Ein Zebra in Zambia (Reisegeschichten)

132 Antworten · 38,0k Aufrufe · gestartet 22. Nov. 2010 von Crazy Zebra
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Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200609. Dez. 2010 ·
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Ein "Crazy Zebra" in Sambia (Teil 25)

Im Bestreben, Kilometer gut zu machen, die wir am Vortag nicht abspulen konnten, schliefen wir nur bis 04:30 Uhr aus. Die Nacht lag noch über Sambia. Der neue Tag meldete sich nur zögerlich mit dem Einsetzten der morgendlichen Dämmerung. Heißer Kaffee, etwas Brot und Konfitüre mussten für den Start in den Tag ausreichen. Die Kühltasche mit Getränken aufgefüllt sowie einigen Müesli-Riegeln, die meinerseits keine große Beachtung fanden - und frischen Früchten als Tagesproviant, drehte ich den Zündschlüssel im Zündschloss nach rechts. Los ging es. Vor uns lagen einige Kilometer Fahrt, fast immer mit der Ungewissheit, was da alles auf uns zukommen würde. Vorsichtshalber stellte ich mein Gehirn auf Sch…ss-Straßen ein, was angesichts der begrenzten Speicherkapazität meiner Festplatte die gesamte linke Gehirnhälfte belegte. Mein persönliches Betriebssystem „Win-Hirn 1920 V.1“ sollte mal ein Update erfahren, dachte ich gerade - schon durchfuhren wir ein Schlagloch der Kategorie „S“.

„Scheieieissssse“ entfuhr es mir, und der Luftfedersitz katapultierte mich mal wieder gegen die Decke des Zebras. Alle zuvor gespeicherten Daten wurden nun neu von „Win-Hirn 1920 V.1“ in loser Folge auf meiner Festplatte abgelegt. So habe ich kaum Erinnerungen an die Übernachtung auf der Pioneers Campsite nahe Lusaka, der Metropole Sambias. Einzig an den Kontrollposten der Polizei kann ich mich erinnern. Er war genau nach dem Abzweig zu dieser Campsite eingerichtet. Wir verließen diese Campsite im Grünen am folgenden Morgen zu sehr früher Stunde in der Hoffnung, dieser Posten wäre noch nicht besetzt. Gesagt getan, oh Wunder, der Kontrollposten war tatsächlich noch nicht besetzt! Um 07:00 bestand dann auch keine Gefahr irgendwelchen ungerechtfertigten „Wegzoll“ an irgendeinen Staatsdiener abdrücken zu müssen.

Morgens um halb 7 ist die Welt noch in Ordnung, oder war es um halb 10 - so oder so ähnlich der Werbespruch eines Frühstückchen-Herstellers, der auf meiner fragmentierten Festplatte noch gespeichert war. Dieser Spruch traf aber gar nicht zu – am heutigen Morgen. Wir fuhren durch Lusaka und es war schon ordentlich Chaos auf den Straßen. Eigentlich kamen wir ganz flott durch den morgendlichen Verkehr. Die 2 Meter bis zur nächsten Stoßstange des Vordermannes wurden immer zügig zurückgelegt. Nur die Pausen dazwischen dauerten etwas länger. 10 Kilometer später, es war so um 09:00, hatten wir bereits die Hälfte der Stadtdurchfahrt hinter uns.

Kurz nach Lusaka lichtete sich der Verkehr zusehends. Auch die Fahrbahn ließ ein Tempo um die 80 km/h zu. An einer T-Kreuzung, so einer mit 50 % Wahrscheinlichkeit sich zu verfahren, erwischten wir die „Road to Chirundu“ schon beim ersten Versuch.

Ein Schild kündigte den nächsten Roadblock an, eine dieser unzähligen Polizeikontrollen auf Sambias Straßen. Manchmal ergab es sich auch, dass auf ein und derselben Strecke, ohne irgendeine Kreuzung passieren zu müssen, sich zwei solcher Roadblocks befanden. Dem ungeübten Sambia-Reisenden mag dies unsinnig erscheinen. Jedoch mit etwas Sambia-Erfahrung macht dies durchaus Sinn. Das dreimonatige Import-Permit kann durchaus zwischen zwei dieser Posten verfallen, wenn die dazugehörige Straße zur Kategorie „rüttelschüttelschlaglochgrubenstrasse“ gehört und man einfach nicht vorwärts kommt.
Anbei möchte ich noch einen Tipp loswerden: Bitte teilt den Angehörigen zu Hause mit, dass man nach 3 Monaten ohne Lebenszeichen noch keine Vermisstenanzeige absetzten sollte. Es kann sein, dass man nur zwischen Schlagloch Nr. 2 578 631 und 2 578 632 etwas Zeit verloren hat.

Am rechten Straßenrand vor dem nächsten Roadblock stand dann auch so ein nützliches Verkehrsschild „Roadblock Ahed“, mit der Bitte, doch nicht schneller als 20 km/h zu fahren. Diesem Wunsch wäre ich gerne nachgekommen, doch 15 km/h war absolute Höchstgeschwindigkeit, diese Schlaglöcher zu umfahren. Nach und nach verbesserten sich die Straßenverhältnisse. Wir kamen nun recht flott vorwärts. Wir freuten uns riesig auf Sandy-Beach, wo wir 3 Nächte gebucht hatten. Ausschlafen, baden im Lake Kariba, keinen einzigen Meter Auto fahren - für ganze 3 Tage - das sollte die Belohnung am Ende der heutigen Tagesetappe werden. Unglaublich, es ist erst 13:30 und wir sind schon am Ziel! Nur noch durch das zur Hälfte geöffnete schwere Eisentor hindurch fahren, die Rezeption finden, und dann relaxen, relaxen, relaxen!

Ich freute mich wie ein Gartenzwerg im Tulpenbeet, als uns „Hermann the German“ in seinem Paradies mit Palmen und Sandstrand mit den Worten empfing: „Willkommen am Lake Kariba“.

Fortesetzung folgt…
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
250 Beiträge · seit 201009. Dez. 2010 ·
...sag mal Kurt .. alle Beiträge während der Arbeitszeit geschrieben...wie heisst Dein Arbeitgeber, gibt es noch ein freie Selle : -O
Die ganze Bar kam mir hoch (Charles Bukowski)
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200609. Dez. 2010 ·
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JABULANI schrieb:
...sag mal Kurt .. alle Beiträge während der Arbeitszeit geschrieben...wie heisst Dein Arbeitgeber, gibt es noch ein freie Selle : -O
Schön das du meine Arbeitszeiten besser kennst als ich 🙂

Könnte in deiner Vorstellung folgendes Argument platz finden

es gibt Menschen die auch in der Nacht arbeiten, Samstag und Sonnstag Bereitschaftsdienste haben und sogar in den Ferien erreichbar sind 😎

Aber danke für den Hinweis, grüsse Kurt
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
631 Beiträge · seit 200809. Dez. 2010 ·
Hallo Kurt,

toller Reisebericht.

Könntest Du am Ende Deines Berichtes noch ein kleines Resumé Deines Urlaubs geben. Irgendwie habe ich so den Eindruck, dass bislang noch nicht so Begeisterung aufgekommen ist: üble Pisten, wenig Tiere ... - aber vielleicht täusche ich mich ja.

Viele Grüße

Klaus
Der Tourist zerstört, was er sucht, indem er es findet. (Hans Magnus Enzensberger)
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200609. Dez. 2010 ·
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klaus63 schrieb:
Hallo Kurt,

toller Reisebericht.

Könntest Du am Ende Deines Berichtes noch ein kleines Resumé Deines Urlaubs geben. Irgendwie habe ich so den Eindruck, dass bislang noch nicht so Begeisterung aufgekommen ist: üble Pisten, wenig Tiere ... - aber vielleicht täusche ich mich ja.

Viele Grüße

Klaus
Hallo Klaus,

das werde ich selbstverständlich gerne machen für dich und die Anderen!

Aber manchmal ist es besser etwas abstand von den Geschehnissen zu haben
um in der Wertung sachlich zu bleiben.

So viel im Voraus, wir hatten die Distanten und die Strassen komplett falsch eingeschätzt. Mit unserem etwas hartem und langsamen Auto, und weil man ja auch das Mobiliar nicht zertrümmern möchte, hätten wir weniger Kilometer machen sollen oder mehr Zeit haben müssen.

Am Ende liefere ich die Tagesetappen mit Kilometern und Zeiten nach.

Gruss Kurt
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
705 Beiträge · seit 201009. Dez. 2010 ·
Hallo Kurt,
für alle Fomis die deine Tour jetzt nachfahren wollen,
vergess bitte nicht zu verraten, wo du den ganzen Speck und die Eier versteckt hast die ihr am Anfang euter Reise gekauft habt – du hast ja die meiste Zeit nur Müsliriegel und Jog-Kurt bekommen. 😛

Toller Reisebericht, so spannend wie eine Krimiserie – habe immer schon auf die nächsten Folge gefiebert.

Danke!
Winterliche Grüße aus Norddeutschland

Volker
Seit 1996 bereisen wir die Welt mit dem Motorhome, zuerst USA - Canada - Australien - Neuseland und jetzt Afrika.
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200610. Dez. 2010 ·
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Ein "Crazy Zebra" in Sambia (Teil 26)

Hermann, ein Deutscher, der schon seit Jahrzehnten mit seiner Frau zusammen in Sambia lebt, begrüßte uns in seiner urbayerischen Art. Wollt ihr was essen, fragte er. Was gibt es denn, meine Gegenfrage. Kalter Fisch mit Erbsen und Reis. Öhm… ja wieso nicht.

Wir aßen diesen vorzüglich schmeckenden Fisch, obwohl er optisch nicht viel hergab. Dazu gab es ein - oder waren es zwei - Radler. In der Zwischenzeit verließen drei andere Gäste das an zwei Seiten offene Restaurant mit Blick über den Lake Kariba - interessante Gäste, wie wir später herausfanden.

Sucht euch ein Châlet aus, das euch gefällt, meinte Hermann. Ein junger Mann zeigte uns die freien Châlet, die alle samt selbst von Hermann geplant oder erbaut wurden. Wir nahmen das Häuschen mit Reetdach. Am Nachmittag spazierten wir am hauseigenen Strand entlang mit seinem brauen Sand, den es nur am Sandy-Beach zu geben schien. Herrlich, diesen Sand zwischen den Zehen zu spüren. Das Wasser, das angenehm kühl aber nicht kalt war, umspülte unsere Waden und massierte diese zugleich.

Wir saßen dann später auf der kleinen überdachten Veranda des Châlet und zählten die Palmen. Es war ein bisschen wie Florida. Ich war noch nie in Florida, aber genau so ähnlich musste es dort auch sein. Lästig waren nur die kleinen Ameisen, nur einen Millimeter groß, krabbelten sie am Boden und zwischen meinen Zehen umher. Ich beschäftigte mich mit den Ameisen zwischen meinen Zehen und dachte an den morgigen Tag. Morgen hat Heidi Geburtstag und ich wollte sie mit etwas besonderem überraschen.

Ich mag mich noch gut an die Überraschung in Südafrika vom letzten Jahr erinnern. Wir fuhren weit in den Abend hinein, letztes Jahr. Nein, wir hatten uns nicht verfahren oder doch? So genau will ich mich nicht mehr daran erinnern. Wir stoppten im Dunkel der Nacht in einer einsamen Gegend. Ich verführte Heidi mit einem selbst zubereiteten Drei-Gänge-Menü, um ihr einen unvergesslichen Abend zu bereiten. Ich kramte alle meine speziellen Fähigkeiten hervor, nichts war mir zu schwer oder zu teuer, um Heidi diesen Tag oder besser diesen Abend zu versüßen. Sie war auch sichtlich überrascht und gerührt, als ich Gin mit Tonic zur Vorspeise servierte als Gang Nummer 1 sozusagen. Danach gab es absolut köstliche und liebevoll aufgewärmte Ravioli aus der Dose mit Parmesan obendrauf als Schmankerl. Zur Krönung dieses opulenten Mahls servierte ich die am Vortag selbstgebackenen Brownies als Dessert. Nun gut, die Brownies waren unten am Boden etwas kross gebacken. Ich denke, deshalb will Heidi nicht mehr an diesen Abend erinnert werden. An den Ravioli kann es ja nicht gelegen haben, davon bin ich überzeugt. Aber Morgen wollte ich die Gelegenheit nutzen, alles wieder gut zu machen - an ihrem besonderen Tag, um die Erinnerungen vom letzten Jahr aus Heidi‘s Gedächtnis zu löschen.

Am späten Nachmittag - die Dämmerung setzte langsam ein - kehrten die anderen drei Gäste zurück. Wir setzten uns an ihren großen Tisch, der vor dem Haus im Sand unter den Palmen stand. Wir plauderten mit ihnen. Es waren Deutsche und sie waren Zahnärzte. Wie günstig dachte ich. Schade das ich gerade keine Zahnschmerzen hatte, sonst hätten diese Zahnärzte meine abgeriffelten Vorderzähne wieder herrichten können, die durch das dauernde Müsliessen so in Mitleidenschaft gezogen waren. Nun ich denke, es war besser, diese Zahnärzte würden sich nicht meiner Zahnruinen annehmen, sondern sich um die Zähne der Jugend hier im Lande kümmern.

600 Schulkindern wollten diese sympathischen Zahnärzte von „Dentists without Limits“ einen gratis Check ihrer Zähen zukommen lassen, wenn nötig auch behandeln. Sie brachten auch Medikamente und zahntechnisches Werkzeug mit. Die Weiterbildung der einheimischen Zahnärzte stand ebenfalls auf ihrem Programm. Respekt! Dies tun sie alles in ihren Ferien oder als Ruheständler auf eigene Kosten.

Dr. Heiner Kraft von“ Dentists without Limits“, ein älterer Herr mit sehr jungendlicher Ausstrahlung, ist der verantwortliche Arzt für die Region Siavonga an der Grenze zu Zimbabwe. Ich war so begeistert von dem was sie taten, am liebsten hätte ich meine Werkzeugkiste ausgepackt und geholfen, Zähne zu ziehen was das Zeug hält. Nun, ich legte diesen Gedanken schnell wieder zur Seite und denke, darüber waren alle froh. Das erlebe ich immer wieder mal, dass Menschen froh sind, wenn ich nichts mache. Nur Heidi weiß das manchmal nicht zu schätzen, was ich einfach nicht verstehe.

Wir nahmen alle zusammen an diesem großen langen Tisch das Dinner ein - Kreyfish, Steak, Pommes Frites, Nudeln und Dessert. All diese gesunden Sachen die man(n) so braucht zum überleben. Wir saßen bis weit in die Nacht hinein zusammen und erzählten uns Geschichten, gönnten uns den einen oder anderen Drink - die Welt schien wieder in Ordnung zu sein. Nach diesem üppigen Abendmahl machten wir noch einen ausgiebigen Spaziergang. Zu Fuß ging es die 50 Meter zurück bis zu unserem Châlet.

Ich schlief wie ein Stein, bis ich plötzlich ein Kribbeln verspürte - zuerst am Ohr, dann am Rücken und zu guter Letzt an den Fußsohlen. Ich dachte sofort an Heidi und drehte mich um. Heidi lag auch da in ihrem Bett, aber nicht so, dass wir hätten den heutigen Tag feierlich beginnen können. Also was zum Teufel deckte mich mit Streicheleinheiten ein - mitten in der Nacht? Ich ertastete den Lichtschalter, der zur Lampe auf der Kommode gehörte und drückte den Schalter. Das Licht ging auch sofort an und beleuchtet ab sofort den Flurboden. Ich schaute die Lampe an, Heidi schaute mich an und ich schaute dann Heidi an. Was ist, fragte Heidi. Öhmmm - ich dachte du - in diesem Moment schaute ich auf das Bettlacken und sah, was mich mit den vermeintlichen Zärtlichkeiten eingedeckt hatte.

Ameisen! Ameisen so weit das Auge reichte. Ein Heer von Ameisen spazierte in Zweierkolonne über mein Bett. Nun gut, mit „Einer“ solchen neuen Freundin hätte ich mich ja noch anfreunden können, aber hunderte, das war selbst für mich zu viel! Ich beschloss, nun wie „Hannibal the Cannibal“ ein Mitternachtsmassaker zu veranstalten.

Ich stand wie John Wayne im Raum - in der rechten Hand eine Dose „Total Kill“, dann drückte ich
auf den Sprühknopf. Wow – Hundert Ameisen auf einen Streich lebten vorzeitig ab. Noch einmal den Sprühknopf gedrückt und nochmals. Ich gab alles, bis die Sprühdose leer war und stand als Sieger nach Punkten fest. Da stand ich nun da, mitten im Raum, „nackig“, wie Gott mich schuf - oder war es ein Steinmetzlehrling - mit der leeren Sprühdose in der Hand. Mein Adonis-Körper im Scheinwerferlicht der noch am Boden liegenden Lampe beeindruckte wohl Heidi sehr. Sie blickte mich mit großen Augen an, das Rollen ihrer Augen und Hüsteln nahm ich zuerst nicht weiter zur Kenntnis, bis auch ich fluchtartig den Raum unter einem Anfall von Husten nach draußen verließ. Nackig, immer noch mir der Dose in der Hand, stammelte ich

„Happy Birthday, Schatz“

Das beseitigen der Ameisenleichen dauerte dann etwas länger und ich nahm die Hilfe von Heidi gerne entgegen. Ich legte mich wieder ins Bett und träumte den Rest der Nacht von den kleinen Plagegeistern.

Fortsetzung folgt…
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
5’538 Beiträge · seit 200810. Dez. 2010 ·
Hallo und guten Tag, Kurt,

das kam gerade mal wieder richtig zum Tag der Frau, der hier heute als richtiger Feiertag begangen wird. Wie immer bei Deinen Berichten habe ich mich herrlich amüsiert. Dein Stil - unschlagbar. Wenn das Buch fertig ist - ich bestelle schon mal 10 Exemplare.

Liebe Grüße und einen schönen dritten Advent
Gerd
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200611. Dez. 2010 ·
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200612. Dez. 2010 ·
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]

Ein "Crazy Zebra" in Sambia (Teil 27)
Richtig ausgeschlafen - die Sonne stand schon zwei Finger breit über dem Horizont - standen wir an diesem besonderen Tag für Heidi auf. "Starting with a Kiss" und einem „Happy Birthday Schatz“ begrüßte ich Heidi. Eigentlich hatten wir das ja schon mit dem „Happy Birthday“ in der Früh hinter uns gebracht. Ein zweites Mal schien mir persönlich reichlich übertrieben, aber Frauen sind in dieser Hinsicht etwas eigen und nachtragend, weshalb ich es für besser befand, es noch einmal in aller Form zu wiederholen.

Etwas Fellpflege unter der Dusche und Beißerchen geputzt, legte ich mir meine Sonntagsbadehose an und ein frisches T-Shirt. Ich kam mir schon ein wenig "overdressed" vor, als wir den Frühstücksraum betraten. Doch was macht man nicht alles für seine Göttergattin.

"Hermann the German" saß mit den Zahnärzten von «Dentists without Limits» bereits am Tisch und fragte, Bacon and Eggs? Ja klar doch, am besten doppelte Portion! Nun hatte ich Geburtstag, obwohl ich doch gar nicht Geburtstag hatte, und ich legte mein "whatsabeautyfulday" Sonntagsgesicht auf.
Wir genossen es reichlich, nichts zu tun und uns verwöhnen zu lassen. Wir hatten auch keine Eile, da die Geburtstagsüberraschung erst um zehn Uhr auf dem Programm stand.

"Hermann the German" hat für uns ein Hausboot mit samt Crew organisiert. Wir würden den ganzen Tag auf dem Lake Kariba relaxen und auch die folgende Nacht auf dem Hausboot verbringen.

Wir verabschiedeten die Zahnärzte, die sich auf den Weg zur Arbeit nach Siavonga machten, tranken Kaffee und Saft und erwarteten die Ankunft des Bootes am hauseigenen Strand. In der Zwischenzeit weihte ich Heidi in den Plan ein, damit sie nicht womöglich die Skiausrüstung in falscher Erwartung, was ich für sie organisiert hatte, hervorkramt.

Wie wir so da saßen, um die Ankunft des Bootes um 10 Uhr zu fotografieren, ertönte es vom Nebentisch "Guten Appetit". Die Zahnärzte waren zum Mittagessen zurück gekommen und auch wir bestellten einen kleinen Lunch. Dann aber, afrikanisch pünktlich erschien am Horizont ein kleiner blauer Punkt. Es war 13 Uhr. Dieser blaue Punkt wollte aber irgendwie nicht viel grösser werden. Es war ein sehr kleines Boot, das am Sandstrand anlegte. Die gesamte Besatzung, bestehend aus dem Kapitän und seinem Matrosen, zurrte das Boot an einer Palme fest.

Der Kapitän namens Collin stellte sich vor und entschuldigte sich für die geringfügige Verspätung.
Ein Sturm hätte das Boot diese Nacht am Strand auflaufen lassen und die Befreiung dauerte eben etwas länger. Sturm dachte ich - das muss aber ein sehr lokaler Sturm gewesen sein. Vermutlich eines dieser atlantischen "Punkttiefs", denn sein Haus und seine Anlegestelle waren nur etwa 2000 Meter von uns entfernt. Ich hätte schwören können, dass es letzte Nacht keinen Sturm gab. War ich doch zufälligerweise damit beschäftigt gewesen, Ameisen zu killen. Ein Sturm wäre mir irgendwie aufgefallen. Sturm hin oder her, das Boot wurde für die Expedition beladen und war nun bereit für die große Fahrt.

Das blaue Ungetüm mit dem treffenden Namen "Boot" hüpfte auf den Wellen und wir kaperten die Plattform seemännisch. Da standen wir nun an Deck und bewunderten diese technische Errungenschaft der Menschheit mit Argusaugen. Die Schwimmkörper des Katamarans bestanden aus zusammen geschweißten Stahlrohren, auf der eine Plattform mit Holzboden befestigt war. Darauf stand eine Kabine, zur Frontseite offen mit großem Doppelbett unter einem Sonnendach. Dusche und WC, auch eine Kochgelegenheiten mit Grill waren vorhanden. Die gut gefüllte Eisbox stand gleich neben einem Sofa der Marke "IKEA-Sambia.

Ein Außenbordmotor, neueren Datums wie es schien, sollte dieses Gefährt durch die Wellen treiben. Ich inspizierte diese technische Errungenschaft wohl so sehr, dass es auch dem Kapitän auffiel. "I built this by myself" meinte er, und etwas Stolz schwang mit in seiner Stimme. Ich erkundigte mich ganz nebenbei, wie tief den der Lake Kariba wäre und wo die Schwimmwesten sind.

Nun denn, wir stachen in See. Ich versuchte mich etwas nützlich zu machen. Ich setzte mich auf das Sofa neben die Eisbox, um deren Inhalt gewissenhaft zu prüfen. Einen Gin mit Tonic in der Hand - zuvor hatte ich natürlich auch Heidi einen angeboten – beobachtete ich "Kaptain Collin", wie er sicher das Boot durch die See steuerte. Kapitän Collin war ein älterer Herr, genaugenommen ein etwas älterer "älterer" Herr, braun gebrannt mit gegerbtem Gesicht und einem Glasauge, das in der Sonne funkelte. Er war durchaus charmant. Wenn er Geschichten erzählte, konnte man auch immer etwas Schalk in seinen Augen erkennen - na ja, nur in dem einem Auge, das andere Auge strahlte eine gewisse gleichbleibende Ruhe aus. Ich saß so auf dem Sofa und betrachte Kapitän Collins darauf wartend, dass er zu " Captain Barbossa" mutieren würde wie im Film "Pirates of the Caribbean" mit Johnny Depp. Dafür hätte ich wohl noch ein paar Gins mehr trinken müssen, denn die Verwandlung blieb aus.

M-PIIITAAAAAAA! Schalte es über das Deck. Der Bootsjunge hieß Pieter. Der Captain rief ihn immer so laut und eindringlich, als müsse er vom Bug der Titanic in den Maschinenraum Befehle durchgeben. M-PIIITAAAAAAA, make us a Coffee! Sofort bereitete Pieter, sein freundlicher junger Maat, auf dem Holzkohlegrill heißes Wasser zu für den Kaffee zu. Den Instant-Kaffee selbst bereitete Kapitän Collins höchstpersönlich zu. Endlich wusste ich, wieso der Lake Kariba ein Süßwassersee ist - vier der sechs Löffel Zucker fanden den Weg nicht in die Kaffeetasse, so sehr zitterte der gute Mann. Der größte Teil des Zuckers landete direkt im See.
Wir schipperten so mit 2 Knoten durch die Gischt, genossen die Aussicht zum Festland und steuerten einer Lagune an, in deren Geborgenheit wir die Nacht verbringen wollten.


Fortsetzung folgt....
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200612. Dez. 2010 ·
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Ein «Crazy Zebra» in Sambia (Teil 28)

Wir steuerten nach einigen Stunden Fahrt dann auch eine Lagune an die nur durch eine schmale Passage zwischen zwei Landzungen und Bäumen hindurch zu erreichen war. Wir fuhren sozusagen mit dem Boot durch einen Wald, die Baumkronen ragten aus dem Wasser und sind Zeugen davon das es sich um einen künstlich aufgestauten See handelte. Ein Stausee mit der beachtlichen Fläche von
5'580 Km2 und einer Ausdehnung von rund 280Km und einer Tiefe von bis zu 32m. So gesehen konnte Kapitän Collins noch einige Löffel Zucker verschütten ohne das der See zu süss werden würde.

Nach einem Landemanöver das sich mir nicht wirklich erschloss standen wir mit dem Heck zum Ufer und wir konnten die praktischerweise vorne angebrachte Landevorrichtung nicht nutzen. So stiegen wir über die Heckreling von Bord um im knietiefen Wasser an Land zu gelangen. Wir vertraten uns die Beine bei einen Spaziergang und erkundeten die Gegend zu Fuss. Sein Maat feuerte während dessen den Holzkohlegrill an der ausserhalb des Bootes an der Reling befestigt unter dicken Rauchschwaden zu glühen begann und Tatort des Nachtessens sein würde.

Es gab Flachhuhn, Boerewurst, Reis und Tomatensalat. Ich bestaunte das Flachhuhn das zirka 3 Zentimeter hoch war und in seiner gesamten Breite die Grillfläche von 40 mal 20 Zentimetern zu bedecken schien. Ich vermute mal das es kein glückliches Huhn war und es sich vor eine Strassenwalze warf und so aus dem Leben schied. Erstaunlicherweis schmeckte dieses Flachhuhn aber köstlich, so das wir auf die Boerewurst verzichteten. Kapitän Collins zauberte dann noch einen köstlichen Rotwein hervor und wir genossen ein wirklich schönes Candelight Dinner an Deck seines selbst gebastelten Schwimmkörpers.

Die Besatzung verliess spät Abend das Hausboot und Heidi und ich genossen die laue afrikanische Nacht und beobachteten die Gewitter in der Ferne und zählten Blitze. Ich wollte Heidi eine unvergessliche Nacht bereiten und schlief sofort ein. Wir träumten wohl Beide so vor uns hin als plötzlich Bewegung in die Szene kam und das Boot sich immer heftiger auf und ab bewegte.
Der Sturm war nun nicht mehr in der Ferne sondern genau über uns. Der Wind schien von allen Seiten gleichzeitig den Regen in das Boot zu peitschen. Unser Füsse zu der offenen Seite wurden nässer und nässer und die Bettdecke sog sich zusehends mit Wasser voll. Das Boot hüpfte wie wild auf den Wellen, dagegen waren "S" Schlaglöcher Kinderkram, untermalt wurde das ganze vom Lärm der Bleche die das Boot zusammen hielten wie wenn jemand mit der Faust fortwähren auf diese einschlug. Wumm - kawum, wumm - kawumm, stundenlang hämmerte und regnete es gegen das Boot mit allem was die Natur so hergab. Mittlerweilen tausche ich meine Unterhose die triefnass war gegen eine Badehose ein und wir kauerten auf dem letzten Viertel des Bettes, was noch einigermassen trocken war, die ganze Nacht um gelegentlich für 2 Sekunden in den Tiefschlaf zu fallen.

Irgendwann gegen Morgen erwachte ich aus meinem feuchten Traum, der keiner war. Anscheinend sind wir doch noch etwas eingeschlafen und der Tag begrüsste uns mit einem zaghaften Sonnenstrahl.
"Good Morning" tönte es vom Land, wie war die Nacht? Unvergesslich, meine knappe Antwort an Kapitän Collins der in einer festen Behausung schlafend das "atlantische Punktief" wegen seiner Schwerhörigkeit wohl nicht mitbekommen hatte.

Das Frühstück das Kapitän Collins zubereitete war aber dann von erster Güte, Bohnen, Speck Marmelade und Toast sogar Rühreier nebst vielen anderen Leckereien wurden aufgetischt. Ein Glas Champagner ergänzte den Frühstückstisch auf hervorragende Weise. Ich denke das diese Hausbootfahrt die letzt jährige "Ravioligeschichte" in Heidis Erinnerung für immer auslöschen würde. Wir fuhren dann gemütlich auf dem Lake Karibia zurück genossen das schöne Wetter und die friedliche Stimmung die nur von einem gelegentlich "M-PIIITAAA" make us a Coffe unterbrochen wurde zurück zur Sandy-Beachlodge.

Fortsetzung folgt...
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
5’489 Beiträge · seit 200913. Dez. 2010 ·
Ich musste laut lachen, während ich das las, was im Büro für einige irritierte Gesichter sorgte. 🤩
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
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Hallo Kurt,

auch bei mir kam sofort das laute Lachen und damit die gute Laune für den Tag, als ich Deinen Bericht gelesen habe. Ich musste zwischendrin - bei der Flachhuhn-Darstellung - einfach aufstehen, in die Küche gehen, damit auch meine Gerlinde richtig lachen konnte. Einfach herrlich Dein Stil.

Liebe Grüße von der sonnigen Atlantikküste
Gerd
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200614. Dez. 2010 ·
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Ein "Crazy Zebra" in Sambia (Teil 29)

Die Seereise hatten wir nun mit unserer sicheren Rückkehr nach Sandy-Beach beendet – sie wird uns sicherlich in bester Erinnerung bleiben. Wir genossen einen letzten Abend bei „Hermann the German“. Wir saßen zusammen mit den Zahnärzten und Hermann. Es gab viel Gesprächsstoff, der so manchen Lacher verursachte. Wir unterhielten uns bis spät in die Nacht. Dieser Abend sollte zugleich auch unseren eigentlichen Urlaub in Sambia beenden.

Wir wollten nun Land unter die Räder bekommen, Asphalt platt fahren, Wellblech gerade klopfen und noch einen der zwei geplanten Tage bis zu unserer Rückkehr nach Windhoek gutmachen. Ursprünglich sollte noch ein Aufenthalt im Lochinvar Nationalpark folgen. Verunsichert, ob wir diesen auf Sambias Straßen rechtzeitig erreichen würden – wir hatten nur eine Nacht geplant - beschlossen wir, direkt nach Livingstone zu fahren.

Wir brachen sehr früh auf – es war so gegen 06:00 Uhr. Wir fuhren zügig zur Kreuzung Lusaka – Livingstone und bogen Richtung Livingstone ab. Gleich nach dieser Kreuzung umkurvten wir noch ein paar ausgeprägte Schlaglöcher der Kategorie 4. Hätte ich gewusst, dass dies die letzten „richtigen“ Schlaglöcher unserer Reise sein würden, ich hätte sie fotografiert und einen Indianertanz vollführt. Ich denke aber, sie werden auch so in unserer Erinnerung bleiben.

Die Fahrt nach Livingstone war relativ ereignislos, mal abgesehen von dieser einen Kuh, die vermutlich an einem Hitzeschlag verstorben war. Zuerst dachten wir, diese Kuh hätte sich vor einen LKW geworfen. Der Fahrer des LKWs unterhielt sich laut gestikulierend mit den wohl anwesenden Besitzern, wie man sie wieder beleben könnte. Da aber einige der Anwesenden dieser Kuh das Fell noch auf der Straße abzogen, kam ich zum Schluss, dass sie versuchten der Kuh etwas Kühlung zu verschaffen. Somit kam nur „Hitzetot“ als Ursache in Frage.

Wir fuhren so dahin, nur von einem Tankstopp und einer kurzen Mittagspause unterbrochen, als mein Sperberauge ein kleines blaues Schild am Straßenrand wahrnahm. Das Schild von ungefähr der Größe ein Meter auf einen Meter hatte goldene Sterne, kreisförmig angeordnet, mit einem Text darunter. Er lautete ungefähr so: Diese Straße wird finanziert durch die EU, freundlichst ihr Wolfgang Schäuble.

So kam es, dass wir wie zum Hohn am Ende unserer Sambia-Reise, auf einer niegelnagelneuen Teerstraße gen Livingstone fuhren. Ich meine wirklich neu, denn es wurden gerade die letzten Markierungen in Gelb auf die pechschwarze Fahrbahn aufgemalt. Ich beschloss, diese einmalige Gelegenheit zu nutzen, um endlich mal Gas zu geben. Ich testete die Höchstgeschwindigkeit meines Zebras im gestreckten Galopp für ein paar hundert Meter. Ich peitschte das Zebra über den spiegelglatten Asphalt und das GPS meldete mir 130 km/h. „Wow“ nicht schlecht für ein Zebra. Nach diesem Rekord ließ ich das Gaspedal aber sofort wieder los.

Tempomat rein - OK Tempomat ist bei unserer Fahrweise der falsche Ausdruck - Schleich-o-Mat eingeschaltet und gemütlich im Standarttempo 90 ging es dem Ziel entgegen.

In Livingstone steuerten wir die Maramba Campsite an, nicht ohne zuvor in einem Supermarkt eingekauft und unser Zebra mit Treibstoff befüllt zu haben. Zu erwähnen ist noch der tüchtige Straßenverkäufer, der mir Zimbabwe-Dollars verkaufen wollte – 10.000 ZIM$ für einen US$ nota bene. Ich erklärte ihm, dass der Kurs seit gestern wohl 1 zu 1 wäre und ich erst Geld abheben müsse. Darauf erkundigte er sich, ob ich ihn verarschen wolle. Meine Antwort darauf, wer hat damit angefangen!

Die Maramba Campsite liegt schön im Grünen nahe am Sambesi. Wir würden diese Campsite sicher wieder aufsuchen, falls wir mal zwei, drei Tage in Livingstone verweilen - als Basislager für Aktivitäten. Einziger Nachteil schien die Nähe zur Straße zu sein. Ein Wachposten, mit Schlagstock ausgerüstet, meinte, dass sich ab und an hier Gesindel rum treiben würde Er warnte uns auch vor den Nilpferden, die in der Nacht zum grasen kämen. Nilpferde, kenn ich doch!

In der Nacht musste ich dann auch tatsächlich meine Füße vertreten, um Platz für weitere Getränke zu schaffen. Und was stand da zwischen mir und dem Klo? Richtig, ein Nilpferd! Ich beschloss die alte Methode „ichpinkleaneinenbusch“ anzuwenden und ging tunlichst dem Nilpferd aus dem Weg. Den Rest der Nacht verbrachte ich im Halbkoma – von den Getränken oder dem Schreck mit dem Nilpferd - ich weiß es nicht so genau. Ich schlief durch bis zum Morgen.

Fortsetzung folgt..
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200614. Dez. 2010 ·
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Ein "Crazy Zebra" in Sambia (Teil 30)

Wir frühstückten etwas lustlos. Es war nicht die Trauer, Sambia zu verlassen oder der fehlende Speck. In erster Linie war es die Tatsache, dass sich unsere Ferien langsam dem Ende zuneigen würden. Heute werden wir bei Sehsheke die Grenze zu Namibia überqueren und ein letztes Mal den Sambesi sehen. Kurz hinter Livingstone wurden wir aufgefordert, alle Papiere zu zeigen, ohne dass etwas beanstandet wurde. Lediglich eine District Council Fee war zu entrichten. Ich verspürte noch immer reichlich Wut über den willkürlichen Beamten in Mpika, der uns um 100 US$ erleichtert hatte.

Wir näherten uns dem Grenzübergang bei Sesheke, fuhren wieder in den Vorhof mit den Zollgebäuden. Ich hielt Ausschau nach dem Gummibällchen in Blau-Weiß. Wir hatten Routine von der Einreise, brauchten den Wohnwagen und den Container diesmal nicht aufzusuchen - nur die Ausreiseformulare, der Eintrag ins dicke Buch und das Carnet waren auszufüllen bzw. abzustempeln. Auf sambischer Seite war alles in 30 Minuten erledigt.

Die kurze Fahrt zu den namibischen Zollgebäuden war dann ein Klacks. Ich schaute tunlichst darauf, keinem Beamten vor, auf oder über die Füße zu fahren, was mir dieses Mal auch gelingen sollte. Anstehen an der Immigration für den Stempel im Pass und das Vorlegen des Carnet de Passage waren hier gefragt. An einem separaten Schalter noch die Straßengebühr für das Zebra bezahlt und es konnte ohne Verzögerung weiter gehen. Ursprünglich hatten wir in Katima Mulilo eine weitere Übernachtung eingeplant, aber wir fuhren weiter durch den Caprivi. Stalldrang nennt man wohl dieses Phänomen.

Die Fahrt durch den Caprivi, eine fast schurgerade Strecke, mit Tempolimit 80 km/h auf weiten Teilen, erwies sich als eher eintönig. Die einzige Abwechslung bot uns das „Department of Finance“. Ich sah sie schon im Rückspiegel als kleine schwarze Punkte, die drei Mercedes der oberen Mittelklasse mit schwarzer Lackierung. Sie flogen nur so heran. Da es ja drei Mercedes waren, wurde die Höchstgeschwindigkeit kumuliert!

Jummmm… zogen sie an uns vorbei, um eine Viertelstunde später jummmm… in entgegengesetzter Richtung uns zu kreuzen. Jummmm – Jummmm, so ging es einige Male. Wirklich klasse, wie die Staatsdiener prüften, ob der angegebene Höchstwert V/max im Betriebsbuch auch der Wahrheit entsprach. Es wäre doch fatal, wenn das Geld aus der Wirtschaftshilfe für ein Auto verschwendet würde - für diese fleißigen Beamten - dass die Vorgaben gemäß Nutzerhandbuch nicht erfüllte.

Dass diese drei Fahrer wirklich bemüht waren Steuergelder zu sparen, sah man daran, dass nur ein Auto ein grünes Regierungsnummernschild hatte. Die anderen zwei fuhren ohne Registrierung. Wenn man bedenkt, was so ein „Blechle“ in Grün kostet, ist das schon lobenswert. Es dürfte sich bei einer Beförderung dieser treuen Staatsdiener sicherlich positiv bemerkbar machen.

Nun wir waren nicht ganz so flott unterwegs, erreichten aber unser Ziel, das N//Gepi Restcamp bei Tageslicht. Wunderschön am Fluss gelegen genossen wir die Atmosphäre der Campsite bei einem ergiebigen Abendmahl. Es galt noch, die verderbliche Ware zu vernichten und ein Espresso mit Diesel rundete diesen Tag ab. Wir zählten heute keine Sterne, das hatten wir in dieser Gegend schon mal gemacht, sondern gaben ihnen Namen - wir ordneten sozusagen das Universum neu.

Fortsetzung folgt... das Ende naht 🙂
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
2’047 Beiträge · seit 200714. Dez. 2010 ·
Hallo Kurt,
ich lese hier bisher still mit und warte jeden Vormittag auf die Fortsetzung. Da ich morgen eh keine Zeit hätte habe ich mal eben vorgelesen -
Teile 1-31 an einem Stück hier....
toller Bericht und tolle Tour - alles mit bravem Zebra und geduldiger Frau...

Viele Grüße
jaw
Gib jedem Tag die Chance, der schönste deines Lebens zu werden (Mark Twain)
Themenstarter3’766 Beiträge · seit 200615. Dez. 2010 ·
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Ein "Crazy Zebra" in Sambia (Teil 31)

Was nun folgte, könnte man als Routine umschreiben. Mit dem Ziel Windhoek vor Augen stellten wir den „Schleich-o-Mat“ ein. Das GPS zeigte uns genau 91 km/h an und wir spulten die Kilometer ab. Die einzige Abwechslung boten gelegentliche Regenschauer. Plötzlich meldete sich Heidi auf dem Beifahrersitz - „ich muss mal“. Etwas widerwillig ob der Verzögerung unserer Reispläne suchte ich eine passende Stelle 20 Kilometer nach Heidis erstem Aufruf. Ich suchte einen schönen Schattenbaum, falls die Sonne mal durch die Wolken hervor schauen würde, und hielt an.

Motor aus, elegant ausgestiegen - wie immer wenn niemand zuguckt. Heidi umkurvte das Auto. Wir standen auf der rechten Seite der Fahrbahn, als sie mein „duwirstwohlnichtandasvorderradpinkelnwollen“ Blick traf. Ohne Verzögerung registrierte Heidi meinen vorsorglichen Blick und eilte Richtung Baum.

Au-autsch, au-autsch,
tönte es vom Baum her -vermutlich war es Heidis Umschreibung für Kameldornbaum. Sie kam jedenfalls etwas verärgert vom Au-autsch Baum zurück. Sie hatte sich einen Dorn tief in den Fuß eingefangen. Ihr Blick wurde nicht heiterer, als ich dann an das Hinterrad des Zebras pinkelte. Nun Frauen eben, Hinterrad ist OK aber nicht Vorderrad, das weiß doch ein Jeder.

Ich konzentrierte mich auf das Ziel des heutigen Tages, das Roy’s Restcamp unweit von Grootfontein. Wir fuhren es bei unseren Reisen in Namibia immer wieder gerne an. Während der Fahrt wurde ich in meiner Konzentration nur von dem Au-autsch abgelenkt, das Heidi von sich gab, wenn sie etwas an der Fußsohle fummelte. Die Dornenspitze hatte sich darin verhakt.

So abgelenkt fuhr ich nach Grootfontein, um dahinter die Campsite anzusteuern. Dummerweise gilt das mit dem „dahinter“ nur von Süden kommend. So mussten wir umkehren. Ich fuhr einige Au-autsch Kilometer zurück. Heidi tat mir richtig leid. So ein Dorn in der Fußsohle konnte wirklich Schmerzen bereiten. Wir hatten keine Zugsalbe dabei, um Heidi Linderung von ihrem Schmerz zu verschaffen. Heidi versuchte mit Pinzetten und anderen Gegenständen während der Fahrt diese Dornspitze aus der Fußsohle heraus zu puhlen, ohne Erfolg.

„Du Schatz, könntest du“ - ich spürte sofort Unbehagen bei dieser Redewendung – „mir nicht ein wenig die Fußsohle aufschneiden, damit der Dorn besser rauskommt“.

„Ja klar Schatz“, darf es auch eine Teilamputation sein?
Moment, ich hohle mal die Eisensäge aus dem Werkzeugkoffer.

„Geht’s noch. Ich werde dir doch nicht die Fußsohle aufschneiden“, so meine dann ernst gemeinte Antwort.
Nö, nö, das muss warten bis wir einen Doktor finden und wenn es nur ein Pferdedoktor ist. Heidi tat mir wirklich leid, wie sie leiden musste mit dem Dorn im Fuß.

Ich trank am Abend noch einige schmerzstillende Schnäpse und bot Heidi ausreichend Trost an. Ich träumte in dieser Nacht von etlichen misslungenen Teilamputationen und schlummerte der Morgendämmerung entgegen.

Das Ende folgt...
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zuletzt bearbeitet 28. Aug. 2011
306 Beiträge · seit 200815. Dez. 2010 ·
... ha, ha. ist ja echt herzerfrischend wie Du schreibst. Bin leider noch nicht ganz durch. Da mit dem Vorder- und Hinterreifen wusste ich noch nicht, wieder was gelernt.
Ich wünsche Dir und allen Fomis eine schöne Vorweihnachtszeit.
Liebe Grüße Andrea 😄
2’047 Beiträge · seit 200715. Dez. 2010 ·
Hallo Andrea,

probiere es aus, pinkle an den Vorderreifen und fahre mit offenem Fenster los - du wirst schnell verstehen wo der Unterschied liegen kann....
Außerdem hatte Kurt ja gerade kein Nilpferd passend rumstehen - es war ja Tag.

Viele Grüße
jaw
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1’309 Beiträge · seit 200915. Dez. 2010 ·
Ich trank am Abend noch einige schmerzstillende Schnäpse
Hi Zebra,
mitleiden müssen ist eine furchtbare Qual und ich bin beeindruckt, wie zielsicher du das richtige Heilmittel gefunden hast. 😄
Fährt Deine Heidi nächstes Jahr wieder mit?
Liebe Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/