Reisebericht

Auf zwei Rädern ins Kaokoveld

von Topobär · begonnen 04. Sept. 2009 · 13 Teile

Teil 104. Sept. 2009
Nachdem es mir sehr viel Spaß gemacht hat, meinen ersten Reisebericht (Ostafrika) hier im Forum zu schreiben, soll jetzt gleich der Nächste folgen.

Ich möchte Euch von einer Motorrad-Reise durch das Damaraland und das Kaokoveld bis hoch an den Kunene berichten.

Die Reise fand in der 1.Hälfte des Mai 2009 statt. Das eigene Motorrad ist nur verbunden mit hohem Aufwand und Kosten nach Namibia zu transportieren. Selbst wenn man dazu bereit ist, hat man noch immer das logistische Problem, auf dem Motorrad nicht genug Proviant, Benzin und Ausrüstung für die geplante, sehr abgelegene Strecke transportieren zu können. Deshalb haben wir die Reise als begleitete Motorrad-Gruppenreise unternommen, durchgeführt vom namibischen Motorradreise-Veranstalter Gravel-Travel. Die bedeutet selbstständiges Fahren und Navigieren in Zweier- oder Dreier-Teams (dafür standen GPS und Roadbook zur Verfügung). Die Autos folgen auf gleicher Strecke und stehen so bei Panne oder Unfall zur Verfügung.

Es besteht auch für nicht Motorrad fahrende Partner die Möglichkeit in den Begleitfahrzeugen mitzufahren, was für uns ein wichtiges Kriterium war, da Kathrin im schweren Gelände nur ungern auf dem Sozius mitfährt.

Insgesamt waren wir diesmal 14 Personen. 8 Motorradfahrer und der Rest teilte sich auf die beiden Landcruiser auf, die uns als Begleitfahrzeuge dienten.

Wir hatten die Tour schon einmal im Oktober 2005 mitgemacht, was mich im Reisebericht sicherlich zum einen oder anderen Exkurs in die Vergangenheit veranlassen wird, da sich die Natur bei den beiden Touren völlig gegensätzlich präsentierte.
Teil 211. Sept. 2009
1.Tag: Anreise Windhoek

Das geht ja schon gut los. Wir sitzen schon seit über einer halben Stunde im Flugzeug und haben uns noch nicht einen Meter von der Stelle bewegt, da klärt uns der Pilot auf: Das Aggregat zum starten der Triebwerke funktioniert nicht (auf deutsch - der Anlasser klemmt) und man versucht jetzt, es zu reparieren. Na da drücken wir aber feste die Daumen, dass das klappt. Bei dieser voll durchorganisierten Tour wäre es fatal, wenn wir nicht morgen in Windhoek landen. Übermorgen startet die Motorrad-Tour.

Nach zwei Stunden wird Vollzug gemeldet; wir müssen jetzt nur noch auf ein freies Startfenster warten. So richtig wohl ist mir bei meiner latenten Flugangst nicht in einem Flugzeug mit fragwürdigem Anlasser. Aber Triebwerke kann man hoffentlich nicht abwürgen.

Der Pilot hat ordentlich Gas gegeben und die Hälfte der Verspätung auf den Flug aufgeholt. Um kurz nach zehn Uhr stehen wir in der Ankunftshalle, wo uns Anette und ihr Mann Michael, die Stammbesatzung des zweiten Begleitfahrzeuges in Empfang nehmen. Anette ist für alles Organisatorische von Gravel-Travel in Deutschland zuständig und möchte jetzt die Tour auch mal selbst erleben.

Wir stellen fest, dass außer uns nur zwei weitere Teilnehmer im Flugzeug waren. Der Rest ist schon vor zwei Tagen angereist um sich zu akklimatisieren (und vielleicht auch, weil sie Angst hatten, der Flieger kommt zu spät).

In nur einer Stunde ist die Windhoek Mountain Lodge erreicht, wo wir von Ralf, dem Tour-Leiter und Besitzer der Lodge begrüßt werden. Dann gibts erstmal einen ordentlichen Brunch, bevor die Roadbooks verteilt werden.

Da die anderen Teilnehmer alle noch große Probleme beim Fahren im tiefen Sand haben, ist für den Nachmittag noch eine Trainingseinheit in einem nahen Revier angesetzt.



Ich nutze die Gelegenheit, mich an das neue Motorrad, eine Yamaha TT600 zu gewöhnen, fahre einige Kilometer das Flußbett hoch und geselle mich dann zu Kathrin im Schatten des Begleitfahrzeuges. Während die anderen kräftig üben, bin ich dankbar für meine vielen Sahara-Touren, die dazu geführt haben, dass Sand mein liebster Untergrund ist. Ich möchte auch gar nicht daran denken, wie es nach der fast schlaflosen Nacht im Flieger wäre, jetzt schweres Gelände zu fahren.

Die anderen werden bis zum letzten Tag mit Tiefsand auf Kriegsfuß stehen und sich über jeden Kilometer Schotter und Fels freuen.

Zurück auf der Lodge erklärt Ralf noch den Umgang mit Roadbook und GPS, dann ist relaxen angesagt. Mit einem Buch versuche ich bis zum Braai die Müdigkeit zu vertreiben. Danach geht's früh ins Bett; Schlaf nachholen.

Windhoek Mountain Lodge:

Die Windhoek Mountain Lodge liegt nur ca. 10km südlich der Hauptstadt in den Auas-Bergen. Sie ist mit nur 9 Zimmer klein und familiär. Das Restaurant und die Zimmer umrahmen U-förmig den Pool. Davor die Aussichts-Terasse.

Das Hauptgebäude und der Wohntrakt sind mit Stroh gedeckt und durch den offenen Dachstuhl angenehm luftig.





Sehr leckeres Essen. Wer nicht direkt in der Stadt wohnen will, trotzdem dort noch etwas zu erledigen hat, ist auf dieser gemütlichen, recht günstigen Lodge gut aufgehoben.
Teil 315. Sept. 2009
2.Tag: Windhoek - Uis

Heute ging es darum Strecke zu machen, um unserem eigentlichen Reiseziel näher zu kommen und sich auf den leicht zu befahrenen Gravelpads weiter an das Motorrad zu gewöhnen.

Da die heutige Strecke nicht allzu viel Zeit in Anspruch nimmt, war die Abfahrt erst für 9:00Uhr angesetzt. Alle sitzen pünktlich auf dem Motorrad, da fängt Herms erst an, sein Roadbook einzubauen. Aufgrund der einfachen Strecke und Navigation gibt Ralf das OK, dass wir aufbrechen sollen und Herms dann allein nachkommt.

Ich muss zunächst erst einmal an meinen Multi-Tasking Fähigkeiten arbeiten. Das es gar nicht so leicht ist, das Motorrad zu fahren, die Strecke im Auge zu behalten und gleichzeitig Roadbook, Tripmaster und GPS zu bedienen merke ich, als ich bereits beim Verlassen des Lodgegeländes fast eine Kurve verpasse und nur knapp einem Sturz entgehe. Das muss noch deutlich besser werden, aber die letzten Rallyes sind halt auch schon ein Paar Jahre her.

Nachdem wir Windhoek auf der Umgehungsstraße umfahren haben, gehts auf der C28 ins Khomas Hochland. Vorher will ein eifriger Polizist noch von allen den Führerschein sehen (auch den Internationalen 😎 ). Im Auto alles kein Problem, auf dem Motorrad etwas umständlich und deshalb nervig.

Dann gehts endlich richtig los. Auf der D1958 gehts quer durchs Khomas Hochland nach Wilhelmstal. Die Straße zieht sich wie eine Achterbahn durch die Berge. Eine Kurve folgt der anderen; ständig geht es steil bergaus oder bergab. Im lockeren Drift geht es immer mit 80-100km/h dahin. Die Gruppe zieht sich in die Länge, denn niemand will den Staub der anderen schlucken. Immer wieder laden schöne Aussichtspunkte zum anhalten ein, so dass wir immer wieder zusammenfinden.



Ab Wilhelmstal ist dann leider Schluß mit den Kurven. Auf gerader Strecke geht es durch die karge Ebene nach Omaruru. Hier haben wir uns mit den Autos zum Mittagessen im "Sand Dragon" verabredet. Ein sehr nettes Restaurant mit leckerem Essen und viel kunsthandwerklicher Deko.

Nach über einer Stunde - wir sind schon längst mit essen fertig - ist von Herms und den Autos noch immer nichts zu sehen. Ich erreiche Ralf per Handy. Sie sind gerade erst in Wilhelmstal, wir sollen schon einmal weiterfahren nach Uis. Dort am Pool wartet es sich bequemer.

Abends erfahre ich dann von Kathrin den Grund für die Verspätung. Zunächst hat sich Herms in Windhoek verfahren, da er das falsche Roadbook eingelegt hatte. Dann ist er im Hochland ohne Sprit liegen geblieben, da er vergessen hatte in Windhoek zu tanken und die ganze Zeit mit Choke gefahren war. Da auf dieser Strecke die Reservekanister noch nicht gefüllt waren, musste das Motorrad bis Omaruru aufgeladen werden. Das kann ja noch heiter werden.

Wir waren in der Zwischenzeit schon auf dem Weg nach Uis. Zunächst geht es noch am Rande des Erongo-Gebirges entlang, dann wird es wieder eintönig. Der Pool ruft und wir geben Gas. Aufgrund des starken Gegenwindes ist aber bei 130km/h Schluß. Die TT600 ist halt eher der Trecker unter den Enduros.

Als die Spitzkoppe im Süden zu sehen ist, halte ich noch einmal an, um die Landschaft zu genießen. Leider ist es sehr diesig, so dass sich Fotos nicht lohnen.

In Uis angekommen beziehen wir gleich die Zimmer. Nach Ende des Fahrtages gibt es nichts Schöneres, als sich endlich die Rüstung vom Leibe zu reißen. Die Klamotten können wir noch nicht wechseln, da die Autos noch fehlen. So dient der Pool nur zum Füße kühlen, denn als die Autos endlich ankommen dämmert es bereits und die Temperaturen beginnen rapide zu sinken.

Da unsere Unterkunft nur B&B anbietet gehen wir zum Abendessen ins nahe gelegene ehemalige White Lady Restaurant (hat jetzt einen anderen Namen, den ich leider vergessen habe). Hier gibts für unsere Gruppe ein abwechslungsreiches Buffet.

White Lady B&B:





Einfache, aber saubere kleine Bungalow-Anlage in Uis. Schöner Pool. Daneben liegt die strohgedeckte Bar. Hier steht auch der Kühlschrank mit reichlich Bier und Softdrinks. Es gibt eine Strichliste und man bedient sich selbst.

Da wir hier eh nur Übernachten genau die richtige Unterkunft für uns. Ansonsten sind die am Brandberg gelegenen Unterkünfte sicherlich von der Lage her empfehlenswerten.
Teil 417. Sept. 2009
3.Tag: Rund um den Brandberg

Am heutigen Tag beginnt die Tour erst richtig. Es geht einmal um den Brandberg, jedoch nicht auf den Gravelpads sondern hauptsächlich auf einsamen Tracks direkt am Fuße des Berges entlang. Da es sich um eine Rundtour handelt ist es auch noch einmal eine gute Gelegenheit, das Motorrad in schwerem Gelände besser kennenzulernen.

Wir verlassen Uis auf dem Pad zur White Lady. Die Fahrt mit der Morgensonne im Rücken auf das beieindruckende Massiv des Brandberg zu ist unbeschreiblich schön. Die Luft ist noch sehr klar. Kurz vor dem Parkplatz verlassen wir den Pad nach Norden und treffen bei einer Lodge erstmals auf den Ugab, den wir hier jedoch nur durchqueren.

Weiter geht es durch hügelige Landschaft, wo es hin und wieder aussieht, als hätten Riesen mit Bauklötzen aus Granit gespielt und diese dann an den Hängen verstreut.



Als ersten Treffpunkt der gesamten Gruppe hatten wir eine verlassene Farm um Rande des Ugab abgemacht. Wie wir feststellen können, wird sie jedoch inzwischen wieder von Damara bewirtschaftet.

Die ersten 6 Motorräder kommen fast gleichzeitig an. Es dauert ziemlich lange, bis auch Harald erscheint. Er war heute mit Herms zusammen gefahren, der jedoch auf halber Strecke liegengeblieben war, da er mal wieder den Choke vergessen hatte. Harald hatte gewartet, bis die Autos in Sicht kamen, die jetzt versuchen, das Motorrad wieder flott zu machen.

Es dauert noch einmal ziemlich lange, bis wir alle beisammen sind. Herms ist jedoch schon jetzt so erschöpft, dass er aufladen lässt und im Auto mitfahren will. Bei den Autobesatzungen gibt es darauf hin ein "Schwarzer Peter Spiel" wo er mitfährt.

Jetzt geht's zur Sache. Die nächsten 15km geht es im Flußbett entlang. Vor 3 Wochen floß hier noch Wasser. Der Grund dafür, dass wir hier Treffpunkt hatten, ist dass im Flußbett die Autos wegen möglicher Elefanten vorausfahren. Wir lassen ihnen eine viertel Stunde Vorsprung, bevor auch wir weiter fahren.



Eine fantastische Landschaft erwartet uns. Ein breites, mit fast weissem, tiefen Sand gefülltes und teilweise von Felswänden begrenztes Flussbett tut sich vor uns auf. Da sich das Wasser erst vor kurzen zurückgezogen hat gibt es kaum Spuren. Es ist ein sanftes Dahingleiten und erinnert mich am ehesten ans Tiefschneefahren auf unberührten Hängen.

Später verzweigt sich das Flussbett und der Sand wird feuchter und schwerer. Wir verlassen den Ugab kurz bevor er unfahrbar wird - Glück gehabt. Die Ausfahrt aus dem Flubett ist sehr schlecht zu sehen und nur bei guter Handhabung von GPS und Roadbook auf anhieb zu finden. Deshalb machen wir hier Mittag, so dass niemand verloren geht.

Letztendlich sind alle gut durchgekommen. Es hat zwar ein paar Stürze gegeben, die aber alle glimpflich ausgegangen sind. Lediglich Stefan hat sich die Nase blutig gehauen und sein Trinkventil verloren. Glücklicherweise passt mein Ersatzventil auf sein System.

Nach der Pause wird der Untergrund steinig. Es geht zunächst durch ein Labyrinth kleiner Täler am Fuße des Brandberges entlang. Ein ständiges auf und ab. Wir entfernen uns etwas vom Berg und erreichen die D2342, der wir für ca. 20km folgen. Hier hat man wieder einen schönen Blick auf das ganze Massiv.



Nachdem wir den Pad wieder verlassen haben geht es auf leicht zu fahrenden Track durch weite sanfte Grasflächen am Fuße des Brandberges. Hier entdecken wir auch ein Chamäleon am Wegesrand. Da fahre ich schon seit Jahren mit dem Auto durch Afrika und ausgerechnet jetzt mit dem Motorrad entdecke ich mein erstes wild lebendes Exemplar. Der Kleine mag es gar nicht, wenn man ihm so nah auf die Pelle rückt und ist kräftig am drohen und fauchen. Dabei sieht man, dass sein Maul von innen knallgelb ist, ein toller Kontrast zur sonstigen Färbung. Trotz aller Bemühungen gelingt es mir leider nicht, dass Tier mit aufgerissenem Maul zu fotografieren.



Der zur White Lady führende Pad ist schon in der Ferne zu sehen, als Christian plötzlich anhält. Plattfuß vorne. Wir lassen das Motorrad auf dem Track stehen, Christian steigt bei mir hinten auf und wir fahren zu einer nahe gelegenen Felswand, wo wir im Schatten auf die Autos warten.



Als Ralf dann endlich kommt, ist der Reifen schnell repariert. Ich kenne niemanden, der das so schnell kann wie er.

Danach haben wir dann bald den Pad erreicht. Der Pool und das Bier rufen und so wird das Gas bis zum Anschlag aufgerissen. Trotzdem liegen die anderen schon gemütlich mit einer Flasche Bier im Pool, als wir ankommen. Rasch gesellen wir uns hinzu.

Abends gehts wieder ins benachbarte Restaurant. Wieder Buffet, aber andere Gerichte. Very lecker!
Teil 522. Sept. 2009
4.Tag: Uis - Huab Rivier

Heute geht's endlich richtig in die Wildnis und Einsamkeit des südlichen Damaralandes.

Da der Tag lang und anstengend wird, verlassen wir unsere Unterkunft schon gegen 8:00Uhr. Bis zur ehemals verlassenen Farm am Ugab geht es die selbe Strecke wie gestern. Dort sollen sich die einzelnen Motorradgruppen zur Sicherheit kurz treffen; die Autos werden wir erst bei einer alten Mine wieder treffen.

Alle Motorräder starten zeitgleich und wir fahren in Kolonne Richtung White Lady. Da es so früh am morgen noch recht kalt ist lassen wir es ruhig angehen, da der Fahrtwind einen frösteln lässt.

Ca. 1km bevor wir auf den kleinen Track abzweigen müssen, überholt Herms mit Höchstgeschwindigkeit die gesamte Gruppe und fährt natürlich an der Abzweigung vorbei. Wir sind fassungslos, halten an und warten. Zum Glück ist der Pad eine Sackgasse und endet nach wenigen Kilometern.

Der gesamte Ärger über Herms, der mit seinem chaotischen Verhalten bereits die ganze Zeit über eine Gefahr für eine erfolgreiche Tour darstellt bricht bei mir durch und als er zurück kommt explodiere ich. Noch immer aufgewühlt fahre ich mit Stefan und Christian weiter, ohne ihn weiter zu beachten. Ich muss mich zügeln, ruhig zu fahren.

An der alten Farm. Alle außer Harald und Herms sind da. Ich bin beruhigt, dass die Gruppe Verständnis für meinen Ausbruch hat und gut heißt. Bin normalerweise eher ein ruhiger Typ (meine Frau meint manchmal sogar phlegmatisch 😵 ) und selbst ein wenig über mich erschrocken. Nach einiger Zeit kommt Harald alleine an und beglückwünscht mich. Herms will mit der Gruppe nichts mehr zu tun haben, wartet auf der Strecke auf die Autos und will aussteigen. Alle atmen auf.

Weiter gehts. Zunächst ein Seitental des Ugab hinauf auf einen kleinen Tafelberg mit fantastischem Ausblick auf den Brandberg, dann weiter zur alten Mine. Auf Ralfs Auto müssen wir nicht lange warten. Michael wird erst zur Mittagsrast wieder zu uns stoßen, da er erst noch Herms nach Uis zurück begleitet.

Grund für unseren Treffpunkt an der alten Mine ist die nun folgende sehr schwierige Navigation. Es geht eine riesige sanfte Düne empor. Derzeit erscheint sie aber nur als großes wogendes Grasmeer. Die ca. 10km lange Auffahrt weißt zahlreiche Weggabelungen auf, so dass man sich leicht verfahren kann. Erschwerend kommt hinzu, dass die Spuren durch das Gras kaum zu erkennen sind.



Es kommt, wie es kommen muß. Obwohl Ralf extra noch einmal daran erinnerte, bei jeder Gabelung rechts zu fahren und ich die Strecke auch schon gefahren bin, übersehe ich eine Gabelung komplett, da die rechte Spur vollkommen zugewachsen ist. Ich bin im Fahrrausch und merke den Fehler erst ein paar Kilometer später. So komme ich in diesem schönem Gelände noch zu einer Extrarunde. 😊

Vor 3 Jahren stellte sich diese Strecke völlig anders dar. Von Gras keine Spur, nur eine riesige mit Büschen bewachsene leicht ansteigende Sandfläche. Orientierung war kein Problem, wer allerdings in der Steigung anhalten musste, hatte wegen des sehr weichen und sehr tiefen Sandes keine Chance berauf wieder anzufahren und musste erneut von unten beginnen.

Nach der Sand-/Grasfläche ging es durch ein Labyrinth kleiner Täler in Richtung Doros-Krater. Ich staunte nicht schlecht, als in dieser fast baumlosen Gegend eine Gruppe Giraffen auftauchte. Die hätte ich hier nie vermutet.



Auf einem kleinen Plateau mit direkten Blick auf den Doros-Krater machten wir Mittag. Es war inzwischen so heiß geworden, dass alle den wenigen Schatten der Autos aufsuchten.

Nachdem wir direkt unterhalb des Kraters diesen östlich passiert hatten, kamen wir auf eine große Schotterebene. Ohne GPS wäre auch hier die Navigation sehr schwierig gewesen, da überall Spuren kreuz und quer verliefen. So aber fanden alle problemlos den nächsten Treffpunkt der Motorräder, einen kleinen versteinerten Wald. Deutlich einsamer als die bekannteren Wälder hier in der Nähe, gab es weder Guides noch Touris. Wir hatten den ganzen Tag über keine Menschenseele gesehen und so sollte es auch bleiben.

Nun galt es nur noch über einen schönen Pass



die letzte Gebirgskette zu überwinden, die uns noch vom Huab trennte. Oben machten wir halt um die vom Wind erschaffenen Sandsteinformationen zu bewundern.



Dann sah man bereits den Huab, allerdings sollten es noch immer über 20km bis zum Flussbett sein. Die Ausmaße dieser Landschaft sind einfach gigantisch.



Für mich war diese Strecke das Highlight des Tages, zumal die inzwischen schon recht tief stehende Sonne alles in ein weiches Licht tauchte. Die Strecke hatte es aber auch fahrtechnisch in sich, da sie kurvig und tiefsandig zugleich war. Verbunden mit der Erschöpfung am Ende des Tages führte das leider bei vielen der Fahrer zu Stürzen, die aber überwiegend glimpflich ausgingen.



Letztendlich kamen aber alle zum Flußbett. Die Einfahrt war nicht leicht zu finden, da die letzte Flut vieles verändert hatte. Das hielt uns aber nur kurz auf und bald darauf erreichten wir unser erstes Outdoor-Camp dieser Tour.

Für die Outdoor-Camps hat Ralf das Safari-Unternehmen D.A.S Desert Adventure Service als Partner gewonnen, welcher für die 4 Outdoor-Camps der Tour verantwortlich ist.



Andi (Deutsch-Südwester der 4.Generation), der Chef von D.A.S kümmert sich immer persönlich um diese Touren. Zusammen mit 3 Mitarbeitern zaubert er jedesmal ein kleines Paradies in die Wildnis. Es fehlt an nichts. Die Zelte bieten dicke Matratzen und warme Schlafsäcke und es steht sogar eine Dusche zur Verfügung. Gekühlte Softdrinks und Bier stehen in mehr als ausreichender Menge zur Verfügung und auch die Liebhaber von Wein und GinTonic müssen nicht darben.

Gegessen wird an einer langen Tafel. Die Küche bietet deftige und extrem leckere Hausmannskost - heute Schweinefilets aus dem Potje.

Die heutige Nacht sollte die kälteste der ganzen Tour werden. Schon gleich nach Sonnenuntergang fiel die Temparatur rapide, so dass ich fast alle meine Klamotten übereinander ziehen mußte. So zog es nach dem Abendessen alle ans Lagerfeuer, wo es dann dank Andis Sitzheizung (eine Schaufel Glut unter jedem Campingstuhl) von allen Seiten kuschelig warm wurde.
Teil 624. Sept. 2009
5.Tag: Huab Rivier - Opuwo

Heute morgen war der Himmel bedeckt, aber keine Wolken, sondern Nebel, der vom starken Westwind weit ins Landesinnere getrieben worden ist. Deshalb war auch die Nacht so kalt, wobei ich betonen muss, dass die Isomatten und Schlafsäcke in den Zelten kuschelig warm waren.

Weil heute wieder eine lange Etappe anstand, begann der Tag wieder mit der ersten Dämmerung. Da die Sonne fehlte war es beim Frühstück auch noch recht frisch.

Da sich Gabi gestern auf der tiefsandigen Strecke hinunter zum Huab einige schmerzhaft Prellungen zugezogen hatte, luden wir Ihr Motorrad zunächst auf den Anhänger; sie wollte erst ab dem Gravel-Pad wieder auf zwei Rädern fahren.

Wir verließen das Flußbett gleich in der Nähe des Camps nach norden. Die anschließende Ebene wird von einer einzelnen großen Düne beherrscht.



Der nun folgende Pass ist auch eine wichtige Migrationsroute der Elefanten zwischen dem Huab und der Palmwag-Consession. Den frischen Hinterlassenschaften der Dickhäuter nach zu urteilen, sind gerade in der letzten Nacht wieder welche hier unterwegs gewesen. Leider sind sie am Morgen schon verschwunden.

Vorbei an einem verlassenen Kral



wird die Strecke immer rauher. Über faustgroßen Schotter und durch zahllose Erosionsrinnen geht es dahin und Gabi hat für sich sicherlich die richtige Entscheidung getroffen, in ihrem Zustand diese Strecke im Auto zu fahren.

Nach ca. 40km treffen wir auf die C39, wo wir auf die Autos warten. Während wir warten kommen wir mit einigen Südafrikanern ins Gespräch, die bei uns anhalten. Bei ihnen sehe ich die neueste Entwicklung für's motorisierte Outdoorcamping - einen geländegängigen Wohnanhänger.

Bald darauf ist auch Gabis Motorrad abgeladen und kurze Zeit später erreichen wir die Tankstelle bei Palmwag, wo wir die leeren Tanks wieder füllen.

Auf den nächsten 50km sehen wir eine Vielzahl von Tieren. Vor allem Springböcke, Giraffen und Zebras, aber auch unseren ersten Elefanten in der Ferne.



Von den vergangenen Regenfällen ist dass Land in frisches grün gehüllt. Wir müssen auf der C43 auch viele noch Wasser führende Flüße durchqueren. Derzeit ist diese ansonsten problemlos mit PKW zu befahrende Straße deshalb nur mit 4x4 möglich.

Mittag machen wir an der Quelle von Ongongo. Es ist inzwischen wieder sehr heiß geworden und so sind die meisten für die sich ihnen bietende Abkühlung dankbar.

Die weitere Strecke über den Joubertpass nach Opuwo ist gut zu fahren. Hier haben die vergangenen Regenfälle nur wenig Schaden angerichtet. Bald tauchen die ersten Baobabs auf, in vollem Laub - ein seltener Anblick.

In Opuwo fahren wir noch schnell an der Tanke vorbei, bevor es dann zu unserer Unterkunft geht, wo wir uns äußerlich im Pool und innerlich mit leckerem Tafel-Lager abkühlen.

Schon beim Abendessen ist die laute Musik der umliegenden Kneipen nicht zu überhören. Da gibt es nur zwei Möglichkeiten: Sich über den Lärm ärgern, oder mitfeiern. Zusammen mit einem Teil der Gruppe entscheiden wir uns für letzteres und steuern eine in der Nähe liegende Bar an.

Ohrenbetäubender afrikanischer Pop schallt uns stark übersteuert aus den überforderten Lautsprecherboxen entgegen. In und vor der Bar tummelt sich ein buntes Völkergemisch: Himba in Tracht, Herero, Damara, Ovambo; jung und alt. Nur keine Weißen.

Erst mal ein Bier bestellen. Wir werden neugierig beäugt, Weiße scheinen sich sonst nicht hierher zu verirren. Man kommt ins Gespräch, soweit das bei dem Lärm möglich ist. Die ersten von uns werden zum mittanzen aufgefordert (als überzeugter Nichttänzer kann ich mich gerade noch in Sicherheit bringen).

Draußen am Kicker ist's dann eher nach meinem Geschmack. Nach kurzer Zeit beginnt ein engagiertes Match Namibia - Deutschland, dessen Sieg wir als bescheidene Gäste selbstverständlich der Heimmannschaft überlassen. 😊



Als die Kids bei dieser Gelegenheit meine Knipse entdecken, gibt es kein halten mehr. In einer Tour wollen sie fotografiert werden und sich danach auf dem Display ansehen. Sie geben erst Ruhe, als der Akku alle ist.



Als wir leicht hörgeschädigt zur Lodge zurück, liegt ein fantastischer Abend hinter uns. Besonders interessant fand ich, dass man hier mal nicht als wandelnde Brieftasche angesehen wurde. Kann man tagsüber auf den Straßen von Opuwo keinen Schritt gehen, ohne dass einem etwas verkauft werden soll oder man angebettelt wird, fand soetwas überhaupt nicht statt. Es war, als befände man sich auf neutralem Boden, wo einzig der Mensch für sich zählt.

Ohakane Lodge:

Mitten im Zentrum von Opuwo gelegen, könnte man von Außen auch denken, ein Gefängnis vor sich zu haben. Hohe Mauern mit Stacheldraht ringsum. Betritt man dann die Lodge und kommt in den Innenhof, entdeckt man hier eine kleine Idylle. Palmen, grüner Rasen ein Pool und die reetgedeckte Bar sind von draußen nicht zu erahnen.



Die Zimmer befinden sich in den den Hof begrenzenden Gebäudeflügeln. Alle sind mit Klimaanlage ausgestattet, einfach eingerichtet, aber sauber.

Abendessen gibt es als Buffett in der Bar, ebenso das Frühstück.

In dieser recht günstigen Unterkunft kann man mal anstatt Landschaft und Tieren, typisch afrikanisches Stadtleben mitbekommen. Die Gelegenheit bietet sich in Namibia nicht allzuoft. Allerdings sollte man eine gewisse Lärmresistenz aufweisen.
Teil 701. Okt. 2009
2. Versuch:

6.Tag: Opuwo - Marienfluss-Tal

Der Tag begann schon mit hohen Temperaturen. Gerade heute, bei der anstehenden schweren Etappe hätte ich mir kühleres Wetter gewünscht.

Wir verlassen Opuwo auf der D3703. Zu Anfang ein schmaler, gut zu befahrender Gravel-Pad; ideal zum warmfahren. Dann die große Enttäuschung: Dort wo vor drei Jahren der schöne Single Track begann, geht jetzt der Gravel-Pad in eine große Schneise über, die auf ca. 50m Breite bis nach Etanga geschoben wurde und wie eine häßliche Narbe in dieser schönen Landschaft wirkt. Was soll das? Wollen die hier eine Autobahn bauen?

Hinter Etanga ist Gott sei Dank schluß damit und wir fuhren endlich auf einem schönen Single Track.

Da mein Motorrad keinen Rückspiegel hatte, musste ich mich öfters mal nach Stefan und Christian umdrehen, um zu sehen, ob die beiden noch hinter mir sind. Als der Track mal wieder für längere Zeit geradeaus führt, nutzte ich dies und drehte mich um. Leider hatte ich übersehen, dass sich die beiden Fahrspuren auf unterschiedlichem Niveau befinden. Der Effekt ist vergleichbar, als wenn man mit dem Fahrrad in sehr spitzem Winkel an eine Bordsteinkante fährt, so dass ich bei ca. 50km/h über den Lenker absteige. Die Landung ist hart und es knackt vernehmlich - mal wieder eine Rippe gebrochen. Diese Verletzung zieht sich allmählich wie ein Running Gag durch mein sportliches Leben. Glücklicherweise behindert mich die gebrochene Rippe kaum beim Fahren. Nur Lachen, Husten und Niesen sind sehr schmerzhaft und ich kann den Rest des Urlaubs nur auf der linken Seite Schlafen.

Bald darauf erreichen wir einen markanten Felsen, der direkt am Weg aus der Ebene ragt. Unser Treffpunkt zum Mittagessen mit den Autos.



Unweit des Felsens liegt ein Himba-Kraal und in kürzester Zeit sind alle Frauen und Kinder des Kraals bei uns. Die Neugier ist riesengroß, aber eben nur die Neugier. Da hier nur selten Touristen durchkommen, gibt es keine Bettelei und auch ansonsten ist die Begegnung nicht von "kommerziellen Interessen" geprägt. Die Himbas kennen Ralf schon seit Jahren und freuen sich immer, wenn er Ihnen die Fotos der letzten Jahre auf seinem Notebook zeigt.



Mein Motorrad hatte schon auf den letzten Kilometern Zündaussetzer. Als ich nach der Mittagspause wieder starten will sagt sie keinen Mucks mehr. Ralf hat die Ursache zum Glück schnell gefunden. Dass Massekabel der Batterie war durchvibriert.

Nach nur kurzer Fahrt kommen wir zu einer Gruppe von Häuptlingsgräbern der Himba. Eine interessante Mischung aus christlichem und traditionellem Gedenken. Die Grabsteine könnte man auch auf jedem deutschen Friedhof finden, zum Teil sind sie sogar in Form eines Kreuzes. In den Büschen und Bäumen über den Gräbern befinden sich jedoch wie seit Urzeiten Rinderschädel, von zu Ehren der Toten geschlachteten Rindern. Je mehr Schädel, desto angesehener war der Tote zu Lebzeiten. Interessant ist auch, dass viele der hier Begrabenen sehr alt geworden sind; teilweise über 80 Jahre. Erstaunlich bei den harten Lebensbedingungen hier im Kaokoveld.



Der Weg wir zusehens schwieriger, enger und kurviger. Immer wieder bleibt das Fahrershirt in den Dornen der in den Weg wachsenen Büsche hängen.

Wir nähern uns dem van Zyl's Pass und die Strecke wird jetzt zusätzlich sehr felsig. Hier ist höchste Konzentration gefragt, denn ein Sturz in die kantigen Felsen ist mit Sicherheit sehr schmerzhaft.



Dann erreichen wir den meiner Ansicht nach schönsten Aussichtspunkt Namibias. Am Beginn der steilen Abfahrt hat man einen traumhaften Blick ins unter uns liegende Marienfluss-Tal.



Wir warten hier auf die Autos. Gabi will aufladen lassen. Sie fühlt sich zu erschöpft und will nicht riskieren, jetzt am Ende des Tages noch zu stürzen.

Vom Aussichtspunkt bis hinunter ins Tal sind es nur zwei Kilometer. Eine verdammt kurze Strecke, um einen solch immensen Höhenunterschied abzubauen. Entsprechend steil stürzen wir uns in die Tiefe.



Unten angekommen ist jedoch die einhellige Meinung, dass die Anfahrt zum Pass deutlich schwieriger war, als die Abfahrt hinunter ins Marienfluss-Tal. Die Abfahrt war auch gegenüber meiner Tour vor drei Jahren erheblich leichter geworden. Anscheinend hatten Befahrer vor uns umfangreiche Wegearbeiten verrichtet und die ganz großen Stufen mit Steinen entschärft.

Bis zu unseren Camp war es nicht mehr weit und der Weg ließ sich einfach fahren.

Diesmal lag das Camp im Marienfluss unter einem schönen Annabaum. Mit trockenen Kehlen angekommen freuten wir uns alle auf ein kaltes Bier. Umso größer war die Enttäuschung, dass ausgerechnet der Wagen mit den Kühlboxen noch auf Holzsuche für das Lagerfeuer war. 😮 Glücklicherweise mussten wir nur eine Viertelstunde warten. 🙂



Ohne dass es der Rest der Gruppe mitbekommen hatte, hatte sich heute auch Wolfgang verletzt. Er war beim Fahren mit den Füßen zwischen die Felsen gekommen und hatte sich dabei das Fußgelenk stark verdreht. Jetzt war der Fuß schon so geschwollen, dass er kaum noch aus dem Stiefel kam. Sah nach einer kräftigen Bänderdehnung aus.

Andi kochte mal wieder fantastisch. Selbst unsere Züricher lobten sein Züricher Geschnetzeltes in den höchsten Tönen.

Danach am Lagerfeuer lauschen wir den hier besonders laut "bellenden" Geckos und konnten eine todesmutige Maus beobachten, die direkt über dem Feuer im Geäst des Annabaums balancierte.
Teil 806. Nov. 2009
Bitte entschuldigt meine lange Schreibpause. Erst war ich im Urlaub 🙂 und dann mußte ich meine Urlaubsrückstände aufarbeiten 🙁 .

7. Tag: Marienfluss-Tal - Serra Kafema

Die heutige Etappe war nur kurz, aber da wir den Lunch schon in Serra Kafema genießen wollten starteten wir wie üblich sehr früh.

Zunächst ging es auf einfachem Weg durch die Berge, die das Marienfluss-Tal vom Hartmann-Tal trennen. Hier leben derzeit recht viele Himbas; es hat vor nicht allzu langer Zeit kräftig geregnet und das Land ist fruchtbar und grün.



An der Red Drum biegen wir nach Norden ab ins Hartmann-Tal. Das Tal ist weites Meer aus Gras, die Strecke weiterhin einfach zu befahren, allerdings auch zunehmend unangenehm, da das Wellblech immer heftiger wird. Wir erreichen einen erhöht liegenden Geländerücken, von dem aus man eine schöne Aussicht auf die weiten des Tals hat.

Hier in der Umgebung gibt es auch zahlreiche Hexenkreise. So werden vegetationsfreie kreisrunde Bereiche von meist 5-8m Durchmesser genannt. Die Entstehung dieser Kreise gibt der Wissenschaft noch immer Rätsel auf.

Je weiter wir nach Norden kommen, um so reichhaltiger wird die Tierwelt. Einmal sind wir inmitten einer riesigen Herde von Springböcken. Es ist ein ganz anderes Gefühl, direkt und ohne Blechhülle um einen herum, zwischen den Tieren zu stehen und zu fahren.

Wir erreichen das Konzessionsgebiet von Serra Kafema. Der Zugang ist nur Gästen der Lodge erlaubt. Ab hier wird die Strecke auch deutlich anspruchsvoller. Das Wellblech wird zu Tiefsand, durch den wir zunächst einem beeindruckendem Aussichtspunkt erreichen. Der Blick geht über die Hartmannberge bis nach Angola.

Ihr werdet Euch sicherlich wundern, weshalb ich hier immer von den schönsten Aussichtpunkten berichte und es keine Fotos davon gibt. Der Grund ist einfach: Die Weite der Landschaft lässt sich nicht auf einem Foto wiedergeben und ihr würdet Euch nur fragen, was dort denn so toll gewesen sein soll.

Der Tiefsand bleibt uns auch weiterhin erhalten und schon bald erreichen wir die Passage, vor der es vielen Teilnehmern schon die ganze Tour über gegraut hat. Es geht eine Düne mehrere hundert Meter in tiefstem Sand steil hinunter. Doch damit nicht genug. Man fährt unten direkt auf eine Felswand zu und hat gerade einmal 5m Platz für eine 90°-Kurve nach rechts. Viele schließen schon auf der Abfahrt mit dem weichen Sand nähere Bekanntschaft und spätestens in der Kurve lagen dann alle außer Harald und mir.



Schnell sind wir aus dem kleinen Canyon wieder heraus und dann öffnet sich der Blick auf das grüne Band der Kunene. Wenn man weiss, wo man suchen muss, entdeckt man in der Ferne schon Serra Kafema.



Die letzten Kilometer sind schnell gefahren. An der Lodge werden wir schon mit einem Begrüßungsdrink und feuchten Tücher erwartet, mit denen wir uns den Staub aus dem Gesicht wischen können.

Nachmittags stehen uns die Aktivitäten der Lodge zur Verfügung. Besonders hervorgehoben werden bei dieser Lodge immer die Quadtouren. Aus unserer Gruppe hat niemand daran Interesse - wen wunderts. Außer Kathrin und mir machen alle eine Boots-Tour auf dem Kunene. Wir hatten die schon beim letzten mal gemacht und wollten eigentlich auf den der Lodge gegenüber am anderen Flussufer liegenden Berg wandern. Allerdings hat es da wohl in letzter Zeit Porbleme mit der angolanischen Grenzpolizei gegeben, so dass diese Tour leider nicht mehr möglich ist.

So entscheiden wir uns für eine Fahrt im offenen Geländewagen durch die Berge und Dünen im Hinterland der Lodge.



Wir haben den Wage für uns alleine und genießen die Fahrt. In der Ferne sehen wir immer wieder Paviane, Springböcke und Oryx.

Rechtzeitig zum Sonnenuntergang erreichen wir einen hoch über dem Fluß gelegenen Aussichtspunkt, wo uns ein vorzüglicher Sundowner kredenzt wird. Savanna dry für Kathrin, GinTonic für mich und dazu leckere Knabbereien.



Bis wir auf der Lodge zurück sind ist es dann schon stockdunkel. Wir werden schon am Auto mit einem Cocktail erwartet.

Serra Kafema:

Die absolute Luxuslodge in perfekter Lage. Eine einsamere und abgelegenere Unterkunft ist in ganz Namibia nicht zu finden. Die Gäste kommen fast ausschließlich mit dem Flugzeug, unsere Gruppe ist eine große Ausnahme.

Serra Kafema ist eine Öko-Lodge. Z.b. Solarenergie, Biokläranlage.

Die Lodge befindet sich im Überschwemmungsbereich des Kunene, weshalb alle Gebäude auf Stelzen errichtet und durch Stege verbunden sind. So kann es durchaus sein, dass man ein Krokodil als Untermieter hat.

Die Unterkünfte sind riesig. Mit Stroh gedeckt, die Außenwände aus Canvas und zur Veranda hin, eine riesige Fensterfront. Dieser Bereich läßt sich auch komplett zu Seite schieben, so dass eine ganze Seite des Gebäudes fehlt und man noch näher an der Natur ist. Wir haben so die Nacht verbracht.

Am Hauptgebäude befindet sich ein kleiner Pool, der aber nur zur Abkühlung taugt.



Das Hauptgebäude selbst ist um die Bäume am Flußufer herumgebaut, d.h. die Stämme gehen durch den Innenraum und die Kronen überragen das Gebäude. Es wurden keine Bäume für die Errichtung der Lodge gefällt. Direkt am Wasser gibt es eine Aussichtsterasse und eine überdachte große Sitzecke mit Bar. Hier lässt es sich aushalten.

Das Essen ist hervorragend. Besonders gut sind auch die selbst gebackenen Plätzchen, die in einem großen Glas die ganze Zeit zum naschen locken. Ich musste größte Selbstbeherrschung aufbringen, um nicht schon vor dem Dinner satt zu sein.
Teil 920. Nov. 2009
8.Tag: Serra Kafema - Khumib River

Wolfgangs Knöchel war so angeschwollen, dass er nicht in die Motorradstiefel passte. Er musste heute in den Autos mitfahren und war als leidenschaftlicher Motorradfahrer davon alles andere als begeistert.

Bevor es dann endgültig losging, durften wir uns noch aus einem Benzinfass der Lodge bedienen. Als erstes galt es dann vom Kunene wieder ins Hartmann-Tal zu gelangen. Den Dünengürtel überwindet man dabei an anderer Stelle, als bei der Hinfahrt, da die steile Dünenabfahrt in dieser Richtung nicht zu bewältigen ist. Aber auch unsere heutige Passage hat wieder eine steile tiefsandige Abfahrt und ist deshalb ebenfalls Einbahnstraße.

Im Hartmann-Tal geht es für einige Kilometer auf der von gestern bekannten Strecke dahin, bevor wir kurz hinter dem Flugfeld nach Westen abbiegen. Hier gibt es eine Lücke in den Bergen, die das Hartmann-Tal von der Skelettküste trennen.



Nach den Bergen öffnet sich die Landschaft. Vor uns erstreckt sich ein riesiges Meer aus Gras. Nur in der Ferne begrenzt; im Osten durch die Berge und im Westen durch die Dünen der Skelettküste.



Die Piste verläuft, leicht zu befahren, auf der Grenze des Skelettküsten Nationalparks entlang. Näher kann man diesem für die Allgemeinheit gesperrten Gebiet nicht kommen.



In der Ferne sehen wir immer wieder Herden von Springböcken und Oryx. Große Aufmerksamkeit erregte bei uns die größte Gruppe Strauße, die ich je gesehen habe. Sie sind aber scheu und lassen uns nicht allzu nah heran.



In einen kleinen Tal steht ein einzelner Baum. Der erste Schattenplatz seit Stunden. Wir nutzen die Gelegenheit zur Mittagspause. Die handbemalten Lunchtüten sind ein letzter Gruß von Serra Kafema. Wir werden noch lange an diese fantastische Unterkunft denken.

Wir verlassen den Nationalpark wieder, die Piste geht Richtung Landesinnere. Die vielen eckigen und unübersichtlichen Kurven sind unschön zu fahren, es kommt einfach kein Fluss zustande.

In der Nähe von Orupembe stoßen wir auf die D3707, die wir gleich hinter der kleinen Siedlung schon wieder verlassen. Hier haben wir erstmals einen Blick auf den Khumib, wo wir heute Nacht zelten werden.



Die letzten 20 km verlaufen dann wieder im Flußbett. Diesmal haben wir nicht nur mit den Tücken des Tiefsandes zu kämpfen, sondern müssen auch noch einigen Fallgruben ausweichen, die plötzlich vor uns auftauchen. Hier haben Tiere nach dem unter dem lockeren Sand noch reichlich vorhandenen Wasser gegraben.



Aber diesmal erreichen alle unversehrt das Camp (bei meiner letzten Tour hatte sich hier ein Teilnehmer einen Bänderriss in der Schulter zugezogen). Zelte und Tisch stehen unter einen riesigen Ahnenbaum, der sich über ca. 50m Breite am Steilufer entlang erstreckt. Wohlgemerkt, ein einziger Baum.



Mit dem einen oder anderen Bierchen und GinTonic läuten wir rechtzeitig den Sundowner ein, der sich dann auch von seiner besten Seite zeigt.



Kurz nach Sonnenuntergang ist aus dem Lagerfeuer dann ein Glutbett geworden auf dem nun unser heutiges Abendessen gegrillt wird. Es gibt Rindersteaks allerbester Güte. Man merkt, dass Namibia Rinderland ist. Solch qualitativ hochwertiges Rindfleich ist in Deutschland einfach nicht zu bekommen.

Spät abends besuchte uns dann noch eine Braune Hyäne im Camp. Sie scheint hier ihr Revier zu haben, denn vor 3 Jahren kam sie ebenfalls zu Besuch.
Teil 1025. Nov. 2009
Deinem Wunsch wird umgehend Folge geleistet.

9.Tag: Khumib River - Palmwag

Wenn man in einem Flußbett übernachtet hat, ist das natürlich landschaftlich ein Traum. Am nächsten Morgen bedeutet es aber, dass man vom ersten Meter an fit sein muss und keine Möglichkeit hat, sich warm zu fahren.

Wir sind zunächst wieder einige Kilometer auf den gestrigen Spuren zurückgefahren und haben das Flußbett dann Richtung "Haifischzahn" verlassen.



Diese schon von weitem gut erkennbare Landmarke überragt den Pass, über den man vom Khumib zum Hoarusib gelangt. Oben angekommen breitet sich das Tal des Hoarusib weit vor einem aus.



Auf kürzestem Wege fahren wir hinunter und durchqueren das hier trockene Flußbett um auf die Ostseite zu gelangen. Dort gibt es einen, den Hoarusib überragenden Hügel, unser nächstes Ziel. Und hier haben wir das große Los gezogen. Direkt unter uns befindet sich eine große Herde Wüstenelefanten, die wir von unserem Aussichtspunkt aus nächster Nähe und doch sicher beobachten können.



Wir können uns kaum losreißen, haben aber noch eine weite Strecke vor uns. Das Tal wir enger und die Vegetation dichter und unübersichtlicher. Auch hier können Elefanten in der Nähe sein und wir fahren dem entsprechend vorsichtig. Wir wissen nicht, wie Elefanten auf Motorräder reagieren und wollen es auch nicht unbedingt herausbekommen.



Im Flußbett tritt jetzt immer häufiger Wasser an die Oberfläche. Dort wo es als Bach fließt, sind die Probleme gering. Entweder weicht man aus, oder kann es problemlos durchqueren. Es gibt aber auch weite aufgeweichte Sandflächen. Wie tückisch diese Flächen sind, muss Thomas schnell feststellen. Er verläßt die sich durch die Sandflächen schlängelnde Fahrspur um in direkter Linie abzukürzen. Als er dabei einmal kurz von Gas geht, versinkt seine Maschine schnell bis an die Sitzbank. Nur mit gemeinschaftlicher Anstrengung bekommen wir die Maschine wieder frei. Wenn einem das mit dem Auto passiert, kann man erst einmal einen Monat warten, bis der Fluss soweit abgetrocknet ist, dass man den Wagen ausgraben kann.



Bald darauf ist Purros erreicht. Ab hier geht es auf der D3707 Richtung Sesfontein. Dieser Pad ist deutlich stärker von den Regenfällen der letzten Wochen in Mitleidenschaft gezogen worden als die anderen Strecken, die wir bislang gefahren sind.

Auf der Gibris-Fläche machen wir Mittag. Da die Tage zu dieser Jahreszeit kurz sind und die Zeit schon weit fortgeschritten ist, fahren wir weiter auf dem Pad. Der Schlenker durch den Hoanib-Canyon fällt weg. Für Kathrin und mich nicht so dramatisch, da dieser auf jeden Fall Bestandteil unserer Reise im Mai 2010 sein wird.

Ab Sesfontein haben wir eine gute Piste unter den Rädern und geben Gas. Wir wollen rechtzeitig zum Sundowner auf der Terasse der Palmwag-Lodge sitzen. Aber noch immer sind zahlreiche Wasser führende Bäche auf dieser Strecke zu durchqueren. Einer ist tiefer als gedacht und ich wohl auch etwas schneller als gut war. Der Wasserdruck ist jedenfalls so groß, dass es mir die Füße von den Rasten reißt. Glücklicherweise schaffe ich es, auf der Sitzbank zu landen, so dass es noch einmal gut gegangen ist. Das ich komplett nass bin, ist bei den Temperaturen kein Problem, allerdings war der Bach stark veralgt, so dass ich von Kopf bis Fuß grün gesprenkelt war.

Palmwag-Lodge:

Ich sages es gleich vorweg: Ich bin kein großer Fan dieser warscheinlich bekanntesten Lodge Namibias. Sie ist zu groß und zu unpersönlich (So sollte es an der Rezeption bekannt sein, wenn eine Gruppe von 14 Personen erwartet wird und nicht ewig dauern, bis die Buchung gefunden und man eingechekt wird). Auch das Essen hat nicht die Güte, die wir sonst aus Namibia gewohnt sind.

Bei den Unterkünften gibt es Häuser, die mir nicht so gut gefallen haben und Zelte, die aber weit vom Hauptgebäude entfernt sind. Wir hatten Glück und bekamen ein Zelt.

Sehr schön ist die Terasse der Bar, mit herrlichem Sonnenuntergang.



Bei der vorherigen Tour hatten wir auf der Grootberg-Lodge übernachtet. Diese Unterkunft gefiel mir um Längen besser, auch wenn sie einen kleinen Umweg bei der Tour bedeutete.
Teil 1103. Dez. 2009
10. Tag: Palmwag - Zebra Canyon

Das es auch heute wieder früh losging war klar. Die Tage im Mai sind kurz, die Etappen aber genauso lang wie im Oktober. Da gilt es, jede Stunde Tageslicht zu nutzen.

Der Tag begann zunächst locker mit 70km guter Gravel Pad. Erst auf der C43 nach Süden und dann auf der C39 Richtung Meer. Der Abzweig von der C39 ist sehr schlecht zu sehen und so trafen wir uns noch einmal alle, damit niemand vorbeifährt.

Jetzt wurde es anstrengend. Die folgenden 70km bis zum Huab besteht der Weg fast durchgehend aus mindestens faustgroßen kantigen Felsbrocken. Das fordert Kondition und rüttelt einen ordentlich durch.

In Namibia gibt es nicht nur die bekannte Mondlandschaft in der Nähe von Swakopmund; es gibt auch eine Marslandschaft. Wuchs zu Beginn der Strecke noch reichlich Gras, erstreckt sich nach erreichen des ersten Passes eine rote Felswüste vor uns.



Nächster geplanter Treffpunkt der Gruppe war ein Aussichtspunkt, von dem aus man einen ersten Blick auf das grüne Band des Huab hat. Einen Kilometer vorher fordert die rauhe Strecke ihren Tribut - ich habe einen Platten am Vorderrad. Das Ziel vor Augen ignoriere ich ihn und fahre vorsichtig, um die Felge nicht zu beschädigen, bis zum Treffpunkt weiter. Als Ralf ankommt, dauert es keine 10 Minuten, bis der Reifen geflickt ist.

Kurze Zeit später sind wir am Huab. Welch ein Kontrast. Der Fluss führt noch Wasser und alles ist saftig grün. Die Furt ist nicht allzu tief und lässt sich leicht durchqueren.



Weiter geht es nach Gai-As. Hier stehen in der Nähe einer permanenten Quelle einige aus grobem Stein aufgeschichtete Hütten. Zur Entstehungsgeschichte dieser Hütten habe ich schon mehrere Versionen gehört. Die einen sagen, sie wären von Schiffbrüchigen errichtet worden, die sich von der Skelettküste bis hierher retten konnten. Die anderen Sagen, dass es sich um eine alte, verlassene Buschmann-Siedlung handelt. Weiss hier jemand was genaues?



An der Wasserstelle selbst sehen wir zwar unzähliche Tierspuren, von deren Verursachern ist aber leider nichts zu sehen.

Jetzt gilt es die Einfahrt in den Zebra-Canyon zu finden, in Zeiten von GPS aber kein allzu großes Problem mehr. Nur mit Roadbook und Karte/Kompass war das vor 3 Jahren noch erheblich schwieriger.

Der Zebra Canyon ist vor allem für seine gefalteten Felswände bekannt. Hier kann man die Kräfte erahnen, die diese Landschaft formten.



Seinen Namen erhielt der Canyon da die Gesteinsschichten nicht nur schön gefaltet sind, sondern auch ein sehr auffälliges schwarzweiss Muster aufweisen.



Unser Camp hatte Andi diesmal unter einer dieser Felswände aufgebaut.



Die Sonne verschwand dann in dem engen Canyon leider recht schnell, aber das Lagerfeuer brannte schon, so dass wir uns dort wärmen konnten. Das im Potje darüber geschmorte Oryx-Filet, stellte dann alle bisherigen Leckereien von Andi noch einmal in den Schatten.

Ob Vegetarier wissen, was sie im Leben schönes verpassen? 😊
Teil 1208. Jan. 2010
11.Tag: Zebra Canyon - KoboKobo Mountain Camp

Eigentlich wollten wir heute den Zebra Canyon weiter bis zum Ugab fahren, diesem dann einige Kilometer Richtung Westen folgen, um dann über einen kleinen Track die D2303 zu erreichen. Da der Ugab nach den ausgiebiegen Regenfällen der vergangenen Wochen in diesem Bereich noch nicht wieder befahrbar war, mussten wir umdisponieren.

Mich störte das nicht, kannte ich die geplante Strecke doch schon von unserer letzten Tour und hatte somit jetzt die Gelegenheit, eine neue Strecke kennenzulernen.

Wir fuhren also durch den Zebra Canyon zurück auf die Hochfläche und vorbei an bizarren Sandsteinformationen Richtung Osten, wo wir in einen anderen Canyon abbogen, der ebenfalls zum Ugab führt. Dieser ist deutlich enger und steiniger als der Zebra Canyon.



Direkt am "Save the Rhino Camp" in Brandberg West erreichten wir den Ugab, den wir hier problemlos durchqueren konnten. Ab hier ist nur noch einfache Pad zu befahren, weshalb auch Wolfgang sein Motorrad abladen lies. Endlich wieder Gelegenheit für Ihn, trotz verstauchten Knöchel Motorrad zu fahren.

Je Näher wir dem Atlantik kamen umso kälter wurde es. Als der Seenebel in Sicht kam, wurde es Zeit, sich umzuziehen. Aufgrund meiner Erfahrung von der letzten Tour hatte ich alle meine warmen und winddichten Klamotten im Rucksack, die jetzt zum Einsatz kamen. Danach sah ich aus wie ein Michelin-Männchen.

Die Strecke entlang der Küste ist eigentlich nix für Motorradfahrer. Schnurgerade, eben, langweilige Umgebung, kalt und feucht. Harald und ich wollten die Strecke so schnell wie möglich hinter uns bringen, machten uns klein und im Tiefflug ging es mit 160 km/h Richtung Swakopmund.

Was war denn das? Hatte ich da gerade aus dem Augenwinkel ein Schiff am Strand gesehen. Kurz angehalten und umgeschaut. Tatsächlich, da lag ein großer gestrandeter Fischtrawler unweit des Ufers. Den mussten wir uns aus der Nähe ansehen, was aber gar nicht so einfach war. Der tiefe, extrem verspurte und vor allem sehr schwere Sand lies sich schwieriger fahren, als alles was wir in der Wüste hatten.



Bald erreichten wir Swakopmund, wo sich die ganze Gruppe zum Aufwärmen im Brauhaus traf. Nur meine selbst auferlegte Null-Promille-Grenze beim Motorradfahren, konnte mich von einem leckeren Weissbier abhalten.

Von Swakopmund aus ging es wieder ins Landesinnere. Mit jedem Kilometer, den wir uns von der Küste entfernten wurde es wieder wärmer und schon bald war erneuter Klamottenwechsel angesagt. Ansonsten ist auch diese Stracke bekanntermaßen sehr öde und so ging es mal wieder mit Vollgas dahin.



Nachdem wir die Berge erreicht hatten, war es nicht mehr weit. Die letzten 15km Farm-Track boten noch einmal Fahrspaß und dann erreichten wir am frühen Nachmittag das KoboKobo Mountain Camp.

KoboKobo Mountain Camp:

Ein weitgehend unbekanntes Kleinod unter den Lodges in Namibia. Östlich der D1985 in den Bergen gelegen.

Die zentralen Bereiche mit Pool, Bar, und den älteren Unterkünften befindet sich schön in einen Hügel integriert. Hier gibt es auch einen Beobachtungsstand auf das nahe Wasserloch und auch die Malzeiten werden hier an einer Tafel im Freien eingenommen.



Darüber hinaus gibt es noch modernere Chalets im Adobe-Style, die auf dem weitläufigen Gelände verteilt sind.



Alles ist einfach aber sehr sauber und und mit viel Liebe gemacht. Strom gibt es aus solargespeisten Batterien.

Das besondere an KoboKobo aber ist die zauberhafte Gastgeberin Kirsten, die zusammen mit nur zwei Angestellte den ganzen Laden schmeißt. Sie liest den Gästen jeden Wunsch von den Augen ab und kocht ganz ausgezeichnet. Da sie es zum Grundsatz von KoboKobo gemacht hat, immer nur eine Gruppe gleichzeitig zu bewirten (egal ob 2 oder 15 Personen), ist das Ganze sehr familiär.

Wir haben uns hier wieder extrem wohl gefühlt.
Teil 1315. Jan. 2010
12. + 13. Tag: KoboKobo - Windhoek - Rückflug

Da es von KoboKobo nur 3h Fahrzeit bis Windhoek sind hatten wir es nicht eilig. Wir wollten diese schöne Unterkunft so lange wie möglich genießen und erst mittags die Heimreise antreten.

Geweckt wurde ich heute mal nicht durch den Handywecker oder Ralfs Hupe, sondern vom Gekreisch einer Paviangruppe, die in den steilen Felswänden oberhalb unserer Hütte umherturnte.



Als leidenschaftlicher Kletterer schaute ich ihnen sehnsüchtig zu. In den Felswänden rings um KoboKobo wäre sicherlich Potential für schöne Routen.

Nach einem sehr umfangreichen und gemütlichen Frühstück kraxelte ich noch auf einen in der Nähe liegenden Berg, um mir das Ganze mal aus höherer Warte zu anzuschauen. Hier erschließt sich die schöne Lage der Lodge auf dem Felsen am besten. Fast wie eine kleine Festung, nur eben sehr friedlich.



So schön es auch war, irdendwann hieß es unvermeintlich Abschied zu nehmen. Über den Bosua Pass fuhren wir auf der C28 nach Windhoek. Wieder war es eine tolle Achterbahnfahrt mit ständigem auf und ab sowie unzähliche Kurven durch die schöne Landschaft des Khomas Hochlandes. So schön wie hier kann man nur selten durch die Kurven driften und dass für über 100km. 🤩

Auf der Windhoek Mountain Lodge erwartete uns dann schon eine Stärkung in Form leckerer Salate, damit wir nicht die Zeit bis zum Dinner mit knurrenden Mägen verbringen mußten. Abends gab es dann Buschmann-Fondue, eine Spezialität der Windhoek Mountain Lodge.

Am nächsten Tag machten wir noch einen Ausflung nach Windhoek, wo wir kreuz und quer durch die Innenstadt liefen. Völlig stressfrei. Niemand wollte was von uns.



Den Rest des Tages verbrachten wir auf der Lodge mit Lesen und den dort lebenden Hunden und Katzen.



Ralf fuhr uns dann rechtzeitig zum Flughafen, so dass wir trotz 2h Schlangestehen am Counter noch Zeit für ein Abschiedsbier mit der ganzen Gruppe hatten. Start und Landung waren pünktlich; auch das gibt's bei Air Namibia.

Fazit:

Wieder mal eine sehr schöne Tour durch einsame beeindruckende Landschaften mit sehr schönen Unterkünften, seinem es die Lodges oder die Outdoorcamps.

Beim Vergleich meiner beiden Touren, schneidet aber die Oktober-Tour vor drei Jahren noch einen Tick besser ab. Im Oktober sind die Tage länger und Landschaft wüstenhafter/beeindruckender. Das machen die angenehmeren Temperaturen jetzt im Mai nicht wett.

P.S.: Mit Reiseberichten ist jetzt erst einmal Sendepause, bis ich von unserer Tour im Mai 2010 berichten kann. Jetzt werde ich erst einmal das geballte Wissen des Forums für meine Tourplanung anzapfen.
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