Chinas Rolle in Afrika (Wikileaks)

21 Antworten · 4’967 Aufrufe · gestartet 09. Dez. 2010 von lowflyer
Antworten
Themenstarter579 Beiträge · seit 201009. Dez. 2010 ·
Hallo,

Im Spiegel ist ein Artikel zu Chinas Rolle in Afrika erschienen, der sich aus den von Wikileaks veröffentlichten Dokumenten der US-Botschafter vor Ort speist. So ungefähr weiß man ja, was China in Afrika abzieht. Aber einige Details sind meines Erachtens doch noch mal lesenwert:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,728609,00.html

Sonnige Grüße
631 Beiträge · seit 200809. Dez. 2010 ·
Hallo Lowflyer,

danke für den Link zu diesem wirklich aktuellen Thema. Ich denke - und hoffe -, dass die afrikanischen Gesellschaften die rosarote Brille in Bezug auf die chinesischen Investitionen so langsam ablegen und versuchen, Mindestarbeits- und Umweltstandards durchzusetzen. Von den Regierungen ist dies auf kurze Frist allerdings kaum zu erwarten. Dafür profitieren diese zu sehr von der vordergründig "auflagenfreien" chinesischen Hilfe.

Gruß

Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. (Hans Magnus Enzensberger)
5’538 Beiträge · seit 200809. Dez. 2010 ·
Hallo Lowflyer,

auch von mir eine Danke. Es ist schon richtig, dass man Vieles schon gehört und gelesen hat, aber - so komprimiert vor Augen geführt - bin ich doch ganz schön erschrocken, wie viele Chinesen schon auf diesem Kontinent sind und weit es wenig die einheimischen Regierungen um ihre eigene Bevölkerung kümmern. Das wundert mich auch hier immer wieder. Nicht nur staatliche, sondern auch viele städtische Bauten werden von Chinesen (und Nordkoreanern) errichtet und namibische Arbeitsplätze werden vernichtet. Ein Bekannter von mir ist Bauunternehmer und er klagt, dass jetzt schon bei kleinsten Aufträgen (Einfamilien-häuser) die chinesische Konkurrenz jeden Preis unterbietet.

Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
Gast09. Dez. 2010 ·
Hallo,

...und von mir ein kräftiges Spenden in der Weihnachtszeit.

Denn alle die, die heute durch die Billigkonkurenz ihren Arbeitsplatz verlieren bzw. vom Lohn nicht mehr leben können gehören morgen zu den Spendenempfängern...

Aber gut, alles hat auch eine positive Seite, 100
S-Klasse Mercedes nach Afrika geliefert ist doch auch etwas.
Wobei der vielleicht auch schon aus 50% Chinateilen besteht......

Gruß

Sorry, musste ich sagen, da ich nur noch den Kopf schütteln kann......
Themenstarter579 Beiträge · seit 201009. Dez. 2010 ·
Hallo,

in der Zeit stellt Bartholomäus Grill (Autor lesenswerter Afrika-Sachbücher) noch die interessante Frage: Ist Afrika für Demokratie ungeeignet?
http://www.zeit.de/2010/50/Afrika-Elfenbeinkueste?page=all

Sonnige Grüße
1’287 Beiträge · seit 200809. Dez. 2010 ·
Hallo,

dieser Artikel ist sehr interessant und bestätigt (mal wieder) den subjektiven Eindruck beim Reisen durch Afrika.

Aber das Thema Entwicklungshilfe, China und Afrika ist leider in meinen Augen doch etwas komplizierter, als es das Grundbild des Artikels darstellt. "Der böse Chinese, der geldgierige Afrikaner (zu mindestens die Regierungen) und der moralisch überlegene Europäer/Amerikaner"

Am Ende des Tages schafft die chinesische Hilfe immerhin, dass es einigermaßen vernünftige Straßen und verbesserte Infrastruktur gibt. Das nützt in der Tat jedem (den Einheimischen, der Wirtschaft und selbst den Touristen). Die jahrzehntelange Hilfe aus Europa und Amerika hat aus meiner Sicht deutlich weniger Erfolg aufzuweisen.

Natürlich wünschte ich es mir auch, dass die Straßen von Einheimischen gebaut und diese dann auch anständig bezahlt würden.

Gruß
Carl
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 09. Dez. 2010
Gast09. Dez. 2010 ·
Hallo Carl,

richtig, aber zu welchem Preis. Wenn die Straßen nach einigen wenigen Jahren verfallen sind, wird wieder einmal mehr feststehen - der Preis war zu hoch....

Dann sind die Straßen kaputt, die Gebäude abgefrackt, die Bodenschätze ausgebeutet und dann??? Dann ist nix mehr da was kurzfristig "verhökert" werden kann.

Es ist sicher ein unaufhaltbares Szenario aber trotzdem traurig...

Gruß
1’249 Beiträge · seit 200909. Dez. 2010 ·
Sambezi schrieb:
Aber gut, alles hat auch eine positive Seite, 100
S-Klasse Mercedes nach Afrika geliefert ist doch auch etwas.
Waren das "echte" Mercedesse,
oder kopierte "Mercedesse".

Vor einen Hotel in China habe ich Autos gesehen,
die einem S-Klasse Mercedes sehr sehr ähnlich sahen,
aber den "Stern" von einer Chinesischen Autobauer
trugen.

Wenn aber in ein paar Jahren die
Autos die Straße und die Gebäude überlebt haben,
dann waren es wirklich "echte Mercedes" 😉
Ägypten, Äthiopien, Benin, Botswana, Elfenbeinküste, Eritrea, Gabun, Gambia, Ghana, Guinea, Kenia (2x), Madagaskar, Malawi, Marokko, Mauretanien, Namibia, Niger, Ruanda, Sambia, Senegal, Simbabwe (2x), Sudan, Tansania (3x), Togo, Tschad, Uganda (2x) Fotoreportagen und Bildgalerien aus aller Welt: foto-kiboko.de
1’287 Beiträge · seit 200809. Dez. 2010 ·
Sambezi schrieb:
richtig, aber zu welchem Preis. Wenn die Straßen nach einigen wenigen Jahren verfallen sind, wird wieder einmal mehr feststehen - der Preis war zu hoch....

Hallo Sambezi,

ich behaupte ja auch nicht, dass ich die Aktivitäten von China in Afrika irgendwie gut finde. Mich macht das auch traurig.

Das Problem dabei ist meiner Meinung nach, dass wir das alles viel zu sehr aus der europäischen Sicht sehen. Das ist natürlich zwangsläufig, da wir, wie Herr Grill schon bemerkte, ja keine andere haben können. Mit dieser, unserer Sicht, kommt man aber nachweislich auch nicht weiter in Afrika.

Die einzig sinnvolle Lösung wäre möglicherweise, wenn es die afrikanischen Länder schafften sich selbstständig wirtschaftlich zu entwickeln (einige sind ja durchaus auf dem Weg). Das geht aber ggf. nicht einher mit unserem Demokratievorbild, sondern wird einen afrikanischen Weg finden.

Dieser Weg wird uns dann auch nicht gefallen, da das wiederum z.B. zum Verlust der von uns Touristen so geliebten Ursprünglichkeit und Natürlichkeit führen kann.

Wie ich schon in meinem ersten Post erwähnte, halte ich das Thema Entwicklungshilfe, China und Afrika für unendlich komplex und denke nicht, dass es eine einfache gute Lösung gibt.

Gruß
Carl

P.S. Vielleicht lese ich aber einfach auch nur zu viele Bücher und Artikel zu diesem Thema.
Madam und Boss Unterwegs (2014/15) "Bacon and Eggs - A day's work for a chicken; A lifetime commitment for a pig." (Anon) "I will go anywhere, provided it be forward" (David Livingston)
zuletzt bearbeitet 09. Dez. 2010
Gast09. Dez. 2010 ·
Hallo,
nach meiner oberflächlichen Einschätzung denke ich, dass der tasächliche Wille zur Änderung auf allen Ebenen eher nicht vorhanden ist - solange das so ist, wird sich auch nichts ändern...

Die Jahre des Kalten Krieges waren geprägt von miltärstrategischen Entwicklungshilfen, heute sind es wirtschaftliche bzw. ökonomische Entwicklungshilfen. Verfolgen tun sie aber nur eins - das "Wohl" der ersten Welt zu sichern, ohne das die sich ändern muss.

Als Entschädigung dient dann die Entwicklungshilfe.

Oder gaaaanz zynisch gesagt, halte dein Volk dumm und arm und du bleibst an der Macht, gib ihm ab und an ein "Leckerlie" und du wirst geliebt... Das Leckerle wir aus der Entwicklungshilfe finanziert...

Gruß
Gast11. Aug. 2011 ·
Hallo,

China wird auch immer beschuldigt, in gigantischem Umfang Land in Afrika zu kaufen. Laut dem Oakland Institut ist das nicht der Fall. China interessiert sich "nur" für die Bodenschätze. Nicht China sondern der "gute" Westen, genauer westliche Spekulanten/Hedgefunds kaufen das ganze Land. Allein in den letzten 3 Jahren 148 Millionen Acres. Das ist fast das Doppelte der Gesamtfläche von Deutschland. 25-40 Prozent Rendite bringt das wohl

Fefe hat es in seinem Blog treffend kommentiert: "Links lässt dann also der Hedgefonds produzieren, für den Export, versteht sich, profitorientiert, und rechts bringen die Hilfsorganisationen ausländische Lebensmittel ins Land. Was für ein perverses System."

Seitenweise Futter findet man beim Oakland Institut:
http://media.oaklandinstitute.org/special-investigation-understanding-land-investment-deals-africa

Beste Grüße

Guido
2’612 Beiträge · seit 200711. Aug. 2011 ·
Hallo Guido,

super, vielen Dank, hast mir die Recherche erspart. Vorgestern war in der taz ohne Nennung von Quellen folgender Artikel zum Thema Land Grabbing genannt worden, vielleicht ist Herr Nooke (Afrikabeauftragter der Bundesregierung) auch an der von dir zitierten Studie interessiert:

Artikel

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2011
761 Beiträge · seit 201011. Aug. 2011 ·
Hallo,

die Chinesen scheinen bei der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt zu sein. Ein Beispiel:

Dinner in Katima Mulio, Zambesi Lodge. Nur einige Tische besetzt.
Eine chinesische Familie betrat den Saal...leger gekleidet, etwa 7-8 Personen. Wollten sich gerade setzen, als die Managerin (?) an die Gruppe herantrat und nach einer Reservierung fragte....und bei Verneinung dann die Chinesen wieder wegschickte.
Klar waren etliche Tische den ganzen Abend über frei.....

Gruß Flori
~ Africa is a feeling ~
Gast12. Aug. 2011 ·
wens interessiert:

Grundlagen zum Land Grabbing ganz gut erklärt:

http://land-grabbing.de/
2’612 Beiträge · seit 200712. Aug. 2011 ·
Flori schrieb:Hallo,

die Chinesen scheinen bei der Bevölkerung nicht sonderlich beliebt zu sein. Ein Beispiel:

Dinner in Katima Mulio, Zambesi Lodge. Nur einige Tische besetzt.
Eine chinesische Familie betrat den Saal...leger gekleidet, etwa 7-8 Personen. Wollten sich gerade setzen, als die Managerin (?) an die Gruppe herantrat und nach einer Reservierung fragte....und bei Verneinung dann die Chinesen wieder wegschickte.
Klar waren etliche Tische den ganzen Abend über frei.....

Gruß Flori
Hallo Flori,

welche "Bevölkerung" meinst Du? Die weißen Geschäftsleute, die sich in einigen Branchen von den Chinesen - zu recht - als Wettbewerber bedrängt fühlen, oder auch von dem "einfachen Mann" auf der Straße?

Vielleicht magst Du dazu etwas mehr schreiben.

Viele Grüße,

Volker
Bye bye Forum
2’612 Beiträge · seit 200717. Aug. 2011 ·
Guido. schrieb:Hallo,

China wird auch immer beschuldigt, in gigantischem Umfang Land in Afrika zu kaufen. Laut dem Oakland Institut ist das nicht der Fall. China interessiert sich "nur" für die Bodenschätze. Nicht China sondern der "gute" Westen, genauer westliche Spekulanten/Hedgefunds kaufen das ganze Land. Allein in den letzten 3 Jahren 148 Millionen Acres. Das ist fast das Doppelte der Gesamtfläche von Deutschland. 25-40 Prozent Rendite bringt das wohl

Fefe hat es in seinem Blog treffend kommentiert: "Links lässt dann also der Hedgefonds produzieren, für den Export, versteht sich, profitorientiert, und rechts bringen die Hilfsorganisationen ausländische Lebensmittel ins Land. Was für ein perverses System."

Seitenweise Futter findet man beim Oakland Institut:
http://media.oaklandinstitute.org/special-investigation-understanding-land-investment-deals-africa

Beste Grüße

Guido
Hier noch eine weitere Studie zum Land Grabbing in Afrika:

http://www.fian.org/resources/documents/others/report-on-land-grabbing/pdf
Bye bye Forum
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2011
16,9k Beiträge · seit 201215. Mai 2024 ·
Ich stelle es mal hier mit ein:

TAG DER CHINESISCHEN SPRACHE

... Prof. Kenneth Matengu, Vizerektor der UNAM sagte, dass immer mehr junge Menschen in Namibia aufgrund der schnellen Entwicklung Chinas Chinesisch lernen. Da China ein wichtiger Partner für Namibia ist, hofft er, dass namibische Studenten fleißig Chinesisch lernen, um zum Aufbau der namibischen Nation und zur Entwicklung der namibisch-chinesischen Freundschaft beizutragen.

LG
Logi