Reisebericht Kenya/Tanzania im Februar/März 2010

17 Antworten · 25,0k Aufrufe · gestartet 30. Mai 2010 von bilo
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Hallo zusammen!

Endlich ist der Reisebericht unser letzten Safari in Kenya und Tanzania vom 25.2. - 15.3.2010 fertig (bis auf die letzten 3-4 Tage, die aber nicht mehr mit großen Ereignissen ins Gewicht fallen ).

Lasst euch ein auf eine ereignisreiche, teils abenteuerliche, Reise in Ostafrika. Wir wünschen euch viel Freude beim Lesen und beim Betrachten der Bilder und hoffen natürlich, dass euch unser Bericht gefällt. Natürlich freuen wir uns auch über eure Rückmeldungen!



Abflug auf den schwarzen Kontinent
Donnerstag, den 25.2.2010

Heute ist es endlich wieder soweit. Einen langen und strengen, für Deutschland ungewöhnlich schneereichen Winter hinter uns lassend, machen wir uns um 5.30 Uhr auf den Weg zum Flughafen Düsseldorf. Von dort startet ein Zubringer der British Airways um 7.15 Uhr nach London und um 10.05 Uhr geht es dann nonstop mit der Boing 777 weiter nach Nairobi. Der Non-Stopp-Flug überzeugt uns ja nicht wirklich – lieber fliegen wir mit einer Unterbrechung nach etwa der Hälfte der Strecke, z.B. mit Turkish Airlines in Istanbul oder mit Egypt Air in Kairo. Doch wie immer ist auch bei unserer 7. Kenyareise der Flugpreis ein entscheidendes Kriterium für oder gegen eine Fluggesellschaft. Und so haben wir uns im November letzten Jahres bei einem Preis von 480€ p.P. online für British Airways entschieden.
Beim Einchecken stellt die Dame am Schalter sich ein bisschen sehr pingelig an. Die Waage zeigt bei Joachims Rucksack 1,5 kg zu viel Gewicht an, während ich mit meinem Gepäck deutlich unter der Freigrenze bleibe (- 4kg!!!). Wir müssen nun tatsächlich unsere Rucksäcke noch so umpacken, dass beide Gepäckstücke unter die Freigrenze fallen. Nachdem die Rucksäcke gecheckt sind, bekommen wir sie wieder zurück, denn in Düsseldorf müssen wir sie am Sondergepäckschalter aufgeben. Also entfernen wir uns erst mal ein Stück vom Check-in-Schalter und packen eine Kiste mit Schrauben und eine weitere mit Schlauchklemmen wieder zurück, denn ich befürchte, dass der Reißverschluss an meinem Trekkingrucksack dem Druck sonst nicht stand hält. Danach geben wir beide Rucksäcke am Sondergepäckschalter ab und machen uns nun auf den Weg zur Sicherheits- und zur Zollkontrolle. Wir sind erleichtert, dass niemand unser reichhaltiges Handgepäck, besonders den großen Fotorucksack reklamiert.
Die Maschinen nach London und nach Nairobi sind ausgebucht und da wir wegen eines Fehlers im System nicht von zu Hause schon online einchecken und eine Platzreservierung vornehmen konnten, haben wir weder auf dem kurzen innereuropäischen Flug noch auf dem Flug nach Nairobi unsere Sitze nebeneinander. Das ist sicher nicht ganz so schön, aber durchaus zu verkraften.
Der Aufenthalt in London Heathrow ist kurzweilig. Wie auf jedem internationalen Flughafen gibt es auch hier viele Shops, die zum Bummeln einladen. Unser Kaufrausch liegt allerdings angesichts der Preise bei Null!
Im Flieger London-Nairobi können wir dann kurz vor dem Start der Maschine doch noch nebeneinander Platz nehmen, da andere Fluggäste ihre Plätze getauscht haben. So sitzen wir nun zum ersten Mal im Mittelgang. Auch da fliegt es sich nicht anders als auf einem Fensterplatz.
Der Flug verläuft ohne Turbulenzen, der Service ist gut, die Sitzreihen haben einen erträglichen Abstand und die Mahlzeiten schmecken nicht besser oder schlechter als bei anderen Fluggesellschaften auch.
Als wir um 21.30 Uhr in Nairobi landen, sind wir einfach nur froh, endlich den Flieger verlassen zu können. Wie immer scheint es auch dieses Mal ein Problem zu geben, die Passagierbrücke an die vordere Türe anzubringen. So wird nach einiger Zeit die hintere Türe geöffnet. Wir verlassen das Flugzeug über die Treppe und laufen den schon bekannten Weg quer über das Flugfeld ins Flughafengebäude hinein bis zum Einreiseschalter. Unsere Papiere haben wir wie immer zu Hause ausgefüllt. Auch dieses Mal benötigen wir lediglich unsere Pässe, die blaue „Entry Declaration“-Karte, den Visa-Antrag und 25 US$ Visa-Gebühr. Nach dem Schweinegrippen und Zollformular fragt kein Mensch. Innerhalb von 5 Minuten haben wir unseren Einreisestempel im Pass und nach kurzer Zeit am Gepäckband rollen auch schon unsere Rucksäcke an. Vor dem Ausgang müssen wir noch durch eine letzte Pass- und evt. Gepäckkontrolle durchlaufen. Doch noch nie wollte jemand unser Gepäck durchsuchen und auch dieses Mal wünscht uns der Beamte nach einem kurzen Blick auf unsere Visa „Enjoy your safari“.
Draußen wartet schon Daniel, der uns mit seinem Taxi zu Elvira bringt. Es ist erst kurz nach 22.00 Uhr. Für uns von der Kälte gequälten Europäer ist es draußen noch angenehm warm, doch Daniel ist mit einer warmen Jacke und Mütze schon wieder winterlich verpackt. Wie mag er sich wohl in unserem kalten Heimatland fühlen?
Eine halbe Stunde später begrüßt uns Elvira und ihre vier Hunde sind völlig aus dem Häuschen. Besuch wird hier immer mit einem großen (Bell)Konzert empfangen. Nachdem sich die Vierbeiner etwas beruhigt haben, traut sich auch Daniel aus dem Auto und holt das Gepäck aus dem Kofferraum. Wir bezahlen die Fahrt, verabschieden uns von ihm und tragen unsere Klamotten mit Elviras Hilfe ins Haus.
Ziemlich müde und gerädert vom stundenlangen Sitzen im Flieger holen wir nur noch Käse und Wurst aus dem Rucksack und packen beides in den Kühlschrank. Ganz kurz besprechen wir mit Elvira den Tagesplan für morgen bevor wir gegen 23.30 Uhr schlafen gehen.


Fortsetzung folgt
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Catching the Logbook
Freitag, den 26.2.2010

Wir schlafen wieder wunderbar in Elviras Gästezimmer. Lediglich eine einzelne Mücke treibt in der Nacht ihr Unwesen. Im Halbschlaf merke ich, dass Joachim aufsteht, erst sich selbst und schließlich meine unbedeckten Körperteile mit Autan besprüht.
Trotz des ekligen Autan-Gestanks schlafe ich schnell wieder ein, wozu sicher auch das einlullende Gequake der zahlreichen Kröten in Elviras Garten beiträgt. Nicht dass es übermäßig nass in Nairobi ist. Dennoch haben die Kröten im Garten ein wahres Paradies gefunden. Eine städtische Wasserleitung ist defekt und trägt nun zu einem hübschen Fließ-Wassergraben im Garten bei. Tausende Kaulquappen tummeln sich im Wasser und finden hier ideale Lebensbedingungen.
Wir stehen nicht allzu spät auf und bewundern erst einmal bei Tageslicht unseren nun grünen Landrover. Joseph hat die Lackier- und Dichtungsarbeiten am Auto gut überwacht.
Ein guter und zuverlässiger Begleiter in Kenya...
... unser Landi, nun in sattem safarigrün
Nach einem ordentlichen Frühstück machen wir uns um 10.00 Uhr auf den Weg zum Times Tower. Dort soll unser Logbook liegen. Da Elvira sich Ende letzten Jahres schon um eine Versicherung für unser Auto gekümmert hat, müssen wir nicht mit dem Matatu fahren.
Wir nehmen Joseph mit, der auch noch etwas in der Stadt zu erledigen hat. Fünfundvierzig Minuten quälen wir uns mal wieder durch den dichten Straßenverkehr Nairobis – nur um innerhalb von 5 Minuten (kaum zu glauben, aber wahr!!!) im Customers Care Desk zu erfahren, dass unser Logbook am 24.11.2009 an die von uns angegebene POBox geschickt wurde. Mehr ist dem PC dort nicht zu entlocken. Na, das ist ja erst mal nichts Neues für uns. Wir hegen nun die große Hoffnung dass sich unser Fahrzeugbrief tatsächlich noch im Postoffice befindet.
Der ganz normale Alltag - traffic-jam in Nairobi
Also warten wir auf Joseph, der heute seine Aufträge auch schnell erledigt hat und fahren ans andere Ende der Stadt – nach Karen zur POBox.
Unterwegs wechseln wir noch schnell in einer Wechselstube ein paar Euro. Wir zeigen uns sehr betrübt angesichts des schlechten Kurses von 102,50 und feilschen um einen besseren, weil wir je nach Angebot gleich 500 oder sogar 1000 € in großen Scheinen umtauschen wollen. Wir erhalten 103,40. Auch nicht wirklich gut, aber wir brauchen die Kenia-Schillinge!
Im Postoffice in Karen erfahre wir, dass unser Logbook am 8.2.2010 zum GPO – dem General Post Office geschickt wurde. Wir erhalten einen kleinen Zettel mit einer Bearbeitungsnummer. Anhand dieser müssten sie unseren Brief im GPO finden.
Wir quälen uns zurück in die Stadt – einmal quer durch den Nairobi-Traffic. Das GPO liegt gegenüber dem Nyuyali-House. Das Gebäude ist unverkennbar, ragt doch DER Johhny Walker überlebensgroß an der Außenfassade weithin über die Stadt. Na, da sind wir doch heute Morgen schon mal ganz nah dran gewesen!
General Post Office
Im GPO braucht die freundliche Dame eine gute halbe Stunde, um die Records – die Rücksendungen – anhand der Nummer, die wir ihr geben, zu überprüfen und uns dann mitzuteilen, dass unsere Post am 19.2.2010 zum Times Tower zurück gesendet wurde. Das gibt’s doch nicht! Wir sind nur eine Woche zu spät und spielen jetzt fangen mit unserem Fahrzeugpapier!
Also stapfen wir um 13.20 Uhr mit strammem Schritt wieder mal zum Times Tower und stellen uns erneut in die Schlange am Customer Help Desk. Joachim wird wohl in der Zwischenzeit irgendwo einen Parkplatz gefunden haben. Den kann ich später noch anrufen und ihm sagen wo er uns aufpicken soll. Wer weiß denn jetzt schon, wohin man uns noch treibt?
Erst einmal warten wir natürlich vor der Türe, weil ja gerade Lunchtime und dadurch das Office nicht besetzt ist.
Um 14.15 Uhr kommt endlich Bewegung in die Menschenschlange vor dem Büro. Lunch-Time ist over! Das Büro wird geöffnet!
Als 9. stehen wir noch relativ weit vorne in der Reihe und erhalten beriets nach 10 Minuten die Auskunft, dass heute doch erst der 26. Februar und demzufolge das Logbook noch nicht im PC gelistet ist. Sie brauchen noch 5 weitere Arbeitstage – also bis nächste Woche Freitag – aber dann sei es ganz sicher, dass unser Fahrzeugbrief für mich im Times Towerzur Abholung beriet liegt.
Ich erkläre der Dame, dass wir in 5 Tagen schon wieder zurück nach Deutschland fliegen (stimmt zwar nicht – aber vielleicht hilft es ja!). Na gut – es hilft nicht – No chance, to get it today! Das Mädel am Schreibtisch scheint es tatsächlich zu bedauern. Ob es uns wesentlich vorwärts bringt, dass wir sie auf kommenden Dienstag als Abholtag herunter handeln, bezweifle ich sehr.
Aber während der Diskussion reift ja schon ein neuer Plan in meinem Hirn: Wir fahren erst einmal eine Woche nach Samburu, kommen zurück nach Nairobi, holen Freitag das Logbook ab und fahren dann weiter nach Tanzania. Wir ordern per Handy Joachim mit dem Landrover zum Times Tower und fahren endlich um 14.40 Uhr zurück zu Elvira.
Bei einem heißen Cappucchino besprechen wir meine Idee. Joachim ist einverstanden und so schreiben wir unsere Einkaufliste, z.B. Lebensmittel und Diverses für die kommenden Tage. Unser Einkauf im Lavington Green Center ist schnell erledigt. In den Slums fahren wir eine kleine Metallwerkstatt an und geben noch einen Grill in Auftrag, den wir morgen früh um 9.00 Uhr abholen können. Anschließend sichten wir unsere Ausrüstung und packen das Auto safarifertig. Leider ist unser Spannungswandler unauffindbar. Da wir aber reichlich Akkus für unsere Kameras im Gepäck haben, machen wir uns erst einmal nicht allzu große Sorgen um das fehlende Gerät. Lediglich die Luftmatratzen müssen wir nun mit eigener Puste statt mit dem elektrischen Gebläse füllen.
Es ist schon spät, als Joachim schnell noch ein warmes Abendessen zaubert. Doch das Rindersteak, das wir heute Mittag beim Fleischer gekauft haben, erweist sich als zähes, ledernes Fleischstück, auf dem wir lange kauen müssen. Rindfleisch in Kenya stammt halt von etwas älteren Tieren als bei uns daheim.
Wir recken und strecken unsere müden Glieder, als wir endlich im Bett liegen und schlafen schnell ein.

Fortsetzung folgt
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Heißes, trockenes Land im Norden - Samburu
Samstag, den 27.2.2010


Um 7.30 Uhr werden wir erst wach – viel zu spät, denn wir müssen doch noch einiges zusammenpacken und im Auto verstauen. Ich sammle all unsere Handys und Kameraakkus ein, die überall verteilt an den Steckdosen hängen. So gerüstet müssen wir eigentlich gut eine Woche überstehen, ohne zwischendurch aufladen zu müssen.
Wir starten unsere Safari mit einem kleinen Abstecher um die Ecke in die Slums. Hoffentlich ist die Kochstelle, die wir gestern Abend in Auftrag gegeben haben, auch fertig. Als wir um die Ecke biegen und unser Auto auf dem Platz vor der kleinen Werkstatt abstellen, nimmt der Worker schnell seine Eisen und eine Säge zur Hand und beginnt mit der Auftragsarbeit. War ja eigentlich klar – schließlich sind wir in Kenya. Die Jungs hatten wohl Sorge, dass wir sie auf dem fertigen Grill sitzenlassen. Aber die fundis beeilen sich, das Ding schnell zurecht zu sägen und zu schweißen. Sie erlauben uns sogar ein paar Fotos machen.
Nach einer halben Stunde sind wir endlich startklar für Samburu! Wir fahren in Nairobi auf die A2 Richtung Thika – Maragua – Nyeri. Kurz vor Thika tanken wir noch einmal voll und lassen wieder einmal die Getriebepipe reparieren. Das ist ja hier in Kenya immer ganz easy: ein bisschen Silikon, warten bis es trocken ist und fertig. Am Ende verlangt der fundi doch tatsächlich 1500 Kshs. Uns bleibt die Spucke weg. Das kleine Tübchen Silikon soll 400 Kshs kosten, was auch durchaus ok ist, aber 1100 Kshs Arbeitslohn für 5 Minuten Arbeit und 30 Minuten small talk ist schon ziemlich dreist. Joachim gibt dem Worker 1000Kshs und erwähnt dabei: „We never pay the mzungu-price!“ Der Arbeiter steckt den Schein ein, grinst und versucht nicht mal zu protestieren. Wahrscheinlich hat er sogar mit dem Tausender noch ein gutes Geschäft gemacht.
Um 11.30 Uhr setzen wir unsere Fahrt fort. Wir kommen zügig voran. Die A2 ist zwar nicht herausragend – Joachim muss immer wieder auf Schlaglöcher achten – aber trotzdem ist die Straße so gut, dass wir immerhin mit 80 km/h fahren können.
Eine Stunde später lassen wir Makuyu hinter uns. Noch ist alles grün, die Flüsse führen Wasser und rechts und links entlang der Straße stehen immer wieder Stände, die ihr Obst kunstvoll aufgebaut präsentieren.
Wir fahren um 13.15 Uhr durch Karatina. Seit einiger Zeit baut sich vor uns eine dunkle Regenfront auf. Auch über uns weicht der strahlend blaue Himmel einer immer größer werdenden schwarzen Wolke. Kur vor Nanyuki beginnt es um 14.15 Uhr heftig zu regnen. In Nanyuki entdecken wir einen Nakumatt, an dem wir halten, um wenigstens für unsere großen Matratzen noch eine Handpumpe zu kaufen. Doch der Markt eröffnet leider erst im nächsten Monat. Da wir gut in der Zeit liegen und bis Samburu nur noch etwa 160 km zurückzulegen sind, machen wir eine kleine Pause und mixen uns im Auto einen Cappucchino. Als wir um 14.45 Uhr weiterfahren, nieselt es nur noch ein wenig, jedoch zeigt sich der Himmel weiterhin grau. Dafür bringt der Fahrtwind nun durch das geöffnete Fenster eine frische, kühle Brise und trocknet schnell den Schweiß auf unserer Haut.
Nachdem wir Nanyuki hinter uns gelassen haben, wird die Straße extrem schlecht. Unsere bisherigen 80 km/h muss Joachim nun immer wieder zwangsweise drosseln auf 50 km/h. Trotzdem erreichen wir schon nach genau einer Stunde einen Abzweig, der uns links über Isiolo nach Buffalo Springs und Samburu führt. Geradeaus geht es weiter nach Meru. Wir richten uns schon einmal seelisch auf mindestens 50 km „Road under construction“ ein, also rote Staub- und Buckelpiste (wobei der Staub durch den Regen etwas weniger wirbeln dürfte). Umso überraschter sind wir, dass die Straße schon 15 km feinste Asphalt-Rennstrecke ist. Dabei ist es doch erst ein halbes Jahr her, seit wir hier entlang geholpert sind.
Auch der Regen ist endlich ganz vorüber. Am Himmel sind schon wieder blaue Flecken zu sehen und die Sonne knallt gleich wieder erbarmungslos. Plötzlich steigt Joachim heftig in die Bremse. Unsere Kisten und Körbe hinten im Auto knallen durcheinander.
Die schöne Straße ist in langen Reihen mit dicken Steinen gesperrt. Vorbei ist es mit der neuen Pracht und unsere rote Stein- und Staubpiste beginnt wieder. Es ist jedoch wenig Verkehr und auch die Straßenbauarbeiten finden am heutigen Samstagnachmittag nicht in vollem Umfang statt. So erreichen wir schon um 16.15 Uhr Isiolo, wo wir gleich noch mal den Tank mit Diesel füllen. Hinter Isiolo ist die Straße wieder recht gut, so dass wir rechts und links während der Fahrt ein bisschen die Landschaft genießen können. Samburuland zeigt sich uns heute von einer ganz anderen Seite als im August des vergangenen Jahres. Zwar sind die Auswirkungen der Dürre vom letzten Jahr immer noch sichtbar, aber die Natur scheint sich zunehmend zu erholen. Viele Büsche und Bäume tragen wieder grünes Laub, am Straßenrand stehen niedrige Pflänzchen mit kleinen weißen Blüten und zu beiden Seiten machen große Pfützen deutlich, dass die ausgehärtete Erde all das Regenwasser von oben gar nicht so schnell aufnehmen kann.
Endlich erreichen wir um 16.45 Uhr den Abzweig, der links über eine Schotterstraße zum Ngare Mara Gate des Buffalo Springs Reserves führt.
Give me sweets! Give me money! Give! Give! Give!
Eine viertel Stunde später erreichen wir das Gate und zahlen dort unsere Parkfees, bevor wir zur Butterfly Public Campsite direkt am Ewaso Ngiro im Samburu National Reserve weiterfahren.
Während Joachim sich ins Buch einträgt und mit den Rangern unterhält, warte ich am Auto. Schnell kommen auch zwei kleine Kinder angelaufen und betteln erst um Geld, dann um Sweets und schließlich um Kekse. Wir wollen die Bettelei einfach nicht unterstützen und so lehne ich ganz konsequent alles ab, was die Kinder sich von mir erhoffen. Schließlich fragen die beiden kleinen mich doch tatsächlich, ob ich sie mal fotografieren möchte. Ganz schön clever die beiden! Ich bin sicher, dass ich unmittelbar nach dem Betätigen des Auslösers die Eltern der Kinder parat stehen hätte, die mir für das Foto gutes Geld abknöpfen würden. Ich lehne das Fotografieren der Kinder also auch ab und sage den beiden, dass ichsicher erst einmal ihre Eltern um Erlaubnis fragen müsste. Die Kinder schauen mich mit großen Augen an und nicken schließlich. Sicher erleben sie häufiger, dass Touristen ihnen alles Mögliche zuwerfen oder zustecken – daher ist meine Reaktion für sie sehr ungewöhnlich. Als wir schließlich weiterfahren, gebe ich jedem aber doch noch einen Schokoladenkeks „because you don’t beg the whole time while I was waiting here!“.
Wir nehmen noch einen der Ranger mit, der sich gerade auf den Weg zur Nachtwache im Ashnil Samburu Camp machen will.
Gleich hinter dem Gate sitzen – sicher zu unserer persönlichen Begrüßung – zwei Steppendler auf einem Baum – leider bleibt nur einer von ihnen für ein Fotoshooting ruhig sitzen. In der Ferne marschieren 3 Elefanten und vor uns flattern immer wieder jede Menge Webervögel und ein Toko.
Steppenadler
Nachdem wir den Ranger in der Nähe des Camps abgesetzt haben, versuchen wir eine Abkürzung zur Brücke über den Ewaso Ngiro zu finden, was uns aber kläglich misslingt. Wir landen immer wieder irgendwo in den Swamps, wo sich die befahrbaren Wege im Nichts auflösen.
So fahren wir schließlich auf die holperige Mainroad zurück und erreichen kurz nach 18.00 Uhr die Campsite. Wir haben die freie Platzwahl – niemand außer uns nächtigt auf der Campsite und so wird es auch bis zu unserer Abreise bleiben. Mit dem Blick auf den Fluss stellen wir unser Zelt auf, entzünden ein Lagerfeuer und weihen unsere neue Kochstelle ein. Pavianbesuch erhalten wir erst einmal nicht, aber bis kurz vor Einbruch der Dunkelheit erkunden jede Menge Meerkatzen neugierig, ob es nicht schon mal etwas bei uns abzustauben gibt.
Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange vor dem Zelt und genießen die friedliche Ruhe, das Rauschen des Flusses und den wunderbar klaren Sternenhimmel.
Lagerfeuer "3in1": Kochen - Wärmen - Träumen
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4'132 Beiträge · seit 200830. Mai 2010 ·
Oooh, Neid!
Sehnsucht.
Ich auch haben will.

Eines Tages ist es soweit ...
dann geben wir Laut.

Vielen Dank dass Ihr schreibt!

Gruß lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Im Land des Schokoladenfluss
Sonntag, den 28.2.2010

Heute starten wir um 8.00 Uhr zu unserem ersten Game Drive im Samburu Nationalreserve. In der Luft schwirren viele Webervögel geschäftig hin und her. Viele halten Gräser und Zweige im Schnabel. Es scheint, als wären sie sehr mit ihrem Nestbau beschäftigt. Die leuchtend bunten Männchen - besonders in Szene setzt sich hier der Dorfweber, der während der Brutzeit durch sein leuchtend gelbes Federkleid auffällt - sind bei den Webervögeln für den Bau der kompliziert gewebten Nester zuständig. Diese werden vor der Balz gebaut -meist baut ein Männchen sogar mehrere Nester – um sicher zu stellen, dass das Weibchen eines der Nester auch annimmt. Das Weibchen sorgt dann für den Innenausbau des Nestes. Überall in den Baumkronen begegnen wir den baumelnden Hängenestern der Webervögel.
Ein Hagedasch, ein afrikanischer Vogel aus der Familie der Ibisse, der in Ostafrika recht häufig vorkommt, kreuzt unseren Weg. Eigentlich gilt er ja – wie die meisten Ibisse – als geselliger Vogel, der in Gruppen von 5 – 30 Einzelwesen lebt. Aber dieser hier ist ganz allein auf dem Weg.
Hagedasch - Hadada Ibis - Bostrychia hagedash
Ein kleiner Vogel spaziert über das Gras. Es ist eine Brillendrossel (engl. African Bare-eyed Trush, lat. Turdus tephronotus), die in Kenya, Tanzania, Somalia und Äthiopien beheimatet ist. Ihr Lebensraum sind die trockene Savanne und das subtropische oder tropische trockene Buschland.
Brillendrossel - African-Bare-eyed Trush - Turdus tephronotus
Unweit des Tracks weidet eine Impala-Herde. Als wir anhalten, um die anmutigen Schwarzfersenantilopen zu beobachten, schauen einige der Tiere sehr aufmerksam in alle Richtungen, während andere unbeeindruckt weiter grasen. Ein Impalamännchen mit seinen leierartig gebogenen Hörnern bewacht seine Gruppe von 14 Weibchen. Das lässt darauf schließen, dass gerade Paarungszeit ist.
Impalas - auch Schwarzfersenantilope genannt
Wir fahren zum Fluss und betrachten die Landschaft, die im letzten Jahr völlig verdorrt und ausgetrocknet war. Auch hier haben sich mittlerweile viele Pflanzen erholt, aber es ragen auch noch einige vertrocknete tote Bäume entlang der Flussauen hervor. An manchen Stellen ist das Flussbett gut mit Wasser gefüllt,…
…an anderen Standorten ragen weit die Sandbänke in den Fluss hinein.
Unter uns liegt träge in der Sonne ein einzelnes Krokodil …
… und am gegenüberliegenden Ufer taucht aus einem kleinen Wäldchen eine Elefantenherde auf. Wir zählen 20 Tiere unterschiedlichen Alters, die alle zum Trinken an das Wasser wollen…
… und schließlich auch den Fluss überqueren. Es ist wieder ganz spannend zu beobachten, wie die jüngsten Tiere der Herde von den Älteren gut beschützt in die Mitte genommen werden und die Leitkuh die Flussüberquerung absichert, bis auch das letzte Tier der Herde, das andere Ufer erreicht hat.
Riesendurst
Ups, kurz vor dem Ziel noch mal schnell abgetaucht
Eine gute halbe Stunde dauert es, bis alle Tiere getrunken, sich teilweise im Wasser genüsslich gewälzt und schließlich die Flussseite gewechselt haben. Nun verteilen sie sich in nicht allzu großer Distanz voneinander im vor uns liegenden Wäldchen und setzen ihre Nahrungsaufnahme in dem lichten Grün fort.
Maximale Wassertiefe = 100cm?
Auch wir fahren weiter und landen vor einem vertrockneten quer liegenden Baumstamm. Hier geht der Weg nicht weiter. Wir wollen gerade drehen, als wir auf dem alten Holz eine Bewegung wahrnehmen. Eine Siedleragame – natürlich das auffällig bunte Männchen mit seinem orangenen Kopf und dem stahlblauen bis türkisfarbenen Körper – liegt auf dem Stamm und wärmt sich in der Sonne.
Doch die Agame bewegt sich auf ein Weibchen zu, das am Ende des Stammes liegt. Hätte die Agamendame nicht einige auffällige rote und weiße Flecken auf ihrem Körper, wäre sie wohl so gut getarnt, dass wir sie wahrscheinlich übersehen hätten.


Die farbige Zeichnung des Agamenweibchens könnte auf eine Schwangerschaft hindeuten, denn in Wikipedia ist folgendes nachzulesen: „Bei dem Weibchen zeigen sich während der Schwangerschaft an den Flanken gelbe bis orange Flecken und auf dem Kopf türkise Punkte.“ (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Siedleragame)

Und so kommen die beiden trotz der scheinbar intensiven Werbung des Männchens nicht zusammen. Das Weibchen wendet sich von ihm ab und schlägt genau die entgegengesetzte Richtung auf dem Baumstamm ein.
„Na gut,“ scheint das Männchen zu denken, „dann tanke ich eben noch ein paar Sonnenstrahlen und becirce mit meinem leuchtend bunten Echsenkleid halt das nächste Mädel.“
Auch das Weibchen streckt noch eine ganze Weile ihren Kopf dem warmen Sonnenlicht entgegen, bevor es plötzlich blitzschnell hinter dem Baumstamm verschwindet.
Nachdem wir uns an dem Pärchen eine Weile erfreut haben, fahren wir weiter und machen Platz für ein hinter uns stehendes Auto, das sicher auch schauen will, was wir da fesselndes beobachten. Ob die 4 jungen Leute aber das Siedleragamenpaar entdecken, bleibt für uns ungewiss. Vielleicht finden sie es auch nur nicht so interessant, denn sie tauchen recht schnell hinter uns wieder auf.
Überall auf unserem Weg durch Samburu begleiten uns mit einem lauten und fortlaufenden „tuok-tuok-tuok“ die lustigen Tokos, die mich im letzten Jahr schon so begeistert haben. Während wir 6 Monate vorher fast nur dem Östlichen Gelbschnabeltoko begegnet sind, überwiegt nun der Rotschnabeltoko. Mit seinen 42-50 cm Länge gehört er zu den kleineren Tokos. Natürlich hat auch diese kleinere Art einen langen Schwanz und einen langen, gebogenen Schnabel, der allerdings rot und ohne Horn ist. Die Unterseite ist weiß, der Oberkörper ist braunschwarz mit einem weißen Streifen auf Schulterhöhe. Gut erkennbar sind seine graubraunen Flügel mit den auffälligen weißen Flecken und die roten Augenringe um die Augen.
Rotschnabeltoko - Red-billed Hornbill - Tockus erythrorhynchus
Als wir nach ausgiebiger Toko-Beobachtung weiterfahren, treffen wir auf vier Italiener, die sich auf einem schlammigen Weg hoffnungslos festgefahren haben. Wir überlegen, ob wir ihnen helfen können und wie wir am besten unseren schweren Landrover vor den der Italiener setzen können. Dabei wollen wir natürlich nicht riskieren, selbst in der Schlammwüste stecken zu bleiben. Joachim prüft erst mal das Gelände rund um den Modder und fährt dann weiträumig drum herum. So kommen wir ohne große Probleme vor den kleinen Landrover. Beim Aussteigen rutschen wir wie auf Eis und legen uns dabei fast auf die Nase. Da wir immer noch ohne Abschleppseil durch die Gegend fahren, hoffen wir, dass die Italiener in ihrem Auto fündig werden. Der Fahrer zaubert sogar 2 hervor und immer wieder schliddernd du strauchelnd befestigen wir eines der Seile zwischen den Autos.
Dann kommt der spannende Moment. Joachim gibt vorsichtig Gas, zieht langsam das Seil straff, legt den Turbogang ein und versucht den kleinen Landi – Bruder aus dem Matsch zu ziehen. Mehrere Versuche misslingen leider. Zuerst reißt das Seil, beim nächsten Durchgang sprengt der metallene Keil des Reserverads, an dem wir das nächste Tau befestigen und schließlichlöst sich der Knoten des Seils.
Die Männer lassen nicht locker und überlegen sich immer wieder neue Varianten, das Seil zu befestigen. Endlich – ich weiß nicht mehr nach wie vielen Versuchen – bewegt sich der kleine Landrover und es macht sich eine unendliche Erleichterung und Freude in den Gesichtern der Italiener breit. Sie wollen uns für unsere Hilfe bezahlen. Doch das lehnen wir selbstverständlich ab. Solche Hilfe beruht immer auf Gegenseitigkeit und wer weiß schon, in welche misslichen Situationen wir noch geraten, wo wir dann für schnelle Unterstützung auch dankbar sind. Den gesprengten Keil für das Reserverad klopft Joachim mit einem Hammer wieder zurecht. Bis Nairobi wird das wohl halten. Bevor wir weiterfahren, versuchen wir den Schlamm an unseren Schuhen etwas abzuklopfen. Doch die nasse Pampe muss wohl erst trocknen, bevor die schwarzen Brocken dann von alleine abfallen.
Wir verabschieden uns, wünschen den Vieren noch „Safari njema!“ und suchen für uns ein einigermaßen schattiges Picknickplätzchen. Diese Rettungsaktion war doch eine schweißtreibende Angelegenheit und deshalb sind wir der Meinung, dass wir uns nun um kurz vor zehn Uhr ein spätes Frühstück wohl verdient haben.
Wir finden ein nettes Plätzchen und stellen unter einem ausladenden Baum unsere Stühle auf. Heißes Wasser für den Kaffee bereiten wir am Abend vorher immer schon auf Vorrat zu und füllen es in unsere Thermosflaschen. Unsere Dachluke decken wir sicherheitshalber mit Decken ab, denn natürlich sind auch hier gleich ein paar Paviane zur Stelle, die sicher darauf hoffen bei uns leichte Beute zu machen. Doch die Affen stören uns nicht lange. Nachdem wir sie mehrmals mit unserem Stock verjagt haben, können wir in Ruhe unser Frühstück inmitten dieser wunderbaren Natur genießen.
Jetzt fehlt doch nur noch ein Cheetah, der ans uns vorbei stolziert und für ein paar Fotos modelt. Bei einem Leoparden würden wir uns allerdings schnell ins Auto zurückziehen. Natürlich bleibt beides nur ein schöner Tagtraum. Dafür haben wir hier reichlich Gelegenheit überaus quirlige Vögel und natürlich immer wieder Tokos zu beobachten. Mit der Kamera versuche ich mich immer wieder möglichst nah an die gefiederten Gesellen heranzuschleichen und mich in Vogelfotografie zu üben.
Die wenigsten Bilder sind verwertbar, wie ich zu Hause feststelle, aber ein paar Aufnahmen von den kleinen, nur etwa 15 cm langen Zwergspinten aus der Familie der Bienenfresser, finde ich für den Anfang durchaus gelungen. Der Zwergspint ernährt sich hauptsächlich von Insekten, vorzugsweise Bienen, Wespen und Hornissen, die er im Flug von seiner Ansitzwarte aus fängt und vor dem Verzehr mehrmals hart aufschlägt, damit sie nicht mehr stechen können.
Zwergspint - Little Bee-eater - Merops pusillus
Eine ganze Stunde halten wir es an diesem friedlichen Ort aus, bevor wir noch einmal zum Fluss hinunter fahren. Dort entdecken wir große Spuren am Boden – von einem Hippo?
Wir folgen dem Weg immer am Fluss entlang. Mal führt er direkt am Wasser vorbei, dann macht er eine Biegung und führt durch kleine Waldgebiete. In einem solchen entdecken wir zwei prächtige Netztgiraffenbullen. Sie zupfen friedlich frisches Grün von den Bäumen und während sie wieder und wieder auf ihrer Nahrung herum kauen, wenden sie keine Minute den Blick von uns. „Tja, wer beobachtet hier wohl wen?“, fragen wir uns grinsend.
Nur 200 m weiter treffen wir wieder auf eine Elefantenherde, die gerade den Fluss überquert – dieses Mal von „unserer“ Seite auf die gegenüberliegende. Nach der großen Dürre 2009 scheint es ein wahres Vergnügen für die Wasser liebenden Dickhäuter zu sein, während der Überquerung des Schokoladenfluss nicht nur zu trinken, sondern auch ständig mit dem Rüssel das Wasser aufzunehmen und sich damit zu bespritzen oder sich im flachen River zu wälzen.
Eine Elefantenkuh stellt sich dicht vor uns auf als wolle sie signalisieren:“ Ich habe euch gesehen! Bleibt wo ihr seid und kommt uns nicht zu nahe!“ Natürlich akzeptieren wir die den nötigen Raum den die großen und mächtigen Tiere fordern, zumal wir ja nur wenige Meter von ihnen entfernt sind.
Nachdem die Herde vollzählig die andere Flussseite erreicht hat, tauchen auch noch drei junge Elefantenbullen auf. Sie müssen noch im Teenageralter sein, also mit Sicherheit älter als 8 Jahre. Etwa ab diesem Alter werden die jungen Elefantenbullen von den älteren Weibchen aus der Herde vertrieben und schließen sich dann meist zu einem eigenen Junggesellenverband zusammen. Nur während der Musht – einer Zeit der erhöhten Testosteron-Produktion und gesteigerter sexueller Aktivität, die etwa ab dem 25. Lebensjahr einsetzt – leben sie als Einzelgänger.
Unsere jungen Dickhäuter bleiben diesseits des Rivers. Zwei von ihnen liefern sich ein kleines Schaukämpfchen, das aber keinen ernst zu nehmenden Charakter hat, sondern eher nach spielerischem Kräftemessen aussieht.
Mittlerweile ist es 12.30 Uhr und die vielen weißen Schäfchenwolken ziehen sich allmählich zu einer großen, dunkelgrauen Wolke zusammen. Schon eine viertel Stunde später fallen die ersten dicken Regentropfen – aber nur für 5 Minuten, denn wir fahren dem drohenden Nass davon und halten die Wolke weit im Rücken. Und wieder treffen wir auf eine größere Elefantenherde mit einigen sehr jungen Dickhäutern. Ein kleiner Eli sieht besonders niedlich aus und wir haben große Freude ihn mit seinem lustigen Gehabe zu beobachten.
Junger Elefant...
... mit großem Forscherdrang
Doch das Futter gibt’s bei Mutter
Aber Mama will nun weiterziehen...
...was dem Kleinen mit halb vollem Bauch…
…so gar nicht passt. Er motzt und trotzt…
… und fordert seinen Mittagsschlaf…
… doch nach einigen zärtlichen Stupsern mit Mamas Rüssel kämpft sich der kleine Eli doch noch auf die wackeligen Beine und zieht mit seiner Herde weiter.
Neben uns im Gras hüpft ein Rotschnabeltoko hin und her. Da halten wir doch gerne noch einmal an und schauen zu, was er da unten macht. Nun, auch ein Toko braucht seine Mittagsmahlzeit. Schnell und geschickt fängt er Heuschrecken aus dem Gras und vertilgt sie direkt an Ort du Stelle, bevor er sich das nächste hüpfende Insekt fängt.
Irgendwann ist auch der hungrigste Toko satt und fliegt davon. Auch wir setzen unseren Weg fort und fahren zum Leopard Rock. Natürlich wissen wir, dass wir um diese Tageszeit wohl kaum einen Leoparden entdecken werden, aber wir wollen uns das Gelände, wo wir am sehr frühen Morgen oder gegen Abend Glück mit der Sichtung eines Chui haben könnten, schon mal erkunden. Auf dem Weg dorthin liegt das Gerippe einer wahrscheinlich verdursteten oder verhungerten Giraffe und nicht weit davon entdecken wir auch den möglicherweise dazugehörigen Schädel. Ein Tribut an die letzte Dürrezeit, die wir in Samburu besonders schlimm empfunden haben.
Nachdem wir in der prallen Mittagshitze schon mal die Felsformation abgefahren sind, lechzen wir nach einem kühlen Schattenplätzchen. Wir fühlen uns wie gebraten und geschmort und fahren um 14.00 Uhr runter zum Ewaso Ngiro über dem immer noch eine dunkle Wolke hängt. Dort legen wir eine längere Rast ein und lassen unsere Seelen baumeln. Wir genießen die spärlichen aber kühlenden Regentropfen bei einem lauwarmen Cappuccino. Erst als der Regen stärker wird, packen wir ein und fahren langsam zurück zum Leopard Rock. Schon als wir oben auf dem Hauptweg sind, regnet es nicht mehr.

Kurz vor den Rocks entdecken wir an einem Busch 2 Löwinnen mit 2 Jungen, die erst etwa 8-10 Wochen alt sind. Unter dem Busch liegt ein Kill. Wir können eine ganze Zeit nicht ausmachen, welches Tier die Löwinnen gerissen haben.
Eins der Jungen wird gesäugt, während das andere in sicherer Nähe zu den erwachsenen Tieren in der Gegend herum tapst und sich auch schon mal an dem Fleisch zu schaffen macht.
Als Mama Lion sich zu der Beute begibt und sie kraftvoll ein Stück aus dem Busch herauszieht, sehen wir, dass es sich um ein größeres Warzenschwein handelt.
Nach einer knappen Stunde verlassen wir die kleine Idylle und fahren weiter.
Wir sehen noch ein Warzenschwein und ein einzelnes Gerenuk. Auch eine einsame Oryxantilope begegnet uns auf dem Rückweg.
Mittlerweile regnet es so heftig, dass sich auf den Tracks schnell riesige Pfützen bilden. Wir sind froh, als wir endlich trocken unter unserem Vorzelt sitzen. Der Baboon-Guard hat genügend Feuerholz gesammelt und sogar schon das Feuer entzündet. Wir entlohnen ihn wie vereinbart für seine Dienstleistung mit 900 Kshs (300 Kshs für das Holz und 600 Kshs für die Wache), machen es uns erst einmal am Feuer gemütlich und trinken ein Alster.

Nacheinander stellen wir uns unter die Dusche und schrubben den Dreck des Tages von uns ab. Die Showers sind wirklich gut (für kenyanische Verhältnisse versteht sich), ausgestattet mit nagelneuen großen Duschköpfen aus denen klares, kaltes Wasser fließt.

Anschließend koche ich ein paar Nudeln und mische sie unter die restliche Thunfisch-Tomatensauce von gestern. Für den guten Geschmack streue ich großzügig noch Paprikapulver über unsere schnelle Mahlzeit. Doch nach dem ersten Bissen und einem Blick auf die Gewürzpackung wird schnell deutlich, dass ich reichlich Chilipulver untergerührt habe. Dieses Essen ist absolut ungenießbar – selbst ein Stück Brot lindert nicht das Feuer in unserem Hals. Also schlage ich ein paar Eier in Pfanne, hole dazu Brot und Käse und so werden wir doch noch satt.

Bei einem Gläschen Wein sitzen wir noch mit Dominik dem Ranger, der heute mit der Nachtwache an den verschiedenen Campsites betraut ist, am Lagerfeuer, und reden über Tiere, Fußball, Sitten und Gebräuche in Kenya und Deutschland. Dabei regnet es ohne Unterlass und sicher würde Dominik gerne noch länger unter unserem Vorzelt im Trockenen verbringen, doch um 22.00 Uhr sagen wir „Lalasalama, Dominik“, ziehen uns ins Zelt zurück und schlafen auch recht schnell ein.

Fortsetzung folgt
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zuletzt bearbeitet 30. Mai 2010
Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Wasser Marsch!
Montag, den 1.3.2010

Vom lauten Rauschen des Flusses und dem Pladdern des Regens werde ich in der Nacht immer wieder wach. Jedesmal schaue ich durch das Gazefenster nach draußen und nehme den stark fließenden Fluss schemenhaft wahr. Er ist bis zur Oberkante gefüllt und mir schießt der Gedanke durch den Kopf, dass er ja auch mal über die Ufer treten könnte. Mittlerweile habe ich Joachim mit meinem Gezappel und Hin und Her im Zelt auch geweckt und teile ihm meine Gedanken mit. Doch er meint nur, dass dies unmöglich sei, dreht sich wieder um und schläft weiter. Na gut, dann will ich mich ihm mal anschließen – doch der Fluss macht so einen tosenden Lärm, dass ich nicht wirklich zur Ruhe komme.
So lausche ich dann auch noch um 1.30 Uhr in der Nacht den hoch schlagenden Wellen des Schokoladenflusses und plötzlich höre ich ganz deutlich ein nahes Plätschern.
Letzeres ist ganz neu in der Geräuschkulisse und deshalb stehe ich doch noch einmal auf und schaue nach draußen. Uuups, wir müssen wohl dringend raus hier. Das, was laut Joachim sicher nicht passieren kann, ist nun doch eingetreten. Der Fluss ist mindestens noch um weitere 3m gestiegen und steigt deutlich noch mehr. Das Wasser steht schon kurz vor dem Vorzelt. Joachim schläft weiter tief und fest. Ich muss ihn ein paar Mal rütteln und rufen, bis er reagiert und ungläubig ausruft: Oh, Mist, das gibt’s doch nicht!“ Schnell schlüpfen wir in unsere Klamotten und öffnen den hinteren Zelteingang. Dort ist noch alles trocken. Vom Nachbarcamp kommt Esmit zu uns rüber und will uns gerade wecken. Doch als wir ihm signalisieren, dass wir bereits auf sind und klar kommen, geht er zurück, um im eigenen Camp alles unter Kontrolle zu halten. Schnell räumen wir unser Zelt leer: zuerst die Reisepapiere und Geld, dann die Kameraausrüstung und schließlich den Rest (Rucksäcke mit Kleidung, Kochgeschirr, Bettzeug, Luftmatratzen). Joachim fährt das Auto auf einen etwas höher gelegenen Platz der Campsite. Dort stopfen wir alles erst mal völlig unsortiert in den Wagen. Dann holen wir noch Tische und Stühle unter dem Vorzelt hervor. Unser schöner neuer Kochrost schwimmt mittlerweile schon im braunen Flusswasser. Kurzentschlossen zieht Joachim die Schuhe und Strümpfe aus, krempelt die Hosenbeine hoch und watet in die schokoladenbraune Brühe. Na, die Kroks haben sich hoffentlich auch schon längst irgendwo an Land gerettet, weil die Strömung viel zu stark sein dürfte. Unversehrt kehrt Joachim dann auch aus der Dunkelheit mit der Kochstelle zurück.
Da wir keine Lust haben, die Nacht im Auto zu verbringen, kramen wir unsere Stühle wieder hervor und stellen sie an eine Stelle, die das Wasser noch nicht erreicht hat. Im fahlen Mondlicht beobachten wir, wie das Wasser zunächst immer höher steigt. Das Zelt können wir nicht versetzen. Uns bleibt nur die Hoffnung, dass der Wasserspiegel irgendwann stehen bleibt, möglichst bevor die Brühe in unser Zelt fließt (immerhin haben wir ja auch noch 20 cm Wassersäule und die gilt es erst mal zu überwinden). Als unverbesserliche Optimisten stellen wir irgendwann fest, dass es ja wenigstens nicht mehr regnet. Ein hoffnungsvolles Zeichen?
Um 2.45 Uhr hat das Wasser direkt vor unserem Zelteingang seinen Höchststand erreicht und eine viertel Stunde später haben wir den Eindruck, dass es langsam zurück weicht.
Wir warten noch eine halbe Stunde und beobachten den Rückgang des Wassers, bevor wir um 3.30 Uhr beschließen, unser Zelt wieder einzuräumen und noch ein paar Stunden zu schlafen. Joachim gelingt es natürlich ganz schnell wieder, in seinen Tiefschlaf zurück zu finden. Ich ziehe es dagegen vor, Wache zu schieben, auf das Rauschen des Rivers zu horchen und immer wieder seinen Wasserstand zu kontrollieren. Erst als es schon hell ist, der Fluss wieder relativ ruhig in seinem gewohnten Bett fließt und Joachim wach wird, komme ich endlich zur Ruhe und schlafe noch 2 Stunden bis 10.00 Uhr tief und fest.
So kommen wir erst um 11.00 Uhr heute zum Game Drive. Doch um diese Uhrzeit sehen wir nichts Außergewöhnliches. Viele kleine Gruppen Warzenschweine fallen uns heute auf. Immer wieder erfüllen verschiedene Tokos und Webervögel die Luft mit ihren Rufen und ein paar Geier sitzen in den Bäumen und warten scheinbar auf warme Aufwinde.
Östlicher Gelbschnabeltoko - Eastern Yellow-billed Hornbill - Tockus flavorostris
Die Mahaliweber sind gerade mit dem Nestbau beschäftigt. Sie wirken sehr geschäftig, fliegen hin und her, sammeln Gräser, die sie dann ihre Nester einweben. Diese sehen allerdings immer etwas lieblos und eilig gefertigt aus – keine ordentliche Kugel, wie man sie von anderen Webervogelnestern kennt, sondern ein Durcheinander verschiedener ineinander gewebter und gestopfter Grashalme.
Mahaliweber - White-Browed Sparrow weaver - Plocepasser mahali
Eine Oryxantilope flüchtet vor uns. Doch als wir eine Zeitlang stehen bleiben, läuft sie auf uns zu. So gelingen uns endlich einmal ein paar Aufnahmen von diesen scheuen Tieren.
Auf dem Rückweg zum Camp halten wir noch einmal an. Über Samburu spannt sich ein wunderschöner Regenbogen. Ein seltenes Bild in dieser Gegend, das wir noch lange betrachten und natürlich mit der Kamera einfangen.
Unseren Abend lassen wir gemütlich am Lagerfeuer ausklingen und sind schon vor 10 im Zelt verschwunden. Schließlich haben wir noch ein paar Stunden Schlaf nachzuholen und wollen morgen früh raus.

Fortsetzung folgt
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zuletzt bearbeitet 30. Mai 2010
Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Cheetah, Chui & Co – Alle ausgewandert?
Dienstag, den 2.3.2010


Heute brechen wir früh um 6.30 Uhr auf, um auf Leopardenpirsch zu gehen. Doch bis zum Frühstück um 8.30 Uhr bleibt uns Chui weiterhin verborgen. Uns fällt hier in Samburu immer wieder auf, dass es relativ wenig und nur kleine Gruppen, oft sogar nur einzelne Tiere, Kleinwild gibt. Das könnte natürlich auch noch eine Folge der letzten Dürre sein. Doch um das zu beurteilen, kennen wir Samburu zu wenig.
Auch wenn wir Chui nicht begegnen, verläuft unsere Frühpirsch nicht ganz erfolglos. Eine Gruppe von 9 Gerenuks läuft mal nicht vor uns davon und ich bekomme endlich meine Bilder von den sich aufrichtenden eleganten Giraffenhalsgazellen beim Fressen. Wir können gut beobachten, wie sie erst mit den Hinterbeinen festen Halt suchen, sich dann mit den Vorderpfoten aufrichten und das Buschwerk ergreifen und schließlich das frische Grün fressen.
Auch einer größeren Gruppe Oryxantilopen begegnen wir. Bisher haben wir ja nur einzelne oder maximal zwei Tiere gesehen.
Um 10.15 Uhr fahren wir Richtung Campingsite zurück. Wir wollen eine sehr lange Mittagsrast einlegen. Kurz hinter dem Larsens Camp liegt in einer Biegung wie ein großer brauner Stein regungslos ein einsames Hippo mitten im Fluss. Es ist das erste und einzige Hippo, das wir hier sehen.
Nach einem kurzen Schlenker in Buffalo Springs, wo wir auch nur einen einzelnen Grevyzebrahengst sehen, treibt uns der Hunger schließlich kurz nach elf ins Camp zurück. Dort verbringen wir die schwüle Mittagszeit.
Grevyzebra
Wir braten unseren Tilapia. Dazu gibt es warmen Kartoffelsalat mit Gurke und Zwiebel. Danach nutzen wir die Zeit, für morgen das Hähnchenfleisch aus unserer allmählich nachlassenden Kühlung zu braten und einen Teil davon für einen Reissalat zu verwenden. So haben wir unser Abendbrot auch schon vorbereitet.
Heute kocht der Chef persönlich
Zwischendurch kommen immer wieder Tokos ganz nah ans Zelt, so dass wir diese schönen Vögel aus nächster Nähe betrachten und fotografieren können. Irgendwann fällt mir allerdings ein, dass ich die CF-Card aus der Kamera entfernt habe, weil ich ja die Fotos im Netbook sichern wollte. Schade um diese wahrscheinlich einmaligen Toko-Bilder.

Auch die Meerkatzen wittern wieder Beute und obwohl wir alle unsere Sachen gut sichern und bewachen, gelingt es ihnen heute doch tatsächlich eine Tüte Chashewkerne vom Tisch zu stibitzen.

Es ist den ganzen Tag schon stark bewölkt. Zwischendurch hören wir in der Ferne ein dumpfes Donnergrollen und kurz nach 14.00 Uhr beginnt es zu regnen. Das motiviert uns erst einmal nicht zu einem weiteren Gamedrive. Heute Nachmittag chillen wir ein bisschen – schließlich haben wir ja Urlaub.

Ein großer roter Truck - „Das rollende Hotel“ - voll besetzt mit Touristen hält oberhalb auf dem Weg zur Campsite. Irgendwie verfolgen uns diese schrecklichen Fahrzeuge seit dem vergangenen Jahr. Glücklicherweise fährt der Fahrer nach einer kurzen Inspektion des Platzes weiter. Sie haben irgendeine Campsite gebucht und natürlich hoffen wir sehr, dass sie ihren Platz finden.
Um 16.00 Uhr fahren wir doch noch einmal raus – weiterhin in der Hoffnung einen Leoparden, vielleicht auch Cheetas zu sehen. Leider erfüllt sich diese Hoffnung auch heute nicht. Dafür beobachten wir eine Gruppe Netzgiraffen und entdecken im hohen Gras einen Hasen. Seine Tarnung ist exzellent und auch hier war es erst wieder nur eine winzige Bewegung, durch die wir auf das kleine Tier aufmerksam wurden.
Immer wieder schön anzusehen...
…die Netztgiraffen in Samburu
Auf unserem Rückweg zur Campingsite verfolgt uns ein wunderschöner männlicher Ellipsenwasserbock mit seinen großen braunen Augen. Er ist gut zu erkennen an der weißen namengebenden Ellipse um den Schwanzansatz und dem weißen Streifen, der sich von der Kehle bis zum Ohransatz zieht. Seine langen nach vorne gerichteten Hörner sorgen für eine imposante und stolze Erscheinung.
Nach einem mäßig ereignisreichen Safaritag sind wir schon gegen 18.30 Uhr zurück im Camp. Da wir heute nicht mehr kochen müssen, nutze ich die Zeit und das Lagerfeuer, um zwei Körnerbrote für die nächsten Tage zu backen.

Fortsetzung folgt
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Der letzte Gamedrive
Mittwoch, den 3.3.2010

Um 6.30 Uhr erleben wir einen ersten wirklich schönen Sonnenaufgang seit unserer Zeit hier im Samburu.
Wir wollen wir gerade zur Frühpirsch hinaus fahren, als die Jungs vom Nachbarcamp kommen und uns um Starthilfe bitten. Bereitwillig ziehen wir den Minibus den Weg hoch und schleppen ihn bis zum Gate, doch der Motor des Vans springt nicht an. Wir versuchen, mit dem Starthilfekabel die Batterie zu überbrücken und helfen auch noch mit einer Sicherung aus. Leider bleibt unsere Hilfe erfolglos. Das komplette Relais scheint defekt zu sein. Seine drei jungen Safarigäste hat der Fahrer gleich schon in einem anderen vorbeikommenden Lodgefahrzeug zur Frühpirsch mitgegeben.

Nun – was soll‘s – wir kommen so mal wieder nur zu einer späteren Frühpirsch erst um 7.45 Uhr los. Auch heute ist unser Leoparden-Gamedrive nicht von Erfolg gekrönt.

Nach dem Frühstück fahren wir nach Buffalo Springs rüber. Abseits der holperigen Main Road suchen wir nach einem befahrbaren Weg zu den Quellen. Wir sehen wieder mehrere große Gruppen Netzgiraffen und neben einem einzelnen Grevyzebra die hier selten vorkommenden Burchell’s – oder auch Steppenzebras. Diese haben wesentlich breitere ins bräunlich gehende Streifen und Unterbauch und Beine sind komplett gestreift.
Burchell's- oder Steppenzebras
In Buffalo Springs lebt eine sehr kleine Gruppe dieser sonst in Kenya weit verbreiteten Zebraart
Wer hier schnell von A nach B kommen will, keine Pfadfinderambitionen hat und auch nicht den kleinen Forscher oder Entdecker in sich spürt, sollte einfach die Main Road fahren. Der Weg zu den Quellen ist uns versperrt, denn der starke Regen der letzten Tage hat viele Wege so sehr versumpft, dass sie unbefahrbar sind. Joachim steigt immer mal wieder aus und prüft kleine Flussläufe, Modderlöcher und Pfützen auf ihre Durchfahrbarkeit.
Einen Stuck wollen wir natürlich auch nicht riskieren, zumal hier fast keine Fahrzeuge unterwegs sind, die uns im Notfall helfen könnten.
Dieses Matschloch umfahren wir lieber weitläufig, denn wenn wir uns hier festfahren, haben wir in den nächsten Stunden viel zu graben.
Insgesamt ist nicht viel los und so fahren wir zum Mittagessen und Relaxen zur Campsite zurück. Am Nachmittag suchen wir den Mechaniker in der benachbarten Samburu Lodge auf. Irgendetwas klappert ganz fürchterlich an unserem Auto. Erfreulicherweise ist es kein großes Problem. Lediglich am inneren Radlaufblech haben sich ein paar Schrauben verselbstständigt. Der Mechaniker fixiert das Blech mit neuen Schrauben, die wir – ebenso wie das entsprechende Werkzeug - selbstverständlich dabei haben. Für die Arbeit zahlen wir 500 Kshs. Mehr war sie leider auch nicht wert, denn schon auf dem kurzen Rückweg zur Campsite rappelt und klappert das Blech schon wieder.

Da es während unseres Aufenthalts in der Werkstatt schon wieder heftig geregnet hat, verspüren wir wenig Lust noch mal zu einem Gamedrive rauszufahren. So sind wir schon um 17.00 Uhr im Camp und nutzen unsere frühe Rückkehr dazu, schon mal wieder etwas Ordnung in unser Auto und ins Zelt zu bringen. Morgen früh bauen wir ab und fahren erst einmal nach Nairobi zurück. Schließlich liegt ja irgendwo in dem großen Times Tower noch ein Logbook, dass wir zwingend haben wollen!

Gemütlich am Lagerfeuer bei unserem Biercocktail sitzend beobachten wir am gegenüberliegenden Flussufer zwei Netzgiraffen. Sie kommen aber nicht zum Trinken an den River herunter.
Gegen Abend schwillt der Fluss wieder gut an und die Fließgeschwindigkeit des Wassers verursacht ein enormes Rauschen. Da die sanitären Anlagen hier mal wieder ohne Wasser sind, fällt die dringend erforderliche Dusche leider aus. Wir haben aber aus Nairobi genügend Wasser in Kanistern mitgenommen, so dass wir die gute alte Waschschüssel füllen und unsere Körperwäsche wie zu Großmutters Zeiten vollziehen. Schließlich wollen wir doch morgen im Times Tower in Nairobi sauber gewaschen und gekämmt auflaufen.
Fortsetzung folgt, aber jetzt brauche ich erst mal 'ne kleine Pause! Bis später!
Wir wünschen schon mal viel Spaß und gute Unterhaltung beim Lesen!

Liebe Grüße
Birgitt & Joachim
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zuletzt bearbeitet 30. Mai 2010
1'667 Beiträge · seit 200930. Mai 2010 ·
Hallo,Birgitt und Joachim
Habe mit grossem Interesse deinen Reisebericht gelesen, freue mich schon auf die Fortsetzung mit weiteren schönen Bildern.
Liebe Grüsse von
der "anderen" Birgitt
Der Erde eine Stimme geben REISEBERICHT 4 1/2 WOCHEN BOTS UND NAM REISEFOTOS UND KURZER BERICHT: UGANDA IM LAND DER KOCHBANANEN REISEBERICHT : ZIMBABWE - NOVEMBER 2012 REISEBERICHT : ZIMBABWE - NOVEMBER 2013 2014 Griechenland 2015 Austria und Griechenland 2016 Costa Rica und Panama 2017 Bretagne und Griechenland
Themenstarter287 Beiträge · seit 200931. Mai 2010 ·
Und noch einmal Wasser marsch!
Donnerstag,den 4.3.2010

Es ist noch sehr früh am Morgen, etwa 4.50 Uhr. Der Ewaso Ngiro lärmt und braust in einer Lautstärke, die jeglichen Tiefschlaf unmöglich macht. Ich döse vor mich hin und nehme schlaftrunken wahr, dass Joachim einen Blick aus dem Zelt wirft. „Alles in Ordnung da draußen?“, murmel ich. „Ja, ja, das Flussbett ist zwar voll, aber das Wasser kommt nicht über die Ufer.“, beruhigt Joachim mich.
Uns bleiben noch zwei maximal drei Stündchen Schlaf bis zum Aufstehen. Wenn wir es ohne Hektik angehen lassen und spätestens bis 17.00 Uhr in Nairobi sein wollen, müssen wir zum Abbauen und Packen früh raus. Also drehen wir uns noch einmal um und versuchen etwas Schlaf zu finden.
Doch irgendwie ist es uns nicht gegönnt. Der tosende Lärm des Wassers beunruhigt mich und so krabbele ich alle 10 Minuten unter meiner Decke hervor und schaue aus dem Moskitoschutz des Zeltes auf den River. Damit halte ich Joachim natürlich auch wach und irgendwann wirft er etwas genervt ein: „Das Wasser kommt nicht. Ich habe doch gerade selbst noch geguckt!“ „Stimmt wohl, aber mittlerweile ist es 5.20 Uhr und wir sollten machen, dass wir hier raus kommen. Das Wasser steht vor dem Zelt!“, presse ich hervor, während ich im Dunklen schon nach meinen Klamotten angel.
Joachim schnellt hoch, wirft nur einen kurzen Blick nach draußen und meint: „Vor 20 Minuten war doch noch nichts!“ Doch auch er schlüpft schnell in seine Kleidung und gemeinsam räumen wir in Windeseile das Zelt leer. Die „Übung“ vor zwei Tagen kommt uns nun vielleicht zu Gute, denn auch wenn wir nicht trockenen Fußes aus dieser Nummer herauskommen, schaffen wir es zumindest unsere gesamte Ausrüstung - mit Ausnahme des Zeltes – ohne Schaden im Auto zu verstauen. Das Zelt lassen wir stehen, haben wir doch die Erfahrung gemacht, dass sich der Fluss nach einiger Zeit wieder beruhigt. Allerdings wird uns schnell klar, dass unsere Behausung dieses Mal wohl ordentlich durchgespült wird und wir eine Menge Dreck zu entfernen haben.
6:19 Uhr –Unser Zelt lassen wir stehen. Mittlerweile steht das Wasser so hoch, dass wir unsere Behausung nicht mehr abbauen können.
Das Wasser steigt rasant schnell. In kurzer Zeit steht der gesamte Campingground unter Wasser. Joachim fährt das voll gepackte Auto hoch auf die Zufahrt zum Campingplatz und von dort oben beobachten wir, wie die schokoladenbraune Brühe steigt. Aus dem Nachbarcamp kommt Esmit mit seinen Freunden rüber und berichtet, dass bei ihm schon alles überschwemmt ist. Fast gleichzeitig trifft ein Trupp Ranger ein. Nur kurz beobachten sie gemeinsam mit uns die Lage, dann ertönen ein paar Kommandos. Ein Ranger drückt Joachim sein Gewehr in die Hand und meint, er solle es im Auto aufbewahren.
Dann krempeln alle mit schwarzer Hautfarbe am Platz die Hosenbeine hoch oder ziehen die Beinkleider gleich ganz aus, ebenso Schuhe, Jacken und Pullover und waten zu unserem Zelt ins Wasser. Wir schauen fassungslos zu, was die Jungs da veranstalten, bis wir kapieren, dass sie unser Zelt aus dem stetig anschwellenden Strom noch abbauen wollen. Wir sind immer noch überzeugt, dass der Fluss dem Zelt nichts anhaben kann und rufen den Helfern zu, sie sollen es stehenlassen. Doch entweder können sie uns nicht hören weil sie ihre ganze Aufmerksamkeit auf ihre Aktion richten oder sie wollen es einfach nicht, und tun das, was sie für richtig halten. Eigentlich haben wir ja das Bedürfnis zu helfen, aber unsere Furcht vor möglichen Krokodilen in diesem reißenden Strom ist zu groß und so wagen wir uns nur wenige Meter ins Wasser als die Helfer mit dem wassergefüllten Zelt auf uns zukommen und packen beim Herausziehen mit an. Das gelingt zunächst einmal nicht, denn der hintere Zelteingang ist verschlossen und mit einem Vorhängeschloss gesichert. So können wir den Reißverschluss nicht öffnen. Flüchtig drängt sich Joachim der Gedanke auf, dass wir ja immer den Schlüssel im Schloss stecken lassen. Hoffentlich ist der bei dieser Aktion nicht verloren gegangen. Wir müssen das Zelt also unter Wasser erst einmal drehen, so dass der offene Eingang nach unten zeigt und das Wasser beim Herausziehen ablaufen kann und dabei gleichzeitig die Stangen alle im Griff behalten. Mit acht erwachsenen Personen und einem enormen Kraftaufwand bewältigen wir das schließlich.
Während Joachim und ich das Zelt zur Road hochziehen, die Stangen und Seile einsammeln und kontrollieren, ob alles da ist, waten die Ranger und Esmit schon wieder ins Wasser und versuchen, noch ein paar Teile aus dem davon schwimmenden Nachbarcamp zu retten: Matratzen, Schüsseln, Stühle, Pfannen und Töpfe schwimmen mit hoher Geschwindigkeit an ihnen vorbei, sammeln sich kurz an einem Strauch und werden dann doch von der starken Strömung mitgerissen. Esmit leiht sich das Abspannseil unseres Vorzeltes aus. Damit gehen er und seine Freunde noch einmal ins Wasser und versuchen ihre Ausrüstung damit einzufangen – leider völlig vergeblich. Ein riesiger Baumstamm schnellt vorüber – schließlich wird allen klar, dass nichts mehr zu retten und jeglicher Versuch etwas aus dem reißenden Strom zu fischen auch lebensgefährlich ist. Als wir unser Bedauern darüber ausdrücken, meint Esmit lächelnd: That’s nature.“ und „I must buy a lot of things new, but I’ve some tents at home.“ Doch er wirkt dennoch ratlos und niedergeschlagen. Etwas hilflos reiche ich ihm seine Schuhe, die ich noch aus dem Wasser geangelt habe und Joachim fragt, ob er unseren charcoal –oven und die restliche Holzkohle gebrauchen kann. Esmit nimmt es gerne und stellt die Sachen erst mal zu seinen wenigen Habseligkeiten. Wir bedanken uns bei allen ganz herzlich, verabschieden uns von unseren Helfern und packen unser nasses Zelt ins Auto. Früher als wir es ursprünglich geplant haben, nämlich schon um 7.20 Uhr, brechen wir auf nach Nairobi… meinen wir.
Nur wenige Minuten später dürfen wir schon einen Zwangsstopp am Gate vom Samburu zum Buffalo Springs Nationalreserve einlegen.
Die Brücke, die dort über den Fluss führt, ist völlig überspült, hat durch die Kraft des Wassers wahrscheinlich einen Clutch und ist vorläufig unpassierbar.
Das Wasser im Fluss steigt immer noch, denn während ich ein paar Fotos mache, bekomme ich schon wieder nasse Füsse.
Wir beschließen umzukehren und den Umweg über Archers Post in Kauf zu nehmen. Doch auch dieser Weg ist erst einmal unpassierbar. Der Fluss hat mittlerweile die Mainroad erreicht und diese völlig überspült. Da wir nicht wissen, welche Wassermassen uns auf dem weiteren Weg noch erwarten und wir befürchten müssen, im Schlamm stecken zu bleiben oder durch eine zu starke Strömung mitsamt Auto mitgerissen zu werden, fahren wir links vom Fluss in die höher gelegenen Regionen des Reserves. Oben in den Lolkoitoi Bergen halten wir uns erst einmal eine gute Stunde zu einem Gamedrive auf, immer noch in der Hoffnung an diesem letzten nicht geplanten Morgen im Samburu unseren Chui zu entdecken. Doch der Leopard zeigt sich uns nicht. So suchen wir uns einen schönen, gut überschaubaren Platz, packen unsere Tische, Stühle und den kleinen Lebensmittelkorb aus. Abseits der Katastrophe – die sich zu diesem Zeitpunkt für uns noch gar nicht als solche darstellt - sitzen wir mitten in der Landschaft, genießen hier die Ruhe und den Frieden der Natur und ein ausgiebiges Frühstück. Keine Spur von Wasserrauschen, menschliche Aufregung oder Weltuntergangsstimmung – nur das Zwitschern, Rufen und Singen der vielen Vögel rings um uns.
Bevor wir ganz bequem werden oder uns möglicherweise nach dem anstrengenden und aufregenden Morgen noch die Augen zufallen, packen wir etwas träge gegen 9.00 Uhr unsere Sachen wieder zusammen. Joachim ist überzeugt, dass das Wasser nun schon ein gutes Stück zurück gewichen ist und wir einen halbwegs passierbaren Weg zum Archers Post Gate finden werden.
Doch weit gefehlt! Als wir den Weg von Lolkoitoi Richtung Mainroad herunterkommen, sehen wir sowohl am Wegesrand als auch Off Road einige Safariauto parken.
Menschen sammeln sich unter vorstehenden Felsblöcken oder spärlichen Büschen, um sich nicht direkt der sengenden Sonne auszusetzen. Wir sehen schon beim heranfahren, dass der Weg unpassierbar ist. Bis hier oben ist das Wasser des Ewaso Ngiro gestiegen.
Nun wird auch uns das Ausmaß der Katastrophe bewusst und wir realisieren, dass wir heute ganz sicher nicht mehr bis Nairobi, wahrscheinlich nicht mal hier aus dem Samburu Nationalreserve heraus kommen. „Ade Logbook! Kwaheri Tanzania!“, verabschieden wir uns schon mal gedanklich von unserem erhofften Fahrzeugpapier und der geplanten nächsten Reiseetappe. Für uns persönlich ist das aber auch schon das größte Übel. Um alles weitere, z.B. wo wir die Nacht verbringen, was wir essen und trinken, um unser Gepäck, Geld und Reisepapiere brauchen wir uns keine Gedanken machen. Wir haben alles dabei und können auch mit unserer Verpflegung und dem Wasser noch ein paar Tage hier ausharren.
Die meisten Touristen, die sich hier sammeln, sind allerdings sehr verzweifelt. Sie waren auf Frühpirsch, haben ihr gesamtes Gepäck im Camp oder in der Lodge, einige sogar ihr Geld und die Reisepapiere. Ein amerikanischer Forscher, der im Elephant Watch logiert, berichtet dass sie das Camp fluchtartig verlassen mussten. Er rechnet nicht damit, irgendetwas von seinen persönlichen Sachen, seinen wissenschaftlichen Aufzeichnungen, seinen Laptop wiederzusehen.
Auf den Felsen sammeln sich immer mehr einheimische Menschen – Angestellte aus den Lodges und Camps mit ihren Familienangehörigen. Die Kunde, dass sämtliche Camps und Lodges entlang des Flusses , ebenso wie das Headquarter der Ranger unter Wasser stehen, die Zeltcamps sogar völlig zerstört und davon geschwemmt sind, breitet sich aus.
Hubschrauber kreisen über uns, landen nacheinander und bringen weitere Touristen aus den Lodges erst einmal in diese sichere Area. Entlang des Flusses haben sich weitere Menschen vor den reißenden Wasserfluten auf Bäume gerettet und harren dort nun aus, bis ein Hubschrauber nach Stunden endlich mit einer Seilwinde ausgestattet ist und sie dann in halsbrecherischer Aktion herausziehen kann.

Ein Helikopter der British Airforce landet und wird von einigen Menschen gleich belagert, die nach Trinkwasser fragen. Pilot und Co-Pilot teilen beruhigend mit, dass ein weiterer Hubschrauber mit Wasser unterwegs ist. Da wir genügend Wasser im Auto haben, verteile ich unsere beiden Literflaschen, die zwei Frauen dankbar annehmen und nach einigen Schlucken erst mal kreisen lassen. Kurz darauf landet aber bereits der nächste Hubschrauber, der zwei Paletten Trinkwasser bringt.
In den nächsten Stunden starten und landen immer wieder die Helikopter von British Airforce, Kenya Police und Kenya Army. Sie bringen weitere Touristen, aber auch noch einmal Wasser für die Menschen, denn mittlerweile knallt eine glühende Sonne erbarmungslos vom Himmel und hier stehen nur vereinzelt vertrocknete kleine Büsche, die kaum Schatten bieten.
Wir unterhalten uns intensiver mit einem älteren britischen und einem jungen deutschen Paar, die beide auf der Dik Dik Campsite untergebracht sind und ebenfalls von ihrer Frühpirsch nicht mehr ins Camp zurück kehren können. Sie machen sich große Sorgen um ihr Gepäck und die beiden Frauen auch um ihre Pässe und ihr Geld, die sie im Camp zurück gelassen haben. Für sie ist es unvorstellbar, die Nacht hier in der Wildnis zu verbringen. Wir versuchen sie zu beruhigen, haben wir doch noch ein zweites Zelt und reichlich Decken dabei. Selbst eine ordentliche warme Mahlzeit würden wir mit ihnen teilen. Doch sie lamentieren lieber darüber, wer für den Schaden aufkommt, wie teuer doch die Reise war und wie schrecklich alles ist. Wir können die vier nicht wirklich aufmuntern. Sie wollen einfach nur raus hier! So haben sie sich Kenya nicht vorgestellt.
Nun ja, unser Angebot für den Notfall steht. Irgendwie können wir die Sorgen der kleinen Gruppe ja auch verstehen – zumal die Engländer übermorgen ab Nairobi nach Hause fliegen. Den Verlust des Gepäcks könnte man ja noch verschmerzen, aber ein pünktlicher Rückflug ohne Papiere und Geld ist eigentlich undenkbar.
Wir fahren erst mal unseren Landrover vom Weg auf die offene Grasfläche hinauf, breiten unser nasses, schmutzig-braunes Zelt aus und bauen es schließlich auf. So ist die Zeit, die wir hier verbringen müssen schon einmal sinnvoll genutzt. Falls wir die Nacht hier verbringen müssen, ist der Standort schon einmal geklärt und bis sich entscheidet, wie es weiter geht, trocknet die Sonne das Zelt und vielleicht können wir den gröbsten Dreck auch schon abbürsten- und klopfen.
Mittlerweile ist es Mittag und die Hubschrauber beginnen damit, einige Touristen auszufliegen – wohin können wir nicht genau in Erfahrung bringen. Es ist die Rede von Nairobi, dann aber auch vom viel näher gelegenen Nanyuki. Letzteres erscheint uns wahrscheinlicher, denn bis Nairobi und zurück wäre ein Helikopter, der maximal zwei Passagiere aufnehmen kann, mindestens zwei Stunden, wahrscheinlich länger, unterwegs.
Unsere vier Gesprächspartner aus dem Dik Dik Camp wollen nicht fliegen, solange sie nicht wissen, was mit ihren Sachen ist. Ihr Fahrer Linus erklärt sich bereit, mit einigen Helfern – unter anderem unser Freund Esmit – zu versuchen, zu Fuß bis zum Camp vorzudringen, in der Hoffnung, dass vielleicht das Gepäck der Touristen noch in Sicherheit gebracht werden konnte. Wo nehmen die Afrikaner nur immer ihren Optimismus her?
Auch wenn wir einen Freiflug über Samburu durchaus attraktiv finden, würden wir doch niemals unseren Landi hier zurücklassen, zumal wir ja nicht in Lebensgefahr schweben. So hängen Joachim und ich uns die Kameras und das Fernglas um den Hals und machen uns an den schweißtreibenden Aufstieg auf die Felsen Von dort haben wir einen Blick weit über das Land und können so vielleicht das Ausmaß der Katastrophe besser einschätzen. Die Idee hätte uns eigentlich schon ein paar Stunden früher kommen können, als es noch nicht so glühend heiß war. Oben angekommen sind wir entsetzt von dem Bild, das sich uns bietet.

Es ist für uns unfassbar, wie weit der Ewaso Ngiro aus seinem Flussbett heraus gekommen ist, wie viel Land überschwemmt wurde. Überall breitet sich das Wasser auch jetzt noch aus, zwischen Büschen und an den Bäumen hängen Einrichtungsgegenstände. Bis jetzt verbreitet sich nicht die Kunde von Menschen, die verletzt oder getötet wurden. Wir hoffen, dass diese Nachricht nicht auch noch eintrifft. Der finanzielle Schaden dürfte in Millionenhöhe liegen, Lodges und Camps sind sicher für einige Monate bis zum Beginn der Hauptsaison geschlossen. Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Imageschaden für Samburu in Grenzen hält.

Während wir den Abstieg antreten, starten, landen und kreisen die Hubschrauber immer noch. Einige überfliegen sicher das Samburu – Gebiet weitläufig, um einen Überblick über die Schäden zu erhalten. Andere fliegen den Flusslauf ab und halten scheinbar nach Menschen Ausschau, die irgendwo in den Bäumen oder auf Lodgedächern noch auf Rettung warten und unter uns werden weitere Touristen ausgeflogen. Als wir unten ankommen, sitzen das britische und das deutsche Paar immer noch im spärlichen Schatten und warten auf die Rückkehr von Linus. Die Hügelkette leert sich allmählich. Die meisten Einheimischen sind nicht mehr zu sehen. Wo auch immer sie hingegangen sind – wir wissen es nicht. Auch der Wagen vom Elephant Watch Camp entfernt sich. Mit dem zuletzt gestarteten Hubschrauber zieht auch der britische Airforce-Angehörige ab, der wohl hier für Ruhe, Ordnung und Informationen sorgen sollte. Nur noch unser Landi und der Minibus von Linus und seinen vier Insassen stehen am Weg. Dafür ist jetzt ein Regierungsangestellter vor Ort, der uns mitteilt, dass er uns einen befahrbaren Weg zum Archers Point Gate weist, so dass wir Samburu heute noch verlassen können. Nun warten wir lediglich noch auf die Rückkehr von Linus. Seine kleine Reisgruppe hofft immer noch inständig auf ihr Gepäck.

Unser Zelt ist mittlerweile getrocknet und wir versuchen den gröbsten Dreck mit einem Besen abzufegen. Bis wir unsere Behausung wieder einigermaßen sauber haben, müssen wir wohl noch viel schrubben und klopfen. Aber immerhin können wir es jetzt erst einmal trocken abbauen.

Gerade legen wir das Zelt zusammen, als vier Einheimische, schwer bepackt mit Treckingrucksäcken den Weg aus Flussrichtung heraufkommen. Linus, Esmit und zwei andere Helfer haben tatsächlich das Gepäck gefunden und machen damit vier Menschen erst einmal überglücklich.
Linus berichtet, dass der Koch des Camps die Rucksäcke der Touristen und sich selbst in einen Baum gerettet hat. Wir bemerken erstaunt, wie unbeschadet und sauber die Rucksäcke doch aussehen, doch gleich klagen die Engländer, dass die Kleidung im Inneren doch nass und schmutzig geworden sei.

Oh, je, welch schlimmes Ereignis! Wir äußern uns lieber nicht mehr dazu, sondern packen mit Hilfe des Regierungsangestellten unser Zelt ins Auto, reihen uns dann um 13.30 Uhr in den kleinen Convoi ein und verlassen über das Archers Point Gate eine gute halbe Stunde später das Samburu Nationareserve.
Unterwegs telefonieren wir schon mal mit Elvira und informieren sie, dass wir heute doch noch nach Nairobi fahren und sie zwischen 20.00 und 21.00 Uhr mit uns rechnen kann. Das bedeutet für uns zwar schon wieder eine 2-stündige Fahrt in der Dunkelheit, aber da wir ja nicht mitten in der Nacht unterwegs sind, ist das Risiko kalkulierbar.
Als wir auf die Hauptstraße des Ortes Archers Post zufahren, sind wir angesichts des hohen Verkehrsaufkommens schon leicht irritiert. Die Auflösung folgt sogleich: der Ewaso Ngiro fließt auch durch diesen Ort und die Brücke, die über die Straße Richtung Isiolo führt, ist völlig überflutet und somit gesperrt.
Super! Wir legen also unseren nächsten Zwangsstopp ein, schauen uns das Desaster an der Brücke an und telefonieren dann noch einmal mit Elvira, um ihr mitzuteilen, dass es heute mit unserer Ankunft in Nairobi doch nichts mehr wird. Ein Ende der Sperrung ist auch noch nicht abzusehen, denn der Fluss fließt mit einer ungeheuren Geschwindigkeit und reißt weiterhin Baumstämme, Mobiliar, Küchenausrüstung usw. mit sich. Im Ort selbst sind keine Menschen oder deren Behausungen in Mitleidenschaft gezogen, denn direkt am Fluss gibt es keine Bebauung. So hat das Wasser eine weite Auslaufzone, ohne allzu große Zerstörung anzurichten.
Wir fahren zurück in die Ortsmitte und setzen uns zusammen mit Linus und seinen Fahrgästen in eine kleine Bar. Zur Zeit können wir nur abwarten und einen Plan B entwickeln. Die Engländer telefonieren mehrmals mit ihrer Botschaft, und versuchen mit allen Mitteln zu erreichen, dass sie und die beiden jungen Deutschen zumindest in das etwa 160 km entfernte Nanyuki ausgeflogen werden.
Als sich irgendwann am Nachmittag das Wasser im Fluss endlich beruhigt und sogar langsam zurück geht, verbreitet sich schnell die Kunde: „The Bridge has gone!“ Die nächsten Meldungen lauten, dass die Brücke nicht völlig mitgerissen wurde, sondern nur so stark beschädigt ist, dass in den nächsten zwei bis drei Tagen niemand passieren kann. Der gesamte Ranger-Trupp von heute morgen kehrt ebenfalls in der Bar ein. Wir entscheiden, dass wir eine Nacht in Archers Point verbringen und mieten für 500 Kshs ein einfaches Doppelzimmer. Unser Auto können wir im Innenhof der Bar abstellen und saubere, heiße Duschen und Toiletten gibt es auch. Wenn die Brücke tatsächlich für mehrere Tage gesperrt ist, wollen wir nordwestlich über Wamba, Lodungokwe, Kisima, und dann weiter in südlicher Richtung über Sukuta Lol Marmar, Mukuta, Baringo nach Nairobi fahren. Diese Strecke kennen wir vom letzten Jahr. Wir müssen dann zwar auch in Baringo einen Zwischenstopp einlegen und kommen so erst am Samstag in Nairobi an – aber das ist immer noch besser als in Archers Post auszuharren. Der Ort ist überhaupt nicht reizvoll und auch nicht sehr Vertrauen erweckend. Wir fragen die Ranger, was sie von unserem Plan halten. Sie machen uns nicht viel Hoffnung – meinen aber, dass wir es versuchen könnten. Die Strecke ist wahrscheinlich sehr schlecht zu befahren, weil es auch dort seit Tagen immer wieder starke Regenfälle gibt, Straßen aufgeweicht und unterspült sind und wir so damit rechnen müssen, auch dort nicht weiter zu kommen.
In der Zwischenzeit haben die Engländer tatsächlich ihr Ziel erreicht. Sie und auch die beiden jungen Deutschen werden mit einem Hubschrauber ausgeflogen. Per Handy versuchen sie einigermaßen genau ihre Position durchzugeben und erhalten genaue Regieanweisungen.
Diese aufregenden Verhandlungen mit der britischen Botschaft, besonders die Beschreibung des Standortes, verfolgen wir ein wenig amüsiert. Man möge uns verzeihen, aber die beiden sind furchtbar aufgeregt und so sehr auf das Gespräch und die Instruktionen mit der Botschaft fixiert, dass wir uns ungerne einmischen wollen. Ansonsten hätten wir recht unkompliziert mit dem Navi die Koordinaten nehmen und weitergeben können. Nach Beendigung des Telefongesprächs wird das deutsche Pärchen noch genauestens unterwiesen, wie sie sich zu verhalten haben, wenn der Hubschrauber landet.
Die vier machen sich auf zu einer großen freien, als Helikopter-Landeplatz geeigneten Fläche. Dort sollen sie sich in einem großen Karree aufstellen und mit einem weißen Stoff winken, wenn die Hubschrauber nahen. Nach der Landung der Helikopter dürfen sie sich aber nicht von der Stelle bewegen, sondern müssen stehenbleiben und warten, bis sie geholt werden. In Nanyuki wollen sie dann mit einem Taxi bis zur Simba’s Lodge fahren, dort übernachten und sehen, wie sie morgen weiter kommen.
Mittlerweile kursiert auch das Gerücht, dass der Brückenanschluss zur Straße auf der anderen Seite lediglich etwa 5m breit und knapp 3m tief weggespült ist. Ein chinesischer Bautrupp soll schon mit den Reparaturarbeiten begonnen haben. „Früher Vogel fängt den Wurm“, denken wir uns, und da wir nichts Besseres zu tun haben, fahren wir zur Hauptstraße und reihen uns einfach mal in die Autoschlange vor der Brücke ein. Zu Fuß machen wir uns von dort auf den Weg direkt zur Brücke, um das Gerücht zu überprüfen. Tatsächlich fahren ständig mit Füllmaterial beladene LKW’s hin und her und bemühen sich, die defekte Anschlussstelle aufzufüllen. Jede Menge Militär ist in Archers Post zusammengezogen um die aufgeregte Menschenmenge von der Brücke fernzuhalten, die Sperrung abzusichern und gefährliche Sammelaktionen aus dem Fluss abzuwehren. Joachim findet heraus, dass die Brücke vielleicht zwischen 18.00 und 19.00 Uhr notdürftig wieder hergestellt ist und leichte PKW’s passieren können. Das lässt doch hoffen und die Arbeiten auf der anderen Seite nähren unseren Optimismus. Während ich am Auto warte und endlich um 17.15 Uhr den Abflug der Deutschen und Engländer von dort beobachte, , läuft Joachim zurück zur Bar, wo wir unser Zimmer für die Nacht gebucht haben und bringt den Schlüssel zurück. Die 500 Kshs können wir zwar abschreiben, aber das ist uns ziemlich egal. Wenn es irgendwie geht, wollen wir heute auf jeden Fall noch hier raus und bis Nanyuki fahren. Mit Linus, der mit seinem Minibus noch in einem Workshop steht und irgendetwas fixieren lässt, verabredet Joachim, dass wir möglichst zusammen bis zur Simba’s Lodge fahren. Jeder Kilometer, der uns heute näher an Nairobi heranbringt, erhöht unsere Chancen, bis morgen Mittag noch rechtzeitig im Times Tower zu sein und unser Logbook zu bekommen.
Während ich am Auto warte, beobachte ich den Menschenstrom, der zur Brücke hin oder zurück pilgert, um die aktuellsten Neuigkeiten auszutauschen, die Reparaturarbeiten zu beobachten, um einfach nur dabei zu sein oder etwas Treibgut aus dem Fluss zu ergattern und stolz für den Hausstand beizusteuern. Die meisten grüßen oder winken, die Kinder schauen mich mit ihren großen Augen an. Manche - besonders die Kleinkinder - senken ihren Blick oder verstecken sich hinter einem Erwachsenen, wenn ich ihnen „Jambo“ zurufe, andere wiederum lachen zurück. Ältere Kinder kommen ganz offen auf mich zu, viele tragen noch ihre Schuluniform und so komme ich mit einigen über ihre Schule ins Gespräch. Sie wollen im Display unserer Kamera die Fotos sehen, die ich gemacht habe. Mir fällt angenehm auf, dass keines von den Kindern anfängt zu betteln. Eine Kindergruppe kommt vom Fluss herauf. Unter ihnen ist ein kleiner Junge, der eine rosafarbene Toilettenbürste aus dem Fluss gefischt hat und diese jetzt liebevoll an sich drückt und küsst. Ich habe den Eindruck, dass er ein solches Teil noch nie gesehen hat und auch seinen Zweck nicht weiß. Für ihn scheint es ein tolles buntes Spielzeug zu sein und ich hoffe sehr, dass seine Immunkräfte ausreichen, den Kampfangriff von Kolibakterien und sonstigen Krankheitserregern abzuwehren.
Eine junge Mutter mit ihrem Baby im Tragetuch auf dem Rücken stoppt mit ihrer Freundin bei mir. Sie riechen beide stark nach Alkohol, kichern unkontolliert und lallen mir etwas entgegen. Ich verstehe sie zunächst nicht und glaube dann, dass sie mich auffordern ein Foto von dem Baby zu machen. Als ich das ablehne, sichern sie mir beide gleich eifrig zu: „It’s for free!“ Na, da verbrenne ich mir ganz sicher nicht die Finger dran. Konsequent lehne ich das Angebot eines kostenfreien Babyfotos ab. Da sie sich nicht abwimmeln lassen, versuche ich, sie in ein belangloses Gespräch über das Baby zu verwickeln und erfahre so, dass es sich um ein 8 Monate altes Mädchen handelt. Die Mutter will mir nun ihr Baby schenken: „You can take it! You don’t must pay! It’s free!”, betont sie noch einmal. “Oh no, I’m too old and your nice girl needs her mother”, schlage ich ihre verzweifelt vorgetragene Bitte ab. „But she is hungry and I’m too. Her Father has died. I have no money and I don’t can give her milk!”, jammert mir die junge Frau vor und drückt zum Beweis ihre Brust zusammen. Auch wenn mich diese Situation sehr berührt und ich echtes Mitleid mit dem kleinen Mädchen – weniger mit der Mutter – habe, bleibe ich freundlich-konsequent bei meinem „No“ und gebe auch nicht meinem inneren Drang nach, der Mutter etwas zu essen, geschweige denn Geld, in die Hand zu drücken. Es würde ihr nicht nachhaltig helfen, sondern sie nur darin bestätigen ihr eigenes Leben und das ihres Kindes mit dieser Strategie fortzusetzen. Als die beiden Frauen merken, dass bei mir nichts zu holen ist, verabschieden sie sich und setzen ihre „Tour“ kichernd und ein wenig schwankend fort.
Ich bin froh, als endlich Joachim wieder da ist. Niemand hat mich angefeindet, bedroht oder schlimm bedrängt und doch beschleicht mich – je länger ich alleine unser Auto „bewache“ und mit einer gewissen „Fremdheit“ konfrontiert werde – ein Gefühl der Unsicherheit.
Kurz nach 18.00 Uhr wird die Brücke tatsächlich frei gegeben. Linus, auf den wir eigentlich hier warten wollen, ist weit und breit nirgends zu sehen. Wir stehen relativ weit vorne in der mittlerweile langen Fahrzeugschlange und beschließen, schon mal zu fahren. Mit seinem Minibus ist Linus eh schneller unterwegs als wir mit unserem Landi, so dass er uns sicher bald einholen wird.
In Isiolo legen wir einen Tankstopp ein. Es wird schon dunkel, als wir nach Nanyuki weiterfahren – und immer noch keine Spur von Linus. Die Fahrt in der Dunkelheit ist wirklich kein Vergnügen auf dieser schlaglochreichen Piste. So schlecht haben wir die Straße von der Herfahrt gar nicht in Erinnerung. Wir treffen einige Schlaglöcher mit voller Geschwindigkeit (max. 60 km/h), andere sieht Joachim im allerletzten Moment und muss erst mal eine Vollbremsung hinlegen, bevor er sie umfahren kann. Es ist – was uns ja durchaus bekannt ist – stockdunkel in Kenya, keine Straßenbeleuchtung, kein Streulicht von irgendwelchen Ortschaften- einfach nur tiefschwarze Nacht um kurz nach 19.00 Uhr. Wir haben noch mindestens 1,5 Stunden Fahrzeit vor uns und mehr als einmal zweifle ich unsere Entscheidung, heute noch bis Nanyuki zu fahren, an. Das schlimmste an dieser Fahrt aber sind die uns noch zahlreich entgegenkommenden Autos, die mit aufgeblendetem Licht auf sich aufmerksam machen, bis sie an uns vorbei sind. Damit haben wir eine Sicht nach vorne, die gegen Null tendiert. Und so muss Joachim nicht nur ständig vor den Schlaglöchern heftig abbremsen, sondern auch bei jedem entgegenkommenden Auto - und das auf einer Straße, die über weite Strecken bergauf führt. Ich entspanne mich erst wieder, als wir endlich kurz nach 21.00 Uhr in Nanyuki eintreffen. Obwohl wir jedes Auto, das uns überholt hat, genau studiert haben, konnten wir keines als Linus‘ Minubus ausmachen. So müssen wir jetzt auch noch selbst herausfinden, wo die Simba’s Lodge ist. An einer Tankstelle mitten im Ort fragen wir zwei Einheimische nach dem Weg. Sie erklären ihn uns und einer von ihnen bietet dann auch an, uns für 450 Kshs zu begleiten. „400 is too much,“ sagt Joachim. Doch der junge Mann erwidert, er müsse ja den ganzen Weg auch wieder zu Fuß zurück laufen. „Na, für 400 Kshs kann der Weg dann ja nicht wirklich weit sein,“ murmelt Joachim mir zu. Er sagt, dass eine Begleitung nicht nötig ist und bedankt sich freundlich für die Auskunft. Wir müssen die Mainroad einen knappen Kilometer zurückfahren und gegenüber der Policestation links abbiegen. Bei Tageslicht kann man die Hinweisschilder zur Lodge eigentlich gar nicht verfehlen, aber im Dunkeln gibt es nur die Chance daran vorbeizufahren. Wir müssen sogar noch einmal einen Fahrradfahrer fragen, obwohl wir nur noch 100 m von dem Abzweig entfernt sind. Schließlich finden wir den Weg, auch dank des Radfahrers, der noch einmal absteigt und an der Biegung stehenbleibt, um uns den Weg zu weisen.
Die Zufahrt zur Lodge ist noch einmal eine echte Herausforderung! Dicker schwarzer Modder, in dem schon ein PKW feststeckt und gerade ausgegraben wird, macht die letzen 500 m noch einmal zu einer Zitterpartie. Doch mein „weltbester“ Safaridriver Joachim bringt uns souverän zum Ziel. Und so können wir uns um 21.30 Uhr für eine Nacht in dieser einfachen, aber preiswerten und ordentlichen Lodge einmieten. Das Restaurant ist auch noch geöffnet. Dort sitzen frisch geduscht, satt und fröhlich lachend unsere deutschen und britischen Bekannten vom heutigen Tag. Nur Linus ist noch nicht eingetroffen. Als wir eine gute Stunde später auch unser warmes Hühnchen mit Chips verspeist haben, erreicht die junge Frau aus Deutschland Linus per Handy. Mit seinem Mobile am Ohr betritt er das Restaurant und meint breit grinsend: „Hakuna matata! No problem. I’m here!“ Er ist gerade frisch eingetroffen. Er ist wohl nur kurze Zeit nach uns über die Brücke gefahren, hatte aber leider das Pech, dass vor ihm ein LKW im Modder auf der Straße steckengeblieben ist und sich quer gestellt hat. So war zwar die Brücke frei, aber die Straße erst einmal für längere Zeit blockiert. Trotz der späten Stunde bekommt auch Linus noch etwas Warmes zu essen. Im Fernsehen wird in den Nachrichten über die Überschwemmung in Samburu berichtet und wir erfahren, dass bei dieser Katastrophe doch einige einheimische Menschen zu Tode gekommen sind.
Eine Weile unterhalten wir uns noch über die weiteren Pläne eines jeden. Doch kurz nach Mitternacht sind wir zum Umfallen müde. Jeder zieht sich in sein Zimmer zurück. Wir gönnen uns noch eine heiße Dusche und schicken den Dreck des Tages durch den Abfluss, bevor wir fix und fertig ins Bett sinken und auf der Stelle einschlafen.

Spannende Unterhaltung wünschen euch
Birgitt & Joachim

Fortsetzung folgt
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zuletzt bearbeitet 31. Mai 2010
4'451 Beiträge · seit 200831. Mai 2010 ·
Hi Birgitt,
spannend war dieser urlaub allemal. 😄 Unglaublich was ihr da alles erlebt habt. 😄 Danke auch für die schönen Tierbilder 🙂 Also in dieser Jahreszeit werde ich dort nicht hinreisen 🤩
Lieben Gruß
Cécile
"I never knew of a morning in africa when I woke up and was not happy". Ernest Hemingway Reisebericht:2010 "Nach 4 Anläufen als Selbstfahrer in Namibia" http://namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/140297-nach-4-anlaeufen-als-selbstfahrer-in-namibia.html Reisebericht 2011 Eine neue Erfahrung.... http://www.namibia-forum.ch/forum/10-reiseberichte/187663- eine-neue-erfahrung.html 2007 ,2008 ,2009 2mal ,2010,2011 Namibia Botswana. 2011 Shanghai, 2012 Florida Virgin islands Karibik. 2012 Namibia und KTP 2013 Das erste Mal Südafrika Kruger NP 2014 Kapstadt und Kruger NP 2015 Kruger National Park 2016 kruger National Park 2017 Kruger National Park 2 KLICKS auf die "SONNE" und man liest den Reisebericht OHNE Kommentare !!!!!
zuletzt bearbeitet 31. Mai 2010
Themenstarter287 Beiträge · seit 200902. Juni 2010 ·
Catching the Logbook – nächster Versuch
Freitag, den 5.3.2010

Nach einem guten Frühstück im Kreise der beiden Engländer und des deutschen jungen Pärchens starten wir um 9.00 Uhr zurück nach Nairobi. Wenn wir unterwegs keine unfreiwilligen Stopps mehr einlegen müssen, sollten wir gegen 13.00 Uhr in Kenyas Hauptstadt sein - zeitlich noch passend, um am Nachmittag unser Logbook im Times Tower abholen zu können.

Am Nanyuki Airport herrscht reger Betrieb. Da Safaris in Samburu für die kommenden 2-3 Monate wohl gecancelt werden, liegt die Vermutung nahe, dass noch jede Menge Touristen, die erst einmal bis Archers Point, Isiolo und Nanyuki in Sicherheit gebracht wurden, heute noch nach Nairobi geflogen werden.

Wir schaffen es bis 12.45 Uhr am Times Tower in der Haille Selassie Avenue zu sein (Koordinaten: S 01.29139°, EO 36.82317°).

Die Türe am Customer Desk ist schon verschlossen. So ein Mist! Die Herrschaften beginnen ihre Lunchtime aber überpünktlich. Ein Beamter ist aber noch in dem kleinen Raum und macht sich am Computer zu schaffen. Daher mache ich mich bemerkbar und zeige auf meine Uhr, um anzudeuten dass es noch keine 13.00 Uhr ist. Deutsche Pünktlichkeit halt!!!

Tatsächlich schlendert der Beamte heran, öffnet die Türe und hört sich mein Anliegen an. Er nimmt die Papiere mit diversen Bearbeitungsnummern darauf und geht zu seinem PC. Zuvor schließt er aber sorgfältig die Türe wieder ab. Ich muss draußen warten. Wenige Minuten später kehrt er zurück und meint, unser Logbook sei noch nicht im System erfasst. Ich protestiere, sage ihm, dass ich es doch schon am Dienstag abholen sollte und heute ist Freitag – 3 Tage später. Da muss ein Fehler vorliegen. Doch er lässt sich von mir nicht über die Maßen strapazieren und schickt mich zu Counter 23. Mir bleibt nichts anderes übrig, als mich dort hinzubegeben. Nur 3 Leute stehen vor mir. Wenigstens keine lange Warteschlange heute – leider sitzt auch kein Beamter hinter dem Schalter. „He is going for lunch“, erfahre ich von der Security, die dafür zuständig ist, dass die Warteschlangen vor den einzelnen Schaltern – immerhin sind es um die 30 – nicht durcheinandergeraten und in britischer Genauigkeit eine ordentliche Linie bilden. Ich überlege hin und her, wäge ab ob ich hier eine Stunde lang stehen bleibe oder das Logbook sausen lasse. Hinter mir sammeln sich weitere Menschen, dafür verlassen vor mir die 3 Wartenden den Times Tower, so dass ich nun die erste in der Reihe bin.
Ich muss dringend zur Toilette. Das ist ja wirklich wieder eine verzwickte Situation. Als ich es nicht mehr aushalten kann, bedeute ich meinem Hintermann, dass ich gleich wiederkomme, nur mal eben zum Klo gehe. Zurück am Schalter stelle ich mich ganz selbstverständlich wieder als erste hin – so habe ich es bei den Kenyanern auch beobachtet und warum sollte ich meinen schönen 1. Platz so einfach aufgeben. Kein Mensch murrt - alles richtig gemacht also!

Meine Geduld wird noch auf eine harte Probe gestellt. Während an allen anderen Schaltern ab 13.55
Uhr so ganz allmählich und nacheinander der Betrieb wieder aufgenommen wird, tut sich am Schalter 23 nichts! Um 14.05 fange ich mal das Moppern an – frage erst die Security, wann es denn hier endlich weiter geht. Der grinst nur, zuckt die Schultern und meint „I don’t know, but I think he is
coming in a few minutes.”
Es ist kaum zu glauben, aber Mittagspause in Kenya scheint doch sehr dehnbar zu sein. „Is it normally here?“, frage ich meine Nachbarn, die vor counter 24 warten. „Yes, because they must cook their ugali“, erhalte ich grinsend zur Antwort.“ Na warte!“ denke ich mir, „Ihr amüsiert euch nicht auf meine Kosten!“ „So next time, I will cook ugali for them here at the counter and then they can eat, while they are working!” Damit ernte ich allgemeine fröhliche Zustimmung und das Warten ist nicht ganz so eintönig.

Um 14.20 Uhr wird als letzter „mein“ Schalter23 besetzt und dann drängeln sich doch tatsächlich zwei von der Seite einfach vor. Dagegen protestiere ich, muss aber dann doch feststellen „Dreist siegt meist“. Die beiden Drängler können
erst ihre Anliegen klären und dann bin ich endlich an der Reihe. Mit all meinem verbliebenen Rest von Fröhlichkeit, Höflichkeit und meinem freundlichsten Lächeln sag ich dem Beamten : „I hope you enjoyed your lunchtime and can help me now.“ (Lieber würde ich ihm ja sein Ugali aus dem Magen
pumpen lassen). Ich zeige ihm meine diversen Zettel, erkläre ihm den bisherigen Weg unseres Logbooks, nur um zu erfahren, dass es nicht im System verzeichnet ist und zu hören ich solle zur GPO gehen.
Nein, das tue ich ganz sicher nicht. Ich entgegne, dass wir dort schon in der vergangenen Woche waren und GPO das Logbook zum Times Tower zurückgeschickt hat. Es muss mittlerweile hier sein und ich brauche es ganz dringend. Der Beamte zieht einen Stapel Post – alles Logbooks – von irgendwoher und blättert sie durch. Unseres ist nicht dabei. „It must be here. Please look in the other post!“, bitte ich ihn.
Er hat schon den nächsten aus der Schlange herbei gewunken und bedient sein Anliegen. Doch der Mann ist multitasking-fähig. Mit der rechten Hand blättert er die Papiere des nächsten „Kunden“ durch und mit der linken greift er nach einem weiteren dicken Stapel Post, den er mir nun reicht und mir bedeutet, ich solle sie selbst durchsehen.

Drei Kunden und vier Poststapel später stelle ich ernüchtert fest, dass unsere Papiere nicht dabei sind. Mittlerweile
beiße ich mich an meiner Mission hier fest und sage, dass ich nicht ohne unsere Fahrzeugpapiere den Schalter verlassen kann. Der Beamte scheint tatsächlich Verständnis für mich aufzubringen. Er telefoniert und meint dann, er habe jemanden beauftragt, den Brief mit dem Logbook zu suchen. Ich warte noch einmal 15 Minuten direkt am Schalter, ohne meinen Platz dort aufzugeben. Wer weiß, ob der Beamte nicht mit seinen Bemühungen nachlässt, wenn er mich nicht dauerhaft im Blickfeld hat.

Dann endlich kommt jemand mit einem weiteren Stapel Post, den der Beamte selbst durchblättert und endlich das heiß ersehnte Papier herauszieht. Mit einem breiten Lächeln überreicht er es mir, kontrolliert noch anhand meines Passes, ob ich die rechtmäßige Besitzerin bin und dann muss ich schließlich im Signbook den Empfang unseres Fahrzeugpapieres bestätigen.

Endlich, um kurz nach 15.00 Uhr verlasse ich den Times Tower. Joachim sitzt mittlerweile gebraten im Auto. Ich weiß ja nicht, wer von uns beiden den schlechteren Job hatte. Als ich ihm stolz das Logbook zeige, meint er: „War doch klar, dass du ohne das Ding keinen Schritt mehr aus dem Laden
heraussetzt!“

Während wir losfahren, erzählt er mir von den zahlreichen Angeboten diverser Frauen. Selbst das Mädel, dass die Parktickets verkauft, hat ihm von ihrer Einsamkeit ein Lied gesungen, ihn eingeladen sich mit ihr in den Schatten zu setzen und gefragt, ob sie nicht sein girl-friend sein kann. Selbst als Joachim dankend ablehnt und meint, er warte auf seine Frau, lässt das Parkticketmädel nicht locker und bietet sich wenigstens für „sometimes“ an.

Zufrieden schleichen wir nun durch den Traffic-Jam von Nairobi zum Nakumatt Junction und anschließend zum Lavington Green Center. Wir geben unser Leergut ab, füllen unsere Vorräte für heute Abend und die nächste Safari auf und sind schließlich gegen 17.30 Uhr bei Elvira. Dort räumen wir solange es noch hell ist das Auto auf, kochen etwas zum Abendessen und verbringen den restlichen Abend gemeinsam mit Erzählen und Fotos gucken. Morgen wollen wir auf jeden Fall versuchen, nach Tanzania einzureisen.

Und hier noch ein paar Bilder von der Skyline Nairobi, alle aufgenommen am:
Public View Point Nairobi
Fortsetzung folgt

Schöne Grüße
Birgitt
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zuletzt bearbeitet 06. Juni 2010
Themenstarter287 Beiträge · seit 200906. Juni 2010 ·
Reise nach Tanzania
Samstag, den 6.3.2010

Um 10.00 Uhr haben wir endlich das Auto fertig gepackt, Wasservorräte aufgefüllt und gut gefrühstückt. Im Nakumatt Prestige kaufen wir noch einiges für unsere Ausrüstung und füllen den Kasten Tusker noch mal auf. Nebenan im Autoshop fragen wir nach einem Inverter. Sie haben leider keinen, aber im Woolmaart auf der Kenyatta Rd. soll es welche geben. Der Verkäufer zieht unter der Ladentheke das Gerät unseres Begehrens hervor. Er hat es sich vor einer Woche selbst dort gekauft. Es ist noch original verpackt und hat lt. Preisschild 3350 Kshs gekostet. Da wir weder Zeit noch Lust haben mitten in die City zu fahren, schwatzen wir dem Verkäufer das Gerät für 3800 Kshs ab. Er ist zufrieden, weil er ein gutes Geschäft gemacht hat und wir freuen uns, dass wir nun endlich unterwegs unsere diversen Geräte (Akkus, Netbook, Kamera etc.) wieder aufladen können. Außerdem sparen wir im Vergleich zu einem deutschen Gerät etwa 12€ und gehen nicht das Risiko ein, im Woolmaart keinen Inverter zu bekommen.

Um 11.00 Uhr machen wir uns dann endgültig auf den Weg nach Namanga. Wir wollen versuchen, nach Tanzania zu kommen, sind uns aber einig, dass wir nach Amboseli weiterfahren, falls die Grenzformalitäten mit unserem in Kenya zugelassenen Auto zu schwierig sein werden.

Wir fahren die A104 Richtung Mombasa, folgen in Athi River links dem weiteren Verlauf dieser Straße, d.h. so wollen wir fahren. Leider verpassen wir in Athi River den Abzweig, der wegen der im Bau befindlichen neuen Straße um einige Kilometer vorverlegt ist. Der Navi zeigt erst wesentlich später in Richtung Namanga an, doch dort ist die Abbiegespur versperrt. Also drehen wir und hoffen eine Abbiegemöglichkeit zu finden. Wir irren ein bisschen auf der „road under construction“ herum. Zwei Straßenworker zeigen uns den Weg und… führen uns direkt in ein tiefes Schlammloch.
O weh, wir stecken richtig böse fest. Der Wagen versinkt hinten bis zum Kofferraum im Modder und natürlich kommen wir weder vor- noch zurück. Knietief im Schlamm versunken, versuchen die beiden Jungs uns mit einer Schaufel frei zu graben und legen schwere Steine vor und hinter die Räder.
Ein erneuter Versuch aus dem Schlamm herauszufahren endet schnell erfolglos. Wir brauchen den Wagenheber. Doch der ist hinten im Laderaum und da kommen wir zur Zeit nicht dran. Also versucht Joachim ihn über den Innenraum des Fahrzeugs zu erreichen, was ihm nach einer geraumen Zeit schließlich auch gelingt. Um überhaupt eine Standfläche für den Wagenheber zu bekommen hieven die Männer einen großen flachen Stein unter das Auto und stemmen den Wagen schließlich mit 2 Mann so hoch, dass wir das Schlammloch großzügig mit Steinen auslegen können.
Anschließend wird der Wagen wieder abgelassen und Joachim startet einen 2. Versuch aus dem Modder herauszufahren. Diesmal gelingt es! Schon wieder sind wir völlig verdreckt und verschwitzt. Wir geben jedem der 3 Guys 200 Kshs. Sie waren zwar nicht ganz unschuldig an unserer misslichen Lage, haben aber immerhin auch schwer gearbeitet, um uns wieder frei zu bekommen. Diese ganze Aktion hat uns immerhin eine knappe Stunde gekostet. So sind wir erst um 15.30 Uhr in Namanga an der Grenze zu Tanzania. Von dort sind es noch mal etwa 110 km bis Arusha, dem Tor zur Serengeti.

Jane, die am kenyanischen Grenzposten arbeitet, wird für uns abgestellt, uns bis zur tanzanischen Grenze durch alle Formalitäten zu geleiten:

1. Permit for the temporary exportation of Kenya Registered Road Motor (neben verschiedenen Angaben zum Fahrzeug müssen hier auch Aus- und Einreiseport angegeben, das Original – Logbook vorgelegt und eine Kopie desselben hinterlegt werden).

2. Migration (Ausreisekarte Kenya, Exitstempel im Reisepass)

3. Yellow Card (= KFZ-Auslandsversicherung, erledigt Jane’s Chef für uns und kostet 4500 Kshs)

4. Declaration, dass unser Fahrzeug in Tanszania eingeführt wird( erledigt Joachim, während ich schon mal mit Jane zur 5. und vorletzten Station laufe). Bei der Declaration fiondet eine kurze Fahrzeugkontrolle statt. Kein Mensch bemerkt, dass die tatsächliche Farbe des Landrovers nicht mehr mit der im Logbook angegebenen übereinstimmt.

5. Immigration (Einreisekarte Tanzania, Zahlung von 50 US$ p.P. für das Visum , Einreisestempel in den Pass – wird problemlos auch in Abwesenheit von Joachim erledigt) Jane gibt mir den Tipp, dass bei einem Aufenthalt von max. 7 Tagen keine Fees für das Fahrzeug anfallen.

6. Signbook (Namen, Nationalität, Kennzeichen etc. werden eingetragen und mit Unterschrift die Ausreise bestätigt)

Jane erledigt ihren Job wirklich sehr engagiert und so kommen wir ganz schnell und stressfrei nach Tanzania. Als wir uns von ihr verabschieden, geben wir ihr 500 Kshs für ihre Unterstützung.

Um Punkt 16.30 Uhr reisen wir in Tanzania ein und fahren weiter auf der A 104 bis Arusha, das wir hoffentlich in 1,5 bis 2 Stunden erreichen werden.

Die Straße ist weiterhin schrecklich. Rote staubige Piste wechselt mit schlaglochreicher Teerstraße ab.

Landschaftlich zeigt sich Tanzania in sattem Grün. Gleich links neben der Straße erhebt sich der Mt. Longido und schon bald haben wir direkt vor uns den Mt. Meru, dessen Gipfel jedoch in eine dicke Wolke gehüllt ist.

Um 18.30 Uhr sehen wir rechts an der Straße, etwa 5 km vor Arusha die New Leisure Safari Lodge. Wir halten an und fragen nach dem Preis für eine Übernachtung. Doch 55 US$ für das Doppelzimmer (45 US$ Singleroom) ist uns zu teuer. Auch wenn diese sehr schöne Lodge ihren Preis wert und erst seit dem 26.2.2010 eröffnet ist, sind wir sicher in Arusha noch eine gute, aber günstigere Übernachtungsmöglichkeit zu finden.

Gleich an der ersten Ampel in Tanzania stellen wir fest, dass diese nicht senkrecht, sondern waagerecht hängen.

Mit Hilfe des Navis finden wir das William’s Inn. Hier zahlen wir 25 US$ incl. Frühstück für eine Nacht. Das Zimmer ist nicht luxuriös, aber es genügt unseren bescheidenen Ansprüchen.

Nach einer ausgiebigen, leider nur kalten Dusche (man sollte einfach mal den Schalter für Warmwasser einschalten), unternehmen wir nichts mehr, sondern essen noch eine Kleinigkeit auf dem Zimmer, beschäftigen uns mit unserer Tanzania-Literatur und gehen kurz vor Mitternacht schlafen.

Fortsetzung folgt

Schöne Grüße
Birgitt
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zuletzt bearbeitet 07. Juni 2010
Themenstarter287 Beiträge · seit 200910. Juni 2010 ·
Sonntag, den 7.3.2010

Arusha

Nach einem sehr einfachen Frühstück im Hotel machen wir einen Spaziergang durch Arusha, eine der fortschrittlichsten Städte Tanzanias. Arusha liegt auf rund 1300m Höhe am Fuß des Mt. Meru und gilt als „Tor zur Serengeti“ sowie zu den anderen nördlichen Parks in Tanzania.
Die Altstadt wirkt sauber und gepflegt, doch der vielgerühmte Reiz Arushas erschließt sich uns nicht. Arusha ist üppig grün, viele Bäume blühen leuchtend gelb in den Straßen und auf den Märkten herrscht ein buntes und reges Treiben vieler Kulturen.
Arusha Centrum mit Clock-Tower
Der Himmel ist stark bedeckt und obwohl in jedem Reiseführer zu lesen ist, Arusha sei kühl und habe ganzjährig ein angenehmes, gemäßigtes Klima, empfinden wir es jedoch schwül-warm.
Natürlich sind wir bei unserem Rundgang durch die Stadt auch immer wieder von diversen Händlern umgeben, die uns, während sie ihre Waren feilbieten, ein gutes Stück des Weges begleiten. Doch trotz „Special Sunday Price only for you“ können sie zu ihrem großen Bedauern bei uns nichts los werden. Joachim erzählt jedem, wir hätten schon so viel Souvenirs, Armbänder und Batikbilder, dass wir in Deutschland einen Shop eröffnen könnten. So lassen sie nach einiger Zeit von uns ab, jedoch nur um kurz darauf von einem anderen Straßenverkäufer ersetzt zu werden.
Uhuru-Torch
Um 11.45 Uhr steigen wir dann wieder in unseren Landi und nehmen die A104 Richtung Ngorongoro. Entlang der Straße sehen wir Kaffeeplantagen, satte grüne Wiesen, Maisfelder und immer wieder säumen die gelb blühenden Bäume den Straßenrand. Sogar große weithin leuchtende Sonnenblumen blühen hier vereinzelt.
Kaffeeplantagen
Kurz vor dem Abzweig nach Manyara fahren wir auf einen Police-Check zu. Der Arm des ganz in Weiß gekleideten Beamten geht hoch und wir bremsen ab. Unsere erste Polizeikontrolle in Ostafrika? Nun als wir näher kommen, geht der Arm wieder runter, der Polizist gibt die Fahrbahn frei und winkt uns durch. Wir winken auch noch einmal freundlich und weiter geht’s.

80 Km hinter Arusha fahren wir rechts auf die B 144 Richtung Manyara. Diese Road ist perfekt ausgebaut und wir kommen gut voran.
Wow! Das ist ja mal eine Straße! 🙂
Die Straße bleibt wirklich gut, aber es geht steil bergan. Dafür genießen wir einen wunderschönen Blick ins Tal und auf den Lake Manyara.

An einem Viewing-Point halten wir für eine kurze Rast und ein paar Fotos an. Mit bloßem Auge machen wir eine Gruppe Giraffen aus und mit dem Fernglas sehen wir am Ufer des Sees sogar mehrere Flamingokolonien. Auf der anderen Straßenseite steht eine nagelneue sanitäre Anlage – schön dass es unterwegs auch mal gute Alternativen zur Buschtoilette gibt.
Blick auf den Lake Manyara

... noch einmal Blick vom Viewing-Point ins Tal - im Hintergrund der Lake Manyara
Alles ist saftig grün! Die Regenzeit hat schon eingesetzt
Als wir weiterfahren geraten wir nur wenige Meter hinter dem Aussichtspunkt wieder in eine Polizeikontrolle und müssen dieses Mal auch anhalten. Doch der Beamte beäugt nur unser Auto, checkt das Kennzeichen, fragt wie es uns geht, wohin wir fahren und woher wir kommen. Nachdem wir alle seine Fragen scheinbar zu seiner Zufriedenheit beantwortet haben, wünscht er uns eine gute Reise und schon geht’s weiter bergauf.

Um 15.00 Uhr passieren wir die Ngorongoro Conservation Area.

Nach vielen unterschiedlichen Informationen über Foren und Websites in Deutschland sind wir nun sehr gespannt, was wir hier bezahlen dürfen. Doch es kommt weniger schlimm, als wir erwarten: 50 US$ Park Fee p.P., 30 US$ Camping Fee p.P. und 10.000 Tshs für das Auto. Das ist in der Gesamtsumme sogar etwas weniger als in Kenya. Die Gebühren für das Auto sind aber nur so niedrig, weil es kein Commercial sondern ein Privat cCr ist. Kenyanische PSV-Fahrzeuge zahlen hier 40 US$.
Wenn wir in den Krater hineinfahren wollen werden allerdings noch einmal 200 US$ für das Auto fällig, jedoch keine weiteren Gebühren pro Person.

Die Ngorongoro Area ist dicht bewachsen und bewaldet. Zur Begrüßung versammelt sich erst einmal - wie kann es auch anders sein - eine Horde Paviane entlang des Weges.

Und dann stehen wir auch schon bald am Kraterrand und haben einen fantastischen Blick auf den Kratersee. Auch hier ist das Ufer gesäumt mit Flamingos.
Die Wolke ragt tief in den Krater hinein und wirft große, dunkle Schatten auf den Kraterboden
Nur wenige Meter weiter steht der Gedenkstein für Michael Grzimek und Prof. Dr. Bernhard Grzimek.
Gut 20 km vom Gate entfernt liegt die Simba A Public Campsite (Koordinaten: S 03.22924°, EO 35.4905°, Höhe 2314m). Der Platz ist sehr groß und liegt direkt am Kraterrand.
Ein großzügiger Campingground zeichnet die Simba A Campsite aus
Abends ab ca. 21.00 Uhr kommen Bushpigs, Büffel und Hyänen auf den Platz. Daher gilt zwingend – wie eigentlich auf allen Campsites – keine Lebensmittel draußen oder im Zelt zu lassen. Alles Ess- und Trinkbare gehört ins verschlossene Auto.

Die Toiletten und Duschen (nachts beleuchtet) sind sehr gepflegt und auch Warmduscher kommen hier auf ihre Kosten.
Haus mit sanitären Anlagen - left for gents, right for ladies
Toilette
Dusche
Waschraum - Wir hatten fließend kaltes und warmes Wasser
Wir genießen den Abend im warmen Schein der Kerosinlampe, backen uns am Lagerfeuer eine Pizza und als die Sonne untergeht, wird es empfindlich kalt, so dass sogar unser Alster schnell abkühlt.

Noch während wir draußen sitzen, kommen schon die ersten Bushpigs zu Besuch. Sie sind wesentlich heller und auch größer als die uns bekannten, eher scheuen Warzenschweine. Joachim verjagt die Tiere und wir beeilen uns, die Lebensmittel ins Auto zu räumen.

Um 21.30 Uhr sind wir dann auch schon in unserem Zelt verschwunden und trotz heißer Wärmeflasche erleben wir hier schnatternd in über 2300m eine kalte Nacht. Von weiteren nächtlichen Tierbesuchen bekommen wir allerdings nichts mit.

Fortsetzung folgt

Viel Spaß beim Lesen!
Birgitt
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zuletzt bearbeitet 10. Juni 2010
5'483 Beiträge · seit 200911. Juni 2010 ·
Wow, da hat sich ja richtig was getan auf der Simba Campsite. Ist zwar schon länger her, dass wir dort waren (1998), aber damals gab es nur extrem verschmutzte Plumpsklo's und keinerlei fließend Wasser.

Das ganze bestätigt wieder meinen Eindruck, dass es in Tanzania derzeit bergauf geht. Die Infrastruktur hat sich in vielen Bereichen stark verbessert.

Euer Bericht gefällt mir ausgesprochen gut. Spannende Abenteuer habt Ihr erlebt und es ist toll, dass wir sie hier miterleben dürfen. Ich freue mich auf die nächsten Kapitel.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
Themenstarter287 Beiträge · seit 200914. Juni 2010 ·
Hallo Lilytrotter, Birgitt, Cecile und Topobär,

freut mich, dass euch unser Reisebericht gefällt. Vielen Dank für eure Rückmeldungen! 🙂

@ Topobär: Ganz sicher hat sich in Ostafrika seit 1998 einiges verändert - aber wir stoßen z.B. auch immer wieder auf Campsites, die bezogen auf die sanitären Einrichtungen jenseits von Gut und Böse liegen oder die erst gar keine solchen haben. Da heißt es dann, alles mitbringen (z.B. reichlich Wasser, Duschsack, Waschschüssel und eine Schaufel).

@ Cecile: Am besten versuchst du Kenia mal während der Trockenzeit, z.B. zur großen Migration in der Mara im Juli, August oder September. Das ist ein grandioses Naturschauspiel und du brauchst keine Angst haben, weggeschwemmt zu werden.

Auf jeden Fall werden wir diese Safari immer als besondere Abenteuer-Safari in Erinnerung behalten.

Ich schreibe auf jeden Fall noch, wie es uns in den nächsten Tagen ergangen ist. Dauert halt noch ein bisschen, da ich zur Zeit beruflich wieder mehr eingespannt bin.

Bis bald und liebe Grüße
Birgitt
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12 Beiträge · seit 200829. Juli 2010 ·
Hallo,

gibt es den Reisebericht irgendwo am Stück heruntergschrieben und auch als Routenplanung?

Wir wollen am 22.8. - 12.9. los und auch Namibia Start - Massai Mara - Serengeti und 3-4 Tage Entspannung auf Sansibar.

Ansonsten muss ich mir jeden einzelnen Block in Word rüberziehen. Ist halt etwas aufwändiger.

Würde nach dem Lesen auch gern nochmals mit Fragen auf Euch zukommen, wenn das okay wäre.

Liebe Grüße

Yvonne

PS: Wie kann man hier eigentlich sein Forenbild ändern?
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200929. Juli 2010 ·
Hallo Yvonne,

schick mir doch deine mail-adresse (kontakt + e-mail siehst du auf unserer website). Dann kann ich dir den Bericht als Word-Dokument senden; natürlich ist dann alles ohne Bilder. Als Routenplanung haben wir das natürlich nicht, aber wenn wir dran denken, nehmen wir vor Ort immer mal die Koordinaten, die ich dir auch zusenden könnte.

Auf Sansibar waren wir noch nicht, dazu kann ich dir nichts erzählen.

Reiserouten gibt es viele - es muss nicht die sein, die wir im Februar/März hatten. Mietet ihr ein Auto oder fahrt ihr mit einem eigenen Wagen? Wenn ihr mietet, müsst ihr unbedingt im Vorfeld mit dem Vermieter abklären, ob ihr ohne weiteres nach Tanania fahren könnt. Es braucht da einiges an Papieren, die euch euer Vermieter schon mitgeben muss.

Bei Fragen meldet euch gerne.

Liebe Grüße
Birgitt
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