20. Tag (Do. 10.01.2013)
Serengeti
98km
Nachts war wieder eine Hyäne am Zelt. Wir konnten sie hören und am nächsten Morgen war dann tatsächlich auch die zweite Tewa-Sandale verschwunden.
Ich hatte heute zwar nicht Geburtstag, sollte aber mein Geburtstagsgeschenk von Kathrin bekommen. Eine Ballonfahrt über die Serengeti. Die Ballons starten in der Dämmerung noch vor Sonnenaufgang und so wurden wir noch im stockdunkeln vom Veranstalter abgeholt. Es war das erste Mal seit wir nach Afrika Reisen, dass wir das Zelt vor der Dämmerung verlassen. Ein bisschen mulmig war mir dabei schon und ich steckte zunächst nur vorsichtig den Kopf aus dem Zelt, um dann die Umgebung mit der Taschenlampe abzusuchen. Man weiss ja nie, wer sich da gerade so rumtreibt.
Unsere Abholung ist pünktlich und dann geht es eine Stunde durch die Nacht bis zum Startpunkt, den wir mit den ersten Anzeichen der Dämmerung erreichen.
Es werden 4 Ballons zum Start vorbereitet. Wir werden einem davon zugeteilt und unser Pilot, Captain Dan, stellt sich vor und macht eine kurze Sicherheitsunterweisung. Dann geht es auch schon los. Der Start erfolgt im liegen, man kommt sich in der Position vor wie ein Astronaut vor dem Start. Dann röhrt der Brenner los und nur wenige Augenblicke später richtet sich der Korb auf und wir steigen als erster Ballon in die Höhe. Die anderen Ballons liegen noch wie riesige gestrandete Quallen im Grasmeer der Serengeti.


Wir stiegen schnell in die Höhe, bis die Sonne über den Horizont schaute. Dann sanken wir wieder langsam in dem Maße, wie die Sonne nach oben stieg. Auf diese Weise erlebten wir den längsten Sonnenaufgang unseres Lebens.

Inzwischen waren auch die anderen Ballons in der Luft und folgten uns.

Jetzt schwebten wir in 3-5 Metern Höhe über die Grasebene. Kurz sahen wir einen Serval, der aber schnell wieder im Unterholz verschwand. Wenn ein Baum im Weg stand, ging es kurz in die Höhe, aber immer mit minimalem Abstand. Es war erstaunlich, wie präzise sich ein Ballon steuern lässt.
Auf den Bäumen sehen wir viele Affen und Greifvögel, mit denen wir uns jetzt auf Augenhöhe befinden, eine ganz neue Perspektive.

Aus dem Ballon kann man auch erstmals erkennen, welch eine Vielzahl von Wasserläufen diesen Teil der Serengeti durchzieht. Überall wimmelt es von Hippos.

Von der Bodencrew erhalten wir über Funk die Info, dass im nächsten Baum den wir überfliegen werden ein Leopard sitzt. Dessen Körpersprache erinnert mich stark an meine Hauskatze, wenn sie überhaupt nicht wußte, wie sie mit einer Situation umgehen soll.
Fotos gibt es davon keine. Es ist nahezu unmöglich, aus dem Ballon mit Teleobjektiv ein Tier zu fotografieren, da man kontinuierlich in Bewegung ist und das Motiv einfach nicht trifft. Dabei ist die Ballonfahrt an sich eine fast schon meditative Art der Fortbewegung. Sanft und erschütterungsfrei und bei vollkommener Windstille gleitet man durch die Luft. Nur der Brenner unterbricht immer wieder diese Harmonie. Er ist nicht nur ohrenbetäubend laut, sondern strahlt in alle Richtungen eine enorme Hitze ab.

Kurz vor der Landung steigt der Ballon noch einmal in größere Höhe und wir haben einen letzten Blick über die grandiose Landschaft.

Wir landen als letzter Ballon und waren mit fast 2 Stunden deutlich länger in der Luft, als erwartet. Nach der Landung wird zunächst mit Champagner angestoßen, bevor wir dann zu einem leckeren Busch-Frühstück gefahren werden.

Abschließen werden wir wieder zu unserer Campsite zurück gebracht. Jetzt müssen wir uns erst einmal um unsere Feder kümmern. Die liegt auch tatsächlich schon am Airstrip für uns bereit, so dass wir gleich weiter zur Werkstatt fahren können, wo man sofort mit dem Einbau beginnt. Dabei wird festgestellt, dass der linke vordere Stoßdämpfer ebenfalls den Dienst quittiert hat und ausgetauscht werden muss. Das war das klappernde Geräusch, das wir seit einigen Tagen hörten, aber nicht zuordnen konnten. Ein passender Stoßdämpfer ist vorrätig und so können wir den Wagen komplett in Ordnung bringen lassen. Beim Zusammendrücken der Feder mittels Schraubstock und dessen anschließender Fixierung durch einen Kälberstrick bringen wir uns aber lieber in Sicherheit. Bei solchen Aktionen hat es schon schwerste Verletzungen gegeben.

Nachmittags machen wir noch einen kurzen Gamedrive zu den Massai Kopjes und den südliche Galeriewäldern. Wir haben viele schöne Tierbegegnungen, aber nichts Spektakuläres.


Wir schauen noch beim gestrigen Löwenbaum vorbei, der aber leer ist. In der Nähe entdecken wir einen einzelnen halbwüchsigen Löwen. Er ist recht kläglich am Maunzen, macht aber einen wohl genährten und gesunden Eindruck. Wahrscheinlich sucht er sein Rudel.
Bevor wir zum Dinner zur Seronera Wildlife Lodge fahren, machen wir einen ersten Sundowner beim Marabu-Baum. Die Vögel spielen hier „Reise nach Jerusalem“. Sofort wenn ein Marabu den Baum verlässt, nimmt ein in den umliegenden Bäumen sitzender Marabu seinen Platz ein.

Den zweiten Sundowner gibt es dann auf der Terrasse der Seronera Wildlife Lodge. Das Beste sind hier aber hunderte von Dassies, die das gesamte Lodge-Gelände bevölkern. Die sind sooooooo knuffig.




Zum Dinner gibt es ein reichhaltiges Buffett mit ordentlich Fleisch. Das musste nach der überwiegend vegetarischen Kost der letzten Tage mal sein.
Bei der Rückfahrt im Dunkeln zu unserer Campsite sahen wir leider keine Tiere. Gegen einen kleinen Nacht-Gamedrive hätten wir nichts einzuwenden gehabt.

















