Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #1
Nachdem wir so viele Tipps aus dem Forum bekommen haben, möchten wir uns gerne mit einem Reisebericht revanchieren (... auch wenn für mich Laien das Hochladen der Bilder zur Geduldsprobe wird ...)
1. und 2. Tag
Nach 12-monatigem Vorlauf sitzen wir (Petra und Ralf) am Frankfurter Flughafen. Eine 4-tägige Schnupperreise durch Namibia 2008 warf die Frage auf, ob es nicht doch möglich sei, als Selbstfahrer dieses Land zu bereisen. Aber ich mit meiner Schlangenphobie … Schlaflose Nächte später fiel die Entscheidung – wir machen es. Für unser Sicherheitsempfinden buchen wir die Reise komplett über einen deutschen Reiseveranstalter. Mit etwas Verspätung (technisches Problem – was auch immer es heißen mag) startet Air Namibia Richtung Süden und liefert uns in den frühen Morgenstunden bei 8 Grad plus wohlbehalten am Flughafen Hosea Kutako ab.
Einreiseformular ist ausgefüllt, beide Koffer kommen über das Rollband gefahren (große Freude, beim letzten Air Namibia Flug blieb ein Koffer auf Nimmerwiedersehen verschwunden), Zoll, schon stehen wir in der Ankunftshalle. Geldtausch ist problemlos, Kauf der Prepaidhandykarte gegenüber dem Budget-Schalter auch, am Schalter vom Vermieter stehen wir etwas an. Tja, die afrikanische Gelassenheit, an die werden wir uns gewöhnen - und an die Papierberge, die immer wieder ausgefüllt werden (müssen). Ein netter Angestellter bringt uns zum Auto, einen goldenen Nissan X-Trail, 15.000 km. Dank der Hinweise im Forum schauen wir uns das Auto genau an, lassen uns den 2. Ersatzreifen bringen, sehen nach dem Werkzeug … und bekommen erstmalig bei einem Mietwagen gutes Kartenmaterial mit auf den Weg. Inzwischen kaufe ich noch zwei Wasserflaschen am Flughafen, denn wir wollen natürlich nicht nach Windhoek zum Einkaufen fahren …
Um 7.20 Uhr starten wir Richtung Dordabis und sehen auch schon die ersten Tiere. Weiter über die Staubpiste Richtung Garib. Die Weberei Ilbenstein hatte am frühen Sonntagvormittag noch geschlossen, schade, da hätte ich Frauchen schon das erste namibische Geld gelassen. Weiter auf der Gravelpad, wir sehen für uns außergewöhnliche Flugobjekte. Aufgrund des vor zwei Jahren erworbenen Etosha-Bildbandes identifizieren wir sie als Ohrengeier.
In Rehoboth wollen wir einkaufen. Wir parken am Woermann Supermarkt. Sofort werden wir von einem Jungen angesprochen, der auf unser Auto aufpassen will. Außerdem hat er Hunger, ob wir ihm nicht Butter mitbringen könnten? Uns ist das erst mal alles suspekt, vollgepacktes Auto, so viele schwarze Menschen … Wir kaufen ein, auch die gewünschte Butter, und fahren weiter zu unserer ersten Übernachtung, dem Lake Oanob Resort. Leider ist das Zimmer noch nicht fertig, wir müssen warten. Die Sonne brennt vom Himmel, das Thermometer klettert nach oben – eigentlich sollte doch jetzt hier Ende Winter Anfang Frühjahr mit angenehmen 25 Grad sein?!? Wir bekommen Zimmer Nr. 3 im Haus Zasu und fühlen uns verzaubert.
Wunderschönes Zimmer mit Ventilator, gut gefüllter Minibar, Wasserkocher mit Tee und Kaffee, Bett mit Moskitonetz, Bad mit wunderschönen Fliesen, Terrasse mit Blick auf den Stausee und Baumratten. Das Wasser im See ist zu kalt zum Baden, so begeben wir uns auf das Game Hiking. Zu Fuß dürfen wir das Gelände erkunden (natürlich mit Wanderschuhen, langen Hosen und Stöcken wegen meiner Schlangenphobie …) und sehen an unserem ersten Tag in Namibia Giraffen und Zebras aus nächster Nähe, sowie Springböcke, Strauße, Nyalas. Große Begeisterung. Wir sind alleine in unserem Haus, die anderen Zimmer sind nicht besetzt. Zum Abendessen in das Restaurant laufen wir, wir werden zuvorkommend bedient und sitzen auch schön, doch das Essen selbst begeistert uns nicht. Vielleicht hatte auch nur der Koch einen schlechten Tag. Auf dem Rückweg zum Zimmer mit Hilfe der Taschenlampe bestaunen wir den Sternenhimmel.
Übernachtung: Lake Oanob Resort, sehr empfehlenswert als erste Übernachtung nach der morgendlichen Landung. Tageskilometer: 196
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #2
3. Tag
6.15 Uhr, wir wachen auf. Wir kochen uns einen Tee und setzen uns warm eingepackt auf die Terrasse vor unser Zimmer. Wir hören – Nichts!! Keinen Verkehrslärm, keine menschlichen Geräusche. Wir sehen einem Pelikan zu und genießen.
Wir packen unsere Sachen zusammen und fahren zum Frühstück. Wir sitzen alleine auf der Seeterrasse und können unser Glück, endlich hier zu sein, noch gar nicht so richtig fassen. Heute ist Montag, so fahren wir nochmals in den Supermarkt nach Rehoboth, denn gestern gab es keinen Alkohol zu kaufen. Und ohne leckeren Rotwein am Abend können wir doch den Urlaub nicht genießen … An der zweiten Tankstelle gibt es das gewünschte Benzin, an einem Stand werden Schildkappen mit Namibia-Aufdruck verkauft.
Auf der Weiterfahrt bekommt mein Mann Ralf einen großen Schreck. Frauchen macht ihre Drohung war und will nun tatsächlich Auto fahren. Tapfer übersteht er meine Fahrversuche, meine Suche nach der Gangschaltung. Und auch das erste entgegen kommende Auto … In Deutschland fahre ich ungern Auto, aber in Namibia bereitet mir das Fahren große Freude (meinem Beifahrer weniger, er fährt für sein Leben gerne Auto und neidet mir jeden Kilometer den ich fahre). Unser Tagesziel ist das Desert Camp bei Soussusvlei, so fahren wir über den Remhoogte Pass. Wobei Pass in unserem Sinne fälschlich zu verstehen ist. Wir fahren über eine Hochebene und irgendwann geht es bergab. Unterwegs sehen wir Baboons, aber bis wir den Fotoapparat gezückt haben, sind sie schon verschwunden. Gegen 14.30 Uhr kommen wir im Desert Camp an und bewohnen Zelt Nr. 3. Wir mieten uns eine Geschirrkiste, denn für abends haben wir Braai von zu Hause aus bestellt. Wir wollen noch in den Park einfahren, aber am Permit-Schalter rät man uns ab, es sei schon zu spät (Winterzeit, 17.30 Uhr wird geschlossen), wir bestehen aber auf unser Permit. Wir fahren mit dem Ziel in den Park, die Elim-Düne zu sehen. Wir brausen an der Abfahrt vorbei, ebenso am Aussichtspunkt. Beide Punkte finden wir erst auf dem Rückweg, Schilder wären hier schon hilfreich. So fahren wir durch das Trockenrivier und sehen Oryxe. Große Freude, wir dachten, dass es ein Glücksfall wäre, diese Tiere in Soussusvlei zu sehen. Wir brausen bis zur Düne 45 und steigen auch hinauf, welch ein erhebendes Gefühl. Die Sonne zaubert schon rote Farben, wir genießen die Sicht.
Pünktlich verlassen wir den Park und freuen uns auf das bestellte Braai. Ralf grillt sehr gerne, für ihn ist es einer der Urlaubshöhepunkte hier anzufeuern. Die Begleitmusik zum Braai liefern die Lärmgeckos. Das Essen ist köstlich und frisch gestärkt sinken wir in die Betten.
In der Nacht kruschelt es vor unserem Zelt, irgendetwas weckt uns auf. Ralf sieht nach, ein Schakal schaut sich unseren Mülleimer an. Ralf wuchtet einen Stein auf den Deckel, den Rest der kurzen Nacht herrscht Ruhe.
Übernachtung: Desert Camp, für uns die ideale Unterkunft, um Soussusvlei zu besuchen. Tageskilometer: 265 km bis Desert Camp, 110 km in Soussusvlei
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #3
4. Tag
Um 4.45 Uhr sind wir ohne Wecker aufgestanden. Wir richten die Rucksäcke für den Tag und fahren zum Eingangstor. Um 6.15 Uhr sollte der große Moment sein, die Tore sollten sich öffnen. Wir stehen als 5. Auto in der Reihe.
Ich schnattere, warum habe ich heute früh nicht meinen Winteranorak angezogen? Der magische Moment ist da, die Autos rollen hinein – und – die vier Autos vor uns benötigen noch ein Permit und wir haben unseres schon!!!! Wir freuen uns wie die Schneekönige und fahren als erstes Auto von außerhalb in den Park. Zwei Heißluftballons steigen auf, nehmen aber Kurs auf das Gebirge und nicht auf die Dünen.
Kurze Fotostopps (so viele Menschen schon auf Düne 45 …), dann fahren wir zum 2 x 4 Parkplatz.
Deutsch gedacht, afrikanisch behandelt – wir müssen nicht warten bis ein Shuttle voll ist, sondern wir Zwei werden durch den Sand zum Parkplatz Dead Vlei geschaukelt.
Unser Fahrer hat sichtlich Freude. Am Parkplatz angekommen, fragt er, was wir machen wollen. Kleine Ratlosigkeit, aber ich entscheide mich, die große Düne Big Daddy zu besteigen. Wir bekommen den Weg gezeigt, erklimmen eine Vordüne und schauen ins Dead Vlei hinein. Das ist ja riesig, nur im vorderen Teil stehen die abgestorbenen Bäume. Mit Hilfe der Wanderstöcke lässt sich die Düne gut besteigen, nur die Querung zur Big Daddy Düne ist so richtig fies. Es geht steil nach oben (und wir rutschen auch immer wieder zurück …). Ralf ist von meiner Idee, ganz nach oben zu steigen, nicht begeistert, folgt aber dann doch in seinem eigenen Rhythmus.
Und die Aussicht ist grandios. Mittlerweile ist mir auch absolut nicht mehr kalt, die Sonne steht am Himmel und schickt Wärme. Der Abstieg von der Düne ist kurz und heftig, nach einer Empfehlung eines Guide laufen/stapfen wir die steile Strecke direkt hinunter ins Dead Vlei.
Unten angekommen müssen erst die Schuhe entleert werden, hat sich doch so einiges an rotem Sand angesammelt. Wir schauen uns die toten Bäume an, wunderbare Farben. Am Parkplatz angekommen sammelt uns unser Fahrer wieder auf, fährt noch auf unseren Wunsch zum Parkplatz Soussusvlei, sammelt dort noch ein südkoreanisches Ehepaar mit Guide ein und fährt uns fröhlich durch die Tiefsandpad zurück zum Parkplatz. Wir fahren zum Desert Camp zurück und freuen uns auf den Pool. Aber nur solange, bis wir die Zehenspitze ins erfrischende Wasser getaucht haben …
Trotzdem, einmal müssen wir hinein, Ralf hält ein kurzes Mittagsschläfchen, dann geht es zum Sesriem Canyon. Am Einstieg nehmen wir erst mal die falsche Richtung, aber schließlich finden wir die Treppen. Der Canyon selbst ist sehenswert, vor allen Dingen sind wir überrascht, dass tatsächlich noch Wasserpfützen zu sehen sind.
Anschl. fahren wir in den Park mit dem Hinweis, nur noch zur Elim-Düne zu wollen. Die liegt wirklich herrlich da. Im Reiseführer werden die Lebewesen der Dünen beschrieben, unter anderem auch Spuren der Sandviper. Ralf glaubt Spuren zu erkennen, ich vertraue auf Wanderschuhe, lange Hosen und Stöcke und genieße die Sonne. Zum Sundowner brausen dann noch 3 Wagen heran und laden ihre menschliche Fracht aus.
Auch heute sehen wir wieder Oryxe, Strauße und Springböcke. Das Abendessen haben wir aufgrund der kulinarischen Empfehlungen des Forums in der Soussusvlei Lodge bestellt. Nur ganz kurz – wir sind kurz vor dem Platzen am Ende des Abends. Die Auswahl ist gigantisch, das Desertbuffet endlos – so lecker haben wir selten zu Abend gegessen. Und im Shop gibt es eine Heino CD zu kaufen …
Übernachtung: Desert Camp, ohne nächtliche Zwischenfälle. Tageskilometer: 160
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #4
5. Tag
Wieder früh aufgewacht, „Frühstück“ auf der Terrasse, welches allerdings von zu vielen Vögeln begleitet wurde.
Den Nature Trail vom Desert Camp gelaufen, dabei sehen wir zwei Schakale. Unser heutiges Tagesziel ist die Spreetshoogte Guest Farm unterhalb des Passes. So fahren wir Richtung Solitaire und auch an Solitaire vorbei … Wir drehen, gehen als erstes in die Bäckerei und laben uns an Apfelkuchen und Kaffee, begleitet von vielen Vögeln …
Wir schauen noch in den Shop und freuen uns, dass ab heute Frühling ist.
Am Camp Gecko halten wir an, da hatte ich doch im Forum etwas von handgearbeiteten Messern gelesen. Wir werden nett begrüßt und eingeladen, die Herstellung der Messer zu begutachten. Hier höre ich auch schon so manches von Schlangen und „bewundere“ aus der Ferne die Häute zweier Puffottern …
Den Spreetshoogte Pass fahren wir noch hinauf.
Schöne Straße, an den schwierigen (steilen) Stellen gepflastert. Die Sicht von oben könnte besser sein, es ist recht diesig. Später erfahren wir, dass es in Botswana, im Caprivi und in Angola brennt, deshalb die schlechte Sicht. Von der Spreetshoogte Guest Farm sind wir etwas irritiert. Das Zimmer ist zweckmäßig, der Aufenthaltsraum auch, der Pool aufgrund eines Sandsturmes nicht nutzbar. Aber Lizelle, unsere Gastgeberin, macht alles wieder wett. Sie begrüßt uns freundlich, kocht uns Kaffee und stellt uns die Möglichkeiten der Beschäftigung vor. Zum Sundowner steigen wir auf einen nahen Hügel. Die große Herausforderung ist, durch eine Kuhherde zu laufen. Sind die Tiere groß und was haben sie für spitze Hörner … und laufen uns dann auch noch nach. Puh!
Das 3-Gang-Dinner, wir sind die einzigsten Gäste, ist ein Gedicht. Es gibt Bobotie.
Nachdem Abendessen verabschiedet sich Lizelle, um zur 3,5 km entfernten Farm zum Schlafen zu fahren. Der Generator wird ausgeschaltet, es gibt nur noch Kerzenlicht. Und wir sind alleine im Haus, in der Natur, in Namibia und fürchten uns schon ein bisschen. Zur Sicherheit haben wir Lizelles Handynummer, aber wir „überleben“ diese Nacht.
Übernachtung: Spreetshoogte Guest Farm, einfache aber sehr herzliche und kulinarisch hochwertige Übernachtung. Tageskilometer: 145
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #5
6. Tag
Gegen 6 Uhr stehen wir auf, vor dem Haus stehen Steinböcke. Welch netter Anblick. Lizelle kommt und bereitet das Frühstück mit frischen Muffins zu.
Gut gestärkt kann die Fahrt zum „Private Canyon“ starten. Unterwegs schaut sie nach einer Wasserleitung, diese ist defekt. Ralf repariert.
Nach 15 km holpriger Fahrt haben wir das Ziel erreicht. Wir „dürfen“ loslaufen, 1 ½ Stunden, dann den gleichen Weg wieder zurück, sie würde auf uns warten. Wenn wir nach 3 Std. nicht wieder zurück wären, liefe sie uns entgegen. Also gehen wir los und werden mit dem Anblick von Bergzebras belohnt.
Auch blühen für die Gärtnerin schon ein paar Blümelein, die mein Göttergatte alle mit seiner tollen Kamera ablichten darf.
Zurück zum Guesthouse, Pause, dann fahren wir Richtung Spreetshoogte Pass zur wunderschön gelegenen Campingstelle. Von dort aus ist ein Wanderweg gekennzeichnet (bei 30 Grad im Schatten, Ralf ist leicht ob meiner Wanderwut verzweifelt).
Abends brechen wir zu unserem ersten organisierten Sundowner auf. Vorher zeigt uns der Farmer noch die Elands, stattliche Tiere.
Am Sundowner-Platz angekommen, können wir nur noch staunen. Wir haben eine 360 Grad Sicht auf die umliegenden Berge, wir sehen keinerlei Anzeichen von Zivilisation und genießen den Sonnenuntergang.
Das anschließende Dinner von Lizelle lässt keine Wünsche offen. Krautsalat mit Rosinen hatten wir bisher noch nie gegessen, schmeckte aber sehr gut.
Tageskilometer: 20
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #6
7. Tag
Es heißt Abschied nehmen. Das Tagesziel ist Swakopmund. Wir queren den Gaub Canyon, halten am Kuiseb Pass und besichtigen die Wohnhöhle der beiden deutschen Geologen, die während des 2. Weltkrieges 2 Jahre in dieser Gegend „über“lebten. Von einem Aussichtspunkt in der Nähe der Wohnhöhle sehen wir einige Bergzebras.
Wir fahren weiter zur Blutkuppe. Zu unserem leichten Erschrecken ist die Straße vor der C 28 als 4 x 4 Strecke ausgeschildert, aber alles geht gut. Wir sehen sehr viele Strauße, ganze Herden sind unterwegs. Natürlich sind auch wieder Springböcke zu sehen, die gehören zum täglichen Straßenleben dazu. Oryxe sind auch zu sehen. Vielen Dank für den Tipp aus dem Forum, diese Strecke zu befahren. An der Blutkuppe angekommen, finden wir auch den Rastplatz, von welchem aus der Berg zu besteigen ist. Zuerst aber amüsieren wir uns über die Perlhühner und rasten. Wir versuchen einfach so auf die Blutkuppe zu steigen, doch mich verlässt schnell der Mut, da die oberste Felsenschicht schnell wegsplittert und es auch ganz schön steil ist. So fahren wir weiter, sehen aber beim Verlassen des Rastplatzes einen Trampelpfad, der wohl bequemer auf den Berg geführt hätte. Naja, das nächste Mal halt. In der Nähe der Blutkuppe steht dieser wunderschöne Köcherbaum.
Da wir ein Permit haben, biegen wir vor Swakopmund in den Welwitschia Drive ein und schauen uns auch die Mondlandschaft an. Etwas irritiert bemerken wir eine Pipeline und fragen uns nach dem Sinn und Zweck. Dies wird am nächsten Tag beantwortet: Die Pipeline bringt Wasser zu den Uranminen. Am Anfang hatten die Strauße Probleme mit der Pipeline, da sie sich nicht trauten, diese zu überqueren. So wurden Rampen gebaut, damit die Tiere auf die andere Seite konnten. An der Blutkuppe hatten wir 36 Grad, über Swakopmund sehen wir eine Nebelwand. Je näher wir der Stadt kommen, desto mehr fällt das Thermometer. Endpunkt: 16 Grad.
Wir schnattern. Im Alternative Space werden wir herzlich von Sibylle begrüßt, sie in langen Hosen und Pullover, wir sommerlich angezogen, was wir aber schnell ändern. Die Architektur ist außergewöhnlich, die Zimmereinrichtung mit beheizbaren Betten sehr ansprechend, der Hit für uns ist der Aufenthaltsraum mit brennendem Kamin am Abend.
Zuerst aber bummeln wir durch die Stadt, kaufen ein, bestaunen die deutsche Buchhandlung.
Wir wollen in „Erichs Restaurant“ essen, aber es gibt keinen freien Platz, so landen wir in der „Kupferpfanne“. Auch sehr angenehm. Der Abend klingt mit einem nettem Gläschen Rotwein am Kamin aus.
Übernachtung: Alternative Space am Stadtrand von Swakopmund. Wunderbar, etwas exotische Unterkunft, die wir immer wieder aufsuchen würden. Tageskilometer: 340
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #7
8. Tag
Frenus hat das Frühstück schon vorbereitet. Im Alternative Space ist der Frühstücksraum eingedeckt, in der Küche gibt es eine große Auswahl an morgendlichen Getränken, die man sich selbst zubereitet. Auf dem Herd steht die Pfanne, wer möchte, kann sich Eier braten. Wir haben aber nicht viel Zeit, denn schließlich erwartet uns Jeanne um 7.45 Uhr in Walvis Bay. Auf der Fahrt dorthin sehen wir schon die ersten Delphine.
Mit dem Landrover werden wir zum Pelican Point gebracht. Jeanne erklärt die vielen Vogelarten, auch die Funktion der Salzbecken. Am Zielpunkt angekommen, bekommen wir warme Fleecejacken und Regenjacken, sowie Wasserschuhe. Schwimmweste und Spritzschutz angezogen, vorher die provisorische Sand-„Toilette“ aufgesucht. Wir werden ins Kanu gepackt und ins Wasser geschoben.
Als erstes paddeln wir zu den Delphinen. Leider kann man nichts im Wasser sehen, so dass es immer wieder überraschend ist, wo die nächsten Delphine auftauchen. Wir haben unseren Spaß! Weiter paddeln wir zur Robbenkolonie. Diese Tiere sind besser zu sehen, sie spielen und springen neben unserem Kanu, legen sich auf den Rücken und wedeln mit ihren Flossen.
Nach ca. 2 Stunden kehren wir zurück und bekommen heißen Tee/Kaffee und belegte Brötchen. In der Nähe landet ein Pelikan.
Auf meine Frage, ob es in diesem September auch Wale gebe, weist der Kayakführer hinaus aufs Meer. Tatsächlich da schwimmen 2 Wale in der Bucht. Unglaublich, die Fotoapparate laufen heiß.
Ralf und ich werden von Jürgen von Mola Mola aufgenommen, denn wir haben auch die Sandwich Harbour Tour gebucht. Mit zwei jungen italienischen Studenten, die zur Zeit in Angola studieren, sitzen wir im Landrover. Da die Flut noch zu hoch ist, beginnt zuerst die Fahrt über die Dünen. Die Sonne ist mittlerweile hervorgekommen. Jürgen sagt, es ist wie Achterbahnfahren. Ganz so ernst habe ich ihn wohl nicht genommen, er fährt auf eine Düne und sehr steil auf der anderen Seite wieder herunter, was mir einen spitzen Schrei entlockt.
Zur allgemeinen Entspannung wird in der Wüste der Lunch-Tisch gedeckt. Für unser Empfinden – Luxus pur.
Nun können wir zum Sandwich Harbour starten, die Ebbe hat eingesetzt. Alleine hätten wir uns diese Tour auf gar keinen Fall zugetraut. Am Harbour angekommen, dürfen wir die dahinter liegende Düne erklimmen. Die Sicht von oben ist traumhaft.
Gegen 16.30 Uhr kommen wir wieder nach Walvis Bay zurück und wollen uns im Café Probst stärken. Doch es war Samstagnachmittag, alles ist geschlossen, der Ort wirkt wie ausgestorben. Wir kaufen im Spar in Swakopmund ein deutsches Abendessen ein und lassen den Tag am brennenden Kamin ausklingen.
Tageskilometer: 85
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200926. Sept. 2010 · #8
9. Tag
Heute Nacht wird die Zeit umgestellt, die Sommerzeit ist nun aktiv. Angenehmer für uns Touristen, jetzt geht die Sonne erst um 19 Uhr unter. Wir genießen noch einmal das gute Frühstück, das nette Gespräch mit deutschen Touristen aus unserer heimischen „Nachbarschaft“, und starten zur Jetty. Endlich mal kein Nebel, es ist etwas zu sehen.
Die Fahrstrecke ist heute recht lang, so starten wir Richtung Henties Bay. Die Temperatur hat wieder unerschrocken 16 Grad erreicht. Ist das kalt!!! Unterwegs sehen wir ein Schiffswrack, ein paar Edelsteinverkäufer am Strand erklären uns den Strandungsgrund.
Doch wir wollen weiter zum Cape Cross. Dort erwartet uns eine große Robbenkolonie. Über eine Stunde schauen wir den Tieren zu, der angekündigte Gestank ist zu ertragen.
Wir fahren nach Henties Bay zurück und biegen auf die C 1918 ein. Je weiter weg wir vom Atlantik kommen, desto besser wird das Wetter. Wir begrüßen die Sonne und die steigenden Temperaturen. Den ersten Berg, der in Sicht kommt, betitele ich als Spitzkoppe – nun die kommt erst später in Sicht. Wir hören einen deutschen Radiosender, der über die Probleme von Alleinerziehenden berichtet. Auch gut … Vor der Spitzkoppe halten wir bei den Edelsteinverkäufern, auch hier taucht die Frage nach Essen auf.
Quer durch das Damaraland fahren wir am Rande des Erongo vorbei und sehen auf der D 2315 das erste Verkehrsschild, dass auf Elefanten verweist. Doch so sehr wir auch schauen, es ist keiner in Sicht.
Endlich erreichen wir den Abzweig zur Gästefarm Eileen (auf der Reise Know How Karte nicht richtig eingezeichnet). Noch 7 km Gravelfarmpad, die mit aufmunternden Hinweisen versehen ist, haben wir unser Tagesziel erreicht und werden herzlich mit einem Kaffee begrüßt. Der Abend endet mit einem Braai.
Übernachtung: Farm Eileen, nettes Zimmer, schöne Gartenanlage mit Swimmingpool, leckeres Essen (nette Einrichtung eines Nachmittagskaffees), sehr herzliche Atmosphäre
Tageskilometer: 303
So, Fortsetzung folgt in den nächsten Tagen. Gute Nacht!
Petra
Topobär5'479 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #9
Sehr schöner Bericht.
Ich bewundere Deinen Fleiss. Ich bin froh, wenn ich es schaffe, einen Urlaubstag pro Woche zu schreiben.
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #10
Und weiter gehts ... Die Tagesberichte sind fertig, nur das Einfügen der Bilder dauert so seine Zeit ...
10. Tag
Heute frühstücken wir spät, erst um 8.30 Uhr.
Gleich danach lädt uns Herr van Alphen zur Farmrundfahrt ein. Wir lernen viel über die Botanik, Tierhaltung, Bohren von Wasserquellen und dürfen „wünscheln“. Den Nachmittag verbringen wir so richtig urlaubsmäßig am Swimmingpool (auch kaltes Wasser) und auf den Sonnenliegen. 15.30 Uhr wird der Nachmittagskaffee serviert, dann bereiten wir uns auf den Sundowner auf dem nahe gelegenen Plateau vor (… doch vorher gibt es noch diesen netten kleinen Wanderweg …).
Tageskilometer: -
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #11
11. Tag
Das heutige Tagesziel heißt Camp Xaragu in der Nähe von Twyfelfontein. In der Nähe der Farm Eileen gibt es ein Living Museum der San. Dies zu besuchen wurde uns sehr empfohlen. Auf dem Weg dorthin queren Steinböcke, Springböcke, Oryxe und endlich auch mal Warzenschweine unseren Weg. Die San zeigen uns Buschmannzeichnungen, ihre Jagdart und – für uns ein Highlight – das Anzünden des Feuers.
Im „Dorf“ führen sie den Giraffen- und Bienentanz auf. Der Bienentanz klappt noch nicht so recht, was zur allgemeinen Erheiterung bei Akteuren und Zuschauern führt.
In Uis war Tanken angesagt.
Das Einkaufen im Lebensmittelmarkt war lästig, da die Autoaufpasser auch „Food“ fordern. Im Café am Rand von Uis stärken wir uns in Ruhe, netterweise wird unser Auto geputzt.
Die D 2319 bringt uns nach Sorris Sorris, weiter über die D 2612 Richtung Twyfelfontein. Dies haben wir vor zwei Jahren besucht, deshalb lassen wir es „links“ liegen und fahren zu unserem Tagesziel Camp Xaragu. Auch dieses ist falsch auf der Reise Know How Karte eingezeichnet. Wir bekommen ein Zelt zugewiesen und beobachten hier erstmalig, wie der Tourist zu heißem Duschwasser kommt: Mit Holz wird das Wasser erwärmt. Das Duschen war schon recht lustig, der Kopf schaut auf die umliegende Gegend.
Mit Hilfe der Taschenlampe erreichen wir die Lapa, dort war ist Buffet aufgebaut. Und hier sehen wir auch unsere ersten Katzen, auch wenn es sich hierbei um „gewöhnliche“ Stubentiger handelt.
Die Petroleumlampen verbreiten ein warmes Licht, Strom gibt es hier nicht. Am Steintisch werden die Reiseerlebnisse ausgetauscht und nach dem Essen gibt es ein „Touri-Programm“, das Personal singt für uns. Ist bestimmt Geschmackssache, uns hat es großen Spaß bereitet.
Übernachtung: Camp Xaragu, für eine Übernachtung gut geeignet.
Tageskilometer: 303
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #12
12. Tag
Der nächtliche Toilettengang mit Blick auf die Sterne ist atemberaubend, das nächtliche Schnarchen des belgischen Zeltnachbarn gut hörbar … Wir genießen das leckere Frühstück, endlich gibt es für mich mal Honig. Heute beginnt das Abenteuer Kaokoveld. Was haben wir zu Hause überlegt, ob wir da „rauffahren“ sollen oder nicht – wir sind gespannt. Endlich ist mal ein Rivier vor uns, dass noch zart Wasser führt.
Über die C 43 fahren wir nach Palmwag. Dies ist ja noch zierlicher als Solitaire, vorbeifahren geht aber nicht, da hier der Veterinärzaun ist und wir anhalten müssen. Wir tanken. Die Rivierdurchfahren werden immer heftiger.
Kurz danach steht eine große Gruppe Giraffen am Wegesrand und wenig später sehen wir ihn – „unseren“ ersten freilaufenden Elefanten. Er marschiert durch ein Rivier und wir sehen ihm mit Gänsehaut lange zu.
Wir staunen über die ersten Himbas, in Warmwasser kaufen wir Brot in der Bäckerei. Neugierig machen wir einen Abstecher nach Sesfontein, schauen das dortige Fort von außen an und ich kaufe im Supermarkt ein. Die Regale sind ordentlich und sauber eingeräumt, aber recht leer. Ich würde gerne Käse kaufen, gibt es aber nicht. Im Markt steht ein Bankautomat, deshalb steht auch ein Sicherheitsmann hier. An der Kasse sitzt eine Hererofrau und scannt in aller Ruhe die Ware in den Rechner ein – welch ein Gegensatz.
Ralf hütet das Auto und „fällt“ einem Makalani-Verkäufer in die Hände. Okay, er schnitzt unsere Namen in die Nuss (Pedra – nun habe ich ein Unikat), dann fahren wir zurück zur C 43. Unterwegs sehen wir ein Eselsgespann. Wir pausieren am Straßenrand und auch hier kommt wieder die Frage nach Wasser und Essen auf. Sie seien auf den Weg nach Khowarib zum Arzt, ein Kind ist sichtlich krank.
Vor dem Joubert Pass kommt eine sehr unangenehme Pad-Stelle. Ich frage meinen Mann, ob er die Pad verlassen hat und nun im Flussbett weiterfahre. Nein, es war die Pad. Diese Stelle mit einem normalen PKW zu bewältigen – wir sind mal wieder dankbar für den X-Trail. Dann kommt der Pass in Sicht. Okay, in Europa werden Serpentinen gebaut um die Berge zu überwinden, hier geht es geradeaus steil hoch und auch wieder runter, immerhin ist die steilste Strecke geteert. 70 km hinter Sesfontein wird unser Tagesziel angezeigt, Camp Aussicht.
Es geht 5 km den Berg hinauf. Zum ersten und letzten Mal in Namibia zeigen sich leichte Schweißperlen auf der Stirn meines Autofahrers … Oben angekommen werden wir herzlich von Marius Steiner begrüßt, zur Nervenberuhigung gibt es einen Kaffee und eine herrliche Aussicht. Wir zeigen ihm stolz unsere erworbenen Edelsteine, darunter soll ein Dioptas sein. Er lacht nachsichtig und meint, es sei schön, wenn uns die Steine gefallen. Der Dioptas entpuppt sich als Malachit und Azurit. Auch schön. Er zeigt uns das einfache Zimmer, die Außentoilette und die Dusche.
Zum Beine-Vertreten nutzen wir den angelegten Spazier-/Wanderweg oberhalb vom Camp Aussicht. Herrlich die Aussicht vom Hochsitz. Dann beginnt das Abenteuer Duschen. Vor dem Haus stehen Wasserkanister in der Sonne. Einen davon nehmen wir und füllen die Eimerdusche. Doch zuvor huscht eine flotte Agame in die Dusche. Mit dieser duschen – geht auf gar keinen Fall. Also, erst die Agame vertrieben, dann beginnt das Duschvergnügen. Unglaublich, mit wie wenig Wasser man duschen kann.
Das Abendessen bereitet Marius selbst zu. In seinem Wohnraum mit riesigen Glasscheiben bei Kerzenschein genießen wir dieses und auch die tiefschürfenden Gespräche.
Übernachtung: Camp Aussicht, eine Reise wert. Tageskilometer: 277
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #13
13. Tag
Der Toilettengang in der Nacht ist aufregend. 1. muss man dazu das Zimmer verlassen, 2. ist es draußen stockdunkel (okay, die Sterne leuchten schon) und 3. sitzt ein Stachelschwein vor der Tür. Wir erschrecken uns alle, Schwein flüchtet, wir gehen auf die Toilette. Zum Frühstück gibt es klopfende Geräusche. Erklärung: der hauseigene Strauß haut immer wieder mit dem Schnabel gegen die Küchenscheibe.
Heute ist Himba-Tag. Wir nehmen das Angebot von Marius Steiner an, uns zu zwei Himba-Dörfern zu bringen. Der Anfang des Besuches war seltsam für uns, wie begegnen wir diesen Menschen, einfach mit der Kamera auf sie zuzuhalten erschien uns doof.
Doch wir tauen auf, werden mit „Moro“ und Handschlag begrüßt und mit Hilfe der Digitalkameras schmilzt das Eis, besonders die Kinder wollen ständig „geknipst“ werden, um sich dann im Display zu bewundern
Wir begrüßen die Dorfälteste, sehen bei der Maiszubereitung zu.
Wir bekommen erklärt, wie die rote Farbe hergestellt wird, werden in eine Behausung gebeten. Dort werde ich zu einer „halben“ Himba, ich bekomme die Farbe (… sehr haltbar) aufgetragen.
Marius Steiner hat Türen für die Frauen mitgebracht, die mit viel Geschnatter (sorry, aber wo viele Frauen zusammen kommen, egal in welchem Land, wird halt geschnattert) abgeladen und begutachtet werden.
Am Ende des Besuchs wird natürlich der „Verkaufsstand“ eröffnet.
Marius wird gefragt, ob er einen kleinen Himbajungen mit ins nächste Dorf nimmt. Klar, der kleine Kerl wird eingeladen, nun sitze ich auf der Rückbank und er steht davor. Nach einer Weile lassen die Kräfte nach, er droht im Stehen einzuschlafen. Vorsichtig setze ich ihn auf die Bank, erkläre ihm beruhigend das er sich anlehnen kann, kurze Zeit später ist er eingeschlafen.
Kein Mucks ist von ihm während der Fahrt zu hören, kaum jedoch im Dorf angekommen und seinesgleichen gesehen, fängt er an zu weinen – beruhigt sich aber schnell wieder.
Wir begrüßen den Dorfältesten, schauen den Himbas noch eine Weile zu, dann fahren wir weiter. Marius zeigt uns einen riesigen Termitenbau und erklärt die Arbeitsweise.
Später hält er an einem Rivier. Hier kommen alle Tiere hin, um am felsigen Ufer Mineralien aufzunehmen. Am Nachmittag zeigt er uns noch die Dioptasmine. Im Innern hängen einige Feldermäuse – mir sind diese Tiere schon etwas unheimelig. Von den Schuttbergen dürfen wir uns einige Dioptase bzw. Chrisokolle (bläulicher Stein) mitnehmen.
Wir unternehmen noch eine Wanderung oberhalb Camp Aussicht, dann beginnt wieder das Duschvergnügen. Später „beschweren“ wir uns bei Marius, heute sei das Wasser einfach zu heiß gewesen … Noch einmal genießen wir ein leckeres Abendessen mit Krautsalat und Rosinen, Maisbrei (wie bei den Himbas) und Kudubratwurst. Ach ja …
Tageskilometer: -
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #14
14. Tag
Die nächtlichen Toilettengänge sind störungsfrei verlaufen. Am Morgen gibt uns Marius Steiner noch Zweige des „Wunderbaumes“ mit. Ist so ähnlich wie die Rose von Jericho. Einen halben Tag ins Wasser gestellt erwachen die „toten“ Zweige wieder zum Leben. Wir kehren auf die C 43 zurück und fahren ohne Probleme nach Opuwo. Ups, an diese Stadt muss man sich erstmal gewöhnen. Zuerst getankt (ist problemlos), dann am Grocer Supermarkt geparkt. Ich will mal ein bisschen schauen, da soll doch ein Craft Shop sein. Finden wir nicht, dafür aber eine Möglichkeit den Lieben zu Hause per E-Mail ein Lebenszeichen zu schicken. Der Grocer Markt ist mit unserem heimischen Rewe oder Edeka vergleichbar, nur das hier keine Himbafrauen vor dem Kühlregal zum Einkaufen stehen … Vor dem Supermarkt sind einige Händlerinnen unterwegs, die ihre Ware anbieten. Mit dem Hinweis auf mein Himbaarmband nehme ich ihnen etwas den Wind aus den Segeln.
Nahe der Tankstelle ist eine Art Markt, da schauen wir noch kurz vorbei.
Das Völkergemisch in Opuwo ist sehenswert, westliche gekleidete Menschen, traditionell gekleidete Hereros und Himbas und keine Weißen in Sicht. Wir sind hier die Exoten!!! Wir trauen uns aber nicht so recht, dieses Gemisch zu fotografieren, so bleibt es „nur“ in unserem Gedächtnis gespeichert.
Nun beginnt die 3-stündige Fahrt zu den Epupa-Wasserfällen. Die Pad ist gut, die Riviere fies, bisher waren sie lang und tief nun sind sie kurz und heftig. Aber eigentlich wird vor jedem Rivier per Schild gewarnt. Nach Okongwati und der Durchquerung eines sehr breiten Riviers sehen wir diesen wunderschönen Baobob.
Am Straßenrand sehen wir immer wieder Erdhörnchen (… wo leben denn nur die Erdmännchen …), auf der Straße stehen oft unverhofft Kühe und/oder Ziegen.
Zu unserem Erstaunen gibt es viele Siedlungen am Wegesrand, wir haben uns das Kaokoveld recht unbelebt vorgestellt. Gegen 15 Uhr erreichen wir Epupa. Wir übernachten im Omarunga Camp. Es erscheint uns wie das Paradies auf Erden. Uns wird Zelt 1 zugewiesen, es liegt direkt am Ufer des Kunene.
Wir hören das Rauschen der Fälle und sehen den aufsteigenden Wasserdampf. Aufgrund der Tagestemperatur (34 Grad) und der hohen Luftfeuchtigkeit fallen wir in den großen und warmen Swimmingpool. Welch eine Erfrischung.
Später gibt es Kaffee. Und da sehe ich sie – meine erste Schlange. Sie scheint aus dem Fluss ans Ufer zu kriechen – okay, nach dem Kopf und einem Teil des Körpers sehe ich Füße. Ich frage nach, es ist ein Waran, er ist zutraulich und sucht ab und zu die Küche auf ….
Nun sind wir genug erfrischt, um die Wasserfälle in Augenschein zu nehmen. Sie sind beeindruckend, mit soviel Wasser haben wir nicht gerechnet. Es gibt keinerlei Absperrung, wir stehen direkt am Abgrund.
Einige Himbakinder kommen zu uns und wollen Süßigkeiten oder T-Shirts. Wir erklären ihnen, dass wir nichts für sie haben, so gehen sie zu den nächsten Touristen. Wir laufen an den Wasserfällen entlang, bis wir zu einem langen Sandstrand kommen mit der Warnung, nicht im Wasser zu baden. Und tatsächlich – auf der angolischen Seite liegt ein Krokodil.
Zurück zum Camp, an der Poolbar (tatsächlich, so etwas gibt es hier – ist ja fast wie am Mittelmeer …) bestellen wir einen erfrischenden Rock Shandy.
Wir freuen uns auf das Abendessen, haben aber beide mit dem Klimawechsel und der hohen Luftfeuchtigkeit zu kämpfen. Das trockene Klima in Namibia ist uns besser bekommen ….
Übernachtung: Omarunga Camp, sehr empfehlenswert, sehr schöne gepflegte Anlage, Zelte in unseren Augen luxuriös eingerichtet, im gemauerten Bad stellen sich Frosch und Agame ein … Auch hier wieder die wunderbare Einrichtung des Nachmittagskaffees, Frühstück und Abendessen ausgesprochen lecker, unaufdringliche Gästebetreuung.
Tageskilometer: 262
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #15
15. Tag
Im Laufe der Nacht hat es abgekühlt, so dass wir doch gut unter unserem Moskitonetz geschlafen haben.
Nach dem Frühstück lassen wir uns den Weg am Kunene entlang erklären. Ein Hund begleitet uns. Auf den Makalani-Palmen sitzen Meerkatzen, lange schauen wir diesen anmutigen Tieren zu.
Der Hund zeigt uns auch Maulesel, Paviane und Kühe an.
Nach 1 ½ Stunden pausieren wir und sehen ein Krokodil auf der anderen Flussuferseite liegen. In der Nähe stehen 3 Kühe und trinken Wasser aus dem Fluss …
Wir laufen zurück, die Bäume am Flussufer liefern uns Halbschatten, so lässt sich die Wärme ertragen. Der Hund zeigt uns wieder Meerkatzen an. Nachdem wir diese passiert haben, läuft der Hund quer vor meine Füße und ich schaue nach rechts. Ich sehe – eine Zebraschlange. Ich stolpere schräg zurück nach hinten mit dem Ausruf „Zebraschlange“ und werfe dabei meinen Mann, der direkt hinter mir geht, um. Mein Adrenalinspiegel ist am Anschlag, Schweiß strömt aus allen Poren. Nach einer Drohgebärde verschwindet die Schlange im Gebüsch. Ich danke für den Hund, er hat die Schlange wohl wahrgenommen und uns gewarnt. Zurück im Camp verbringen wir nach diesem ereignisreichen Vormittag den Nachmittag am Pool. Nach der Kaffeepause (mit Sicht auf ein Krokodil)
gehen wir nochmals zu den Wasserfällen und sehen den Himbakindern und einigen Touristen beim Baden im Kunene zu. Nun ja.
Am Verkaufsstand der Himba „schlagen“ wir zu und kaufen ein paar Mitbringsel für zu Hause.
In der Nähe unseres Zeltes sehen wir diese wunderschöne Agame.
Abends haben wir unseren zweiten organisierten Sundowner, der Wein ist sehr lecker, die Aussicht so schön, ach hier oben ist schon ein kleines Paradies.
Tageskilometer: -
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200927. Sept. 2010 · #16
16. Tag
Um 8.30 Uhr starten wir nach Opuwo und schauen, ob unserer Tageskilometer, etwas neidisch auf das kleine Flugzeug.
3 Stunden später haben wir Opuwo erreicht. Es ist sehr windig, ganz Opuwo liegt in einem kleinen Sandsturm. Tanken, Kurzeinkauf bei Grocer. Hier wollen gleich 3 Jungs auf unser Auto aufpassen und die Schmuckverkäuferinnen nahen auch schon. Ralf geht einkaufen, ich bleibe beim Auto und frage die Jungs nach der Schule aus. Die 259 km bis Kamanjab sind asphaltiert, welche Wohltat nach diesen Tagen auf Gravelpads.
Am Veterinärzaun gibt es eine Polizeikontrolle. Zu diesem Zeitpunkt fahre ich. Meine Gedanken: „So ein Mist, wieso fahre ich jetzt gerade, ich habe doch gar keinen internationalen Führerschein“. Denn meinen Führerschein wollen die netten Polizisten sehen. Ralf steigt aus, die Papiere sind im Rucksack auf der Hinterbank. Sofort kommt der Polizist zu ihm, um zu schauen, was er da so rausholt. Ich gebe meinen alten grauen Führerschein der Polizistin, die ihn anstandslos akzeptiert, dann dürfen wir weiterfahren. Erleichterung. Kurz hinter dem Zaun stehen am Wegesrand Giraffen, endlich sehen wir mal wieder diese stolzen Tiere. Wir erreichen Kamanjab und tanken, kaufen auch noch Brot. Unser Tagesziel ist die Farm Otjitotongwe, die dankeswerterweise völlig falsch auf der Karte von Reise Know How eingezeichnet ist. Wir fahren einen riesigen Umweg, erreichen dann aber nach Nachfragen doch den Beginn der Farmpad. Nachdem zwei Tore geöffnet und geschlossen werden müssen, stehen wir am Zaun des Farmgebäudes. Und da kommen sie auch schon laut schnurrend an den Zaun: die drei zahmen Geparden. Wir sind Katzenfans und freuen uns schon darauf, die Tiere zu knuddeln.
Doch zuerst bringt uns Tollie zur Unterkunft. Zu meiner Enttäuschung liegen die schönen Bungalows 2 km vom Farmhaus und damit von den Geparden entfernt. Auch hier bekommen wir in der Lapa Kaffee, anschl. tauchen wir in den kalten Pool ein. Der Sundowner wird auf dem Hochsitz eingenommen und – keine Geparden – aber Diks Diks kommen hervor und wir können sie in aller Seelenruhe beobachten.
Hier gibt es auch viele Tokkos und die Perlhühner marschieren in Formation herum. Das Abendessen mundet köstlich.
Danke für den tollen Bericht und die schönen Bilder. Ich verschlinge zur Zeit jeden Reisebericht und Deiner hat die schier nicht enden wollende Vorfreude noch mehr gesteigert, da wir in 3 Wochen auch bis in den Norden an die Epupa Falls (Omarunga Camp)fahren. Die Temperaturangaben haben mich allerdings auch ein wenig geschockt. Bei 34 Grad im Anfang/Mitte September rechne ich für Ende Oktober mal mit mindestens 40 😮 Aber dafür fährt man ja auch nach Afrika...
Findus2009Themenstarter108 Beiträge · seit 200928. Sept. 2010 · #20
Vielen Dank für Eure netten Worte, so wird die "Arbeit" doch sehr belohnt ...
17. Tag
Dieser Tag ist für mich im wahrsten Sinne des Wortes für die Katz. Montezumas Rache (heißt vielleicht in Afrika anders) hat mich in der Nacht erwischt. Die Nacht und den größten Teil des Tages genieße und Bett und Bad …
Doch nach dem Frühstück (für meinen Göttergatten) haben wir Streicheleinheiten für die Cheetahs vereinbart. Vorher entdeckt Ralf ein Gehege in unserer Nähe. Inhalt: eine Gepardin mit 3 hinkenden Jungtieren (Kontakt mit Stachelschwein…).
Wir aber fahren zur Farm und werden zuerst von der zahmen 2 ½-jährigen Giraffe begrüßt. Sie frisst in aller Seelenruhe und wir dürfen zu den schnurrenden Geparden.
Ha, das Herz blüht auf. Jedoch findet besonders die 2-jährige Gepardin Ralf zum Schlecken gern. Sie putzt ihm den ganzen Arm,
danach legt sie zärtlich ihre Pfoten auf seine Wanderschuhe und knabbert weiter. Nach einer Weile hakt Tollie sie wieder aus …
Ralf beschäftigt sich mit Luchs- und Geparden-Schauen, sieht den Tokkos zu, sieht auch wieder die Diks Diks … Nachmittags ist die „offzielle“ Geparden-Show. Wir sind etwas vor den anderen Übernachtungsgästen am Farmgebäude, dort wird Ralf wieder von „seiner“ Gepardin abgeschleckt.
Hinter meinen Rücken legt sich eine Gepardin nieder. Mein Kommentar: „Ich wollte schon immer mal einen Geparden im Rücken haben …“. Die anderen Gäste kommen, die Show beginnt. Sie durften – wenn sie mochten – auch die Geparden streicheln. Anschl. bekommen die Tiere ihre Fleischportion.
Ich sitze etwas entfernt auf dem Haussockel und sehe zu. Die Geparden spielen Nachlauf (… sehr flott) und kommen als dreiteilige Masse direkt auch mich zu. Erschrocken springe ich auf, bleibe dann stehen. Tollie (Farmer) neben mir bleibt in aller Seelenruhe sitzen und erklärt mir, dass Flüchten vor den Tieren bei diesen nicht so ankommt … Alles ist gut, die Gruppe steigt auf den bereitstehenden Transporter zur Fütterung der wilden Geparden. Sie werden von der Giraffe verabschiedet, die neugierig ihren Kopf zu den Touristen neigt … Ralf fährt mit, ich bleibe an der Unterkunft, der Magen revoltiert immer noch ein bisschen.