wie kürzlich schon erwähnt, lese ich seit langem hier im Forum mit, zuerst als Gast und nun auch schon länger als Mitglied. Die hier gesammelten Informationen haben uns ermutigt, 2011 nach Sambia zu fliegen und im Januar diesen Jahres nach Uganda. Vielen Dank an dieser Stelle für all die wertvollen Informationen und vor allem für die wunderbaren Reiseberichte, die uns letztendlich ermutigt haben, diese Reisen – nach mehreren Urlauben in Namibia und Botswana - zu wagen. Als kleines Dankeschön stelle ich nun unseren Reisebericht über Uganda im Januar 2013 ein. Vielen Dank auch an Birgitt, der es erfolgreich gelungen ist, mir das Laden der Fotos in einen Reisebericht so zu vermitteln, dass auch ich es verstanden habe. 🙂
Unsere Reiseroute war wie folgt geplant: Kampala Ziwa Rhino Sanctuary Budongo Forest Murchison Falls Nationalpark Kibale Forest – Crater Region um Fort Portal Queen Elizabeth Nationalpark QENP - Ishasha Bwindi Impenetrable Forest Lake Mutanda / Lake Bunyony Lake Mburo Nationalpark Kampala
Geflogen sind wir mit Qatar Airways Frankfurt-Doha-Kampala und zurück. Das Auto hatten wir von Douglas, Alpha Car Rental, in Kampala gemietet. Zelt, Matten und Kühlbox haben wir von Deutschland aus mitgebracht, sonstiges Campingequipment war von Alpha.
Freitag, 4.1.2013
Heute geht es los. Noch nie sind wir um diese Jahreszeit nach Afrika geflogen. Aber nachdem wir während des Sambia-Urlaubs 2011 drei wichtige Termine zu Hause „verpasst“ hatten, fanden wir die Möglichkeit, um diese Jahreszeit nach Uganda zu fliegen, ganz attraktiv. Und noch nie sind wir so entspannt und ohne Stress bei den Vorbereitungen gestartet. Da haben sich die ruhigen Tage zwischen Weihnachten und Neujahr positiv bemerkbar gemacht. Um 11.00 Uhr starten wir also von zu Hause, fahren nach Frankfurt und stellen dort unser Auto für drei Wochen im Parkhaus ab. Der Flug geht pünktlich raus und auch das Umsteigen in Doha/Qatar erfolgt reibungslos.
Samstag, 5.1.2013
Qatar Airways landet auf die Minute pünktlich am frühen Morgen in Entebbe. Wir betreten ugandischen Boden und erledigen die Einreiseformalitäten. Hinter dem Zoll wartet Amos von Alpha Car Rental auf uns und bringt uns zum Auto. Douglas hatte per Email seinen Fahrer Patrick angekündigt, bei der Begrüßung registriere ich leider nicht, dass nun jemand anderes vor uns steht, und so nenne ich den armen Amos den ganzen Tag Patrick. Er nimmt es aber gelassen und erträgt den ganzen Tag diesen falschen Namen. Erst abends beim Essen stellt sich der Irrtum heraus und wir haben was zu lachen. In der relativ kühlen Morgenluft fahren wir Richtung Kampala und erhalten einen ersten Eindruck vom Straßenverkehr. Erinnerungen an unsere Stadtdurchquerung von Lusaka werden wach, aber in Wirklichkeit ist der Verkehr in Kampala noch erheblich chaotischer als alles, was wir bisher gesehen haben. Aber es ist ja auch unsere erste Reise nach Ostafrika.
Ein Check In im Namirembe Guesthouse ist noch nicht möglich, wir frühstücken also erst einmal gemütlich. Das Guesthouse liegt direkt neben der berühmten gleichnamigen Kirche auf einem der Hügel von Kampala. Entsprechend ist es hier etwas ruhiger und auch die Luft ist besser. Adler, Geier und Marabus ziehen in der Thermik ihre Kreise rund um den Namirembe Hill, mitten in dieser Millionenstadt. Nach dem Frühstück machen sich Helmut und Amos daran, die Stromversorgung für die von uns mitgebrachte Kühlbox zu installieren. Das Auto ist ein Toyota Land Cruiser, der in recht gutem Zustand zu sein scheint. Jedenfalls meint Amos, es wäre ein „strong car“ und angeblich ist es zurzeit das beste Fahrzeug im Stall von Alpha Car Rental. Na ja, schaumermal.
Dann ist endlich unser Zimmer bezugsfertig, wir schleppen unser Gepäck die abenteuerlich schiefen Treppen hinauf und richten uns ein. Gegen Mittag fahren wir zusammen mit Amos in die Stadt zum Einkaufen. Bei Nakumat, einem großen Supermarkt, finden wir fast alles, was wir für die Reise brauchen. Dann geht’s noch nach nebenan und wir kaufen eine SIM-Karte für unser Handy sowie die nötige Airtime. Telefonieren ist spottbillig in Uganda, der Kauf der SIM-Karte ist unkompliziert, die Karte wird noch nicht einmal auf unseren Namen registriert. Zum Abschluss gönnen wir uns ein leckeres Mittagessen bei Java‘s – es gibt wunderbaren Fisch aus dem Victoriasee. Auf der Rückfahrt zum Guesthouse fährt Helmut selbst, ich finde das bewundernswert! Nie und nimmer würde ich es wagen, in diesem Chaos ein Auto zu bewegen. Es gibt offensichtlich nur ein Gesetz, und das ist das des Stärkeren.
Teil 210. Nov. 2013
Sonntag, 6.1.2013
Während wir frühstücken, fängt es an zu gewittern und zu regnen. Es gießt wie aus Kübeln. Die Abfahrt verzögert sich entsprechend, denn wir können bei diesem Regen das Auto nicht packen. Also sitzen wir auf der Bank vor unserem Zimmer und beobachten das Treiben um uns rum. Dann hört es endlich auf und wir können starten. Als ich die letzte Tasche aus unserem Zimmer hole, kriecht eine dicke Schnecke über den Fußboden vor meinem Bett. Der Gewitterregen hat sie wohl ermutigt, sich aus ihrem Versteck zu wagen.
Wir haben unsere Quo Vadis Navigationssoftware mit der guten Karte von Tracks 4 Africa bestückt und deshalb fahren wir ohne Probleme durch das Straßengewirr von Kampala. Obwohl Sonntag ist, herrscht das gleiche Chaos und Gewusel von Autos, Minibussen (Matatus), Mopedtaxis (BodaBodas), Menschen und Tieren wie am Tag zuvor. Durch den Regen ist alles ziemlich matschig abseits der Teerstraßen, teilweise sieht es sehr abenteuerlich aus.
Leider ist die Bombo Road am Northern Bypass gesperrt, wir müssen einige Schleifen fahren, zum Teil durch unvorstellbar chaotische Seitenstraßen, bis wir nördlich der Ringstraße ankommen. Endlich sind wir außerhalb dieser Riesenstadt und atmen auf. Auf guter Straße geht es durch grünes, fruchtbares Ackerland und durch viele kleine Dörfer Richtung Nordwesten. Gegen 14.30 Uhr erreichen wir das Ziwa-Rhino-Schutzgebiet und entschließen uns, hier zu bleiben über Nacht, da wir am Morgen durch den Regen zu viel Zeit verloren haben.
Das Rhino Tracking ist beeindruckend, wir kommen ganz nah ran an eine kleine Nashornfamilie, die friedlich vor uns im hohen Gras frisst. Das Jungtier wird noch gesäugt und demonstriert das auch ausgiebig. Zum Trinken muss das Junge sich auf die Knie begeben, sonst kommt es nicht an das Gesäuge der Mutter heran.
Teil 310. Nov. 2013
Die Zeit bei den Nashörnern vergeht wie im Flug. Gerne wären wir noch länger bei den so friedlich aussehenden Tieren geblieben, aber die Ranger sind unnachgiebig – wir müssen zurück.
Auf der Campsite bauen wir dann unser Zelt auf,
und nach dem Duschen essen wir zu Abend. Ein beeindruckender Sternenhimmel steht über uns. Der Rhino-Guide hat für morgen früh Regen vorhergesagt, man kann es noch nicht glauben. Schaumermal.
Montag, 7.1.2013
Nachts werden wir von einem Geräusch wach: Irgendetwas arbeitet heftig am Zaun. Rhino-Besuch! Lautes Schnaufen, Scharren, zwischendurch wieder Grasen – man hört jeden Bissen, der abgerupft und gekaut wird. Es ist der dominante Bulle, der alleine umherstreift und vor dem man uns gewarnt hatte. Er versucht wohl des Öfteren, die Einzäunung der Campsite zu durchbrechen, weil das Gras dort saftiger ist und besser schmeckt. Ein wenig mulmig ist uns schon, aber dann kommt ein Ranger und vertreibt das Tier.
Im Morgengrauen hören wir Gewitter in der Ferne. Wir stehen schnell auf und bauen das Zelt ab. Es sind aber nur ein paar Tropfen, so dass wir in Ruhe frühstücken können. Zum ersten Mal kommt unsere Neuerwerbung, der Kelly Kettle, zum Einsatz. Mit dieser genialen Konstruktion machen wir im Handumdrehen unser Kaffeewasser heiß. Es braucht nur ein paar kleine Äste und schon sprudeln 1,5 l Wasser.
Gestärkt und gut gelaunt brechen wir auf in Richtung Masindi. Unsere Planung hatte eigentlich vorgesehen, eine Nacht in Busingiro im südlichen Zipfel des Budongo Forest zu verbringen. Da wir aber unserem Zeitplan hinterher hinken, ändern wir kurzerhand unseren Plan noch einmal und stoppen nicht im Budongo Forest, sondern fahren direkt weiter bis zur Nile Safari Lodge. Bei einem Stopp unterwegs kaufen wir am Straßenrand drei Plastikeimer mit Deckel und eine Spülschüssel. In die Eimer werden wir unsere Vorräte packen, damit sie sortiert und vor allem vor Staub geschützt sind.
Nach dem Verlassen des Budongo Forests geht es entlang der Abbruchkante den Afrikanischen Grabenbruch hinab zum Ufer des Albert-Sees.
Unten stehen am Straßenrand so weit das Auge reicht Schilf und Baumwolle. Frauen queren unseren Weg, sie tragen riesige Grasbündel auf dem Kopf und bringen diese nach Hause. Es ist hier unten merklich wärmer und schwüler als auf dem Hochplateau. Nach drei Stunden auf zuletzt sehr ausgefahrener Piste erreichen wir das südliche Ufer des Nils.
Die Campsite der Nile Safari Lodge gefällt uns gut und so beschließen wir, bis morgen hier zu bleiben.
Sie liegt erhöht am Ufer des breiten Flusses, von hier haben wir einen herrlichen Ausblick über das Wasser und die andere Seite.
Wir sind hier wohl seit längerem die ersten Gäste und deshalb sind die Duschen nicht in Betrieb und müssen erst gereinigt werden.
Zum Abendessen gehen wir zu Fuß zur Lodge, dort essen wir einen sehr leckeren Fisch. Auch die Lodge liegt direkt am erhöhten Ufer des Nils, sie ist sehr gepflegt, alle Gebäude und die Chalets sind sehr geschmackvoll hergerichtet. Bei einem Bell-Bier genießen wir die schöne Abendstimmung. Im Licht der Stirnlampen geht es zurück. Der Weg geht teilweise durchs Gestrüpp, was jetzt, im Dunkeln, ein bisschen unheimlich ist. Trotz dieser kleinen Aufregung zu später Stunde verbringen wir eine ruhige Nacht, ein Caretaker sitzt bis zum Morgengrauen beim Feuer und wacht über uns.
Teil 410. Nov. 2013
Noch zwei Fotos von der Lodge:
Teil 511. Nov. 2013
Dienstag, 8.1.2013
Um 9.00 Uhr starten wir und erreichen bald die Grenze des Murchison Falls National Parks. Nach Zahlen der Gebühren für zwei Tage fahren wir weiter bis Paraa, wo wir aber bis 11.00 Uhr auf die nächste Fähre warten müssen. Das gibt uns Gelegenheit für nette Gespräche mit ebenfalls wartenden Angestellten der Parkverwaltung und Touristen aus Österreich, die mit 2 Fahrzeugen unterwegs sind. Sie haben ihr Auto in Arusha stehen und fliegen jeweils ein – was für ein Luxus. Die Fähre legt pünktlich um 11.00 Uhr ab,
auf der anderen Flussseite angekommen, fahren wir in den nördlichen Park ein. Wir staunen über die Vielzahl der Tiere, die Berichte über eine eher geringe Population können wir nicht bestätigen. Unendlich viele Tiere (Kobs, Wasserböcke, Kuhantilopen, Büffel, Warzenschweine usw. usw.) grasen auf den weiten, freien Flächen des Parks, Giraffen ziehen am Horizont vorüber.
gleich gehts weiter ...
Teil 611. Nov. 2013
Für 14.00 Uhr haben wir eine Nilkreuzfahrt gebucht, die uns bis zu den Fällen bringen soll. Auf einem Boot der Parkverwaltung gleiten wir über den Nil und sehen eine Menge Tiere im Wasser und am Ufer.
Die Wasserfälle sind imposant. Der Nil stürzt sich durch eine enge Schlucht, es schäumt und spritzt, Gischt steht über allem.
Unterhalb kreisen Raubvögel, die nach verletzten Fischen Ausschau halten.
Teil 711. Nov. 2013
Hier dreht das Schiff und es geht zurück nach Paraa.
Morgen wollen wir uns die Wasserfälle dann von oben ansehen, wenn wir auf der Campsite am Top of the Falls übernachten. So zumindest ist unser Plan.
Um 17.00 Uhr sollen wir unseren Ranger abholen, der uns für die Übernachtung auf der Wilderness Campsite im Park begleiten soll. Der Ranger verpasst aber die Fähre und kommt erst später mit einem kleinen Boot über den Nil. Wir Deppen haben leider vergessen, rechtzeitig zu tanken und müssen das vor Aufbruch auch noch erledigen. Bezahlen muss man den Sprit oben bei der Paraa-Lodge, den Diesel gibt es aber unten an der Fähre. Zurück an der Tankstelle heißt es, tanken erst um 18.00 Uhr, wenn der Strom wieder da ist (oder war das nur eine Ausrede und der Tankwart hatte eigentlich keine Lust mehr?). Dann endlich fahren wir zusammen mit Charles, unserem Ranger für die Übernachtung, los. Als erstes „gesteht“ er uns, dass er keinen Proviant dabei hat und hofft, dass wir ihn verköstigen. Guter Trick … Wir grinsen uns eins und bestätigen ihm, dass wir ihn durchfüttern werden. Unterwegs kreuzt eine große Schlange unseren Weg. Charles meint, es wäre eine schwarze Mamba, wir können es kaum glauben, diese gefürchtete Schlange direkt zu Beginn unserer Reise zu sehen. Wenn das so weitergeht …
Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir die Wilderness Campsite direkt am Albert-See. Schnell bauen wir das Zelt auf
und kochen dann, weil es schon so spät ist, nur schnell Spaghetti mit Tomatensoße. Das Licht der Lampen lockt eine Menge Lakeflies und anderes Gesumse an, was das Kochen nicht einfacher macht. Geschmeckt hat es aber dann doch. Und auch Charles behauptet, dass es ihm geschmeckt hat. Ob das wirklich so ist? Wir sitzen noch draußen und plaudern, da fällt eine sehr große Sternschnuppe vom Himmel und sie verglüht erst kurz über dem Boden. So eine große Sternschnuppe, die so kurz vor dem Boden erst verglüht, hatten wir bisher noch nicht gesehen. Wir sind ganz aus dem Häuschen, Charles dagegen bleibt cool und meinte, das passiere öfters – er wisse leider nur nicht, welches Tier das macht … Ob er uns glaubt, als wir ihm erzählen, was wir für den Grund halten, können wir nicht wirklich erkennen. Er zeigt sich aber sehr interessiert an unserer „Theorie“.
Wir gehen früh schlafen, Charles möchte nicht in seinem Zelt übernachten sondern in unserem Auto – ok, des Menschen Wille ... Jedenfalls ist seine Nacht nicht besonders gut. Weil es so warm ist, öffnet er die Fenster und ist den Moskitos schutzlos ausgeliefert. Angeblich hat er auch sein Repellent im Camp vergessen. Wir dagegen schlafen sehr gut, draußen grunzen die Hippos. Mensch, was brauchst du mehr?
Teil 812. Nov. 2013
Mittwoch, 9.1.2013
Wir hatten mit Charles verabredet, ganz früh loszufahren und dann später zum Abbauen des Zeltes und zum Frühstück wieder zur Campsite zurück zu kommen. Um 6.00 Uhr geht es im Morgengrauen los. Wieder sind eine Menge Gazellen unterwegs. Es ist schön, dass noch kein Betrieb ist im Park und so können wir in Ruhe alle Anblicke genießen.
Auf der Schleife zurück zum Zelt sehen wir dann in einiger Entfernung ein Löwenrudel, was auch die mittlerweile eingetroffenen Safarifahrzeuge anlockt.
Charles scheint nun etwas entspannter, offensichtlich wollen alle Besucher vor allem die Löwen sehen, was die Wildhüter ganz schön unter Druck setzt. Auch begegnen wir einer riesigen Büffelherde. Hunderte Tiere grasen im Morgennebel in einer Senke. Es sieht gespenstisch aus.
Leider gibt das Foto nicht die wirkliche Stimmung wieder.
Zurück am Zelt frühstücken wir in aller Ruhe und unterhalten uns mit Charles ausgiebig über Land und Leute. Danach brechen wir auf zum zweiten Teil des Tages. Wir haben Charles gesagt, dass wir den ganzen Tag im Park bleiben und erst abends zurück nach Paraa fahren wollen. Das ist zwar für ihn ungewöhnlich aber er willigt ein.
Charles im "Ausguck"
Teil 2 folgt sogleich.
Teil 912. Nov. 2013
So fahren wir also entlang des Ufers des Albert-Sees in Richtung Norden. Zwischen uns und dem Seeufer grasen Hunderte Gazellen, Antilopen, Schweine und Hippos, dazwischen Kraniche und andere Vögel.
Manche Anblicke erscheinen geradezu unwirklich, so schön sind sie. Dann, wir halten gerade, weil wir eine große Herde Antilopen beobachten, kreuzt direkt vor uns in aller Seelenruhe eine prächtige Löwin unseren Weg.
Sie hat wohl im nahen Gebüsch ihre Jungen zurück gelassen und will zum Trinken an den See. Ihr Gesäuge ist sehr ausgeprägt, Charles ist absolut sicher, dass sie Junge hat und diese in unmittelbarer Nähe sein müssen, aber trotz aller Anstrengungen entdecken wir sie nicht. Wir fotografieren und filmen was die Kameras hergeben, das Tier ist gut genährt, das Fell makellos. Nachdem die Löwin getrunken hat, kommt sie auf gleichem Weg zurück. Wir scheinen für sie in keiner Weise interessant zu sein.
Gegen 11.00 Uhr kommen wir, nahe des Seeufers, zu einer kleinen Palmenoase, auf der drei riesige Elefanten fressen und dösen.
Teil 3 folgt gleich.
Teil 1012. Nov. 2013
Wir betrachten sie ausgiebig und gehen auch zu Fuß eine Strecke in den Park hinein – Charles hat ja seine Kalaschnikov (!), die Standardwaffe der Wildhüter, dabei.
So riesige Tiere sieht man wirklich selten.
Es gesellt sich noch ein Tourbus dazu, dessen Gäste ebenfalls mit uns die Elefanten beobachten.
Zurück am Auto dann der Schock: Unser Auto lässt sich nicht mehr starten. Der Schlüssel geht nicht mehr komplett ins Schloss. Hunderte Versuche bringen alle nichts. Das Auto kurzzuschließen scheidet erst einmal auch aus, da es sich um ein Automatikfahrzeug handelt und wir nicht wissen, wie das Lenkradschloss sich verhält. Wenn das einschnappt, geht gar nichts mehr. Leider ist das Handy von Charles leer und unseres funktioniert leider noch nicht richtig. So bleibt nur, dass Helmut mit dem Tourbus zurück nach Paraa fährt, um selbst die „Bergung“ zu beauftragen. Es ist lt. Charles verboten, dass ein havariertes Auto nachts im Park bleibt. Ich bleibe derweil mit Charles am Auto zurück. Optimistische Schätzung von Charles ist, dass Helmut und das Rescue-Team spätestens gegen 16.00 Uhr zurück am Auto sein werden. Na ja, schaumermal.
Charles und ich versuchen, es uns im Schatten gemütlich zu machen, was nicht einfach ist, da die Elefanten partout nicht weiter ziehen wollen. Sie sind ständig um uns und lassen nicht zu, dass wir relaxen. Und natürlich beanspruchen sie den besten Schatten für sich, für uns bleibt nur hier und da mal ein wenig Halbschatten.
Gegen Mittag kommt ein Fahrzeug, mit dem einige polnische Ölbohrarbeiter einen Gamedrive machen. Sie bieten Hilfe an und wollen das Auto kurzschließen. Als sie in gebrochenem Englisch zu erklären versuchen, was sie machen wollen, sage ich, dass ich wüsste, was sie meinten, es sei „the polish way to start a car“. Da hat mir mein sehr spezieller Humor aber heftig mitgespielt, dem einen fällt, ich kann es nicht anders ausdrücken, regelrecht die Fresse runter, dass ich denke, er knallt mir eine. Ich eiere rum und sage, dass ich wüsste, dass sie das Auto nicht klauen wollen. Der Fall ist aber gelaufen und sie fahren stinksauer weg. Nach einer guten halben Stunde tauchen sie noch mal auf und lassen 4 Flaschen Wasser für uns da. Die Mienen sind aber weiterhin finster. Wenn sie wüssten, wie viel Wasser wir an Bord haben … aber ich zeige mich dankbar.
Die Zeit verkriecht … Es wird 3, es wird 4 – kein Helmut, kein Rescue-Team. Charles wird nervös und um 17.00 Uhr sagt er dann, dass wir zum in einiger Entfernung liegenden Rangercamp gehen werden, um Kontakt zur Basis zu bekommen. Na, das hätten wir ja eigentlich schon früher machen können. Querfeldein gehen wir durch den Busch, finden die Ranger, die gerade am See Fische für’s Abendessen kaufen. In der Zwischenzeit ist aber, wie sollte es anders sein, das Rescue-Team am Auto eingetroffen, wo ich gottlob eine Nachricht hinterlassen hatte. Der LKW kommt dann auch zum Rangerposten und holt uns ab. Der „Chefmechaniker“ ist mehr als stocksauer, denn Charles hatte Helmut die falsche Ortsbezeichnung mitgegeben und so war der Trupp erst in die falsche Richtung gefahren… Vor Ort am Auto, bei drohender Dunkelheit, gelingt es dann noch, das Schloss insoweit aufzubrechen, dass das Auto mit einem Schraubenzieher zu starten ist. Celsius, der Chefmechaniker, fährt selbst, da auch er befürchtet, dass das Lenkradschloss einschnappen könnte. Ich fahre mit dem LKW mit – ein Höllenritt durch den Park, ich fliege auf dem Sitz hin und her. Das Werkzeug der Truppe ist übrigens sehenswert, einige Schraubenschlüssel, eine Zange, kein Hammer.
Wir erreichen Paraa um 19.30 Uhr und die letzte Fähre ist natürlich schon weg. Für uns besorgt man in aller Eile einen Campingplatz am Studentcenter der Uganda Wildlife Authority, die Rescue-Truppe fährt mit einem kleinen Motorboot über. Das Studentcenter liegt auf einer Anhöhe über der Paraa-Lodge. Die Lage ist eigentlich sehr schön, aber nach diesem Tag haben wir dafür heute keinen Blick mehr. Wir suchen uns eine flache Ecke auf einer Wiese zwischen den Baracken und bauen das Zelt auf. Nach Besichtigung der Duschmöglichkeiten beschließen wir, heute ungeduscht ins Zelt zu verschwinden. Ohne Abendbrot schlafen wir ein. Wie das Leben so spielt: da hatte der Tag so wunderbar begonnen…
Teil 1114. Nov. 2013
Donnerstag, 10.1.2013
Noch im Dunkeln summt der Wecker, denn wir sind für 7.00 Uhr zur ersten Fähre mit den Mechanikern verabredet. Wir frühstücken im Stehen nur ein bisschen Joghurt und Müsli, dann fahren wir los.
Mit der ersten Fähre kommt Isaac, der zweite Mann neben Celsius, über den Fluss, um seinen LKW zu holen. Wir verabschieden uns von Charles, der die Nacht auch im Studentcenter verbracht hat, und setzen über. Kurz hinter dem Headquarter der UWA liegt der sogenannte Workshop, die zentrale Werkstatt für sämtliche Fahrzeuge und Gerätschaften des Nationalparks.
Ich koche erst mal Kaffee und Helmut und Celsius versuchen, das Schloss zu reparieren, was aber letztendlich nicht gelingt, da im Inneren etwas zerbrochen ist. Auf dem Hof der Werkstatt herrscht ein munteres Kommen und Gehen, Helmut betätigt sich zum Zeitvertreib als Hilfsmechaniker beim Reifen reparieren.
Das "Rescue-Fahrzeug"
Am Rande des Workshops (Ochim: ich denke, das ist der MAN, den auch du gesehen hast)
Celsius steht im ständigen Telefonkontakt mit Douglas bezüglich eines Ersatzteils und er sagt, dass wir nach Pakwach müssten, um dort den von Douglas beauftragten Spezialisten mit Ersatzteil zu treffen. Also machen wir uns um 11.00 Uhr auf den Weg, setzen erneut über den Nil und queren den Park Richtung Pakwach. Der nördliche Teil des Murchison Falls Nationalparks ist landschaftlich sehr schön, überall stehen Palmen und es grasen eine Menge Antilopen auf den weiten Grasflächen. Rechts und links des Wegs immer wieder Giraffen. Leider sehen wir das alles nur im Vorbeifahren. Pakwach, direkt an der nördlichen Parkgrenze, ist eine echte afrikanische Kleinstadt, keine Touris, das pure afrikanische Leben. Wir lunchen im sogenannten Global-Village, das Celsius uns stolz präsentiert, und fahren dann zurück in die umtriebige Kleinstadt.
In einer Nebenstraße, vor einem kleinen Gästehaus, parken wir. Celsius organisiert Stühle und Getränke, damit wir uns im Schatten auf der gegenüberliegenden Straßenseite aufhalten können. Er selbst verschwindet „mal eben zur Bank“, was aber über 1 Stunde dauert. Seine Familie lebt in Pakwach und er kennt Hinz und Kunz. Vielleicht hat er das Treffen mit dem Spezialisten aus Kampala ja auch so gesteuert, dass er mal eben nach Hause konnte. Who knows? Wir sitzen und schauen und werden vor allem beschaut. Kinder, auf dem Weg zum Wasserholen am Nil, kommen ständig vorbei. Sie kichern und starren uns an, vor allem mich, weil ich mir am Vortag bei den drei Elefanten einen leichten Sonnenbrand geholt habe. Ein paar Mädchen trauen sich sogar offen zu rufen „you are so red!“, sie zeigen mit dem Finger auf mich und gackern, was das Zeug hält.
Um 16.15 Uhr dann kommen endlich die Leute von Douglas mit dem „Spezialisten“ und dem Ersatzteil aus Kampala. Übrigens ist diesmal der echte Patrick dabei. In gewohnt afrikanischer Manier erledigt man die Reparatur fast ohne Werkzeug, vor allem wieder ohne Hammer. Alles wird mit Zange oder Schraubenschlüssel geschlagen. Nach einer knappen Stunde dann ist das Nötigste getan, das Schloss funktioniert wieder. Wir atmen hörbar auf. Douglas hatte uns natürlich sofort ein Ersatzfahrzeug angeboten, aber wir hatten uns schon so an unser "strong car" gewöhnt, dass wir lieber auf die Reparatur vertraut haben. Die Verkleidung am Armaturenbrett kann allerdings heute nicht mehr angebaut werden, da wir unbedingt die letzte Fähre um 19.00 Uhr erreichen wollen. Also wird alles notdürftig mit Klebeband getapet (keine Afrikareise ohne Klebeband!) und los geht’s zurück nach Paraa.
Da wir nicht schon wieder beim Studentscamp übernachten wollen und die Paraa-Lodge uns – nur für ein paar Stunden Augenpflege - zu teuer ist, buchen wir uns im Red Chilli Restcamp ein. Helmut bringt Celsius noch nach Hause, dann duschen und essen wir und gehen zeitig zu Bett. Morgen können wir hoffentlich unsere Reise fortsetzen. Schaumermal.
Teil 1215. Nov. 2013
Freitag, 11.1.2013
Wir hatten uns Frühstückspackages bestellt, damit wir zeitig an der Werkstatt sein können. Leider kommen die Monteure erst um 8.00 Uhr – na ja, da hätten wir auch im Camp frühstücken können. Celsius und Isaac machen sich an die Arbeit und das Armaturenbrett ist bald wieder eingebaut. Wir haben nun die Bergung und die Reparatur zu bezahlen: Rescue 161.000 UGS (km-abhängig, und wegen der Umwege entsprechend teuer), der Rest ist freiwillig. Da kann man nicht meckern.
Wir verabschieden uns von allen und fahren dann zum Headquarter des Parks, um zu klären, ob wir für den zusätzlichen Tag im Park zahlen müssen oder nicht.
Man ist so nett, und erlässt uns weitere Gebühren, da wir ja den Park nicht „genutzt“ haben.
Dann machen wir uns auf, quer durch den Park, nach Masindi. Der Weg ist holprig und schraubt sich die Abbruchkante des Grabenbruchs hinauf. Unterwegs hat man immer wieder sehr schöne Ausblicke zurück auf den Park. Zu Mittag stoppen wir beim Masindi-Hotel, einem wunderschönen alten Kolonialbau,
und essen einen super-leckeren, na was wohl?, Fisch. In Masindi lassen wir auch das Telefon überprüfen, das ja bisher nicht funktioniert hat. Ab nun sind wir auf Empfang, so wie jeder in diesem Land. Celsius hatte ja sogar ständig zwei Telefone in Benutzung!
Wir fahren auf relativ guter Piste weiter nach Hoima,
wo wir uns im sehr schön gelegenen Kontiki-Hotel einmieten. Das ist nach all dem Trouble der letzten Tage eine Oase der Ruhe. Wir relaxen im tropischen Garten und lassen die Beine baumeln.
]
In einem der Pavillons feiern ein paar einheimische, gut situierte Girlies eine Party. Sie sind aufgebrezelt und tragen höchste Plateauschuhe, auf denen sie allerdings nicht laufen können. So stellen sie sich wohl europäischen Chic vor. Mein früherer Chef, ein weiser älterer Herr, hätte gesagt: „sie sind viel netter als sie sich zurecht machen.“
Nachmittags stelle ich fest, dass wir unsere Chimps-Permits in Kampala vergessen haben. Mist. Ich simse Douglas und er verspricht, sich zu kümmern. Später schickt er dann per Email zumindest eine Kopie der Rechnung, was mich erst einmal beruhigt. So haben wir wenigstens irgendetwas in der Hand. Außerdem hilft uns sehr unkompliziert Tony, ein einheimischer Touroperator (Mamaland Safaris), der mit einer Gruppe Schweden ebenfalls im Kontiki übernachtet. Er kennt die Leute in Kibale gut, telefoniert mit ihnen und stellt sicher, dass die Kopie reicht. Abends dann meldet sich Douglas mit der Nachricht, dass er die Permits gefunden hat, er will sie uns per Boten schicken. Wir essen im Restaurant zu Abend und gehen dann zurück zum Bungalow. Die Luft hier draußen ist gut, das Bett auch und so steht einer guten Nacht nichts im Wege.
Teil 1316. Nov. 2013
Der Teil der technischen Pannen ist nur "abgearbeitet" für diesen Urlaub, nun folgt der medizinische Teil. 🙁 Von daher gibt es in diesen Teilen des Berichts kaum Fotos.
Samstag, 12.1.2013
Pustekuchen, von wegen gute Nacht: Kurz nach Mitternacht melden sich bei uns beiden Magen und Darm. Ich muss erbrechen, Helmut hat erst nur Durchfall. Bei einem seiner Toilettenbesuche dann kollabiert er, ich höre etwas unglaublich laut auf die Erde „patschen“ und rufe nach ihm – keine Antwort. Ich gehe ins Bad und finde ihn auf dem Boden liegend bewusstlos aber tief schnaufend. Ich spreche ihn an, aber er antwortet nicht. Leichte Panik befällt mich. Nach einer Minute dann kommt er zu sich, ziemlich benommen und am Kopf gedellt und blutend. – Was für eine Nacht, nur gut, dass wir in einem Bett liegen und nicht im Zelt.
Helmut kann morgens aber aufstehen und regelt, dass wir eine weitere Nacht bleiben können. Die „Madam“ des Hotels gibt noch eine Runde Medikamente aus, die wir brav nehmen. Ich nehme zusätzlich noch Vomex und meine Übelkeit lässt mittags nach. Helmut hat eine ziemliche Beule am Kopf, die Haut ist blutig abgeschürft.
Den Nachmittag verbringen wir in der Anlage und kurieren uns aus. Douglas gibt uns Nachricht, dass er die Gorillapermits am nächsten Tag mit einem Fahrer nach Kyenjojo bringen lassen wird. Wir sollen den Boten dort um 12.00 Uhr treffen, bis dorthin seien es nur 2 Stunden Fahrt von Hoima aus. Na denn, schaumermal.
Sonntag, 13.1.2013
Wir haben gut geschlafen, aber nach der Morgentoilette meint Helmut, er habe Flohbisse bei sich entdeckt. Das hätten wir nun nicht gedacht, alles wirkte so sauber hier. Oberkörper und Arme sind übersäht mit zahlreichen roten Flecken. Ich behandle sie mit dem elektrischen Mückenstick, den ich auf Empfehlung noch in Deutschland gekauft hatte. Na Mahlzeit. Der Tag fängt ja gut an.
Nach einem leckeren Frühstück starten wir nach Fort Portal. Die Straße wird zunehmend schlechter und lässt eigentlich keine hohen Geschwindigkeiten zu. Aber wir sind ja unter Zeitdruck, da wir den Fahrer von Douglas in Kyenjojo treffen sollen. Auf halber Strecke springt der Wagen nach einer kurzen P-Pause nicht mehr an. Wir schauen uns nur an: oh nein, nicht schon wieder. Doch nach dem Öffnen der Kühlerhaube sehen wir sofort, woran es liegt. Eine der Batterien hat sich durch das Geschüttele auf der Holperpiste gelockert und deshalb hat sich ein Kabel aus der Klemme gelöst. Also: Batterie mit Spanngurt befestigen (fahre nie nach Afrika ohne Spanngurte!), Kabel wieder befestigen, weiter geht’s auf diesem Waschbrett.
Die Fahrt nach Kyenjojo dauert erheblich länger als geschätzt und so verpassen wir den Fahrer, der uns aber per Handy mitteilt, dass er die Permits an der Rezeption des Traveller’s Inn in Fort Portal abgeben wird. Also machen wir uns auf nach Fort Portal, diesmal auf guter Teerstraße, was nach dieser elenden Rüttelei eine Wohltat ist. An der Rezeption des Rwenzori Traveller’s Inn liegen tatsächlich unsere Permits, und auch eine große Tüte mit frischen Ananas wurde für uns abgegeben. Wir nutzen die Gelegenheit und bleiben gleich zum Mittagessen.
Nun müssen wir uns aber beeilen, wir wollen noch zum Headquarter der UWA im Kibale Forest um zu klären, ob die Permits ok sind. Und das sind sie erfreulicherweise. Danach geht es weiter zur Kibale Safari Lodge, die ganz in der Nähe liegt. Pius, der Manager des Kontiki-Hotels in Hoima hatte für uns hier angerufen und einen Sonderpreis ausgehandelt. Er ist mit dem Manager befreundet, und da die Lodge zurzeit schlecht gebucht ist, klappt der Deal. Die Lodge liegt am Rande des Regenwaldes, unser Chalet stößt direkt an den Dschungel. Von der Terrasse aus kann man die Lianen greifen, die Affen turnen vor uns in den Baumkronen herum.
Aber dafür haben wir nur einen kurzen Blick, denn Helmuts Körper sieht mittlerweile grauenvoll aus. Wir sind nun sicher, dass es keine Flohbisse sind, sondern dass es eine starke Allergie ist. Das Kontiki-Hotel ist also voll und ganz rehabilitiert. Der ganze Körper ist voller dicker Flatschen und es juckt sehr.
Nach Rücksprache mit Helmut darf ich dieses Foto zeigen. Fotodokumente weiterer betroffener Körperstellen möchte er nicht veröffentlichen. 😉
Ob das von der Durchfallerkrankung herrührt? Oder haben wir sonst etwas gegessen oder mit irgendetwas Kontakt gehabt??? Wir gehen noch kurz zum Dinner. Das Essen ist eigentlich schmackhaft, aber uns ist einfach heute Abend nicht danach zumute. In der Lobby haben sich ein paar Einheimische getroffen, um im Fernsehen ein Fußballspiel der englischen Liga, Manchester United gegen Arsenal London, anzuschauen. Sie können gar nicht verstehen, dass uns das nicht interessiert. Unter anderen Umständen hätten wir uns sicher gerne dazu gesellt, aber heute verschwinden wir schnell in unserer Unterkunft und versuchen zu schlafen.
Teil 1417. Nov. 2013
Montag, 14.1.2013
Die Nacht war der reinste Horror , Helmut's Haut hat so gejuckt, dass es ihn fast in den Wahnsinn getrieben hat. Der Körper sieht beängstigend aus, nun ist der gesamte Körper rot und geschwollen, mir wird sehr mulmig. Wir versuchen zu frühstücken, aber Helmut geht es schlecht und mein Magen hat das Fleisch vom Dinner am Vorabend auch noch nicht vertragen und mir ist übel. In diesem Zustand können wir das Schimpansen-Tracking auf keinen Fall mitmachen. So lassen wir also 300 Dollar sausen und fahren zusammen mit Richard, dem Manager der Lodge, ins Virika-Krankenhaus nach Fort Portal. Der Entschluss, ein Krankenhaus aufzusuchen, ist uns nicht leicht gefallen, zu viele Horrorgeschichten haben wir gehört über unsägliche Zustände in afrikanischen Krankenhäusern. Aber unsere Not ist größer.
Die kleine Klinik am Rande von Fort Portal sieht zwar ein bisschen abenteuerlich aus, aber Helmut wird gut behandelt und erhält auch direkt vor Ort Medikamente. Die ganze Behandlung inklusive Tabletten kostet sage und schreibe 11.000 UGS. Der Arzt zeigt sich erfreut über einen europäischen Patienten, er befragt uns eingehend nach unserem Winter, ob wir denn dann arbeiten gehen müssten, ob wir Heizung hätten und wie wir uns kleiden würden.
Hier sitzt man und wartet auf die Medikamtenausgabe.
Die neueste Errungenschaft des Krankenhauses: Eine Ape-Car-Ambulanz. Wer Glück hat, wird damit transportiert, wer weniger Glück hat, wird mit dem BodaBoda geholt.
In Helmuts Zustand wollen wir unsere Reise heute nicht fortsetzen. Deshalb suchen wir Kluge’s Guestfarm auf, wo wir uns einquartieren. Das zeigt sich als eine gute Entscheidung, die Anlage liegt in herrlichem Garten, hier gibt es gute kühle Luft und schöne saubere Zimmer.
Garten mit Blick auf die Rwenzori-Berge.
Helmut liegt den ganzen Tag im Bett und schläft, langsam fangen aber die ersten Stellen an, blasser zu werden. Er isst nur nackten Reis, und auch ich schone meinen Magen. Mein Kreislauf ist nach wie vor schlecht. Als Ursache für die Allergie haben wir mittlerweile unsere Malariaprophylaxe Malarone identifiziert. So ein Mist.
Teil 1517. Nov. 2013
Dienstag, 15.1.2013 und Mittwoch, 16.1.2013
Die nächsten beiden Tage bleiben wir noch auf Kluge’s Guestfarm. Die Medikamentenallergie nimmt ihren Lauf: Morgens ist auch das Gesicht stark betroffen, die Lippen sind üppig angeschwollen, die Nase schief, die Augenlider dick. Dafür sieht der Oberkörper, wo alles begonnen hat, wieder besser aus. Wir frühstücken aber zusammen und Helmut will auch den Tag über aufbleiben, damit wir nachts besser schlafen können.
Ich mache eine Wanderung durch den "hauseigenen" Regenwald.
Im Nachbarzimmer wohnt seit heute ein Österreichisches Ehepaar. Die beiden sind mit Douglas‘ Camper mit Dachzelt unterwegs. Wie klein doch die Welt ist. Es stellt sich heraus, dass der Mann Internist ist, und er schaut sich an, was der Ugandische Arzt verordnet hat. Gottseidank findet er, dass Diagnose und Medikamentierung ok sind, das beruhigt uns zusätzlich.
Am zweiten Morgen nach dem Frühstück machen wir zusammen eine Wanderung durch den kleinen Regenwald. Ich bin so froh, dass es Helmut allmählich besser geht. Das Malarone kann er natürlich nicht weiter nehmen und ab sofort müssen wir doppelt Vorsorge treffen gegen eventuelle Mückenstiche. Ansonsten verläuft der Tag ruhig, wir packen schon ein bisschen und checken und säubern auch das Auto in Ruhe. Im Restaurant hatten wir schon beim Frühstück Kontakt zu zwei weißen Patres, die hier ein paar Tage Urlaub machen. Sie leben schon ihr ganzes Erwachsenenleben in Mbarara bzw. Kampala und wettern heftig über die westliche Pharmaindustrie. Aus ihrer Sicht ist eine Malariaprophylaxe unsinnig, es würde ausreichen, wenn man sich bei einer Erkrankung rechtzeitig behandeln lassen würde. So verschieden sind die Meinungen …
Am Nachmittag wagen wir einen kleinen Ausflug in die Kraterregion,
die sich südöstlich von Fort Portal erstreckt. Es ist unglaublich, wie sich hier Kratersee an Kratersee reiht. Die Landschaft ist phantastisch, die Straße windet sich durch die Hügellandschaft, von jeder nächsten Ecke hat man einen neuen Blick. Aber auch hier ist jeder Flecken Erde landwirtschaftlich genutzt. Überall stehen die kleinen Häuser der Bauern, ab und zu kommen wir durch ein Dorf. Die Straße ist extrem schlecht aber wir vertrauen auf die T4A-Karte und fahren selbst schmalste Wege. Ein einziges Mal müssen wir umkehren, der Weg scheint im Tal durch einen Sumpf zu führen. Der Feldweg wird zu einem Trampelpfad und das trauen wir uns dann doch nicht.
Wir essen auf der Guestfarm zu Abend und unterhalben uns noch einmal mit den beiden Patres. Morgen wird es endlich "normal" weitergehen.
Teil 1618. Nov. 2013
Donnerstag, 17.1.2013
Heute soll es weiter gehen. Vor der Abfahrt unterhalten wir uns noch ausgiebig mit Mariam Kluge über Land und Leute und wir saugen alles interessiert auf, was sie zu berichten weiß.
Auf guter Teerstraße fahren wir zum Queen Elizabeth Nationalpark. Der Blick auf den Park ist einfach großartig, und wir bedauern sehr, hier nicht wie geplant ein paar Tage bleiben zu können. Aber unser Zeitplan ist ja komplett durcheinander, nur das Gorilla-Tracking steht fest und dieser Termin bestimmt unsere weitere Planung. So fahren wir also schweren Herzens direkt durch nach Ishasha.
Direkt am Wegesrand winkten uns diese Gesellen:
Unterwegs treffen wir auf einen liegen gebliebenen LKW, der hier wohl schon längere Zeit liegt und repariert wird. Die Kupplung ist auseinandergeflogen und hat das Gehäuse zerschlagen.
Ersatzteile sind aber schon da und es geht wieder aufwärts mit der Reparatur. LKW-Fahrer in Ostafrika ist wahrlich kein langweiliger Beruf. Wir lassen noch eine Flasche Wasser dort, zu Essen hat die Mannschaft wohl genug.
Dann erreichen wir Ishasha.
Die Campsite am Ishasha liegt wunderbar direkt am Fluss.
Teil 1718. Nov. 2013
Und wie selbstverständlich liegen direkt vor uns an der Flussbiegung die Hippos auf einer Sandbank.
Am anderen Ufer ist schon kongolesisches Staatsgebiet, es scheint aber zurzeit alles ruhig zu sein zwischen den beiden Staaten.
Die Sanitäranlagen sind tiptop, es gibt sogar eine Latrine mit Keramikeinsatz und Wasserspülung.
Schnell bauen wir unser Zelt auf und machen noch einen Abenddrive. Wir sind begeistert von diesem schönen Park, nicht nur wegen der vielen Tiere, die wir sehen, sondern auch die Landschaft gefällt uns sehr.
Nachts besucht uns ein Hippo am Zelt. Bei jedem Schritt, den das Tier macht, kann man den Mageninhalt schwappen hören. Ich traue meinen Ohren kaum und es dauert eine Weile, bis ich begreife, woher dieses merkwürdige Geräusch kommt. Weitere Geräusche, wie grasen und furzen, kann ich dagegen zweifelsfrei zuordnen.
Teil 1819. Nov. 2013
Hier noch ein paar Fotos vom Gamedrive am 17.1.2013
Teil 1919. Nov. 2013
Und der Blick auf den Kongo
Teil 2019. Nov. 2013
Die Bildqualität lässt zu wünschen übrig, aber das wollte ich unbedingt dokumentieren.