Moin zusammen,
ich habe kein Problem damit, angegriffen zu werden – die einmalige Ausnahme bestätigt die Regel. Ich habe deshalb kein Problem damit, weil mir von keinem meiner Kritiker bisher ein Fehler hinsichtlich der Ergebnisse meiner Geschichtsrecherchen nachgewiesen wurde. Das einzige Mal, dass ich bei der Bewertung gegenwärtiger Sachverhalte definitiv falsch gelegen habe, ist meiner Erinnerung nach der Grund der letztjährigen malawischen Maislieferungen an Zimbabwe.
Meine Grundaussagen zu Schwarzafrika, dass noch jedes einzelne Land (Ausnahme: Botswana) binnen längstens 25 Jahren nach Übernahme der Regierungsgewalt durch die einheimischen Eliten in Grund und Boden gewirtschaftet wurden und dass die ehemaligen asiatischen Kolonien nahezu durch die Bank erheblich besser dastehen, wurde noch von keinem in Frage gestellt.
Ich befasse mich mit Südafrika deshalb, weil ich -wie wohl jeder hier im Forum- von dieser Weltengegend bezaubert worden bin. Vor 1993 hatte ich nur rudimentäre Geschichtskenntnisse dieses Teils der Welt. Das habe ich seitdem geändert, und ich befasse mich seitdem auch nahezu täglich mit der dortigen politischen Entwicklung.
Ein Staatswesen und seine Volkswirtschaft sind ein System mit vielen Stellschrauben und einer Vielzahl von Abhängigkeiten, die auf den ersten Blick nicht erkennbar sind. Die ANC-SACP-COSATU-Regierung hat mit der Machtübernahme sofort den öffentlichen Dienst und die staatlichen Betriebe übernommen. Seitdem wurde durch die rigide Arbeitsgesetzgebung (AA, BEE) und, im letzten Jahr, durch neue Regelungen im Kreditwesen erheblicher Einfluss auf das Wirtschaftsgeschehen genommen.
Bei einem so großen und komplizierten System, wie es Staat und Wirtschaft nun einmal sind, dauert es lange, bis sich die Änderungen an den Stellschrauben mit all ihren Querverbindungen und Abhängigkeiten durch das System fortgepflanzt haben. Nimmt man zu viele Veränderungen gleichzeitig vor, kann man das Gesamtsystem bis über den Point of no Return hinaus schädigen, ohne dass das über ein oder eineinhalb Jahrzehnte überhaupt sichtbar wird. Wenn es dann sichtbar wird, kann es dann schon zu spät sein, wenn weitere negative Einflüsse hinzu kommen.
Meine, wie Ulli sagt, apokalyptische Linksammlung dient dem Zweck zu zeigen, in wie vielen Bereichen der Gesellschaft Südafrikas die negativen Auswirkungen schon sichtbar werden. Die Anzahl der Menschen unterhalb der absoluten Armutsgrenze hat nicht abgenommen, sondern sich wohl verdoppelt. Das öffentliche Schulwesen sorgt nicht für mehr qualifizierte schwarze Schulabgänger, sondern gerät durch schlechte Leistung, Gewalt und sexuellen Missbrauchs von Schülerinnen für Schlagzeilen. Das öffentliche Gesundheitswesen ist zerstört und nicht mehr in der Lage, mit neuen Bedrohungslagen, wie der zunehmenden XDR-TB, fertig zu werden. Polizei und Justiz funktionieren nicht mehr. Auslandsinvestitionen, die die Einrichtung von Arbeitsplätzen für die schwarze Bevölkerung zur Folge hat, sind nicht zu berichten. Die Infrastruktur, die ein teilindustrialisiertes Land zwingend benötigt, befindet sich im Zustand zunehmenden Verfalls.
Die handelnden verantwortlichen Personen verschlimmern diese Ausgangslage. Ein Präsident, der AIDS für eine Sage hält, eine Alkoholikerin als Gesundheitsministerin, die zur Bekämpfung dieser Sage Rote Bete und Knoblauch empfiehlt, ein oberster Polizist mit besten Mafiaverbindungen (
http://www.thetimes.co.za/PrintEdition/Article.aspx?id=678938. Wenigstens ist er jetzt als Interpol-Präsident zurück getreten:
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=nw20080113155000294C425768) und ein ANC-Präsident, der sich den Lebensunterhalt seiner gesamten Familie von einem nunmehr verurteilten Kriminellen bezahlen ließ, vervollständigen das Muster der kommenden Entwicklung. Wenn in paar Jahren für jeden sichtbar sein wird, dass ich mit meiner Einschätzung recht habe, werde ich nicht Schadenfreude sondern Trauer darüber empfinden, dass dann auch die Bevölkerung des letzten Landes des Kontinents von seinen Regierenden um seine Zukunft betrogen worden sein wird.
Was mich an manchen Reaktionen hier im Forum erstaunt, ist die Tatsache, das keiner meine Beschreibung des Ist-Zustands in Zweifel zieht, ich jedoch dennoch der Böse bin, der alles nur schlecht redet. Was bewirkt bei Euch den blinden Fleck in der Wahrnehmung?
Viele von den Älteren werden sich noch an Zeiten erinnern, in denen man in Zimbabwe so herum fahren konnte, wie heute noch in Namibia und nicht auf VicFalls und vielleicht Teile von Hwange beschränkt war. Schaut Euch den Teil des Forums an, der sich mit Zimbabwe beschäftigt. Was das mit Südafrika zu tun hat?
Zimbabwes Regime wird durch Südafrika (und unter anderem auch Namibia) am Leben gehalten. Man biedert sich dann einem Schreckensregime an, wenn man von ihm abhängig ist oder Dinge benötigt, die nur jenes Regime liefern kann. Das ist in dieser Beziehung nicht der Fall, eher umgekehrt. Was also bringt die südafrikanische Regierung dazu? Mandela schweigt übrigens auch! Auch die südafrikanische Regierung wird so handeln, wenn einmal die Machtfrage gestellt werden sollte.
Wenn Ihr denn wolltet, könntet Ihr eine Variation dieses Musters in der Geschichte fast aller schwarzafrikanischer Staaten erkennen. Verbindet dies mit den Vorhersagen hinsichtlich der Auswirkungen des Klimawandels auf das südliche Afrika. Informiert Euch über die Bodenerosion in Zimbabwe im Zuge der für Koch- und Heizzwecke notwendigen Abholzung der Wälder und des Buschs sowie der Nichtbestellung der fruchtbaren Böden. Wenn letztere erst einmal weggewaschen wurden, können auch kommerzielle Farmer dort keine Lebensmittel mehr erzeugen.
Seht das ganze Bild! Seht es so, wie es ist, nicht so, wie Ihr glaubt, dass es sein sollte.
Gruß, Michael