Namibias Wüstenlöwen - Sind sie zu retten?

15 Antworten · 3'378 Aufrufe · gestartet 08. Nov. 2013 von Volker
Antworten
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200708. Nov. 2013 ·
Hallo,

ich verfolge das Thema seit geraumer Zeit. Die Entwicklungen der letzten Monate lassen in mir vermehrt Zweifel aufkommen, dass es ohne explizites Schutzgebiet und damit verbundenem Jagdverbot möglich sein wird, sie effektiv zu schützen.

Die Anstregungen von Fips Stander in allen Ehren, sind sie nicht zum Scheitern verurteilt, wenn obige Voraussetzungen nicht gegeben sind?

Wie denkt ihr darüber?

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
497 Beiträge · seit 201208. Nov. 2013 ·
Hallo Volker,

Ich denke, es reichte eine verbindliche Anstrengung aus dem Ministerium für Umwelt und Tourismus und das direkteste Problem wäre dank Flip (nicht Fips - der gehört zu Wilhem Busch 😗 ) Standers unermüdlichem und jahrelangem Einsatz erstmal vom Tisch. Das würde dann eventuell die Missgunst einiger Berufsjäger und Jagdtouristen nach sich ziehen, aber herrje...

Wie viele männliche Löwen im fortpflanzungsfähigem Alter gibt es noch in dem dortigen riesigen Gebiet, annähernd so groß wie Österreich?

Zwei oder drei?

Sebastian
Info-Namibia www.info-namibia.com
33,1k Beiträge · seit 200608. Nov. 2013 ·
Hi Volker,

Flip Stander hat heute gerade ein interessantes Interview (klick hier) zu seiner weiteren Arbeit gegeben. Vielleicht widerlegt es Deine "düsteren Aussichten"...

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
5'538 Beiträge · seit 200808. Nov. 2013 ·
Hallo Volker,

so lange die Löwen von der einheimischen Bevölkerung nicht wirklich "angenommen" werden, so lange nutzt auch ein Jagdverbort nichts. Es ist nämlich nicht nur eine Frage der männlichen Löwen, sonderen eine generelle Frage. Und da verweise ich nur darauf, dass ein Großteil des Hobatere Rudels vor gar nicht allzu langer Zeit vergiftet wurde. Und das waren keine Jäger?

Oder aber man verlegt das von Dir geforderte Schutzgebiet in einen menschenleeren Raum - aber den gibt es in Namibia in diesem Sinne auch nicht mehr. Die Löwen werden auf ihren Wanderungen immer wieder in bewohnte Gebiete kommen und verfolgt werden.

Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200708. Nov. 2013 ·
Gerd1942 schrieb:Hallo Volker,

so lange die Löwen von der einheimischen Bevölkerung nicht wirklich "angenommen" werden, so lange nutzt auch ein Jagdverbort nichts. Es ist nämlich nicht nur eine Frage der männlichen Löwen, sonderen eine generelle Frage. Und da verweise ich nur darauf, dass ein Großteil des Hobatere Rudels vor gar nicht allzu langer Zeit vergiftet wurde. Und das waren keine Jäger?

Oder aber man verlegt das von Dir geforderte Schutzgebiet in einen menschenleeren Raum - aber den gibt es in Namibia in diesem Sinne auch nicht mehr. Die Löwen werden auf ihren Wanderungen immer wieder in bewohnte Gebiete kommen und verfolgt werden.

Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
Hallo Gerd,

deswegen wäre ein Schutzgebiet auch effektiver als ein Jagdverbot 😉 Da es aber unrealistisch erscheint, komme ich zurück auf meine Ausgangsfrage.

@Christian,

das Interview stimmt mich nicht optimistischer. Klar ist es aus Sicht eines Forschers von elementarem Interesse, den Tieren so nahe wie möglich zu sein, um mehr über sie zu erfahren. Aber wieso müssen die aktuellen Bewegungsprofile öffentlich zugänglich sein? Er fragt sich vermutlich nicht zu unrecht, ob diese Infos auch von Jägern genutzt werden.

Wichtiger ist es in meinen Augen, beim einzig wirklich gefährlichen Feind der Löwen anzusetzen und sie davor zu schützen: beim Menschen. Aber dazu bedarf es vermutlich zusätzlicher Akteure, die den Fokus auf dementsprechende, bereits skizzierte Maßnahmen setzen.

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
Themenstarter2'612 Beiträge · seit 200708. Nov. 2013 ·
Info-Namibia schrieb:Hallo Volker,

Ich denke, es reichte eine verbindliche Anstrengung aus dem Ministerium für Umwelt und Tourismus und das direkteste Problem wäre dank Flip (nicht Fips - der gehört zu Wilhem Busch 😗 ) Standers unermüdlichem und jahrelangem Einsatz erstmal vom Tisch. Das würde dann eventuell die Missgunst einiger Berufsjäger und Jagdtouristen nach sich ziehen, aber herrje...

Wie viele männliche Löwen im fortpflanzungsfähigem Alter gibt es noch in dem dortigen riesigen Gebiet, annähernd so groß wie Österreich?

Zwei oder drei?

Sebastian
Hallo Sebastian,

Danke für den Hinweis auf den falschen Vornamen, Mann wird vergesslich 😉

Ja, es ist auch die Anzahl der wenigen männlichen Löwen - Stichwort Genpool - die den Fortbestand erschweren. Wäre Umsiedlung von Löwenmännchen in das Areal eine Möglichkeit, auch wenn es einen menschlichen Eingriff bedeutet?

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
Gast08. Nov. 2013 ·
Hallo,

Man darf das Problem Trophäenjagd und das Problem Human-Wildlife-Konflikt meines Erachtens nicht in einen Topf werfen. Die Trophäenjäger schießen ausschließlich die adulten, prächtigen Mähnenlöwen und haben da mittlerweile ein ziemlich krankes Verhältnis von männlichen adulten Löwen zu weiblichen Löwen verursacht. Die Locals erlegen nur die Problemtiere (unabhängig vom Geschlecht), was in der Praxis häufiger die Weibchen sind. Natürlich dezimieren sie den Bestand damit auch, sorgen dabei aber nicht für so ein krankes Verhältnis von männlichen zu weiblichen Tieren.

Glücklicherweise waren unter dem Nachwuchs der letzten Zeit wohl außergewöhnlich viele männliche Tiere. Keine Ahnung, ob die Natur da irgendwelche noch unbekannten Regelmechanismen auf Lager hat oder das nur ein glücklicher Zufall ist. In einigen Jahren könnte das Geschlechterverhältnis auf jeden Fall wieder besser aussehen - wenn es denn so lange keine oder nur eine wirklich nachhaltige Trophäenjagd gibt.

Die Löwenpositionen sind auf der Website, weil u.a. auch lokale Lodges und von TOSCO bezahlte Lion Guards die Daten monitoren und ggf. Locals mit Viehbestand warnen, wenn sich Löwen nähern. Es gibt andere Ideen, wie man die Positionsdaten der Löwen aufbereiten und auch im Sinne der Locals effizienter nutzen kann, aber es ist manchmal nicht so einfach, die richtigen Leute zu überzeugen 😉

Ansonsten fände ich es absolut OK, wenn man in der Gegend auch ein Permit kaufen muss, sagen wir 10 EUR/Tag/Nase. Mit den Einnahmen könnte man dann u.a. Locals für Viehschäden entschädigen und so die Akzeptanz für die Löwen erhöhen. Meines Erachtens sollte gerade die aktuelle schlimme Dürre auch ein Anstoss sein, neu zu überlegen, wie sinnvoll es ist, in dieser (semi)ariden Gegend vor allem auf Viehhaltung zu setzen und welche alternativen Einkommensmöglichkeiten man für die Locals schaffen kann. Langfristig plant Namibia dort den Kunene Peoples Park und dessen Anbindung mit dem Etosha NP. Keine Ahnung ob/wann das mal Realität wird.

Natürlich gibt es immer wieder Rückschläge, aber nach meinem Eindruck hatte das Desert-Lion-Conservation-Projekt schon mal eine schlechtere Perspektive. Während die Unterstützung früher auch viel von außen kam, kommt sie nun wohl viel aus Namibia selbst und das ist überaus positiv.

Beste Grüße

Guido
33,1k Beiträge · seit 200619. Nov. 2013 ·
Hi Volker,
deswegen wäre ein Schutzgebiet auch effektiver als ein Jagdverbot
ein solches Schutzgebiet ist ja seit Jahren geplant und soll - wohl - bis 2016 nun umgesetzt werden: https://de.wikipedia.org/wiki/Kunene-Volkspark

Viele Grüße aus Windhoek
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
33,1k Beiträge · seit 200624. Jan. 2024 ·
Ich poste es mal hier. Für den Nordwesten, zwischen Etosha und Skelettküste, sind vom Legacy Landscapes Fund (LLF) für 50 Jahre jährlich 1 Mio USD zugesagt worden. Damit soll v. a. auch das Wildtiermanagement in dem Gebiet verbessert werden.
📎 240117SkeletonCoastEtoshaConservationBridgeLL-PressRelease-LLF[1].pdf
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
1'689 Beiträge · seit 200724. Jan. 2024 ·
Will das ja nicht schlecht reden, aber wenn ich das lese, habe ich massive Zweifel:

"The grant will be implemented by LLF’s trusted partners World Wildlife Fund (WWF) and Namibia’s own Integrated Rural Development and Nature Conservation (IRDNC) in support of the Ministry of Environment, Forestry and Tourism (MEFT). WWF and IRDNC will work closely with local partners, rural communities, and conservancies to oversee implementation in the region."

Das sind genau diejenigen, die die Misere verursacht haben.
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
33,1k Beiträge · seit 200624. Jan. 2024 ·
Das sind genau diejenigen, die die Misere verursacht haben.
Es sind aber auch die einzigen, die etwas machen können. Ohne Einbeziehung z. B. der lokalen Gemeinschaften muss man es gar nicht erst versuchen.

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
16,9k Beiträge · seit 201228. Okt. 2025 ·
A DREAM REALISED

Nach fünf Jahren des Wartens hatte die belgische Fotografin Griet Van Malderen endlich die Gelegenheit, Namibias legendäre Wüstenlöwen – Alpha und Gamma – an der wilden Skelettküste zu beobachten.
Unter der Anleitung von Namibias weltbekanntem Löwenexperten Dr. Philip Stander wurde ihr lang gehegter Traum Wirklichkeit.
Van Malderen beschreibt den Moment als „surreal“.
Die BBC berichtete in einem wunderschönen Artikel über ihr unvergessliches Abenteuer – lesen Sie ihn hier:

Their resilience is a lesson to us all': The maritime lions hunting seals on the beach

In Namibia hat eine Gruppe Wüstenlöwen ihre traditionellen Jagdgründe verlassen und ist an die Atlantikküste gezogen. Sie sind die einzigen Seelöwen der Welt. Ein Fotograf hat diesen dramatischen Verhaltenswandel festgehalten. ...


LG
Logi
1'689 Beiträge · seit 200728. Okt. 2025 ·
Ich bleibe dabei: das ist nicht richtig. Löwen sollten keine Robben fressen müssen. Alle Löwen westlich Etosha sollten in den Park umgesiedelt werden. Besonders solange da Rinderzüchter das Sagen haben, die Löwen vergiften oder abschießen (Tokamas).
Südliches Afrika seit 1992: 49 Reisen, 1.369 Tage, 174.380 km, 493 Vogelarten
1'134 Beiträge · seit 202230. Okt. 2025 ·
pollux schrieb:.... Löwen sollten keine Robben fressen müssen. ...
Sehe ich weniger dramatisch. Ich denke, dass es Löwen ziemlich wurscht ist, ob sie von Gemsbok oder Robbe satt werden.
Neu ist Letzteres auch nicht wirklich. Die legendären „Bartletts“ (Jen* und Des) haben in den 1980/90er Jahren die Skelettküste und Hinterland zu Lande und aus der Luft erforscht und dokumentiert. Sie waren auch unter den ersten Dokumentaristen der „Wüstenelefanten“ und „Wüstenlöwen“ (auch schon gemeinsam mit Stander ?)
Jeder Interessierte und NG-Leser hat ihre Artikel und Filme gesehen. Dort war schon damals zu sehen, dass „das Meer“ eine wichtige Nahrungsquelle für die Löwen dort (u. a. Fleischfresser) war. Auch Aas, angeschwemmte tote Wale bis verendete Robben. Dass va. Letztere lebend aktiv bejagt werden, ist mE normales Verhalten, auch die Jagd auf Jungrobben (wie kürzlich wieder durch’s www geisterte). Überall auf der Welt jagen Raubtiere, bei gegebener Chance, lieber leichte Beute, für die sie sich weniger anstrengen müssen, also auch bevorzugt Jungtiere. Sie sind der „quick bite“ mit wenig Aufwand.
Mag sein, dass das kürzlich Dokumentierte mit HWC im weiteren Sinn zusammenhängt, muss aber nicht zwingend so sein. Dass Raubtiere an lokale Situationen angepasste (und nicht dem Klischee entsprechende Beuteschemen) entwickeln, ist nicht wirklich ungewöhnlich, siehe z. B. die Jagd von Löwen auf Jungelefanten ….. bis Nagetiere und Stachelschweine, wenn’s eben sein muss.

Betr. Aussiedlung nach Etosha würde mich interessieren:
Nach meinem Verständnis war das „go West“ der Löwen u.a. nicht, weil’s dort so gemütlich ist, sondern weil es in Etosha eng wurde. Hat sich daran bzw. an der Aufnahmefähigkeit in Etosha wirklich was verändert?
Grüße

* Jen Bartlett ist übrigens heuer mit 93 in Swakopmund verstorben
33,1k Beiträge · seit 200630. Okt. 2025 ·
Nach meinem Verständnis war das „go West“ der Löwen u.a. nicht, weil’s dort so gemütlich ist, sondern weil es in Etosha eng wurde. Hat sich daran bzw. an der Aufnahmefähigkeit in Etosha wirklich was verändert?
Es gab doch "schon immer" Löwen im gesamten Norden Namibias (nicht ohne Grund war ja deshalb zu Anfang der Etosha NP viel größer und reichte bis an die Skelettküste), inklusive des Kaokovelds. Dort hat nur der Druck in den letzten 30+ Jahren aufgrund des Bevölkerungszuwachs etc deutlich zugenommen. Das die Löwen aus dem heutigen Etosha in den letzten Jahrzehnten erst kamen, weil es dort zu eng wurde, wäre mir neu. Es gab aber durchaus im heutigen ENP große Probleme mit der Löwenpopulation, was wohl v. a. der Verdrängung durch Hyänen geschuldet war. Dazu hört man aber in den letzten 10+ Jahren eigentlich nichts mehr.

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
1'134 Beiträge · seit 202202. Nov. 2025 ·
Danke für die Hinweise und Sichtweise, deswegen fragt man ja 😁 .
Mein Zugang/Grund meiner Frage ist aber ganz anders. Ich gehe nämlich davon aus, dass Wildtiere sich das Leben nicht grundlos schwerer machen als es sowieso ist ….. nur Menschen machen das 😎 . Folglich meine ich, dass signifikante Bewegungen zwischen Regionen, auch Schutzgebieten, etwas mit den Lebensbedingungen zu tun haben. Zäune waren/sind nie ganz intakt und für Löwen über(unter?)windbar.
Historisch haben sich in dieser u. a. Regionen die Lebensbedingungen für Wildtiere dramatisch verändert, durch Bejagung (weit über heutigen Niveau), Krieg (Selbstversorgung, Elfenbein und Nashornhorn zur Finanzierung (SADF)) Bevölkerungswachstum und Besiedelung, Dürreperioden, Seuchen usw. Das wird sich wohl auch auf die Löwenpopulation und Besiedelungsräume auswirken, z. B.

Ein touristisch genutzter „Wasserloch-Park“ wie ENP begünstigt Raubtiere (auch andere Großtiere) durch ganzjähriges Wasserangebot, auch dort, wo es das natürlich nie gab. Eigentlich ein Löwenparadies aber wenn die Beutetiere (für die Größe ihrer Population) rar werden, werden sie absiedeln wollen/müssen. So geschehen in Etosha durch den Crash aller großen Grasfresser wegen/nach Einzäunung, Überweidung (Wasserlöcher), Trockenheit, Antrax. Zuerst war Festmahl durch die Kadaver (also auch Wachstum) aber das ist auch mal aus und die Löwen sind durch schadhafte Zäune (Elefanten) in Zahlen „ausgebrochen“ und wurden auf den angrenzenden Farmen zu Dutzenden jährlich abgeschossen oder vergiftet. Von den 1970ern bis 00er über 1.000, sagen die Bücher. Das betrifft zwar nicht speziell den Westen und ist nur ein Beispiel aus neuerer Zeit, dass und wie Löwen auf Veränderungen reagieren.

Könnte man fortsetzen, auch mit Elefanten, Nashörnern
Grüße
zuletzt bearbeitet 02. Nov. 2025