AFRIKA - Der Aufstieg eines Kontinents

23 Antworten · 4'903 Aufrufe · gestartet 17. Aug. 2015 von Rajang
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Themenstarter1'115 Beiträge · seit 201017. Aug. 2015 · #1
Hinweis: Es handelt sich um eine Publikation einer schweizer Grossbank, die periodisch erscheint. Das aktuelle Thema diesmal ist AFRIKA - Der Aufstieg eines Kontinents.

Ich habe nicht viel übrig, für Grossbanken. Aber diese Publikation, die periodisch erscheint, und sich in jeder Ausgabe vollständig einem bestimmten Themabereich widmet, ist hochinteressant. Speziell in unserer Zeit von Twitter und Fratzenbuch, wo ja nur noch Themenfetzen hin und her fliegen.

Ich finde, jeder der nach Afrika geht, sollte diese Unterlagen lesen.

http://publications.credit-suisse.com/index.cfm/publikationen-shop/bulletin/?WT.i_short-url=/bulletin

Bulletin 3/15 - Afrika

Ich zitiere aus dem Editorial:
'Das Titelblatt, in Schwarz gehalten, zeigte die Umrisse des afrikanischen Kontinents. Darin sah man einen jungen Soldaten
im zerschlissenen, ärmellosen Hemd. Er hatte eine Panzerfaust geschultert. Darüber die Schlagzeile:
The hopeless continent.
Es ist erst 15 Jahre her, dass der «Economist», Taktgeber der globalen Opinion Leaders, keine Zukunft für Afrika mehr sah. Der Kontinent versinke in Konflikten und staatlicher Willkür, konstatierte das britische Magazin resigniert, und verliere so den Kampf gegen die Armut: «Die kommende Generation wird ärmer, weniger gebildet und noch hoffnungsloser sein.

Es war eine kolossale Fehleinschätzung.
Heute beeindruckt Afrika viel mehr durch robuste Wachstumsraten. In der ersten Dekade unseres Jahrhunderts lagen sieben der zehn am schnellsten wachsenden Länder südlich der Sahara. Ein Drittel der Bewohner Afrikas zählt inzwischen zur Mittelschicht. 650 Millionen Mobiltelefone sind in Afrika angemeldet – mehr als in Europa oder den USA. In Nigeria werden mehr Filme produziert als in den USA. Davon berichten die Medien in den Industriestaaten wenig.

Es hat darin einige Zusammenstellungen, die mich massiv Erstaunen. Zum Beispiel, dass Namibia (36% der Bevölkerung) unterernährter ist als Simbabwe!!!
Ueberhaupt Namibia: Bisher hatte ich dieses Land eher mit Südafrika verglichen - offensichtlich weit daneben.

(Ich denke dabei auch an die aktuell wieder aufflammende Diskussion wegen Air Nambia hier im Forum - unter diesem Gesichtspunkt eine Absurdität, die im Jahre 2015 seinesgleichen sucht)

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Ich war mir auch nicht bewusst, dass z.B. in Madagaskar 75% der Bevölkerung INTERNET Anschluss haben, versus 16 % in NAMIBIA.

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Weitere Ueberraschung: Botswana hat doppelt soviele Touristen, wie Namibia. Selbst 'Mugabeland' hat beinahe doppelt soviele Touristen wie Nambia ......

Und wenn ich das Handy-Zahlungssystem von Kenia - M-Pesa (ab Seite 50) lese, dann muss ich eigentlich lachen wenn ich an die aktuellen Diskussionen in Europa denke über Zahlungssysteme mit dem Handy - Afrika ist uns hier um Jahre voraus!!!!

Ich freue mich über diese positiven Nachrichten, die von unserer Presse eigentlich vergessen werden.

Ich wünsche Euch viel Vergnügen beim Lesen und ich bin überzeugt, dass viele mit Erstaunen einige Informationen erstmals so präsentiert sehen.

Gruss Rajang
1'737 Beiträge · seit 201017. Aug. 2015 · #2
Danke Rajang für den Tipp. Schon bestellt.

Schöne Woche
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
Gast17. Aug. 2015 · #3
Danke Rajang für den Lesetipp, hier noch einer zum Thema

Christian Hiller von Gaetringer
Afrika ist das neue Asien
Ein Kontinent im Aufschwung
Hoffmann und Campe
ISBN 978-3-455-50323-4

Es geht in diesem Buch aber mehr um den „mittelstandsgetragenen“ Aufschwung und damit zusammenhängende Investmentmöglichkeiten, in diesem Sinn wird das exzessive Bevölkerungswachstum auch als asset gesehen, na ja. Mir hat das Buch nicht so gut gefallen, aber informativ ist es sicher.

Bei vielen der in Medien herumgeisternden Statistiken, Ratings und Rankings ist m. E. auch immer Vorsicht angebracht. Die Rohdaten sind oft nicht vergleichbar oder von Haus aus unzuverlässig*), Journalisten und Sachbearbeiter in Europa durchschauen das nicht und schon hat man völlig überraschendende Ergebnisse und Rankings. Nur zwei Beispiel, die mir aus letzter Zeit in Erinnerung sind, aus sogenannten Qualitätsmedien:

Botswana ist laut „Rule of Law Index 2015” auf Platz 31, damit 1. In Afrika (gerade noch irgendwie realistisch) aber nur ein Platz hinter Italien und zwei Plätze vor Griechenland und dem Rest der Welt.

oder

Die DR Kongo ist Afrikas Vorzeigestaat bei erneuerbarer Energie, deren Anteil dort 96 % beträgt! so so!


*) betreffend z. B. „Zimbabwe mehr Touristen als Namibia“ bin ich schon gespannt auf die Meinung der Branchenexperten im Forum. Frage: Welcher Anteil von diesen Zahlen ist echter Tourismus?
Grüße
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2015
3'700 Beiträge · seit 200917. Aug. 2015 · #4
Hallo Rajang,

du hast Recht, viele positive Nachrichten erreichen uns in Europa nicht. Aus der Not heraus geboren entwickeln Afrikaner äußerst kreative Ideen, die mit den zur Verfügung stehen Mitteln und Ressourcen umgesetzt werden können.

Ich wage aber auch zu behaupten, dass sie meistens für die globale Wirtschaft nicht relevant sind. Mit einem MPESA-Bezahlsystem lockt man keine Online-Händler aus den Industriestaaten in afrikanische Länder. Und auch afrikanische Händler, die im großen Stil den eigenen Markt bedienen, sind mir nicht bekannt.

Und ja, es stimmt. Die Mittelschicht in afrikanischen Ländern wächst. Allerdings m. E. nicht so schnell, wie sie wachsen könnte. Einige asiatische und südamerikanische Staaten haben sich viel früher und erfolgreicher auf den Weg gemacht (Beispiel u.a. Vietnam). Nach wie vor verlassen viele hoch qualifizierte Afrikaner ihre Heimatländer und suchen ihr Glück im Ausland.
Es war eine kolossale Fehleinschätzung.
Heute beeindruckt Afrika viel mehr durch robuste Wachstumsraten. In der ersten Dekade unseres Jahrhunderts lagen sieben der zehn am schnellsten wachsenden Länder südlich der Sahara. Ein Drittel der Bewohner Afrikas zählt inzwischen zur Mittelschicht. 650 Millionen Mobiltelefone sind in Afrika angemeldet – mehr als in Europa oder den USA. In Nigeria werden mehr Filme produziert als in den USA. Davon berichten die Medien in den Industriestaaten wenig.
Wenn man durchschnittlich betrachtet ganz unten mit dem Wirtschaftswachstum ist, kann es m. E. nur nach oben gehen. Die boomende Filmindustrie in Nigeria hat neben der Ölproduktion eines von 54 afrikanischen Staaten auf Platz 1 der Volkswirtschaften in Afrika katapultiert. Aber schau dir viele andere Staaten an.
Viele der von dir angesprochenen Handys werden nicht in Afrika produziert, sondern als Wohlstandsmüll aus den Industriestaaten nach Afrika verschoben. Nach wie vor kann der afrikanische Kontinent seine Bevölkerung nicht selbst ernähren.

Leider macht das rasante Bevölkerungswachstum, bedingt durch schlechtes Bildungswesen, mangelnde Gesundheitsvorsorge (siehe u.a. Zahlen zur Säuglingssterblichkeit), Korruption, schlechte Infrastruktur, ungesicherte Energieversorgung und damit fehlendes produzierendes Gewerbe viele gute Ansätze wieder zunichte. Rohstoffe werden selten im eigenen Land verarbeitet, sondern unverarbeitet exportiert.

Bedenklich stimmt mich auch der zunehmende Terrorismus (und damit einhergehend die Drangsalierung der Bevölkerung und das Desinteresse bei dieser unsicheren Lage Investitionen zu tätigen), der sich ausgehend von Nordafrika immer weiter in den Süden verlagert.
Es hat darin einige Zusammenstellungen, die mich massiv Erstaunen. Zum Beispiel, dass Namibia (36% der Bevölkerung) unterernährter ist als Simbabwe!!!
Sind darin auch die über 4 Millionen simbabwischen Flüchtlinge erfasst, die ihrem Land aufgrund der schlechten Ernährungssituation den Rücken gekehrt haben? Die bereichern unter Umständen nun die Statistik in Südafrika und Namibia.
Ich war mir auch nicht bewusst, dass z.B. in Madagaskar 75% der Bevölkerung INTERNET Anschluss haben, versus 16 % in NAMIBIA.
Was nichts daran ändert, dass ein Großteil der madagassischen Bevölkerung Analphabeten sind.

Madagaskars Telekommunikationsnetz ist rückständig. Pro 100 Einwohner existieren 1,09 Festnetztelefonanschlüsse und 0,85 Breitband-Internetzugänge. Fortschritte in der Mobilfunktechnologie haben dazu geführt, dass es 2012 39,38 Mobiltelefonanschlüsse pro 100 Einwohner gab.
Durchschnittlich besitzt etwa jeder 25. Madagasse einen Fernseher, während ungefähr 12 Radios pro 100 Einwohner in Gebrauch sind.
Die Wirtschaft Madagaskars trägt typische Züge eines Entwicklungslandes. Laut dem Internationalen Währungsfonds betrug das Bruttoinlandsprodukt unter Berücksichtigung der Kaufkraftparität 2012 21,26 Milliarden US-Dollar, das entspricht 949 US-Dollar pro Einwohner. Madagaskar zählt damit nach wie vor zu den ärmsten Ländern der Welt: Noch 2003 belief sich der Anteil der Bevölkerung mit weniger als 1 US-Dollar pro Tag auf 49 %. Der Gini-Koeffizient lag 2004 bei 0,48, was eine relativ hohe Einkommensungleichverteilung reflektiert.
Quelle: Wikipedia
Weitere Ueberraschung: Botswana hat doppelt soviele Touristen, wie Namibia. Selbst 'Mugabeland' hat beinahe doppelt soviele Touristen wie Nambia ......
Hmmh, wo übernachten all diese Touristen? In diesem Zahlen sind doch wohl nicht die ganzen chinesischen Strafgefangenen enthalten, die in Simbabwe die Infrastruktur aufbauen. In Namibia, welches m. E. eine ungleich höhere Hotelkapazität aufweist wie Simbabwe, muss man mitunter lange im Voraus buchen, um ein Bett in seiner Wunschunterkunft zu erhalten. Den Eindruck hatten wir auf unseren beiden Simbabwebesuchen in 2011 und 2013 nicht. Allerdings haben wir auch nur einen kleinen Teil der touristischen Gebiete besucht. Entsprechende Reiseberichte von Fomis bestätigen mich aber in meiner Meinung. Möglicherweise boomt ja der Tourismus in Harare…

Es handelt sich um eine Publikation einer schweizer Grossbank
Welche Interessen verfolgt eine Bank mit dieser Publikation?

Vermutlich bin ich einfach zu ungeduldig mit Afrika.

Herzlichen Dank und skeptische Grüße
Marina

P.S.: Über viele der gelungenen, kreativen Geschäftsideen wird regelmäßig in Deutsch auf africalive.de, afrika.info und bei der Deutschen Welle berichtet.
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2015
831 Beiträge · seit 200917. Aug. 2015 · #5
Heute steht in der Süddeutschen, dass das Bildungsministerium in Südafrika erwägt, in den Schulen ab der vierten Klasse Mandarin (Chinesisch) einzuführen, neben Sprachen wie Deutsch, Latein, Tamilisch und Urdu, gegen die niemand etwas einzuwenden hat, wie der Generalsekretär der dortigen Lehrergewerkschaft, Mr. Mugwena Malukele, berichtet. Seiner Meinung nach die "schlimmste Form des Imperialismus in Afrika".

Gruß Marga
Gast17. Aug. 2015 · #6
Ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich bei den „Touristenankünften“ laut Credit Suisse einfach um Ankunftszahlen handelt und nicht um das, was wir hier unter Tourismus verstehen. Ich bin aber echt zu faul das jetzt für mehrere Länder durchzuackern, dafür nur ein Beispiel aus BW, Tourism Report 2013, http://www.cso.gov.bw/images/tourism_report.pdf
Arrivals by nationality
Aus Afrika: 2.144.904
Aus Europa 184.717
Aus Amerika 175.668
Aus Asien 46.860
Rest 35.656
Davon waren 18,3 % “for holiday”.
Und wer wundert sich da noch darüber, dass Banken Finanzkrisen verursachen können ….andererseits, wenn man Busse verkaufen möchte, hat das schon auch seinen Wert, man muss nur wissen was man sucht und kriegt….Grüße
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2015
1'737 Beiträge · seit 201017. Aug. 2015 · #7
Ich sehe es durchweg gut, wenn es Veröffentlichung von positiven Erfolgen in Afrika gibt. Auch gehe ich davon aus, dass die Daten gut recherchiert sind. Da gibt es für mich keinen Grund, es negativ zu reden.
Ich wage aber auch zu behaupten, dass sie meistens für die globale Wirtschaft nicht relevant sind. Mit einem MPESA-Bezahlsystem lockt man keine Online-Händler aus den Industriestaaten in afrikanische Länder. Und auch afrikanische Händler, die im großen Stil den eigenen Markt bedienen, sind mir nicht bekannt.
Der Service MPESA, es gibt ihn auch flächendeckend in Tanzania, wird von der Bevölkerung durchweg positiv bewertet. Es dient dem Geldtransfer innerhalb des Landes. Als Beispiel: Ein Soldat bekommt seinen Sold bar, ist aber fernab der Familie stationiert. Er zahlt Geld in einem kleinen Shop ein und seine Frau kann es im Heimatdorf im Shop in Empfang nehmen und das Schulgeld und Essen bezahlen. Es dient auch als Bankkonto, wo man übriges Geld als Guthaben deponieren kann, wie bei einer Bank. Ein riesengrosser Fortschritt für die Bevölkerung - speziell auf dem Land. Niemand muss mehr mit grösseren Summen Bargeld unterwegs sein, auch die Guides schätzen es sehr.

Internethandel, den gab es vor einigen Jahren auch noch nicht bei uns und wir haben überlebt. Festnetzanschluss, unseren ersten hatten wir 1992, war halt so in der DDR und dann musste erst einmal die Infrastruktur her. Ich habe im Moment in Oberwil (Schweiz) 10.9 Mbit/s download und 1.2 Mbit/s upload Geschwindigkeit im Internet, da müssen noch viele Kilometer Glasfaser in der Schweiz und ganz Europa verlegt werden.

Wenn unsere hochentwickelten Wirtschaften aufhören Afrika nur als Rohstoff Lieferanten und Absatzmarkt zu sehen, dann wird die Entwicklung in Afrika rasant weiter gegen. Davon bin ich überzeugt.
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
Themenstarter1'115 Beiträge · seit 201017. Aug. 2015 · #8
Hallo Botswanadreams,

Sehe ich genau so. MPESA ermöglicht es ja eben der Bevölkerung Geld weiterzureichen und zu 'halten', OHNE dass die Banken eingebunden sind. Die wenigsten Leute in Afrika haben ein Bankaccount. UND: Diese Lösung wurde primär durch Afrikaner, für Afrikaner entwickelt - und nicht im Westen eingekauft. Das ist der wichtige Schritt. Afrikaner entwickeln Lösungen für Afrikaner.

Sambia (Quelle Newsweek) wird 2015 ein Exportland für z.B. Mais sein - dieser geht dann nach Zimbabwe. Ironie: Es sind Farmer aus Zimbabwe die dieses Wunder in Sambia zu Stande gebracht haben. Oder anders gesagt: Wenns die meisten Politiker in Afrika nicht geben würde, hätte der Kontinent wahrscheinlich schon heute kaum mehr ein Problem sich selber zu ernähren.

Festnetzanschluss in der Dichte wie wir es von Europa her kennen, wird es nie geben in Afrika - die haben das Handy, teilweise bereits flächendeckend. Internet wird sich somit auch über Mobile abwickeln.

Wenn jemand vor 20 Jahren Indien als wirtschaftliche Grossmacht erwähnt hat, dann wurde er ausgelacht. 1976 musste ich einen schriftlichen Antrag stellen für ein Telefon von Bombay nach New Delhi, 24 Std vorher! Heute hat es in kleinen Dörfern Frauen, die Handy auf Kredit kaufen und dieses an Dorfbewohner vermieten - unter anderem an den Landwirt, der so den aktuellen Preis z.B. für seine Baumwolle rausfindet und nicht mehr auf den lokalen Grossisten angwiesen ist, der ihn über die letzten 100 Jahre betrogen hat.
Die wirtschaftliche Explosion in Indien hat nicht dank dem Westen stattgefunden, und schon gar nicht wegen unseren NGO's! Es waren vorallem die ExPats, die das Potential der IT entdeckten als sich die verkrusteten Staatsstrukturen aus dem Sozialismus zu lösen bekannen.

Ich sehe die gleiche Entwicklung in Afrika - das grösste Hindernis heute für Afrika sind die Politiker und ihre Clans.

Gruss Rajang
Themenstarter1'115 Beiträge · seit 201017. Aug. 2015 · #9
Hier noch einen Link auf ein Interview, das der scheidende Schweizer Botschafter in Kenia dem kenianischen TV gegeben hat.
Unverblümt sagt der Diplomat (eben mal nicht diplomatisch), wo das Problem in Kenia liegt.

Und das gleiche Problem gibt es eben auch in den meisten anderen afrikanischen Ländern - es sind die Politiker und ihre Clan's - das ICH, ICH, ICH.

http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Schweizer-Botschafter-spricht-Klartext/story/27303125

Gruss Rajang
3'700 Beiträge · seit 200917. Aug. 2015 · #10
Hallo,

um das hier noch einmal klar und deutlich zu kommunizieren: Auch ich finde es erwähnenswert und wunderbar, das Afrikaner für sich geeignete Lösungen selbst entwickeln! Und ich lese auch immer regelmäßig, wenn über solche Innovationen berichtet wird.

Leser schrieb:
Und wer wundert sich da noch darüber, dass Banken Finanzkrisen verursachen können ….andererseits, wenn man Busse verkaufen möchte, hat das schon auch seinen Wert, man muss nur wissen was man sucht und kriegt….

Jeder bekommt das, was er verdient! Die CS ist ja nicht die erste Bank, die derartige Publikation herausgibt. Ich sehe diese Zahlenwerke halt kritisch und glaube sie nicht einfach unbesehen und ungeprüft! Offensichtlich stimmen die Rahmenbedingungen für die Investoren jedoch nicht, denn sonst hätten wir ja einen wahnsinnigen Investitionsboom in Afrika.

Christa schrieb:
Der Service MPESA, es gibt ihn auch flächendeckend in Tanzania, wird von der Bevölkerung durchweg positiv bewertet. Es dient dem Geldtransfer innerhalb des Landes.
Ich weiß recht gut über dieses System Bescheid, Christa. Und natürlich ist es eine Erleichterung für die Bevölkerung. Ich habe nichts anderes behauptet. Für die Bevölkerung könnte in meinen Augen einfach noch viel mehr geleistet werden (wenn es wirklich gewollt ist)!!!

Aus Unternehmenssicht kann jedoch die Abteilung Mahnwesen nicht über mehr Beschäftigte verfügen, wie die übrigen Unternehmensbereiche! Die Firmen möchten ihre Umsätze sicher auf einem Firmenkonto eingehen sehen. Ich würde mich allerdings sehr freuen, wenn das MPESA-System dahin gehend weiterentwickelt wird. Aktuell ist das einfach nicht der Fall. Frage die Bevölkerung doch einmal was sie lieber hätte: ein MPESA-Bezahlsystem oder einen Job mit festem Einkommen und monatlicher/wöchentlicher Überweisung auf ein Bankkonto? Mit letzterem würde ggfs auch die Kreditwürdigkeit steigen.

Im Grunde genommen ist die Vertrauenswürdigkeit dieses Bank-Papiers doch recht einfach zu überprüfen. Stellt euch vor, ihr wäret von Tante Louise mit 10 Millionen € im Testament bedacht worden. Zur Auflage hat sie gemacht, dass mit diesem Geld ein Unternehmen gegründet werden muss und mindestens 50 Arbeitsplätze geschaffen werden müssen. Würdet ihr das Geld in Afrika investieren? Ich kenne genau zwei afrikanische Staaten, wo ich mich engagieren würde. Allerdings würde ich in einem dieser Staaten lediglich in Land (Schaffung von Lebensraum für Wildtiere) investieren (deshalb gäbe es kein Geld von Tante Louise), im zweiten Staat in den Gesundheits- oder Bildungssektor. Wobei ich bei beiden letzteren keine Gewinnerzielungsabsicht hätte/sehe und die 10 Millionen bald aufgebraucht sind, wenn nicht das jeweilige Bildungsministerium oder die Kommune irgendwann die laufenden Kosten für Gehälter, Gebäudeunterhalt und Ausstattung übernimmt.

Christa schrieb:
Wenn unsere hochentwickelten Wirtschaften aufhören Afrika nur als Rohstoff Lieferanten und Absatzmarkt zu sehen, dann wird die Entwicklung in Afrika rasant weiter gegen. Davon bin ich überzeugt.
Nur mal so als Denkanstoß: Umkehrt kann aber auch ein Schuh daraus werden: Wenn afrikanische Staaten endlich aufhören ihre Rohstoffe billig zu verhökern, zukunftsorientiert zu denken beginnen und darauf bestehen, dass Rohstoffe im Land verarbeitet werden… Wenn afrikanische Staaten ihre Fischfangquoten nicht an Fischereiflotten der Industrienationen verscherbeln würden…, wenn Einfuhrverbote für Wohlstandsmüll und Reste der Lebensmittelindustrie durchgesetzt und überwacht würden… Wenn Kinderarbeit verboten würde… Wenn die Rechte der Frau gestärkt würden... All diese Dinge können afrikanische Staaten durchsetzen. Doch der schnelle Profit ist verlockend! Dies schließt m. E. auch einen Großteil der Entwicklungshilfe mit ein.

In Ostafrika frage ich mich immer wieder, warum gibt es in Afrika z.B. keine gewinnbringende Fahrradproduktion? In einem Kontinent, der doch einen riesigen Absatzmarkt darstellt. Stattdessen werden Fahrräder aus Indien und China importiert, bzw. der Markt mit ausgedienten Rädern aus Europa bedient. Das selbige gilt für Motorräder, Fahrzeuge, Maschinen etc. Die Liste ließe sich endlos verlängern.

Warum sind Bücher in Afrika so teuer? Können die nicht dort in großem Stil gedruckt werden? Asien und Lateinamerika produzieren ihre Literatur, die enorm wichtig ist um ein gewisses Bildungsniveau zu erreichen, doch auch nicht massenhaft in Europa oder Nordamerika.

Wie sieht es aus mit der Einführung von Steuersystemen aus, mittels derer sich Staaten und ihre vielfältigen Aufgaben nachhaltig finanzieren können? Beamte und Bürokraten gibt es jedenfalls genug!

Gibt sich die afrikanische politische Elite damit zufrieden, sich selbst die Taschen zu füllen und die Machterhaltung des eigenen Clans zu sichern? Reicht es, gerade nur so viel für die Bevölkerung zu tun, damit diese nicht auf die Barrikaden geht und das Regime demontiert? Ist die Denke oder Kultur so anders wie in Zentral-/Südamerika oder Asien? Ist es einfach bequemer, hat man sich eingerichtet, oder ist es von den Industriestaaten sogar gewollt, andererseits aber gepaart mit der Angst Millionen von Wohlstandsflüchtigen vor der eigenen Haustür zu haben?

Fragen über Fragen, die ich für mich nicht eindeutig und abschließend beantworten kann.

Mit herzlichen Grüßen
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
3'700 Beiträge · seit 200917. Aug. 2015 · #11
Hallo Rajang,

du schreibst:
Wenn jemand vor 20 Jahren Indien als wirtschaftliche Grossmacht erwähnt hat, dann wurde er ausgelacht. 1976 musste ich einen schriftlichen Antrag stellen für ein Telefon von Bombay nach New Delhi, 24 Std vorher! Heute hat es in kleinen Dörfern Frauen, die Handy auf Kredit kaufen und dieses an Dorfbewohner vermieten - unter anderem an den Landwirt, der so den aktuellen Preis z.B. für seine Baumwolle rausfindet und nicht mehr auf den lokalen Grossisten angwiesen ist, der ihn über die letzten 100 Jahre betrogen hat.
Die wirtschaftliche Explosion in Indien hat nicht dank dem Westen stattgefunden, und schon gar nicht wegen unseren NGO's! Es waren vorallem die ExPats, die das Potential der IT entdeckten als sich die verkrusteten Staatsstrukturen aus dem Sozialismus zu lösen bekannen.
Nur leider lassen sich eben aktuell die meisten afrikanischen Staaten eben nicht mit den asiatischen Tigerstaaten vergleichen. Ich würde mir sehr wünschen, wenn ich in naher Zukunft eines besseren belehrt würde.
Ich sehe die gleiche Entwicklung in Afrika
Ich nicht! Noch nicht!
- das grösste Hindernis heute für Afrika sind die Politiker und ihre Clans.
Da stimme ich dir absolut zu!

Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2015
1'580 Beiträge · seit 201417. Aug. 2015 · #12
Hallos

Safaricom war der Initiator von MPESA, nun sind andere gefolgt. Das System ist super, denn viele Leute haben keine Bank in der Naehe, aber einen MPESA Shop. So viel ich weiss, klappt es auch von UK nach Kenia und dort leben viele Kenianer.

Safaricom unterstuetzt mit ihrem Gewinn Wasserprojekte, stellt Sender fuer Wildtiere zur Verfuegung und ist Hauptsponsor des Lewa Marathons.

Du triffst den Nagel auf den Kopf Marina - warum billige Rohstoffe unbearbeitet ausfuehren, wenn man Arbeitsplaetze und mehr Devisen fuer das bearbeitete Produkt erhalten koennte. Darueber wird hier auch im Fernseher gelegentlich mal Aufmerksam gemacht.

Und nun staunt mal - eine neue Reportage am Fernseher zeigt, wie Deutschland aus Muell Energie produziert. Wer weiss, vielleicht bekommen wir auch bald eine Kehrichtverbrennungsanlage - nur dann hoffentlich auch mit Reinigungsfilter. Abfallberge hat es ja bei weitem zur genuege, da alles uebermaessig verpackt ist und dann noch in noch mehr Plastik gesteckt wird.

Es kommt Wohlstand, es wird eine Verbrauchergeneration generiert und dabei ja, wie erwaent, ICH, ICH, ICH.... Viele Staaten konnten sich nur entwickeln, weil viele am gleichen Strang in die gleiche Richtung zogen. Aber solange die Eifersucht und die Korruption so gut genaehrt sind, wird es nicht einfach.

Viele Entwicklungen kommen, doch viele bleiben auf der Strecke, da sie nicht mitziehen wollen oder nicht koennen.

Kenia hatte eine grosse Zuckerfabrik im Westen. Sie wurde Zugrunde gewirtschaftet und viele Farmer haben nun kein Einkommen mehr. Nun wird diskutiert Zucker aus Uganda einzufuehren, im Namen der freien Ostafrikanischen Handelszone. Der kenianische Zucker ist teurer.

Wenn nun solche Fabriken oder die Kaffeekonsortien sauber funktionieren wuerden, waere schon ein Grossteil der Armut weg.

Liebe Gruesse
Elvira
Safaris in Ostafrika Bush Trucker Tours www.bushtrucker.ch Elvira Wolfer Zubucher- und individuelle Safaris
3'700 Beiträge · seit 200917. Aug. 2015 · #13
Hi Elvira,

du hast Recht. Bei vielen Projekten sehe ich einfach nicht den absoluten Willen sie nachhaltig erfolgreich zu entwickeln!

Man könnte u.a. viel erreichen (wenn die Industriestaaten es wirklich und tatsächlich wollen), wenn man die unkontrollierte und wenig nachhaltige Entwicklungshilfe stoppt und in gute Bildungseinrichtungen investiert. Ich bin sogar der Meinung, dass unsere Großkonzerne Menschen aus Entwicklungsländern für eine Übergangszeit zur Ausbildung nach Europa holen sollten. Die nehmen dann so viele Ideen und Anregungen mit nach Hause und unsere Europäischen Unternehmer hätten gutes Personal vor Ort, mit dem sie zukünftig ihr Business in Afrika aufbauen könnten.

Aber die Europäer haben ja eine Höllenangst, dass die Afrikaner hier alle geheiratet werden und als Wohlstandsflüchtlinge im Land bleiben. Dabei haben wir hier einen akuten Fachkräftemangel. Selbst wenn einige von ihnen hier bleiben, so finden sie nach guter Ausbildung doch direkt einen Arbeitsplatz.

Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
zuletzt bearbeitet 18. Aug. 2015
1'737 Beiträge · seit 201017. Aug. 2015 · #14
Hallo Marina

Du hast in Deinem vorletzten Beitrag viele Fragen aufgeworfen - warum?

Gehe ich armer Schlucker hier zur Bank und möchte eine Million für meine Gute Idee als Starthilfe, lacht man mich aus. Tut der arme Schlucker es in Afrika, wird es wohl genauso sein. Wo soll das Geld für die Investition in produzierendes Gewerbe im grossen Stil her kommen?

Wir und damit meine ich nicht uns - sondern China, Europa, USA sind an Absatzmärkten interessiert, solange wir ausreichend Kapazitäten haben. Warum soll China eine Fahrradfabrik in Afrika bauen, wenn der Export hungrige Mäuler in China stopft. So könnte man es wohl endlos fortsetzen. Im kleinen Rahmen ist ja das gleiche beim Zusammenbruch der DDR passiert. Der Westen hat 17.000 Millionen Kunden über Nacht bekommen.

Für mich würde heute Entwicklungshilfe noch einen Schritt weiter gehen, als die Ausbildung von Fachkräften bei uns. Investitionszulagen und Bürgschaften für Grossinvestitionen unserer Unternehmen in Afrika unter strengen Auflagen statt Budgethilfe in ein Fass ohne Boden.

LG
Christa

LG
Christa
www.botswanadreams.de "Alles, was ich jetzt wollte, war nach Afrika zurückzukommen. Ich hatte es noch nicht einmal verlassen, aber wenn ich nachts aufwachte, lag ich lauschend da, bereits voller Heimweh danach." Ernest Hemingway
3'700 Beiträge · seit 200918. Aug. 2015 · #15
Hallo Christa,

du schreibst:
Du hast in Deinem vorletzten Beitrag viele Fragen aufgeworfen - warum?
Weil ich der Meinung bin, dass es für die Lösung all dieser unbestrittenen Probleme keine Industriestaaten benötigt! Nicht endlos debattieren, kassieren, weggucken, sondern rasches Handeln ist angesagt. Denn sonst werden die so wunderbar kreativen afrikanischen Ideen ganz schnell wieder von den Industrienationen ausgehebelt.
Gehe ich armer Schlucker hier zur Bank und möchte eine Million für meine Gute Idee als Starthilfe, lacht man mich aus. Tut der arme Schlucker es in Afrika, wird es wohl genauso sein. Wo soll das Geld für die Investition in produzierendes Gewerbe im grossen Stil her kommen?
Warum muss es denn gleich eine Millionen sein? Natürlich wird dein Gehaltszettel diese Kreditwürdigkeit nicht untermauern (meiner auch nicht). Aber vielleicht reicht ja auch ein Kredit von 1.000 € um ein in Afrika produziertes Konsumgut anzuschaffen, oder damit in Maschinen für eine Tischlerei zu investieren, die wiederum mehreren Familien ein regelmäßiges Einkommen verschafft.
Wir und damit meine ich nicht uns - sondern China, Europa, USA sind an Absatzmärkten interessiert,
Auch Afrika ist/sollte an Absatzmärkten für selbst produzierte Güter interessiert sein.
Warum soll China eine Fahrradfabrik in Afrika bauen.
Wer hat denn gesagt, dass China eine Fahrradfabrik bauen soll? Es gibt genug zahlungskräftige Investoren in Afrika, die im Heimatkontinent investieren könnten! Warum tun sie es nicht so, wie sie es könnten?
Investitionszulagen und Bürgschaften für Grossinvestitionen unserer Unternehmen in Afrika unter strengen Auflagen statt Budgethilfe in ein Fass ohne Boden.
Welcher außerafrikanische Staat soll denn bitte schön mit welchem Finanzvolumen die Auflagen überprüfen? Frage mal den europäischen Steuerzahler, ob er bereit ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen seine Steuergelder für Bürgschaften der Großindustrie zur Verfügung zu stellen. Die Überprüfung der strengen Auflagen etc. klappt ja nicht einmal in Griechenland und nicht einmal wenn es um Regularien für afrikanische Nationalparks geht. Jeder Staat ist m. E. selbst dafür verantwortlich, ein Klima/Rahmenbedingungen zu schaffen, in welchem man gerne investiert.

Ich zitiere aus folgendem Artikel vom 17.06.2015 (obwohl ich mich schon vor Jahren gefragt habe, warum es in Afrika keine Solarfabriken gibt)
Afrika: Wachstum mit Hilfe erneuerbarer Energien - Staaten sollen Stromversorgung revolutionieren
In seinem neuen Report 'Power, People, Planet: Seizing Africa’s Energy and Climate Opportunities' fordert das 'Africa Progress Panel' des ehemaligen UN-Generalsekretärs Kofi Annan die afrikanischen Regierungen auf, die regionale Stromgewinnung zu verzehnfachen, um allen Afrikanern bis zum Jahr 2030 den Zugang zu Elektrizität zu ermöglichen.

Eine solche Entwicklung würde Afrika helfen, Armut und Ungleichheit zu besiegen, das eigene Wirtschaftswachstum zu steigern und die Führung in der internationalen Klimadebatte zu übernehmen, um die Klimaverhandlungen zum Erfolg zu führen.

Das 'Africa Progress Panel' drängt afrikanische Regierungen, Investoren und internationale Finanzorganisationen ferner zu umfangreichen Investitionen in den Energiesektor, damit sich Afrika zu einer "Niedrig-CO2-Supermacht" entwickeln könne.

"Wir weisen den Gedanken, dass Afrika nur zwischen Wirtschaftswachstum oder einer Entwicklung wählen kann, die auf niedrigen CO2-Emissionen beruht, kategorisch zurück", erklärte Annan bei der Vorstellung der Untersuchung. "Afrika muss alle seine Energiequellen kurzfristig ausschöpfen und parallel dazu die Fundamente für eine wettbewerbsfähige Niedrig-CO2-Energie-Infrastruktur legen."

Subsahara-Afrika verbraucht weniger Strom als Spanien

Mehr als 62 Millionen Menschen in Subsahara-Afrika haben derzeit keinen Zugang zu Strom – eine Zahl, die aller Voraussicht nach steigen wird. Zusammengenommen verbrauchen die Länder südlich der Sahara, Südafrika ausgeschlossen, weniger Strom als Spanien. Und um an den monatlichen Stromverbrauch eines US-Amerikaners heranzukommen, würde ein durchschnittlicher Bürger in Tansania acht Jahre brauchen.

Den Schätzungen zufolge schmälern die Stromengpässe in Afrika das regionale Wachstum um zwei bis vier Prozent pro Jahr. Sie bremsen zudem die regionalen Bemühungen aus, Arbeitsplätze zu schaffen und die Armut zu bekämpfen.

Trotz eines Jahrzehnts wirtschaftlichen Wachstums klafft das Stromproduktionsgefälle zwischen Afrika und anderen Weltregionen immer weiter auseinander. Obwohl Nigeria zum Beispiel einer der größten Erdölexportstaaten ist, decken 95 Millionen Nigerianer ihren Energiebedarf nach wie vor mit Holz, Holzkohle und Stroh.

Der Report weist ferner darauf hin, dass afrikanische Haushalte, die pro Einheit mit weniger als 2,5 Dollar am Tag auskommen müssen, jedes Jahr zusammengenommen zehn Milliarden Dollar in Energieträger wie Holzkohle und Kerosin sowie in Leuchtmittel wie Kerzen und Taschenlampen investieren.

Afrikas ärmste Haushalte müssen bis zu jeweils zehn Dollar pro Kilowattstunde für Beleuchtungszwecke zahlen – das entspricht dem 20-Fachen des Betrags, den Afrikas reichste Haushalte berappen. Im Vergleich dazu liegen die nationalen Durchschnittskosten für Elektrizität in den USA bei nur 0,12 Dollar pro Kilowattstunde und in Großbritannien bei 0,15 Dollar.

Der Bericht drängt die afrikanischen Entscheidungsträger zu einer Energierevolution, um die stromlosen Afrikaner mit Strom zu versorgen, damit die Nachfrage der Verbraucher, Privatwirtschaft und Investoren nach bezahlbarer und zuverlässig verfügbarer Energie gedeckt werden kann.

Konkret sollen die afrikanischen Regierungen die regionalen Erdgaslager sowohl für die Versorgung des Binnenmarktes als auch für den Export verwenden und gleichzeitig das weitgehend ungenutzte Potenzial der erneuerbaren Energien entwickeln. Darüber hinaus müsse die Korruption bekämpft werden. Ferner gelte es den Energieverwaltungsapparat transparenter zu gestalten und die öffentlichen Ausgaben für den Ausbau der Energieinfrastruktur zu erhöhen.

Ebenso sollen die 21 Milliarden Dollar, mit denen verlusteschreibende Versorgungsbetriebe und Stromverbraucher subventioniert werden, in den Ausbau der erneuerbaren Energien und in Energieversorgungsprogramme für die Armen umgeleitet werden.
Quelle: afrika.info

Viele asiatische Staaten haben zumindest bewiesen, dass ihnen die Pole-Pole-Mentalität fremd ist. Diesen Beweis sind viele afrikanische Länder m. E. noch schuldig.

Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
zuletzt bearbeitet 18. Aug. 2015
6'369 Beiträge · seit 201118. Aug. 2015 · #16
Hoi zämä

Meiner Meinung nach ist 'Afrika' zu komplex um ein Entwicklungs-Rezept für 'Afrika' zu finden...da muss jedes Land, wenn nicht sogar jede Region für sich betrachtet werden.
Was hier richtig ist kann da schon falsch sein...daran kranken ja auch so einige Hilfsprojekte!
Butterblume schrieb:...obwohl ich mich schon vor Jahren gefragt habe, warum es in Afrika keine Solarfabriken gibt...
Zumindest zu der Frage kann ich was beitragen, da ich ja beruflich in dem Bereich tätig bin.
Thermisch Solar benötigt man in Afrika nur zu einem sehr geringen Teil, der jedoch mit zunehmendem Wohlstand wachsen wird, nämlich für Warmwasser.
Aber die starke Sonneneinstrahlung bedingt dass man Systeme macht die mit Übertemperatur umgehen können.
Das grösste Problem von Thermischsolar ist nämlich nicht die Sonnenenergie einzufangen sondern zu viel Sonnenenergie einzufangen...da kann eine falsch gemachte Anlage schon mal zur Bombe werden!
Und das mein ich durchaus so wie ich es geschrieben habe, da können Speicher in die Luft gehen!
Ich kenn da Beispiele wo mehrere hundert Kilo schwere Bestandteile der Anlagen durch Betonwände und mehrere Meter Erdreich geschossen sind...

Solare Erzeugung elektrischen Stromes ist eher das Thema, und da liegt das Problem bei der Speicherung!
Denn wenn die Sonne weg ist wird so auch kein Strom mehr produziert.
Natürlich gibt es Methoden zur Speicherung, selbst bei der direkten Stromspeicherung mittels Akku's der diversen Technologien (vor allen die LiFePo- und die LiFeYPo-Technik sind da interessant).
Wer dazu mehr wissen will kann sich hier (klick mich) etwas über deren Problematiken informieren (in dem Beispiel dreht es sich um Wohnmobile, ist aber relativ gut verständlich geschrieben und erklärt).
Stauseepumpwerke wären eine meiner Meinung nach nur theoretische weitere Möglichkeit der Energiespeicherung für die Nacht und die Schlechtwetterperioden (Wasserdiebstahl, Wasserknappheit, Verschlammung usw), Druckluftspeicher wären eher was, wobei da wieder die Sicherung vor (auch ungewollter) Sabotage problematisch wäre...kann auch zur 'Bombe' werden...
Du siehst, alles nicht so einfach...
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
Gast18. Aug. 2015 · #17
Wow, echt spannend…also gebe ich auch nochmals meinen Senf drein, auch wenn das Meiste schon gesagt wurde.
Die Mobiltelefonie und verwandte Dienstleistungen sind DAS (und durchaus berechtigt) vielzitiere Paradebeispiel für „autonomen“ afrikanischen Unternehmergeist und –erfolg. Aber erstens blieb/bleibt es nicht lange so, auch das berechtigt und begründet. Mo Ibrahim hat auch verkauft und genießt die Rente und zahlt Pohamba etc. eine millionenschwere Leibrente (was macht der eigentlich mit so viel Geld?). Aber zweitens ist das alles peanuts gemessen an den Erfordernissen einer Volkswirtschaft bzw. deren Entwicklung, denn DIE Schwäche vieler afrikanischer Volkswirtschaften ist, dass zu wenige bis keine von den Gütern des täglichen Gebrauches selber erzeugt werden.

Diese Strukturschwäche bzw. Schwierigkeit, die Importe zu finanzieren, führt nahtlos zur sogenannten „Ausbeutung der Rohstoffe“, weil es keine Alternative gibt, aber auch da gibt es unzählige Schwierigkeiten, die auch bei gutem Willen (wenn überhaupt vorhanden) oft kaum zu meistern sind. Die Rohstoffmärkte fahren z. B. oft Achterbahn, um vor allem mit mineralischen Rohstoffen Geld zu verdienen braucht man einen langen Atem, viel Kapital und hohes technisches Knowhow, und da sind die meisten „Entwicklungsländer“ Lichtjahre davon entfernt. Also brauchen sie (Monopolisten ausgenommen) ausländische Investitionen, Beteiligungen etc.*). Das würde ich persönlich a priori nicht so verteufeln, wie oft üblich, denn: was wäre die Alternative, außer Tourismus? Und für diese Investitionen gibt es m.E in Afrika drei große Hindernisse, nämlich der Mangel an
Infrastruktur,
Energie, insbesondere elektrischer,
Rechtssicherheit,
Deren Behebung geht m. E. nur schleppend, mit chinesischer Hilfe aber immer schneller (man muss nur die Investionsvolumina aus China und dem Rest der Welt vergleichen) und das mit der Rechtssicherheit lösen die Chinesen auf ihre Weise. Aber für „westliche“ Unternehmen schaut das eben anders aus, Stichwort z. B. Rio Tinto, Mozambique, Tete Steinkohletransport über den Zambezi.

Und last but not least, Rohstoffe zu verkaufen bringt für das Geberland, je nach Vertragsgestaltung (royalties etc..) ja auch nicht wirklich so viel Geld. Echten volkswirtschaftlichen Nutzen und Aufschwung gibt es nur bei Veredelung der Rohstoffe aber vor allem muss möglichst viel der ganzen Wertschöpfungskette im Land etabliert werden und bleiben. Das geht von den Maschinen und Baggern bis zum Dynamit, vom Eisenbahnradreifen bis zum Baggerzahn und Raupenglied. Dafür braucht man sehr viele technische Expertise und da sind die meisten afrikanischen Staaten ebenfalls Lichtjahre davon entfernt. Das einzige dazu fähige Land im Süden war/ist Südafrika, aber auch SA kommt dabei immer mehr ins Hintertreffen (Mangel an Energie, Technikern etc,). Der ANC hat das vor ein paar Jahren durchaus richtig erkannt und als

„Maximising the Developmental Impact of the People’s Mineral Assets: STATE INTERVENTION IN THE MINERALS SECTOR (SIMS), http://anc.org.za/docs/discus/2012/sims.pdf

niedergeschrieben. Seither hat man nichts mehr davon gehört, Zuma ist mit Nkandla beschäftigt….

Und dass es in Afrika Aufschwung geben wird, glaube ich unbedingt. Man wird sehen, wer davon profitieren wird.

Grüße
*)Auch in der Landwirtschaft, ich persönlich kann nicht sehen, wie Afrika dieses Bevölkerungswachstum aus eigener Kraft ernähren kann/können wird.
zuletzt bearbeitet 18. Aug. 2015
1'580 Beiträge · seit 201418. Aug. 2015 · #18
Hallo miteinander

Picco, Du sprichst das Thema Solarkollektoren an. Da der Grossteil von Kenia nahe des Equators liegt, haben wir ja enorm hohe Sonneneinstrahlung. Alle neuen Haeuser muessen fuer Warmwasser Solarzellen auf dem Dach haben. Sind diese nun speziell fuer die Tropen gebaut worden? Bisher habe ich noch von keinem Unfall damit gehoert.

Ja, die lokalen Leute muessen von innen her aufraeumen. Einige versuchen es...

Liebe Gruesse
Elvira
Safaris in Ostafrika Bush Trucker Tours www.bushtrucker.ch Elvira Wolfer Zubucher- und individuelle Safaris
6'369 Beiträge · seit 201118. Aug. 2015 · #19
Hoi Elvira
Bushtruckers schrieb:Picco, Du sprichst das Thema Solarkollektoren an. Da der Grossteil von Kenia nahe des Equators liegt, haben wir ja enorm hohe Sonneneinstrahlung. Alle neuen Haeuser muessen fuer Warmwasser Solarzellen auf dem Dach haben. Sind diese nun speziell fuer die Tropen gebaut worden? Bisher habe ich noch von keinem Unfall damit gehoert.
Die müssen nicht speziell für die Tropen gebaut sein, aber das gesammte System, das ja nicht nur aus den Kollektoren besteht, muss mit Übertemperatur klarkommen.
Das kann man recht einfach lösen und das ist bei den Anlagen die ich in Afrika bisher gesehen habe auch gemacht, zum Teil dass die Kollektoren bei Erreichen der benötigten Temperaturen leerlaufen, zum Teil dass es geschlossene Systeme mit Alkohol als Wärmeträgermedium zwischen den Kollektoren und den dann meist darauf aufgebauten Wassererwärmern sind, zum Teil dass es offene Systeme sind in denen sich kein Druck aufbauen kann usw.
Die Meisten dieser 'einfach' vor Überhitzung geschützten Anlagen sind nicht sehr energieeffizient und deshalb z.B. nördlich der Alpen kaum zu gebrauchen, wo's aber viel Einstrahlung hat funktionieren die schon ganz passabel und sicher.
Falsch gemachte Anlagen gehen eher selten und schon gar nicht zwangsläufig in die Luft, das ist die Ausnahme, aber es gab solche Fälle in Europa...
Gruss, Picco B) Meine Reiseberichte: Nord- und Süd-Tansania, Kenya, Ruanda, Uganda, Botsuana/Sambia, DR Congo, und als ausserafrikanische Gebiete: Costa Rica und Mt. Everest BC (klick hier)
3'700 Beiträge · seit 200918. Aug. 2015 · #20
Hallo Leser,

genau das meine ich:
Aber zweitens ist das alles peanuts gemessen an den Erfordernissen einer Volkswirtschaft bzw. deren Entwicklung, denn DIE Schwäche vieler afrikanischer Volkswirtschaften ist, dass zu wenige bis keine von den Gütern des täglichen Gebrauches selber erzeugt werden.
Ich sehe nicht wirklich, dass die hohen afrikanischen Außenhandelsdefizite verringert werden und die Binnenproduktion - vor allem von Konsumgütern - nachhaltig entwickelt wird unter den in vielen Ländern gegebenen Umständen/Rahmenbedingungen.

Allerdings fehlt mir bei deiner Aufzählung noch ein viertes Hindernis, welches für Unternehmer entscheidend ist: fehlende, bzw. größtenteils schlecht qualifizierte Arbeitskräfte.
Somit sind wir wieder beim Bildungssektor, in den vordringlich zuerst firmengestützt und/oder staatlich investiert werden müsste, wenn Arbeitsplätze und damit Einkommen im Land generiert werden soll.

Die nachfolgende Karte Fragile States Index 2015 des Fund for Peace gibt im globalen Zusammenhang gesehen meine subjektive Einschätzung recht gut wieder. Einfluss in die Erhebung fanden u.a.

Demographischer Wandel
Flüchtlinge und Binnenvertriebene
Gruppenkonflikte
Abwanderung, Migration
Ungleiche ökonomische Entwicklung
Armut und wirtschaftlicher Niedergang
Staatliche Legitimität
Aufgaben der öffentlichen Hand
Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit
Sicherheitsapparat
Nicht-Staatliche Eliten
Externe Intervention


Quelle: The Fund for Peace

Ich weise ausdrücklich darauf hin, dass die Forschungsmethoden von "Fund for Peace" nicht als evidenzbasiert gelten. Die Tabelle entsteht jährlich aus tausenden von Artikeln aus globalen und regionalen Quellen.

Picco schrieb:
Thermisch Solar benötigt man in Afrika nur zu einem sehr geringen Teil
Ich meinte Produktionsstätten für Solarzellen zur Erzeugung von Strom aus Sonnenlicht.
Der afrikanische Markt/die Nachfrage ist groß. In allen anderen vier Kontinenten werden solche Solarzellen produziert und sogar exportiert, aber in Afrika wird es als problematisch angesehen.

Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de