Liebe Fomis, ja, ja, die Zeit, sie rennt! Seit Anfang Mai sind wir schon wieder zurück aus Botswana, aber ich habe einfach keine Zeit gefunden, meinen Bericht zu schreiben. Jetzt sieht es zeitlich bei mir ein wenig besser aus, also starte ich mein Tagebuch und hoffe, in einem akzeptablen Zeitraum bis zum Ende durchzukommen. Wie jedes Jahr im (deutschen) Frühjahr wurde ich losgeschickt, um einige Eindrücke von Unterkünften – diesmal nur in Botswana - zu sammeln. Ich habe nun mal ein hartes Los. Da wo andere Urlaub machen, muss ich „auf Arbeit“ hinfahren. Glücklicherweise hat mich auch diesmal wieder meine Frau Ruth unterstützt, das machte mir den Aufenthalt ein bisschen leichter 😉
Unsere Tour in Stichpunkten:
12.04.16 Abflug Frankfurt – Johannesburg (zum ersten Mal mit Lufthansa) 13.04.16 Ankunft in JNB, weiter mit Airlink nach Maun, von dort weiter mit dem Buschflieger (Safari Air) an den Rand des Makgadikgadi Nationalparks. 3 Übernachtungen in Leroo La Tau (Desert & Delta) 16.04.16 Transfer mit dem Buschflieger (Mack Air) ins Okavango Delta, 2 Übernachtungen in der Sandibe Safari Lodge ( & Beyond) 18.04.16 Transfer (Mack Air) in den südlichen Teil des Deltas, 1 Übernachtung im Xudum Safari Camp ( & Beyond) 19.04.16 Tansfer (Mack Air) in den nördlichen Teil, 3 Übernachtungen im Camp Okavango (D & D) 22.04.16 Transfer (Safari Air) in den Moremi NP, 3 Übernachtungen im Camp Moremi (D & D) 25.04.16 Flug (Safari Air) nach Savute, 2 Übernachtungen in der Savute Safari Lodge (D & D) 27.04.16 Flug (Safari Air) nach Kasane, 5 Übernachtungen in der Garden Lodge 02.05.16 Abflug mit Airlink von Kasane nach Johannesburg, dann weiter mit LH nach Frankfurt
Während wir im Frühjahr 2015 überwiegend in Südafrika als Selbstfahrer unterwegs waren, sollte es diesmal wieder eine Reise unter dem Motto: „Betreutes Reisen – Betreutes Wohnen“ werden, bei der wir uns um nichts kümmern wollten. Ja, ja, ich habe bei dieser Beschreibung auf einen Fomi-Ausdruck zurückgegriffen, ich denke mal, Bele wird es erlauben 😗
Dienstag 12.04.16 Wir sitzen im Auto meines Schwagers und lassen uns zum Frankfurt Airport chauffieren. Der ist nicht wirklich weit entfernt von unserem Wohnort (ca. 15 Minuten), wir starten aber trotzdem relativ früh, denn wir wollen eine neue LH Lounge im Terminal E testen. Wir haben ein Upgrade für die Businessclass in der Tasche, das machte die Sache ziemlich angenehm. In all den Jahren flogen wir ausschliesslich mit der SAA ins südliche Afrika, deshalb bin ich gespannt, wie die Lufthansa im Vergleich abschneiden wird. Im Vorfeld hatte ich die Info bekommen, dass es nicht möglich sei, mit der LH zu fliegen und trotzdem das Gepäck bis Maun durchzuchecken. Das erwies sich als falsch. Die Dame am LH Schalter konnte uns sogar die Bordkarten für den Airlink Flug am nächsten Tag ausdrucken. Damit war das Thema „wir müssen nach SA einreisen, im Domestic Departure Bereich bei Airlink einchecken und dann wieder zurück zur International Departure Halle" vom Tisch. Um bei einer eventuellen Verspätung ja nicht unter Zeitdruck zu kommen hatte ich sicherheitshalber den Bidvest VIP Service gebucht, das hätte ich mir also sparen können. Trotzdem schicke ich an dieser Stelle ein Dankeschön an das Fomi Cecile für die Infos 😘
Der Weg durch die Handgepäckkontrolle ist schnell absolviert, schon bald sitzen wir in der Lounge organisieren uns zwei Gläser Weisswein, prosten uns zu und beginnen damit „ganz offiziell“ unsere Reise nach Botswana. Wir werden (einen dreitägigen Besuch im Tuli Block eingerechnet) immerhin zum 15. Mal botswanischen Boden betreten. Ja ! Wir lieben dieses Land 🙂
Etwa 21:30 machen wir uns auf den Weg zum Gate und besteigen die Boeing 747. Die Business Class macht einen guten Eindruck. Was für uns erfreulich ist: Genau wie bei der SAA lassen sich die Sitze in eine waagrechte Position stellen, man hat also ein „richtiges“ Bett zur Verfügung. Ich bin nicht mehr der Jüngste und meine alten Knochen sind dankbar für diese Art der Reiseerleichterung. Das Personal in der Kabine ist ausgesprochen freundlich und gut gelaunt, wir fühlen uns sofort wohl an Bord. Pünktlich werden die Türen geschlossen und wir rollen zur Startbahn. Nach dem Start suchen wir uns das Abendmenü aus und lehnen uns völlig entspannt zurück. Ach ist das schön! Morgen um diese Zeit können wir schon auf unserer Terrasse mit Blick auf den Boteti sitzen und den Sternenhimmel des südlichen Afrika bewundern. Dazu gibt es garantiert ein Konzert verschiedener Tierstimmen … ICH KANN ES KAUM ERWARTEN! 🤩 🤩
Mittwoch 13.04.16 Irgendwann am frühen Morgen wachen wir ganz von alleine auf. Ich schaue meine Frau an und wir nicken uns zu: Ja, wir haben ganz gut geschlafen und sind bereit für unsere kleinen Abenteuer in Botswana. Bald darauf gibt es Frühstück, dann dösen wir noch ein wenig und landen um kurz vor 09:00 in Johannesburg. Wegen einer Gewitterfront mussten wir einen kleinen Umweg fliegen, deshalb haben wir etwas Verspätung. Wir verabschieden uns von den Flugbegleitern (innen). Ich muss es noch mal sagen: Die Crew war extrem nett, für unsere Begriffe sogar noch etwas freundlicher als bei der SAA. Kaum haben wir das Flugzeug verlassen, werden wir auch schon von einer Bidvest Mitarbeiterin in schicker grün-weisser Uniform erwartet. Sie hat ein Schild mit unserem Namen in der Hand, wir haben also keine Probleme, sie zu erkennen. Ich erkläre ihr, dass unser Gepäck bereits durchgecheckt ist und dass wir ihre Hilfe eigentlich nicht mehr benötigen, aber davon will sie nichts hören. Sie hat den klaren Auftrag, sich um uns zu kümmern und den führt sie selbstverständlich aus. Sie schnappt sich ein Stück Handgepäck von Ruth und los geht´s durch die langen Gänge des Transitbereichs. Unterwegs fragt sie, wie unser Flug war und ob wir das erste Mal in Afrika sind. Nachdem wir ihr sagen, wie oft wir schon ins südliche Afrika gereist sind, ist sie beeindruckt und meint, wir müssen diese Region wohl sehr lieben. Das können wir natürlich ohne Einschränkung bejahen. Wir erreichen die Passkontrolle, unsere Begleiterin achtet darauf, dass wir so schnell wie möglich durchgeschleust werden, wenig später folgt noch die Kontrolle des Handgepäcks, dann fahren wir die Rolltreppe hoch und erreichen die riesige Abflughalle mit den vielen, vielen Geschäften. Ein paar Minuten müssen wir noch laufen, dann kommen wir zu „unserer“ Rolltreppe, die hinauf zur SAA Baobab Lounge führt. Unsere Begleiterin betritt mit uns die Lounge, läuft zielstrebig vor uns her und sucht uns zwei Sessel aus. Wir stellen unsere Sachen ab und bedanken uns bei ihr. Ich muss noch quittieren, dass der Service ok war, dann lächelt sie uns noch einmal an, wünscht uns eine gute Reise und verlässt die Lounge.
Meine Frau organisiert uns ein zweites Frühstück, während ich einige SMS an die Lieben zuhause schreibe. Um 11:00 machen wir uns schon wieder auf den Weg zum Gate. Auch diesen Weg sind wir schon einige Male gelaufen, müssen uns also überhaupt nicht neu orientieren. In dem Moment, als wir den Schalter erreichen, beginnt die Prozedur des Boardings. Wir sind deshalb die ersten und können uns im wartenden Bus unseren Lieblingsplatz aussuchen. Gegen 11:45 werden wir zu dem Flieger aufs Vorfeld gefahren. Bald darauf sitzen wir in Reihe 1 und warten darauf, dass alle Passagiere ihre Plätze eingenommen haben, dann geht es auch schon los.
Der Flug nach Maun dauert gut 1 ½ Stunden. Bei klarem Himmel zieht die Landschaft unter uns vorbei. Die Salzpfannen der Makgadikgadi Pans leuchten zu uns herauf, wenig später kann ich auch schon den Thamalakane River erkennen. Ich sehe, dass er nicht besonders viel Wasser führt, die Regenzeit war nicht wirklich ergiebig. Wir überfliegen den Fluss und schwenken nach rechts, dann liegt auch schon der Maun International Airport in unserem Blickfeld. Die Landung ist sanft, wir rollen zum Haltepunkt vor dem Flughafengebäude und wenige Minuten später können wir auch schon aussteigen. Ruth und ich haben immer ein paar Einreiseformulare vorrätig. Die konnten wir deshalb schon in Johannesburg ausfüllen. Wie immer begrüssen wir die Beamtin am Schalter mit ein paar Brocken der Sprache Setswana, sie lächelt und antwortet und Ruckzuck ist für uns die Einreiseprozedur vorüber. Bald darauf können wir unser Gepäck in Empfang nehmen. Am Zoll kümmert sich niemand um uns, dann betreten wir die kleine Empfangshalle. Sofort erkennen wir die Dame von Desert und Delta. Auch sie hält ein Schild mit unserem Namen in der Hand. Wir begrüssen sie – natürlich wieder auf Setswana. Ich frage sie, wie sie geschlafen hat, stelle fest, dass heute ein heisser Tag ist und sie ist überglücklich, dass ein deutscher Tourist mit ihr in ihrer Muttersprache redet, so etwas passiert nämlich sehr selten. Englisch ist neben Setswana die offizielle Umgangssprache in Botswana, deshalb machen sich die wenigsten Gäste die Mühe, ein paar Worte in Setswana zu lernen. Zwei Gäste aus Frankreich stossen jetzt zu uns, damit ist unsere Reisegruppe komplett. Unser Gepäck wird auf einen kleinen Rollwagen geladen, während wir uns bei der Handgepäckkontrolle anstellen. Danach sitzen wir noch ein paar Minuten in einem Raum (Halle wäre etwas übertrieben). Dann erscheint unser Pilot, wir treten aufs Vorfeld und besteigen einen kleinen Bus, der uns zum Buschflieger bringt. Um 14:15 rollt die kleine Maschine zur Startbahn und kurz darauf schwingen wir uns in die Lüfte. Keine Wolke zeigt sich am blauen Himmel, es verspricht ein ruhiger Flug zu werden.
Etwa 40 Minuten später sind wir bereits in den Sinkflug übergegangen. Ich schaue aus dem Fenster und kann einige Elefanten an einer Wasserstelle erkennen. Wir fliegen jetzt parallel zur Teerstrasse, die das Städtchen Maun mit dem Ort Nata verbindet, dann taucht die staubige Landepiste vor uns auf. In niedriger Höhe überfliegen wir den Airstrip, der Pilot schaut, ob auch keine Tiere die Piste blockieren, dann fliegen wir eine scharfe Kurve und setzen ziemlich genau um 15:00 sehr sanft auf der Piste auf. Flug Nummer 1 haben wir ohne Probleme absolviert, so kann es weiter gehen 🙂
Kaum hat der Pilot die Cessna am Rand der Piste geparkt und den Motor abgestellt, nähert sich auch schon ein Safarifahrzeug. Wir werden freundlich begrüsst und das Gepäck wird umgeladen. Dann warten wir noch, bis der Buschflieger wieder gestartet ist. Jetzt machen wir uns auf den Weg zur Lodge. Wir folgen einer schmalen Sandpiste. Mal windet sie sich durch dichtes Buschwerk, mal öffnet sich die Landschaft. Einige Vögel fliegen an uns vorbei, grosse Tiere sind aber nicht auszumachen. Nach ca. 30 Minuten haben wir unsere erste Station, Leroo La Tau, erreicht. Wie wir es aus von anderen Unterkünften gewohnt sind, werden wir mit Gesang und einem kühlen Getränk von der Staff begrüsst. Die Angestellten stellen sich einzeln vor und jede bzw. jeder gibt uns die Hand. Natürlich haben wir keine Chance, uns die ganzen Namen zu merken, aber zum Glück tragen alle Namensschilder, das macht die Sache für uns viel einfacher. Es wäre uns unangenehm wenn wir mit unseren Vornamen angesprochen werden und wir keine Ahnung hätten, wie unser Gegenüber heisst. Wir werden von einem der Manager auf die offene Veranda geführt. Während man unser Gepäck zur Unterkunft trägt, bekommen wir einige Informationen zur Lodge und dem täglichen Ablauf.
Leroo La Tau liegt am Rand des Boteti River. Auf der anderen Uferseite beginnt bereits der Makgadikgadi Nationalpark. Die Lodge hat 12 Chalets, es können also bis zu 24 Gäste übernachten. Der Uferrand ist an dieser Stelle über 20 Meter hoch, deshalb hat man vom Hauptgebäude und von den Chalets einen tollen Ausblick über den Fluss bis in den Park hinein. Acht Jahre zuvor standen wir genau auf der gegenüberliegenden Seite im Park. Damals war der Boteti ausgetrocknet und im Flussbett tummelten sich viele Gnus, Zebras und Elefanten. Ich konnte hoch oben ein Chalet erkennen und hatte schon damals den Wunsch, irgendwann mal genau dort zu stehen und das bunte Treiben im Flussbett zu beobachten. Dieser Wunsch ging also jetzt endlich in Erfüllung, auch wenn – wegen des Wassers im Flussbett und wegen einer anderen Jahreszeit – die Tiere nicht so zahlreich sind wie damals. Egal ob man sich am Haupthaus, auf der Veranda neben dem Pool oder in den Chalets befindet, man hat immer diesen phantastischen Ausblick, Ruth und ich sind uns schon nach wenigen Minuten einig: Das ist ein wirklich schöner Platz hier, wir können mal wieder nicht meckern.
Der normale tägliche Ablauf sieht so aus: 06:00 Wecken, 06:30 Frühstück, 07:00 Abfahrt zum Gamedrive. Gegen 11:00 Rückkehr (je nachdem, was man so sieht), ca. 11:30 Lunch. Die Zeit bis zum High Tea dient der Entspannung. Um 15:00 trifft man sich wieder, um 15:30 startet man zum Nachmittags-Gamedrive. Gegen 18:00 stoppt man zum Sundowner, um 18:30 ist man wieder in der Lodge. Dann bleibt einem eine gute halbe Stunde um sich frisch zu machen, bevor man zum Sundowner an der Bar abgeholt wird. Danach wird das Dinner serviert. Dann begleitet man uns zu unserem Chalet. Es besteht aus einem grosszügigen Wohn- Schlafraum, sowie einem separaten Bad mit Duscheinheit. Die ganze Front ist verglast und bietet einen traumhaften Ausblick über den Boteti und in den Park. Auch auf der Aussichtsterrasse lässt es sich gut aushalten.
Wir richten uns kurz ein, dann werden wir auch schon wieder zum High Tea und zu der ersten Ausfahrt erwartet. Unser Guide Lasty stellt sich vor. Er wird unser Begleiter für die nächsten 3 Tage sein. Es dauert nur kurze Zeit, dann merke ich schon, dass wir uns gut verstehen werden. Zufrieden machen wir uns auf den Weg zum Wagen, mit uns kommt ein Ehepaar aus Kanada, sowie Chris aus England. Der Weg führt hinunter zum Boteti. Der ist an einigen Stellen komplett trocken, deshalb durchqueren wir das sandige Flussbett ohne Kontakt mit dem Wasser.
Der Gamedrive verläuft sehr entspannt, die „üblichen Verdächtigen“ wie Impalas, Kudus, Zebras tauchen auf. Wir kommen an einen Flussabschnitt, der Wasser führt. Am Ufer grasen Impalas und Kudus. Während ein Kudu ziemlich entspannt durch das Wasser zur anderen Seite läuft bewegt sich ein Impala vorsichtig an den Rand des Wassers und springt dann mit einem Riesensatz ans andere Ufer. Das nächste Impala reagiert genauso. Es scheint so, als hätten diese Antilopen schlechte Erfahrungen mit Krokodilen gemacht.
Wir sind jetzt eine halbe Stunde Minuten unterwegs, plötzlich hören wir ein komisches Geräusch. Lasty stoppt, steigt aus und betrachtet sich den hinteren Reifen. Tja, der sieht ziemlich platt aus! Also heisst es für uns: Aussteigen und die Landschaft geniessen, während Lasty in der Nachmittagshitze schuften muss. Unser Angebot ihm zu helfen lehnt er ab. Bald darauf ist der Ersatzreifen montiert und wir setzen unsere Fahrt fort.
Wie immer, wenn wir auf der Pirsch sind, vergeht die Zeit sehr schnell. Es ist kurz vor 18:00, die Sonne steht bereits knapp über dem Horizont. Wir halten an einer übersichtlichen Stelle und steigen aus. Lasty holt einen Klapptisch hervor, darauf kommt ein Tischdeckchen, dann werden verschiedene Getränke und Häppchen angeboten. Wir haben bereits vor dem Gamedrive Weisswein geordert, deshalb reicht er uns jetzt zwei gut gefüllte Gläser. Wir bedanken uns und drehen uns automatisch Richtung Sonne, die sich rot verfärbt und die Bäume am gegenüberliegenden Steilufer als schwarze Scherenschnitte präsentiert. In unserer unmittelbaren Umgebung herrscht wieder einmal diese wunderbare friedliche Stimmung, die wir während der „goldenen Stunde“ schon so oft erlebt haben. Das sind die Sundowner, die meine Frau liebt! Leider versinkt die rote Sonnenscheibe in den Tropen extrem schnell, wenige Minuten später wird der rosafarbene Himmel langsam grau. Wir sehen noch einen Geier vorbeifliegen, der sein Nest in einer hochstämmigen Palme ansteuert, dann steigen wir bei beginnender Dämmerung wieder in den Wagen und fahren zurück.
... wird fortgesetzt ...
Teil 208. Juli 2016
Es ist schon dunkel, als wir die Lodge erreichen. Deshalb werden wir von einem Guide zum Chalet begleitet. Die Lodge hat zwar einen elektrischen Zaun, der ist aber so hoch angebracht, dass er nur die Elefanten an einem Besuch hindert, alle anderen Tiere können auf dem Areal umherstreifen – wenn sie es denn möchten. Wir gehen kurz duschen und werden ein knappe halbe Stunde später zum Dinner abgeholt. Zunächst wird uns ein Rotwein an der Bar serviert, hier treffen wir auch das Ehepaar aus Frankreich wieder. Wir verstehen uns gut mit ihnen, viel besser als mit den Kanadiern, aber leider sind sie in einem anderen Fahrzeug. Nach einem Glas Rotwein gehen wir an den langen Tisch. Hier sitzen Gäste, Guides und die Manager Nelson + Hannah zusammen, genießen das gute Essen und die nette Unterhaltung. Zunächst werden die einzelnen Gänge des Menüs vom Küchenchef / der Küchenchefin vorgestellt, dann erklärt der Weinkellner, welcher Rot- oder Weisswein heute ausgeschenkt wird. Selbstverständlich kann man auch Bier, oder antialkoholische Getränke bestellen. Grosse Krüge mit Wasser stehen sowieso immer auf dem Tisch.
Um 21:00 sind wir todmüde und lassen uns zurück bringen. Wir gehen noch einmal kurz auf die Terrasse um den Sternenhimmel zu bewundern. Aus den Büschen neben dem Chalet hören wir die Stimme einer Nachtschwalbe, eine andere antwortet. Fledermäuse schwirren nah an uns vorbei. Es ist genauso, wie ich es mir vor knapp 24 Stunden erträumt habe! Dann machen wir uns bettfertig, krabbeln unter die Decken und sind wenige Minuten später auch schon eingeschlafen.
Donnerstag 14.04.2016
Um 05:45 summt unser Wecker, allerdings sind wir bereits wach. Dafür hat schon ein Francolin gesorgt, dass irgendwo in unmittelbarer Nähe den Tag beginnen möchte. Obwohl ich diese Art von Weckruf schon so oft gehört wird meine Zuneigung zu diesen Vögeln wohl auch in Zukunft eher verhalten sein 😈 Ich finde nämlich, man kann ruhig warten, bis die Sonne aufgegangen ist, bevor man müde Touristen mit seinem Gegackere nervt. Wir haben noch etwas Zeit, bevor jemand an unsere Tür klopfen wird. Deshalb bleiben wir noch im Bett und schauen durch die Glasfront hinaus. Draussen verfärbt sich der Horizont erst blutrot, später orange. Die Sonne wird genau gegenüber aufgehen, einfach fantastisch!
Während wir uns mit einer Katzenwäsche erfrischen und die Zähne putzen, ruft jemand nach uns. Richtig! Das ist der „Wakeup Call“, Zeit für die Langschläfer, auch aufzustehen. Wir sind kurz darauf schon fertig für den Tag. Ich mache noch ein paar Fotos, dann laufen wir zum Haupthaus. Wir sind mal wieder die ersten, aber das Minibuffet ist bereits vorbereitet. Um diese Zeit gibt es Joghurt, Muffins, Cornflakes, etc und Kaffe oder Tee. Wenn wir am späten Vormittag zurückkommen, dann wartet ein reichhaltiges Essen auf uns. Zwischen 06:30 und 07:00 versammeln sich alle Gäste, ziemlich genau um 07:00 brechen wir auf. Die Mannschaft ist die gleiche wie gestern, also die zwei Kanadier und Chris. Zu dem Ehepaar aus Kanada haben wir irgendwie keinen „Draht“, während wir uns mit Chris richtig gut verstehen und viel Spass haben. Das mag an seinem typisch englischen Humor liegen, den schätzen wir ja sehr.
Zunächst fahren wir wieder ins Flussbett. Alles scheint noch ruhig und friedlich. Wir beobachten ein paar Vögel, etwas weiter entfernt steht ein Elefantenbulle am Wasser. Lasty stoppt und zeigt uns relativ frische Löwenspuren. Da hat jemand am frühen Morgen einen Kontrollgang gemacht. Am Hippopool ist auch nicht viel los, einige Nilgänse streiten sich, ein Waffenkiebitz fliegt zeternd um uns herum, mehr Action wird uns nicht geboten.
Dann erreicht uns ein Funkspruch. Wir verstehen das Wort „Tau“, also Löwe. Tatsächlich dreht Lasty um, wir fahren zurück, queren das Flussbett und fahren am anderen Ufer entlang. Hier befindet sich ein „Private Game Reserve“, ein Privatgebiet, und da dürfen wir – im Gegensatz zum Nationalpark – auch querfeldein fahren, wenn wir etwas Interessantes sehen. Etwas später biegen wir tatsächlich von der Piste ab und nähern uns einigen Büschen. Dort steht schon ein Fahrzeug der Lodge. Jetzt sehen wir auch die Ohren im Gras, wir haben die Löwen gefunden. Es ist bereits 09:30 und ziemlich heiss. Deshalb hat sich die Löwentruppe in den Schatten verzogen und döst vor sich hin. Lasty erklärt uns, dass dieses Rudel von zwei Löwenmännern beherrscht wird, sie werden „Blondie & Blackie“ genannt. Während Blondie sich bei seinen Mädels aufhält, bleibt Blackie für uns unsichtbar. Als wir ganz nah bei den Löwen anhalten macht sich die Kanadierin in unserem Wagen bemerkbar. „Oh, oh, Lions, oh“ stöhnt immer wieder. Wenn ich jetzt die Augen zu machen und mich auf ihr Stöhnen konzentrieren würde, dann würde mir eine ganz bestimmte Art von Film einfallen 😗
Wir beobachten das Rudel eine gute halbe Stunde, dann fahren wir ein Stück weiter, steigen aus und machen eine Kaffeepause. In gemütlichem Tempo geht es dann zurück zur Lodge. Wir ziehen uns etwas luftiger an und treffen uns zum Lunch, danach wird bei ca. 30° Lufttemperatur auf der eigenen Terrasse relaxt. Unter uns, am Ufer des Boteti, liegt ein grosses Croc auf der Lauer. Wir sind erstaunt, wie nah sich ein Graureiher an das Reptil heranwagt. Ist das eine Art Mutprobe?
Pünktlich um 15:00 versammeln sich alle Gäste am Haupthaus. It´s Tea Time ! Irgendwie haben alle Lust auf den Gamedrive, denn bereits 20 Minuten später geben wir unseren Guides dezent zu verstehen, dass es jetzt losgehen könnte. Also fahren wir zum Boteti. Wir entdecken eine Herde Impalas, die von einem einzigen Gnu begleitet wird. Einige Meerkatzen beäugen uns interessiert, während sie ihre Jungen sicherheitshalber hinter sich verstecken. In den Palmen am Ufer sitzen einige Geier, fliegen immer wieder weg und landen im Flussbett, um sich Zweige für den Nestbau zu holen.
Plötzlich werden wir auf ein lautes Gezeter aufmerksam. Ein Glanzstar fliegt immer wieder in das Geäst eines Baumes und attackiert irgendetwas. Als wir näher kommen, sehen wir den Grund. Eine schwarze Mamba schlängelt sich durch die Zweige und der Glanzstar akzeptiert ihre Anwesenheit nicht. Deshalb stürzt er sich todesmutig ohne Unterbrechung auf die Schlange. Die lässt sich aber nicht wirklich beeindrucken und so lässt er irgendwann von seinem „Opfer“ ab und fliegt mit viel Lärm in den nächsten Baum.
Sonst ist es eher ruhig im Busch, also fahren wir auf die andere Seite und schauen, was die Löwen denn so treiben. Tatsächlich finden wir sie unter den gleichen Büschen wie am Vormittag. Und sofort geht das Gestöhne „Oh, oh, Lions“ in unserem Auto wieder los. Mich würde mal interessieren, ob ihr Mann sich zuhause in gewissen Situationen immer als Löwe verkleiden muss 😗
Die Löwen gehen leider nicht auf die Jagd, also cruisen wir weiter Richtung Boteti und dann zum Hippopool. Dort stoppen wir für unseren Sunddowner. Auf der anderen Uferseite erscheint ein Trupp Elis, sie gönnen sich wohl ebenfalls einen Sundowner 😉
Heute warten wir nicht, bis die Sonne untergegangen ist, sondern wir besuchen noch einmal die Löwen. Tatsächlich sind sie jetzt etwas aktiver und bewegen sich sogar, immerhin etwas. Gegen 18:30 verlassen wir das Rudel, denn die richtige Action ist immer noch nicht in Sicht.
Wieder in der Lodge angekommen, wiederholt sich die Prozedur des Vortages. Ab ins Zimmer, etwas aufhübschen und schon wird man zum Dinner abgeholt. Der Unterschied heute: Die gesamte Staff inklusive Guides singt und tanzt für die Gäste. Selbstverständlich werden einige von uns in die Tanzgruppe integriert. Da ich nicht so der Tänzer bin gelingt es mir, mich mit der Vortäuschung einer schweren Verletzung durch einen Löwenangriff aus der Affäre zu ziehen 😉
Auch heute Abend sind wir nach einem guten Essen und gutem Wein relativ zeitig in unserem Chalet. Wir geniessen noch ein paar Minuten die wunderbare Nachtstimmung auf der Terrasse, dann geht es bald ins Bett. Waaaaas ? Das ist erst unser zweiter Abend in Botswana ? Wir können es kaum glauben, denn wir sind wieder einmal in Rekordzeit in unser „afrikanisches Leben“ eingetaucht.
... wird fortgesetzt ...
Teil 308. Juli 2016
Freitag 15.04.2016
Der heutige Morgen ist eigentlich eine exakte Kopie des gestrigen. Wieder wachen wir vor dem Wecker auf, wieder sind wir die ersten beim Frühstück. Eine Sache ist heute allerdings anders. Bei einem längeren Aufenthalt (mindestens 3 Nächte) kann man einen Ganztagsausflug in den Nxai Pan NP und zu den Baines Baobabs machen. Genau das wollen alle anderen Gäste auch tun. Wir wiederum hatten daran kein Interesse, denn wir waren vor zwei Jahren in der Gegend und haben auch die Baines Baobas schon gesehen. Die Fahrt dorthin ist von hier aus ziemlich lang und geht hauptsächlich über Tiefsandpisten.
Ja! Man muss die Baobabs mal gesehen haben, ich finde, es ist ein magischer Platz, aber ich habe heute die Chance, ganz alleine mit Ruth und Lasty im Park herumzufahren und diese Chance will ich mir nicht nehmen lassen. Während wir sonst Rücksicht auf die mitfahrenden Gäste nehmen müssen, können wir heute überall stoppen, wo es – zumindest für mich – etwas Interessantes gibt. Und das sind nicht unbedingt schlafende Löwen oder ähnliches, sondern das sind meistens Vögel oder vielleicht auch mal ein Mistkäfer oder Schmetterling. Und genau diese Tiere sind normalerweise nicht unbedingt das Ziel von Gästen, die möglicherweise das erste Mal in Afrika sind.
Wir starten nach dem Frühstück Richtung Flussbett. Die Geier in den Palmen sind auch schon aktiv und bauen ihre Nester weiter aus. Wir sichten eine Herde Impalas, dann heisst es: Finden sie den Fehler! Ein Tier passt nicht ganz zur Herde. Es ist ein junges Kudu, das sich den Impalas angeschlossen hat. Vermutlich hat es seine Mutter verloren und ist froh, wenigstens die Impalas in seiner Nähe zu haben. Wir fahren weiter und plötzlich sehe ich das Objekt meiner Begierde. Lasty kennt den „Spezialauftrag“ am heutigen Morgen, stoppt sofort und ich darf aussteigen und meinen Fotoapparat zücken. Was habe ich denn so tolles entdeckt ? Naja, es ist nicht jedermanns Sache. Ich bin hinter einem Mistkäfer her, der unseren Weg kreuzt. Um diese Jahreszeit ist das gar nicht so einfach, ihn zu finden.
Am Wegrand sitzen einige Vögel. Trauerdrongo, Grautoko, Halbmondtaube, Grauer Lärmvogel und natürlich Gabelracke heissen die gefiederten Freunde. Ein kleiner Falke, ein Perl-Sperlingskautz und einige Bienenfresser lassen sich ebenfalls blicken. Wir erreichen einen Platz in der Nähe des Hippopools. Auf dem ganzen Areal haben sich Flughühner versammelt. Als wir näher kommen, fliegen sie in einer dichten Wolke davon. Ganz schön viele davon gibt es hier. Ein anderer Schwarm taucht auf, lässt sich ganz kurz am Wasser nieder und ein paar Sekunden später sind sie schon wieder in der Luft. Lasty erklärt uns sie kommen von der Nxai Pan herüber, sammeln Wasser in den Federn und bringen es zurück zu ihren Jungen. Der Schwarm zieht über uns hinweg, man hört das Gurren der Vögel pausenlos.
Wir bleiben noch eine Zeit lang vor Ort und machen eine Kaffeepause. Schwarm um Schwarm kommt angeflogen, um zu trinken und Wasser aufzusammeln. Irgendwann starten wir und kehren nach einem entspannten Gamedrive gegen 11:00 zur Lodge zurück. Wir ziehen uns um, dann geht es zum Lunch. Ich überbrücke die heisse Mittagszeit mit einem Schläfchen, während Ruth auf der Terrasse liest und die Crocs im Wasser unter uns beobachtet. Die liegen nicht nur still da, manchmal streiten sie sich um die besten Jagdreviere, dann ist lautes „Brummen“ und wildes Geplätscher angesagt.
... wird fortgesetzt
Teil 411. Juli 2016
Um 15:00 laufen wir zur Main Area und probieren den Kuchen und die vorbereiteten Häppchen. Nach einer Viertelstunde packen wir unsere Sachen und ab geht´s zum Gamedrive. Lasty ist überhaupt nicht überrascht, dass wir schon aufbrechen wollen, er weiss bereits, dass ich liebend gerne auf die Pirsch gehe, je länger desto besser.
Bei kuscheligen 32° am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Boteti. An den Abschnitten mit Wasser schwirren wieder die Flughühner herum. Es ist immer das gleiche Bild. Der ganze Schwarm lässt sich für einige Sekunden am Wasser nieder und schon sind sie wieder in der Luft, fliegen eine Kurve, wiederholen die Prozedur, um dann endgültig Richtung Nxai Pan zu starten. Auch die Geier sind wieder damit beschäftigt, Zweige für ihre Nester einzusammeln. Im Gras taucht ein Kopf auf. Ein Schakal beobachtet uns misstrauisch und verschwindet unter einem Baumstamm, der auf dem Boden liegt. Einige der allgegenwärtigen Rotschnabelfrankoline haben sich an einer Wasserstelle versammelt und streiten sich um den besten Platz. Auf der gegenüberliegenden Seite kommt ein Schwarm kleiner Vögel angeflogen und lässt sich in einem Busch nieder. Es sind Blutschnabelweber, ähnlich wie die Flughühner fliegen sie immer in dichten Schwärmen und bilden dabei interessante Figuren, die fortlaufend wechseln. Ein Graulärmvogel hebt vom Boden ab und fliegt zu einem Busch. Dort wird er schon sehnsüchtig erwartet und beginnt, einen Artgenossen zu füttern. Ein Elsterwürger sitzt in einem toten Baum und sucht nach Insekten. Am Boden sehen wir einen Gelbschnabeltoko mit einem dicken Käfer im Schnabel. Er mag unsere Anwesenheit nicht besonders und läuft davon. Es sieht lustig aus, wie er durch den Sand stakst. Das laute Gegackere eines Rotschnabelfrankolins auf der Spitze eines Termitenbaus bildet die musikalische Untermalung dieser Szene.
Wir lassen unseren Blick über die Landschaft streifen und können uns – speziell im goldenen Licht des Nachmittags – einfach nicht satt sehen. In der Mitte des Flussbetts bewegen sich zwei Elefanten gemütlich zum Wasser. Hier und da wird ein Büschel Gras ausgerupft, dann stellen sie sich ins kühle Nass und trinken ausgiebig. Sie queren den Fluss. Auf „unserer“ Uferseite bleiben sie zunächst im Wasser stehen, wedeln mit den Ohren und scheinen vor sich hin zu träumen. Plötzlich sehen wir einen hellen Fleck im Gras. Es ist der Kopf einer Löwin, die interessiert die beiden grauen Riesen beobachtet. Sie befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite, schleicht sich vorsichtig an und legt sich dann ins Gras, ohne die Elis aus den Augen zu lassen. Ist diese Beute nicht ein bisschen arg gross für eine einzelne Jägerin? 😗
Wir fahren weiter zum Hippopool. Die Flusspferde entfernen sich vom Ufer, bewegen sich auf die andere Seite und beobachten uns genau. Wir wiederum beobachten die Hippos. Bald verlieren sie das Interesse an uns. Zwei junge Bullen messen ihre Kräfte ansonsten bleibt alles ziemlich ruhig. Plötzlich schnattern einige Nilgänse aufgeregt, verlassen den Uferabschnitt und fliegen ein Stück weiter. Jetzt können wir den Grund erkennen. Es ist die Löwin. Sie ist uns gefolgt, wandert auf der anderen Uferseite entlang und gönnt sich jetzt einige Schlucke Wasser. Sofort drehen sich alle Hippoköpfe zu ihr um und ein Flusspferd reisst auch mal sein Maul auf, um ihr zu drohen. Sie zeigt sich nicht sonderlich interessiert und läuft weiter. Dann ändert sie ihre Richtung und verschwindet im Busch.
Es ist inzwischen kurz vor 18:00, die Sonne steht bereits knapp über Horizont. Normalerweise stehen wir ja um diese Zeit mit einem Sundowner in der Hand vor dem Auto, um die besondere Stimmung zu geniessen. Heute jedoch haben wir noch nicht gestoppt. Was ist los mit Lasty ? Er weiss doch, dass Ruth die Sonnenuntergänge „zelebrieren“ möchte, ganz besonders, wenn wir nicht durch irgendwelche Funksprüche wie „Leopard gesichtet“ gestört werden. Ein paar Minuten später ist alles klar. In einem trockenen Abschnitt flackert ein Lagerfeuer. Einige Campingstühle stehen vor dem Feuer, an der Seite ist ein Tisch mit Häppchen und Getränken aufgebaut. Wir werden bereits erwartet. Kaum sind wir aus dem Wagen gestiegen, bekommen wir auch schon unseren Sundowner angeboten und können das Farbenspiel der untergehenden Sonne bewundern. Jetzt ist auch meine Frau wieder vollkommen zufrieden.
Wir sitzen noch eine Weile (zusammen mit zwei neuen Gästen) gemütlich am Feuer, dann fahren wir zurück zur Lodge. Gegen 19:00 haben wir unser Ziel erreicht und werden gleich zum Chalet gebracht. Eine kurze Dusche, frische Klamotten werden angezogen und schon holt man uns zum Dinner ab. Die anderen Gäste sind inzwischen auch wieder da. Der Ausflug in die Nxai Pan und zu den Baines Baobabs hat ihnen gut gefallen, spektakuläre Sichtungen gab es jedoch nicht. Ruth und ich sind total happy, dass wir diesen Tag alleine mit Lasty verbringen konnten. Auch wir hatten zwar keine einzigartigen Begegnungen, trotzdem hat uns dieser Tag sehr gut gefallen und wir vermissen nichts. Es müssen ja nicht immer die Big Five sein, ein schöner Gamedrive in einer tollen Landschaft hat durchaus seine Reize. Wir setzen uns an den Tisch. Uns wird bewusst, dass es unser letzter Abend hier ist. Schade, ich wäre gerne noch länger geblieben, aber so ist es halt. Man ist auf der einen Seite traurig, dass eine schöne Zeit zu Ende geht, auf der anderen Seite warten schon neue Abenteuer auf uns. Also geniessen wir unser letztes Dinner auf Leroo la Tau, haben noch Spass an der Unterhaltung mit Chris und den Managern und freuen uns, dass wir morgen Vormittag noch einmal alleine mit Lasty unterwegs sind. Nach dem Essen setzen wir uns eine halbe Stunde ans Feuer, dann geht es zum Chalet. Zurück auf unserer Terrasse beobachten wir noch einmal besonders intensiv den Sternenhimmel und die Landschaft um uns herum. Wir werden unseren Aufenthalt hier nicht so schnell vergessen, das steht fest.
Samstag 16.04.2016
Es ist 05:45, wir bleiben noch eine kurze Zeit im Bett, ich öffne die Glasfront und wir bestaunen noch ein paar Minuten den blutroten Horizont direkt gegenüber, dort kündigt sich der neue Tag an. Wir ziehen uns an und ich betrete die Terrasse. Über dem Flussbett liegt ein leichter Nebelschleier, er wird in ein zartrosa Licht getaucht, die Stimmung ist einfach grossartig! Dann nehmen wir unsere Sachen und laufen zum Haupthaus. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Chris und dem Ehepaar aus Frankreich, jetzt starten wir unseren letzten Gamedrive entlang des Boteti.
Langsam rollen wir auf der Pad entlang. Die Geier sind schon wieder aktiv, zwei Waffenkiebitze untersuchen einen Elefantenhaufen, eine Gabelracke fliegt vorbei und ihre blauen Federn leuchten in der Sonne. Das Gurren der Tauben ist ebenso zu hören wie das Zwitschern der Blutschnabelweber, die uns scheinbar begleiten. Plötzlich höre ich einen Pfiff. Moment mal, den kenne ich doch! So pfeifen die Goldbugpapageien! Diese netten Vögel haben mich in der Vergangenheit schon fast zum Wahnsinn getrieben. Egal ob im Hwange oder im Linyanti Gebiet, ich habe sie schon öfter verfolgt. Dann haben sie sich irgendwo auf einen Ast gesetzt. Sobald wir mit dem Auto näher kamen, und ich mir Hoffnungen auf ein schönes Foto machte, sind sie schnell ein Stück weiter geflogen. Natürlich nur soweit, dass ich sie sehen und den nächsten Versuch starten konnte. Dieses Spielchen haben sie mit wachsender Begeisterung gespielt, ich war aber irgendwie immer der Verlierer. Während ich sie bisher nur als Paar sehen konnte sitzen heute tatsächlich 5 Papageien relativ nahe am Wegrand. Ich kann es kaum glauben. Wir fahren näher und sie bleiben sitzen! Was ist los? Sind sie festgeklebt? Nein, sie warten tatsächlich nur solange, bis ich einige Bilder gemacht habe, dann fliegen sie weg vom Flussbett in den dichten Busch. Ich bin richtig froh, denn damit hätte ich hier nie gerechnet.
Unser Weg führt jetzt oberhalb des Flussbettes entlang. In den Büschen sitzen Glanzstare, Gabelracken, Bienenfresser, am Boden sehen wir Perlhühner, Tokos und Nachtflughühner. Unter uns sitzt in einem Baum ein Fisheagle und scheint sich zu sonnen. Vor uns befindet sich ein Nachtflughuhn im Sand und vertraut seiner Tarnung. Als wir uns vorsichtig nähern, fliegt es dann doch lieber davon.
Unten am Boteti tauchen wieder Schwärme von Flughühnern auf. Ein Raubadler sitzt auf einem kahlen Ast und beobachtet die Schwärme. Plötzlich wird er von zwei Waffenkiebitzen attackiert. Laut zeternd steigen sie in die Luft und fliegen immer wieder Angriffe auf den Adler. Irgendwann hat er genug und macht sich davon. Wir starten unsere Kaffeepause und geniessen die Einsamkeit, denn wir sind das einzige Fahrzeug weit und breit.
Ich schaue Lasty an und seufze. Wir hatten eine Menge Spass zusammen, aber nun ist es an der Zeit, die Rückfahrt anzutreten. Wir schrecken einen Elefantenbullen auf. Er schnaubt und schüttelt seinen mächtigen Kopf. Ein Zeichen, dass er sich gestört fühlt. Dann kommt er auf uns zu und überquert dicht vor uns die Pad. Das ist ebenfalls ein klares Zeichen dass er weiss, wer hier der Chef im Busch ist! Unten im Flussbett angekommen, können wir in einige Entfernung einige Klunkerkraniche erkennen. Sie gehören zu den bedrohten Arten, auch mit denen hätte ich hier nicht unbedingt gerechnet.
Zurück in der Lodge sitzen wir wieder zum Brunch im Freien. Dann wird noch mal geduscht, die Sachen werden gepackt und nun ist es Zeit für den Abschied. Wir bedanken uns bei den Managern für die schöne Zeit, umarmen die Mädels vom Service und verlassen schweren Herzens die Lodge. Würden wir noch mal hier her kommen? Ja! Jederzeit!
Um 12:45 steigen wir zu Lasty ins Fahrzeug und los geht´s Richtung Airstrip. Dort angekommen müssen wir nicht allzu lange warten, dann sehen wir schon einen weissen Punkt im blauen Himmel und hören wenig später das Brummen des Motors. Die kleine Cessna landet sanft, zieht eine Staubfahne hinter sich her und rollt vor uns aus. Jetzt ist es an der Zeit, Lasty Lebewohl zu sagen. Wir umarmen uns, sind beide etwas traurig und versichern uns, dass wir uns in Zukunft bestimmt mal wieder über den Weg laufen werden. Ich hätte nichts dagegen. Auch Ruth wird gedrückt, dann klettern wir in die Maschine. Ich sitze auf meinem Lieblingsplatz neben dem Piloten, während Ruth sich auf den zwei hinteren Sitzen ausbreiten darf.
Es ist jetzt 13:20, Sekunden später startet der Pilot den Motor, wir rollen zur Startbahn und der Pilot gibt Gas. Ein letztes Mal können wir Lasty zuwinken, dann heben wir ab und sehen die Gegend aus der Vogelperspektive. Die Maschine nimmt Kurs nach Nordwesten Richtung Okavango Delta, denn wir werden nonstop zu unserem nächsten Ziel geflogen.
Stück für Stück nähern wir uns dem Delta. Es fällt uns auf, wie trocken die Gegend ist. Dort wo sich sonst viele kleine Kanäle durch die Landschaft winden, glitzern diesmal nur vereinzelt einige Wasserstellen in der Sonne. Wir haben den Eindruck, das Land braucht dringend Wasser. 55 Minuten später haben wir unser Ziel erreicht, vor uns ist der Chitabe Airstrip zu sehen. Wie immer fliegen wir zunächst eine Platzrunde, um nach Tieren Ausschau zu halten, die eventuelle die Piste blockieren, dann landen wir mit einem kleinen Hüpfer beim Aufsetzen. Auch Flug Nummer 2 war ruhig und angenehm, so kann es bleiben.
Wir rollen aus, der Motor wird abgestellt, bevor wir richtig herausgeklettert sind empfängt uns bereits ein Mitarbeiter der Sandibe Safari Lodge. „City“ stellt sich vor, transportiert unser Gepäck zum Fahrzeug und bietet uns erst einmal eine Flasche Wasser an. Die tut nach dem Flug richtig gut. Dann warten wir, bis der Flieger gestartet ist und fahren in Richtung Lodge. Wir hatten in den letzten Jahren schon zweimal Gelegenheit, diesen Ort zu besuchen, deshalb haben wir einen guten Vergleich. Während wir früher immer wieder Wasserkanäle und Sumpfflächen durchfuhren, ist diesmal alles trocken. Allerdings steht das Gras ziemlich hoch, die Sichtung von kleineren Tieren dürfte also recht schwierig werden.
Eine gute halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht. Wie immer begrüsst man uns mit Gesang, wir bekommen ein feuchtes Tuch und eine Erfrischung, die Staff stellt sich vor und dann werden wir zur Main Area geführt, wo einer der Manager uns einige nützliche Informationen gibt. Unser Gepäck wird in der Zwischenzeit in unsere Unterkunft gebracht. Die Sandibe Safari Lodge befindet sich in der Nähe von Chiefs Island, sozusagen auf halber Strecke zwischen Maun und dem Moremi Nationalpark. Wie gesagt waren wir bereits in der Vergangenheit hier zu Gast. Mir ist die Gegend deshalb so gut in Erinnerung geblieben, weil wir hier schöne Leoparden Begegnungen hatten und weil uns die Lodge gefallen hat. Allerdings wurde sie vor kurzem komplett umgebaut und es erinnert nur noch sehr wenig an die „guten alten Zeiten“.
Sandibe bietet in 12 Chalets insgesamt 24 Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit. Die äussere Hülle der Main Area erinnert an ein Pangolin (Schuppentier). Während die Chalets früher ebenerdig waren, stehen sie jetzt auf Stelzen und sind um einiges geräumiger. Das Areal ist nicht eingezäunt, man muss also immer wachsam sein, denn die Elefanten kommen öfter mal auf eine Stippvisite vorbei. Wie kann ich Sandibe beschreiben? Zunächst einmal ist alles natürlich noch sehr neu, Patina sucht man vergebens. Dann: Very stylish, very fancy. Ein 5-Sterne Hotel mitten im Busch. Vielleicht nicht jedermanns Sache, auch was die Preise betrifft. Während ich mir bis heute noch keine klare Meinung gebildet habe ist meine Frau sofort von der gesamten Bauweise begeistert. Ja! Es gibt hier alles, was das Herz begehrt, man muss als Gast auf absolut nichts verzichten, aber natürlich stellt sich die Frage: Wieviel Luxus braucht man in der Wildnis? Ich kann es nicht beantworten, deshalb schreibe ich einfach weiter und konzentriere mich auf unsere Erlebnisse.
Der tägliche Ablauf: 05:30 Wecken, 06:00 Frühstück, 06:30 Gamedrive. Gegen 11:30 ist man wieder zurück. Gegen 12:30 gibt es Lunch (man kann seine Zeit variieren), um 16:00 ist Teatime, um 16:30 Gamedrive. Wir sind in einem privaten Gamereserve unterwegs, deshalb können wir auf den Gamedrives auch querfeldein fahren.
Nach den Infos stellt sich noch Thusi vor. Sie ist für unser Wohl verantwortlich. Wann immer wir einen Wunsch haben, Thusi wird sich darum kümmern. Als wir das letzte Mal hier waren, war ein Angestellter mit Namen Tatayote (kurz TT) unser persönlicher Betreuer. Ich habe ein Foto von ihm und mir dabei und frage nach ihm. Thusi kann es kaum glauben, dass ich mich noch an ihn erinnere und sagt, er wäre am nächsten Tag da. Ich freue mich, denn ich bin mir sicher, er wird sehr überrascht sein, wenn ich ihm das Bild gebe.
Jetzt werden wir zu unserem Chalet geführt. Und wieder fällt mir nur ein: Very stylish, very fancy. Wir stehen in einem grossen Raum mit einem schönen Doppelbett, dahinter gibt es einen separaten Ankleidebereich, die zwei Waschbecken sind aus Metall, wir sehen eine Innendusche und eine Aussendusche, eine riesige Terrasse mit privatem Pool. Der Ausblick in den Sumpf ist traumhaft. Wow! Das alles für 2 Leute! Es wirkt auf mich, als wären wir die ersten Gäste, quasi wie in einem Musterhaus. Meine Frau inspiziert das Chalet, öffnet die grossen Schiebetüren zur Terrasse und sagt: „Wieso sind wir hier nur 3 Tage?“ Ich möchte betonen, dass meine Frau absolut kein „Luxusweibchen“ ist, aber Sandibe hat es ihr angetan.
Wie auch immer, die Zeit läuft. Wir duschen, ziehen uns um und bald darauf ist es Zeit für den High Tea. Im Gegensatz zu Leroo la Tau sitzt man hier nicht an einem grossen Tisch, sondern die Gäste haben separate Tische, in unserem Fall also ein Zweiertisch. Das Angebot an Kuchen und Häppchen ist enorm, meine Frau probiert aber lieber etwas anderes aus. Es gibt nämlich unter anderem einen Pizzaofen. Man kann sich seine Pizza selbst zusammenstellen und die Köchin / Pizzabäckerin übernimmt dann die restliche Arbeit. Hier sein Gewicht zu halten erscheint mir unmöglich! Jetzt kommt unser Guide an den Tisch und stellt sich vor. Er nennt sich SK. Während es bei „Desert & Delta“ grundsätzlich nur einen Guide (Fahrer) gibt, begleiten uns bei „&beyond“ zwei „Aufpasser“, ein Fahrer und ein Tracker. Der hat seinen Sitz ausserhalb des Autos. Nur wenn wir uns Raubkatzen nähern kommt er auf den Beifahrersitz. Gerade bei neugierigen Löwen ist das wohl absolut angebracht 😗
Wir werden heute Nachmittag mit einem anderen Gast unterwegs sein. Chrissie kommt aus Australien. Wir sind ziemlich optimistisch, dass wir uns gut verstehen werden, denn in der Vergangenheit sind wir mit Australiern tatsächlich immer gut ausgekommen, naja, wir werden sehen. Um 16:30 laufen wir zu unserem Fahrzeug, dort werden wir von City, unserem Tracker begrüsst. Den kennen wir ja schon, der hat uns vom Airstrip abgeholt.
Und los geht´s. Ein paar Minuten weiter stoppen wir kurz. Einige Meerkatzen begutachten uns, sie sind nicht wirklich ängstlich, aber trotzdem halten sie lieber Abstand.
Dann stellen sich ein paar Vögel vor. Woodland Kingfisher (Senegalliest), Coppery-tailed Coucal (Kupferschwanzkuckuck), Hammerkop. Eine Schlankmanguste klettert auf einem verlassenen Termitenbau herum. Wir fahren an einer Grasfläche vorbei. Das Gras steht ziemlich hoch. City, der Tracker, spricht mit SK. Sie diskutieren kurz, dann fahren wir durch das Gras zu einem Baum. Und siehe da! Zwei Löwinnen dösen im Gras. Gut gemacht City! Für uns ungeübte war nichts zu erkennen. Wir beobachten die zwei Katzen eine Weile, dann fahren wir weiter.
Wir sehen einige Tsessebes, eine Herde Kudus in der Dämmerung, dann taucht eine Giraffe auf. Im rötlichen Licht sieht alles irgendwie unwirklich schön aus. Wir nehmen die grandiose Stimmung in uns auf. Nicht weit entfernt sehen wir eine Wasserstelle. Hier halten wir an. Unsere Begleiter stellen einen Tisch auf und bieten uns Getränke und Häppchen an. Der rote Himmel, der sich im Wasser spiegelt ist einfach nur kitschig. Wir stellen uns mit Chrissie in eine Reihe, richten uns auf die untergehende Sonne auf und seufzen kurz. Könnte es uns in diesem Moment überhaupt besser gehen? Wir bezweifeln es stark!
Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, es ist Zeit diesen schönen Platz zu verlassen. City packt den Scheinwerfer aus und leuchtet bei der Rückfahrt nach links und nach rechts, um nachtaktive Tiere aufzuspüren. Tatsächlich laufen uns zwei Löffelhunde über den Weg. Sie sind allerdings sehr scheu und schnell ausser Sichtweite. Hin und wieder glühen einige Augenpaare, City schaltet schnell den Spot aus und wir erkennen schemenhaft Impalas oder auch mal Tsessebes. Dann haben wir die Lodge erreicht. Man begleitet uns zum Chalet, wir machen uns frisch und warten zur vereinbarten Zeit auf unserer Treppe, bis wir das Licht einer Taschenlampe sehen. Wie gesagt, hier gibt es keine Zäune, deshalb ist es unbedingt ratsam, auf den Abholer zu warten.
Wir setzen uns an unseren Zweiertisch, dann wählen wir unser Dinner und die Getränke aus. Die verschiedenen Gerichte wurden bereits am Nachmittag auf eine Tafel geschrieben. Das Essen ist wirklich gut. Meine Frau, eine begeisterte Köchin, kann sozusagen „keine Haar in der Suppe“ finden 🙂 Unser Tisch befindet sich am Rand der Main Area. Während wir noch beim Dessert sind, knackt es in den Büschen. Ein Elefant erscheint in unserer Nähe. Er reisst da und dort ein paar Äste ab, um sie zu verspeisen, dabei kommt er immer näher. Nun ist es an der Zeit, das Dessert zu nehmen und den Platz zu verlassen, wir möchten nämlich ungern teilen 😉
Eine Viertelstunde später zieht sich der graue Riese wieder in den Sumpf zurück und wir haben unsere Ruhe. Nachdem wir ein kleines Schwätzchen mit unseren Tischnachbarn aus Australien gehalten haben, beenden wir diesen Abend. Einige Minuten später betreten wir unser Chalet und machen uns bettfertig. Obwohl es tagsüber ziemlich warm ist (ca. 32°), kühlt es am Abend ab, deshalb muss der Deckenventilator auch nur auf Stufe 2 laufen. Zufrieden legen wir uns ins Bett. Ein schöner Tag geht zu Ende, mal sehen, was uns morgen so erwartet…
... wird fortgesetzt ...
Teil 512. Juli 2016
Sonntag 17.04.2016
Der Wecker summt. Ich schaue auf die Uhr, es ist 05:30. Heute bin ich nicht vorher wach geworden, aber wir sind ja auch ½ Stunde früher dran. Was hilft´s! Raus aus den Federn und rein ins nächste Abenteuer. Meine Frau ist um diese Zeit noch etwas unwillig, aber zwei Minuten später hat sie den inneren Schweinehund erfolgreich bekämpft und steht auch auf. In den umliegenden Bäumen ist bereits lautes Zwitschern angesagt. Das ist schön, man hat also um diese Uhrzeit schon Musik 😗 Nachdem ich mich angezogen habe öffne ich die Schiebetüren und trete hinaus auf die Terrasse. Hmmm … heute ist es etwas kühler als in den letzten drei Tagen, obwohl der Sand in der Kalahari üblicherweise weniger Wärme speichert und wir jetzt im Delta sind. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es auf der südlichen Halbkugel um diese Zeit von Woche zu Woche kühler wird, weil wir ja hier dem Winter entgegen gehen.
Wir laufen zur Main Area. Heute sind wir nicht die ersten. Das Frühstücksbuffet ist bereits aufgebaut und wir können uns bedienen. Nach einer Minute ist auch Thusi schon mit dem Kaffee da. So früh am Morgen kann sie schon lächeln und gut gelaunt antworten als ich sie (auf Setswana) frage, ob sie gut geschlafen hat. Langsam erscheinen alle Gäste, auch unsere Mitfahrer aus Australien sind jetzt da. Pünktlich um 06:30 holt uns SK zum Gamedrive ab. Tracker City hat heute eine Wollmütze und eine dicke Jacke an, der sollte mal in einem kalten Winter nach Europa kommen 😄
Wir starten, passieren ein Palmenwäldchen und fahren eine grasbewachsene Ebene entlang. Knapp über dem Boden liegt ein Nebelschleier, es sieht tatsächlich fast aus, wie an einem Herbstmorgen in Deutschland! Ein Stück weiter erreichen wir wieder ein Wäldchen, fahren um die Kurve und ich rufe „STOP!“ SK hält sofort an und schaut fragend auf mich. „Bitte ein kleines Stück zurück“ sage ich, SK fährt zurück. Jetzt habe ich mein Traummotiv vor mir. Am Horizont geht gerade die Sonne auf. Sie wird teilweise von den Ästen eines Baums verdeckt, so dass sie nicht blendet. Der Bodennebel glüht in gelbem Licht. Jetzt verstehen auch Chrissie und Roland, warum ich unbedingt hier stoppen wollte. Sie zücken die Kamera und knipsen ebenfalls. Ich bin zufrieden, denn für so eine Morgenstimmung hat sich die frühe Abfahrt absolut gelohnt. Anmerkung: Das von mir geplante Panoramabild weigert sich beharrlich, hier zu erscheinen. Na dann eben nicht!
Wir kurven durch die Gegend, aber es tut sich nicht viel. „Today, it´s really quiet in the bush …“ diesen Kommentar haben wir in der Vergangenheit schon sehr oft gehört. Aber mir ist es egal, ich geniesse die Fahrt durch diese unwirkliche Landschaft. Die Sonne steigt höher und höher, der Nebel verschwindet und dann tauchen ein paar Tsessebes und Zebras auf. City deutet auf die Pad. „Hier sind frische Spuren von einem Gepard“, sagt er. Ich schaue mir das hohe Gras um uns herum an und denke: „Den finden wir hier nie“. Falsch gedacht! City zeigt auf einen Termitenbau, der ein ganzes Stück entfernt aus dem Gras ragt. Was? Wo soll denn da was sein? Ruth nimmt das Fernglas und scannt die Umgebung. „Ja, da ist der Cheetah“, sagt sie. Und tatsächlich, wenn ich ganz genau hinschaue, dann sehe ich direkt hinter dem Bau einen Kopf und den Teil seines Schwanzes. Die Katze schaut jetzt sogar in unsere Richtung. „Gut gemacht, City“, loben wir unseren Tracker. SK fährt jetzt mitten durch das hohe Gras in Richtung des Geparden. Während dieser durch das hohe Gras läuft, kann man gerade noch den Kopf erahnen. Dann erreicht er einen Busch, sucht den Schatten und lässt sich auf den Boden fallen. Jetzt ist er komplett unsichtbar. Wir nähern uns vorsichtig. Die Rennkatze schaut uns etwas misstrauisch an, macht aber keine Anstalten, sich zu bewegen. Wären wir nur ein paar Minuten später hier entlang gekommen, dann hätten wir den Geparden niemals gesehen.
Wir machen unsere Fotos, während SK per Funk unseren Standort mitteilt. 20 Minuten später erscheint ein zweites Fahrzeug auf der Bildfläche. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns zurückziehen, denn wir wollen die Katze nicht mehr als nötig stören und sie soll sich auf keinen Fall bedrängt fühlen.
Wir folgen der Pad und erreichen einen Teich mit einem einzigen Hippo darin. Es hebt bei unserer Ankunft noch nicht mal den Kopf und döst einfach weiter. Wir wissen, dass Hippos – bevorzugt in der kühlen Nacht – um die 30 Km zurücklegen können, deshalb überrascht uns das einsame Hippo im Nirgendwo gar nicht.
Eine halbe Stunde später stoppt SK für eine Kaffeepause. Wir steigen aus dem Wagen. Das ist eine schöne Stelle. Wir stehen unter schattigen Bäumen und vor uns erstreckt sich eine weite Sumpffläche. Am Rand steht ein Schild. Darauf steht, dass hier die Grenze des Moremi NP verläuft und dass man diese Grenze nicht passieren darf. Etwas später geht es für uns weiter. Die Pad windet sich durch dichtes Buschwerk. Wir erhalten einen Funkspruch. „Cheetah gesichtet!“ Allerdings handelt es sich nicht um unseren Einzelgänger, sondern um eine Mutter mit Kind. Zwanzig Minuten später erreichen wir das Areal. Wir können zwei Fahrzeuge sehen, die sich durchs dichte Buschwerk kämpfen. Einen Funkspruch später suchen auch wir uns einen Weg. Wir rangieren hin und her, müssen uns vor den Zweigen schützen, die in den Wagen peitschen. Es ist wirklich nicht einfach, hier die Übersicht zu behalten. Dann sehen wir Mutter und Kind. Die Mama schaut ziemlich hektisch, während sie bemüht ist, mit ihrem Jungen durch besonders dichtes Gestrüpp zu laufen. Dumm ist sie nicht, die Mama! Wir umfahren die Stelle und geben Gas. Ein Stück weiter stoppen wir und SK macht den Motor aus. Wenig später erscheint die kleine Familie tatsächlich in unserer Nähe. Als die Mutter uns entdeckt, ändert sie sofort die Richtung und wird immer schneller. SK schaut uns fragend an: „Wollen wir den Cheetahs hinterher fahren?“ Wir einigen uns mit unseren australischen Mitfahrern, dass wir genug von der „Jagd“ haben und Mutter und Kind nicht hetzen wollen. SK lächelt zufrieden und wir fahren zurück auf die Pad.
Als wollte Mutter Natur uns für diese Entscheidung belohnen, wird es plötzlich lebendig im grossen Freiluftkino. Eine Elefantenherde mit Jungtieren steht am Rand der Pad, es folgt ein Trupp Giraffen. Wie so oft schauen sie scheinbar gelangweilt und etwas hochnäsig auf uns herab. Hinter der nächsten Kurve erscheinen eine Menge Zebras, ebenfalls mit Jungtieren. Drei Strausse sprinten davon, als wir näher kommen. Dann müssen wir anhalten, denn einige Giraffen denken gar nicht daran, die Pad freizumachen. Und immer wieder schaue ich mir die tolle Landschaft an. Es hat schon seinen Grund, warum wir das Delta so lieben!
Eine halbe Stunde später sind wir zurück in der Lodge. Es ist ziemlich heiss geworden und wir freuen uns auf die Dusche. Meine Frau „springt“ unters Wasser und ich betrachte mir ihren Rücken. Oh, oh, aus kleinen Moskitostichen haben sich grosse, rote „Hügel“ auf ihrer Haut entwickelt. In den letzten Jahren reagiert sie immer sensibler auf Stiche. Mein Vorteil: Ich werde meistens von den Plagegeistern verschont, denn sie stürzen sich viel lieber auf Ruth. Gegen 12:30 laufen wir zur Main Area, denn der Magen knurrt. Es ist nicht viel los, wir haben freie Tischwahl. Thusi kommt auf uns zu, im Schlepptau hat sie einen männlichen Begleiter. Na den kenne ich doch! Tatayote kommt lächelnd auf mich zu und wir begrüssen uns. Ich war auf die Begegnung vorbereitet und zeige ihm das Bild, das ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Jetzt grinst er wie ein Honigkuchenpferd. Wir plaudern noch ein wenig über alte Zeiten, dann kommt unser Lunch und TT muss wieder arbeiten. Er geht zu den Mitarbeitern und zeigt stolz sein Bild. Jetzt wissen sie, wie er in jungen Jahren ausgesehen hat 🙂
Das Essen ist wieder ganz nach dem Geschmack meiner Frau. „Mit Pfiff“, wie sie sagt. Danach sehe ich mich noch ein wenig auf dem Gelände um. Ich schaue mir den Fitnessraum (benutzt den jemand?) und den Wellnessbereich an, während Ruth auf die Boutique zusteuert und dort noch ein Schwätzchen hält. Was hat sie denn da in der Hand? Ach so, ein paar Schlüsselanhänger gehen immer. Etwas später relaxen wir auf unserer Terrasse. Es ist herrlich ruhig, nur ein paar Vögel singen ihre Lieder.
Punkt 16:00 sind wir „mit leichtem Gepäck“ zum High Tea anwesend. Um kurz vor 16:30 laufen wir mit Chrissie + Roland zum Auto. Auch heute Nachmittag liegt die Temperatur über 30°, Jacken sind also überflüssig. Es ist Sonntagnachmittag, das denken sich die Tiere wohl auch, denn es ist sehr ruhig im Busch. Na gut, dann müssen die Vögel halt wieder mal als Models herhalten. Rotschnabelfrankolin, Swainsons Frankolin, Hammerkop, Woodland Kingfisher und einige Glanzstare. Ach ja, da war ja noch die schöne Landschaft 🙂 🙂 😘
Eine Paviangruppe kreuzt unseren Weg. Der „Big Boss“ sitzt auf einem Termitenhügel, flankiert von zwei Palmen. Ein nettes Bild, das nehme ich gerne mit.
Sonst ist es absolut ruhig, kein anderes Tier will sich zeigen. SK erhält einen Funkspruch, den will er uns nicht vorenthalten. „Leopard im dichten Buschwerk gesichtet“. Wir müssten etwa eine halbe Stunde fahren und die Chance, den Leo noch zu sehen, ist ziemlich klein. Also entscheiden wir uns, darauf zu verzichten. SK steuert stattdessen den Airstrip an. Und siehe da: Hier haben sich einige „Darsteller“ versammelt. Spielerisch kämpfende Giraffen werden von drei Schakalen interessiert beobachtet. Im Hintergrund stehen Zebras, Impalas am Rande des Landestreifens. Etwa 20 Nilgänse suchen eifrig nach Futter, zwei Strausse überqueren den Airstrip, ein Stück weiter können wir die grauen Rücken von Elefanten im dichten Busch ausmachen. So ist es halt auf den Gamedrives. Eben ist es noch totenstill und im nächsten Moment ist Action angesagt.
Es ist 18:00, die Sonne sinkt immer tiefer und wir haben noch keinen Platz für einen Sundowner gefunden. Was ist los? SK denkt nicht daran anzuhalten. Wir fahren weiter und weiter. Er spricht in sein Funkgerät. Eine halbe Stunde später – die Sonne ist bereits untergegangen - kommen wir an die Wasserstelle, die wir bereits vom gestrigen Abend kennen. Am Boden stehen Sturmlaternen mit flackerndem Licht. Neben einem Termitenbau steht ein toter Baum. Dort hängt – an einem Seil aufgehängt – ein Tablett mit Gläsern und einer Sektflasche darauf. Ich glaub´s doch nicht, was ist das denn. SK grinst und hält an, jetzt können wir aussteigen. Er löst das Seil, lässt das Tablett herunter, Öffnet die Flasche und schenkt vier Gläser ein. Des Rätsels Lösung: Roland hat Geburtstag und Chrissie hat diese Überraschung für ihn organisiert. Als Mitfahrer dürfen wir selbstverständlich auch „einen Schluck aus der Pulle“ nehmen.
Eine Viertelstunde später ist es stockdunkel, es wird Zeit, ins Auto zu steigen. Man weiss ja nie, ob vielleicht ein paar Löwen in der Nähe sind. City hat den Spot schon ausgepackt und leuchtet unseren Weg ab, aber auf der Rückfahrt zeigt sich nichts Interessantes. Der Rest des Abends ist Routine. Aufhübschen, Dinner geniessen und zeitig ins Bett gehen. Als wir ins Zimmer kommen, ist es mit Teelichtern dekoriert. In einem Sektkübel steht eine Flasche, dekoriert mit zwei Gläsern. Hilfe! Wir können nicht mehr! Wollen die uns zu Alkoholikern machen? Dann fällt uns ein: Ach ja, es ist ja unser letzter Abend und der Sekt soll uns wohl den Abschiedsschmerz erleichtern 😵
Wir gehen noch mal auf die Terrasse, schauen über den Sumpf und hören ein Plätschern. Irgendwo da draussen stapft ein Eli durch das Schilf. In der Ferne hören wir ein Hippo grunzen. Wir lieben diese Geräusche! Trotzdem ist es jetzt an der Zeit, die Sachen einzupacken und alles für unsere Abreise vorzubereiten. Dann geht es ins Bett.
... wird fortgesetzt ...
Teil 614. Juli 2016
Montag 18.04.2016
Heute früh schaffen es die Vögel, mich vor dem Wecker wach zu bekommen. Also stelle ich ihn ab, höre noch einen Moment dem Gesang zu und wecke dann meine Frau. Bereits vor dem Wakeup Call sind wir auf den Beinen. Nach dem Frühstück müssen wir nicht auf unsere Mitfahrer warten. Die haben heute noch einen Flug nach Johannesburg vor sich und wollen den Tag deshalb gemütlich in der Lodge angehen. Also sind es nur Ruth und ich, die mit City und SK auf die Pirsch fahren.
Heute am Morgen ist es mit ca. 14° ähnlich kühl wie gestern, trotzdem sehen wir keine Nebelschleier. Als wir auf einen Termitenbau zufahren, werden wir von einer Zebramanguste mit vorwurfsvollem Blick gemustert, dann verschwindet sie in einem der zahlreichen Löcher. Wir sehen Impalas, Elefanten, Paviane, Giraffen, Zebras und noch mehr Impalas.
An einer Wasserstelle werden wir genauestens von einem Hippo beobachtet. Eine Paviangruppe von bestimmt 50 Tieren taucht aus dem Busch auf. Auch die Vogelwelt lässt sich nicht lange bitten. Woodland Kingfisher, Sporengänse, Klunkerkraniche, Strausse, Glanzstare, es gibt laufend etwas zu sehen. Wir kommen um eine Kurve und erreichen einen Tümpel. Die zahlreichen Nilgänse sind richtig erschrocken, ein wildes Gekrächze ertönt und sie retten sich flügelschlagend an den gegenüberliegenden Uferrand. Ein Stück weiter steht ein Baum, dekoriert mit vielen Webervogelnestern. Wir stoppen und beobachten die flinken Vögel. Es ist faszinierend, mit welcher Geschwindigkeit sie in die schmalen Eingänge fliegen. Jetzt kommen wir an ein Wäldchen. Das riesige Nest des Hammerkops in einer Astgabel ist unmöglich zu übersehen. Einer der beiden Vögel renoviert das Nest ausserhalb, während der zweite im Eingang sitzt und an einigen Zweigen herumzupft. Wir fahren weiter durch die Landschaft. Ich bin immer wieder von den unterschiedlichen Formen der Termitenhügel fasziniert. Es ist unglaublich, welch mächtige Bauwerke so kleine Tiere zustande bringen. SK stoppt für den Morgenkaffee. Mensch, ist es wirklich schon wieder so spät?
Ein Blick auf die Uhr bestätigt meine Befürchtung. Es ist 09:30. Dieser Morning Game Drive hatte einiges zu bieten, aber leider müssen wir langsam aber sicher zurück zur Lodge. Eine Stunde später haben wir Sandibe erreicht. Wir packen den Rest zusammen, erhalten noch eine kleine Mahlzeit, dann wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Unsere Betreuerin Thusi bekommt eine längere Umarmung und ich verabschiede mich von ihr mit dem Satz: „Sala sentle, omunte mma“. (In etwa: Mach´s gut, schöne Frau). Sie lacht und bedankt sich bei mir. Ich glaube, spätestens jetzt kann sie mich richtig gut leiden 😉 Die anderen Mitglieder der Staff haben es gehört, lachen und winken, draussen am Fahrzeug wird für uns noch mal zum Abschied gesungen. Würden wir Sandibe noch mal besuchen? Für meine Frau ist das überhaupt keine Frage, sie hat sich von Anfang an in diese Lodge verliebt. Ich würde gerne noch mal in 3, 4 Jahren hierher kommen um zu sehen, wie sich die „Ausstrahlung“ (ein besseres Wort fällt mir nicht ein) verändert hat.
Als wir starten ist es fast auf die Minute genau 11:30. Wir haben genügend Zeit, deshalb fahren wir nicht besonders schnell und stoppen hier und da für ein paar Fotos. Etwas wirklich Aufregendes sehen wir allerdings nicht mehr. Gegen 12:15 erreichen wir den Airstrip. 10 Minuten später landet auch schon unser Buschtaxi. Vier Leute steigen aus, Ruth und ich steigen ein. Die Maschine ist etwas grösser und es sitzen noch zwei Leute in der vorderen Sitzreihe. Das stört uns aber nicht besonders, denn wir sind ja nur etwa 20 Minuten in der Luft. Auch dieser Flug ist ruhig und die Landung ist sehr sanft. Flug Nummer 3 kann also auch abgehakt werden.
Wir werden bereits erwartet, schnell ist das Gepäck umgeladen, die Begrüssung unseres Fahrers sowie die Verabschiedung des Piloten gehen schnell vonstatten und schon rauscht der Flieger an uns vorbei und erhebt sich in den Himmel.
Auf geht´s nach Xudum. Uns ist diese Gegend des Deltas schon bekannt. Nicht weit von hier ist das Pom Pom Camp, bzw. Nxabega und in beiden Unterkünften waren wir schon. Aber auch hier wir den Eindruck: Es ist alles ziemlich trocken. Ich frage unseren Fahrer nach seiner Meinung und er bestätigt mir, dass das Wasser aus dem Norden nur sehr langsam vorankommt. Allerdings soll es ergiebige Regenfälle in Angola gegeben haben. Deshalb hofft man auf Wassernachschub.
Die Fahrt nach Xudum dauert knappe 45 Minuten. Bei unserer Ankunft um 14:30 werden wir von der Managerin begrüsst. Sie fragt uns, ob wir noch etwas essen wollen. Ja, das wäre nicht schlecht! Also setzen wir uns sofort an einen Tisch, während unser Gepäck zur Unterkunft getragen wird. Bald darauf können wir etwas essen und ich gönne mir ein kaltes Windhoek Lager. Das tut bei der Hitze richtig gut 🤩 Nachdem wir gegessen haben gibt es noch die nötigen Infos zu Xudum. Das Camp bietet maximal 18 Gästen in 9 Chalets eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Häuschen liegen nebeneinander mit Blick auf eine Lagune. Die war allerdings während unserer Anwesenheit so gut wie ausgetrocknet. Es ist genügend Abstand da, um sich ungestört vom Nachbarn zu fühlen. Die Zeiten für Frühstück, Lunch, Dinner und die Gamedrives sind genauso wie in Sandibe. Für die Mahlzeiten haben wir wieder einen Zweiertisch. Xudum ist im Gegensatz zu Sandibe nicht brandneu und ich mag den Charme dieses Camps. Es ist für mich ein Tick mehr das „richtige“ Afrika. Meine Frau, die ja eher „Sandibe-geprägt“ ist, findet Xudum „halt ok“. Richtige Begeisterung sieht bei ihr anders aus. Hier scheiden sich die Geister, denn ich fühle mich hier wohl.
Nachdem wir alle Infos haben, werden wir von der sehr sympathischen Hausdame zu unserer Unterkunft gebracht. Die Chalets haben einen Hauptraum mit grossem Doppelbett und ein etwas tiefer gelegtes Badezimmer mit Dusche und Badewanne. Eine Aussendusche gibt es natürlich auch. Die Terrasse liegt in Richtung der Lagune, dort befindet sich auch der kleine private Pool. Hier draussen gibt es auch noch eine kreisrunde Liege, auf der man wunderbar relaxen kann. Einen Stock höher, unter einer überdachten Aussichtsplattform, finde ich ein Bett, es ist also möglich im Freien zu übernachten, wenn man möchte. Wir finden, das Chalet hat alles, was wir so brauchen und sogar meine Frau ist jetzt zufrieden. Nachdem die Hausdame alles erklärt hat lässt sie uns allein.
Schnell sind unsere Sachen untergebracht, meine Frau nutzt die Gelegenheit, um erst einmal ein Bad im Pool zu nehmen. Während sie also entspannt im Wasser steht, raschelt es plötzlich im Gebüsch. Ich bin neugierig und komme zum Pool, leider, leider ohne Fotoapparat. In diesem Moment erscheint ein Eli direkt vor dem Pool. Er schaut uns kurz an, dann wandert er langsam weiter. Ahhhhh! Ich bekomme Schnappatmung! Nicht weil es eine gefährliche Situation wäre, sondern weil ich ein richtig gutes Foto verpasst habe. Meine Frau im Pool und vielleicht drei Meter weiter der Elefant, der sie auch noch anschaut. Und wieder einmal heisst es für mich: Knapp daneben ist auch vorbei 😈
Ich renne hinein und hole die Kamera. Der Eli steht nur wenige Meter entfernt im Busch und frisst. Ich hoffe, dass er vielleicht noch mal zurück kommt und befehle meiner Frau, auf jeden Fall im Pool zu bleiben. So warten wir und warten, aber der Spielverderber beschliesst, in die andere Richtung zur Main Area weiterzuwandern. Das ist gemein! Ich gebe auf und erlaube Ruth, den Pool zu verlassen und sich für den Nachmittag vorzubereiten. Pünktlich zum High Tea um 15:30 inspizieren wir den Kuchen und die Häppchen, die wir als kleine Stärkung angeboten bekommen. Jetzt lernen wir auch unseren Guide TG und unsere Mitfahrer kennen. Wir werden mit zwei Engländern und zwei Südafrikanern unterwegs sein. Gegen 16:00 brechen wir auf, unser Tracker Eric erwartet uns schon beim Fahrzeug.
Kaum sind wir gestartet wird Ruth und mir schon klar, dass uns nicht die Idealbesetzung begleitet. Die anderen Gäste sind ziemlich laut, auch wenn wir anhalten, um Tiere zu betrachten. Einer macht gerne Witze und besonders die zwei weiblichen Gäste brechen dann sofort in schallendes Gelächter aus. Zack! verschwindet das Warzenschwein im hohen Gras und Zack! rennen die Mangusten beim ersten Gelächter sofort davon. Oh je! Das ist so gar nicht unsere Welt. Eigentlich ist es ganz gut, dass wir nur eine Nacht hier sind, denn diese Gruppe bleibt noch zwei Tage 😵
Zumindest was die Tiere betrifft, verläuft der Nachmittag ziemlich ruhig. Erst suchen wir ein Löwenrudel, das die anderen am Vormittag aufgespürt hatten, aber die Tiere sind verschwunden Wir sehen viele Lechwe Antilopen, stoppen an einem Hippopool und können bald darauf auf einer freien Fläche zum Sundowner aussteigen.
Auch hier hält sich heute unsere Kommunikation in Grenzen, die vier sind halt nicht unsere Welt. Dann halte ich mich doch lieber an den Guide bzw. Tracker. Als wir wieder ins Auto klettern ist es bereits dunkel geworden. Eric holt den Scheinwerfer hervor und leuchtet die Gegend ab. Wir sehen eine kleine Eule am Boden sitzen. Sie schaut uns mit grossen Augen an (wer hätte das gedacht?). Ein Stück weiter treffen wir auf einen Löwen. Eric schiebt einen roten Filter vor den Spot, jetzt wird die Katze rot angeleuchtet. Damit soll eine unnötige Blendung vermieden werden. Nach einer Viertelstunde fahren wir weiter Richtung Camp, dort kommen wir gegen 20:30 an. Obwohl wir also über vier Stunden unterwegs gewesen waren, haben wir nicht sehr viele neue Eindrücke sammeln können.
Wir gehen nicht zurück zum Chalet, sondern waschen uns nur kurz Gesicht und Hände und setzen uns dann an den Tisch. Der steht auf der Aussichtsterrasse völlig im Freien. Ein schöner Platz, das kann man schon sagen. Die anderen vier Gäste sitzen ein gutes Stück von uns entfernt, das ist auch gut so! Ausser uns übernachtet heute noch eine Gruppe von Reiseveranstaltern aus den USA in Xudum. Auch die sitzen etwas weiter weg, deshalb hat unser Dinner schon einen privaten Charakter. Das Essen ist gar nicht schlecht, der Wein schmeckt natürlich auch wieder und so sind wir eigentlich ganz zufrieden. Das Highlight für meine Frau: Hier funktioniert das W-LAN, sie kann sich mit ihrem Smartphone einloggen und mit der Heimat kommunizieren! So geht der Abend schnell zu Ende und gegen 22:00 lassen wir uns zu unserer Unterkunft bringen. Wir packen die meisten Sachen bereits ein, denn morgen verlassen wir das Camp. Dann geht es ab ins Bett und bald darauf befinden wir uns bereits im Reich der Träume.
Dienstag 19.04.2016
Auch hier werden wir schon vor dem Wakeup Call um 05:30 von Vogelgezwitscher geweckt. Aber das macht mir nichts aus. Das ist allemal schöner als das Gegackere der Francolins! Um kurz vor 06:00 stehen wir vor unserem Häuschen, kurz darauf flackert das Licht einer Taschenlampe. Wir werden zum Frühstück abgeholt. Auf dem Weg zur Main Area raschelt es auf dem Boden. Dann laufen zwei Stachelschweine vor uns über den Weg. Unser Begleiter folgt ihnen, aber sie haben es mächtig eilig und verschwinden in einer Höhle. Ich würde diese Tierchen mal wirklich gerne bei Tageslicht sehen.
Nach dem Frühstück starten wir in der gleichen Besetzung wie gestern zum Gamedrive. Draussen im Busch tut sich noch nicht viel. Um 06:45 lugt die rote Sonnenscheibe hinter ein paar Büschen am Horizont hervor, 10 Minuten später stoppen wir an einem kleinen, flachen See. In der Mitte tummeln sich etwa 20 Hippos, am Rand haben sich zahlreiche Vögel versammelt. Marabus, Nimmersatte und Reiher laufen in der Uferzone herum und fressen, Pelikane schwimmen zwischen ihnen. In den Bäumen rundherum sitzen Fisheagle. So viele Adler auf einem Fleck habe ich noch nie gesehen. Alleine in einem Baum kann ich 10 Fisheagle zählen! Der Grund: Das Gewässer trocknet langsam aber sicher aus und die Fische darin können sich nicht mehr verstecken. Ein Paradies für alle Fischfresser! Pausenlos fliegen die Fisheagle herum und stossen auf die Wasseroberfläche herab. Fast immer sind sie erfolgreich.
Wir sehen uns das Spektakel eine gute halbe Stunde an, dann kommt ein Funkspruch: „Leopard gesichtet“. Also startet TG den Motor und wir fahren weiter. Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir die Stelle. Am Rand eines Wäldchens steht ein anderes Fahrzeug. TG informiert sich, wo der Leo sein könnte. Er hat sich in den dichten Busch zurückgezogen. Eric verlässt seinen Sitz ausserhalb und kommt ins Auto. Also heisst es für uns wieder einmal: Augen und empfindliche Stellen schützen und ab geht´s durch die Mitte. Es kracht ziemlich laut, als wir uns den Weg durch die Büsche bahnen. Wenn ich der Leo wäre, dann hätte ich schon längst das Weite gesucht. Aber dem ist nicht so. Wir kommen an eine kleine Lichtung und da taucht er auf. Er schaut uns nur kurz mit einem – wie ich finde – arroganten Blick an, dann schaut er in der Gegend herum.
Keine 20 Sekunden später taucht er wieder ab. TG nimmt die Verfolgung auf. Es kracht und knackt. Wir müssen umgestürzte Bäume umfahren, zwängen uns zwischen dichten Büschen hindurch, dann sehen wir den Leo wieder. Er blickt kurz in unsere Richtung, fast schaut es aus als würde er hämisch grinsen, dann verschwindet er wieder im dichtesten Teil des Buschwerks. Wir haben uns jetzt so fest gefahren, dass TG zentimeterweise rangieren muss, um wieder herauszufinden. Wir umfahren ein paar Büsche, der Leo bleibt verschwunden. Dann entscheiden wir gemeinsam, dass wir genug von der Verfolgung haben.
Die nächste Stunde bleibt es extrem ruhig. Einige Impalas, ein paar Tsessebes, eine Gruppe Paviane, das war´s. An einer Wasserstelle halten wir für die Kaffeepause. Bald darauf hält ein Landcruiser mit Aussichtsplattform auf dem Dach. Darauf sitzt eine junge Frau. Es handelt sich um Wissenschaftler, welche die Löwenpopulation in der Gegend überwachen. Hmmm… da würde ich jetzt auch gerne mitfahren. Natürlich oben auf dem Dach. Leider haben sie heute noch keine Katzen gesehen.
Irgendwann starten wir, um zum Camp zu fahren. Gegen 10:15 sind wir wieder zurück, verabschieden uns von unseren Mitfahrern (das fällt uns gar nicht so schwer), erhalten ein Brunch, dann holen wir unsere Sachen. Würden wir hierher wiederkommen? Ich eigentlich schon. Eine Nacht war definitiv zu wenig, um einen guten Eindruck zu bekommen, aber ein längerer Zeitraum war halt planungstechnisch nicht möglich. Für meine Frau war es nicht so der Brüller. Ich vermute, das Camp in seiner jetzigen Form wird nicht mehr lange bestehen. Nachdem Sandibe und Nxageba gerade völlig umgebaut wurden kann ich mir vorstellen, dass Xudum auch schon auf der Liste steht. Aber das ist nur eine Vermutung.
Um 10:45 sitzen wir im Auto und TG fährt uns zum Airstrip. Den erreichen wir um 11:30. Als wir ankommen, steht unser Flieger bereits da und zwei Gäste steigen aus. Na das nenne ich eine Punktlandung! Zwei Minuten später ist unser Gepäck verladen, wir verabschieden uns von TG und klettern in die kleine Maschine. Heute sitze ich mal wieder auf meinem Lieblingsplatz neben dem Piloten, Ruth auf der Rückbank. Um 11:40 schwingen wir uns die Lüfte und steuern unserem nächsten Ziel, dem Camp Okavango, entgegen. ... wird fortgesetzt ...
Teil 715. Juli 2016
Die Landschaft unter uns wirkt etwas weniger trocken. Es gibt inzwischen auch mehr schmale Wasserläufe, die sich da unten ihren Weg bahnen. Manchmal spiegelt sich die Sonne in grossen Wasserflächen, aber das ist eher die Ausnahme.
Es ist 12:00, als der Landestreifen von Camp Okavango in Sicht kommt. Wir haben also etwa 25 Minuten für den „Hüpfer“ benötigt. Die Maschine setzt problemlos auf und rollt Richtung Stellplatz. Auch Flug Nummer 4 gehört in die Kategorie „Kurz und schmerzlos“. Der Pilot stellt den Motor ab, dann können wir aus der Maschine klettern. Ein paar Meter entfernt sehen wir einen Unterstand mit Feuerlöschern, eine fahrbare Treppe und ein Schild „Camp Okavango“. Sonst entdecken wir keine Menschenseele. Der Pilot hat inzwischen unser Gepäck am Rand abgestellt. Wir schauen ihn fragend an. Er lächelt nur und sagt: „Macht euch keine Sorgen, gleich kommt jemand.“ Dann fährt ein Pickup vor. Man begrüsst uns mit freundlichem Kopfnicken, unser Gepäck wird auf die Pritsche geladen und der Wagen verschwindet. Und was ist mit uns? Endlich taucht doch noch jemand auf, aber ohne Fahrzeug. Jetzt werden wir mit Handschlag begrüsst und zum Unterstand geleitet. Dann warten wir, bis der Pilot zur Startbahn gerollt ist und die Maschine abhebt. Nun erscheinen zwei Frauen mit nassen Tüchern und kühlen Getränken, die nehmen wir dankbar an, es ist ziemlich heiss hier. Nachdem wir uns etwas abgekühlt haben, marschieren wir zu Fuss weiter. So etwas haben wir noch nie erlebt, der Airstrip liegt nur in Steinwurfweite vom Camp entfernt, deshalb können wir auch laufen.
Einige Schritte weiter kommen wir zu einem Holzsteg, der mitten durch das Camp gebaut ist. Überall gibt es Abzweigungen zu den Chalets, die alle auf Stelzen stehen. Etwa drei Minuten weiter erreichen wir die Main Area. Hier bietet man uns in der Bücherei bequeme Sitze an und wir erhalten von Umani, einer der Managerinnen, die nötigen Infos zu dem Camp.
Das Camp wurde – ähnlich wie Sandibe – von Grund auf neu aufgebaut. 12 ausgewachsene Chalets warten auf die Gäste. Die Anlage ist so neu, dass die Handwerker an einigen Stellen noch zugange sind. Das stört aber anscheinend nicht wirklich. An Aktivitäten werden Bootstouren, Mokorofahrten und Buschwanderungen angeboten. Gamedrives gibt es hier nicht. Der Tagesablauf ist genauso wir in den anderen D&D Camps, das heisst für uns, wir können morgens wieder eine halbe Stunde später aufstehen. Die Anlage sieht sehr nett aus, von der Ausdehnung vielleicht ein bisschen zu gross für meinen Geschmack, auch wenn hier nur maximal 24 Gäste anzutreffen sind. Es ist halt alles vorhanden, was das verwöhnte Touristenherz begehrt. Getränkestation, Bücherei, Aufenthaltsbereich, Boutique, Essensplatz, Feuerplatz, Pool, alles wirkt wie aus einem Guss. Auch hier habe ich einen ähnlichen Gedanken wie in Sandibe. Ich möchte das Camp gerne in ein paar Jahren sehen, wenn es nicht mehr so nagelneu wirkt.
Nach der Einführung haben wir keine Fragen mehr, deshalb bringt man uns zum Chalet. Es ist wirklich schön, aber irgendwie ist alles noch zu neu, ich kann meine Gefühle ganz schlecht beschreiben. Wenn man durch die Eingangstür tritt, befindet sich auf der rechten Seite das grosse Bett mit jeweils einem Schrank auf jeder Seite. Die Möbel sind in hellem Holz gehalten und durchaus ansprechend. Das Bett ist liebevoll mit Pflanzen und Glaskugeln dekoriert. Allerdings hat man noch keine Moskitonetze geliefert, das ist für meine Frau, die ja ein beliebtes Ziel der Moskitos ist, nicht so optimal. Auf der linken Seite sind zwei Waschbecken aus Stein und eine geflieste Doppeldusche mit viel Platz. Eine Aussendusche gibt es hier nicht. Der Toilettenraum ist auch dekoriert, alles wirkt stimmig. Die Wände des Raums sind aus dicken Zeltplanen, von der Front und den Seiten kommt viel Licht herein, die Öffnungen können aber mit Zeltplanen verschlossen werden. Ausserdem hat die Front grosse Türen, die man aufklappen kann. Davor befindet sich eine Terrasse, die von grossen Bäumen beschattet wird. Zwei Holzliegen runden die Ausstattung ab. Holz bestimmt den Charakter des Chalets, es passt alles und ist wirklich sehr nett gemacht.
Bevor wir uns hier einrichten gehen wir erst einmal zum Lunch. Es ist schliesslich 13:00 und wir haben Hunger. Ausser uns sitzt allerdings niemand an dem langen Tisch, die anderen Gäste haben wohl schon vorher gegessen. Der Speiseraum ist an den Seiten offen und man kann weit über die Ebene schauen. Wir geniessen unser Essen und den Weisswein, beides ist von wirklich guter Qualität. Nach dem Lunch laufen wir wieder zurück zum Chalet.
Nachdem wir unsere Kleidung eingeräumt haben gönnen wir uns erst einmal eine Dusche. Die funktioniert einwandfrei und wir möchten am liebsten gar nicht mehr aufhören. In unserer Behausung ist es inzwischen ganz schön warm geworden, der Ventilator läuft auf Hochtouren. Wir beschliessen, auf die Terrasse zu gehen und zu relaxen.
Die Zeit geht schnell vorbei, wir packen unsere Sachen für den Nachmittag zusammen. Ich mache noch ein paar Fotos von der Main Area, dem Pool usw, dann ist es auch schon 15:30, we are ready for teatime 🙂 Während wir ein Stückchen Kuchen essen, stellt sich unser Guide vor. Sein Name ist Zakes. Ich brauche keine 10 Sekunden und ich weiss genau: Zakes und ich passen extrem gut zusammen. Ich freue mich jetzt schon auf die nächsten 3 Tage. Und ich sollte Recht behalten.
An diesem Nachmittag schlägt man uns eine Mokorotour vor. Ausser uns ist noch eine grosse Gruppe aus Kanada und zwei Schweizerinnen im Camp. Alle sind Tour Operator, man ist also unter sich. Ein Teil der Kanadier und die schweizer Mädels begleiten uns. Zunächst gehen wir zum Unterstand am Airstrip. Dort hängen zwei Karten und man erklärt uns erst einmal wie das Delta entstanden ist, wo wir uns befinden usw. Dann verlassen wir das Camp, laufen quer über den Landestreifen und nach ein paar Minuten haben wir auch schon die Mokorostation erreicht. Wie gewohnt steigen jeweils 2 Gäste ins Boot. Begleitet werden sie vom sogenannten Poler, der mit einer langen Stange das Boot vorwärts bewegt und steuert. In der Regel haben die Poler ein gutes Fachwissen und auch ein gutes Auge für die kleinen Lebewesen, die sich im Schilf aufhalten. Wir legen ab und fahren einen der vielen Kanäle entlang. Der blaue Himmel wird von ein paar Schäfchenwolken geschmückt, die Temperatur ist jetzt am späten Nachmittag erträglich, es weht kein Lüftchen und die wundervolle Landschaft spiegelt sich im ruhigen, glasklaren Wasser des Okavango Deltas.
Wenn man so ohne Lärm dahingleitet kommt unweigerlich ein Hochgefühl auf und man möchte weiter und weiter fahren. Seerosen in weiss und violett säumen unseren Weg, hier und da sitzt ein Ornament Riedfrosch oder ein kleines Vögelchen an den langen Halmen, ab und zu fliegt ein Wasservogel davon und der Poler erklärt uns mit leiser Stimme die kleinen Geheimnisse des Deltas. Diese Welt ist so ganz anders, wie die manchmal etwas hektische Safariwelt auf dem „Festland“. Wenn man nach Afrika kommt und Körper bzw Puls erst einmal einbremsen will, dann sollte man vielleicht mal zwei Tage lang nichts anderes als Mokorotrips machen. Ich könnte mir vorstellen, das hilft bei der Stressbewältigung.
Der Nachmittag schreitet voran, wir müssen wieder umkehren. Die Spiegelungen im Wasser inspirieren mich immer wieder zu ein paar Fotos, auch wenn ich eigentlich schon genug davon habe. Wir werden von den schweizer Mädels überholt. Tamara hat inzwischen einen Hut auf, der wurde vom Poler aus einem Seerosenblatt gemacht. Gegen 18:00 sind wir wieder zurück. Zakes führt die kleine Karawane Richtung Camp. Bevor wir den Holzsteg erreichen, müssen wir anhalten. Nicht weit von uns entfernt steht ein Elefantenbulle und lässt sich ein paar Blätter schmecken. Wir unterhalten uns im Flüsterton, Zakes prüft die Windrichtung, dann führt er uns an eine andere Stelle. Nach ein paar Minuten ist der Eli weiter gelaufen und wir können weiter marschieren. Wir verlieren keine Zeit und laufen zum Aussichtsdeck, dort hat man bereits unsere Getränke für den Sundowner vorbereitet. Wir unterhalten uns ein wenig und merken, dass wir mit Tamara und Laura auf der gleichen Wellenlänge sind. Die Zeit hier könnte richtig gut werden!
Es ist dunkel geworden, wir werden zum Chalet gebracht, können uns frisch machen und gegen 19:15 holt man uns wieder ab. An unserem ersten Abend gibt es gleich eine Gesangs- und Tanzvorführung von der gesamten Staff, inklusive Managern und Guides. Man sieht ihnen an, dass sie wirklich Spass an der Sache haben. Danach nehmen wir am grossen Tisch Platz, unterhalten uns mit den Mädels aus der Schweiz und Manager Francois, der in unserer Nähe sitzt. Da Essen ist lecker und die Stimmung ist gut, wir sind absolut zufrieden mit dieser Unterkunft. Gegen 21:30 lassen wir uns zurück zum Chalet bringen. Mir wird bewusst, dass 1/3 unserer Reise schon wieder Geschichte ist. Ich werde kurz etwas melancholisch, bevor ich mich aber lieber wieder auf die bevorstehenden 2/3 freue…
... wird fortgesetzt ...
Teil 818. Juli 2016
Mittwoch 20.04.2016
Irgendwann wache ich plötzlich auf. Draussen musizieren die Vögel, also beginnt der Tag. Ja fein, da wecke ich doch gleich mal meine Frau 😄 Das muss ich gar nicht, denn sie döst nur noch. Wir haben halt „nur“ eine Zeltwand zwischen uns und der Natur, da wird man automatisch bei Tagesanbruch geweckt, aber so wollten wir es ja. Die Nacht war etwas unruhig. Im Areal des Camps gibt es verschiedene Paviangruppen und die haben irgendwann Streit bekommen. Natürlich wurden die Diskussionen lautstark ausgetragen, es war den Affen absolut egal, ob hier vielleicht die Gäste ihre Ruhe haben wollen oder nicht. Aber jetzt hören wir nur noch lieblichen Vogelgesang, also springe ich aus dem Bett. Ich freue mich auf den heutigen Tag, denn Zakes hat angekündigt, dass wir am Vormittag einen Bushwalk machen werden und das finde ich richtig gut!
Um kurz vor 06:30 laufen wir über den Holzsteg zur Main Area. Vor uns stehen zwei Frauen aus Kanada und trauen sich nicht weiter. Der Grund: zwei stattliche Pavianmänner sitzen auf dem Geländer und schauen scheinbar gelangweilt in der Gegend herum. Wir haben in der Vergangenheit bereits unsere speziellen Erfahrungen mit Pavian Männern gemacht und deshalb trauen wir ihnen nicht über den Weg. Jetzt bin ich gefordert, denn normalerweise haben die Paviane etwas mehr Respekt vor Männern. Hoffentlich funktioniert es! Ich gehe zwei Schritte nach vorne. Bauch rein, Brust raus, die Mädels halten sich hinter mir. Dann laufe ich mit festen, lauten Schritten auf die Paviane zu und siehe da: sie verziehen sich wirklich. Da hab ich Glück gehabt, denn ganz sicher war ich mir nicht. Aber manchmal muss man im Leben auch Pokern und (hoffentlich) gewinnen.
Zum Frühstück werden wir von Tanya erwartet. Sie gehört ebenfalls zum Management, wurde in Namibia geboren und lebt jetzt hier in Botswana. Sie ist eine unglaublich sympathische Person und Ruth hat sich schon gestern mit ihr angefreundet. Kurze Zeit später erscheinen noch Tamara und Laura. Zakes – ebenfalls anwesend – erklärt uns, die Wandergruppe sei jetzt vollständig. Ja besser geht´s ja gar nicht. Wir sind zu viert unterwegs und das mit Leuten, die wir sehr mögen.
Nach dem Frühstück schnappen wir unsere Sachen, Tanya wünscht uns viel (Sichtungs)glück und dann folgend wir Zakes zum Bootssteg. Wir werden nämlich mit dem Boot zu einer Insel mit Namen „Buffalo Island“ fahren und dort wandern. Das hört sich interessant an. Am Steg werden wir von einem zweiten Guide erwartet. Sein Name ist John „the Legend“. So beschreibt Zakes unseren Begleiter, denn er ist in der Gegend hier geboren, arbeitet schon seit ewigen Zeiten als Guide und auch schon seit ewigen Zeiten für Desert &Delta. Ich nenne ihn „Big John“, er schaut mich an, fühlt sich geschmeichelt und lächelt. Ich mag ihn sehr. Genau wie bei Zakes habe ich das Gefühl, dass uns in seiner Gegenwart da draussen in der Wildnis überhaupt nichts passieren kann. Wir steigen ins Boot und fahren durch einen der zahlreichen Kanäle. Ich frage mich immer wieder, wie man hier den richtigen Weg finden kann, aber für unsere Jungs ist das natürlich überhaupt kein Problem.
Etwa 20 Minuten später haben wir unser Ziel erreicht. Die Stelle, an der wir anlegen ist relativ dicht bewachsen. Während Zakes uns noch ein paar Regeln erklärt (immer schön in der Nähe bleiben, hintereinander laufen, nach Möglichkeit leise sein) checkt John die nähere Umgebung. Bald darauf ist er wieder da und gibt sein ok. Wir können also starten. Zakes läuft an der Spitze, es folgen die vier Gäste, am Schluss der „Schlange“ ist John zu finden. Dann passiert etwas für mich neues. Ein kleines Vögelchen kommt angeflogen, setzt sich in unserer Nähe auf einen Ast und macht lautstark auf sich aufmerksam. Ich schaue Zakes fragend an, er lächelt und sagt: „das ist ein Honeyguide (Honiganzeiger)“. Ich habe schon von dem Verhalten dieses Vogels gehört, aber noch nie einen gesehen. Jetzt sitzt er ungeduldig auf seinem Ast, flattert auf und ab und möchte unbedingt, dass wir ihm folgen. Sobald wir laufen, fliegt er laut zwitschernd vor uns her. Dann allerdings kommt die grosse Enttäuschung. Der Honeyguide fliegt nach links, Zakes entscheidet sich aber für die rechte Seite. Das Vögelchen versucht es noch einmal, fliegt zu uns und versucht alles, um auf sich aufmerksam zu machen. „Halt! Ihr lauft in die falsche Richtung! Zum Honig geht es hier lang!“ Irgendwie tut es mir leid, aber unsere Gruppe hat ein anderes Ziel. Sorry, kleiner Vogel, du musst dir einen anderen Partner suchen, der dir hilft. 😵
Vor uns liegt jetzt eine Ebene, bewachsen mit relativ hohem Gras. Eine Herde Impalas starrt gebannt in unsere Richtung. Die Weibchen sind eng beisammen, ein paar Meter weiter steht der Chef der Truppe. Dann bewegen sie sich ohne Hast in eine andere Richtung. John schnuppert und sagt irgendetwas auf Setswana zu Zakes. Der nickt und wendet sich an uns. „Da vorne ist eine Büffelherde, wir versuchen jetzt, etwas näher heran zu kommen. Der Wind steht günstig, es könnte uns also gelingen. Aber seid bitte leise und bleibt dicht zusammen.“ John verschwindet zwischen den Bäumen. Kurze Zeit später taucht er wieder auf und unterhält sich mit Zakes. Der informiert uns. „In der Herde sind einige Kälber, deshalb haben die Büffel Wachposten postiert. Die halten sich am Rand der Herde auf und sind meistens nicht sichtbar. Die Wachposten sind immer kräftige Bullen. Deshalb müssen wir vorsichtig sein, denn die greifen sofort an. Ausserdem könnte es sein, dass sich hier in der Nähe ein Löwenrudel aufhält. Die folgen gerne einer Büffelherde.“ Ja, das habe ich auch schon öfter gehört. Also sind wir folgsam und bleiben immer schön in der Nähe unserer Guides. Wir fühlen uns bei ihnen sicher, auch wenn sie unbewaffnet sind. Vor uns liegt ein mächtiger Baumstamm, Zakes winkt uns und wir stellen uns neben ihn auf den Stamm. Von hier aus können wir gut die Büffel beobachten. Sie sehen recht entspannt aus und fast alle sind mit Fressen beschäftigt. Plötzlich taucht in unserer Nähe ein Nachzügler auf. Der Bulle humpelt entsetzlich, ich vermute, er hat starke Schmerzen. Ob er wohl diese Saison überlebt?
Zakes erzählt uns eine nette Geschichte. Vor einiger Zeit war er mit Gästen ebenfalls auf Buffalo Island unterwegs, um Büffel zu beobachten. Sie standen an einem ähnlichen Platz wie wir heute. Ein Büffel kam ihnen ziemlich nahe, er war aber entspannt und interessierte sich nur für seine Mahlzeit. Plötzlich tauchten drei Löwinnen hinter einem Busch in der direkten Nachbarschaft auf und schlichen sich an. Die Katzen waren so fokussiert auf den Büffel, dass sie die kleine Wandergruppe gleich nebenan gar nicht bemerkten. So konnte Zakes seine Gäste mit flüsternden Kommandos zurück hinter ein anderes Gebüsch dirigieren und die Sache ging ohne menschliche Verluste über die Bühne. Die Löwen wiederum wurden von dem Büffel rechtzeitig bemerkt und er floh. Glücklicherweise kehrten sie nicht um, sondern verfolgten weiterhin die Herde. Ich bin ein bisschen neidisch. Da gab es bestimmt Gelegenheit für ein paar schöne Fotos 😗
Wir laufen – immer gegen den Wind – durch die Grasebene. Auf einem Termitenhügel stoppen wir und können weiterhin die Herde beobachten. Auf der rechten Seite erkennen wir ein Warzenschwein. Wie üblich hat es die Vorderbeine eingeknickt, um besser fressen zu können. Jetzt bemerkt es uns, erstarrt kurz und entscheidet sich, den geordneten Rückzug anzutreten. Aus dem Schatten einiger Bäume tritt plötzlich ein grosser Bulle hervor. Er schaut in lange unsere Richtung. Das ist wohl einer der Wachposten. Dann trottet er langsam der Herde hinterher.
Wir wandern weiter, die Büffel sind inzwischen ausser Sichtweite. Plötzlich hören wir ein trauriges Blöken. Etwas weiter entfernt taucht ein Büffelkalb auf. Was ist denn da passiert? Wir können nur Vermutungen anstellen, auch Zakes und John sind überrascht. Wurde die Mutter von Löwen überwältigt? Hatte sich das Kalb verlaufen und die Herde ist weitergezogen? Oder hat es im hohen Gras geschlafen und wurde von der Mutter vergessen? Wir wissen es nicht. Das Kalb läuft im Halbkreis und blökt jämmerlich. „Warum holt mich keiner? Wo ist meine Mama?“ Eins ist klar. Falls wirklich Löwen in der Nähe sein sollten, dann hat es sich bald ausgeblökt. Sollten wir etwa Zeugen einer Tragödie werden? Zu seinem Glück läuft das Kalb in die richtige Richtung. Plötzlich hebt es die Nase in den Wind und zieht die Luft ein. Wenige Sekunden später fängt es an los zu sprinten. Es scheint die Herde zu riechen. Auf jeden Fall stimmt die Richtung. Glück gehabt, kleines Kalb! Deine Zeit scheint noch nicht abgelaufen zu sein.
Wir sind jetzt ca. 2 ½ Stunden unterwegs. Vor uns befindet sich ein Wäldchen. Unser „Schatten“ John verschwindet und checkt die Lage. Ein paar Minuten später gibt er grünes Licht. Wir laufen weiter, jetzt geben uns die Bäume Schatten. Am Rand einer Lichtung liegen ein paar Baumstämme, hier rasten wir. Zakes macht uns auf die Elefantenpfade in der Nähe aufmerksam. Sie führen ohne Umweg von einem Marulabaum zum nächsten, denn die grauen Riesen lieben die Früchte. Wir müssen gar nicht lange warten, da erscheint schon ein Eli auf der Bildfläche und reckt sich nach den Früchten am Baum. Wir brechen auf Richtung Boot. Vor uns knackt es in den Büschen. Zakes und John führen uns im Slalom weiter. Ein zweiter Elefant holt sich die Früchte von einem anderen Baum. Leise schleichen wir uns am Rand der Lichtung entlang.
Gegen 10:00 haben wir unser Boot erreicht, eine halbe Stunde später können wir das Camp Okavango sehen. Wir steigen aus und bedanken uns bei unseren beiden Guides. Bevor wir zum Chalet laufen wird es Zeit sich von „unseren“ Mädels aus der Schweiz zu verabschieden, denn die reisen weiter nach Mozambique. Macht´s gut, Laura und Tamara. Wir hatten eine Menge Spass zusammen und wir können euch richtig gut leiden! Wir verabreden uns mit den beiden für den August in Zürich, dann wird es Zeit, sich zu trennen.
Zurück in der Unterkunft wird schnell geduscht und noch vor 12:00 sitzen wir beim Lunch und lassen es uns gut gehen. Der Bushwalk war richtig gut und spannend, wir freuen uns schon auf den nächsten Vormittag, da werden wir die Wanderung auf einer anderen Insel wiederholen. Beim Essen lernen wir Mark kennen. Er kommt ursprünglich aus Deutschland, lebt jetzt seit über 10 Jahren in Botswana und ist von Beruf Koch. Seine Aufgabe ist es, von Lodge zu Lodge zu reisen, neue Menüfolgen zu kreieren und diese Menüs mit der Küchenmannschaft zu trainieren. Das macht er üblicherweise zweimal pro Jahr, und nicht nur für Desert & Delta. Mark liebt die Natur, für ihn als Koch ist es bestimmt eine schöne Aufgabe, seiner Leidenschaft nachzugehen und die herrlichen verschiedenen Landschaften und Tiere zu sehen.
Den Nachmittag verbringen wir auf der schattigen Terrasse unseres Chalets, der Innenraum hat sich auf locker 36° aufgeheizt, da hilft der Ventilator nur bedingt. Gegen 15:00 sind wir bereit für den Nachmittag. Auf dem Holzsteg treffen wir auf einen Angestellten. Er steht vor einem Baum, blickt hinauf und gibt uns zu verstehen, dass wir nicht weiter laufen sollen. Wir fragen ihn, was los ist. „Ich habe gerade eine schwarze Mamba gesehen“, sagt er. „Sie hat sich im hohlen Baum verkrochen.“ Aha! Das ist wirklich ein guter Grund, um erst einmal abzuwarten. Dann zeigt die Schlange sich ein Stück weiter oben, bevor sie erneut im Stamm verschwindet. Okay, ab jetzt werden immer schön die Augen offen halten, wenn wir hier entlang laufen. 🙁
Wir sitzen beim Nachmittagstee und beobachten die Leute um uns herum. Ein Teil der Reisegruppe aus Kanada hat das Camp verlassen, dafür sind neue Gäste gekommen. Da ist zum Beispiel Rosemarie aus München. Sie ist 83 Jahre alt und reist jedes Jahr alleine ins südliche Afrika. Botswana hat es ihr angetan und sie kennt alle D&D Lodge inzwischen auswendig. Respekt, Respekt! Sie scheint sich ja richtig intensiv mit dem Afrika-Virus infiziert zu haben 🙂 Wir lernen Jenny aus Australien kennen. Ach, wieder mal Australien! Jenny ist eine sehr nette Frau, die mit etwas leiserer Stimme spricht, das ist – im Vergleich zu den Phonstärken der Kanadier und Amerikaner – sehr angenehm für uns. Ausserdem stellen sich noch Erin und Mike aus Neuseeland vor. Sie sind mit ihren drei Kindern unterwegs. Mike ist Arzt, war auf einem Kongress in Südafrika und macht jetzt mit der Familie noch eine Botswana Tour. Mike sollte noch eine wichtige Rolle für uns spielen, aber das konnten wir zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nicht wissen. Zunächst einmal stufen wir sie unter der Kategorie „absolut nett“ ein.
Um 15:30 laufen wir hinunter zum Steg, denn am Nachmittag wollen wir an einer Bootstour teilnehmen. Zakes ist unser Kapitän, auf Big John können wir jetzt verzichten, denn wir werden nicht wandern. Während die Mokorotouren eher auf offenen Gewässern stattfinden um besser gegen unvorhergesehene Begegnungen mit Hippos oder Elefanten geschützt zu sein, fahren wir jetzt durch die schmalen Kanäle, die links und rechts mit hohem, fast undurchdringlichen Papyrusgras bewachsen sind. Nach jeder Biegung haben wir eine neue Perspektive und – wie bei den Mokoros auch – spiegelt sich alles im glasklaren Wasser des Deltas. Es ist einfach traumhaft! Zakes mit seinen scharfen Augen deutet immer wieder an den Rand des Ufers. Unweit vom Boot lauert ein kleines Croc im Wasser. Es verhält sich absolut still, als wir uns langsam nähern. Erst als wir einen Schatten werfen, verschwindet es blitzartig unter den Wurzeln. Einige Bienenfresser sitzen auf den Papyrusgräsern und schauen uns neugierig an, auf einer kleinen Sandbank stehen zwei Wassertriele, steigen auf und fliegen einen kleinen Bogen, um gleich wieder zu landen.
Natürlich sehen wir auch viele der kunstvoll gefertigten Webervogelnester. Sie sind zwischen zwei Stängeln befestigt. Ich vermute, für Schlangen ist es schwierig, da hinauf zu klettern. „Schaut mal, da ist ein Malachite Kingfisher (Hauben Zwergfischer)“ sagt unser Guide. Wie immer dauert es noch ein paar Sekunden, bis auch wir das kleine hübsche Vögelchen mit seinen leuchtenden Farben im Papyrus ausgemacht haben. Zum Glück wartet er, bis wir einige Fotos machen können, bevor er innerhalb eines Wimpernschlags verschwindet.
Wir fahren ein Stück weiter, jetzt mündet der Kanal in eine Lagune. Und wieder bewundern wir diese perfekten Spiegelungen im Wasser. Für uns ist das ein 3-D Film, der nie langweilig wird. Bald darauf steuern wir auf das Ufer zu. Das ist ein wirklich schöner Platz für unseren Sundowner! Zakes holt eine Tischdecke, breitet sie auf der Bootsspitze aus und holt die Getränke und Häppchen aus der Kühlbox. Die Gäste laufen ein paar Schritte am Ufer entlang und betrachten die Landschaft im traumhaften, goldenen Licht. Man hat das Gefühl, diese besondere Stimmung am Nachmittag mitten im Okavango Delta verzaubert alle.
Es ist jetzt kurz vor 18:00, wir steigen wieder ins Boot und treten den Rückweg an. Jetzt fahren wir genau auf die Sonne zu, die bereits ganz knapp über dem Horizont steht und die ganze Szenerie rötlich einfärbt. Ich schaue meine Frau an, uns geht mal wieder das Herz auf. In so einer Situation muss man einfach tief durchatmen und seufzen. Ja! Das ist einer der unschlagbaren afrikanischen Sonnenuntergänge! Hoffentlich können wir noch viele, viele davon erleben. Und der Virus gräbt sich noch ein Stückchen tiefer in unsere Herzen ein … Dann ist die Sonne verschwunden und wird vom Vollmond abgelöst, wir tuckern weiter Richtung Camp.
Nach unserer Rückkehr fragt uns Zakes, was wir am nächsten Tag unternehmen wollen. „Wer ist morgen dabei? Wie gross ist die Gruppe?“ frage ich ihn. Er lächelt. „Es sind nur ihr zwei und Jenny.“ Wow! Das hört sich doch richtig gut an. Wir fragen Jenny: „Bushwalk?“. Sie nickt. Schon ist unser nächster Vormittag verplant und wir freuen uns mächtig drauf.
Jetzt werden wir zum Chalet gebracht, können uns frisch machen und um 19:15 sehen wir schon wieder das flackernde Licht einer Taschenlampe. Wir sind natürlich pünktlich fertig und stehen schon vor der Tür. Heute sitzen wir beim Dinner an mehreren kleineren Tischen, das finde ich auch ok. Die Reisegruppe aus Kanada sitzt zusammen, wir haben Rosemarie, Jenny und Zakes an unserem Tisch, eigentlich eine optimale Besetzung. Auch heute genießen wir wieder das gute Essen, haben kurzweilige Unterhaltungen und keine Sekunde Langeweile am Tisch. Nach dem Dinner setzen wir uns noch ans Feuer, gegen 21:45 beenden wir den heutigen Tag. Als ich den Besuch von Camp Okavango plante und erfuhr, dass es keine Gamedrives gibt, war ich zunächst ein wenig skeptisch. Jetzt, nach eineinhalb Tagen ist mir klar: Es geht auch wunderbar ohne Autos. Wie gesagt, ich freue mich schon auf unsere nächste Wanderung und auch auf die nächste Bootstour. Ok, ab ins Bett und neue Kräfte sammeln für den nächsten Tag. Höre ich da etwas im Dunkeln summen? Etwa ein Moskito? Das ist nicht ganz so schlimm – zumindest für mich. Ich habe ja meinen „Köder“ für die Stechmücken neben mir liegen. Arme Ruth. Ich hoffe, es wird nicht allzu schlimm für dich. Und während ich noch mit ihr fühle bin ich eingeschlafen.
Donnerstag 21.04.2016
Zwei Glanzstare diskutieren heftig miteinander. Träume ich? Nein! Das ist Realität! Der nächste Tag startet bereits. Ich schaue auf den Wecker. Es ist 05:45, eine gute Zeit um aufzustehen. Meine Frau ist auch schon in der Dämmerphase, kurz darauf sind wir auf den Beinen. Tatsächlich! Ruth hat heute Nacht ein paar Stiche abbekommen, ihre „Sammlung“ ist inzwischen schon ganz beachtlich 😗
Um kurz vor 06:30 laufen wir Richtung Main Area. An dem bewussten Baum schaue ich genau hin, keine Schlange in Sicht. Auch in den umliegenden Ästen kann ich nichts entdecken. Nur ein paar Paviane sind zu hören, der Chef muss sich scheinbar wieder mal bei der Jugend Respekt verschaffen. Heute sind wir wieder die ersten, scheinbar haben wir am Morgen den grössten Hunger von allen. Wir frühstücken in Ruhe, bald erscheint Jenny und um kurz vor 07:00 sind wir bereit.
Wir folgen Zakes zum Wasser, dort wartet schon Big John auf uns. Er freut sich über meine Konversation auf Setswana, schüttelt mir extra die Hand, dann steigen wir ins Boot. Heute ist nicht Buffalo Island unser Ziel, aber die Fahrtrichtung ist erst einmal die gleiche wie gestern. Kaum sind wir gestartet, sitzt zur Begrüssung doch tatsächlich ein Malachite Kingfisher gut sichtbar auf einem Halm und wartet sogar, bis ich ein Foto gemacht habe. Das war jetzt aber sehr nett, ich vermute, Zakes hat es für mich arrangiert 😉 Ein Stück weiter sitzt ein Graufischer. Er schaut uns argwöhnisch an, trippelt vom linken Fuss auf den rechten Fuss, fliegt kurz auf um dann doch wieder auf dem gleichen Halm zu landen. Das ist sein bevorzugter Platz, und er sieht gar nicht ein, dass er wegen uns darauf verzichten soll!
Ein paar Kurven weiter liegt ein mächtiges Krokodil am Rand der Uferböschung. Es denkt auch gar nicht daran zu fliehen, als wir uns dem Ufer nähern. Das Croc ist sich wohl sehr genau seiner Stärke und Grösse bewusst. Weiter geht es, der Kanal wird jetzt ziemlich breit. Vor uns taucht ein Elefantenbulle im Wasser auf. Was für ein Glück! So eine Begegnung hatten wir im Delta noch nie. Zakes stoppt sofort unsere Fahrt und lässt den Motor im Leerlauf tuckern. Der Eli scheint ein wenig zu träumen. Langsam treiben wir in seine Richtung. Jetzt schüttelt er den Kopf, so dass die Ohren gegen seinen Körper schlagen und schnaubt. Diese Art von Körpersprache kennen wir inzwischen in- und auswendig. Wenn man in einem Boot auf einen Eli zufährt, der im flachen Wasser steht, dann wirkt das aus unserer Perspektive durchaus beeindruckend. Der Bulle läuft jetzt ohne Hast auf uns zu. Zakes gibt kurz Gas, wir fahren langsam rückwärts, dann stoppen wir erneut. Dem Eli gefällt es nicht, dass wir immer noch da sind. Er läuft weiter genau in der Mitte des Kanals auf uns zu und fängt an, das Wasser mit seinem Rüssel aufzuwühlen. Es schäumt und spritzt und ich bin begeistert, denn das gibt natürlich schöne Bilder. Der Elefant schaut wieder in unsere Richtung. Irgendwie ist er jetzt enttäuscht, dass wir immer noch da sind. Nun dreht er scheinbar beleidigt ab, läuft Richtung Ufer und verschwindet im hohen Gras. Was für eine kurzweilige Bootstour am frühen Morgen 🤩
Wir tuckern weiter, John deutet nach links. Wir sehen erst einmal gar nichts. Dann taucht der Kopf eines Nilwarans im Gras auf. Er schaut kurz in unsere Richtung und verschwindet wieder.
Dann haben wir unser Ziel erreicht und verlassen das Boot. Ganz in unserer Nähe sitzen einige Paviane und mustern uns misstrauisch, bevor sie sich langsam zurückziehen. Wir erreichen bald darauf eine grasbewachsene Ebene, die wir überqueren. Auf der anderen Seite kommen wir an ein fast komplett ausgetrocknetes Wasserloch. Nur noch ein schlammiger Rest ist übrig. Rundherum sieht man die Spuren der Elefanten. Durch ihr Gewicht haben sie im Schlamm tiefe Löcher hinterlassen, die dann von der Sonne festgebacken wurden. Zakes zeigt uns ein paar leere Schneckenhäuser. Während der Regenzeit gab es wohl in dieser Wasserstelle reichlich Leben.
Wir laufen weiter. In einiger Entfernung sehen wir eine Herde Sumpfantilopen. Sie beobachten uns gespannt, bleiben aber an ihrem Platz und flüchten nicht. Mehrere Giraffen tauchen auf. Obwohl sie weit genug entfernt sind schauen sie zunächst in unsere Richtung, überlegen was sie machen wollen und rennen dann los. Wie immer sieht es aus, als würden sie sich in Zeitlupe bewegen. 30 Sekunden später stoppen sie wieder und schauen angestrengt zu uns herüber.
Wir ändern unsere Richtung und werden während unserer Wanderung argwöhnisch von Warzenschweinen, Gnus, Impalas und Lechwes beobachtet. Jetzt folgen wir einem Elefantenpfad, der mitten durch das Gras führt. Plötzlich stoppt Zakes. Auf dem Pfad sehen wir deutlich die Spuren einer Katze. Zakes öffnet seinen Rucksack. Er hat eine farbige Broschüre, auf der die Fussabdrücke der wichtigsten Raubkatzen zu sehen sind. Anhand der Broschüre zeigt er uns, worin sich die Spuren unterscheiden. In unserem Falle ist eine Löwin vor uns hier entlang gelaufen. Zu fortgeschrittener Stunde machen wir Rast unter ein paar Bäumen.
Es dauert nicht lange und wir werden beobachtet. Es sind zwei verschiedene Paviangruppen, die uns nicht aus den Augen lassen. Gegen 10:30 erreichen wir das Boot. Auf dem Rückweg gibt es wieder einiges zu sehen. Crocs liegen regungslos am Ufer, ein Mohrensumpfhuhn (Black Crake) läuft über die Seerosenblätter und sucht sein Futter, auch mein spezieller Freund, der Malachite Kingfisher zeigt sich noch einmal.
Gegen 11:00 legen wir wieder an, bringen unsere Sachen ins Häuschen, ziehen uns um und schon ist es Zeit für das Lunch. Auf dem Weg vergessen wir nicht, in den Ästen nach Schlangen Ausschau zu halten, aber es droht keine Gefahr. Nach dem Lunch gehe ich für ein Schläfchen zurück ins Chalet, während meine Frau sich zum Pool begibt, um dort zu relaxen. In unserem Zimmer ist es kühler als gestern, es sind nur noch 33° 😗
Natürlich sind wir um 15:00 wieder startbereit. Heute Nachmittag steht noch einmal eine Bootstour auf dem Programm. Das Besondere: Zakes fährt nur mit Ruth und mir hinaus. Ich liebe solche Touren! Ich kann für Fotos stoppen, wann und wo ich will und muss keine Rücksicht auf die Wünsche von anderen Gästen nehmen, einfach toll! Auf meiner Agenda stehen Seerosen und Reedfrogs, Zakes ist mit Eifer bei der Sache und weiss auch immer sofort, wie ich es gerne hätte. Geduldig fährt er zurück, wenn wir zu schnell an einem Objekt vorbei gefahren sind oder wenn ich etwas zu spät gesehen habe. Ich wusste es ja von Anfang an. Zakes ist mein Mann! Er erahnt meine Wünsche fast so gut wie mein Freund John (an der Chobe Riverfront) und das will etwas heissen. So brauchen wir für eine Strecke, die normalerweise in 20 Minuten zu bewältigen ist, heute etwa eine Stunde. Aber es ist egal, keiner beschwert sich, denn meine Frau ist ja schon viele Jahre mit mir unterwegs und ist deshalb Kummer gewöhnt 😵
Dann fahren wir ein Stück extrem langsam, um die Vögel nicht aufzuschrecken und siehe da: es lohnt sich. Graufischer stehen wie Helikopter über dem Wasser und suchen nach kleinen Fischen, kleine schwarze Vögel mit bunten Schwänzen zeigen sich, Graulärmvögel sitzen in einem Baum und halten ein Schwätzchen und immer wieder bietet die vorüberziehende Landschaft neue tolle Perspektiven und perfekte Spiegelungen. Zakes möchte uns heute zu seinem Lieblings-Sundowner Platz bringen. Den erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang. Er präpariert die kleine Bar vorne am Bug, der kalte Weisswein wird gekonnt von ihm serviert, wir sitzen zu dritt in einer tollen Umgebung, manchmal unterhalten wir uns, manchmal schweigen wir und schauen uns einfach nur die Landschaft an. Die Sonne sinkt tiefer, taucht die Szenerie in unglaubliche Farben und alles spiegelt sich im Wasser. Zakes, dein Lieblingsplatz hat es in sich!
Dann ist die Sonne verschwunden, es ist Zeit zurück zu fahren. Unser Guide wirft den Motor an und wir cruisen mit einer ganz speziellen heiteren, gelösten Stimmung durch die Kanäle Richtung Camp.
Der Rest ist schnell erzählt. Nach unserer Rückkehr werden wir zum Chalet gebracht, später abgeholt und gegen 19:30 versammeln sich die Gäste an der Feuerstelle. Heute ist wieder Gesang und Tanz angesagt, natürlich werden auch die Gäste mit einbezogen, aber Ruth und ich haben Glück und können uns quasi unsichtbar machen. Während die anderen Gäste zur Main Area laufen führt Tanya uns zum Pool. Überraschung! Dort ist heute ein Tisch ganz alleine für uns gedeckt. Der Pool ist mit Sturmlampen dekoriert und gibt der ganzen Angelegenheit eine wirklich romantische Atmosphäre. Nicht schlecht, dieser Abend mit VIP Behandlung wird uns in Erinnerung bleiben. Zur üblichen Zeit beenden wir unser Dinner und gehen glücklich und zufrieden in unser Bett. Das haben wir uns nach einem schweren Tag auch wirklich verdient. 😗
... wird fortgesetzt ...
Teil 902. Aug. 2016
Liebe Fomis, gerade zurück aus einem Kurzurlaub in der Schweiz setze ich den RB fort. Wir hatten zwar wenig Regen, konnten also viel unternehmen, trotzdem habe ich es geschafft, ein paar Reisetage "zu Papier" zu bringen. Ich wünsche weiterhin (hoffentlich) viel Spass beim Lesen. viele Grüsslis von Walter ---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Freitag 22.04.2016
Das erste Morgenlicht scheint in unser Chalet, es wird Zeit aufzustehen. In der Nacht gab es keine besonderen Vorkommnisse. Die Paviane haben sich mal wieder lautstark gestritten und Ruth wurde erneut von Moskitos angegriffen. Mich liessen sie auch diesmal so ziemlich in Ruhe.
Um 06:30 treffen wir uns mit den anderen Gästen zum Frühstück. Heute ist für uns noch einmal ein Bushwalk angesagt. Mit dabei sind Jenny und ein Paar aus England. Um 07:00 begleitet uns Zakes zum Boot, dort wartet bereits Big John auf uns. Kurze Zeit später fahren wir auch schon durch die Kanäle und freuen uns über das goldene Licht am Morgen. Der Graufischer in der Nähe des Anlegers ist jetzt schon ein guter Bekannter geworden, da und dort schwirren ein paar kleinere Vögel durch die Uferzone, sonst gibt es aber nichts Aussergewöhnliches zu entdecken. Dann erreichen wir Buffalo Island. Zakes kommuniziert über das Funkgerät, denn heute ist noch eine zweite Gruppe unterwegs. Sie gehen aber an einer anderen Stelle an Land. Wir wandern wieder durch das Wäldchen und überschauen bald darauf die Grasebene. Hier halten wir zunächst an, während Zakes und John die Gegend beobachten. Gar nicht weit von uns erscheint ein einzelner Büffel, ein sogenannter Dagger Boy. Diese Bullen sind sehr gefährlich. Gerade weil sie alleine unterwegs sind fühlen sie sich etwas unwohl und sind deshalb immer bereit für eine Attacke auf einen vermeintlichen Gegner. Zakes erklärt uns, dass es in der Regel riskanter ist zu Fuss auf einen Dagger Boy zu treffen, als auf einen Löwen. Dieser Bulle bemerkt uns jedoch nicht und läuft parallel zu uns durch das Grasland. Immer wieder bleibt er stehen, hebt den Kopf und zieht die Luft durch die Nüstern ein, um die verschiedenen Gerüche zu identifizieren und eventuelle Raubtiere in seiner Nähe rechtzeitig wahrzunehmen.
Wir wandern weiter, bleiben zunächst am Waldrand und überqueren etwas später die Ebene in Richtung einer Bauminsel. Hier stoppen wir erneut und scannen die Umgebung. Mitten in der Ebene können wir jetzt die zweite Gruppe erkennen. Es sind „unsere“ Neuseeländer Mike, Erin und die Kinder. Ausserdem sind noch zwei andere Gäste dabei. Ich bin erstaunt. Man wird eigentlich immer darauf hingewiesen, dass man bitte bei Bushwalks Kleidung in gedeckten Farben tragen soll, um nicht aufzufallen. Die eine Dame in der Gruppe trägt aber trotzdem ein knallrotes Hemd. Das leuchtet extrem in der hellen Sonne. Für alle Beutegreifer könnte das ein Zeichen sein: Hier bin ich! Ihr könnt mich nicht verfehlen 😗
Wir schauen uns weiter die Gegend an. Ein Stück entfernt, am Rand eines Wäldchens, steht eine Gruppe von etwa 30 Impalas. Die Tiere haben die andere Wandergruppe zwar bemerkt, aber die Entfernung ist sehr gross, es besteht für die Antilopen also keinen Grund, nervös zu werden. Während wir die Impalas beobachten, flüstert Zakes ganz aufgeregt: „Schaut mal, dort drüben mitten im Gras bewegt sich eine Katze. Ich glaube, es ist ein Löwe." Angestrengt schauen wir in die angegebene Richtung, nichts ist zu sehen. Aber jetzt! Ein Kopf taucht aus dem Gras auf und peilt den Standort der Impalas an. „Das ist kein Löwe, das ist ein Leopard!“, sagt Zakes. Jetzt können wir den gefleckten Körper für einen Moment erkennen, dann schleicht der Leo schon wieder perfekt getarnt weiter. Leider ist er so weit entfernt, dass ich keine vernünftigen Fotos machen kann. Zakes informiert über Funk die andere Gruppe. Die ändert daraufhin ihre Laufrichtung und steuert ebenfalls eine schattige Bauminsel in der Nähe an. Wieder taucht kurzzeitig der Kopf des Leos auf und verschwindet im Gras. Jetzt sind wir alle aufgeregt. So weit ist er nicht mehr von den Impalas entfernt. Wird er sich eins schnappen können? Während ich überlege, wo der Kopf auftauchen könnte, hören wir das Schnauben eines Impalas. Sofort wird der Warnruf von anderen Mitgliedern der Herde weiter gegeben. Dann rennt die ganze Gruppe los. Etwa fünfzig Meter weiter bleiben sie an einer übersichtlichen Stelle wieder stehen und alle Köpfe sind auf eine Stelle im hohen Gras fixiert. Aha! Der Leopard wurde rechtzeitig bemerkt. Jetzt hat er keine Möglichkeit mehr, ein Opfer zu überraschen. Ein Leopard ist eine Schleichkatze und keine Rennkatze. Er muss sich so nah wie möglich an seine Beute heranpirschen und dann den Überraschungsmoment für sich nutzen. Diese Chance hat er gerade vertan. Zwei Minuten später taucht der gefleckte Räuber in seiner ganzen Grösse auf. Während die Impalas ihn keine Sekunde aus den Augen lassen läuft er – natürlich in einem angemessenen Abstand – an ihnen vorbei Richtung Waldrand. Er benimmt sich als hätte er nie und nimmer vorgehabt, einer armen, wehrlosen Antilope etwas anzutun. Jetzt hat er das Wäldchen erreicht und verschwindet im dichten Busch. Die Impalas entspannen sich wieder. Aber wehe, sie lassen in ihrer Aufmerksamkeit nach und nähern sich dem Waldrand. Der Leopard wird bereit sein!
Wir verlassen unseren Standort und laufen quer über die Ebene. 30 Köpfe lugen über das hohe Gras, 60 Ohren sind aufgestellt und 30 Augenpaare verfolgen unsere Bewegungen. Dann haben wir uns weit genug entfernt, die Herde verliert das Interesse an uns und einige Antilopen fangen an, zu grasen. Vor uns auf dem Boden leuchtet etwas auf. Es ist der ausgebleichte Schädel eines Büffels. In der Nähe liegen die restlichen Knochen bzw. das, was die Hyänen davon übrig gelassen haben. Zakes erklärt uns wie man anhand des Schädels herausfindet, ob es sich um einen Bullen oder eine Kuh handelt. Dann machen wir noch ein paar Touristenfotos mit dem Schädel in den Händen. So was muss auch mal sein 😉
Um kurz nach 10:00 – wir sind bereits auf dem Rückmarsch – machen wir eine kurze Rast im Schatten einiger Bäume. Um uns herum schwirren ein paar Smaragdspinte und versuchen spielerisch, sich während des Fluges zu fangen. Big John sitzt neben mir auf einem Baumstamm und wir üben noch ein paar Tiernamen auf Setswana. Ich freue mich, dass wir an unserem letzten Tag hier noch einmal so eine nette Wandergruppe hatten. Jenny mögen wir sowieso und auch die zwei Engländer erweisen sich als angenehme Zeitgenossen. Sie sind nicht laut, respektieren die Regeln während einer Wanderung im Busch und verfügen über den typischen englischen Humor. Wir haben an dieser Begleitung absolut nichts auszusetzen.
Etwas später sitzen wir schon wieder im Boot und erreichen gegen 11:00 das Camp Okavango. Ich verabschiede mich von Big John, spreche meinen grössten Respekt vor seinem Wissen und seiner Erfahrung aus und sage ihm, dass ich mich darauf freue, ihn irgendwann in der Zukunft wieder zu treffen. Das hört er natürlich gerne und er setzt sein breitestes Grinsen auf. Ab geht es zum Chalet. Wir springen schnell unter die Dusche, achten beim Laufen auf den „Schlangenbaum“ und freuen uns, als wir um 11:30 unseren Hunger beim Lunch stillen können. Hier treffen wir auch die Neuseeländer wieder. Bei einem kurzen Plausch erfahren wir, dass sie uns am nächsten Tag zu unserer nächsten Unterkunft folgen werden. Danach suchen wir ein letztes Mal unser Chalet auf und packen die Sachen zusammen. Wir schnappen uns das Handgepäck und treffen uns mit Jenny in der Main Area, denn sie wird mit uns fliegen. Ruth macht noch ein paar Abschiedsfotos und ist froh als Managerin Tanya ihr erzählt, sie würde die Familie aus Neuseeland ins Camp Moremi begleiten. Sie wurde nämlich von Mike als zusätzliche Aufpasserin für deren Kinder engagiert. Also sieht Ruth ihre „Freundin“ Tanya schon am nächsten Tag wieder.
Auf Wiedersehen Umani, Francois (der übrigens kein Wort französisch spricht) und alles anderen. Wir haben uns im Camp Okavango sehr wohl gefühlt und ihr habt uns wirklich jede Minute das Gefühl gegeben, dass ihr für unsere kleinen Probleme ein offenes Ohr habt. Vielen Dank dafür. Und ich hatte es schon gesagt. Würden wir wieder kommen? Ja, aber erst in drei, vier Jahren, wenn das brandneue Camp ein klein wenig Patina angesetzt hat und dann vermutlich etwas „ursprünglicher“ wirkt, auch wenn so ein Eindruck natürlich sehr subjektiv ist.
Zakes begleitet unsere kleine Gruppe zum Airstrip. Um kurz nach 15:00 landet der 12-Sitzer der Safari Air. Es wird Zeit, sich von Zakes zu verabschieden. Wir umarmen uns schauen uns an: „Man, I´ll miss you!“ Das sage ich wirklich nur ganz selten zu einem Guide, aber in diesem Fall ist es halt so. Er nickt und sieht die Sache genauso. „Wir sehen uns irgendwann wieder und ich freue mich jetzt schon darauf!“ Das sind doch nette Abschiedsworte und dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Schnell wird das Gepäck verladen, wir klettern in die Maschine und zwei Minuten später brummt der Motor. Als wir auf der Startbahn beschleunigen können wir noch einmal winken, das Flugzeug gewinnt an Höhe, kippt über die Tragfläche und gibt den Blick auf das Camp frei. Ruth und ich seufzen. Eigentlich war unser Aufenthalt viel zu kurz. Wir müssen endlich mal die Sache mit dem Lottogewinn beschleunigen 🤩
Unter uns zieht die Landschaft vorbei. Ich habe das Gefühl, hier sind die Lagunen und Wasserflächen etwas zahlreicher, aber insgesamt erscheint es mir viel zu trocken.
15 Minuten später taucht der Xakanaka Airstrip auf. Wir landen auf der neuen Start- / Landebahn. Die ist etwas länger als die alte, um auch grösseren Maschinen eine Landemöglichkeit zu verschaffen. Wie immer überfliegen wir vor der Landung das Areal und können ein Safari Fahrzeug sehen, dass auf uns wartet. Kurz darauf rollen wir auch schon die Bahn entlang. Flug Nummer 5 war kurz und schmerzlos, diese kleinen „Hüpfer“ sind wirklich kein Problem. Wir werden von Fahrer „CT“ begrüsst, das Gepäck wird umgeladen und die Maschine rollt zum Startplatz. Zwei Minuten später hat sie sich auch schon wieder in die Lüfte geschwungen. Wir fahren los. Kurze Zeit später erreichen wir die Einfahrt zum Nationalpark.
Gegen 16:00 sind wir im Camp Moremi angekommen und werden von Managerin Mangwe sowie zwei weiteren Mitgliedern der Staff begrüsst. Nachdem wir uns mit einem kalten Getränk und feuchten Tüchern erfrischen konnten, bringt man uns zur Main Area. Dort erwartet uns Tazz - ebenfalls ein Manager - und gibt uns die nötigen Informationen zum Camp.
Camp Moremi ist ein „echtes“ Zeltcamp, besteht aus 12 Zelten und bietet 24 Gästen eine Unterkunft. Es liegt am Rande der Xakanaka Lagune und die meisten Zelte sind von schattigen Bäumen umgeben. Wir finden die Lage und die Umgebung sehr schön. Die Main Area besteht auf der einen Seite aus einem runden, an den Seiten offenen Gebäude, der sogenannten Boma. Hier werden Frühstück und Lunch serviert. Ein kleines Stück weiter steht ein einstöckiges Gebäude. Im unteren Teil befindet sich die Boutique, im 1. Stock trifft man sich für den Sundowner und das Dinner. Am Rand des Sumpfes steht eine Aussichtsplattform, ganz in der Nähe kann man an einem kleinen Pool relaxen. Der Tagesablauf ist der gleiche, wie auch in Leroo La Tau bzw. Camp Moremi. Im Unterschied zu unserem letzten Camp werden wir hier hauptsächlich mit dem Fahrzeug auf die Pirsch gehen. Allerdings liegen auch Boote für Wasserexkursionen bereit.
Die Zelte sind auf einem Podest errichtet, und über eine Treppe zu erreichen. Man öffnet eine Tür und betritt einen Vorraum. Von hier zweigen die Türen zum Bad und zum Schlafraum ab. Das Bad ist relativ einfach und kompakt gehalten, hat aber alles, was man benötigt. Toilette und Dusche funktionieren einwandfrei, nur eine Aussendusche gibt es nicht. Der Schlafraum hat ein Doppelbett, einen Holzschrank und einen Schreibtisch mit Wandspiegel. Man kann die Qualität der Einrichtung zwar nicht mit Camp Okavango vergleichen, aber wir vermissen nichts. Das Bett ist – wie in allen Camps – liebevoll dekoriert. Da wir uns in einem Zelt befinden gibt es keinen Decken-, sondern einen Standventilator. Der ist bei den Temperaturen im Zelt auch absolut nötig. Schiebt man eine Glastür auf, dann erreicht man die Terrasse mit Blick auf den Sumpf. Die zwei gepolsterten Stühle laden zum Relaxen ein.
Da wir ziemlich spät dran sind werden wir von Tazz gefragt, ob wir noch einen kurzen Gamedrive machen wollen. Da sind wir natürlich sofort dabei. Wir deponieren deshalb nur unser Gepäck im Zelt und machen uns sofort auf den Weg. Auch Jenny ist dabei und so starten wir gegen 16:30 den Gamedrive mit CT, denn unser „richtiger“ Guide Tuelo ist bereits mit einigen Gästen unterwegs.
Auch wenn die letzten Tage mit den Bushwalks toll waren, es macht auch mal wieder Spass, mit dem Landcruiser auf die Pirsch zu gehen. CT ist ein sympathischer Mann, der gerne lacht, wir fühlen uns wohl in seiner Begleitung. Wir fahren ein paar sandige Wege entlang, können aber ausser ein paar Impalas und Wasserböcken nicht viel entdecken. Einige Zeit später kommen wir an einen Teich. Hier wird uns etwas mehr Action geboten, denn eine Herde von ca. 100 Büffeln hat sich am Wasser versammelt. Als ständige Begleiter folgen ihnen zahlreiche Oxpecker und Kuhreiher. Diese Kombination bietet mir einige Motive, die ich gerne auf der Speicherkarte verewige. Wir beobachten die Büffel und die fliegenden Begleiter etwa eine halbe Stunde, dann fahren wir weiter.
Bald darauf müssen wir stoppen. Einige Rotschnabeltokos nehmen direkt in der Fahrspur ein Sandbad und lassen sich von uns auch nicht wirklich stören. Ein Stück weiter sitzt ein Woodland Kingfisher und posiert für uns. Wir verlassen den Wald und durchfahren offenes Land. Etwas später macht die Piste einen Bogen, dann erreichen wir buschiges Gelände. Hier stehen bereits drei Fahrzeuge, deren Insassen angestrengt in die Büsche starren. CT unterhält sich kurz mit dem Fahrer eines anderen Wagens. „In den Büschen hat sich ein junger Leopard versteckt. Seine Mutter ist wohl auf der Jagd. Wir können ja mal ein Weilchen warten und schauen, was passiert.“ Wir sind einverstanden, aber ich bin skeptisch. Warum sollte das Junge aus seiner Deckung kommen, wenn hier Menschen in Autos sitzen, sich unterhalten und ab und zu um die Büsche kurven, um vielleicht etwas mehr zu sehen? Nicht weit entfernt steht im Grasland ein Elefantenbulle und frisst in aller Ruhe das saftige Gras. Der kleine Leo ist garantiert nicht entspannt und wird einen Teufel tun und sich bei so viel Betrieb mit Autos, Menschen und Elefanten zeigen.
Wie erwartet tut sich nichts. Gegen 18:00 kehren wir um und fahren zurück zum Camp. Wir lassen uns zum Zelt bringen, packen unsere Sachen aus und waschen uns den Staub des Tages von der Haut. Um kurz nach 19:00 holt man uns ab und wir trinken noch einen Sundowner an der Bar, dann nehmen wir an einem Tisch für 8 Personen Platz. Auch hier gesellen sich die Manager zu den Gästen, an unserem Tisch sitzt Tazz, er ist sehr sympathisch und humorvoll. Dann folgt ein Ritual. Die Köche stellen das Dinner vor, der Weinkellner präsentiert die Rot- und Weissweine, die Gäste beklatschen die Ansagen.
Während wir das schmackhafte Essen und den guten Wein genießen, kommen wir mit unseren Tischnachbarn ins Gespräch. Da sitzen z.B. zwei deutsche Frauen. Sie bereisen ebenfalls fast jedes Jahr das südliche Afrika, der Virus steckt also auch bei ihnen schon sehr tief im Herzen. Während wir zwei bis drei Tage in jeder Unterkunft verbringen, bleiben sie ganze fünf Tage an einem Ort. Ich finde das sehr gut, denn dann kann man eine Gegend noch viel besser inspizieren. Sie erzählen uns, dass sie morgen abreisen und die nächsten Tage in der Savute Safari Lodge verbringen werden. Das ist ja auch unser nächstes Ziel, wir werden sie also dort wieder treffen. Dann gibt es noch ein Paar aus den USA. Sie sind noch relativ jung, haben aber bereits ein paar Jahre in Botswana für wissenschaftliche Studien wie z.B. Löwenprojekte verbracht und sind jetzt dabei, sich eine Existenz als Reiseveranstalter aufzubauen. Während der Unterhaltung merken wir schnell, dass wir uns gegenseitig sehr mögen und sie haben natürlich viele interessante Geschichten auf Lager. Leider sind wir in verschiedenen Fahrzeugen unterwegs, können uns aber wenigstens beim Dinner zusammensetzen.
So vergeht der Abend sehr schnell und gegen 21:30 ist es Zeit für uns, das Bett im Zelt zu testen. Wir werden zurück gebracht, setzen uns noch einen Moment auf unsere Veranda, schauen den Fledermäusen zu, die in halsbrecherischen Kurven um uns herum schwirren und lauschen den Geräuschen des Sumpfes. Natürlich glitzern die Sterne am Himmel und somit haben wir das perfekte Ende eines schönen Tages. Wir legen uns völlig entspannt ins Bett. So kann unsere Reise ruhig weiter gehen, ich bin jetzt schon gespannt, was wir morgen so alles erleben werden…
Samstag 23.04.2016
Piep, piep, piep… das passt nicht zu meinem Traum! Ich verlasse das Land der Träume und nähere mich der Realität. Ach ja, richtig. Ich liege in meinem Bett. Und das steht in einem Zelt in Camp Okavango. Und draussen begrüssen die Vögel den neuen Tag. Also schlüpfe ich aus dem Bett, und mache mich in unserem Badezimmer frisch. Als ich zurück komme ist Ruth auch schon aktiv. Als uns ein Angestellter um 06:00 wecken will, bereiten wir uns schon längst auf den Tag vor. Meine Frau zeigt mir einen neuen vermeintlichen Moskitostich am Ringfinger. Sie ist eigentlich nicht empfindlich, aber dieser Stich tut ihr ziemlich weh. Kurz vor 06:30 laufen wir ohne Begleitung zur Main Area. Es dämmert bereits und wir können deshalb unsere Umgebung bereits gut erkennen. Nahe am Weg grast ein Buschbock. Diese Antilopen suchen die Nähe der Camps, weil sie sich hier sicher fühlen.
Zum Frühstück haben sich schon einige Gäste versammelt. Wir begrüssen Jenny, leider ist sie in einem anderen Fahrzeug. Dann stellt sich unser Guide Tuelo vor. Er wird uns die nächsten zweieinhalb Tage begleiten. Das erfreuliche für uns: Wir werden den heutigen Tag mit ihm alleine verbringen. Also müssen wir wieder einmal keine Rücksicht auf Mitfahrer nehmen. Herrlich 🙂 🙂
Wir verlassen das Camp um 07:00. Zunächst steuern wir einen kleinen See an. Zu hören ist der uns so vertraute Schrei des Fisheagles. Eine Menge Kuhreiher halten sich hier auf, sonst sind allerdings keine Tiere zu sehen. Ein Stück weiter treffen wir auf eine Herde Impalas. Sie wirken entspannt und grasen. Plötzlich hören wir das typische Schnauben, dass eine Gefahr ankündigt, dann startet die ganze Gruppe. Einige springen mit hohen Sätzen davon, um einem möglichen Verfolger zu zeigen, dass man gesund, kräftig und nicht einfach zu fangen ist. Was ist da los? Wir beobachten die Gegend, denn es sollen Wildhunde in der Nähe sein, aber nichts ist zu sehen. Dann erscheint eine einzige Hyäne, sie überquert das Areal, schaut kurz in unsere Richtung und verschwindet dann wieder.
Wir durchqueren einen Wald. Hier halten sich ein paar Wasserböcke und Impalas auf, die Vogelwelt ist mit zwei Woodland Kingfishern vertreten, dann erreichen wir offenes Grasland. In diesem Gebiet sind zahlreiche Termitenhügel zu finden. Ab und zu sitzen Vögel auf der Spitze der Bauten. Von hier aus haben sie einen guten Überblick. Und wieder taucht ein Woodland Kingfisher auf, so viele haben wir auf einer relativ kleinen Fläche noch nie gesehen. Ein Stück weiter sitzen Glanzstare und auf der Erde laufen noch einige Kronenkiebitze herum.
Im Schatten von ein paar Bäumen halten wir für eine Kaffeepause. Nachdem ich Tuelo erzählt habe, dass ich gerne noch etwas mehr Setswana lernen will, hat er beschlossen, sich als mein Lehrer zu betätigen. Unser Guide glänzt nicht nur durch ein grosses Fachwissen was Flora und Fauna betrifft, jetzt werde ich auch noch mit einem Sprachkurs in die Mangel genommen. Das ist hart für mich, denn er gönnt mir keine Ruhe. Unerbittlich quält er mich mit neuen Wörtern oder ganzen Sätzen. Immer wenn ich ein Wort – seiner Meinung nach – gut ausspreche, kommt schon wieder das nächste dran. Ich mache aber gerne mit, auch wenn ich mir tatsächlich nur einen kleinen Teil behalten kann. Immerhin habe ich nach dem Crashkurs meinen Wortschatz auf Setswana mit Sätzen wie: „Ich habe Löwenspuren gesehen“ oder „Ich habe Elefantenkacke gesehen“ erweitert. Na wenn das kein Fortschritt ist 😗 Eines meiner Lieblingswörter ist die Bezeichnung einer kleinen Antilope, dem Steinböckchen. Der Ausdruck auf Setswana lautet nämlich „Puhuduhudu“, das findet auch meine Frau toll und wir wiederholen das Wort immer wieder. Tuelo ist sichtlich stolz auf unsere Fortschritte.
Die Tiersichtungen halten sich in Grenzen. Ein paar Impalas, ein einsamer Elefantenbulle, im Busch, am Wegesrand sogar mal eine Gabelracke, das war es dann schon. Am Rand eines Wäldchens höre ich plötzlich einen bekannten Pfiff. Tatsächlich! In einer Baumhöhle brütet ein Paar Goldbugpapageien. Was für ein Glück! So lange bin ich hinter diesen Piepmätzen her und jetzt sehe ich sie schon das zweite Mal auf unserer Reise. Wir fahren weiter. Noch ein paar Wasserböcke, noch ein paar Impalas, dann sind wir zurück im Camp. Es ist tatsächlich schon wieder kurz nach 11:00, obwohl wir gar nicht so viele Tiere gesehen haben, ging der Vormittag sehr schnell vorbei. Das lag vermutlich auch an Tuelos Sprachschule, die hat mich schliesslich ganz schön gefordert 😮
Wir bringen unsere Sachen zurück, begrüssen „unseren“ Buschbock neben dem Zelt und schon sind wir wieder rechtzeitig zum Lunch in der Main Area. Ruths Ringfinger ist inzwischen weiter angeschwollen, diesmal helfen keine Salben, das ist schon komisch. Nach dem Essen werden wir von Manager Tazz durch das Camp geführt, dabei erklärt er uns noch einige Spezialitäten wie z.B. die Honeymoonsuite. Danach relaxt Ruth am Pool, während ich mal wieder bei 36° Temperatur im Zelt ein Powerschläfchen halte.
Um 15:00 erscheinen wir zum High Tea, bereit zum Gamedrive am Nachmittag. Wir treffen alte Bekannte wieder. Da sitzen Rosemarie sowie Mike und Familie und natürlich Ruths „Freundin“ Tanya, die – wie erwähnt - im Camp Moremi das Kindermädchen für die drei Jungs von Mike und Erin spielt. Es sind auch neue Gäste mitgekommen. Zum Beispiel ein Paar aus Kalifornien. Das ist mal wieder genau die Sorte von Gästen, die ich gar nicht brauche. Ich weiss ja, dass die USA ein grosses Land ist, aber muss man deshalb immer so laut sein? Und wieder haben wir einen vermeintlichen Witzbold vor uns, der – seiner Meinung nach – fast jede Sekunde was total lustiges sagt und seine Begleiterin bricht jedes Mal in ein meckerndes Lachen aus. Na toll! Zum Glück sind sie nicht in unserem Auto.
Jenny sitzt bei uns am Tisch und Ruth zeigt ihr den Finger, der sich inzwischen teilweise dunkelblau verfärbt hat. Jenny - sie hat als Australierin Erfahrung mit giftigen Tieren – schaut sich den Finger an, macht ein ernstes Gesicht und sagt: „ Das war kein Moskito, da hat dich eine Spinne gebissen. Du solltest dringend etwas dagegen tun.“ Also schalten wir Tanya ein, sie ist ja quasi die Aushilfsmanagerin. Die wiederum ist auch erschrocken und jetzt erweist es sich als absoluter Glücksfall, dass Mike mit uns im Camp ist. Er schaut sich die Verletzung an und beschliesst, seinen Arztkoffer zu holen, den hat er nämlich dabei. Ruth ist das alles unangenehm, denn eigentlich starten alle Gäste zum Nachmittags Gamedrive, aber Mike lässt sich nicht beirren. Das Problem: Der Ringfinger ist so stark angeschwollen, dass sich der Ehering nicht mehr über den Finger ziehen lässt. So verursacht er langsam aber sicher einen Blutstau. Der Ring muss also ab. Das sieht auch Mike so.
Wir haben uns inzwischen im Büro der Manager versammelt. Tazz, Tanya, Erin und ihre drei Jungs, die interessieren sich sehr für die Angelegenheit. Während Mike noch seinen Arztkoffer holt diskutieren wir, wie man Ruth Erleichterung verschaffen könnte. Der Ring muss aufgeschnitten werden! Das lehne ich ab, denn der Ring war teuer. Also hole ich mein grosses Messer mit Säge hervor und sage mit ernstem Gesichtsausdruck. "Ich säge jetzt den Finger ab!" Alle schauen mich total entsetzt an, nur meine Frau, die mich ja lange genug kennt, grinst. Dann ist auch den anderen klar, dass ich wohl einen Spass mache und sie entspannen sich etwas 😗
Mike ist inzwischen wieder da. Er holt aus seinem Koffer einen Bindfaden heraus. Den wickelt er ganz fest um die angeschwollene Stelle direkt vor dem Ring. Dadurch lässt sich der Ring ein kleines Stück vorschieben. Jetzt wiederholt er die Prozedur und der Ring wandert Millimeter für Millimeter vorwärts. Das tut zwar höllisch weh, aber meine Frau erträgt den Schmerz, sie will nur eins: Der Ring soll irgendwie runter, aber er soll nicht zerstört werden. Wenige Minuten später ist es vollbracht. Der Ring liegt unversehrt in meiner Hand. Danke Mike! Jetzt bekommt Ruth eine Salbe und Antibiotika. Mike ist sehr fürsorglich und wir haben grosses Vertrauen in ihn. Er sagt:“ So, das ist alles, was wir im Moment tun können. Ich schaue mir die Sache heute Abend noch mal an. Aber ich muss euch warnen. Sollte die Schwellung bis morgen früh nicht besser sein und sollte sich der Finger schwarz verfärben, dann muss Ruth nach Maun in Krankenhaus geflogen werden." Uuups! Das wäre wohl das Ende unserer Rundreise! Aber so weit wollen wir jetzt nicht denken.
Mike gibt Ruth den Rat, den Finger ruhig zu halten und so oft wie möglich den Arm nach oben zu strecken. Ich treffe eine Entscheidung, die mir schwerfällt. „Heute Nachmittag“ bleibst du hier!“ Ruth protestiert sofort. „Den Arm hochhalten kann ich auch im Auto“. Ich schaue Mike an uns sage: „Ich glaube, das Gerüttel ist nicht gut für dich. Wir wollen doch, dass du nicht ausgeflogen werden musst – oder?“ Mike nickt und ist der gleichen Meinung. Also fügt sich Ruth leise protestierend. Wir bedanken uns noch einmal bei Mike und entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten. Schliesslich haben sie wegen uns bereits 30 Minuten der Pirsch versäumt. Mike wiederum ist total entspannt. „No problem.“
Dann verabschiede ich mich von meiner Frau, schnappe meine Sachen und laufe mit Tuelo zum Fahrzeug. Es wird schon nicht so viel passieren an diesem Nachmittag. Ruth muss garantiert nicht neidisch sein. So denke ich zumindest. Wir fahren durch ein Wäldchen. Am Rand einer Lichtung sitzt eine Gruppe Paviane. Ein Männchen sitzt etwas abseits, lehnt sich an einen umgestürzten Baumstamm und döst. Es sieht total witzig aus, wie er ganz cool den rechten Arm über den Baumstamm gelegt hat, dieses Bild nehme ich gerne mit.
Tuelo greift zum Funkgerät und unterhält sich. Habe ich da gerade das Setswana Wort für „Wildhunde“ gehört? Ich frage ihn, er nickt und startet den Motor. Wir müssen gar nicht weit fahren, da sehen wir schon ein anderes Fahrzeug und der erste Wildhund kreuzt unseren Weg. Er hat ein Halsband mit Sender an, erinnert also ein bisschen an einen Haushund. Arme Ruth! Da muss sie einmal im Camp bleiben und schon sehen wir seltene Tiere. Der Wilddog läuft zu einer Baumgruppe und lässt sich erschöpft auf den Boden fallen. Jetzt können wir auch die anderen Mitglieder der kleinen Gruppe erkennen. Alle sehen sehr müde aus und verlassen nicht einmal ihren schattigen Platz. Also fahren wir nach etwa einer Viertelstunde weiter.
Wir kurven etwa eine Stunde einige Sandwege entlang, aber ausser ein paar Wasserböcken und Impalas lässt sich nichts blicken. Dann ändern wir die Richtung und durchqueren Buschland. Jetzt erhalten wir einen Funkspruch. „Löwen gesichtet!“ 10 Minuten später sind wir vor Ort. Ein müdes Löwenpaar liegt im Gras, also nicht wirklich etwas spannendes. Ein lustiges Bild ergibt sich allerdings, als der Löwe sich auf den Rückendreht und verträumt in den Himmel schaut. Klick! Das Bild habe ich im Kasten.
Eine Stimme meldet sich am Funkgerät. Höre ich da etwa das Wort „Nkwe“? Es bedeutet „Leopard“. Tuelo bestätigt meine Frage. Ja, sie haben ein Leopardenkind gesichtet. „Ich muss aber etwas mehr Gas geben, dann haben wir noch eine Chance, es zu sehen.“ Na dann! Ich verstaue mein Equipment und schon rumpeln wir mit Höchstgeschwindigkeit über die Pad. 10 Minuten später sehen wir drei Fahrzeuge an einem Baobab stehen. Das ist wohl unser Ziel! Wir umkurven den Baobab, dann taucht der Kopf eines jungen Leos auf. Oh, je! Der arme schaut ganz schön verschreckt in die Runde. So richtig wohl fühlt er sich nicht. Ich kann noch ein paar Fotos machen, dann klettert der kleine Leopard den Baobab hinunter und versteckt sich im dichten Buschwerk. Wir versuchen, ihn aufzuspüren, dass findet er aber gar nicht gut und läuft davon. Wir verzichten auf eine Verfolgung. Schliesslich soll der Leo nicht das Gefühl bekommen, Fahrzeuge sind etwas Böses, vor dem man sich immer verstecken muss.
Es ist kurz vor 18:00, die Dämmerung hat eingesetzt, Zeit um zum Camp zu fahren. Als wir zurückkommen bin ich fast ein wenig traurig. Wie soll ich das bloss meiner Frau beibringen? 😐 Da ist sie ein einziges Mal nicht dabei und schon sehen wir Wildhunde, Löwen und einen kleinen Leoparden. Als ich meine Frau sehe, weiss sie schon Bescheid. Die anderen Gäste waren früher im Camp und haben bereits über die Begegnungen berichtet. Dafür hat sie einen schönen Sonnenuntergang im Camp gehabt, na das ist doch auch was. Mike ist inzwischen auch da. Er begutachtet Ruths Finger und ist zufrieden. Die Schwellung ist etwas zurückgegangen und die Verfärbung des Fingers hat auch etwas nachgelassen. Alles scheint gut zu werden.
Wir lassen uns zum Zelt bringen, ich kann noch duschen und mich umziehen, um kurz nach 19:00 sind wir bereit für das Dinner. Heute werden wir von Tuelo abgeholt. Als wir anfangen, von dem tollen Sternenhimmel zu schwärmen, nimmt er uns mit auf die Wiese. Mein Respekt vor Tuelo wird immer grösser. Er kennt sich nicht nur mit Pflanzen und Tieren extrem gut aus, auch die Sternenbilder sind ihm alle geläufig und er garniert seine Erklärungen mit kleinen Geschichten. Wir haben unseren Guide inzwischen ins Herz geschlossen, auch wenn er mich als Sprachlehrer ganz schon quält. Aber ich will es ja so 😵
Jetzt ist es 19:30, Zeit für das Dinner. Der Abend ist kurzweilig, das Essen ist gut, wir sitzen am „richtigen“ Tisch ohne nervige Nachbarn, wir sind also rundherum zufrieden und entspannt. Irgendwann bringt man uns zum Zelt, dort sitzen wir noch eine Viertelstunde auf unserer Veranda, dann wird es Zeit ins Bett zu gehen und noch einige Momente den Stimmen und Geräuschen des Okavango Deltas bei Nacht zu lauschen. Das sind ideale Voraussetzungen, um langsam ins Land der Träume hinüber zu gleiten...
Teil 1004. Aug. 2016
Sonntag 24.04.2016
Es ist ein ruhiger Sonntagmorgen, sogar die Vögel scheinen sich daran halten zu wollen. Trotzdem sind wir schon vor dem Wakeup Call um 06:00 aufgestanden. Um 06:30 gibt es Frühstück, das Paar aus den USA glaubt, schon am frühen Morgen total witzig sein zu müssen. Mensch! Haltet doch mal um diese Tageszeit einfach eure Klappe! Meine Laune wird jedoch schlagartig besser als Tuelo erscheint und uns mitteilt, wir wären heute wieder den ganzen Tag alleine unterwegs. Das sind wirklich tolle Neuigkeiten 🙂
Ruth lässt sich den „bösen“ Finger von unserem Heroe Mike kontrollieren. Nachdem sie die Schwellung am gestrigen Abend noch mal aufgestochen hat und das Spinnengift aus dem Finger heraus konnte, sieht er heute schon ganz manierlich aus. Auch Mike ist der Meinung, meine Frau müsste nicht ausgeflogen werden. Ich hatte es schon einmal erwähnt. Ruth und ich sind beide an einem Sonntag geboren, also Sonntagskinder und auch dieser heutige Sonntag lässt sich wirklich gut an. Um 06:45 sitzen wir bereits im Fahrzeug und starten den Gamedrive. Tuelo kennt bereits meine Ungeduld und findet das auch ganz ok, denn ich quäle ihn mit möglichst frühem Start, er wiederum quält mich mit Sprachunterricht. So hat jeder seinen Spass.
Nachdem wir das Camp verlassen haben fahren wir durch ein Wäldchen. Vor uns, direkt in der staubigen Sandpiste sitzen wieder ein paar Tokos, nehmen ein Staubbad und lassen sich auch gar nicht stören. Also warten wir höflich, bis sie fertig sind und fahren dann erst weiter. Es ist jetzt 07:00, die Sonne geht gerade auf und schickt ihre goldenen Strahlen durch die Bäume, das gibt dem Wald etwas Mystisches. Die Stille ist einfach herrlich, nur ein paar Vögel bilden den musikalischen Hintergrund; ein paar Baumhörnchen huschen durch die Gegend ansonsten bewegt sich nichts. Doch halt! Was ist das dort auf der Lichtung? Ein männlicher Wasserbock in Liebesstimmung beschnuppert die Dame seines Interesses, dann zeigt er uns, wie ein Wasserbock Nachwuchs produziert. Mensch, und das an einem Sonntagmorgen um kurz nach sieben! Dieser stramme Bock handelt wohl nach dem Motto der Pfadfinder: Allzeit bereit 😗
Wir erreichen eine offene Graslandschaft. In den Bäumen sitzen einige Grey Lories, ein Wiedehopf-Paar flattert durch die Luft und jagt sich spielerisch, zwei Rotschnabelfrancoline laufen durch das Gras, sie sind damit beschäftigt, etwas Fressbares zu finden. Eine Gabelracke fliegt laut schimpfend an unserem Auto vorbei, irgendetwas hat sie wohl gestört. Kaum sitzt sie auf einem anderen Baum, startet sie schon wieder laut zeternd und attackiert eine andere Gabelracke in der Nähe. Augenscheinlich will der Vogel sein Revier verteidigen und duldet deshalb keine Nachbarn. Selbst an einem ruhigen Sonntag wird auf Abstand geachtet.
Inzwischen ist es 08:00 geworden. Wir erreichen eine mit Gras bewachsene Ebene. Wo man auch hinschaut, überall stehen tote Bäume. Das ergibt ein extrem surrealistisches Bild. Wir haben sogar das Gefühl, sämtliche Tierstimmen wären plötzlich verstummt. Wir durchqueren den toten Wald. Am anderen Ende sehen wir drei Elefanten grasen. Sie stehen relativ weit auseinander, bewegen sich aber trotzdem in die gleiche Richtung. Wir wissen, dass sie im Infraschallbereich kommunizieren. Diese Töne, sind so tief, dass sie das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann. Die von den grauen Riesen produzierten Töne können andere Elis viele Kilometer entfernt wahrnehmen und beantworten. Einer der Bullen läuft langsam in Richtung der toten Bäume. Auf seinem Rücken liegen Äste und Blätter. Hat er die vielleicht als Proviant für unterwegs mitgenommen? 😄
Die Landschaft wird grüner und buschiger. Viele Red Lechwes (Moorantilopen) sind hier zu finden. Was mir auffällt: Die Böcke lassen uns bis zu einem bestimmten Sicherheitsabstand herankommen. Dann senken sie jedes Mal erst den Kopf und traben dann davon. Auf einigen Bäumen sitzen Meerkatzen. Wie so oft werden wir kritisch von ihnen beäugt. Nur die Kleinen lassen sich nicht stören und tollen durch das Geäst. Gabelracken, Schwalben, Glanzstare, Bienenfresser und Turteltauben sind ebenfalls zu sehen. Auf dem Boden entdecken wir zwei Meerkatzen. Sie schauen uns an und starten ihr Liebesspiel direkt vor unseren Augen. Hmmm… dieser Sonntagvormittag scheint für einige Tiere sehr inspirierend zu sein 😗
Ein kleiner Falke sitzt auf der Spitze eines abgestorbenen Baums. Immer wenn wir uns nähern fliegt er ein, zwei Bäume weiter und setzt sich wieder hin. Das Spiel geht einige Male so, bevor er genug hat und verschwindet. An einem Wasserloch stoppen wir zur Kaffeepause. Ich steige aus und laufe zum Ufer. Erschrocken fliegen ein paar Rallenreiher davon. Tuelo möchte, dass ich auf ihn warte. Zunächst sucht er die Uferzone nach verräterischen Augen im Wasser ab. Er zeigt auf zwei Krokodilköpfe und spricht mit warnender Stimme: „Pass bitte auf, Walter. Crocs sind manchmal schneller als man vermutet. Und ich möchte meine Gäste wieder vollzählig ins Camp zurück bringen!“ Ok, ich habe verstanden und halte einen gewissen Abstand zum Wasser. Kuhreiher, Nilgänse und Stelzenläufer bevölkern die Uferzone. Eine Gruppe Löffler fliegt heran und landet in der Nähe. Dann folgt ein Graureiher. Und wieder taucht ein Augenpaar aus dem Wasser auf, der dazugehörige Kopf bleibt verborgen. Langsam schiebt sich das Krokodil in Richtung der Löffler. Sollte einer der Vögel etwas unvorsichtig sein, so könnte das ganz schnell sein Ende bedeuten.
Wir klettern wieder in den Landcruiser und fahren weiter. Immer mehr Red Lechwes tauchen zwischen den toten Bäumen auf. Manche grasen, andere liegen auf dem Boden und dösen. Die Gruppen werden hin und wieder durch ein paar Impalas aufgelockert. Aber die Moorantilopen sind klar in der Überzahl. An einem kleinen Wasserloch treffen wir auf zwei Hammerköpfe (sagt man da so?). Die Vögel stehen am Wasser und trinken ein paar Schlucke, dann springt der eine auf den Rücken des anderen und breitet seine Flügel aus. Na dieses nette Bild nehme ich doch gerne mit! Ein anderer Hammerkopf sitzt auf der Spitze eines mächtigen Termitenbaus und schaut scheinbar hochnäsig auf uns herab. Und noch ein nettes Bild, das meine Sammlung vergrössert.
Schon zeigt die Uhr 10:30 an, es wird Zeit, zum Camp zu fahren. Etwa eine halbe Stunde später sind wir wieder „zuhause“. Auf dem Weg zum Zelt werden wir bereits von „unserem“ Buschböcken erwartet. Es schaut uns neugierig an. Täusche ich mich, oder hat es sogar gelächelt? 😉
Nach einer erfrischenden Dusche sind wir schon bald darauf zum Lunch unterwegs. Zunächst kontrolliert Mike den Finger von Ruth. Die Inspektion fällt zu seiner Zufriedenheit aus. Ruth hat noch mal die Blase aufgestochen, das hat dem Finger gut getan. Vermutlich ist jetzt das ganze Gift endgültig herausgeflossen. Am Nebentisch höre ich wieder mal ein aufdringlich, künstliches, hysterisches Lachen. Ach ja, die Amerikaner sind auch noch da! Bevor wir uns nach dem Lunch zurückziehen, verabschieden wir noch Jenny aus Australien. Mach´s gut Jenny, wir mögen dich gut leiden. Wir hoffen, du hast noch viel Spass auf deiner restlichen Reise. Heute Nachmittag wird uns Rosemarie, die wir ja schon aus Camp Okavango kennen, begleiten. Sie ist pflegeleicht und hoch erfreut, dass sie mit uns deutsch sprechen kann. Na den Gefallen tun wir ihr doch gerne. Der restliche Nachmittag wird wie gewohnt ausgefüllt. Ruth entspannt am Pool, liest ein wenig auf unserer Veranda, ich vertreibe mir die Zeit mit Fotos checken und ein wenig schlafen. Schon bald ist es wieder soweit: Auf geht´s zur nächsten Pirsch!
Heute Nachmittag sind die Impalas aktiv. Hier eine Herde, dort eine Herde, mit Jungen, ohne Jungen, eine Junggesellengruppe, alle möglichen Variationen begegnen uns auf unserem Weg. Zwischendurch lugt mal ein scheuer Riedbock aus dem hohen Gras hervor. Wir nähern uns dem Xakanaka Gate. Das ist scheinbar der bevorzugte Treffpunkt der Meerkatzen. Überall sitzen sie in den Bäumen und rennen durch das Gras, so als hätten sie ein Familientreffen an diesem Sonntagnachmittag. Die jüngsten erfreuen uns immer wieder mit ihren Turnübungen und Kunststückchen, deshalb kommen wir nur langsam vorwärts. Überall tauchen Meerkatzen auf. Neben dem Auto befindet sich ein Liebespaar. Und was machen die genau vor unseren Augen? Richtig! Dieser Sonntag hat es wirklich in sich! Auch Tuelo ist überrascht. So viel Liebes-Action passiert nicht alle Tage 😄
Vor uns gibt es viele grüne Bäume, dann sind wir plötzlich wieder in einem Areal, in dem fast nur tote Bäume stehen. An diese „Mondlandschaft“ schliesst sich ein Sumpfgebiet an. Ein einsamer Klunkerkranich stolziert durchs Gelände, im Sumpf sehen wir über 50 Moorantilopen. Einige stehen im Gegenlicht, das ist mir ein paar Bilder wert. Auf der Spitze eines toten Baums sitzt ein Schreiseeadler. Was will der denn hier? So richtig viel Wasser können wir nirgends entdecken! Ein einzelnes Zebra grast am Rand des Sumpfes. Drei Oxpecker sitzen auf seinem Rücken. Man kann erkennen dass es sich um ein Elternpaar mit einem Jungvogel handelt. Während die Eltern einen roten Schnabel haben, ist der beim Nachwuchs noch nicht ausgefärbt und wirkt grau. Smaragdspinte kreuzen unseren Weg. Wie so oft fliegen sie blitzschnell auf und vollführen kunstvolle Flugbewegungen. Ein Hauben-Bartvogel lugt zwischen den Blättern hervor. Sein gelber Kopf ist nicht schwer auszumachen.
Wir fahren in ein Wäldchen. An einer kleinen Wasserstelle steht ein Sattelstorch. Als wir uns nähern breitet er seine mächtigen Schwingen aus und fliegt ein Stück weiter. Und wieder beobachten wir einige Tokos beim Staubbad, sie werden von einer Gruppe Meerkatzen erschreckt, die über die Piste rennen. In affenartiger Geschwindigkeit (Wortspiel) klettern sie auf die nächsten Bäume und beobachten uns sehr genau. Zeit für mich, noch ein paar Schnappschüsse zu machen. Zwei Minuten später durchfahren wir erneut das Xakanaka Gate und Tuelo schau nach einem schönen Platz für den Sundowner. Das ist natürlich ganz in Ruths Sinn Auf einer freien Fläche stoppen wir, Tuelo öffnet die Heckklappe und zwei Minuten später hat die Bar geöffnet. Wir nehmen unsere gefüllten Weingläser, drehen uns um etwa 90 Grad und haben den roten Feuerball direkt vor uns. Ich glaube, ich schreibe es zum hundertsten Mal: Wir seufzen tief und nehmen auch diesen tollen Sonnenuntergang in uns auf. Schliesslich will der Virus Africanensis zwischendurch auch mal gefüttert werden 🙂
Um kurz nach 18:00 Ist die Sonne verschwunden und wir fahren Richtung Camp. Wie immer haben wir noch genügend Zeit, unser Zelt zu besuchen und uns frisch zu machen, gegen 19:15 sind wir in der Main Area. Mike checkt Ruths Finger und ist sehr zufrieden, nach einem Drink an der Bar sitzen wir schon wieder für das Dinner am Tisch. In unserer unmittelbaren Umgebung sind die zwei „Löwen-Projekt“ Amerikaner und Rosemarie, mehr kann man für ein entspanntes und kurzweiliges Dinner nicht verlangen. Dann habe ich noch ein paar schreckliche Minuten. Tazz kommt an unseren Tisch. „Walter, es gab da eine organisatorische Änderung, morgen werden euch die Gäste aus Kalifornien begleiten.“ „Wie bitte? Tazz, du sprichst von dem lauten und nervigen Paar?“ „Ja, sorry, es geht nicht anders.“ Ich schaue ihn an und ich denke, ich sehe aus wie ein angeschossenes Reh. „Lieber Tazz, ich möchte dich wirklich nicht unter Druck setzen, aber wenn es irgendeine andere Möglichkeit gibt, dann ändere diesen Plan – BITTE, BITTE! Diese Leute sind absolut nicht unser Ding und es wäre schon ein Desaster für uns, wenn wir die im Auto hätten.“ Tazz schaut ein wenig verzweifelt, dann antwortet er: „Ok, ich schaue, was ich machen kann.“ Etwa zehn Minuten später erscheint er wieder. „Walter, ich konnte etwas ändern. Ihr fahrt morgen mit Rosemarie und eurem Guide Tuelo raus – ist das ok?“ Ich hätte ihn am liebsten umarmt, das möchte ich vor den ganzen Gästen aber dann doch nicht machen. Also bedanke ich mich überschwänglich und sage: „Tazz, you are my heroe! I will never forget it!“ Auch Ruth tätschelt ihm den Arm und bedankt sich. Jetzt lächelt er und lässt uns wieder allein. Oh Mann! Was für ein Glück! Der Abend wird genauso schön, wie ich es mir vorgestellt habe. Die zwei Amerikaner haben schöne Geschichten aus der Wildnis auf Lager und wir haben eine Menge Spass. Trotzdem wird es gegen 22:00 Zeit für uns, das Bett aufzusuchen. Ein paar Minuten Fledermäuse auf der Veranda beobachten und den Tierstimmen lauschen, dann fallen wir zufrieden ins Bett. Auch der nächste Vormittag mit Rosemarie und unserem „Freund“ Tuelo wird ganz sicher richtig gut. Da können wir doch ganz beruhigt einschlafen 😘
Montag 25.04.2016
Wieder einmal wache ich mit gemischten Gefühlen auf. Auf der einen Seite bin ich traurig, weil wir heute Camp Moremi verlassen werden und ich zu Guide Tuelo inzwischen ein sehr intensives Verhältnis aufgebaut habe. Ich denke da an unserer Diskussionen, als es um den Überbestand an Elefanten in Botswana ging, oder an unsere „kleine Sprachschule Setswana“, ich habe ihn in den 2 ½ Tagen wirklich zu schätzen gelernt. Auf der anderen Seite freue ich mich schon riesig auf die Savute Region. Wir haben die Savute Safari Lodge bereits vor vier Jahren besucht und ich weiss in etwa, was mich dort erwarten wird.
Wie dem auch sei, wir verlassen das Bett und bereiten uns auf den Gamedrive am Vormittag vor. Wir sind bereits vor 06:30 in der Main Area, Tuelo und Mitfahrerin Rosemarie sind auch schon da. Deshalb starten wir schon vor allen anderen. So habe ich das gern 🙂 🙂
Kurz nach dem Start müssen wir schon wieder anhalten, denn die Sonne lugt über dem Buschwerk hervor und das müssen wir ein letztes Mal in uns aufnehmen. Heute fahren wir etwa eine Dreiviertelstunde mit relativ hoher Geschwindigkeit, denn laut Funkspruch wurden an einer anderen Ecke die Wildhunde gesehen und da wollen wir hin. Aber wie es so ist, als wir am angegebenen Punkt eintreffen sind die Wilddogs schon längst wieder über alle Berge.
Wir überqueren eine Brücke aus Holzplanken, die durch ein Sumpfgebiet führt, fahren hin und fahren her, aber es tut sich nichts. Also kehren wir wieder um. Kaum haben wir die Brücke hinter uns gelassen, taucht ein Löwenmann auf. Er hatte vorher im hohen Gras gelegen, war also kaum zu entdecken. Jetzt kommt er auf unser Auto zu, läuft dicht an uns vorbei und lässt sich im hohen Gras auf den Boden fallen. Wenn wir nicht wüssten wo er sich befindet hätten wir keine Chance, ihn zu finden. Tuelo hat unseren Standort per Funk weiter gegeben. Kurz darauf trifft noch ein Fahrzeug ein. Der Löwe spitzt die Ohren, steht auf, läuft in aller Ruhe zum Rand eines Busches, um ihn zu markieren, gähnt herzhaft und legt sich quer über die Sandpiste. Je ein Wagen steht auf jeder Seite und wir haben alle eine sehr gute Sicht. Die Katze gähnt immer wieder, reibt sich mit der Pfote scheinbar den Schlaf aus den Augen, dann legt sie sich platt auf den Boden, streckt sich lang aus und schaut uns verträumt an. In solchen Situationen hat selbst ein grosser Löwenmann so gar nichts Bedrohliches an sich und wenn wir es nicht schon selbst erlebt hätten dann würden wir nie glauben, dass eine müde, schläfrige Katze im Ernstfall innerhalb von 1/10 Sekunde auf den Beinen sein und blitzschnell davon rennen kann.
Wir haben den Löwen eine knappe halbe Stunde beobachtet, langsam wird es Zeit, Richtung Camp zu fahren. Als wir einen Baum passieren, stoppt Tuelo. Auf einem Ast sitzt ein Goldbugpapagei und schaut uns neugierig an. Im Baumstamm befindet sich ein Loch, dort schaut jetzt der zweite Papagei heraus. Kopf und Hals werden lang und länger und Schwupps! Ist er auch schon davon geflogen. Der zweite Papagei bleibt noch einen Moment sitzen, dann startet auch er und verschwindet. Sehr nett, vielen Dank, liebe Papageien 😘
Fünf Minuten später wird unsere Fahrt wieder unterbrochen. Vor uns tauchen Büffelköpfe im hohen Gras auf und dann überqueren die Tiere langsam die Piste. Es sind auch einige Kälber dabei, die manchmal, wenn sie auf der Piste stehen bleiben wollen, von ihren Müttern mit der Schnauze angeschubst werden. „Los, geht weiter, vielleicht ist das grosse Ding auf der Piste gefährlich! Wir wollen kein Risiko eingehen!“ Immer wieder hält ein Büffel an und schaut aufmerksam in unsere Richtung. Begleitet wird die Herde von vielen „blinden Passagieren“ den Madenhackern. Die befreien die Büffel von Maden und Zecken und sind auch als Alarmgeber bei drohender Gefahr nicht zu verachten.
Um 10:30 sind wir wieder im Camp. Wir haben das meiste schon gepackt, deshalb verlassen wir bald unser Zelt und erhalten noch ein kleines Brunch. Um 11:15 ist es dann soweit. Wir verabschieden uns von der Staff und von Rosemarie, Ruth bedankt sich noch einmal herzlich bei Mike und Familie. Ich habe während einer Löwenbeobachtung ein paar Fotos von ihnen machen können, die werde ich Mike natürlich schicken. Das ist das Mindeste, was ich nach seiner Rettungstat für ihn tun kann. Ein letztes Mal schaut er sich Ruths Finger an und ist sehr zufrieden, meine Frau hat alles richtig gemacht. Auch Manager Tazz erhält ein Sonderlob von mir, ich bin ihm schliesslich sehr dankbar, dass er mir den Gamedrive mit unsympathischen Gästen erspart hat, das werde ich auch noch mal an „höherer Stelle“ bei D & D erwähnen.
Die Fahrt zum Airstrip verläuft ohne nennenswerte Erlebnisse. Ein paar Minuten später können wir die Maschine am stahlblauen Himmel ausmachen, bald darauf landet sie auch schon. Wieder einmal ist es Zeit für einen Abschied. Der fällt mir bei Guide Tuelo richtig schwer, wir tauschen unsere Mailadressen aus und versprechen, uns zu schreiben (das habe ich nach unserer Rückkehr auch wirklich getan und er hat auch geantwortet), dann klettern wir in die Maschine, die Tür wird geschlossen, der Pilot steigt ein und wir rollen bald darauf zur Startbahn. Um 11:50 röhrt der Motor und wir heben ab. Ein letzter Blick und ein letztes Winken für Tuelo, wenig später gleiten wir über den grünen Sumpfteppich des Okavango Deltas.
Würden wir hierher zurückkommen? Ja, jederzeit. Gerade die Übernachtung in den Zelten hat – nach all den Chalets in den vergangenen Tagen – wieder etwas mehr „Wildnisflair“ gehabt und so etwas gefällt mir gut. Allerdings bin ich gespannt, wie lange uns Camp Moremi noch in diesem „ursprünglichen“ Zustand erhalten bleiben wird, denn immer mehr Camps im Delta werden umgebaut.
Unter uns ändert sich allmählich die Landschaft, jetzt überwiegt nicht mehr das Grün, sondern ein helles Beige, gesprenkelt mit vielen grünen Punkten. Die Gegend ist hier viel trockener, an den Wasserstellen halten sich hin und wieder Elefanten auf, trinken, baden oder dösen in der Mittagshitze. Irgendwann überqueren wir den ausgetrockneten Savute Channel, dann geht die Maschine in den Sinkflug über. Während wir noch eine sanfte Kurve fliegen, können wir unter uns sehr gut die Savute Safari Lodge erkennen, gleich darauf ist vor uns die Landepiste zu sehen. Um 12:30 setzen wir sanft auf, auch Flug Nummer 6 ist sehr angenehm zu Ende gegangen. ... wird fortgesetzt ...
Teil 1108. Aug. 2016
Das wartende Safari Fahrzeug nähert sich der Maschine, wir sind bereits ausgestiegen. Mit uns kommt noch ein weiterer Gast aus Kanada. Wir stellen uns gegenseitig vor, sein Name ist Bogdan. Hmmm… so richtig kanadisch hört sich das aber nicht an 😉 Bald darauf werden wir vom Fahrer begrüsst, in minutenschnelle ist unser Gepäck im Auto und schon ist das Flugzeug wieder startbereit. Während wir den Startvorgang beobachten, haben wir bereits eine Flasche Wasser erhalten. Kaum ist die Maschine in der Luft, fahren wir los in Richtung Lodge.
Die Landschaft links und rechts des Weges sieht recht trocken aus, hin und wieder flattern ein paar Vögel vorbei, sonst gibt es nicht viel zu sehen. Wir waren in der Vergangenheit bereits zweimal in der Savute Region und jedes Mal hatten wir interessante Tiersichtungen. Ich bin gespannt, welche Überraschungen Mutter Natur diesmal für uns bereithält. Um 13:00 haben wir die Lodge erreicht und werden von den Managern Phet und Letti in Empfang genommen. Feuchte Tücher, ein kühles Getränk, ein herzlicher Empfang, eigentlich ist es wie in bisher jeder Unterkunft: sehr angenehm, sehr familiär. Man fragt uns, ob wir hungrig sind, die Antwort ist ganz klar: JA! Also wird für uns etwas vorbereitet, während wir noch die nötigen Infos zur Lodge erhalten.
Die Savute Safari Lodge liegt am Rand des Savute Channels. Maximal 24 Gäste können in 12 Chalets untergebracht werden. Die Chalets haben verglaste Fronten, man schaut von Wohnzimmer, Bad und Dusche auf den Kanal. In der Main Area befindet sich im Erdgeschoss der Frühstücksraum und ein Aufenthaltsbereich und im 1. Stock eine Leseecke mit einem „öffentlichen“ PC. Ein paar Schritte weiter kommt man zum Pool. Dort haben wir schon vor 4 Jahren die Erfahrung gemacht: Am Pool kann man sehr schön relaxen und den Tieren zuschauen. Unterhalb des Pools wird auf einer grossen Plattform High Tea und Dinner serviert. Man hat die ganze Zeit die Wasserlöcher und die Tiere im Blick. Der Tagesablauf ist der gleiche, wie in den anderen Desert & Delta Camps, allerdings kann man hier nur mit dem Fahrzeug auf die Pirsch, denn der Savute Channel, der das letzte Mal noch Wasser führte, ist inzwischen wieder ausgetrocknet.
Ich spreche Letti an und erwähne, dass wir vor 4 Jahren eine ernste Reklamation hatten. „Letti, Ruth war über Mittag am Pool und wollte ein Buch lesen. Sie kam aber nicht dazu, weil dauernd die Elefanten am Wasser erschienen, miteinander spielten und kämpften. So fand sie keine Zeit, die Geschichte im Buch fertig zu lesen.“ Zunächst schaut Letti etwas kritisch, dann lacht sie. „Ja, das ist immer noch so, wir haben den ganzen Tag über und am Abend Kino“ sagt sie.
Die Kurzeinführung ist beendet, wir können jetzt an einem Tisch auf der Terrasse platznehmen und einen knackigen Salat mit Fisch geniessen. Danach werden wir zu unserer Unterkunft gebracht. Sie liegt nicht weit von der Main Area entfernt, deshalb sind wir schon nach wenigen Schritten angekommen. Das helle, geräumige Chalet bietet einen Wohn-/Schlafraum mit einem bequemen Doppelbett, Korbsesseln, Schreibtisch und einem Ankleidebereich. Die Einrichtung ist stimmig und gefällt uns. Auch das Bad mit Waschbecken, grossem Glasspiegel, Innendusche und Toilette hat alles was man braucht. Die gesamte Front ist verglast, wenn man die Schiebetüren aufmacht, steht man auf einer Terrasse mit Blick auf zwei Wasserlöcher. Auch jetzt können wir einige Elis beobachten, die sich mit Wasser vollspritzen. Wir sind sehr zufrieden mit der Lage unseres Chalets.
Um 15:00 erscheinen wir auf der Aussichtsplattform zum Nachmittagstee. Jetzt treffen wir auch die beiden deutschen Frauen wieder, die wir in Camp Moremi kennen gelernt haben. Dann stellt sich unser Guide vor. Moment mal, den kennen wir doch! Es ist tatsächlich der Guide, der uns bereits vor vier Jahren betreut hat. Sein Name ist Metal. Ziemlich genau um 15:30 geht es endlich los, die wilden Tiere rufen! Wir sind allerdings nicht alleine unterwegs, sondern vier weitere Gäste sind im Fahrzeug. Sie sind zusammen nach Botswana gereist. Ein Paar ist aus Deutschland, ein Paar ist aus Dänemark. Um es vorweg zu nehmen. Wir verstehen uns gut mit ihnen. Sie sind weder aufdringlich noch laut, sondern sie möchten sich an der Landschaft und den Tieren erfreuen. Das sind genau die richtigen Leute für uns 🙂
Zunächst müssen wir eine Tiefsandpassage durchfahren, das Auto schaukelt hin und her. Das hilft einem, geschmeidige Hüften zu behalten. Dann wird die Piste etwas besser. Aus den Büschen am Rand taucht ein Giraffenkopf auf. Etwas näher am Wagen stehen noch drei Giraffen und schauen uns mit fragendem Blick an: „Was wollt ihr denn schon wieder hier?“ Sorry, ich möchte ein paar Bilder machen, denn zwei Tiere stehen eng zusammen und wirken, wie ein Körper mit zwei Hälsen und Köpfen. Wir passieren einen Baobab (Den kenne ich! Da haben wir damals eine Pause gemacht) und erreichen offenes Grasland. Hier tummeln sich Zebras und Gnus, danach sehen wir etliche Gnus und Zebras. Metal erklärt uns, das goldgelbe Gras steht zwar hoch, ist aber nicht mehr besonders nahrhaft, deshalb werden die Herden schon bald nach Linyanti abwandern.
Am Rand der Piste wartet ein Elefantenbulle auf uns und schaut uns irgendwie herausfordernd an. Metal sieht das genauso, verlässt die Pad und fährt mit etwas Abstand durch das Gras um dem Eli zu zeigen, dass wir seine Anwesenheit respektieren. Er lässt uns zwar nicht aus den Augen, macht aber keinerlei Anstalten, uns herauszufordern. Das haben wir in der Vergangenheit schon anders erlebt. Metal greift zum Funkgerät, es gibt Neuigkeiten: In der Nähe wurde ein Leopard auf einem Baum gesichtet. Ja, das kann man sich mal anschauen, für solche Bilder bin ich durchaus zu haben. Dann erreichen wir die Stelle. Am Pistenrand stehen zwei Fahrzeuge, die Insassen haben die Ferngläser an den Augen und starren angestrengt zu einem ziemlich weit entfernten Baum. Ich schiesse ein Foto und vergrössere es auf dem Display. Ja, tatsächlich kann man einen Leo erkennen. Er liegt völlig entspannt auf einem dicken Ast und beobachtet die Gegend. Allerdings ist er so weit entfernt, dass man ohne Fernglas oder eben ohne Vergrösserung auf dem Display die Katze nur erahnen kann. Nun ja, das ist nicht unbedingt das Motiv, das ich mir vorstelle.
Wir warten noch ein paar Minuten, aber nichts Entscheidendes passiert. Also fahren wir weiter. Wir sehen Zebras und Gnus und noch mehr Zebras. Ein klein wenig erinnert es mich an die Serengeti, aber wirklich nur ein kleines bisschen. Dann kommt der nächste Funkspruch. Diesmal wurden Löwen gesichtet. Wir machen uns auf den Weg. Gegen 17:00 erreichen wir eine Wasserstelle. Nicht weit davon entfernt sehen wir ein Löwenrudel im dichten Buschwerk. Metal ist richtig aufgeregt. „Das ist das Rudel mit den jungen Löwen. Leider sieht man sie nicht, weil sie sich im Busch verstecken.“ Toll, Metal, ich glaube dir das ja gerne, aber noch schöner wäre es, wenn sie sich mal zeigen würden. Unter einem weiteren Busch sehen wir eine Bewegung; eine Löwin tritt hervor, läuft zu einer Artgenossin und sie reiben nach Katzenart die Köpfe aneinander. Die zweite Löwin steht auch auf und beide Katzen strecken sich. „Schaut nur, unter dem Busch ist auch ein Löwenmann!“ Ja, wenn man ganz angestrengt hinschaut, dann sieht man eine dunkle Mähne im dunklen Schatten. „Dort sind auch die Kleinen!“ sagt Metal. Irgendetwas bewegt sich unter dem Busch, das ist wahr. Eine Löwin verlässt die Stelle und läuft langsam aber bedächtig in Richtung Wasserloch. Jetzt ist Metal nicht mehr zu bremsen. „Wir müssen unbedingt zum Wasserloch, damit wir eine gute Position haben!“ ruft er und startet gleichzeitig den Motor. Während die Löwin plötzlich stoppt und sich hinlegt, erscheint ein noch nicht ausgewachsener Löwenmann und marschiert ebenfalls Richtung Wasser. „Warum bleiben wir nicht hier und hoffen darauf, dass die anderen Rudelmitglieder sich zeigen?“ frage ich mich. Aber dann denke ich: „Metal ist der Mann mit jahrelanger Erfahrung, er wird schon wissen, was er da macht.“
Wir umrunden das Wasserloch und stellen uns so, dass wir über das Wasser hinweg die Büsche mit den Löwen sehen können. Der junge Löwenmann hat inzwischen das Wasser erreicht und trinkt. Sein Körper spiegelt sich im Wasser. „Gar nicht so schlecht“ denke ich und mache ein paar Fotos. Ich mag Tiere, die sich im Wasser spiegeln. Und dann passiert etwas, dass mich an die Dramaturgie eines Kurzfilms erinnert. Er fängt moderat an, steigert sich bis zum Höhepunkt und klingt dann moderat wieder aus. Und Mutter Natur hat die Regie übernommen.
Der Junglöwe am Wasserloch trinkt und trinkt. Immer wieder schaut er misstrauisch zu uns herüber, während seine Zunge das Wasser ins Maul „löffelt“. Jetzt nähert sich die Löwin, die sich auf halbem Weg hingelegt hatte und trinkt ebenfalls. Sie hält allerdings etwas Abstand zum Männchen. Während beide noch am Ufer sind, tauchen noch eine Löwin und ein junger Löwenmann auf und platzieren sich in der Mitte der Gruppe. Im Hintergrund erscheint der Chef des Rudels. Zunächst kommt noch eine Löwin ans Wasser und trinkt. Eng beisammen stehen bzw liegen sie am Ufer, rechts die zwei Junglöwen, daneben die drei Löwinnen. Löwe Nummer 6, also der Big Boss kommt ans Wasser und trinkt ebenfalls. Dann erscheinen zu unserer grossen Freude drei Löwenbabys und drängen sich auch zum Wasser. Einer der Junglöwen geht zu einer Löwin und reibt seinen Kopf an ihrem Kopf. Das gefällt dem Herrscher des Rudels überhaupt nicht und der (vermutlich) Sohnemann bekommt drei, vier Ohrfeigen verpasst. Schnell läuft er wieder zu seinem Bruder an den Rand der Gruppe. Dem Chef ist das immer noch zu nah und er verscheucht sie. Die Löwenbabys bleiben dicht beim Herrscher und trinken noch ein paar Schlucke. Jetzt schaut der Chef zu uns herüber als wollte er sagen: „Schaut nur her, wenn ihr näher kommen wollt, dann kriegt ihr auch einen Satz heisse Ohren!“
Auf der linken Seite, an einem kleinen Tümpel, hat sich – von uns zunächst unbemerkt – ein Elefantenbulle genähert. Er steht da, stochert mit seinem Rüssel etwas lustlos in der Brühe herum und dreht seinen Kopf zu den Löwen. Elefanten haben ja normalerweise eine ziemlich deutliche Körpersprache und auch bei diesem Bullen können wir ganz klar erkennen: Die Situation passt im gar nicht. Plötzlich wechselt er in den Angriffsmodus, trompetet kurz, rollt den Rüssel ein und rennt – eine Staubfahne hinter sich herziehend - auf das Rudel zu. Sechs grosse und drei kleine Löwen treten zunächst einmal den Rückzug an. Der Eli stoppt, geht ans Wasser und trinkt scheinbar genussvoll das bessere Wasser aus dem grossen Wasserloch. Den Löwen ist wohl gerade eingefallen, dass sie in der Überzahl sind, denn plötzlich drehen sie sich um und greifen den grauen Riesen an. Der lässt sich auch tatsächlich beeindrucken und rennt jetzt wieder zum Tümpel zurück.
Inzwischen ist einer der Junglöwen dem Chef zu nahe gekommen und in der Hitze des Gefechtes bekommt der jetzt erst einmal richtig seine Haue. Nach dem Motto: Wenn ich als Chef dem Eli keine Ohrfeige geben kann, dann bekommst du es halt ab. Der Sohn wirft sich auf den Rücken, wirbelt eine Menge Staub auf und wir können ein wildes Fauchen und Grollen hören. Das wiederum nimmt „unser“ Eli als Signal, um noch einmal anzugreifen. Diesmal rennt er durch das Wasser, das erhöht natürlich die Geräuschkulisse! Wieder weichen die Löwen zurück und der Bulle hat seinen Platz am klaren Wasser wieder zurück erobert. Eine der Löwinnen geht - allerdings mit gewaltigem Respektabstand – auch wieder ans Wasser und trinkt, natürlich hat sie den Eli immer im Blick. Der ist jetzt aber zufrieden und so können beide ihren Durst stillen, ohne dass es noch weitere Diskussionen gibt.
Wir sind absolut begeistert von dieser Vorführung, auch unser Adrenalinspiegel hat unerwartete Höhen erreicht. Das war doch ein gelungener Einstand in Savute! Zufrieden verlassen wir das Wasserloch und Metal sucht uns einen schönen Platz für den Sundowner. Ich habe es doch geahnt. Unser Guide mit all seiner Erfahrung wusste genau, wann er wo zu stehen hatte, um uns diese gute Perspektive zu ermöglichen. Danke Metal, das war ein richtig guter Job! Wir steigen aus dem Fahrzeug und unser Guide serviert uns die Getränke. Nicht weit von uns sitzt ein Sekretär in der Spitze eines Baums und schaut zu uns herunter. Normalerweise sieht man diese Vögel eher am Boden, aber der hier hat sich einen guten Ausblick über die Ebene verschafft.
Ruth und ich nehmen unsere Weissweingläser und gehen um das Fahrzeug herum. Wir stehen in der Nähe eines kleinen Wasserlochs und die Sonne spiegelt sich darin. Es ist genauso, wie es meine Frau am liebsten hat. Ein toller Nachmittag und ein perfekter Sundowner! Und wieder setzt sich der Afrika-Virus noch ein Stück tiefer im Herzen fest. Ich will hier nie wieder weg! Ein letztes fabelhaftes Bild, bevor wir zur Lodge zurück fahren: Die Sonne ist bereits untergegangen, färbt den Himmel noch einmal rosa ein. Auf einem Hügel in der Nähe steht ein einsamer Elefant und scheint das Farbspektakel ebenfalls zu geniessen. That´s Africa! Genauso und nicht anders.
Dann brechen wir endgültig auf. Metal muss aufs Gas drücken, denn auch wir müssen den Nationalpark pünktlich verlassen haben. Zwei Minuten vor der „Sperrstunde“ erreichen wir die Lodge. Wir lassen uns aufs Zimmer bringen, machen uns frisch für den Abend und versammeln uns um 19:00 zu einem Drink an der Bar. Die Staff und die Guides verschwinden, wenige Minuten später erscheinen alle wieder. Sie singen und tanzen und ich habe das Gefühl, alle die hier sind, haben richtig gute Laune, egal ob es sich um die Staff, die Guides oder die Gäste handelt. Dann laufen wir zum Dinner auf dem Viewing Deck. Die drei Wasserlöcher werden durch Scheinwerfer angestrahlt. Während wir das vorzügliche Essen und den Wein geniessen, plätschern zwei Elefanten am Wasser. Später erscheinen sogar noch zwei Büffel, um zu trinken. Gegen 22:00 – wir haben noch am Feuer gesessen und „Bush TV“ geschaut – bringt uns ein Guide zum Chalet. Wie üblich sitzen wir noch ein paar Minuten auf unserer Terrasse, dann geht es ins Bett. Nach diesem aufregenden Nachmittag und einem kurzweiligen Abend brauchen wir nur ein paar Minuten, bevor wir eingeschlafen sind.
Dienstag 26.04.2016 Heute früh sind die Geräusche der Natur wieder etwas gedämpfter, denn wir schlafen ja nicht mehr im Zelt, sondern in einem Chalet. Ich wache aber trotzdem bei Tagesanbruch auf, denn ich habe die Vorhänge nicht komplett zugezogen. Ich bleibe noch einen Moment liegen, dann öffne ich die verglaste Schiebetür, um die kühle Morgenluft herein zu lassen. Natürlich wird Ruth davon wach, aber das ist ok für sie. Der frühe Vogel fängt schliesslich den Wurm 😗 Ab ins Bad, den Körper etwas aufmöbeln, anziehen und schon bald darauf sind wir startbereit. Unser Chalet ist nur ein paar Schritte von der Main Area entfernt, deshalb sind wir die ersten beim Frühstück. Ich beobachte die Leute vom Service genau, aber keiner von ihnen zieht genervt die Augenbrauen hoch, sondern wir werden freundlich mit einem „Dumela Mma, Dumela Rra“ begrüsst. Wie meistens stelle ich (auf Setswana) die Frage: „Wie haben sie geschlafen, Mma?“ Ich erhalte ein Kichern und ein „Ich habe gut geschlafen – und wie haben sie geschlafen?“ als Antwort. Wie ich geschlafen habe? „Ke robetse sentle“ (ich habe gut geschlafen), wie fast immer in Afrika. Während wir schon frühstücken kommen nach und nach auch die anderen Gäste. Unsere deutsch-dänischen Mitfahrer lassen nicht lange auf sich warten und so können wir pünktlich starten.
Die Luft ist klar und frisch und die Landschaft ist immer noch in ein zartgoldenes Licht getaucht. Ich liebe diese Ausfahrten am Morgen! Wir können über eine grasbewachsene Ebene blicken. Eine Straussenfamilie sucht sich ihr Frühstück, gleich nebenan grasen die allgegenwärtigen Zebras. Ein Stück weiter werden wir von einer Truppe Zebramangusten genauestens beobachtet, dann verschwinden sie wieder in ihrem Bau. In der Nähe eines Wasserlochs stehen drei „Dagger Boys“ also männliche Büffel dicht beisammen und dösen vor sich hin. Nicht weit entfernt sitzt ein Raubadler auf einem Termitenhügel und wartet auf ein sorgloses Opfer. An einem Tümpel betreiben die Nilgänse Körperpflege und machen sich hübsch für den restlichen Tag. Am Ufer steht ein Francolin und schaut kritisch auf das von Algen grüngefärbte Wasser. Ich habe das Gefühl, sauberes Trinkwasser wäre dem Vogel jetzt lieber.
Wir fahren weiter und entdecken noch mehr Büffel hinter dichten Büschen. Vor uns rennen ein paar Zebras über die Piste. Natürlich warten sie nicht, bis wir vorbei sind, sondern müssen unbedingt noch knapp vor uns die Seite wechseln. Die Äste eines abgestorbenen Baums sind mit einigen Perlhühnern „dekoriert“. Die Vögel scheinen noch keine Lust zu haben, auf den Boden zu fliegen um nach etwas Fressbarem zu suchen. Kurz darauf stoppt Guide Metal das Fahrzeug. Am Rand liegen die Reste eines Elefantenschädels und ein paar ausgebleichte Knochen. Metal zeigt uns ein Einschussloch im Schädel, der graue Riese wurde vor einiger Zeit gewildert.
Jetzt erreichen wir eine weite Ebene, die mit kurzem grünen Gras bewachsen ist. Hier tummeln sich zahlreiche Zebras. Das Gras scheint ihnen gut zu schmecken. Wir erhalten einen Funkspruch. Nicht weit von uns wurden Löwen gesichtet, also machen wir uns auf den Weg. Etwa zehn Minuten später sehen wir zwei weitere Fahrzeuge und halten an. Auf der Piste stehen zwei Löwen. Sie sind noch nicht ganz ausgewachsen, haben aber schon eine beachtliche Grösse erreicht. Die beiden Katzen beobachten die Gegend, dann läuft die Löwin in der Fahrspur auf unser Auto zu und passiert den Landcruiser direkt an der Seite, an der meine Frau sitzt. Ruth findet das gut und macht Fotos mit ihrem Smartphone. Ich sollte vielleicht noch erwähnen dass die Bordwand neben dem Sitz meiner Frau ausgeschnitten ist, damit man ins Auto klettern kann. Jetzt hat auch der Löwenmann die Richtung zu unserem Wagen eingeschlagen. Ganz dicht läuft er am Fahrzeug vorbei. Meine Frau wollte eigentlich wieder ein paar Bilder schiessen, jetzt ist der Löwe aber so nah bei ihr, dass sie ihren Arm lieber nicht mehr bewegen will. Auch Guide Metal murmelt eindringlich: „Ruth, don´t move and please be quiet.“ Kein Problem für meine Frau, sie wollte in dieser Situation garantiert nicht herumzappeln oder pfeifen um auf sich aufmerksam machen. Als der Löwenmann genau neben ihr ist, hält er inne und schnuppert am Blech des Autos. Wenn meine Frau wollte, könnte sie jetzt ihren Fuss aus dem Auto strecken und den Löwen am Rücken kitzeln. Komischerweise macht sie keine Anstalten, das jetzt mal auszuprobieren 😗 Der Löwe hat genug geschnuppert, verliert das Interesse und folgt seiner Löwenfrau. Ruth kann einmal richtig durchatmen. Jetzt fangen wir alle an, zu kichern. Na das nenne ich eine „Begegnung hautnah“! Wobei ich sagen muss, dass meiner Frau so etwas nicht zum ersten Mal passiert. Sie wurde in der Vergangenheit im Delta auch schon von einer Hyäne und am Chobe von einer neugierigen Elefantendame beschnuppert. Wobei ich mir bei der Hyäne so meine Gedanken gemacht habe… Aber diese Gedanken möchte ich jetzt nicht hier ausführen 😄 😄
Metal beschliesst, dass es langsam Zeit für eine Kaffeepause wäre. Wir drehen um und fahren zurück zur grünen Ebene. Hier ist ganz klar ein Treffpunkt der Tiere. Viele, viele Zebras, ein paar Elefanten, Tssesebes (Leierantilopen) und Impalas. Ein Tsessebe steht auf einem zugewachsenen Termitenhügel, um die Landschaft besser zu überblicken. Das erinnert mich an das Verhalten der Topis, seiner ostafrikanischen Verwandten. An einem schattigen Platz halten wir an, steigen aus und Metal baut einen Tisch auf. Dann serviert er Kaffee, Tee und Kakao. Dazu gibt es einige Cracker. Die Zebras und Tsessebes in unserer Nähe schauen ziemlich erstaunt, machen aber keine ernsthaften Anstalten, zu fliehen. Also sind wir während unserer Pause von zahlreichen Tieren umgeben, das freut uns natürlich sehr. Metal ist übrigens mit dem Begriff „Leierantilopen“ nicht einverstanden. Er benutzt den deutschen Begriff „Halbmondantilopen“. Die Leierantilopen sind seiner Meinung nach die Topis in Ostafrika. Bei diesen Feinheiten halte ich mich mal lieber etwas bedeckt, denn unser Guide ist der Fachmann, nicht ich.
Die Pause dauert über eine halbe Stunde. Wir haben keine Eile, denn das hier ist ein schöner Platz mit vielen Tieren um uns herum, wir haben viel zu beobachten. Irgendwann starten wir dann doch. Auf dem Rückweg sehen wir – oh Wunder – viele Zebras. Das kleine Highlight sind drei Riesentrappen, die ziemlich entspannt in unserer Nähe nach Futter suchen.
Um kurz vor 11:00 sind wir wieder in der Lodge, eine halbe Stunde später sitzen wir beim Lunch. Ruth verbringt die Mittagszeit am Pool. Hier kann sie in einer der Liegen bequem ein Buch lesen und gleichzeitig die Elefanten am Wasserloch beobachten. Ich habe noch einen Besichtigungstermin, dann entspanne ich auf unserer privaten Terrasse. Schliesslich haben wir unser eigenes Wasserloch und dort üben einige halbstarke Impalas, wie sie sich später in der „Rutting Season“ gegen männliche Gegner behaupten können. Es müssen ja nicht immer nur die Elis sein! Und was passiert? Drei Elefantenbullen erscheinen auf der Bildfläche, vertreiben die Impalas und schon bin ich wieder im „Elefantenkino“ 😄
Der Nachmittag beginnt mit dem High Tea auf dem Beobachtungsdeck. Gegen 15:30 sitzen wir wieder zu sechst im Fahrzeug und sind gespannt, was sich so tun wird. Zunächst ist es ruhig, ein paar Zebras, einige Giraffen, das war es dann schon. Ein paar Vögel wie Gabelracken, zwei Sekretäre, und etwa 15 Glanzstare in einem Baum sorgen für Abwechslung. Ich hatte es schon vorher erwähnt, ich mag es auch, einfach durch die Landschaft zu fahren. Das schöne Licht jetzt am Nachmittag lässt das goldgelbe Gras noch mehr aufleuchten. Hin und wieder steht eine sattgrüne Akazie mitten im Gras, das ist ein netter Kontrast zu dem blauen Himmel.
Die Gegend wird buschiger. In unserer Nähe steht ein toter Baum, der Stamm ist etwa in der Mitte gebrochen und die obere Hälfte hat sich ins Gras gesenkt. Darauf liegt eine Löwin. Sie benutzt den umgestürzten Stamm als Aussichtspunkt und schaut sich sehr genau um. Ihr Bauch sieht gut gefüllt aus, ich glaube nicht, dass sie nach möglicher Beute sucht. Jetzt klettert sie hinunter, läuft langsam und bedächtig durchs Gras und dann sehen wir einen zweiten Löwenkopf. Der gehört zu einer Katze, die flach im Gras gelegen und vermutlich gedöst hat. Sie wird von der Löwin begrüsst, dreht sich auf den Rücken, streckt alle vier Pfoten in die Luft und zeigt der Artgenossin den weissen Bauch. Beide Löwen liegen jetzt Seite an Seite und es wird herzhaft und lange gegähnt. Wie gesagt, besonders hungrig sehen sie nicht aus.
Wir fahren weiter, sehen noch mal Giraffen und eine kleine Elefantenherde, dann wird es Zeit für unseren Sundowner. Da wir etwas weiter von der Lodge entfernt sind stoppen wir heute schon um 17:30, damit wir pünktlich wieder zurück sind, denn auch für uns gelten die Öffnungszeiten des Parks. Die Giraffen und die Elis sind noch in unserer Nähe, deshalb haben wir immer noch etwas zu beobachten. Die Sonne nähert sich langsam dem Horizont und färbt den Himmel ein, für uns ist es Zeit, ins Auto zu steigen. Wir kommen um eine Kurve, es dämmert schon, aber der rote Feuerball ist immer noch zu sehen, da treffen wir auf eine Giraffengruppe. Ich rufe „Stop!“, denn ich erkenne sofort, dass man hier ein paar nette Fotos schiessen kann. Metal hält an und ich dirigiere das Fahrzeug. „Metal, my friend, bitte fahre etwas zurück. Noch ein wenig, noch ein wenig, so ist es perfekt!“ Die Giraffen haben sich etwas gedreht, die Hälse kreuzen sich und dazwischen lugt die rote Sonnenscheibe hervor. So will ich es haben! Auch unsere Mitfahrer haben inzwischen erkannt, warum ich hier stoppen wollte und fotografieren eifrig. Ich wiederum beeile mich, denn ich weiss, dass Metal ja nicht ohne Grund so früh unseren Stopp eingelegt hat. Wie gesagt, auch er muss sich an die Parkregeln halten. Fünf Minuten später gebe ich ihm das erlösende Signal: „Vielen Dank, Metal, zeig uns, wie schnell du fahren kannst!“ Das lässt er sich nicht zweimal sagen und wir schaukeln über die wellige Piste.
Wenige Minuten vor der offiziellen Zeit verlassen wir den Park und kurz darauf erreichen wir die Lodge. Wir haben ja nur wenige Meter bis zum Chalet, deshalb warten wir nicht, sondern verabreden uns mit Metal und laufen schon mal los. Unser Guide ist einverstanden, dass wir ohne Begleitung starten. Einmal geduscht, etwas aufgehübscht und schon sind wir gegen 19:00 an der Bar. Es dauert nicht lange und die zwei Berlinerinnen, die wir schon in Camp Moremi kennen gelernt haben, tauchen auf. „Na, habt ihr die Wildhunde auch gesehen?“ Hmmm… „Nee, diese Tiere sind uns nicht über den Weg gelaufen.“ „Es waren mehr als zehn Hunde, sie haben unseren Weg gekreuzt und sind wohl gerade auf die Jagd gegangen. Aber wir mussten zur Lodge zurück.“ Das hätte mir auch gerade noch gefehlt, dass es den anderen Gästen gelungen wäre, die Wildhunde auf der Jagd zu fotografieren. Das will ich schon seit ewigen Zeiten und bis heute ist es mir nicht gelungen. Es gibt da ein Bild, das hängt in einem Camp mit Namen Kwando Lagoon (Linyanti Gebiet). Man sieht ein rennendes Kudu, eskortiert von zwei Wildhunden. Dieses Foto hat in mir den Wunsch geweckt, so etwas auch mal fotografieren zu können. Also wenn so etwas möglich ist, dann bitte in meiner Anwesenheit! Meine Frau schaut etwas traurig, denn sie hatte die Wildhunde ja schon in Camp Moremi verpasst. Ich muntere sie auf. „Mach dir keine Gedanken, wir werden die Wilddogs auf dieser Reise schon noch sehen.“ Zu diesem Zeitpunkt konnte ich nicht wissen, dass sich meine Vorhersage tatsächlich noch erfüllen sollte.
Es ist 19:30, wir werden zur Aussichtsplattform am Savute Channel zum Dinner gebeten. Zunächst singt und tanzt die Staff noch für die Gäste. Ruth und ich sitzen bereits am Tisch, plötzlich werden wir an die Hand genommen und in die tanzende Gruppe integriert. Oh, Mann! Die ganze Zeit war es uns gelungen, uns zu „verstecken“, aber jetzt haben wir keine Wahl. Wir müssen mitmachen. Komischerweise wird ausser uns zwei kein anderer Gast aufgefordert, mitzumachen – warum? Mit schwingenden Hüften und kleinen Tanzschritten folgen wir unseren Vorderleuten. Plötzlich schlägt die Tanzgruppe eine Richtung ein, die weg von den anderen Tischen führt. Was haben die bloss vor? Nach einigen Metern wird die Sache klar. Wir haben heute einen separaten Tisch, der auf einem erhöhten Deck aufgebaut wurde. Das ist eine nette Überraschung! Ach ja, stimmt! Es ist unser letzter Abend und den sollen wir wohl besonders in Erinnerung behalten. Da hat scheinbar Freundin Petra von zuhause aus etwas organisiert. Wir freuen uns über unser „Chambre séparée“ an diesem lauschigen Abend. Über uns sehen wir die glitzernden Sterne der südlichen Hemisphäre, unterhalb am Wasserloch stehen zwei Elis, eine sehr sympathische, aufmerksame Dame kümmert sich um Essen und Getränke, wir wüssten nicht, was wir in diesen Minuten noch vermissen könnten. Die einzige Reklamation: Dieser Abend geht viel zu schnell vorbei 🙁
Gegen 21:30 sitzen wir auf schon wieder auf unserer Terrasse, entspannen noch ein wenig, bevor wir uns ins Bett kuscheln. Das darf doch nicht wahr sein! Morgen steuern wir schon wieder die letzte Station unserer Reise an! Wo ist bloss die Zeit geblieben? Werden wir jemals die Möglichkeit haben, mehr als drei Wochen am Stück in dieser Region zu verbringen? Mit einem tiefen Seufzer schliessen wir die Augen und lassen uns von den Stimmen der afrikanischen Nacht in den Schlaf singen.
Mittwoch 27.04.2016
Selbstverständlich sind wir wieder kurz vor dem Wakeup Call um 05:30 wach. Zwei Nächte in Savute sind eindeutig zu kurz, naja – besser als gar nichts. Wir packen unsere Sachen zusammen, finden uns noch einmal um 06:00 zum Frühstück ein. Ab morgen werden wir den Tag etwas später beginnen, denn in der Garden Lodge beginnt die Pirsch gegen 08:30, also etwa zwei Stunden später als hier. Während wir frühstücken, wird unser Gepäck bereits ins Safarifahrzeug verladen. Dann wird es Zeit, dass wir uns von der Staff und den Managern verabschieden. „Wir wären gerne noch etwas länger geblieben!“, über diesen Kommentar freuen sich die Manager natürlich sehr.
Heute sind wir nur 5 Personen im Fahrzeug. Unserem Mitfahrer aus Dänemark geht es nicht so gut und auch in meinem Magen rumpelt es mächtig. Ich habe allerdings keine Idee, was diese Magenprobleme verursacht haben könnte, zumal ich das gleiche gegessen habe, wie meine Frau und die hat überhaupt keine Probleme. Also kann es nicht am Essen liegen. Um 06:45 halten wir noch einmal an, damit ich ein paar Bilder von dem wunderschönen Sonnenaufgang schiessen kann. Wir atmen die herrlich kühle Luft am frühen Morgen ein, lassen die Ruhe auf uns wirken, dann geht es in gemütlichem Tempo weiter. Durch die Grasebene streift eine Hyäne, sie schaut uns mit scheinbar müden Augen an. Auch die drei Dagger Boys tauchen wieder auf, die haben wir schon gestern früh getroffen; heute haben sie einige Oxpecker auf dem Rücken. Metal erhält einen Funkspruch: „Leopard gesichtet!“ Na gut, dann nehmen wir dieses Kätzchen auch noch mit. Nach knappen 10 Minuten Fahrt erreichen wir die Stelle. Es haben sich bereits mehrere Fahrzeuge versammelt und alle Insassen starren auf ein paar Büsche. Dort soll sich der Leo aufhalten. Also heisst es für uns: Motor abstellen und warten. Tatsächlich verlässt der gefleckte Räuber kurz darauf das dichte Gebüsch und läuft langsam zu einem Stein. Genau hinter dem Stein legt er sich hin. Der Platz ist einfach perfekt! Von hier aus überschaut er eine grasbewachsene Ebene, ohne selbst gesehen zu werden. In etwas weiterem Abstand weidet eine Herde Impalas. Die Impalas müssen schon sehr genau hinschauen, wenn sie die zwei Ohren und den oberen Teil des Kopfes entdecken wollen. Inzwischen nähern sich weitere Fahrzeuge. Der Platz ist jetzt mit ca. 10 Autos gefüllt, es wird langsam eng hier. Wie das so ist, wenn relativ viele Leute zusammen sind, werden die Stimmen auch immer lauter. Kein idealer Platz für einen Leoparden, denn die Impalas sind ja nicht taub. Warum sollten sie sich den Menschen nähern, wenn es überall um sie herum Gras zum, Fressen gibt?
So ist es dann auch. Wir warten ein knappe halbe Stunde, aber die Impalas denken nicht daran, in Richtung der Steine zu wandern, hinter denen sich der Leo versteckt hat. Im Gegenteil. Jetzt ziehen sie sogar langsam aber stetig in die entgegengesetzte Richtung. Der Leopard gibt auf und verlässt seine Deckung. Erstaunlicherweise kommt er genau auf uns zu, dann läuft er zwischen zwei wartenden Autos hindurch, um auf der anderen Seite im hohen Gras zu verschwinden. Er dreht seinen Kopf nicht einmal in Richtung der Menschen, so als würde die Ansammlung von vielen Fahrzeugen einfach nicht existieren. Ich mag seine scheinbare Arroganz 😄
Die Versammlung löst sich auf und auch wir fahren weiter. Insgesamt bleibt es ruhig um uns herum, nur zwei Hornraben sind zu sehen. Sie mögen aber unsere Anwesenheit nicht besonders und laufen schnell davon. Etwas später erscheinen drei Riesentrappen. Metal stoppt für eine Kaffeepause, das kann die Vögel aber nicht beeindrucken und so können wir sie gut bei der Futtersuche beobachten. Dann hören wir Motorgeräusche und ein Fahrzeug der Lodge hält an. Unser Taxi ist da! Wir verabschieden uns von den Mitfahrern und natürlich von Metal. Nachdem wir unseren Guide bereits zum zweiten Mal getroffen haben, sind Metal und ich uns sicher: Aller guten Dinge sind drei! Wir werden sehen, ob das Schicksal mitspielt.
Los geht es Richtung Airstrip. Mir geht es immer noch nicht wirklich gut, auch der Tee hat nicht geholfen. Aber was hilft´s, den letzten Flug muss ich noch durchstehen, auch wenn er noch mal relativ lang ist. Wir schaukeln die Piste entlang, nach einem Funkspruch stoppen wir. Nein, es wurde kein seltenes Tier gesichtet, sondern ein weiteres Fahrzeug der Savute Safari Lodge nähert sich uns. Darin befinden sich zwei Gäste aus den USA. Es sind übrigens die zwei aus Kalifornien, die uns schon in Camp Moremi genervt haben, aber jetzt ist es mir egal, denn wir sind ja gerade dabei, abzureisen. Das Gepäck wird umgeladen, die Gäste steigen zu, dann fahren wir weiter. Das Paar ist heute überhaupt nicht lustig und witzig, denn dem Mann geht es auch nicht gut. Komisch, warum haben nur wir Männer ein Magenproblem?
Am Airstrip angekommen, parken wir an der Seite und warten. Es ist heiss und der Flieger hat anscheinend etwas Verspätung. Mir ist immer noch schlecht. Was mache ich bloss, wenn es im Flugzeug schlimmer wird? Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, entscheidet mein Magen für mich. Ich steige aus und entferne mich etwas vom Fahrzeug. Dann wird alles, was ich noch im Magen habe, ans Tageslicht befördert. Das ist zwar erst einmal unangenehm, aber danach geht es mir schon etwas besser. Inzwischen können wir unser Lufttaxi bereits am Himmel erkennen. Kurz darauf landet es schon, das Gepäck wird eingeladen und wir verabschieden uns von unserem Fahrer. Zum Glück ist die Maschine etwas grösser, ich habe also mehr Platz und kann mich etwas ausstrecken. Ziemlich genau um 10:00 zieht der Pilot die Cessna hoch und wir steuern unser letztes Ziel, das Städtchen Kasane an.
Würden wir wieder kommen? Ja, keine Frage. Savute finde ich toll und die Lodge hat eine nette Lage. Es ist zwar nicht optimal, wenn man bei einer interessanten Tiersichtung ziemlich viele Autos neben sich hat, aber so ist das halt in Nationalparks und eigentlich sind wir von der Chobe Riverfront noch viel schlimmere Menschenansammlungen gewohnt.
Während wir an Höhe gewinnen, kann man auf der rechten Seite noch einmal die Goha Hills sehen, etwas später kommt ein Zaun, der die Grenze des Nationalparks bildet, aber irgendwie habe ich heute keinen Blick für die Landschaft, die unter uns vorbei zieht. Ich möchte eigentlich nur noch aussteigen und mich ausstrecken. Minute um Minute vergeht, ab und zu schaue ich doch hinaus und erkenne ein paar Wegpunkte. Auf der linken Seite taucht der Chobe auf, dann kann man den Grenzpunkt Ngoma Bridge erkennen. Ab hier durchschneidet die Teerstrasse von Ngoma (Namibia) nach Kasane (Botswana) den Chobe Nationalpark. Irgendwann tauchen vertraute Bilder auf. Auf der gegenüberliegenden Seite des Chobe sehe ich die Chobe Savanna Lodge, auf „unserer“ Seite kommt die Chobe Game Lodge ins Blickfeld, dann liegt direkt vor uns auch schon die Rollbahn des Kasane International Airport, wir verlieren schnell an Höhe und bald darauf setzen wir gegen 11:00 sehr sanft auf der Landebahn auf. Auch Flug Nummer 7 verlief problemlos und ich bin heilfroh, dass ich keine Spucktüte gebraucht habe und dass ich mich in absehbarer Zeit erst einmal ausruhen kann.
Wir verlassen die Maschine und laufen mit unserem Handgepäck über das Rollfeld, das übrige Gepäck folgt schnell. Da wir uns bereits in Botswana befinden, entfällt die Einreiseprozedur. Als wir das Empfangsgebäude betreten, werden wir von einer vertrauten Person mit breitem Lächeln erwartet. Es ist John, unser Freund und Guide. Er hat es sich nicht nehmen lassen, uns abzuholen, obwohl er mittags eigentlich frei hat. Wir umarmen uns herzlich und er schnappt sich sofort unser Gepäck. Während wir uns unterhalten, laufen wir zum Wagen. Ruth und ich schauen uns an. Der Grossteil unserer Reise ist zwar vorbei, aber trotzdem: Es ist schön, wieder in einer sehr vertrauten Umgebung zu sein 🙂
... wird fortgesetzt ...
Teil 1211. Aug. 2016
Mittwoch 27.04. – Sonntag 01.05.
Unsere Zeit in der Garden Lodge fasse ich zusammen und gehe nur auf ein paar Erlebnisse etwas ausführlicher ein. Ich habe es in früheren Reiseberichten schon geschrieben: Wir kommen seit 2007 regelmässig hierher, sind mit den Besitzern Gabi und Phil befreundet und sind – laut deren Aussage – inzwischen zu einem Teil des Inventars geworden. Deshalb halte ich mich mit einer Beurteilung der Lodge zurück, ich kann unmöglich objektiv sein. Guide John kenne ich, seitdem er in der Garden Lodge angeheuert hat und wir sind inzwischen befreundet, falls man so etwas behaupten kann, wenn man sich circa zweimal pro Jahr für einige Tage sieht. Wenn wir hier sind, dann bin ich jeden Tag im Nationalpark, egal ob mit dem Boot oder mit dem Fahrzeug. Mein Lieblingsspruch lautet: Die Bühne ist immer dieselbe, aber die Darsteller wechseln jeden Tag. Obwohl es an der Riverfront manchmal laut und hektisch ist, ich bin trotzdem gerne hier und wir hatten in den letzten Jahren schon einige wirklich beeindruckende Erlebnisse. Auf der einen Seite bin ich manchmal traurig wenn ich sehe, dass z.B. ein Löwenrudel auf die Jagd geht und dabei von vielen Fahrzeugen verfolgt wird, oder das der arme Leopard, der sich ins tiefe Buschwerk zurückgezogen hat, regelrecht belagert wird. Auf der anderen Seite sind viele Tiere hier die Autos und die Boote gewöhnt und rennen nicht so schnell weg. Deshalb gelingen einem öfter mal schöne Nahaufnahmen, denn die Fluchtdistanz ist hier viel geringer, als in anderen Gegenden.
Der Vollständigkeit halber kommt hier noch eine kurze Beschreibung der Lodge: Die Garden Lodge hat 8 Zimmer, wobei drei Zimmer im 1. Stock mit je zwei Zusatzbetten ausgestattet werden können. Dort ist es für Familien möglich, zusammen zu übernachten. Gegessen wird an einem langen Tisch in der Main Area, kleinere Gruppen können auch auf der Terrasse mit Blick auf den Chobe ihr Dinner geniessen. Von einer Lounge im 1. Stock aus überblickt man der Garten und schaut bis zum Chobe. Man kann ein Private Dinner organisieren, das hier oben stattfindet. Neben einem halboffenen, überdachten Raum befindet sich der Pool. Im Garten in der Boma wird der Nachmittagskaffee bzw. Tee serviert. Tagsüber kann man Warzenschweine, Mangusten und viele Vögel im Garten beobachten, nachts kommen hin und wieder Flusspferde oder Elefanten vorbei. Der Garten ist mit einem Zaun gesichert, das hält die schwergewichtigen Besucher (Hippos + Elis) normalerweise auf Distanz zu den Gästen. Ausnahmen bestätigen die Regel (das schreibe ich aus eigener Erfahrung). Ach ja, hin und wieder ist auch eine Python zu Gast. Seitdem Gabi die Enten abgeschafft hat, sind diese Besuche jedoch seltener geworden. Trotzdem musste neulich unsere liebe Freundin Knödel (eine alte Jack-Russel-Dame, die wir seit 2007 gekannt haben) ungewollt Abschied nehmen. Und die Moral von der Geschichte: In der Not frisst eine Python nicht nur Fliegen. Sorry, Knödel, ich wollte jetzt nicht pietätlos sein 😊
Wir sind Mittwoch angekommen, haben alle Freunde und Bekannten begrüsst und ich hatte Zeit, mich etwas auszuruhen. Ob wohl ich Fieber habe denke ich keine Sekunde darüber nach, eventuell am Nachmittag im Bett zu bleiben. Der Boatcruise am Nachmittag ist ein absolutes Muss, Magenprobleme hin oder her! Und deshalb starten wir pünktlich um 15:30. Es fahren sonst keine Gäste mit, also sind nur John, Ruth und ich auf dem Boot.
Nachdem wir am Ufer entlanggetuckert sind und einige Vögel beobachtet haben, entfernen wir uns vom vorderen Abschnitt des Parks. Es dauert nicht lange und die grossen Tiere tauchen auf. Neben uns befindet sich eine Gruppe Hippos im Wasser, von denen werden wir keine Sekunde aus den Augen gelassen. Immer wieder tauchen sie auf und ab und blasen den Wassernebel durch ihre Nüstern in die Luft. Weiter vorne am Ufer trinken einige Elefanten, wir fahren langsam heran und ich kann ein paar Fotos machen. Wieder ein Stück weiter befinden sich etwa 20 Meter vom flachen Ufer entfernt dichte Büsche. John schaut plötzlich sehr interessiert in diese Richtung. „Schaut mal da rüber“ sagt er. Dann bewegt sich ein Busch und ein Löwenkopf lugt hervor. Treffer! Auf John ist Verlass, er weiss wann wir an welcher Stelle sein sollten. Die Löwin scheint Entwarnung gegeben zu haben, denn jetzt tauchen fünf weitere Katzen auf. Alle laufen zum Ufer, um zu trinken. Das gibt für mich ein paar nette Bilder, die ich natürlich gerne auf die Speicherkarte banne. Die ersten 5 Minuten sind wir ganz alleine mit den Raubkatzen, dann allerdings haben die Insassen der anderen Boote in der Nähe auch bemerkt, was hier los ist. Deshalb dauert es nur noch wenige Minuten und es herrscht richtig Betrieb. Boote rangieren hin und her, um den besten Ausblick zu haben. Jetzt nähert sich sogar ein grosses, Boot mit Aussichtsdeck, und es wird lauter und lauter. Die Löwen fangen an, etwas hektisch in die Runde zu schauen. Von der Seite kommt das erste Fahrzeug angefahren. Eigentlich ist da gar keine Piste und Offroad fahren wird auch geahndet, aber natürlich nur, wenn auch ein Ranger in der Nähe ist und zurzeit ist hier niemand zu sehen. Immerhin stoppt das Fahrzeug mit etwas Abstand und fährt die Löwen nicht platt.
Nach etwa 20 Minuten wird es uns zuviel und wir entfernen uns. John fährt einen Bogen, dann erreichen wir den Kanal, der an der namibischen Seite entlang zur Parkgrenze zurückführt. Hier liegen zwei Hausboote, genaugenommen sind es schwimmende Hotels. Eins davon gehört Pangolin. Man kann also eine mehrtägige Fotosafari buchen, übernachtet auf dem Boot und macht tagsüber seine Safaris auf den Fotoboot oder im Unimog.
Wir erreichen den Anfang bzw. die Ausfahrt des Parks. Hier stoppen wir und John richtet das Boot in Richtung Sonne aus. Die Flasche Weisswein wird geöffnet, die Weinkelche aus Metall werden gefüllt, wobei ich mich bei der Menge noch stark zurückhalte. Mein Magen soll sich lieber noch etwas erholen. Die untergehende Sonne färbt den Himmel rot ein, auch das Wasser des Chobe verfärbt sich rot und gold, die letzten Vögel fliegen als pechschwarze Scherenschnitte zu ihren Schlafplätzen, ein Sonnenuntergang auf dem Chobe ist einfach genial; wir waren schon so oft hier, aber es ist wie mit den Pirschfahrten, sie werden einfach nie langweilig. Das Farbenspiel am Himmel und auf dem Wasser löst in uns immer wieder ein Hochgefühl aus, dass nur sehr schwer zu beschreiben ist. Ich glaube das sind die typischen Argumente von Afrika-Süchtigen. Und ich bin heilfroh, dass wir in der Lage sind, unserer Sucht zumindest zweimal pro Jahr Nahrung zu geben
Am nächsten Tag fahren wir noch einmal mit dem Boot raus, denn die meisten Gäste sind jetzt auf dem Gamedrive, da haben wir den Fluss fast ganz für uns alleine.
Auch am Nachmittag nehmen wir noch mal das Boot. Wir gleiten gemütlich dahin, beobachten Reptilien, Vögel und andere Tiere. Während wir uns langsam fortbewegen schaut John plötzlich aufmerksam zum Ufer und steuert das Boot in diese Richtung. Ich schaue ihn fragend an, denn ich kann absolut nichts entdecken. „Da ist eine Schlange, direkt auf 12 Uhr“ sagt er. Angestrengt blicke ich ans Ufer direkt vor uns, aber erst als wir vielleicht drei Meter entfernt sind, kann ich die kleine grüne Schlange auch erkennen. Ruth kommt zu mir an den Bug und wir sind fasziniert. Die Schlange hat nämlich einen Frosch gefangen, der steckt jetzt quer im Maul. Allerdings ist sie gerade etwas nervös, denn wir sind für ihren Geschmack zu nahe gekommen. Ein paar Sekunden können wir sie beobachten, dann ist sie im Gebüsch verschwunden. „Wie konntest du die Schlange vom Wasser aus sehen?“ frage ich John. Er antwortet: „Ich habe ein leises Quieken gehört und wusste, das war ein Frosch. Deshalb war mir klar, wo ich schauen musste.“ Ich kann nur verständnislos den Kopf schütteln. Wie konnte er den Frosch hören und dann die Schlange sehen? Es ist mir völlig unbegreiflich. Aber natürlich freuen wir uns, dass wir Dank Johns Aufmerksamkeit so eine seltene Situation erleben durften.
Ein Stück weiter stehen drei Elis bis zum Hals im Wasser und fressen sich an den grünen Gräsern in der Mitte des Chobe satt. Das sind natürlich Motive, die ich dankbar mitnehme. Während immer mehr Boote die Elefanten im Wasser „umzingeln“ gibt John Gas und wir fahren ein ganzes Stück weiter. Wir kommen an eine Steilwand. Hier haben die Weißstirnspinte ihre Bruthöhlen. Sie sitzen überall in den Bäumen, kommen im Sturzflug hinunter, krallen sich in der Wand fest, verschwinden mit Futter in den Höhlen, füttern die Jungen und fliegen kurz darauf wieder davon. Uns bietet sich ein tolles Schauspiel, das mit einem vielstimmigen Gepiepse untermalt wird.
Am nächsten Morgen nehmen wir den Landcruiser. Um 08:45 erreichen wir das Sedudu Gate, die meisten Safari Fahrzeuge verlassen um diese Zeit den Park. John redet kurz mit einem Guide, dann dreht er sich zu uns. „Wir haben anscheinend richtig Glück!“ Unten am Ufer haben die Wildhunde ein Kudu erlegt. Da fahren wir doch mal direkt hin!“ Wow, ich bin begeistert! Ich hatte versucht, meine Frau in Savute wegen der verpassten Wildhunde aufzumuntern und jetzt haben wir eine Chance. Eine Viertelstunde später haben wir die Stelle erreicht. Es sind zwar immer noch einige Autos da, aber wir sind nah genug, um die Wild Dogs zu sehen. Einige Rudelmitglieder liegen im Schatten, während andere immer wieder hinter einem grossen Busch verschwinden. Nach ein paar Minuten umrunden wir Busch und suchen uns neue Beobachtungsposition. Die Reste des Kudus liegen gar nicht so weit weg. Überall sitzen die Geier und möchten an dem Festmahl teilhaben. Immer wieder erscheint ein Wildhund auf der Bildfläche, der die Geier verscheucht. So gibt es eine Menge Action. Die Geier landen, wollen etwas fressen, der nächste Wildhund schiesst um die Ecke und versucht, einen Geier zu erwischen. Alle Geier fliegen auf, um aber nur ein paar Meter entfernt wieder zu landen und einen neuen Versuch zu starten. Etwa 30 Minuten sind wir Zeuge dieses Schauspiels, dann geben die Wildhunde auf und die Geier übernehmen das Kommando.
Wir beschliessen, ein künstliches Wasserloch in der Nähe zu besuchen. Als wir die tiefe Sandpiste durchfahren, sehen wir irgendwann einen Geländewagen neben der Pad stehen. Wir nähern uns vorsichtig und erleben etwas für uns völlig neues. Im Schatten der Bäume stehen ungefähr 15 junge Rappenantilopen, bewacht werden sie von 4 älteren „Aufpassern“. Ich wusste bisher nicht, dass diese Antilopen auch einen Kindergarten haben, das kenne ich nur von Impalas. Als wir anhalten, bleiben sie noch einen Moment stehen, dann zieht sich die ganze Gruppe etwas tiefer in den Busch zurück.
... wird fortgesetzt ...
Teil 1316. Aug. 2016
So, kommen wir zum letzten Teil meines RB. Der wiederum gliedert sich in zwei Hälften. Zunächst kommen einige unkommentierte Schnappschüsse von der Chobe Riverfront, dann gibt es noch etwas Text.
Sonntag 02.05.2016
Es ist Sonntag, welcher Tag wäre bei Sonntagskindern besser geeignet für einen letzten Paukenschlag? Wir fahren am Vormittag in den Park, beobachten einige Tiere, legen einen Stop bei Serondela ein. Auf der Rückfahrt – genau an einer „Strassenecke“ finden wir eine Python, die einen Impalabock getötet hat. So etwas haben wir noch nie gesehen. Das Reptil hat den Antilopenkörper komplett umschlungen, der – im Vergleich zum Impalakörper – relativ schmale Kopf bewegt sich hin und her und die Schlange züngelt unentwegt. Wie bitte will sie den Bock hinunterschlingen? Kann sie den Unterkiefer wirklich so weit aushängen? Was für die Schlange ziemlich ungünstig ist: Mit ihrer Beute liegt sie – wie bereits geschrieben direkt am Pistenrand. Immer wieder halten Fahrzeuge und die Gäste wollen Fotos machen. Unter solchen Umständen haben wir natürlich überhaupt keine Chance zu beobachten, was sie jetzt mit ihrer Beute anstellt. Die Python fühlt sich gestört und bleibt lieber mal in Lauerstellung. Am Nachmittag fahren wir noch einmal mit dem Boot raus, denn es ist unser letzter Abend auf dem Chobe und da ist ein Sonnenuntergang auf dem Boot nun mal Pflicht. Am nächsten Vormittag fahre ich mit John in den Park, Schlange und Beute sind verschwunden. Wir können allerdings noch eine Schleifspur sehen. Während der Nacht hat sie es anscheinend geschafft, das Impala an eine versteckte Stelle zu ziehen. Schade, ich hätte natürlich nur allzu gerne miterlebt, ob und wie die Python es fertig gebracht hat, den Impalabock zu verschlingen.
Montag 02.05.2016
Ich wache zur gewohnten Zeit auf und warte noch ein paar Minuten, bis sich auch Ruth neben mir bewegt. Im Gegensatz zu den letzten drei Wochen bin ich heute etwas melancholisch. Unsere Abreise nach Deutschland steht auf dem Programm und das kann mich gar nicht heiter stimmen. Aber was hilft´s, wir müssen raus aus dem Bett! Damit der Tag nicht ganz so traurig wird, habe ich mich mit John zu einem letzten Gamedrive verabredet. Meine Frau möchte den Vormittag lieber in der Lodge verbringen, also besuchen nur ihre beiden Männer den Park. Wir fahren noch einmal das Ufer ab, durchqueren die Ebene Richtung Serondela und ich mache – wie könnte es anders sein - ein paar Fotos. Ja! Ich habe bereits gefühlte 10.000 Elefantenbilder und auch meine Kollektion an Impalafotos ist nicht gerade klein, aber irgendeine neue Situation finde ich immer. Natürlich kommt es, wie es kommen muss. Ausgerechnet heute, wo wir ein Zeitlimit haben, treffen wir auf ein Löwenrudel. Wenigstens einige Bilder muss ich noch machen, das ist klar. Während die anderen Wagen hinter dem Rudel herfahren, sind wir gezwungen, uns Richtung Ausgang orientieren. Der Flieger wartet leider nicht auf mich.
So geht der Vormittag viel zu schnell vorbei und um 10:45 erreichen wir die Lodge. Ich habe noch Zeit um zu duschen und die restlichen Sachen zu packen. Das Angenehme an der Sache ist, dass wir nur mit Handgepäck zurück fliegen, denn im November kommen wir ja wieder, dann wird die Kleidung einmal durchgewaschen und wir haben wieder frische Wäsche für die kommenden drei Wochen. Um kurz vor 12:00 nehmen wir ein kleines Lunch zu uns, sitzen noch einmal auf der Terrasse, blicken hinunter zum Chobe und sind irgendwie gar nicht motiviert, diesen Ort zu verlassen 😵
Dann ist es soweit. Wir verabschieden uns von Emily, Mark, Craig, Nyalli und all den anderen. John hat bereits unser Gepäck rausgebracht, wir steigen in den Landcruiser und verlassen die Lodge. Etwa 20 Minuten später stehen wir bereits in der Eingangshalle des Kasane Airports. Jetzt wird es Zeit, Lebewohl zu John zu sagen, das fällt uns noch mal richtig schwer. Zumindest wissen wir, dass wir uns in etwa sechs Monaten wieder sehen werden 🤩
Wir checken ein, leider kann man uns hier in Kasane keine Bordkarten für den Lufthansaflug ausdrucken. Das müssen wir also im Transferbereich des Terminals in Johannesburg erledigen. Zunächst warten wir, bis der Air Botswana Flug abgefertigt ist, dann können wir durch die Gepäck- und Passkontrolle laufen, um uns in die Wartehalle zu setzen. Es ist jetzt 13:15, aber kein Airlink Flieger landet. Komisch … naja, etwas Verspätung ist nicht schlimm, denn wir haben ja einen Zeitpuffer, die Lufthansa Maschine startet erst um 19:10. Der Zeiger der Wanduhr tickt weiter, nichts passiert. Die ersten Passagiere werden unruhig. Eine „Offizielle“ taucht auf, wird befragt und teilt uns mit, die Maschine hätte Probleme und würde sich etwas Verspäten. Naja, wie gesagt, wir haben einen Zeitpuffer, so denke ich. Gegen 14:00, also zur eigentlichen Abflugzeit, hören wir das Grollen von Düsentriebwerken, die Airlink Maschine ist gelandet. Wir sind etwas erleichtert. Die Passagiere verlassen die Maschine, wir können sie an unserem Warteraum vorbeilaufen sehen. Sonst passiert aber nichts. Eine halbe Stunde später, es ist bereits kurz vor 15:00 werden einige Passagiere wieder unruhig. Sie versuchen, Irgendjemanden aufzutreiben, der vielleicht mal eine Info für uns hat. Das gelingt auch, allerdings teilt man uns nur mit, die Maschine hätte ein technisches Problem und man würde sich bemühen, dieses Problem zu lösen. Hmmm… irgendwie klingt das nicht gut. Neben uns sitzt ein Paar aus Japan. Wir kommen ins Gespräch und er zeigt mir sein Ticket für den Weiterflug nach Tokyo. Sogar ich als Laie kann erkennen, dass er diese Maschine wohl nicht mehr erreichen wird.
Die Zeit vergeht, wir sitzen – inzwischen sind alle genervt – noch immer hier und warten. Auch ich werde immer nervöser, denn unser Zeitpuffer schmilzt dahin hin, wie das berühmte Eis in der Sonne. Ich rechne unseren Zeitplan durch. Die Maschine startet um 19:10, der Schalter, an dem wir die Bordkarten erhalten, schliesst 45 Minuten vorher, also um 18:25. Wir sind noch nicht mal gestartet. Oh, oh, das wird knapp.
Es ist jetzt 16:00. Ich beginne mir Gedanken zu machen, was eigentlich passiert, wenn wir den Flug nicht erwischen. Das schöne Upgrade für die Business Class ist dann futsch, wir müssen in Johannesburg übernachten und ich muss einen Rückflug in der Economy Class für den folgenden Tag buchen. Das sind keine tollen Aussichten. Meine Gedanken werden durch zwei Mitarbeiterinnen von Airlink unterbrochen. Sie laufen tatsächlich zur Glastür und verkünden mit lauter Stimme, das Boarding könne jetzt beginnen. Fast alle Passagiere sind ziemlich gereizt, manche applaudieren höhnisch, wir packen unsere Sachen und stellen uns an. Jetzt zählt jede Minute. Wir laufen über das Flugfeld zur Maschine, alle steigen ein, die Uhr tickt unerbittlich. Irgendwann sitzen alle, die Türen werden verschlossen und es geht los. Ich kann nicht anders, immer wieder schaue ich auf meine Uhr, obwohl ich den Flug dadurch keine Sekunde beschleunigen kann.
Um kurz vor 18:00 landen wir in Johannesburg. Meine kurz aufflackernde Hoffnung, dass wir vielleicht direkt an einem Gebäude andocken und dadurch Zeit sparen, zerschlägt sich. Wir parken ausserhalb und werden in Busse verfrachtet. Ich spreche mit einer Begleiterin von Airlink. „Hören sie, wir sind unheimlich spät dran und müssen noch bei der Lufthansa die Bordkarten besorgen, können sie uns helfen?“ Die Dame lächelt uns an „Bitte melden sie sich noch mal bei mir, wenn wir am Terminal sind.“ Naja, das ist ja immerhin etwas. Der Bus startet. Fährt er langsamer als sonst? Nein, ich glaube, das ist nur mein subjektiver Eindruck. Ich bin wohl gerade etwas verspannt. Wir halten am Terminal und steigen aus. Ich wende mich wieder an die Mitarbeiterin von Airlink. „Was können wir jetzt tun? Können sie sich mit Lufthansa in Verbindung setzen und sagen, dass wir ein paar Minuten später zum Schalter kommen?“ Sie schaut mich nur freundlich an und sagt: „Sorry, ich kann doch nichts für sie tun. Ich muss mich um andere Passagiere kümmern. Ich wünsche ihnen viel Glück!“. Dann dreht sie sich um und spricht mit anderen hektischen Reisenden. Das kann doch wohl nicht wahr sein! So also sieht die Hilfestellung von Airlink aus? 😈 😈 Ich habe noch nicht mal Zeit, um zu reklamieren. Ich schaue meine Frau an und sage: „Wir müssen jetzt rennen und hoffen.“ Unser Vorteil ist, dass wir genau wissen, wohin wir rennen müssen. Und los geht´s, hinein in die Halle, die Rolltreppe hoch und mit Höchstgeschwindigkeit die langen Gänge entlang. Die Uhr tickt. Irgendwann erreichen wir die Passkontrolle kurz vor den Schaltern für die Bordkarten. Dort befindet sich – wie kann es anders sein – eine lange Menschenschlange. Wir rennen darauf zu und ich rufe mit letzter Kraft: „Sorry, sorry, unser Flug startet gleich, bitte lassen sie uns durch!“ Bereitwillig machen tatsächlich alle Platz, wir ducken uns, um die Absperrungen abzukürzen und werden dabei interessiert von den Beamten bei der Passkontrolle beobachtet. Dann haben wir einen Schalter erreicht. Zu meiner Überraschung winkt uns der Beamte zu sich, schaut sich kurz die Pässe an und stempelt sie ab. „Go, go, go“ ruft er und schmunzelt dabei. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Noch einen Gang, dann erreichen wir die Schalter.
An einer Stelle sehen wir das Lufthansa Logo, dort sitzen zwei Frauen in Uniform. Wir erreichen den Schalter und winken kurz, denn es ist mir unmöglich, etwas zu sagen. Ich bin völlig ausgepumpt und muss erst einmal zu Atem kommen, meiner Frau geht es nicht anders. Wortlos lege ich erst einmal unser e-Ticket und die Pässe auf den Tresen. Dann kann ich wieder sprechen und erkläre unsere Situation. Eine Mitarbeiterin schaut in ihren Computer und tatsächlich findet sie unsere Plätze. „No Problem, “ sagt sie, „ich drucke die Bordkarten aus.“ Wir atmen immer noch schwer und ich hebe meine Hand und lasse mir von beiden Ladys die „High Five“ geben. Jetzt müssen sie lachen, machen aber bereitwillig mit. WIR HABEN DAS RENNEN GEWONNEN!
Kurz darauf erhalten wir unsere Bordkarten, durchlaufen die Gepäckkontrolle und sind auf dem Weg zum Gate. Immerhin haben wir unsere Aufgabe ca. fünf Minuten vor Schalterschluss gemeistert. Das muss gefeiert werden. Also machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Lounge, ordern ein Glas Weisswein und zehn Minuten später laufen wir – immer noch ausgepumpt, aber glücklich – zum Boarding. Selten waren wir so froh ein Flugzeug zu besteigen, wie heute. Wir machen es uns völlig entspannt auf unseren Plätzen gemütlich und ich überlege: Man kann es uns wirklich nicht recht machen. Heute früh waren wir traurig, weil wir Afrika wieder verlassen mussten. Dann wollte das Schicksal unseren Aufenthalt verlängern, das mochten wir aber auch wieder nicht. Ja was denn nun? Vielleicht liegt es ja daran, dass wir für solch spontane Verlängerungen einfach zu alt sind. Ich muss mal darüber nachdenken 😗
Nachtrag
Während ich diesen Reisebericht fertigstelle, zählen wir die Tage bis zur nächsten Reise. Am 08.11. geht es endlich wieder los! Wie üblich besuchen wir um diese Zeit für ca. 3 Wochen unsere Freunde Gabi und Phil in der Garden Lodge. Aber halt! Diesmal müssen wir noch eine Woche vor Ort ARBEITEN! Für eine Woche werden wir Botswana verlassen und zwei Camps in Zimbabwe besuchen. Da ist zunächst einmal das runderneuerte Somalisa Camp im Hwange Nationalpark. Das kennen wir nur im „alten“ Zustand und ich muss sehen, ob die Elis den Pool immer noch als Tränke benutzen. Ausserdem verbringen wir drei Nächte im Kanga Camp (Mana Pools) in der Nähe des Zambezi Flusses. Diese Gegend gilt als sehr tierreich und vielleicht habe ich die Gelegenheit, Fotos von Elis zu machen, die auf den Hinterbeinen stehen, um an die Marulafrüchte im Baum zu gelangen. Als mir Beks (der Mitbesitzer) diese Bilder zeigte, hatte ich das gleiche Gefühl, wie damals vor dem ersten Besuch in Somalisa. DA MUSS ICH UNBEDINGT HIN !