Fragen zu Lüderitz und Fisch River Canyon

11 Antworten · 2’099 Aufrufe · gestartet 26. März 2014 von Kaltblut
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Themenstarter2 Beiträge · seit 201426. März 2014 ·
Hallo ihr Namibiaexperten,

ich schreibe gerade an einem historischen Roman, der 1909 im heutigen Namibia spielt. Ich bin selbst noch nie dagewesen und fände es toll, wenn mir vielleicht ein paar Leute u.a. von Sinneseindrücken berichten könnten 🙂

-In Swakopmund, Lüderitz, Kolmanskop, Fisch River Canyon: Was riecht und spürt man dort? Was für Naturgeräusche hört man? Wie fühlt sich die Luft an? Wie ist das Licht?

-Falls jemand einen Sandsturm miterlebt hat - wie hört und fühlt sich das an?

-Gibt es in Lüderitz und/oder am Fisch River Nachtvögel, die man hört? Hört man nachts überhaupt irgendwelches Getier?

-Was für Krabbeltiere wie Ameisen oder Käfer findet man häufig in Lüderitz und im Fisch River Canyon?

-Falls jemand mal im Fisch River Canyon gewandert ist - gibt es da irgendwelches Getier, vor dem man sich nachts in Acht nehmen muss?

Mit Tipps zu Namibia kann ich mich leider nicht revanchieren, aber falls Kanada-Fans dabei sind, kann ich vielleicht zu Fragen per pn oder im Off Topic Bereich weiterhelfen: Ich bin vor 20 Jahren nach Kanada ausgewandert, lebe seit 10 Jahren in der Wildnis und kenne mich im Yukon und British Columbia gut aus.

Tausend Dank 🙂
185 Beiträge · seit 201027. März 2014 ·
Hallo!

Wir haben im Januar auf unserer letzen Reise einen Sandsturm am Fish River erlebt und können Dir gerne in den nächsten Tagen eine Schilderung per pm schicken.

Bis dann,
Dietmar
3’883 Beiträge · seit 201127. März 2014 ·
Hallo Kaltblut,
ein paar unvollstänidge Eindrücke meinerseits:

Sandsturm: Er kann so stark sein, dass Autovermieter davor warnen, er würde den Lack von der Karosserie schmirgeln. Wehe der Sturm trifft nackte Haut, 1000 Nadelstiche sind eine Wohltat dagegen. Nach meinen Erfahrungen aus der algerischen Wüste kannst du dich noch so dicht verpacken, dem Sand entgehst du nicht. Am besten ist es, sich einzubuddeln. Er dauert unterschiedlich lang, u. U. einige Tage. Das Heulen und Brausen, das Prasseln der Sandkörner geht einem schon nach kurzer Zeit auf die Nerven. Bei jeder kurzfristigen Unterbrechung hofft man, es ist vorbei. Doch dann schlägt der Sturm voller Wucht wieder zu. An jedem kleinen Hindernis bauen sich im Nu kleine Dünen auf. Wir haben weggepustete Dinge wie T-Shirts, Tücher usw. an solchen Punkten nach dem Sturm ausgebuddelt. Das meiste, das wir nicht rechtzeitig sturmdicht festgebunden hatten, war allerdings verloren.

Nebel: Aufgrund des Klimas bilden sich über dem Meer dichte Wolkenbänke, die sich wie eine riesige Wattewalze ins Landesinnere schieben. Der Nebel wird sehr dicht.

Es wird immer wieder von Scharen kleiner Vögel berichtet, die auf dem Boden (in der Gegenwart auf der Straße) sitzen und nicht fortfliegen. Ich kann mich nur vage erinnern, dass wir nicht verhindern konnten, einige von ihnen zu überfahren. Sie knallten auf die Karosserie und die Autoscheiben, schrecklich.

Lüderitz: Wir haben die Stadt bei heftigem Wind erlebt, der dort wohl üblich ist. Dabei strahlender Sonnenschein, glasklare Sicht, Diaz Point rückte so nah, dass man glaubte, den Turm greifen zu können, und jede noch so kleine Welle in der Bucht trug eine Schaumkrone.

Kleines Getier und Gerüche haben wir aufgrund des Starkwindes nicht wahrgenommen.

Von einer Wüstentour bei Swakopmund weiß ich, dass es dort Spinnen mit tödlichem Gift und Puffottern gibt. Erst gegen Mittag verschwand der Hochnebel und die Sicht wurde klar. Eine seltsame Erscheinung sind die schwarzen Schatten im Sand. Hältst du einen Magneten daran, stellst du fest, dass es Eisenpartikel sind, die sich wie ein Pelz auf dem Magneten festsetzen.

Fish River Canyon: Je nach Jahreszeit ist es sehr heiß dort unten. Du brauchst riesige Mengen an Trinkwasser. Der mehrtägige Trail darf heutzutage nur mit Führer und dem Nachweis, dass du gesund bist, gewandert werden.

Mehr fällt mir im Moment nicht ein, vielleicht schildern andere Fomis noch ihre eigenen Eindrücke.

Viele Grüße sendet nach Kanada
freshy,

die vor 13 Jahren in den Rocky Mountains war.
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281 Beiträge · seit 201427. März 2014 ·
-In Swakopmund
Ist es der morgendliche Nebel der sich in die Stadt legt und bis weit in die Namib hineinreicht. Erst am späten Mittag der Nebel von der Sonne weggezogen wird.

Ist es die stete Brandung die von überall als rauschen zu hören ist.

Lüderitz ist ruhig, mal hört man stimmen, mal ein einzelnes Fahrzeug. An Kreuzungen hört man aber schon mal mehrere Fahrzeuge anfahren.

An der Hafenmole sitzen zumeist alte Menschen auf den Parkbänken, zumeist mit Schoßhunden.

Man riecht den kalten Nebel, man riecht den Atlantik. Es steigt einem salzige feuchte Luft in die Nase. Nicht fischig nicht ölig, aber auch nicht brackigmeerig wie die Nordsee.
Ist schon vergleichbar mit Neufundland, oder Halifax, wenn Namibia vergleichbar wäre.

, Lüderitz, Kolmanskop, Fisch River Canyon: Was riecht und spürt man dort? Was für Naturgeräusche hört man? Wie fühlt sich die Luft an? Wie ist das Licht?

Steht bei mir im April auf dem Plan, ich bringe dir Tonaufnahemn mit 🙂

-Falls jemand einen Sandsturm miterlebt hat - wie hört und fühlt sich das an?
Wurde bereits beschrieben. Vergleichbar mit einem Blizzard, nur dass der Sand durch alle Ritzen und Nähte dringt und nicht kalt ist :-D
--------------------------------------------- carpe diem
1’125 Beiträge · seit 200627. März 2014 ·
Hallo, Kaltblut,
mich verwirrt Deine Anfrage. Wie willst Du glaubwürdig über Lüderitz schreiben, wenn Du nie dort gewesen bist? Es ist doch heutzutage so leicht, alles zu bereisen (wenn man das Geld hat, gebe ich zu).
Mein Rat also: Fahre hin, bleib ein Weilchen und recherchiere dort, erlebe selbst am eigenen Körper, was dort los ist - und beschreibe es dann. Dann glaube ich Dir das auch; Sekundäres spürt man sofort, sagt Dir ein alter Deutschlehrer.
Gute Reise!
Rodrigo
Omnia vincit amor
2’047 Beiträge · seit 200727. März 2014 ·
Hallo Kaltblut,
ich lese gerne Romane und auch sehr gerne historische.
ABER: Wenn ich deine Anfrage richtig verstehe, dann wird daraus mit großer Wahrscheinlichkeit sowas, wo ich mich nach 10-15 Seiten so sehr über die Fehler ärgere, dass ich es nur noch entnervt weglege und den Autor auf die -nie wieder- Liste setze.

Mein Rat: Hinfahren. Gerade in Swakopmund wirst du viele Rentner treffen, die sehr gerne über ihre Erinnerungen mit dir sprechen. Und die Orte, die du beschreiben willst anschauen. Vor Ort. Es ändert sich zwar sehr viel, aber an vielen Stellen kann man die Historie sehr gut nachvollziehen, weil auch noch sehr viel erhalten ist.

Du bist herzlich willkommen hier im Forum und mit vielen Fragen wird dir hier geholfen - aber authentische Eindrücke, die du evtl. gut in Worte fassen kannst, die sollten auch wirklich authentisch und nicht aus dritter oder vierter Hand sein.

Viele Grüße

jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
281 Beiträge · seit 201427. März 2014 ·
Kar May war auch nie in Amerika 😄
--------------------------------------------- carpe diem
3’883 Beiträge · seit 201127. März 2014 ·
Rodrigo schrieb:Hallo, Kaltblut,
mich verwirrt Deine Anfrage. Wie willst Du glaubwürdig über Lüderitz schreiben, wenn Du nie dort gewesen bist? Es ist doch heutzutage so leicht, alles zu bereisen (wenn man das Geld hat, gebe ich zu).
Mein Rat also: Fahre hin, bleib ein Weilchen und recherchiere dort, erlebe selbst am eigenen Körper, was dort los ist - und beschreibe es dann. Dann glaube ich Dir das auch; Sekundäres spürt man sofort, sagt Dir ein alter Deutschlehrer. Gute Reise! Rodrigo
Prinzipiell stimme ich zu, dass erst das eigene Erleben eine Schilderung authentisch macht. Schriftstellern jedoch anzuraten, alles selbst zu erleben, was sie schreiben, halte ich für überzogen. Wer erlebt schon einen Mord mit oder mordet selbst, damit der Krimi authentisch wirkt? Wer weiß heute noch, wie es in den Städten des Mittelalters gerochen hat? Wer kann nachempfinden, wie sich geknechtete Menschen oder solche in tiefer Not fühlen? Und doch lesen wir in Romanen davon und fühlen uns hineingezogen. Das ist doch die Kunst des Schreibers, sich in die Protagonisten, ihre Zeit, ihre Abenteuer und ihre Nöte hineinversetzen zu können.

Ich finde es eine gute Idee von Kaltblut, die Forumsmitglieder nach ihren Eindrücken zu fragen. Ob er die Informationen für die Leser glaubhaft schildern kann, liegt an seinen Fähigkeiten als Autor. Aber auch an den Informationen, die er bekommt. Wie schon Reisetiger schrieb, Karl May hat seine Schilderungen über das wilde Kurdistan und den wilden Westen Amerikas glaubhaft "rübergebracht", obwohl er nie dorthin reisen konnte.

LG freshy
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zuletzt bearbeitet 27. März 2014
324 Beiträge · seit 200927. März 2014 ·
Hallo Kaltblut,

solche Eindrücke zu schildern ist ganz bestimmt sehr subjektiv und deswegen auch oftmals schwierig einzuwerten.
Aber wenn Du Dich in ca. dieser Zeit in Namibia mal etwas "einlesen" willst, dann empfehle ich:
"Als es Krieg gab, gingen wir in die Wüste" von Henno Martin. Hier wird sehr eindringlich und bildhaft jene Zeit und die Gegend beschrieben.

Weitere Lektüre dazu aus ca. dieser Zeit, auch sehr beeindruckend, ist die Geschichte der Gebrüder Schanderl "Vertrieben von geliebter Erde". Diesen Brüdern gehörte einst das Haus, welches heute als Haupthaus der Fish River Canon Lodge (Gondwana Collection) dient. Dieses kleine Büchlein kann man übers Netz sicher direkt dort ordern.

Viele Grüße
Melanie
Die Strasse gleitet fort und fort, weg von der Tür, wo sie beginnt, weit überland, von Ort zu Ort. Ich folge ihr, so gut ich kann. Ihr lauf ich raschen Fusses nach, bis sie sich gross und weit verflicht mit Weg und Wagnis tausendfach. Und wohin dann? Ich weiss es nicht. J.R.R. Tolkien, Der Herr der Ringe
281 Beiträge · seit 201427. März 2014 ·
Als Buchtipp zum Recherchieren fällt mir Tante Aenn aus Namibia ein.
Es ist ein Familienstammbaum und Reisebericht eines Amateures. Aber es sind Briefe der besagten Tante Aenn im Original wiedergegeben, die dort 1924 bis 1941 ??? lebte und sehr eindringlich die Lebensumstände und von der großen Hitze schreibt.
--------------------------------------------- carpe diem
Themenstarter2 Beiträge · seit 201427. März 2014 ·
Tausend Dank für eure Antworten, das ist alles super hilfreich 🙂 Vielen Dank auch für den Vergleich von einem Sandsturm mit einem Blizzard, da kann ich mir wass drunter vorstellen.
Wenn jemandem noch Vogel- oder Tiergeräusche einfallen, das wäre super!

KTM, über eine Sandsturm-pn würde ich mich freuen! Und eine Tonaufnahme - wow; ihr seid toll!

Die Bedenken, dass ein nur auf Recherche beruhendes Buch eventuell nicht so der Renner ist, teile ich durchaus. Ideal ist natürlich, wenn man den Schauplatz besuchen kann, aber der Buchvertrag kam leider ohne Flugticket 🙁
Aber wie Freshy sagt, für einen Krimi oder Thriller bringt man auch nicht erst mal jemanden um; und ohne Zeitmaschine kann ich mich eh nicht nach Lüderitz anno 1909 zurücktransportieren. Damit es eben kein Mist wird, bei dem man das Buch gleich wieder zuklappt, recherchiere ich ja in alle Richtungen - immerhin erscheint der Roman bei einem namibischen Verlag, sodass die Lektorin dann am Ende hoffentlich noch die letzten Unstimmigkeiten rausfischt 🙂

Auf jeden Fall hat mich das Reisefieber inzwischen schon gepackt; den Fisch River Canyon Hike würde ich sehr gerne mal machen! Leider ist es von Westkanada aus nach Namibia alles andere als billg; wirklich eine halbe Weltreise.
2’060 Beiträge · seit 201327. März 2014 ·
reisetiger schrieb:Kar May war auch nie in Amerika 😄
... und hat deshalb auch etliche falsche "Fakten" bzw. gängige Klischees beschrieben, was nun mich nicht so sehr stört, weil ich an seinen Schauplätzen noch nie war - - - deshalb war und bin ich Karl-May-Fan 😉

Man kann nicht davon ausgehen, dass jeder, der das zu schreibende Buch lesen wird, schon einmal in Namibia war.
Liebe Grüße von Gabriele ----------------------------------------------- Jeder Augenblick ist von unendlichem Wert. (Seneca)