200 Tage durchs südliche und östliche Afrika 2009

39 Antworten · 14,2k Aufrufe · gestartet 18. Jan. 2010 von Southerndreams
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ThemenstarterGast18. Jan. 2010 ·
Nach einem Jahr Vorbereitung, dem Umbau des Mitsubishi Pajero,
diversen Testfahrten, u.a. auf dem Eco Trail im Kalagadi National Park
und einem Sand und Recovery Training auf der atemberaubenden Atlantis Düne
am Blouberg Strand bei Cape Town starten wir endlich.


7 Monate wird das Abenteuer dauern und uns in 8 Länder Afrikas führen:



Auf in den Kgalagadi

9. Mai 2009
von Struisbaai am Cape Agulhas nach Calvinia 478 km in 7 Stunden, 25°


Es geht endlich los. Nach Monaten der Vorbereitung sind wir mit einer Stunde Verspätung auf der Straße, unterwegs in den Norden. Ein kurzer Stopp in Bredasdorp, der nächst größeren Stadt nahe unseres Wohnortes Struisbaai, halten wir noch kurz an um bei MTN, dem zweitgrößten Telefonanbieter Südafrikas nach unserem Vertrag zu fragen, den wir nur 4 Tage vorher abgeschlossen hatten, und welch ein Wunder, es hat tatsächlich geklappt in Rekordzeit. Da wir ja Ausländer in Südafrika sind, ist es nicht so einfach, einen Telefonvertrag zu bekommen, Bei Vodacom, dem größten Anbieter, schickte man uns gleich wieder weg. Damit wir halbwegs erreichbar sind, wenn wir unterwegs sind, wollten wir unbedingt einen Vertrag.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass wir für das Roaming noch ein Forumular hätten unterzeichnen und 500 Rand deponieren müssen. Das taten wir von Botswana aus. Nach 7 Monaten stellten wir fest, dass die 190 Rand Grundgebühr und Einheiten, die wir eigenlich vertelefonieren wollten, nicht fürs Roaming genutzt werden. Diese Einheiten müssen unabhängig von Vertrag und Anbieter in SA separat bezahlt werden. Dennoch war es gut, einen Vertrag zu haben, um erreichbar zu sein, denn das Prepaid Handy mit Vodacom ließ sich hinter der Grenze Südafrikas nicht mehr aufladen, naürlich hatte es keinen Empfang und SMSen kamen erst wieder in Tansania, weil es da auch Vodacom gibt.



Das ganze Verfahren dauert aber gut eine Stunde, und nun fehlen uns schon zwei Stunden.... Der Rest des Tages ist Routine, ein Fahrtag eben, immer gerade aus auf der R 317, der R 318 und der R 355, der Gravel Road entlang am Tankwa Karoo National Park bis nach Calvinia.



Das Stück Gravel Road ist das anstrengendste, aber auch das schönste Stück des Tages. Irgendwo unterwegs sehen wir am Straßenrand sogar ein paar Kamele, oder besser gesagt, Dromedare.



Es kommen uns auf den 200 km grade mal 5 Autos entgegen. Man sieht den Gegenverkehr schon von weitem durch die Staubwolke. Die kleine Karoo präsentiert sich in allen Facetten.



Mal staubtrocken und farblos, mal grün und mit Blüten übersät, mal flach, mal bergig, mal entlang an einem kleinen See mit Flamingos, alle paar Kilometer wechselt die Landschaft, bis die Straße, die bisher meist kerzengerade aus führte, in die Berge vor Calvinia führt, hier hat man einen phantastischen Blick zurück über die Ebene.



Um 18 Uhr sind wir endlich in Calvinia, die Fahrt über die Gravel Road mit maximal 70 km/h hält eben doch auf. Der Campingplatz Klipwerf, den wir als Übernachtungsmöglichkeit ins Auge gefasst hatten, ist direkt an der Hauptstraße, es gibt 3 Stellplätze mit jeweils einem hübschen und sauberen Toiletten- und Duschhäuschen und einer großen, mit viel Holz gerichteten Grillstelle. Die Saison ist schon längst vorüber und ich hole den Besitzer vom Fernseher weg.



R 100,-, ca. 9,- € kostet die Übernachtung für uns beide. Der Grill ist schnell angezündet und das Camp ist in einer Stunde gerichtet und das Essen bereitet. Wir haben ein vorbereitetes Chicken a la King mit Reis dabei, es muss nur noch warm gemacht werden. Dazu eine Flasche Rotwein, was will man mehr? Um 9 liegen wir im Bett, es ist ziemlich laut, der Durchgangsverkehr in Calvinia ist zwar gering, aber es wird gerast, da fährt keiner unter 90 durch die Straße. Schließlich schlafen wir doch ein, es ist unglaublich kalt, wir schätzen mal so 5 – 6°.....


10. Mai 2009
von Calvinia nach Mata Mata im Kgalagadi National Park
770 km in 9,5 Stunden, 26°

Um 7 wurschteln wir uns aus den Decken, schnell einen Kaffee, zusammenpacken und los. Die heiße Dusche wärmt die verfrorenen Glieder, wir sind froh, die Schlafsäcke und zusätzlich die Bett-Decken dabei zu haben. Dass es so kalt wird, hätten wir nicht erwartet. Es ist ja immerhin erst Mai, also Herbst. Wie soll das dann im Winter werden?



Über die langweilige R 27 fahren wir in Richtung Upington. Nur zum Tanken wird angehalten, denn es werden heute über 700 km werden und wir müssen um halb vier in Twee Rivieren im Kgalagadi Transfrontier National Park sein, um noch nach Mata Mata durchgelassen zu werden. Wir sind nun schon das vierte Mal seit Oktober 2008 in den Kgalagadi unterwegs und so bietet die Strecke nichts Aufregendes, in Upington im Pick n’ Pay hole ich in Rekordzeit (15 Minuten) noch frisches Obst, Salat und Brot. Dennoch reicht uns die Zeit nicht ganz, mit dem voll gepackten Auto können wir nicht schneller als 100 km/h fahren, denn dann steigt der Benzinverbrauch rapide an und es wird auch zu gefährlich, der Bremsweg ist einfach zu lang. Die 40 Kilometer vor Twee Rivieren fahren wir nur noch 80 km/h, die kurvenreiche Strecke lässt keine höhere Geschwindigkeit zu. Zum Glück ist sie wenigstens fertig geteert, als wir das erste Mal da waren im Oktober 2008 waren die letzten Kilometer noch eine Bad Gravel Road mit Schlaglöchern. Um 15:40 sind wir am Gate, der Mann am Tor schüttelt den Kopf und sagt nein, es sind zweieinhalb Stunden zu fahren. Beim Einchecken an der Rezeption hat man dann doch Mitleid mit uns, oder einfach keine Lust, mehr als nötig zu arbeiten, denn ich bekomme das obligatorische Permit und man lässt uns weiterfahren.



Es ist 15:54, als wir uns auf die 120 km lange Strecke nach Mata Mata machen. Zunächst mit etwas überhöhter Geschwindigkeit über die Dünenstraße, das Tempolimit ist 50 km/h, danach mit knapp 55 entlang am Aobtal. Das Tal ist immer noch etwas grün von den letzten Regenfällen, das Kalahari-Gras steht rechts und links der Straße 70 cm hoch, es riecht einfach fantastisch.



Es gibt viele, viele Springböcke, und wir sehen mindestens 20 Löffelhunde an drei verschiedenen Stellen. Sie haben ein ganz wuscheliges, zerzaustes Fell, das ist sicher schon das Winterfell. Bei der Rooibrak Wasserstelle dann, direkt an der Straße, ein Cheeta am frischen Riss, er frisst am Bauch eines gerade getöteten Springbocks.





Es ist einfach spektakulär, das Licht ist viel zu schlecht zum Fotografieren, aber ab und zu sehen wir sein Gesicht, wenn er sich zu uns umdreht. Wahnsinn, wir sind keine fünf Meter weg. Wir müssen weiter, sind eh schon hinter der Zeit her, es ist jammerschade. Aber wir wollen weder eine Strafe wegen zu schnellen Fahrens, noch eine wegen zu spät Kommens riskieren.







Aber wir müssen weiter, es hilft nichts. Um eine Minute vor 18 Uhr sind wir am Gate von Mata Mata. Schnell einchecken, wieder dauert das Campaufschlagen und Feuermachen weniger als eine Stunde und innerhalb kürzester Zeit sind die Nudeln im Potje gar gekocht und die Tomatensauce ist heiß. Der Salat zum Essen ist obligatorisch und ebenso schnell zubereitet.



Nach dem leckeren Abendessen fallen wir todmüde ins Bett, durch die letzte Nacht sind wir besser auf die Kälte vorbereitet und haben im Zwiebelsystem Kleidungsstück über Kleidungsstück und liegen im Schlafsack unter der Decke. Es ist kurz nach dem Vollmond, die Sterne leuchten über uns und man hört in der Ferne die Schakale und die Hyänen heulen. Wir sind an unserem ersten Ziel angekommen.



http://meet-the-oceans.de/html/9___10_mai.html
ThemenstarterGast18. Jan. 2010 ·
Alltag zwischen Mata Mata und Twee Rivieren

11. Mai 2009
Game Drives m Kgalagadi National Park, Südafrika Seite
100 km in 3 Stunden, 35°


Die erste Nacht im Kgalagadi ist lausig kalt und sie endet um 5:30, als neben uns lautstark auf Afrikaans debattiert wird. Es ist noch dunkel draußen, als wir aufstehen und uns einen Kaffee machen. Die Ablutions ( das Waschhäuschen) sind schon voll belegt, wie kann man nur um kurz vor sechs so wach sein und soviel reden?



Um 7 Uhr fahren wir hinaus zum Game Drive. Eine Herde Springböcke grast friedlich und die Oryxe sind auch noch ganz verschlafen. Eine Familie Löffelhunde ist dagegen schon hellwach. Sie suchen ihr Frühstück im hohen Gras und huschen dann über die Straße. Man sieht sie erst im letzten Augenblick, aber wir fahren ja nicht schnell, wir wollen ja etwas sehen. Einer hat ein verkrüppeltes Hinterbeinchen, er überlebt wohl nur durch den Schutz der Familie. Die Pelze sehen zerrupft und zerzaust aus.



Eine große Herde Gnus fühlt sich sichtlich wohl und springt durch den frühen Morgen. Etwas weiter entlang der Straße sehen wir eine ebenso große Herde Oryxe, einer ist dabei ohne Hörner. Er sieht aus wie eine bunt bemalte Kuh und tut uns leid, ob er lange leben wird? Es sieht so aus als ob ihm die Hörner von Geburt an fehlen würden.





Beim Game Drive am Nachmittag treffen wir in der Nähe von Mata Mata gleich wieder einen hornlosen Oryx, der ist aber alleine. Ich muss doch mal einen Ranger fragen, woher das kommt. Ansonsten passiert an dem Tag nichts mehr, wir grillen unsere mitgebrachten Filetsteaks und essen einen leckeren Salat und gehen, diesmal dick vermummt, früh ins Bett.



12. Mai 2009
Game Drives im Kgalagadi National Park, Südafrika Seite
118 km in 3,5 Stunden, 37°


Die Nacht ist wieder sehr kalt, aber erträglich durch die vielen Lagen Kleidung. Auch heute brauchen wir keinen Wecker, ein älteres südafrikanisches Ehepaar mit Campanhänger, sie haben am Abend zuvor eigentlich schon alles eingepackt, fängt um 4:30 an, ja was, einpacken kann es ja nicht sein... Um 5:30 wird der Motor das erste Mal gestartet. Und er läuft mindestens eine halbe Stunde. Und natürlich wird sich wieder lautstark unterhalten und die Ablutions sind belagert wie am Tag zuvor.



Wir fangen an unser Lager abzubrechen, die Finger sind steif und es hat maximal 5°. Auch der Kaffee wärmt nicht besonders. Wir werden nur langsam fertig und sind eines der letzten Fahrzeuge, welches um 7:50 aufbricht nach Twee Rivieren. Na, an der Abbauzeit müssen wir wohl noch üben.





Ein Highlight der Fahrt nach Twee Rivieren ist eine große Herde Gnus, vielleicht sogar die vom Tag zuvor, die sich am Wasserloch Dalkeith die Zeit vertreibt mit Fangen. Die sonst so lethargischen Tiere können ganz schön wild werden, wenn sie wollen. Das Wasser spritzt nur so und für die nächsten, die trinken wollen, wird es wohl eine trübe Brühe sein.



Nach dem 14. Bohrloch sehen wir eine große Herde Giraffen, es sind 10 oder 11 Stück. Sie mussten sich ja an den Lebensraum hier anpassen, es gibt nun mal nicht so viele hohe Bäume wie im Etoscha, daher stammen sie ja ursprünglich. Sie sind in der Gegend von Mata Mata ausgesetzt worden, es waren zunächst nur 7 Tiere, die später von zwei weiteren Bullen aus dem Etoscha ergänzt wurden. Inzwischen sollen es mehr als 30 sein.



Sie haben sich auf jeden Fall an die niedrigen Büsche gewöhnt und fressen mit gebeugtem Hals im Kreis stehend. Wir sahen hier und in der Central Kalahari auch immer wieder Giraffen in der Mittagshitze im Schatten der niedrigen Bäume liegen, obwohl oft behauptet wird, Giraffen würden nie liegen.



Dann treffen wir auf die riesige Springbockherde, von der uns beim letzten Aufenthalt berichtet wurde, es sollen mehr als 500 Tiere sein. Sie haben sich über Kilometer verteilt und sind natürlich schwer zu schätzen, aber 400 sind es auf jeden Fall. Das Gras steht so hoch, dass man teilweise nur die Spitze der Hörner sieht. Es ist gelb und trocken, aber es riecht heute wieder nach dem Kalahari-Gras.





Die nächste Giraffenherde treffen wir weit hinter Urikaruus, viele Kilometer vom ursprünglichen Giraffengebiet entfernt. Die Giraffen scheinen sich weiter auszubreiten, das ist schön, denn ab und an ist es doch etwas langweilig beim Herumfahren. Zwei Bullen und zwei Weibchen sind jeweils im Paar miteinander beschäftigt. Wir schauen ihnen einige Zeit beim Flirten zu, der eine Bulle versucht mehrfach sein Glück, wird aber zurückgewiesen, beim anderen Paar ist es umgekehrt, sie will und er nicht.







Es ist wunderschön mit an zu sehen, wie die Giraffen miteinander schmusen und die Köpfe verrenken und reiben. Ganz zart und langsam bewegen sie sich. Um sie herum sind noch weitere Giraffen und auch Jungtiere am Fressen. Wir fahren aber weiter bevor es zum „Letzten“ kommt.



Eine Löwin endecken wir noch kur vor Twee Rivieren, sie liegt versteckt auf einem Dünenkamm hinter einem Busch.



In Twee Rivieren haben wir Glück, unser schattiger Lieblingsplatz ist noch frei. Schnell haben wir aufgebaut und es gibt Kaffee und im Potje gebackener Obst-Rührkuchen. Nach einem gemütlichen Nachmittag und einem fantastischen Abendessen (Frikadellen mit Sauce und gemischten Nudelsalat) trinke wir noch eine Flasche Rotwein und freuen uns auf den Game Drive am nächsten Morgen. Es kehrt etwas Ruhe ein und die Routine, die wir uns bei unseren diversen Testfahrten angeeignet haben, erleichtert uns das Leben sehr.

http://meet-the-oceans.de/html/11___12_mai.html
ThemenstarterGast19. Jan. 2010 ·
Und weiter geht es: Familienbande, ein Rudel mit 13 Löwen an der Sraße nach Mata Mata.....

13. Mai 2009
Game Drives im Kgalagadi National Park, 101 Kilometer
in 3,5 Stunden 36°


Wir sind pünktlich um Viertel vor Sieben am Gate und Nr. 2 in der Schlange, die sich jeden Morgen bildet. Jeder will der erste beim Game Drive sein und dementsprechend wird auch schon mal 80 durch die Dünen gefahren.



Schon nach wenigen Kilometern finden wir vier junge Schakale auf der Straße liegend, sie lassen sich weder vom vorausfahrenden Fahrzeug noch von uns vertreiben und ich kann sie schön portraitieren. Ich überhole den ersten, der einen Vogel beobachtet und bin Nummer 1. Kurz vor dem Wasserloch Monro dann das Highlight, am Straßenrand sitzen vier, fünf oder sechs Löwen.



Ich winke den dicht nach mir Fahrenden zu und halte an, mitten auf der Straße, um das erste Bild zu machen. Noch sind wir 15 Meter entfernt. Langsam taste ich mich vor, um die Tiere nicht zu verschrecken.





Hinter uns stehen die Fahrzeuge gestaffelt, jeder will etwas sehen und Fotos machen. Ich fahre bis auf drei Meter an den ersten Löwen heran.
Es ist ein junges Löwen-Männchen mit den ersten Anzeichen einer Mähne, neben ihm sitzen und liegen seine Geschwister.







Inzwischen zählen wir 6 Löwen auf der Rechten Seite und 4 auf der linken. Zwei der Jungtiere von der rechten Seite machen sich auf zum Spielen. Die anderen beiden Löwen am rechten Straßenrand haben deutlich mehr Mähne, sie sind schon fast erwachsen. Hinter ihnen liegt eine ältere Löwin, also sind es 11 Löwen. Der Pascha taucht hinter dem Gebüsch links auf, schnuppert an der Löwin und flehmt, da ist wohl bald etwas Action angesagt?



Die ganze Löwen-Familie lässt sich bisher nicht vom Fahrzeugrummel stören. Es müssen jetzt 8 Autos hinter uns sein. Der Pascha brüllt laut und vernehmlich und bricht dann mit der Löwin in Richtung Hang auf. Ich mache den Fehler, ein Auto vor zu lassen, kaum ist er vorne, geht das Gedrängel um den besten Platz los.



Nun reicht es auch den neugierigen Jungtieren und langsam schlendern sie den Älteren nach. Zwei der etwas jüngeren Löwen balgen sich noch mal fotogen am Straßenrand, die zwei älteren halten deutlich Abstand zum vorauslaufenden Vater. Ein par Minuten später wird deutlich, warum, beide brüllen zwar noch nicht so laut wie ihr Vater, aber schon laut genug, um ihn zu reizen. Es wird wohl nicht mehr lange dauern und sie müssen das Rudel verlassen.





Das rollige Weibchen versucht den ganzen Weg den Hang hinauf den Pascha regelrecht anzumachen, sie stupst ihn und reibt sich an ihm. Leider zeigt er kein weiteres Interesse und legt sich demonstrativ hin. Das Weibchen fängt nun an, mit einem zweiten Weibchen, was die ganze Zeit schon oben am Hang lag, zu spielen. Wir schauen nochmal genauer hin und wenn wir uns nicht irren, sind es insgesamt 13 Löwen. Ein Wahnsinn.... So ein großes Rudel haben wir noch nicht im Kgalagadi gesehen. Der Pascha liegt an der Kante der Düne, seine schwarze Kalahari-Löwen-Mähne weht im Wind, während sich die anderen Löwen langsam um ihn herum versammeln. Das ist filmreif.



Nach einer halben Stunde sind alle oben versammelt und wir fahren weiter in Richtung Mata Mata. Keine fünf Minuten später überquert eine Cheeta die Straße vor uns, doch der Gepard verschwindet aber so schnell im hohen Gras, dass kein Foto möglich ist.



Doch das macht nichts, nur wenige Kilometer weiter stehen schon drei Autos, eine weitere Cheeta ist auf der Straße. Es ist ein Kater, er markiert am Baum und läuft direkt auf uns zu, so dass es diesmal klasse Fotos gibt.







Wir sind sprachlos, so viel Glück innerhalb einer Stunde....
Nur wenige Minuten bleibt das Geparden-Männchen in der Nähe der Straße, dann verschwindet er in Richtung Museum Auchterlonie. Oben auf der Düne ist er aber nicht mehr zu sehen.



Ich laufe bis ans Ende des Pfades, der an der Dünenkuppe entlangführt und schaue mir die Gebäudereste genauer an. Ganz am Ende in den Felsbrocken versteckt ist ein Grab aus dem Jahr 2005. Das ist doch ein schöner Platz, mit Blick über das Aob Tal.



Wir fahren noch ein Stückchen weiter und suchen nach dem Leoparden, den wir im März kurz nach Auchterlonie in den Klippen sahen, haben aber kein Glück. Wir beschließen, es für heute zu lassen und kehren um nach Twee Rivieren. Wäsche waschen, Essen vorbereiten und vor allem, einen Potje-Apfelkuchen backen steht auf der Tagesordnung.



Gegen Abend verschlechtert sich das Wetter und es bläst ein so kräftiger Wind, dass wir das Feuer ein zweites Mal anfeuern müssen, um den Kuchen fertig gebacken zu bekommen, so schnell war die Glut auf dem Deckel weg. Aber nach eineinhalb Stunden wird der Etappen-Kuchen auch fertig, er ist zwar etwas trockener als sonst, aber trotzdem oberlecker. Glücklicherweise regnet es doch nicht und wir haben eine ruhige Nacht.






14. Mai 2009
Von Twee Rivieren nach Matopi 1, Campsite auf der
Botswana Seite des Kgalagadi National Park
294 km in 10 Stunden, 23° und Regen


Wir stehen um 6 Uhr auf und trinken im Stehen den Kaffee nebenbei, während wir packen. Das meiste ist schon im Auto und das Zelt folgt schnell. Den Papierkram haben wir gestern schon am späten Nachmittag erledigt, mit dem Hinweis auf die Umleitung nach Nossob, die uns 40 km mehr beschert, bekamen wir Ausreisestempel Südafrika und Einreisestempel Botswana schon am Vortag.



Der Zoll gab angesichts unsrer vielen Taschen und Fächer schnell auf und wünschte uns eine gute Reise, ohne nach zusätzlichem Benzin in den Kanistern (120 l auf dem Dach) oder nach den 11 Flaschen Rotwein zu fragen. Dank der Tatsache, dass Two Rivers auf der botswanischen Seite kein offizieller Grenzübergang ist, mussten wir noch nicht einmal Road Tax zahlen. Der Rest ist Routine, ohne großartig Tiere zu sehen fahren wir um 7 los, leider nehmen wir die südliche Dünenstraße, die nochmals 25 Kilometer mehr bedeutet und habe auf der Nossob Road das schrecklichste Wellblech aller Zeiten vor uns. Fast 150 Kilometer 5–10 cm hohe Bodenwellen, die das ganze Fahrzeug durchrütteln, so dass man das Gefühl hat, am Ende alle Schrauben nachziehen zu müssen.



Das erste Opfer der allerschlechtesten Straße Südafrikas ist einer der nagelneuen Benzinkanister, er ist durchgescheuert an einer Schraube der speziellen Halterungen, diese sind auch nagelneu. 5 km vor der Picknick Stelle Dikbaardskolk mache ich zufällig das Fenster auf, um einen Sekretärvogel im Flug zu fotografieren, da riecht es fürchterlich nach Benzin. Wir retten noch 15 Liter Benzin, aber der Kanister ist hin und die Aktion kostet uns eine halbe Stunde.



In Nossob gibt es ein spätes Frühstück, es besteht aus Müsli, unserem Notfall-Frühstück, und es geht weiter nach Botswana. Wenige Kilometer hinter Nossob biegen wir rechts ab in Richtung Mabuasehube Region. Es fängt an zu regnen und der Track ist tiefsandig und so ist es kein Wunder, dass wir an einer der ersten höheren Dünen festsitzen.



Etwas zu wenig Schwung und schwupps, hängt man fest. Doch dank der Max Trax, unserer Sandbleche aus Plastik, die wir aus Australien bezogen haben, sind wir in null Komma Nichts wieder draußen. Das Losmachen uns das Wieder festbinden dauert aber, länger als das Herausfahren, und wir sind ziemlich durchnässt.



Doch das 4x4 Training, welches wir im März in der Nähe von Cape Town absolviert haben, kommt uns jetzt zu Gute und wir gelangen ohne weitere Zwischenfälle an unsere Campsite, Matopi 1. Das ist eigentlich nur ein Platz unter einem Baum, ein wenig das Gestrüpp entfernt und ein Schild Camping Site aufgestellt, aber was solls, wir haben keine andere Wahl. Es gibt keine Toilette und keine Dusche, ersteres ist schlimm, denn es liegt überall hinter den Büschen Toilettenpapier herum, zweiteres ist nicht schlimm, denn wir haben unsere Campingdusche dabei.



Wir schlagen unser Zelt auf und machen Feuer, in der Ferne hören wir einen anderen Wagen, denken uns aber nichts dabei, denn das Geräusch ist irgendwann weg. Das Abendessen ist schnell verzehrt, das Duschen geht ganz schnell und wie sitzen gemütlich mit einem Brandy-Cola am Lagerfeuer, da hören wir ganz in der Nähe jemanden herumbrüllen. Mit der Gemütlichkeit ist es erst mal vorbei, denn wir machen uns Gedanken, wer das sein könnte. Einfach nur ein illegaler Camper oder jemand, der zwar legal im Park ist, aber seine Campsite nicht erreichte?



Warum ist der oder sind diejenigen dann nicht zu Matopi 1 gefahren? Oder sind es Banditen? Wir beschließen, beim Lager zu bleiben und nicht nach zu schauen, denn die Gefahr, sich im Dunkeln und beim wieder einsetzenden Regen festzufahren, ist einfach zu groß. Um kurz nach 9 liegen wir im Bett, den Wagen haben wir noch direkt vors Zelt gefahren und trotz der Bedenken schlafen wir gut und ohne Unterbrechungen bis um 7 am nächsten Morgen.

http://meet-the-oceans.de/html/15___16_mai.html
ThemenstarterGast19. Jan. 2010 ·
Löwen bei der Mpayathutlawa Pan?

15. Mai 2009
Von der Matopi Campsite in die Mpayathutlawa Pan
100 km in 4,5 Stunden, 25°


Wir haben gerade unseren ersten Kaffee im wärmenden Schein der aufgehenden Sonne auf der Matopi Campsite, da hören wir das Motorengeräusch wieder und in weniger als 50 Metern Entfernung fährt ein weißes Wohnmobil oben auf dem Track entlang. Na wunderbar, nun wissen wir zwar, woher die Geräusche des Vorabends kamen, haben aber eine lahme Ente vor uns, die wir nicht überholen können. So lassen wir uns Zeit mit dem Einpacken und fahren erst um 8:30 Uhr los.



Die Landschaft verändert sich immer wieder. Waren es die ersten 70 Kilometer nach dem Nossob Tal immer wieder hohe Dünen mit wenig Bewuchs, kamen dann erste längere Ebenen und Pans, die Ebenen relativ dicht bewachsen, auch hier ist es noch grün und das Gras steht hoch, wie im Aob Tal. Die Pans sind ein wenig mit Tieren bevölkert, aber wir sehen nur die üblichen Verdächtigen, Oryx, Kuhantilopen, Springböcke uns Strauße. Steenböckchen haben wir dieses Mal überhaupt noch nicht gesehen. Ein einsamer Schakal durchstreift eine Pan an der wir für einen Fotostop halten, das ist gar nicht so leicht, hier einen geeigneten Platz zu finden, denn ab und an kommt aus dem Nichts Gegenverkehr. Das ist nicht so ohne und bescherte uns auch schon am Vortag erschreckte Gesichter im Vorbeifahren, jeder versucht, nicht stecken zu bleiben und nicht zu sehr vom einspurigen Track abzukommen.



Heute morgen kommen uns zwei südafrikanische Fahrzeuge entgegen, beide sehen uns erst im letzten Moment und weichen aus, zum Glück instinktiv auf die andere Seite aus, wie wir. Beim Fotostop bemerken wir den nächsten Verlust, wieder ist einer der Kanister durchgerieben, es ist aber noch das ganze Benzin drin. Wir füllen um und machen dann alle 6 Kanister los und unterlegen die gefährdeten Stellen mit Teilen einer Fußmatte, die wir dafür opfern. Das hält wieder auf und erst um 13:30 sind wir an der Mpayathutlwa Pan, wo wir die nächste Nacht gebucht haben. Spätestens hier braucht man das GPS- Gerät, denn der Plan, so hübsch wie er auch sein mag, taugt auf der botswanischen Seite nichts mehr. Wir finden unsere Campsite, KTMPA 02 an der Mpayathutlwa Pan, sie ist ein Traum mit Blick über die ganze Pan.



Ein Dach aus Holz auf einer Plattform bietet sich an, das Zelt darunter aufzubauen. Und, es gibt eine Buschtoilette in gutem Zustand, sie zeugt allerdings mit tiefen Kratzspuren auf der Plastik-Kloschüssel von der Gegenwart von Raubtieren. Die Pan ist gut bevölkert, es gibt auch ein Wasserloch in der Nähe.



Wir richten uns häuslich ein, der Platz ist riesig, hier könnten 4 Parteien locker unterkommen. Wir müssen noch mal an die Benzinkanister, denn die Streifen der Fußmatte sind teilweise davongeflogen. Dieses Mal machen wir die Streifen größer und binden sie zusätzlich noch am Rahmen fest. Ich nutze die Zeit zum Schreiben und zum Aufräumen, um nicht Benötigtes in den Stauraum zu verfrachten, denn wir haben immer noch viel zu viel einfach so herumliegen, was dann jedes Mal beim Ein- und Ausladen im Weg ist. Aber so langsam schwinden die Essensvorräte, sie waren viel zu üppig, und es gibt Platz im Untergeschoss des Mitsubishi.
Zwischendurch kommt noch mal der weiße Camper von heute morgen vorbei, obwohl wir nur 20 Meter vom Weg weg sind, fährt er weiter, als ob man nicht gesehen werden wollte. Zum Glück sieht man ihn gegenüber auf der leeren Pan sehr gut und er biegt nach Khiding ab.
Um 17 Uhr starten wir zu einem Game Drive um die Pan, es sind 11 Kilometer, Tiere sehen wir nicht viele, wir finden aber das Wasserloch, es ist voll, aber verwaist. Wir entdecken auch die Campsite KTMPA 01, hier hat es eine Toilette mit Häuschen und eine Dusche und ein Spülbecken, Wasser läuft aber nicht und der ganze Platz sieht etwas verlottert aus und ungepflegt. Da gefällt uns unsere Campsite schon besser.
Leider ist es nun viel zu dunkel, um Fotos zu machen.
Nach einem opulenten Mahl, bestehend aus Spaghetti und Rinderfilet mit Grogonzolasauce und gemischtem Salat will ich eigentlich noch etwas schreiben, grad will ich das Laptop aus dem Zelt holen, da merke ich dass die Matratze kaum noch Luft hat. Also ist erst mal flicken angesagt, derweil zieht sich alles zu, es ist pechschwarze Nacht und stockfinster. Ein Sturm legt los, er hebt sogar die Matratze mit dem Zeltboden hoch, gut dass wir das Zelt angebunden haben und gut, dass die Hütte einen Blitzableiter hat.
Nachdem sich der Sturm gelegt hat sitzen wir noch ein wenig draußen auf der Veranda und genießen die Stille, sie wird nur durch ein paar Vögel gestört, die in der Nähe nisten und komischerweise nachtaktiv sind. Es wird spät, um 22:30 Uhr gehen wir ins Bett. Nur drei Stunden später weckt uns das Brüllen eines Löwen, es ist einige hundert Meter entfernt (so hoffe ich) und ich springe schnell aus dem Zelt um schnell auf die Toilette zu gehen, so schnell habe ich das glaube ich noch nie erledigt. Im Lauf der nächsten zwei Stunden kommt der Löwe näher, dann entfernt sich das Brüllen wieder, nur ein paar Schakale waren tatsächlich auf der Campsite gewesen, wie die Spuren am nächste Morgen zeigen werden.



16. Mai 2009

500 km in 9 Stunden, 27°
Von der Mpayathutlawa Pan nach Gaborone


Leider müssen wir schon wieder los, hier an der Mpayathutlwa Pan könnten wir es locker zwei Wochen aushalten. Um 8 Uhr geht es in Richtung Mabuasehube Gate, es ist schnell erreicht und der Checkout dauert nur 3 Minuten, der Parkmitarbeiter kontrolliert weder Permit noch Buchung, ich muss uns nur ins Ausgangsbuch eintragen.



Auf der Straße fahren wir zunächst einige Kilometer auf einem breiten, aber schlechten Track parallel zur Park Border, bevor wir auf die Straße nach Kokotsha Village an der A 20 machen. Die Straße ist eher ein Track und der führt immer gerade aus, leicht ansteigend. Die Landschaft ist surreal, viele abgebrannte Bäume in einer steppenähnlichen Umgebung, so könnte auch die Serengeti aussehen. Es gibt einiges an Tieren, alle paar hundert Meter ein Steenbock, komischerweise sind sie hier alleine in ihren Revieren und nicht paarweise, wie im Kgalagadi, dann gibt es jede Menge Kuhantilopen und Oryxe.





Manches Stück des Tracks ist echt gefährlich, denn Erdhörnchen haben es regelrecht unterminiert. Kurz vor Erreichen der A 20, nach mehr als 100 km Geradeausfahrens stimmt die Routenführung der T4A Karte nicht mehr und wir stehen vor einem Zaun, wo eigentlich ein Gate sein solllte. Nach der ersten Schrecksekunde entdecken wir ein blasses Schild „New Gate 300 m left“, wir atmen auf und können weiterfahren.
Die A 20 ist nagelneu geteert, es gibt noch nicht einmal eine Markierung auf der Straße, nur alle 10 Minuten fährt ein Auto vorbei. In Jwaneng holen wir uns etwas zu essen und Geld am ATM. Benzinkanister gibt es schon, aber der Midas hat schon zu. Naja, dann halt weiter und hoffen, dass die Geschäfte in Gaborone länger aufhaben. Wir sind relativ schnell kurz vor Botswanas Hauptstadt, die Straße führt nun wieder hinab in die Ebene, die von einigen Bergen und Hügeln unterbrochen wird. Botswana ist also doch nicht komplett eben.


Das ist übrigens ein Mobilfunkmast in Gaborone....

Es ist überall grün, das ist erfreulich, denn letztes Jahr im September erlebten wir ein trostloses, graues, lebloses Botswana. Kurz vor Gaborone geht es etwas langsamer, aber wir sind ja auch in einer Großstadt. Der Citi-Camping ist leicht zu finden und preiswert 100 Pula zahlen wir für die Nacht. Schön ist es grad nicht da, aber es erfüllt seinen Zweck.



Um 17 Uhr haben wir das Zelt aufgebaut und fahren zurück in die Richtung, aus der wir kamen, denn da haben wir ein Sparmarkt und Einkaufszentrum gesehen. Wir können noch einkaufen, aber auch hier herrscht chronischer Mangel an 5 l Trinkwasserkanistern, wir ergattern nur einen und frischen Salat gibt es auch nicht. Wir sind aber froh, überhaupt noch unsere Vorräte auffüllen zu können, sogar der Bottlestore ist noch offen und hier darf man auch am Samstag Abend noch Alkohol verkaufen, in Südafrika ist am Samstag Mittag ab 14 Uhr Schluss.



Im Hardware-Laden erstehe ich für 39,90 Pula, circa 4,20 € einen weißen 30 l Kanister. Falls wir am nächsten Tag keine Metall-Benzinkanister bekommen, können wir darin Brauchwasser transportieren und unsere blauen stabilen und vor allem gut zu verschließenden Wasser-Kanister für Benzin verwenden. Ich glaube nicht mehr daran, dass wir am Sonntag noch etwas finden werden, denn man sagte uns, dass am Sonntag die meisten Läden zu wären.



An den Tankstellen, die es reichlich gibt, erhält man eher eine Festtagsmahlzeit, als eine Schraube, oder Birne oder eben einen Benzinkanister. In Botswana ist die Kultur des Take Away so weit verbreitet, dass es wirklich fast überall etwas Warmes zu essen gibt.
Hardware-Läden gibt es in jedem größeren Ort, auch in Südafrika, man kann sie in etwa mit dem Eisenwarenhändler in Deutschland vergleichen, nur ist hier in Afrika die Auswahl und das Sortiment größer und oft auch überraschend, so erhält man überall Zubehör für Haustiere, aber auch Tiermedizin, Kuhglocken und Haushaltswaren wie Potjes und oft auch Farben und Lacke.



Zurück am Campingplatz gibt es ein spätes und schnelles kaltes Abendessen, gut dass wir noch Spaghettisalat aus dem Abendessen vom Vortag übrig haben. Es ist laut hier, nach einer Woche im Kgalagadi ein Schock, nebenan ist eine Diskothek und alle paar Minuten fährt ein Polizeiwagen mit Blaulicht durch die Straßen. Aber für eine Großstadt ist Gaborone noch sehr gemütlich, die Straßen sind übersichtlich und wir fühlten uns nirgendwo unsicher.



Die Musik von nebenan wird um so besser, je später es wird und um 3 Uhr nachts wird toller Reggae gespielt, ich wache nur kurz mal auf und schlafe schnell wieder ein. Wir haben die Lage mit den Benzinkanistern noch mal diskutiert, für die Kalahari-Durchquerung benötigen wir 250 Liter Benzin, das werden wir auch zusammenbekommen und dann Wasser dazu kaufen. Dieses Mal werden wir uns nicht von diesem Abenteuer abbringen lassen!

http://meet-the-oceans.de/html/15___16_mai.html
4'130 Beiträge · seit 200819. Jan. 2010 ·
Hallo Southerndreams!

Ein hochinteressanter Reisebericht.
Beachtlich, mit welcher Ausdauer Du regelmäßig Buch geführt hast. Dazu sind wir nicht in der Lage! Wenn ich so mein gekritzeltes Chaotentagebuch mit fliegenden Zetteln ansehe, kann ich da nur lachen oder weinen. Es geht uns dadurch auch immer einiges verloren.

LG Lilytrotter

PS: Ich musste schon mal auf deiner Homepage einige Tage weiterlesen, denn ich war gespannt, wie es weitergeht.
Wirklich sehr informativ und eine gute Vorlage für eigene Reiseplanungen.
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
ThemenstarterGast19. Jan. 2010 ·
Hallo Lilytrotter,

vielen Dank.

ich muss aber gestehen, dass ich das nicht so regelmässig mache,
meist bin ich einige Tage hinterher. Was ich regelmässig und täglich
mache, ist die Fotos sichern und aussortieren.

Mit Picasa habe ich die Bilder eines Tages dann ordentlich
und gut zu sehen auf dem Bildschirm, beim Durchsehen kommt dann
meist die Erinnerung zurück. Wenn nicht, hat mein Partner
noch die Kilometer und wo wir waren aufgeschrieben,
er muss auch die Quittungen verwahren.

Was ich bis jetzt allerdings noch nicht gemacht habe,
ist die Excel Tabelle fertig stellen mit den
Übernachtungen und den Ausgaben. 🙄

Aber das Business geht im Moment vor 😁

Viele Grüße,

Beate




PS: Picasa ist für jemanden wie mich mit einem
fotografischen Gedächtnis ideal, so konnte
ich das Foto innerhalb weniger Sekunden finden.....

Was ich allerdings bis heute nicht weiß,
ist wie der Vogel heist
zuletzt bearbeitet 19. Jan. 2010
4'130 Beiträge · seit 200819. Jan. 2010 ·
Nett, das kleine Blatthühnchen, genauer: Blaustirn-Blatthühnchen.

Is ja klar, das wir die klasse finden ...

Haben uns über das Bild gefreut.
Schon lange keine mehr gesehen.
LG lilytrotter
Gruß lilytrotter Always look on the bright side of life... :-) Walvisbay boomt
ThemenstarterGast20. Jan. 2010 ·
Und es geht weiter ....

Durch die Central Kalahari

17. Mai 2009
Von Gaborone in das Khutse Game Reserve, Moreswe Campsite
284 km in 7 Stunden, 27°



Wir sind früh auf, denn wir wollen schnell zusammenpacken und uns, auch wenn wir nicht viel Hoffnung haben, in Gaborone nach einem Geschäft umsehen, in dem wir eventuell Benzin- kanister kaufen können. Zunächst machen wir Halt an einem Cash und Carry Markt, ich erstehe dort fünf 5-Liter Wasser Kanister von Nestlé, das Stück für nur 13 Pula, ca. 1,20 €.



Wir haben zwar genügend Trinkwasser dabei, für jeden Tag einen 5-Liter Kanister, wenn wir aber unsere blauen Wasserkanister fürs Benzin opfern, haben wir nicht genügend Brauchwasser zum Duschen und Spülen dabei. Leider gibt’s aber am Sonntag keinen Alkohol und so bringt ein dienstbarer Geist, der mich Mama nennt, die Flasche Bacardi ins Regal zurück. Nach Benzinkanistern schaut aber auch er vergebens. Ich bezahle und finde Fred an der gegenüberliegenden Tankstelle, er strahlt und hat im Hardware-Laden nebenan zwei Benzinkanister erstanden. Wir tanken alles auf, den Benzinpreis glaubt uns kein Mensch, 4,44 Pula, das sind weniger als 50 €-Cent. Gaborone ist, obwohl Hauptstadt von Botswana und obwohl mehr als die Hälfte Botswanas Einwohner hier leben, eine sehr ruhige und sichere Stadt, in der wir uns immer sicher fühlten. Das Navigieren durch die gut ausgeschilderte Straßen ist einfach und auch ohne Navi zu bewerkstelligen.



Die Menschen sind super freundlich und sehr hilfsbereit, eine andere Kundin des Cash und Carry Marktes hilft mir, die Wasserkanister über die Straße zur Tankstelle zu tragen, einfach so. Ich habe sie schon fast des Diebstahls bezichtigt, als sie nach den Kanistern griff, peinlich, aber sie lächelte mich nur an und sagte, sie wäre auch im Markt einkaufen gewesen. Um 10:30 fahren wir endlich los.



Auf dem leeren Highway A 12 sind wir schnell aus Gaborone heraus, die Straße geht nach Molepolole über in die B 112, eine einspurige geteerte Straße, auf der uns eine Menge Fahrzeuge entgegenkommen. Neben einigen teuren, weißen Toyota Hilux auch Camper mit Dachzelt und jede Menge LKW’s, die kaum langsamer werden und einfach mit einer Seite von der Straße heruntergehen, während wir mit unserem Gewicht, wir haben circa 10 % zu viel Gewicht, lieber langsam fahren, auch wenn es Zeit kostet.



Die teuren Vehikel sind unter anderem mit den Logos verschiedener Mobilfunkanbieter beklebt, ich erinnere mich dass heute in Kaudwane, der letzten Siedlung vor dem Khutse Game Reserve, einer Siedlung, in der aus der Kalahari vertriebene San wieder angesiedelt wurden, ein Mobilfunkmast eingeweiht werden sollte, zu der wir eigentlich auch hinfahren wollten. Nun sind wir durch die Aktion mit den Benzinkanistern zu spät dran.



Um 14 Uhr sind wir im Park, am Gate klärte man uns auf, dass man nur zu zweit oder bestens gerüstet mit Satellitentelefon vom Khutse in die Central Kalahari fahren dürfe, das ist mir neu, aber wir sind ja auch bestens gerüstet. Ein Satellitentelefon haben wir zwar nicht dabei, aber unsere Freunde in Struisbaai werden nach uns suchen lassen, wenn wir nicht zu einem verabredeten Zeitpunkt bei ihnen anrufen. Dafür haben wir uns sogar noch eine botswanische Sim-Card gekauft, da unsere beiden Vodacom und MTN Karten nicht funktionieren.



Der Rest bis zur Campsite Moreswe ist langweilig, ein paar Kuhantilopen, ein paar Erdhörnchen, Strauße, Springböcke und Oryxe, mehr nicht. Das Gras steht einen Meter hoch und nur auf den verschiedenen Pans ist es niedriger und es gibt Spuren von Tieren. Wir brauchen dreienhalb Stunden für die 68 Kilometer, durch die volle Beladung geht es über den unebenen Track nur langsam vorwärts. Das Speedlimit von 40 km/h ist eigentlich ein Witz, wer hier 40 fährt, auch unbeladen, riskiert einen Achsbruch durch einen Satz über eine Bodenwelle.



Die Campsite ist schwierig zu finden, auf der T4A Karte ist sie nicht eingezeichnet und das Schild mit der Zeichnung drauf finden wir erst am nächsten Tag beim Weiterfahren nach Moreswe, sehr sinnig, anscheinend darf man nur von der anderen Seite kommen. Die Campsite hat Buschtoilette mit einem in der Mitte eingemauerten Klodeckel, so dass man auf dem Beton sitzt und nur unter Schwierigkeiten die Öffnung trifft und eine Eimerdusche.



Ansonsten ist sie relativ klein, aber für uns natürlich mehr als ausreichend. Von der Campsite sieht man nur einen kleinen Teil der Pan und wir so machen vor dem Abendessen noch einen Game Drive. Außer Springbock, Oryx und Strauß gibt es nichts zu sehen. Der Sonnenuntergang bringt ein ganz besonderes Licht an den Himmel, er ist rosa bis rot und geht dann in blau über. Kurz vor dem Dunkelwerden kommt uns auf einmal ein großer Giraffenbulle aus dem Gestrüpp rechts der Pan entgegen.



Zunächst sehen wir nur seinen Kopf und den Hals sich gegen den Himmel abzeichnen. Er läuft langsam zum Wasserloch, dummerweise ist das auch unsere Richtung und so rollen wir langsam hinter ihm her, um ihn nicht zu erschrecken. Ab und zu bleibt der Giraffenbulle stehen und schaut uns an, wir sehen nur noch seine Silhouette und bleiben auch stehen, nach ein paar Sekunden des Zögerns geht er dann weiter, das Spielchen machen wir vier, fünf Mal, bevor wir an unsre Abzweigung kommen und abbiegen. An den Spuren am nächsten Morgen sieht man, dass er direkt an der Campsite vorbeigekommen ist, nachdem wir hineinfuhren, gehört haben wir ihn aber nicht. Es ist schon toll, wie ein so großes Tier, ohne dass man es hört, an einem vorbeigehen kann. Der Abendhimmel ist fantastisch, sternenklar und es wird sicher kalt werden. Das ist der erste Abend, an dem es kein Donnern oder gar Gewitter gab, seit wir in Twee Rivieren ankamen. In der Nacht bleibt es ruhig, nur einmal höre ich ein kurzes Brüllen, als ob ein Raubtier eine Beute erlegt hätte. Aber es kann auch was ganz anderes oder ein Traum gewesen sein.


18. Mai 2009
Im Khutse Game Reserve von der Moreswe zur Molose Campsite
29 km in 1,25 Stunden, 28°


Wie erwartet war es kalt, das Thermometer im Auto zeigt um 8 Uhr 4° an. Es ist aber noch nicht gefroren, nur die Scheiben sind nass und auch das Zelt. Wir kochen Kaffee und fahren dann eine Runde um die Pan, leider erfolglos, nur noch die Springböcke und ein einsamer Strauß sind unterwegs. Zum ersten richtigen Frühstück seit Tagen gibt es Aufschnittwurst aus Gaborone, sie hätte aber auch aus einer deutschen Metzgerei sein können. Mit dem Zusammenpacken können wir uns Zeit lassen, denn es liegen nur 30 Kilometer vor uns bis zur Molose Campsite. Der Weg ist in eineinviertel Stunde erledigt und einzig das Schild Tropic of Capricorn an der falschen Stelle bringt etwas Ablenkung.



Die Campsite KHMOS 02 ist die schönste hier, sie hat einen tollen Blick auf die leider leere Molose-Pan. Den ganzen Tag über sehen wir nur ein paar Vögel und ein Erdhörnchen. Wir erholen uns ein bißchen und bereiten uns auf den nächsten Tag vor, der uns in die Central Kalahari, bzw. zunächst in den Khutse bringen wird. Auf einen Game Drive verzichten wir und nehmen einen Sundowner zum fantastischen Sonnenuntergang über der Pan. Ein Brandy Cola, den wir uns dank unsrer südafrikanischen Freunde angewöhnt haben, es gibt ihn nicht jeden Abend, aber ab und zu.



Zum Abendessen gibt es noch mal deutsche Kost, Bratwurst aus einem kleinen Spar in Somerset West, den wir zufällig entdeckten, der anscheinend einen deutschen Metzger beschäftigt, denn hier fanden wir auch die bisher einzigen guten Wienerle in Südafrika.



http://meet-the-oceans.de/html/17___18_mai.html
zuletzt bearbeitet 20. Jan. 2010
563 Beiträge · seit 200920. Jan. 2010 ·
Beate schrieb:

"... Was ich allerdings bis heute nicht weiß,
ist wie der Vogel heist ..."


Hallo Beate,

bei dem abgebildeten Vogel handelt es sich um das
Blaustirn-Blatthühnchen (Actophilornis africanus) (Gmelin, 1789).

Gruß Mike
zuletzt bearbeitet 20. Jan. 2010
ThemenstarterGast20. Jan. 2010 ·
bei dem abgebildeten Vogel handelt es sich um das
Blaustirn-Blatthühnchen


Daaanke
ThemenstarterGast20. Jan. 2010 ·
19. Mai 2009

Vom Khutse Game Reserve in das Central Kalahari Game Reserve
106 km in 4,5 Stunden, 33°


Heute geht es in das Central Kalahari Game Reserve (CKGR). Am Morgen hat es 5°, aber es wird schnell warm. Wir fahren um halb acht los, denn wir wissen nicht, das uns erwartet. Ein kurzer Stopp am Molose Waterhole bringt nur eine Begegnung mit den Camp-Nachbarn von Campsite Nr. 3, das Wasserloch sieht aber sehr gut aus und ist bewachsen, hier dürfte es mehr Tiere haben wie am Moreswe Wasserloch.



Wir müssen aber leider weiter. Die ersten 30-40 Kilometer bis zur Khankhwe Pan dürften noch in Ordnung sein, denn in den Khutse fahren doch viele Südafrikaner und auch Tagesbesucher aus Gaborone, so dass es eher Wellblech wie schlechte Piste geben dürfte, aber in die Central Kalahari fahren nur wenige und so fahren wir ins Ungewisse.



Wir kommen auch gut voran, leider sehen wir wieder keine Tiere und das Gras steht rechts und links der Piste mannshoch. Nur an ganz wenigen Stellen findet man eine freie Fläche, um mal auszusteigen. In Richtung Central Kalahari wir es immer dichter. Die Strecke wechselt zwischen Wellblech, auf dem man theoretisch über 40 km/h fahren könnte und fast nicht zu sehenden, tückischen Bodenwellen, die zu einem Tempo unter 15 km/h zwingen. Aber wir kommen einigermaßen gut voran. Nach 40 Kilometern fahren wir über eine riesige Schneise, sie ist neu geschlagen, man sieht die frischen Spuren der Baumaschinen, wir hoffen, dass es nur eine Feuerschneise ist und nicht die Vorbereitung für einen Straßenbau bedeutet, das wäre fatal für dieses ruhige Fleckchen Erde und das Aus für das Abenteuer Kalahari-Durchquerung.



Dann verfahren wir uns erstmal nach der Kujwe Pan, da kein Schild an der Piste steht, fahren wir an einer Kreuzung immer weiter dem Track nach, bis nach 4 oder 5 Kilometern ein Schild kommt CKGR, auch hier rechnet man nicht wohl nicht mit Besuchern aus unserer Richtung. Wir fahren also erst mal wieder zurück, und dann geht es immer weiter ziemlich gerade aus nach Norden. An der Grenze Khutse - CKGR gibt es kein Schild, nur die Tafel Xade 243 km weist darauf hin, dass wir nun im Central Kalahari sind. D



ie Piste biegt leicht nach Nordwesten ab, die einzige Unterbrechung ist die San-Siedlung Kukumane Village, wir sehen tatsächlich zwei Menschen da und einen Transporter, man nennt ihn hier Bakkie, der sehr neu aussieht, entweder haben die Buschleute Besuch oder ein eigenes Auto. Ca 200 San haben sich nach ihrer Vertreibung aus dem Game Reserve vor Gericht das Recht erstritten, wieder da leben zu dürfen, allerdings dürfen sie nur mit Genehmigung jagen und sie durften ihr Vieh nicht mit hinein nehmen. Das Gerichtsurteil hat noch einen weiteren Pferdefuß, denn das Urteil galt nur den in der Klage persönlich genannten San und für niemanden sonst. Die meisten leben heute außerhalb des Game Reserves von der stattlichen Unterstützung mit den bekannten Problemen Arbeitslosigkeit, Krankheit und Alkoholismus.



10 Kilometer später teilt sich der Track in zwei sehr unterschiedliche Wege, rechts ist er wie bisher, links mit hohem Gras zugewachsen, ein Blick auf die Karte zeigt, wir müssen nach rechts, Gottseidank wurden unsere Befürchtungen, die Verhältnisse könnten schlechter werden, wenn wir in der Central Kalahari sind, nicht bestätigt. Überraschenderweise kommen wir immer noch gut voran, bald sind es nur noch 35 km bis zum nächsten Rastplatz, der Campsite Bape, sie liegt inmitten vom Nirgendwo. Wir machen eine Frühstückspause und sammeln etwas Holz fürs Lagerfeuer am Abend. Es geht stetig bergan und plötzlich wird es einfach so tiefsandig und ich bleibe fast stecken, etwa zurückgefahren und mit Anlauf den Hügel hinauf mit höherer Drehzahl, dann geht es. Während wir noch überlegen, ob wir Luft ablassen sollen, wird es wieder tiefsandig und es bleibt so für 30 Kilometer. Keine Chance mehr, irgendwo anzuhalten und Luft abzulassen und so gibt es einen Höllenritt mit 40 km/h den Hang hinauf, der erst kurz vor der Campsite endet.



Mir zittern sogar die Knie, aber ich bin froh, dass wir es ohne Steckenbleiben geschafft haben, denn das hätte eine Stunde Verzögerung bedeutet mit Abladen und wieder aufladen der Kisten und der Max Trax und was viel wichtiger als die Zeitverzögerung gewesen wäre, die Piste ist so dicht bewachsen, dass es auch nicht ganz ungefährlich gewesen wäre. Wir haben zwar feste Schuhe an, wenn wir fahren, auch wenn es manchmal etwas warm wird, aber die halten nicht unbedingt einen Schlangenbiss in die Wade ab.



Wir sind durch den unerwartet meist guten Zustand der Strecke früh, um kurz nach Zwölf an der Campsite, Bape ist wohl die zweitschlechteste Campsite in der Central Kalahari nach der Campsite im Passarge Valley vom letzten Jahr. Keine Dusche, keine Toilette, und das hier, wo jeder zwangsweise Rast machen muss, wenn er die Kalahari durchquert. Die nächste Campsite in Xaka, sie liegt etwa 150 Kilometer entfernt. Es gibt ein paar Bäume als Schattenspender und ringsherum gelbes Gras und verbrannte Büsche von den Buschfeuern im letzten Jahr. Etwas trostlos also, aber wir haben hier zwei Nächte gebucht und müssen nun damit leben. Den Nachmittag verbringen wir mit Duschen und, blöderweise muss es sein, mit T-Shirt waschen, denn wir haben in Gaborone den Sack mit Schmutzwäsche verloren, er war einfach aufs Dach gelegt worden und bei der Fahrt in den Supermarkt haben wir ihn wohl verloren. Nun haben wir kein einziges sauberes T-Shirt mehr, denn wir wollten in Gaborone waschen und ich versuche es die T-Shirts mit so wenig, wie möglich Wasser wie möglich sauber zu bekommen. Eine Handvoll aggressiver Wespen macht uns das Leben schwer und außerdem gibt es hier auch sehr viele Mücken.




Mit der Abenddämmerung verschwinden die Plagegeister und nach dem Abendessen backen wir einen frischen Apfelkuchen und vertreiben wir uns die Zeit damit Rommee zu spielen. In der Nacht hören wir Schakale und Hyänen, sie sind aber in weiter Ferne. Es ist schon seltsam, wenn man sich vorstellt, dass in den nächsten 50 – 100 Kilometers im Umkreis kein Mensch außer uns ist. Der Sternenhimmel ist wieder so fantastisch, wie in den letzten beiden Nächten, ich könnte stundenlang dasitzen und in den Himmel schauen, wäre es nicht so kalt hier am Abend. Am Tag sind die Temperaturen ja sehr angenehm und wir werden langsam wieder braun, aber nach Sonnenuntergang wird es frisch und ab 20 Uhr ist es wirklich richtig kalt und wir sind froh, unter die warme Decke schlüpfen zu können.


20. Mai 2009
Im Herz der Central Kalahari, Bape Campsite
12 km Game Drive, 26°


Wir schlafen etwas länger und verbringen den Tag mit Luftablassen, Essensvorräte überprüfen und auffüllen und laufen den Weg bis zum Track zu Fuss, um Feuerholz zu sammeln. Wir entdecken die Spuren einer Cheeta mit Jungtier über unseren Spuren von gestern.




Darauf hin beschließen wir einen Game Drive zu machen, wir fahren bis zur Kreuzung, wo wir morgen nach Xaka abbiegen müssen und der Track sieht zum Glück sehr gut aus, die Strecke nach Molapo wird anscheinend nicht so häufig gefahren, sie sieht zugewachsen aus.

Suchbild:


Leider sehen wir nur ein paar scheue Oryxe. Nach dem Abendessen sitzen wir gemütlich am verschwenderisch großen Lagerfeuer und genießen die Nacht, es ist nicht mehr so kalt wie an den Tagen zuvor. Es liegt mehr als genug totes Holz herum und man darf es hier sammeln, man sollte nur für den nächsten Besucher etwas Feuerholz liegen lassen. Bisher fanden wir auch immer etwas Holz vor und haben auch immer etwas liegen gelassen. Die Campsites waren bislang ordentlich, auf Bape wurde vor kurzem sogar das Gelände gemäht und es sieht aus, wie frisch gefegt. Warum es allerdings hier keine Buschtoilette gibt, wo doch jeder, der die Kalahari durchquert, halten muss, ist irgendwie nicht verständlich. Im botswanischen Teil des Kgalagadi ist es das selbe, an den Transitplätzen fehlt jegliche Einrichtung.



Wir philosophieren ein wenig über die Geräusche, die wir uns den Tag über zu hören einbildeten, das ist schon merkwürdig, wir sind hier weit weg von jeglicher Zivilisation und meinen Kuhglocken, Kinderlachen und Autogeräusche zu hören.



Um 21 Uhr, wir wollen grade ins Bett gehen, sieht Fred am Horizont einen sich bewegenden Lichtschein aus der Richtung von Molapo. Wir sind schlagartig hellwach, was kann das sein? Ein Lagerplatz? Ein Buschfeuer? Der Lichtschein bewegt sich nach links, es muss ein Auto sein, und wir hatten gedacht, wir wären im Umkreis von 100 Kilometern die einzigen Menschen! Es ist tatsächlich ein Auto und es fährt auf die Campsite, wir machen alle Lampen aus, das Feuer war zuvor schon gelöscht und holen das Tränengas aus dem Auto, unsere einziger Waffe außer unserem Klapp-Messer. Es ist ein alter kleiner Landrover mit Sitzreihen darauf, wie ihn Lodges zum Game Drive benutzen und zwei Männer steigen aus, sie sind angeblich im Auftrag der Parkverwaltung unterwegs und sollen nach dem Rechten auf den Campsites sehen. Etwas merkwürdig ist das schon, sie behaupten am Morgen in Mataswere abgefahren zu sein und wollen jetzt weiter nach Khutse, wo sie am Morgen um 7 Uhr sein müssen. Sie fragen uns aus, woher wir kommen und wo wir gebucht haben, wollen aber keine Buchungsbestätigung sehen.
Kurz bevor sie wider aufbrechen, fragen sie uns noch, wohin wir morgen fahren und auf die Antwort „nach Xaka“ empfehlen sie uns, da nicht zu übernachten, es gäbe außergewöhnlich aggressive Löwen, die zwei Nächte zuvor ihr Zelt zerrissen hätten und Gegenstände herumgestoßen. Nach 10 Minuten sind sie weg, sie fahren tatsächlich in Richtung Khutse, soweit man das sehen kann. Ich hatte mir den Wagen mit der Taschenlampe genau angesehen, das Nummernschild war fast unleserlich und wir vergaßen auch vor Aufregung, uns eine Nummer zu merken. An Schlafen ist natürlich erst mal nicht zu denken, die Geschichte klang schon sehr fantastisch, wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass die Menschen hier fast immer die Wahrheit sagen. Wir werden ja sehen, wie es bei Xaka aussieht. Wir schlafen spät ein und in der Nacht ist außer den Schakalen wieder nichts zu hören.

http://meet-the-oceans.de/html/19___20_mai.html
zuletzt bearbeitet 20. Jan. 2010
5'483 Beiträge · seit 200920. Jan. 2010 ·
Sehr schön zu lesender Reisebericht mit tollen Fotos. Freue mich schon auf die Fortsetzungen.

Eine Frage noch zu einem der ersten Tage: Habt Ihr herausbekommen, was es mit den hornlosen Oryx auf sich hat?
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
6'152 Beiträge · seit 200620. Jan. 2010 ·
Hallo Topobär,

der Reisebericht ist vollständig - klicke am ersten Tag unten an.
Viel Spass beim Lesen wünscht Dir
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
6'152 Beiträge · seit 200620. Jan. 2010 ·
Hallo Southerndreams,
ein ganz dickes Lob - so ein toller Bericht -so aufwendig ,
sehr unterhaltsam - sehr interessant - da wir einiges kennen-
machts unheimlich Spass.
Würde das auch gerne können- aber technisch tue ich mich schwer.
Ganz liebe Grüsse
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
zuletzt bearbeitet 20. Jan. 2010
112 Beiträge · seit 200820. Jan. 2010 ·
Hallo Southerndreams,
Gratulation zu diesem traumhaften Reisebericht.Er hat mich so gefesselt, dass ich auf deiner Webbseite weterlesen musste.Wenn ich an meine lose Blatt Sammlung denkeke und die Lücken im Gedächtnis, da sehe was ich für ein Schluri bin.
Es gibt keine Worte in die man Deinen Reisebericht fassen kann.
Herzliche Grüsse
Hans-Jürgen
ThemenstarterGast20. Jan. 2010 ·
Hallo alle zusammen und vielen, vielen Dank für das Lob...

Topobär, wir waren an Weihnachten wieder mal da
(Reisebericht folgt), da sahen wir einen hornlosen
Oryx an der Bitterpan.

Es soll genetische Gründe haben.
Inzucht wäre das Problem. Das kann ich irgendwie nicht so ganz
nachvollziehen, bei den großen Zahlen an Tieren.

Wir werden aber im April den Eco Trail im Kgalagadi fahren,
da ist ein Ranger dabei mit erstklassigen Kenntnissen des Parks,
den werde ich nochmal löchern ...

Viele Grüße und noch einen schönen Abend,

Beate
3'700 Beiträge · seit 200920. Jan. 2010 ·
Hallo Beate,

herzlichen Dank für den fesselnden und informativen Reisebericht, den ich natürlich auch schon auf Deiner Website weitergelesen habe. Habe viele wertvolle Informationen für unsere Botswana-Reise-Planung 2011 von Dir erhalten.
Nach drei Stunden vielen mir gestern die Augen zu. Deshalb geht´s gleich weiter.

Liebe Grüße
Marina
Das Morgen gehört demjenigen, der sich heute darauf vorbereitet. Afrikanische Weisheit www.butterblume-in-afrika.de
ThemenstarterGast21. Jan. 2010 ·
Und es geht weiter, es tut mir leid,
dass ich heute so spät dran bin,
doch den ganzen Tag kam ich nicht ins Forum rein....

Zurück in die Zivilisation ?

21. Mai 2009
Von der Bape Campsite zum Xade Gate des
Central Kalahari Game Reserve
179 km in 8 Stunden, 31°


Um kurz vor 8 Uhr brechen wir auf in Richtung Xaka. Die Strecke ist zum Glück nicht so schlimm, wie im Reise Know How Führer beschrieben, lt. ihm sollen es zwischen Xade und Kikao mit die schlimmsten 200 Kilometer Botswanas sein. Außer den 25 Kilometren leicht tiefsandiger Strecke vor Bape trifft das aber nicht zu, nur wellig ist der ganze Track und da wir nicht grad viel Bodenfreiheit haben, dank unseres Gewichtes von fast drei Tonnen, müssen wir mit 20 – 25 km/h dahin schleichen.



Die Fahrt ist langweilig und nur zwei überraschte Giraffen mitten auf dem Track bieten ein wenig Abwechslung. Bis zur Abzweigung nach Xaka kommen wir gut voran, aber für die 13 Kilometer bis zur Campsite brauchen wir eine halbe Stunde.



Die Campsite ist winzig, der Platz reicht gerade fürs Zelt und die Überreste des Lagerfeuers zeugen von einem gigantischen Feuer, ringsherum ist der Boden von Fahrzeugen tief aufgewühlt und danach finden sich überall Löwenspuren. Es riecht sehr stark nach Katze. Ringsherum ist dichter Busch und man sieht nichts.



Wir beschließen, da es erst 13 Uhr ist, nach Xade weiter zu fahren, vielleicht können wir ja schon einen Tag früher in die Piper Pan. Die Strecke zwischen Xaka und Xade ist anspruchsvoll und es gibt manch eine Umfahrung der schlimmsten Stellen, die genauso schlimm ist, wie die umfahrende Strecke.



Mehr als drei Stunden brauchen wir für die ca. 65 Kilometer, danach sind wir durchgeschüttelt und sehnen uns nach dem Wellblech der Nossob Road. Unterwegs sehen wir, da dichter Busch die Strecke umgibt, fast keine Tiere, nur einen Kudu-Bock entdecken wir an seinen Hörnern über dem Gestrüpp.



Am Xade Gate frage ich, ob in der Piper Pan etwas frei wäre und zu meinem Entsetzen wissen die drei im Office Beschäftigten nicht, was heute alles reserviert ist. Es wird herumtelefoniert, es ist abenteuerlich, woher überall Telefonnummern auftauchen, auf Kladden, privaten Handys und sogar vom Flugblatt des Ministeriums, auf dem mitgeteilt wird, dass ab Januar 2009 die Eintrittsgebühren nicht mehr an den Gates bezahlt werden können,
wird nach einer Telefonnummer geschaut. Der Supervisor in privater Kleidung wird um Rat gefragt und auch er hat noch ein paar Telefonnummern parat, schlussendlich stellt sich heraus, dass man nicht feststellen kann, ob etwas frei ist und wir werden mit Bedauern auf die Campsite neben dem Gate geschickt. 😵



Hier hat es drei Notcampingplätze und eine Toilettenanlage, diese ist allerdings so grauslig, dass wir mit unsrer Campingdusche an der Campsite duschen, mit solargewärmtem Wasser aus dem Bohrloch von Xade, es ist etwas salzig, aber egal, wir müssen diesmal kein Wasser sparen. Unsren Müll, den man ja mitnehmen muss, er ist jetzt 5 Tage alt, werden wir am Gate noch los, das ist auch ganz praktisch. In der Nacht werden wir von verschiedenen Tieren besucht, das eine ist sicherlich ein Warzenschwein, es bewegt sich ständig grunzend ums Zelt herum, das andere ist vielleicht ein Mongoose oder ein Erdhörnchen, jedenfalls stößt es hohe Töne aus.


Mit dem Wissen, welches ich heute habe, würde ich wohl
auch auf Xaka übernachten,allerdings wahrscheinlich
sicherheitshalber im Auto. Im Nachhinein denke ich mir,
ich habe eine Riesenchance verpasst, die Löwen zu fotografieren .....

Was mich aber bis heute aufregt, ist die Tatsache, dass niemand wirklich
weiß, was für Buchungen vorliegen. Was ins Buch geschrieben wird, kontrolliert kein Mensch!
Es ist zwar für mein Gefühl nicht mehr wirklich einsam im CKGR,
aber es könnte doch mal passieren, dass jemand, der ohne Backup wie wir es hatten, in den Park fährt,
irgendwo eine Panne hat und liegen bleibt. Das Horrorszenario wäre es, ein Day Visitor, der nur wenig Wasser
dabei hat und kaum Essen, muss mehrere Tage warten, bis zufällig ein anderer Tourist vorbeikommt!
Und wirklich niemand weiß, was vom Khutse her ins CKGR kommt
🙁


22. Mai 2009
Vom Xade Gate zur Piper Pan Campsite
73 Kilometer in 3,5 Stunden, 31° Game Drive 16 km am Abend


Wir stehen um 6 Uhr auf, denn wir wollen so schnell wie möglich in die Piper Pan. Der Track bis dahin ist einfach zu fahren, aber wieder wellig und langweilig. Es gibt wieder die üblichen Verdächtigen, Oryx, Gnu und Springbock zu sehen. Eine Herde Gnus springt durch die Hitze, als ob nichts wäre. Ich fotografiere ein Gnu im Sprung, er sieht aus wie ein Stierkämpfer beim Stierkampf.



Um halb zwölf haben wir an der Campsite das Zelt aufgebaut, sie ist riesig, hat aber kaum Schatten, es gibt Buschtoilette und Eimerdusche und jede Menge Mücken.



Ich verziehe mich nach dem späten Frühstück ins Zelt zum Lesen und um halb 5 machen wir einen Game Drive um die Piper Pan, aber es ist alles wie ausgestorben, am Wasserloch stellen wir uns ohne große Hoffnung noch ein wenig hin.



Am Morgen sind wir ja schon einmal am Wasserloch vorbeigekommen, es fiel uns ein fürchterlich stinkender Kadaver wenige Meter vom Wasserloch entfernt, auf. Der Kadaver ist immer noch da und so warten wir.



Zwei Schakale, sie kommen aus verschiedenen Richtungen und müssen erst mal ausdiskutieren, wer das Sagen hat, sie zeigen komischerweise kein großes Interesse an dem Kadaver. Nachdem sich die beiden wieder verzogen haben, fahren wir näher ran und es stellt sich heraus, dass es sich um eine tote Hyäne handelt, darum hatten die Schakale wohl kein großes Interesse daran.



Wir bleiben bis nach Sonnenuntergang am Wasserloch, aber es tut sich nichts mehr und auch in der Nacht ist es bis auf einen Schakal im Camp und Löwengebrüll weit, weit weg ruhig und sehr kalt.

http://meet-the-oceans.de/html/21___22_mai.html
931 Beiträge · seit 200621. Jan. 2010 ·
Hallo Beate,

auch ich finde deinen Bericht interessant, trotzdem erlaube ich mir eine Frage:

Warum kopierst du den Bericht deiner 200 Tage Tour hier komplett ins Forum? Es steht doch alles nachlesbar auf deiner Website, bereits während eurer Tour konnte man ja recht zeitnah verfolgen wo ihr gewsen seit und wie es euch ergangen ist.

Nur mal so interessehalber...

Gruß

Ulli
0
ThemenstarterGast21. Jan. 2010 ·
Hallo Uli, zum einen überarbeite ich den Bericht gerade,
und kopiere die überarbeitete und ergänzte Version
zum anderen habe ich die Erfahrung gemacht,
dass viele zwar einen Reisebericht im Forum finden,
nicht aber auf der Website.

Und wer neu ins Forum kommt oder eine neue Reise plant,
und z.B. mal das Suchwort Kalahari, Passarge Valley oder CKGR eingibt,
findet den Reisebericht eben nicht ducrh die Suchfunktion.

Und einigen Reaktionen nach den ersten Tagen
konnte ich entnehmen, dass eben nicht jeder
dem Bericht täglich gefolgt ist....

OK ?


Viele Grüße,

Beate