Frühstück mit Giraffen Mai 25 - Revidierte Version

Reisebericht 28 Antworten · 1’591 Aufrufe · gestartet 12. Aug. 2026 von Nacho
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202312. Aug. 2026 ·

Liebe Leserschaft, 

mein alter Reisebericht hat den Umzug ins neue Forum leider nicht unbeschadet überstanden – viele Bilder sind verdreht oder beschädigt. Manche waren es aus auch schon vor dem Umzug. Da der Bericht gerne gelesen wurde, möchte ich ihn nun neu und sauber überarbeiten, damit er wieder Freude macht. Wer den alten Bericht bereits kennt darf die neue Version gerne überspringen. Aber wer Unterhaltung und Inspiration sucht, sei herzlich eingeladen durchzublättern. 



Kleine Vorspeise gefällig?









Unsere Reiseroute von 1. Mai bis 1. Juni 25
1 N Voigtland Guesthouse
2 N Bagatelle Kalahari Game Lodge – Farmhouse
1 N Alte Kalköfen Lodge
2 N Fish River Lodge
2 N Klein Aus Vista Chalets
2 N Koimasis
2 N Dead Valley Lodge
2 N Ababis Guest Farm
1 N Strandhotel - Swakopmund
2 N Spitzkoppen Lodge
2 N Twyfelsfontein Adventure Camp
2 N Rhino Desert Camp
2 N Lodge Damaraland
2 N Epacha Game Lodge
3 N Onguma Bush Camp
1 N Kambaku Safari Lodge
1 N Voigtland Guesthouse


Vorhang auf für Namibia

Am zweiten Mai landen wir einigermaßen pünktlich gegen 8.20 Uhr in Windhoek. Wir sind 31 Tage im Land und mussten daher das E‑Visa beantragen. Auf das Prozedere bei der Einreise haben wir uns eingestellt. Aber weil wir unter den ersten zwanzig Passagieren sind, die aussteigen, und weil die Koffer zackig übers Band rollen, brauchen wir keine halbe Stunde, bis wir draußen sind. SIM‑Karte bekommen wir am Flughafen leider keine, und der ATM ist auch außer Betrieb. Ein Mitarbeiter von Zaris wartet bereits auf uns und bringt uns zur Fahrzeugflotte. Wir bekommen einen Hilux in supergutem Zustand und – wie wir später erfahren – mit den besten Reifen, die es auf dem Markt gibt.


Freitag 2. Mai 

Ankunft im Voigtland Guesthouse – Warmes Herz, kalte Ohren


Nach der obligatorischen Einweisung bei Zaris machen wir uns vom Acker.
Wir fädeln uns in die linke Fahrspur ein und suchen einen Supermarkt für Getränke und ein paar Snacks. Dann sehen wir zu, dass wir aus der Stadt rauskommen.
Für knapp 35km (über die B6 und die C23) nehmen wir Asphalt und Schotter unter die Räder und fahren zum Voigtland Guesthouse.

Bald passieren wir das einladende Eingangstor der Farm.



Wir werden sehr herzlich begrüßt, checken ein und bekommen eine kleine Führung, bevor wir unser Zimmer beziehen.
Anschließend ist ein schöner Platz in der Sonne für uns gerichtet und es wird uns ein kleines Lunch gereicht. Der Wind bläst leider kräftig und kühl.



Bis zum High Tea haben wir noch ein wenig Zeit zum Entspannen. Ich mache schon mal einen kleinen Spaziergang über das Farmgelände rund ums Haus und entdecke dabei mehrere sehr charmante Terrassen und Sitzgelegenheiten. Hier wurde ganz viel Liebe ins Detail gesteckt. Da haben wir ein wahres Kleinod gefunden.




Der Blick übers Land wird eingerahmt von den Auas-Bergen. Durch den üppigen Regen dieses Jahr grünt und blüht es überall. Unser Herz macht einen Salto. Wir brauchen noch eine Weile, um zu realisieren, dass wir wirklich wieder in Namibia sind. Aber wie schon bei unserem ersten Besuch in diesem fantastischen Land können wir sofort abschalten und uns entspannen.



Das Farmhaus hat genau den Charme, den ich in Afrika suche und liebe. Es versprüht die Erinnerung an längst vergangene Zeiten, ohne altbacken zu wirken. Vielmehr wie die liebevolle Umarmung einer Oma, bei der man sich sofort zuhause fühlt.



Auf zum Rendezvous mit Gustav und Marie

Das Highlight sind hier natürlich die Giraffen. Um 15 Uhr sind wir zum High Tea und zu unserem ersten Date mit Gustav und Marie geladen. Auf der erhöhten Terrasse stehen vor der Brüstung Tische, die wirken wie ein Filmset aus Jenseits von Afrika. Dahinter  Natur pur - weites unverbautes Land bis zu den Bergen.





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zuletzt bearbeitet gestern 19:21
7’332 Beiträge · seit 200612. Aug. 2026 ·
Manchmal wäre es eine gute Idee etwas zu warten. Ich habe einen Moment gebraucht um auch die alten Bilder zu sehen und einen Plan zu machen wie du die Bilder löschen kannst. Das geht mittlerweile.
Wenn du stattdessen lieber einen neuen Bericht beginnst ist das für mich ok. Dann habe ich aber einen Tipp für dich. Wenn du gleichzeitig mehrere Bilder einfügst, dann kannst du gleich eine Galerie anlegen. Das ist besser als alle Bilder einzeln. Versuch das bitte mal. AM einfachsten geht es per Drag & Drop.
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zuletzt bearbeitet 12. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202312. Aug. 2026 ·
Entschuldigung Chigu,

ich war tatsächlich voreilig, weil ich davon ausging, dass mein Anliegen unter den neuen Fragen untergeht. Und vielleicht auch ein bisschen weil ich ausprobieren wollte ob ich es hinbekomme einen Bericht zu erstellen. Aber damit habe ich dir unnötig Arbeit verursacht und das tut mir aufrichtig leid.

Das mit der Galerie werde ich versuchen.


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7’332 Beiträge · seit 200612. Aug. 2026 ·
Ich bin gespannt was du zu den Galerien sagst. Ich finde das echt toll und denke dass es dem einen oder anderen Bericht gut tut.
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Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202313. Aug. 2026 ·


Erster Sundowner und ein Drama in Abwesenheit 

Bei der Buchung unserer Aktivitäten, hab ich es für die ersten Tage leider ein bisschen übertrieben.
Um 16.00 Uhr geht es schon weiter mit einem Nature Drive. 
Aber jetzt gerade fühlen wir uns ziemlich kaputt und hätten eine Verschnaufpause gut vertragen können. Außerdem ist es arschkalt und die Vorstellung im offenen Jeep durch den eisigen Wind zu fahren, macht mich erst mal gar nicht an.

Doch nun ist der Drive schon gebucht. Meine innere Stimme drängt mich dazu, den Mantel anzuziehen und Stirnband, Schal und Handschuhe mitzunehmen. Ich kann Uwe nur schwer davon überzeugen, sich für lange Hosen zu entscheiden und eine Jacke einzupacken. Mit uns steigt ein weiteres Paar in den Jeep. Sie kommen mit kurzen Hosen und Shirt und ich fühle mich reichlich affig mit meinem Eisbärkostüm. Echt peinlich! 

Als wir vom Hof fahren, sehe ich die Chefin wie sie vor einem am Boden liegenden Pferd kniet und es liebevoll streichelt. Das sieht nach Drama aus. Noch während wir unterwegs sind stirbt das Pferd an der Pferdepest wie wir später erfahren. Die Krankheit wird durch eine Mücke übertragen und führt in den meisten Fällen innerhalb von Tagen oder Stunden zum Tod.

Geschichtliche Ergänzung von Logi - Zitat: 

Die Krankheit war übrigens bereits zu Kaisers Zeiten bekannt. Deswegen verbietet die Kaiserliche Reichsverordnung bis heute die Einfuhr von Pferden aus Afrika. Die Schutztruppen konnten die Pferde nach Namibia einführen, durften sie aber nach dem Rückzug nicht wieder mit nach Deutschland nehmen. Man ritt bis zur Bahnlinie, sattelte ab, nahm das Sattelzeug mit (Sättel waren kostbar), ließ die Pferde frei und überließ sie ihrem Schicksal.

Das Farmland besteht aus Gras und Busch. Hier und da bieten kleine Hügel ein bisschen Abwechslung. Es ist halt eine Farm und kein Game Reserve, obwohl es hier durchaus auch Oryx, Zebra und Co gibt. Sie zeigen sich heute nur nicht. Wir sehen lediglich einige Rindersteaks die sich zwischen den Büschen bewegen. Unser Ziel ist ein Sundowner Hügel mit einer sehr schönen Aussicht.

Der Jeep rumpelt durch die Gegend. Unsere erste Namibia-Massage gibt es heute also ganz für umsonst.
Fotos zu machen ist während der Fahrt unmöglich, wenn ich mein Handy nicht anschließend im Gehölz suchen möchte. Das Landschaftsbild ist schon schön mit dem filigranen Silbergras in der Nachmittagssonne.

Wir ruckeln einen Berg hoch. Oben angekommen gibt es den Sundowner in stilvollen Gläsern und mit einem 360° Rundumblick. Dieser Platz ist schon ein Träumchen und ohne Fahrtwind lässt sich die kalte Luft gut aushalten. Die eine oder andere Böe weht trotzdem ums Eck und versetzt uns einen Satz kalte Ohren.


Nachdem sich die Sonne verabschiedet hat, heißt es wieder alle Mann an Bord. Wir schaukeln wieder runter vom Berg und zurück in die Lodge.

 


Vor dem Dinner gehen wir noch schnell ins Zimmer und drehen die Heizung auf – wir sind ziemlich durchgefroren. Danach begeben wir uns in den Wintergarten. Dort steht ein Gas-Heizstrahler, der uns wohlige Wärme spendet, sodass wir sogar ohne Jacken essen können.

Die Tische sind edel eingedeckt.

Die Hausherren servieren uns die Getränke und halten Smalltalk mit uns. Ich frage nach dem kranken Pferd und erfahre, dass es inzwischen verstorben ist. Das geht mir ans Herz.

Ungeachtet dessen schmeckt das Essen ausgezeichnet. Es gibt Eland-Steaks mit frischem Gartengemüse, perfekt auf den Punkt gegart. Bis der letzte Gang unseren Gaumen erfreut hat, überrollt uns die Müdigkeit. Von Tür zu Tür waren es doch gute 24 Stunden Anreise. Kaum berühren unsere Körper die Matratze, schlafen wir auch schon ein.

Gute Nacht Namibia.

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zuletzt bearbeitet 15. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202313. Aug. 2026 ·


Samstag 3. Mai

Frühstück mit Giraffen

Wir wachen um halb acht ausgeruht auf und stellen mit Freude fest, dass heute die Sonne scheint und der Himmel wolkenlos ist. Es pfeift auch kein Wind, so dass wir es zum Frühstück auf der Terrasse angenehm warm haben.


Doch bevor wir die erste dampfende Tasse Kaffee in uns hineinschütten, begrüßen wir Gustav und Marie, die schon startklar an der Brüstung stehen und auf ihr Popcorn to go warten. Es macht Spaß die beiden zu füttern und es sieht witzig aus, wenn sie uns erwartungsvoll und geduldig ihre langen dunklen Zungen entgegenstrecken.



Anschließend sitzen wir auf der Frühstücksterrasse, mit dem Rücken zur Sonne und dem Blick auf die Auas-Berge und die beiden Giraffen. Das Speiseangebot lässt keine Wünsche offen, vieles ist hausgemacht – und das schmeckt man, wie ich finde.

Die beiden Hunde, Chocolat und Vanilla, schleichen um die Tische herum und hoffen darauf, dass jemandem gaaaanz aus Versehen ein Stück Wurst oder Käse herunterfällt. Da kann es schon passieren, dass du nach deinem Besteck greifen möchtest und stattdessen eine Hundeschnauze in der Hand hast. Die beiden haben genau die richtige Körpergröße, um unauffällig die Serviette zu ersetzen. Wenn du sie brav darum bittest, stellen sie dir vielleicht auch gleich ihren persönlichen Waschlappen zur Verfügung.😃

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zuletzt bearbeitet 15. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202315. Aug. 2026 ·

Wir sind die ersten heute, die vom Hof rollen. Unser Ziel ist die Bagatelle Kalahari Game Lodge.
Vor drei Jahren hatten wir ein Dune Chalet. Diesmal sollte es wegen des Flairs und weil es dort ein bisschen familiärer zugeht, das Farmhouse sein.

Vor uns liegen 320 km Schotter und Teer. Wir wählen den Weg über die C15, die C21 und die D1248, von dort ist es dann nicht mehr weit bis zur Lodge.
Die Strecke gefällt uns sehr gut. Es ist eine schöne Naturfahrt, auf der wir schon bald die rote Erde der Kalahari sehen. Giraffen, Gnus, Springböcke und Strauße beleben die Landschaften, die an uns vorüberziehen.

Plötzlich sagt Uwe: Da vorne liegt irgendetwas auf der Straße. Wir vermuten eine Tierleiche. Aber als wir näherkommen, liegt da ein Waran platt wie ein Pfannkuchen mitten auf der Pad. Er ist nicht tot, ihm steht nur der Sinn nach einem Sonnenbad. 

Diese Tagesetappe bietet uns alles was wir uns auf dem Weg von A nach B wünschen. Die Landschaft ist großartig und jedes Tier begeistert uns, auch wenn wir sie nur auf großer Distanz sehen. 
Ruck zuck, naja gefühlt ruck zuck (wir fahren schon ungefähr 4 Stunden im gemütlichen Tempo) liegen die 320km hinter uns und wir stehen vor dem Eingangstor zur Haupt Lodge.

Dort sollen wir laut Unterlagen einchecken und das haben wir auch in vielen Reiseberichten so gelesen. Von dort seien es dann noch sechs bis sieben Kilometer Sandpiste bis zur Unterkunft.
Aber der Gate Attendant sagt uns, wir sollen im Farmhouse einchecken. Wirklich?
Wir sind skeptisch. Na egal, fahren wir halt direkt zum Farmhouse und notfalls wieder zurück.
Die sieben Kilometer schmale rote Sandpiste mitten durch die Graslandschaft ist traumhaft schön und fährt sich mit dem Hillux einwandfrei.

Wir kommen am Farmhouse an und können tatsächlich hier einchecken. Die Begrüßung ist sehr herzlich. Uns wird ein sauleckeres Fruchtgetränk und Erfrischungstücher gereicht.
Das Ambiente gefällt mir sehr gut. Die offene Terrasse bietet einen Blick auf den kleinen Pool, ein Wasserloch und etwas weiter draußen auf eine Salzpfanne. 

Nach dem obligatorischen Smalltalk und den Formalitäten, werden wir zu unserem Zimmer gebracht. Ich hab auf dem Weg vom Parkplatz zur Lounge die Betonanbauten gar nicht wahrgenommen. Aber jetzt fällt mir auf, dass hier seit Corona Gewinnmaximierung betrieben wurde. Es wurden mehrere Beton-Reihenhäuschen ans Farmhaus angebaut. Ich bin entsetzt, als mir klar wird, dass wir eines dieser Zimmer bekommen. Die haben ja mit Farmhaus Flair so gar nichts gemein. Sie sind zweifelsohne durchgestylt, neuwertig, sauber und modern - aber für mich fehlt genau der afrikanische Farmhauscharakter, den ich mir hier gewünscht habe.  Privatsphäre gibt es auf der Terrasse auch keine, denn sie liegen genau am Durchgangsweg den jeder gehen muss. Ich bin echt hochgradig enttäuscht. Wie gesagt, alles sehr geschmackvoll inszeniert ja, aber weit weg von dem was ich erwartet habe.

Das ersehnte Afrika‑Feeling will bei uns einfach nicht aufkommen. Unser Freisitz bietet einen wunderbaren Blick – leider auf die Parkplätze. Der Pool ist nicht sonderlich groß; für die früheren Farmhausgäste vermutlich völlig ausreichend, um sich abzukühlen. Doch mit den neuen Anbauten teilen sich deutlich mehr Gäste Terrasse und Pool, und das bringt einen entsprechend höheren Geräuschpegel mit sich.

Wir haben noch Zeit bis zum Sundowner und bedienen uns an der Kaffeetheke. Eine französische Reisegruppe vergnügt sich unangenehm laut am Pool. Wir hoffen sehr, dass sie nicht bis spät in die Nacht feiern – zum Glück wird das nicht passieren.

Trotz des Lärms setzen wir uns auf die Gemeinschaftsterrasse, denn der Blick auf den Parkplatz ist jetzt auch nicht so prickelnd. Da ist sogar die Senioren‑Pool‑Party die angenehmere Alternative.

Um 16 Uhr sollen wir zum Drive abgeholt werden. Fünfzehn Minuten später ist noch kein Safari‑Fahrzeug in Sicht. Wir fragen nach, ob wir vergessen wurden. Es wird telefoniert, und man versichert uns, der Jeep sei unterwegs. Die Zeit vergeht. Um 16:30 Uhr warten wir immer noch. Langsam werden wir sauer – die Sonne wartet schließlich nicht auf uns. Wieder wird telefoniert, wieder heißt es, der Fahrer sei unterwegs.

Um 16:45 Uhr rollt der Jeep endlich auf den Parkplatz. Sieben Gäste sitzen bereits im Fahrzeug, alle Außenplätze sind belegt. Der Fahrer bittet die Gruppe, zusammenzurücken – auf dem Ohr hören sie aber nichts. Wir müssen uns hintereinander in die Mitte quetschen. Es ist eine italienische Reisegruppe mit eigenem Reiseleiter, der immer wieder etwas auf Italienisch erklärt. Für uns gibt es keine Informationen. Wir sind überzeugt, dass die Gruppe schon im Reservat unterwegs war und uns nachträglich eingesammelt hat. Eine Entschuldigung gibt es nicht, statt dessen tut man so als habe alles seine Richtigkeit.

Während der Fahrt merken wir immerhin, dass wir auf den Mittelplätzen gar nicht so schlecht sitzen. Die Gruppe besteht aus kleinen, zarten Italienern, über die wir gut hinwegschauen können. Wir haben zu beiden Seiten freie Sicht – das können die Fahrgäste neben uns nicht behaupten. Denn wir sind nicht ganz so zart gebaut.

Es dauert nicht lange, bis wir unseren Ärger vergessen. Die Kalahari zeigt sich im schönsten Licht. Giraffen in der Ferne, spektakuläre Webervogelnester, rote Dünen, das wunderbare Licht...die Glücksgefühle überrollen uns.


Das heutige Sichtungsziel sind offenbar die Rhinos, die wir tatsächlich finden und aus nächster Nähe beobachten können- aufgrund der Verspätung fällt der Drive für uns  zwar rund 45 Minuten kürzer aus. Aber schön ist er trotzdem und was immer da auch schief gelaufen ist, man kann unserem Fahrer nicht nachsagen, dass er nicht alles gegeben hat um die Rhinos zu finden. Darüber hinaus hat er offensichtlich großen Spaß am Dünenreiten und auch das beherrscht er bewundernswert. 


Der Sundowner findet wie erwartet am berühmten Baum statt, der von weitem aussieht wie eine Skulptur mitten in der Landschaft. Ich freue mich, dass er noch nicht unter seinem eigenen Gewicht zusammengebrochen ist. Die Größe der Kolonie, die in seinem Geäst ihren Apartment- Komplex gebaut hat, ist beeindruckend.


Es stehen schon einige Jeeps da als wir ankommen. Der Getränketisch wird bereits von den anderen Gästen frequentiert und ist auch schon recht leergefegt, bis wir uns ebenfalls bedienen können. Unser Fahrer hat wahrscheinlich seine Tour wegen der Verspätung noch ein bisschen verlängert bevor er uns hierher gebracht hat. Gut so! 

Das sind uns eindeutig zu viele Leute, wodurch der Sundowner den Charme einer Kaffeefahrt hat. Das hat wenig mit einem romantischen Sonnenuntergang zu tun. Sooo schade. Wir stellen fest, dass die Bagatelle Lodge für unseren Geschmack viel zu kommerziell geworden ist. Der Charme, den wir vor drei Jahren hier gefunden haben, ist leider verloren gegangen. Wir fühlen uns, als wären wir mitten im Massentourismus gelandet.

Im Dunkeln fahren wir das letzte Stück zum Farmhaus zurück, wo bereits das Dinner am Pool auf uns wartet. Die Luft ist lauschig, Pool und Wasserloch sind beleuchtet. Wir genießen ein ausgezeichnetes Menü mit Buschsound unter einem schönen Sternenhimmel. Die Reisegruppe erscheint erst, als wir schon beim Dessert sind. Wir ziehen uns danach auch gleich zurück und lassen den Abend ruhig in unserem Zimmer ausklingen.






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zuletzt bearbeitet 16. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202316. Aug. 2026 ·


Sonntag 4. Mai

Elf Grad und es wird noch kälter...

Wir haben einen Morning Drive gebucht. Ich mag es, in den Tag hinein zu fahren und nicht durch das „Licht aus“ nach Sonnenuntergang zeitlich begrenzt zu sein. Wir warten am Parkplatz auf die Abholung. Es ist noch stockfinstere Nacht und hat lauschige elf Grad. Wenn uns der Fahrtwind um die Ohren weht, wird uns wieder das Lächeln im Gesicht einfrieren. Ich trage also auch heute meine sibirische Winterausrüstung.

Der Fahrer hat 15 Minuten Verspätung, aber beim Morning Drive kann die Zeit ja problemlos angehängt werden. Also halb so schlimm. Mit uns steigt ein weiteres Ehepaar in den Jeep.

Unsere erste Etappe führt uns zur Haupt-Lodge, um weitere Gäste abzuholen, auf dass das Fahrzeug voll werde. Unser Fahrer bekommt erst mal einen Anschiss, der sich gewaschen hat. Ich verstehe nicht, warum, aber ich ahne, dass es darum geht, dass er zuerst uns abgeholt hat. Er tut mir leid, ich würde ihn gern in Schutz nehmen, und ich finde es unpassend, jemanden vor den Gästen so rund zu machen. Aber ich weiß natürlich nicht, worum es tatsächlich geht.

Dann geht es los. Mr. Frosty bläst uns seinen eisigen Atem entgegen, und ich habe das Gefühl, in meinem Gesicht bilden sich Eiskristalle. Erst geht es talwärts und fühlt sich direkt noch einmal drei Grad kälter an. Aber am Horizont sind inzwischen die ersten Lichtstreifen zu sehen. Unser Guide verspricht uns, dass es bis in dreißig Minuten schon zehn Grad mehr haben wird – und er soll recht behalten. Dennoch sind wir froh um die Decken, die wir bekommen haben. Unsere Finger sind eiskalt.



Die Sonne übernimmt zunehmend das Zepter über den Tag. Zebras und Gnus tun sich zusammen. Schlau, denn während Zebras mit guter Sehkraft punkten, haben Gnus eine bessere Wahrnehmung für Bewegungen.

Giraffen flanieren in artgerechter Gesellschaft durchs Grasland. Wenn es um die Energiezufuhr geht, ziehen sie allerdings getrennte Servierplatten vor und widmen sich jeweils ihrem eigenen Busch. Das Buffet ist reichlich angerichtet. Die Kameldorn-Bäume tragen gerade ihre Samen, und diese werden von den Langhälsen heiß begehrt.




Vor uns stehen in einiger Entfernung drei Straußenhähne auf der Pad. Während wir näher kommen, werden sie nervös und wissen nicht so recht, ob sie die Piste lieber nach links oder rechts verlassen sollen. Zwei entscheiden sich für rechts. Der dritte bleibt unschlüssig und trabt noch eine Weile vor unserem Fahrzeug her, bis er sich doch noch seinen Kollegen anschließt. Ihr Verhalten erinnert mich ein bisschen an die Helmperlhühner.

Auch heute hat unser Guide Spaß am Dünenfahren. Die Aussicht ist von der erhöhten Position echt klasse. Leider sitze ich wieder in der Mitte und habe selten freie Sicht für Fotos. Aber in der hinteren Reihe kann ich mich zum Fotografieren umdrehen.



Mit seinen Adleraugen entdeckt unser Guide drei Löffelhunde. Sie sind für Fotos zu weit weg. Es sieht aus, als spielten sie Verstecken mit uns. Erst zeigen sie uns nur ihre Ohren, dann für eine Sekunde ihr drolliges Waschbärgesicht, dann verschwinden sie wieder im hohen Gras. Dieses Spielchen wiederholen sie ein paar Mal, indem sie über das hohe Gras wegspringen wie kleine Springböcke. Schließlich suchen sie das Weite und tauchen ganz ab. Die sind so goldig und zählen zu unseren heutigen Highlights.

Etwas später sehen wir Oryxe und Springböcke.



Der Stolz der Guides sind die Nashörner und so ist es nicht verwunderlich, dass unser Fahrer vom Ehrgeiz getrieben ist, die Kolosse auch heute wieder zu finden. Das tut er auch und zwar in einer Salzpfanne. Hier wächst zwar nix! Aber die Tiere finden hier wertvolle Mineralien die sie brauchen.



Während der Dürre im letzten Jahr wurden die Nasis zugefüttert. Dadurch sind sie fast schon handzahm geworden. Unser Guide ruft Bruno und Grace zu sich und hält ihnen einen Büschel Gras entgegen. Sie kommen tatsächlich so nah, dass er sie anfassen kann. Dann entfernen sie sich wieder ein Stück, und wir werden aufgefordert, ruhig auszusteigen. Die machen nichts, sagt er.

Wir glauben ihm, und sowohl ich als auch ein anderer Gast wagen es, auszusteigen. Ob das vernünftig und verantwortungsbewusst ist, sei mal dahingestellt. Die Nasis sind jetzt geschätzte 20 Meter entfernt. Wobei ich nicht sonderlich gut bin im Einschätzen von Entfernungen.



Bruno und Grace sind übrigens Breitmaulnashörner, was natürlich in dem Grasland hier von Vorteil ist. Denn das breite Maul eignet sich hervorragend zum Rasenmähen. Schließlich müssen sie 50 kg am Tag schaffen, um ihren Energiebedarf zu decken. Spitzmäuler dagegen sind Blätterzupfer, wozu die Anatomie des spitzen Maules besser geeignet ist. Die sind daher mehr im Buschland anzutreffen. Darüber hinaus gibt es auch noch die Großmäuler, aber um diese zu treffen, müssen wir nicht bis nach Afrika reisen.


Der heutige Morning Drive hat uns so ziemlich alles gezeigt, was dieses Reservat zu bieten hat. Unser Guide ist aber auch mit Herz und Seele dabei.

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zuletzt bearbeitet 19. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202319. Aug. 2026 ·



Der Wind während der Rückfahrt zum Farmhaus sorgt erneut für kalte Ohren. Durchgefroren finden unsere Füße ohne Umweg und ganz von allein das gut aufgestellte Frühstücksbuffet. Die Tische stehen auf der Terrasse, allerdings im Schatten. Wir nehmen uns die Freiheit, sie ein Stück in die wärmende Sonne zu ziehen. Wie Erdmännchen lassen wir uns die Schwarte wärmen, bis wir wieder auf Betriebstemperatur sind. Danach widmen wir uns der am Morgen vernachlässigten Körperpflege und gönnen uns eine Runde Schönheitsschlaf.

Am Nachmittag schafft es das Thermometer bis auf 28 Grad. Da kann man wirklich nicht meckern. Ein angenehmes Lüftchen weht, doch das Poolwasser fühlt sich an, als würden Eiswürfel darin schwimmen. Da reinzuspringen ist nichts für Weicheier.

Die Gruppe ist abgereist. Es ist schön ruhig, und der Nachmittagskaffee mit hausgemachtem Kuchen mundet uns sehr.

Auch für heute haben wir einen Sundowner Drive gebucht. Ich hoffe, unsere gestrige Erfahrung wiederholt sich nicht. Auf einen Sundowner im vollbesetzten Wagen mit Kaffeefahrt‑Atmosphäre habe ich keine gesteigerte Lust. Vielleicht gibt es ja einen anderen Platz, an dem man den Tag verabschieden kann.

Die Fahrt an sich fängt echt gut an. Viele Giraffen stellen sich vor unserer Kamera in Pose. Anmutig und entspannt lassen sie sich fotografieren. Auch eine Herde mit grob gezählt 70 Oryx sehen wir. 



Die Lichtstimmung ist wirklich schön. Und wie soll es anders sein: Auch heute ist es das erklärte Ziel, die Rhinos zu finden. Dank Rhino‑Bodyguards und Funk werden wir schnell fündig. Diesmal vergnügen sie sich in einer üppigen Graslandschaft. Wir werden wieder aufgefordert, ruhig auszusteigen, was ich auch tue. Die Tiere sind relativ nah, und zu meiner Freude haben sie noch ihre Hörner. Bereits vor drei Jahren wurde uns erzählt, dass Grace trächtig sei. Aber ganz offensichtlich sind die beiden noch kinderlos. Auch heute versucht uns unser Guide weißzumachen, dass sie trächtig sei. Einer seiner Kollegen meinte jedoch, Bruno sei noch zu jung für die Fortpflanzung. Ein Breitmaulnashorn-Bulle ist erst mit 10 bis 12 Jahren geschlechtsreif. Tja, da hat unser Guide seine Erzählungen wohl ein bisschen aufgehübscht.

Die Nasis sind sehr entspannt und interessieren sich zunächst nicht für uns. Aber nach einer Weile wird Bruno neugierig und kommt zielstrebig und flott auf mich zu. Mir wird ein bisschen mulmig, und ich lege den Rückwärtsgang ein. Unser Guide erhebt die Stimme, und Bruno folgt aufs Wort und stoppt. Ich bringe mich lieber in Sicherheit und steige wieder in den Wagen. Die Nasis mögen zahm sein, und Bruno zeigt auch keine Aggression, nur Neugier. Aber so ein Tier ist allein aufgrund seiner Körpermasse und des Horns nicht ohne.

Es wird ja immer mal gefragt, wie man sich im Falle eines Angriffs verhalten soll. Klar: den Rückwärtsgang einlegen, wenn man im Fahrzeug sitzt. Aber zu Fuß? Jedes Tier in Afrika kann schneller rennen als du. Mein Mann pflegt darauf zu sagen: „Ich muss nicht schneller sein als das Nashorn, nur schneller als meine Frau.“

Wo er Recht hat, hat er Recht. Und hast du keine Frau, die langsamer ist als du, wirst du im schlimmsten Fall deinem Schöpfer begegnen. Aber in einem glücklichen Moment den Löffel abzugeben, ist ja auch nicht der schlechteste Abgang.



Der anschließende Sundowner ist leider tatsächlich eine Wiederholung von gestern. Aber wir hatten einen sehr schönen Drive und haben eine nette Unterhaltung mit einem der Paare die ebenfalls im Farmhaus logieren. 



Im Farmhaus wurden fürs Dinner drei Einzeltische in angenehmen Abstand eingedeckt. Wir sehen beim Essen auf den Pool und das dahinterliegende Wasserloch.
Jedes Paar unterhält sich rücksichtsvoll leise.
Es ist wunderbar ruhig. Die Grillen stimmen den abendlichen Buschsound an und wir genießen die lauschigen Sommertemperaturen und den Sternenhimmel, der uns entgegenfunkelt.

Noch während des Essens kommen erst eine kleine Gruppe Springböckchen ans Wasserloch, dann zwei Giraffen. Wir sind alle Mucks Mäuschen still und beobachten glückselig die Tiere. Das ist sooo schön!
Dieses stille Genießen ist genau das, was wir uns hier erhofft hatten.



Das Dinner selbst kann absolut mit gestern mithalten. Heute wird zum Hauptgang Springbock- Schaschlik serviert.
Da drängt sich der Gedanke auf, dass die Böckchen am Wasserloch vielleicht die Trauergemeinde von Mr. Schaschlik waren.

Ein wunderschöner Tag mit tollen Tierbegegnungen geht zu Ende und wir sagen: Gute Nacht Namibia.


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zuletzt bearbeitet 21. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202320. Aug. 2026 ·



Montag 5. Mai

Auf nach Alte Kalkofen Lodge 

Heute verlassen wir das Farmhaus. Es fällt mir nicht schwer, denn die Atmosphäre hat sich für uns spürbar verändert. Die vielen Fahrzeuge und der immer gleiche Sundowner-Platz mit drei bis vier vollbesetzten Autos fühlten sich für uns zu sehr nach Massenabfertigung an – das ist nicht das Namibia, das wir suchen. An der Sauberkeit, den modernen Zimmern (sofern man nicht den Afrika-Charm sucht), der Freundlichkeit der Mitarbeiter und dem guten Essen gibt es nichts auszusetzen. Aber für uns ist es kein Ort der Wiederkehr. Zum Glück gibt es in der Kalahari auch noch andere schöne Unterkünfte.

Wir nehmen Kurs auf die Alte Kalkofen Lodge. Unser Weg führt uns über die B1 nach Mariental, von dort nach Keetmanshoop und über die B4 noch drei Kilometerchen bis zur Lodge.



Ab Mariental sehen wir linker Hand das Naukluft Gebirge. Es wirkt wie eine riesige, nicht enden wollende Felsmauer.
Ansonsten ist die Strecke recht eintönig und langweilig.

Bis auf einigen kleinen Senken in denen ein paar Bäume wachsen und jetzt gerade auch dieses traumhaft schöne filigrane weiße Gras. Es wirkt wie ein Hochflorteppich und fasziniert mich jeden Tag aufs Neue wenn der Wind drüber bläst und die Oberfläche bewegt wie eine Meereswoge. Daran werde ich mich nie satt sehen. 

Etwa 90km nach Keetmannshoop kommen wir ans Ziel und das Erste, was ich von der Lodge sehe, ist ein großer Kalkofen.
Wie der Name schon vermuten lässt, wurden diese Öfen früher gebraucht, um Kalk zu brennen und damit die Baustoffindustrie zu beliefern.



Während der Fahrt merken wir, dass wir uns wärmeren Gefilden nähern. Als wir in der Lodge aussteigen, hat es 31 Grad. Hier kann ich meinen Eisbärpelz getrost im Auto liegen lassen. Aber ein kleiner Temperaturschock ist das schon von gefühlt 12 auf über 30 Grad.

Das Hauptgebäude mit Küche, Restaurant und Büro ist von einer tollen Veranda umrahmt und gibt dem Gemäuer einen wunderbaren Bauernhof-Charakter. Überall stechen uns alte Gegenstände ins Auge, die geschmackvoll und kreativ in Szene gesetzt wurden.



Nach dem Check in lassen wir uns von Frikkie unser Chalet zeigen.
Wir bekommen gleich das erste und haben somit einen sehr kurzen Weg ins Hauptgebäude.
Nach hinten hat es eine schöne, schattige und ruhig gelegene Terrasse mit einem unverbauten Ausblick in die Natur. Eine doppelte Glastür lässt uns dieses herrliche Fleckchen Erde sogar vom Bett aus sehen.



Nachdem wir uns eingerichtet und geduscht haben, laufen wir durch den unglaublich dekorativ gestalteten Gartenweg zum Restaurant. Hier steht ein cooler alter Wassertank mit Windrad. Dekoriert mit diversen historischen Gegenständen wurde er wunderbar in Szene gesetzt.



Auf unserem Weg zum Restaurant werden gleich die ersten zwanzig Fotos geschossen.
Wir setzen uns in den Schatten auf die Terrasse und trinken erst mal eine schöne Tasse Kaffee.
Während dessen lauschen wir dem Vogelgezwitscher und beobachten sie nebst allen möglichen kleinen Insekten.



Verstohlen werfe ich einen Blick ins Restaurant und da haut es mich fast um bei all den Zeitzeugen die hier eine neue Bestimmung gefunden haben. Es ist wie eine Zeitreise. Ich sehe förmlich die Menschen vor mir, die mit diesen Gegenständen einmal herumhantiert haben. Seien es die vielen Lebensmittel Dosen im Regal, Tassen, Kannen, Töpfe...und ....und ....und. Ich fühle mich gerade wie in einer anderen Welt.



Die plötzliche Hitze macht uns heute richtig träge. Auf einem Spaziergang gäbe es sicher noch andere Kalköfen zu entdecken oder auch schöne Ausblicke in die Natur. 

Aber allein hier auf dem Hof geht der Gaul mit mir durch bei all den Fotomotiven die mir hier geboten werden. Ich pirsche mehrmals übers Gelände und mach auf diese Weise wahrscheinlich auch ein paar Kilometer Strecke. Der Kalkofen direkt bei der Einfahrt ist ein echter Hingucker. Den werde ich bei Sonnenuntergang noch versuchen zu fotografieren.



Es fasziniert mich zu sehen, wie viel Wertschätzung all die Gegenstände aus vergangenen Zeiten erfahren, indem man sie bewahrt und in die Gegenwart integriert. Jedes Teil könnte eine Geschichte erzählen – hier sagt die Vergangenheit Hallo. Wir sehen förmlich die Menschen vor uns, die einmal hier gewohnt und gearbeitet haben. Ihr Leben war sicher entbehrungsreich und hart, vielleicht aber dafür weniger einsam und isoliert als das Leben von Vielen in unserer heutigen Zeit. 

Für uns ist die Kalkofen Lodge etwas Besonderes, geprägt durch die ganz persönlichen Handschrift von Hilde und Frikkie. Die beiden Herzensmenschen haben sich auch mit ihrer Lythop Sammlung einen Namen gemacht. Lythops werden gerne auch als „Lebende Steine“ bezeichnet - wer sie schon mal gesehen hat, versteht sofort,  wie sie zu diesem Namen kamen. Ihre Züchtung ist lizensiert. Die Sukkulenten dienen allerdings nur der Erhaltung ihrer Art und werden nicht verkauft. Wir haben sogar das Glück einige Exemplare in ihrer Blüte zu sehen. Sie sind wunderschön und machen es vorstellbar, wie es aussieht wenn die Wüste in der Blütezeit explodiert. 



Eine hauseigene Tankstelle gibt es übrigens auch. Die letzte Benzinlieferung ist allerdings schon ein paar Tage her. Der Fort Pickup, der unter dem Baum parkt, wartet schon länger auf seinen Tropfen Treibstoff. So langsam dürfte auch der nächste TÜV fällig sein.



Ach ja, schön ist es hier. Wir setzen uns aufs Rentnerbänkchen und genießen den Sonnenuntergang mit einem schönen kühlen Getränk. Die Vögelchen singen uns ihr Abendständchen und die Grillen stimmen mit ein.
Nur die Fliegen sind furchtbar lästig. Sie schwirren uns so nah vor dem Gesicht herum, dass wir aufpassen müssen, keine zu verschlucken. Nicht einmal vor unseren Nasen haben sie Respekt.



Während wir die Abenddämmerung genießen, gesellt sich ein Pärchen zu uns, weil es hört, dass wir uns auf deutsch unterhalten. Sie stellen sich als Gäste einer Reisegruppe vor. Na klasse, schon wieder! Unsere gute Laune verabschiedet sich nach der Erfahrung mit der Reisegruppe im Farmhaus.

Außer ihnen und uns ist heute nur noch ein junges Pärchen zu Gast.
Für die Gruppe ist zum Dinner ein langer Tisch gedeckt, wir anderen haben Einzeltische. Beim Essen stellen wir allerdings fest, dass sie überhaupt nicht unangenehm sind. Gott sei Dank geht es auch anders.

Die Vorspeise wird am Tisch serviert. Es gibt zunächst einen Broccoli Salat. Ich habe vorher noch nie einen gegessen und bin schwer begeistert.
Als zweiter Gang wird uns eine Spinat-Quiche mit Chutney gereicht. Die Gaumenfreude ist groß!



Der Hauptgang wird als Buffet angeboten, und wir zwei Paare sollen uns zuerst bedienen – das finde ich sehr aufmerksam. Es gibt unter anderem panierte Oryx‑Schnitzel. Bisher kannte ich nur Oryx‑Steaks, aber das Fleisch ist butterzart und wird mit einem Joghurt‑Dip gereicht – eine Kombination, die ich so noch nie probiert habe. Ich bin wieder maßlos begeistert. Das schmeckt zum Finger ablecken. Hildes Kochkünste werden allseits gelobt; ihr Ruf als hervorragende Köchin eilt ihr voraus, und ich schließe mich diesem Tenor gerne an. Satt und zufrieden entfliehen wir den lästigen Mücken und verbringen den restlichen Abend in trauter Zweisamkeit in unserem Chalet. Die Betten sind ein bisschen schmal – wir rollen beide in der Nacht fast über die Kante. Aber alles andere ist hier ganz großes Kino. Na dann bis morgen.



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zuletzt bearbeitet 21. Aug. 2026
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Dienstag 6. Mai
Abenteuer - Fish River Canyon

Kurz vor Sonnenaufgang bin ich wach und halte es im Bett nicht mehr aus. Ich habe Kopfschmerzen und mir tut jeder Knochen weh. Ich ziehe mich an und gehe nach draußen.

Es ist herrlich ruhig, nur die ersten zaghaften Vogelstimmen sind zu hören. Die Luft ist zwar frisch, aber nicht kalt. Es dauert auch gar nicht mehr lange, bis die ersten Sonnenstrahlen über den Boden kriechen und die Farben wieder zum Leuchten bringen. Wie schön, einen neuen Tag so still und friedlich begrüßen zu können. Ich laufe herum und bin einfach nur dankbar dafür, dies hier erleben zu dürfen.

Während des Frühstücks kommt Hilde extra aus der Küche, um mir das Rezept der gestrigen Vorspeise zu geben und es mir zu erklären. Sie spricht Holländisch oder Afrikaans – oder beides. Aber ich denke, ich kann einigermaßen erahnen, was sie sagt. Gut gestärkt für den Tag checken wir aus und schwingen uns in unser Autochen.



Uns wurde empfohlen, die D462 und D463 zu fahren. Daran halten wir uns. Wir fahren im Stop‑and‑Go‑Modus, weil ich alle paar Minuten etwas fotografieren möchte. Uwe hat eine Engelsgeduld mit mir und gönnt mir jedes Fotoglück. Tatsächlich sind wir am Ende für die 80 km fast vier Stunden unterwegs. Doch heute ist der Weg an sich schon ein Geschenk und ein Genuss – zumindest fürs Auge, denn der Straßenzustand spendiert uns wieder eine kostenlose Ganzkörpermassage.



Unterwegs sehen wir ein Webervogelnest auf einem Strommasten. Uwe scherzt: „Die haben eine Luxusimmobilie mit elektrischem Licht.“ Ich dagegen entdecke einen Apartmentkomplex mit Hausapotheke in einem Köcherbaum: Köcherbaum = Aloe Vera = Medizin = Apotheke. 😀

Am schönsten finde ich die 19 km Zufahrt zur Lodge. Der Abschnitt hat schon etwas von einem Offroad-Abenteuer. Mein Mann kämpft sich voll konzentriert durchs Gelände. Ich würde am liebsten wieder alle zwei Minuten rufen: „Stopp, ich muss was fotografieren!“ Aber Uwes Gesicht sagt eindeutig: „Bitte nicht stören.“

Ich denke, ich bin lieber ruhig und unterbreche seine Fahrkünste nicht, sonst fährt er womöglich weiter, wenn ich ausgestiegen bin, und winkt mir im Rückspiegel zu – ganz nach dem Motto: „…und tschüss, wir sehen uns heute Abend wieder.“

Wegen mir hätten die 19 km deutlich länger ausfallen dürfen. Wir kommen auch tatsächlich gleichzeitig an. 😀

Der Blick in den Canyon raubt uns den Atem. Wir sahen ja schon einige Fotos, aber die Realität setzt noch eins oben drauf.



Die Lodge gefällt uns auch ausnehmend gut. Wir werden von einem ausgesprochen humorvollen Mitarbeiter begrüßt, bekommen einen Welcome Trink und ein feuchtes Tuch und trinken nach dem Check in einen Cappuccino auf der Terrasse.

Hier schauen wir über den Pool auf den Canyon. Ich finde keine Worte, die diesem Ausblick gerecht werden könnten.



Zehn Minuten später ist unser Zimmer fertig und unser Gepäck wird uns in Chalet Nr. 15 gebracht. Es ist groß, hat eine tolle Atmosphäre, ist stylisch und sauber. Aber der Knaller ist natürlich dieser wunderbare schattige Platz mit der Hammer-Aussicht.

Wir machen es uns gemütlich und genießen die Ruhe und den Ausblick. Es ist so schön still. Der Wind bläst mild um unser Häuschen und lässt uns die 28 Grad angenehm empfinden. Wir hören nur das Brummen der Käfer oder das Klackern von Heuschrecken, wenn sie ihre Landeklappen öffnen. Ab und zu flattert uns auch ein Vögelchen durchs Panorama. Sag mir, Herz: Was willst du mehr?



Kurz vor 17.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Rezeption, weil wir zum Sundowner Drive abgeholt werden. Außer uns steigt noch ein zweites Paar mit in den Jeep.

Unser Guide stellt sich vor, und wir schließen ihn sofort ins Herz. Er ist ein sehr sympathischer Mensch mit Charisma. Gleich in seiner Begrüßungsrede erklärt er uns, dass er erst zum dritten Mal die Tour fährt und dass er auch morgen früh den Canyon Drive mit uns macht. Ob er mit der Aussage auf Gnade hofft, falls die Fahrt nicht so laufen sollte wie geplant?

Ich hoffe inständig, ich habe mich verhört. Wir haben die morgige Tour gebucht – den berühmten „Hosenscheißer‑Drive“. Ein bisschen Abenteuerfeeling mag ich ja schon gern, aber wenn es um Leib und Leben geht, gehöre ich auch zur Windelfraktion. Ich muss zugeben, dass ich ganz selbstverständlich davon ausging, dass wir für den Canyon Drive einen erfahrenen Guide haben würden. Die Vorstellung, bei einer Jungfernfahrt mit im Wagen zu sitzen, verursacht mir gerade Nervenflattern.

Okay, der Fahrer macht jetzt keinen gesteigerten Eindruck von Suizidgefährdung. Ich halte mich an der Vorstellung fest, dass er vielleicht morgen Abend etwas Schönes vorhat und den Ausflug genauso überleben möchte wie wir. Vielleicht werden die Berichte ja auch einfach gerne ein bisschen dramatisiert und es ist alles halb so wild.

Also zurück in die Gegenwart: Jetzt gerade erleben wir eine schöne und ungefährliche Fahrt. Wir kommen zum ersten Aussichtspunkt. Was für ein Panorama – und das in der Abenddämmerung. Von mir aus könnten wir hierbleiben, schöner kann es ja fast nicht werden. Wir steigen aus, laufen ein bisschen herum, machen Fotos und nebenher lernen wir einander ein wenig kennen.



Rechtzeitig vor dem Sonnenuntergang steigen wir wieder in den Jeep und fahren zum zweiten View Point. Der ist beinahe noch schöner, wenn das überhaupt möglich ist. 

Unser Guide ist bei diesem Anblick nicht weniger euphorisch als wir.
Ich finde, er passt gut hier her. Er hat sein Herz am rechten Fleck und wird den Gästen unvergessliche Stunden schenken.



Zurück in der Lodge, sitzen die ersten Gäste bereits im Restaurant und wir schließen uns ihnen an.
Drei Gänge werden serviert. Während Uwe sich für ein fleischhaltiges Gericht entscheidet, fällt meine Wahl auf etwas vegetarisches.  Das romantische Ambiente und die ansprechend angerichteten Teller versprechen ein genussvolles Menü. Alles schmeckt bestens. Die Küche verdient ein dickes Lob.



Kaum ist das Dessert vom Teller verschwunden, überrollt uns auch die Müdigkeit. Wir schlendern gemütlich zu unserem Chalet, machen uns bettfertig und schnarchen schon bald um die Wette. Ich habe mir fest vorgenommen, in diesem Urlaub ein schönes Foto von der Milchstraße zu machen. Drei Mal wache ich auf und schleiche mich im Schlafi raus, aber das Dach über unserem Balkon verhindert eine schöne Perspektive.

Für eine bessere müsste ich allein im Dunkeln durchs Gehölz laufen – mit dem Risiko, eine Naherfahrung mit eventuellen nachtaktiven Schlangen zu machen oder einem Skorpion, der sich für meinen Knöchel interessieren könnte. Der Preis ist mir zu hoch. Ich starte ein paar bescheidene Versuche auf dem Balkon und gebe es nach dem dritten Aufstehen endgültig auf. Pfeif auf ein Foto, jetzt wird geschlafen.


Mittwoch 7. Mai

Der Terrorpass lässt grüßen



Um 6.00 Uhr klingelt der Wecker, halb sieben gibt es Frühstück, vorher geben wir noch ein paar Klamotten zum Waschen ab. Während des Frühstücks bietet uns der Morgenhimmel einen wahren Farbrausch an. Im Minutentakt verändert sich das Bild.

Es ist noch empfindlich frisch, als wir alle am Jeep eintreffen. Wir bekommen gefütterte Ponchos, und ich bin zutiefst dankbar dafür, obwohl ich warm angezogen bin.

Außer uns fahren sechs weitere Gäste mit, dazu der Guide, allerdings nicht der von gestern. (Er springt ein, weil sich der neue Guide die Tour noch nicht zutraut) Und dann wäre da noch der Koch zu erwähnen.

Jetzt aber: Wohin mit ihm? Er muss in unsere Reihe. Sollen wir ihm den Außenplatz überlassen oder ihn in unsere Mitte nehmen? Der Mittelplatz ist einfach ätzend, wenn man etwas sehen und fotografieren möchte. Der Koch fährt jeden Tag mit, kennt die Gegend also schon, und er ist kein zahlender Gast. Uwe beschließt: Er soll in die Mitte.

Wir sehen ihm zwar an, dass es ihm nicht passt, aber er legt seine Schüchternheit bald ab und entpuppt sich als Schlitzohr, mit dem man durchaus Spaß haben kann. Die meiste Zeit döst er aber vor sich hin. Mit seiner zarten Gestalt braucht er auch nicht mehr Platz als eine Stange Spargel. In der Mitte sitzend kann er uns auch nicht aus Versehen durch die Seitenstreben rutschen und verloren gehen 😄

So fährt der Wagen vollgeladen durch den Fish River Canyon.

Uns wird eine Full‑Body‑Canyon‑Massage versprochen, und der Guide gibt sein Bestes, um unsere Faszien zu lockern. Am Ende müssen wir kontrollieren, ob wir eventuell die eine oder andere Schraube locker haben.

Ich sehe wieder einige schöne Köcherbäume, die von Webervögeln besiedelt werden. Wohin sollen sie auch sonst – es gibt ja keine anderen Bäume. Ein bisschen Vogelkunde bekommen wir auch dazu. Wir hören, dass Kap Kobras nicht davon abgeneigt sind, Rührei vom Webervogel auf ihren Speiseplan zu setzen und dass sie dafür auch gerne mal einen Baum hochkriechen. Die kleinen Vögelchen wären diesen Nesträubern hilflos ausgeliefert, wären sie nicht so schlau, im Kollektiv Krawall zu schlagen und mit dem Lärm Greifvögel anzulocken, die wiederum gerne mal ein Schlängerl ins Menü aufnehmen und die ungebetenen Eindringlinge entfernen.



Weiter geht es zu einem Wasserloch, derer es hier einige gibt.
Eine Gruppe italienische Studenten, hat zu Forschungszwecken Wildtier- Kameras verteilt. Sie hatten neben den üblichen Verdächtigen wie Zebras, Oryx und Springbock auch Fotos von Leoparden, Geparden, Karakalen und braunen Hyänen.
Wer hätte gedacht, dass es in dieser Gegend so viele Arten gibt?

Immer wieder warten respekteinflößende Steil- und Schrägfahrten über sehr viel grobes Geröll auf uns. Es geht einige Male ein Raunen durch die Gruppe, weil es unvorstellbar erscheint, dass wir tatsächlich solche Neigungen fahren können. Wo es richtig steil ist kann ich gar nicht fotografieren, weil wir uns bei diesen Passagen mit Händen und Füßen festhalten und abstemmen müssen. Die rutschigen Bänke geben uns null Halt und mein Gurt bietet mehr Dekoration als Sicherheit.







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zuletzt bearbeitet 24. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202323. Aug. 2026 ·



Immer wieder werden mit brachialer Gewalt und lautem Knall Steine gegen den Unterboden geschleudert. Es ist erstaunlich, dass die Fahrzeuge diese gnadenlose Misshandlung überhaupt aushalten.

Wir haben eine Teilnehmerin an Bord, die offenbar nicht wusste, worauf sie sich bei dieser Tour eingelassen hat. Sie gehört zu einem Dreier‑Gespann, das gemeinsam reist. Jedenfalls stirbt sie während der Fahrt tausend Tode. Bei jeder Steigung – also praktisch die ganze Zeit – schließt sie die Augen oder schaut demonstrativ zur Seite, um nicht zu sehen, wie steil die Wege sind.

Die zweite Frau aus diesem Trio nervt dagegen unsagbar. Sie macht sich permanent zum Affen, weil sie unbedingt zeigen möchte, wie cool sie ist. Sie sitzt in der ersten Reihe und steht bei jeder Abfahrt auf, spreizt die Arme wie auf der Titanic und nimmt uns damit die Sicht. Ich muss mich wirklich zusammenreißen, um ihr nicht zu sagen, dass ihr Gehabe hier niemanden beeindruckt. Keiner bestätigt ihr, wie taff sie ist – und weil die ersehnte Aufmerksamkeit ausbleibt, übertreibt sie noch mehr. Ich muss allerdings auch schmunzeln, weil ihr wirklich niemand auch nur einen Funken Beachtung schenkt. Stattdessen sind wir alle damit beschäftigt, die ängstliche Frau mit Gesprächen abzulenken. Ihre Angst ist nämlich echt. Aber sie schlägt sich erstaunlich gut und übersteht den Tag, ohne die Unterwäsche wechseln zu müssen.

Aufgrund mancher Beschreibungen dieser Tour war ich eigentlich davon ausgegangen, dass ich diejenige sein würde, die unterwegs die Unterhosen wechseln muss. Aber tatsächlich fühle ich mich sehr sicher und genieße die Fahrt – abgesehen davon, dass es auf den glatten Sitzflächen schwierig ist, Halt zu finden. Mit der Zeit wird es anstrengend, sich ständig abstützen zu müssen.



Als wir den vom Guide selbst ernannten „Terrorpass“ erreichen, fragt er uns, ob wir lieber hinunterlaufen möchten. Wir sind schon eine ganze Weile unterwegs, und Beinfreiheit ist im Jeep leider ein Fremdwort. Unsere Seniorenknochen jammern, die Knie tun weh – insofern nehmen wir die Gelegenheit, uns die Beine zu vertreten, dankbar an.

Der Pass ist für den Fahrer eine echte Herausforderung, und vermutlich wird uns der Fußmarsch angeboten, um die Schubkraft um ein paar hundert Kilo zu reduzieren. Im Zeitlupentempo arbeitet sich der Jeep nach unten – allerdings nicht ohne Platten. Guide und Koch schrauben einen neuen Reifen an und lassen den alten einfach liegen. Der wird später von der Lodge abgeholt, und ein Ersatzreifen wird hinterlegt.

Dann dürfen wir wieder einsteigen. Fotostopps werden uns reichlich geboten, und wir dürfen dafür auch ein paar Mal aussteigen. Das sind magische Momente – schließlich befinden wir uns im zweitgrößten Canyon der Welt.

Da darf man schon mal ehrfürchtig staunen.



Irgendwann wollen die Getränke, die wir hatten, wieder ans Tageslicht. Wir staunen nicht schlecht, als plötzlich zwei Busch‑Klos wie aus dem Nichts auftauchen. Es sind kleine Holzhäuschen mit einem Jutevorhang. Im Inneren steht auf einer Palette eine WC‑Schüssel mit Plumpsloch. Klopapier gibt es auch – und nicht einmal die Sorte Schmirgelpapier, sondern ganz klar aus dem Regal „Kuschelweich“.

Der Guide schaut erst einmal hinein, um zu prüfen, ob sich vielleicht ein Schlängerl häuslich eingerichtet hat. Die Plumpsklos à la Deluxe sind sauber, und es stinkt kein bisschen. Echter Busch-Luxus.

Jetzt ist es nicht mehr allzu weit bis zum Ziel. Wir wollen hinunter zum Fluss und dort unser Lunch einnehmen.



Als der Jeep geparkt wird, stellen wir fest, dass es noch ein gutes Stück bis zum Wasser hinuntergeht. Wir müssen zwischen Felsen hindurch und über ein paar eingebaute Stufen absteigen. Das klappt allerdings deutlich besser, als wir im ersten Moment befürchtet hatten.

Unser Guide und der Koch hieven sich die großen, schweren Boxen mit Eis, Getränken und der Lunchbox auf die Schultern und klettern wie zwei flinke Wiesel denselben Weg hinunter, den wir anderen so vorsichtig Stufe für Stufe nehmen und dreimal so lang brauchen.

Ich möchte gar nicht wissen, wie schwer diese Kisten sind. Und es ist kein gutes Gefühl, mitanzusehen, wie Guide und Koch mit dieser Last auf den Schultern da hinuntersteigen. In meinem Kopf taucht ein Bild aus der Sklaverei auf – sicher auch, weil beide Mitarbeiter Schwarz sind. Das ist in diesem Moment ein echter Wermutstropfen, der meine Freude an diesem Erlebnis ein wenig dämpft.

Unten angekommen staunen wir nicht schlecht über das Felsenbecken, in dem man problemlos schwimmen kann. Ein paar ganz Taffe springen auch direkt hinein.

Der Blick nach links eröffnet uns die Sicht auf eine in die Felsen eingebaute Terrasse. Unglaublich, was hier geschaffen wurde. Damit habe ich nicht ansatzweise gerechnet – es verschlägt mir regelrecht die Sprache. Wir hatten gedacht, wir würden am Wasser auf den Felsen sitzen und ein Schnittchen zum Lunch bekommen. Ich habe vor lauter Canyon tatsächlich gar nicht darüber nachgedacht, wozu uns ein Koch begleitet.

In die Felsen integriert bietet uns dieses „Felsenrestaurant“ mit Tischen, Bänken und Stühlen – angenehm im Schatten – einen wunderbaren Blick auf den natürlichen Felsen‑Whirlpool.



Es werden uns eisgekühlte Getränke gereicht, und wir können entscheiden, ob wir schwimmen oder relaxen möchten. Wir entscheiden uns fürs Relaxen und kommen mit einem anderen sehr symphytischen Ehepaar ins Gespräch.

Der Duft der Grillaromen, der immer intensiver aus der Outdoor‑Küche herüberweht, ist vielversprechend. Zum Fleisch gibt es griechischen Salat – und es schmeckt genauso lecker, wie es riecht.

Nach einer guten Stunde kommt Aufbruchstimmung auf. Wir müssen wieder über die Felsen zum Jeep hochkraxeln und fahren den gleichen Weg zurück, auf dem wir gekommen sind.

Diesmal geht es deutlich zügiger voran – und das ist angesichts der fortgeschrittenen Zeit auch gut so. Es war ein sehr langer Tag für die Mitarbeiter, und sie waren pausenlos für uns da. Wie halten die das nur durch – und das auch noch gleichbleibend freundlich?


In der Ferne sind einige Zebras im Geröll unterwegs. Sie haben uns fest im Visier und bewegen sich kaum. Aber immerhin – ein gelungener Abschluss für einen ganz außergewöhnlichen Ausflug, den ich sehr empfehlen kann, sofern man nur ein durchschnittlicher Schisser ist.

Zurück in der Lodge fühlen wir uns glücklich und kaputt. Wir trinken einen Kaffee, gehen duschen und genießen bis zum frühen Abend unsere private Terrasse mit Blick auf den Canyon.

Vor dem Essen trinken wir noch etwas auf der Restaurantterrasse und checken unsere Mails.

Das Hauptgericht des Dinners kann heute leider nicht mit gestern mithalten. Aber die Kürbissuppe ist sehr lecker, und das Dessert eine wahre Gaumenfreude.

Müde schleppen wir uns nach dem Essen in unser Chalet zurück. Dort liegt der Beutel mit der Wäsche, die gewaschen wurde – nur ist da blöderweise nicht unsere drin! Wir bringen ihn zur Rezeption. Dort weiß aber niemand, wo unsere gelandet ist. Das kann erst morgen geklärt werden.

Blöd, denn wir möchten morgen zeitig aufbrechen und wissen nicht, wie lange diejenigen schlafen, die unsere Wäsche haben – und ob sie überhaupt in den Beutel geschaut und gemerkt haben, dass ihre Klamotten plötzlich eine andere Größe haben. Na, hoffen wir das Beste. Jetzt lässt sich eh nichts dran ändern.


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zuletzt bearbeitet 23. Aug. 2026
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Donnerstag 8. Mai

Neuer Tag – neues Glück 

Ausgeruht genießen wir unser letztes Frühstück mit Blick über den Canyon. Eine Dame kommt an unseren Tisch, einen verheißungsvollen Leinenbeutel in der Hand, und erklärt uns, dass es sich wohl um unser Eigentum handelt. Ich höre den Stein förmlich plumpsen, der mir von den Schultern fällt, und nehme den Beutel dankbar entgegen. Welche Freude, wieder Unterhosen zu haben, die nicht in der Po‑Ritze verschwinden – während unser Gegenüber vermutlich gleichermaßen über ihre Höschen froh ist, in denen sie nicht bis unter die Achseln verschwindet. Nach dem Motto: Passt, nur unter dem Arm klemmt es ein bisschen. 😄

Damit steht dem pünktlichen Check‑out nichts mehr im Weg, und wir machen uns auf die Socken zur nächsten Station – dem Eagles Nest in Klein Aus Vista. Für diese Strecke rechnen wir mit unserem Fahrtempo etwa vier Stunden. Trotz Straßensperre verspäten wir uns nicht wirklich.


Während die Landschaft unterwegs eher unspektakulär ist, sehe ich dennoch hier und da ein Blümchen am Wegrand wachsen.


Im Desert Horse checken wir ein, müssen aber noch ein halbes Stündlein auf unseren Schlüssel warten. Solange trinken wir einen Kaffee auf dem Balkon, während uns ein frischer Wind um die Ohren pfeift.

Schließlich wird uns der Schlüssel zum Glück samt einer Wegbeschreibung übergeben. Wir nehmen unser vorbestelltes Braai sowie das Frühstück für morgen entgegen und kaufen noch Grillkohle. Dann fahren wir die letzten acht Kilometer über eine wunderschöne Sandpiste zu unserem Chalet mit dem Namen „The Rock“.

Während die B4 recht unspektakulär war, ist die sandige Zufahrt ganz und gar unser Ding. Ich fühle mich wie im siebten Himmel bei diesem traumhaft schönen Fleckchen Erde.



Unser Wägelchen pflügt sich zuverlässig durch den Sand, noch eine Kurve – und dann erkenne ich es: unser Haus in den Bergen. Ein Träumchen, so unwirklich wie ein Filmset.

Wir öffnen die Tür. Hoppla, sind wir bei Familie Walton zu Besuch? Man könnte meinen, gleich kommt Mary‑Ann oder John‑Boy durch die Hintertür hereinspaziert.



Im vorderen Bereich befindet sich ein kleines Wohnzimmerchen mit offenem Kamin, und hinter einer halbhohen Natursteinmauer liegt eine Kochnische mit einem total hübsch eingedeckten Tischchen. Ebenfalls hinter einer halbhohen Mauer befindet sich der Schlafbereich mit einem Doppel- und einem Einzelbett.

Über dem Bett hängt ein Propeller mit Schnüren zum Einschalten, an denen zwei Pferdchen baumeln. Das hat etwas von einem Mobile zum hypnotischen Einschlafen. Fehlt nur noch der Nachttopf unter dem Bett… Moment, ich schau mal nach: Nop, kein Nachttopf. Das muss ich beim Management wohl mal anregen. 😄



Das ist wirklich Nostalgie pur. Ein absolutes Juwel. Die Aussicht ist phänomenal.
Wir richten uns ein, kochen uns einen Kaffee und essen auf unserer Terrasse die riesigen Kuchenstücke, die uns als Dessert fürs Dinner mitgegeben wurden.




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zuletzt bearbeitet 24. Aug. 2026
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Wir geben Wasser in die Vogeltränke, glauben allerdings nicht, dass sich Vögel nur einen knappen Meter von uns entfernt bedienen würden. Aber da täuschen wir uns: Sie trauen sich sehr wohl. Das Wasser wird rege aufgesucht, und wir sind ganz angetan von unserem kleinen Vogelkino.

Dann bekommen wir Besuch von einem Nagerchen. Ein neugieriger kleiner Kumpel mit null Berührungsangst macht sich an Uwes Schnürsenkel zu schaffen. Nach ein paar Minuten wird er jedoch etwas zu aufdringlich und versucht, an Uwes Bein hochzuklettern. Das ist Uwe dann doch zu viel Körperkontakt. Vorsichtig schüttelt er seinen Fuß. Das Tierchen versteht die Botschaft, huscht zurück auf den nächsten Felsen und wartet dort konzentriert darauf, dass uns womöglich etwas vom Kuchen herunterfällt.



Am Spätnachmittag machen wir uns auf den Weg zu den Wildpferden. Eigentlich ist es noch zu früh. Das Licht ist noch nicht gut - aber Uwe möchte los. Na dann, wir können ja dort bleiben, bis es passt.  

Die Landschaft gefällt mir ausgesprochen gut mit dem schönen Gras, was inzwischen schon einen leicht gelblichen Farbton hat. 



Unterwegs treffen wir auf ein Oryx, das hinter einem Zaun einen ziemlich einseitigen Streit mit einer großen Blechbadewanne austrägt. Keine Ahnung warum es so auf Krawall gebürstet ist. Vielleicht ist es beleidigt, weil kein Wasser drin ist. Oder die Wanne steht nicht dort, wo sie nach Oryx‑Hausordnung zu stehen hat. Jedenfalls nimmt es das Ding aufs Horn und hebt es locker einen guten Meter in die Luft. Ah, vielleicht ist es nur sein tägliches Krafttraining.

Respekteinflößend ist die Szene jedenfalls. Zwar hätte ich gern ein Foto, aber fürs Handy sind wir zu weit weg - und ehrlichgesagt möchte ich ihm auch gerade gar nicht näher kommen. Sollte es spontan Lust haben uns auf unserer Seite des Zauns Guten Tag zu sagen, bräuchte es für das bisschen Hindernis vermutlich nicht allzu viel Anstrengung. Ich habe gerade kein gesteigertes Bedürfnis mit ihm über seine Grundrechte zu diskutieren und bleibe lieber im Auto sitzen. Unsere Blechbüchse scheint zumindest nicht von Interesse zu sein. Nach ein paar Minuten Stalking fahren wir auch weiter. Vielleicht können wir auf dem Rückweg die Löcher der Badewannenperforierung zählen.

Wir kommen bei den Wildpferden an, als sich gerade 30 bis 40 Tiere vom Acker machen. Bald sind sie nicht mehr zu erkennen. Nur eine kleine Gruppe Nachzügler hält sich noch am Wasserloch auf. Sehr schade – da haben wir sie wirklich nur um ein paar Minuten verpasst. Gut, dass Uwe so früh los wollte. Wäre das Oryx nicht gewesen, hätten wir vielleicht noch die ganze Herde erwischt.

In der Tierwelt liegt heute offenbar schlechte Laune in der Luft, denn auch hier haben zwei Pferde ordentlich Zoff miteinander. Sie gehen sich gegenseitig nicht gerade zimperlich an den Kragen. Sie steigen hoch, es staubt, dann wird gebissen und mit den Hufen gegen den Kontrahenten geschlagen. Wir hören das dumpfe Geräusch trotz der Entfernung, und die Tritte werden mit einem schmerzerfüllten Wiehern quittiert. Zehn Minuten dauert dieses Schauspiel – dann scheint geklärt zu sein, was geklärt werden musste, und die beiden trotten in gebührendem Abstand davon.



Nachdem auch die letzten Pferde mit ihrer Umgebung in der Entfernung verschmelzen, gibt es keinen Grund noch länger hier zu bleiben. Wir fahren zum Chalet zurück und lassen den Tag dort ausklingen. Die Abendstimmung ist unglaublich beeindruckend.


Wir feuern den Grill an und genießen das letzte Licht. Derweil brutzeln Steaks und Folienkartoffeln auf dem Rost vor sich hin und verströmen einen Duft, der uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Gegessen wird drinnen, und ein Salat sowie ein Tropfen Rebsaft runden unser Braai ab. Stilechter könnte es fast nicht sein.



Vollgefressen melden wir uns schon bald zum Matratzenhorch-Dienst.












Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Frühstück mit Giraffen – Namibia Mai 2025 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version
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Freitag 9. Mai

Wo hat sich die Geisterstadt versteckt?

Ich wache heute Nacht auf, weil ein helles Licht in unser Häuschen fällt und wundere mich, warum es hier nachts eine Außenbeleuchtung gibt. Ich stehe auf und versuche herauszufinden, wo die Lichtquelle ist und ob man sie abschalten kann. Der erste Blick aus dem Fenster enttarnt den Übeltäter: Es ist der Mond. Er scheint so hell in unser Bett, dass ich lesen könnte. Da kann ich lange nach dem Lichtschalter suchen.

Es dauert, bis ich wieder einschlafen kann, und kaum bin ich weg, ertönt schon der morgendliche Weckruf. Der Mond hat sich inzwischen verabschiedet, und jetzt, wo wir aufstehen müssen, ist es stockfinster. Aber die Aussicht auf Kolmanskuppe liefert Energie. Auf die Geisterstadt freue ich mich schon lange.

Wir kochen Kaffee und wickeln die Frühstücksschnittchen aus der Folie. Appetitlich sieht anders aus. Der erste Bissen schmeckt matschig, und wir beschließen, dass Frühstücken überbewertet ist. Stattdessen trinken wir nur unseren Muntermacher, räumen alles auf und steigen in unser Autochen.

Es ist irritierend, wie dunkel es jetzt um halb sieben noch ist. Krass, wie kurz die Tage Anfang Mai schon sind. Den Weg erkennen wir dennoch gut. Wir fahren in Schrittgeschwindigkeit die Sandpiste bis zur Bundesstraße. Kurz bevor wir sie erreichen, zeigt sich auch das erste diffuse Licht am Horizont.

Wir können nicht anders – wir müssen noch einmal bei den Wildpferden vorbeischauen. Vielleicht haben wir jetzt mehr Glück. Es sind tatsächlich einige Pferdl da. Wir steigen aus und bleiben erst einmal an der Fahrzeugtür stehen. zwei, drei Hufträger blockieren den Weg zum Unterstand. Wir warten ab, wie sie auf unser Eindringen in ihr Hoheitsgebiet reagieren. Aber sie scheinen nichts gegen unseren Besuch einzuwenden haben.



Eines der schönen Tiere hält Blickkontakt zu mir und kommt langsam auf uns zu. Direkt vor der Motorhaube bleibt es stehen. Ich schwöre: Auf seiner Stirn steht in großen Lettern geschrieben: „Jetzt mach es nicht so spannend – her mit den Äpfeln und Karotten.“

Oh weh, wir haben kein Bestechungsgeld dabei. Das findet der Gaul nicht besonders höflich und bietet uns Paroli: „Was, ihr wagt es ohne Geschenk mein Revier zu betreten? Euch geb ich’s…!“

Er nimmt die letzte Hürde zum Auto und poliert sein Gebiss an der Motorhaube. Da muss Uwe einschreiten und einmal beherzt aufs Blech klopfen. Es wirkt: Das Pferd versteht die Botschaft, legt den Rückwärtsgang ein und schubbert machomäßig und nonchalant seinen Hintern am Gemäuer.



Die B4 ist teilweise schnurgerade und ziemlich eintönig. Erst als wir uns Lüderitz nähern, wird es interessanter. Wir fahren ein kurzes Stück an einer Dünenlandschaft vorbei. Ich staune, dass die Straße nicht längst vom Sand verschluckt wurde – sie wird wohl regelmäßig freigeräumt. Etwas später folgt ein steiniger Abschnitt, der glatt als Kulisse für eine Star‑Wars‑Folge durchgehen könnte.

Linker Hand tauchen ein paar Häuser auf, die durchaus unserer Vorstellung von Kolmanskuppe entsprechen. Aber da ist kein Schild. Nichts. Wir fahren und fahren und denken: Wir müssten doch langsam da sein – und schwuppdiwupp sind wir plötzlich in Lüderitz.

Äh… kann das sein? Nee, oder? Ich sage zu Uwe: „Kolmanskuppe muss ungefähr zehn Kilometer vor Lüderitz liegen. Komm, wir fragen mal jemanden.“ Aber Uwe gehört zu der Sorte Mann, die grundsätzlich nicht nach dem Weg fragt.

Ich werde langsam sauer… was heißt langsam… ich habe schon einen dicken Hals und motze. Die Routen ins Navi einzupflegen war Uwes Aufgabe. Und die Zeit arbeitet gegen uns. Das schöne Licht ist für heute bald Geschichte. Endlich kooperiert er – allerdings nicht, ohne mir zu verstehen zu geben, dass ich mal wieder ein Riesengeschiss ums Licht mache.

Ein freundlicher Passant erklärt uns, dass wir ungefähr zehn Kilometer zurückfahren müssen. Na klasse, das war’s dann mit leuchtender Morgenstimmung. Meine Laune ist inzwischen am Gefrierpunkt. Und ja, es waren die Häuser, die wir gesehen haben. Von Lüderitz kommend gibt es auch ein Hinweisschild.



Wir begehen unseren ersten Hausfriedensbruch. Die offenen Türen wirken aber auch sehr einladend. Das Spiel von Licht und Schatten im Inneren der Häuser scheint gerade seinen Höhepunkt erreicht zu haben. Mich packt die Begeisterung. Sofort ist aller Ärger vergessen sogar Uwe. Wir verlieren uns ein paar Mal aus den Augen, weil ich wie von Geisterhand gelenkt jeden Raum inspiziere, jede Tür bewundere und das Gefühl habe, überall eine neue Entdeckung zu machen ein Lichtspiel zu sehen, das alle vorherigen in den Schatten stellt.

Die Türen und Fenster hängen aus den Angeln und der Wind hat ganze Sandberge in die Häuser getragen. Manchmal finden wir ein Waschbecken oder eine Badewanne.
Manche Dächer sind nicht mehr ganz dicht...



Für alle, die ihre erste Namibia‑Tour planen und die Historie von Kolmanskuppe noch nicht kennen, ein paar Hintergrundinfos:

Es war einmal ein begeisterter Steinsammler namens August Stauch. Er wurde von der Regierung beauftragt, ein Bahngleis zu bauen. Seinen Arbeitern gab er den Hinweis, beim Graben auf besondere Steine zu achten – und tatsächlich übergab ihm einer von ihnen, Zacharias Lewala, ohne es zu wissen, einen Diamanten.

Daraufhin sicherte sich Herr Stauch – still und leise, gemeinsam mit einem Freund – die Schürfrechte. Innerhalb von zwei Jahren entstand mitten im Staub der Wüste eine Stadt mit funktionierender Infrastruktur. Es gab Strom, fließendes Wasser, Waschbecken und sogar Badewannen.

Kolmanskuppe wurde zur reichsten Stadt Afrikas. Es gab einen Arzt, ein erstaunlich großes Krankenhaus (mit der ersten Röntgenstation Afrikas!), ein Schwimmbad, eine Schule, Metzger, Bäcker – und einen „Edeka“… na ja, zumindest einen gut sortierten Gemischtwarenladen.

Als später ertragreichere Minen entdeckt wurden und Kolmanskuppe seiner Bodenschätze weitgehend entledigt war, verließen nach und nach alle Bewohner die Stadt. Rund zwanzig Jahre später war Schluss mit den Klunkern. Herr Stauch war großzügig, verlor jedoch später sein gesamtes Vermögen – und starb letztlich mittellos. So – oder so ähnlich – lässt sich die Geschichte der Geisterstadt zusammenfassen.

Wir waren erstaunt über das große Krankenhaus. Aber es wird sicher einige Grubenunglücke gegeben haben, und die Mitarbeiter wurden täglich geröntgt, um zu verhindern, dass sie sich heimlich bereicherten. Da muss man sich über das große Lazarett nicht wundern.

Die Wüste hätte sich diesen Ort längst zurückgeholt, wäre er nicht zu einer vielbesuchten Geisterstadt geworden, die Geld einbringt, solange sie gepflegt wird.



Nach unserer Stadtbesichtigung fahren wir nochmal zurück nach Lüderitz. Es ist schon 12.00 Uhr vorbei und wir haben noch nicht gefrühstückt. Wir fahren ins Diaz Café. Das wurde im Netz sehr empfohlen und Uwe sollte es ins Navi einpflegen. Wir suchen natürlich wieder, fahren irgendwie planlos hin und her und entdecken es dann hinter einer hohen Mauer.

Parken können wir vor der Tür. Wir trinken etwas und teilen uns eine frischgebackene Waffel mit Eis. Es ist durchaus nett dort. Aber als absoluten Geheimtipp empfinden wir es jetzt auch nicht unbedingt. Die Waffel schmeckt trotzdem gut.

Ihr ahnt es sicher: Wo immer wir auch waren – es war nicht das Diaz Café.

Aber macht nichts. Kolmannskuppe war der absolute Knaller, ich hab das Höchstmaß der Begeisterung erreicht. Was will ich mehr?



Bevor wir Lüderitz hinter uns lassen, suchen wir noch einen Supermarkt. Die Betonung liegt auf Suchen – und ich hasse es wie die Pest, dafür wertvolle Zeit zu verschwenden. Aber Uwe versucht lieber wieder die Stecknadel im Heuhaufen zu finden, bevor er bereit ist, jemanden zu fragen. Ich habe keine Lust darauf und durchforste die Tiefen meines Bewusstseins nach den passenden Vokabeln, um jemandem um Hilfe zu bitten.

Eine Passantin ahnt, was ich sagen möchte, und erklärt uns den Weg. Zehn Minuten später stehen wir an der Kasse.

Jetzt sehen wir zu, dass wir aus der Stadt rauskommen. Wir schauen lieber über das weite Land vor unserem Haus in den Bergen, als uns in der Stadt aufzuhalten. Für einen Abstecher zu den Namib‑Pferden reicht die Zeit auch noch. Es sind sogar einige da.



Einige Pferde stehen im Unterstand – der kommt für mich zum Fotografieren also nicht in Frage. Sie sehen zwar alle gechillt aus, aber es sind Wildpferde. Ich habe keine Ahnung, wie viel Nähe für sie okay ist. Also laufe ich in gebührendem Abstand seitlich am Unterstand vorbei, weil ich die Gruppe am Wasserloch fotografieren möchte.

Just in dem Moment, als ich zurück zum Auto will, kommt ein Gaul ums Eck und steht zwei Armlängen vor mir. Er ist kein riesiges Pferd, aber ich habe gestern zwei kämpfen sehen – und die waren nicht zimperlich. Manche Pferde tragen ordentliche Narben. Mein Herz klopft ein bisschen schneller als normal, und ich hoffe, es reagiert nicht auf Angstschweiß. Es ist für mich schon ein Unterschied, ob so ein Pferdl zehn Meter entfernt ist oder nur zwei.

Was mache ich jetzt? Was machen Pferdeflüsterer bei ängstlichen oder krawalligen Pferden? Sie meiden Blickkontakt. Das scheint mir im Moment die sicherste Methode zu sein, um an ihm vorbeizukommen. Gaaaanz langsam mache ich einen kleinen Bogen und verdrehe mir dabei die Augen, um zu sehen, ob es mich verfolgt – ohne den Kopf zu drehen. Eieiei… aber es klappt. Das Tier scheint kein gesteigertes Interesse an mir zu haben.



Ich bin zwar sicher am Auto angelangt, aber plötzlich bettelt der Kaffee von Lüderitz dringend um Freiheit – und setzt mich im wahrsten Sinn des Wortes gewaltig unter Druck. Ich brauche einen Busch und scanne die Umgebung – weit genug weg von der Herde. Da ist nichts Großes zu finden, nichts, was mir mehr Privatsphäre zugesteht als ein Büschel kniehohes Gras. Hmmm… da muss ich wohl in freier Wildbahn tun, was getan werden muss.

Aber gerade als ich denke: Die Luft ist rein, rollt uns eine Wagenladung Touristen entgegen. Jetzt ist guter Rat teuer. Zum Glück gibt es da noch ein öffentliches Örtchen. Ich hätte es gerne vermieden, doch in diesem Fall habe ich keine andere Wahl.

Luft anhalten, Augen zu, bloß nichts anfassen, schnell rein und wieder raus – das ist zumindest der Plan. Aber spätestens beim Anblick des Inneren dieses Etablissements muss ich das Wort „Glück“ neu definieren. Wer jemals den Mut hatte, dieses Örtchen zu betreten, weiß: Es gibt Gerüche und Bilder, die brennen sich unauslöschlich ins Gedächtnis.

Bevor ich hier mein Werk verrichte, nehme ich lieber ein peinliches Malheur in Kauf. Ich steige unverrichteter Dinge, bereits mit Tränen in den Augen, wieder ins Auto und hoffe, dass ich es irgendwie doch noch – ohne meine Würde zu verlieren – bis zum Desert Horse Inn schaffe.

Die letzten Kilometer sind eine Mischung aus Hoffnung, Panik und dem festen Vorsatz, unterwegs nie wieder Kaffee zu trinken. Ich schaffe es! Zwar in allerletzter Sekunde, aber das war schon die Königsdisziplin an Blasentraining.

Im Restaurant gibt’s ein kleines Päuschen. Wir warten noch auf unser vorbestelltes Grillpaket. Dann machen wir uns auf den Weg zurück in unser Chalet.



Braai und Sonnenuntergang sind heute ebenso beeindruckend wie gestern. Unsere Herzen sind voll von schönen Momenten, der Ärger ist vergessen, die Blase entspannt. Einer geruhsamen Nacht steht nichts im Weg.

Gute Nacht, John‑Boy, Grandpa – und wie sie bei den Waltons alle hießen.




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zuletzt bearbeitet 26. Aug. 2026
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Samstag 10. Mai

Panorama-Route in Namibia

Wir wachen ausgeschlafen auf, packen unsere sieben Sachen ins Auto und rollen zum Frühstück runter. Unter unserem Rock‑Chalet grasen ein paar Pferde, ihre Hufspuren sind sogar in unserer Zufahrt zu erkennen. Viel hat da nicht gefehlt, und sie hätten mal gepflegt an unsere Tür klopfen können.

Herr Strauß macht ebenfalls seinen morgendlichen Walk, bevor die Sonne wieder versucht, seine Hähnchenbrust zu grillen. Und auch das Oryx von gestern ist wieder unterwegs. Wir vermuten, dass es dasselbe ist – jedenfalls wird sein Haupt ebenfalls von zwei majestätischen Hörnern gekrönt. Heute wirkt es friedlich und völlig entspannt.

Im Restaurant ist schon richtig was los – vor allem über unseren Köpfen. In der Vogelwelt hat sich herumgesprochen, dass hier drinnen der Tisch reich gedeckt ist. Warum mühsam Insekten jagen, wenn die Snacks im Überfluss bereitstehen und man sich im Vorbeiflug bedienen kann?

Die meisten Speisen sind nicht abgedeckt, und so landet auch mal ein kleines Souvenir auf einem Teller. Hygienisch ist das nicht. Aber das wussten wir schon vor der Buchung – steht ja in fast jeder Kritik. Sollten wir jemals zurückkommen, was ich schön fände, würde ich allerdings ein Self‑made‑Frühstück einplanen und im Chalet essen. Das vorbestellte Frühstück war ja leider auch nix. Aber das Häuschen mit seiner Lage macht vieles wett. Es ist einfach unsagbar nostalgisch.

Doch aufgrund der mangelnden Hygiene hält sich unser Appetit in Grenzen. Wir machen nicht unnötig lange rum – die Koiimasis Fest‑in‑Fels Lodge ruft. Ich freue mich sehr auf die D707 und die Tirasberge.

Rund 130 Kilometer liegen vor uns: erst die B4, dann die C13 und schließlich die D707, bis wir auf die 20 Kilometer lange private Piste einbiegen. Ich steige oft aus und laufe ein Stück, bis mir für mein Foto die Perspektive gefällt. Heute komme ich gefühlt auf zehn Kilometer Fußweg — aber das ist hier schließlich die Panorama‑Route Namibias. Es wäre ein Frevel, diese Strecke einfach durchzufahren, ohne die Fahrt und die Landschaft gebührend zu genießen.

Uwe fährt im Schritttempo hinter mir her, und so brauchen wir schlappe drei Stunden, bis wir Koiimasis erreichen.




An der Lodge angekommen, staunen wir mal wieder ohne Ende über das Juwel von Unterkunft, welches wir hier gefunden haben.
Die ganze Lodge wurde um die Felsen herumgebaut. Das sieht fantastisch aus. Die Umgebung erinnert mich ein bisschen an den Erongo.



Hier sollen wir – wie schon in der letzten Lodge – keinen Fön verwenden. Also duschen wir noch vor dem Kaffee. Das Trocknen übernimmt der Wind, und zwar in Rekordgeschwindigkeit. Zum Glück ist meine Frisur pflegeleicht, und Uwe muss sich ums Haareföhnen ohnehin keine Gedanken mehr machen.

Während wir Kaffee trinken, erhält Uwe eine WhatsApp von der Desert Horse Inn Lodge: Wir haben einen Geldbeutel im Safe liegen lassen. Das darf doch wohl nicht wahr sein. Was machen wir jetzt? Der Postweg nach Swakopmund ist uns viel zu riskant. Es bleibt uns nichts anderes übrig, als morgen zurückzufahren und ihn zu holen. Das war’s dann mit dieser traumhaften Umgebung. Ich hätte so gern eine Wanderung gemacht, zumal es hier nicht so heiß ist. Das dämpft unsere Stimmung ordentlich.

Ich will Uwe auch nicht allein zurückfahren lassen. Aber er besteht darauf. Ich soll meine Wanderung machen. Er fährt ohne Frühstück, direkt beim ersten Dämmerlicht los und wird am Nachmittag zurück sein. Frühstücken will er dann im Desert Horse Inn. Die reine Fahrtzeit — ohne ständiges Stopp‑and‑Go — ist zum Glück hin und zurück an einem Tag gut machbar.



Um halb fünf werden wir von Roland mit einem Pick‑up zum Sundowner abgeholt, auf dessen Ladefläche wurden zwei seitliche Sitzbänke montiert. Es kommt noch ein zweites Ehepaar mit.

Wir werden gefragt, ob es für uns in Ordnung ist, wenn die beiden vorne im Fahrzeug sitzen und wir hinten auf der Ladefläche Platz nehmen. Mal abgesehen davon, dass ich mit meinem Problemrücken nicht gern seitlich zur Fahrtrichtung sitze, finden wir es viel schöner, die Fahrt mit Frischluft um die Ohren und in erhöhter Position zu erleben. Natürlich ist das für uns okay — wir hätten uns das sogar genauso gewünscht.

Allerdings ist die Fahrt extrem rumpelig. Zum einen ist es schwierig, überhaupt Halt zu finden, zum anderen haut es mir so heftig ins Kreuz, dass ich hinterher starke Rückenschmerzen habe und Schmerzmittel nehmen muss. Ich bekomme kurz Panik, dass es nicht nur eine Kleinigkeit ist.

Trotz allem finden wir die Landschaft in den leuchtenden Nachmittagsfarben unglaublich ansprechend. Die Tirasberge sind einfach atemberaubend schön. Das Feld ist teils grün, und überall stehen diese besonderen Bäume, die der Landschaft ihren eigenen Charakter geben. Auch das weiße Gras wächst üppig.



Wir treffen auf einige wohlgenährte Kühe und Kälber, ansonsten zeigen sich nur vier Klippspringer und jede Menge riesige Heuschrecken. Macht aber gar nichts.



Roland ist sehr daran interessiert uns die Geschichte der Buschmänner nahezubringen. Das kann er auch gut.
Er erklärt uns: Koiimasis bedeutet so viel wie "Ort an dem sich Menschen treffen".
Diesen Namen trägt die Ranch ganz bewusst. Denn das Land rund um die Farm wurde vor tausend und mehr Jahren von den Buschmännern als Versammlungsort genutzt, weil es ausreichend Wasser und Nahrung gab.
Die San waren tagelang unterwegs und mussten sicher gehen, dass sie sich für ihren Rückweg ausreichend mit Nahrung und Wasser versorgen konnten. Koiimasis war dafür ideal, weil es hier immer Wasser und damit auch Wild gab.
Das Wasser wurde übrigens in Straußeneiern transportiert.
Man traf sich zum einen zum Informationsaustausch, aber auch um materiellen Tauschhandel zu betreiben und nicht zuletzt, um die Kinder miteinander zu verheiraten. So wurde Inzucht vermieden.

Wir erfahren, dass es das typisch deutsche Phänomen "Handtuch auf dem Liegestuhl" seiner Zeit bei den Buschmännern auch schon gab.
Wenn die Sippschaft einen tollen Platz gefunden hatte, wurde der Fels bemalt und weniger wertvolles Werkzeug an der Stelle deponiert. Das bedeutete: Weg da, mein Platz!

Es war wohl möglich innerhalb von drei Tagen zu Fuß die Post 600 km weit zu transportieren. Die Buschmänner waren nämlich gute Sprinter. So wurde in einer Art Staffellauf die Post immer weiter gereicht, bis sie ihren Empfänger erreichte.
Das ist schwer zu glauben, aber wenn das Roland sagt.....

Wir sind auch ein bisschen in der "Speisekammer" der Buschmänner unterwegs. Es ist ein Bereich der im Halbkreis von hohen Felsen, ähnlich wie im Erongo, umgeben war. Dort hatten sie Schatten, Wasser und Deckung, denn sie mussten ihre Beute mit Pfeil und Bogen auf 15 bis 20 Meter treffen. In den Felsen wurden ganze Friedhöfe mit Knochen von Klippspringern gefunden.



Wir lernen ein bisschen was über Pflanzen. So auch über die Felsenfeige, die ein bisschen wie eine Kletterpflanze am Felsen entlang wächst. Ihre Früchte sind nur einen Zentimeter groß. Sie sind aber essbar. Allerdings braucht es vermutlich eine gute Menge um davon satt zu werden und dann muss man sie auch erst mal reingewürgt bekommen, anscheinend schmecken sie grasig.
Wir hören, dass so ein Baum bis zu 800 Jahre alt werden kann. Der, den wir sehen, soll schätzungsweise 600 Jahre alt sein. Woran man das erkennt frage ich nicht.

Roland zeigt uns ein Kraut welches man gerne als Aufguss verwendet hat. Er lässt uns daran schnuppern. Es riecht ein wenig nach Zitronenmelisse.
Zu guter letzt stellt er uns eine Art Kaktus vor, der den Hunger zügeln soll. Er wurde wohl bei Nahrungsknappheit verzehrt.

In neuerer Zeit soll man versucht haben, den Kaktus als Produkt zur Gewichtsreduzierung zu kultivieren. Da er jedoch sehr langsam wächst, wollte man, den Prozess durch intensive Bewässerung beschleunigen – mit dem Ergebnis, dass der Wirkstoff nur noch in homöopathischen Mengen enthalten war.“ Das Projekt ist gescheitert.



Für den Sundowner fahren wir einen Berg hoch. Die Aussicht ist Mega schön. Wir sind allerdings schon ein bisserl spät dran. Die Sonne verschwindet innerhalb von ein paar Minuten hinter dem Berg. Sie leuchtet aber noch und taucht den Himmel in rotgoldenes Licht.


Die Rückfahrt dauert nicht lange. Wir gehen direkt zum Abendessen. Heute wird in der Küche mangels einer Fachkraft improvisiert, und das schmeckt man leider. Aber wenn eine Mitarbeiterin einspringen musste, die mit dem Kochen überfordert war, kann man ihr keinen Vorwurf machen.

Zur Vorspeise gibt es Kürbissuppe. Sie ist nichts Besonderes, aber in Ordnung. Beim Hauptgang wird ein Ragout mit Gemüse und Reis serviert. Das Fleisch ist so zäh, dass ich es kaum schneiden und erst recht nicht kauen kann. Furchtbar. Das Schokomousse zum Dessert ist wieder okay.

Wir werden von Vor- und Nachspeise satt und verschwinden bald in unser Chalet. Uwe muss ja morgen früh aufstehen. Ich schlafe unruhig bei dem Gedanken, dass er die Strecke allein fährt. Sollte ihm etwas passieren – wovon man zwar nicht ausgeht, was aber vorkommen könnte – sitze ich hier allein fest und weiß nicht, was mit ihm ist. Noch dazu mit meiner Sprachbarriere. Diesen Gedanken versuche ich aber mehr schlecht als recht zu verdrängen.











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zuletzt bearbeitet 27. Aug. 2026
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Sonntag 11. Mai

Silvia und die Wanderkarte

Heute Nacht steht der Vollmond am Himmel und beleuchtet die Landschaft so gut, dass man problemlos spazieren gehen könnte. Gegen halb sieben dreht Uwe bereits den Zündschlüssel, um nach Aus zu fahren und den Geldbeutel zu holen.

Ich stehe eine halbe Stunde später ebenfalls auf. Die ersten Sonnenstrahlen schaffen es über die Berge und verzaubern die Landschaft. Ich springe ungewaschen in meine Klamotten und mache direkt einen kleinen Spaziergang über Stock und Stein. Mich faszinieren diese wunderbaren Bäume – ich würde am liebsten jeden einzelnen fotografieren.




Nach meiner morgendlichen Grundreinigung gehe ich leider alleine frühstücken. Das Angebot ist gut und die hausgemachten Körnerbrötchen sind noch warm.
Roland ist auch da. Ich frage ihn, ob es einen idiodensicheren Spazierweg für Leute ohne jeglichen Orientierungssinn gibt.

Er gibt mir eine handgezeichnete Karte und erklärt sie mir. Ein Felsenkamm...ein Pferde Camp....ein Hühnerstall....zwei Berge....Eine große Grasfläche....ein Bohrloch, usw. Okay, klingt verständlich.

Ich habe nicht mehr viel Wasser. An Leitungswasser denke ich gar nicht, weil ich nie stilles Wasser trinke. Mein Blubber fährt gerade mit Uwe nach Aus. Schätzungsweise ist noch ein viertel Liter in der Flasche. Wird schon reichen. Es sind nur 9 km mit einer angegebenen Laufzeit von zweieinhalb Stunden. 

Mit Rucksack und Hut laufe ich los. Den Hut kann ich mir direkt schenken. Mir bläst die ganze Zeit eine sehr frische Brise den Marsch. Das ist gut, so brauch ich nicht viel Wasser. Ich komme nicht einmal ins Schwitzen. 

Zuerst den Hügelkamm entlang bis zum Pferde Camp. Okay, das finde ich. Dann durch ein zwei Gatter zum Hühnerstall...Ist ja ganz easy.

Dann zwei Berge, ich schau mir die Berge an. Da sind viele, aber welche sind die zwei besagten?




Ah, von einem abgestorbenen Baum war auch noch die Rede. Okeeeyyy, da gibt es auch eine gewisse Auswahl. Na, nehmen ich halt mal den einen hier, der ist aber auch ganz besonders schön.
Weiter geht es. Die offene Graslandschaft sehe ich auch, soweit so gut.



Auf meinem Weg begleiten mich permanent scharenweise die Namib Jumper. Ein bisschen kurzsichtig sind die Viecher ja schon, sie springen doch alles und jeden an, prallen ab und fallen zu Boden. Die großen, Schwarzen gibt es zuhauf.
Sie sind übrigens sowohl Grasfresser als auch Kannibalen. Uwe hat einen beobachtet, der seinen Kumpel angefressen hat. Dem ging es danach nicht mehr so gut. Glück gehabt, dass ich nicht als Heuschrecke geboren wurde. Da kannst du ja niemandem den Rücken zuwenden ohne Gefahr zu laufen, dass ihm deine Frisur nicht gefällt und er dich deswegen killt.

Während ich so laufe und auf den Boden sehe, liegt da mitten auf dem Weg ein kleines Schlängerl. Ich nehme es zunächst gar nicht wahr. Erst als ich schon am drübersteigen bin, denke ich: Huch, was ist das denn und mache einen Schritt zurück. Wäre sie auf Schrittlänge gelegen, hätte ich sie vermutlich totgetreten. Sie sieht auch irgendwie tot aus oder leblos oder zumindest unbeweglich. Vielleicht aber auch nur, weil es so kalt ist. Ich mache ein Foto. So richtig nah traue ich mich nicht an sie ran. Das Handy hätte leider ein bisschen mehr Nähe gebraucht. Das Resultat ist nicht sonderlich hilfreich für eine Identifizierung. Ich frage später Roland, ob er weiß, was das für ein Tierchen ist, er vermutet mehr als das er etwas Zuverlässiges sagen könnte. Ist ja auch nicht so wichtig. Aber neugierig bin ich schon. Vielleicht habe ich eine Begegnung mit einer hochgiftigen Schlange überlebt. Später frage ich noch mehr Leute, aber sicher ist sich niemand.



Sie ist vielleicht 20 cm lang und sehr schlank um die Taille und auch sonst.
Von wegen: Schlangen spüren die Vibration im Boden und machen sich vom Acker. Die hier bewegt sich keinen Millimeter.
Jemand hat einmal gesagt: "Zwergpuffotter-Bisse sind nicht tödlich, aber wenn dich eine beißt, wünschst du dir, du wärst tot". Nun hab ich ja null Ahnung von Schlangen und bin deshalb ein echter Schisser wenn ich einer so nah begegne.
Also sag ich Tschüss zum Schlängerl und bin froh, dass wir beide Glück hatten, sie dass ich nicht auf sie draufgetreten bin, und ich, weil ich nicht gebissen wurde. Ich bin ja alleine unterwegs. Wobei Uwe, wäre er bei mir, im Ernstfall eh nur noch Händchen halten könnte, denn bis er ein, zwei Stunden irgendwo hin laufen könnte um Hilfe zu holen, bräuchte ich vermutlich keine mehr.

Dann komm ich ans Zufahrtstor zur Lodge. Waaas? Von dem war nicht die Rede.
Dies zu erwähnen, empfand Roland vermutlich nicht wichtig, oder ich hab es vergessen.



Ich lauf mal weiter....und weiter....und weiter.....
Als, meine Uhr mehr als 9000 Schritte anzeigt ziehe ich es in Erwägung umzukehren.

Das Bohrloch sollte nach ca. viereinhalb Kilometer kommen. Ich kann sehr weit schauen, aber ich seh nirgends etwas das ein Bohrloch sein könnte. Ein Stück laufe ich aber noch.

Bei Kilometerstand 11000 Schritte denke ich, es ist besser umzukehren. Den Weg den ich gekommen bin, finde ich eher wieder als den Rest der Strecke, den ich noch nicht gesehen habe.

Also nehme ich die 11000 Schritte Rückweg in Angriff.
Da waren ein paar Gatter, ein paar Kühe, abgestorbener Baum....und dann?
Diesen oder jenen Weg? Keine Ahnung.
Ich nehme mal den links und bin irgendwann in einem sehr cool angelegten Camp,
nur war das auf der ersten Strecke auch schon da? Da war ein Camp, aber das sah ganz anders aus.



Ich lauf wieder ein Stück zurück und versuche mich zu orientieren. Aber die andere Möglichkeit macht auch keinen Sinn. Komisch!
Ein Fahrzeug biegt ins Camp ein und der Fahrer grüßt.
Ich nutze die Gelegenheit, um nach dem Weg zu fragen. Er spricht zum Glück deutsch. So falsch liege ich gar nicht, ich bin auf dem Hinweg nur auf der anderen Seite des Camps vorbeigelaufen.
Jaaaahaaa, lacht nur….wenn du nicht weißt wie ein Elefant aussieht, siehst du von vorne einen Rüssel und zwei Ohren, wenn du ihn von hinten anschaust, siehst du einen breiten Hintern und einen Schwanz…da könnte man schon denken, es sind zwei verschiedene Tiere…oder zwei verschiedene Camps….
Der nette Camper weist mir grob die Richtung. Da kann jetzt eigentlich nix mehr schief gehen.....denke ich.



Aber nach einer Weile verliere ich wieder die Orientierung. So grob glaube ich trotzdem richtig zu liegen. Auf einem Parallelweg, ziemlich weit entfernt, grüßen mich zwei Mitarbeiterinnen der Lodge, die auf dem Weg zur Arbeit sind. Was bin ich doch für ein Glückspilz.

Also nichts wie hinterher – in gebührendem, unauffälligem Abstand. Zehn Minuten später: Na geht doch! Heute gibt es keine Schlagzeile: „Frau verschollen in den Tirasbergen.“

Ich war wohl länger unterwegs als geplant, denn da steht doch tatsächlich Uwe schon und winkt mir zu. Zwei glückliche Heimkehrer treffen sich wieder.

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zuletzt bearbeitet 27. Aug. 2026
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Gemütlich schlendern wir durch die schöne Gartenanlage zum Restaurant, bestellen uns einen Kaffee und erzählen von unseren Abenteuern.

Uwe konnte zügig fahren. An der Rezeption wurde ihm der Geldbeutel überreicht. Er fragte, ob die Person, die ihn gefunden hat, auch da sei. War sie. Sie wurde gerufen, Uwe bedachte sie mit einer Umarmung und einem Finderlohn, mit dem die Mitarbeiterin nicht im Entferntesten gerechnet hatte. Aber ihm war es wichtig zu zeigen, dass Ehrlichkeit Wertschätzung verdient. Ich freue mich richtig darüber, wie sie reagiert hat.

Den restlichen Tag chillen und lesen wir und genießen die Ruhe auf unserer Terrasse mit wunderschönem Ausblick. Für heute hatten wir beide genug Programm.



In der Küche gibt es heute wieder professionelle Unterstützung. Das Menü schmeckt ausgezeichnet. Danach reicht es noch für einen Plausch mit Roland, der sich gern und ausgiebig mit seinen Gästen unterhält. Ja, und dann ist der Tag auch schon zu Ende. Für heute bleibt nur noch der Besuch im Land der Träume.



Montag 12. Mai

Der Pleitegeier lässt grüßen

Kurz nach neun möchten wir auschecken und unsere Rechnung begleichen. Sie fällt etwas höher aus, weil wir die Farmrundfahrt mitgemacht haben. Wir zücken unsere Visa – Roland hingegen die Augenbrauen. Er hätte lieber Bares, und da uns nun der Finderlohn im Portemonnaie fehlt, wird es eng mit den Scheinchen.

Am Flughafen war der ATM außer Betrieb, in Lüderitz fanden wir keinen, weil wir nur halbherzig gesucht haben. Wir dachten, bis Swakop würde unser Bargeld sicher reichen. Hätte es auch – ohne die unplanmäßigen Sonderausgaben. Jetzt bleibt zu hoffen, dass wir irgendwo unsere Liquidität wiederherstellen können. Für Roland reicht unser Geld gerade noch so.

Wir fahren zurück auf die D707 und nehmen Kurs auf die Dead Valley Lodge.

In Betta möchten wir unseren Hilux füttern. Aber an der Tanke steht: Nur Barzahlung möglich. Na klasse!

Ein paar Getränke könnten wir noch begleichen, aber keine Tankfüllung mehr. Einen ATM können wir nicht ausfindig machen. Also bleibt unser Wägelchen auf Diät, bis wir in Sesriem sind. Nach der Benzinverweigerungs-Station begeben wir uns auf eine wilde Fahrt über die C27 – eine Strecke, die ich so schnell nicht wieder vergessen werde.

Kaum sind wir ein paar Kilometer unterwegs, verwandelt sich die Pad in eine Wellblechpiste, so ruppig, dass ich sicher bin, ich bekomme gerade eine Organ‑Transplantation. Mein Hirn wird zum Smoothie püriert. In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, dass so etwas hier noch als fahrbarer Untergrund durchgeht.

Uwe kann lenken, wie er will – die Räder kooperieren nicht mehr und entwickeln ein Eigenleben. Sie schwimmen unkontrollierbar über das, was einmal eine Straße war.

Ob das Präsidenten‑Car hier auch schon mal langgefahren ist? Vielleicht sollte man das Staatsoberhaupt mal zu einer kleinen Spazierfahrt über die C27 einladen.



Als wir endlich in Sesriem ankommen, sind wir beide fix und fertig. Ich habe Kopfschmerzen und bin am ganzen Körper verspannt. Uwes Hirn meldet seine mentale Leistungsbereitschaft ab. Zum Glück gibt es hier eine Tankstelle mit ATM. Wir versorgen uns mit frischen Scheinen und lassen unseren Hilux Benzin schlucken, bis er sein Völlegefühl erreicht hat. Ein paar Minuten später fahren wir schon auf das Gelände des Dead Valley Camps.

Es befindet sich nur rund 700 Meter hinter dem Tor. Wir stellen unser Wägelchen neben einem Reisebus ab, dessen Anblick uns nichts Gutes erahnen lässt und unsere Stimmung schon killt, bevor wir überhaupt richtig angekommen sind.



Beim Check‑in heißt es ein bisschen warten. Wir lassen unsere Blicke schweifen, wobei mir ein Behältnis mit Wasser auffällt, das mit Zitronenscheiben aromatisiert wird. In der trüben Brühe schwimmen bereits schleimige Fäden. Richtig widerlich. Und das in einer Lodge, die im gehobenen Preissegment liegt.

Leider wird uns mitgeteilt, dass unsere gebuchte Ballonfahrt für morgen ausfällt, weil die Windsituation ungünstig ist – und das bleibt in den kommenden Tagen so. Also lässt sich dieses Highlight auch nicht auf unseren Abreisetag verschieben. Das ist der größtmögliche Dämpfer, denn nur wegen der Ballonfahrt sind wir überhaupt hierher gefahren. Sonst hätten wir Sossusvlei und Swakopmund diesmal ausgelassen und unsere Route anders geplant.

Jetzt muss ein Ersatzplan für morgen früh her. In diesem Fall rückt wieder das Vlei in den Fokus. Aber Uwe möchte die Sandpiste nicht selbst fahren, weswegen wir einen Drive buchen. Wäre er heute mental nicht so durch, würde er das vielleicht anders entscheiden. Aber heute ist er nicht mehr für Experimente zu haben.

Gut, das wäre geklärt. Unsere Koffer werden auf einen Golfwagen gehievt und zum vorletzten Zelt in der Reihe gekarrt. Es sind erstaunlich viele Zelte, und leider liegen sie relativ nah beieinander, ohne Sichtschutz – und dann auch noch in zwei Reihen. Für uns wird es die hintere Reihe. Ein weiterer Dämpfer. Langsam wird es schwierig, mich noch von dieser Unterkunft zu überzeugen.

Oberflächlich und auf den ersten Blick betrachtet haben die Zelte im Inneren ihren Flair. Durch das Badezimmerfenster erkennt man allerdings gut, wie nah das Nachbar‑Chalet steht. Wenn deren Gäste kommen oder gehen, kann man sich beim Duschen oder auf dem Klo sitzend gepflegt mit ihnen unterhalten. Falls das nicht so dein Ding ist, bleibt nur die Variante: Vorhang zu – und auf den Ausblick verzichten.

Mir wird das leider erst bewusst, als ich tatsächlich unter der Dusche stehe – und die Nachbarn just in diesem Moment auf die Idee kommen, zu gehen. Sie laufen also direkt in mein Sichtfeld. Ich überlege kurz, ob ich mich einfach auf den Boden fallen lasse, denn das Handtuch ist nicht erreichbar, ohne ihnen noch näher zu kommen. Ich erstarre zur Salzsäule und hoffe, dass sie gar nicht daran interessiert waren, in unser Zelt zu stalken.

Die Dusche selbst funktioniert wie eine Kneippkur. Das Wasser kommt entweder kochend oder in Form von Eiswürfeln aus dem Duschkopf. Dazwischen gibt es nichts – aber immerhin in gleichmäßigen Intervallen. Du kannst beim Duschen die Sekunden zählen und entscheiden, wann du lieber aus dem Wasserstrahl springst.



Im Schlaf - und Wohnbereich sieht es auf den ersten Blick auch ganz hübsch aus. Der zweite verrät dann allerdings sehr schmutzige Zeltwände, die dringend mal eine Reinigung vertragen würden.



Wir stellen unsere Koffer ab und gehen zum Restaurant, um eine Kleinigkeit zu essen. Es gibt einen schattigen Bereich, der überdacht ist. Die meisten Gäste haben den Mittagstisch bereits verlassen, aber überall steht noch schmutziges Geschirr. In der prallen Sonne gibt es ebenfalls Sitzgelegenheiten – allerdings aus Betonstühlen. Welcher Designer denkt sich denn sowas aus? Unbequemer geht’s wohl kaum. Zum Glück sind unter dem Dach viele Plätze frei.

Wir warten brav, bis jemand kommt, um uns einen Tisch zuzuweisen – und dieser Jemand entscheidet allen Ernstes, uns die Betonstühle in der Sonne zuzumuten. Ich bin so perplex und von der Fahrerei geschlaucht, dass ich keine Energie aufbringe, mich gegen diese Unverschämtheit zu wehren. Während wir essen, wird klar, warum man uns keinen Schattenplatz gegönnt hat: Es fühlt sich niemand zuständig, das Geschirr abzutragen. Der zuständige Mitarbeiter hätte erst mal einen Tisch freiräumen müssen.

Ich fürchte, diese Unterkunft und ich werden keine Freunde mehr. Es fühlt sich an, als wären wir in einem Massenbetrieb mit demotivierten Mitarbeitern gelandet.

Am frühen Abend beschließen wir, noch in den Canyon zu fahren und dort einen Sonnenuntergangsspaziergang zu machen. Wir überholen einen Reisebus, der offensichtlich das gleiche Ziel hat wie wir – und weil einer fast ein bisschen wenig ist, überholen wir noch einen zweiten. Wir hoffen, unser Vorsprung reicht, um vor den beiden Gruppen ein paar Fotos machen zu können.

Aber nein. Wir finden den Zugang nicht direkt, sodass die beiden Reisegruppen sogar vor uns in den Canyon absteigen. Sie laufen direkt zum Wasser. Ihre Ausrüstung ist beeindruckend: Gesichtsmaske, Hüte, Handschuhe, Regenschirm, Gummistiefel und Flipflops. Laut sind sie leider auch – sehr laut. Wir nehmen direkt die andere Richtung. Nach etwa zwanzig Minuten fällt uns auf, dass wir sie gar nicht mehr hören. Wahrscheinlich haben sie nur ein Foto gemacht und sind dann weiter zur Elim‑Düne gefahren.



Bis die Reisegruppen verschwunden sind und wir endlich am Wasser ankommen, ist das Licht leider nicht mehr schön – und die nächsten Canyon‑Besucher sind bereits eingetroffen. Ich muss wieder warten, bis ich ein Foto ohne Passanten machen kann. Der Lichtzauber ist jetzt aber leider vorbei.



Wir machen uns auf den Rückweg und genießen den Blick in die Natur, frei von Menschenansammlungen. Ich glaube, an einem anderen Ort hätten wir es schöner haben können. Für mich muss es gar nicht immer das Highlight sein, zu dem alle wollen. Ein Spaziergang in Richtung des Berges, den man von der Lodge aus sieht, wäre vielleicht die bessere Wahl gewesen.



Diesen Tag habe ich mir ehrlich gesagt anders vorgestellt. Für mich waren das zu viele Dämpfer. Wir sind jetzt auch echt kaputt, und dann steckt man Dinge, die die eigenen Erwartungen nicht erfüllen, nicht mehr so leicht weg. Die Reisegruppe sitzt am langen Tisch, ist laut und ihr Benehmen lässt zu wünschen übrig. Ich trinke ein Glaserl Wein. Die Dunkelheit und die diskrete Beleuchtung tun der Atmosphäre gut. Auch der Mond und die Sterne hübschen das Ambiente hier gewaltig auf.

Das Buffet ist okay. Leider wird das Fleisch nach Wunsch frisch gegrillt – immer nur ein sehr kleines Stück und mit extrem langer Wartezeit, weil viele Gäste versorgt werden müssen. Das dauert ewig, sodass wir uns eher an den Beilagen bedienen. Romantisch ist das hier leider nicht, sondern mehr eine Kantinenabfertigung, wenn auch unter einem schönen Sternenhimmel.

Die Messlatte liegt nicht hoch, um morgen einen schöneren Tag erwarten zu dürfen.

Doch trotz allem: Bevor der Vorhang heute fällt, liefern Mond und Sterne noch einmal eine magische Show ab.















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zuletzt bearbeitet 27. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202330. Aug. 2026 ·



Dienstag 13. Mai

Überraschung des Tages

Pünktlich zur Abholzeit stehen wir an der Rezeption – wie bestellt und nicht abgeholt. Unser Fahrer hat wohl ein kleines Zeitproblem, wodurch die Reisegruppe einen Vorsprung erhält. Unterwegs treffen wir auf einen zweiten Bus, und bei der Vorstellung, dass die alle wie beim Kampf ums Siegertreppchen ins Dead Valley rennen, bereue ich die Buchung schon ein wenig.

In unserem Fahrzeug sitzen zwei weitere Ehepaare, und die Chemie stimmt sofort. Wir sind alle auf derselben Wellenlänge – zumindest was Humor und Leidensfähigkeit betrifft. Einziger Störfaktor: unser Fahrer, der eine innige Beziehung zu seinem Handy pflegt. Er tippt, wischt und scrollt, als wäre er der amtierende Mr. Wichtig. Mein Sicherheitsgefühl findet das eher so mittel. Ich würde gern etwas sagen, aber zum einen ist da meine Sprachbarriere, und zum anderen möchte ich nicht für eine beklommene Stimmung im Fahrzeug sorgen, weil ich etwas Unangenehmes anspreche. Also schlucke ich die Worte, die ich denke, einfach runter.

Wir nähern uns der Dune 45 und freuen uns wie Bolle, dass die beiden Busse vor uns den Blinker setzen und anhalten. Ihre Insassen stürmen die Düne hoch – und es ist wieder ein Bild für Götter, ihre optische Aufmachung zu sehen. Eigentlich ist das auch eine Art Sichtung einer neuen Spezies. Wir sind heilfroh, dass sie sich erst einmal dort austoben.

Kurz darauf haben wir die Sandpassage hinter uns und erklimmen die nächste eigenständig und zu Fuß. Ich hatte völlig verdrängt, wie sich der Weg in die Pfanne zieht – oder ich bin einfach drei Jahre älter geworden. Wahrscheinlich beides. Jedenfalls komme ich ordentlich ins Schnaufen und bin gezwungen, immer wieder stehen zu bleiben und Fotos zu machen. Nicht nur wegen der Motive, sondern auch, weil ich so tun kann, als wäre es pure Absicht.


Die anderen „bewundern die schöne Aussicht“ aber auch nicht weniger oft als ich. Vermutlich brauchen sie auch immer mal wieder ein paar Minuten, bis die Atemfrequenz wieder im grünen Bereich liegt.



Irgendwann ist der Weg durch den Sandkasten geschafft. Auf der Pfanne läuft es sich schon deutlich leichter. Sie liegt noch komplett im Schatten und wir müssen uns gedulden, bis die Sonne ihre ersten Strahlen über die Dünenkanten schickt.

Das Licht ist heute dennoch ganz anders als vor drei Jahren - nicht halb so schön.



Unsere Gruppe verteilt sich.
Ein einzelner Baum, zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Er gibt ein besonders schönes Motiv ab, wenn später die Sonne genau über ihm aufgeht. Ich beobachte, dass fast alle um dieses Motiv herumschleichen und – genau wie ich - nach der besten Perspektive für sich suchen.

Auf der gegenüberliegenden Seite der Pfanne hat jemand schweres Geschütz aufgefahren- professionelles Fotoequipment, wie es aussieht. Die Person gehört zu einer kleinen Gruppe, die alle auf den großen Moment warten um genau wie wir, diesen Baum zu fotografieren.

Während ich mit meinem Handy nah an den Baum heranmuss, kommt einer dieser Typen auf mich zu und bittet mich höflich, aber bestimmt darum, ihm nicht im Bild zu stehen, wenn die Sonne über den Kamm kommt. Ich versteh erst gar nicht recht was er will. Ihr wisst ja, mein Englisch ist verry not so good…aber irgendwann dämmert es mir, dass er von mir erwartet, dass ich meine Perspektive für ihn aufgebe und das Feld räume.

Ich Trottel tue ihm auch noch den Gefallen, wenn auch mit einem Grummeln im Bauch.
Dann beobachte ich, dass er nicht nur mich von der Fläche vertreiben möchte, sondern dass er auch die anderen nach und nach auffordert, ihm im entscheidenden Moment nicht im Bild zu stehen.

Gerade in dem Zeitfenster, in dem es spannend wird und Mister „Bitte alle aus dem Weg“ seinen Sonnenstrahl einfangen will, flaniert seelenruhig ein Pärchen hinter dem Baum hervor und bleibt mitten im Bild stehen. Diese Komik hat schon Filmpotential. Die zwei versauen zwar auch mir das Foto, aber die Situation ist urkomisch. Ich amüsiere mich mehr, als dass ich den Verlust meines eigenen Fotos bedaure – nicht, dass ich stolz drauf bin so gemein zu empfinden. Aber das nennt man wohl gerechten Ausgleich. Wie war das mit dem Karma?



Ganz Besonders spricht mich heute der salzige Boden an. Im Schatten sieht es fast aus, als würde die Landschaft im Mondlicht leuchten. Ich bin total fasziniert. Aus größerer Distanz würde ich die Pfanne beschreiben wie eine Schneelandschaft und die Bäume, als lägen sie im Winterschlaf. Märchenhaft wäre hier wohl der passende Ausdruck um die Szenerie zu beschreiben.



Allmählich wird es auch Zeit zum Jeep zurückzulaufen.
Während dessen kommen wir mit C. und R. aus der Schweiz ins Plaudern. Sie gehören zu unserer Gruppe und sind uns auf Anhieb sympathisch. Wir haben es sehr lustig und unterhaltsam miteinander. Mit den beiden könnten wir es gut ein paar Tage aushalten. 



Am Parkplatz erwartet uns ein kleines Frühstück. Während wir miteinander Essen, tauschen wir unsere Eindrücke aus – besonders natürlich über Mr. „Latsch mir nicht ins Bild“. Ich stelle fest, dass ich nicht die Einzige bin, die die Situationskomik mit dem Pärchen herzerfrischend unterhaltsam fand.

Während des Gespräches nehme ich im Augenwinkel Bewegung wahr und werfe dabei einen Blick über die Schulter in Richtung Vlei.
Ach du Schande, ich traue meinen Augen nicht. Das sieht beinahe aus, als wäre eine ganze Stadt auf der Flucht. Alle darum bemüht, schneller zu sein als die anderen. Ich habe das Gefühl, die jagen alle dem letzten Wassertropfen hinterher. Das ist doch der blanke Sandkasten-Alptraum.
Wenn hier jemand mitliest, der nicht von der Bevölkerung einer ganzen Stadt begleitet werden möchte, dem empfehle ich dringend, eine Übernachtung innerhalb des Parks zu buchen. Mir würde die Freude im Keim ersticken, wenn ich dieser Armada von Vlei-Pilgern hinterherlaufen müsste.

Wir machen noch den besagten Abstecher zur Düne 45. Das Licht ist jetzt schon recht hart. 
Der Wind strafft uns das Gesicht, eine kostenlose Zahn-Sandstrahlung inklusive. Es knirscht überall. Später zurück im Zelt werden wir selbst eine kleine Düne erschaffen, wenn wir unsere Schuhe ausziehen.

Aber jetzt genießen wir es, im Schatten unter einem Baum zu sitzen und den anderen ihr schweißtreibendes Bergsteiger-Abenteuer zu gönnen.
Wir haben gerade kein gesteigertes Bedürfnis uns das Blut aus den Poren zu schwitzen oder uns von der gnadenlosen Sonne ein Loch ins Hemd brennen zu lassen.



Während der Rückfahrt zur Lodge reden wir wieder angeregt mit C. und R., als R. plötzlich unser Gespräch unterbricht. Er lehnt sich vor, schaut den Fahrer an bittet ihn mit einer ruhigen, aber unmissverständlichen Autorität, das Handy während der Fahrt wegzulegen – das sei gefährlich.

Der Fahrer entschuldigt sich sofort. Kurz entsteht dieses typische betretene Schweigen, was mich selbst davon abgehalten hat, etwas zu sagen.

Dann erklärt uns R., warum er so reagiert hat: Während eines früheren Urlaubs ist er genau wegen so einer Situation verunglückt. Sein Fahrer starb später im Krankenhaus. Verständlich, dass er eingegriffen hat.

Ich wünschte, ich hätte in solchen Momenten auch mehr Mut.

Während wir weiter mit C. und R. plaudern, erzählen Uwe und ich von unserer geplatzten Ballonfahrt.


Ballonfahrt 2022


R. und C. berichten, dass sie am Nachmittag mit einer Cessna bis zur Küste fliegen – gestern seien noch zwei Plätze frei gewesen. Ob wir mitwollen? Ich bin sofort dabei. Uwe eher nicht, aber da die beiden deutsch sprechen, ist die Kommunikation für mich kein Problem.



Zurück in der Lodge geht R. direkt zur Rezeption und klärt alles für mich: Ich kann mitfliegen, die Rechnung geht aufs Zimmer, und um 15.30 Uhr holt uns der Transfer ab. Uwe freut sich nach dem frühen Start auf eine Siesta. Er jammert ja regelmäßig, weil ich ihn im Urlaub aus dem Bett scheuche – meine Standardphrase lautet schließlich: „Das Licht wartet nicht.“ Zum Abschied bekomme ich einen Kuss für alle Fälle.

Pünktlich werden wir zum Sossusvlei Adventure Center gebracht. Drei weitere Passagiere haben sich angemeldet – gut für den Preis, aber ob ich wieder den Loser‑Platz erwische, bleibt abzuwarten.

Wir sollen bis 16.00 Uhr warten und können auf der Terrasse etwas trinken. Wir setzen uns an den einzigen Schattenplatz. Weil keine Bedienung kommt, holen wir uns selbst etwas an der Bar. Kaum sitzen wir wieder, taucht ein Mitarbeiter auf und will uns vertreiben, weil der Tisch für den Abend eingedeckt werden soll. Es ist nicht mal 16.00 Uhr. Wir bitten um eine Viertelstunde – er lässt uns gnädig sitzen.

Sein Kollege ist weniger kompromissbereit und scheucht uns kurz darauf endgültig weg. Natürlich stehen wir auf. Wir sind ja höflich. Was wir denken, hört er zum Glück nicht.

Mit Tischen wird hier generell ein Riesending gemacht. In unserer Lodge ist es genauso: Das halbe Restaurant steht leer, auf den Stühlen bilden sich Sanddünen, und trotzdem sollen wir uns in die pralle Sonne auf Betonhocker setzen. Geht’s noch? Ein bisschen Service mit gesundem Menschenverstand wäre schön.

Um vier stehen wir wieder im Office. Die anderen drei Mitflieger sind nicht da. Wir sollen weitere 15 Minuten warten – niemand kommt. Man fragt uns, ob wir trotzdem fliegen möchten. Der Preis verdoppelt sich dann, weil man die ganze Cessna buchen muss. Wir sagen trotzdem Ja.

Dann sollen wir bezahlen. Wir erklären, dass die Lodge für uns gebucht hat und die Rechnung aufs Zimmer geht. Davon weiß hier niemand etwas, und man macht sich auch nicht die Mühe, es zu klären. Entweder wir zahlen jetzt – oder wir fliegen nicht. Friss oder stirb.

Ich habe weder Geld noch Visakarte dabei, R. auch nicht. Zum Glück hat C. ihre Kreditkarte zufällig dabei, weil sie Geld ziehen wollte. Sie bezahlt für mich mit. Die beiden würden ohnehin alleine fliegen und den Preis für sechs Personen tragen, daher ist das Risiko für sie überschaubar. Trotzdem bin ich unglaublich dankbar, dass ich ihnen das Geld nach dem Flug überweisen kann.

Wir werden zum Flugplatz chauffiert und gefragt, ob jemand vorne beim Piloten sitzen möchte.
R. würde gerne. Der Pilot macht ihn aber drauf aufmerksam, dass es hinten ein Fensterchen für die Kamera gibt. Daraufhin will er lieber hinten sitzen und weil er somit den besten Platz hat, wird mir der Vordere neben dem Piloten angeboten. Da höre ich mich nicht Nein sagen.



Direkt nach dem Start gleiten wir über die Dünen des Sossusvlei. Mir ist schon zu Fuß aufgefallen, wie grün dort alles war, aber der Blick aus der Vogelperspektive auf die grünen Dünen erstaunt mich dann doch. Sie sehen eher wie saftige Weiden aus und nicht wie Sandberge- völlig verrückt. Von unten erkennt man das längst nicht so umfassend.



Der Sand wird zur Leinwand und der Wind zum Künstler. Muster, Linien und Wellen schimmern im Nachmittagslicht in warmen Tönen aus Gold und Bronze. Die Wüste wirkt, wie ein riesiges Kunstwerk, das sich alle paar Kilometer verändert.
Uns verschlägt es die Sprache vor Faszination. Es wird während des ganzen Fluges kaum ein Wort gesprochen.





Erst fliegen wir über die Dünen, dann den Canyon, dann Richtung Küste.

Irgendwo da unten ist auch das Diamanten-Sperrgebiet. Mit der Cessna hier durch die Lüfte zu fliegen ist ein Traum aus Sand und endloser Weite.

Kurz bevor wir die Küste erreichen, liegt das Wrack der Eduard Bohlen halb vergraben wie ein abgemagertes Skelett in der Namib. Der Frachter lief 1909 bei dichtem Nebel in der Nähe der Conception Bay auf Grund. Heute liegen die rostigen Überreste des Schiffs etwa 400 Meter vom Meer entfernt. Der Anblick ist sowohl faszinierend als auch ein bisschen gespenstisch.

Dann ist auch schon die Küste in Sicht, sogar einige Robbenkolonien sind von hier oben erkennbar.



Den krönenden Abschluss bildet der Landeanflug in der Abendsonne. 

Nach ca. 90 Minuten landen wir sicher und sanft auf dem Boden, Wir machen noch ein Gruppenfoto, bedanken und verabschieden uns, und werden von unserem wartenden Fahrer wieder zurück zur Lodge gebracht. Wir sprechen immer noch kaum ein Wort, was wir erlebt und gesehen haben fühlt sich noch surreal an.




Fazit: Ballon oder Cessna

Wenn ihr mich fragt, was ich schöner fand: Die Ballonfahrt, oder den Flug mit der Cessna, muss ich leider antworten, dass es ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen.
Bei der Ballonfahrt ist man ca. eine Std. in der Luft, aber bei Sonnenaufgang und das gleiten unter freiem Himmel ist schon was besonderes, genau wie das anschließende feudale Frühstück in der Wüste. Kostenpunkt so um die 520 Euro pro Person. Und es wird im Anschluss um ein Trinkgeld für diejenigen gebeten, die das Frühstück zubereitet haben. Die Piloten gehen ebenfalls nicht leer aus und wenn ihr einen Transfer bucht, erwartet auch der Fahrer seinen Obulus. Also insgesamt summiert sich ein stolzer Preis.

Die Cessna macht es möglich ein viel größeres und sehr abwechslungsreiches Gebiet zu sehen. Das fotografische Erlebnis dürfte größer sein. Emotional sind beide in gleicher Weise überwältigend. Ich meine für die Cessna habe ich so ungefähr 450 Euro bezahlt bei einer Belegung mit drei Personen. 
Am Ende des Tages muss ich mich also glücklich schätzen, dass die Ballonfahrt abgesagt wurde. Denn so durfte ich beides erleben.

Unser Fahrer bringt uns zur Lodge zurück.

An der Rezeption wartet Uwe bereits auf uns. So langsam finden wir auch unsere Sprache wieder. Wir setzen uns alle vier noch zusammen, um etwas zu trinken und lassen den Nachmittag gemütlich ausklingen. Dann wird das Finanzielle geregelt und wir beschließen bei der Gelegenheit gemeinsam zum Dinner zu gehen.

Es sind keine Tische reserviert, so dass wir fragen, ob wir zwei Tische zusammenschieben dürfen. Da stoßen wir wieder auf die altbekannte Tischproblematik.
Die Antwort lautet: Nein das geht nicht! Wie bitte?
Das Restaurant ist leer und wo ist der Unterschied ob wir an zwei kleinen Einzeltischen nebeneinander sitzen, oder diese zusammenschieben?
Der Mitarbeiter zögert und will uns dann auf die besagten unbequemen Betonstühle setzen.
Diesmal protestiere ich. Ich sehe das überhaupt nicht ein. Das Restaurant ist komplett leer.
Es wird ja wohl möglich sein, anstatt an zwei kleinen getrennten Tischen zu sitzen, zwei kleine Tische zusammen zu schieben.

Es folgt eine absurde Diskussion. Einer bietet an, die Betonstühle auszutauschen. Ein anderer wirft ein: Es gibt keine anderen Stühle mehr. Ich habe das Gefühl ich befinde mich in einer Komödie.
Ich bleibe weiterhin hartnäckig während die anderen drei schon beginnen einzuknicken.

Am Ende sitzen wir doch zusammen im Restaurant auf bequemen Stühlen an zwei zusammengeschobenen Tischen. Wo war denn da jetzt bitte das Problem?
Jetzt wird es doch noch ein sehr lustiger und unterhaltsamer Abend und durchaus ein bisschen später als gewohnt, bis wir in die Heia kommen.

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zuletzt bearbeitet 31. Aug. 2026
Themenstarter1’032 Beiträge · seit 202330. Aug. 2026 ·


Mittwoch 14. Mai

Schreckensmoment

Wir packen unsere Koffer, lassen aber alles im Zimmer stehen und schließen ab.

Um 8.00 Uhr sind wir beim Frühstück. Dort treffen wir unsere liebgewordenen Bekannten C. und R. noch einmal, bevor sich unsere Wege, zumindest für diesen Urlaub, wieder trennen.

Kurz vor halb zehn schlendern wir gemütlich zu unserem Zelt zurück. Die Zeit zum Duschen reicht noch gut. Doch als wir die Tür aufschließen möchten, bemerken wir, dass sie schon offen ist. Uns rutscht das Herz in die Hosentasche, denn wir wissen sicher, dass wir abgeschlossen haben.

Beim ersten Blick in den Raum stellen wir fest, dass unsere Koffer noch genauso dastehen, wie wir sie verlassen haben. Wir prüfen, ob es mit den Wertsachen auch so aussieht. Tut es. Aber die Betten sind bereits abgezogen worden und ein Blick ins Badezimmer verrät mir, dass die Crew auch schon die Handtücher mitgenommen hat.

Wir finden diese Aktion ausgesprochen unprofessionell. Dass die Tür nicht mehr abgeschlossen wurde, obwohl unsere gesamten Sachen noch im Zelt liegen, ist inakzeptabel. Nicht einmal mehr duschen zu können, ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Fehler passieren – klar. Aber das reiht sich nahtlos in eine ziemlich lange Liste von Defiziten ein. Da gibt es weitaus günstigere Unterkünfte mit besserem Preis‑Leistungs‑Verhältnis.


Abhaken und auf zu neuen Abenteuern

Auf zu neuen Abenteuern. Die Ababis Guest Farm wartet auf uns. Leider führt unser Weg wieder über die HWS-Belastungs-Test-Strecke C27. Aber nicht so weit wie bei der Anfahrt zur Dead Valley Lodge. 


Unsere Tagesetappe ist heute recht kurz, daher beschließen wir einen Abstecher ins Tsauchab Camp zu machen. Nicht dass wir in Ababis noch als Staubwedel-Vorhut beim Housekeeping mithelfen müssen.

Im Camp melden wir uns an und zahlen das Permit für den Figtree Walk – der klingt nach einer botanischen Entdeckungsreise mit Schatten, Bewegung und vielleicht ein bisschen Abenteuer. Ich freu mich richtig auf einen idyllischen Spaziergang.
Zur besseren Orientierung bekommen wir eine handgezeichnete Karte. Das hat etwas charmantes und passt zu diesem urigen Ort. Das Camp ist eine Entdeckung, die wir uns als Übernachtungsoption für eine andre Reise notieren.

Wir fahren ein kurzes Stück Schotterstraße, dann heißt es: links abbiegen, Gatter öffnen, und schon rollen wir auf privates Gelände. 



Wir parken unser Wägelchen, sagen einem Wachmann kurz Hallo und laufen los. Gleich zu Beginn müssen wir einen Bach überqueren und dazu von Stein zu Stein hüpfen. Beide Seiten des Ufers sind üppig mit Bäumen und Gebüsch bewachsen, was eine leicht verwunschene Kulisse abgibt. Gefällt mir und sieht sehr vielversprechend aus. Meine Erwartungshaltung steigt.



Dann wird es kurz verwirrend, ob es hier oder da lang geht. Wir entscheiden uns für da und liegen richtig – diesmal ist Uwe der Kartenleser. Verlaufen ist heute wenig wahrscheinlich.



Wir laufen ungefähr zwanzig Minuten, dann sehe ich schon wieder unser Autochen. Na das ging ja schnell. Es war bestenfalls ein botanisches Senioren-Warm-up.  Gefühlte zwanzig Minuten, waren jetzt doch ein recht kurzes Vergnügen. Obwohl der Walk echt schön war.

Manche Dinge haben halt im Leben ihre Zeit und ihren Sinn: Der Wächter freut sich jedenfalls über die Begegnung mit zwei echten Menschen, wie ein Kind an Weihnachten. Er strahlt, läuft uns entgegen und sucht Unterhaltung. Unsere Gesellschaft tut ihm gut. 
Aber irgendwann müssen wir uns fast ein bisschen unfreundlich losreisen, weil er uns nicht mehr vom Haken lassen will.
Uns zieht es allerdings zurück zum Camp, denn dort gibt es Kaffee und Kuchen und einen sensationellen Skulpturengarten, der auf mich wartet. Mein Auslöser-Finger kribbelt schon.

Der Doktorwagen hat uns überholt. Da bekommen wir bestimmt ein Trostpflaster für den überraschend kurzen Weg.



Fast zeitgleich mit uns kommt eine kleine Gruppe an und bestellt erst mal Mittagessen. Es scheint, als gäbe es nur eine Gasflamme, und die wird gerade für die Schnitzel gebraucht. Deshalb hängt das heiße Wasser für unseren Kaffee noch eine Runde in der Warteschleife. Ist aber nicht schlimm. Wir sitzen im Schatten, haben stabiles WLAN und es gibt überall etwas zu entdecken.

Mich hält es gerade nicht auf dem Stuhl. Mir ist es sehr recht, dass der Kaffee dauert – ich muss mich hier ein bisschen umsehen. Dieser verrückte Skulpturengarten will entdeckt werden. Uwe ist hier online und damit bestens versorgt, ich kann ihn getrost allein sitzen lassen.

Meine Begeisterung ist groß – ich liebe solche Blech‑Skulpturen, und hier gibt es wirklich witzige Exemplare. Nach einer gefühlten Viertelstunde summt mein Handy, und ich erhalte eine WhatsApp: „Kaffee ist fertig“.

Die Zeit reicht leider nicht, um mit gebührender Aufmerksamkeit durch den Garten zu streifen. Aber jetzt genießen wir erst einmal den köstlichen, frischgebackenen Apfelkuchen, der mir weitaus besser schmeckt als jener, der im Netz immer noch auf dem Siegertreppchen für den angeblich weltbesten Apfelkuchen gefeiert wird.



Bevor wir weiterfahren, gönnt mir Uwe noch eine Runde durch den Garten, um den rostigen Herrschaften noch einmal meine Aufwartung zu machen. 

Dann rollen wir vom Hof und unserem heutigem Tagesziel entgegen.

Die restliche Strecke ist ein bisschen wie über Dünen zu reiten. Es geht immerzu rauf und runter. Aber die Straße lässt sich gut fahren und die Landschaft vorbei am Naukluft Park, zeigt sich von ihrer schönsten Seite.


Willkommen auf Ababis


Die Begrüßung übernimmt Kathrin. Sie zeigt uns gleich unser Zimmer und sagt, wir sollen erst mal ankommen. Um 16.00 Uhr gibt es auf der Veranda Kaffee und Kuchen. Den Check-in können wir später erledigen.
Das finden wir ja mal klasse.



Wir bekommen ein Eckzimmer mit zwei Terrassen und können uns aussuchen, ob wir lieber in der Sonne oder im Schatten sitzen möchten. Nachdem es heute Morgen nicht mehr möglich war zu duschen, könnte man behaupten, dass das Frische‑Verfallsdatum abgelaufen ist. Eine sofortige Brause darf als sozialer Dienst am Mitmenschen betrachtet werden. Also wird die schöne große Dusche sofort genutzt – das Haareföhnen übernimmt wieder der Wind.




Dann holen wir uns ein kühles Getränk (Selbstbedienung auf Vertrauensbasis) und setzen uns auf eine Bank im Schatten, mit Blick auf einen großen Baum. In seinen Zweigen ist ordentlich was los – der Zwitscher-Wettbewerb ist ein echter Ohrenschmaus. Wir beobachten mit Genuss das lebhafte Treiben direkt vor unserer Nase.

Eine Katze kommt vorbei, um uns zu begrüßen. Sie streicht einmal um unsere Beine, dann schmeißt sie sich genüsslich vor uns auf den Boden und macht unmissverständlich klar, wo wir bitte schön zu kraulen haben.
Wir geben unser Bestes. Sie rollt sich hin und her, ganz nach dem Motto: „Nein, ein bisschen weiter links… äh, nicht ganz so weit… die Richtung stimmt, aber ein wenig höher bitte… Jaaaah, Bingo – sooo ist gut.“ Dann wird geschnurrt wie ein Traktor.

Irgendwann ist ihr Wellnessbedarf befriedigt. Sie fängt an, die Landebahn der Vögel. zu beobachten. Ihr Körper befindet sich augenblicklich im Jagdmodus. Ich sag zu Uwe: Pass auf, gleich sehen wir unseren ersten Kill.

Lautlos schleicht der Miniatur-Tiger hinter eine Baumwurzel und geht in Deckung. Doch das Vögelchen am Boden startet wieder durch – und bringt sich in Sicherheit. Die Katze verdreht suchend den Kopf und entdeckt dabei ein neues Opfer. Der nächste Flattermann wird ins Visier genommen und ihr Körper geht erneut in Lauerstellung. Ihr Schwanz fegt ganz nebenher den Boden. Während sie den frischen Geschmack dieses ahnungslosen Kerlchens vermutlich schon auf ihrer Zunge spürt, kommt hinter ihr ein ganz frecher Vogel ins Spiel. Todesmutig hüpft er hinter dem Baum auf sie zu und macht es spannend. Kurz bevor er dem hochkonzentrierten Jäger quasi in den Schwanz picken könnte, hebt er ab und fliegt auf Rasierklingenhöhe ganz knapp über seinen Kopf hinweg. Die Katze erschrickt. Sie versucht ihm mit einem beherzten Pfoten Hieb noch eine zu Wischen, reagiert aber zu langsam und muss dabei zusehen, wie der nächste Snack den Abflug macht. Ist wohl nicht ihr bester Tag heute. Es gibt also doch keinen Kill vor unseren Augen – ist uns auch lieber so.

Während wir uns hier eine faszinierende Natur-Doku übers Jagen und gejagt werden ansehen, bemerken wir drei Jugendliche, die auf dem Gelände herumlaufen. Jeder bewaffnet mit einer fünf Liter Wasserflasche und einer Art Grillzange. Sie sammeln irgendetwas auf, aber was? Wir spekulieren und hoffen, dass es hier nicht so viele Skorpione gibt, dass man sie einsammelt. Müll kann es ja hier auf dem Lodgegelände nicht sein. Wir kommen nicht drauf. Um sie zu fragen, sind sie zu weit von uns entfernt. Na, da haben wir doch schon ein Gesprächsthema, wenn wir nachher mit Kathrin Kaffee trinken. Auch gut!



In der Lounge ist für sieben Personen eingedeckt. Wir wundern uns, denn Kathrin ließ uns wissen, dass wir heute die einzigen Gäste sind. Sie ist die Erste, die sich zu uns setzt. Dann gesellen sich ihr Mann Uwe und drei weitere Männer zu uns. Sie gehören zum Freundeskreis und helfen offensichtlich tatkräftig hier mit. Es gibt hier eine hauseigene Werkstatt. Vielleicht ist das ein Schrauber-Club mit Hang zum Öl Schnüffeln. Die Witze, die sie später machen, könnten ein Indiz dafür sein.

Mit Kathrin sind wir schnell im Gespräch, nicht zuletzt, weil uns brennend interessiert, was die Jugendlichen gesammelt haben. Des Rätsels Lösung lautet: Sattelheuschrecken.

Ich hoffe inständig, dass sie nicht in der Fritteuse landen und zum Abendessen serviert werden. Natürlich fragen wir nach ihrem Schicksal und erfahren, dass sie ohne ordentliche Gerichtsverhandlung zum Tode durch Hühnerfraß verurteilt werden. Klingt grausam, doch Sattelheuschrecken sind untereinander ja auch nicht unbedingt zimperlich: Wenn einem nach saftigen Haxen gelüstet, humpelt der nächstbeste Kumpel bald auf drei Beinen durchs Leben ...und wenn noch jemand Lust auf Haxen hat, kannst du dir ja ausrechnen wie viele Krücken nötig werden, bis der arme Kerl abdankt. Da wirkt der sofortige Tod durch Huhn fast noch gnädiger.

Kathrin erklärt uns, dass die Jugendlichen keinen Job haben. Sie möchte ihnen die Möglichkeit geben, etwas Sinnvolles zu tun und sich dabei auch noch ein kleines Taschengeld zu verdienen – eine bemerkenswert soziale Initiative. Eine von vielen, denn sie kümmert sich auch darum, dass die Kinder ihrer Angestellten zur Schule gehen können und sogar um Verhütung, wenn die Mädchen ins geschlechtsreife Alter kommen.

Kathrin und ihr Mann Uwe stehen kurz vor ihrer Reise nach Deutschland und befinden sich gerade mitten in der Zepter-Übergabe. Die Männer stecken tief im Organisationsmodus und haken To-do Listen ab. Wir fühlen uns ein bisschen fehl am Platz. Wir verstehen die Aufbruchstimmung zwar, würden aber in dem Fall fast lieber allein an einem Tisch sitzen.

Wir haben bereits schon vor Ewigkeiten für den Ankunftstag eine Farmrundfahrt gebucht. Der Schlenker übers Tsauchab Tal kam mir erst viel später in den Sinn, so dass ich per Mail den Drive auf den nächsten Tag umbuchen lies.

Meine Nachricht muss allerdings irgendwo falsch abgebogen und in den Weiten des digitalen Nirwanas verschwunden sein. Die Zeit ist hier im Moment aufgrund der Aufbruchstimmung getaktet und der Drive für heute eingeplant. Man bietet uns zwar großzügig an, dass wir auch morgen fahren können, aber uns ist klar, das würde das Zeitmanagement der Männer durcheinanderbringen. Das möchten wir nicht. Für uns ist es auch kein Drama, den Ausflug in die Pampa heute zu unternehmen. Um 17.00 Uhr soll es los gehen. Wir haben noch ein Viertel Stündchen Zeit, um uns startklar zu machen.

Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk wartet Rolf vor dem Tor mit dem Jeep auf uns. Er scheint der Mann fürs Gästeglück zu sein, solange Kathrin und Uwe auf Abwegen sind. Da es momentan außer uns keine anderen Gäste gibt, bekommen wir einen privaten Drive – besser geht’s ja kaum.


Umgeben von den Naukluftbergen



Das Farmland mit seiner Weite wird von den Naukluft -Bergen förmlich umarmt. Die Felder sind üppig bewachsen mit dem filigranen Silbergras. Es hat schon einen gelblichen Farbton und suggeriert reife Kornfelder. Hin und wieder beleben saftig grüne Bäume die Landschaft.


Doch so faszinierend es hier aussieht, die Tierwelt hält sich bedeckt. Nur ein paar Zebra-Badewannen zeugen von ihrer Existenz und diverse Antilopen-Köttel davon, dass hier auch tierisches Leben unterwegs ist.

Die meisten sind im Moment – zumindest hier- eher als Einzelgänger unterwegs. Ganz unerwartet taucht plötzlich ein Schabrackenschakal weit vor uns auf dem Weg auf. Er schaut kurz in unsere Richtung – zu kurz leider für ein Foto –, dann dreht er ab, springt ins hohe Gras und ist wie vom Erdboden verschluckt, verschwunden.

Ganz in der Ferne können wir ein paar schwarze Punkte ausmachen. Rolf sagt, es seien Gnus und versucht sich ihnen zu nähern. Aber ihr Fluchtreflex lässt keine Annäherung zu, die eine Beobachtung interessant machen könnte.
Ein Weilchen später steht ein stattlicher Oryx-Bulle im bauchhohem Gras- stolz, wie in die Landschaft gemalt. Das gäbe eine tolle Nahaufnahme, wenn ich gescheites Fotozeugs dabei hätte.



Schließlich entdeckt Rolf einen „Busch mit Giraffenkopf“. Er fackelt nicht lange rum, und fährt querfeldein, um dem Tier näher zu kommen. Nach und nach wachsen noch zwei weitere Köpfe aus dem Gebüsch. Nach einer Kurve sehen wir sie in ihrer ganzen Größe. Sie dulden uns auf respektvolle Distanz. 



Mein persönliches Highlight ist ein zweiter Schakal, der uns die Ehre gibt. Er sitzt herzallerliebst, niedlich und ruhig im Feld. Ein märchenhaftes Bild. Er sitzt da ganz entspannt, als würde er das Fotoshooting genießen. Ich kann ihn in aller Ruhe fotografieren. Dann steht er auf und wendet sich ab, bleibt aber noch einmal stehen und dreht sich um, so als würde er mich fragen wollen, ob ich vielleicht noch ein letztes Foto von ihm machen möchte. Meine Güte, das Tier ist so goldig. Mir läuft das Herz über.



 Nachdem er seinen Abendspaziergang wieder aufnimmt, fahren auch wir weiter, hinein in einen Sonnenuntergang, dessen Farben mich restlos begeistern.




Ein unverschämt guter Duft wabert aus der Küche bis zum Parkplatz herüber. Sofort meldet sich mein Hungergefühl, und die Vorfreude aufs Dinner steigt beträchtlich. Es schmeckt hervorragend. Wir sitzen mit Kathrin und ihren vier Herzbuben an der langen Tafel. Anfangs drehen sich die Männergespräche noch um ihre To‑do‑Liste. Doch dann kommt das Fahrtraining zur Sprache. Mein Uwe wirft einen Witz ein – und zack, ist das Eis gebrochen. Die Ababis‑Männer vergessen ihre To‑do‑Liste und schalten in den Modus „lockeres Plaudern“ um. Schon beginnt ein Schlagabtausch, bei dem unsere Lachmuskeln bis zum Schmerzpunkt zum Einsatz kommen.

Robert, der morgen das Fahrtraining mit uns übernimmt, bereitet uns mental schon einmal auf den „Todeshügel“ vor. Es gab dort tatsächlich einmal eine brenzlige Situation, bei der eine Fahrschülerin nur haarscharf an einem Roll over den Berg runter vorbeischrappte. Uwes Respekt vor dem Fahrtraining steigt ins nächste Level. Die Männer haben echt einen rabenschwarzen Humor.

Irgendwann bringe ich die Frage ins Spiel, die mir immer noch keine Ruhe lässt: Was war das für ein „Schlängerl“ auf Koiimasis? Ich zeige mein Fahndungsfoto und sofort hat es ungeteilte Aufmerksamkeit. Es wird sogar ein Handbuch geholt. Aber eine klare Identifikation gibt es leider trotzdem nicht.

Rolf, der zum festen Inventar der Ranch gehört, mahnt uns beim Thema Schlangen zur Vorsicht. Seine Sorge gilt momentan hauptsächlich den Haustieren. Jetzt sei Puffotter-Zeit, und kurz vor dem Winter sind sie besonders gefährlich.
Na klasse – danke, Rolf. Das beruhigt mich jetzt ungemein. Diese Viecher sieht man ja so gut. Und ist das nicht die Spezies, die sich eingräbt und hinterhältig auf Beute lauert, also keineswegs flüchtet, wenn menschliche Schritte ein Schlangen-Erdbeben auslösen? Joa, jetzt Ich fühle mich doch gleich viel sicherer. Auf zum nächsten Spaziergang.


Donnerstag 15. Mai



Heute steht nun also das Fahrtraining auf dem Programm. Wir sind mächtig gespannt was auf uns zukommt. Am Frühstückstisch sitzen wir wieder in derselben dominierenden Männergesellschaft wie gestern Abend.
Der schwarze Humor ist ausgeschlafen, frisch und munter unterwegs. Die Sprüche fliegen quer über den Tisch, mal trocken, mal deftig, aber immer auf unserer Wellenlänge. Die haben sich hier wirklich gesucht und gefunden – und nachdem das Eis gebrochen ist, fühlen wir uns inzwischen, als würden wir dazu gehören.

Um halb zehn startet der theoretische Teil des Offroad‑Unterrichts für Uwe. Ich setze mich dazu. Lernen wird heute aber nur er. Ich verstehe von Technik ungefähr so viel  wie ein Sack Reis. 

Ich bin heute nur die Undercover-Detektivin und sammle fleißig Beweisfotos. Nach einer Stunde Theorie über Technik, Traktion und das richtige Timing – also: Wann drückt man welchen Knopf, und wozu eigentlich? – geht’s raus ins Gelände. Jetzt wird es auch für mich interessant!



Zuerst tuckern wir gemütlich über harmlose Feldwege dahin – das ist sozusagen das Warm-up für Mensch und Maschine. Ein bisschen wie, wenn man seine Frau nach vielen Jahren ganz neu kennenlernt.

Dann wird’s spannender: Ein trockenes Flussbett mit sowohl steinigen als auch tiefsandigen Passagen wartet auf sein erstes Date.
Die Natur hat hier ganz unaufgefordert eine Offroad-Teststrecke für Ababis gebaut. Cool, oder?
Uwe übt das Fahren über grobe Steine und kämpft im Sand darum, in der Spur zu bleiben – was als stiller Zuschauer gar nicht so schwer aussieht, ist hinterm Steuer eine ganz andere Hausnummer.



Dazu haben unsere Reifen auch noch zu viel Luft im Bauch. Das macht’s deutlich schwieriger, aber genau darum geht’s ja heute. Luft rauslassen wäre viel zu einfach, findet Rolf– wo bliebe da der Spaß? Also: Uwe hat zwar gelernt, dass man für die Sandfahrt den Reifen pupsen lässt, aber zum Üben ist der Schwierigkeitsgrad nicht verkehrt.

Im Tiefsand kommt der Befehl: Jetzt Vollbremsung – und dann Gaspedal bis zum Anschlag durchtreten. Uwe weiß, was passieren wird. Aber er tut, was ihm geheißen wird – erst zögerlich, dann mit vollem Bleifuß. Ich sehe live dabei zu, wie sich der Hilux bis zur Türschwelle eingräbt. Rolf ist zufrieden: Mission erfüllt.
Uwe darf aussteigen, und wir bewundern gemeinsam, wie tief sich unser Wägelchen in den Sand gebuddelt hat. Aus so einem tiefergelegten Offroader steigt man übrigens mit 60 nicht mehr ganz so elegant wie vor zwanzig Jahren – aber hier müssen wir ja niemandem imponieren. Und Rolf dürfte nicht zum ersten Mal dabei zusehen, wie sich ein alter Knochen aus der Kiste schält.



Wir stehen vor dem Wagen, sehen wie tief die Reifen im Sand stecken und warten auf den Befehl: Schaufeln aus dem Auto holen und buddeln. Ich denke, Rolf zeigt uns wie man sich richtig freischaufelt, wenn der Sand immer wieder nachrutscht, oder dass Sandbleche zum Einsatz kommen. Aber nö, so ein Gedöns brauchst du gar nicht, wenn du mit einem Hilux unterwegs bist und weißt, was er kann.
Rolf führt Uwe lediglich vor, wie man buddeln müsste, falls es der Hilux mal nicht schaffen sollte.

Die Schaufel-Akrobatik bleibt uns also heute erspart. Uwe darf wieder einsteigen und plumpst wie eine Kartoffel in den Sitz. Das sei nur am Rande erwähnt.
Dann darf er sich an der Technik austoben und alles einsetzen was der Wagen zu bieten hat. Wir staunen nicht schlecht, als wir sehen, wie souverän sich der Hilux von allein aus dem Sandkasten befreit.

Und damit zur wichtigsten Lektion des Tages:
Es kommt nicht in erster Linie drauf an, was der Fahrer kann, sondern dass er weiß, was der Hilux kann. Das allein gibt dir das Gefühl: Egal wie herausfordernd ein Gelände ist, der Hilux schafft das. Sofern man nicht gänzlich ohne Sinn und Verstand unterwegs ist. Und sollten wir ihn doch einmal mit einer Schaufel unterstützen müssen, lernen wir, dass wir den Sand vor dem Reifen gut vermöbeln müssen, damit er sich festigt und wieder Grip serviert.

So, Sandfahrt ist abgehakt. Weiter geht es im Programm.
Jetzt kommt die Schrägfahrt.
Was von außen betrachtet noch nicht den Blutdruck tangiert, fühlt sich am Steuer an wie eine Gradwanderung kurz vor dem Umkippen. Ich überlege, ob wir je freiwillig so eine schräge Tour fahren würden.

Aber wer weiß, ob wir nicht einmal zu einem Umweg gezwungen werden, der unsere Nerven auf diese Weise zum Kitzeln bringt. Wenn ich mir vor Augen halte, wo wir schon auf geführten Game Drives schräg in die Flussbetten oder wieder rausgefahren sind, ist so eine Situation vielleicht doch nicht so abwegig. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man im Ernstfall frische Unterhosen braucht, wenn man das noch nie geübt hat.



Als nächstes werden Steilfahrten rauf und runter geübt. So stelle ich mir die Strecke von Nossob nach Bitterpan im KTP vor. Dann ist es ja gut, dass wir das heute üben, denn im Februar werden wir unseren Dünenritt im KTP antreten.
Beim Runterfahren bin ich fast sicher, dass unser Kühlergrill mit dem Boden flirtet und nicht mehr viel für einen Kuss fehlt. 



Jetzt geht es in die Grube. Nachdem wir schon Schräg und Steil gefahren sind, macht das keinen allzu großen Unterschied im Fahrgefühl. Mit Allrad und Untersetzung meistert das Uwe weitgehend mit Links.

Als nächstes steht Achsenverschränkung auf dem Programm – quasi Yoga für unser Fahrwerk. Dafür spendiert uns Ababis eine Strecke mit besonders gemeinen Bodenwellen, die jede Achse einzeln ins Schwitzen bringen.
Während eine Seite unseres Wägelchens brav auf dem Boden bleibt, wird die andere ordentlich gedehnt und gestreckt – und das gleichzeitig. Die Verschränkung zeigt uns, wie beweglich unser Fahrwerk wirklich ist, wenn die Achsen unterschiedlich stark belastet werden – ich bin ein bisschen neidisch.

Um zu vermeiden, dass das Fahrwerk übermotiviert federt oder sich gar einen Leistenbruch zuzieht, kriecht Uwe so langsam über die Wellen, dass man meinen könnte, er hat den Rückwärtsgang eingelegt. Die Mechanik arbeitet an ihrer Belastungsgrenze, und genau das ist von Rolf beabsichtigt: Wir lernen, wie man solche Situationen meistert, ohne dass es knackt, kracht oder teuer wird.

Letzte Übung "Erdbeben-Fluchtweg"
Eine etwa 40 cm breite Auswaschung zieht sich quer über den Weg. 



Und dann kommt der krönende Abschluss – die Königsdisziplin des heutigen Tages. Rolf schickt uns den besagten Todeshügel hoch. Ich kann es nicht glauben, dass wir da allen Ernstes hochfahren sollen. Es geht echt steil bergauf. Die Steilfahrten im Training hatten nicht mehr als Fahrzeuglänge. Jetzt aber geht’s auf einen richtigen Berg – mit Ausblick. Zwar müssen wir denselben Weg auch wieder runter, aber oben angekommen genießen wir erst mal die weite Sicht über die Naukluft Berge. Schade, dass man auf den Fotos die Höhe des Berges gar nicht erkennt. Aber das ist schon ein beeindruckender Moment.



Jetzt erzählt uns Rolf, wie der Berg zu seinem Namen kam: Bei einem früheren Training wurden rechts und links verwechselt, sodass das Fahrzeug in eine tatsächlich gefährliche Schräglage geriet – und nur um Haaresbreite dem freien Fall entgangen ist. Seitdem trägt dieser Anstieg seinen Namen nicht ganz zu Unrecht. Beim Runterfahren spüren wir wieder unseren Puls, und das eine oder andere Mal halte ich die Luft an. Aber letztendlich kommen wir auch ohne Herzrhythmusstörungen wieder runter.

Das Training inklusive Theorie dauert ungefähr viereinhalb Stunden. Danach fahren wir zurück zum Guesthouse. Ich möchte behaupten: Das Schwierigste am Training ist die mentale Herausforderung. Man muss seine Bedenken überwinden und der Technik einen Vertrauensvorschuss geben.

Fazit: Das Training war uns sowohl die Zeit als auch das Geld absolut wert. Wir hatten Privatunterricht mit echter Qualität.

Den Rest des Tages lassen wir gemütlich auf unserer Veranda ausklingen und verarbeiten den erlebnisreichen Vormittag. Bevor wir zum Abendessen gehen, werden wir noch mit einer wunderbaren Abendstimmung beschenkt. Bei Tisch wird es mit einem leckeren Menü und einem edlen Tropfen gewohnt lustig, bis wir alle müde dem Ruf unserer Betten folgen. Gute Nacht, Namibia.



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zuletzt bearbeitet 07. Sept. 2026