freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201117. Nov. 2018 · #1
Es gibt in Afrika Künstler, die aus Mangel an anderen Materialien Wertstoffe für ihre Projekte verwenden, die als wertloser Müll gelten, und bestenfalls irgendwann in der Landschaft verrotten. Dabei entsteht manchmal Erstaunliches. Wir stießen während unserer Reise hin und wieder auf Gegenstände aus recyceltem Material, z. B. Kinderspielzeug, selten jedoch auf Kunst, die sich mit Nachhaltigkeit paart und nachdenklich macht. Zur Erinnerung: Die Urbevölkerung hat ursprünglich keinen Abfall erzeugt. Erst die Weißen haben Plastikflaschen und Metalldosen mitgebracht.
Die Große Spitzkoppe im Erongo Gebirge in Namibia, genannt das „Matterhorn Afrikas“, wird von vielen auch einheimischen Touristen besucht. Am Eingang haben sich deshalb Souvenirverkäufer mit ihren mehr oder weniger originellen Marktständen niedergelassen und verkaufen Reste von Halbedelsteinen sowie selbst gebastelten Schmuck. Die Hütte aus Softgetränkedosen dient einem Händler als Schatten, Rückzugsort und zur Kundenwerbung. Sie ist der Spitzkoppe nachempfunden, wie das Foto des Originals zeigt. Ich habe nicht nachgefragt, könnte mir aber vorstellen, dass die Ranger bei ihren Kontrollgängen in dieser beliebten Urlaubsgegend säckeweise Getränkedosen einsammeln, die der Künstler als Material zum Bau der Hütte verwendet hat. Sogar der Schatten der Höhle unter dem Gipfel ist als Fesnsteröffnung nachempfunden.
Ein weiteres Beispiel für nachhaltige Kunst, diesmal aus plattgeklopften Getränkedosen, fanden wir in der Region Ghanzi (Botswana). Die Region hat sich dem Schutz der Geier verschrieben, die leider häufig vergiftet werden und vom Aussterben bedroht sind. Neben großen offiziellen Plakaten an mehreren Stellen steht gegenüber der Thakadu Lodge an der verkehrsreichen A2 dieser Recycling-Geier als doppelsinniges Mahnmal für den Erhalt der Umwelt.
1) Originelle und geniale (das Wort verwende ich hier bewusst, obwohl mir sein inflationärer Einsatz sonst nicht gefällt) Produkte sind folgende aus gebrauchten Teebeuteln hergestellten. Diese werden getrocknet und gepresst und mit dem vom Tee in angenehmen Brauntönen gefärbten Fleece werden sehr dekorative Artikel hergestellt. Zu besichtigen und zu kaufen in Hout Bay, CT, am Weg zu allen Sehenswürdigkeiten liegend. https://tbagdesigns.co.za/ Die Erfinderin hat damit unglaubliches geleistet und Vielen dort zur einer besseren Existenz verholfen, echt genial.
2) Vor Jahren gab es im Guggenheim Museum in Bilbao die Ausstellung „100 % Africa“ mit dutzenden Objekten aus "Abfall", wenn man das so nennen will. siehe Zuschrift # 539661 weiter unten für link zu Bildern
Werner
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201119. Nov. 2018 · #3
Hallo loser, danke für diese Beispiele, was du zeigst ist spannende Kunst. Hochinteressant! Meine Beispiele spielen in einer anderen Liga, deshalb würde ich sie unter einem anderen Blickwinkel bewerten.
Danke freshy für das Interesse, du hast schon recht betr. des Unterschieds. Hauptsächlich wollte ich für die "Tbags" https://tbagdesigns.co.za/ Reklame machen ....und das mache ich jetzt nochmals 😉 weil mich diese Idee und Initiative so beeindruckt hat.... ...und dann ist mir noch "100 % Afrika" eingefallen. Wir haben damals eine Reise durch Asturien so eingeteilt, dass wir das in Bilbao mitnehmen können und als wir hin kamen, waren sie mit dem Einräumen verzögert und noch nicht eröffnet 🙁 Ein paar Wochen später hatte ich das Glück dienstlich nach Bilbao zu "müssen". Normalerweise habe ich mich vor solchen Expertengeschwafelveranstaltungen meistens gedrückt, aber da habe ich gleich HIER geschrieen und habe die Ausstellung "mitgenommen" 😗 Sie war großartig und erst jetzt habe ich gesehen, dass mein Katalog schon fast eine Rarität ist. Die Bilder werde ich dann besser bald rausnehmen....denn hier https://africancontemporaryartnow.wordpress.com/2014/08/09/calixte-dakpogan-between-tradition-and-modernism/ und im google https://www.google.at/search?q=calixte+dakpogan+artist&rlz=1C1GCEA_enAT750AT750&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ved=2ahUKEwjmheT61-DeAhWQsKQKHaXtC1wQiR56BAgGEBc&biw=1396&bih=657 gibt es mehr davon, ganz "offiziell" 🙂 Werner
Schubs, zur Erinnerung an neue Beiträge und zur Überbrückung für Bessere, weil keine Kunst: Dieser Kamerad aus Pepsidosen hält schon seit Langem meine Fensterbank frei von Insekten
schubs dieser wilde Mann steht am Gelände der Tölpelkolonie in Lamberts Bay und besteht aus Strandgut und Walknochen
wegen des Gegenlichts musst ich die Farbe rausnehmen, damit das Bild noch irgendwie verwendbar wird
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201106. Dez. 2018 · #9
Hallo loser, den haben wir auch verewigt! Das habe ich total vergessen. Ich glaube, dass ich mal die Fotobücher durchforsten muss, was ich sonst noch so an Kunst aus Abfall im Laufe der Jahre fotografiert habe. Ich erinnere mich z. B. an 2 Rostfiguren in Maun.
Hallo freshy, In Südafrika gibt es ja ein phantastisches Angebot an phantasiereichen und originellen Objekten aus natürlichen Materialien bis „Abfall“. Das können sie sehr gut. Sicherlich ist das eher bei Kunsthandwerk einzuordnen, aber egal, für mich haben die Sachen einfach „was“ und ich bringe immer etwas davon heim. Oft werde Dosen bzw. deren Blech verwendet, so dass man auch große Herden von Blechtieren antreffen kann 😗 .
Werner
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201107. Dez. 2018 · #11
Guten Abend loser, dieser Thread gefällt mir 😘 . Ja, im Verwerten von "Wertstoffen" für die Kunst oder das Kunsthandwerk sind die AfrikanerInnen gut. Von der Farm Koiimasis haben wir 2011 z. B. einen kleinen Strauß 😉 aus Schrott mitgebracht. Wenn ich am Wochenende Zeit dafür habe, mache ich ein Foto davon. Das anhängende rostige Ehepaar vor dem Tor des ehemaligen Elektrizitätswerks in Maun habe ich gefunden. Es war 2014 schon ein bisschen zugebuscht, hat uns aber gut gefallen.
Cruiser2'530 Beiträge · seit 201107. Dez. 2018 · #12
freshy schrieb: Das anhängende rostige Ehepaar vor dem Tor des ehemaligen Elektrizitätswerks in Maun ...
ich habe dieses Bild fast falsch verstanden ..., das rostige Ehepaar. 😄
Beim zweiten Bild wurde mir erst klar das da noch eine Figur rechts steht. 🤩
Best Regards
Adolf
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freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201107. Dez. 2018 · #13
Cruiser, you made my day. Ich lache immer noch Tränen 🤩 😄 🤪 ! (Was meine "bessere" Hälfte kein bisschen verstehen kann 🙁 .)
Guten Tag freshy, folgendes ist nun OT. Diese Bilder stammen von einer Schaffarm im Nordkap. Die Besitzer haben den Schrott nicht als Rohstoff verwendet, sondern gleich direkt als Dekoration.
Und Humor hat man auch:
Kunst ist es keine, aber einfallsreich und originell, weil ja dort die nächste Boutique für Accessoirs nicht gerade um die Ecke liegt. Werner
Cruiser2'530 Beiträge · seit 201107. Dez. 2018 · #15
loser schrieb:Guten Tag freshy, folgendes ist nun OT. Diese Bilder stammen von einer Schaffarm im Nordkap. Die Besitzer haben den Schrott nicht als Rohstoff verwendet, sondern gleich direkt als Dekoration.
Hallo Werner, das ist doch kein Schrott, das sind Sammlerstücke und manche sogar Antiquitäten. 🤩
Best Regards
Adolf
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Cruiser2'530 Beiträge · seit 201107. Dez. 2018 · #16
Wer übrigends auch ganz tolle Sachen aus Altmetal/Schrott bastelt ist der Eigentümer vom Tsauchab River Camp. Dort stehen sehr viele in der Einfahrt und bei der Reception.
Best Regards
Adolf
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Und da fällt mir noch die Helen Martins aus New Bethesda ein (bitte googeln), die ihre jetzige Bekanntheit nicht nur ihrem Werk zu verdanken hat, sondern auch der Idee einiger Findiger, dem dorpie New Bethesada bescheidene Einkünfte durch Tourismus zu erschließen. Sie produzierte phantastische Figuren aus Zement über einer Stahlarmierung, teilweise „gaudihaft“ anmutend. Der Bezug zum Thema ist ihre Verwendung von Glas und Glasbruch, wovon einiges hier zu sehen ist https://www.youtube.com/watch?v=vN5q-Eokd5I und auf diesem Bild
Das Eulenhaus war/ist in Wirklichkeit ärmlicher als es in Video aussieht. Sie hat auch Glasbruch fein zermahlen und mit Acrylfarbe vermischt um interessante „Glitzereffekte“ auf den bemalten Objekten zu erzielen. Mit der Herstellung und Verarbeitung dieser Farbe hat sie ihre Gesundheit ruiniert. Wie immer man die Helen Martins und ihr Werk einstufen mag, ihre Entschlossenheit „ihr Ding“ in dieser Zeit in einem Dorf in der Karoo durchzuziehen, ist jedenfalls bewundernswert. Werner
freshyThemenstarter3'883 Beiträge · seit 201108. Dez. 2018 · #20
Toll, Werner, was du so alles ausgräbst. Ich glaube sogar, dass du gezielt danach suchst. Herzlichen Dank.Die Künstlerin und der Künstler auf den Videos sind wirklich gut. Kaum zu glauben wie kreativ man mit Zement und Schrott umgehen kann. Beides ist großes Können! Den Hippokopf hätte ich gern, denn so haben wir die Tiere meistens erlebt. Ich kann mit meinen Beispielen nicht mithalten, habe ein paar Skulpturen ausgebuddelt, die ich auf Reisen durchs südliche Afrika quasi im Vorbeigehen 'geknipst' habe. Teils von Künstlern, teils von Hobbykünstlern geschaffen. Kennst du Maboneng in Jo'Burg? Dort habe ich 2013 die ersten drei Skulpturen in diesem Post, Skulpturen aus Schokolade und viele künstlerische Fresken entdeckt. Das Zebra und das Krokodil entstanden in diesem Jahr im Ngepi Camp. Den Vogel Strauß hat 2011 die Farmerin auf Koiimasis verkauft. Er heißt Franz-Josef 😉 und ist nur 20 cm hoch. Leider wollte sie den Künstler nicht nennen, ich hätte ihn gerne in der Werkstatt besucht. Inzwischen werden ähnliche Figuren von vielen Künstlern oder auch Dilettanten hergestellt.
Einen friedlichen 2. Adventssonntag wünscht dir freshy