Liebe Fomis,
ich habe gestern einen etwas anderen Newsletter der Domo Farm erhalten, den ich einfach lesenwert finde und Euch nicht vorenhalten möchte. Heike hat ihr o.k. dazu gegeben:
„Das Jahr der Buschfeuer“
Hallo Leute, eigentlich wäre Lagebericht Nr. 17, der gerade in Arbeit ist fällig, doch zu viele Ereignisse haben dieses Vorhaben bisher vereitelt und so bleibt mir aus gegebenem Anlass nur eines, einen gesonderten Bericht über die Buschfeuer zu verschicken.
Mit der Meldung: Buschfeuer vom 12. August 2010 hat alles begonnen.
Damals tobten schon seit gut einer Woche Buschfeuer in der Region um Nata, gut 200 km südöstlich von uns entfernt doch den roten Feuerschein konnten wir nachts gut sehen. Am 12. August erreichte uns dann die Meldung dass die Feuer nun auch die Nationalparks Nxai Pan und Makgadikgadi Pan erreicht haben und somit das Feuer nun nur noch gut 40 km von uns entfernt war. Da starke Winde aus der Richtung der Feuer bliesen, die Rauchwolken am Himmel immer mehr und dicker werden herrschte bei uns Alarmstufe ROT. Schnell versuchten wir noch soviel als möglich im Camp und an den Feuerschneisen zu arbeiten, um dem Feuer wenn möglich Einhalt bieten zu können.
Die Tage vergingen, die Rauchschwaden am Himmel wurden weniger und am 16. August dann die Meldung, dass das Feuer im Osten gut 20 km von uns entfernt, gestoppt werden konnte, doch es bereits neue Feuer im Südosten gab.
Ja will denn das dieses Jahr gar kein Ende nehmen!?
Nach und nach wird es ruhig was zumindest die Buschfeuer in unserer Region anbetrifft, doch überall in ganz Botswana lodern immer wieder neue Feuer.
Es ist inzwischen Anfang September und irgendwie ist eine trügerische Ruhe eingekehrt was die Buschfeuer anbetrifft und wir können nur hoffen dass es vorbei ist und uns nicht noch eine dicke Überraschung bevorsteht.
3. September, erneut liegt Brandgeruch in der Luft doch all unsere Bemühungen herauszufinden ob und wo ein Feuer ist bleiben erfolglos.
7. September, wir sind auf dem Heimweg von unserer Versorgungs/Einkaufstour in Maun und auf der Strecke fahren wir durch dicke Rauchschwaden, starker Brandgeruch erfüllt die Luft und auch roter Feuerschein ist im Süden zu erkennen. Aus der Zentralkalahari ist angefacht von starken Winden ein Feuer nun auf dem Weg gen Norden. Wir nehmen es eigentlich gelassen, denn dieses Feuer ist ja noch ein gutes Stück südlich des Boteti Flusses und der breiten Teerstraße und sollte somit für uns keine Gefahr sein.
10. September, wir haben Gäste, ein ehemaliger Kollege von Uli ist mit Frau und einem befreundeten Pärchen auf Urlaub. Morgens schon hängt Rauch und Brandgeruch in der Luft und kommt aus östlicher Richtung und wie wir in Erfahrung bringen können handelt es sich um ein sogenanntes „kontrolliertes Feuer“ um die Siedlung Puhuduhudu herum. Solche kontrollierten Feuer sollen dazu dienen eine „grasfreie Zone“ zu schaffen die ein Übergreifen eines Feuers auf die Siedlung verhindern soll, wir hoffen nur, dass alles unter Kontrolle bleibt. Immer wieder suchen wir den Horizont um uns herum nach Anzeichen für Buschfeuer ab, doch im Verlauf des Tages ist alles ruhig, außer am Abend, da steigt uns dann erneut Brandgeruch in die Nase.
14. September, zusammen mit unseren Gästen machen wir uns heute einen „faulen“ Tag, lesen, quatschen, ausruhen, …. Doch, es kommt mal wieder anders als man denkt, so gegen 11:00 Uhr entdecken wir im Süden starke Rauchschwaden die bedrohlich nahe zu sein scheinen. Schnell zum Telefon und mal hören was da los ist. Von jetzt an überschlagen sich die Ereignisse, denn bei unserem Nachbarn im Süden tobt ein heftiges Buschfeuer und er bittet um unsere Hilfe denn ständig wechselnder Wind mit starken Böen hat schon einen Teil seiner Farm niedergebrannt und nun ist das Feuer auf dem Weg zu seinem Camp. Schnell „sammle“ ich unsere Arbeiter ein, packe die Feuerklatschen und Trinkwasser ein, nehme noch einen unserer Gäste zur Hilfe mit und los geht es. Im Karacho über Stock und Stein, bloß keine Zeit verlieren während Uli mit dem anderen Gast unser Fahrzeug für die Brandbekämpfung herrichtet und den Anhänger mit Wasser lädt um dann nachzukommen. Je näher wir zu dem Brand kommen, je schweigsamer werden wir, diese Naturgewalt lässt einem schier den Atem stocken. Verzweifelt versuchen die Männer den Flammen Einhalt zu gebieten und mit sogenannten Gegenfeuern den Brand in die Knie zu zwingen, doch starke Windböen tragen brennende Grasbündel weit über die Feuerschneise hinaus und der Brand breitet sich auch auf der nächstgelegenen Farm rasend schnell aus und zieht in Richtung Westen. Als Uli dann mit dem Löschwasser ankommt fahre ich wieder zurück zur Farm um dort nach dem Rechten zu sehen. Am Abend dann sind die Flammen sogar bei uns zu sehen, doch der Wind hat erneut gedreht, steht jetzt für uns günstig und wir hoffen das Feuer kann gelöscht werden.
15. September, so wie es scheint ist das Feuer gelöscht, doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, am späten Vormittag facht der Wind es wieder auf und treibt es dann zu unserem Glück weiter nach Westen ab.
Die nächsten Tage sind wir noch in erhöhter Alarmbereitschaft, doch bald schon ist klar, die Gefahr ist vorbei und wir haben wirklich Glück gehabt, denn dieses Mal war das Feuer nur noch 6 km von uns entfernt.
Oktober 2010, für mich steht ein Kurzbesuch in Deutschland und Uli ist „allein“ zu Hause.
Es ist der 12. Oktober, 02:15 Uhr als ich bei meinen Eltern ankomme, völlig übermüdet und ohne Koffer, denn der ist irgendwo unterwegs „verschütt“ gegangen. Doch egal jetzt erst ein Mal ins Bett und ausschlafen.
07:00 Uhr, das Telefon klingelt, noch nicht ganz wach nehme ich ab, unser „neuer“ Nachbar Rob meldet sich, er ist mit seiner Frage noch nicht mal ganz fertig, da bin ich auch schon hell wach! Rob fragt wie weit das Buschfeuer noch von uns entfernt sei und ob alles ok sei bei uns? Da ich wegen der langen Anreise seit vorgestern Abend keinen Kontakt mehr zu Uli hatte, habe ich natürlich keine Ahnung was da los ist. All meine Versuche Ihn zu erreichen scheitern und ich sitze nun völlig ahnungslos, hilflos und von den wildesten Schreckenszenarien geplagt in Deutschland. Ich wähle mir die Finger wund, kann Uli jedoch nicht erreichen, was ist bloß los, es wird doch nichts passiert sein!? Doch dann klingelt das Telefon, es ist Uli, endlich, Gott sei Dank, doch das was er mir mitzuteilen hat ist weniger erfreulich, es gibt erneut Buschfeuer in unserer Gegend. Uli sagt aber das das Feuer noch sehr weit weg ist und keine Gefahr für uns, ok, dann bin ich ja „beruhigt“
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
11. Oktober, sehr weit nördlich von uns ist ein Buschbrand auszumachen, der Wind steht jedoch günstig für uns.
12. Oktober, der Himmel wieder sehr „dunstig“, roter Feuerschein jedoch nur bei Nacht zu sehen, kein direkter Rauch in Sicht.
13. Oktober, heute gab es einen Ascheregen, das Feuer im Norden brennt immer noch.
14. Oktober, Rob meldet, dass eine ca. 25 km breite Feuerwand aus nordöstlicher Richtung auf die Farm zukommt doch noch gut 40 km entfernt ist. Der Wind ist jedoch wieder unberechenbar, stark wechselhaft.
15. Oktober, Uli versucht mich so gut als möglich auf dem laufenden zu halten was das Buschfeuer anbetrifft, doch ehrlich, ich bin ziemlich beunruhigt, denn unsere zwei Arbeiter sind in einer „Notsituation“ bestimmt nicht diejenigen die richtig zu handeln wissen. Uli ist nachts mit dem Traktor unterwegs um die Feuerschneisen noch besser frei zu machen und wo immer möglich auch noch zu verbreitern. Ich bin sehr beunruhigt und würde am liebsten so schnell als möglich nach Hause reisen, doch das geht leider nicht und ich muss nun halt hier der Dinge harren die da kommen. Am Mittag meldet sich Uli und meint es sehe nicht so rosig aus. Am Abend dann die Meldung das Feuer sei jetzt sehr nahe und könnte heute Nacht schon auf die Farm übergreifen doch mit etwas Glück und der Hilfe der Nachbarn könnte das Camp gerettet werden, doch inwieweit es sonst Schaden auf der Farm anrichten wird bleibt abzuwarten. So ein Mist, das hat uns gerade noch gefehlt.
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
15. Oktober, 14:00 Uhr, dicke Rauchwolken sehr nahe, das Feuer ist bedrohlich nahe gekommen, der Wind hat es bis auf etwa 4 km bis an die Farm herangetrieben. Schnell mache ich alles bereit für die Feuerbekämpfung. 16:30 Uhr – 21:30 Uhr ich fahre mit dem Traktor im Norden die Feuerschneise erneut ab. Rob kommt mit 6 Mann Verstärkung, doch wir entscheiden uns gegen das legen von Gegenfeuern, der Wind ist zu unberechenbar, hat jedoch abgeflacht. Bis spät in die Nacht bereite ich noch alles für den morgigen Tag der Brandbekämpfung vor.
16. Oktober, Mittagszeit, nach zig erfolglosen Anrufen habe ich endlich Uli am Telefon, er war die Ganze Nacht unterwegs und auf den Beinen. Der aktuelle Stand ist der, dass der Wind etwas gedreht hat und das Feuer jetzt parallel zur Farm läuft.
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
16. Oktober, 03:50 Uhr, ich stehe auf, fahre zum Nordzaun. Das Feuer ist wieder ein Stück näher gerückt, die Flammen sind jedoch nicht mehr so hoch und der Wind steht günstig. Reifenwechsel bevor es weitergeht, gleich 2-mal, Plattfuss am Traktor und am Wasseranhänger. Weiter fahre ich die Feuerschneisen im Norden und Westen ab.
17. Oktober, ich reise ab, leider kann ich Uli heute nicht erreichen und weis somit nun gar nicht ob es Ihm gut geht und wie die Situation wegen des Brandes ist. Hat das Feuer die Farm bereits erreicht und wenn ja, welchen Schaden hat es angerichtet, konnte das Camp und unser Hab und Gut gerettet werden? Mit einem ziemlich miesen Gefühl und einer nagenden Ungewissheit bin ich nun auf der Heimreise, in der Hoffnung dass wir vom Unglück verschont bleiben mögen.
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
17. Oktober, das Feuer bewegt sich relativ schnell in Richtung Westen, nur etwa 1-1,5 km von unserer Nordgrenze entfernt. Ich bringe alle Sachen, Fahrzeuge in Ordnung, der Rauch wird indes immer stärker. Mittagszeit, ich fahre an die Nordgrenze, das Feuer ist nun bis auf 250-300 Meter herangekommen! Schnell alles organisieren, Getränke, Sprit, Beleuchtung und etwas Proviant einpacken, Rob alarmieren und Arbeiter mobil machen denn jetzt wird es ernst! Am Nordzaun angekommen entscheide ich mich dafür, das Feuer mit den Feuerpatschen zu bekämpfen. Schnell rennen wir durch den Busch und versuchen die Spitze des Feuers zu bekämpfen. Eine schweißtreibende und harte Arbeit bei sehr heißen Temperaturen, haben wir doch gerade eh schon fast 40°C im Schatten. Anfangs kommen wir gut voran und können das Feuer über eine längere Strecke stoppen. Nach etwa 1 Stunde sieht es so aus als könnten wir es schaffen doch dann kommt plötzlich ein starker Ostwind auf und die Flammen werden von einer Sekunde auf die andere 4-5 Meter hoch. Das Feuer nimmt Geschwindigkeit auf und wir müssen schnell das Weite suchen um nicht vom Feuer eingeholt zu werden. Es bleibt uns kaum Zeit um von unserer Feuerschneise aus ein Gegenfeuer zu legen, wir schaffen es, etwa 750 Meter kontrolliert abzubrennen, als dann endlich Rob mit 6 Mann Verstärkung und Wasser ankommt. Mein Gegenfeuer ist genau richtig verlaufen und das Feuer stoppt am Nordzaun! Doch nun kommt eine neue Feuerwalze, mit durch starken Wind aufgepeitschten und bis zu etwa 15-20 Meter hohen Flammen, aus Osten auf uns zu. Um die Farm retten zu können bleibt uns nichts anderes übrig als die gesamte Ostgrenze entlang ein Gegenfeuer zu legen. 2-3 Mal springt das Feuer über die Feuerschneise auf die Farm über, doch wir schaffen es jedes Mal es zu bekämpfen bevor es sich ausbreiten kann. Wir arbeiten bis 23:00 Uhr und haben bis dann auf gut 5 km Gegenfeuer gelegt. Heute waren insgesamt 12 Leute mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt und wir hatten 2 Fahrzeuge mit insgesamt 2400 Litern Wasser zur Verfügung.
18. Oktober, 01:00 Uhr, ich falle todmüde ins Bett, seit gestern morgen habe ich nichts gegessen, dafür jedoch 12 Liter Wasser getrunken!
05:00 Uhr, ich bin schon wieder auf den Beinen, gleich geht es los, nachschauen was das Feuer macht, der Wind hat nicht gedreht und das Feuer kommt weiterhin aus Osten auf die Farm zu. Schnell organisiere ich die heutige Feuerbekämpfung und fahre mit meinen zwei Arbeitern um zu löschen. Das Feuer droht erneut auf die Farm überzugreifen, zusammen mit meinen zwei Arbeitern schaffe ich es das Feuer auf etwa 1,5 km länge zu stoppen und dies verschafft uns etwas Zeit um die Wassertanks aufzufüllen.
10:30 Uhr, Rob kommt mit Wasser und 2 Mann. Wir beginnen sofort mit dem legen von Gegenfeuern und brennen so im Laufe des Tages weitere 17 km ab um dem Feuer endlich Einhalt zu gebieten.
19. Oktober, 01:00 Uhr, endlich geschafft! Das Feuer ist gestoppt, unsere Farm und auch die anliegenden Farmen sind nun vor dem Feuer sicher. Heute waren insgesamt 9 Leute zur Brandbekämpfung im Einsatz und wir hatten zusätzlich noch 3000 Liter Wasser zur Verfügung die ein weiterer Nachbar mitgebracht hat.
Völlig erschöpft, todmüde, mit Brandblasen übersät und völlig eingeschwärzt (zwischen meinen Arbeitern und mir ist kaum noch ein Farbunterschied zu erkennen) jedoch zufrieden über den Erfolg fahren wir alle nach Hause.
19. Oktober, inzwischen habe ich von Uli erfahren, dass das Feuer unter Kontrolle ist und für die Farm keine Gefahr mehr besteht. Mit dieser guten Meldung mache ich mich von Windhoek aus auf den Heimweg. Da es schon dunkel ist als ich von der Teerstraße in Richtung Farm abbiege kann ich mir nur wage eine Vorstellung davon machen was die letzten Tage hier wohl los war. An einigen Stellen sieht man noch glimmende Baumstümpfe und der Brandgeruch ist noch recht stark. Froh darüber dass alles noch einmal gut gegangen ist komme ich endlich zu Hause an. Uli hat sich etliche dicke Blasen und Brandblasen sowie eine dicke Hornhaut eingefangen, seine Arme sind etwas „kahl“ denn das Feuer hat Ihm seine Haare versengt, doch ansonsten hat er es heil überstanden.
20. Oktober, bei Tageslicht betrachtet kann ich nur sagen „wir hatten wirklich Glück“, dieses Feuer hätte alles zerstören können. Für mich heißt es nun putzen, putzen, putzen, denn alles ist mit feinem Russstaub bedeckt und der Wind bringt ständig neuen an, hoffentlich kommt nun Bald der Regen damit das wieder besser wird.
So Leute, wir hoffen das „Jahr der Buschfeuer“ ist nun vorbei und uns bleiben weitere „Abenteuer“ dieser Art erspart.
Bis zum nächsten Lagebericht,
die Dombo´s
- - - Laut Zeitungsberichten haben die Buschfeuer 25 Menschenleben gefordert.
Der Schaden an der Natur kann nicht beziffert werden.
Die Größe der verbrannten Flächen ist nicht in Zahlen zu fassen, ebenso die Anzahl der Tiere die Opfer der Feuer wurden. - - -
Ulrich & Heike Gisela Oehl
Herzliche Grüße
Marina
ich habe gestern einen etwas anderen Newsletter der Domo Farm erhalten, den ich einfach lesenwert finde und Euch nicht vorenhalten möchte. Heike hat ihr o.k. dazu gegeben:
„Das Jahr der Buschfeuer“
Hallo Leute, eigentlich wäre Lagebericht Nr. 17, der gerade in Arbeit ist fällig, doch zu viele Ereignisse haben dieses Vorhaben bisher vereitelt und so bleibt mir aus gegebenem Anlass nur eines, einen gesonderten Bericht über die Buschfeuer zu verschicken.
Mit der Meldung: Buschfeuer vom 12. August 2010 hat alles begonnen.
Damals tobten schon seit gut einer Woche Buschfeuer in der Region um Nata, gut 200 km südöstlich von uns entfernt doch den roten Feuerschein konnten wir nachts gut sehen. Am 12. August erreichte uns dann die Meldung dass die Feuer nun auch die Nationalparks Nxai Pan und Makgadikgadi Pan erreicht haben und somit das Feuer nun nur noch gut 40 km von uns entfernt war. Da starke Winde aus der Richtung der Feuer bliesen, die Rauchwolken am Himmel immer mehr und dicker werden herrschte bei uns Alarmstufe ROT. Schnell versuchten wir noch soviel als möglich im Camp und an den Feuerschneisen zu arbeiten, um dem Feuer wenn möglich Einhalt bieten zu können.
Die Tage vergingen, die Rauchschwaden am Himmel wurden weniger und am 16. August dann die Meldung, dass das Feuer im Osten gut 20 km von uns entfernt, gestoppt werden konnte, doch es bereits neue Feuer im Südosten gab.
Ja will denn das dieses Jahr gar kein Ende nehmen!?
Nach und nach wird es ruhig was zumindest die Buschfeuer in unserer Region anbetrifft, doch überall in ganz Botswana lodern immer wieder neue Feuer.
Es ist inzwischen Anfang September und irgendwie ist eine trügerische Ruhe eingekehrt was die Buschfeuer anbetrifft und wir können nur hoffen dass es vorbei ist und uns nicht noch eine dicke Überraschung bevorsteht.
3. September, erneut liegt Brandgeruch in der Luft doch all unsere Bemühungen herauszufinden ob und wo ein Feuer ist bleiben erfolglos.
7. September, wir sind auf dem Heimweg von unserer Versorgungs/Einkaufstour in Maun und auf der Strecke fahren wir durch dicke Rauchschwaden, starker Brandgeruch erfüllt die Luft und auch roter Feuerschein ist im Süden zu erkennen. Aus der Zentralkalahari ist angefacht von starken Winden ein Feuer nun auf dem Weg gen Norden. Wir nehmen es eigentlich gelassen, denn dieses Feuer ist ja noch ein gutes Stück südlich des Boteti Flusses und der breiten Teerstraße und sollte somit für uns keine Gefahr sein.
10. September, wir haben Gäste, ein ehemaliger Kollege von Uli ist mit Frau und einem befreundeten Pärchen auf Urlaub. Morgens schon hängt Rauch und Brandgeruch in der Luft und kommt aus östlicher Richtung und wie wir in Erfahrung bringen können handelt es sich um ein sogenanntes „kontrolliertes Feuer“ um die Siedlung Puhuduhudu herum. Solche kontrollierten Feuer sollen dazu dienen eine „grasfreie Zone“ zu schaffen die ein Übergreifen eines Feuers auf die Siedlung verhindern soll, wir hoffen nur, dass alles unter Kontrolle bleibt. Immer wieder suchen wir den Horizont um uns herum nach Anzeichen für Buschfeuer ab, doch im Verlauf des Tages ist alles ruhig, außer am Abend, da steigt uns dann erneut Brandgeruch in die Nase.
14. September, zusammen mit unseren Gästen machen wir uns heute einen „faulen“ Tag, lesen, quatschen, ausruhen, …. Doch, es kommt mal wieder anders als man denkt, so gegen 11:00 Uhr entdecken wir im Süden starke Rauchschwaden die bedrohlich nahe zu sein scheinen. Schnell zum Telefon und mal hören was da los ist. Von jetzt an überschlagen sich die Ereignisse, denn bei unserem Nachbarn im Süden tobt ein heftiges Buschfeuer und er bittet um unsere Hilfe denn ständig wechselnder Wind mit starken Böen hat schon einen Teil seiner Farm niedergebrannt und nun ist das Feuer auf dem Weg zu seinem Camp. Schnell „sammle“ ich unsere Arbeiter ein, packe die Feuerklatschen und Trinkwasser ein, nehme noch einen unserer Gäste zur Hilfe mit und los geht es. Im Karacho über Stock und Stein, bloß keine Zeit verlieren während Uli mit dem anderen Gast unser Fahrzeug für die Brandbekämpfung herrichtet und den Anhänger mit Wasser lädt um dann nachzukommen. Je näher wir zu dem Brand kommen, je schweigsamer werden wir, diese Naturgewalt lässt einem schier den Atem stocken. Verzweifelt versuchen die Männer den Flammen Einhalt zu gebieten und mit sogenannten Gegenfeuern den Brand in die Knie zu zwingen, doch starke Windböen tragen brennende Grasbündel weit über die Feuerschneise hinaus und der Brand breitet sich auch auf der nächstgelegenen Farm rasend schnell aus und zieht in Richtung Westen. Als Uli dann mit dem Löschwasser ankommt fahre ich wieder zurück zur Farm um dort nach dem Rechten zu sehen. Am Abend dann sind die Flammen sogar bei uns zu sehen, doch der Wind hat erneut gedreht, steht jetzt für uns günstig und wir hoffen das Feuer kann gelöscht werden.
15. September, so wie es scheint ist das Feuer gelöscht, doch man soll den Tag nicht vor dem Abend loben, am späten Vormittag facht der Wind es wieder auf und treibt es dann zu unserem Glück weiter nach Westen ab.
Die nächsten Tage sind wir noch in erhöhter Alarmbereitschaft, doch bald schon ist klar, die Gefahr ist vorbei und wir haben wirklich Glück gehabt, denn dieses Mal war das Feuer nur noch 6 km von uns entfernt.
Oktober 2010, für mich steht ein Kurzbesuch in Deutschland und Uli ist „allein“ zu Hause.
Es ist der 12. Oktober, 02:15 Uhr als ich bei meinen Eltern ankomme, völlig übermüdet und ohne Koffer, denn der ist irgendwo unterwegs „verschütt“ gegangen. Doch egal jetzt erst ein Mal ins Bett und ausschlafen.
07:00 Uhr, das Telefon klingelt, noch nicht ganz wach nehme ich ab, unser „neuer“ Nachbar Rob meldet sich, er ist mit seiner Frage noch nicht mal ganz fertig, da bin ich auch schon hell wach! Rob fragt wie weit das Buschfeuer noch von uns entfernt sei und ob alles ok sei bei uns? Da ich wegen der langen Anreise seit vorgestern Abend keinen Kontakt mehr zu Uli hatte, habe ich natürlich keine Ahnung was da los ist. All meine Versuche Ihn zu erreichen scheitern und ich sitze nun völlig ahnungslos, hilflos und von den wildesten Schreckenszenarien geplagt in Deutschland. Ich wähle mir die Finger wund, kann Uli jedoch nicht erreichen, was ist bloß los, es wird doch nichts passiert sein!? Doch dann klingelt das Telefon, es ist Uli, endlich, Gott sei Dank, doch das was er mir mitzuteilen hat ist weniger erfreulich, es gibt erneut Buschfeuer in unserer Gegend. Uli sagt aber das das Feuer noch sehr weit weg ist und keine Gefahr für uns, ok, dann bin ich ja „beruhigt“
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
11. Oktober, sehr weit nördlich von uns ist ein Buschbrand auszumachen, der Wind steht jedoch günstig für uns.
12. Oktober, der Himmel wieder sehr „dunstig“, roter Feuerschein jedoch nur bei Nacht zu sehen, kein direkter Rauch in Sicht.
13. Oktober, heute gab es einen Ascheregen, das Feuer im Norden brennt immer noch.
14. Oktober, Rob meldet, dass eine ca. 25 km breite Feuerwand aus nordöstlicher Richtung auf die Farm zukommt doch noch gut 40 km entfernt ist. Der Wind ist jedoch wieder unberechenbar, stark wechselhaft.
15. Oktober, Uli versucht mich so gut als möglich auf dem laufenden zu halten was das Buschfeuer anbetrifft, doch ehrlich, ich bin ziemlich beunruhigt, denn unsere zwei Arbeiter sind in einer „Notsituation“ bestimmt nicht diejenigen die richtig zu handeln wissen. Uli ist nachts mit dem Traktor unterwegs um die Feuerschneisen noch besser frei zu machen und wo immer möglich auch noch zu verbreitern. Ich bin sehr beunruhigt und würde am liebsten so schnell als möglich nach Hause reisen, doch das geht leider nicht und ich muss nun halt hier der Dinge harren die da kommen. Am Mittag meldet sich Uli und meint es sehe nicht so rosig aus. Am Abend dann die Meldung das Feuer sei jetzt sehr nahe und könnte heute Nacht schon auf die Farm übergreifen doch mit etwas Glück und der Hilfe der Nachbarn könnte das Camp gerettet werden, doch inwieweit es sonst Schaden auf der Farm anrichten wird bleibt abzuwarten. So ein Mist, das hat uns gerade noch gefehlt.
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
15. Oktober, 14:00 Uhr, dicke Rauchwolken sehr nahe, das Feuer ist bedrohlich nahe gekommen, der Wind hat es bis auf etwa 4 km bis an die Farm herangetrieben. Schnell mache ich alles bereit für die Feuerbekämpfung. 16:30 Uhr – 21:30 Uhr ich fahre mit dem Traktor im Norden die Feuerschneise erneut ab. Rob kommt mit 6 Mann Verstärkung, doch wir entscheiden uns gegen das legen von Gegenfeuern, der Wind ist zu unberechenbar, hat jedoch abgeflacht. Bis spät in die Nacht bereite ich noch alles für den morgigen Tag der Brandbekämpfung vor.
16. Oktober, Mittagszeit, nach zig erfolglosen Anrufen habe ich endlich Uli am Telefon, er war die Ganze Nacht unterwegs und auf den Beinen. Der aktuelle Stand ist der, dass der Wind etwas gedreht hat und das Feuer jetzt parallel zur Farm läuft.
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
16. Oktober, 03:50 Uhr, ich stehe auf, fahre zum Nordzaun. Das Feuer ist wieder ein Stück näher gerückt, die Flammen sind jedoch nicht mehr so hoch und der Wind steht günstig. Reifenwechsel bevor es weitergeht, gleich 2-mal, Plattfuss am Traktor und am Wasseranhänger. Weiter fahre ich die Feuerschneisen im Norden und Westen ab.
17. Oktober, ich reise ab, leider kann ich Uli heute nicht erreichen und weis somit nun gar nicht ob es Ihm gut geht und wie die Situation wegen des Brandes ist. Hat das Feuer die Farm bereits erreicht und wenn ja, welchen Schaden hat es angerichtet, konnte das Camp und unser Hab und Gut gerettet werden? Mit einem ziemlich miesen Gefühl und einer nagenden Ungewissheit bin ich nun auf der Heimreise, in der Hoffnung dass wir vom Unglück verschont bleiben mögen.
Aus Uli´s Tagebuchaufzeichnungen:
17. Oktober, das Feuer bewegt sich relativ schnell in Richtung Westen, nur etwa 1-1,5 km von unserer Nordgrenze entfernt. Ich bringe alle Sachen, Fahrzeuge in Ordnung, der Rauch wird indes immer stärker. Mittagszeit, ich fahre an die Nordgrenze, das Feuer ist nun bis auf 250-300 Meter herangekommen! Schnell alles organisieren, Getränke, Sprit, Beleuchtung und etwas Proviant einpacken, Rob alarmieren und Arbeiter mobil machen denn jetzt wird es ernst! Am Nordzaun angekommen entscheide ich mich dafür, das Feuer mit den Feuerpatschen zu bekämpfen. Schnell rennen wir durch den Busch und versuchen die Spitze des Feuers zu bekämpfen. Eine schweißtreibende und harte Arbeit bei sehr heißen Temperaturen, haben wir doch gerade eh schon fast 40°C im Schatten. Anfangs kommen wir gut voran und können das Feuer über eine längere Strecke stoppen. Nach etwa 1 Stunde sieht es so aus als könnten wir es schaffen doch dann kommt plötzlich ein starker Ostwind auf und die Flammen werden von einer Sekunde auf die andere 4-5 Meter hoch. Das Feuer nimmt Geschwindigkeit auf und wir müssen schnell das Weite suchen um nicht vom Feuer eingeholt zu werden. Es bleibt uns kaum Zeit um von unserer Feuerschneise aus ein Gegenfeuer zu legen, wir schaffen es, etwa 750 Meter kontrolliert abzubrennen, als dann endlich Rob mit 6 Mann Verstärkung und Wasser ankommt. Mein Gegenfeuer ist genau richtig verlaufen und das Feuer stoppt am Nordzaun! Doch nun kommt eine neue Feuerwalze, mit durch starken Wind aufgepeitschten und bis zu etwa 15-20 Meter hohen Flammen, aus Osten auf uns zu. Um die Farm retten zu können bleibt uns nichts anderes übrig als die gesamte Ostgrenze entlang ein Gegenfeuer zu legen. 2-3 Mal springt das Feuer über die Feuerschneise auf die Farm über, doch wir schaffen es jedes Mal es zu bekämpfen bevor es sich ausbreiten kann. Wir arbeiten bis 23:00 Uhr und haben bis dann auf gut 5 km Gegenfeuer gelegt. Heute waren insgesamt 12 Leute mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt und wir hatten 2 Fahrzeuge mit insgesamt 2400 Litern Wasser zur Verfügung.
18. Oktober, 01:00 Uhr, ich falle todmüde ins Bett, seit gestern morgen habe ich nichts gegessen, dafür jedoch 12 Liter Wasser getrunken!
05:00 Uhr, ich bin schon wieder auf den Beinen, gleich geht es los, nachschauen was das Feuer macht, der Wind hat nicht gedreht und das Feuer kommt weiterhin aus Osten auf die Farm zu. Schnell organisiere ich die heutige Feuerbekämpfung und fahre mit meinen zwei Arbeitern um zu löschen. Das Feuer droht erneut auf die Farm überzugreifen, zusammen mit meinen zwei Arbeitern schaffe ich es das Feuer auf etwa 1,5 km länge zu stoppen und dies verschafft uns etwas Zeit um die Wassertanks aufzufüllen.
10:30 Uhr, Rob kommt mit Wasser und 2 Mann. Wir beginnen sofort mit dem legen von Gegenfeuern und brennen so im Laufe des Tages weitere 17 km ab um dem Feuer endlich Einhalt zu gebieten.
19. Oktober, 01:00 Uhr, endlich geschafft! Das Feuer ist gestoppt, unsere Farm und auch die anliegenden Farmen sind nun vor dem Feuer sicher. Heute waren insgesamt 9 Leute zur Brandbekämpfung im Einsatz und wir hatten zusätzlich noch 3000 Liter Wasser zur Verfügung die ein weiterer Nachbar mitgebracht hat.
Völlig erschöpft, todmüde, mit Brandblasen übersät und völlig eingeschwärzt (zwischen meinen Arbeitern und mir ist kaum noch ein Farbunterschied zu erkennen) jedoch zufrieden über den Erfolg fahren wir alle nach Hause.
19. Oktober, inzwischen habe ich von Uli erfahren, dass das Feuer unter Kontrolle ist und für die Farm keine Gefahr mehr besteht. Mit dieser guten Meldung mache ich mich von Windhoek aus auf den Heimweg. Da es schon dunkel ist als ich von der Teerstraße in Richtung Farm abbiege kann ich mir nur wage eine Vorstellung davon machen was die letzten Tage hier wohl los war. An einigen Stellen sieht man noch glimmende Baumstümpfe und der Brandgeruch ist noch recht stark. Froh darüber dass alles noch einmal gut gegangen ist komme ich endlich zu Hause an. Uli hat sich etliche dicke Blasen und Brandblasen sowie eine dicke Hornhaut eingefangen, seine Arme sind etwas „kahl“ denn das Feuer hat Ihm seine Haare versengt, doch ansonsten hat er es heil überstanden.
20. Oktober, bei Tageslicht betrachtet kann ich nur sagen „wir hatten wirklich Glück“, dieses Feuer hätte alles zerstören können. Für mich heißt es nun putzen, putzen, putzen, denn alles ist mit feinem Russstaub bedeckt und der Wind bringt ständig neuen an, hoffentlich kommt nun Bald der Regen damit das wieder besser wird.
So Leute, wir hoffen das „Jahr der Buschfeuer“ ist nun vorbei und uns bleiben weitere „Abenteuer“ dieser Art erspart.
Bis zum nächsten Lagebericht,
die Dombo´s
- - - Laut Zeitungsberichten haben die Buschfeuer 25 Menschenleben gefordert.
Der Schaden an der Natur kann nicht beziffert werden.
Die Größe der verbrannten Flächen ist nicht in Zahlen zu fassen, ebenso die Anzahl der Tiere die Opfer der Feuer wurden. - - -
Ulrich & Heike Gisela Oehl
Herzliche Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit
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