Liebe Fomis, unser Reisebericht und die Fotos sind fertig. Wenn jemand nur Interesse an den Fakten unserer diesjährigen Reise hat, muss nach meinem ersten Eintrag nicht weiterlesen. Für Liebhaber von Reiseberichten wird es ausführlicher. Nach und nach werde ich das Tagebuch einstellen und Fotos beifügen. Aber: Niemand muss das lesen und die Bilder angucken. Beides habe ich für den privaten Gebrauch zusammengestellt. Ich würde mich trotzdem freuen, wenn der eine oder die andere Interesse an unserer Tour zeigen würde.
Die Fotos von Pflanzen und Tieren habe ich mit den Bezeichnungen versehen, die ich finden konnte. Carruthers und die regionalen Infos haben mich oftmals verwirrt, weil die Bezeichnungen z. T. in Afrikaans, Englisch, Deutsch oder nur Latein aufgeführt sind.
Fakten
Route: s. Map: 4 937 gefahrene Kilometer
Flug: Gabelflug mit SAA Kapstadt hin; Windhoek zurück, jeweils über Johannesburg Anflug auf Johannesburg
Fahrzeuge: - kleiner Pkw für 2 Tage in Kapstadt über Mietwagen-billiger.de, günstiger Preis, unkomplizierte Abwicklung, empfehlenswert - Buschcamper von Africamper auf Toyota Hilux vom 17. 8. bis 18.9., plus Einwegmiete (400 Euro). Besonderheiten an Bord: Porta Potti, eigenes elektr. 500W-Heizöfchen, Moskitonetz am Einstieg zur Kabine
Heizöfchen
Wildcard: wurde häufig eingesetzt, gültig bis zum letzten Tag im KTP
Fotoausrüstung und Technik: - Canon 600D, Objektiv Sigma 17 – 70 mm; Canon 7D, Objektiv Canon EF 70 – 300 L IS USM, Polfilter, Ergebnis: 1900 Fotos - Notebook, sog. eeePCmit SSD, für Mails und Reisetagebuch im Web - Mobiler WLAN-Router mit Vodacom SimCard - Garmin Nüvi mit Karten von T4A und OSM, SD-Speicherkarte mit komplett gerouteter Strecke - Handy bekam eine SA-Identität, war mehrfach im Einsatz
Literatur: - Fauna und Flora im südlichen Afrika von Vincent Carruthers - Südafrika, Reiseführer von Stefan Loose - National Parks and Nature Reserves, South African Field Guide, von Chris & Mathilde Stuart - Sanparks Infohefte über Namakwa NP, Augrabies Falls NP und KTP, - Know How-Straßenkarten Südafrika und Namibia
Unterkünfte: Die teuerste Campsite kostete Rand 350/2P/Nacht – die billigste Rand160/2P/N. Die B&Bs Rand 800 oder 900 für 2P/N. Näheres zu einzelnen Unterkünften kann bei Interesse im Reisebericht nachgelesen werden.
2 Ü B&B „Two Oaks“ in Somerset West, günstige Lage zur Campervertretung, riesige Mall in der Nähe für den ersten Einkauf,
2 Ü Camping Palmiet in Kleinmond, direkt am Meer, riesiger Platz mit teilweise schönen Nischen als Campsites, Ablutions okay, der Besitzer auch, während unseres Aufenthalts fast leer, günstige Lage für Walbeobachtung in Hermanus und Pinguinbesuch in Betty’s Bay
1 Ü Camping Oat Lands in Simon’s Town, Halbinsel Cape of Good Hope, terrassiert, steile Zufahrt, keine Bewertung, da wegen eines Baggerbisses teilweise Stromausfall, Baustelle wegen Verlegen neuer Wasserleitungen
1 Ü Tietiesbaai bei Paternoster, Westcoast NP, riesiges Gelände am Meer mit glatten Felsen ohne sichtbare Einteilung von Campsites, Hinweise auf mögliche Stellplätze liefern die betonierten Braaigestelle, traumhafte Lage, teilweise weiter Weg zu den Ablutions, Warmwasser funktionierte nicht, kein Strom
1 Ü Mosselbank B&B in Paternoster wegen einsetzender Kälte und starkem Regen, gemütlich mit Heizung
3 Ü Wilderness Area Algeria, Cederberg NP, schön gelegen unter Zedern mit Ausblicken auf die Berge, gute Ablutions mit Sinks fürs Abspülen und für Wäsche, die Stromkästen funktionieren nur teilweise
2 Ü Lambertsbay, Kommunaler Platz am Ende des Ortes in marodem Zustand, enge Einzelablutions vorhanden, schöner Blick auf das Meer und die Dünenlandschaft
2 Ü Nieuwoudtville (beschränkte Einkaufsmöglichkeiten), Farmcamping Groenrivier bei Elsa Goldfarb, großzügige Einrichtungen in Natursteinhäuschen, es fehlt an nichts, überdachter großer Braaiplatz für je 2 Campsites, Frau Goldfarb hat Infos über Wildblumen
2 Ü Kamieskroon (beschränkte Einkaufsmöglichkeiten), Kroon Lodge, neue Anlage mit festen Unterkünften und Campsites mit komfortablem Braaiplatz, sehr bemühtes freundliches Ehepaar, Campsites für Fahrzeug plus Anhänger etwas klein. Zwischen diesen 2 Ü:
1 Ü Hondeklip Bay, Zeltanlage Skulpieskraal, nicht empfehlenswert, Rand400
3 Ü Augrabies Falls NP, großer Platz mit wenig Schatten, Stromkästen weit auseinander, gute Ablutions, Wasserfälle und Restaurant in Laufweite, sandig, die zahlreichen Baboons und Monkeys werden durch Wächter in Schach gehalten, Dassiefamilien am Platz, Verschiedene Trails ab Platz
1 Ü Farmcamping auf der Farm Duin-in-die-Weg, 65 km südlich von Upington, teuer aber mit ausgezeichneten Ablutions, schattige Plätze auf Wiese, nach unserem Aufenthalt hatten wir Bisse durch Grasflöhe zu beklagen! Zufahrt zur Campsites durch haarige Sandkuhle (4x4!)
7 Ü KTP: Twee Rivieren, Nossob, Matopi (Übernachtungsplatz), Mabuasehube Pan, Matopi, Nossob mit Pool, Mata Mata, die Campsites auf der SA-Seite könnten liebevoller gestaltet werden. Der Platz an der Mabuasehube Pan bietet eine herrliche Aussicht, stabile großzügige Schattendächer in Zeltform, ekliges Plumpsklo – vermutlich weil es kein Wasser gab, Fuchsmangustenkolonie
2 Ü Mesosaurus Fossils Restcamp, Namibia, wunderschönes Buschcamping umgeben von Doleritgestein und Köcherbäumen, auf einfache Weise ist alles vorhanden, was gebraucht wird – außer Strom, der Eigentümer Will Steenkamp bietet eine interessante Fossilienführung an.
2 Ü Bagatelle Game Ranch, Namibia, Luxuscamping mit Pool, Restaurant, Bibliothek, Bar, Andenkenshop, umfangreiches Aktivitätenangebot, Campsites mit eigenen Ablutions, Springbock als Haustier, Erdmännchenkolonie, 230V nur an Rezeption
1 Ü Gästehaus Tamboti in Windhoek, schöne Unterkunft, günstig gelegen, sympathische Wirtsleute
Teil 203. Okt. 2016
7. August 2016: Nicht ohne meine Kaffeekanne!
Nur noch sieben Mal schlafen! Die Haufen rund um unsere Reisetaschen werden täglich größer. Wieder dabei ist unsere Kaffeekanne, die wir 2007 in Cairns (Queensland) gekauft haben, nachdem wir feststellen mussten, dass sich kein Gefäß im gemieteten Camper für das Aufbrühen unseres mitgebrachten Filterkaffees eignete. Trotz der Bilder von Anfang August mit Schneegestöber in Durban und in den Drakensbergen sind wir guter Hoffnung, dass uns das Wetter nichts anhaben wird. Schließlich liegt Kapstadt weit weg von diesen Gegenden. Und vielleicht trägt das Kap der Guten Hoffnung seinen Namen zu Recht. Heizöfchen und Daunen, warme Unterwäsche, Fleecejacken, Mützen und Schals gehören zur diesjährigen Ausrüstung.
15. bis 17. August: Schlangestehen für eines der sieben Weltwunder der Natur
Schwarze Gesichter strahlen intensiver und wärmer als weiße. Die Mienen unseres Begleitservice durch den Airportdschungel in Johannesburg und die Mitarbeiterin bei Europcar in Kapstadt bestätigen es.
Mit Hilfe des Navi schaffen wir die Fahrt nach Somerset West mit dem gemieteten Pkw ohne Probleme und landen in einem etwas angestaubten Bed & Breakfast. Eine der Eichen von Two Oaks
Nichts los, denn es ist Winter. Der Wirt leidet an Sprechdurchfall, doch weil er freundlich und sympathisch ist, üben wir uns in Geduld. Wir kaufen in der nahen Somerset West Mall ein und laufen kilometerweit, bis wir alles haben. Das anschließende Abendessen bei Henri’s entschädigt uns, ist sterneverdächtig und ein würdiger Abschluss für den ersten Abend auf südafrikanischem Boden.
Das Winterwetter in Kapstadt entspricht ungefähr dem Sommerwetter 2016 in Europa. Anstatt Stadtbesichtigung folgen wir am nächsten Tag den Ratschlägen von Insidern und nehmen aufgrund des sonnigen, klaren Wetters den Tafelberg in Angriff. Wer weiß, was der nächste Tag für Wetter bringt.
Nachdem unser Wirt uns eine weitere halbe Stunde gekostet hat, brechen wir auf. Kein Problem glauben wir, hier herrscht Winter, deshalb ist nichts los. Doch der Verkehr entspricht den Erfahrungen rund um Stuttgart zur Rush Hour. An der Talstation der Cable Car auf den Table Mountain erfahren wir, was Schlangestehen heißt. Die eineinhalb Stunden bis wir den Lift betreten dürfen, nutzen wir zum Studium des Publikums, das internationaler nicht sein könnte. Hier stört sich niemand an Halb- und Vollverschleierung. Doch an der körperlichen Distanz beim Schlangestehen müssen wir noch arbeiten. Warteschlange an der Talstation Wir haben das Glück, die Tafel des Tafelbergs und eine grandiose Aussicht bei bestem Sonnenschein genießen zu dürfen. Beim Blick auf die schattenlosen Hiking Trails (Fußpfade), die hinaufführen, schätzen wir uns glücklich, auf die Gondel gewartet zu haben. Fußpfad auf den Tafelberg
Eine Gondel, die ihre Fahrgäste im Kreis dreht
Bergstation
Ausblick nach Süden
Wanderung auf der Tafel
Blick auf die Autoschlange
Aloe
Dassie
Rote Heide
Robben Island
weiblicher Goldbrustnektarvogel
Vor der Rückfahrt haben die Götter eine weitere Schlange eingebaut, die uns mindestens eine Stunde Beine-in-den-Bauch-stehen kostet. Und dann suchen wir unser Mietauto, das weiß, klein und eine Allerweltsmarke ist. („Weißt du noch die Autonummer?“ „Du vielleicht?“) Mittels Funkschlüssel meldet es sich, steht inzwischen ganz allein im Abseits. Für die vierzig Kilometer Autofahrt zu unserer Unterkunft verbringen wir weitere eineinhalb Stunden in einer Schlange, diesmal aus Blech. Macht nichts, wir sind a) Rentner und haben b) sowieso viel zu viel Zeit.
Anderntags bringen wir den Mietwagen zum Airport zurück, holen unseren Camper ab und reißen die Augen auf, als wir die positive Veränderung des Buschcampers sehen.
In Kapstadt bedient der Eigentümer selbst, was sorgfältige Einweisung und ein bisschen fachliches Geplänkel bedeutet. Er hat das Dach den Buschcampern der Konkurrenz angepasst. Dann fahren wir gemütlich entlang der Küste nach Kleinmond zum heutigen Campingplatz und halten unterwegs mehrmals an den Aussichtsbuchten an. Es ist so stürmisch, dass wir beinahe von den Füßen geblasen werden. Doch die Sonne scheint und die Wolken präsentieren sich malerisch weiß.
Fahnen im Sturm
Malerische Südküste
Blick auf Birkenhead
Teil 304. Okt. 2016
18. August: Besuch bei Walen und Pinguinen
Heute stehen Whalewatching und Penguinvisiting auf dem Programm. Wir beginnen mit den Walen, deren Auftauchen von einem Wächter mit Horn signalisiert wird.
Warten auf die Wale
Pro Wal bläst er 1x ins Horn
Ein Wal, ein Wal!
Und noch einer
Blick auf Hermanus
Während die Meeresriesen nur eine Abordnung von drei oder vier Tieren nach Hermanus schicken, treten die kleinen Frackträger in Betty’s Bay zu Hunderten auf. Leider hat sich das Wetter entschieden, uns vorzuführen, wie ungemütlich der Winter hier werden kann.
Mamas sehnsüchtig erwartete Rückkehr
Er hat sich einen Vorgarten angelegt
Die Kormorane bilden eine große Kolonie
Es ist kalt und windig, und unser Campingplatz „Palmiet“ in Kleinmond liegt am Meer. Über die Hecken hinweg haben wir einen schönen Ausblick, doch der Wind lässt sich dadurch nicht bremsen. Mit unseren warmen Schlafsäcken und dem Heizöfchen sehen wir der kommenden Nacht trotzdem gelassen entgegen.
Der Sturm treibt die "Monsteralgen" an die Wasseroberfläche
Teil 404. Okt. 2016
19. August: Fahrt zum Cape of Good Hope
Wir fahren über die traumhafte Straße entlang der Südküste zurück nach Westen, die an vielen Stellen Möglichkeiten zur Walbeobachtung bieten soll. Uns zeigt sich weder Fluke noch Fontäne. Die Sonne drängelt sich durch die Wolkenbänke, bevor sie sich anschicken, an den Berghängen abzuregnen.
Der Morgendunst lichtet sich nur langsam Überall Aussichtsbuchten
Um ans Kap zu gelangen, bleibt es uns nicht erspart, durch die verkehrsreichen südlichen Vororte von Kapstadt zu fahren. In Fish Hoek machen wir Halt, um Fischern beim Einholen ihrer riesigen Netze zuzuschauen. Harte Arbeit für viele junge Männer und Frauen, aber die Ausbeute ist mager. Möwen kreisen schreiend über der Szene und Seehunde tummeln sich zwischen den Netzen, um zu profitieren. Eine Fischerin informiert mich auf die Frage, woran es liegt, dass das Meerwasser so schmutzig braun ist, das sei das Plankton, im Winter als Futter für die Fische eine Delikatesse. Wir fotografieren die spektakuläre Szene, wobei Herbert nicht mit der steigenden Flut rechnet und bis zu den Knöcheln überspült wird. Nein, er war nicht barfuß!
Quietschbunte Badehäuschen in St. James
Die Strecke zum Kap beträgt hundertachtzig Kilometer, und drei Stunden nach unserem Aufbruch in Kleinmond stehen wir am Gate zum Nationalpark. Gate zum Nationalpark
Wenig später heißt es wieder einmal Schlangestehen, weil eine kilometerlange Baustelle im NP uns zum Warten zwingt. Am Kap herrscht Trubel wie auf einem Weihnachtsmarkt. Touristen aus aller Welt stehen an, um sich am Hinweisschild für ein Beweisfoto ablichten zu lassen: Muslime mit Familien, ein orthodoxer Jude mit Gebetsschnüren, die unterm weißen Hemd hervorlugen, wir hören Italienisch und Französisch und Sprachen, die wir nicht einordnen können.
Beweisfoto: Er war auch da!
Leider ist es für die vorgesehene Wanderung entlang der Küste zu spät, so dass wir mit dem Auto zum Leuchtturm und mit der Standseilbahn hinauf fahren. Schließlich gibt die Wildcard Rabatt … So überwältigend die Aussicht auf eine der gefährlichsten Schifffahrtsstraßen auch ist, es sind zu viele Menschen um uns herum. Blick zum Kap
Der alte Leuchtturm
Panorama Fußweg
Sturm an der Küste
Außerdem wird es Zeit, einen Campingplatz anzusteuern, denn um 7:00 Uhr abends ist es dunkel. Wir landen auf einem Platz in Simon’s Town, wo zur Zeit eine neue Wasserleitung verlegt wird. Da ein Bagger dabei ein Stromkabel angehackt hat, gibt es nur wenige funktionierende Stromanschlüsse, und das Wasser in der Damendusche bleibt leider kalt.
Als Herbert die Feuerstelle aufräumen will, ist es dunkel. Prompt tritt er mit seinen trockenen Schuhen in eine tiefe Pfütze. Wie soll das nur alles trocken werden, da sich nachts überall der Tau niederschlägt?
Teil 506. Okt. 2016
22. August: Durch Blütenfelder in die Cederberge
Petra, unsere Pensionswirtin, freut sich, dass ich ihr Haus gemütlich finde. „Chämuddlik“ wiederholt sie auf Afrikaans und strahlt. Wir genießen das burisch üppige Frühstück, finden aber, dass unser eigener Kaffee besser schmeckt.
Herbert hat sich vorgenommen, auf dem Power Trail nördlich von Paternoster einige Geocaches zu loggen. Leider sind sie entweder deaktiviert worden oder so gut versteckt, dass er die Suche bis auf wenige „Found it“ ergebnislos aufgibt. Doch wir werden mit weißgelben Blütenfeldern entschädigt. Unsere ersten Wildblumen! Ich habe mehrfach die Bezeichnung „Daisy“ gehört, weiß inzwischen von den Forumsspezialisten, dass alle Margeritenartigen so genannt werden.
Noch ist der Sand gut zu fahren
Blick auf Paternoster
Neben uns der Atlantik
Euphorbia Burmannii
Medusenhaupt
Einsames Haus am Powertrail
Ein Feld mit lauter Daisies
Regenmargerite
Der Weg ist tiefsandig und nur für 4×4-Fahrzeuge geeignet. Unser Toyota schafft eine felsige Steigung wegen der zu geringen Bodenfreiheit nicht. Wir müssen nach Paternoster umkehren und gehen von Neuem an den Start unserer Fahrt nach Algeria in den Cederbergen.
Bevor wir aufsitzen, kehren wir um
Flamingos bei Wittewater
Nach und nach verzieht sich die Sonne hinter Wolken und schickt stattdessen kräftigen Regen. Algeria liegt mitten in den Bergen, der achtzehn Kilometer lange Abzweig ist aufgeweicht. Entgegenkommende Fahrzeuge sind bis zur Hüfte eingesaut, doch wir schaffen es ohne Schlammkruste bis ins Wilderness Camp.
In den Cederbergen
Schön ist es hier, wir campen unter riesigen Zedern, vor uns rauscht ein Bach, den der Regen hat anschwellen lassen, der Blick auf die Berge rundum ist phantastisch. Doch es ist lausig kalt. Wir legen einige Stoffhäute zusätzlich um uns und setzen unser Heizöfchen in Gang. Kaum zu glauben, dass das abgelegene Camp einen gut funktionierenden Internetanschluss und Strom bietet.
Teil 607. Okt. 2016
23. August: Von 500 auf 950 Höhenmeter in 100 Minuten
Brrr, ist das kalt heute Morgen! Nachdem uns nachts das Heizöfchen und warme Schlafsäcke mollig warm gehalten haben, sind die Temperaturen ein Schock. Kaum schaut die Sonne über die Berge, heizt die Natur auf. Wir frühstücken unter den hochgewachsenen Zedern sogar im Freien.
Frühstück mit bester Aussicht
Ein Wald aus Zedern
Erste Kontaktaufnahme mit unseren Campingnachbarn: Lächeln und vorsichtiges Winken. Dann brechen wir zum Wasserfall auf. Um diese Tageszeit zeigen sich die Temperaturen wandererfreundlich, der felsige Aufstieg führt oft durch Schatten.
Steiniger Aufstieg
Am Wegrand öffnen Wildblumen nach und nach ihre Kelche in leuchtenden Farben und wenden sie der Sonne zu.
Ein Hartlaubgewächs
(Sternförmige) Strohblumen
Wilde Gerbera
In Serpentinen windet sich der Pfad um Felsen und Abgründe, die Klettertour fordert unsere Beinmuskeln. Endlich oben angekommen, braust über uns ein Wasserfall zu Tal, an den nur näher herankommt, wer absolut schwindelfrei und trittsicher ist. Herbert wagt es und schießt ein paar spektakuläre Fotos für die interessierte Nachwelt.
Noch sind wir nicht oben
Dieser Anblick war nur Herbert vergönnt
Unsere Campingnachbarn sind inzwischen sichtlich erschöpft ebenfalls angekommen. Doch wir nehmen uns keine Zeit für ein Schwätzchen und steigen abwärts. Ich staune immer wieder, wie unterschiedlich zum Hinweg die Landschaft auf einem Rückweg aussieht.
Unter dem Zedernhain verschwindet der Campingplatz
Als wir nach dem Abendessen zu den Ablutions gehen, passen mich die beiden Frauen von der Nachbarcampsite ab. Smalltalk ist ein nicht zu unterschätzender sozialer Kitt auf Reisen. Ich mache den Fehler, unseren Wohnort in Deutschland zu verraten, was noch Folgen haben wird. Danach verziehen wir uns in den Camper, laden die Fotos vom Tag im Reiseblog hoch und beantworten unsere Mails. Erstaunlich, wie fix das Internet und Mobilnetz in dieser Einsamkeit im Gegensatz zu Paternoster an der Küste funktionieren. Ein Glück, denn morgen werden wir es brauchen.
Teil 708. Okt. 2016
24. August: Nicht ohne Porta Potti!
Diese Nacht war kurzweilig. Ein heftiges Poltern reißt uns aus dem ersten Schlaf, als ein Tier unsere Abfalltüte in die Mangel nimmt. Es verschwindet, sobald ich nach draußen eile, um die Tüte diebessicher zu verstauen. Menschliches Rühren lässt sich leider nicht ignorieren, weshalb ich notgedrungen kurz nach Mitternacht ein weiteres Mal aus meinem Hochbett klettere. Als ich den Verschluss des Porta Pottis betätige, knackst es unheilvoll, und ich habe den verrosteten Griff in der Hand. Für das nächste menschliche Rühren muss ich den längeren Weg zur Toilette einplanen.
Morgens telefoniere ich mit unserem Fahrzeugvermieter, der sich nach einigem Hin und Her entschließt, uns mit einem neuen Porta Potti entgegenzufahren. Eine andere Möglichkeit besteht nämlich nicht, weil so ein selten gebrauchter Gegenstand wie ein Porta Potti an der Westküste der ZAR nur in Kapstadt oder Upington zu haben ist, wo wir erst in zehn Tagen ankommen werden.
Unsere Campingnachbarn nehmen Anteil an unserem Problem und wünschen uns viel Erfolg. Einer der Männer spricht uns darauf an, dass wir doch aus einem Ort kämen, wo eine berühmte Schokolade hergestellt würde. Tja, man sollte manchmal den Mund halten können. Wir treffen unseren Fahrzeugvermieter in Citrusdal, übernehmen ein neues Porta Potti, halten einen Schnack miteinander und brechen dann wieder auf: Herr Schäfer nach Cape Town, wir nach Clanwilliam zur Wildblumenblüte, die hier gefeiert wird wie ein Volksfest.
Geflaggt für die Frühjahrsblüher
Unterwegs kaufen wir an einem Stand einen Sack Clementinen und sind verblüfft, wie lecker diese Früchte schmecken können. Wie der Name sagt, wachsen in der Umgebung von Citrusdal alle Arten von Zitrusfrüchten. Kilometerweit fahren wir an Plantagen mit den erntereifen Früchten vorüber.
Ein Sack voller Clementinen kostet nur wenige Rand
In Clanwilliam werden die Samen endemischer Wildblumen gesammelt und auf Anfrage versandt. Die Pflanzen wachsen leider nur unter bestimmten Bedingungen, sonst würden wir ein paar Samen mit nach Hause bringen. In einem botanischen Garten präsentiert der Ort alle bekannten Wildblumen. Kleine Schildchen nennen ihre Namen, doch leider nur auf Afrikaans. Wir gucken und fotografieren uns schwindelig, bevor wir den Heimweg nach Algeria antreten.
Blauer Flachs
Ein Feld voller Blüten
Raketenprotea
Gazania Rigida (Butterblume)
Ein Meer von Blumen
Nadelkissenprotea
Köcherbäume
Früchte der Köcherbäume
Blutwurzel
Termiten schwärmen aus
„Hat es geklappt?“, fragt unsere Nachbarin und meint das neue Porta Potti. Ich halte den Daumen hoch. Zum Dessert bringe ich den vier Nachbarn je ein Ritter Sport Schokolädchen. Selbstverständlich nicht, ohne darüber zu informieren, wo Waldenbuch liegt.
Teil 809. Okt. 2016
25. August: Von den Cederbergen an die Lamberts Bay
Wir nehmen uns heute Zeit fürs Frühstück. Zwar ist die Sonne mit dem Anpinseln der Berge schon zur Hälfte fertig, aber wir schlemmen trotzdem Spiegelei und Schinken lieber in der warmen Kabine. Um 09:30 Uhr sind wir auf dem Weg nach Norden. Nach einem kurzen Halt fürs Einkaufen in Clanwilliam wird das Lenkrad nach Westen geschwenkt, um uns nach Lamberts Bay am Atlantischen Ozean zu bringen.
Nebenstrecke Richtung Clanwilliam
Clanwilliam Dam
Schon von Weitem leuchten die Dünen, die Sonne lacht, es ist wenig Verkehr, wir genießen eine entspannte Fahrt. Weil der kommunale Campingplatz in Lamberts Bay am Rand der Dünen und direkt am Meer liegt, entscheiden wir uns für ihn, obwohl er in einem ziemlich maroden Zustand ist. Wie fast alles in Südafrikas Öffentlicher Hand. Wir mieten aufgrund des Zustands der Gemeinschaftseinrichtungen eine eigene winzige Sanitäreinheit. Nach kurzer Pause brechen wir noch einmal auf, weil wir auf die Tölpelkolonie gespannt sind, die auf einer Insel am Fischereihafen ihr Zuhause hat. Unsere Wildcard, noch gültig bis zum 12. September, sorgt auch hier für freien Eintritt. Schon im Hafen riechen wir die kostbare Hinterlassenschaft der Vögel, die als Guano zum Düngen genutzt wird.
Das Geschrei Tausender Tölpel ist so ohrenbetäubend, dass es sogar die Möwen und Kormorane nervt, die hier ebenfalls zu Hause sind. Von einem erhöhten Bird Hide aus beobachten und fotografieren wir die Tiere.
Es dauert eine Weile, bis sich unsere Augen an das pausenlose Landen und Starten der Tölpel gewöhnt haben, die auf Englisch „Gannet“ heißen. Schnell wird klar, woher ihr deutscher Name kommt. Es dauert, bis sie nach schwerfälligem Anlauf in der Luft sind, wo sie elegant und so pfeilschnell fliegen, dass sie noch bei einer tausendstel Sekunde unscharf erscheinen.
Auf geht's zum Start
Endlich Luft unter den Flügeln
Na also, funktioniert doch
Die Landung klappt nicht immer, sie rutschen auf dem Untergrund aus Muscheln meterweit, bis der Schnabel als Bremse Wirkung zeigt. Leider ist die Sicht wegen des Sonnenstands am Nachmittag nicht optimal, weshalb wir beschließen, morgen Vormittag wiederzukommen.
Im Informationszentrum sind Bilder der Kolonie zu den verschiedenen Jahreszeiten ausgestellt. Wir sind zum richtigen Zeitpunkt gekommen, denn im afrikanischen Winter sind alle Tölpel auf Reisen. Im Frühjahr kommen sie zum Brüten zurück, bleiben bis in den Sommer, bevor sich im Herbst die Kolonie wieder leert. Demnach ist bei den Tölpeln schon Frühjahr. Nach dem Besuch des Infozentrums steuern wir Isabella’s Restaurant im Hafen an. Der Kingklip und die gegrillten Kalamari schmecken lecker, der Service ist vorbildlich. Kein Wunder empfiehlt Tripadviser das Restaurant.
Teil 909. Okt. 2016
Weil Sonntag ist, gibt es heute 2 Beiträge 🙂 :
26. August: Wimmelbilder mit Tölpeln
Wir lieben Schlafplätze am Meer. Wurden wir in der vergangenen Nacht wach, war die Luft erfüllt vom Rauschen der heranrollenden Wellen und dem Donnern der Brandung und beförderte uns sanft in den Schlaf zurück. Heute morgen setzte Ebbe ein, und das Wasser benimmt sich zahmer.
Noch ist es kalt, der Gang in die Duschkabine kostet Überwindung, doch kaum steht das Frühstück auf dem Tisch, wärmen uns die ersten Sonnenstrahlen. Wir brechen bei diesiger Sicht zur Vogelinsel auf, doch bis wir am Bird Hide eintreffen, löst sich der Dunst auf. Wie vermutet, leuchten die Vogelleiber heute Morgen weiß in der Sonne.
Er bringt ein Geschenk mit
Dreckspatzen gibt es unter den Tölpeln auch, vermutlich haben sie sich im Schlamm gesuhlt.
Dreckspatz mit großer Klappe
Typische Tölpelpose
Er segnet seine Gemeinde 😉
Wir fotografieren abwechselnd mit den beiden Kameras, lassen uns viel Zeit – und das ist gut so. Immer wieder versuchen wir, einzelne Vögel einzufangen, bevor sie aus unserem Sichtfeld verschwinden. Eine Herausforderung für uns Hobbyfotografen, die wir den Eindruck haben, tölpelhaft zu arbeiten. In dem Gewimmel, das wie Pfeffer für ungeübte Augen ist, sind die typischen Posen der Tölpel nur mit Mühe zu erkennen. Glück ist, wenn man den Finger im richtigen Moment am Auslöser hat.
Möwe mit rotem Brutfleck
Brütende Weißbrustkormorane
Nach einem Cappuccino bei Isabella’s ... Es blieb nicht nur beim Cappuccino
... fahren wir weiter zu einem Feld, das laut Reiseführer bekannt sein soll für seine blühenden Frühlingsblumen. Doch ein Tor verwehrt uns die Einfahrt, vielleicht weil die Wildblumen an dieser Stelle (noch) nicht blühen. Nach dem Abendessen spazieren wir zum Strand und warten auf den Sonnenuntergang. Mindestens einer gehört im Afrikaurlaub dazu! Zwei Wellenreiter kämpfen mit den heranrollenden Wogen, eine Familie spaziert am Meeressaum entlang, auf einem erhöhten Parkplatz warten wenige Fahrer in ihren Autos. Fragt sich auf was, denn vor dem Sonnenuntergang fahren sie davon.
Wir haben ihn ganz für uns allein
Zurück auf unserer Campsite laden wir die Fotos des Tages auf das Laptop und freuen uns über jedes Motiv, das gelungen ist. Trotz Wind und Temperaturen, die am Abend unter 10°C gesunken sind, umschwirren uns, vorzugsweise mich, erfolgreich die Mücken. Es ist Zeit, in den Schlafsack zu kriechen.
Teil 1010. Okt. 2016
27. und 28. August: Wildblumenblüte in Nieuwoudtville
„Ihr müsst vor die Füße gucken“, sagt Elsa Goldfarb, unsere Campingwirtin, als wir unseren Eindruck schildern, dass die Wildblumen in diesem Jahr spärlich zu blühen scheinen. Und sie hat Recht.
Morgens haben wir Lamberts Bay und den Atlantik verlassen und sind durch eine mit Fynbos bewachsene Landschaft nach Nieuwoudtville aufgebrochen. Die Hitze flirrt, die Klimaanlage läuft auf Hochtouren, das Auto frisst sich Kilometer um Kilometer voran. An dieser beinahe menschenleeren Strecke weisen nur selten Schilder auf Farmen oder kleine Anwesen hin. An einigen Stellen wird Wein angebaut, dann führt die Gravelroad wieder kilometerweit durch nichtsagendes Gelände. Über den Vanrhyns Pass klettern wir hinauf in die Bokkeveld Mountains nach Nieuwoudtville, einem Zentrum für früh blühende Zwiebelgewächse. Um die Umgebung korrekt zu beschreiben, passt die Bezeichnung „bezaubernd ländlich“ am besten. Unser Ziel ist der Campingplatz auf der Groenrivier Farm der Familie Goldfarb, den wir nach einer Fahrt durch blühende Felder erreichen. Welche Überraschung, uns stehen eigene Ablutions mit WC, Dusche, Handwaschbecken, Spülbecken und großzügig bemessenen Ablage- und Arbeitsflächen in einem kleinen Steinhaus zur Verfügung. Eine überdeckte Terrasse mit Grillplatz teilen wir uns mit unseren „Doppelhausnachbarn“, zwei verwandten Paaren ebenfalls im Rentenalter.
Der überdachte Braaiplatz samt Camper
Sie sind freundlich und kontaktfreudig, und wir kommen ins Gespräch. Eine der Frauen ist in Wissen an der Sieg geboren und schon als Kleinkind mit ihren Eltern nach Südafrika ausgewandert. Der Bericht aus ihrer Kindheit klingt spannend.
Das Eingeweide unseres Campers
Blick aus unserer Kabinentür
Bulbinella oder Katstert
Kruipvygie
Kappenabendblume
Heute haben wir Elsas Ratschlag beherzigt und sind dicht an die unzähligen blühenden Wildblumen herangerückt. Mit Erfolg. Auch wenn in diesem Jahr der Blütenteppich fadenscheiniger als üblich ist, entdecken wir auf abseitigen Wegen viele kleine Kostbarkeiten.
(Kap-)Butterblume
Ibisse
Historisches Gemäuer früherer Siedlerhäuser
Ich versuche anhand des Carruthers und einer Infokarte von Nieuwoudtville die Namen zu bestimmen und bin irritiert, weil mehrere Arten als „Daisy“ bezeichnet werden. Wir besuchen einen Köcherbaum“wald“, dessen Ansammlung einzelner Bäume nur mit gutem Willen als solcher bezeichnet werden kann,
Der Köcherbaum"wald"
Er heißt wie er aussieht: Stachelbusch
und einen Wasserfall, der aufgrund der Trockenheit spärlich fällt.
Wasserfall
Beetle Daisy
Stinkbobbejaantje
Springbockblume
Kapveilchen
Nach einem Lunch aus Kaffee und einem mächtigen Kuchenstück, wie ich es seit den Fünfzigerjahren nicht mehr auf dem Teller hatte, gestatten wir einem felsigen Gebiet einen kurzen Besuch ab, auf dessen Gestein die Riefen deutlich zu erkennen sind, die Gletscher vor Millionen von Jahren auf ihrem Rückzug hinterlassen haben. Mich beeindrucken solche Zeugnisse der Urzeit.
Riefen in der urzeitlichen Gletscher"rutschbahn"
Agame
Die Hitze treibt uns schließlich auf den Campingplatz zurück, wo wir uns nach einer ausgiebigen Dusche im Schatten erholen. Morgen haben wir einen langen Fahrtag vor uns und sind gespannt auf den Namakwa Nationalpark.
Teil 1111. Okt. 2016
29. August: Kein Supermarkt in Nieuwoudtville und auch nicht in Kamieskroon
Wir müssen die Idylle auf der Groenrivier Farm leider verlassen. Herbert gibt in sein Navi für Nieuwoudtville „Einkaufen“ ein, doch außer einem Dorfladen mit verstaubten Konserven und Softdrinks sowie einer geschlossenen Schlachterei hat der Ort nichts zu bieten.
Tante Emma Laden auf Südafrikanisch
Der nächste Supermarkt wird in Calvinia angegeben. Das sind siebzig Kilometer nach Osten, aber wir müssen nach Westen. Wir sind optimistisch, bis Kamieskroon einen Lebensmittelmarkt zu finden und steigen ins Auto. Über den Vanrhyns Pass geht es zurück auf die N 7, die uns an unser Ziel nahe der Einfahrt zum Namakwa Nationalpark bringt.
VanRhyns Pass
Immer häufiger zeigen sich größere und kleinere Blütenteppiche am Straßenrand. Sie leuchten lila, gelb und orange. Kamieskroon ist allerdings ein armseliges Nest mit denselben beschränkten Einkaufsmöglichkeiten wie Nieuwoudtville. Der Campingplatz der Kroon Lodge ist neu und wirkt wie eine frisch bezogene Wohnung, in der Gardinen und Lampen noch fehlen. Aber alles ist blitzsauber und bis auf die abgezirkelten Stellplätze großzügig eingerichtet. Wir checken ein und fahren zum Einkaufen nach Springbok siebenundsechzig Kilometer nach Norden. Die Bewohner zwischen Lamberts Bay und Springbok müssen sich selbst versorgen oder lange Anfahrten fürs Einkaufen in Kauf nehmen. Wehe, die Familie will Kuchen backen und hat den Zucker vergessen!
Später fragen wir unsere Campingwirtin, wo wir nett essen können. Sie schickt uns über einen 4×4-Pfad fünfzehn Kilometer in die Berge auf die Taaiboskraal Farm, die von einer umtriebigen Burin betrieben wird.
Weg zur Taaiboskraalfarm
Heidekraut
Wir haben die Farm erreicht
Netter Willkommensgruß
Außer dem Restaurant bietet sie einzelne Zimmer und Buschcamping in der „Wilderness“ an. Der Ausflug zur Farm führt über einen kurzweiligen Pfad und ist zum Abschluss dieses drögen Tages eine willkommene Abwechslung. Die Speisekarte offenbart, dass die Haupteinnahmequelle eine Schafzucht ist. Leider mag Herbert kein Lamm, weshalb wir auf Hähnchen Pie ausweichen.
Von der Frucht zum Getränk 🙂
Die Gaststube
Sie darf nur eigene Produkte anbieten, sagt die Farmerin, aber als wir nach Wein fragen, bekommen wir ein Glas Weißwein, den Freunde mitgebracht haben sollen. Aha! Im Licht der untergehenden Sonne fahren wir zurück ins Tal und finden, dass der Tipp unserer Campingwirtin empfehlenswert war.
Teil 1212. Okt. 2016
Hier kommen alle Blumenliebhaber noch einmal auf ihre Kosten: 30. August: Blütenrausch im Namakwa Nationalpark
Laut Informationen des Nationalparks öffnen die Blumen frühestens ab 10:00 Uhr ihre Blüten, was uns Nachtigallen sehr entgegenkommt. Wir schlafen lang und bevor wir starten, frühstücken wir in Ruhe. Mit der Wirtin ist verabredet, dass wir gegebenenfalls in Hondeklip Bay an der Küste übernachten und erst morgen zurück sein werden.
Unspektakuläres Gate in den Namakwa NP
Blick auf das Infocenter
Wir sehen uns an den Blütenfeldern satt, die weithin in der Nationalfarbe der holländischen Vorfahren der Buren leuchten.
Orange, die Lieblingsfarbe der Oranjes 🙂
Gelbe Margerite
Zwischendurch entdecken wir auch Pflanzen in blau, weiß und rot, fotografieren die Kameras heiß und fahren schließlich Richtung Küste weiter.
Geranie
Meersenfblättrige Bärenblume
Gute Mischung
Nochmals Landschaft in Orange
Und in Weiß-Orange
Pietsnot oder Rotzäugiger Peter
Grabstein
Wachsranke
Unsichere Position
Bobbejaantjie oder Dreges Pavianschmaus
Steile Abfahrt
Buntes Wiesenstück
Ruine ohne Namen
Auch hier gibt es "Feenkreise"
Strandvygie, Durchmesser 10cm
Als die bergige Landschaft in die Ebene übergeht, wird die Strecke langweilig. Kurz vor Hondeklip Bay überraschen uns Minenfahrzeuge und Abraumhalden, und wir wundern uns, warum das Örtchen gepriesen wird. Direkt am Strand finden wir ein Fischlokal, wo wir zur Kaffeezeit mit Seehecht ein ordentliches Mittagessen einnehmen. Vor dem Lokal spielen Kinder mit Autoreifen, die sie vor sich herrollen und wieder einfangen. Der Spielplatz ist wohl mit Bedacht gewählt, denn ein Mitarbeiter aus der Küche bringt ihnen einen große Portion Pommes.
Über dem Meer hängt eine dicke graue Wolke, die immer näher heranrollt. Wir schließen die Reißverschlüsse der Fleecejacken bis zum Kinn und suchen das Tented Camp „Skulpieskraal“ auf, um ein möbliertes Zelt zu mieten. Wir hätten ein B&B nehmen sollen, denn wir können das Auto nicht bis ans Zelt fahren und müssen alles was wir brauchen herbeitragen. Inzwischen hat die Wolkenwand den Ort voll im Griff, der dichte Nebel ist patschnass. Rötlich leuchtende Straßenlaternen hoch wie Stadionleuchten versuchen, Orientierung zu geben. Dazu die ärmlichen Behausungen der Einwohner von Hondeklip Bay – was für ein trostloses Nest. Der Wetterbericht im Internet meldet: 0% Niederschläge, 92% Luftfeuchtigkeit, +14°C. Alles trieft, wir frieren und verkriechen uns mit unserem Campingtisch und einer Flasche Wein ins Zelt. Gut, dass wir unser Heizöfchen einschalten können, ohne dass die Sicherung durchknallt. 0 % Niederschlag, 92 % Luftfeuchtigkeit 😠
31. August: Flucht aus Hondeklip Bay und Hausarbeitstag
Wir haben unser Zelt nachts mit dem Heizöfchen trocken gehalten. Kaum öffnen wir morgens den Eingang, überfällt uns die Nebelwand wie ein nasser Waschlappen. Ich bevorzuge Regen, weil das Wasser dann nur von oben kommt! In der ungemütlichen und schmierigen Küche kochen wir Wasser für einen Cappuccino, essen ein paar Kekse dazu und haben es eilig, den Ort zu verlassen. Die schnellste Strecke nach Kamieskroon führt über Garies, wo wir wieder die N 7 erreichen. Endlich hebt sich die Nebelwand und die Sonne versucht ihr Bestes, Wärme zu vermitteln. Doch ein kalter Wind macht ihr einen Strich durch die Rechnung.
Hoffnungsschimmer am Horizont
Trübe Aussichten
Im Landesinnern ist nichts zu sehen von "hoher Luftfeuchtigkeit"
Auf dem Campingplatz Kroon Lodge werden wir wie alte Bekannte empfangen. Bis hierher sind die dicken Wolken nicht gekommen. Der Campingwirt hofft auf Regen, seine Tanks hätten nur noch für drei Tage Wasser. Ich fülle trotzdem eine Waschmaschine, die leider nur kalt wäscht. Wer auf einer so langen Reise 100%ig klinisch rein daherkommen will, darf keinen Campingurlaub machen! Bis zum Sonnenuntergang ist die gesamte Wäsche aufgrund des tüchtigen Windes trocken.
Teil 1313. Okt. 2016
01. September: Die lange Fahrt zum Augrabies Falls Nationalpark
„Heute ist Frühlingsanfang“, informiert uns der Campingwirt. Vor dem Aufbruch müssen wir uns ins Gästebuch eintragen, darauf besteht er. Wir schreiben gerne ein paar freundliche Worte, denn das junge Ehepaar gibt sich große Mühe.
Heute ist Frühlingsanfang
Bei unserem Einkauf in Springbok für drei Tage Nationalpark erleben wir, was Zahltag bedeutet. Lange Schlangen an den ATMs, der Supermarkt so voll, dass man mit den Einkaufswagen nicht aneinander vorbeikommt. Genervte Mütter mit quengelnden Kindern, Familien und ausgemergelte alte Menschen – das Geld fest in der Hand – drängeln sich zwischen den Regalen. Die Einkaufsmengen im XXL-Format deuten darauf hin, dass sie lange reichen müssen. Kein Wunder bei diesen Entfernungen.
Wir atmen auf, als wir schließlich auf der Straße Richtung Osten rollen. Links und rechts Hunderte von Kilometern eingezäuntes Nichts mit Hochspannungsleitungen und Strommasten. Da braucht jemand viel Energie. Abraumhalden verraten, wer das ist. Plattes vertrocknetes Land mit Hügeln aus schwarzem Gestein, das aussieht, als hätte es jemand auf einen Haufen geworfen, begleitet uns über weite Strecken. Es hat in diesem Jahr auch in diesem Landstrich kaum geregnet. Erst wenige Kilometer vor dem Oranje sehen wir die ersten Kühe auf der Weide. Wo das Wasser des Flusses genutzt werden kann, ist Leben, wird Wein angebaut und gedeihen Zitrusfrüchte. Endlich erreichen wir den Nationalpark, lassen das übliche Prozedere über uns ergehen und suchen uns einen Stellplatz, der halbwegs im Schatten liegt. Wenige Meter von uns entfernt zwinkert der Oranje durchs stachlige Gesträuch.
Versteckt in den Büschen schauen neugierige Affengesichter zu uns herüber. Wenn sie zu dreist werden, wird geraten, die Affenwächter zu informieren. Die Viecher sollen nur aufpassen, denn Herbert hat eine Zwille zur Hand! Der Abfall wird jedenfalls affensicher in einem Käfig mit Verriegelung entsorgt. Diese Fehlkonstruktion ist so gebaut, dass die Tür zuschlägt, sobald man drinnen ist, um die Abfälle zu sortieren. Der Riegel rastet ein. Ich habe meinen Mann wie weiland Gretel ihren Hänsel aus dem Käfig befreien müssen. Beweisfoto anbei.
Affenfalle? Oder Menschenfalle?
Vor Sonnenuntergang spazieren wir auf Bohlenwegen zu den Aussichtspunkten des Wasserfalls, der als bombastisch beschrieben wird. Doch auch der Oranje führt aufgrund der Trockenheit weniger Wasser als üblich. Im Moment ist der Wasserfall im Vergleich zu den Werbefotos ein relativ schwaches Rinnsal. Da es für Fotos zu spät ist, werden wir es morgen noch einmal versuchen. Zum Dinner gibt es ein traditionelles Gericht aus meiner Kindheit. Schmeckt lecker! Doch das Schönste daran ist, dass wir bei angenehmen Temperaturen den Abend des Frühlingsbeginns vor dem Camper genießen können.
02. September: Wanderung auf dem Dassie Trail inklusive Outbackfeeling
Uns reicht der Dassie Trail
„Auch für Kinder gut geeignet!“, hat ein Schlauberger im Internet behauptet. Es ist anzunehmen, dass er den Dassie Trail nicht selbst gelaufen ist. Für uns werden es spannende drei Stunden auf einem Weg, der nur durch die zuverlässigen Wegweiser als solcher erkennbar ist.
Am Anfang ist es ganz einfach
Wir balancieren über wacklige Brückenkonstruktionen, die eine Überquerung der rauschenden, gurgelnden und gluckernden Nebenarme des Oranje möglich machen. An einigen Stellen fehlen sie ganz, und wir turnen über und zwischen riesigen Felsbrocken hinüber.
1. Brücke
Unter uns rauscht und gurgelt es
2. Brücke
Nur nicht in die Tiefe blicken! Wie es sich für einen Trail mit dem Namen Dassie gehört, passieren wir mehrere Wohnanlagen der possierlichen Tiere, die jedoch weniger zahm sind als ihre Verwandten auf dem Campingplatz. Wir wandern über riesige glattgeschliffene Felsplatten, die unter unseren Schuhsohlen wie Blätterteig knistern, weil die Erosion Schicht um Schicht abträgt.
Wenn nicht die Myriaden von Fliegen um uns herum sirren würden, wäre es eine perfekte Wanderung. Mundatmung ist dringend zu vermeiden! Wir sind fortwährend damit beschäftigt, die Plagegeister von Nase, Augen und Ohren fernzuhalten. Nur an windigen Stellen halten sie sich fern. Wir erinnern uns an eine Wanderung in Undara am Rande des Outbacks, wo wir uns vor den aufdringlichen Fliegen ebenfalls nicht retten konnten.
Zum Abschluss der Wanderung stehen wir vor einer knietiefen Furt, sofern man meine Kniekehlen als Maßstab nimmt. Es führt kein anderer Weg zum Campingplatz
Da müssen wir nun hindurch oder den Trail noch einmal machen. Während Herbert mit unbegründetem Optimismus nach einem trockenen Übergang sucht, ziehe ich Schuhe und Strümpfe aus und wate hinüber. Es dauert, bis er wieder auftaucht, um ebenfalls ohne Schuhe herüberzuwaten.
Als die Sonne beginnt, rote Filter einzusetzen, marschieren wir noch einmal zu den Aussichtspunkten des Wasserfalls. Diesmal sind wir rechtzeitig zur Stelle, um ihn im Sonnenlicht schäumen und sprudeln zu sehen.
Sundowner
Für den Abend haben wir ein Dinner im Restaurant des Camps gebucht. Weiße Tischdecken, geschmackvolles Gedeck und eine geschulte Bedienung erheben das Essen zu einem Erlebnis. Ich habe Straußenfilet gegessen, Herbert Kalaharischnitzel, was auch immer für ein Fleisch das sein mag. Beschwipst treten wir den Heimweg an.
Teil 1414. Okt. 2016
03. und 04. September: Sightseeing im Nationalpark und Weiterfahrt nach Upington
Am Frühstückstisch schwirren die Vögel um uns herum, verwuscheln unsere Frisuren *ggg*, wenn sie ‚haarscharf’ die Kurve nehmen. Maskenweber, Rotschwingenstare, Graubülbüls und Kapsperlinge sind darunter. Leider sind unsere Kameras gut verpackt, so dass wir die Schar nicht fotografieren können. Das werden wir morgen nachholen, denn sobald wir das Frühstück beendet haben, verlieren die gefiederten Schmarotzer das Interesse an uns. Stattdessen sind die Dassies aktiv geworden, die im Gebüsch neben uns wohnen.
Neugieriger Blick
Kleine Pause in der Sonne
An den Zähnen wird deutlich: Dassies stammen von den Elefanten ab
Auch Dassiebabys sind niedlich
Heute steht eine Autotour durch den Nationalpark auf dem Programm. Sie führt uns als erstes durch jene Pfütze, die wir tags zuvor nach der Wanderung von der anderen Seite her durchwatet haben.
Flussquerung mit Auto kein Problem
Beim nächsten Pothole strömen die Wasser in Strudeln über den Weg, aber mit Auto kein Problem. Im Augrabies Falls NP kommt die aride Landschaft voll zur Geltung. Vor allem der Moonrock, ein riesiger nackter Monolith, der wie ein Walrücken in der Landschaft liegt, ist eine Sehenswürdigkeit. Unter unseren Schuhen knistern wieder bei jedem Schritt die Gesteinsschichten wie Blätterteig, in den man hineinbeißt.
Geologische Besonderheit: Der Moon Rock
Was die Erosion so alles fertig bringt: Pop Up
Blick in den Canyon des Oranjes
Schwarze Gesteinshaufen
Die Hügel und Berge um uns herum sind zum Teil tiefschwarz. Ob oxydiertes Eisen oder Lavagestein wissen wir nicht. An den Viewpoints Arrarat und Oranje Com blicken wir in den Canyon des geschichtsträchtigen Oranjes. Die Trockenheit zeigt besonders deutlich die Tiefe des vom Wasser geschliffenen Felseinschnitts. Herbert loggt am Arrarat einen Geocache auf einem Gesteinsgipfel, dessen Versteck wir vom nächsten Stopp aus mit dem Tele anpeilen. Am Echo Corner springen zwei Klippspringer von dannen, als sie unser Fahrzeug hören. Wir rufen nach dem Namen des Bürgermeisters von Wesel, aber das Echo scheint kein Deutsch zu verstehen. Wir hören allenfalls ein „…sl“.
Als wir zum Campingplatz zurückkommen, hat er sich zu unserem Erstaunen gefüllt. Klar, es ist Samstag und Beginn der Frühlingsferien. Wir spazieren noch einmal auf den Bohlenwegen zu den Ausgucks an den Wasserfällen. Heute verhilft uns das Licht zu einigen schönen Fotos. Zudem hat sich der Wind gedreht, so dass wir bis in den Schlaf hinein die Wasserfälle rauschen hören.
Wildwasser
Rollstuhlgerechter Bordwalk zu den Wasserfällen
Augrabies Flat Lizzard: So bunt wie er ist keiner
Der lange Schatten des Hammerkopf
Der Fotograf
Das Motiv 🙂
Ibisse sind zuverlässige Wecker, sie drehen um halb Sieben kreischend ihre Runde. Es wird lebendig auf dem Platz, vor allem bei den Zelten der Jugendgruppe wuselt es. Prompt muss ich vor der Dusche warten. Vor dem Frühstück lege ich unsere dicke Kamera schussbereit neben die Kaffeetasse. Ein junger Graubülbül setzt sich auf einem Ast über mir in Szene, doch dann ist Schluss mit dem Shooting, denn es scheint heute zu viele Frühstückstische zu geben, von denen ein paar Krümel fallen. Maskenweberweibchen
Maskenbülbül
Kaprötel
Die 120 km bis Upington legen wir im Nu zurück. Trotz Sonntag haben die Supermärkte geöffnet, und das brauchen wir, denn wir müssen uns für eine Woche Kgalagadi NP mit Getränken und Lebensmitteln eindecken. Wir versuchen es zuerst bei Spar, der hier allerdings nur ein eingeschränktes Sortiment hat. Shoprite ist zwar riesig, doch wir dürfen nicht alle Artikel einpacken, die wir uns notiert haben. Vor allem die Weinflaschen müssen wir an der Kasse stehenlassen, denn heute ist der Tag des Herrn und somit der Verkauf von Alkohol verboten 😄 .
Teil 1515. Okt. 2016
05. – 10. September: Unsere Zeit im Kgalagadi Transfrontier Nationalpark
05. September: Twee Rivieren
Heute Nacht hat der Wind an unserem Dachzelt gezerrt und die Stühle umgeworfen. Die Ibisse auf dem Campingplatz sind noch früher wach als ihre Artgenossen in Augrabies Falls. Schon um 6:00 Uhr kreischen sie und schmeißen uns aus dem Bett. Auch gut, denn wir haben einen langen Tag vor uns.
Sechzig Kilometer südlich von Upington haben wir gestern die Reiterfarm mit Camping "Duin-in-die-Weg" entdeckt. Sie ist wunderschön gelegen mit terrassierten Stellplätzen unter dichten Kameldornbäumen, rustikalen Ablutions, Wasser und Stromanschluss. Nach mehrmaligem Anlauf durch eine tiefe Sandkuhle stehen wir auf einem Rasen, auf dem es sich wie auf Schaumgummi läuft. Was wir erst später spüren, das sind die Bisse der Grasflöhe, von denen das Gras nur so wimmelte.
Eine schattige Wiese, weich wie Schaumgummi
Herberts täglicher Frühsport
Nach kurzem Halt in Upington, um weitere notwendige Dinge für den KTP – wie z. B. den Wein, den wir gestern an der Kasse stehen lassen mussten – einzukaufen, drehen wir nach Norden. Am Anfang ist die Kalahari platt, wie es platter nicht geht, links und rechts wiederum eingezäuntes Niemandsland.
Siedelwebers Mehrfamilienhaus mit Stromanschluss
Dann tauchen die ersten Wellen roter Dünen auf, die dieser Strecke den Namen „Rote Dünen Route“ gegeben haben. In Askham tanken wir voll und sind eine gute Stunde später am Nationalparkgate Twee Rivieren, das für uns an verschiedenen Countern gleichzeitig Grenze, Camping und NP-Eintritt für SA und Botswana erledigt.
Das Gate Twee Rivieren
Kurz nach dem Einlass spricht uns eine Deutsche an, ob wir die „freshys“ aus dem Namibiaforum seien. Es ist Helen. Wir hatten uns unverbindlich verabredet, aber nicht geglaubt, dass es klappt. Wir verabreden uns zum Abendessen im Restaurant. Zwischendurch nehmen wir einen Stellplatz in Besitz, der staubig, eng, laut und lieblos ist. Neben uns haben sich ein deutsches und ein schweizer Paar niedergelassen. Beide beklagen den schlechten Service ihrer Fahrzeugvermieter, die auf den ersten Blick günstiger waren als Africamper, aber auch unzuverlässig und sogar betrügerisch.
Das Restaurant hätten wir an der Rezeption vorbuchen müssen, was wir nicht wussten 😠 . Wir bestellen ein Take Away und werden von Helen und Ronald in ihr Chalet eingeladen. Das ist sowieso viel gemütlicher, denn als wir nach vergnüglichen zwei Stunden heimwärts wandern, ist es im Restaurant bereits dunkel. Schade, ich hätte gern gemeckert, dass das Straußenfilet zäh und trocken war.
06.September: Nossob
Sonnenaufgang
Wir stehen wieder früh auf, um loszufahren, weil wir auf der Fahrt nach Nossob auf Wildbeobachtung hoffen. Der Schweizer hat nun auch noch einen Platten, was bei dem Zustand seiner Reifen kein Wunder ist. Wir wünschen dem Paar viel Glück für die Weiterreise und machen uns auf den Weg. Strauße, Gnus, Oryxe und Springböcke sehen wir unterwegs, doch die Großkatzen zeigen sich nicht. Auf einem komfortablen Picknickplatz frühstücken wir.
Picknick mit Filterkaffee
Gnus muss ich nicht vorstellen 😉
Singhabicht
Kapturteltauben
Ein Strauß am Horizont
Die Sonne steigt zum Zenit, es wird trotz Klimaanlage heiß im Fahrzeug. Als wir um 15:00 Uhr Nossob erreichen, sind die Schattenplätze vergeben. Wie schaffen es eigentlich andere Touristen, so zeitig anzukommen, dass sie die besten Plätze belegen können? Später unternehmen wir noch einen Game Drive und sehen zwei Löwinnen dicht am Weg beim Nichtstun.
Langweilig hier
Gähn!
Mahaliweber
Riesentrappe
Oryxe haben alle die gleichen Masken
Die Geier warten schon
Den Hide in Nossob finden wir erst einmal nicht. Stattdessen erfrischen wir uns im Pool und lernen zwei südafrikanische Paare kennen, mit denen wir uns länger unterhalten. Der Weg in den Mabuasehube-Teil des KTP sei tiefsandig, hätte viele Steigungen und Senken, die Übernachtungsplätze Matopi seien in schlechtem Zustand, werden wir informiert. In drei Stunden Fahrt sei man dort.
Teil 1616. Okt. 2016
07.September: Matopi
In der Nacht weckt uns Löwengebrüll. Manno, hat der Kerl einen Sound! Der Südafrikaner berichtet, der Löwe hätte gleich neben dem Zaun gelegen. Wir machen uns zu einem Game Drive auf in der Hoffnung, ihn zu sehen. Gleich zwei der königlichen Tiere liegen direkt am Fahrweg und lassen sich fotografieren. Was das Vordrängeln anbetrifft, müssen wir noch viel lernen, denn mehrmals fahren uns andere Fahrzeuge rigoros in die Sicht.
Profil eines Königs
Er erhebt sich ...
... und haut ab
Ihn kümmert das alles gar nicht
Beim Frühstück werden wir von Fuchsmangusten, Erdhörnchen und Glanzstaren regelrecht belagert. Wir lassen uns Zeit, denn wir wollen nicht so früh auf Matopi ankommen, wo es nichts, aber auch wirklich nichts geben soll außer einer Latrine, wie der Südafrikaner sagte.
An dieser Stelle biegen wir rechts ab
Höhenprofil unseres Dünenritts in die Mabua-Sektion
Mal ist der Sand rot
Mal ist er gelb
Kaptäubchen, Rotkopfamadine und Webervogel
Die Fahrt nach Mabuasehube entpuppt sich als Hardcore-Unternehmen. Wie üblich ist der Sand unter den Rädern am Nachmittag sehr fluffig. Wir brauchen mit einigen Fotostopps fast vier statt drei Stunden, obwohl Herbert ein routinierter 4×4-Driver ist. Die Übernachtung in Matopi hat außer ganz viel herrlicher Einsamkeit - was nicht unterschätzt werden darf - nichts zu bieten. Wir buddeln beim Schaufeln eines Lochs für ein Lagerfeuer jede Menge Feuerstellen aus. Dasselbe gilt leider auch für die Stellen mit menschlichen Hinterlassenschaften, da die Latrine nicht benutzbar ist. Als es dunkel wird, beginnen die Grillen ihr unmelodisches Konzert, das bis in die Nacht hinein anhält.
Lannerfalke
Matopi - vor und hinter uns liegen je 100km Einsamkeit
08.September: Mabuasehube Pan
Der frühe Vogel fängt den Wurm, der frühe 4×4-Driver findet festen Sand unter den Rädern vor. Trotzdem frühstücken wir, finden Zeit, einige Vögel zu fotografieren, für die wir eine Tränke gefüllt haben, und machen uns auf den Weg.
Rotkopfamadine
Kapsperling
Wellblech
Es läuft tatsächlich besser als gestern, doch schon um 10:00 Uhr wird der Sand schwer. Die Fahrverhältnisse ändern sich auch im Bereich der Salzpfannen nicht, so dass wir um die Mittagszeit genervt am gebuchten Stellplatz eintreffen. Er ist mit einer Gruppe besetzt, die uns ihre Buchung zeigt. Doch es ist auch für uns genügend Platz im Schatten vorhanden, und die Leute sind freundlich und nett. Sie brauchen das zeltförmige Schattendach nicht, sagen sie und fahren ihr Auto ein Stück beiseite. Morgens seien Löwen im Camp gewesen, werden wir informiert. Später bieten sie an, von einer acht Kilometer entfernten Campsite für uns einen Sack Wasser mitzubringen, weil auf dem Platz wegen der Trockenheit kein Wasser vorhanden ist.
Campsite an der Pan
Stellplatz mit herrlicher Aussicht
Die Mabuasehube Pan ist ausgetrocknet
Mein Blick schweift über die Salzpfanne, deren Weite und Stille nach der anstrengenden Fahrt beruhigend wirkt. Dann sorgt ein böiger Wind für Abwechslung, indem er Staub in Windhosen über die Gegend wirbelt. Eines seiner Produkte fegt ausgerechnet über uns hinweg, und wir versinken darin. Es müsste nicht so staubig, heiß und trocken sein, aber der Platz liegt traumhaft schön.
Teil 1717. Okt. 2016
09.September: Thema Trinkwasser und Matopi zum Zweiten
Würde mein Vater noch leben, hätte er heute seinen 100. Geburtstag. Der Tag beginnt mit einer roten Sonne, die im Nu den Himmel erobert. Leider sorgt der Wüstenwind dafür, dass es eisigkalt ist. Vor allem Herbert bibbert und wird auch durch den Kaffee nicht warm, dessen Wasser sich Zeit lässt, bis es endlich sprudelt. Unsere Campingnachbarn verabschieden sich von uns, weil sie einen Ausflug machen wollen. Da wir Zeit, viel Zeit haben, beobachten wir eine Mangustenfamilie beim Spielen.
Eingänge zu den Wohnungen der Familie Fuchsmanguste
Ein letzter Blick über die Pan
Wir brauchen Wasser, denn unser eigener Tank faucht nur noch asthmatisch, wenn wir den Hahn aufdrehen. Herbert vermutet, dass der Campingplatz am botswanischen Gate Wasser hat. Doch leider informiert uns eine Nachricht an der Klotür, dass es kein Wasser gibt.
Hin und wieder ist der Pfad steinig
Auch auf dieser Campsite gibt es kein Wasser
Wir fahren ans Gate, wo uns freundlich der Weg zu einem Wassertank in einer Wohnanlage außerhalb des NP gezeigt wird. Dort füllen wir den Wassersack und legen ihn vorsichtshalber in unsere Waschschüssel, weil er „ein wenig“ leckt.
Verfahren kann man sich nicht, die Beschilderung ist eindeutig
Als wir in Matopi ankommen, schwimmt der Sack in der Schüssel und alles, was auf dem Kabinenboden liegt oder steht, ist nass oder feucht. Glücklicherweise wird in der trockenen Luft alles sehr schnell trocken.
Heute Abend gibt es kalte Küche, denn die Gegebenheiten auf dem Übernachtungsplatz laden nicht dazu ein zu kochen. Morgen wollen wir früh aufbrechen, um die Annehmlichkeiten in Nossob ausgiebig zu nutzen.
10.September: Nossob
Wow, ist es kalt heute morgen. Ab 05:00 Uhr scheint die Zudecke neuerdings Kältezonen zu entwickeln. Jetzt pusten wir auf dem Übernachtungsplatz Matopi mitten im Irgendwo in unseren Instant-Cappuccino und versuchen, uns warm zu zittern. Die Staubpatina, die uns die Windhose gestern verpasst hat, wärmt leider nicht, sondern gibt uns das Gefühl, unwahrscheinlich schmutzig zu sein. Ehrlich gesagt müffeln wir.
Welches Drama mag sich hier abgespielt haben?
Die Landschaft ändert sich nur wenig
Düne abwärts
Hoffentlich nähert sich niemand von der anderen Seite
Noch hundert Kilometer bis zur ersehnten Dusche im Nossob Camp! Die Hälfte davon nehmen wir routiniert, Dünenreiten ist uns zur Spezialität geworden, unterlegt mit Wellblechpiste wird der Sport allerdings zum Horror. Hinauf auf den Dünenkamm im 1. Gang (hoffentlich nimmt ihn niemand gleichzeitig von der anderen Seite in Angriff) hinunter und hinein in die nächste Wellblechstrecke, so dass wir Angst um unsere rohen Eier im Kühlschrank haben. Die letzten fünfzig Kilometer vor Nossob sind die schwierigsten, wir schaffen kaum 25 km/h.
Der Sand wird wieder fluffig und fließt mit
Hohlweg kurz vor der Abzweigung nach Nossob
Endlich zeigt sich das trockene Bett des Nossob und einige Kilometer später sind wir im Camp. Wir hocken uns auf die Stühle, um unseren Gliedern und dem Gehirn Zeit zu lassen, das Schütteltrauma abzubauen. Duschen und eine Runde im Pool, ein selbst zubereitetes Dinner mit vorgewürztem Hähnchen aus der Vakuumpackung – der Tag ist heute für uns zu Ende. Der Himmel legt Gewitterstimmung auf, es ist windstill und klebrig warm. Heute Nacht werden wir mit Sicherheit nicht frieren.
Teil 1818. Okt. 2016
11. und 12. September: Von Mata Mata zum Buschcamp Mesosaurus Fossils
Wir gönnen uns ein gemächliches Aufstehen. Herbert sieht in der Campküche eine Campingwaschmaschine namens Sputnik. Ich soll sie mir unbedingt angucken. Im Handbetrieb ist das kugelige Ding zehnmal links und zehnmal rechts herum zu drehen und fertig ist die Wäsche. Ich merke mir das Wunderwerk als Weihnachtsgeschenk für meinen Mann vor.
Für uns Spätaufsteher sind auf der Fahrt nach Mata Mata keine Tiersichtungen zu erwarten, aber das Auobtal ist eine schöne Flusslandschaft, auch wenn kein Wasser fließt.
Kaptäubchen am Wasserloch
Raben
Eine Herde Kuhantilopen
Gackeltrappe
Wüstenrose
Der Campingplatz in Mata Mata ist gut besetzt. Nachdem wir uns für einen Platz entschieden haben, werden wir freundlich darauf hingewiesen, das sei der Zugang für die hinteren Camper zu den Ablutions. Wir rücken einen Baum weiter. Kurz bevor unser Fleisch auf dem Grill schön knusprig ist, kommt ein Bus voller Overlander angedonnert und will seinen menschlichen Inhalt direkt neben uns auf den Zugang zur Toilette kippen. Wir protestieren, bis sich die Reiseleitung entscheidet, die Zelte weiter entfernt aufbauen zu lassen. Aus dem gemütlichen Braai wird nichts bei der Unruhe, die die Gruppe verbreitet.
Dramatischer Sonnenaufgang
Der nächste Morgen beginnt früh, weil die Busladung schon um 5:00 Uhr zum Becher Warmgetränk antritt. Noch ist es relativ warm, doch als wir um 7:00 Uhr aufstehen, weht ein eisiger Kalahariwind. Trotz Socken und Fleecejacken frieren wir und können es nicht abwarten, ins Auto zu steigen und loszufahren. Um 9:00 Uhr sind wir so weit. Wir tanken und begeben uns zu den Grenzkontrollen. Die südafrikanischen Beamten lümmeln uniformiert in der Rezeption auf einer bequemen Couch und nehmen gnädig unsere Papiere entgegen. Es fehlt an diesem Bild lediglich der Kaffee auf dem Couchtisch. Zum Schluss begleitet uns der Officer zum Auto und lässt sich die Kabine zeigen. Und was sieht er dort? Wir werden gerügt, weil wir die Nr. 4 der KTP-Gesetze nicht beachtet haben! Den Rest des Feuerholzes müssen wir abgeben, da es verboten ist, Holz aus dem KTP nach Namibia auszuführen.
Gravelroad nach Keetmanshoop
Die Fahrt durch Namibia auf einer einsamen Gravelroad ist öde. Kaum haben wir eine Düne erklommen, folgen die nächsten. Vor allem in den grauen Bereichen schleppen wir eine dichte Staubfahne hinter uns her. Wir kaufen in Keetmanshoop ein. Die Bettler am Supermarkt sind so lästig und aufdringlich wie wir es von vor fünf Jahren in Erinnerung haben. Nix wie weg hier!
Unser Ziel für 2 Tage
Im Camp Mesosaurus Fossils werden wir herzlich empfangen und nach einem freundlichen Schnack ins Buschcamp weitergeschickt. Es liegt malerisch in einem Tal mit rundherum unzähligen Köcherbäumen und schwarzen Doleriten, einem subvulkanischen Gestein, das chemisch und mineralogisch dem vulkanischen Basalt entspricht. Es ist bis auf Strom alles da, was ein Camper braucht.
Ablutions
Man beachte den Klopapierhalter 🙂
Der Donkey
Und so wird er fachgerecht gefüttert 😉
Die Sanitäreinrichtungen sind echte Buschcampqualität, denn für die Dusche muss der Donkey angeheizt werden. Wir haben den Platz heute Abend für uns allein und genießen nach dem unruhigen Mata Mata die Ruhe und Stille.
Praktisches Utensilo
Köcherbäume am Stellplatz
Köcherbaumfrüchte
Landschaft im Abendlicht
Kurz nach Sonnenuntergang
Teil 1919. Okt. 2016
13. September: Wir lernen den Mesosaurus kennen
Morgens nach dem Aufstehen fällt schon wieder die eisige Kälte der Kalahari über uns her. Wir verzichten auf unser Frühstück, nehmen im Stehen einen Happen Kornflocken in Milch zu uns und fahren zu unserer Verabredung mit Will, der uns seine Fossilien zeigen will.
Abdrücke auf Schieferplatten
Der Mesosaurus lebte vor 320 Mio Jahren in seichtem Gewässer, wo er mit seinen Zähnen Nahrung aus dem Wasser siebte, wie die Versteinerung eines Unterkiefers mit einem spitzen langen Zahn beweisen soll.
Unterkiefer eines Mesosaurus mit spitzem Zahn
Die meisten Fundstücke zeigen nur die Hohlräume im Gestein, die der Körper des Reptils hinterließ. Einige wenige Versteinerungen wie z. B. der Unterkiefer, Rückenmark und „Kacka 😉 “ blieben erhalten.
Pfui Kacka!
Besonders stolz ist Will auf jene Schieferplatten, die sein Sohn vor fünfundzwanzig Jahren zufällig fand und der Anlass waren, sich für Paläontologie zu interessieren.
Das erste Fundstück: Ein Abdruck im Schiefer
Ein verwandter Wissenschaftler bestätigte damals, dass es sich um großartige wissenschaftliche Funde handelt, auch wenn kein Fundstück einen vollständigen Abdruck eines Mesosaurus zeigt. Laut Will hat er Anfragen von Wissenschaftlern aus Brasilien und Deutschland, die mit ihren Studenten gerne Grabungen vornehmen würden.
Will fährt voraus, wir in seiner Staubfahne hinterher, bis wir vor dem Grab des Unteroffiziers J. Splittgerber stehen, der 1904 an dieser Stelle erschossen wurde. Es war damals üblich, die getöteten Soldaten an Ort und Stelle zu begraben.
Ein Soldatengrab
Wir fahren zu einigen Funden weiter, die ungeschützt in der Landschaft liegen, und die wir sogar anfassen dürfen. Erstaunlich, bei uns würde man ein Museum drumherum bauen und alles hinter Glas sichern. Eine kurze Einführung in die Biologie der Köcherbäume und in Gesteinskunde schließen sich an. Will spielt uns an einem Stapel Doleriten „Bruder Jakob“ vor, indem er mit einem weiteren Stein gegen die Felsen schlägt.
Will spielt uns "Bruder Jakob" vor
Dann fährt er von dannen und lässt uns allein, damit wir in aller Ruhe fotografieren können. Will ist überzeugt – und wird von Iwanowski, dem Verleger für gleichnamige Reiseführer, darin bestärkt – dass er den schönsten Köcherbaumwald der Welt sein eigen nennt 🙂 .
Erstaunliche Landschaft
Über uns dunkelblauer Himmel
Die früheren Bewohner der Gegend haben aus den hohlen Ästen Köcher gemacht und Pfeile darin transportiert.
Hohler Köcherbaumast
Der Saft dieser Aloe dichotoma soll eine heilsame Wirkung haben. Mit seinen 5000 Exemplaren macht Wills Wald etwas her, und er ist mächtig stolz darauf.
Kameldornblüten
Köcherbaumrinde
Nach der Tour ist unser Frühstück dran, danach gehe ich duschen. Gut so, denn wenig später treffen weitere Camper ein, ein Ehepaar mit Sohn, Schwiegertochter und Enkel sowie ein weiteres Ehepaar. Deutschnamibier mit ihren Freunden. Der Nachmittag vergeht mit Dösen und dem Fotografieren der Siedelweber, die so zutraulich wie flink sind. Ich sitze mit der 7D und ausgefahrenem Tele im Anschlag unter ihrem mächtigen Nest und versuche, den ultimativen Moment für ein preisverdächtiges Foto zu erwischen.
Im Siedelwebernest auf unserer Campsite herrscht emsige Bautätigkeit
Transport von Baumaterial
Siedelwebermeeting
Später entfacht Herbert ein zünftiges Grillfeuer und ich richte Grillstücke und Salat her. Bei unserem Verdauungsspaziergang schießen wir im rötlichen Licht der untergehenden Sonne eine Reihe Fotos von der Landschaft. Die hält wenigstens still!
Abendstimmung
Unser Ausblick beim Sundowner
Scherenschnitt
Teil 2020. Okt. 2016
14. – 16. September: Zum Abschluss etwas Luxus auf der Bagatelle Game Ranch
Als wir vor fünf Jahren spontan hier übernachten wollten, wurden wir an der Rezeption abgewiesen, weil alle Campsites belegt waren, und mit Voranmeldung weiter in die Kalahari geschickt. Der Ersatzplatz war damals noch im Aufbau, doch ich erinnere mich an eine schöne Campsite. Am nächsten Morgen kam damals das typische Kalahari-Erwachen: Die Temperaturen lagen nahe dem Gefrierpunkt.
Am Eingang der Lodge
Gegen die Bagatelle Ranch lässt sich objektiv nichts sagen. Für uns ist sie nach den Tagen auf spartanischen Campsites im KTP und dem urigen Buschcamp Mesosaurus Fossils ein Kulturschock. Wir werden mit einem Glas Fruchtsaft willkommen geheißen, das uns auf einem "silbernen 😉 " Tablett kredenzt wird. An der Rezeption lächeln die Angestellten mit weißblitzenden Zähnen und erläutern uns die Vorzüge und Angebote der Ranch. In Gedanken gehe ich meine sauberen Kleidungsstücke durch, die in diese Umgebung passen könnten – mit frustrierendem Ergebnis. Die Lodge liegt wunderschön, ist erstklassig im Service, es gibt freies Wifi, und in das Sanitärgebäude unserer Campsite passt der Buschcamper zweimal hinein. Der Weg zum Hauptgebäude allerdings ist weit, zu weit für zwei, die nur noch relaxen wollen. Wir nutzen das Internet, trinken dazu je ein Glas erstklassigen Hauswein aus Stellenbosch und verziehen uns auf unsere Campsite.
Ungewöhnliches Haustier
Den nächsten Tag verdösen wir, bis uns einfällt, dass der Kühlschrank an den Strom muss, was auf umständliche Weise nur mit Kabel von der Rezeption aus möglich ist. Wir machen es uns am Pool gemütlich, Herbert springt hinein und verjagt damit ein Pärchen, das die Liegen genießen und nicht etwa nass werden wollte. Ich entdecke eine Familie Erdmännchen, die in einem eingezäunten Areal ihre Höhle haben. Meine ersten Erdmännchen! Sie lassen mich nahe herankommen, beachten mich und die Kamera gar nicht, denn die Bauarbeiten in der Nähe sind viel interessanter. Ich fotografiere mir vor lauter Begeisterung den rechten Zeigefinger wund, um später feststellen zu müssen, dass ich das falsche Programm eingestellt habe. Shit happens!
Kaum zurück am Pool wird es ungemütlich, da der Wind erst sanft, dann immer heftiger zu wehen beginnt und sich zu einem ordentlichen Sandsturm entwickelt.
Sandsturm im Anmarsch; Kommentar eines Lodgeangestellten: "That's the Kalahari"
Wir haben das Dach des Campers zum Lüften offen gelassen und dürfen zum wiederholten Mal einen Teil der Kalahari aus der Kabine schaufeln. Auf der Campsite leistet der Wind ebenfalls ganze Arbeit, denn auch die Fenster der Hütte stehen offen.
Drosselschnäpper (?)
Kalahariheckensänger
Braun geäderter Weißling
Das gebuchte Dinner ist vorzüglich, obwohl die Küchenfenster dem Sandsturm nicht standgehalten haben. Zwischen unseren Zähnen knirscht noch am nächsten Tag feiner roter Kalaharisand.