lionfightThemenstarter1’324 Beiträge · seit 201324. Sept. 2013 · http://www.zeit.de/2013/38/suedafrika-junge-maenner-gewaltEin, wie ich finde, sehr interessanter Bericht über "den Mann" in Südafrika.
Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela
10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
Swakop19522’664 Beiträge · seit 201224. Sept. 2013 · Dieses ist eine globale Problematik, nicht nur von Südafrika.
Es ist das Problem der zügellosen Vermehrung der ungebildeten Massen, die große Gebiete dieser Welt mit ihrem ebensolchen Nachwuchs überschwemmen, hinzu kommt noch die moderne Medizin, die den natürlichen Ausgleich verhindert. Der Bericht ist nur ein Teil der Problembeschreibung, für die es m.E. keine andere Lösung als eine nie gekannte Naturkatastrophe geben wird, denn die Welt ist bereits am Rande dessen, was sie tragen kann. Und die ganz sicher kommen wird. Ob wir die noch erleben werden, das weiß ich nicht. Die Natur hat sich noch immer selbst zu helfen gewußt, und sie wird auch keine Rücksicht nehmen auf unsere Menschentümelei des 21.Jahrhunderts. Obwohl wir das wahrhaben wollen oder nicht.
Dennoch danke für den Hinweis.
H.
Cora1’335 Beiträge · seit 200625. Sept. 2013 · Das Thema Gewalt ist (leider) ubiquitär und sicherlich nicht auf SA begrenzt.
Swakop, Du wähnst die Überbevölkerung als Ursache, was namhafte Forscher aber noch nicht herausgefunden haben.
Sie sehen eher Perspektivlosigkeit oder die Kompensation von Ohnmachtsgefühlen als Ursachen für Gewalt. Diese sind die gleichen, die wir auch hier in Europa beobachten können.
In Südafrika sind natürlich viel mehr Menschen mit Perspektivlosigkeit, Verunsicherung und Ohnmachtsgefühl belastet. Der soziale Halt würde dem entgegenwirken, existiert aber nicht oder nur in Ansätzen.
Wer sich weiter damit beschäftigen möchte, kann man was von Ferdinand Sutterlüty oder Wilhelm Heitmeyer lesen, die sich mit Erklärungsmodellen von Gewalt forschend beschäftigen.
Viele Grüße
Cora
Swakop19522’664 Beiträge · seit 201225. Sept. 2013 · Hallo Cora,
es ist eine einfache Rechnung: Wenn Du doppelt so viele Menschen als Jobs hast, dann hat die Masse niemals eine Chance in Brot und Lohn zu kommen, das führt zu Perspektivlosigkeit und Gewalt. Und diese Spirale wird immer schlimmer. Schaue mal in Zambia, im Caprivi und Kavango, die Masse an Kleinkindern im Vergleich zu Erwachsenen. Ich vermute mal, daß es in 10 Jahren 75% unter 30 Jahren alt sein werden. Wer soll diese Masse Menschen jemals ernähren?
Wieder mehr Gewalt, wieder mehr Vergewaltigungen, wieder mehr Kinder.
Es ist eine Teufelsspirale, die den Regierenden noch verantwortungslos gefördert wird (siehe Sprüche der Swapoführung in Namibia).
Es gibt nahezu keine Hoffnung für Afrika wenn es so weiter geht. Und jegliche Hoffnung schwindet immer weiter, je mehr die von den Gewerkschaften Südafrikas und Namibias ausgehende Bereitschaft zur Gewalt zunimmt.
Beste Grüße
H.
Cora1’335 Beiträge · seit 200626. Sept. 2013 · Hallo Swakop,
das Bevölkerungswachstum an sich hat nichts mit Perspektivlosigkeit zu tun.
Ein Wachstum könnte in einer funktionierenden Wirtschaft durchaus auch neutral oder gar positiv sein.
In einer bereits orientierungslosen Gesellschaft verstärkt sich das Gefühl, wenn neue Menschen hinzukommen, kann sie aber auch dazu bringen, neu über sich nachzudenken. Es sind auch Chancen gegeben! Wir sollten daher Ursache und potentielle Verstärker auseinanderhalten.
Du schreibst, dass die Gewerkschaften bzw. Regierenden als Modell für Gewalt dienen.
Ja, auch diese Erklärung gibt es. Nachahmung von Gewalt, Weitergabe an die nächst untere Hierarchiestufe. Institutionelle Gewalt baut Hemmungen ab, selbst Gewalt auszuüben. Daher ist institutionelle Gewalt besonders gefährlich!
Sicherlich sind Gewalt und Aggression in der Gesellschaft ein multifaktorielles Phänomen.
Die Präventions- oder Interventionsmaßnahmen leiten sich daraus ab.
Die Regierenden (auch die Gewerkschaften) dürfen keine Gewalt legitimieren, müssen sie ächten!
Es muss der Perspektivlosigkeit entgegnet werden. Dazu gibt es unzählige Maßnahmen.
Die einzige Maßnahme, die nicht funktioniert, ist Kopf in den Sand stecken und hoffen, dass sich das Problem von selbst löst.
Bloß welche Maßnahmen helfen, wird überall kontrovers diskutiert. Würde es ja sogar hier im Forum.
Eine Maßnahme aus Deiner Sicht wäre vermutlich, das Bevölkerungswachstum einzudämmen. (Vielleicht habe ich Dich auch falsch verstanden.)
Wie könnte man das machen?
Gäbe es nicht auch Alternativen? Muss der Ansatz an dieser Stelle erfolgen?
Mein Ansatz wäre eher:
Wie kann man diesen Menschen Bildung verschaffen und so Ohnmachtsgefühle reduzieren?
Gibt es noch Maßnahmen für Erwachsene, die ein Einwirken realistisch machen?
Das ist kein Thema, das man mal eben schnell abhandeln kann. Darüber machen sich viele Menschen auf professioneller Ebene schon jahrelang Gedanken.
Aber: Wir können mitdenken!
fordfahrer1’003 Beiträge · seit 200826. Sept. 2013 · schönes Thema,
Zentral scheint die Frage, wie und ob das mit starker Wirtschaftskraft und stark anwachsender Bevölkerung funktioniert. Außerdem steht da noch die immer wieder diskutierte Frage, ob das in Afrika überhaupt möglich ist.. Wenn man die Geschichte eines Großteils der afrikanischen "Staaten" anschaut, dann scheint sich immer wieder das auch in SA und NAM existierende System der Politik: "erst ich und meine Familie, dann mein Stamm und dann, wenn überhaupt, das Land" durchzusetzen.
Also unser Ansatz, das mit mehr Bildung und dadurch bessere Chancen zu lösen scheint nur bedingt zu funktionieren. Durch diese Bildung entstehen neue Eliten, die dann die persönlich Vorteilsnahme der ehemals weißen Elite weiterführen, von einem Umdenken in Richtung soziales Gefühl und gerechterer Vereilung der Mittel kann nicht ausgegangen werden.
Das einzige Beispiel in Afrika, wo das einigermaßen funktioniert ist Botswana und die schlechtesten Beispiele sind Angola und Nigeria, wo ein politische Erfolg quasi die Erlaubnis zur Selbstbedienung an den (Boden)Schätzen und des Gewinns daraus resultiert.
Deswegen wird das auch mit "die Weißen müssen kommen und Geld investieren" nicht so einfach funktionieren.
Interessant ist auch, dass sich ein Großteil der afrikanischen Bevölkerung diesem immensen Leidensdruck der schamlosen Ausbeutung durch die Regierungen beugt und es kaum Widerstand in Größenordnungen gibt.
VG
Christian
lionfightThemenstarter1’324 Beiträge · seit 201326. Sept. 2013 · Interessanter Post.
fordfahrer schrieb:
Zentral scheint die Frage, wie und ob das mit starker Wirtschaftskraft und stark anwachsender Bevölkerung funktioniert. Außerdem steht da noch die immer wieder diskutierte Frage, ob das in Afrika überhaupt möglich ist.. Wenn man die Geschichte eines Großteils der afrikanischen "Staaten" anschaut, dann scheint sich immer wieder das auch in SA und NAM existierende System der Politik: "erst ich und meine Familie, dann mein Stamm und dann, wenn überhaupt, das Land" durchzusetzen.
Das ist meiner Ansicht nach eines der Kernprobleme, das scheinbar bildungsunabhängig gültig ist.
Bei allen Schwachpunkten scheint mir Bildung (und die Zeit) trotzdem der einzige gangbare Weg.
fordfahrer schrieb:
Also unser Ansatz, das mit mehr Bildung und dadurch bessere Chancen zu lösen scheint nur bedingt zu funktionieren. Durch diese Bildung entstehen neue Eliten, die dann die persönlich Vorteilsnahme der ehemals weißen Elite weiterführen, von einem Umdenken in Richtung soziales Gefühl und gerechterer Vereilung der Mittel kann nicht ausgegangen werden.
Trotzdem denke ich, dass es zur Bildung keine Alternativen gibt. Und das muss in besonderem Maße auch die Mädchen-/Frauenbildung mit einschließen.
fordfahrer schrieb:
Deswegen wird das auch mit "die Weißen müssen kommen und Geld investieren" nicht so einfach funktionieren.
Zumal man ja, zumindest teilweise, mit umgekehrter Apartheit rechnen muss.
Trotzdem muss es mehr Investitionen geben, die zusammen mit verstärkter Dienstleistung, den Bevölkerungswachstum auffangen.
Auch hier gilt für mich wieder:
Mädchen- und Frauenbildung sorgt auch für weniger Kinder.
fordfahrer schrieb:
Interessant ist auch, dass sich ein Großteil der afrikanischen Bevölkerung diesem immensen Leidensdruck der schamlosen Ausbeutung durch die Regierungen beugt und es kaum Widerstand in Größenordnungen gibt.
Das hängt sicher auch mit fehlendem Selbstbewusstsein zusammen.
Spannend werden sicher die Wahlen nächstes Jahr und wie viele Personen sich vom ANC abwenden.
Wer wird dem Bauernfänger reinfallen und wer wird die DA wählen?
Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela
10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
Swakop19522’664 Beiträge · seit 201226. Sept. 2013 · Das Problem ist, daß die schönen europäischen Theorien nicht einmal in Europa funktionieren, und dann erst recht nicht in Afrika.
Der relativ hohe Bildungsstand in Zimbabwe hat auch nichts gebracht, wo alle potentiellen und vorhandenen Unternehmen vergrault werden.
Ein weiteres Problem ist der Hang zur Radikalisierung. Wenn die Scharfmacher der Gewerkschaften zur Gewalt aufrufen, dann setzen sich die hirnlosen Massen ohne Überlegung in Bewegung und zerstören die Hand, die sie füttert. In Namibia konnte man das besonders gut an der Tsumeb-Mine beobachten, ein Betrieb, der mal 7.000 Arbeitnehmer, d.h. fast 7.000 Familien ernährt hat. Für wenige Rand Erhöhung wird von denen die ganze Existenz tausender Menschen zerschlagen.
In Südafrika kann man diese Entwicklung auch beobachten, ein Grund weshalb sich Minengesellschaften zurückziehen. Und das ist nicht nur im Bergbau, sondern in allen Branchen. Zuletzt in den Obstanbaugebieten des Westkap, wo gezielt Sabotage und Einschüchterung durch zugereiste Anarchisten der Gewerkschaften betrieben wurde. Diesen Gewerkschaftern geht es um persönliche Macht, denen ist es egal, wie vielen Familien die Existenzgrundlage entzogen wird.
lionfightThemenstarter1’324 Beiträge · seit 201326. Sept. 2013 · @ Swakop
Vieles was Du schreibst ist richtig.
Aber gerade deshalbf darf man ja nicht den Kopf in den Sand stecken.
Vieles was in Afrika passiert, ist vor 150 Jahren auch hier in Europa passiert. Das Problem mit den Gewerkschaften ist ja auch in den USA bis heute nicht unbekannt.
Natürlich liegt vieles im Argen.
Lösungen sind nur mittelfristig zu erreichen. Und für mich ist da Bildung einer der Grundpfeiler.
Gruß!
der Joe
"I detest racialism, because I regard it as a barbaric thing, whether it comes from a black man or a white man." Nelson Mandela
10x Süfafrika, 2x Namibia, 1x Botswana, 1x Zimbabwe, 1x Tanzania
fordfahrer1’003 Beiträge · seit 200826. Sept. 2013 · na ja, man wird nur sehr langfristig die geistige Einstellung der Menschen ändern können. Insbesondere ist es die Schuld der Kolonialmächte, die traditionelle Gebietsstrukturen zusammengefasst haben und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in Nationalstaaten zusammengefasst haben. Eine Einheit und ein Gemeinschaftsgefühl kommt da schwerlich auf. Daher sind Stammesstrukturen wichtiger und damit beginnt der Kampf um die Macht, siehe Ruanda oder Nigeria oder auch ZIM oder NAM.
Zur Eigentumsstruktur und den Auswirkungen und Ursachen dieser in ZIM wird es differenzierte Meinungen geben. Das sehe ich nicht so schwarz/weiss. 😉
Ob ausländische Investitionen da ein richtiger Weg sind - sicher sind die notwendig, aber wenn der Eigentümer im Ausland sitzt, weiss man auch, wo der Profit hingeht und wass die machen, wenn der Profit nicht mehr stimmt (als Ossi weiss ich, wovon ich schreibe). Die Wirtschaften müssen schon selbst entstehen und diese sind auch viel nachhaltiger.
Zur Bildung: da hatte ich eine Frau in Kasane getroffen (schwarz) die sich ägerte, da sie ihren Sohn nach Gabs geschikt hatte, um eine gute Ausbildung zu erhalten, dieser aber lieber wieder Kühe hüten gegangen war, denn viele gesunde, gute Kühe = Reichtum und ansehen... .
Das ist ein langer Prozess. Wir haben's mit Mozambikanern, Cubanern und Angolanern probiert. Genützt hat's nicht so viel. Nur bei den Lybiern und den Vietnamesen hat es funktioniert (Hilfe zur Selbsthilfe)... .
Das reaktionäre Kräfte, wie zB der ANC die Ignoranz ihrer Mitbürger für andere Zwecke nutzen, steht auf einem anderen Blatt.
Gruss
Christian