Reisebericht

Die Eulenmuckels in NAM-BOT-SAM

von Eulenmuckel · begonnen 06. Nov. 2011 · 54 Teile

Über diesen Reisebericht

Wir reisen Ende Juli und im August 2011 zu zweit mit einem gemieteten Allrad-Pickup samt Dachzelt durch Namibia, Botswana und Sambia – unsere achte gemeinsame Afrikareise. In der Zentralkalahari erleben wir an einem einzigen Vormittag gleich zwei Geparden und ein Löwenmännchen am Wasserloch, bevor es über den Chobe weiter nach Livingstone in Sambia geht. Dort treffen wir Gaby und Stefan, unsere Reisebegleiter für die nächsten Wochen.

Im North Luangwa Nationalpark ziehen wir mit unserem Guide zu Fuß auf Löwenjagd und hören das Brüllen aus nächster Nähe, ohne die Tiere im dichten Gras zu Gesicht zu bekommen – einen Leoparden sehen wir in den berühmten sambischen Parks trotz mehrerer vermeintlicher Sichtungen kein einziges Mal. Auf dem Weg nach Süden fährt sich unser Auto im weichen Lehm fest und kommt erst mit der Hilfe eines zweiten Fahrzeugs wieder frei; wenige Tage später gräbt sich das Auto unserer Freunde auf steiniger Piste bis zum Differenzial ein. Nachts campen wir im Luambe Nationalpark, wo ein Elefant so nah an unser Zelt herantritt, dass wir seinen Stoßzahn im Mondlicht schimmern sehen, während gleichzeitig Löwen brüllen. Am Lower Sambesi und im South Luangwa Nationalpark beobachten wir große Nilpferdgruppen, Krokodile und Kronenkraniche; eine Bootsfahrt auf dem Fluss selbst enttäuscht uns dagegen.

Zurück in Namibia campen wir im Bwabwata-Nationalpark, wo Elefanten nachts dicht am Zeltplatz vorbeiziehen, und verbringen auf der Farm Kanaan in den Tirasbergen mehrere Morgen mit Dünenfahrten mit dem Besitzer Hermi, bei denen wir Oryx und Strauße aus nächster Nähe erleben. Vor Sonnenaufgang steigen wir auf die Dünen am Sossusvlei und wandern durchs Dead Vlei. In Swakopmund endet die Reise mit einem Rundflug über die Wüste.

Reisezeitraum
23. Juli bis 31. August 2011 (fünfeinhalb Wochen)
Länder
Namibia, Botswana, Sambia
Gruppe
2 Personen (Paar), zeitweise gemeinsam mit anderen deutschen Selbstfahrern unterwegs
Fahrzeug
gemieteter Hilux mit Dachzelt (Savanna Car Hire, Windhoek)
Unterkunftsart
Camping (Zelt/Dachzelt), vereinzelt Lodge und Gästefarm
Route
Windhoek – Central Kalahari Game Reserve – Maun – Chobe-Nationalpark – Livingstone – Lusaka – Mutinondo Wilderness – Kapishya Hot Springs – North Luangwa Nationalpark – Luambe-Nationalpark – South Luangwa Nationalpark – Lower Zambezi Nationalpark – Lusaka – Bwabwata-Nationalpark (Caprivi) – Grootfontein – Farm Kanaan (Namib) – Sesriem/Sossusvlei – Swakopmund – Windhoek
Fahrstrecke
8.945 km laut Kilometerstand bei Fahrzeugrückgabe in Windhoek
Flug/Anreise
Frankfurt–Windhoek und zurück mit Air Namibia
Besonderheit
achte gemeinsame Afrikareise des Paares
Gebiete
Central Kalahari Game Reserve · Chobe-Nationalpark · North Luangwa Nationalpark · Luambe-Nationalpark · South Luangwa Nationalpark · Lower Zambezi Nationalpark · Bwabwata-Nationalpark · Namib-Wüste · Namib-Naukluft-Park
Orte
Maun · Livingstone · Lusaka · Mfuwe · Sesriem · Swakopmund · Grootfontein
Unterkünfte
Nambwa Campsite · Kalizo Lodge · Farm Kanaan · Mvuu Lodge · Kapishya Hot Springs · Croc Valley Camp
Reiseart
Selbstfahrer · Dachzeltcamping
Bedingungen
Grenzformalitäten · Tsetsefliegen · Steckenbleiben im Schlamm · Kalte Nächte
Natur
Geparden · Löwen · Elefanten · Nilpferde · Krokodile · Kronenkraniche
Teil 106. Nov. 2011
Ihr lieben Fomis,

bisher haben wir als stille Leser an vielen eurer Reisen kreuz und quer durch das südliche Afrika teilgenommen. Eure Berichte und Fotos haben uns die lange Wartezeit zwischen unseren eigenen Reisen jedes Mal verkürzt, Erinnerungen wach gerufen, Sehnsüchte geweckt oder neue Anregungen gegeben.
Nun wollen wir ein wenig davon zurückgeben und unseren eigenen Reisebericht aus diesem Sommer einstellen. Wir waren fünfeinhalb Wochen in Namibia, Botswana, Sambia und wieder Namibia unterwegs. Besonders auf das für uns unbekannte Sambia waren wir sehr gespannt. Da wir aber auf bestimmte Landschaften in Namibia einfach nicht verzichten können, sind wieder ziemlich viele Kilometer zusammengekommen.

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Viel Spaß,
Ruth und Uwe
Teil 206. Nov. 2011
Samstag, 23.07.2011

Gestern durften wir zu unserem achten Afrika-Urlaub aufbrechen. Seit über einem halben Jahr waren wir mit den Planungen beschäftigt. Dieses Mal soll es von Windhoek aus nach Botswana in die Zentralkalahari und von dort weiter nach Sambia gehen. Vieles bei der Vorbereitung gehört zwar schon zur Routine, aber gerade in den letzten Wochen hatten wir jeder so viel für die Arbeit zu tun, dass nicht viel Zeit für Afrika blieb. So waren wir schon ziemlich übernächtigt, als Uwes Eltern am frühen Nachmittag vor unserer Tür standen. Aber zu Hause sah es einigermaßen ordentlich aus, und die Sachen waren gepackt. Später sollten wir feststellen, dass Uwe seine Badehose vergessen hat, was jedoch nicht weiter schlimm ist.
Zwar mit viel Verkehr, aber ohne Stau kamen wir sehr früh in Frankfurt am Flughafen an und konnten schon einchecken. Die spannende Frage nach unserem Gepäck-Gewicht beantwortete die Waage mit 40,8 kg. Na, wenn das keine Punktlandung ist. Wir tranken noch etwas und aßen eine Kleinigkeit. Dann begaben wir uns zur Passkontrolle, anschließend zur Handgepäck-Durchleuchtung. Hier war das Übliche: Während Uwe Schuhe auszog und sich die Füße befühlen ließ, brachte Ruth das Fernglas aus ihrem Rucksack zur Sprengstoffkontrolle. Erstaunlicherweise wurde auch diesmal nichts gefunden, das unseren Abflug verhindern sollte. Es gab lediglich eine kleine Verspätung, weil ein Gepäck-Container umgeladen werden musste. Auf dem Weg ins Flugzeug liefen vor und hinter uns Namibier, die plötzlich ein afrikanisches Lied anstimmten. Sie sangen wunderschön im Chor und stimmten so alle Fluggäste auf das Reiseziel ein.
An Bord des Airbusses gab es noch ein Abendessen, bevor Uwe völlig erschöpft einschlief. Ruth las noch ein wenig in ihrem neuen Buch, das sie noch am Flughafen gekauft hatte. Nach einem relativ ruhigen, aber trotzdem unbequemen Flug landeten wir gegen 6.30 Uhr bei völliger Dunkelheit, aber für uns erstaunlich warmen Temperaturen in Windhoek. Während des Anflugs sang der Chor noch einmal ein schönes Lied.
Nach den Einreiseformalitäten fanden wir schnell unser Gepäck und auch den Fahrer, der uns zur Autovermietung Savanna in die Stadt brachte. Dort gab es Kaffee und weitere Formalitäten. Zu einem von uns als recht ungünstig empfundenen Kurs von 1 Euro zu 9 Namibia-Dollar bezahlten wir den Rest unserer Wagenmiete. Der Cheftechniker persönlich übergab uns das Auto. Im Gegensatz zum Mietwagen der letzten zwei Jahre hat dieses Auto noch einen eingebauten Wassertank mit Hahn, am Canopydach eine Schaufel und ein Beil befestigt. Die zwei Gasflaschen haben nun einen festen Platz auf der Ladefläche und sind deutlich größer.
Als erstes fuhren wir in die Pension Casa Piccolo und deponierten dort unser Gepäck. Dann ging es ins Zentrum, um Bargeld zu besorgen. Uwe plünderte mehrere Automaten der Standard-Bank, dann fuhren wir zu Cymot. Dort bekam er endlich den Kelly-Kettle-Wasserkocher, von dem er seit dem letzten Urlaub mit Cora und Gert schwärmte. Außerdem kauften wir einen neuen Potije, eine Petroleumlampe und Reflektoren in verschiedenen Farben, weil wir diese wahrscheinlich in Sambia benötigen werden. Nach Cymot stand der Besuch bei Fruits & Wedges an, um leckere Müslizusätze zu erstehen.
Wir tankten das Auto und alle vier Reservekanister voll und kauften bei unserem Lieblingsmetzger Wildschinken und Springbockfleisch zum Grillen.

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Nachdem wir die erste Beute in der Pension abgeladen hatten, ging es noch mal kurz zu Savanna, da zwei Reservekanister undicht waren und uns Benzin auf das Canopy-Dach tropfte. Sie wurden ausgetauscht.
Anschließend fuhren wir zum Restaurant am Craft-Center, das uns Cora empfohlen hatte und aßen Spinat-Feta-Quiche. Uwe probierte noch den Apple-Crumble mit Vanilleeis und Sahne. Ruth wollte keinen Nachtisch. Dennoch brachte der Kellner eine doppelte Portion, die wirklich sehr lecker war. Aber Uwe schaffte die mächtige Portion nicht ganz. Da half auch keine Nachfrage beim Kellner, der versicherte, lediglich die einfache Menge gebracht zu haben.
Nun stand noch der Großeinkauf beim Superspar an. Zwei mal luden wir den Einkaufswagen voll. Beim zweiten Durchgang stellten wir fest, dass schon ab Samstagnachmittag kein Alkohol mehr verkauft wird. So gab es keinen Wein, Amarula oder Windhoek Lager für uns. Mit Lebensmitteln bepackt fuhren wir in die Pension und luden alles aus. Dann räumten wir das Auto neu ein. Dabei unterhielten wir uns nett mit einem anderen Pärchen, das ebenfalls heute gelandet war. Auf ihrer ersten Namibia-Reise sind sie bereits mit einem Dachzelt unterwegs und fahren bis zu den Epupa-Falls.

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Zum Abendessen fuhren wir in Joe’s Beerhouse und aßen Springbock und Kudu. Es war sehr, sehr lecker. Hundemüde und geschafft fielen wir ins Bett. Ruth wollte sich das Fußballspiel Schalke gegen Dortmund natürlich nicht entgehen lassen, schlief aber doch tatsächlich während des Elfmeterschießens (!) vor dem Fernseher ein. Das wäre ihr zu Hause nie passiert.

Tageskilometer: 36
Teil 306. Nov. 2011
Sonntag, 24. Juli 2011

In der Nacht bekam Uwe die Quittung für die ständige Überanstrengung und den Schlafentzug der vergangenen Tage. Die sich schon andeutenden Halsschmerzen wurden deutlich schlimmer, und ihm war ganz schummrig. Husten musste er auch noch. Ruth entschied, noch einen Tag länger in der Pension in Windhoek zu bleiben, damit Uwe sich ein wenig erholen konnte. Daraus wurde leider nichts, da alle Zimmer ausgebucht waren. So packten wir doch alle Sachen ins Auto und machten uns nach einem kleinen Frühstück auf den Weg. Nach der Stadt übernahm Ruth das Steuer und fuhr die gesamte Strecke nach Ghanzi, damit sich Uwe ausruhen konnte. Der Weg auf der B6 nach Osten über Gobabis war wenig abwechslungsreich. Hunderte Kilometer ging es geradeaus. Uns fiel auf, dass nur sehr wenige andere Fahrzeuge unterwegs waren. Nach der starken Regenzeit führte fast jedes Rivier noch ein wenig Wasser.
Wir sahen am Straßenrand unsere ersten Paviane, Warzenschweine, Perlhühner, Kiebitze, Trappen, einige Gabelracken und sogar einen Bienenfresser. In Botswana gesellten sich dann noch unzählige Esel, Kühe und Ziegen dazu. Die Grenzformalitäten dauerten etwas länger als erwartet, und so trafen wir erst gegen 16.00 Uhr auf Camp Thakadu kurz vor Ghanzi ein. Auf der Zufahrt sahen wir einen stattlichen Kudubullen. Wir wurden sehr freundlich von einem netten Herrn begrüßt, der uns die Campsite zeigte. Wir waren die einzigen Gäste. Nachdem wir das Dachzelt aufgeklappt hatten, konnte es Ruth kaum noch erwarten, ihre neue Hängematte zwischen zwei Bäumen aufzuhängen. Während sie dort ein wenig las, ging Uwe duschen. Dann schrubbte er den neuen Potjie und erhitzte anschließend Öl. Aber dennoch roch der Topf noch nicht gebrauchsfertig. Da müssen wir wohl noch mal ran.

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Kurz vor sieben gingen wir zum Essen. Wir bestellten Kudu und Springbock. Beides war sehr gut. Dabei saßen wir auf einer Veranda, von der wir einen Blick auf eine beleuchtete Wasserstelle hatten. Es kamen mehrere Springböcke und Gnus zum Trinken. Gegen halb neun lagen wir bei angenehmen 14 Grad in unserem Zelt. Das Kreuz des Südens hatten wir längst entdeckt. Wir genossen die erste Nacht im Dachzelt und hofften, dass es Uwe morgen schon wieder etwas besser geht.

Tageskilometer: 522
Teil 406. Nov. 2011
Montag, 25. Juli 2011

In der Nacht stürmte es ein wenig um unser Zelt. Aber als am Morgen die Sonne über den Horizont stieg, war es ruhig und nicht allzu kalt. Während Ruth duschte, versuchte Uwe mit der neuen Kelly Wasser zu kochen. So einfach, wie er es in Erinnerung hatte, war es nicht. Irgendwann erlosch jedes Mal die Flamme, und außer starker Rauchentwicklung passierte nichts. Erst beim vierten Versuch gelang es, das Wasser zum Kochen zu bringen. Da der Husten immer noch nicht besser war, tranken wir Tee. Dann zahlten wir den Campingplatz und das Abendessen und fuhren nach Ghanzi.
Die ersten beiden Geldautomaten waren außer Betrieb, aber der dritte gab uns bereitwillig Bargeld. Im Spar kauften wir Trinkwasser und Brot, im Bottlestore Bier, Wein, Amarula und Savanna. An der Tankstelle füllten wir den Treibstoff auf und nahmen noch zwei Pakete Feuerholz mit. Dann war der Wagen randvoll, und wir machten uns auf den Weg nach Nordosten. Unmittelbar vor dem Kuke Veterinärszaun bogen wir rechts ab und fuhren am Zaun entlang bis zum Tsau Gate.

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Der Weg war gut zu fahren, und wir sahen Dutzende Bienenfresser, einige Steinböckchen und auch drei Oryx. Eine graue Schlange kroch über den Weg. Als wir zum Stehen kamen, war sie jedoch hinter einem Busch verschwunden. Wir konnten nur noch wenig erkennen. Am Eingangstor zum Central Kalahari Game Reserve (CKGR) zeigten wir unser Permit. Plötzlich flog eine Schleiereule unter dem Dach des Tores hervor und davon. Dann ging es weiter am Kuke Fence entlang, bis wir nach Süden zur Motopi Pan abbogen.

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Wir fuhren durch hohes Gras und sahen viele Vögel. Bei der Motopi Pan machten wir Rast auf unserem Campingplatz.

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Wir hatten gerade unsere Brotzeit mit leckerem Oryxschinken beendet, als Peter, Michaela, Jonas und Leonie, mit denen wir uns hier verabredet hatten, eintrafen. Sie waren erst spät aus Maun aufgebrochen und hatten sich für die kürzere Strecke in die Zentralkalahari entschieden. So waren sie nur kurz hinter uns hergefahren.
Zusammen fuhren wir zum Wasserloch an der Motopi Pan. Dort sahen wir Oryx-Antilopen, Springböcke, Rotschnabelenten, sehr viele Tauben, zwei Schakale und wieder Bienenfresser.

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Wir blieben über eine Stunde dort und machten einige Fotos. Dann kehrten wir zum Campingplatz zurück. Während wir das Dachzelt richteten, machte Jonas Feuer. So schnell die Sonne unterging, brach auch die Dunkelheit herein.

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Um 18.30 Uhr war es bereits finster. Gleichzeitig sanken die Temperaturen. Uwe machte mit dem Stativ ein paar Aufnahmen des sensationellen Sternenhimmels. Schon mit bloßem Auge war die Milchstraße zu erkennen. Zum Abendessen grillten wir Fleisch, aßen Folienkartoffeln, Knoblauchbutter und Salat. Als es nur noch 7 Grad waren, verteilte Ruth glühende Kohlen unter den Sitzen. So ließ es sich noch eine Weile aushalten. Aus dem Baumstamm, den wir auf das Feuer gelegt hatten, krochen einige dicke Raupen und später ein Käfer. Wir erzählten, tranken Amarula, und als es zu kalt wurde, gingen wir nach einem netten Abend ins Bett.

Tageskilometer: 220
Teil 506. Nov. 2011
Dienstag, 26. Juli 2011

Die Investition in Ruths neuen Schlafsack hat sich gelohnt. Trotz morgendlicher Temperaturen von –3 Grad war ihr mollig warm. So sollte es sein. Und Uwe ging es auch langsam besser. Das Husten schmerzte nicht mehr so sehr. Obwohl um 6 Uhr der Wecker klingelte, blieben wir noch eine Weile liegen. Das Aufstehen bei Minusgraden kostet eben immer wieder Überwindung. Das Zelt klappten wir zusammen, ohne unsere Hände zu spüren. Dann fuhren wir wieder zum Motopi Wasserloch. Dort standen in einiger Entfernung zwei Giraffen, die sich jedoch nicht weiter näherten.

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Zusammen mit Peter, Michaela, Jonas und Leonie fuhren wir ein paar Kilometer Richtung Süden, sahen aber außer ein paar Vögeln keine Tiere. Nach einer Stunde kehrten wir zum Campingplatz zurück. Dort hatten wir Tische und Stühle stehen gelassen und frühstückten ausgiebig. Diesmal überzeugten wir die Kelly mit einem kleinen Stück Gillanzünder zu brennen. Der Oryxschinken schmeckte allen sehr. Wir erzählten viel und vergaßen ein wenig die Zeit. Uwe hatte sich unser Tagesziel, die Piper Pan, lediglich hinsichtlich der Luftlinien-Entfernung angesehen: knapp 70 Kilometer. Die Fahrstrecke betrug jedoch über 150 Kilometer. So mussten wir uns beeilen. Aber selbstverständlich hielten wir auch immer wieder an, um die Tiere zu beobachten, die wir trafen. Es gab viele Oryxherden, unzählige Riesentrappen, ein paar Löffelhunde und sogar drei Honigdachse. Wir beobachteten Greifvögel, Perlhühner, Schakale, Gnus und Springböcke.

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Die Strecke zog sich endlos in die Länge. Der Weg war zwar gut zu fahren, aber die Eile zwang uns zu einem raschen Tempo. So war es sehr anstrengend, die holperige Piste zu fahren, ohne zu schnell über eine plötzliche Bodenwelle zu fliegen. Erschöpft kamen wir bei schon tief stehender Sonne an der Piper Pan an. Der laut Reiseführer schönere Campingplatz Nr. 1 war schon belegt, und so fuhren wir weiter zu unserer Nr. 2. Dort kochten wir als erstes Wasser, mischten es mit kaltem Brauchwasser und füllten den Duscheimer. Dann gönnten wir uns eine lauwarme Dusche. Jonas machte wieder ein tolles Feuer, und Peter grillte unser Springbockfleisch mit. Dazu machte Ruth leckeren Salat, und Michaela Knoblauchbutter und Kartoffeln. Es war wieder ein sehr netter Abend. Peter und Jonas zeigten uns noch ein paar ihrer Fotos aus Chobe und Moremi. Die vier hatten einen Gepardenriss und eine Hyäne beobachtet und schöne Bilder gemacht.

Tageskilometer: 172
Teil 606. Nov. 2011
Mittwoch, 27. Juli 2011

In der Piper Pan standen wir kurz vor sieben Uhr auf. Das Thermometer zeigte –4,1 Grad. Wieder packten wir erst mal das Zelt ein und drehten eine erste Runde um die Pfanne. Dabei sahen wir Kudus, Kuhantilopen und Oryx. Bei einem kleinen Greifvogel blieben wir etwas länger stehen.

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Dann fuhren wir etwas weiter nach Süden. Noch im Zelt hatten wir morgens aus dieser Richtung schwaches Löwengebrüll gehört. Aber Katzen waren weit und breit nicht zu sehen. Bei einer weiteren großen Pfanne drehten wir bei einer Herde Oryx um und kehrten ins Camp zurück. Inzwischen schien die Sonne kräftig, und wir machten Omelettes. Bald trafen auch unsere Reisepartner ein, und wir frühstückten ausgiebig.
Als wir anschließend zusammenpackten, kam ein neugieriger Frankolin angelaufen. Er lief zwischen uns herum und sprang sogar in Peters Auto, als wollte er ein Stück mitgenommen werden.

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Nun verließen wir die Piper Pan und fuhren Richtung Osten durch das Deception Valley. Die Landschaft war wie in den vergangenen Tagen sehr schön. Wir sahen endlose Grasflächen oder fuhren durch Buschlandschaft.

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Immer wieder kamen wir an Springbock- und Oryxherden vorbei. Wir trafen eine Schildkröte und mussten erkennen, dass sie ganz schön schnell laufen konnte. Sie wollte nämlich anscheinend nicht so gerne fotografiert werden und galoppierte immer in die entgegengesetzte Richtung davon.

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Lange Zeit beobachteten wir auch einen Honigdachs, der im hohen Gras nach Essbarem wühlte.
An der Deception Pan machten wir Pause und Brotzeit.

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Als der Nachmittag später wurde, sahen wir noch mehrere Gruppen Löffelhunde. Nach der Leopard Pan kamen wir zu unserem Campingplatz an der Sunday Pan. Er liegt etwas erhöht mit einer tollen Aussicht über die Ebene. Während Michaela und Leonie duschten, bauten wir das Lager auf. Ein kleines Steinböckchen schaute uns interessiert dabei zu, näherte sich bis auf Armlänge und schnupperte an unseren Sachen. Ruth lag ein wenig in der Hängematte, und Uwe sicherte Fotos.

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Zum Abendessen gab es Nudeln mit Paprikasoße als Vorspeise und Grillfleisch mit Kartoffeln als Hauptgang. Anschließend kochten wir erneut unseren Potjie aus, da er immer noch zu neu roch. Nach dem Spülen saßen wir noch lange am Feuer und erzählten.

Tageskilometer: 160
Teil 708. Nov. 2011
Donnerstag, 28. Juli 2011

Zum Glück wurde es wärmer. Am Morgen an der Sunday Pan standen wir bei 6 Grad auf und verstauten unsere Sachen. Die Morgenfahrt führte uns einmal um die Pfanne. Wir entdeckten Schakale, Springböcke und Oryx.

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Dann schauten wir noch mal bei der Leopard Pan vorbei. Interessant war dort ein Steinböckchen-Paar. Das Männchen stupste das Weibchen immer von hinten mit seinem Vorderlauf an, sie trat dann nach hinten aus und fraß weiter. So ging es eine ganze Zeit, bis er seine Annäherungsversuche enttäuscht aufgab.

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Auf dem Rückweg zum Camp beobachteten wir am Wasserloch zwei Giraffen, die sich sehr zögerlich näherten. Eine trank dann in mehreren Anläufen, wobei sie das Wasser mit hektischen Bewegungen von sich wegschleuderte.

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Beim Frühstück ließen wir uns Oryxschinken, Nutella, Müsli und Brot schmecken. Besonders das von Peter selbstgebackene schmeckte sehr gut. Jonas und Leonie hatten großen Spaß daran, mit der Kelly immer wieder heißes Wasser zu kochen, so dass wir viel mehr Kaffee tranken, als wir eigentlich wollten.
Unmittelbar neben dem Campingplatz entdeckte Ruth einen Termitenbau. Bei genauerem Hinsehen stellten wir fest, dass sich dort der ganze Boden bewegte. Überall liefen fleißige Termiten mit Grashalmen herum und brachten diese in ihr unterirdisches Höhlensystem.

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Spät brachen wir auf. Wieder hielten wir am Wasserloch, wo sich zwei Dutzend Oryx und eine Herde Springböcke versammelt hatten. Halbstarke Oryx vertrieben immer wieder einige Springböcke von der Wasserstelle oder kämpften ein wenig gegeneinander.
Von der Leopard Pan ging es weiter nach Norden und dann nach Westen in das Passarge Valley. Meist führte der Weg über weite Ebenen mit gutem Ausblick. Vereinzelt standen Büsche und Bäume. Wie auch in den vergangenen Tagen sahen wir die bekannten Antilopen, Schakale, viele Riesentrappen und ein paar Löffelhunde. Ein wenig sind wir schon enttäuscht, keine Löwen entdeckt zu haben. Dafür genossen wir die Landschaft. Nach einer Mittagspause auf der Straße blieben nur noch wenige Kilometer. Dann kamen wir an unserer letzten Campsite an. Wir duschten und stellten fest, dass unser großer Brauchwassertank bereits leer war. Wir haben zwar nicht mit dem Wasser gegeizt, aber offensichtlich kann der 55 Liter Tank zu Beginn nicht voll gewesen sein.

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Zum Abendessen kochten wir Kürbissuppe, grillten Wildfleisch, und Michaela legte Kürbis und Paprika in Alufolie auf die Glut. Außerdem gab es Kartoffeln. Es war ein leckeres Essen. Anschließend spülten wir und unterhielten uns am Feuer. Mit den vieren war es sehr nett, wir verstehen uns prima. Schade, dass wir uns morgen schon wieder trennen müssen.

Tageskilometer: 93
Teil 808. Nov. 2011
Freitag, 29. Juli 2011

Der letzte Morgen in der Zentralkalahari brach kalt an. Knapp über dem Gefrierpunkt standen wir bei einem tollen Sonnenaufgang auf. Da wir heute einen weiteren Weg hatten, packten wir schon alle Sachen zusammen und fuhren früh los. Bis zum Ende des Passarge Valley und der gleichnamigen Pfanne war es nicht weit. Wir fuhren gerade über die weite Ebene, als wir rechts zwei Sekretärvögel entdeckten. Zunächst hielten wir und machten ein paar Fotos, aber dann waren uns die Vögel zu weit weg, und wir fuhren wieder los. In diesem Moment quakte Peters Stimme aufgeregt aus dem Funkgerät: „Leute, habt ihr den Geparden gesehen? Er steht auf 9, äh auf 3 Uhr.“ Gepard! Was für ein Gepard? Wir mussten eingestehen, dass wir die Katze tatsächlich nicht entdeckt hatten, obwohl wir doch immer alles sehen. So fuhren wir zurück, und tatsächlich: In etwa 80 Metern Entfernung saß das schöne Tier zwischen hohem Gras in der Ebene.

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Es war ein unglaubliches Erlebnis, den Geparden in freier Wildbahn beobachten zu können. Augenscheinlich war er allein und alles andere als aktiv. Irgendwann lief er ein paar Meter und legte sich an eine andere Stelle. Wir blieben sehr lange und waren völlig fasziniert. Als die Raubkatze von dannen zog, fuhren wir auch weiter.
Am Ende der Pfanne gab es ein Wasserloch. Als wir dort ankamen, trank dort gerade eine Gruppe Kudubullen. Diese stolzen Tiere hatten mächtige Hörner.

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Daneben standen noch einige Springböcke. Als die Kudus fertig waren und sich davon machten, meinte Uwe: „Ende der Vorstellung. Lass uns fahren.“ Doch daraus wurde wieder nichts, denn in diesem Moment wogte uns im dichten Buschwerk ein riesiger Haarschopf entgegen. Er gehörte zu einer dunklen Kalaharimähne eines wunderschönen Löwenmännchens, das direkt auf uns zu lief. Gemächlich, aber bestimmt kam es zum Wasserloch, das ihm die Springböcke bereitwillig überließen und schlabberte das frische Wasser.

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Wir genossen den Anblick und das Erlebnis und waren augenblicklich mit der Zentralkalahari, in der wir bisher fast nur die üblichen Verdächtigen gesehen hatten, versöhnt. Nach einiger Zeit ging der Löwe, und wir nahmen langsam die Verfolgung auf. Eine Kurve weiter entdeckten wir ihn wieder, wo er wenige Meter neben dem Weg im hohen Gras lag. Wenn er sich flach legte, war er vom Auto aus kaum noch zu sehen. Aber meistens guckte er mit seinen bernsteinfarbenen Augen träge in unsere Richtung. Wir konnten uns gar nicht losreißen, mussten irgendwann aber leider weiter.

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Einen Kilometer weiter folgte dann der nächste Stopp. Neben einem Termitenhügel stand ein weiterer Gepard. Wir trauten unseren Augen nicht. Drei Tage lang sahen wir keine Raubkatze, und nun dieses Glück an einem Morgen. Der Gepard verwendete den Termitenhügel als Deckung und war lange größtenteils verborgen.

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Dann kam er aber in unsere Richtung gelaufen und überquerte nur wenige Meter entfernt im Spurt die Straße. Völlig überwältigt von diesen Erlebnissen fuhren wir in flotterem Tempo weiter, denn nun drängte wirklich die Zeit.

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Bei Motopi hielten wir wieder bei unserem Camp und frühstückten in der Sonne. Dann beeilten wir uns, den Park zu verlassen. Auf demselben Weg wie hinein fuhren wir am Zaun entlang zum Tsau Gate und dann zur Teerstraße. Nun war der Abschied von unseren Reisepartnern gekommen. Alle waren ein wenig traurig, denn die gemeinsame Zeit mit Peter, Michaela, Jonas und Leonie hatte viel Spaß gemacht. So unkomplizierte Reisepartner kann man sich nur wünschen. Wir drückten uns und versprachen uns ein möglichst baldiges Wiedersehen. Dann fuhren wir unbehelligt durch die Veterinärkontrolle und auf der Teerstraße nach Maun. Viele Kühe, Esel und Ziegen querten die Straße und zwangen uns immer wieder zum Abbremsen.
Erst mit Sonnenuntergang kamen wir in einem geschäftigen Maun an. Die Tankuhr zeigte leer, und die Warnlampe ging an. Dafür funktionierte der Blinker nicht mehr. Auf direktem Weg kamen wir zum Maun Rest Camp, checkten ein und duschten. Während wir Fleisch grillten, sprach Ruth das deutsche Pärchen vom Nachbarplatz an. Später saßen wir ein wenig zusammen und erzählten. Etwas früher als bisher gingen wir ins Zelt und waren völlig erschöpft von den Erlebnissen des Tages.

Tageskilometer: 324
Teil 909. Nov. 2011
Samstag, 30. Juli 2011

Das Maun Rest Camp liegt unmittelbar am Thamalakane. Als die Sonne aufging, leuchtete das Gras auf einer kleinen Insel im Fluss.

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Wir gönnten uns nach dem Aufstehen nur ein heißes Getränk, packten alle Sachen ein und bezahlten den Campingplatz. Dann fuhren wir mit den letzten Tropfen Benzin im Tank zur Shell Tankstelle und erfuhren, dass es dort kein bleifreies Benzin gab. Zum Glück bekamen wir es aber an der nächsten Puma Tankstelle. Zusätzlich füllten wir die zwei leeren Ersatzkanister.
Dann ging es weiter zu Toyota. Dort waren nur zwei Manager anwesend, die Bauarbeiten in den Verkaufsräumen beobachteten. Sonst waren keine Techniker anwesend, schließlich war Samstag. Die Herren waren aber so nett, einen Mechaniker herbeizutelefonieren. Dieser kam schnell und schaute sich unseren Blinker an. Zunächst tauschte er eine kaputte Sicherung aus. Danach funktionierte der Blinker rechts, links jedoch nicht. Er vermutete, dass ein Kurzschluss hinten links für den Defekt verantwortlich sei und bestellte einen weiteren Autoelektriker. Der könne das Problem wahrscheinlich in zwei bis drei Stunden beheben. Zunächst warteten wir, dann erfuhren wir aber, dass der Elektriker vielleicht auch erst in zwei bis drei Stunden da wäre. Damit wäre unser Plan, noch heute bis Kasane zu fahren, nicht mehr schaffbar gewesen. So entschieden wir, dass es uns genügte, lediglich rechts zu blinken, um den Kurzschluss zu umgehen, bedankten uns und fuhren weiter.
Bei einem Straßenhändler kauften wir eine wunderschöne Tischdecke für unseren Campingtisch. Dann wollten wir zu Frau Oake von Okavango Ceramics fahren, um noch ein paar der Porzellantassen zu besorgen, wie wir sie letztes Jahr bei ihr gekauft hatten. Dank der GPS-Aufzeichnung vom Vorjahr fanden wir exakt den Weg. Doch leider endete dieser nach wenigen hundert Metern im Wasser. Der Borofluss führt dieses Jahr wohl extrem viel Wasser, wir kehrten um und versuchten auf allen möglichen Umwegen unseren Zielpunkt zu erreichen, standen aber jedes Mal vor einem mehr oder weniger breiten und tiefen schwarzen Tümpel, so dass uns nichts anderes übrig blieb, als ohne Einkauf umzukehren.
Bevor wir Maun verließen, kauften wir im Spar noch Brötchen und Getränke. Dann wurde es höchste Zeit. Auf der Teerstraße fuhren wir Richtung Osten nach Nata und von dort weiter nach Norden. Wir hatten wieder mit Kühen und Eseln zu kämpfen. Nach Nata erwartete uns dann aber ein Spektakel der ganz besonderen Art. Wir hatten plötzlich einen Schwertransport vor uns auf der Straße, den wir nicht sofort überholen konnten, und dann begann die wahrscheinlich längste Baustelle der Welt. Über etwa 135 Kilometer erstreckte sich dieser Alptraum. Die Hauptstraße war teilweise noch nicht vorhanden, auf manchen Abschnitten bereits geteert. Der Verkehr wurde über eine Umfahrung geleitet, die getrost zu den Meisterwerken afrikanischer Straßenbaukunst gezählt werden darf. Sie war zwar geteert, jedoch so schief und buckelig, dass man nicht schnell vorwärts kam. Außerdem wurden wir ja von diesem Schwertransport, der – wie wir in einer Kurve feststellten – auch noch ein paar Brüderchen dabei hatte, ausgebremst. Er zuckelte im Schritttempo vor uns durch die Baustelle und bestand aus riesigen Lastwagen, die wiederum Ladeflächen oder Fahrgestelle von großen Radladern transportierten.

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Es war nahezu unmöglich zu überholen. Ein Begleitfahrzeug mit zwei roten Fähnchen zeigte uns an, dass das wohl auch nicht ratsam wäre.

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Erst nach vielen Kilometern schafften wir es, durch ein waghalsiges Manöver auf dem sandigen Seitenstreifen mit ziemlich viel Schräglage. Juhu, geschafft! Blieben ja nur noch neun andere dieser Ungetüme vor uns. Dieses Spiel wiederholte sich im Laufe der nächsten geschätzten Stunden also noch ein paar Mal, denn in Afrika kommt man nicht auf die Idee, am Rand anzuhalten um die Autoschlange hinter sich vorbei zu lassen. Die Baustelle zog sich also unendlich lange hin, noch unendlicher, da wir mittlerweile beide dringend auf Toilette mussten. Das war natürlich auf gar keinen Fall drin, denn dann wären ja die bisher gewonnenen Meter wieder verloren gewesen, und wir hätten unsere Position verloren.

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Trotzdem büßten wir durch diese Begegnung viel Zeit ein. Am Straßenrand sahen wir unsere ersten Elefanten in diesem Urlaub. Zuerst waren es zwei, dann eine ganze Herde.
Erst mit Sonnenuntergang erreichten wir Kasane. Bei der Garden Lodge meldeten wir uns für die morgige Bootstour am Nachmittag an. Dann versuchten wir unser Glück bei der Chobe Safari Lodge. Der Campingplatz war leider voll belegt, aber zum Abendessen bekamen wir noch einen Tisch. Bei der Thebe Lodge war auch noch eine Campsite frei. Wir überspielten ein paar Fotos und fuhren dann wieder zum Abendessen. Ruth war wie immer vom Buffet und vor allem der Suppe sehr begeistert. Obwohl uns die Lodge eigentlich zu groß ist, kommen wir immer wieder gerne her. Die Angestellten sind freundlich, und es ist zwischendrin schön, sich einmal bekochen zu lassen.
Zurück auf unserem Campingplatz krochen wir ziemlich bald todmüde in unser Zelt, da uns der Fahrtag sehr angestrengt hatte. An Schlaf war aber nur mit Einschränkung zu denken, denn laute Jugendgruppen lärmten und hörten noch stundenlang laut Musik.

Tageskilometer: 669
Teil 1009. Nov. 2011
Sonntag, 31. Juli 2011

Bereits im Dunkeln standen wir wieder auf, klappten das Dachzelt zusammen und machten uns auf den Weg zum Sedudu Gate des Chobe National Parks. Dort bezahlten wir den Tageseintritt und fuhren zur Chobe River Front. Man fährt unmittelbar am Fluss entlang und kann unzählige Tierarten entdecken und beobachten.

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So sahen wir einen einzelnen jungen Elefanten, Sporengänse und eine enorme Ansammlung von Marabus und verschiedenen Geierarten. Sie pickten an einem verbrannten Haufen herum. Wir vermuten, dass dort ein verendetes Tier verbrannt worden war. Dennoch stank der Rest des Kadavers noch zum Himmel.

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Als wir Richtung Serondela Rastplatz kamen, fuhren wir an einer riesigen Herde Impalas vorbei.

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An der gleichen Stelle drängten unzählige Paviane vom Fluss herauf, wir schätzen über 200 Tiere.

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Aber auch Giraffen, weitere Elefanten, Warzenschweine und Kudus trafen wir. Für uns war es ein gelungener Vormittag.
Gegen elf Uhr verließen wir den Park und bemühten uns erneut um einen Campingplatz in der Chobe Safari Lodge. Diesmal bekamen wir einen, jedoch so einen kleinen Stellplatz, dass wir dort nicht einmal komfortabel um das Auto herum gehen können.
In der Mittagspause wuschen wir Wäsche, duschten und machten Brotzeit. Dabei leistete uns eine Familie Warzenschweine Gesellschaft und durchwühlte den halben Campingplatz nach Essbarem.

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Anschließend ging es zur Garden Lodge. Wir bekamen Kaffee, Tee und ein Stückchen Kuchen. Dann stiegen wir mit sieben anderen Gästen auf das kleine Boot für die Nachmittagstour. Wir schipperten den Chobe auf und ab und konnten viel entdecken und fotografieren. Zuerst zeigte der Fahrer uns einen großem Baum mitten im Fluss, auf dem unzählige Nimmersatt-Störche und Kormorane brüteten.

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Teil 1109. Nov. 2011
Dann sahen wir noch Graueisvögel, die in hoher Geschwindigkeit unmittelbar über der Wasseroberfläche flogen, Elefantenherden, die den Fluss durchquerten, Flusspferde, Krokodile, Reiher und Störche. Es war eine wunderschöne Fahrt.

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Uns fiel auf, dass relativ wenige Schreiseeadler zu sehen waren. Außerdem nimmt der Tourismus auf dem Chobe immer mehr zu. In der Regel sind acht oder mehr Boote zur Stelle, wenn zum Beispiel eine Elefantenherde durch das Wasser schwimmt. Das ist für die Tiere sicherlich anstrengend. Ganz speziell war ein kleines Boot, auf dem fünf Fotografen saßen. Jeder hatte einen eigenen Stuhl, den er um 360 Grad drehen konnte. Zum Drehstuhl gehörte ein stabiles Stativ, auf dem jeder sein riesiges Objektiv befestigt hatte. Wie Maschinengewehre brachten sie ihre Kameras in Anschlag und fotografierten ohne Pause.

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Selbstverständlich gehörten zu einer gelungenen Sundowner-Bootstour auch die obligatorischen „Elefanten vor untergehender Sonne“. Es ist jedes Mal wieder eine ganz besonders friedliche Stimmung am Chobe.

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Zum Abendessen gingen wir wieder in die Lodge. Kurz zuvor telefonierten wir mit Stefan und Gaby, die wir morgen in Livingstone treffen wollen. Das Abendessen bestand wieder aus dem riesigen Büffet. Immer wenn wir unseren Tisch verließen, lauerte bereits ein Kellner, um während unserer Abwesenheit die Servietten neu zu falten. Dabei verwendete er jedes Mal eine andere Falttechnik. Nach Suppe und Salat ließen wir uns Gemüse und Nudeln frisch zubereiten und aßen gegrilltes Schweinefleisch und Huhn dazu. Zum Nachtisch gab es noch ein Stück Apfelkuchen mit Vanillesoße. Pappsatt und zufrieden liefen wir den Weg zurück zu unserem Auto.

Tageskilometer: 63
Teil 1211. Nov. 2011
Montag, 1. August 2011

In der Nacht windete es stark, und morgens war es ein wenig bewölkt. Wir frühstückten aus Mangel an Platz neben unserem kleinen Stellplatz auf dem Durchgangsweg. Dies war ziemlich ungemütlich, denn es kam uns so vor, als ob die anderen Campinggäste zwischen unseren Stühlen und dem Tisch hindurchliefen. Außerdem würzte der aufgewirbelte Staub der ersten abfahrenden Autos unser Müsli. Deswegen beeilten wir uns mit dem Aufbruch. Im Supermarkt kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten und behielten einige Pulas übrig, die wir bei unserem nächsten Besuch in Botswana gut gebrauchen können. Dann ging es Richtung Grenze.
In Kazungula kamen wir an die Fähre und wussten zuerst nicht genau, wo wir uns anzustellen hatten. Nur, dass wir an den vielen wartenden Lastwagen vorbeifahren durften, war uns klar. Uwe fragte einen anderen Weißen mit einem Toyota und Anhänger. Der sagte, dass die aktuelle Beladung der Fähre von verschiedenen Dingen abhänge, z. B. von der Größe des Autos und der Wartezeit. Er stehe schon seit fast zwei Stunden hier.

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Doch als die Fähre angelegt hatte und entladen war, winkte uns der Angestellte beide als erstes auf das Boot. Das war etwa 30 Meter lang und bot in jedem Fall immer nur einem großen Lastwagen und ein paar PKWs Platz. Außerdem fuhren noch viele Fußgänger mit, und es wurden Unmengen an Bier aufgeladen.

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Während der Überfahrt bezahlten wir die Gebühr. Ruth durfte als Passagier nicht im Auto sitzen, während Uwe auf bzw. von der Fähre fuhr. Auf der Sambiaseite begannen die Grenzformalitäten. Während die Ausreise in Botswana mit einer guten halben Stunde noch recht schnell geklappt hatte, brauchten wir nun etwa zwei Stunden. Zunächst bekamen wir ein Einmalvisum für je 50 US-Dollar und entsprechende Stempel in die Pässe. Dann ging es an zwei Schaltern vorbei in ein weiteres Büro zur Entrichtung der Carbon Tax, einer staatlichen Gebühr, die je nach Hubraum des Motors erhoben wird. Diese musste in Kwachas – der sambischen Währung – bezahlt werden, die man jedoch weder einführen darf, noch an der Grenze auf legale Weise tauschen oder aus einem Automaten bekommen kann. Wir hatten das große Glück, dass die Grenzbeamtin ein wenig deutsch sprach. Sie hatte ein Jahr lang in Deutschland gelebt, und so konnte sie uns erklären, was wir zu tun hatten. Sie stellte uns einen ihrer Kollegen zur Seite, der uns zuerst Geld wechselte und später bei der Versicherung half. Dazwischen mussten wir noch zur Polizei, um die Straßengebühr zu bezahlen.
Das Polizeigebäude bestand aus einem kleinen Raum, in dem ein Schreibtisch und zwei Bänke standen. Auf der einen Bank lag ein weißer Mann, der aussah, als hätte er einen Kreislaufzusammenbruch gehabt und müsse sich nun ausruhen. An der Kopfseite des Raums plärrte ein Fernseher, auf der anderen Bank saßen drei Leute ohne erkennbare Aktivität. Am Schreibtisch saßen zwei Beamte. Nach einiger Zeit höflichen Wartens nahm sich einer von ihnen uns an und das geforderte Geld ab und stellte eine Quittung aus. In einem weiteren Gebäude gab es noch eine Gebühr zu bezahlen (wir wissen nicht mehr so genau, wofür eigentlich).

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Auf unserer Pilgerreise von Haus zu Haus wuchs die Traube von Leuten, die sich an unsere Fersen heftete und uns eine Autoversicherung verkaufen wollte. Denn im Gegensatz zu den offiziellen Gebühren und Kosten herrscht bei der Versicherung ein freier Markt. Hier half uns wieder der Kollege der Grenzbeamtin, indem er uns sehr bestimmt zu einem alten Container brachte, in dessen Inneren ein Versicherungsbüro eingerichtet war. Es war ein wenig einfacher ausgestattet als ein Versicherungsbüro in Deutschland, aber mindestens so vertrauenerweckend. Innerhalb weniger Minuten hatten wir die notwendige Autoversicherung mit vielen Durchschlägen, Stempeln (beides in Afrika sehr wichtig) und natürlich Bezahlung abgeschlossen.
Als wir alle Papiere zusammen hatten, unterhielten wir uns noch ein wenig mit dem Pärchen aus Sambia, das in dem anderen Toyota mit uns auf der Fähre gewesen war. Sie rieten uns, die zusätzlichen Reflektoren (vorne weiß, hinten rot) sofort ans Auto zu kleben. Oft werden diese bei Polizeikontrollen überprüft.
Auf dem Weg nach Livingstone gab es drei Kontrollen. Bei der ersten standen lediglich mehrere Polizisten am Straßenrand, sie hielten uns jedoch nicht an. Bei der zweiten mussten wir anhalten und plauderten mit den Beamten über unverfängliche Dinge, die möglichst wenig mit defekten Blinkern zu tun hatten. Ein wenig Sorgen machten wir uns nämlich doch, denn mittlerweile funktionierte der rechte Blinker auch nicht mehr. So konnten wir unbehelligt weiterfahren. Die dritte Kontrolle verlief ähnlich.
In Livingstone holten wir an der Bank Geld und fuhren dann zu den Victoria Fällen. Dort trafen wir Stefan und Gaby, die für die nächsten Tage unsere Reisebegleiter sein sollten. Wir liefen ein wenig oberhalb der Wasserfälle herum, dann machten wir uns auf in Richtung Campingplatz, um etwas zu Mittag zu essen. Ruth machte leckeren Wurstsalat.

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Zum Sonnenuntergang fuhren wir noch mal zu den Fällen und spazierten zu den verschiedenen Aussichtspunkten. Auf die angebotenen Regenmäntel verzichteten wir diesmal. Hatten wir sie 2007 doch umsonst geliehen. Und wir sind ja lernfähig! Die aufsteigende Gischt war mit der damals allerdings nicht zu vergleichen und sorgte fast auf sämtlichen Wegen für einen feinen Nebel oder Regen. Jede Deckung nutzend sprangen wir von Baum zu Baum und waren innerhalb weniger Minuten bis auf die Haut durchnässt. Die Kameras hatten wir glücklicherweise in Plastiktüten verpackt. Besonders auf einer schmalen Brücke über dem Wasser war es besonders nass. Plötzlich kam die Sonne zwischen den Wolken hervor und zauberte einen wunderschönen Regenbogen über die Victoria-Fälle. Wir genossen das beeindruckende Naturschauspiel, während unter uns die Wassermassen in die Tiefe stürzten.

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Nach Sonnenuntergang fuhren wir wieder auf die Campsite der Livingstone Safari Lodge. Dort machten wir Feuer und richteten das Lager. Zum Abendessen gab es Rosmarinkartoffeln aus dem Potije, das letzte Oryxfleisch vom Grill, und Gaby machte Salat mit Balsamico-Honig-Dressing und frisch gerösteten Croutons. Es war sehr lecker. Dabei unterhielten wir uns nett. Es ist schön, die beiden getroffen zu haben. Wir freuen uns auf die kommenden Tage.

Tageskilometer: 119
Teil 1313. Nov. 2011
Dienstag, 2. August 2011

Die halbe Nacht dröhnte noch Musik aus dem nahe gelegenen Dorf zu uns herüber. Morgens kühlte es sehr ab, so dass wir uns auf die ersten Sonnenstrahlen freuten. Nach einem ausgiebigen Frühstück bezahlten wir den Campingplatz und fragten den Besitzer der Livingstone Lodge nach dem Weg nach Lusaka. Unsere GPS-Karten gaben Fahrzeiten von acht bis zehn Stunden an. Aber er sagte, es sollte nur etwa sechs Stunden dauern, womit er sich irrte.
In Livingstone holten wir noch einmal Bargeld und kauften im Shoprite Supermarkt ein, der wirklich sehr gut sortiert war. Dann fuhren wir Richtung Norden. Die Landschaft war geprägt von trockenem Gras, Büschen und einigen Bäumen. In den Ortschaften waren viele Leute unterwegs. Wie wir es vor vier Jahren in Mosambik erlebt hatten, schien sich das gesamte Leben entlang der Hauptstraße abzuspielen. Alle möglichen Waren, besonders Lebensmittel, wurden angeboten und teilweise sogar bis zu den haltenden Autos gebracht. Orangen und Tomaten wurden zu kleinen Häufchen aufgetürmt an Ständen an der Straße verkauft. Blaue Kleinbusse waren vollgestopft mit Menschen und fuhren und hielten überall.

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Im Unterschied zu Namibia und Botswana sind in Sambia sehr viele Menschen mit Fahrrädern unterwegs. Die Hauptstraße hat einen breiten Seitenstreifen. Besonders wichtig an jedem Fahrrad ist der Gepäckträger. Wenn dort nicht eine weitere Person befördert wird, hat der Fahrer mindestens ein paar große Säcke Kohle, mehrere Taschen oder sogar einen Schrank darauf befestigt.
Am Nachmittag erreichten wir die Hauptstadt Lusaka. Und plötzlich wurden wir von einer Polizeikontrolle aus dem Verkehr gewunken. Wir sollten zu schnell gefahren sein: 72 statt der erlaubten 65 km/h. Da konnten wir uns noch so sicher sein, dass dies nicht der Fall gewesen war. Der Polizist zeigte uns den Bußgeldkatalog, der beim ersten Vergehen eine Strafe von 540.000 Kwachas vorsah. Uwe griff in die Tasche und holte 300.000 Kwachas heraus. Leider ein wenig mehr als geplant. Hiermit zeigte sich der Polizist zufrieden, er wolle uns ja nicht um unser gesamtes Bares bringen. Wie rücksichtsvoll und nett von ihm! Natürlich bekamen wir keine Quittung oder einen Strafzettel ausgestellt. Im Nachhinein ärgerten uns die etwa 45 Euro Strafe, die vielleicht zu vermeiden gewesen wären. Wir waren uns relativ sicher, dass wir wirklich nicht zu schnell waren und fragten uns, ob eine andere Verhaltensweise im Umgang mit dem Polizisten besser gewesen wäre. Dummerweise war da ja noch die Sache mit dem kaputten Blinker, und die beiden Warndreiecke und den Feuerlöscher hätten wir für eine Überprüfung unter den Rücksitzen, Reisetaschen, Jacken und dem ganzen anderen Krempel auch nur sehr ungern hervorkramen wollen.
Wir beschlossen, in Zukunft nicht weiter aufzufallen und hielten – wie bei uns üblich – an der nächsten roten Ampel. Dummerweise waren wir die einzigen, die das taten. Wir wurden von allen Seiten angehupt und sahen uns irritiert um. Sollte diese Ampel nicht für die gesamte Straßenbreite gelten? So ging es uns noch dreimal, und wir konnten nicht herausfinden, was wir falsch gemacht hatten. Aber einfach über eine rote Ampel zu fahren, trauten wir uns auch nicht, denn dann wären wir mit Sicherheit unmittelbar wieder zur Kasse gebeten worden und wollten kein zweites Vergehen riskieren. Wir haben gelernt: In Lusaka bedeutet eine rote Ampel: zügig weiterfahren, bestenfalls Vorfahrt achten.
Im Zentrum von Lusaka herrschte das absolute Verkehrschaos. Unzählige Autos waren unterwegs, und es war ein einziger Stau. Zwischen den Reihen stehender Auto liefen Straßenhändler hindurch, um die abenteuerlichsten Waren anzubieten: Sonnenbrillen, Musik-CDs von Abba, Handy-Ladekabel, Hosen, Schuhe, Hundeleinen, Öl-Trichter, Werkzeug und sogar Klobürsten. Es war nicht ganz einfach, die Händler abzuwimmeln, zumal Stefan im voranfahrenden Auto netterweise immer wieder behauptete, dass wir gerade verzweifelt auf der Suche wären nach ausgerechnet dem Artikel, der uns gerade mit viel Überredungskunst angepriesen wurde. Nach reiflicher Überlegung entschieden wir uns aber doch gegen die neonpinke Krawatte, das Lockenwickler-Set und die Abfluss-Pömpel.
Ohne funktionierenden Blinker kämpften wir uns durch zwei Kreisel mit viel Verkehr. Dann folgte eine große Kreuzung mit dem schlimmsten Verkehrskollaps, den wir je gesehen haben. Aus vier Richtungen mit jeweils zwei bis drei Spuren drängten PKWs und Lastwagen, um in eine jeweils individuelle Richtung weiterzufahren. Es gab jedoch keine Ampel. Stattdessen stand ein lebensmüder Verkehrspolizist auf der Kreuzung und ließ sich die Zehen platt fahren. Seine Versuche, den Verkehr zu regeln, scheiterten jedenfalls kläglich. Man kann sagen, jeder fuhr, wie er wollte. Das bedeutete, die Kreuzung war voller Autos, die alle in eine andere Richtung wollten. Dabei war niemand bereit, Rücksicht zu nehmen und auf einen anderen zu warten. Es wurde nur angehalten, wenn es nach vorne nicht mehr weiter ging. Wir hielten die Luft an, als um unser Auto herum die Abstände immer kleiner wurden. Gaby und Stefan waren vor uns plötzlich verschwunden. Ein absolutes Rätsel, wie sie sich da durchgebeamt hatten. Zur Überquerung der Kreuzung tasteten wir uns jedenfalls nur zentimeterweise voran und brauchten etwa 20 Minuten und unzählige Nerven. Kurzfristig überlegten wir auch, das Auto einfach mitten auf der Kreuzung stehen zu lassen und einen Kaffee trinken zu gehen. Aber das Vorhaben hätten wir sicherlich nicht überlebt. Hier ist ein kurzes Video der Situation:

www.saliger.de/africa/Lusaka-Kreuzung.avi

Nach diesem Abenteuer tankten wir und verließen bei Sonnenuntergang Lusaka. Überall am Straßenrand waren kleine und große Stände für Lebensmittel, Klamotten, aber auch Sessel und Türen aufgebaut. Man konnte praktisch alles dort kaufen.
In der Dunkelheit kamen wir nördlich von Lusaka bei der Fringilla-Farm an. Dort waren wir die einzigen Gäste auf dem Campingplatz und im Restaurant. Wir aßen leckere Steaks und erholten uns von dem anstrengenden Tag. Beim Einschlafen trällerten uns die Kühe auf der nebenan gelegenen Weide ein zugegebenermaßen recht eintöniges Schlafliedchen, und ein Vogel, den wir seit Jahren das „rostige Windrad“ nennen, pfiff seinen Ton ohne Pause.

Tageskilometer: 533
Teil 1414. Nov. 2011
Mittwoch, 3. August 2011

Am Morgen waren die Kühe still, und es war relativ warm. In der Sonne frühstückten wir, dann gingen wir zur Schlachterei auf dem Hofgelände und kauften Kudusteaks. Diese kamen als tiefgefrorenes Tier aus dem Kühlraum und wurden in kleine Quader gesägt und einzeln verpackt.

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Auf der Hauptstraße ging es einige Kilometer nach Norden, hinter Kapiri Mposhi bogen wir nach Osten ab. Endlos zog sich die Straße von Ort zu Ort, große, bewässerte Getreidefelder wechselten sich mit Wäldern ab.

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Schon aus großer Entfernung sahen wir immer wieder Buschbrände, auch direkt am Straßenrand. Die Menschen reagierten gelassen auf die Flammen, da sie wohl zum Alltagsbild gehören. Wie wir später erfuhren, werden die Feuer gelegentlich absichtlich gelegt, um Ungeziefer und Schlangen zu vertreiben, neues Ackerland zu gewinnen oder die Samenhüllen bestimmter Bäume zu öffnen.

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Es gab lange Auf- und Abfahrten, und überall waren Menschen zu Fuß oder auf dem Fahrrad unterwegs. Einmal hielten wir zu einer Mittagspause und einmal zum Tanken. Wie gestern passierten wir einige Polizeikontrollen, die uns entweder durchwinkten oder ein paar nette Worte mit uns wechselten. Auf der letzten Etappe wurde die Straße extrem schlecht. Riesige Schlaglöcher mussten wir in Schrittgeschwindigkeit durchqueren.
Dann bogen wir nach Mutinondo ab und legten die letzten 20 Kilometer durch niedrigen Wald zurück. Das Camp lag unter schattigen Bäumen. Von der erhöhten Rezeption genossen wir den Blick über die Wälder, während die Sonne unterging.

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Zum Abendessen kochten wir Kürbissuppe im Potije, Stefan briet Fleisch, und Gaby kochte Nudeln mit einer Erbsensoße. Es war ein buntes Essen, das wieder mal richtig gut schmeckte. Wir saßen noch einige Zeit beisammen und erzählten.

Tageskilometer: 545
Teil 1514. Nov. 2011
Donnerstag, 4. August 2011

Schon am Abend ging es Uwe nicht gut. Am Tag hatte er wieder viel gehustet, und abends fröstelte er. In der Nacht hatte er wahrscheinlich Fieber. Am Morgen schliefen wir lange aus, denn heute stand nichts auf dem Programm. Nach dem Aufstehen nahm Uwe eine Aspirin, und danach ging es ihm zunehmend besser.
Vor dem Frühstück wurde noch geduscht, dann saßen wir in der Sonne, kochten Wasser mit der Kelly und tranken ganz gemütlich Kaffee. Ruth und Stefan machten sich zu einer Wanderung auf. Gaby konnte wegen ihres Steißbeins nicht so weit laufen, und Uwe musste sich sowieso schonen. Er räumte ein wenig im Auto auf, wusch Wäsche und lag ansonsten in der Hängematte, las im Reiseführer und schlief. Es war sehr erholsam.

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Ganz anders war es bei Ruth. Die Wanderung war sehr anstrengend, da es ständig bergauf und –ab über buckelige Felsrücken ging. Außerdem legte Stefan einen Stechschritt vor (von dem er hinterher allerdings nichts wissen wollte).

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Sehr praktisch waren auch die beiden riesigen Fotoapparate (man muss schließlich für jeden Fall gerüstet sein), die geschleppt werden wollten. Von dem im Reiseführer angekündigten Vogelreichtum war weit und breit nichts zu sehen. Ehrlich gesagt haben wir an keiner Stelle in Afrika weniger Vögel gesehen als in Mutinondo. Aber man kann die kiloschwere Fotoausrüstung ja trotzdem mal mitnehmen, verbessert die Laune beim Klettern ungemein. Besonders dann, wenn man sich nicht mehr so ganz im Klaren darüber ist, ob man sich noch auf dem richtigen Weg befindet, da die Karte, die man im Camp erhalten hat, nicht so wirklich übersichtlich war. Stefan bot sich – ganz Gentleman – an, einen Fotoapparat zu tragen, doch Ruth wollte sich diese Blöße nicht geben und stapfte je eine Kamera wie ein Maschinengewehr im Arm über den Waldweg. Die Landschaft war besonders an den zahlreichen Wasserfällen sehr schön.

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Eidechsen, Schmetterlinge und immerhin ein Wiedehopf ließen sich blicken. Der Rundweg war über acht Kilometer lang, kam Ruth aber mit sämtlichen Kletterpartien entlang der Wasserfälle fast doppelt so lang vor. Obwohl es eine schöne Wanderung war, taten ihr zurück im Camp die Beine weh, und sie beneidete Stefan nicht, der am Nachmittag schon bald gemeinsam mit Gaby zu einem Reitausflug aufbrach.
Wir machten inzwischen Feuer und kneteten den Teig für unser erstes Brot im Potije. Zum Abendessen gab es den Rest Kürbissuppe, kleine Folienkartoffeln, Kudu-Steaks und Salat. Dann legten wir die Glut auf die Potijes. Stefan hatte auch einen Teig gemacht. Es dauerte zwar ein wenig, aber die Brote sahen gut aus, als wir sie aus dem Topf nahmen. Mal sehen, wie sie morgen früh schmecken werden.
Im Dunkeln hatten wir später noch eine gruselige Begegnung: Eine gar nicht mal so kleine Spinne spazierte über unseren Campingplatz und fand uns wahrscheinlich auch nicht sehr nett, weil Ruth sie zum Fotografieren mit der Taschenlampe anleuchtete.

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Tageskilometer: 0
Teil 1617. Nov. 2011
Freitag, 5. August 2011

Wieder war es angenehm warm, als wir ausgeschlafen aus den Zelten krochen. Auch heute blieben wir den ganzen Tag bei Mutinondo Wilderness. Zum Frühstück machten wir Omelett, das diesmal sogar am Stück blieb. Unser selbstgebackenes Brot schmeckte hervorragend. Das hatte schon mal gut geklappt.

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Nach dem Mittag machten wir uns zu viert auf, noch einmal die Wasserfälle anzuschauen, die Ruth und Stefan gestern bereits erwandert hatten. Uwe ging es wieder gut, und so liefen wir langsam los. Auf mehreren Kilometern kann man an einem Fluss entlang wandern, der an ein paar Stellen in kleinen Stromschnellen oder Wasserfällen hinunterfließt. An zwei dieser Stellen machten wir Pause, und Ruth und Stefan gingen tatsächlich im eiskalten Wasser baden oder setzten sich direkt in den Wasserfall. Gaby und Uwe hielten nur die Füße ins Wasser.
Wir entdeckten einige Tausendfüßler, die eingekringelt in Erdlöchern saßen, eine riesige Wanze und die abgestreifte Haut einer kleinen Schlange, die Ruth mitnahm.

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Zurück am Campingplatz duschten wir. Zum Sonnenuntergang liefen wir den Berg hinauf zur Rezeption, bezahlten die Rechnung und genossen die Aussicht auf die grünen Hügel.
Zum Abendessen kochten wir Nudeln mit Zucchini-Sahne-Soße. Gaby und Stefan werden morgen die kürzeste Strecke ins Luangwatal nehmen, um so schnell wie möglich nach Malawi zu kommen. Wir fahren weiter nach Nordosten zu den Kapishia Hot Springs.
Es wird höchste Zeit, wieder weiter zu fahren. Die Batterie für unseren Kühlschrank ist leer, und auch alle anderen Akkus müssen aufgeladen werden. Außerdem freut sich Ruth wieder auf Handyempfang, damit sie die Ergebnisse der beginnenden Bundesliga-Saison erfährt.

Tageskilometer: 0
Teil 1717. Nov. 2011
Samstag, 6. August 2011

Der vorerst letzte Morgen mit Stefan und Gaby brach an. Wir standen recht früh auf, da die beiden eine lange Wegstrecke vor sich hatten. Nach einem schnellen Frühstück verabschiedeten wir uns voneinander.
Wir fuhren sehr gemütlich los. Zurück an der Hauptstraße ging es weiter Richtung Nordosten nach Mpika. Auffallend waren die vielen verunglückten Lastwagen, die von der Straße abgekommen und dann umgekippt waren.
In Mpika tankten wir und gingen in den ersten Supermarkt. Dieser hatte leider keine großen Wasserkanister und auch kein Gemüse. Dennoch kauften wir ein paar Getränke.

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Anschließend besuchten wir ein Internet-Café und schrieben eine E-Mail nach Hause. Ruth erfuhr, dass Dortmund das Eröffnungsspiel mit 3:1 gegen Hamburg gewonnen hatte. Sie freute sich sehr.
Dann fuhren wir weiter ins Zentrum zu einem Freiluftmarkt und weiteren kleinen Geschäften. Dort war alles sehr afrikanisch, und wir stachen ein wenig aus der Menge. Aber auch hier gab es kein Trinkwasser in großen Kanistern oder Petroleum für unsere Lampe. So begnügten wir uns mit ein paar Kerzen und fuhren weiter. Die Atmosphäre in dem kleinen Ort war schon sehr beeindruckend gewesen.

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Weitere 80 Kilometer fuhren wir lange Steigungen hinauf und betrachteten die immer grüner werdende Landschaft Zentralafrikas. Dann zweigte die Straße Richtung Kapishia Hot Springs ab. Eine dreiviertel Stunde fuhren wir durch Wald und an Schulen und landwirtschaftlichen Betrieben vorbei. Wir hatten den nördlichsten Punkt unserer Reise erreicht und waren etwa 2000 Kilometer von Windhoek entfernt.
Bei der Shiwa Lodge suchten wir uns einen Stellplatz auf dem noch freien Campingplatz und machten Brotzeit. Dann spazierten wir einen kleinen Weg zurück zur Lodge. Dabei kamen wir an dem natürlichen, 37 Grad heißen Pool vorbei. Vielleicht werden wir uns morgen mal hinein trauen. In den Baumwipfeln sahen wir einen Ross-Turako, einen Vogel, den wir bisher noch nirgendwo beobachten konnten.
An der Rezeption buchten wir das Abendessen für den kommenden Tag und liehen uns eine Karte und Wegbeschreibung für einen Wanderweg, den wir auch morgen laufen wollen. Auf dem Rückweg fotografierte Ruth noch einen kleinen Nektarvogel. Im Auto machten wir ein wenig Ordnung, bevor wir müde und früh ins Zelt gingen. Uwe sicherte noch alle Fotos und Videos.

Tageskilometer: 228
Teil 1817. Nov. 2011
Sonntag, 7. August 2011

Nachts hörten wir eine Eule und eine Schar andere Vögel, die wir jedoch nicht bestimmen konnten. Noch einen Tag blieben wir bei Kapishia. Es war sehr angenehm, Zeit zu haben, das Auto aufzuräumen, Vorräte zu sortieren, Wäsche und sich selbst zu waschen.
Zum Frühstück aßen wir leckere Brötchen, die wir gestern in Mpika gekauft hatten. Am späten Vormittag brachen wir zu einer Wanderung auf. Ein etwa vier Kilometer langer Rundweg führte uns über einen steilen Aufstieg auf einen Hügel. Von dort hatten wir einen tollen Ausblick auf die grüne Waldlandschaft mit ein paar kleinen Dörfern.

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Oben auf dem Hügel sahen wir einen Gaukler, der seine Bahnen zog. Dann begann der Abstieg. Wir beobachteten viele Grashüpfer, sonst gab es keine Tiere zu entdecken.
Zurück am Camp machten wir Brotzeit und besuchten dann die heißen Quellen. Es gibt dort einen natürlichen Pool, in dem aus unterirdischen Quellen heißes Wasser aufsteigt. Es hat etwa 40 Grad. Wir setzten uns hinein. Zum Schwimmen war es kaum tief genug. An den Stellen, an denen das Wasser aufstieg, bewegte sich der sandige Boden und gab nach, so dass es ein bisschen unheimlich wurde. Ruth hatte Angst, dass sie schwuppdiwupp ins Erdinnere hineingezogen würde.

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Nach diesem Bad im Whirlpool waren wir porentief sauber und mussten nur noch Haare waschen. An der Rezeption gab es Internet. Wir tauschten kurz Emails mit unseren Eltern aus, und Ruth gab ihre Tipps für die kommenden Bundesliga-Spieltage ab.
Bis zum Abendessen im Restaurant ruhten wir uns aus oder räumten noch ein paar Sachen im Auto hin und her. Beim Dinner saßen wir mit der Besitzerin Mell und einem jungen Mann aus England zusammen, der zurzeit dort arbeitet. Es gab eine Broccoli-Suppe mit leckerem, frischen Brot, Reis mit Rindfleisch-Pilz-Soße und verschiedenes Gemüse. Als Nachtisch bekamen wir einen Pudding. Alles schmeckte gut, und wir unterhielten uns über alles mögliche.

Tageskilometer: 0
Teil 1918. Nov. 2011
Montag, 8. August 2011

In der Nacht war auf dem Campingplatz einiges los. Nachdem wir bereits eingeschlafen waren, traf noch ein Kleinbus ein. Wir wachten vom Einschlagen der Heringe für das Bodenzelt auf. Ein paar Stunden später brach der Lastwagen auf, der bereits den ganzen Tag in unserer Nachbarschaft verbracht hatte. Die Fahrer hatten sich auf eine Reisegruppe vorbereitet, indem sie den Wagen von allen Seiten gewaschen und alle Staufächer neu sortiert hatten. Bevor sie losfuhren, ließen sie jedoch mindestens 20 Minuten lang den Motor laufen.
Während wir frühstückten, ließen wir noch ein wenig das Zelt trocknen, das in diesem Klima morgens sehr feucht ist. Als wir alles gepackt hatten, meldeten wir uns an der Rezeption ab. Der junge Engländer gab uns noch einen Umschlag für Sunday, den Leiter des Buffalo Camps, mit auf den Weg.

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Wir fuhren zurück zur Teerstraße und dort knapp 30 Kilometer in Richtung Mpika. Dort bogen wir auf die Zufahrt zum North Luangwa ab. Zunächst war die Straße sehr gut, und wir kamen früh am Mano Gate an. Dort erwartete uns eine kleine Ernüchterung: Der Parkeintritt lag wesentlich höher, als wir erwartet hatten. Zu den im Reiseführer benannten Parkeintrittsgebühren pro Person und Auto kam noch eine sog. „bed levy“, die genauso hoch war wie der Parkeintritt pro Person. Wie es aussieht, können wir uns den North Luangwa zwar noch leisten, haben anschließend aber fast keine Dollars mehr. Für die anschließenden Aktivitäten in Sambia müssen wir uns etwas einfallen lassen.

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Die Straße wand sich nun steinig und steil ins Luangwatal hinab. Wir sahen ein paar Paviane und einen Gaukler, der nicht weit vor uns neben der Straße landete und sich eine kleine Schlange schnappte. Bevor wir reagieren konnten, war er schon wieder gestartet. Es folgten weitere Tore, die mit jeweils einem Park-Officer besetzt waren. Einer fragte uns nach Zeitschriften, da ihm so langweilig sei. Leider konnten wir ihm keine geben.
Mit der Einfahrt ins Luangwa-Tal machten wir die Bekanntschaft von bis dahin für uns unbekannten Flugobjekten, die von außen unsere Autofenster attackierten. Wie kleine Hagelkörner trommelten sie an die dunklen Scheiben: Tsetsefliegen. Nach dem ersten Fotostopp hatten wir sofort ein paar blinde Passagiere an Bord. Eine Zeit lang versteckten sie sich im hinteren Teil des Wagens, um dann plötzlich entweder unter dem Sitz hervorzukrabbeln und durch die Socken zu beißen, oder einen Flugangriff in Kopfhöhe zu starten. Es dauerte nicht lange, bis wir hysterisch um uns schlugen. Jedes weitere Fenster- oder Türen-Öffnen wurde ab sofort gut überlegt. Die entlang des Weges aufgestellten schwarz-blauen Fahnen, die mit einem Lockstoff und einem Insektizid getränkt sind, konnten offensichtlich nur einen Teil der Biester vergiften.
Als wir im Camp ankamen, waren wir noch die einzigen Gäste. Sogar die Tsetses hatten wir abgeschüttelt. Wir bekamen ein einfaches, aber schönes Strohhüttchen mit einem eigenen Waschbereich und offener Sicht auf den Mwaleshi-Fluss. Es war traumhaft gelegen. Nach einer kurzen Pause begaben wir uns auf den ersten Game-Walk. Als erstes lief Henry, ein bewaffneter Park Officer, danach kam Sunday, der Camp-Manager. Danach liefen wir und am Ende der kleinen Gruppe der Spurenleser Matthew mit Handtüchern und Getränken. Wir kamen uns ein wenig überbehütet vor mit den drei Aufpassern. Zuerst schreckten wir ein einzelnes Hippo auf, das friedlich in einem kleinen Tümpel lag. Ärgerlich schnaubend kam es aus dem Wasser und lief davon. Dann überquerten wir barfuß den Fluss. Am anderen Ende bekamen wir ein Handtuch, um uns die Füße abzutrocknen.

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Sunday hielt häufig an und erklärte uns alle möglichen Spuren, Verhaltensweisen und Gegebenheiten. Er wusste unheimlich viel und konnte vor allem Tiergeräusche und Vogelstimmen hervorragend imitieren. Als wir drei Elefanten entdeckten, entfernten wir uns schnell, da es sich um eine Mutter mit zwei Kälbern handelte. Kurz nach Sonnenuntergang sahen wir noch fünf Zebras und ein paar Büffel. Dann liefen wir durch den Fluss zurück zum Camp.
Das Abendessen bereiteten wir selbst in der Küche des Camps zu. Wir brieten das restliche Wildfleisch und kochten Nudeln. Es war in Ordnung, aber nicht mehr. Inzwischen waren weitere Gäste eingetroffen: eine zehnköpfige Gruppe Italiener mit ihrem persönlichen Führer.
Als wir im Bett lagen, hörten wir viele Tierstimmen durch die Nacht: Wildhunde, Hyänen, Löwengebrüll aus der Ferne und sogar das Husten eines Leoparden. Vielleicht können wir morgen ein paar dieser Tiere entdecken.

Tageskilometer: 160
Teil 2018. Nov. 2011
Dienstag, 9. August 2011

Um 5:30 Uhr wurden wir geweckt. Es war schon nicht mehr ganz dunkel und auch nicht kalt. Wir machten uns fertig und tranken eine heiße Tasse Kaffee. Gegen halb sieben brachen wir zusammen mit einer Gruppe von sechs Italienern zu einer Morgenwanderung auf. Etwa vier Kilometer spazierten wir mehr oder weniger nahe (und mehr oder weniger leise) am Fluss entlang. Sunday blieb sehr oft stehen, um uns etwas zu zeigen und zu erklären.

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Wir sahen eine Gruppe junger männlicher Büffel, Herden von Impalas und eine Python-Schlange, die im Fluss schwamm und sich dann am Ufer versteckte, um auf ein kleines Impala zu warten.

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Es gab viele Vögel zu entdecken: Sattelstörche, Ibisse, Reiher, Eisvögel, einen Hammerkopf, viele Tauben und Webervögel. Es ist wirklich ein Paradies, und besonders Ruth freute sich sehr. Unter dem Löwenbaum, unter dem an vier Tagen pro Woche ein ganzes Rudel ausruht, war heute leider nichts zu entdecken.
Zurück im Camp ruhten wir uns in unserer Hütte aus. Ruth hatte pausenlos Kamera und Fernglas neben ihren Vogel-Bestimmungsbüchern bei der Hand, kreuzte immer wieder neue Vögel an und freute sich darüber, wie nur sie es kann.

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In der langen Mittagspause versuchten wir, ein Brot zu backen. Nachdem der Teig gegangen war, schaufelte Uwe eine Ladung Glut auf den Deckel. Wir kannten uns mit dem Buschofen jedoch nicht aus, und so war das Brot unter der heißen Kohle bereits nach einer guten halben Stunde oben schwarz. Wenn man die Kruste abschnitt, schmeckte es jedoch gut, insbesondere, weil es kein anderes gab. Anschließend entspannten wir im Schatten.

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Von Sunday erfuhren wir, dass das Buffalo-Camp jedes Jahr neu aufgebaut wird, da permanente Camps im North Luangwa nicht gestattet sind. Der Aufbau der Hütten, Duschen und Toiletten aus Elefantengras, Holz und Draht dauert ca. drei Wochen. Am Ende der Saison wird alles wieder abgerissen. Die großen Holzstücke werden für das nächste Jahr gelagert, der Rest zur Entsorgung einfach in den Fluss geworfen.
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