Minuten, aber als kurz danach das Gate geöffnet wird und wir in den Nationalpark einfahren, sehen wir überall abgebrochene Zweige und auch dicke Äste mit viel Blattwerk auf den Pisten liegen. Am Gate hat uns zum Glück nur der Ausläufer des Sturmes gestreift. Je weiter wir in den Park fahren, umso deutlicher werden die Spuren der Sturmböen. Über teils große abgebrochene Äste und umgestürzte kleinere Bäume fahren wir mit unserem Jeep. Die Tiere haben des aufziehende Unwetter wohl gespürt und sich tief in sichere Bereiche des Waldes zurück gezogen.
Nach einiger Zeit müssen unser Fahrer und der Guide einen weiteren umgestürzten Baum beiseite räumen, der zu groß ist um mit dem Jeep darüber zu fahren. Aber dann ist irgendwann Schluss. Ein richtig dicker, sehr langer Baum liegt quer über die Straße. Hier kommen wir ohne Hilfe nicht durch. Wir drehen um und fahren zurück. Nach einiger Zeit kommt uns ein Arbeiter auf dem Fahrrad entgegen. Wir stoppen, unser Fahrer lädt den Arbeiter samt seiner Axt ein. Das Rad bleibt zurück. An der Blockade hakt der Arbeiter stöhnend und ächzend vor Anstrengung wie wild in wenigen Minuten (!) den Weg durch das harte Holz des Salbaumes für uns frei. Hier wird die Hierarchie ganz deutlich: Der Fahrer hat die ganze Zeit knappe, klare Anweisungen gegeben, der Arbeiter schuftet hart und unglaublich schnell und der Guide räumt die abgehackten Teile des Baumes beiseite. Und jetzt kann der Arbeiter zu Fuß zu seinem zurück gelassenen Fahrrad laufen, während wir weiterfahren. Die weitere Ausfahrt bringt bei diesem Wetter wenig Sichtungen. Lediglich einige männliche Barasingha-Hirsche sehen wir nach langer Fahrt im Dämmerlicht. Immer wieder türmen sich um uns herum dunkle Wolken auf und wir hören es donnern. Zum Glück kommen wir ohne weiteren Sturm aus dem Wald zurück. Uns ist bewusst, was für ein Glück wir hatten, das der Sturm wenige Minuten vor unserer Einfahrt in den Park getobt hat. Nicht auszudenken, wenn wir angesichts der herab gestürzten Äste und der umgestürzten Bäume bereits zum Zeitpunkt des Sturms im Park unten den Bäumen unterwegs gewesen wären. In unserem offenen Jeep ohne Dach. Kurz vor dem Gate wird es dann doch wieder sehr dunkel und fast augenblicklich beginnt ein heftiger Regenguss. Wir schlüpfen schnell in unseren Festivalcaps und bleiben trocken. Und hier zeigt sich wieder, wie vorausschauend unser Fahrer Amadit ist. Während alle anderen offenen Jeeps mit ihren Gästen im Regen weiterfahren, springen er und der Guide aus dem Wagen, ziehen die bereits zu Beginn der Ausfahrt bereit gelegte Abdeckung unten den hinteren Sitzen hervor und in wenigen Sekunden ist der Jeep geschlossen. Trocken fahren wir aus dem Gate zur Abmeldung, wo die anderen Jeeps mit ihren pudelnassen Gästen stehen. Zurück an der Lodge bringen wir schnell unsere Sachen in unseren Zeltbungalow und schon geht es mit anderen Fahrzeugen wieder los. Heute abend sind wir bei einem alten Freund von Raghu eingeladen, der mit seiner Familie in einen nahe liegenden Dorf wohnt. Nahe liegendes Dorf heißt in dem Fall, das wir etwa eine halbe Stunde auf einer mit tiefen Löchern übersäten Naturpiste durch die stockdunkle Nacht fahren. Ab und zu tauchen einzelne Häuser und Menschen auf. Einmal stoppt der Jeep vor uns. Raghu hat eine indische Schmucknatter am Wegesrand entdeckt. Wir sehen deutlich, wie das Reptil sich im Schein der Lampe im Gras bewegt und sich letztlich halb aufrichtet. Da lassen wir das Tier in Ruhe und fahren weiter. Wir erreichen das Dorf und das Anwesen des Freundes. Er gehört zur Minderheit der Gond, die hier in der Gegend zusammen mit den Baiga leben. Bei den Gond sind die Frauen Herrinnen über Haus und Hof. Am Eingang des Gehöftes sind drei rote Handabdrücke auf der weiß getünchten Lehmwand zu sehen: Ein Handabdruck jeder der drei hier lebenden erwachsenen Frauen. Nach einem schmalen, langen Durchgang erreichen wir den Innenhof. Rechts geht es ins Haus, links in ein Nebengebäude mit der „Sommerküche“. Wir ziehen unsere Schuhe aus und der Hausherr zeigt uns die einzelnen Räume. Das Haus ist komplett aus einem Lehm-Gemisch gebaut. Im Innern herrscht somit eine relativ konstante Temperatur, egal ob es draußen heiß oder kalt ist. Wir sehen die Regenzeitküche mit der alten Kochstelle am Boden und daneben den modernen Gasherd. Wohn- und Schlafzimmer folgen.
Ein schönes, gepflegtes Haus. Wieder im Innenhof werden wir ins Nebengebäude gebeten, wo die Frauen unser Abendessen an mehreren Kochstellen am Boden kochen. Sie erklären uns die einzelnen Gerichte und Zutaten. Im gesamten Innenhof sind Stühle, Bänke und Tische für uns aufgebaut. Sogar ein Klimagerät hat der Hausherr herangeschafft. Wir sind durch die Tage auf Safari aber mittlerweile schon so akklimatisiert, das wir ihn bitten, das Gerät auszuschalten. Nun sitzen wir zusammen und bekommen die gesamte Familie vorgestellt. Und natürlich sind auch etliche Kinder aus der Nachbarschaft da. Der Großvater ist über sechzig Jahre alt und freut sich sichtlich über unseren Besuch. Um so mehr als wir auch noch reges Interesse am selbst gebrannten Mahuaschnaps bekunden. Der Hausherr, sein Sohn will uns eine seiner Flaschen holen, wird aber sofort von seinem Vater zurückgerufen. Nichts da. Die fremden Gästen sollen nur den besten Mahuaschnaps bekommen – und den macht natürlich er und nicht sein Sohn. Und schon verschwindet der alte Mann im Dunkeln. Als er zurückkommt, stehen schon Gläser auf dem Tisch. Keine Schnapsgläschen, sondern Wassergläser. Und dieser werden nun gut halb gefüllt. Wir sind schon sehr neugierig, haben uns die Guides bei den Ausfahrten doch immer wieder den indischen Butterbaum (Madhuca longifolia), landläufig als Mahua-Baum bezeichnet, gezeigt und uns erzählt, das die Einheimischen aus den Blüten Schnaps herstellen. Jetzt steht dieser Schnaps vor uns. Ein erster Schluck lässt uns die milde Fruchtigkeit schmecken. Schmeckt eher wie ein Likör. Aber im Abgang kommt dann doch noch die typische Schärfe eines Schnapses. Lecker. Jetzt wird das Essen aufgebaut. Alles schmeckt sehr gut. Es wurde versucht, sehr mild zu kochen. Meine Frau und ich essen gerne scharf und so ist die Schärfe für uns genau richtig. Aber für einige andere ist es teils schon etwas zu scharf. Nach dem guten Essen ist jetzt für unseren Großvater Zeit für eine genussvolle Zigarette. Auch das haben wir von unseren Guides gelernt. Aus den getrockneten Blättern des Tendu-Baumes drehen die Einheimischen Zigaretten. Genau solche holt er jetzt hervor und fragt ob jemand auch eine haben möchte. Das lassen sich meine Frau und eine weitere Raucherin in unserer Gruppe nicht zweimal sagen. Blitzschnell sitzen sie neben bzw. zu Füßen des Großvaters und lassen sich eine dieser Zigaretten mit seinen Zündhölzern anzünden. Dann rauchen die drei selig grinsend ihr Zigarettchen. Der Großvater ist glücklich. Unsere Raucherinnen geben ihm im Gegenzug auch eine ihrer Zigaretten sowie ein Feuerzeug, das er nach kurzer Erklärung der Funktionsweise auch stolz in Gang setzen kann. Ein Stromausfall sorgt dafür, das wir an diesem milden Abend zusammen bei Mondlicht im Hof sitzen. Der Großvater ist ein Schelm. Grinsend greift er hinter sich und holt eine weitere Flasche Schnaps hervor. Leider können wir diese jetzt nicht mehr hier trinken. Aber wir nehmen sie gerne mit. Denn jetzt müssen wir langsam aufbrechen. Sind unsere Nächte doch sehr kurz auf dieser Reise. Es ist schon wieder weit nach 22 Uhr und die Rückfahrt wartet ja auch noch auf uns. Und um 4 Uhr ist die Nacht wieder um. Obwohl – eigentlich könnten wir morgen mal ausschlafen. Frühstück ist erst um 7:30 Uhr, da wir morgen früh eine relativ kurze Transferfahrt zum nächsten Park vor uns haben. Aber Raghu hat uns angeboten, morgen mit ihm bei Sonnenaufgang eine kleine Naturwanderung mit Vogelbeobachtung und dem Lesen von Tierspuren zu machen. Und wenn man schon mal die Gelegenheit hat, mit einem Naturkundler mit solch einem umfangreichen Wissen los zu ziehen – na klar, das Angebot nehmen wir gerne an.
Teil 1407. Dez. 2018
22.05.2018 Auf nach Pench zu unserem privaten Tiger Am Morgen treffen wir uns noch im Dunkeln am Swimmingpool, trinken gerne eine vom Lodgepersonal für uns zubereitete Tasse Kaffee und laufen dann los. Wir erfahren, das der Sal-Baum in der von uns bereisten Region nur im Gebiet von Kanha wächst. Denn junge Sal-Baum-Keimlinge brauchen andere Sal-Bäume als Schutz gegen Sonne und heftigen Regen, um zu wachsen. Wie auch bei Regenwäldern kann eine einmal abgeholzte Fläche nicht so einfach wieder aufgeforstet werden. Ohne den Schutz der großen Bäume sterben die junge Schösslinge. Wir sehen den Kothaufen eines Tigers,
Ameisenstraßen, Vögel und auch einige Frauen, die Tendu-Blätter sammeln – für die uns jetzt bekannten Zigaretten. Auf dem Rückweg bauen wir noch unsere aufgebaute Fotofalle ab. Wieder zurück wartet bereits das Frühstück und dann geht die Fahrt mit unserer weißen Flotte weiter zum Pench N.P. In der ersten Stunde fahren wir an einigen Dörfern der Gond mit ihren typischen blau-weißen Häusern vorbei. Wie jenes, das wir gestern Abend in der Dunkelheit besucht haben. Dann ändert sich der Bebauungsstil. Unterwegs machen die Fahrer wieder Pause und auch wir besorgen uns von einem Straßenverkäufer einen Chaitee. Mittags erreichen wir unsere neue Lodge (Tuli Tiger Corridor) beim Pench N.P. Das Mittagessen wartet auch hier schon auf uns.
Um 15:30 Uhr starten wir zur ersten Ausfahrt. Teilweise liest man, das im Pench Nationalpark eine geringere Chance auf Tigersichtungen besteht. Gut das wir jetzt doch schon etliche Tiger gesehen haben. Wir würden uns auch freuen, andere Tiere zu sehen. Aber irgendwie geht das bei der Tour nicht so recht. Aber lest selbst.... Unser Fahrer und der Guide besprechen viel miteinander. Gleich zu Beginn erspähe ich nahe der Piste einen Mungo. Kurze Zeit später sehen wir mehrere Schakale durch die Gegend streifen.
Danach fahren wir längeren Zeit ohne Sichtung. Dann ein kurzer Stopp. Dem Guide ist aufgefallen, das der Bügel für die Regenplane noch nicht abgebaut ist und und unsere Sicht leicht versperrt. Sie stellen den Bügel lose hinter unsere Sitzreihe. Da schlägt er jetzt aber ständig Metall auf Metall gegen die Bordwand. Ich bitte, den Bügel irgendwie festzubinden. Nach einiger Suche nach einer Schnur wird der Bügel kurzerhand zusammen gebogen und unter den Rücksitz gelegt. Auch gut. Jetzt ist jedenfalls Ruhe. Nachdem diese logistischen Problemchen behoben sind, geht die Fahrt weiter. Wir haben schon lange keinen anderen Jeep mehr gesehen. Nach einiger Zeit stoppen wir. Lange Zeit sucht der Guide mit dem Fernglas die Gegend ab. Dann plötzlich ruft er: Wildhund ! Und tatsächlich, als wir ein Stück weiterfahren, sehen wir einen indischen Wildhund, auch Dekkan-Rothund oder Dhole genannt, auf dem Waldboden sitzen. Einige Zeit beobachten wir das Tier, das seinerseits wieder uns beobachtet. Dabei auch einmal aufsteht, als wolle er weglaufen, es sich dann aber überlegt und sich wieder hinlegt.
Nach einiger Zeit fahren wir weiter. Wir stoppen an einem Wasserloch, um einige Hanuman-Languren und ein Wildschwein zu fotografieren und zu beobachten. Da haben wir zwar schon gefühlt 100 Bilder davon, aber es ist immer wieder schön, diese Tiere zu beobachten. Nicht einfach immer nur gehetzt umher fahren, um die nächste neue Art zu suchen und somit eine Sichtungsliste abzuarbeiten. Diese etwas entspanntere Art lohnt sich für uns immer wieder durch schöne Beobachtungen. Unsere dritte Mitreisende im Jeep ist genau der gleichen Meinung. Auch da haben wir wieder richtig Glück. Und diesmal wird unsere entspannte Art ganz besonders belohnt. Als wir gerade weiterfahren, kommt plötzlich ein männlicher Tiger über die Hügelkuppe gegenüber der Wasserstelle gelaufen. Hätten wir keinen Halt bei den Languren eingelegt, wären wir schon weit weg. Der Tiger läuft einige Meter, dann legt er sich gut sichtbar für uns hin. Lange Zeit beobachten wir das schöne Tier. Und das schönste daran: Weit und breit kein anderes Fahrzeug. Wir haben unseren ganz „privaten“ Tiger.
Zwischendurch fahren wir sogar mal weg für einige Minuten, weil der Guide vermutet, das der Tiger zum Wasserloch will und wir ihm im Weg sind. Aber er bleibt liegen. So fahren wir wieder hin und beobachten ihn weiter. Da wir sehr viel Zeit mit dem Tiger haben, beobachte ich immer mal wieder die andere Seite der Straße. Hier sitzen Rhesusaffen im Baum und beobachten auch den Tiger.
Nach und nach kommen die Affen runter von ihrem Zufluchtsbaum. Aber nicht, ohne alle paar Sekunden innezuhalten und den Tiger wieder genau zu fixieren. Nein, keine Bewegung des Tigers.
Also wieder einen halben Meter runter vom Baum – und STOPP! Hat der Tiger sich gerührt ?
Nein. Also weiter. So geht das eine ganze Zeit, bis die ganze Affenbande nach und nach den Boden erreicht und im Wald verschwindet. Als ein zweites Auto kommt steht der Tiger auf und läuft langsam nach hinten weg. Wir treten glücklich die Rückfahrt an. Abends essen wir am Swimmingpool. Wieder bekommen wir das Essen einzeln auf die Teller serviert. Dazu wurde eine Leinwand samt Beamer aufgebaut. Zunächst wird das Ergebnis der Kamerafalle gezeigt. Leider sind nachts nur einige Wildscheine und tagsüber mehrere Dorfbewohner in unsere Kamrafalle „getappt“. Danach hat unser Reiseleiter noch einen passenden Film auf dem Laptop, den wir uns anschauen: „ Das Dschungelbuch“ von Disney 🙂 Insofern passend, da Kipling durch einen in der Gegend um Pench gefundenen Wolfsjungen zu seiner weltberühmten Erzählung inspiriert wurde. Wir sind hier im Mogli-Land.
Teil 1508. Dez. 2018
23.05.2018 Auf der Jagd Die Morgenausfahrt beginnt in Sachen Sichtungsreihenfolge fast wie der Nachmittag zuvor: Schakale und zwei Wildhunde streifen durch die Landschaft.
Und dann treffen wir auf eine Ansammlung von Jeeps: Wieder ein Tiger ! Das dominante Männchen liegt zunächst hinter einem Baumstamm. Lediglich der Kopf ist zu sehen.
Dann erhebt er sich und läuft fast direkt auf uns zu und einige Meter vor uns über die Straße.
Zufrieden fahren wir weiter und erfreuen uns an der Natur. Wir erreichen eine Picknickstelle mit Toiletten. Hier sind bereits viele Jeeps versammelt. Auch wir machen hier Rast und verspeisen unser auf der Motorhaube ausgebreitete Frühstückspaket zusammen mit Fahrer und Guide. Bei der Weiterfahrt kommen uns 2 Elefanten samt Mahouds entgegen. Und einige Minuten später sehen wir das dominante Männchen wieder. Ganz ruhig streift der Tiger im Wald durch sein Revier.
Bleibt kurz stehen, um in typischer Katzenart ein paar Gräser zur besseren Verdauung zu fressen und läuft dann in den dichteren Wald, wo wir ihn aus den Augen verlieren.
Danach fahren wir mal wieder einige Zeit durch die Landschaft und beobachten Vögel und eine Horde Hanuman-Languren, die besonders malerisch in einem Baum verteilt sitzen und sich die grünen Blätter schmecken lassen.
Dann bitten wir unseren Fahrer, uns doch noch mal an einem besonders schönen Ghosttree vorbei zu fahren, der uns zuvor schon aufgefallen ist.
Nachdem wir diesen ausgiebig bestaunt und fotografiert haben, beobachten wir wieder Vögel, Landschaft und sonstige Axis.
Zuletzt sehen wir noch einen hohlen Baum mit einer Öffnung auf halber Höhe und einer weitere Öffnung weiter oben am Stamm. In der unteren Öffnung erkennen wir mindestens 5 Hanuman-Languren, die sich in den hohlen Baum reingequetscht haben. Ein köstlicher Anblick. Nach und nach kommen einzelne Tiere heraus und wir erkennen, das der ganze hohle Stamm bis oben voll ist mit Languren !
Diese Hanumanaffen schaffen es doch immer wieder mit noch aberwitzigeren Positionen, das wir sie fotografieren. Gefühlt Affenbilder Nummer 120 bis 130. 🙂 So geht auch diese Ausfahrt zu Ende. Unter Mittag beobachten wir kurz die Frösche auf dem Lodgegelände und die Agamen in unserer zusätzlichen Open-Air-Dusche hinter dem Bungalow.
Am Mittwoch nachmittag haben alle Nationalparks des Bundesstaates Madhya Pradesh geschlossen. Aber ein Teil des Pench Nationalparks liegt im Bundesstaat Maharashtra. Und dieser Teil des Parks ist auch nachmittags geöffnet. Hier ergibt sich auch die einmalige Gelegenheit, die ansonsten fixe Belegung der Jeeps zu ändern. Wir „tauschen“ also unsere Mitreisende gegen zwei andere Mitreisende. Und auch Adi und Raghu können uns auf dieser einen Ausfahrt begleiten. Adi als preisgekrönter Naturfotograf steigt natürlich in den Jeep mit unseren „Fotografen“, sprich den Mitreisenden mit den ganz großen Fotoapparaten. Raghu dagegen wird bei uns einsteigen. Wir fahren mit den Jeeps schon eine halbe Stunde eher los, da wir einige Kilometer vor uns haben, um über die Grenze der beiden Bundesstaaten zu kommen. Am Gate des Nationalparks angekommen, wechselt unser Fahrer noch den Jeep, wir nehmen unseren Guide auf und los geht es. Wir sind jetzt 7 Personen im Jeep ( 4 Reisende, Raghu, Fahrer, Guide ). Und da wird es schon recht eng auf den beiden Sitzreihen hinter dem Fahrer. Eine Mitreisende sitzt zum Glück auf dem Beifahrersitz. Aber dennoch müssen Raghu, der Guide und ich zu dritt auf der letzten Sitzbank richtig eng zusammenrücken. Für diese eine Ausfahrt ok, aber hier bekomme ich nochmals einen der Gründe bestätigt, warum wir diese Reise bei Diamir gebucht haben. In der Reisebeschreibung wurde ausdrücklich erwähnt, das max. 4 Personen pro Jeep fahren. Ein großes Plus an Komfort und ein Riesenvorteil beim Fotografieren. Denn die Jeeps sind normalerweise wie schon erwähnt immer mit 6 Reisenden belegt. Und dann hat man keinerlei Bewegungsfreiheit mehr. Wir wollen diesen Nachmittag in der Natur genießen und von Raghus Wissen über Tiere und Pflanzen profitieren und uns daher vor allem den anderen Dingen neben dem Tiger widmen. Aber plötzlich stehen einige Fahrzeuge vor uns und Raghu ruft: „Tiger“ Und tatsächlich bewegt sich ein junger männlicher Tiger auf einem Hügelrücken parallel zu unserer Piste. Ein Blick von Raghu auf das Tier genügt: „Er ist hungrig. Er wird jagen !“ .
Und er hat recht. In einer kleinen Senke voraus äst ein Axishirsch. Der Tiger hat diesen längst erspäht und schleicht nun geduckt minutenlang ganz langsam immer näher an das Tier heran. Wir beobachten dieses Anschleichen des großen Raubtieres mit atemloser Spannung.
Hier habe ich dann den Foto runtergenommen, Ich wollte das mit eigenen Augen sehen ! Denn jetzt spannt sich der ganze Körper des Tigers deutlich sichtbar an. Steif wie ein Brett steht der Tiger einen Moment mit kerzengeradem Rücken da und fixiert seine Beute. Raghu flüstert: „Das ist der Moment vor der Attacke. Ganz typisch. Fantastisch“. Dann sprintet der Tiger los und stürmt auf seine Beute zu. Aber der Axishirsch erkennt die Gefahr rechtzeitig und kann fliehen. Der junge unerfahrene Tiger bleibt sichtlich frustriert stehen,
geht noch einige Schritte und legt sich dann hin.
Deutlich sehen wir in minutenlang schwer hecheln. Dieser Angriff in der Nachmittagshitze hat ihn viel gekostet. Denn durch den Sprint ist der Tiger extrem aufgeheizt. Durch das Hecheln kühlt er sich wieder ab.
Raghu erklärt, das 90% der Angriffe bei Tag fehlschlagen. Erfahrene Tiger jagen fast immer nachts. Daher sei es ein unglaubliches Glück für uns, das wir diese -wenn auch erfolglose- Jagd eines Tigers mit eigenen Augen miterleben konnten. Unser Fahrer vermutet, der Tiger wird noch etwas liegen bleiben, um sich zu erholen und dann schnurgerade zum nächsten Wasserloch laufen, um sich zu erfrischen. Und wirklich erhebt sich der Tiger wenig später und läuft nach hinten in den Wald weg.
Der direkten Weg zum Wasserloch, wie die Guides wissen. Wir fahren also los, um vor dem Tiger am Wasserloch zu sein. Die Piste schlängelt sich durch den Wald. Nach einer engen Kurve stehen wieder mehrere Jeeps. Eine Tigerin hat im Gelände ihre 3 Jungtiere zurückgelassen, um ungestört umher streifen zu können. Nach und nach entdecken wir die drei ca. 8 Monate alten Jungtiere. Zwei von ihnen sitzen unter einen Baum am Hang.
Erst als eines der beiden Tiere den Hang hinunter läuft entdecken wir dort im Gras das dritte Jungtier.
Wir beobachten längere Zeit die Jungtiere, dann fahren wir aber doch weiter. Denn ohne die Mutter werden diese keine größeren Aktivitäten entfalten. Am Wasserloch angekommen, ist das Tigermännchen natürlich nicht mehr zu sehen. Die drei jungen Tiger haben uns ja „aufgehalten“. Nach diesem tigerlastigen Beginn fahren wir nun in einen abgelegenen Bereich des Nationalparks. Und hier bekommen wir einen Eindruck von Raghus Kenntnissen. Beeindruckend, was er alles über das Verhalten der Tiere weiß. Wir bekommen viele Vögel gezeigt. Und Raghu sagt immer, macht eure Kameras bereit und drückt ab, wenn ich es sage. Dann habt ihr den Vogel beim Abflug auf dem Bild. Und tatsächlich. Keine Ahnung, woran er den Moment erkennt, aber er liegt immer richtig mit seiner Vorhersage des Abfluges. Bei schwierig zu fotografierenden Motiven greift er auch mal nach der Kamera der Mitreisenden, um im manuellen Modus zu fotografieren. Denn er ist auch selbst ein versierter Naturfotograf. Raghu will uns einige schöne Landschaften zeigen. Im Wald tauchen immer häufiger Felsbrocken auf. Wir sehen wieder viele Vögel und endlich auch mal ein Streifenhörnchen, das sich tatsächlich fotografieren lässt. Unterdessen erzählt uns Raghu viel über die Tiere. Unter anderem erklärt er uns den Grund für die Alarmrufe der Hirsche und Affen, wenn diese einen Tiger bemerken. Der Ruf dient nicht etwa dazu, andere Tiere vor dem Tiger zu warnen. Nein, der Ruf ist für den Tiger, um ihm zu sagen: Ich habe dich entdeckt, es ist zwecklos mich anzugreifen, spare dir deine Kraft. Dabei gibt es in Sachen Alarmruf zwischen den einzelnen Hirscharten aber große Unterschiede. Sambarhirsche geben immer ehrliche Alarmrufe an. Sprich, sie nutzen den Ruf nur, wenn sie wirklich einen Tiger entdeckt haben. Axishirsche bluffen auch. Ist ihnen etwas nicht geheuer, setzen sie auch einfach mal so einen Alarmruf „ins Blaue“ ab. In der Hoffnung, das ein sich eventuell anschleichender, noch unentdeckter Tiger darauf herein fällt und die Jagd abbricht. In der Brunft setzen manche Axis-Männchen noch eins drauf. Wenn sie merken, das die von ihnen umworbene Weibchen nicht interessiert sind, setzen sie eine Alarmruf ab um die Weibchen bei der daraufhin von ihnen initiierten „Flucht“ mit sich zu locken. Ich habe lediglich 1x quasi aus der Hüfte ein Foto eines Sambar hinbekommen, der gerade einen AlarmCall absetzt. Wenn man bedenkt, das es entstanden ist, während der Fahrerwährend der Fahrt aufgrund des Calls abrupt stark abgebremst hat, ist es doch ganz gut 😄
Dann sehen wir zu unserer großen Freude noch eine Gruppe weiblicher Nilgau-Antilopen mit Jungtieren und einige Meter weiter sogar noch für eine kurze Zeit ein Männchen dieser schönen Antilopen.
Ein toller Abschluss dieser letzten Ausfahrt im Pench Nationalpark, der sich für uns ähnlich reich an Tigern erwies, wie die anderen besuchten Nationalparks.
Teil 1610. Dez. 2018
24.05.2018 Auf nach Tadoba Am nächsten Morgen können wir tatsächlich etwas länger ausschlafen. Frühstück erst um 7:30 Uhr. Da füllt man sich ja fast wie im Urlaub 🙂 Danach fahren wir zum Tadoba Nationalpark. Die meiste Zeit können wir auf eine vierspurigen, asphaltierten Nationalstraße fahren. An der Großstadt Nagpur vorbei führt uns unser Weg immer weiter nach Süden. Zur Mittagszeit erreichen wir unsere Lodge (IRAI Safari Retreat, Morhali) mit dem -wie immer- bereits bereitstehenden Mittagessen. Danach beziehen wir unsere Zimmer und richten uns ein.
Hier in Tadoba ist einiges anders: Es ist nochmals ein paar Grad heißer, die Nachmittagsausfahren beginnen bereits um 14:30 und enden schon um 18:30 Uhr. Und wir werden bei alle vier Ausfahrten neben unserem Fahrer auch immer den gleichen Guide behalten. Das alles bemerken wir aber erst nach und nach. Und noch etwas ist anders. Hier kosten große Kameras pro Ausfahrt zusätzlich 200 Rubien. Zahlbar am Gate. Bei der ersten Ausfahrt bittet mich daher unser Fahrer mit ihm vor zum Gate zu kommen. Während er unseren Guide am Schalter der Guide-Association holt, stehe ich mit unseren Reisepässen am Registrierungsschalter des Parks an. Als ich dran bin, ist unser Fahrer aber wieder da und regelt alles. Ich muss nur kurz meine Kamera zeigen und bestätigen, das wir keine größeren Kameras haben. Dann ist mein „Job“ beendet. Dennoch werden bei der Einfahrt direkt am Gate nochmals die Ausweise und Kameras kontrolliert. Alles eben etwas anders in Tadoba. Auch die Hauptpiste durch den Park ist hier durchgehend asphaltiert. Davon zweigen dann rechts und links viele Naturpisten ab. Noch einige uns neue Dinge: Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km wird ignoriert. Und nach einigen Kilometern kommt ein weiteres Gate. Hier müssen sich unsere Guides bei der Ausfahrt registrieren. Dieses innere Gate zählt anscheinend für die Zeitnahme zum rechtzeitigen Verlassen des Parks. Und alle Gedanken der Fahrer und Guides drehen sich hier noch stärker um den Tiger. Wir erreichen nach einiger Zeit ein Wasserloch, wo ein großer Gaurbulle zwei Tigerjungen ins Unterholz vertrieben hat.
Die Mutter hat die beiden wohl hier in der Nähe des Wasserlochs zurückgelassen, um auf einen Streifzug zu gehen. Wir beobachten die Szenerie einige Zeit. Eines der Tigerjungen ist besonders mutig und läuft durch das Unterholz zum Wasser. Aber nach einem Schnauben des Gaur zieht es sich doch wieder ins Unterholz zurück. Nach einiger Zeit fahren wir weiter, denn auch hier werden die Jungen nicht vor der Rückkehr der Mutter herauskommen. Wenige Minuten später kommen an ein weiteres Wasserloch mit etlichen Jeeps. Ein Tiger liegt hier gut sichtbar im Wasser. Eine Wohltat für die Katze in der Nachmittagshitze.
Wir dagegen stehen in unserem offenen Jeep in der zweiten Reihe in der prallen Sonne. Gut, das wir unsere weite, lange Kleidung samt den weiten Hüten an haben. So ist unser Körper doch zumindest der Sonne nicht direkt ausgesetzt und erhitzt sich nicht ganz so. Aber der Schweiß läuft auch bei uns in Strömen. Dann ergibt sich zum Glück eine Lücke zwischen den Fahrzeugen und wir können in den Schatten eines Baumes fahren. Jetzt stehen wir sogar in der ersten Reihe. Dennoch überlegen wir nach einiger Zeit, ob wir weiterfahren. Unser Fahrer schaut auf die Uhr und meint: Der Tiger wird um 17 Uhr aufstehen und los laufen. OK. Warten wir also noch die 15 Minuten. Und was soll ich sagen, um 17:00 Uhr fängt der Tiger an zu gähnen, sich zu strecken und 5 Minuten später steht er auf und läuft langsam den Hang neben dem Wasserloch hinauf und verschwindet im Wald
Wir fahren ein Stück weiter, um zu sehen, ob er einen Weg überquert. Aber der Tiger kommt nicht. Wir bitten unseren Fahrer und Guide nun nach anderen Tieren Ausschau zu halten. Und das wir uns gerne auf die Suche nach einen Lippenbär machen möchten. Lippenbären werden wesentlich seltener gesichtet als Tiger. Auf der weiteren Fahrt sehen wir noch an einem See Krokodile und viele Vögel. Als wir bereits die Rückfahrt auf der Hauptpiste angetreten haben, stoppt unser Fahrer plötzlich. Der Guide hat Alarmrufe gehört. Innerhalb wenigen Minuten haben die Fahrer und Guides nur mittels Handzeichen mit mehreren Jeeps eine lange Kette am Straßenrand koordiniert. Jeder Jeep immer in Sichtweise zum nächsten Jeep. So wird eine längere Strecke der Straße überwacht.
Aber es folgen keine weiteren Alarmrufe und so setzen wir nach einigen Minuten unsere Heimfahrt fort.
Teil 1710. Dez. 2018
25.05.2018 Tiger hautnah ........ Bei der Morgensafari haben wir jetzt also erstmals die selben Guide wie am Vortag. Das ist schon ein Vorteil, wenn der Guide weiß, was wir bei den vorherigen Ausfahrten gesehen haben – und vor allem, was er uns schon erzählt hat. Wir fahren heute langsamer. Suchen Vögel und kleine Tiere. Sehen wie jeden Morgen unseren Glücksvogel: Die Hinduracke. Kommen zu einigen Jeeps. Erfahren, das wir einen Lippenbär nur um wenige Minuten verpasst haben. Schlechtes Timing. Dann ein Rudel Wildhunde (Rothunde) direkt an der Straße an einem Wasserloch ! Gutes Timing.
Einige Zeit lang können wir die Tiere aus nächster Nähe beobachten.
In weiteren Verlauf finden wir eineHindu-Halsbandeure und (ich vermute) einen Nördlichen Schwarznackenhasen. Wir genießen die Natur.
Dann kommen wir an eine große Ansammlung von Jeeps. Gerade als wir am Ende der langen Reihe von Jeeps anhalten, kommt ein Stück voran die Tigerin Maya mit ihren zwei Jungtieren aus dem Unterholz. Perfektes Timing. Zunächst läuft die Tigerin auf der freien Fläche neben der Piste mit den stehenden Jeeps einige Meter in die andere Richtung von uns weg.
Aber ihre beiden Jungen laufen in unsere Richtung !
Da dreht auch die Tigerin um. Glücksgefühle. Jetzt läuft die Tigerin mit ihren beiden Jungtieren direkt auf uns zu.
Und dann nur 2-3 Meter entfernt an unserem offenen Jeep entlang an uns vorbei. „Dont move“ flüstert unser Fahrer. Wir sind seeeeeeeeeehr nahe dran an den Tigern ! Näher werden wir nie mehr im Leben einem wilden Tiger kommen.
Noch einige Zeit können wir den drei Tigern hinterher blicken, wie sie neben der Piste entlang laufen.
Alle Insassen der Jeeps halten den Atem an. Es ist minutenlang still, kein Jeep setzt den Tigern nach. Alle sind damit beschäftigt, zu begreifen und zu verarbeiten, was da eben passiert ist. Selbst die Fahrer und Guides schweigen. Dann löst sich die Spannung als die Tiger weit hinter uns in einen Seitenweg einbiegen und aus unserem Blickfeld verschwinden. Unser Fahrer starrt mich an und sagt: „Hast du gesehen, wie nah Maya mit den Jungen an uns vorbei gelaufen ist ?“ So als könnte er es selbst immer noch nicht fassen. Jetzt fahren doch 2-3 Jeeps hinter den Tiger her. Auch unser Fahrer will losfahren. Aber wir bitten ihn zu stoppen. Die Tigerin ist mit ihren Jungtieren auf uns zu gekommen. So sollte es sein bei Tierbeobachtungen. Verfolgen wir die Tigerin jetzt, ist das eine ganz andere Situation und setzt die Tiere unter Umständen unter Stress. Das muss nicht sein. Wir fahren ein Stück weiter an einen See. Unter einem schattigen Baum essen wir im Jeep unser Frühstückspaket wie immer zusammen mit unserem Fahrer und Guide. Vor uns am Seeufer ein großer Baum mit vielen Sittichen. Einmal fliegen alle Sittiche plötzlich über unsere Köpfe hinweg auf und davon. Ein Raubvogel ist der Grund. Als dieser weg ist, kommen die Sittiche nach und nach zurück. Der Guide zeigt mir auf seinem Handy ein Bild mit zwei Tigerbrüdern, die vor einigen Tagen unter diesem Baum lagen. Ein beliebter Rastplatz. Nicht nur für uns.
Teil 1810. Dez. 2018
…. und ein Kill ! Danach fahren wir weiter. Meine Frau entdeckt am Stamm einer Palme einen Bengalenwaran.
Er klettert den Stamm schnell hoch und verschwindet in den Palmblättern. Am Kot rings um die Palme erkennen wir, das in den Palmblättern eine Fledermauskolonie lebt. Es dauert einige Minuten. Dann lautes Rauscheln. Etliche Fledermäuse fliegen aus dem Blättern heraus. Aber nicht um zu fliehen. In einer Schleife kommen sie zurück und stürzen sich mit Schwung ungebremst zurück in die Blätter, um den angreifenden Waran zu verscheuchen. Plötzlich wird der Waran wieder sichtbar. Im Maul eine zappelnde Fledermaus.
Blitzschnell ist er den Stamm runter geklettert. Am Boden versucht er die Fledermaus zu töten. Mehrfach schlägt er sie gegen einen Felsen. Nach einigen Minuten Kampf, bei dem es mehrfach so aussah, als würde sich die Fledermaus befreien können, erschlafft diese und der Waran zieht sich mit seiner Beute unter einen großen Stein zurück, um sie zu verschlingen.
Nach dieser eindringlichen Szene beobachten wir ein Stück weiter noch eine Familie Gaur einige Zeit direkt am Straßenrand.
Dann verlassen wir um 9 Uhr die Kernzone und werden nur noch mal kurz aufgehalten durch einen "Roadblock". Zu dem Zeitpunkt hatte icdh mir zum wiederholten Male vorgenommen: Keine Langurenbilder mehr. Egal was die Burschen anstellen. Aber das musste dann doch wieder sein 😄
Und endlich gelingt mir auch ein Foto der flinken Hörnchen !
sind gegen 10 Uhr bei unserer Lodge. Die Safarizeiten in Tadoba sind auch am Vormittag kürzer. 6-9 Uhr in der Kernzone. Danach noch etwas in der Pufferzone bis zum äußeren Gate. Dadurch haben wir unter Mittag ungewohnt viel Zeit. Diese können wir aber auch brauchen zum Regenerieren. Ist hier im südlichsten Park unserer Route die Sonne und Hitze doch noch mal einen Tick heftiger: 48 Grad im Schatten erreicht das Thermometer.
Teil 1910. Dez. 2018
Die Nachmittagsausfahrt verläuft recht ruhig. Auch die Tiere ziehen sich bei der Hitze zurück. Wir suchen in den Wäldern auf einsamen Wegen fern aller anderen Fahrzeuge nach dem Lippenbär. Den „Luxus“ leisten wir uns nach den viele Tigersichtungen der Reise. Aber weder Lippenbär noch irgendwelche andere Tiere sind zu sehen. Wir fahren entlang eines ausgetrockneten Flussbettes. Aber auch hier ist nichts zu sehen.
Nach einer langen Fahrt durch völlig leere Gebiete erreichen wir eine Kreuzung. Von links oben kommen 4-5 Jeeps in schneller Fahrt auf uns zu. Die Tigerin Maya mit ihren 2 Jungen wurde wieder gesichtet. Da wir durch die lange Zeit ohne jegliche Sichtung irgendwelcher Tiere in der Nachmittagshitze mürbe sind, folgen wir den Jeeps. Unser Guide fragt uns extra nochmal: „Seit ihr sicher ? Da werden richtig viele Fahrzeuge sein, da nirgendwo sonst was gesichtet wurde.“ Sicher sind wir nicht wirklich. Aber nach gefühlt stundenlanger Fahrt durch das Nichts.... Am Sichtungsort angekommen bestätigt sich die Vermutung. Mehr als 20 Jeeps stehen an einer T-Kreuzung. In die Piste, an deren Rand die Tiger im Wald liegen, können wir gar nicht einbiegen. Selbst die Piste davor ist dicht. Unser listiger Guide dirigiert unseren Fahrer aber nach und nach durch den Pulk an der Einmündung der anderen Piste -vorbei ? Wir schlängeln uns durch alle Fahrzeuge und stehen jetzt erst recht richtig weit weg vom Sichtungsort in der anderen Piste. Unser Guide postiert unseren Jeep an einem Einschnitt der tief in den Wald reicht. Er vermutet, das Maya und die Jungen nicht wie von den Jeeps erwartet, die andere Piste überqueren, sondern durch den Wald über die Schneise in Richtung eines Wasserlochs laufen wird zur Erfrischung bei der Hitze. Und tatsächlich: Wenige Minuten später hören wir Tumult bei den anderen Fahrzeugen. Die Tiger haben sich erhoben und laufen – wie von unserem Guide vermutet – in unsere Richtung zu Wasserloch. Wir sehen die Tiere einige Momente über den Einschnitt laufen.
Jetzt fahren wir als nunmehr erstes (!) Fahrzeug vorneweg in Richtung Wasserloch und sichern uns dort die beste Beobachtungsposition. Perfekt ! Naja, beinahe. Denn leider legen sich die Tiger irgendwo im Wald wieder hin und kommen nicht zum Wasserloch. Aber unser Guide hat schon einen neuen Plan: Da alle Jeeps des Sektors hier sind, ist es an der Hauptpiste ruhig. Diese Piste quer durch den Park wird dann auch gerne von Tigern und anderen Tieren genutzt. Tiere sind auch nicht blöd: Warum durchs Unterholz quälen, wenn es einen freien Weg gibt. Vor allem ein Tigermännchen hat diese Vorliebe. Wir fahren los. Nach einiger Zeit sichten wir einen Haubenadler malerisch im Wald und machen einen Fotostopp.
Dann erreichen wir die Hauptstraße. Hier sind mittlerweile noch drei andere Jeeps mit der gleichen Idee. Und tatsächlich. Der männliche Tiger läuft hier entlang. Durch die Ankunft der anderen Wagen ist er ins Unterholz ausgewichen. Wir sind nur Minuten zu spät um ihn noch im Freien auf der Straße zu sehen, aber rechtzeitig genug, um ihn noch deutlich einige Zeit parallel zur Straße im Wald laufen zu sehen. Immer wieder können wir ihn deutlich durch Lücken in der Vegetation erkennen.
Als er tiefer im Wald verschwindet, fahren wir Richtung inneres Gate und dann weiter zum äußeren Gate. Wir fahren langsam. Halten nochmal Ausschau nach dem Lippenbär. Kurz vor dem äußeren Gate sehen wir etliche Jeeps stehen. Als wir ankommen, erfahren wir, das wenige Minuten zuvor eine Tigerin mit 4 Jungen die Straße überquert hat. So ist das eben auf Safari, manchmal hat man Glück und ist zur rechten Zeit am rechten Ort und dann ist man mal wieder die eine Minute zu spät. Da ist es gut, das wir auf dieser Reise so viele Ausfahrten gemacht haben. So gleichen sich die „richtigen und die falschen Zeitpunkte“ auf lange Sicht aus. Nach dem Abendessen setzen wir uns noch für einige Zeit mit unseren Reiseorganisatoren zusammen und machen eine Feedback-Runde. Wobei es echt schwer war, bei dieser tollen Reise ein „Haar in der Suppe“ zu finden. 🙂
Teil 2010. Dez. 2018
26.05.2018 Aus und „verspielt“….. Am nächsten Morgen starten wir zu unserer letzten Ausfahrt. Unser Guide biegt in die Richtung ab, welche die Tigerin mit den 4 Jungen gestern genommen hat. Das wir gestern zum Schluss immer einige Momente zu spät waren, hatte ihn sichtlich gewurmt. Wir fahren wieder enge, kurvige Pisten durch dichten Wald.
Suchen Tigerin und Lippenbär. Eine wunderschöne, einsame Fahrt weit ab der anderen Fahrzeuge bis zu einem weiteren ausgetrockneten, mit Felsbrocken übersäten Flussbett. Hier ist die Grenze zum gesperrten Bereich des Nationalsparks. Denn der weitaus größte Teil des Parks ist für Safaris gesperrt. Wir müssen umdrehen. Leider haben wir nichts gesichtet. Wir haben so was aber schon fast vermutet. Ähnlich wie an dem einen Tag in Kanha war es heute morgen bereits um 5 Uhr drückend schwül. Ein lähmendes Wetter, das auf Gewitter am Nachmittag und Abend hindeutet.
Alle Tiere ziehen sich an so einem Tag an kühle, geschützte Plätze zurück. Nach einiger Zeit treffen wir auf einige Jeeps, die an dem See stehen, wo wir am gestern früh unsere Frühstückspause gemacht haben. Dort lagen heute die beiden Tigerbrüder und haben vor einigen Minuten die Piste überquert und sind im Wald verschwunden. Das Timing mal wieder.... Wieder ein Stück weiter treffen wir auf viele Jeeps – und erstmals zu Fuß eine Rangerin samt Begleiter. Die Rangerin bestimmt, wer wo wie stehen darf. Ob das an einen anwesenden Jeep mit großer Fernsehkamera auf der hinteren Plattform liegt ? Tierfilmer bei der Arbeit ? Auf alle Fälle liegt hier wieder Maya mit ihren zwei Jungen im Unterholz. Fast unsichtbar. Und wieder stehen die Tiger nach kurzer Zeit auf und laufen über eine offene Grasfläche vor uns zu einem tiefer liegenden Wasserloch, das wir kaum einsehen können.
Immer mal wieder erhaschen wir einen Blick auf die übermütig im Wasser umher tobenden Jungtiere. Und dann kommen die Kids hoch auf die Grasfläche und fangen an, hier miteinander zu spielen. Gegenseitiges Belauern, beschleichen, anspringen, verfolgen. Was Katzenkinder eben so machen, um spielerisch die Jagdtechniken zu trainieren. Eine herrliche Situation und ein toller Abschluss für unsere Safaris.
Das Ganze ging noch einige Zeit so. Ich habe diese letzten Minuten unserer Safaris mit eigenen Augen zuschauen wollen und keine Priorität mehr auf Fotos gelegt. Irgendwann sagt der Guide, wir müssen jetzt los. Die Zeit läuft ab. Glücklich reißen wir uns los von den verspielten Tigerjungen und machen uns auf den Weg. Neben der Hauptpiste sehen wir noch kurz eine Vierhornantilope. Aber da habe ich den Foto längst glücklich und zufrieden weggepackt.