Artikel über die San

8 Antworten · 1’374 Aufrufe · gestartet 25. Juli 2013 von o_rose
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2’612 Beiträge · seit 200725. Juli 2013 ·
o_rose schrieb:Hallo.

Der Spiegel hat scheinbar Namibia entdeckt. Heute ist ein Artikel über das Ju-Hoansi-San Living Museum erschienen.
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/museum-der-san-in-namibia-a-912756.html

Gruß Oliver
ist wohl nicht das hier öfter erwähnte Living Museum in Grashoek, wenn ich das richtig lese...
Bye bye Forum
497 Beiträge · seit 201225. Juli 2013 ·
Hi,

Der Artikel ist de Facto falsch und bringt zwei Projekte (Tsintsabis und Grashoek Museum) durcheinander. In Tsintsabis gibt es kein Lebendes Msueum aber es werden traditionelle Aktivitäten bei der Tree Sleeper Unterkunft angeboten. Allerdings gibt es dort keine Ju/'Hoansi, sondern Hai||om. Diese haben mit den Ju/'Hoansi bei Grashoek, Tsumkwe etc. wenig zutun und sprechen zB auch eine andere Sprache.

Der Artikel ist falsch aus verschiedenen Quellen zusammengeschrieben. Wahrscheinlich beeinflusst vom (auch nicht besonders guten) Artikel in der Bildzeitung. Auch ansonsten finden sich viele Fehler im Artikel, Schreibweise von Pflanzen, etc.

OFF-TOPIC

Ist beim Speigel auch nicht Neues. Ich war, bevor ich nach Namibia kam großer Spiegel-Fan. Wenn man sich mit den Thematiken hier dann allerdings mal etwas besser vertraut macht und dann nochmal Spiegelartikel über Namibia liest, dann merkt man schnell dass in diesem Magazin der Punkt Marktorientierung den Ansatz des guten Journalismus überwiegt.

Gruß,
Sebastian
Info-Namibia www.info-namibia.com
zuletzt bearbeitet 25. Juli 2013
497 Beiträge · seit 201225. Juli 2013 ·
Eine weitere Anmerkung zum Artikel.

Die Überschrift "Touristenshow zum Überleben" zielt wieder genau in diese Pseudo-Kritische Schiene, die Leute in den Lebenden Museen würden das Lebende Museum nur aus kommerziellen Gründen bzw machen, um zu überleben.

Dass man auch hin und wieder stolz darauf ist, anderen Menschen (es sind ja nun mal nicht nur Touristen) in den Lebenden Museen etwas über die Kultur und Tradition zu lehren und noch dazu den eigenen Kindern, dass wird wieder schnell vergessen.

Liebe Grüße,
Sebastian
Info-Namibia www.info-namibia.com
3’173 Beiträge · seit 200625. Juli 2013 ·
Hi Sebastian!

Danke fuer Deine profunde Aussage, die ich genauso erwartet habe.

Schoen wenn man sich noch auf Leute verlasen kann.

Gruss

Joerg
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
zuletzt bearbeitet 25. Juli 2013
1’483 Beiträge · seit 200926. Juli 2013 ·
Heute in der AZ:

San und Spurenlesen

Piscator
2’664 Beiträge · seit 201226. Juli 2013 ·
Info-Namibia schrieb:Eine weitere Anmerkung zum Artikel.

Die Überschrift "Touristenshow zum Überleben" zielt wieder genau in diese Pseudo-Kritische Schiene, die Leute in den Lebenden Museen würden das Lebende Museum nur aus kommerziellen Gründen bzw machen, um zu überleben.

Dass man auch hin und wieder stolz darauf ist, anderen Menschen (es sind ja nun mal nicht nur Touristen) in den Lebenden Museen etwas über die Kultur und Tradition zu lehren und noch dazu den eigenen Kindern, dass wird wieder schnell vergessen.

Liebe Grüße,
Sebastian
Hallo Sebastian,

na ja, ich glaube Deine These vom "stolz darauf" ist schon etwas gewagt. Wenn man etwas jemanden oft genug erzählt, dann glaubt er es auch irgendwann.

Aber: Von irgend etwas müssen diese Menschen ja leben, und das ist bei fehlenden Alternativen schon m.E. OK. Immerhin geben sie einen wahren Einblick in ihre Kultur und Handlungsweisen.
Gerade für die Buschleute sollte man alle Möglichkeiten ausschöpfen, daß diese eigentlich liebenswerten Menschen überleben können.

Ziemliche Aversionen habe ich jedoch gegen die von den Buschleuten abgekupferten Kraaltänze im Damaraland, die absolut nichts mit deren Kultur zu tun haben. Da kann man wirklich sagen, die haben sich etwas einfallen lassen um leichter an Geld zu kommen.

Grüße,
H.
497 Beiträge · seit 201227. Juli 2013 ·
Hallo Swakop 1952 / H.
Swakop1952 schrieb:

na ja, ich glaube Deine These vom "stolz darauf" ist schon etwas gewagt. Wenn man etwas jemanden oft genug erzählt, dann glaubt er es auch irgendwann.

Ich bin nebenberuflich einer der Projektleiter der LCFN, die die Lebenden Museen initiieren und mit aufbauen und ich werde es wohl wissen, dass da tatsächlich Stolz / Freude / Begeisterung usw eine sehr große Rolle spielt. Es ist von Museum zu Museum sehr unterschiedlich und vom kulturellen Aspekt ist das Damara Museum tatsächlich nicht das stärkste, wohl aber beim finanziellen Aspekt und bringt Mimimum 30 Leute dort in der Region in Arbeit, die teilweise im Monat das verdienen, was andere im Jahr haben.

Bei San und Kavangos allerdings ist der Faktor kulturelle Identifizierung / Wiederentdeckung ein sehr sehr großer!

Liebe Grüße,
Sebastian
Info-Namibia www.info-namibia.com
2’664 Beiträge · seit 201227. Juli 2013 ·
Hallo Sebastian,
danke für Deine Stellungnahme.

Nur bekomme ich immer wieder Bauchschmerzen, wenn Leute von Außerhalb kommen mit Geschäftsideen, die Leute in Arbeit zu bringen.
Das ist zweifelsohne ehrenhaft, jedoch meistens nicht von Nachhaltigkeit geprägt.
Es ist auch gut, wenn die Buschleute vom sozialen Problem des Alkoholismus fortgeführt werden. Gerade diese liegen mir sehr am Herzen.

Ihr solltet aber vorsichtig sein, daß so etwas nicht letztendlich wie eine Zirkusschau für unwissende Touries entartet. Diese Gratwanderung ist m.E. sehr schmal.

Was die Damaras anbetrifft, darf man nicht vergessen daß sie vor fast 200 Jahren ihre kulturelle Identität verloren hatten. Weil sie Gejagte und Sklaven der Herero waren. Ca. 100 Jahre (nach Heinrich Vedder) bis zur Ankunft der Deutschen war das der Fall, wo sie sich in die Berge zurück gezogen hatten und versteckten aus Furcht vor den Hereros. Daher stammt auch deren Bezeichnung "Klipkaffer" (erschlagen oder versklavt).

Ich kann mich noch sehr gut an unseren alten Schuster Hans in Karibib erinnern (Damara), der uns immer sagte, er sei ein "guter deutscher Kaffer", weil die Deutschen ihn von irgendeiner Hererofamilie befreit hatten, und er bei einem deutschen Schuster bei der Schutztruppe das Schusterhandwerk, das er bis zu seinem Tode ausübte, erlernt hatte. Er sagte immer, die Weißen sollten das Land niemals verlassen, da er einer gewissen Hererofamilie als Leibeigener gehörte, und zeigte immer seinen zur Hälfte abgehackten linken kleinen Finger, das wie ein Brandmerkmal bei Vieh das Erkennungszeichen seiner Herero-Besitzer war. Ich bin sehr froh, daß ich diese in den 1960iger Jahren ausgestorbene Generation von Damaras noch selbst als Kind kennenlernen durfte. Du kannst Dir auch garnicht vorstellen, wie sie die damals noch lebenden "restlichen" Schutztruppler verehrten, die ihnen die Freiheit wieder gaben und Schutz vor der Raubeslust der Herero. Diese kleinen menschlichen Gegebenheiten werden von unseren heutigen oberschlauen sog. "Historikern" großzügig übersehen, weil es nicht in deren Weltbild des bösartigen Kolonisten paßt.

So schließt sich der Kreis zu Kulturen.

Grüße
H.
zuletzt bearbeitet 27. Juli 2013