Nach meinen Besuchen des Landes 2008 und 2011 jeweils mit einer geführten Motorradtour, war es im Jänner 2015 wieder soweit. Diesmal allerdings drei Wochen mit einem 4×4 und Camping-Equipment. Zudem kam natürlich diesmal meine Frau Nicole mit. Und natürlich nicht zu vergessen, Peanut, unser Elefant. Sehr spannend, lehrreich und intensiv. Mit vielen, vielen Tiersichtungen und vielen Erlebnissen.
Die Route Geplant hatten wir eine Route, die uns von Windhoek zuerst Richtung Süden nach Sossusvlei zu den Dünen führen sollte. Danach wollten wir einige Tage in Swakopmund verbringen, um dort einige Ausflüge zu unternehmen. Nach dieser – eher “touristischen” – Woche stand das Damaraland und das Kaokoveld auf dem Programm, wo wir in den trockenen Flussbetten auf die Suche nach den legendären Wüstenelephanten gehen wollten. Den Abschluss sollte ein Besuch im Etoscha-Nationalpark sowie eine Gepardenfarm mit zahmen Geparden bilden.
Das Auto Gemietet hatten wir zu diesem Zweck einen 3.0 Liter Toyota Hilux mit Automatik und spezieller Offroad Ausstattung bei der Firma Savanna car hire. Dies schlug sich mit mehr Bodenfreiheit, neuen echten Offroadreifen, einer Seilwinde am Fahrzeug, Bullbar und Schnorchel nieder, sowie extra mitgelieferten Sandmatten und einem High-Lift Jack, einem speziellen großen Wagenheber, den man allerdings nur “at your own risk” ausgehändigt bekommt. Zudem einen 60 Liter Zusatztank, was das Fassungsvermögen für den Treibstoff auf 140 Liter anschwellen ließ. Vor allem für die Flussbetten im Kaokoveld unbedingt notwendig, da erstens der Treibstoffverbrauch in schwindelnde Höhen klettert und zweitens Tankstellen rar gesät sind. Zudem verfügte das Fahrzeug noch über einen Kompressor, um die – für Sandfahrten auf ~ 1,3 Bar reduzierten – Reifen wieder auf die ~ 2 Bar für die Gravelroads aufpumpen zu können. Der Kompressor war leider hinter der Rückenlehne der Hecksitze untergebracht, was beim Hervorholen jedes Mal eine ziemliche Umräumaktion bedeutete, da die Hecksitze leer sein mussten, um die Rückenlehne ausklappen zu können. Da könnte man einen besseren Platz finden.
Das Fahrzeug (übrigens hatte es die Nummer 72) war relativ neu, hatte rund 30.000 Kilometer auf dem Buckel als wir es übernahmen. Die Ausstattung im Cockpit war überdurchschnittlich. Audio war über Bluetooth oder mittels Memorystick möglich, die Bedienung erfolgte entweder über das Lenkrad oder über das Touchdisplay in der Mittelkonsole. Irgendwie sind wir aber auch sehr lange Strecken ohne jegliche “Beschallung” gefahren und haben einfach nur Gegend geschaut 😉. Sehr wichtiges Utensil für mich war der Tempomat. Auf den geraden Straßen kann es leicht passieren, dass man immer schneller wird, wenn man die Geschwindigkeit selbst mit dem Fuß regelt und nicht laufend auf den Tacho schaut. Zudem ist in Namibia extrem wenig Verkehr, Tempomat auf 80 auf den Gravel Roads und fertig. Schon kann man stundenlang ohne Bremsen oder Tempomatkorrekturen durch die Gegend cruisen. Im Hilux funktionierte der Tempomat ab Tempo 40, darunter ließ er sich nicht einschalten.
Ein wenig verpfuscht wurde die Anbringung des Reserverades am Heck. Dieses ist nämlich mit einem Schwenkarm auf der linken Seite angebracht und verdeckt somit die vorhandene Rückfahrkamera. Die Anbringung an der rechten Seite wäre hier besser gewesen, da man durch das geschlossene Canopy natürlich nicht hindurch sieht und die Rückfahrkamera natürlich sehr hilfreich beim Entdecken eventuell vorhandener Holzpflöcke oder Steine im Heckbereich ist. War aber nur eine Kleinigkeit.
Campingausstattung Neben einem Dachzelt war das Fahrzeug komplett für den Campingbetrieb ausgestattet. Kühlschrank, zwei Gasflaschen, 60 Liter Wassertank, Töpfe, Pfanne, Besteck, Campingtisch sowie zwei Campingsesseln und was man sonst so alles benötigt. Untergebracht waren all die Utensilien im Heckbereich des Fahrzeugs, das durch ein Canopy abgedeckt war. Dieses ist nicht wirklich staubdicht, da hilft auch die Öffnung auf der Seite relativ wenig. Meiner Meinung nach ist sie ein wenig zu klein geraten. Wirklich staubempfindliche Gegenstände sollte man daher in der Fahrgastkabine transportieren.
Dachzelt Das Dachzelt war mit 120cm relativ schmal, dafür für Langgewachsene wie mich lang genug. Eines mit 140cm Breite wäre besser gewesen. Zudem war das Zelt nicht wirklich regendicht, kein Wunder, auf das muss man in Namibia kaum Rücksicht nehmen. Wenn’s – so wie bei uns – dann doch mal regnet, wird die Matratze nass. Es trocknet aber alles relativ rasch wieder, wenn man mal eine Stunde alles offen lässt. Die Matratze selbst war mit ca. 7cm Dicke zwar annehmbar, würde ich ein Dachzelt kaufen, wäre aber jedenfalls eine mit 10cm Dicke enthalten. Das Aufbauen des Zeltes geht sehr rasch. Von “mit Plane zugedeckt” bis “schlafbereit” dauert es rund 6-8 Minuten, je nach dem, wie geübt man schon ist. Das Einklappen sollte zu zweit durchgeführt werden, geht aber in Summe auch recht rasch. In rund 10 Minuten ist man auch hier wieder abfahrbereit. Die Schlafsäcke, Pölster und Decken verbleiben während der Fahrt im Dachzelt, nehmen somit keinen Platz im Fahrgastbereich des Fahrzeugs weg.
Canopy Wir hatten wohlweislich ein Fahrzeug mit Doppelkabine bestellt und hatten somit Platz für alle elektronischen Geräte, Fotoapparate sowie unsere Kleidung. Im Canopy verblieben somit unsere Wasservorräte in 5 Liter Flaschen, das Camping-Zeugs, Holz für das Lagerfeuer, die Gasflaschen, Bier, Wein und in den großen Schubladen, die ein wenig staubgeschützter waren, der Rest der eingekauften Lebensmittel. Gefehlt haben ein paar Haken zum Anbringen von Zurrgurten, damit hätte man gewisse Dinge noch festzurren können, ein nicht unerheblicher Vorteil, wenn man mit diesem Wagen in schwierigeres und schräges Gelände fährt. Ich habe die Flaschen dann beispielsweise mit der Leiter vom Dachzelt und einer selbstgebastelten Konstruktion verzurren können, war aber jeden Morgen ein bisschen ein Gefrickel, das wieder halbwegs stabil hinzubekommen.
Hinten im Canpoy waren zwei weit herausziehbare Schubladen vorhanden, über der rechten war der Kühlschrank befestigt. Diesen konnte man ebenfalls herausziehen, allerdings war dann dort der Heck-Deckel des Canopys ein wenig im Weg. Wollte man wirklich tief in den Kühlschrank, musste dessen Deckel immer abgenommen werden, was allerdings sehr leicht ging. Auch keine wirklich praktikable Lösung, mir ist in den drei Wochen aber auch keine andere eingefallen.
Tank Der Dieseltank war auf der Anzeige halb voll, ungefähr so sollten wir ihn bei der Rückgabe wieder abgeben. Zudem wurden wir darauf hingewiesen, beim Tanken immer mitzuteilen, dass ein Zusatztank vorhanden wäre, damit nicht beim ersten “Abschnappen” mit dem Tanken aufgehört wird. Ich habe mir die ungefähre Tankmenge immer ausgerechnet und entsprechend auf die Anzeige geschaut. Wichtig zu wissen ist, dass sich die Tanknadel nicht bewegt, solange sich im Zusatztank noch Sprit befindet. Erst, wenn dieser aufgebraucht ist, beginnt diese den im Haupttank befindlichen Sprit anzuzeigen. Selbstredend funktioniert auch die angezeigte Rest-Reichweite des Bordcomputers nicht, der hat nämlich auch keine Ahnung vom Zusatztank.
Kosten Für die 20 Tage haben wir inklusive Zusatzversicherung für Reifen, Windschutzscheibe und Reduzierung des Selbstbehaltes rund 2000 Euro bezahlt. Die Übergabe in Windhoek bei Savanna war sehr ausführlich, das Gepäck war inzwischen sicher im Gebäude verstaut. Erklärt wurden genau die Funktionsweise des Dachzeltes, Kühlschrank, die zweite Batterie, Stromanschluss, Wagenheber, etc. Punkt für Punkt einer Liste wurde abgehakt und durchgegangen. Zudem wurden wir darauf hingewiesen, dass im Fahrzeug ein GPS-Datenlogger installiert sei, der Orts- und Geschwindigkeitsdaten mitprotokolliert. Diese würden allerdings nur im Fall eines Unfalls ausgelesen. Alles in allem dauerte das rund 1 1/2 Stunden.
Alles in allem waren wir mit dem Fahrzeug und der Abwicklung sehr zufrieden.
Nach fast einem halben Jahr vom gefassten Entschluss, zahlreichen Wochen Planung und Vorbereitung geht’s nun endlich los. Wir sind gegen Mittag am Flughafen in Wien und geben unsere Taschen auf. Leider können wir unser Gepäck nicht durchchecken, da wir mit zwei unabhängigen Tickets reisen und die nette Dame in Wien bedauernd ablehnt. Kein Problem, damit haben wir ohnehin gerechnet. Zudem haben wir ja in Frankfurt rund 4 Stunden Zeit.
Der A321, der uns von Wien nach Frankfurt bringt, ist ziemlich voll, hebt pünktlich ab und wir fliegen bei manchmal ruppigem, aber ansonsten mit schöner Fernsicht gesegneten Wetter pünktlich ins regnerische Frankfurt. Dort parken wir auf einer sehr entfernten Aussenposition und werden mit einer langen Busfahrt ins Terminal 1 gebracht, wo dann auch schnell die Taschen am Förderband hereinkommen.
AirNamibia fliegt von Terminal 2 ab, das bedeutet für uns nun relativ lange Wege und eine Fahrt mit dem automatischen Zug, der die beiden Terminals verbindet. Zum Glück werden wir unser Gepäck beim AirNamibia Schalter schon 3 ½ Stunden vor Abflug los, allerdings sind sie ziemlich genau und wiegen auch das Handgepäck. Ist mir bis dato noch nie passiert. Es passt aber alles und so gehen wir durch die Passkontrolle Richtung Gate.
In diesem Teil des Flughafens gibt’s nicht mehr allzuviel gastronomisches Angebot, wir essen daher beim Asiaten Mosch Mosch eine Kleinigkeit, um uns die Wartezeit zu vertreiben. Das nächste Mal werden wir uns vor der Passkontrolle etwas suchen. Die Sicherheitskontrolle passiert anschießend direkt vor dem Gate im nunmehr verwaisten Teil des Airports, ausser der AirNamibia fliegt hier um diese Uhrzeit kein Flugzeug mehr weg.
Der A330 ist ziemlich voll, wir konnten beim Online Check-In keine Fensterplätze mehr ergattern und sitzen daher in der Mittelreihe. Wenigstens ist ein Platz in unserer Reihe frei geblieben, die Nacht wird allerdings eine eher schlaflose. Ich zappe kurz durch die angebotenen Filme, verspeise das angebotene Beef, trinke noch zwei Windhoek Lager und versuche dann ein wenig zu schlafen.
Teil 312. Feb. 2015
Gestatten übrigens, dass ich vorstelle: Peanut, unser Elefant auf unserer Tour, während er gerade die Halterung für unser Navi hält.
Er sucht auch nach seinen Verwandten und hofft auf einen Schnappschuss mit seinen großen Brüdern.
Teil 413. Feb. 2015
Tag 01 - 17. Jänner 2015
Der Flug verläuft ziemlich ereignislos. Ein paar Mal wird’s ein bisschen ruppig, man sieht in der Früh auf der Flugkarte, dass die Maschine kurz nach dem Äquator eine größere Kurve geflogen ist, eventuell wurde da einem Unwetter ausgewichen.
Das IFS ist eher bescheiden, aber OK, man sollte eh versuchen zu schlafen 😉. Zwei interessante Kabinendurchsagen, die man eher selten hört, geben sie auch durch. Das eine betrifft selbst mitgebrachten Alkohol, dessen Genuss an Bord verboten ist, das zweite betrifft das Schlafen am Boden, was ebenfalls untersagt wird. Eventuell wurde diese Durchsage ja von unserem letzten Flug inspiriert 😉.
Wir werden schließlich mit einem “Wir servieren Ihnen nun ein Frühstück” geweckt, da sind wir über Angola und es ist alles ziemlich bewölkt. Gegen 7:40 landet die Maschine schließlich am Airport in Windhoek und wir gehen die paar Schritte zum Terminal in der wärmenden Morgensonne. Namibia, du hast mich wieder 😉. Schönes Flugzeug übrigens…
Zu dem Einreisezettel wird auch der Ebola-Zettel ausgefüllt, zudem muss sich jeder Einreisende einer Überprüfung mittels Wärmebildkamera stellen. Das geht aber relativ flott vonstatten und hält kaum auf. Bei den Grenzbeamten bildet sich dann vor uns ein wenig ein Stau, weil einige des Englischen absolut unmächtige Touristen nicht verstehen, was die Grenzbeamten von ihnen wollen. Dabei sollte es sich langsam herumgesprochen haben, dass der Ort der ersten Nächtigung auf dem Formular eingetragen werden muss. Na, ja. Gegen 8:30 kommen wir schließlich auch dran und können anschließend unsere Reisetaschen holen, auf die wir nochmal rund 10 Minuten warten.
Unser Fahrer von Savanna steht schon da, ich frage kurz nach, ob wir noch Zeit haben und er bejaht, wir wären die einzigen, die er abholen soll. Ich hebe daher am Bankomat noch 2.000 N$ ab und gehe anschließend noch in den MTC Shop direkt am Flughafen. Dort erstehe ich eine SIM-Karte für’s mitgenommene Zweithandy und der freundliche Mitarbeiter spielt mir danach gleich die Wertkarten für eine Stunde Telefonieren, ein paar SMS und 100MB Daten drauf. Das sollte genügen, ist ja nur als Not-Kommunikation gedacht.
Knapp nach 9 fahren wir schließlich los und holen unser Auto ab. Die Übergabe habe ich ja in der Einleitung schon beschrieben, die war fast penibel genau, allerdings hatten wir uns bereits darauf eingestellt und die zwei Stunden eingeplant. Zuerst das Organisatorische, Führerschein, etc. Und der Zweitfahrer? Uups, da hat Nicole doch tatsächlich nicht daran gedacht, ihren Führerschein mitzunehmen… Ok, dann halt nur ein Fahrer. 😉
Kurzer Einschub noch zur Ausstattung bzw. Dingen, die man entweder mitnehmen oder in Windhoek besorgen sollte: Feste Handschuhe sind auf jeden Fall erforderlich, schon alleine, um die schweren, gusseisernen Töpfe und Pfannen vom Feuer oder vom Gas zu nehmen. Da rede ich noch nicht vom High Lift Jack, den man ebenfalls nur mit solchen Handschuhen bedienen sollte. Waren im Fahrzeug keine dabei. Ich hatte dann noch Kabelbinder mit (sehr empfehlenswert!), Wäscheklammern, Panzerklebeband (sehr empfehlenswert!), Krepp-Klebeband zum Abdichten von größeren Spalten im Canopy zur Verringerung des Staubs (hab’ ich nach dem zweiten Tag gelassen, hilft kaum). Ein 10 Meter Seil haben wir uns dann noch in Windhoek besorgt zum Wäsche aufhängen.
Gegen 11:30 fahren wir dann eingeschult und mit all unseren Sachen vom Hof von Savanna und stürzen uns in den Linksverkehr, um zu Dirk zu fahren, meinem Tourguide der vorangegangenen Motorradtouren. Von ihm wollen wir uns noch einige Sachen, unter anderem ein Satellitentelefon ausborgen. Gemeinsam fahren wir anschließend in das neue Einkaufszentrum im Süden der Stadt, wo ein großer Superspar alles bereithält. Wir schaffen es auch gerade noch, eine erste Ladung Bier und Wein in den Einkaufswagen zu legen, bevor der Alkohol-Teil des Supermarktes mit Bändern abgesperrt wird. Samstag nach 13 Uhr (mitunter auch erst ab 14:00 Uhr) und Sonntags wird kein Alkohol verkauft. Mit einem übervollen Einkaufswagen kommen wir an die Kassa, die eine viel viel viel zu kurze Ablagefläche hat. Nicht mal ein Viertel des Inhalts des Wagens passt da drauf. Irgendwie ein wenig verbastelt. Aber gut, mit Hilfe von zig Sackerln (da hätten wir uns den Kauf der Müllsackerln sparen können) und eines bereitstehenden Helfers haben wir schließlich alles wieder im Einkaufswagen und schließlich im Auto verstaut. Die genaue Raumaufteilung wollen wir heute Abend auf der ersten Campsite vornehmen, so wandern nur die zu kühlenden Dinge in den Kühlschrank, der Rest wird malerisch verteilt. Ich hebe nochmals zweimal 2.000 N$ beim Bankomaten ab und dann verabschieden wir uns von Dirk um Richtung Süden zu fahren.
Bei einer Tankstelle lasse ich noch den Tank auffüllen, wir tanken 97 Liter um 1100 N$ (~ 80 Euro) und kommen schließlich gegen 14:30 aus Windhoek weg. Mit sechs bis sieben Stunden nach Ankunft sollte man also rechnen, wenn man einen Wagen mit Campingequipement übernimmt und danach noch für ein oder zwei Wochen Einkäufe erledigt. Wir haben nirgendwo wirklich Zeit “verplempert”, nichts gegessen oder Kaffee getrunken, fühlen uns aber gut für die ca. 200 Kilometer bis zum Tagesziel.
Wir fahren auf der C26 Richtung Gamsberg, dann aber weiter Richtung Süden über den Spreetshoogte Pass. Die Landschaft ist anfangs schon mit einem leichten Grünschleier überzogen, da scheint es schon einmal ganz leicht geregnet zu haben. Das erste “echte” Afrika-Feeling kommt auf, in Windhoek konnte sich das für Nicole nicht wirklich einstellen.
Ich stelle den Tempomat auf ~ 70 km/h, wir haben ja Zeit und vor allem nach dem Flug mit dem ungewohnten Fahrzeug sollte man es auch gemütlich angehen. 1 1/2 Stunden schauen wir ein wenig angestrengt, ob wir irgendwo schon Tiere (ausser Kühe) sehen können, da springt mir doch tatsächlich ein großes Oryx ein paar Meter vor meiner Motorhaube auf die Straße. Kurze Schrecksekunde, Lenkrad geradehalten, nur Bremsen. Zum Glück hatte das Oryx keine Schrecksekunde, sondern ist schnurstracks weitergalloppiert. Hm. Erst mal stehenbleiben und dem Vieh nachschauen und tatsächlich, da stehen noch vier weitere und schauen von einem kleinen Hügel dem Schauspiel zu. Also, es gibt ja doch Tiere in Afrika 😉.
Wir passieren den südlichen Wendekreis des Steinbocks (Tropic of Capricorn), jener Linie der südlichen Halbkugel, an der die Mittagssonne am 21. bzw. 22. Dezember einmalig den Zenit erreicht. Nördlicher davon steht sie im Sommer öfter genau senkrecht am Himmel, südlicher davon gar nicht. Eine wirklich senkrecht am Himmel stehende Sonne, die daher praktisch keinen Schatten produziert, ist ein nettes Phänomen, das man hierzulande ja nie zu Gesicht bekommt…
Auf der Abfahrt vom Spreetshoogte Pass kommt uns nach knapp drei Stunden das erste Auto entgegen, wirklich viel Verkehr ist hier nicht. Hier ist es übrigens wieder Gelb in Gelb, geregnet hat’s südlich des Gamsberges offenbar in dieser Regenperiode noch nicht (das sollte uns später der Besitzer der Ababis Guest Farm, ebenfalls ein Rinderfarmer bestätigen). Blauer Himmel, ein paar weiße Wolken und 30 bis 34 Grad. Regenzeit in Namibia…
Unser heutiges Tagesziel, die Ababis Guest Farm liegt direkt an der C14, rund 15 Kilometer südöstlich von Solitaire entfernt. Wir kommen dort gegen 18:30 Uhr an und werden auf die Campsite gelotst. Dort stellen wir das Dachzelt auf, machen uns frisch, sortieren ein wenig die eingekauften Lebensmittel und unser Gepäck, bevor wir um 20:00 Uhr zum Abendessen ins Haupthaus gehen. Bergzebra mit Kartoffeln und frischem Salat. Wir unterhalten uns nett mit den Besitzern und machen uns gleich für den nächsten Tag die Uhrzeit für das gebuchte 4×4 Training aus. Ein wenig wird noch theoretisch gefachsimpelt, bevor wir gegen 22:30 zurück zur Campsite gehen. Gut, dass ich mir in Wien noch eine wirklich leistungsstarke Taschenlampe besorgt habe. Die hilft in der stockdunklen Nacht wirklich weiter.
Auf der Campsite baue ich noch das Stativ und meine Kamera für den ersten Versuch der Sternenhimmel-Fotographie auf, programmiere den Selbstauslöser auf “alle 20 Sekunden”, stelle Belichtungszeit und manuellen Fokus ein, bevor wir doch ziemlich erschöpft ins Zelt kriechen. Die Temperatur ist auf rund 20 Grad gefallen, zum Schlafen sehr angenehm, bis in der Nacht der Wind dreht und uns durch das Fliegengitter genau auf die Köpfe bläst. Das halten wir nur kurz aus und drehen uns bald um.
Hier übrigens das Ergebnis meiner Sternenfotographie:
Kamera: Nikon D90 mit Fernauslöser. Alle 20 Sekunden ein Bild, ~ 2 Sek. Belichtungszeit. Danach mit Windows Movie Maker quick&dirty zu einem Video zusammengeführt, Framerate: 25 Bilder/Sekunde. Anfangs sieht man noch ein wenig Taschenlampenlicht von uns, danach ein paar Meteore oder Sternschnuppen, bevor sehr spät der Mond aufgeht und gleich danach die Sonne. Am Besten in eher dünklerer Umgebung anschauen 😉
Teil 514. Feb. 2015
Tag 2 - 18. Jänner 2015
Um 7:00 läutet mein Handy uns aus dem nicht durchgängigen Schlaf und wir schauen das erste Mal am Boden in das afrikanische Morgenrot. Es riecht schon verdächtig nach gemachtem Feuer, da können wir uns auf eine warme Dusche freuen. Und tatsächlich, beim Badehäuschen steigt unverkennbar blauer Rauch auf. Wir machen uns einen Tee, trinken Orangensaft und gehen dann Duschen. Die Sachen haben wir ja gestern schon halbwegs sortiert, das Zelt ist dann auch recht rasch zusammengelegt und eingepackt, so kommen wir pünktlich um 9 Uhr zum Treffpunkt für das 4x4 Training.
Es beginnt mit einer Stunde grober Theorie, Wagenkunde. Einige Grundsätze im Gelände: "so langsam wie möglich, so schnell wie nötig", "Fenster zu, erstens weil sonst Geäst hineinschlagen könnte und zweitens weil man sich im Fall des (seitwärts) Falles automatisch seitlich abstützt", etc. Nichts wirklich Neues für mich, Nicole schnappt aber einige Begriffe auf, die sie nachher noch brauchen wird. Generell war die Entscheidung, dieses 4x4 Training zu buchen nachträglich betrachtet eine sehr gute Entscheidung. Erstens haben wir 5% Rabatt auf den kompletten Mietpreis erhalten, wodurch sich das Training praktisch von selbst bezahlt hat, zweitens konnten wir unter gesicherten Bedingungen alle möglichen Dinge ausprobieren (inklusive Schrägfahrten und Fluss-Sandbette), drittens haben wir (und vor allem Nicole) gesehen, was da alles möglich ist und viertens ist auch Nicole mit dem Auto die Übungen und im Sandbett gefahren, um ein Gefühl für das Auto zu bekommen, falls mit mir irgendwas sein sollte...
Nach der Stunde geht's raus in ein Trainingsgelände auf seinem weitläufigen Grundstück, noch auf der Farm testen wir einmal den Gebrauch des High-Lift-Jack, inklusive möglicher Gefahrenherde. Ein super Gerät muss ich schon sagen, mit ein wenig Hirn und Vorsicht benützt, schlägt es die beiden mit dem Auto mitgelieferten Wagenheberchen (besser kann man diese winzigen Dingerchen kaum nennen) um Längen. Ich wüsste nicht, wie man mit diesen so ein Auto sinnvoll heben hätte können. Ich werd' jedenfalls nicht mehr ohne fahren.
Auf dem Trainingsgelände wird dann gleich zu Beginn eine Schrägfahrt simuliert. In manchen Fahrzeugen hat man ja ein Instrument, das die Schräge anzeigt, so ab 40° wird's langsam gefährlich, je nach dem, wo der Schwerpunkt des Autos liegt. Mit unserem Dachzelt, dem 60 Liter Wassertank auf der Ladefläche und dem hinten angebrachten Reserverad ist der Schwerpunkt ein wenig erhöht, allerdings auch wieder ein bisschen kompensiert durch den am Fahrzeugboden angebrachten Zusatztank und das sehr tief liegende zweite Reserverad.
Wir fahren jedenfalls zu zweit auf einem aufgeschütteten Halbkreis Schräglagen, die dem oben sitzenden schon die Schweissperlen auf die Stirn steigen lassen. "Geht gut, weiterfahren, langsam" tönt es aus dem Funkgerät vom draussen stehenden Uwe, dem Instruktor. Auch Nicole setzt sich dann hinters Steuer und fährt die Schräglagen, bei denen Sie vorher als Beifahrerin noch gezittert hat. Weitere Übungen sind "Überfahren eines Hügels", Queren von tiefen Längsgruben, Fahren auf versetzten Hügeln und Tälern mit Verschränkungen, etc. Wir wechseln uns am Steuer ab und bekommen ein immer besseres Gefühl für das Fahrzeug.
Es folgt dann eine Passage durch ein trockenes Rivier. Zu Testzwecken lasse ich die Luft nicht aus den Reifen und fahre mit ~ 2,5 Bar. Geht irgendwie, dennoch habe ich immer wieder das Gefühl, dass sich das Auto fast eingräbt und dem 3.0 Liter Motor gefällt es auch nicht wirklich. Der ist gegen Ende der 15 minütigen Fahrt dann ziemlich heiss.
Schließlich fahren wir Uwe nach auf einen Hügel auf seinem Farmgelände, wobei die dort enthaltene Schrägfahrt Nicoles Nervenkostüm schon überstrapaziert und auch ich muss tief und ruhig atmen, um diese Stelle zu passieren. Wenn man derartiges nicht gewohnt ist (und wer ist das als "normal" Autofahrender in Westeuropa schon), sind Schräglagen von 30-34° schon wirklich sehr extrem. Vor allem, wenn es bis ins Tal dann doch über 150 Höhenmeter hinunter geht, mag man sich nicht vorstellen, wie lang man da kullert, bis man unten ist. Ich verlasse mich dann einfach darauf, dass ich sicherlich nicht der Erste mit so einem Fahrzeug bin, der da hinauf fährt, frage aber oben dann doch kurz nach, ob's ned vielleicht einen anderen Weg hinunter gibt. Klar. Gibt's natürlich nicht. 😉. Also nach einer kurzen Pause den selben Weg inklusive derselben Schräglage und demselben Adrenalinausstoss wieder hinunter. Schräglagen sind definitiv nix für uns 😉.
Am Ende fahren wir dann noch eine kurze Passage mit tiefem Sand, um auch da ein Gefühl zu bekommen, inklusive Auf- und Abfahrten in und aus dem Flussbett. Auch das meistert Nicole dann sehr gut und legt ihre anfängliche Scheu vor dem großen Auto ziemlich ab.
Aufgefallen ist uns, dass sich die beiden kleinen Steinschlagschäden in der Windschutzscheibe während des Trainings in wirklich große Sprünge verwandeln, da werden wir morgen mal anrufen und fragen, ob sich Savanna oder ein Mechaniker in Swakopmund das mal anschauen möchte.
Der Vormittag geht rasch vorbei, wir fahren zurück zur Farm, wo wir noch etwas trinken und uns noch ein wenig mit Uwe und Kathrin unterhalten. Schließlich machen wir uns um 14:30 auf den Weg nach Sesriem. Hatte ich zuerst noch eine rund 230km lange Fahrt geplant gehabt, streichen wir die und fahren auf dem direkten Weg über Solitaire zu den Dünen. Vor allem, weil wir uns heute schon Solitaire anschauen wollen, um am Fahrtag nach Swakopmund mehr Zeit zu haben.
Solitaire ist mit seiner Tankstelle, den verrosteten Oldtimern und seiner Bäckerei mit dem Apfelkuchen weit über die Grenzen Namibias bekannt. Wir bleiben über eine Stunde, fotographieren ausgiebig Oldtimer, Erdhörnchen und Gegend, essen eine Kleinigkeit und schauen uns den Shop an. Auch das obligatorische Foto mit den Regenmengen der letzten Zeit darf natürlich nicht vergessen werden. Entweder sie haben vergessen einzutragen, oder es hat 2015 noch gar nicht geregnet...
Gestärkt fahren wir die restlichen Kilometer gemütlich wieder mit Tempomat nach Sesriem, bleiben unterwegs immer wieder stehen, um zu fotographieren und die Landschaft zu genießen. Auf der Campsite angekommen, bezahlen wir für die zwei Übernachtungen insgesamt 616 N$, zuzüglich 314 N$ für den Eintritt in den Nationalpark. Wir genehmigen uns an der Bar gepflegte kalte Getränke, bevor wir unsere Campsite aufsuchen, das Auto positionieren und das Zelt aufstellen. Nachdem wir Zeit genug haben, schauen wir auch noch beim Schwimmbad vorbei, wo wir den Pool für uns alleine haben. Abends gibt's in der Pfanne gebratenes Springbockfilet, bevor wir früh schlafen gehen. Morgen wollen wir ja früh aufstehen, um in die Dünen zu fahren.
PS: Wer Interesse hat, hier: http://www.decker.wien/wolfgang/namibia-2015/tag-2-18-jaenner-2015/ sind ein paar Videos mehr und auch eine Bildergalerie. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die alle auch hier einstellen soll oder ob das für hier dann vielleicht zuviel wird.
Teil 616. Feb. 2015
Tag 3 – 19. Jänner 2015 Wir stehen um 4:50 auf, trinken einen Tee, packen das Zelt zusammen und sind – nach den ganz besonders Eifrigen – gegen 5:30 auf dem Weg Richtung Sossusvlei. Vor und hinter uns ist kein anderer, wir fahren durch das Dämmerlicht, der gerade aufgegangene Mond scheint noch eine Zeit lang. Die Fahrt ist wirklich schön, wir erreichen die Düne 45 noch bevor die Sonne über die Berge kommt.
Es ist noch ziemlich frisch, wir gehen ein paar Schritte die Düne hinauf, ganz geht es sich ohnehin nicht mehr aus und oben sind auch jede Menge Leute.
Unten am Parkplatz steht ein Overlander-Bus und einige Autos, allerdings ausser uns keine Menschen. Wir fotographieren, genießen den Sonnenaufgang und die einsetzende Wärme und machen uns dann gemütlich auf den weiteren Weg nach Sossusvlei.
Beim großen Parkplatz überlege ich noch, ob ich die Luft wirklich rauslassen soll, da das wieder Aufpumpen mit dem Kompressor ein wenig mühsam ist. Während ich so überlege, bleibt ein Fahrer eines Tour-Fahrzeugs stehen und fragt, ob ich eh die Luft auslasse 😉. Na gut, dann lassen wir die Luft auf 1,5 Bar raus, der weitere Weg durch den Sand ist damit problemlos möglich.
Sossusvlei erreichen wir gegen 7:30 und beschließen erst einmal gemütlich zu frühstücken. Wenn wir schon unser ganzes “Heim” mitschleppen, dann können wir ja auch essen, wo wir wollen 😉. Wir parken das Auto unter einem Baum, nützen die angebotenen Tische und Sitzgelegenheiten und streiten mit den dutzenden Spatzen und Mäusen um unser Brot. Doch noch mehr als Krümel stehen die kleinen Vögel offenbar auf Wasser, das wir ihnen in einem Topf hinstellen…
Wir haben den gesamten Platz mehr oder weniger für uns alleine, nur ab und zu kommt ein Auto vorbei, dreht eine Runde und fährt wieder weg. Herrlich, diese Stille. Wir genießen rund zwei Stunden Ruhe, machen uns schließlich gegen halb zehn auf den Weg zur kleinen Düne und erklimmen sie auch. Immer wieder ändern sich die Ausblicke auf das Vlei und die gegenüberliegenden Dünen.
On Top sieht man sogar bis ins Dead Vlei hinüber. Nach dem Abstieg gehen wir über die weisse harte Kruste Richtung Parkplatz und teilen uns das Gebiet nur mit einem Strauss. Der taucht danach nochmal auf, als wir schon beim Auto sind. Ich schaffe es noch, mit dem Tele ein paar Fotos zu machen, entdecke noch ein paar Oryx, malerisch oben auf den Dünen. Wir sitzen dann noch eine Weile im Schatten, ich überspiele die Fotos schon mal auf den Laptop, und schauen sie kurz durch. Gemütlich packen wir dann zusammen und machen uns auf den Rückweg, wo ich noch ins Dead Vlei möchte. Nicole beschließt, diese Wanderung nicht mitzumachen und bleibt im Schatten beim Auto zurück. Der Weg ist nicht sonderlich anstrengend, ich brauche rund 20 Minuten in drückender Hitze bei gleißendem Sonnenschein. Wasser hab’ ich natürlich mitgenommen, ab und zu rinnt der heisse Sand in meine Sandalen, alles in allem ist es aber erträglich. Vor allem, wenn man danach mit einem menschenleeren Dead Vlei belohnt wird. Unglaublich, diese Farben, diese Ausblicke, diese Fotomotive. Ich wandere durch das Vlei, fotographiere hier diesen Baum, dort den anderen, einmal in die Ferne, einmal ganz nahe. Verbringe rund 40 Minuten dort, setze mich in den Sand, trinke ein wenig und genieße die Stille und die Eindrücke dort, bevor ich mich auf den Rückweg mache.
Nicole hat in der Zwischenzeit unter dem Baum am Parkplatz Bekanntschaft mit einem Strauss gemacht und ein wenig gelesen (und natürlich immer wieder nach mir Ausschau gehalten ;-)). Wir fahren anschließend bis zum Parkplatz der Teerstraße zurück, wo wir uns noch einen Tomaten-Thunfischsalat machen, ebenfalls wieder in vollkommener Einsamkeit. Es stehen zwar zwei Shuttle-Fahrzeuge dort, von den Fahrern ist aber weit und breit nichts zu sehen. Anschließend pumpen wir die Reifen wieder auf und fahren gemütlich – mit Sichtungen einiger Oryx und Strausse – zur Campsite zurück, wo wir noch ein wenig in der Bar sitzen. WLAN gibt es leider nicht, so machen wir kurz einen Hotspot auf und erledigen ein wenig Korrespondenz, bevor wir zu unserem Platz zurückfahren und Abendessen machen.
Teil 718. Feb. 2015
Tag 4 – 20. Jänner 2015
Heute haben wir’s nicht wirklich sehr eilig, die paar Kilometer bis Swakopmund radeln wir locker ab und in Solitaire waren wir auch schon. Wir schlafen ein wenig länger, werden in der Früh kurzzeitig von den Frühaufbrechern Richtung Sossusvlei geweckt, schlafen aber dann bis ungefähr halb acht wieder ein, bis die Sonne doch schon zu stark in’s Dachzelt scheint. Wir frühstücken und brechen gegen 9:30 auf, nachdem wir uns noch ein Permit für die Straße durch den Naukluft-Park besorgen. Machen anschließend doch noch einen kurzen Stopp in Solitaire, kaufen noch ein Brot, fotographieren die Erdmännchen, die sich fotogen fressend (aber leider in den Schatten) hinstellen und genießen anschließend die abwechslungsreiche Landschaft, die sich auf der Fahrt bietet.
Vor allem der Kuiseb Canyon gefällt uns landschaftlich sehr, wir sehen neben den obligatorischen Oryx und Springböcken einige Zebraherden (die ersten auf dieser Reise), sogar (Wild?)Pferde kommen uns auf der Straße entgegen.
Nach dem Canyon nehmen wir die Verbindungsstraße Richtung Norden und C28, dass man da ein Permit benötigt OK, aber warum diese Strecke als “4×4 only” bezeichnet wird, ist mir nicht ganz klar. Auf der Ganab Picnic Site essen wir zu Mittag, bevor wir weiter Richtung Swakopmund fahren.
Richtung Windhoek ist ein schweres Gewitter auszumachen, Richtung Swakopmund ist allerdings alles wolkenlos. Die C28 ist in einem wirklich extrem guten Zustand, keinerlei Wellblech auszumachen. Nachdem wir da so gut vorankommen, beschließen wir, den Welwitschia Plains 4WD Trail und anschließend den Swakop-Rivier zu fahren. Kurz nach der Abzweigung klemmt sich ein LKW mit ~ 80 km/h hinter uns, irgendwie will ich ihn wegen unserer ohnehin schon geschädigten Windschutzscheibe nicht überholen lassen und fahre zum Unmut von Nicole an zwei oder drei Welwitschias vorbei. Werden ja wohl auf dem “Welwitschia Drive” noch ein paar kommen, an denen wir anhalten können, ohne dass uns ein LKW mit Staub und Steinen einhüllt… Bei der Abzweigung Richtung Westen bleibt der LKW dann zurück, bis zur D1991 gibt’s dann viel Landschaft aber keine einzige Welwitschia mehr. Warum diese Strecke “Welwitschia Drive” genannt wird, ist mir ein Rätsel. Vielleicht gibt’s ja an der D1991 Richtung C28 noch welche, dort kommen wir allerdings nicht mehr vorbei, wir fahren nämlich durch die sehenswerte Schlucht nach Norden Richtung Goanikontes.
Dort lassen wir wieder Luft aus den Reifen, um den Sand-Trail im Swakop zu fahren. Das nächste Mal werd’ ich mir das aber sparen, der Track wäre sicherlich auch ohne Luftablassen fahrbar gewesen. Und wie schon im ersten Teil berichtet, müssen wir im Auto beim Wiederaufpumpen jedesmal eine gröbere Umräumakton starten, damit wir zum Kompressor gelangen können…
Wir gelangen schließlich auf die Teerstraße, bleiben kurz beim Martin Luther Museum stehen, das ist allerdings schon (oder überhaupt?) geschlossen. Irgendwie macht es einen vernachlässigten Eindruck, die Scheiben sind vollkommen verschmutzt und drinnen liegen auch zahlreiche Dinge am Boden herum. Für mich sieht es fast so aus, als ob das Museum generell geschlossen wäre…
In Swakopmund fahren wir zum Desert Sky Backpackers. wo wir für die folgenden drei Nächte ein Zimmer gemietet hatten. Es gäbe dort zwar auch Stellplätze im Garten, wo man das Dachzelt verwenden könnte, allerdings wollen wir uns hier das Hantieren mit dem Dachzelt ersparen, da wir einige Ausflüge vorhaben. Zimmer, Lage und Preis/Leistungsverhältnis sind in Ordnung, vor allem, wenn man ohnehin den ganzen Tag unterwegs ist und eigentlich nur zum Schlafen in die Unterkunft kommt. Da es schon recht spät und finster ist, gehen wir nicht mehr weit, sondern essen noch etwas im Brauhaus, bevor wir schlafen gehen.
Tipp: Ach ja, bevor ich’s (wieder) vergesse, eventuell hilft’s ja dem einen oder anderen: Wenn man vor hat, mit unterschiedlichen Kameras zu fotographieren und die Bilder danach auch gemeinsam verwenden will, hilft es ungemein, vor Beginn der Reise alle Datums- und Uhrzeiteinstellungen zu vereinheitlichen. Es macht das Nachbearbeiten und Sortieren der Fotos ungemein einfacher 😉
Teil 821. Feb. 2015
Vielleicht fragt sich der eine oder die andere schon, was das mit dem Titel auf sich hat. Peanut habt ihr ja schon kennengelernt, aber "Glück"? Wo ist das? Also abgesehen davon, dass wir Glück haben, dieses wunderbare Land bereisen zu können...
Ich darf euch noch ein wenig um Geduld bitten, das Glück kommt bald zu uns in vielfältiger Form. Und mitunter so massiv, dass es einfach in den Titel musste 😉. Jetzt geht's mal mit dem "normalen Touristenprogramm" weiter...
Tag 5 – 21. Jänner 2015
Nach einer wieder frühen Tagwache um 6:45 frühstücken wir gemütlich, bevor wir pünktlich um 8 Uhr zur Little Five Tour von Tommy und seinem Landrover abgeholt werden. Wir sind die ersten, beim Municipal Restcamp holen wir noch ein älteres Ehepaar aus Südafrika ab, bei der Einfahrt in die Dünen beim Quad-Center stößt anschließend noch ein US-Pärchen zu uns. Zu sechst nehmen wir dann die Tour unter die Räder.
Die Tour selbst ist – geschuldet der kleinen Gruppe – sehr interessant und informativ. Tommy erzählt seine Geschichten wechselweise in Deutsch und Englisch, hüpft mal hier mal da aus dem Auto, um im Sand zu graben und präsentiert uns – neben zahlreichen Geschichten und Wissen über die Namib – auch die kleinen Tiere, deretwegen wir ja eigentlich diese Tour machen. Ausserdem werden an einer Düne noch einige Käfer als Futter für die Chamäleons eingesammelt.
Die Tour selbst dauert rund fünf Stunden und ist für uns ein voller Erfolg. Wir finden fast alle Tiere, die er finden wollte (einzig die weisse Spinne wollte sich nicht und nicht zeigen). Eidechsen, auch jene Exemplare, die tief im Sand verborgen eine nahezu durchsichtige Haut haben und besonders farbig sind. Chamäleons, die einzigartig sind, da sie besonders schnell laufen können, um die bevorzugte Beute, die schwarzen Käfer, zu erwischen. Diese Chamäleons werden – so erzählt uns Tommy – mit kleinen Chips versehen, die er anschließend mit speziellen Geräten auslesen kann. Dies soll den Schmuggel eindämmen, solche Chamäleons erzielen in Europa extrem hohe Preise, da sie sehr selten sind. Spektakulär ist auch der Fund des, natürlich bei einem Stich tödlichen, Skorpions, den Tommy fängt. Und auch die Sidewinder Schlange finden wir zum Schluss.
Wie wahrscheinlich bei jeder Tour müssen die weiblichen Mitglieder als Models herhalten. Ihnen werden wechselweise die kleinen Eidechsen an die Ohrläppchen gehängt, der Skorpion auf den Handrücken gesetzt und die Chamäleons samt zu verspeisender Maden auf die Hand gesetzt.
Während der Fahrt sind in Fragmenten noch Teile der alten Bahnlinie zwischen Walvis Bay und Swakopmund zu sehen, die ältere Dame aus Südafrika ist auf dieser Bahnlinie vor ~ 60 Jahren noch unterwegs gewesen, wie sie uns erzählt. Da hat sich in diesem Zeitraum einiges verändert 😉.
Zum Abschluss der Tour gibt es noch ein wenig “Dune-Riding” in den Sanddünen, wieder eine “Lehrstunde”, was alles möglich ist mit einem entsprechenden Fahrzeug, allerdings gehört da natürlich auch einiges an Erfahrung dazu. Zudem bleiben wir noch kurz am Strand stehen, wo Tommy mit einem Magneten noch schwarzen, extrem eisenhaltigen Sand aufnimmt. Wieder ein Sackerl voll Sand für Nicole 😉.
Nachmittags nützen wir noch ein wenig das Internet in unserer Unterkunft, bevor wir uns ein wenig in die Stadt aufmachen. Wir besuchen die Promenade, essen im Museum-Cafe eine Kleinigkeit, beobachten die Baustelle des neuen Hotels und fahren anschließend zum Spar, wo wir für die kommenden zwei Wochen unsere Vorräte auffüllen. Zurück im Quartier räumen wir das Auto ein wenig um, da wir aufgrund der ersten Fahrtage einige Dinge optimieren wollen. Unsere beiden Reisetaschen, die auf den Rücksitzen viel Platz wegnehmen, werden in dicke Müllsäcke gehüllt und auf das Dach verfrachtet, die gekauften Wasserkanister werden an der Rückwand des Canopys festgezurrt, die Schubladen werden ein wenig umgeräumt, etc. Wir frieren auch das erstandene Fleisch im großen Kühlschrank des Quartiers ein, damit es anschließend länger hält und hängen schließlich den Kühlschrank des Autos an den Strom im Zimmer, damit die Batterie ein wenig geschont wird.
Später gehen wir noch ein wenig spazieren, allerdings sind bereits alle Geschäfte geschlossen, da es nach 18:00 Uhr ist. Wir stolpern schließlich noch in den Park, in dem allerlei “handgeschnitzte” Souvenirs verkauft werden und erstehen “good price, good price” vollkommen überteuerte kleine Elephanten, obwohl ich meine liebe Frau noch davor gewarnt hatte 😉. Na, ja. Den Erwerb einer Nuss wehre ich anschließend mit “Thanks, but I’ve got one already” ab, bevor wir im Tug am reservierten Fensterplatz den Sonnenuntergang und unser Abendessen genießen.
Teil 922. Feb. 2015
Tag 6 – 22. Jänner 2015
Um 7:15 ist heute Abfahrt nach Walvis Bay, dort wollen wir die Bootstour sowie die Fahrt nach Sandwich Harbour unternehmen. Zum Glück hält sich der Nebel heute in Grenzen, wir kommen rechtzeitig an und das Navi lotst uns auch gleich richtig zur Abfahrtsstelle. Im Hafen liegt ein großes Kreuzfahrtschiff, das aus Kapstadt kommend am Morgen festgemacht hat. Auf der Wiese daneben wird ein großes Bierzelt aufgebaut. Angeblich drehen sie hier heute auch für einen Film, näheres können wir nicht herausfinden. Leider ist es ziemlich bewölkt, mit etwa 18 Grad auch recht frisch. Hätte mir doch meine Jacke mitnehmen sollen. Sommer in Namibia 😉
Wir fahren mit Silverline Katamaran und ungefähr 15 Besuchern an Bord hinaus, wo gleich der obligatorische Seelöwe an Bord kommt. Belohnt mit Fisch bleibt er eine Zeit lang an Deck, während charakteristische Merkmale erklärt werden. Zudem kommen dann auch die Pelikane, von denen einer von unserem Guide aufgezogen und daher besonders zutraulich ist. So zumindest wird es uns erklärt 😉.
Wir fahren entlang der Landzunge Richtung offenes Meer, erfahren anhand des plastischen Beispiels, dass ein schwarz/weißer Leuchtturm besser zu sehen ist, als ein rot/weisser, wenn davor und dahinter Wasser ist und erfahren auch, dass die Landzunge jedes Jahr um einige Meter wächst. Dies ist auch der Grund, warum der Leuchtturm nun schon lange nicht mehr an der Spitze der Landzunge steht. Trotz Decken, die ausgeteilt wurden, ist es immer noch ziemlich frisch, der Fahrtwind des Bootes tut sein übriges. Wir besuchen die Seelöwenkolonie, die an der Spitze der Landzunge beheimatet ist, sehen ein paar Kanuten der hier ebenfalls angebotenen Paddeltouren und nehmen dann Kurs auf’s offene Meer, um eventuell Delphine, Wale oder Seeschildkröten zu finden. Leider lässt sich heute keines der genannten Tiere sehen.
Wir fahren an zwei großen Bohrschiffen vorbei, bevor wir umdrehen und Richtung Walvis Bay zurückfahren. Auf der Rückfahrt wird nun in der Kabine des Schiffes aufgetischt. Austern (die hier gezüchtet werden und wegen des extrem nährstoffhaltigen Wassers schnell wachsen und “die besten der Welt” sein sollen), Sekt, alle Arten von Fingerfood und anschließend süße Nachspeisen verkürzen die Fahrt. Dennoch bleibt bei mir ein etwas zwiespältiges Gefühl, wirklich lohnenswert war dieser Ausflug für mich nicht.
Anders verhält es sich mit der Tour nach Sandwich Harbour. Diese findet gleich anschließend an die Bootstour statt. Im Vorfeld habe ich mich bereits über die Gezeiten informiert und mitbekommen, dass am Nachmittag die Flut beginnt. Zudem soll es sich um eine “Springtide” handeln, also um eine besonders starke Flut. Deshalb konnte uns auch nicht zugesichert werden, dass es sich bis Sandwich Harbour ausgehen würde. Kurt, unser Fahrer, der schon seit über 20 Jahren für die Agentur fährt, ist heute mit eigenem Fahrzeug unterwegs und möchte uns unbedingt nach Sandwich bringen. Entsprechend ist sein Fahrstil auf dem brettlebenen Strand. Die Fahrt ist beeindruckend, links die Dünen, aus denen Sand-Wasserfälle fliessen, rechts das Wasser, dessen Wellen immer weiter Richtung Dünen kommen.
Trotz ein paar Fotostopps erreichen wir Sandwich Harbour noch rechtzeitig, um ein Stück die Düne hinauf zu klettern und Fotos zu machen.
Nach ca. 20 Minuten geht’s dann zurück. Einige Wellen kommen nun schon bis zum Dünenansatz, fahrbar bleibt es allerdings, auch wenn wir einmal eine kleine Welle mitnehmen. Man kann aber erahnen, dass es maximal noch 15 Minuten braucht, bis diese Passagen unfahrbar werden. Und das war erst zu Beginn der Flut. Beachtet man die Gezeiten und ist mindestens mit zwei Fahrzeugen unterwegs, ist die Fahrt nach Sandwich Harbour allerdings ziemlich problemlos machbar.
Schließlich erreichen wir den Punkt, an dem man vom Wasser weg in die Dünen fahren kann und erklimmen “the top of the dunes”, wo wir einen herrlichen Ausblick auf die Dünenwände haben. Auch hier gibt’s mitten im Sand wieder etwas zu essen. Wieder Austern, Brötchen und Sekt. Wir genießen es, zudem ist mittlerweile die Sonne ein wenig rausgekommen und die Temperaturen sind ebenfalls wieder angenehm.
Auf der Rückfahrt hat Kurt ebenfalls wieder viel Spaß, uns zu zeigen, was ein Landrover und er in den Dünen kann. Bergauf, bergab geht die Fahrt, wobei er uns auch immer wieder interessante Geschichten über Flora und Fauna der Wüste erzählt und auch zeigt. Vor allem die kleinen Tunnel, die Schakale graben und in denen sie dann unterirdisches Wasser finden, sind sehr interessant.
Als wir nach Walvis Bay zurück kommen, ist das große Schiff bereits wieder weg und das Bierzelt wird schon wieder abgebaut. War ein kurzer Aufenthalt, der eher wenig für die ansässigen Tourismusbetriebe gebracht hat. Wir fahren nach Swakopmund zurück und beschließen den Abend in der Tiger Reef Bar, wo wir noch einen Drink nehmen, gegessen haben wir heute schon genug.
Teil 1027. Feb. 2015
So, nach einigen sehr arbeitsreichen Tagen ohne Möglichkeit, weiterzuschreiben hier nun Tag 7, der uns nun in die Einsamkeit führt...
Tag 7 - 23. Jänner 2015 Wir stehen gemütlich auf, packen zusammen, checken aus und fahren anschließend zum Village Cafe auf ein Frühstück. Nach einer kleinen Shopping-Tour, bei der eine Reisegefährtin für Peanut erstanden wird und wir einige Postkarten abschicken, heben wir noch Geld ab und fahren zur Tankstelle. Für 922 gefahrene Kilometer tanken wir 132 Liter, der Schnitt von ~14 Litern ist für die Gravelroads mal OK und für mich ein erster Anhaltspunkt.
Dann geht's auf Richtung Norden auf der Salzstraße bei diesigem und eher kaltem Wetter, es hat gegen 10 Uhr gerade mal 20 Grad. Hoffentlich kommt die Sonne raus, wenn wir dann Richtung Osten fahren.
Es ist überhaupt kein Verkehr und die Straße in perfektem Zustand, ich stelle den Tempomat auf 110 und so fahren wir bis nach Henties Bay. Dort fahren wir in den Ort, um ein paar Zeitungen zu kaufen, in die wir unser Gemüse einwickeln und ein wenig vor dem Staub schützen wollen. Überall werden Hochseeangeltouren angeboten, ich glaube, das nächste Mal werde ich hier zwei Nächte verbringen und einen Tag Hochseefischen gehen.
Wir fahren weiter nach Cape Cross, wo wir den Seelöwen einen Besuch abstatten. Ausser uns sind noch zwei andere Fahrzeuge da, deren Besitzer aber recht bald wieder losfahren. Wir gehen eine Runde auf dem Holzsteg, Nicole schmiert sich gegen den doch sehr strengen Geruch gleich mal ein wenig Tigerbalsam unter die Nase, wir filmen und fotographieren die doch sehr beeindruckende Kulisse mit den zigtausenden Tieren und fahren anschließend zum Eingang zurück.
Ab jetzt geht's Richtung "Einsamkeit", wobei wir auch heute den ganzen Tag schon kaum mehr Autos gesehen haben. Die Straße, die gleich nördlich von Cape Cross Richtung Brandberg und Messumkrater führt, ist geschoben, was mich dann doch ein wenig wundert, war diese doch 2011, als wir dort mit dem Motorrad gefahren sind, eine einfache Fahrspur.
Was hier nach einigen Kilometern sofort auffällt: Welwitschias. Dutzende, wenn nicht hunderte dieser eigentümlichen Pflanzen säumen hier die steinige Ebene. Wir bleiben immer wieder stehen und machen Fotos, leider gibt's sonst keine anderen Lebewesen, die uns vor die Linse hüpfen.
Wir nützen einen mitten in der Einsamkeit errichteten Picknickplatz (Messum Crater View Point in der T4A Karte) und genießen trotz des doch heftigen Windes ein kaltes Mittagessen.
Danach packen wir unser Gemüse noch in die Zeitungen und fahren weiter durch den Krater, der am Boden nicht wirklich danach aussieht. Dort, wo wir noch 2011 an einem kleinen Berg campiert hatten, würde mein Zelt nun mitten auf der geschobenen Straße stehen. Genau hier verlassen wir aber nun diese Straße, die nach Osten Richtung D2342 führt und fahren auf der einfachen Fahrspur über die Ebene Richtung Norden. Ab hier bin ich sehr froh, die Route auf dem Garmin vorgeplant und das Navigationsgerät mit zu haben. Oft wird diese Strecke offenbar nicht befahren und so kommt es, dass wir trotz Navi immer wieder die Fahrspur verlieren und uns plötzlich auf einer anderen Spur wiederfinden, die von der ursprünglichen Route wegführt. Zudem sind mitunter parallel verlaufende Spuren vorhanden, die schließlich aber doch von der Route wegführen. Die Navigation ist da nicht wirklich einfach, der Untergrund insgesamt sehr steinig und mit vielen tiefen Rillen versehen. Wirklich flott kommen wir hier mit dem Geschaukel nicht mehr voran. Wir halten Ausschau nach Tieren, bekommen aber immer wieder nur Welwitschias, aber die dafür in wirklich extremen Größen. Bei einer wirklich Extremen machen wir einige Fotos, dass es die absolut Größte war, die wir insgesamt gesehen haben, stellt sich natürlich erst viel später heraus.
Wir genießen die Einsamkeit, einzig das Wetter wird seitens meiner lieben Frau moniert und tatsächlich, eine derart durchgängige Bewölkung und immer wieder leichterer und stärkerer Nieselregen habe ich bei meinen beiden vorherigen Reisen auch im Jänner nicht mitbekommen. Zum Glück sind wir im Auto und nicht mit dem Motorrad unterwegs. Die Landschaft ist dennoch unglaublich abwechslungsreich. Berge, Schluchten, Ebenen wechseln sich ab, gleich bleibt nur der Untergrund. Steinig. Nachträglich verrät mir der aufgezeichnete Track, dass wir knapp über zwei Stunden lang nie über 30 km/h hinausgekommen sind.
Ein kleines Experiment: 45 Minuten reduziert auf viereinhalb Minuten. Inklusive zweimaligem Verfahren und das trotz Navi...
Erst als wir einen kleinen Kamm überqueren finden wir uns auf einer sandigeren und mit Gras bewachsenen Fläche wieder und trauen dem Auto und den Reifen wieder höhere Geschwindigkeiten zu. In einem schmalen Flussbett scheuchen wir eine Herde Springböcke auf, die eine Zeit lang vor uns herlaufen, erst als die Fläche wieder breiter wird, springen sie nach rechts weg und kommen wieder zur Ruhe.
Mittlerweile regnet es wieder stärker, ein bisschen drückt das - neben der zweistündigen Schaukelei - nun die Stimmung am Beifahrersitz und das Ziel wird herbeigesehnt. Zum Glück erreichen wir kurz darauf die geschobene D2342, die uns zur D2303 bringt. Hier ist zwar jetzt wieder einfache Fahrspur angesagt, allerdings ist das Rhino Ugab Camp nun wirklich nicht mehr weit. Wir passieren die enge Schlucht und stehen danach vor der Kette, die die Straße hier absperrt. Unser Anliegen, hier campen zu wollen, wird positiv beschieden, kein Wunder, ist ja sonst niemand hier. Wir suchen uns gleich den ersten Platz aus, der mit einem dichten Holzzaun umgeben ist, dennoch gibt's am Baum prominent angebracht entsprechende Warnungen.
Sanitäre Einrichtungen sind vorhanden, wenn auch sehr basic, aber das stört uns nicht, wir sind endlich "in the middle of nowhere" angekommen.
Wir kochen einfach Spagetthi mit Soße, Feuer möchte ich heute keines mehr anzünden. Viel unangenehmer ist hier der wieder einsetzende Nieselregen, dem wir eine Zeit lang mit dem großen Sonnensegel Paroli bieten können, irgendwann tropft es aber auch hier durch und wir verziehen uns ins Zelt. Kurz danach beginnt es wieder heftig zu regnen, was schlussendlich auch mit einer nassen Matratze auf meiner Seite endet.
Hm. Regenzeit in Namibia und das Zelt nicht ganz dicht.
Teil 1108. März 2015
Lang, lang ist's her seit Tag 7, ich hoffe, ein paar können und wollen noch weiterlesen. Ich hatte viel zu tun die letzte Woche, gelobe aber Besserung und schnellere Aktualisierung. Sollte nicht mehr jeweils über eine Woche dauern...
Tag 8 – 24. Jänner 2015
Auch heute gehen wir es gemütlich an, vor allem, weil es wieder leicht nieselt. Nach einem kleinen Frühstück packen wir das Zelt nass zusammen und fahren gegen 9:30 los. Zuerst den Ugab entlang, danach einen Seitenarm. Abwechselnd haben wir Steine und Sand als Untergrund, fahrerisch und landschaftlich sehr abwechslungsreich.
Nach rund 20 Kilometer weitet sich die Landschaft wieder und die canyonartigen Schluchten sind vorerst Vergangenheit. Auch hier muss es gestern ordentlich geregnet haben, wir wirbeln nirgendwo Staub auf. Zudem ist auch der Himmel extrem bedeckt und es kommt auch immer wieder Nieselregen von oben. Dazu kaum 25 Grad, bisserl schaut’s aus wie bei uns im November 😉.
Wir machen Rast an der Ais Fountain, tragen uns dort in das in einer kleinen Blechdose befindlichen Heftchen ein und fahren anschließend weiter. Tiere lassen sich heute auch kaum sehen, mehr als ein paar Oryx, eine Handvoll Springböcke und zwei Zebras stehen nicht auf der Sichtungsliste heute. Ich muss mir schon ein paar Kommentare von links anhören, wie ich denn sagen könne, dass es während der Regenzeit kaum regnen würde. 😉
Nach einiger Zeit kommen wir an eine “Oase”, einen Bereich, wo offenbar immer Wasser zu finden ist. Rundherum dichtes Schilf, der Weg führt geradewegs durch das Wasser. Da davor einige größere Steine liegen, steige ich kurz aus, um den besten Weg rund um die Steine zu finden. Mein Vorschlag, dass Nicole aussteigt und vor geht, um zu filmen wird freundlich aber sehr bestimmt abgelehnt. Auch weil sich links neben dem Auto plötzlich große Spuren befinden… Na, ja. Wird wohl kein Löwe in der Gegend sein 😉.
Weiß jemand, wer sich da herumgetrieben hat?
Ich fahre durch’s Wasser, danach ist guter Rat teuer, es ist nicht wirklich ein Weg auszumachen. Das Navi hilft auch nicht wirklich weiter, so fahren wir links in das Schilf, da hier eine Spur zu erahnen ist. Wie’s weiter geht, sieht man hier in dem Video. Im Augenwinkel ist mir der richtige Weg auch aufgefallen, aber die andere Spur war verlockender…
Schließlich kommen wir rund 40 Kilometer vor dem heutigen Tagesziel zum Huab. Hier kenne ich mich aus, da sind wir schon zweimal mit dem Motorrad gewesen. Elli-Land sondergleichen. Wir haben noch Zeit, somit beschließen wir, 10-15 Minuten “flussaufwärts” zu fahren, um zu schauen, ob wir nicht doch einen Elefanten irgendwo finden können. Die Zeit verrinnt, die Fahrt ist herrlich, das Auto läuft perfekt auf diesem Untergrund, wir sehen Elli-Dung, Bäume, die von Ellis umgerissen wurden, Elli-Spuren nur keinen Elli. Ausser Peanut natürlich. OK, nach 15 Minuten Rückfahrt bis zur Querung. Wir haben immer noch Zeit, also noch 10 Minuten “flussabwärts”. Vielleicht sind sie ja dort…
Aber auch dort finden wir nix. Wirklich schade. Dort, wo wir umdrehen, führt aus dem Fluss ein Weg hinauf, ich beschließe, oben zurück zu fahren, vielleicht sind die Tiere ja dort zu finden. Aber auch da finden wir nur Hinterlassenschaften und Spuren. Also gut, heute wird das nichts mehr, bei einer verlassenen Siedlung führt wieder ein Weg in den Fluss, da fahren wir jetzt rein und ab zum Campingplatz. Doch plötzlich…
Er versucht zwar, sich zu verstecken, ich hätte ihn wahrscheinlich erst gesehen, wenn ich ihm auf die Zehen gefahren wäre, aber Nicoles geschulten Augen entgeht nichts. Und da haben wir ihn. In voller Größe. Und er ist auch überhaupt nicht hektisch, kommt allerdings zuerst ein paar Meter auf uns zu, worauf ich vom Weg ein Stück zurückschiebe und mich besser positioniere, falls er doch nervös werden sollte. Aber wir können ihn hier lange beobachten, währenddessen setzt heftiger Regen ein, nasser Elefant im trockenen Fluss, sowas hab’ ich auch noch nicht gesehen.
Nach ca. 15 Minuten geht er gemütlich in das Flussbett zurück, wir haben noch nicht genug und umfahren ihn auf der oberen Seite, fahren bei der Querung wieder ein Stück flussabwärts und sehen ihn wieder in der Nähe des Weges, den wir vorher hinunterfahren wollten. Wir positionieren uns wieder fotogerecht und beobachten ihn weiter. Herrlich und ein volles Erfolgserlebnis, endlich der erste Elefant. Wir bewegen uns mit gutem Abstand ein wenig mit ihm mit, machen zahlreiche Fotos, bis ich eher zufällig als geplant kurz flussaufwärts schaue. Dort sehe ich Wasser auf uns zukommen, noch ca. 50 Meter weg und nicht meterhoch, aber dennoch. Es reicht, um den Elefanten links liegen zu lassen und über den Weg, den wir vorher runterfahren wollten, den Huab zu verlassen. Kurz mache ich mir Gedanken, weil wir ihn ja ein Stück flussaufwärts noch queren müssen, dort ist aber interessanterweise gar kein Wasser, das dürfte dazwischen irgendwo eingeflossen sein.
Da sind wir ein paar Minuten vorher noch drin gestanden...
Ich folge nun der programmierten Route, was rückblickend betrachtet aus Zeitgründen vielleicht nicht die beste Idee war, führt diese doch weiter durch diverse kleinere Reviere, in denen aber kein Wasser fließt. Schneller wäre es gewesen, vom Huab eine “schnellste” Route neu zu programmieren, allerdings erreichen wir unser geplantes Ziel auch noch rund zwei Stunden vor Sonnenuntergang. Durch die starke Bewölkung und den heftigen Dauerregen ist’s jedoch nicht mehr ganz hell. Im Aabadi Mountain Camp angekommen, stellen wir fest, dass niemand da ist. Also nicht nur keine anderen Gäste, sondern gar niemand. Und es schüttet. Und wird langsam finster. Ich schaue kurz in die befestigten Zelte, die offen sind, dort gäbe es ein Doppelbett. Aber wir müssten alles durch den Regen tragen, zudem haben wir noch Hunger… Nicole ist es auch nicht ganz geheuer, einfach hier ein Zelt zu “nehmen”, ohne dass die Besitzer da sind. Schließlich drehen wir um und fahren zurück zur Twyfelfontain Lodge. Was soll’s, heute wollen wir eh nicht mehr Campen, es regnet seit zwei Stunden ohne Unterlass und es sieht auch nicht so aus, als ob es bald aufhören würde.
Mit Audio-Kommentar, weil vom Inneren des Autos aufgenommen.
Die Lodge reisst mit 2.600 N$ (~190 Euro) für uns beide plus Abendessen ein bisschen ein Loch in die Reisekasse, es war aber die beste Entscheidung, die wir heute hier treffen konnten. Als wir gegen halb neun Abendessen gehen, regnet es immer noch, erst gegen 22 Uhr hört es auf. Das Abendessen nütze ich und Peanut, um eventuelle Umplanungen mittels Karte vorzunehmen…
Teil 1209. März 2015
Tag 9 – 25 Jänner 2015
Heute ist zur Abwechslung einmal etwas früher Tagwache, wir stehen um sieben Uhr auf und kommen nach dem gemütlichen Frühstück und dem Zusammenpacken unserer Habseligkeiten (was haben wir da gestern alles aus dem Auto geräumt? ;-)) gegen 8:45 von der Lodge weg, um Richtung Palmwag zu fahren. Die Idee, zuerst Richtung Osten und über die D2633 in den Upper Huab Trail einzufahren, habe ich gestern nach dem Wassererlebnis und dem vielen Regen schon ad acta gelegt, glaube nicht, dass das alleine eine gute Idee ist. Da wird ebenfalls einiges an Wasser fließen. Wir fahren also die D3254 Richtung Norden, allerdings kommen wir nicht weit. Genauer gesagt nur bis zum Aba-Huab Riverbed Crossing. Dort geht mal gar nix mehr, da der Fluss über die gesamte Breite fließt. Und das durchaus ordentlich.
War eh klar, nach dem Regen gestern, irgendwo muss das Wasser ja hin. Ich gehe einmal drüber, versinke teilweise bis über die Knöcheln im Schlick. Das Wasser geht bis knapp zu den Knien und dabei habe ich den stark fließenden Teil ganz auf der anderen Seite gar nicht durchquert. OK, dann warten wir mal ab und schauen, was passiert. Es dauert nicht lange, bis auf der gegenüberliegenden Seite ebenfalls zwei Fahrzeuge stehen. Auch diese steigen mal aus und warten. Zu uns gesellen sich dann ein paar Einheimische, die mich nach den Daten des Autos ausfragen und meinen, mit Untersetzung und dem gesperrten zweiten Gang würde der Hilux das schon schaffen. Ich bin ein wenig skeptisch und warte lieber noch ein wenig. Nach etwa einer halben Stunde ist das Wasser ein wenig zurückgegangen, mir aber immer noch zu hoch und die Strömung auf der anderen Seite zu stark. Während wir immer noch alleine sind, ist drüben schon Stau angesagt, 6 Autos und ein Bus stehen dort und warten. Immer noch wollen mich die fünf Zuseher überreden, doch schon zu fahren, aber ich bleibe standhaft. Mag ja nicht als erster absaufen dort.
Drüben macht sich ein wenig “Action” breit, eine Gruppe von ca. 15 Personen aus dem Bus beginnen, Schuhe in den Händen und Hosen hochgekrempelt, durch den Fluss zu waten. Abenteuerurlaub in Namibia. Die andere Hälfte sieht sich das vom sicheren Bus aus, während wir nun auf unserer Seite Motorengeräusch vernehmen und schon bald die beiden Unimogs aus der Lodge ausmachen, die offenbar die Touristen abholen sollen. Na fein. Die Chancen steigen, dass wir da bald wegkommen, mit zwei Unimogs in der Gegend kann ja auch ein Steckenbleiben nicht so dramatisch sein.
Einer der beiden fährt mal bis zur Flussmitte, bleibt dann aber stehen und fährt rückwärts wieder hinaus. Hm. Also wenn nicht mal der Unimog da durch fährt, war’s wahrscheinlich doch besser, dass ich das nicht versucht hatte 😉. Der Fahrer meint, dass er zuerst noch mehr Luft aus den Reifen lässt, gute Idee, das mach’ ich ihm dann auch gleich mal nach. Während der eine Unimog die mittlerweile heroisch durch den Fluss gewateten Menschen aufnimmt und in die Lodge bringt, wagt der andere den nächsten Versuch und fährt, eine kleine Insel in der Mitte zuhilfenehmend, auf die andere Seite rüber. Dort hat sich die Menge der wartenden Autos mittlerweile gelichtet, drei 4×4 Fahrzeuge sind weggefahren, als sie gesehen haben, dass der Unimog zurückschiebt. Weicheier 😉.
So, jetzt oder nie. Das Wasser ist während der letzten 40 Minuten weiter zurückgegangen, in den Reifen sind noch ca. 1 Bar Luft drin, zur Not muss mich halt der Unimog rausziehen. Untersetzung rein, 2 Gang gesperrt und den Spuren des Unimogs nach.
Wie beim Zahnarzt, hat gar nicht wehgetan und war gar nicht so schlimm. Ohne jegliches Problem meistern wir diese Etappe und ernten sogar Applaus 😉. Na, ja. Applaus war vielleicht ein bisschen übertrieben, aber unsere fünf Zuseher, die vor uns den Fluss zu Fuß durchquert haben, freuen sich mit uns, dass wir da durchgekommen sind: “I told you, you can make it with this car…” 😉.
Auf dem Weg nach Palmwag fahren wir beim Huab Crossing noch ein Stück den Upper Huab Trail flussaufwärts, einfach um mal zu sehen, wie es dort so aussieht. Anfangs ist kaum Wasser vorhanden, doch je weiter wir flussaufwärts kommen, umso mehr Wasser und sehr tiefe Stellen gibt es, zudem sind immer häufiger Querungen mit zwar seichtem aber noch fließendem Wasser vorhanden. Vor einer ziemlich breiten Querung drehen wir schließlich um und fahren über die C43 nach Palmwag. Die Wolken haben sich mittlerweile fast vollständig gelichtet und die Temperatur steigt auch wieder. Na bitte, doch Sommer in Namibia…
Wir fahren schließlich durch den Veterinärzaun und füllen an der Tankstelle die beiden Tanks auf. Ja, hier merkt man die Automatik und den Untergrund, den wir die letzten Tage gefahren sind. 105 Liter für 550 Kilometer macht im Schnitt 19 Liter auf 100 Kilometer. Nach dem Tanken fahren wir zur Palmwag Lodge, wo wir uns ein Permit besorgen und via Netbook ein paar Satellitenbilder anschauen wollen. So viel Regen ist eher ungewöhnlich und ich möchte zumindest wissen, wie das die nächsten Tage weitergeht. Leider bekommen wir mit dem Gäste-Internet nirgendwo in der Lodge eine Verbindung, weder in der Rezeption, noch in der Bar, wo wir uns einen Rock Shandy genehmigen. Sehr hilfreich sind die beiden Damen in der Rezeption auch nicht, anderes Netz gibt es nicht, ihren Computer könne ich nicht verwenden und Wettervorhersage haben sie auch keine. Hm. Ok, wir besorgen uns die Permits für heute und morgen für die Fahrt über den Crowtherstrail und die Übernachtungen und fahren Richtung Campsite 2. Bei der Einfahrt ins Konzessionsgebiet lässt der Torwächter noch kurz die Bemerkung “This is a lions area, don’t move far away from your car” fallen. Auf dem Weg machen sich die Zuseher bemerkbar, eine Giraffe und unser erster Schakal laufen uns vor die Linse. Ja, Oryx, Springböcke und Zebras müssen eh nicht mehr erwähnt werden.
Wir schaukeln uns so Richtung Campsite 2, als ich nach einer kleinen trockenen Bachdurchfahrt im Rückspiegel plötzlich regelmäßige Sandfontänen neben dem rechten Hinterrad aufsteigen sehe. Na, ned wirklich. Oder doch? Ich fahre vom Track ab und parke mich gleich daneben ein. Tatsächlich, hat mir doch ein festsitzender Stein die Seitenwand des Reifens aufgeschlitzt. Und das bei den neuen wirklich guten Exemplaren. Nicole wird nervös. “Löwengebiet hat er gesagt, da willst jetzt Reifenwechseln?”. Bleibt uns ja nix anderes übrig, ausserdem sieht man weit und die Löwen werden uns ja nicht als Mahlzeit auserkoren haben. Mit dem Highlift-Jack ist das auch recht rasch erledigt, schon alleine dafür bin ich froh, dass wir ihn dazu bestellt haben. Mit den Mini-Wagenhebern, die da beim Hilux serienmäßig dabei sind, müsste man halb unter’s Auto kriechen und ewig pumpen, bis das Rad mal oben in der Luft ist. Nicht mal 15 Minuten später ist alles erledigt und ich beginne mir die Frage zu stellen, wie wir da jetzt weiter tun.
Geplant ist ja der steinige Crowtherstrail, dann den Hoanib queren und weiter bis nach Purros. Zwei volle Tage “in the middle of nowhere”, ohne Ahnung, wie das Wetter und somit die Flüsse werden und das alleine und nur mit einem Reserverad. Ist mir zu heikel, ehrlich gesagt. Wir fahren um besseren Empfang am Handy zu haben, auf einen Hügel, wo wir die Notfall-Nummer von Savanna erreichen. Wir bekommen mitgeteilt, dass in Kamanjab in einer Garage Reifen von Savanna lägen, aber heute um 16:00 Uhr wäre – da Sonntag – keiner leider mehr dort. Ähem, “heute”? Heute machen wir eh nix mehr. Wir vereinbaren, dass wir dort morgen vorbeifahren, bedanken uns und steuern schließlich endgültig die Campsite an.
Die ist genial. Liegt auf einem kleinen Hügel mit Blick auf die darunterliegende Ebene und sehr weitem Sichtfeld rundherum (wegen der Löwen wär’s gewesen ;-)). Die Sonne scheint noch ordentlich, Wind geht auch, was uns hilft, das Zelt und alle Schlafsachen recht rasch wieder trocken zu bekommen. Nach nicht mal einer halben Stunde auf der Wäscheleine sind Decken, Pölster und Schlafsack wieder trocken. Und die Matratze im überall offenen Zelt ebenfalls. Währenddessen mache ich Feuer, ein paar Fotos (“Geh nicht so weit weg, da gibt’s Löwen”) und richte das Fleisch für heute Abend her. Oryxfilet mit Tomatensalat. Dazu das eine oder andere Windhoek Lager oder Windhoek Draught, für die Nicole Rotwein. Unglaublicher Platz hier, wir genießen ihn nach dem Essen noch sehr lange und ausgiebig.
Teil 1313. März 2015
Tag 10 – 26. Jänner 2015
Wir erwachen recht früh in unserem “Zimmer mit Aussicht” und genießen den Blick aus dem Dachzelt, bevor wir gegen 7 Uhr langsam rauskriechen. Wir frühstücken gemütlich, genießen die Sonne und den Ausblick ausgiebig, bis uns irgendwann sehr lautes Gebrüll aufschreckt. Hm. Das war eindeutig ein Löwe. Wir schauen uns um, sehen aber nichts. Hören aber umso besser und da brüllt er schon wieder. Na gut, wir wollten eh’ fahren 😉. Wir packen zusammen und fahren wieder Richtung Lodge. Allerdings sehen wir noch ein paar Giraffen etwas weiter weg und legen noch eine kleine Pirschfahrt ein. Das Wetter ist heute so, wie es zu erwarten ist, kleinere und größere Wolken, aber diesmal kein Regen. Die Giraffen sind zum Fotographieren leider zu weit weg, aber ein Zebra stellt sich wenigstens in Position.
Nach dem Reifenschaden ist heute eher ein Fahrtag auf Gravelroads angesagt. Wir passieren den Veterinärzaun dank einiger Tipps aus dem Forum ohne Probleme, einzig das gefundene Horn eines Springbocks muss zurückgelassen werden, das geschulte Auge des Beamten findet es in de Schublade, wo ich es unvorsichtigerweise gelassen hatte. Aber wir könnten uns das wieder mitnehmen, wenn wir nachmittags wieder vorbeikämen. 10 Minuten nach der Kontrolle ist dann alles wieder dort, wo es hingehört und wir fahren über den Grootbergpass in eine grüne Ebene hinunter. Hier hat es offensichtlich schon wirklich gut geregnet, die Wiesen sind grün, Wasserlacken befinden sich entlang der Straße und die Senken sind alle extrem ausgespült, was mitunter heftige Bremsmanöver erforderlich macht.
Peanut zeigt sich auch wieder mal 😉
In der Falkenberggarage in Kamanjab bekommen wir einen “neuen” alten Reifen, hier hat Savanna einige schon recht abgefahrene Reifen gelagert, die in solchen Situationen dann aufgezogen werden. Wenigstens war unser erster Reservereifen noch halbwegs gut in Schuss. Der wirklich neue Reifen, den wir uns kaputtgefahren haben, ist leider wirklich nicht mehr zu retten. Wir kaufen im Shop noch ein paar Kleinigkeiten ein, Nicole nützt währenddessen das offenes WLAN, das beim Bottle-Shop verfügbar ist. Dann geht’s wieder retour Richtung Palmwag. Knapp 250 Kilometer nur für’s Reifenwechseln.
Zwischen der Abzweigung und dem Veterinärzaun erblicken wir plötzlich eine Herde Giraffen fast direkt neben der Straße. Acht Stück laben sich hier an den Bäumen, sind überhaupt nicht schreckhaft und lassen sich auch nicht wirklich beirren, als ich aussteige und sie von draussen fotographiere. Gemütlich grasen sie die Bäume ab, spazieren über die Straße und stehen anschließend auf der anderen Seite. Wir genießen den Anblick rund eine halbe Stunde, bevor wir weiterfahren.
Rechts oben übrigens Peanuts neue Freundin…
An der Tankstelle nach dem Vet-Zaun tanke ich erneut, um die Fahrerei nach Kamanjab auszugleichen, 48,5 Liter für 290 Kilometer. Sind fast 17 Liter. Hm, da hat sich offenbar der Pass ziemlich ausgewirkt. Zudem bin ich alles mit 4×4 gefahren, das braucht natürlich auch nochmal mehr Sprit. Werde mal auf den Gravelroads den Allrad wieder wegschalten. Der Crowtherstrail muss jetzt auf die nächste Reise warten, wir haben beschlossen, direkt bis Sesfontein zu fahren und morgen mal nachzuschauen, ob wir über den Hoanib Richtung Purros fahren können. Die restliche Fahrt auf der Gravelroad erfolgt recht ereignisfrei, viele Tiere sind leider auch nicht auszumachen.
In Sesfontein fahren wir zuerst zum Fort, um dort einen Rockshandy zu trinken, Internet ist leider “nur für Gäste”, da sind allerdings überhaupt keine anderen da, die beiden Angestellten sind sogar fast erschrocken, als wir auftauchen. Danach können wir der Wegbeschreibung zum Camel Top Camp nicht ganz folgen bzw. fahren auf der Straße Richtung Purros einfach nicht weit genug. Wir drehen um, fahren zurück und fragen im Ort einen Einheimischen, der sich gleich anbietet, uns den Weg zu zeigen, wenn wir nachher so nett wären ihn wieder zurückzubringen. Aber klar doch, er quetscht sich auf die vollgeräumte Rückbank, wir fahren bis zur Abzweigung zum Camp auf der Hauptstraße, bringen ihn wieder zurück und er verabschiedet sich und arbeitet weiter. Sehr nett.
Auf der Campsite ist niemand anzutreffen, also nicht nur keine anderen Gäste, sondern auch niemand sonst. Das beirrt uns diesmal nicht, ich baue das Zelt auf, räume die Sesseln und den Tisch aus. Dann greife ich nach einem Bier im Kühlschrank und ertaste ganz unten Wasser. Was ist das? Ich räume den Kühlschrank aus und stelle fest, dass zwei Bierdosen durch die weiter oben gelagerten Lebensmittel Einschnitte ins Blech bekommen haben und ausgeronnen sind. Na toll. Erst mal Kühlschranksäubern angesagt. Der ist – kleiner Einschub – übrigens wirklich fantastisch. Der Drehknopf geht bis 10 wenn ich mich recht erinnere, anfangs hatten wir ihn auf 5, da war binnen eines Tages alles gefroren. Es genügt da, den knapp über 2 zu haben, um alles schön gekühlt zu lassen. Auch bei wirklich heissen Temperaturen – Einschub Ende -.
Wasser gibt’s derzeit auf der Campsite auch keines, na es wird ja irgendwann jemand vorbeikommen. Es spricht sich ja herum, wenn da jemand zur Campsite fährt. Und tatsächlich, nach ungefähr einer Stunde kommt jemand, begrüßt uns, dreht das Wasser auf und bietet uns Feuerholz an. Wir verbringen einen gemütlichen Abend, machen Feuer, essen recht spät (Springbock wieder mal und Lamm) genießen die Stille und den mittlerweile sternenklaren Himmel mit dem doch schon sehr vollen Mond, der die Landschaft in ein tolles Licht taucht.
Teil 1415. März 2015
Tag 11 – 27. Jänner 2015
7 Uhr hat sich mittlerweile als gute Zeit zum Aufstehen entpuppt, nach einer gemütlichen Dusche und einem Frühstück kommen wir gegen 9:30 von der Campsite weg.
Dusche und WC in der Freiluft-Version
Wir haben geplant, in den Hoanib zu fahren, um danach die geplante Strecke über die Ebene nach Purros zu gelangen. Wir fahren bei der Abzweigung in den Hoanib, wo ich die Reifen auf 1,4 Bar ablasse. Die Fahrt im extrem breiten Flussbett ist herrlich, staubtrocken, hier ist offenbar kein Wasser geflossen vor einigen Tagen.
Das Schild, das auf die Palmwag Konzession hinweist nehmen wir zur Kenntnis, wir haben da eh noch einen Tag offen nach unserer Reifengeschichte 😉. Allerdings kommen wir eh leider nicht wirklich weit. Kurz vor dem Elephant Camp ist plötzlich Wasser da, eine ziemlich tiefe Schlammstrecke verhindert ein Weiterkommen. Nach zweimaligem Versuch gebe ich auf und schiebe zurück, man muss ja nicht wirklich riskieren, hier alleine steckenzubleiben. Einen anderen Weg zu suchen, ist auch keine wirkliche Option, da wir ein Stück weiter hinten das Wasser auch leicht fließen sehen, die Fahrt entlang des Hoanibs können wir uns also schenken.
Geordneter Rückzug über den eben befahrenen Weg ist angesagt, dann nehmen wir halt die D3707, bleibt uns ja relativ wenig übrig. Hier merkt man allerdings bereits, dass generell wenig Verkehr ist, die Straße ist nicht wirklich in sehr gutem Zustand. Teilweise sehr steinig und nur langsam zu befahren, teilweise aber auch sehr sandig, wo es dann ziemliches Wellblech gibt. Landschaftlich dafür wirklich abwechslungsreich und wunderschön. Von einspurigen, holprigen Wegen über einen Pass (hier kommt uns übrigens der einzige Gegenverkehr auf mit einem Maultierkarren entgegen), dann wieder breite Sandpisten, die durch weite Ebenen führen. Wir sehen zwei kleinere Herden Strausse direkt neben der Straße und unzählige Springböcke und auch Oryx. Je weiter man Richtung Purros gelangt, desto mehr Sand hat man zu bewältigen, immer wieder werden kleine Orte mit verstreuten Häuschen durchfahren.
Vor Purros verlassen wir die Straße und wechseln in den Fluss, um eventuell doch ein paar Elefanten zu sehen, aber leider Fehlanzeige. Die lassen sich hier nicht blicken. Wir fahren schließlich durch Purros, sehr weitläufig sind die Häuser hier verstreut. Die Querung zur Campsite ist problemlos möglich, nur an einer ganz schmalen Stelle fließt das Wasser und das kann uns nicht aufhalten. Allerdings ist das halb vergrabene Wrack eines Fahrzeugs Warnung genug…
Die Campsite ist wirklich herrlich, wir sind – wie auch anders zu erwarten – wieder die einzigen Gäste hier und können uns den Platz aussuchen. Die Sonne scheint, es hat ca. 39 Grad, wir sitzen im Schatten der Bäume, schauen auf den trockenen Fluss und lassen es uns gut gehen. Den Nachmittag nützen wir, um Fotos und Videos zu sichern, auf Laptop und die externe Festplatte zu kopieren und danach einfach nichts zu machen.
Teil 1515. März 2015
Tag 12 - 28. Jänner 2015
Heute steht ein ganzer Tag mit einem Guide auf dem Programm, wir haben uns gestern mit jenem an der Rezeption geeinigt, dass er uns ein paar Elephanten zeigt. Daher ist wieder um 7 Uhr Tagwache, wir frühstücken gemütlich, packen dann fast alles zusammen und lassen nur ein paar Dinge wie Tisch, Sesseln, Gaskocher und das Holz auf der Campsite und bauen die hintere Sitzreihe um, damit unser Guide auch Platz hat. Um 9 Uhr treffen wir uns an der Rezeption und fahren, an einer fast übersehenen Giraffe vorbei, auf einen Hügel, von wo aus wir einen wirklich guten Überblick über die Region um Purros erhalten.
Neben der Palmen-Oase, die ganzjährig Wasser führt, sieht man auch das kleine Himba-“Schaudorf”, die Campsite und das Hoarusibtal. Anschließend fahren wir hinunter in den kleinen Kral, in dem einige Frauen mit ihren Kindern leben und die traditionelle Lebensweise der Himbas zeigen. Wir sind mit unserem Guide alleine, ausser uns sind keine Touristen hier. Ich bin ein wenig zwiespältig, die Frauen machen nicht den Eindruck, als wären sie jetzt begeistert, uns ihre Tätigkeiten zu zeigen, sie scheinen eher ein wenig gelangweilt. Andererseits nimmt man doch einiges an Eindrücken mit und kann hier direkt auch die hier lebende Bevölkerung unterstützen.
Nach rund einer halben Stunde verlassen wir mit einigen hier hergestellten Mitbringseln den Kral und fahren nach Purros, wo wir uns noch die dortigen Schulgebäude ansehen. Zwei Lehrer unterrichten hier, ein dritter ist gerade unterwegs, um die Kinder zu unterrichten, die mit ihren Familien weitergezogen sind. “Wir müssen dorthin gehen, wo die Kinder sind,” meint ein Lehrer im Gespräch, “es funktioniert nicht, wenn die Kinder zu uns kommen müssen.”
Nach diesem Besuch geht es nun den Hoarusib entlang Richtung Westen. Irgendwo müssen die Elephanten ja sein. Es beginnt der wohl schönste Flusslauf, den ich in Namibia je gefahren bin. Anfangs noch durch weideähnliche Gebiete (der Hoarusib führt hier wie gesagt das ganze Jahr immer ein wenig Wasser), wir fahren neben Kühen vorbei, über grüne Flächen, durch Wasser und verscheuchen zahlreiche Oryx und eine Affenherde (erst die zweite, die wir zu Gesicht bekommen). Allerdings verschwindet Letztere so rasch, dass uns nicht mal ein unscharfes Beweisfoto gelingt. Links und rechts befindet sich nun immer wieder hohes Schilfgras und die Felsen, an denen sich der Fluss entlang schlängelt. Wir bleiben immer wieder stehen, um zu fotographieren und können uns an der Landschaft nicht satt sehen.
Wir erreichen schließlich die Lodge, die hier hoch oben auf einem Berg über dem Flusstal gebaut wurde und statten dieser einen Besuch ab. Ausser einer Dame mit ihrem Kind ist niemand oben, Touristen gibt’s derzeit keine, die wären gestern wieder abgeflogen. Allerdings hätte man eben gestern bei einer Fahrt Richtung Meer die Elephanten gesehen, die weit den Hoarusib flussabwärts gelaufen wären.
Unser Guide fragt uns, ob wir da noch weiter fahren wollen. Was für eine Frage. Selbstverständlich, wenn das möglich ist. Und so folgt ein weiterer Höhepunkt, als wir tief in den Nationalpark Richtung Meer fahren und sich die harten Felsen langsam mit den Sanddünen kleiden, die einen weiteren spektakulären Farbtupfer in die Landschaft zaubern.
Ob es tatsächlich den Tatsachen entspricht, dass die einheimischen Guides hier mit den Touristen in den Nationalpark einfahren dürfen, können wir natürlich nicht überprüfen, allerdings beschäftigt uns eher die unglaublich schöne Landschaft und die Suche nach den Elephanten. Zu sehen bekommen wir unzählige Springböcke, Orxy und Strausse, eine ganze Herde Oryx mit Jungtieren läuft lange vor uns her, bis sie schließlich doch rechts ins Gebüsch abzweigen und unser Vorbeifahren einfach abwarten. Das selbe Verhalten sollten sie bei der Rückfahrt wieder zeigen. Nicht lernfähig 😉.
Elephanten lassen sich allerdings nicht und nicht blicken, weshalb wir immer weiter in den Canyon fahren und schließlich, ca. 10 Kilometer vor Erreichen des Meeres in eine weite Ebene gelangen. Und plötzlich bedeutet uns unser Guide, stehen zu bleiben, er hätte einen Elephanten entdeckt. Wir steigen aus, ich klettere mit ihm auf das Dach unseres Canopys und tatsächlich, sehr weit weg, hinter einem Busch ist sehr undeutlich das Hinterteil eines Elephants zu entdecken. Hm. Na, ja. Da haben wir diese Tiere schon näher gesehen, aber OK. Plötzlich deutet uns unser Guide hier zu bleiben und macht sich zu Fuß in das Gebüsch auf. Einige Minuten später kommt er zurück und winkt uns zu sich. Allerdings nicht zu Fuß, wie wir anfänglich irrtümlich verstehen, sondern mit dem Auto. Wir fahren also vom unbewachsenen Flussbett hinauf in die bewachsene Stufe, umfahren einige Gebüsche und erreichen ihn, worauf er sich wieder zu uns setzt. Er lotst uns noch ein Stückchen weiter und meint kurz darauf, “stopp” und “close the window please”. Was dann folgt, kann man nicht beschreiben. Ein ruhiges “don’t move” ist das Einzige, was wir von unserem Guide vernehmen.
Als sich alles wieder halbwegs beruhigt hat (und damit sind nicht nur die Elephanten gemeint), schieben wir zurück und fahren langsam zurück in die weite Ebene. Ich unterhalte mich noch angeregt mit unserem Guide, worauf er meint, dass er eigentlich nur mit einem Elephanten gerechnet hatte und er normalerweise auch die Nähe zu den Tieren nicht sucht. Und sie wären hier natürlich das Vorhandensein von Geländewägen nicht gewöhnt. Allerdings wäre es hier immer am Besten, einfach ruhig zu verharren. Die nächsten beiden Bullen, die wir entdecken, laben sich gerade sehr weit weg an dem Schilf. Wir fahren auf eine sehr gesunde Distanz heran, steigen aus, machen Fotos und beobachten, wie sie langsam näher kommen, allerdings dann auch in einer noch sehr angenehmen Entfernung an uns vorbei gehen und sich zu den vorher beobachteten Exemplaren gesellen, worauf dann recht bald alle im Dickicht verschwunden sind. Was für ein Erlebnis. Und echtes Glück, gleich in mehrfacher Hinsicht.
UUps. Erwischt 😉
Während der Rückfahrt bietet sich das selbe Bild, viele Tiere im Flussbett, orange/gelb/weisse Sanddünen, dunkle Felsen, blauer Himmel und grüne Vegetation. Wir fahren wieder bis zur Lodge mit den wirklich beeindruckenden Fix-Zelten, bevor wir über die südlich des Canyons verlaufende Strasse durch die Berge nach Purros zurückfahren.
Teil 1617. März 2015
Dieser Tag ist eher textlastig, wir hatten eine Zeit lang viel zu tun und keine Zeit Fotos zu machen. Auch das Glück schlägt heute gnadenlos in geballter Form zu...
Tag 13 – 29. Jänner 2015
Wir kommen wieder gegen 9 Uhr von der Campsite weg, bleiben noch kurz beim Wrack des Kleinbusses stehen, das hier schon jahrelang halb vergraben im Sand liegt um einige Fotos zu machen und fahren schließlich Richtung Süden in die Berge. Die D3707 wollen wir nicht zurück nach Sesfontein fahren, unsere Strecke soll diesmal über den Fearless Pass, dann durch den Hoanib und schließlich den Ganamub entlang führen.
Die Landschaft ist hier südlich von Purros sehr felsig, wir kommen nur eher langsam voran. Nach rund 30 Kilometern kreuzt plötzlich eine Hyäne unseren Weg, die erste überhaupt, die ich zu Gesicht bekomme. Sie ist gar nicht schreckhaft und bleibt einige Meter von der Straße entfernt auf den Anhöhe stehen, um sich ablichten zu lassen. Danke schön!
Nach dem wir die felsigere Region hinter uns gelassen haben, erreichen wir eine Ebene, auf der der sandige Untergrund und der wirklich gute Track mal wieder ein wenig höheres Tempo zulassen. Wir fliegen fast dahin, fahren an zahlreichen großen Feenkreisen vorbei bis wir schließlich für eine Giraffe, die fast mitten auf der Straße steht, stehenbleiben und sie, nachdem sie nicht schreckhaft das Weite sucht, ausgiebig betrachten und fotographieren.
Auch heute ist die Landschaft extrem abwechslungsreich, unglaublich, welche Eindrücke hier gesammelt werden können. Und wie auch in den letzten Tagen sind wir vollkommen alleine, nur kurz nach Purros kam uns ein Fahrzeug der Lodge mit Gästen entgegen. Sonst treffen wir auf keinen Menschen.
Nachdem wir schließlich einen schmalen Canyon durchquert haben, erreichen wir das Tal des Hoanibs, wo wir anfangs leichte Probleme haben, in das Flussbett zu gelangen, das Wasser, das hier vor rund einer Woche geflossen ist, hat die Ränder ziemlich unterspült, der Abbruch zum Track ist senkrecht und rund einen Meter hoch. Zu hoch, um hier runter zu fahren. Wir fahren ein Stück den hier vorhandenen Spuren Richtung flussabwärts, bis wir eine Stelle finden, in den Fluss zu gelangen. Die vorhandenen Spuren führen weiter flussabwärts, wir drehen jedoch um und folgen dem Fluss Richtung Sesfontein.
Der Untergrund ist gut zu befahren, die leicht aufkommenden Sorgen von Nicole zerstreue ich mit dem Hinweis, dass die vorherrschende weisse Sandfarbe schon auf sehr trockenen und somit harten Sand hinweist. Nachdem wir hier die Ersten nach der Flut waren, gibt’s keine Spuren und ich suche mir den Weg durch das Flussbett selbst. Die Sonne scheint vom fast wolkenlosen Himmel, es hat rund 35 Grad, wir sind mit einem 4×4 im Flussbett, kann’s etwas Schöneres geben?
Kurz bevor mir mein Garmin anzeigt, dass wir den Fluss nach links verlassen, liegt vor uns eine kleine Engstelle. “die Poort Felsbarriere” sollte ich später dann am Netbook in der T4A Karte lesen. Zwischen den hoch aufragenden Felsen schaut der Untergrund recht dunkel aus, ich entscheide mich, hier eher rechts zu bleiben aber bevor ich dann noch wirklich nachdenken kann, stecken wir schon fest. Na geh, ernsthaft jetzt? Mit diesem Auto? Ich versuche zurückzuschieben, funktioniert nicht. Wieder nach vorne, geht auch nicht. Habe mittlerweile die Getriebeuntersetzung drin und die Differentialsperre, alles was leuchten kann, leuchtet, das Auto bewegt sich aber nicht. Na gut, wir stecken echt fest. “Ich hab’s ja gewusst”, meint Nicole, worauf ich entgegne, dass das halt zu so einem Urlaub auch mal dazugehört. Ist ja egal, muss ich halt ein wenig schaufeln – Sandmatten haben wir eh mit – 20 Minuten, dann sind wir da wieder draussen. Gesagt getan. Ich schaufle und Nicole macht ein paar Fotos. Alles Paletti, alles unter Kontrolle.
Beim Schaufeln bemerke ich, dass hier wirklich vor Kurzem erst Wasser geflossen sein muss, ich hab’ das untere Ende des Reifens noch nicht mal erreicht, stoße ich schon auf das Wasser. Das macht das Weitergraben nicht gerade einfacher, ich versuche immer wieder, die Sandmatten weiter unter die Räder zu schieben und rauszufahren, allerdings greifen die Reifen noch nicht. Und schließlich kommt, was in diesen Fällen dann immer kommt, wenn’s so richtig ganz blöd läuft. Das Wasser nämlich. Von oben im Fluss.
Jetzt kommt ziemliche Hektik auf. Das kann’s ja nicht sein. Ich hab’ das warnende Beispiel von Purros noch vor Augen und schaufle schneller, schiebe die Matten nach, versuche rauszufahren, es misslingt. Ich schaufle nochmal und während ich die Matten nachschieben möchte, umgibt mich schon die braune Suppe, fließt in die Löcher, die ich gegraben habe und deckt sie wieder mit Sand zu. Na ganz toll. Aus einer bis dato recht gemütlichen Situation wird plötzlich eine unkontrollierbare Geschichte, die nun sehr leicht in einer Katastrophe enden kann. Nicole hat mittlerweile die Kamera weggelegt, beide beginnen wir, Baumstämme und Steine vom höherliegenden Plateau zu holen und zwei Meter vor dem Auto einen provisorischen Damm zu bauen. Das hilft vorerst mal ein wenig, Nicole macht hier weiter, während ich aufgrund des immer weiter steigenden Wassers beginne, die wichtigen Dinge schon mal aus dem Auto zu räumen. Wasser, elektronische Geräte und vor allem das Sat-Phone, wer weiß, wozu es gut ist.
Dann beginne ich, die Fernbedienung der Seilwinde zu suchen. Dabei verstreichen wertvolle Minuten, weil ich mich nicht mehr erinnern kann, wo wir sie verstaut haben. Schließlich finde ich sie, lasse die Seilwinde aus und ziehe das Seil bis zu einem riesen großen Baum, der halb vergraben im Sand liegt. Leider ist sie zu kurz, allerdings haben wir noch ein Abschleppseil. Auch hier muss ich zeitaufwändig das komplette Auto durchsuchen, bis ich es unter der Rückbank finde. Und wieder fehlt mir ein Meter. Das gibt’s ja nicht, langsam macht sich wirklich leichte Panik breit. Ich starte einen entsprechend verzweifelten Versuch, nehme die Spanngurte, die ich aus Wien mitgenommen hatte und verlängere damit das Seil. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss, die halten den Zug natürlich nicht aus und reissen ab. OK, hab’ ich eh gewusst, aber einen Versuch war’s zumindest wert. Ein anderer Baum auf der anderen Seite des Flusses erweist sich als zu schwach, ebenso ein Felsvorsprung, um den ich das Abschleppseil wickle. Die Seilwinde reisst ihn raus, das Auto bewegt sich keinen Meter.
Ich erinnere mich an einen Trick, der offenbar in der Wüste funktioniert und beginne, auf der Anhöhe ein Loch zu graben, in das ich einen großen flachen Felsen hineinrollen und als Anker verwenden möchte. Allerdings scheitert das Vorhaben recht rasch, da nach einem knappen Meter Sand schon große Steine und Felsen zum Vorschein kommen. Wir graben trotzdem weiter, erweitern das Loch, graben den großen Stein halb ein und starten einen Versuch, der allerdings – wie fast erwartet – ebenfalls kläglich scheitert. So, aus. Bevor sich jetzt die komplette Panik ausbreitet, kurz mal innehalten und Luft holen. Wir sind mittlerweile über eine Stunde am Arbeiten in der prallen Sonne, sind dehydriert, ausgelaugt und schon ziemlich fertig. Ich bemerke, dass das Wasser eigentlich gar nicht mehr steigt, bilde mir sogar ein, es wäre mittlerweile ein wenig gesunken. Das Auto ist noch umspült, aber nicht verloren, der Damm hilft, hinter dem Damm hat sich sogar eine kleine Sandbank aufgetürmt, der absolute Großteil des Wassers fließt ohnehin an der linken Flanke der Schlucht vorbei, dort ist es rund 75cm, tief, bei uns nur vielleicht 15cm. Wir müssen jetzt erst mal etwas trinken und auf uns schauen, sonst sind wir hier erledigt.
Wir setzen uns an der Kante, trinken warmes Wasser, ich leere es auch über meinen Kopf und wir atmen einmal kräftig durch. Und wie immer, wenn man mal einen kleinen Schritt zurücktritt, inne hält und die Gesamtsituation überblickt, kommen einem die besten Ideen. Auf der Anhöhe liegen dutzende dieser großen flachen Steinplatten, wir müssen nur einfach mit dem Hi-Lift Jack die Räder einzeln aus dem Sand heben, Steinplatten darunterlegen und dann sollten wir eigentlich aus dem Loch fahren können. “Nur einfach” ist allerdings gut gesagt, wir sind beide schon ziemlich fertig, allerdings legt sich die Anspannung ein wenig. In den 10 Minuten, die wir da sitzen, sinkt das Wasser wieder ein wenig, langsam beginne ich zu realisieren, dass wir da wahrscheinlich nochmal großes Glück haben. Und wie ich so sinniere, höre ich plötzlich Motorengeräusche.
Das war der Anblick, der sich Mike und Tanja bot…
“Das kann ja jetzt nicht wahr sein”, denke ich mir und schaue auf das gegenüberliegende Flussufer, wo wie aus dem Nichts zwei Motorradfahrer auftauchen. Jetzt scheinen wir unser Glück schon fast überzustrapazieren. Die beiden stellen ihre Motorräder ab, während ich durch das Wasser wate und zu ihnen gehe. Mike und Tanja sind aus Australien und mit ihren beiden Suzukis auf Weltreise. Und kommen ausgerechnet heute hier genau an dieser Stelle vorbei. Sie wollten eigentlich über den Hoanib Richtung Westen fahren, fuhren durch den Ganamub und sahen, dass an der “echten” Einmündung, zu der ich eigentlich auch wollte, das Wasser floss. Daraufhin wollten sie eigentlich schon zurückfahren, fanden aber die kleine Umfahrung dieser Engstelle und standen nun hier.
Die beiden sehen natürlich gleich, was hier los ist, sie ziehen sich um und sagen sofort zu, uns zu helfen. Tanja versucht mit unserem Satellitentelefon in Khowarib einen Bekannten zu erreichen, der eventuell auch Hilfe schicken kann, während wir nun große flache Steine suchen, um diese unter die Reifen legen zu können. Ich wuchte mit dem Hi-Lift Jack den ersten Reifen hoch, hier erweist sich unser “Damm” nun auch als hilfreich, da nur mehr sehr wenig Wasser hier durchfließt. Wir platzieren den flachen Stein unter dem Rad, legen mit weiteren Steinen einen Weg aus und lassen den Wagen wieder hinunter. Während ich nun das Heck des Fahrzeugs noch entlaste und alle schweren Gegenstände auslade, macht sich Mike daran, die anderen Räder zu unterstützen.
T-Shirt wäre besser gewesen, keine Frage. Erstens um den Gösser-Muskel ein wenig fotogener zu gestalten und zweitens um den Sonnenbrand am Rücken zu verhindern…
Mir fehlt mittlerweile wirklich die Kraft, den Jack zu bedienen. Ich ziehe nun die Seilwinde, die immer noch im Fluss liegt ein und lasse – bitte warum bin ich da nicht gleich am Anfang draufgekommen, ich Depp – noch Luft aus den Reifen. Einfach nach Gefühl, ohne Manometer, weil’s ja eh ziemlich egal ist. Nicole und Tanja schleppen Steine herbei, Mike hebt mit dem Jack die Räder einzeln hoch und nach knapp einer Stunde stehen alle Reifen auf flachen Steinen. Hinter den Hinterreifen ist ein Steinweg ausgelegt, drei schieben vorne an und wie wenn nix wäre, fahre ich den Wagen rückwärts aus dem Loch und gleich weiter aus dem fließenden Wasser auf die danebenliegende Anhöhe. Yesss. Nach rund drei Stunden Plackerei. Die ich ohne T-Shirt in der Sonne verbracht hatte. Ja, das sollte sich natürlich später noch rächen, keine Frage. Nicole konnte mir bereits zwei Tage später meine Haut in handtellergroßen Flächen abziehen. Das ist Rekord bei Sonnenbrand 😉. Dank der fürsorglichen flächendeckenden Beschmierung mit Bepanthen waren die Auswirkungen aber zum Glück recht bescheiden.
Alles wieder Ok, das Auto haben wir draussen.
Wir setzen uns in den Sand und verschnaufen. Tanja ruft den Bekannten nochmals an, um ihm mitzuteilen, dass wir keine Hilfe mehr benötigen, nur um von ihm zu erfahren, dass ohnehin niemand bereit gewesen wäre, die Strecke auf sich zu nehmen, nur um dann vielleicht feststellen zu müssen, dass niemand mehr da wäre. In Summe verständlich, aber auch nicht wirklich beruhigend in so einer Situation. Aber egal, wir haben das Auto draussen, der Rest ist ein Kinderspiel. Ich grabe gemeinsam mit Mike die beiden Sandmatten noch aus dem fließenden Wasser bevor ich den Wagen nun näher und zwei Bier aus dem Kühlschrank hole. Mike freut sich ehrlich darüber, am Motorrad gibt’s untertags selten kalte Getränke. Nach rund einer Stunde packe ich wieder alles in das Auto, Mike und Tanja gehen zurück zu ihren Motorrädern und ich quere den Fluss ohne Probleme. Auf der anderen Seite hole ich den Kompressor heraus und pumpe die Reifen wieder auf. Einen hab ich bis 0,4 Bar abgelassen, damit sollte man natürlich nicht auf steinigem Untergrund fahren…
Da sieht man unseren “Damm” im rechten Bereich des Flusses.
Mike und Tanja. Thank's a lot!
Die beiden wollen noch bis Purros fahren, wo sie heute morgen eigentlich hin wollten, beschließen aber, dies natürlich nicht über den Fluss zu machen, sondern auch zurück über die Ganamub Schlucht zu fahren um dann die D3707 zu nehmen. Nachdem es mittlerweile 16:30 Uhr ist, lade ich die beiden ein, falls sie es sich an der Kreuzung noch überlegen, zurück nach Sesfontein zum Camel Top Camping zu kommen, sie wären zum Abendessen – gegrilltes Rind mit Erdäpfeln und Tomatensalat sowie selbstgemachter Knoblauchbutter – und jeder Menge kalter Biere und Rotwein eingeladen. Wir plaudern noch ein wenig, essen ein bisschen Biltong, ich versuche, meinen Kreislauf wieder halbwegs in Schwung zu bringen und fahren schließlich los. Die Piste ist tiefsandig und recht schwer zu fahren, wir überholen die beiden, die uns bedeuten, dass sie nach der Plackerei auch schon recht müde sind, die Strecke nach Purros heute nicht mehr fahren wollen und die Einladung gerne annehmen. Ich trinke auf dem Weg bis zur Kreuzung der D3707 rund zwei Liter Wasser und fühle mich immer noch vollkommen daneben, eigentlich will ich gar nichts mehr, ausser Ruhe und mich hinlegen.
Als wir die D3707 geht’s schon ein wenig besser, vor allem bin ich froh, dass es jetzt wieder “festen” Untergrund gibt und wir fahren die paar Kilometer nach Sesfontein, wo wir wieder niemanden antreffen. Das sind wir ja schon gewohnt 😉. Wir beziehen die selbe Campsite, packen Tisch und Sessel aus und um den Flüssigkeitsverlust weiter auszugleichen trinke ich gleich mal zwei Windhoek Draught 😉. Mike und Tanja kommen nach rund einer halben Stunde, fahren aber noch kurz zur Lodge im Fort, sie wollen dieses Erlebnis mit zwei kalten Rockshandys abschließen. Wir machen inzwischen Feuer, duschen uns, kochen die Erdäpfel und machen den Salat. Schließlich kommen sie auch auf die Campsite, bauen ihr Zelt auf, duschen ebenfalls bevor wir uns um das Feuer setzen. Ein herrlicher Abend liegt vor uns, wir unterhalten uns beim Essen und danach angeregt, bis wir gegen 23:00 alle todmüde in die Zelte kriechen. Was für ein Erlebnis, was für ein Tag. Da fällt auch kaum mehr ins Gewicht festzustellen,. dass unser “neuer” Reservereifen keine Luft mehr hat, der scheint also auch einen Sickerpatschen zu haben…
In der Nacht komme ich kaum zum Schlafen. Zuviel geht mir im Kopf herum, die Muskeln sind noch komplett übersäuert, ich bekomme im Liegen Krämpfe in den Unterschenkeln und fühle mich, als wäre ich einen Marathon gelaufen. Die Hände sind aufgeschunden, seltsamerweise spüre ich den Sonnenbrand am Rücken kaum, wahrscheinlich doch noch zuviel Adrenalin im Blut.
Und immer wieder die Frage, was da wohl schiefgelaufen ist. Also abgesehen davon, dass wir einfach Glück hatten, dass das Wasser nicht weiter gestiegen ist. Das Fahren im Flussbett war es nicht, das würde ich wieder so machen. Es gab keine Anzeichen, dass es zu einem Problem werden könnte. Dass wir vorab relativ lange schon ohne echte Wettervorhersage unterwegs waren, war da schon eher ein Nachteil. Und im Zuge der Vorbereitung hätte ich den Warnungen vor der “die Poort” Felsbarriere mehr Aufmerksamkeit schenken können. Auch die Umfahrung der Engstelle ist dort eingezeichnet. Aber in Summe kann man wahrscheinlich recht wenig tun, um zu verhindern, dass man in eine derartige Situation kommt und irgendwo steckenbleibt. Das passiert. Allerdings gibt es beim darauffolgenden Handeln durchaus Optimierungsmöglichkeiten. Zumindest rückblickend betrachtet. Kritisch war hier jedenfalls der plötzlich herrschende Zeitdruck, der wohl nicht oft vorkommt, dennoch kann eine derartige Sache auch ohne Zeitdruck eleganter gelöst werden. Dass selbst Profis unter Zeitdruck nicht mehr rational arbeiten und nachdenken, sieht man auch hier ganz gut: http://www.youtube.com/watch?v=KEYaTscCDIg.
Fehler 1 war sicherlich, dass ich sofort zu Beginn mal weiter Luft aus den Reifen hätte lassen sollen. Eventuell wäre ich dann einfach rausgefahren. Ist aber nicht sicher, da das Auto schon fast auf der Bodenplatte aufgesessen ist. Aber in Kombination mit den Sandmatten hätte es vielleicht geholfen.
Fehler 2 war, dass ich eher ohne viel nachzudenken zur Schaufel und zu den Sandmatten gegriffen habe. Besser wäre gewesen, die generelle Situation mal zu betrachten und die verschiedenen Bergemöglichkeiten (Schaufeln, Seilwinde und Hi-Lift Jack) zu bewerten. Als ich dann mal beim Schaufeln war und das Wasser kam, war praktisch keine Zeit mehr, um die Situation ruhig und analytisch zu beurteilen, da waren wir bereits im “Graben” gefangen und konnten nur mehr das weitertun, was wir bereits begonnen hatten. Die Gesamtsituation, mit dem tief eingegrabenen Fahrzeug, den vielen umherliegenden flachen Steinen, von denen ein sehr großer auch als Unterlage für den Jack diente, schrie rückblickend geradezu danach, das Fahrzeug hochzuheben und Steine unter die Räder zu legen.
Fehler 3 in unserer zeitkritischen Situation war, dass ich “ewig” nach der Fernbedienung der Seilwinde und dem Abschleppseil suchen musste. Das ist ein “No-Go”, das entsprechende Bergezeugs sollte immer beieinander und griffbereit sein.
Die kleinen Sachen wie “zieh dir ein T-Shirt an, wenn du in der Sonne arbeitest” fallen da schon kaum mehr ins Gewicht. 😉
Manche lernen es eben auf die harte Tour 😉.
Dass in manchen Situationen aber auch alles einfach viel zu schnell gehen kann, zeigt der Bericht von Desert Lion auf deren Facebook-Seite. Da kann man dann eher nur mehr wenig machen und nur versuchen, das Notwendigste aus dem Auto zu retten. Und wenn man diese Bilder sieht, hatten wir rückblickend betrachtet auch schon Glück, uns in der Palmwag Konzession den Reifen aufgeschlitzt zu haben. Sonst wären wir nämlich am 26. Jänner nach der Fahrt über den Crowtherstrail mitten in der absoluten Pampa vor dem Fluss gestanden und hätten diesen wegen des vielen Wassers nicht queren können. Und selbst “warten und aussitzen” hätte da wohl wenig Sinn gemacht.
Immer noch ziemlich geschlaucht klettern wir gegen 8:30 aus dem Dachzelt. Heute machen wir das mal ganz gemütlich, tanken in Sesfontein und dann die nicht besonders weite Strecke durch die Khowarib Schlucht zum Galton Gate. Allerdings wollen wir noch fragen, ob die überhaupt befahrbar ist, so eine Aktion wie gestern will ich mir wirklich ersparen 😉.
Wir frühstücken erst mal gemeinsam mit Mike und Tanja, bevor ich mich daran mache, das gesamte Auto wieder halbwegs fahrtauglich einzuräumen. Gestern haben wir ja mehr oder weniger alles raus und wieder irgendwie eingeräumt und dann so liegen gelassen. Erst gegen 10:30 kommen wir von der Campsite weg und verabschieden uns von den beiden Weltreisenden, die heute nach Purros aufbrechen.
Wir steuern die Tankstelle beim Fort an und sehen auf der Diesel-Zapfsäule schon das große Schild: “Out of Order until further notice.” Naaaaa. Ned wirklich. Ich frage den Tankwart noch, ob das eh ernst gemeint ist, er meint nur, ja, Diesel gäbe es keinen. Die nächste Tankstelle wäre in Opuwo oder in Palmwag. Na super. Überschlagsmäßig sind gemäß der Tankanzeige noch ca. 40 Liter im Tank. Das macht auf normaler Gravelroad rund 300 Kilometer. Aber durch die Khowarib-Schlucht? Und dann theoretisch bis Okaukuejo? Eher nicht. Und durch die Schlucht selbst und dann nach Kamanjab? Mit mir, der ich ohnehin als “Leerfahrer” bekannt bin? Nach kurzer Nachdenkphase beschließen wir, hier heute gar nichts zu riskieren und einfach über Palmwag nach Kamanjab und danach Richtung Galtons Gate zu fahren. In Kamanjab können wir dann auch gleich unseren luftlosen Reservereifen umtauschen.
Gesagt, getan, wir richten es uns gemütlich ein und machen einen Gravel-Road Fahrtag zum Ausrasten draus. Ist auch der Grund, warum es heute von der Fahrt keine Fotos gibt, die Gegend kennen wir nun schon zur Genüge. 😉
Bei der Tankstelle in Palmwag gehen knapp 125 Liter in den Tank bei 680 Kilometer. Macht schlanke 18 Liter Sprit, die wir in den Fluss-Sandbetten gebraucht haben. Wir passieren das Veterinär-Gate, wieder ohne jegliches Fleisch im Kühlschrank, wieder ist dann noch vor dem Grootbergpass alles dort, wo es hingehört und wir fahren die Strecke ein drittes Mal. Schon vorher ist uns aufgefallen, dass in den Dörfern heute extrem viele Menschen zu sehen sind. Khowarib war voll, überall Familien mit Kindern, neu aufgestellte Zelte, die uns ein paar Tage vorher nicht aufgefallen waren. Auf dem Weg nach Kamanjab hält uns ein Einheimischer, der mit einer roten Fahne mitten am Weg steht auf und meint, dass weiter vorne eine große Lacke am Weg wäre und wir da rechts vorbeifahren sollten. Gleich danach will er aber Geld für Dressen seiner Fußballmannschaft haben. Hm. Ein wenig überrumpelt drücke ich ihm 50 Dollar in die Hand. Deppensteuer halt. Auch erledigt. Lacke gab’s natürlich keine mehr am Weg. Touristensteuer auch entrichtet…
In Kamanjab gehen wir noch einkaufen für den Rest der Reise, wollen am Bankomat auch noch Geld abheben, das scheitert aber, da offenbar in den beiden Automaten in Kamanjab nirgendwo mehr Geld enthalten ist. Auch hier sind die Straßen voll mit Menschen, so ist uns das noch nie aufgefallen. Wir fahren zur Garage, wo wir den Besitzer anrufen, da alles zugesperrt ist. Er meint, er wäre unterwegs, käme aber in einer halben Stunde. Die Zeit nützen wir, um beim Bottle-Store wieder das offene WLAN zu verwenden, wir setzen ein paar Nachrichten ab und schauen unsere Mails an.
Als wir zurückfahren kommt auch der Besitzer bald mit einem abgeschleppten Fahrzeug, wir plaudern kurz über die vielen Menschen, das fehlende Geld in den Bankomaten und warum er am Freitag zu habe, da meint er nur, es wäre der Freitag vor Monatsende, da hätten alle ihr Geld bekommen und würden nach Hause fahren. Ah, deshalb auch kein Geld mehr in den Bankomaten. OK, guter Tipp für’s nächste Mal, wir stehen nämlich jetzt mit relativ wenig Bargeld da. Egal, irgendwie wird das schon gehen.
Der Reifen wird geprüft und tatsächlich, er hat beim Ventil einen Schaden. Also wieder mal einen anderen Reifen drauf, der ist sogar noch abgefahrener, aber jetzt ist es mir schon relativ egal, es kommt nur mehr Etoscha und dann die Fahrt nach Windhoek. Da sollte nicht mehr viel sein.
Wir packen zusammen, bedanken uns und fahren die Teerstraße Richtung Norden. Wir erreichen die Einfahrt gegen 17:00 Uhr und beschließen spontan, heute schon in den Park zu fahren und anstatt in Hobatere in der neuen Olifantrus Campsite zu übernachten. Elefanten oder andere Tiere werden wir in Hobatere ziemlich sicher auch nicht zu Gesicht bekommen.
Die Einfahrt ist komplett neu gestaltet und riesengroß, nicht zu übersehen. Rechts ist der Parkwächter, der die Permits ausstellt. Leider gibt’s keine Karten zum Mitnehmen, nur eine große an der Wand, die wir fotographieren könnten. Na, danke. Zum Glück habe ich mir schon die PDF-Karten ausgedruckt und Navi haben wir ja auch mit. Nach der problemlosen Ausstellung der Permits (nach einer Reservierung wurde nicht gefragt) geht’s nach links in das neue Gebäude, dort sind dann die Zahlungen zu entrichten. Cash Only, no cards. Hm. Langsam wird’s wirklich ein bisschen kritisch mit dem Bargeld. Aber das geht sich noch aus.
Gemütlich fahren wir dann auf der leeren Straße Richtung Olifantrus. Die Gegend ist halt ziemlich bewachsen, wirklich weit sieht man auf dieser Strecke nicht. Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit fahren wir auch keine Wasserlöcher an, ringsum hat’s auch gut geregnet, das wäre ohnehin relativ sinnlos. Dennoch sehen wir schon einige Giraffen, Zebras, Strausse und sogar ein Warzenschwein mit Frischlingen.
Wir erreichen das Camp gegen 18:30, schon recht spät, aber im Sommer noch ordentlich hell. Bauen schnell das Zelt auf, räumen Tisch und Sesseln raus und gehen dann mit Flüssigkeit bewaffnet zum genialen Steg und zum Gebäude am Wasserloch. Der Sundowner ruft.
Das Haus ist wirklich sehenswert, der Steg führt in ~ fünf Meter Höhe über die Umzäunung zum zweistöckigen Gebäude, das direkt am Wasserloch errichtet wurde. Oben sind Kippfenster, die zum Öffnen sind, unten sind Fixfenster, klar, so ebenerdig, wie man da sitzt. Das Wasserloch ist mit rotem Licht beleuchtet, alles wäre perfekt, wenn sich doch bloß ein Vierbeiner blicken lassen würde 😉. Wir lassen die Sonne untergehen, warten, schauen und gehen nach rund einer Stunde zurück zum Auto. Abendessen ruft. Auch beim zweiten Besuch nach dem Essen lässt sich in 90 Minuten kein einziges Tier blicken, gegen 11 Uhr kriechen wir schließlich ins Zelt. Morgen ist auch noch ein Tag.
Kurz noch zum Camp: Das ist natürlich sehr neu und sehr gepflegt. Es hat auch einige Museumsräume, in der die Geschichte des Platzes (ehemalige Elefantenkeulungsstation) sowie die Geschichte des Parks und der Erhaltung generell sehr anschaulich dokumentiert werden. Die Sanitärräume sind sehr groß und auf westeuropäischem Niveau. Es gibt zwei große Küchenblöcke, wo man bei schlechtem Wetter überdacht sitzen und kochen sowie abwaschen kann. Jeder Stellplatz hat Strom, Licht und Wasser sowie eine ebene Stelle, wo man eben Tisch und Sesseln aufstellen kann. In der Saison wird’s aber sicher schwer, einen Platz zu bekommen, auf meinem kurzen Rundgang zählte ich nur 5 Stellplätze. Der Manager meinte, sie würden es ausbauen und es kämen weitere Plätze dazu. Würde mich nicht wundern, bei dem Aufwand, den sie beim Wasserloch getrieben haben. Das Ganze hat aber auch seinen Preis, wir haben dort 250 N$ pro Person für die Nacht gezahlt. Auch “cash only” natürlich.
Teil 1829. März 2015
Tag 15 – 31. Jänner 2015
Nach einem gemütlichen Morgen mit einem weiteren Besuch im Haus am Wasserloch (leider wieder ohne Tiere) machen wir uns gegen 10:30 auf den Weg nach Okaukuejo. Wir fahren alle Wasserlöcher am Weg ab, die auf der Karte eingezeichnet sind, sehen ein paar Oryx und ein paar Vögel. Manche Wasserlöcher sind überhaupt trocken, Wasser gibt’s dafür rund herum ohnehin genug.
Nach Bitterwater machen wir einen kurzen Stopp bei einem umzäunten Rastplatz, wo wir eine Kleinigkeit essen.
Beim Wasserloch Sonderkop bekommen wir einen Eindruck, wie Wasserlöcher in der Trockenzeit aussehen können. Übrigens das einzige Wasserloch, an dem wir derart viele Tiere sehen. Als wir ankommen, trinkt gerade ein Elephant aus dem großen Betonbehälter. Dieser ist eigentlich nicht als Tränke gedacht und daher mit einer Absperrung umgeben, akrobatisch streckt sich der Elephant und kommt daher an das frische Wasser. Schmeckt wahrscheinlich besser als das abgestandene mit Schlamm versehene, mit dem er sich anschließend bewirft. Etwas entfernt sind eine ganze Herde Zebras und Gnus, jeweils mit Jungtieren.
Wir bleiben rund eine Stunde, um uns das Spektakel anzuschauen, fahren anschließend weiter und sehen hier jede Menge der üblichen Verdächtigen. An einigen Lacken laben sich ebenfalls die Tiere, hier hat es offenbar ziemlich viel geregnet. Auf der Fahrt zum Wasserloch Grünewald sehen wir noch zwei Giraffen, das Wasserloch selbst ist – so wie praktisch alle, die wir noch besichtigen werden – leer.
Insgesamt spielt das aber keine große Rolle, hier gibt’s so viele Tiere, dass eigentlich laufend stehenbleiben und Fotos machen. Auch Giraffen gesellen sich hinzu, einzig Elephanten und Nashörner sowie Katzen bleiben komplett aus.
Wir erreichen Okaukuejo am Nachmittag, immer noch hat es rund 34 Grad. Wir checken für den Campingplatz ein können hier alles mit Kreditkarte zahlen und gehen zuerst an die Bar, wo wir etwas trinken und das vorhandene WLAN nützen. Anschließend besteigen wir noch den Turm, nur um festzustellen, dass nicht weit entfernt dunkle Wolken aufziehen…
Kaum kommen wir am Platz an, beginnt es wie aus Kübeln zu schütten. Wir fahren die Campsite entlang zu einem Stellplatz und beschließen den Schauer einmal im Auto abzuwarten. Ich hole noch etwas zum Trinken aus dem Kühlschrank und einen Wien für Nicole, dann sitzen wir und warten. Ich spiele alle Videos von der GoPro auf das Netbook, anschließend noch die Fotos der beiden Spiegelreflexkameras, anschließend noch die von Nicole. Das dauert nun schon rund eineinhalb Stunden. Es schüttet immer noch. Hm. Ein “kurzer” Schauer ist etwas anderes. Langsam hört es aber auf, allerdings steht nun überall ziemlich viel Wasser. Auch die Feuerstelle ist durchnässt, was es mir nahezu verunmöglicht, hier Feuer für’s Essen zu machen. Alles in allem kein gemütlicher Abend, zu kalt und zu feucht. Zudem beginnt es später wieder leicht zu nieseln, sodass wir uns bald ins Zelt verkriechen.
In der Nacht haben wir noch Besuch von den streunenden Schakalen, die unsere Schlapfen entführen, wir finden sie am nächsten Morgen dann zerkaut ein paar Meter weiter entfernt. Zudem vernehme ich relativ nahes und sehr lautes Löwengebrüll.
Teil 1930. März 2015
Tag 16 – 1. Februar 2015
Nach einer eher schlaflosen Nacht stehen wir wieder gegen 7 Uhr auf, ich finde unsere Schlapfen zerkaut ein paar Meter weiter in einer Lacke wieder. Wirklich einladend ist der Platz nicht, alles steht unter Wasser, um zu den Sanitärräumen zu gelangen, muss eine Lacke am Weg von ca. 20cm Tiefe passiert werden. Wir trinken nur kurz einen Tee, packen alles zusammen und fahren bald los. Als Ziel haben wir heute Halali, der Weg führt uns über Adamax und dann so ziemlich an jedem Wasserloch zwischen Okaukuejo und Halali vorbei.
Auf dem Weg nach Adamax läuft uns eine Schildkröte über den Weg, bevor uns ein Autobus überholt. Wir zuckeln gemütlich hinterher und holen ihn wenig später wieder ein, als er mitten auf der Straße steht. Hm, da dürfte rechts irgendetwas im Busch sein. Leider sehen wir nichts, auch nachdem der Bus weggefahren ist und wir exakt seine Stelle eingenommen haben. Aber für nichts bleibt der Bus auch keine ~ 10 Minuten dort stehen. Ich bemühe das Fernglas und scanne jeden Busch und tatsächlich. Ca. 50 Meter von uns entfernt liegt ein Nashorn unter einem Baum. Kaum zu sehen durch die Büsche davor. Ohne den Bus hätten wir keine Chance gehabt, auch so haben wir schon fast 10 Minuten gebraucht, bis wir es gesehen haben. Schon am zweiten Tag ein Nashorn. Verbuchen wir mal unter Glück. 😉
Auf der anschließenden Fahrt an Okaukuejo vorbei sehen wir sehr viele Springböcke, Oryx, Strausse, Gnus und Giraffen.
Am Nachmittag, als wir den Rhino Drive Richtung Halali fahren, sind wir mit 30 bis 40 km/h unterwegs, schauen angestrengt in das links und rechts befindliche Dickicht, als sich plötzlich rund 200 Meter vor uns etwas bewegt. Ich parke das Auto, springe noch kurz hinaus um die GoPro zu starten und dann warten wir einfach das folgende Spektakel ab.
Ich gebe zu, ohne das erste Erlebnis mit unserem Guide im Hoanib wären wir nicht so ruhig geblieben und wären vielleicht sogar umgedreht. Dieses Erlebnis wäre uns dann entgangen. Die Herde geht sehr ruhig in nur ein paar Metern Entfernung an uns vorüber, unzählige Kleine sind dabei und wir können unser Glück kaum fassen. Das war rückblickend betrachtet sicherlich das Highlight unserer Reise.
In Halali schlagen wir gegen 16:00 Uhr unser Lager in der Nähe des Weges zum Wasserloch auf. Hier sind kaum Leute, von der Campsite her gefällt es uns besser als Okaukuejo, da man hier bei Regen auch überdachte Bereiche hat und nicht im Auto sitzen müsste. Zum Glück brauchen wir das heute nicht, wir relaxen ein wenig am Pool, bestellen für morgen früh ein Lunchpaket, essen recht früh und nehmen unseren Sundowner dann am Wasserloch. Leider ist angeblich gerade ein Nashorn gegangen, in den 90 Minuten, die wir dort verbringen zeigt sich kein Vierbeiner mehr.
Teil 2003. Apr. 2015
Der heutige Tag bringt wieder viel Glück für uns und auch wir können heute anderen Glück bringen 😉
Tag 17 – 2. Februar 2015
Heute ist mal wieder früh Aufstehen angesagt, um 5:30 läutet uns der Wecker aus dem Schlaf. Wir trinken einen Tee, packen alles zusammen und holen das Lunch-Paket im Restaurant ab. Um 6:30 sind wir mit dem Sonnenaufgang unterwegs und schon kurze Zeit später werden wir mit einer Herde Giraffen belohnt. Leider sind – wohl bedingt durch die Regenfälle der letzten Tage – einige Rundkurse gesperrt, sodass wir mitunter in einer Sackgasse enden. Und auch auf den nicht gesperrten Wegen steht mitunter das Wasser ziemlich hoch.
Wir fahren grob in Richtung Namutoni, allerdings lassen sich bei den Wasserlöchern, die wir anfahren, keine Tiere blicken. Auf dem Weg kreuzt ein wohl trächtiges Hyänenweibchen unseren Weg, gar nicht schreckhaft läuft sie ein Stück neben uns auf der Straße, bevor sie wieder im Dickicht verschwindet.
Kurze Zeit später entdecken wir ein Warzenschwein mit seinen Jungen, danach wieder einige Giraffen und jede Menge Zebras. Nicole glaubt mir langsam aber sicher, dass wir so viele Giraffen sehen werden, dass wir am Schluss wegen ihnen gar nicht mehr stehenbleiben werden. Ungefähr 8 Kilometer vor Namutoni steht wieder ein Bus mitten auf der Straße und wir sehen, dass alle angestrengt in den Busch schauen. Der Busfahrer raunt uns ein “Lions” zu, wir sehen aber gar nichts. Nach rund 10 Minuten fährt der Bus weg, wir stellen uns an die Stelle und schauen angestrengt in den Busch. Aber auch mit Fernglas sehen wir vorerst nichts. Erst, als ich mich seitlich ins Fenster setze (ja, ich weiß, soll man nicht…) kann ich in der Ferne unter einem Baum ein Rudel erkennen. Ab und zu bewegen sie sich sogar, zum Fotographieren sind sie allerdings viel zu weit entfernt. Und da wir sie ohne den Bus auch nie und nimmer gesehen hätten, vermerken wir sie mal nicht als “Sichtung”.
Kurz vor Namutoni gibt’s noch eine Herde von über 10 Giraffen, bevor wir im Fort Pause machen. Es ist mittlerweile etwa 11 Uhr und eigentlich wollten wir uns auf die schöne Terrasse beim Wasserloch setzen, die ist allerdings kaputt und daher gesperrt. Auch das Cafe unterhalb hat nicht geöffnet, so setzen wir uns ins verwaiste Restaurant und trinken einen Rockshandy. Hat mittlerweile schon wieder über 30 Grad. Im Restaurant mache ich kurz einen Hotspot mit der namibischen Simkarte auf und wir kommunizieren kurz mit Lisa, um zu erfahren, ob Lukas schon in Sydney gelandet ist. Sie verspricht uns eine Nachricht zu schicken wenn er bei ihr im Backpacker eingetroffen ist. Wir fahren noch ein Stück Richtung Norden, wo wir an einem Wasserloch unser Picknick im Auto einnehmen. Das Lunchpaket ist wirklich zu empfehlen!
Langsam machen wir uns von Wasserloch und Detour zu Wasserloch und Detour zurück Richtung Halali. Die Landschaft hier ist flach und ohne wirklich dichten Bewuchs, wir sehen neben den üblichen Verdächtigen (Springbock, Strauß und Oryx) jede Menge Zebras und wieder Giraffen in Hülle und Fülle. Und bringen es nicht über’s Herz vorbeizufahren, ohne zumindest ein paar Fotos zu machen 😉.
Ungefähr 30 Kilometer vor Halali sehen wir plötzlich in der Ferne zwei Nashörner. Sie bewegen sich leicht von uns weg und präsentieren nur ihr Hinterteil, aber es sind eindeutig Rhinos. Zum Fotographieren fast zu weit weg, aber wir versuchen es dennoch. Sehr schwierig, die Fotos sind demnach nicht besonders. Wir freuen uns dennoch, nach dem ersten liegenden nun noch zwei gesehen zu haben und fahren nach einigen Minuten weiter. Keine zwei Kilometer ruft Nicole plötzlich “Nashorn”! Was noch untertrieben war, keine 50 Meter neben der Straße steht eine Nashornkuh mit ihrem Kalb im Gebüsch. Gibt’s ja nicht, schon fünf Nashörner in nur zwei Tagen. Wir können unser Glück gar nicht fassen und bleiben wieder so lange, bis die beiden sich weiter ins Dickicht zurückziehen.
Mittlerweile ist es ungefähr 16:30, es hat 36 Grad und wir beschließen, vor der Rückkehr ins Camp noch zum Etoscha-Lookout zu fahren. Schon als wir noch sehr weit entfernt sind, sehe ich, dass beim Lookout irgendwas seltsam ist. Es steht ein kleines Auto irgendwie komisch dort. Vor uns ist noch ein Auto, das kurz vor dem Lookout stehen bleibt, wir fahren vorbei und sehen, dass ein kleiner Toyota im Schlick feststeckt. Ich frage die beiden jungen Männer, ob sie Hilfe brauchen, weil einer so ganz lässig auf der Heckklappe sitzt und eher keine Anstalten macht, hilflos zu wirken 😉.
Es stellt sich heraus, dass die beiden Italiener schon irgendwen von ihrer Agentur angerufen und ihre missliche Lage mitgeteilt hätten, allerdings wäre dies bereits vor zwei Stunden gewesen und nun ginge auch ans Telefon niemand mehr ran. Warum sie ihr Auto dort in den Schlick gefahren haben, hab’ ich nicht nachgefragt, ich wäre dort mit dem Hilux auch mit Untersetzung nicht rein, das hat man mit freiem Auge gesehen, dass es dort tief ist. Durch den geringen Platz zwischen dem Schlick und der Absperrung kann ich die beiden nicht einfach mit dem Abschleppseil rausziehen, aber wozu habe ich denn die Seilwinde mit? Fehlt nur noch eine geeignete Möglichkeit, sie am kleinen Toyota festzumachen. Bei diesen neuen Fahrzeugen gibt’s keine offensichtliche Abschleppöse. Die beiden hätten auch schon danach gesucht meinen sie. Ich frag’, ob vielleicht eine Bedienungsanleitung im Wagen ist, “Oh ja, gute Idee” meint er. Wir finden heraus, dass es im Werkzeugset eine schraubbare Abschleppöse gibt, montieren diese und können den Wagen danach mit der Seilwinde rausziehen.
Die beiden sind heilfroh, hatten schon damit gerechnet, die Nacht dort verbringen zu müssen. Klarerweise ohne Verpflegung oder Wasser. Wer rechnet denn auch dort damit ein Problem zu bekommen. Allerdings sollte man sich dann auch nicht selbst in eine derartige Situation bringen. Wir haben unser Karma-Konto jedenfalls nach der Aktion im Fluss wieder aufgefüllt und auch die beiden Italiener, denen ich die Geschichte erzähle, wollen das gute Karma weitertragen und dem Nächsten helfen. Wir machen noch ein paar Fotos und fahren anschließend zurück zum Camp, wo wir den Sundowner wieder beim leeren Wasserloch genießen.