Reisebericht Kenya-Safari 2009

23 Antworten · 11,3k Aufrufe · gestartet 08. Nov. 2009 von bilo
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200908. Nov. 2009 ·
Jambo, liebe Fomis!

Vom 24.Juli bis 22. August 2009 haben wir knapp 4 Wochen in Kenya verbracht. Von unseren Erlebnissen als Selbstfahrer und Camper in diesem Land möchten wir hier nach und nach berichten.
Unser "Reisebericht" - oder sollen wir ihn besser Erelebnis- oder Erfahrungsbericht nennen? - über die erste Woche in Kenya ist fertig. Wir wünschen euch viel Vergnügen beim Lesen. Jetzt mit 2,5 Monaten Abstand können wir schon wieder drüber lachen! 😄


Freitag, 24.7.09

Endlich ist es soweit. Nach ziemlich genau einem Jahr fliegen wir endlich wieder nach Kenya. Vier lange Wochen wollen wir dieses Mal bleiben.

Zum ersten Mal fliegen wir mit Turkish Airlines und da wir bisher sehr unterschiedliche Meinungen über diese Fluggesellschaft gelesen haben, sind wir natürlich auch gespannt, ob unsere Entscheidung eine gute sein sollte.

Da der Flug zur Hauptsaison mit 551 € recht günstig ist, leisten wir uns jede Menge Übergepäck, exakt 20Kg. Im Vorfeld erkundigen wir uns natürlich bei Turkish Airlines, wie teuer das Übergepäck ist. 8 € pro Kilo finden wir erschwinglich und so packen wir nicht nur unsere Rucksäcke mit den nötigen Klamotten, sondern auch 2 Reisetaschen bis zum Platzen voll mit Werkzeug, Kleinteilen für’s Auto und Camping, Brotbackmischungen und diversen anderen Lebensmitteln.

Die erste Überraschung trifft uns beim einchecken. Mit gezückter Geldbörse geben wir unsere Rucksäcke und eine der Reisetaschen auf. Doch die Dame am Schalter fordert uns auf, auch die zweite Tasche auf‘s Band zu stellen. Etwas widerwillig tun wir dies auch. Eigentlich wollten wir die Tasche als Handgepäck mit in den Flieger nehmen. „Oh weh!“, denken wir, „Das wird teuer!“. Doch weit gefehlt. Die freundliche Dame am Schalter reicht uns unsere Bordkarten – unsere Geldbörse dürfen wir wieder einpacken. Die 20 Kg Übergepäck werden uns nicht in Rechnung gestellt.
Welch positive Überraschung!


Die Wartezeit bis zum Boarding verbringen wir bummelnd. Wie angenehm, dass wir uns nun nicht mit großem Handgepäck abschleppen müssen.

Mit geringer Verspätung sitzen wir endlich in unserem Flugzeug. Die Maschine ist bis auf wenige Plätze ausgebucht. Wir richten uns gemütlich ein bis zur Landung in Istanbul gut 4 Stunden später.
In Istanbul haben wir nun knapp 3 Stunden Aufenthalt. Das erscheint uns erst einmal furchtbar lang – doch die Zeit vergeht sehr schnell. Der Flughafen ist sehr modern, mit einer edlen Shoppingmeile, ganz netten Sitzecken, liegt direkt am Meer und bietet einen schönen Blick sowohl auf die Stadt als auch auf’s Meer.

Kurz nach 19.00 Uhr - auch wieder mit leichter Verspätung – hebt unser Flugzeug wieder ab und endlich geht’s Richtung Nairobi.
Dort landen wir nach einem guten, ruhigen Flug um 1:39 Uhr in der Nacht Ortszeit. Natürlich sind wir total übermüdet, denn auch wenn der Sitzabstand im Flieger recht angenehm, und der Service gut waren, eignet sich die Economy Class einfach nicht, um dort einen erholsamen Schlaf zu finden.

Unsere Einreisepapiere haben wir alle schon zu Hause ausgefüllt. So sind wir die ersten am Visaschalter und ruck zuck haben wir einen weiteren Sticker mit Stempel im Pass. Das Zollformular halten wir bei der Einreise zwar bereit, geben es aber erst mal nicht ab. So ganz sicher sind wir ja nie, welche Lebensmittel wir einführen dürfen und welche nicht. Das Formular wird auch gar nicht verlangt.

Wir stehen unten am Gepäckband und warten nun darauf, dass es endlich in Gang gesetzt wird. Tja, so ist das in Kenya: irgendwo wartet man immer auf irgendwas. Die im Vorfeld ausgefüllten Einreisepapiere bringen uns hier nun nicht weiter, denn unser Gepäck kommt relativ spät, aber diesmal vollständig. Nun noch durch die letzte Passkontrolle und das übliche Frage-Antwort-Spiel:
„Where do you stay in Kenya?”
„First we stay by a friend, then we g o to safari.”
“Have you anything to declare? Presents for your friends?“
“We don’t have!”
”Nothing?”
“Nothing!”
“Ok! Have a nice journey and a good safari!”
“Asanta sana!”

Puh! Wieder mal großes Glück gehabt. Wir mussten keines unserer Gepäckstücke öffnen und erklären, warum wir so viele für einen Safariurlauber doch eher unübliche schwere Gegenstände mitschleppen: Draht, Klebeband, Zangen, Hammer, Spannungswechsler, Schraubendreher, Schrauben, Sicherungen, Knarrenkasten, Autoersatzteile, Gummis und Dichtungen usw.

Draußen wartet schon Douglas auf uns, der uns sicher durch die Nacht zu Elvira bringen wird.

Elvira wartet auch schon auf uns, nicht ganz so munter, wie ihre lebhaften, verrückten Vierbeiner, die uns lautstark mit ihrem Gebell begrüßen. Nur ein kurzer Schnack und dann gehen wir alle erst mal ins Bett. Erzählen können wir auch später noch.
🙂 🙂 🙂 🙂 🙂


Samstag, 25.7.09

Irgendwann gegen 10.00 Uhr sitzen wir dann an Elviras Frühstückstisch und erzählen uns die neuesten Neuigkeiten aus Deutschland und Kenya.
Nach dem Frühstück stürzt sich Elvira in ihre Arbeit – sie muss noch ihre Safari für Montag vorbereiten und am Nachmittag landen schon ihre Gäste, die sie dann abholen und betreuen muss. Also versuchen wir uns nützlich zu machen, spielen ein wenig mit den Hunden, Joachim inspiziert unseren Landi, versucht die mitgebrachte Hupe anzubringen (was nicht gelingt) und ich koche für uns alle ein Mittagessen.
Den Nachmittag verbringen wir mit Relaxen, studieren unsere Reiseführer, verwöhnen Elviras Hunde und gehen dann früh am Abend schlafen.
🙂 🙂 🙂 🙂 🙂



Sonntag, 26.7.09

Elvira muss sich auch heute um ihre Safarigäste kümmern und ist früh unterwegs. Unser Auto ist leider noch nicht einsatzbereit, da wir am Montag erst mal einen Insurance-Sticker kaufen müssen. So machen wir uns zu Fuß auf den Weg ins nahe gelegene Lavington Green Einkaufscenter. Dort sind viele Lebensmittel einiges preiswerter als im Nakumatt. Für unsere Safari werden wir unsere Einkäufe wohl weitgehend hier tätigen. Auf dem Rückweg zu Elviras Haus machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Slums, doch dort haben die meisten shops geschlossen. An Wochentagen kann man hier gut und günstig frisches Obst und Gemüse einkaufen.
Nach unserem Nachmittagscappuccino laufen wir noch einmal die Ngong Road in Richtung Karen hoch. Entlang der Ngong Road reiht sich Werkstatt an Werkstatt und obwohl heute Sonntag ist, haben viele shops geöffnet und es herrscht ein reges Treiben. Wir sind noch auf der Suche nach einem stabilen, klappbaren Tisch und 2 guten Stühlen und nutzen den heutigen Tag, für ein paar Preisvergleiche.
Auf dem Rückweg wollen wir eigentlich noch im Nakumatt vorbei, aber das schaffen wir zeitlich nicht mehr. Dafür setzen wir uns lieber in einen kleinen pub am Wegrand und tanken bei einem Alster erst mal neue Energie für den langen Rückweg. Kurz vor 19.00 Uhr – gerade noch rechtzeitig mit der einbrechenden Dunkelheit – sind wir zurück. Elvira ist auch schon da und packt ihre Taschen für die Safari. Heute Abend sitzen wir noch gemütlich beisammen, quatschen und überlegen, wie wir am besten unser Auto ummelden können. Denn das scheint ein sehr langwieriges und kompliziertes Verfahren in Kenya zu sein. Doch Joseph, Elviras Fahrer, der erst einige Tage später eine Safari fahren wird, will uns behilflich sein.

🙂 🙂 🙂 🙂 🙂
Montag, 27.7.09

Um 9.45 Uhr, lange nachdem Elvira schon unterwegs Richtung Nakuru ist, begrüßen wir Joseph. Wir besprechen, wie wir nun am besten vorgehen und beschließen erst mal mit dem Matatu in die City zum Times Tower zu fahren. Dort stellen wir uns in die Schlange vor der Information an, passen dann aber einen freundlichen und auskunftswilligen Angestellten auf seinem Weg zum Info-Schalter ab und erhalten von ihm die ersten notwendigen Auskünfte.

Wir müssen für den Wechsel der Registration erst einmal eine Versicherung nachweisen. Außerdem brauchen wir Kopien von Reisepass, Pin-Number (die hat Elvira schon Anfang des Jahres für mich beantragt. Die Pin-Number ist vergleichbar mit einer Steuernummer – somit bin ich jetzt für mein Lebtag in Kenya registriert), Inspection-Report (vergleichbar mit unserem TÜV), Logbook (vergleichbar mit unserem Fahrzeugbrief) und Umschreibeerlaubnis des Vorbesitzers. Damit gehen wir an Counter 9 im Times Tower und beantragen die Umschreibung. Hört sich doch ganz easy an, oder?

Die Versicherung besorgen wir uns einige Straßen weiter erst einmal für 3 Monate – aus Kostengründen versteht sich. Unser Landrover ist noch als PSV-Fahrzeug zugelassen, aber wir wollen versuchen, es als Privat-Car umzumelden. Dafür könnte es evt. reichen, die hintere Sitzbank mit 3 Sitzen auszubauen.
Joseph meint allerdings, aufgrund der Größe und des Gewichtes von 2,5t wird uns dies wohl nicht gelingen. Egal – wir gehen erst mal ganz optimistisch an die Sache heran. HAKUNA MATATA!!!

Den Insurance-Sticker haben wir bereits nach 1,5 Stunden. Nun suchen wir einen Copy-Shop und lassen uns mehrere Kopien unserer Papiere machen. Die haben wir damit fast alle zusammen – bis auf den alles entscheidenden und überaus wichtigen Inspection-Report Auf normalem Wege daran zu kommen ist in Kenya so gut wie unmöglich.
Für heute haben wir immerhin schon einiges erreicht. Daher fahren wir erst mal zurück nach Lavington. Nachdem wir mit Joseph und Maria, dem Hausmädchen einen Cappuccino geschlürft haben, besprechen wir das weitere Vorgehen. Joseph und Joachim basteln am Auto herum (Hupe einbauen, defektes Blinker-Relais reparieren bzw. austauschen, unsere Campingausrüstung umstapeln, da einiges Wasser durch die porösen Dichtungen ins Auto gelaufen ist und ich beginne schon mal mit den Essensvorbereitungen.

Beim Einbau der Hupe passiert leider ein kleines Missgeschick. Am Radiator entsteht ein kleiner Riss und Kühlwasser läuft aus. So ein Mist. Das Blinkerrelais ist auch nicht zu aktivieren. Also fahren wir in die nahegelegenen Slums und treffen dort Dan in seiner Werkstatt. Er meint, den Radiator zu reparieren wäre eine Kleinigkeit und ein neues Relais besorgt er gleich mit. Auf unsere Frage nach den Kosten erwidert er nur „It’s not so much. Come tomorrow morning.“

Na, ok, dann also erst mal bis morgen.
🙂 🙂 🙂 🙂 🙂


Dienstag, 28.7.09

Heute Morgen ist frühes Aufstehen angesagt. Gleich um 7.30 Uhr fährt Joachim mit dem Auto zur Werkstatt. Wie versprochen ist es um 11.00 Uhr fertig und tatsächlich nicht so teuer. Wir zahlen 2000 Kshs. Allerdings funktioniert das Blinker-Relais immer noch nicht. Dan wird noch ein neues Relais besorgen und später austauschen. Wir erledigen erst einmal einige Einkäufe und anschließend beginnt Joachim damit, die hintere Sitzreihe auszubauen. In der Mittagshitze ist das ein schweißtreibender Job, zumal sich die Schrauben gar nicht so leicht lösen lassen.
Gegen 14.00 Uhr kommt Joseph. Mit ihm besprechen wir, dass er sich um den Inspection-Report kümmern soll. Also macht er sich auf den Weg zum Times Tower um das Buchungspapier für die Inspektion zu besorgen und anschließend den Report zu erledigen.
Nachdem Joachim alle hinteren Sitze ausgebaut und in Elviras Schuppen verstaut hat, fahren wir wieder bei Dan vorbei. Er baut das Blinkerrelais ein – endlich funktioniert es –seine Jungs schweißen im Wageninnern hinten noch ein Gitter und reparieren das Fenster auf der Fahrerseite, das sich nicht mehr hoch drehen lässt.
Schließlich macht Dan uns noch das Angebot für 44.300 Kshs, den Wagen nach unserer Rückkehr von Safari zu zerlegen, zu entrosten, neue Dichtungen einzubauen und neu zu lackieren. Wir verabschieden uns erst mal von ihm mit dem Versprechen, darüber nachzudenken und sein Angebot zu prüfen.
Das ist keine leere Floskel, denn das haben wir letztes Jahr schon in Mombasa schon in Erwägung gezogen. Allerdings lag damals das Angebot eines „Freundes“ bei 220.00 Kshs. Jetzt verstehen wir erst was mit „Special-Offer“ und „Best-Price-Offer“ wirklich gemeint ist. Wie gut, dass wir uns das damals mangels €-Masse nicht leisten konnten.

Im Nakumatt kaufen wir noch einige Kleinigkeiten zur Komplettierung unserer Campingausrüstung, darunter auch einige stabile Boxen, damit wir unser Equipment nicht mehr in Taschen und Tüten verstauen müssen.
Den Rest des Tages verbringt Joachim damit, noch ein bisschen am Auto herumzuschrauben, ich verteile unser gesamtes Campingequipment in Elviras Esszimmer, mache alles gründlich sauber und sortiere es in unsere neuen Boxen ein.
Nach dem Abendessen tüfteln wir noch ein bisschen über unserer Safariroute – wenn wir schon praktisch hier nicht loskommen, dann wenigstens rein theoretisch. ;-(
🙂 🙂 🙂 🙂 🙂
Mittwoch, 29.7.09

Joseph ist heute Morgen schon um 9.15 Uhr da und bringt keinen Inspection-Report dafür aber „bad news“ mit. „System has changed in Times Tower“, sagt er uns. Wir müssen zuerst unsere Steuern bezahlen und zwar für das PSV zugelassene Fahrzeug mit 9 Sitzen. Danach erst können wir das Inspection-Booking im Times Tower vornehmen, um damit den Report zu erhalten.
Joseph hat selbst noch so vieles vorzubereiten für seine Safari, die am kommenden Samstag startet. Daher beschließen wir, dass er mich an der Gitanga Road ins Matatu 46 Richtung Times Tower setzt. Dort werde ich oben die Steuern bezahlen und unten am Schalte 8 gibt es dann hoffentlich!!! anschließend das Inspection-Booking. Wir tauschen vorher unsere Handy-Nummern aus, damit wir uns dann später in der Stadt treffen und gemeinsam mit dem Bus zurückfahren können.
Ein bisschen mulmig ist mir erst mal so ganz allein mit dem Matatu in die City zu fahren, aber schließlich müssen wir ja mal vorwärts kommen, wenn wir nicht unsere 4 Wochen Kenya mit Formalitäten in Nairobi verbringen wollen. Joachim schraubt derweil weiter am Auto herum – er weiß erst mal nicht, dass ich alleine zum Times Tower fahre.

Matatu fahren ist wie immer spannend. Im Matatu läuft mit ohrenbetäubendem Lärm ein Musikvideo, alle Sitze sind über die gesamte Strecke voll besetzt, die Luft ist stickig – fehlt nur noch dass jetzt jemand mit ner Kiste Hühner hier einsteigt - und ich frage mich immer wieder, wie die Matatu-Fahrer für ihre Schrottkisten nur an den jährlich fälligen Inspection-Sticker kommen.
Doch alles läuft problemlos, ich bekomme trotz der mit dunkler Folie abgeklebten Fenster sogar mit, wo ich aussteigen muss. Also ab in den Times Tower, upstairs, counter 27-29, anstellen in einer langen Schlange, die erst auf den oberen Treppenstufen endet. Na, das heißt ja mal wieder mindestens 1,5 bis 2 Stunden Wartezeit. So ist es dann auch und als ich dann endlich an der Reihe bin, will der Angestellte hinter dem Schalter mir doch tatsächlich erzählen, dass ich ja nicht Eigentümer des Fahrzeugs bin und daher erst die Umregistrierung veranlassen müsste. 10 Minuten diskutieren wir heftig und drehen uns dabei immer wieder im Kreis (liegt wahrscheinlich an meinen für diese Situationen nicht ausreichenden Englisch-Kenntnissen). Ich verlange seinen Vorgesetzten zu sprechen und behaupte, dieser hätte uns schließlich den genau richtigen Weg des Transfers genannt. Der Angestellte runzelt die Stirn und will nun die PIN-Number des Vorbesitzers haben. In mir breitet sich ein innerliches Grinsen aus. Mit bösem Blick reiche ich ihm die gewünschte Kopie und schicke stille Dankesgrüße nach Mombasa, an Dhanjal den Vorbesitzer, der uns vor 1,5 Jahren anscheinend alle notwendigen Transferpapiere mitgegeben hat. Abgezählt lege ich dem Angestellten die 5040 Kshs Tax auf den Tisch, nehme alle meine Papiere und die gestempelte Quittung in Empfang und verlasse den Times Tower. Irgendwo war doch hier um die Ecke ein Copy-Shop. Natürlich benötige ich nun wieder neue Kopien vom Logbook und der Quittung. Ich finde den Copyshop recht schnell und eile mit meinen Ablichtungen zurück in den Times Tower um mich nun in die Warteschlange an Counter 8 anzustellen. Erneutes Warten beginnt, doch schon nach „nur“ 50 Minuten bin ich schon an der Reihe. In der Zwischenzeit taucht Joseph auch auf und mit dem Inspection –Booking machen wir uns auf den Weg endlich unseren Report und dazugehörigen Sticker für die Windschutzscheibe zu besorgen. Das kostet noch mal 15.000 Kshs, allerdings bin ich erst mal nur das Geld los. Report und Sticker können wir frühestens am späten Nachmittag abholen, vielleicht auch erst morgen früh. Mir bleibt nichts anderes übrig, auch wenn ich jetzt Gefahr laufe 15.000 Kshs (=ca. 150€) in den Sand zu setzen. No risk, no fun!
Als allerdings unser Insection-Report-Mann noch nach einem Tip (=Trinkgeld) fragt, antworte ich unverhohlen, dass angesichts der Summe, die ich ihm gerade gegeben habe, das Trinkgeld wohl enthalten sei. Mit Unschuldsmine verneint er dies jedoch und so gebe ich erst mal klein bei und stelle ihm ein Trinkgeld in Aussicht, wenn er uns das nötige Papier bis zum Einbruch der Dunkelheit übergibt. Mit jedem Tag, den wir länger auf den Inspection-Report warten müssen, verringert sich auch sein Trinkgeld.
Als wir aus dem Büro raus sind, atmen wir erst mal beide tief durch. Joseph betet darum, dass ich John nicht zu sehr unter Druck gesetzt habe – aber schließlich gilt ja in Kenya immer noch HAKUNA MATATA! In mir hat sich über den gesamten Tag eine unglaubliche Wut über dieses Sch….-System aufgebaut. Ich will endlich auf Safari und habe die Nase von Nairobi und dem ganzen Behörden-Kram hier erst mal gestrichen voll. Daher sage ich erst mal nichts mehr – es würde eh nur den armen, unschuldigen Joseph treffen und der kann ja auch nichts dafür.
Ich begleite Joseph noch ins Ministry of Forestry and Wildlife, weil er dort noch einiges vor Beginn seiner Safari zu erledigen hat. Danach fahren wir erst einmal zurück.
Um meine Wut aus dem Bauch zu schrubben, mache ich mich über unsere Wäsche her. Nichts ist so befreiend, wie große Wäsche in Kenya- ohne Waschmaschine, sondern in Handarbeit – versteht sich!
🙂 🙂 🙂 🙂 🙂
Donnerstag, 30.7.09

Gestern haben wir – wie konnten wir es auch anders erwarten – nichts mehr von unserem Inspection – Report gehört. Wir verbringen den heutigen Vormittag immer mit nervösem Blick auf unser Handy-Display, doch es tut sich erst mal nichts. Wir fahren mit dem Landi in die Werkstatt einer Petrol Station im Bezirk Adams Arcade, die Joseph uns empfiehlt, lassen einen Ölwechsel machen, den Ölfilter erneuern und tanken schon mal voll. Anschließend fahren wir die Ngong Road Richtung Karen entlang und werden schließlich auch dort fündig bei der Suche nach 2 bequemen Klappstühlen und 2 Tischen. Im Lavington Green Supermarket decken wir uns mit haltbaren Lebensmitteln für 3 Wochen Safari ein. Egal was sich heute mit unserem Inspection-Report noch ergibt oder auch nicht, wir werden morgen unsere Safari beginnen. Dann fahren wir eben ohne Ummeldung und ohne Report los.
Wir brauchen dringend einen 20l-Reservekanister, werden auch fündig, allerdings zum horrenden Preis von 5800 Kshs (ca. 58€). Na. Das geht doch hoffentlich noch billiger. Vielleicht finden wir einen geeigneten Kanister unterwegs an einem Straßenshop.
Gegen Mittag ruft Joseph an und teilt uns mit, dass der Inspection-Report da sei, aber nun fehle noch ein weiteres Papier (dessen Name mir leider mittlerweile entfallen ist) und das kostet noch mal 10.000 Kshs. Wir können es kaum glauben, aber wir sind wohl machtlos. Mit dem Landrover quälen wir uns durch den dichten Verkehr in die City hinein. Meter für Meter rollen wir in einer langen Blechlawine vorwärts. Wir sind ein gefundenes Fressen für die Straßenverkäufer, die uns von Fähnchen, Kenya-Stickern über Kämme, Caps und Haarklammern bis zu Lenkradhüllen, Warndreiecken und Starthilfekabeln alles andrehen wollen. Na gut über mehrere Ampeln verhandeln wir mit einem Straßenverkäufer wegen eines Starthilfekabels. Das ist ja vielleicht ganz nützlich.
Nach mehreren Telefonaten und einigem Herumirren treffen wir Joseph in einer Seitenstraße. Wir beschließen, dass er den Report holt. Das angeblich so wichtige Zusatzdokument, mit dessen Bezeichnung wir so gar nichts anfangen können und dessen Sinn sich uns auch nach mehrmaligen Erklärungen von Joseph nicht erschließen will, kommt eh erst frühestens um 17.00 Uhr. Also dürfen wir da wohl heute auch wieder nicht mit rechnen und wieder wird’s nichts mit der Ummeldung. Immerhin halten wir um 15.30 Uhr den Inspection-Report in Händen und ganz unten am Rand ist handschriftlich der Name des nun noch fehlenden Dokuments hingekritzelt.
Am liebsten würde ich jetzt sofort zum Times Tower fahren, um die Ummeldung ohne das Dokument, von dem bisher ja nie die Rede war, zu versuchen. Doch Joseph meint, es sei zu spät, da kommen wir heute nicht mehr dran.
Wir fahren wieder zurück nach Lavington und packen unseren Landi safarifertig. Joachim baut noch den Spannungswechsler ein und schließt ihn an die Autobatterie an. So können wir unsere Ladegeräte für Kameras und Handy unterwegs anschließen und aufladen.
Wir gehen früh schlafen, denn am nächsten Morgen wollen wir als eine der Ersten in der Schlange im Times Tower stehen!
🙂 🙂 🙂 🙂 🙂
Freitag, 31.7.09

Um 6.00 Uhr ist für uns heute die Nacht zu Ende. Wir machen uns schnell reisefertig, würgen eilig ein Frühstück hinunter und los geht’s zum Times Tower. Der öffnet schließlich schon um 8.00 Uhr und – das haben wir uns ganz fest vorgenommen – heute erledigen den letzten Rest unseres Papierkrams oder wir lassen alles so unerledigt wie es ist. Den hingekritzelten Namen des angeblich fehlenden Dokuments am unteren Rand des Inspection-Reports habe ich einfach gerade abgeschnitten. Wir glauben zwar fest daran, dass wir dieses Papier gar nicht benötigen, aber wir wollen ja auch keine schlafenden Hunde wecken. Nun kann nur auffallen, dass unser Report nicht mehr DIN-A4 – Größe hat.
Während ich mich noch mal im Haus umschaue, ob wir auch nichts vergessen haben, startet Joachim das Auto. Doch während drinnen alles klar ist, entlockt er dem Landi keinen Ton! Das kann doch wohl nicht wahr sein. Warum springt dieses Vehicle denn jetzt nicht an?
„Batterie leer“, ist Joachims vernichtendes Urteil. „Kann ja gar nicht sein, die wurde doch letztes Jahr nagelneu reingebaut“, antworte ich. Egal, mit der Ursachenforschung können wir uns jetzt nicht aufhalten. Im Schuppen haben wir doch eine Batterie gesehen. Also unseren gestern im dichten Straßenverkehr ergatterten Jumper ausgepackt und überbrücken. Doch nichts tut sich. Na ja, warum sollte auch eine voll geladene Batterie in Elviras Schuppen stehen?
Was nun? Der Subaru! Ob Elviras alter Subaru wohl Starthilfe geben könnte. Wir probieren alle Schlüssel vom Schlüsselbrett durch. Welcher ist der Zündschlüssel? Versuch macht klug, der Subaru orgelt, springt aber schließlich an. Nun das Starthilfekabel mit den beiden Batterien verbinden und … nichts. Joachim behält die Ruhe. Er lässt den Subaru erst mal ordentlich durchlaufen, gibt immer wieder Gas und schließlich beim vierten Versuch springt auch unser Landi an. Brave alte Autos!!!
Mittlerweile ist es 7.45 Uhr und als hätten wir noch nicht genug gelitten, stecken wir auch heute wieder in der morgendlichen Rush-hour fest. Wir brauchen eine Stunde bis in die City. Joachim findet keinen Parkplatz, traut sich auch nicht wirklich den Landi abzustellen. Also gehe ich mal wieder in den Times Tower und reihe mich in eine ellenlange Schlange ein. Hoffentlich ist dies die richtige. Joachim fährt derweil einige Runden durch die Stadt, bis zum Flughafen raus, damit die Batterie sich wieder ordentlich auflädt. Nach einer halben Stunde bekomme ich irgendwie mit, dass ich in der falschen Schlange stehe. Na super! Also Schlange wechseln – aber hier geht es auch irgendwie schneller voran. Ich stehe hier nur an, um am Schalter eine Art Überweisungsformular zu erhalten, mit dem ich zur Bank gehen muss. Dort habe ich dann die Gebühr für die Umschreibung auf das angegebene Konto zu überweisen. Dafür erhalte ich eine Quittung, mit der ich dann wieder zum Schalter im Times Tower zurückkehre. Als ich endlich, endlich an der Reihe bin, akzeptiert der Angestellte meine Papiere so wie sie sind. Ich erhalte meine Überweisungsinformationen und die Auskunft, dass ich mich nicht mehr in der Schlange vor dem Schalter anstellen muss, sondern die Überweisungsquittung direkt am Schalter abgeben darf. Ich bin unendlich erleichtert und eile von der Haile Sellassie Ave. zur National Bank an der Harambee Ave. Leider weiß ich noch nicht, dass ich mich dort für eine ganze Stunde in die nächste Schlange einreihen darf. Es ist nicht zu fassen, wie unglaublich langsam, fast im Zeitlupentempo hier gearbeitet wird. Das zu ertragen ist für mich schlimmer als der schlimmste Stress.
Doch schließlich habe ich auch das überstanden, bin um 4745 Kshs leichter (so viel kostet der Transfer von PSV auf Privat und die Besitzumschreibung) und verlasse doch tatsächlich Punkt 12.00 Uhr den Times Tower. Ich will mich nicht mehr ärgern und über ein System aufregen, das ich eh nicht ändern kann. Also versuche ich erst mal, mich darüber zu freuen, dass wir keine 10.000 Kshs extra für irgendein nicht erforderliches Dokument bezahlt haben. Ich rufe Joachim an. Der ist inzwischen doch liegengeblieben und hat schon eine neue Batteriegekauft und eingebaut. Nun kauft er gerade die letzten frischen Lebensmittel und Eisblöcke für unsere Kühlbox ein. Allerdings ist an diesem Freitag so viel Verkehr in Nairobi, dass ich noch mindestens eine Stunde auf ihn warte muss.
Erst traue ich mich nicht, mich vom vereinbarten Treffpunkt zu entfernen, doch dann spaziere ich die Straße rauf, bis zur Ecke Mombasa Rd./Uhuru Hwy.. Von dort müsste Joachim eigentlich in die Haile Selassie Ave. einbiegen. Aber es vergeht noch so viel Zeit und mir knurrt der Magen, so dass ich mich in ein kleines Cafe am Straßenrand setze und mir einen Kaffee und eine Kleinigkeit zu essen gönne. Danach laufe ich zurück zu unserem vereinbarten Treffpunkt, schaue vorher aber noch mal bei Woolmart rein. Und hier finde ich dann sogar einen Reservekanister für 155 Kshs (=1,55 €). Den nehme ich schon mal mit und etwa 20 Minuten später biegt auch Joachim um die Ecke und pickt mich auf.
Fast dem Heulen nah, stellen wir fest: JETZT GEHT’S LOS!!!

Liebe Grüße
Birgitt und Joachim
www.jambo-kenya-safari.de www.106812.forums.motigo.com/
zuletzt bearbeitet 26. Jan. 2010
Gast08. Nov. 2009 ·
Hallo Ihr Beiden,

freue mich bald mehr von Eurer Reise zu hören, denn das Land steht auch auf unserer "Wunschliste"

Grüße Karola
6'152 Beiträge · seit 200609. Nov. 2009 ·
Hallo Birgitt und Joachim,

schön zu lesen, bewundere eure Ruhe und Gelassenheit mit den
Behörden. Freue mich wenns weiter geht.
Liebe Grüsse
Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
557 Beiträge · seit 200909. Nov. 2009 ·
Hallo Birgitt und Joachim,

der bisherige Bericht ist sehr informativ und Eure Gelassenheit bemerkenswert.

Ich verfolge Eure gesamten Informationen in diesem Forum als auch auf der Homepage von Beginn an, da ich gute Erinnerungen an meine Keniareisen in den Jahren 1990, 1991 und 1994 habe. Es besteht auch der Wunsch bei mir, in nächster Zeit nochmals dorthin zu reisen. Vielleicht ergibt sich demnächst mal die Gelegenheit einer gemeinsamen Safari in Kenia.

Anfang 2010 geht es aber zum ersten Mal ins nördliche Tansania und nach Sansibar.

Auf die weiteren Folgen Eures Reiseberichts freue ich mich.

Herzliche Grüße

Eto
Reisebericht: Nördliches Tansania u. Sansibar 2010 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/153776-reisebericht-noerdltansania-usansibar-febr-2010.html
Themenstarter287 Beiträge · seit 200911. Nov. 2009 ·
Hallo Ihr Lieben!

Danke! Danke! Danke!

Nun ja, es ist sicher nicht ganz so schwer 2 1/2 Monate später relativ gelassen über diese Erlebnisse zu berichten.
Ich musste meine Ungeduld und Fassungslosigkeit über manche Vorgänge oft genug im Zaum halten, um die Türen offen zu halten und nicht durch zu scharfe Worte zuzuschlagen. Wäre mir so etwas in Deutschland passiert hätte ich sicher viel, viel schärfer reagiert und argumentiert (was mir selbstverständlich auf Grund der deutschen Muttersprache auch viel besser von der Zunge gegangen wäre 🙂 ). Aber ich hatte ja aus vorangegangen Situationen schon gelernt, dass man mit List und Tücke und frech aufgestellten Behauptungen erst mal ein gutes Stück vorwärts kommt. Wer will denn in diesem korrupten Land auch welche Aussage überhaupt mit was überprüfen?
Ich bin wirklich entschieden dagegen, mich an der Korruption in diesem Land in irgendeiner Form zu beteiligen oder die Menschen dort übers Ohr zu hauen. Aber sie mit ihren eigenen Mitteln zu überlisten bzw. auszutricksen, damit habe ich mittlerweile weniger ein Problem. Anders hat man auch keine reelle Chance, wenn man auf dieses System angewiesen ist.

Aber wir lieben dieses Land, seine Menschen , die Tiere und Landschaften!!! Nur viele Vorgänge dort eben nicht!

Liebe Grüße
Birgitt
www.jambo-kenya-safari.de www.106812.forums.motigo.com/
557 Beiträge · seit 200914. Nov. 2009 ·
Liebe Birgitt,

ich habe den Anfang Deines Reiseberichts nach oben geholt, um Dich zu animieren, diesen recht bald fortzusetzen und hoffe sehr, dass Du mein Handeln nicht als unnötigen Druck empfindest.

Herzliche Grüße und ein schönes Wochenende.

Eto
Reisebericht: Nördliches Tansania u. Sansibar 2010 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/153776-reisebericht-noerdltansania-usansibar-febr-2010.html
Themenstarter287 Beiträge · seit 200926. Jan. 2010 ·
Hallo zusammen,

hier ist nun endlich eine kleine Fortsetzung unseres Reiseberichts vom Juli/August 2009. Nachdem wir im Times Tower in Nairobi endlich alle unsere Angelegenheiten rund um die Registrierung unseres Landrovers erledigt hatten, konnte es endlich auf Safari gehen. 😄


Freitag, den 31.7.2009

Um 13.30 Uhr hält Joachim endlich am Times Tower und ich springe schnell ins Auto. Vollgetankt mit neuer Batterie und ausreichend Lebensmittelvorräten, Tusker und Fanta starten wir unsere Safari. Schnell entscheiden wir, dass es für den Weg ins Samburu National Reserve schon viel zu spät ist und wir heute nur bis zum nahe gelegenen Nakuru Nationalpark fahren. Die knapp 170 km müssten wir in 3 Stunden schaffen.
Unterwegs stellen wir fest, dass außerhalb von Nairobi entlang der A104 Richtung Limuri der Dieselpreis immer günstiger wird. Von 74,9kshs/l reduziert er sich über 70,4/l, 69,9/l, 67,9/l auf 66,9/l. Ein erheblicher Unterschied, wie wir finden, und wir beschließen, die Tankstellen in den Innenstädten künftig zu meiden.
Um 16.30 Uhr stellen wir unseren Landi am Main Gate des Nakuru NP erst mal ab, bezahlen unsere Park und Campingfees (pro Person und Nacht jeweils 60 US$ Parkfees und 25 US$ Campingfees sowie 1000Kshs pro Nacht für’s Auto). Wir wissen noch nicht, wie lange wir bleiben wollen, bezahlen erst einmal für eine Nacht und erhalten eine Card mit Magnetstreifen, auf der unsere Daten abgespeichert sind. Diese Card wird nun vor dem Passieren des Gates durch ein Lesegerät gezogen. Sollten wir länger bleiben, bezahlen wir die Differenz beim Verlassen des Parks.
Unser Lager wollen wir an der Public Campingsite „Makaliafalls“ aufschlagen. Bis dahin sind es auf dem Hauptweg noch 22 km, d.h. wir dürfen nun nicht mehr trödeln, wenn wir vor der früh einbrechenden Dunkelheit noch unser Zelt fix und fertig aufbauen wollen. Entsprechend schnell (ca. 35 km/h) fährt Joachim auch durch den Park und gewährt mir auch nur einen kurzen Blick und zwei schnelle Fotos auf den bzw. von dem unter uns liegenden See
Der Weg zu der auf 1818 m liegenden Campingsite ist gut ausgeschildert und auch ohne Navi kann man sich gar nicht verfahren.
Dennoch hier die Koordinaten: S 00° 29.451, EO 36°04.979.
Der Platz ist recht groß und nur von einer Gruppe einheimischer Tagesausflügler besucht. Wir haben also freie Platzwahl und entscheiden uns für eine Stelle nahe einem Wasseranschluss. Nach einer Stunde steht unser Zelt fertig eingerichtet. Das Vorzelt bauen wir morgen erst auf – jetzt sind wir zu müde, es wird dunkel, wir haben Hunger und das Wetter ist gut, so dass es nicht zwingend erforderlich ist. Wir lassen den Abend gemütlich am Lagerfeuer ausklingen, kochen uns natürlich noch eine Kleinigkeit und lauschen den fremden und doch irgendwie vertrauten Geräuschen der Nacht.

Samstag, den 1.8.2009

Um 6.30 Uhr krabbeln wir nach einer erholsamen Nacht aus unserem Zelt. Unsere neuen aus Deutschland importierten Luftkammer-Matratzen bieten doch erheblich mehr Schlafkomfort als die dünnen selbst aufblasbaren Matten aus den Vorjahren.
Wir starten mit Tee und Kaffee in den Tag und bauen dann erst einmal unser Vorzelt auf. Um 8.00 Uhr geht es dann endlich los. Zum ersten Mal in unserem Landi-Besitzer-Leben setzt sich Joachim auf den Beifahrersitz und lässt mich fahren. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist es für mich schon mit dem Lenkrad auf der falschen Seite. Gut dass ich nicht im dichten Stadtverkehr von Nairobi üben muss – denn ich habe zunächst mal einen eindeutigen Rechtsdrall. Doch der Gewöhnungsprozess setzt schnell ein. Nach einigen Kilometern fühle ich mich schon wesentlich sicherer und der Umgang mit Gräben, Schlaglöchern und schlechten Pisten kommt durch „Learning by Doing“. Gelegentlich nehme ich auch mal einen wohl gemeinten Ratschlag meines Beifahrers an – aber wohl dosiert versteht sich, denn ich bin der Meinung, dass eigene Erfahrungen irgendwie nachhaltiger sind.

Zunächst fahren wir zu den naheliegenden Makaliafalls. Die kennen wir ja schon von unserer Safari 2007. Doch welch erschreckendes Bild zeigt sich uns da. Die Falls liegen total trocken. Nicht ein Tropfen kommt von den Felsen. Die überall vorherrschende Trockenheit in Kenya zeigt sich auch hier im Nakuru Nationalpark.
Die Makaliafalls im August 2009 - Ein trauriger Anblick
So haben wir die Makaliafalls im August 2007 kennengelernt
Weiter geht unsere Fahrt durch Leopardenland. Dort ist alles trocken und braun, die Landschaft wirkt trostlos und einen Leoparden sichten wir natürlich auch nicht. Dafür sehen wir immer wieder friedlich grasende Zebraherden und geraten dann recht schnell an die eingezäunten Grenzen des Nakuru Nationalparks. Eine Zeit lang fahren wir den Weg am Zaun entlang und nehmen dann aber den nächsten Abzweig zum Lake Nakuru.
Auf unserem Weg dorthin treffen wir auf zahlreiche Nashörner. Da der Nakuru Nationalpark auch ein Nashorn-Schutzgebiet mit einer großen Population von Spitz- und Breitmaulnashörnern ist, die unter dem Rund-um-die-Uhr-Schutz der dortigen Ranger stehen, ist es natürlich ein Leichtes dort diesen Dickhäutern zu begegnen. Die Spitzmaulnashörner – auch Black Rhinos genannt – fressen Blätter von Büschen und Bäumen, indem sie diese mit ihren spitzen Lippen abzupfen. Die Breitmaulnashörner (auch White Rhinos) fressen mit ihrem breiten Maul ausschließlich Gras und sind daher gut beim Weiden an ihrem gesenkten Kopf zu erkennen. Die Bezeichnungen Black und White Rhino haben nichts mit ihrer Farbgebung zu tun. White Rhino kommt lediglich von einer falschen englischen Sprachdeutung des Wortes „wide“ = weit oder breit. Im Gegensatz zu dem fälschlicherweise gedeuteten „White Rhino“ entstand dann die Bezeichnung „Black Rhino“.
Trotz der eigentlich leichten Unterscheidung dieser beiden Nashornarten fühle ich mich in der Bestimmung immer unsicher. Unsere Fotos müssten folglich die Breitmaulnashörner zeigen.
Immer wieder begegnen wir Büffelherden. Diese Tiere sind hier im Nationalpark zahlreich vertreten und auch wenn sie uns friedlich grasend erscheinen, sollte man ihnen nicht zu nahe kommen. Ein Sekretär stolziert vor uns durchs Gras und Familie Warzenschwein – ngiri ngiri auf Suaheli – ist auf Frühstückspirsch.
Zwei Elenantilopen flüchten leider vor uns. Schade mit ihren schönen, stolzen Hörnern hätten wir gerne beide fotografisch von vorne erwischt. Dafür unterbricht ein junges Zebra seine intensive Suche nach Futter und schaut uns ganz neugierig an.
Am Ufer des Lake Nakuru angelangt sehen wir die verheerenden Auswirkungen der Dürre. Der See hat sich seit 2007 stark verkleinert. Das mit einer Salzkruste überzogene Land zeigt deutlich, wo die Ufer des Sees normalerweise verlaufen. Wir nähern uns dem Seeufer vorsichtig, was uns natürlich nicht gelingt, ohne ein paar hundert Flamingos aufzuscheuchen. Die lassen sich aber schnell an anderer Stelle wieder nieder und beginnen ihr carotinhaltiges Futter, das ihrem Gefieder die rosa Farbe verleiht, weiter aus dem sodahaltigen See herauszufiltern. Der beißende Gestank, der vom See herzieht, bleibt allerdings noch länger in unserem Riechorgan haften und begleitet uns noch, als wir längst den See verlassen haben.
Dennoch finden wir den Anblick des Sees mit seinen tausenden Flamingos und den vielen Pelikan-Kolonien wieder wunderschön und verbringen eine gute Stunde dort mit Filmen und Fotografieren.
Salzkruste in der Uferzone des Lake Nakuru
Zwei wohl genährte Hyänen laufen an uns vorbei – der einen klebt noch eine Feder am Maul - und klettern hoch in die Waldzone. Wahrscheinlich haben sie gerade erst einen Flamingo gerissen. Die frischen Überreste sehen wir kurz darauf in der Uferzone liegen.
Wir fahren zurück zur Mainroad und kurz darauf begegnen uns schon die ersten Rothschildgiraffen, die seit ihrer Ansiedlung im Jahre 1977 im Nakuru Nationalpark beheimatet sind. Diese sehr seltene und gefährdete Unterart der Giraffen, die an den hellen, fast weißen Beinen gut erkennbar ist, war in den Wirren des Bürgerkrieges in Uganda vom Aussterben bedroht. Mittlerweile haben sie sich so kräftig vermehrt, dass sie auch wieder in Uganda neu angesiedelt werden.
Unsere Fahrt führt uns weiter zum BaboonCliff-Lookout, einem Aussichtspunkt südwestlich des Sees. Von hier oben hat man einen fantastischen Ausblick über den Lake Nakuru und den Nationalpark. Es ist gerade Mittagszeit und so drängen sich jede Menge Safaribusse, Geländefahrzeuge und Menschen auf diesem Aussichtspunkt, der seinem Namen alle Ehre macht. Die Paviane kommen von überall aus den Büschen und versuchen leichte Beute zu machen. Jedes offene Autofenster wird gnadenlos ausgenutzt und dass einige Zweibeiner doch tatsächlich versuchen den räuberischen Affen auch noch mit ausgestreckter Hand etwas Essbares hinzuhalten, ist uns völlig unverständlich. So fehlt uns auch jedes Mitleid, als ein großes, kräftiges Pavianmännchen verbissen einen Safarigast verfolgt und versucht sein Lunchpaket zu ergattern – mit Erfolg natürlich. Der Safarigast fühlt sich zu Recht von dem großen Tier bedroht und lässt sein Mittagsmahl lieber fallen. Eine durchaus gefährliche Situation.
Alle Fenster und sogar die Dachluken an unserem Auto haben wir wohlweislich schon verschlossen und wir bewegen uns auf dem BaboonCliff mit einem langen Stock bewaffnet – von Joachim „Supervisor“ betitelt - den wir schwingen, wenn die Paviane uns zu nahe kommen. Das Essen verkneifen wir uns gänzlich, holen es später an besserer Stelle nach und sehen uns dafür an der schönen Landschaft satt.
Am Himmel ziehen sich dunkle Wolken zusammen und gegen 14.30 Uhr beginnt es heftig zu regnen. Daher fahren wir erst mal zum Camp zurück. Mit Tiersichtungen – insbesondere Leoparden – werden wir jetzt eh kein Glück haben.
Wir brauchen fast eine Stunde bis unser kleiner Holzkohleofen so viel Hitze entwickelt, dass wir Wasser für einen Cappuccino kochen können. Zwischendurch lässt der Regen mal nach, aber nur um dann wieder heftig weiter zu prasseln.
Kurz nach 17.00 Uhr beschließen wir – da es nun auch aufgehört hat zu regnen - noch einmal rauszufahren. Ganz gezielt bewegen wir uns langsam durch ein für Leoparden ideales Territorium und halten Ausschau nach dieser scheuen Raubkatze. Doch wir werden nicht belohnt. Ein wenig enttäuscht fahren wir in der schnell hereinbrechenden Dunkelheit ins Camp zurück. Dort kochen wir am Lagerfeuer unser Nachtmahl und genießen in dessen wärmendem Licht die Geräusche der Nacht und unser Tusker-Fanta-Gemisch.

Sonntag, den 2.8.2009

Noch vor Sonnenaufgang krabbeln wir gegen 5:30 Uhr aus unserer Behausung. Auf ein Frühstück verzichten wir erst einmal, denn wir wollen die frühe Stunde nutzen, um noch einmal auf Leopardenpirsch zu fahren. Doch außer ein paar einzelnen Büffeln und Gazellen und einem weiteren Safariauto mit ein paar jungen Leuten, die scheinbar mit gleichem Ziel wie wir unterwegs sind, begegnet uns bis 9.00 Uhr nichts, was unsere Aufmerksamkeit hätte binden können. Das Zwitschern und Zetern zahlreicher Vögel in den Bäumen scheint uns zu verhöhnen. Immerhin erleben wir wieder einmal einen wunderschönen Sonnenaufgang, wenngleich sich ein paar Regentropfen auf unser Objektiv verirren. Mit knurrendem Magen brechen wir die Pirsch ab und sind um 9.30 Uhr wieder im Camp.
Im Camp bereiten wir ein ausgiebiges Frühstück zu und brechen anschließend unser Lager ab. Um 11.40 Uhr machen wir uns bei einem Kilometerstand von 141.670km auf den Weg zum Main Gate, über das wir den Nakuru NationalPark wieder verlassen. Wir zahlen noch Park- und Campingfees nach und steuern dann unser nächstes Ziel an – das Samburu NationalReserve.

Ein Blickfang sind diese Straßenlaternen in Nakuru auf der Hauptstraße vom Maingate in die Stadt
Abschließend möchten wir festhalten, dass uns diese Public Campingsite Makaliafalls sehr gut gefallen hat. Sie ist groß genug, um mehrere Camper aufzunehmen, ohne dass man sich gegenseitig stört. Selbst eine Camper-Gruppe von 20 Personen, die in einem großen LKW dort Station machte, stellte für uns keine wesentliche Störung dar.
Die Duschen und Toiletten sind sicher grenzwertig aber sie sind in Betrieb. Was die Sauberkeit betrifft, hat sicher jeder seine eigene Schmerzgrenze. Wir haben sie nicht benutzt, sondern uns an dem unserem Zelt gegenüberliegenden Wasserhahn gewaschen. Das Wasser ist gut und sauber – wir haben es sogar zum Kochen und auch für unseren Tee und Kaffee, selbstverständlich auch abgekocht, verwendet. Allerdings sollte man tunlichst nichts liegenlassen – es ist innerhalb kürzester Zeit verschwunden. Paviane treiben ihr Unwesen und stibitzen selbst ein glitschiges Stück Seife. Ich habe aber keinen besonders reinlich wirkenden Pavian gesichtet und somit den Dieb nicht ausmachen können.

Die räuberischen Paviane rund um die Campingsite sollte man immer auf dem Plan haben. Sie können einfach alles gebrauchen!
😄

Duschen an der Campsite ...
... eine der Toilettenanlagen und eine Wasserstelle
Wir wünschen euch ein fröhliches Lesevergnügen und hoffen, dass ihr euch - trotz unserer laienhaften Fotos - ein gutes Bild über diesen Reiseabschnitt machen könnt.

Liebe Grüße
Birgitt und Joachim
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zuletzt bearbeitet 28. Jan. 2010
5'483 Beiträge · seit 200927. Jan. 2010 ·
Sehr schöner Bericht, den ich mit Freude gelesen habe und auf Fortsetzung hoffe. Den ersten Post im November hatte ich anscheinend übersehen.

Wenn ich die Odyssee wegen Eures Wagens so lese, weiss ich, weshalb ich einen Leihwagen vorziehe.

Die beiden Oryx sind übrigends Elands.
Unser Reise-Blog: KaTho_VanTour Staub & Schlamm (Kenia 21/22) 7 Wochen in der Regenzeit !? (NAM/BOT 18/19) Leoparden hautnah (Tansania 2016/2017) Elefantös - Zimbabwe 2016 Auf Großer Fahrt (Reisebericht SA-NAM-BOT-ZIM 2014/2015) Rivers & Sand (Reisebericht Namibia/Botswana 2013) Reisebericht Tansania 2013: "Das volle Programm"
557 Beiträge · seit 200927. Jan. 2010 ·
Hallo Birgitt und Joachim,

ich freue mich, dass der interessante und gut formulierte Reisebericht fortgesetzt wird und bei mir lange zurückliegende Erinnerungen an mehrere Keniareisen wieder aufleben. Bin schon gespannt auf Samburu.

Herzliche Grüße

Eto
Reisebericht: Nördliches Tansania u. Sansibar 2010 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/153776-reisebericht-noerdltansania-usansibar-febr-2010.html
Themenstarter287 Beiträge · seit 200928. Jan. 2010 ·
Jambo Topobär und Eto!

Vielen Dank! Eure warmen Worte beflügeln mich natürlich weiter zu schreiben und ich hoffe, dass ich unser Abenteuer Samburu noch vor dem nächsten Kenyaurlaub in 4 Wochen fertigstelle.

Topobär:
Die beiden Oryx sind übrigends Elands.
Wie peinlich 😊 !!! Jetzt wissen es alle hier: Bei der Bestimmung von Tieren habe ich ganz deutliche Schwächen. Ich hätte vorher doch noch mal googeln oder jemanden fragen sollen, der was davon versteht. Aber ihr erlaubt sicherlich, dass ich es schnell berichtige. Oryx sind die mit dem gräulichen Fell und den langen, dünnen, geraden Hörnern, oder?

Topobär:
Wenn ich die Odyssee wegen Eures Wagens so lese, weiss ich, weshalb ich einen Leihwagen vorziehe.
Bis jetzt hast du doch noch keine echte Odyssee gelesen. 😁 Die kommt doch erst noch. 🙁
Aber um nichts in der Welt möchten wir tauschen. Nicht nur, dass sich unser Landi für uns rechnet, er gehört für uns zum Abenteuer Kenya dazu!

@ Eto Auf dem zweiten Bild, das wir oben auf den Baboon Cliffs aufgenommen haben, sind am unteren Bildrand 2 Fundamente zu erkennen. Weißt du was das ist bzw. war? Ich habe mal gehört oder irgendwo gelesen, dass einer der 3 kenyanischen Präsidenten ein recht luxuriöses Anwesen am Lake Nakuru hatte, dass aber heute nicht mehr existiert. Kann es sein, dass dies die Überreste der Gingalily-Farm von Kibaki sind?

Vielleicht weiß ja auch jemand anders, wozu zu diese Fundamente gehören.
Bin gespannt auf eure Antworten.

Liebe Grüße
Birgitt
www.jambo-kenya-safari.de www.106812.forums.motigo.com/
zuletzt bearbeitet 28. Jan. 2010
6'152 Beiträge · seit 200629. Jan. 2010 ·
Hallo Birgitt,

bin immer hin und weg - wenn ich lese - was Ihr alles für
Laufereien und Schlangestehen müsst - bis Ihr endlich los
kommt - bewundernswert.
Freu mich auf die Fortsetzung.
Liebe Grüsse Hanne
8 x Südafrika,1x Zimbabwe, 22x Namibia, 4x Botswana, 1x Lesotho, 1 x Swasiland
Themenstarter287 Beiträge · seit 200930. Jan. 2010 ·
Abenteuer Samburu
Sonntag, 2.8.2009 - Unser Weg in das Samburu National Reserve

Heute wollen wir nun endlich in das vielgerühmte und uns noch gänzlich unbekannte Samburu NationalReserve fahren. Für die etwa 260 km planen wir 4– max. 5 Stunden ein, was bedeutet, dass wir zwar nicht trödeln, aber durchaus damit rechnen können, unser Zelt mal gemütlich vor der hereinbrechenden Dunkelheit aufbauen zu dürfen. Zum ersten Mal setzen wir unseren Navi ein – einen Garmin nüvi 550 bestückt mit den Karten Kenia-Tansania – Uganda, die man sich für einen geringen Preis bei tracks4africa herunterladen kann. Der Navi zeigt eine deutlich frühere Ankunftszeit, als wir vermuten. Scheinbar rechnet er auch hier mit europäischen Straßenverhältnissen. Auf jeden Fall fühlen wir uns mit einer angezeigten Ankunftszeit von 15.00 Uhr und unserer vermuteten zwischen 16.00 und 17.00 Uhr auf der sicheren Seite!

🙂 🙂 🙂 🙂 🙂
In Nakuru fahren wir die B5- eine wirklich gut ausgebaute Straße - bis Nyahururu. Der ab Nyahururu weitaus längere Abschnitt der B5 bis Nyeri hat die Bezeichnung Straße nicht verdient. Hier reihen sich die Schlaglöcher aneinander und überraschen gelegentlich mit Lichtblicken von Asphaltinseln. Im Schneckentempo passieren wir jedes Schlagloch. Es bietet sich kaum eine Chance ihnen auszuweichen. Der Navi reagiert auch irgendwann und korrigiert seine angezeigte Ankunft ein wenig nach hinten.

Kein Grund sich Sorgen zu machen. In Nyeri zweigen wir auf die C70 ab, aber dieses kurze Stückchen C-Straße von max. 6 km werden wir schon bewältigen. Umso überraschter sind wir, als sich diese C70 als durchaus annehmbares, wenn auch nicht asphaltiertes Teilstück herausstellt und wir nun viel schneller vorwärts kommen, als gedacht. Von Kiganjo bis Isiolo führt ja dann durchgehend die A2, was uns hoffen lässt, die verlorene Zeit locker wieder herauszufahren.

Nun bis Nanyuki werden unsere Hoffnungen durch eine sehr gute, ja für kenyanische Verhältnisse gar ungewöhnliche Straße, auch weiter geschürt. Doch dann geht’s los: Die A2 verwandelt sich in eine einzige Baustelle. „ROAD UNDER CONSTRUCTION“ warnen immer wieder handgemalte Schilder am Rande der Straße. Es ist eine einzige Höllenfahrt auf dieser staubigen Piste. Gibt es ein Tier, das sich langsamer bewegt als eine Schnecke? Wenn ja, passen wir unsere Geschwindigkeit diesem gerade an. Es ist unglaublich heiß und staubig. Meter um Meter fressen wir uns an Isiolo heran. Langsam aber sicher sinkt unsere Zuversicht, den Campingplatz im Samburu NP noch im Tageslicht zu erreichen, zumal uns der Navi eine immer spätere Ankunftszeit signalisiert. Wie gut, dass heute Sonntag ist, so werden wir wenigstens nicht noch zusätzlich durch Bauarbeiten an der Straße, Maschinen und Loris behindert. DAS ist der Strohhalm, der kleine Funke Hoffnung, der uns aufrecht hält!
😮 😮 😮 😮 😮
Es ist fast dunkel, als wir endlich Isiolo passieren. Immerhin sind wir noch auf dem richtigen Weg – selbst daran haben wir ja zwischenzeitlich gezweifelt. Nun sollten es nur noch 20- 25 km bis zum Gate sein. Hoffentlich ist es besetzt, hoffentlich lassen die Ranger uns noch rein und auch bis zur Campingsite fahren. Sie soll ja in unmittelbarer Nähe des Rangerpostens sein. Der Navi zeigt uns einen Abzweig links an. Bislang konnten wir uns ja – mit Ausnahme der Zeitangaben - auf seine Führung verlassen. Den Abzweig nehmen wir, auch wenn uns diese Schotterpiste nicht so vertrauenswürdig erscheint. Aber im Dunkeln ist Afrika nun mal mangels Straßenbeleuchtung besonders dunkel. Ganz wohl fühlen wir uns daher nicht in unserer Haut. Rechts und links liegen immer wieder vertrocknete Felder, wir kommen durch ein Dorf – eine armselige Ansammlung von Hütten. Abgemagerte Ziegen und struppige Hunde tauchen immer wieder plötzlich vor unserem Auto auf. So ein Mist!!! Bloss nicht anhalten in dieser armseligen Gegend. Ich wehre mich krampfhaft gegen die aufziehenden Bilder in meinem Kopf von Überfällen der schwarzen Bevölkerung auf die reichen, weißen Touristen. Joachim schweigt. Konzentriert lenkt er den Wagen durch das Dunkel. Wie lange fahren wir jetzt eigentlich schon auf diesem Weg? 1 Stunde? Ein Blick auf die Uhr zeigt, dass wir erst 20 Minuten hier unterwegs sind. Obwohl unser Navi meint, dass wir richtig sind, kehren wir um. Weit und breit ist kein Gate zusehen. Wir sind überzeugt, den falschen Abzweig genommen zu haben.

😕 😕 😕 😕 😕
Langsam schleichen wir zurück. Jetzt eines der wertvollen Tiere oder gar einen Menschen wegen der schlechten Sicht anzufahren, wäre schlichtweg ein Albtraum. Die neugierigen Blicke der Menschen verfolgen uns. Als wir endlich wieder an der A2 sind, atmen wir auf. Das Navi will uns unbedingt auf die Schotterpiste zurückschicken. Doch wir wollen nun nur rechts oder links. Wir entscheiden uns rechts auf die A2 Richtung Isiolo zurückzufahren. Irgendwo habe ich an einem Abzweig Hinweisschilder zu verschiedenen Lodges, u.a. der Samburu Serena Lodge wahrgenommen. Am besten, wir versuchen diese zu erreichen und dort zu übernachten. Das wird unsere Reisekasse sicher empfindlich schmälern, rettet aber hoffentlich unsere Haut, die uns wesentlich mehr wert ist.

Und trotzdem denke ich immer wieder „Mein Gott, sind wir blöd!“ Wir machen etwas, wovor in Kenya immer wieder ausdrücklich gewarnt wird: Wir fahren in der Dunkelheit durch eine ausgesprochen arme und gottverlassene Gegend. Auf der im Bau befindlichen Straße muss Joachim höllisch aufpassen, denn er sieht fast nichts. Und so passiert es zwangsläufig, und recht schnell, dass Joachim ein Schild übersieht, das uns links auf einen befahrbaren Straßenabschnitt führt. Er fährt geradeaus und schon stehen wir unterhalb der Straße, auf einem Bauabschnitt, der erst noch aufgebaut werden muss. Schnell ist uns klar, dass wir , wenn wir einfach geradeaus weiterfahren – irgendwann nicht mehr vorwärts kommen. Egal! Wir haben ja einen 4x4 Antrieb und für den Landi sollte es kein Problem sein, die Abböschung hochzukommen. Auf diesem schmalen Weg, auf dem wir in der Dunkelheit nicht sehen können, wo er seitlich endet, den Landrover zu wenden, erscheint uns zu gefährlich. Also quält Joachim das Auto die Böschung hoch. Doch zu allem Unglück kommt nun auch noch Pech dazu! Der Motor stottert, krampft und … steht still. Dauerhaft still, versteht sich, er springt nämlich nicht mehr an. UNSER LANDI LÄSST SICH NICHT QUÄLEN! Welche Erfahrung und warum wir hier mitten in dieser stockdunklen, einsamen Wildnis auch immer machen sollen… es ist ein ausgesprochenes Sch….Gefühl!

Wir können es kaum glauben und uns noch weniger erklären: Die neue Batterie streikt. Wir schließen die Fenster, verriegeln die Türen und hegen die schwache Hoffnung, dass hier irgendwann vor morgen früh noch mal ein Auto vorbeikommt, das uns Starthilfe geben kann. Um nicht darüber zu sinnieren, dass uns auf dem Hinweg im Hellen kaum Fahrzeuge begegnet sind und jetzt in der Dunkelheit sicher erst recht niemand mehr unterwegs ist, denken wir darüber nach, wie wir uns für die Nacht im Auto einrichten können, ob wir abwechselnd wach bleiben und Wache schieben und vor allem – zu diesem Zeitpunkt unüberhörbar und ganz wichtig – was wir uns zu Essen machen.

Doch wie immer im Leben wendet sich das Blatt auch irgendwann mal wieder zum Guten. In der Ferne tauchen Scheinwerferlichter auf, die langsam näherkommen. Ein Lorry knattert heran. Joachim schaltet die Warnblinkanlage ein, steigt ausgerüstet mit einer großen Taschenlampe aus dem Auto, krabbelt die Böschung hoch und stellt sich mit der Lampe winkend auf die Straße. Ich drücke mir fast die Daumen platt. Hoffentlich hält der LKW und hoffentlich sind uns dessen Insassen freundlich gesonnen. Zu viele Horrorgeschichten knebeln meine Gedanken.

Der Truck hält. 5 Männer steigen aus und fragen „What’s your problem?“ Wir schildern unser Problem und natürlich versuchen die 5 Einheimischen uns zu helfen. Sie kommen mit ihrer Ersatzbatterie aus dem Lkw zu uns herunter. Welcher Eingebung auch immer folgend wir in Nairobi mitten im dicksten Berufsverkehr an einer roten Ampel wartend einen Jumper (Starthilfekabel) erstanden haben – hier können wir ihn dringend gebrauchen.

Doch leider ist nach einigen Startversuchen schon klar, dass die Batterie unserer Helfer zu schwach ist, um unseren Landrover zu starten. Das gibt’s doch nicht! Lorry vs. Landrover und wir gewinnen – wenn man das in dieser Situation überhaupt so bezeichnen kann?!?

Die 5 diskutieren auf Swahili – wir verstehen natürlich kein Wort. Einer wendet sich achselzuckend ab und steigt die Böschung weder hoch zu seinem LKW. Er steigt ein und rollt langsam zu uns herunter. Joachim klemmt den Jumper direkt an die Batterie des laufenden LKW’s an und nach 2 Versuchen gibt der Landi endlich klein bei. Unendlich erleichtert fragen wir die 5, was wir ihnen für die nächtliche Hilfe schuldig sind. „Give each 100!“, sagt der Fahrer und diese 500 Kshs (ca. 5.00 €) geben wir sehr gerne. Wir bedanken uns herzlich und bitten die Crew noch einen Moment zu warten, bis wir die Böschung hochgefahren sind.

Dieses Mal geht alles gut 😁 und wir können heute doch noch weiter fahren. Bis zu dem Abzweig, der den Weg zu den Lodges weist ist es nicht weit. Allerdings leuchten wir zur Sicherheit immer mal wieder die Straße mit unserer Taschenlampe ab und stoppen plötzlich abrupt, weil uns irgendetwas Riesiges den Weg versperrt. Angestrengt versuchen wir in der Dunkelheit auszumachen, was das ist und erkennen schließlich eine Elefantenherde, die über die Straße marschiert. Wir warten einfach ab, bis sie im gegenüberliegenden Busch verschwunden ist und fahren weiter.

Nach weiteren 10 Minuten Fahrtzeit auf staubiger Piste stehen wir endlich kurz vor 21.00 Uhr an einem Gate. Es ist das Ngarama Gate des Buffalo Spring National Reserve. Unendlich erleichtert, aber dennoch sehr erstaunt verstehen wir die afrikanische Welt nicht mehr. Buffalo Springs? Da wollten wir doch gar nicht hin. Samburu war doch unser Ziel!

Das Gate ist natürlich geschlossen, aber während wir noch überlegen, was wir nun hier vor dem Gate anfangen sollen, rührt sich drinnen schon was Einige Ranger kommen aus ihren Unterkünften heran geschlendert. Einer stellt fest: „You’re late.“ Ich muss grinsen. Wie recht er hat! Und wie erwartet erklärt er uns, dass wir nun nicht mehr bis zur Campingsite fahren können. Es sei verboten und das aus gutem Grund. Man wisse nie, welche Tiere sich jetzt an der Campingsite aufhalten. Mir müssten ja auch quer durch Buffalo Springs, um die Public Campsite im Samburu NR zu erreichen. Ein wenig verwirrt uns diese Aussage, aber wir haben zur Zeit andere Sorgen, die sich aber auflösen, als der Ranger uns anbietet, unser Zelt hier bei ihnen aufzubauen. Na, das ist doch mal ein Lichtblick.

Wir fahren auf den Platz vor den Unterkünften und als Joachim den mit groben Schottersteinen versehenen Untergrund inspiziert hat, kommen wir zu dem Ergebnis, unser Zelt nicht aufzubauen, sondern im Auto zu schlafen.

Also beschließen wir nun erst mal unsere Kochutensilien auszupacken, denn der Hunger nagt ganz schlimm in uns. Schnell sind ein paar Kartoffeln gekocht und dazu gibt es den Rest Salat und ein paar Frikadellen von gestern.

Während des Essens hat Joachim die – wie ich zugeben muss - glänzende Idee, 😘 das kleine blaue Plastik-Igluzelt aufzubauen und unsere dünnen Schlafmatten aus den Vorjahren auszurollen, so dass wir gegen 22.30 Uhr bei sternenklarem Himmel und fast Vollmond unsere müden Glieder doch noch halbwegs komfortabel ausstrecken können.

Ein ereignisreicher, abenteuerlicher und völlig unplanmäßiger Tag geht unter afrikanischem Himmel in die Nacht hinüber. Morgen beginnt ein neuer Tag und wir sind uns jetzt schon sicher, dass auch der nicht nach Plan verlaufen wird, denn wir müssen ergründen, warum die neue Batterie schon wieder leer war. Eine vage Idee haben wir ja schon und wenn sich diese bewahrheitet, finden wir das gar nicht lustig. Workshop-Safari hatten wir ja schon länger nicht mehr und ist daher morgen erst mal angesagt.

Wie es weitergeht erzählen wir in Kürze. Nun wünschen wir euch erst einmal frohes Lesevergnügen und sagen BIS BALD!!!

Herzliche Grüße
Birgitt und Joachim
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zuletzt bearbeitet 30. Jan. 2010
557 Beiträge · seit 200931. Jan. 2010 ·
Hallo Birgitt und Joachim,

ich kann Eure Situation so sehr nachempfinden, denn ich bin vor vielen Jahren selbst in den "Genuss" einer solchen Nachtfahrt gekommen und zwar auf der Strecke von Narok zum Sekenani Gate in der Masai Mara.

Schade, dass wir uns vor Eurer Reise nicht über Samburu unterhalten haben. Vielleicht hätte ich Euch Hinweise geben können. Auf jeden Fall habe ich eine spezielle Karte über Samburu, Buffalo Springs und Shaba mit den Gates, die ich Euch gerne bei Bedarf leihe.

Herzliche Grüße

Eto
Reisebericht: Nördliches Tansania u. Sansibar 2010 http://www.namibia-forum.ch/forum/158-diverses/153776-reisebericht-noerdltansania-usansibar-febr-2010.html
Themenstarter287 Beiträge · seit 200931. Jan. 2010 ·
Hallo Eto,

nun ja, wenn man mitten drin steckt in einer solchen Situation, ist es erst mal nicht sehr lustig. Der Blick zurück fällt dagegen sehr viel milder aus. Und auch wenn wir diese und ähnliche Situationen als sportliche Herausforderung nehmen, kann ich nur davor warnen, sich bewusst in eine solche zu begeben.In Kenya sollte man wirklich unbedingt vermeiden in der Dunkelheit zu fahren!!!

Sich im Vorfeld unserer Reise mal über Samburu zu unterhalten wäre schon sehr gut gewesen. Wir haben Buffalo Springs nie in Zusammenhang mit der Samburu gebracht. Frag mich nicht warum - wir haben reichlich darüber gelesen und Karten studiert, aber Buffalo Springs ist nicht in unser Bewusstsein gedrungen.

Natürlich haben wir auch immer Karten dabei und ich hatte auch eine während der Fahrt in Gebrauch, um irgendwann festzustellen, dass wir einen Riesenumweg gefahren sind. Kurz hinter Nyahururu (noch vor Ndaragwa geht die C76 Richtung Nanyuki ab. Die hätten wir nehmen sollen. Aber der Navi hat uns halt nur über die Hauptstrecke geführt. Dennoch vielen Dank für dein Angebot. Hast du eine spezielle Karte über die Samburu? Dann würden wir uns die ja tatsächlich für unsere Februarreise gerne mal ausleihen.

Auch wenn ich unserem nächsten Reisebericht jetzt ein wenig vorgreife: Wir hätten auf dem uns unheimlichen Schotterweg einfach noch 2km weiterfahren und damit unserem Navi vertrauen sollen, dann wären wir am Archers Gate gewesen. Das haben wir aber erst 2 Tage später beim Verlassen des Parks festgestellt. 😄

Liebe Grüße
Birgitt
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200902. Feb. 2010 ·
Hallo zusammen,

hier ein kleiner Nachtrag für alle, die es interessiert: habe in Erfahrung bringen können, um welche Fundamente es sich am unteren Rand dieses Bildes handelt: Es sind die Überreste von Kenyattas Wochenendhaus.


aufgenommen im Aug. 2009 im Nakuru Nationalpark, vom Baboonclilff-Lookout

Schöne Grüße
Birgitt
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Themenstarter287 Beiträge · seit 200923. Feb. 2010 ·
Montag, den 3.8.2009 - Im Samburu National Reseserve


Als ich von meiner Katzenwäsche im nicht sehr sauberen Sanitärbereich des Gates zurückkehre, berichtet Joachim mir von seiner ersten Wildbeobachtung des Tages: Eine Elefantenkuh hat ihr Junges gar nicht weit von uns im Busch gesäugt. Ich sehe die beiden leider nicht mehr und Joachim hat erst gar nicht daran gedacht, diese seltene Szene fotografisch festzuhalten. Zu sehr war er schon gedanklich damit beschäftigt, wie er unseren Landi in Gang bringen kann.
Am Ngare Mara Gate - Buffalo Springs National Reserve haben wir eine Nacht verbracht
Nach einem ersten Heißgetränk an diesem noch frühen Morgen schleppen die Ranger eine Ersatzbatterie an und wollen uns helfen unser Auto zu starten. Doch mehrere Versuche misslingen leider. Also bleibt uns nichts anderes übrig, als auf ein Fahrzeug zu warten, welches das Gate passieren möchte. Nach einer halben Stunde können wir einen Minibusfahrer bitten uns Starthilfe zu geben. Leider bleiben auch hier mehrere Versuch erfolglos. Wir müssen auf ein größeres Auto warten, am besten auf einen Landrover oder Landcruiser.
Doch zunächst will ein Pickup das Buffalo Springs Reserve verlassen. Wir bitten auch dessen arabischen Fahrer um Hilfe, die er uns bereitwillig gibt. Nur unser Auto will einfach nicht mitspielen. Der Fahrer des Pickups kommt auf die Idee, unsere neue und scheinbar völlig leere Batterie gegen unsere zweite Batterie (leider auch fast leer, obwohl erst im letzten Jahr neu gekauft) auszutauschen und dann noch mal zu überbrücken. Gesagt – getan und nach zwei oder drei Startversuchen springt auch endlich der Landrover an. Erleichtert bedanken wir uns bei dem Araber. Er erwartet nicht mal ein Trinkgeld.
Am Gate zahle ich schnell unsere Campingübernachtung und den Parkeintritt und dann fahren wir mit Tom – einem der Ranger- nach Isiolo in eine Werkstatt. Das Problem ist den fundis dort schnell erläutert – unser Landrover-Englisch“ wird von Fahrt zu Fahrt besser.
Joachims Ahnung, dass unser Problem mit einem Defekt an der Lichtmaschine zusammenhängt, bewahrheitet sich. Allerdings ist nicht, wie befürchtet die Lichtmaschine komplett im Eimer, sondern lediglich die Kohlen müssen erneuert werden. By the way: eine Dichtung an der Turbopipe wird gleich mit erneuert und zwei Jungs schweißen uns noch eine Vorrichtung hinten an, so dass wir nun auch endlich die eigentlich vorgeschriebenen Reflektoren rechts und links am Wagenende anschrauben können. Für diesen ganzen Spaß haben wir 4,5 Stunden in sengender Hitze verbracht und summa sumarum 9000 Kshs bezahlt. Ich habe mir immerhin die Abwechslung eines Shoppings in Isiolo gegönnt und Salz, Seife (unsere hatten die Baboons aus Nakuru ja entwendet) sowie eine warme Jacke erstanden. Für alle die sich fragen, wofür ich die warme Jacke brauche: Meine Fleece-Jacke vom letzten Jahr ist mir abhanden gekommen und für unsere Zeit in der Massai Mara werde ich frühmorgens und abends ganz sicher etwas Warmes benötigen.
Um 14.30 Uhr können wir endlich die 23 km zurück nach Buffalo Springs antreten. Wir setzen Tom am Gate ab und fahren durch den Park ins Samburu National Reserve. Es sind noch mal etwa 19 km bis wir an der Public Campsite nahe der Samburu Serena Lodge unmittelbar hinter dem Warden’s Office ankommen. Der Platz liegt sehr reizvoll direkt am Ewaso Ngiro River. Der Fluss ist aber völlig ausgetrocknet. Nicht ein Tropfen Wasser ist im sandigen Flussbett zu sehen.
Wir beschließen hier unser Zelt aufzubauen. Gleich sind wir umlagert von Samburus, die uns ihre Dienste anbieten: Safaribegleitung, Feuerholz herbeischaffen, unser Lager bewachen und Paviane vertreiben. Auch wenn die armen Gestalten dringend ein paar Shillinge Einkommen nötig haben, lehnen wir dankend ab, denn wir wollen jetzt einfach nur unsere Ruhe haben und keine Konversation mehr betreiben müssen. Wir inspizieren die Duschen und Toiletten und kommen zu dem Ergebnis, dass sie absolut unbenutzbar sind So etwas Dreckiges und Verfallenes haben wir selbst in Kenya noch nicht gesehen und Wasser gibt es natürlich auch nicht. Der Dreck und Staub vom gestrigen Tag klebt noch an unserem Körper und auch heute ist noch eine gute Schicht vermischt mit Schweiß dazu gekommen. Die Aussicht heute Abend wieder nicht duschen zu können, löst nicht gerade Begeisterung bei uns aus und die ständige Beobachtung der etwas abseits stehenden Samburus bestärkt uns in dem Entschluss erst noch mal zu einem Gamedrive rauszufahren. Unser Zelt können wir auch später aufbauen. Wir nehmen eh nur das kleine für eine Nacht, denn zum jetzigen Zeitpunkt ist es schon für uns beschlossene Sache: Samburu gefällt uns überhaupt nicht, diese vertrocknete, tierarme und überaus staubige Gegend übt auf uns keinerlei Reiz aus und morgen hauen wir auch gleich wieder hier ab.
Die trockene Landschaft geizt hier besonders mit der roten Erde nicht mit ihren Reizen
Hier stellt sich die Landschaft schon wesentlich weniger reizvoll dar - die Dürre breitet sich trostlos aus
Diese grünen Inseln in der trockenen Bräune lassen hoffen, dass sich dier Vegetation nach dem nächsten Regen auch schnell wieder erholt
Die lang anhaltende Dürre nimmt den Tieren auch zunehmend die Nahrungsquellen
Zunächst begegnen uns auf unserem Gamedrive scharenweise Perlhühner, aber auch die kleinen scheuen Dikdiks sehen wir hier nach langer Zeit einmal wieder und sogar Springhasen. Wir fotografieren ein Dikdik, von dem wir zunächst annehmen, es sei an den Hinterläufen verletzt, doch dann springt es doch irgendwann munter auf alle Viere und verschwindet im Busch.
Die Dikdiks sind afrikanische Zwergantilopen und nur wenig größer als unsere Hasen. Manchmal wird man nur durch ein Rascheln im Gras oder durch das Knacken von Zweigen auf diese sehr scheuen Tiere aufmerksam, da sie durch ihre geringe Größe und die Färbung ihres Fells in ihrem Lebensraum kaum auffallen.

Mir haben es ja die anmutigen Gerenuks, wegen ihres langen Halses auch Giraffenantilopen genannt, angetan. Die Gerenuks ernähren sich ausschließlich von Laub und kommen fast ganz ohne Wasser aus. Daher ist diese trockene Dornbuschsavanne hier im Samburu-Gebiet der ideale Lebensraum für diese afrikanische Antilope aus der Gruppe der Gazellenartigen.
Obwohl die Gerenuks ähnlich wie die Giraffe die Verlängerung von Hals und Beinen gebildet hat, um mit ihren verlängerten, unempfindlichen Lippen und der rauen Zunge an das Laub der Büsche oder gar an dornige Zweige zu kommen, ist sie nicht mit der Giraffe verwandt. Wenn sie an hohe Äste gelangen möchte, stellt sich die Giraffenantilope auf die Hinterbeine und stützt sich mit den Vorderbeinen am Baum ab. Dies haben wir zwar mehrfach beobachtet, aber leider sind die Gerenuks so scheu, dass es für ein Foto nie reicht. Ganz schnell stehen sie wieder auf ihren vier Beinen und suchen das Weite.

Unser Weg führt uns zum Ewaso Ngiro River , der Lebensader des etwa 165 qkm großen Samburu Nationalreserves, hinunter. Wo sonst im breiten Flussbett der manchmal auch Schokoladenfluss genannte Strom tiefbraunes Wasser führt, ist jetzt weit und breit nur heller Sand zu sehen.
Das Flussbett des Ewaso Ngiro
Nicht ein kleines Rinnsal ist im Flussbett zu sehen...
... und natürlich kommen auch keine Tiere mehr zu dieser sonst natürlichen Tränke
Endlich begegnen uns auch die berühmten Netzgiraffen mit ihrer wunderschönen, klaren Zeichnung. Die dunklen Vielecke auf ihrem Fell, zwischen denen sehr schmale, helle Bänder verlaufen, erwecken den Eindruck eines Netzes.
Vor uns hören wir in den Zweigen einen ungeheuren Lärm. Zwei Östliche Gelbschnabeltokos unterhalten sich lautstark.
Schließlich begegnen wir auf unserem späten Gamedrive noch einem Verband von Grevyzebras. Sie wirken um einiges größer und gestreckter als das gedrungene Steppenzebra. Besonders auffällig im Vergleich zu dem uns bisher bekannten Steppenzebra sind natürlich die schmalen, dicht aneinander angeordneten Streifen, der helle nicht gestreifte Bauch und die großen tütenförmigen braunen Ohren.
Raubkatzen, wie Löwen, Geparde und Leoparden, die hier ja auch zahlreich ansässig sind, sehen wir allerdings wieder nicht. Dabei gelten letztere doch gerade hier im Samburu Reserve als weniger scheu, weil sie lange Zeit mit Ködern angelockt wurden.
Obwohl wir ja noch einige Tiere ausgiebig beobachtet und die Begegnung mit Greyzebras und Netzgiraffen unsere erste war, sind wir mit unserem Abstecher in die Samburu nicht wirklich zufrieden. Verwöhnt von dem Tierreichtum der Massai Mara und deren üppiger Landschaft finden wir es hier einfach nur öde und langweilig.
Selbst die Warzenschweine kehren uns mal wieder nur den Rücken zu und trotten mit gesenkten Köpfen davon
Wir fahren zurück zur Campingsite. Schließlich müssen wir ja noch unser Nachtlager aufschlagen, ein Lagerfeuer entzünden und eine warme Mahlzeit kochen.
Da es allmählich dämmert, haben wir von den zahlreich am Campingplatz herumstreunenden Pavianen wohl nichts mehr zu befürchten. Sie ziehen sich jetzt auf ihre Schlafbäume zurück und lassen uns bis morgen früh in Ruhe.
Unser kleines Zelt ist wieder schnell aufgebaut und eingerichtet. Für nur eine Übernachtung ist es eine wirklich gute Alternative zu dem großen Zelt, dessen Aufbau wesentlich mehr Zeit in Anspruch nehmen würde.
Am Campingplatz liegt genug Holz für ein Lagerfeuer herum. Doch wir sollen noch nicht zur Ruhe kommen. Samburu ist noch nicht fertig mit uns. Joachim entdeckt den platten Reifen zuerst. Wahrscheinlich haben wir uns einen langen Dorn eingefahren. Während ich das Abendessen zubereite, entschließt sich Joachim trotz der nun schnell hereinbrechenden Dunkelheit den Reifen noch zu wechseln. Damit will er partout nicht den morgigen Tag beginnen.
Völlig verdreckt, verschwitzt, entnervt und enttäuscht sitzen wir dann irgendwann endlich am Feuer und genießen wenigstens ein köstliches heißes Abendessen und ein kaltes!!! Alster! Für morgen haben wir kein Brot mehr. Daher habe ich kurzerhand eine Brotbackmischung angerührt und versuche mich nun im Bäckerhandwerk mitten in der Wildnis am Lagerfeuer. Nur für den Fall, dass unser Brot nicht gelingen sollte (was ja völlig ausgeschlossen ist, weil nicht sein kann, was nicht sein darf!), backe ich auch noch auf Vorrat einige Chapatis ab, die wir dann zum Frühstück mit Marmelade bestrichen verzehren könnten.
Nun, das Brot gelingt. Ein bisschen sehr dunkel ist es untenrum geraten. Ich habe wohl doch zu viel Holzkohle unter den Topf gepackt – aber es duftet verführerisch gut und wir freuen uns, endlich auch hier in Kenya kräftiges dunkles Körnerbrot essen zu können, das wir dem hier erhältlichen weißen Pappbrot unbedingt vorziehen.
Gegenüber der Dusche entdecken wir noch einen Wasserhahn, aus dem eine dunkelbraune Brühe fließt. Egal – zum Spülen muss sie reichen. Dafür unser gutes Trinkwasser zu verwenden kommt gar nicht in Frage.
Es ist schon 23.30 Uhr als wir endlich die „Küche“ wieder klar haben, alles im Auto verstaut ist und wir - behaftet mit noch mehr Dreck, Staub und Schweiß - in unseren Schlafsack krabbeln. Mal sehen, wie lange wir uns noch riechen können.

Nun dieses war unser Abenteuer Samburu, das wir am nächsten Morgen enttäuscht beenden werden. Wir hoffen, ihr hattet ein schönes Lesevergnügen und seid gespannt darauf, wie es weiter geht.

Über eure Rückmeldungen, eure Fragen und Meinungen freuen wir uns natürlich sehr.

Ganz herzliche Grüße
Birgitt und Joachim
www.jambo-kenya-safari.de www.106812.forums.motigo.com/
387 Beiträge · seit 200923. Feb. 2010 ·
Euren Bericht mit Interesse gelesen.
Das kann passieren, wenn man zur falschen Zeit in Samburu und Buffalo Springs ist. Ihr habt unglücklicherweise die große Dürre erwischt. Wenn der „Schokoladenfluss“ austrocknet, das kommt in den letzten Jahren vor, dann verlassen die Elefanten, Büffel und Grevyzebras das Reservat und ziehen in den Laikipia Distrikt. Samburu und Buffalo Springs sind dann von Grasfressern fast leergefegt.

Was in der Mara auch der Fall sein kann wenn die Migration vorbei ist und die Grasfresser in die Serengeti zurückgewandert sind.

Cheetahs, Löwen und Leoparden verbleiben im Reservat.
Für „Save the Grevyzebra“ bin ich mehrmals im Jahr in Samburu und Buffalo Springs.

Ich habe keine Tour erlebt, ohne dass wir mindestens fünf verschiedene Cheetahs und wenigstens einen Leoparden, im Regelfall mehrere, beobachten konnten.
In Samburu mehere mir bekannte, besetzte Leopardenreviere.
Gegenüber der Samburu Lodge wurde gelegentlich für den Revier Leoparden Fleisch in einen vertrockneten Baumstamm gehängt. Das ist lange vorbei.

Wenn ihr es nicht erlebt hättet, ich würde es nicht glauben keinen Gepard, keine Löwen und keinen Leopard gesichtet zu haben.

Führt der Schokoladenfluss kein Wasser, dann sollte man in Buffalo Springs am Isiolo-River entlang und zur Quelle fahren. Dieses kleine Flüsschen hat immer Wasser und die verbliebenen Tiere müssen dorthin zum trinken.

Samuburu ist eines der besten Reservate um Cheetahs, Leoparden und Löwen fotografieren zu können. Von den wundervollen, Grevyzebras, Netzgiraffen und Gerenuks ganz zu schweigen.

Um Appetit auf Samburu zu machen einige Fotos.













foto: 21123]

Mehr zu Samburu. Bitte unter Kenya nachschauen:
http://www.privatsafaris.de/html/reiseberichte.html
Siggi Menschen für Afrika begeistern http://www.safaris-in-afika.de
zuletzt bearbeitet 23. Feb. 2010
Themenstarter287 Beiträge · seit 200923. Feb. 2010 ·
Hallo Siggi,

ja, das kann passieren. Aber wir nehmen es ja sportlich und wer weiß... vielleicht probieren wir es ja mit Samburu in wenigen Tagen noch einmal. Übermorgen geht's schon wieder los! Im übrigen wissen wir natürlich, dass die Gegebenheiten vor Ort immer wechseln können und dass es nie die letzte Garantie für bestimmte Tiersichtungen gibt, die man sich bei der Reiseplanung vornimmt.

Als heftigst vom Kenya-Virus Befallene kennen wir natürlich deine hp und auch viele (fast alle) deiner Reiseberichte und Bilder. Deine (sowie Maggys Berichte) haben uns bezgl. Samburu ja so richtig auf den Geschmack gebracht.
Gegenüber der Samburu Lodge wurde gelegentlich für den Revier Leoparden Fleisch in einen vertrockneten Baumstamm gehängt. Das ist lange vorbei.
Gut, dass dies lange vorbei ist. Es wäre für mich nicht DASLeopardenerlebnis. Auch wenn unsere Safari durch verschiedene Nationalparks im letzten Jahr nicht mit einer Leopardensichtung gekrönt wurde, hatten wir doch wunderbare 4 Wochen in Kenya. In der Massai Mara haben wir 12 Tage verbracht. Auf unseren Reisen in den Vorjahren haben wir immer Leoparden beobachten können - im vergangenen nicht einen. So ist das halt in der Wildnis.
Von den wundervollen, Grevyzebras, Netzgiraffen und Gerenuks ganz zu schweigen.
Die haben wir schon alle gesichtet und ich stimme dir vollkommen zu: absolut wunderschöne Tiere!

Auf jeden Fall danke ich dir für den Hinweis auf Buffalo Springs - habe ihn mir schon in meinem Reisebuch notiert.
Und deine Fotos sind natürlich wieder wunderschön!

Herzliche Grüße
Birgitt
www.jambo-kenya-safari.de www.106812.forums.motigo.com/
378 Beiträge · seit 200723. Feb. 2010 ·
bilo schrieb:
Übermorgen geht's schon wieder los!
Hallo Birgitt,

könnte ich das doch auch sagen. Wir sind vor gut einer Woche von unserer ersten Keniareise zurück gekommen und könnten sofort wieder los. Kenia hat uns als Alternative zum südlichen Afrika sehr gut gefallen und es wird bestimmt nicht das letzte mal gewesen sein.

Einen entscheidenen Anteil daran haben auch solche Reiseberichte wie du sie hier vorlegst. Gefällt mir sehr gut und ich lese gerne was du schreibst.

Übrigens, wir haben uns mal in einem anderen (Kenia)Forum virtuell kennengerlernt. Treibst du dich da nicht mehr rum?

Gruß Bernd