Hallo,
hier ein kleiner Bericht über unser tolles Erlebnis "Imfolozi Short Wilderness Trail" im Februar 2018.
Etwas mehr Bewegung, nicht immer nur im Auto sitzen, nicht ständig Motor- anstatt Naturgeräusche, alles hautnah, ohne Blech und Glas dazwischen, sollte es heuer sein; und so wurde es auch.
Die Nacht vor, und jene nach der Wanderung, verbringen wir im Safarizelt im Mpila Camp. Am Nachmittag kommt ein netter, gut gelaunter Mitarbeiter vorbei, und bringt uns zwei Packtaschen. Diese würde er später, nachdem wir alles für drei Tage Busch Notwendige darin verstaut haben, wieder abholen. Die gefüllten Packtaschen werden dann am nächsten Morgen auf Eseln geladen, die dankenswerterweise unser Zeug durch den Busch, bis in jenes Camp schleppen, das die nächsten beiden Nächte unser Zuhause sein wird. Wir, also wir Menschen, brauchen dann nur mehr einen kleinen Tagesrucksack, Fernglas, und Fotoausrüstung zu tragen.
Der Start der Wanderung ist mittags, der Treffpunkt die Rezeption des Mpila Camps. Hier lernen wir unsere beiden Guides Jabo und Petrus, und unsere vier Mitwanderer kennen; ein Paar aus Finnland, sowie einen jungen, indischen Arzt aus Kapstadt, mit seiner Freundin aus Oberösterreich, ebenfalls Ärztin. Nun sind auch meine letzten Was-wäre-wenn-Ängste zerstreut; was soll einem mit zwei Bewaffneten und zwei Ärzten schon groß passieren? Damit es am Ende der Wanderung für alle bequemer ist, fahren wir unsere Wagen zum Mndindini Base Camp, wo sie bis zum Ende des Trails parken. Dann schwingen wir uns alle auf die Ladefläche eines Bakkies, und fahren an Mpila vorbei, in westliche Richtung, von wo aus die Wanderung startet.
Ach ja, es hat zu nieseln begonnen. Also kramt jeder noch vor Abmarsch aus seinem Tagesrucksack den entsprechenden Regenschutz. Nach einer kurzen Einweisung durch Jabo: schön brav im Gänsemarsch, nicht schwätzen, mit der Zunge oder den Fingern schnalzen, wenn man ein Anliegen hat, zusammenbleiben, geht’s auch schon los. Jabo legt ganz schön Tempo vor, denn wir müssen unser Übernachtungscamp, das sieben Kilometer entfernt liegt, vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Trotzdem bleibt ausreichend Zeit immer wieder anzuhalten, und Jabos und Petrus Erklärungen zu Fauna und Flora zu lauschen. „Schnalz“… Petrus deutet vor ihm auf den Erdboden. Was wir hier sehen, möchte er wissen. So lange ich diesen Flecken Erde auch anstarre, da ist nichts; den anderen geht’s ähnlich. Petrus nimmt ein kleines Stöckchen, und hebt mit diesem einen bis jetzt für alle unsichtbaren Deckel aus Erde in der Größe einer 5-Rand-Münze, und kippt es zur Seite. Ah, ja, das kennen wir! Das ist doch die Behausung einer Spinne! Mit vereinten Kräften, um genau zu sein, mit einem Grashalm, wird nun versucht das Tierchen aus seinem Bau zu kitzeln.
Nachdem alle die Spinne ausgiebig bewundert, und natürlich fotografiert haben, wird aus dem Nieseln ein heftiger Regen, weshalb wir nun noch zügiger weitergehen. Ich bin mir nicht ganz sicher ob meine Regenjacke undicht ist, oder die innere Feuchte dem Tempo Jabos zuzuschreiben ist. Auch von meinem Hut rinnen mittlerweile Sturzbäche. „Schnalz“… Jabo deutet uns stehen zu bleiben. Hier wäre unser Camp. Alle schauen sich erstaunt um, denn da ist kein Camp. Ok, nur mehr ein Hügel, dann wären wir da, meint Jabo, sichtlich zufrieden mit seinem Scherzchen im Regen. Aber dann ist es wirklich geschafft, vor uns liegt das Mphafa Trail Camp, und der Regen hört auf.
Das Mphafa Camp besteht aus acht Zelten. Vier sind für die Teilnehmer, von denen es maximal acht geben darf, zwei für die Guides, eines für den Koch, und eines ist das Küchenzelt. Sogar ein eigener Koch, wir sind beeindruckt! Dieser wird uns auch gleich vorgestellt, und ich hoffe er verzeiht mir, dass ich seinen Namen vergessen habe.
Dann folgen die Regeln, schließlich gibt es ja überall Regeln, also auch hier im Busch. Regel Nummer eins dreht sich um ein hier im Forum ziemlich kontroverses Thema, das Geschäft, das große und das kleine. Weil wir aber alle anständigen Leute sind, bekommt das Kleine die Nummer 1, und das Große die Nummer 2. Nummer 1 darf man tagsüber rund ums Camp ganz alleine ausüben; beim Marschieren gilt: „Schnalz“, Anliegen vortragen, Guides checken die Umgebung, und geben dann ihr Ok für einen bestimmten Platz, hinter einem bestimmten Busch. Nachts, darf man Nummer 1 gleich hinter dem Zelt, nachdem man die Gegend mittels Lampe auf etwaige tierische Feinde sondiert hat. Nummer 2 gestaltet sich schon schwieriger. Bei Tageslicht im Camp gilt: Spaten, Clopapier, und Zünder an sich nehmen, und einen geeigneten Platz rund ums Camp suchen. Loch graben, Nummer 2 erledigen, Clopapier abbrennen, Loch zuschaufeln. Ist eben genanntes Equipment nicht an seinem Platz beim Baum, ist der Busch „besetzt“. Beim Wandern hat Petrus die transportable Version des Spatens dabei, und zückt diesen nach „Schnalz“ und Vorbringen des Anliegens, und Checken der Umgebung, und Zuweisung des einen, richtigen Busches. Wer Nummer 2 nachts erledigen muss, kommt nicht darum herum den jeweilig „diensthabenden“ Guide zu wecken, welcher dann den bewaffneten Begleiter macht. Ich denke das Thema ist somit erschöpft…
Kommen wir also zur Duschregel: vor dem Küchenzelt kocht ständig Wasser in einem Riesentopf. Daneben steht ein Kübel. Wer duschen möchte, befüllt den Kübel zur Hälfte mit kochendem Wasser, und ergänzt den Rest aus einem Kanister mit kaltem Wasser. Dann schleppt man, oder lässt von einem Charmeur schleppen, den vollen Kübel etwa 50 Meter in den Busch, zu der dort installierten Buschdusche. Kleidung und Handtuch finden auf den umliegenden Büschen Platz. Ist der Kübel nicht an seinem Platz, ist die Dusche besetzt.
Nun geht es ans Beziehen der Zelte. In allen gibt es zwei Matratzen mit Leintuch, Polster, und Decke, sowie eine Kiste mit weiteren Decken. Das ist die Einrichtung, mehr gibt’s nicht. Als nachteilig empfunden haben wir den Mangel an Möglichkeiten nasse Sachen im Zelt aufzuhängen.
Vor dem Küchenzelt gibt es eine Art Stehtisch, auf dem Tee, Kaffee, Saft, und Trinkwasser zur freien Entnahme zur Verfügung stehen. Kochendes Trinkwasser steht ständig über einem weiteren Feuer bereit, das inmitten mehrerer Sitzpolster unter einem Baum lodert.
Noch vor dem Abendessen kredenzt der Koch frisch gebackenes, duftendes Buschbrot das mit Käse überbacken ist. Dafür gibt’s von allen 100 Punkte für den Koch!
Weil wir bereits im Vorfeld wussten, dass es keine alkoholischen Getränke gibt, haben wir für die beiden Abende im Busch, jeweils einen halben Liter Rotwein im Tetrapack besorgt, und von den Eseln ins Camp tragen lassen. Da muss man einfach Abstriche machen beim Sundowner; wenn die Sonne nicht untergeht, weil sie den ganzen Tag nicht zu sehen war, passt Wein aus dem Tetrapack, getrunken aus Metallbechern hervorragend dazu!
Dann verkündet der Koch, dass angerichtet sei; es gibt gegrilltes Fleisch mit Reis und Salat. Ein paar Krabbelkäfer haben, angezogen durch den Lichtschein der Stirnlampen, ihr vermeintlich neues Zuhause zwischen den Salatblättern gefunden. Es ist aber nicht Teil der positiven Absolvierung des Trails diese mitzuessen, wie es in einer bestimmten Fernsehserie, besetzt mit C-Promis üblich ist; man darf sie rausklauben, und wieder in die Natur entlassen.
Satt und zufrieden lassen wir den Tag am Feuer bei heitern Gesprächen ausklingen, bevor sich alle in ihre Zelte verziehen.
Gruß Gina
Fortsetzung folgt
hier ein kleiner Bericht über unser tolles Erlebnis "Imfolozi Short Wilderness Trail" im Februar 2018.
Etwas mehr Bewegung, nicht immer nur im Auto sitzen, nicht ständig Motor- anstatt Naturgeräusche, alles hautnah, ohne Blech und Glas dazwischen, sollte es heuer sein; und so wurde es auch.
Die Nacht vor, und jene nach der Wanderung, verbringen wir im Safarizelt im Mpila Camp. Am Nachmittag kommt ein netter, gut gelaunter Mitarbeiter vorbei, und bringt uns zwei Packtaschen. Diese würde er später, nachdem wir alles für drei Tage Busch Notwendige darin verstaut haben, wieder abholen. Die gefüllten Packtaschen werden dann am nächsten Morgen auf Eseln geladen, die dankenswerterweise unser Zeug durch den Busch, bis in jenes Camp schleppen, das die nächsten beiden Nächte unser Zuhause sein wird. Wir, also wir Menschen, brauchen dann nur mehr einen kleinen Tagesrucksack, Fernglas, und Fotoausrüstung zu tragen.
Der Start der Wanderung ist mittags, der Treffpunkt die Rezeption des Mpila Camps. Hier lernen wir unsere beiden Guides Jabo und Petrus, und unsere vier Mitwanderer kennen; ein Paar aus Finnland, sowie einen jungen, indischen Arzt aus Kapstadt, mit seiner Freundin aus Oberösterreich, ebenfalls Ärztin. Nun sind auch meine letzten Was-wäre-wenn-Ängste zerstreut; was soll einem mit zwei Bewaffneten und zwei Ärzten schon groß passieren? Damit es am Ende der Wanderung für alle bequemer ist, fahren wir unsere Wagen zum Mndindini Base Camp, wo sie bis zum Ende des Trails parken. Dann schwingen wir uns alle auf die Ladefläche eines Bakkies, und fahren an Mpila vorbei, in westliche Richtung, von wo aus die Wanderung startet.
Ach ja, es hat zu nieseln begonnen. Also kramt jeder noch vor Abmarsch aus seinem Tagesrucksack den entsprechenden Regenschutz. Nach einer kurzen Einweisung durch Jabo: schön brav im Gänsemarsch, nicht schwätzen, mit der Zunge oder den Fingern schnalzen, wenn man ein Anliegen hat, zusammenbleiben, geht’s auch schon los. Jabo legt ganz schön Tempo vor, denn wir müssen unser Übernachtungscamp, das sieben Kilometer entfernt liegt, vor Einbruch der Dunkelheit erreichen. Trotzdem bleibt ausreichend Zeit immer wieder anzuhalten, und Jabos und Petrus Erklärungen zu Fauna und Flora zu lauschen. „Schnalz“… Petrus deutet vor ihm auf den Erdboden. Was wir hier sehen, möchte er wissen. So lange ich diesen Flecken Erde auch anstarre, da ist nichts; den anderen geht’s ähnlich. Petrus nimmt ein kleines Stöckchen, und hebt mit diesem einen bis jetzt für alle unsichtbaren Deckel aus Erde in der Größe einer 5-Rand-Münze, und kippt es zur Seite. Ah, ja, das kennen wir! Das ist doch die Behausung einer Spinne! Mit vereinten Kräften, um genau zu sein, mit einem Grashalm, wird nun versucht das Tierchen aus seinem Bau zu kitzeln.




Nun geht es ans Beziehen der Zelte. In allen gibt es zwei Matratzen mit Leintuch, Polster, und Decke, sowie eine Kiste mit weiteren Decken. Das ist die Einrichtung, mehr gibt’s nicht. Als nachteilig empfunden haben wir den Mangel an Möglichkeiten nasse Sachen im Zelt aufzuhängen.
Vor dem Küchenzelt gibt es eine Art Stehtisch, auf dem Tee, Kaffee, Saft, und Trinkwasser zur freien Entnahme zur Verfügung stehen. Kochendes Trinkwasser steht ständig über einem weiteren Feuer bereit, das inmitten mehrerer Sitzpolster unter einem Baum lodert.
Noch vor dem Abendessen kredenzt der Koch frisch gebackenes, duftendes Buschbrot das mit Käse überbacken ist. Dafür gibt’s von allen 100 Punkte für den Koch!
Weil wir bereits im Vorfeld wussten, dass es keine alkoholischen Getränke gibt, haben wir für die beiden Abende im Busch, jeweils einen halben Liter Rotwein im Tetrapack besorgt, und von den Eseln ins Camp tragen lassen. Da muss man einfach Abstriche machen beim Sundowner; wenn die Sonne nicht untergeht, weil sie den ganzen Tag nicht zu sehen war, passt Wein aus dem Tetrapack, getrunken aus Metallbechern hervorragend dazu!
Dann verkündet der Koch, dass angerichtet sei; es gibt gegrilltes Fleisch mit Reis und Salat. Ein paar Krabbelkäfer haben, angezogen durch den Lichtschein der Stirnlampen, ihr vermeintlich neues Zuhause zwischen den Salatblättern gefunden. Es ist aber nicht Teil der positiven Absolvierung des Trails diese mitzuessen, wie es in einer bestimmten Fernsehserie, besetzt mit C-Promis üblich ist; man darf sie rausklauben, und wieder in die Natur entlassen.
Satt und zufrieden lassen wir den Tag am Feuer bei heitern Gesprächen ausklingen, bevor sich alle in ihre Zelte verziehen.
Gruß Gina
Fortsetzung folgt

