Andreas87Themenstarter34 Beiträge · seit 201216. Nov. 2013 · #1
Hallo Namibia Forum,
ich schreibe gerade meine Dissertation über den Rettungsdienst in Namibia. Nach einer sehr interessanten und erfolgreichen Zeit von Juni bis November diesen Jahres bin ich nun wieder zurück in Deutschland und freue mich schon auf meinen nächsten Aufenthalt ab März nächsten Jahres. Den ein oder anderen aus dem Forum habe ich ja sogar getroffen. In dieser Zeit habe ich neben Interviews mit Anbietern und Involvierten auch Interviews mit Betroffenen durchgeführt. Ein anderer großer Teil der Datenerhebung erfolgte mit einem standardisierten Fragebogen.
Da Touristen immer wieder auf Rettungsdienste angewiesen sind, würde ich nun auch gerne hier meinen Fragebogen einstellen und euch bitten diesen auszufüllen (ca. 5 Minuten Zeitaufwand). Es würde mich natürlich auch freuen, wenn auch die mitmachen würden, welche in Namibia leben oder arbeiten. Gerne darf der Link weiter verbreitet werden. Hier der Link:
Erhoben werden diverse grundlegende Informationen wie Alter und Geschlecht, dazu aber auch solche ob eine Versicherung vorhanden ist oder wie im Falle eines Notfalls verfahren wird. Für diejenigen, welche bereits einen Rettungsdienst benötigt haben, ist ebenfalls ein Abschnitt vorhanden.
Wenn jemand über seine persönlichen Erfahrungen berichten möchte, würde ich mich sehr über eine Mail freuen.
Die Ergebnisse meiner Studie gehen bei Abschluss unmittelbar an das Ministry of Health, Fire Brigade Windhoek und andere Involvierte. Auch sind diese bereits jetzt in die Forschung eingebunden und ich arbeite eng mit ihnen zusammen.
Ich habe einen kleinen Flyer angehangen welcher mein Projekt kurz zusammenfasst. Solltet ihr weitere Fragen über mich oder mein Projekt haben, nur her damit 😉
Swakop19522'664 Beiträge · seit 201216. Nov. 2013 · #2
Hallo Andreas, das ist ja alles lieb und nett, aber die Fragestellung ist typisch Deutsch etwas weit entfernt von den geographischen und menschlichen Realitäten Afrikas. . Windhoek und Umgebung sind bestens versorgt, aber der Rest des Landes? Hast Du mal geschaut wer sind diese Leute die in Windhoek Feuerwehr- und Rettungsdienste managen bzw. an vorderster Front stehen?
Ein typisches Beispiel: Eine Verwandte überschlug sich auf halben Wege zwischen Outjo und Opuwo. Sie lag geschlagene 8 Stunden, bevor der Krankenwagen aus Outjo auftauchte. Bei Ankunft des KW verstarb sie. Innerlich verblutet. Unter normalen Bedingungen würde sie noch leben. Unter normalen Bedingungen hätte der Krankenwagen nach spätestens zwei Stunden da sein können. Aber das ist Afrika. Und die Einheimischen haben keine Versicherungen für Rettungsflüge, sie können sich die in den meisten Fällen garnicht leisten. Zumeist auch keine Satellitentelefone. Wenn Du am Wochenende einen Krankentransport benötigst, haben die Besatzungen öfters Happy Hour, oder sie sind mit dem KW beim Einkauf. Heute sind sie wenigstens per Handy erreichbar, noch vor ein paar Jahren konnte der Patient sich schon mal zum Sterben hinlegen. Was hilft ein flächendeckendes Netz von Krankenwagen und Rettungsdiensten, wenn weder Disziplin noch Kontrolle vorhanden sind? Noch ausgebildete Fachkräfte. Auch ist das Geld dafür garnicht da, weil Heldenstatuen, Heldenmuseen und Prunkpaläste gebaut und Air Namibia subventioniert werden müssen. Das ist viel wichtiger, als die paar Leute, die da verrecken. Auch wenn man es nicht wahrhaben will: Vor der Unabhängigkeit hatte so gut wie jede Ortschaft einen Krankenwagen, meist von Freiwilligen besetzt. Und das funktionierte. Wo noch etwas übrig geblieben ist, sitzen heute oftmals arbeitsunwillige Vollzeitbeschäftigte der Nachholkategorie, die sich nach einem Ruf oftmals sehr viel Zeit lassen.
Gruß H.
Andreas87Themenstarter34 Beiträge · seit 201217. Nov. 2013 · #3
Hallo H.,
die Fragestellung ist leider überhaupt nicht Deutsch... Tatsache im Bereich der Forschung. Ich bin nicht dort um das System umzukrempeln oder sogar ein deutsches System zu etablieren, beides wird aus den verschiedensten Gründen nicht funktionieren, ich denke das wolltest Du unterstellen.
Das es weit entfernt ist von der Realität ist, was ich dort untersuche, kann ich auch nicht bestätigen denn ob in Opuwo, Uis, Oshakati, Aus (und etliche andere Orte) und auch Swakop und Windhoek und allen anderen Orten des Landes bin ich bisher nicht auf Deine Ablehnung gestoßen, Mitarbeiter oder Patienten, etc. Natürlich gibt es Ausnahmen, Zitat: "arbeitsunwillige Vollzeitbeschäftigte". Ich habe mich nicht nur in Windhoek aufgehalten, denn dieser Unterschied ist schließlich zentraler Punkt meiner Arbeit.
Das Windhoek bestens versorgt ist stimmt (habe ich auch nicht in Frage getsellt), ebenso wer wo arbeitet habe ich mir angeschaut. Wenn man aber die Strukturen verstehen will muss man wohl in Windhoek anfangen, da hier die zentralen Institutionen des Landes sitzen.
Die Mängel die Du aufgeführt hast stimmen.
Die Begründung "das ist Afrika" heranzuziehen nach dem Motto es lohnt sich eh nicht irgendwas in dem Bereich zu tun finde ich schade, denn so wird sich tatsächlich nichts ändern und ist auch der Grund das sich nichts ändert.
Wenn Du weitere Vorfälle kennst würde ich mich freuen wenn Du deine Erfahrungen mit mir teilen würdest. Denn genau diese zeigen den eigentlichen Zustand des Systems und nicht die Papierlage im Ministerium.
Andreas87 schrieb:Die Begründung "das ist Afrika" heranzuziehen nach dem Motto es lohnt sich eh nicht irgendwas in dem Bereich zu tun finde ich schade, denn so wird sich tatsächlich nichts ändern und ist auch der Grund das sich nichts ändert.
Das hat Swakop auch mit keiner Silbe gesagt. Du hast es nur so aufgefasst.
Als jemand, der in Afrika lebt, weiß man um diese Umstände.
Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst Du nur das Zauberwort.
- Joseph von Eichendorff