Hallo Christa,
diese Zahlen lassen sich für den Zeitraum 1991 – 2006 durch Zuwanderung aus dem Niassa-Gebiet (16-jähriger Bürgerkrieg in Mosambik) und aus dem Kilombero-Gebiet möglicherweise nachvollziehen. Elefanten sind sehr intelligente Tiere, die sich in Gebiete zurückziehen, wo sie nicht bis wenig gestört werden. Dies war für den Selous während der Zeit des Engagements der GIZ (früher GTZ) der Fall.
Hinsichtlich des Ruaha kann ich mir vorstellen, dass es u.a. daran liegt, dass Parkgebiet in diesem Zeitraum ständig vergrößert wurde (Rungwa, Kizigo, Muhesi GR wurden dem Park zugeschlagen) und möglicherweise die Tiere in diesen Regionen den zahlen zugeschlagen wurden. Am besten wird wohl sein, sich direkt bei jemanden zu erkundigen, der an diesen Zählungen beteiligt war, bzw. an der Veröffentlichung dieser Zahlen.
Abgesehen davon, ob nun 1000 oder 5000 Elefanten mehr oder weniger im Bestand gezählt wurden, lässt sich doch ein eindeutiger Trend ablesen.
Hier noch eine Kurzmeldung von Dr. Rolf Baldus, der das GIZ-Projekt im Selous lange Jahre gemanagt hat und die er gerade verfasst hat:
Tansania: Politische Elefantenzahlen
Der tansanische Minister für natürliche Ressourcen und Tourismus, Lazaro Nyalandu, kommt im eigenen Lande und im Ausland zunehmend unter politischen Druck, da er die aktuellen Elefantenzahlen nicht veröffentlicht. Sie belegen einen weiteren Rückgang. Dem Minister kommt dies nicht gelegen, da er gerade in der eigenen Partei als Präsidentschaftskandidat im Rennen ist. Die Zahlen liegen bereits seit Anfang des Jahres vor.
Spektakulär ist der Rückgang im Ruaha-Rungwa Ökosystem von 20,000 im Jahre 2013 auf 8.500. Es wurden dort auch sehr viele Elefantenkadaver gefunden. Im Selous scheint der Rückgang der Elefanten aufgehalten worden zu sein. Die Zahlen haben sich von knapp 14,000 auf 15,200 verändert, allerdings bei etwas größerem Zählgebiet. In der Serengeti hat sich der Bestand seit 2011 auf 6.000 verdoppelt. Fachleute führen dies allerdings auf Zuwanderung aus der kenianischen Mara zurück, wo 1,400 Elefanten weniger gezählt wurden.
Interessanterweise wird ein Gesetz vorbereitet, dass die Veröffentlichung "irreführender" Statistiken, die den "öffentlichen Frieden" gefährden könnten, in Zukunft mit Gefängnisstrafen belegt.
Quelle: Dr. Rolf Baldus, per Email am 10.05.2015
Herzliche Grüße
Marina