NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202304. Juni 2026 ·
Hallo Andrea, freut mich sehr, dass du dabei bleibst. Ich schreibe gerade am nächsten Tag und kann immernoch kaum fassen, wie schön der war. Und die große Überraschung kommt erst ganz am Schluss 🤪 Schönen Abend für dich
Ich schreibe gerade am nächsten Tag und kann immernoch kaum fassen, wie schön der war. Und die große Überraschung kommt erst ganz am Schluss 🤪
Hi Silvia, du machst es ganz schön spannend! Nächste Woche ist bei uns zwar Hundeurlaub in der Heide angesagt, aber abends werde ich bestimmt Zeit fürs Forum haben.
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202307. Juni 2026 ·
Freitag 28. Februar
Langschläferfrühstück
Uwe hat sich in der Nacht übergeben. Das Essen im Steak House hat offensichtlich nicht nur nicht geschmeckt, sondern war auch nicht mehr so ganz in Ordnung.
Das Frühstück wird wieder zur Längschläfer-Zeit serviert. Wir sitzen in einer gemütlichen und begrünten Nische im Garten und bestellen Kaffee und ein a La Card – Frühstück. Getränke und Joghurt werden schnell geliefert. Aber der Rest lässt 20 bis 30 Minuten auf sich warten – steht auch so in der Karte, ist nur blöd, wenn man nicht früher frühstücken kann und eigentlich am liebsten schon unterwegs wäre. So wird es halb neun, bis wir im Auto sitzen.
Die wahren Chefs der Straße
Unser heutiges Ziel: Betty’s Bay. Wir fragen Dr. Google nach einer schönen Strecke. Und siehe da: Der Clarence Drive ploppt auf. War das nicht genau die Route, die uns in Oudtshoorn so enthusiastisch ans Herz gelegt wurde? Klingt nach einem Plan. Also, Adresse ins Navi gehackt und Schlüssel umgedreht.
Doch bevor wir die Postkarten-Idylle genießen dürfen, müssen wir irgendwie die Flucht aus der Stadt überleben. Der Verkehr ist mörderisch. Flucht passt ganz gut, denn was da auf der Straße abgeht, ist der reinste Kleinkrieg: Der Stärkere und Mutigere gewinnt. Und wie die Kopf und Kragen riskieren, da haut`s mir echt den Nucki raus.
Am schlimmsten sind die Minibus-Taxis. Diese Jungs sind wie die Henker unterwegs. Verkehrsregeln gelten für die nicht. Die haben alle eine Sondergenehmigung. Ganz nach dem Motto: „Weg da, jetzt komm ich!“, wird permanent gedrängelt, geschnitten und möglichst nah an unserem Auspuff gerochen. Sie überholen links und rechts, und falls wir bremsen müssen – einfach die Abkürzung mitten durch oder über uns drüber. Das Sahnehäubchen bekommen wir dann, wenn einer nach seinem waghalsigen Überholmanöver eine spontane Vollbremsung direkt vor unserer Nase einlegt. Unsere Nerven liegen blank. Also Leute, falls ihr mal Lust habt, in so einen Bus einzusteigen: Windel anziehen!
Dass diese Fahrweise ein Ablaufdatum hat, zeigt sich prompt ein paar Kilometer weiter: Da hat es auch schon einen der „Straßen-Chefs“ erwischt – klassischer Auffahrunfall, die Polizei ist schon da und die Koffer der Fahrgäste stehen auf der Straße. Scheint zum Glück nur ein Blechschaden zu sein. Wir schlängeln uns am Drama vorbei und lassen den urbanen Straßenkrieg hinter uns.
Bühne frei für den Clarence Drive
Langsam nähern wir uns dem Clarence Drive und landen in einer völlig anderen Welt. Und mein lieber Scholli, die Strecke hält nicht nur, was man uns versprochen hat – sie setzt noch einen drauf! Der Ausblick auf das tiefblaue Meer ist so sagenhaft schön, dass mein Herz augenblicklich dahinschmilzt. Alle paar Meter halten wir an, diese Aussicht muss genossen und bis zum Abwinken fotografiert werden.
Ich lehne mich jetzt mal weit aus dem Fenster und behaupte: Der legendäre Chapman’s Peak Drive kann einpacken. Das hier ist das wahre Juwel unter den schönsten Küstenstraßen!
Wir haben natürlich auch das unverschämte Glück, dass wir das schlechte Wetter und die Trübsalwolken von gestern hinter uns gelassen haben. Heute strahlt der Himmel im royalen Blau und lässt ab und zu ein Wölkchen tanzen. Die Sonne scheint, das Wasser glitzert, die Wellen zeichnen mit ihren Schaumkronen Muster, wenn sie aufs Land treffen, und lassen die Strände lebendig wirken. Dazu die Berge, die die Buchten einrahmen... Es ist eine fantastische Strecke, die könnte ich den ganzen Tag hin und her fahren.
In einer Bucht steht sogar ein Food-Mobil und bietet Kaffee und Kuchen an – ich möchte allerdings nicht wissen, was der kostet, falls die schöne Aussicht mitberechnet wird.
Guckst du – dann siehst du
Wir finden den Stony Point in Betty’s Bay ohne unnötige Umwege und biegen voller Vorfreude auf den Parkplatz ein. Und – Mist, wie blöd – da steht ein großer Reisebus. Unsere Vorfreude macht den Abgang.
Aber wer braucht schon den offiziellen Steg? Wir sehen, dass man auch nach links am Strand entlanglaufen kann. Und das Beste: Dieser Abschnitt kostet nicht mal Eintritt! In netten Abständen laden Bänke dazu ein, das Gehirn auf Stand-by zu schalten und mit dem Wellenrauschen in den Zen-Zustand zu fallen.
Aber wir wollen uns erst mal ein bisschen die Beine vertreten. Obwohl – weit kommen wir gar nicht. Auf dieser Seite des Strandes liegt jede Menge Schwemmholz und Algen-Salat herum. Dazwischen gibt es Felsen, die von flachen Wellen umspült werden, und ein paar vereinzelte Büsche. Wir verschaffen uns gerade einen ersten Überblick, als wir plötzlich wie aus dem Nichts die ersten Frackträger entdecken – und zwar nur, weil einer im feinsten Watschelgang direkt auf uns zukommt. Kaum schärft man den Blick, sieht man sie plötzlich überall: Sie stehen, sitzen oder schwimmen herum und sind Meister der Tarnung. Ein einfaches Seil trennt den Weg vom Ufer und soll den Pinguinen die nötige Komfortzone verschaffen. Spoiler: Die Pinguine halten sich nicht an das Seil.
Wir sind maßlos überrascht, hier am Gratis-Strand so viele Tiere zu sehen – gefühlt weit mehr als damals am Boulders Beach. Und vor allem haben sie keinerlei Berührungsängste. Der watschelnde Kollege von eben drückt sich gerade durch eine Mulde unter einem Busch durch und steht – schwupps! – plötzlich einen knappen Meter vor uns.
Der kleine Kerl mustert erst Uwe, dann mich, schaut völlig unschlüssig, wen von uns beiden er cooler findet, und bleibt einfach mit seinem herzerwärmenden Niedlichkeitsfaktor zwischen uns stehen. Was für ein unglaublicher Moment! Uns geht so das Herz auf. Ich hatte ja gehofft, den Tieren wenigstens so nah zu kommen, dass man sie auf dem Handyfoto nicht mit einer Möwe verwechselt. Aber der hier ist so nah, ich könnte ihn fast am Bauch kraulen. Besser kann es echt nicht mehr werden – und das in den ersten Minuten!
Mr. Neugierig verabschiedet sich irgendwann und wir erobern eine Bank, um dem restlichen Pinguin-Clan beim Planschen, Putzen und Kuscheln zuzusehen. Auch ein paar Enten haben sich auf den Steinen im seichten Wasser im Wellness-Modus niedergelassen. Allerdings haben sie die Rechnung ohne die Flut gemacht. Das Wasser steigt, die Steine versinken und die Enten bekommen im Minutentakt ein nasses Popöchen, was zu einer allgemeinen Umsiedlung auf höhere Steinbrocken führt.
Das Wellenrauschen entfaltet langsam seine hypnotische Wirkung. Wir sind uns einig: Wenn wir jetzt nicht aufstehen, fallen wir ins Koma.
Auf dem Rückweg zum Auto die Überraschung: Der Reisebus ist weg! Die Luft ist rein. Also beschließen wir kurzerhand, doch noch den Eintritt zu blechen und die Runde über den offiziellen Holzsteg zu drehen. Beste Entscheidung!
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202307. Juni 2026 ·
Gleich am Anfang entdecke ich zwei Dassies in den Felsen. Beglückt beobachten wir die goldigen „Riesenmeerschweinchen“ oder „Mini-Elefanten“ mit ihren süßen Gesichtern und den runden Knopfaugen. Natürlich watscheln auch hier Pinguine herum, oder brüten in ihren Höhlen. Aber am anderen Ufer waren sie uns deutlich näher.
Wir laufen weiter und beobachten einen Kormoran, der auf dem Geländer sitzt und seine Flügel in den Wind hängt wie ein Handtuch zum Trocknen. Je weiter wir auf den Steg vordringen, desto mehr mutiert die Kulisse zum Hitchcock-Film: Unzählige Seevögel versammeln sich auf den riesigen Felsen im Wasser. Mächtige Wellenbrecher donnern dagegen, spritzen meterhoch in den Himmel, bevor sie sich schäumend über die flacheren Steine ergießen. Die Kraft des Wassers ist absolut respekteinflößend und faszinierend zugleich. Wir lassen uns eine ganze Weile von diesem gigantischen Rhythmus berauschen. In immer kürzeren Abständen ballern die Wellen gegen die Felsen und schießen ihre Fontänen gen Himmel. Was für ein Tag!
Ich dachte wirklich, der Clarence Drive wäre heute nicht mehr zu toppen – aber dieses Pinguin- und Naturwunder hier kann locker Schritt halten. Gleich zwei Erlebnisse an einem einzigen Tag, die meine Begeisterungsfähigkeit komplett an den Anschlag bringen! Das muss man erst mal verkraften und dabei ist das heute noch längst nicht alles, was mich umhauen wird.
Verlegenes Wine Estate – oder wie hieß das nochmal?
Am frühen Nachmittag bekomme ich den Clarence Drive also von der anderen Seite zu sehen. Aber unser eigentliches Ziel ist ein Weingut, bei dessen Namen ich eine Verlegenheits-Eselsbrücke brauchte. „Vergelegen“ – wer denkt sich denn so einen komischen Namen aus? Anscheinend soll er so viel bedeuten wie: „gelegen – weit weg – entlegen“.
Wir fahren also zum Wine Estate – ganz weit weg und, man mag es kaum glauben, nicht wegen des Weines. Ich habe mal Fotos gesehen und seither steht das Gut ganz oben auf meiner Wunschliste. Meine Fotos und auch meine Worte können wirklich nicht wiedergeben, wie unbeschreiblich schön es dort tatsächlich ist.
Vielleicht habt ihr Anfang März mitbekommen, dass es auf dem Gut gebrannt hat. Betroffen war zum Glück nur das Restaurant. Es wurden keine Menschen verletzt, keines der historischen Gebäude beschädigt und die 300 Jahre alten Bäume sind auch verschont geblieben. Der Wiederaufbau des Restaurants wird noch dauern, aber der Rest ist nach wie vor einen Besuch wert.
Bei der Einfahrt bekommt unser Autochen erst einmal eine Fußwaschung. Dann finden wir problemlos einen Parkplatz und betreten zunächst das Hauptgebäude – nur um es auf der anderen Seite über die Terrasse wieder zu verlassen. Hier kann man ein Wine-Tasting buchen. Das Ambiente ist sehr einladend, aber wie gesagt, gehören wir heute zu den Rebsaft-Verweigerern. Uns steht eher der Sinn nach einer kleinen Mahlzeit oder Kaffee und Kuchen, oder am besten beides.
Schon die ersten Meter im Garten haben den absoluten Wow-Faktor. Das ist eine Botanik, ein Flair, den man schwer beschreiben kann. Für mich sind diese ehrwürdig alten Bäume das A und O des ganzen Anwesens. Die haben Kriege überlebt, Brände, Stürme, und sie stehen trotz allem noch hier, kräftig und imposant.
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202307. Juni 2026 ·
Auf den riesigen Wiesen, die von den mächtigen Bäumen eingerahmt sind, finden sich in großen Abständen Stühle und andere Sitzgelegenheiten. Hier könnte man absolut ungestört sein eigenes Picknick ausbreiten und einfach den lieben langen Tag vor sich hinträumen. Oder arbeiten. Oder lernen. Oder was auch immer man tut, wenn man an einem der schönsten Orte der Welt sitzt und die Seele baumeln lässt.
Rosenpracht überall
Dann kommen die ersten Bassins mit Seerosen. Vor meinem inneren Auge sehe ich wie vor weit mehr als 100 Jahren die Damen in ihren langen Roben, mit Sonnenschirmchen hier herumflaniert sind.
Wir flanieren ohne Sonnenschutz auf direktem Weg zum Rosengarten. Dort gibt es ein Kaffee. Obwohl bereits viele Gäste auf der Terrasse sitzen, finden auch wir noch einen letzten Platz unter einem Schirm. Wir bestellen uns ein leichtes Mittagessen und gönnen uns danach noch einen Cappuccino. Der Service arbeitet zackig und der Preis ist total okay. Gegenüber der Terrasse wurde ein riesiger Rosengarten angelegt, wir haben sogar das Glück, dass sie in Blüte stehen. Hinter den Rosenrabatten lockt sogar eine Gelateria.
Während Uwe ein bisschen am Handy „rumtöckelt“, muss ich mal einen Blick in den Shop werfen und die sanitären Anlagen aufsuchen. Der Laden hat wieder diesen wunderschönen Landhaus-Charme. Da würde mir so manches gefallen. Allerdings wäre die Beförderung nach Hause ein bisschen umständlich, also belasse ich es beim Schauen und Schwärmen.
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202307. Juni 2026 ·
Träum weiter…
Das Wetter könnte nicht schöner sein. Wir spazieren durch die Gartenanlagen, flanieren zwischen den historischen Gebäuden und verlieren uns in einem verträumten Waldstück. Überall laden Bänke zum Verweilen und Genießen ein. Am Ufer eines schmalen Flusses, den man über eine kleine Hängebrücke überquert, wachsen Farne und uralte Bäume. In ihren Zweigen herrscht ein ständiges Wuseln, Flattern und fröhliches Gezwitscher.
Das Beste daran: Wir begegnen zwar anderen Besuchern, aber immer auf angenehme Distanz. Es fühlt sich herrlich exklusiv und entspannt an – genau mein Ding.
Kann ich hier einziehen?
Auch dem Herrenhaus statten wir einen Besuch ab. Ein paar Räume darf man einsehen, und eine Angestellte sorgt dafür, dass sich die Besucher angemessen benehmen. Wir kommen mit ihr ins Gespräch und freuen uns, hier im Haus diesen Spirit vergangener Zeiten zu spüren.
Das Foyer ist wie ein Durchgang: auf einer Seite rein, auf der anderen raus. Und schon stehen wir im nächsten weitläufigen Garten. Es ist so unglaublich schön. Ich mag hier gar nicht mehr weg. Aber leider hat alles irgendwann ein Ende.
Hackfleisch – Ibisse, oder wie heißen die?
Auf dem Weg zum Parkplatz sitzen zwei Hagedasch-Ibisse auf einer tiefen Baumgabel, dicht über unseren Köpfen. Was für ein schöner letzter Moment vor unserer Weiterfahrt.
Mittlerweile ist es früher Abend geworden. Wir machen uns auf den Weg zum Cottage und nehmen die Strecke über den Baden Powell Drive, Muizenberg und Noordhoek, um so auf den Chapman’s Peak zu gelangen. Allerdings ist ausnahmslos jeder Aussichtsplatz zugeparkt. Das ist so schade, und sich irgendwo reinzuquetschen – danach steht uns gar nicht der Sinn, Sonnenuntergang hin oder her. Aber so ist das leider mit den Hotspots.
Nun stellt sich die Frage, wie wir es heute Abend mit unserer Reservierung halten. Unsere Reservierung im Steakhouse war ja eigentlich für heute vorgesehen, aber allein der Gedanke an gestern reicht, um uns bewusst zu machen, dass wir vom Mittagessen noch bestens gesättigt sind. Wir schenken uns also das Steakhouse und lassen den Abend lieber im „Parker Haus“ ausklingen.
Kleiner Wermutstropfen: Was mich hier stört – und was in solchen alten Gemäuern keine Seltenheit ist –, ist die Hellhörigkeit. Über dir hörst du jeden Schritt, jede Tür, jedes Gespräch. Auf unserer Flurebene wohnen Gäste, die ständig sehr laut die Türen zuknallen. Aber vielleicht sind diese auch verzogen und lassen sich gar nicht leise schließen. Laut und unangenehm ist es trotzdem.
Dieser Tag war ganz sicher einer der schönsten im ganzen Urlaub - aber wenn ich ehrlich bin, gab es dann doch mehrere schönste Tage. Noch einmal Schlafen und dann trifft uns der Schlag! Bis dann liebe Leserschaft
Liebe Silvia, herzlichen Dank für diesen schönen Reisebericht. Auch wenn Südafrika (weil schon zu zivilisiert) und Lodges (lieber Camper) nicht so ganz meine Welt sind, fasziniert mich eure Reise trotzdem. Tolle Bilder, schön geschrieben.
Melanie1982696 Beiträge · seit 202307. Juni 2026 ·
Ein Tag auch ganz nach meinem Geschmack! So tolle Erlebnisse mit den Pinguinen und auf dem Weingut, wirklich unglaublich und nachahmenswert. Kommt auf die Liste 🙂
Das mit dem Restaurant verwechseln ist uns auch schon passiert - in Wilderness Serendipity und Girls. Wir waren zu Viert und hatten das Glück, dass im Serendipity 4 Personen abgesagt hatten. Man hat für uns sogar im Girls angerufen und den Abend getauscht.
Liebe Grüße
Makra
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202309. Juni 2026 ·
take-off schrieb:Liebe Silvia, herzlichen Dank für diesen schönen Reisebericht. Auch wenn Südafrika (weil schon zu zivilisiert) und Lodges (lieber Camper) nicht so ganz meine Welt sind, fasziniert mich eure Reise trotzdem. Tolle Bilder, schön geschrieben.
Vielen Dank Dagmar
Liebe Dagmar, Dankeschön für deine netten Zeilen. Stimmt schon, dass Südafrika ziemlich zivilisiert ist. Doch auf dieser Route hatten wir tatsächlich viele traumhaft schöne Orte für uns allein. Aber ich verstehe was du meinst und wie viel naturnaher es ist zu campen. Liebe Grüße zurück
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202309. Juni 2026 ·
Melanie1982 schrieb:Ein Tag auch ganz nach meinem Geschmack! So tolle Erlebnisse mit den Pinguinen und auf dem Weingut, wirklich unglaublich und nachahmenswert. Kommt auf die Liste 🙂
Hallo liebe Melanie, das war wirklich ein außergewöhnlich schöner Tag. Ich kann diese Tour nur wärmstens empfehlen 🤩 Bin gerade dabei, meinen Mann davon zu überzeugen, über Weihnachten und Neujahr nochmal zwei Wochen nach Afrika zu fliegen. Leider ist der KTP schon so gut wie ausgebucht und im Kruger ist im Dezember wohl schon mit starken Regenfällen zu rechnen. Mal schauen was mir auf die Schnelle einfällt.
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202309. Juni 2026 ·
Makra schrieb:Ich ahne es, was kommt ....
Das mit dem Restaurant verwechseln ist uns auch schon passiert - in Wilderness Serendipity und Girls. Wir waren zu Viert und hatten das Glück, dass im Serendipity 4 Personen abgesagt hatten. Man hat für uns sogar im Girls angerufen und den Abend getauscht.
Hallöchen, ach, das tröstet mich ja jetzt, dass wir nicht die Einzigen sind, denen sowas passiert. Bei uns war es leider schon gelaufen mit tauschen bis wir es gemerkt haben 😕 Schlaf gut
NachoThemenstarter1’065 Beiträge · seit 202310. Juni 2026 ·
Samstag 28. Februar - Uns trifft der Schlag!
Unser Early Breakfast besteht aus Joghurt, Kaffee und Saft, das reicht auch. Wir haben am Flughafen mehr als genug Zeit, um uns einen Nachschub zu gönnen. Danach läuft alles erstaunlich glatt: Tanken, Auto abgeben, Transfer zum Flughafen, Koffer aufs Band schmeißen und ein paar Kilo leichter ein Bistro suchen.
Dreißig Minuten warten wir auf unsere Bestellung, obwohl gähnende Leere herrscht. Ich nehme einen Bissen und finde: Schmeckt seltsam. Okay, vielleicht muss ich mich an die Würze erst gewöhnen. Zweiter Versuch – nein, schmeckt immer noch irgendwie komisch. Eine Chance bekommt der Wrap noch: Ich bleibe dabei, ich würde sagen, der ist nicht mehr ganz einwandfrei. Ich gehe auf Nummer sicher und lege das Besteck ab, nicht dass ich mir hier noch was einfange. Das wäre ja was: Auf einem Langstreckenflug mit Durchfall und Erbrechen…
Eine halbe Stunde später, oh weh: unheilvolle Prognose – mein Magen drückt. Ich schiebe Panik bei der Vorstellung, dass während des Fluges die Toilette besetzt sein könnte, wenn ich sie brauche. Jetzt wäre ein Valium nicht verkehrt. Meine Angst vor einem Supergau verstärkt vermutlich die Symptome. Die Schmerzen werden penetranter und Übelkeit kommt dazu. Nach Rumlaufen ist mir nicht mehr zumute. Wir laufen direkt zum Boarding-Gate und setzen uns in die leere Reihe mit Blick aufs Rollfeld – oder besser auf unsere Maschine. Da gibt es wenigstens etwas zu sehen.
Was geht denn da ab?
Wir haben unsere Maschine fest im Blick und beobachten, wie Gepäck und Bordverpflegung eingeladen werden. Die Zeit verstreicht, und wir sind bereits deutlich über der geplanten Abflugzeit. Es gab noch keine offizielle Durchsage, aber das Bodenpersonal wirkt sichtlich angespannt und gestresst. Dann beobachten wir, wie Koffer und Bordverpflegung wieder ausgeladen werden. Schließlich die Durchsage: Wir verspäten uns – in zwei Stunden gibt es weitere Informationen.
Inzwischen liest Uwe die Nachricht, dass der Iran angegriffen wurde und der Luftraum über Doha gesperrt werden soll. Oh weh! Während wir das Hin und Her beim Beladen des Flugzeuges verfolgen, erreicht mein Magendrücken die Stufe „Elend“. Ich sage zu Uwe: „Komm, lass uns ein Hotel für die Nacht suchen und einen anderen Flug buchen.“ Er entgegnet: „Warten wir erst einmal ab, was die sagen.“ Ehrlich gesagt wissen wir auch gar nicht, wie das mit einer Stornierung ablaufen würde: Bekommen wir unser Geld zurück oder nur einen Gutschein? Und wenn Letzteres – müssten wir den dann innerhalb des laufenden Jahres einlösen? Das hatten wir während Corona schon einmal mit der Lufthansa, das wäre nicht in unserem Interesse.
Sieh selbst zu wie du Land gewinnst
Tatsächlich wäre es mir angesichts der politischen Anspannung lieber, der Flug würde annulliert werden. Die Probleme lösen sich ja nicht in zwei Stunden in Luft auf. Die Fluggesellschaft muss abwägen, wie viel Risiko sie bereit ist einzugehen – ich für meinen Teil möchte am liebsten gar keines eingehen. Uwe hofft, dass wir fliegen; ich hoffe inständig, dass wir am Boden bleiben. Meine Intuition sagt mir, dass das heute nichts mehr wird.
Sicherheitshalber google ich schon mal nach einem Hotel und einer Flugalternative. Aber huch, was ist das? Die Preise explodieren förmlich. Zum einen findet sich kaum noch ein Flug mit vernünftigen Verbindungen, zum anderen sind die Preise jenseits von Gut und Böse: bis zu dreimal teurer und mit Reisezeiten von 36 Stunden. Natürlich ahnen nun Hunderte von Touristen, dass sie eine Alternative brauchen – und die Nachfrage bestimmt den Preis. Bei den Hotels sieht es ähnlich aus: In den mittleren Preislagen ist nichts mehr zu finden. Ich suche und suche und entdecke schließlich eine günstige Unterkunft in einem ruhigen Wohnviertel. Uwe sage ich erst einmal nichts davon; er will fest daran glauben, dass wir heute noch in die Luft gehen.
Dann, zwei Stunden später, die Durchsage: Der Flug nach Doha wurde annulliert. Der Geräuschpegel wird augenblicklich doppelt so hoch; man versteht keine Durchsage mehr, was die allgemeine Unsicherheit nur noch verstärkt. Es herrscht Panikstimmung. Keiner weiß, ob wir von der Airline umgebucht werden, ob wir uns selbst kümmern müssen oder wo unsere Koffer abgeblieben sind. Ein anderer Fluggast erzählt uns, er hätte eine Mitarbeiterin gefragt, wie er jetzt vorgehen solle. Ihre Antwort war lapidar: „Sie müssen sich um alles selbst kümmern, das geht uns nichts an, das ist höhere Gewalt.“
Irgendwie geht es immer
Das Netz ist überlastet, Chaos pur. Wir suchen auf gut Glück die Gepäckbänder. Ich kann kaum noch aufrecht laufen, so elend ist mir inzwischen. Deshalb bleibe ich mit dem Handgepäck in einer ruhigen Ecke stehen, während Uwe versucht, unsere Koffer zu finden. Mein Kreislauf schlägt Alarm. Bevor es mich unkontrolliert umhaut, lege ich mich freiwillig auf den Boden. Unzählige Menschen laufen an mir vorbei, als wäre ich Luft. Das ist eine schockierende Erfahrung: Niemand kommt auf die Idee, dass da jemand liegt, der vielleicht Hilfe bräuchte. Ich denke zwar nicht, dass ich einen Arzt brauche, aber diese Mentalität – „geht mich nichts an“ – ist dennoch schockierend.
Uwe findet unsere Koffer, kommt zurück und erschrickt natürlich, mich auf dem Boden liegen zu sehen. Er ist sichtlich besorgt – und bis zum Anschlag gestresst. So kenne ich ihn gar nicht; sonst ist er immer mein Fels in der Brandung. Er holt mir Wasser, und die Flüssigkeitszufuhr hilft tatsächlich ein bisschen.
Die ganze Zeit versucht er verzweifelt, einen Flug zu finden. Dann fällt ihm ein, dass wir für heute Nacht noch keine Bleibe haben. Ich gebe ihm die Daten von dem Hotel, das ich vorhin gegoogelt habe, und er bucht sofort ein Zimmer. Wir laufen zum Ausgang, doch weit und breit ist kein Taxi mehr zu finden. Wir gehen noch ein Stück weiter, da kommt uns ein Mann entgegen und fragt, ob wir ein Taxi bräuchten – wir denken beide: „Dich schickt der Himmel.“ Uwe fragt nach dem Preis, der scheint in Ordnung zu sein, und wir lassen uns zum Hotel fahren.
Ich brauch ein Bett
Es ist kalt und stark bewölkt. Ich habe inzwischen Schüttelfrost. Die Begrüßung im Hotel ist sehr freundlich. Wir bekommen schnell ein Zimmer – als „schön“ kann ich es nicht bezeichnen, aber es hat ein Bett, und da haue ich mich auch gleich samt Klamotten rein und ziehe mir die dicke Bettdecke bis unter die Nasenspitze. Ich friere erbärmlich, irgendwo zieht es. Uwe hat für nichts einen Nerv und ist nur auf Flugsuche programmiert.
Es beginnt heftig zu regnen und plötzlich tropft es in unser Zimmer. Uwe läuft zur Rezeption, um das zu melden, und kommt mit dem Manager zurück. Der entschuldigt sich vielmals und bringt uns sofort in ein anderes Zimmer – auch das ist nicht schön, aber zweckmäßig und sauber.
Ich kann nicht mehr; Uwes Hysterie stresst mich. Ich will einfach nur ein bisschen schlafen und empfehle ihm das Gleiche – was er natürlich nicht kann. Als ich wieder aufwache, sagt er: „Ich habe einen Flug gebucht, aber erst für übermorgen. Wir müssen noch eine Nacht verlängern. Leider müssen wir in Johannesburg und London zwischenlanden. Wir werden von Tür zu Tür mindestens 26 Stunden unterwegs sein.“
Im Moment ist mir alles egal. Uwe ist erleichtert, eine Lösung gefunden zu haben. Natürlich können wir nicht beliebig lange in Kapstadt bleiben, um auf eine bessere Flugverbindung zu hoffen. Insofern bin ich auch froh, dass unser Rückflug organisiert ist – egal wie.
Lange Nacht
In der Nacht verengt sich mein Brustkorb durch die ganze Anspannung. Das habe ich ab und zu, und es erschwert leider das Atmen. Dann kommt Panik dazu; das dauert in der Regel mehrere Stunden. Dazu das Magendrücken und die Übelkeit. Ich gehe ins Bad und sorge dafür, dass ich mich übergeben kann. Danach lässt der Druck nach. Aber mir tut jeder Knochen weh, ich weiß nicht mehr, wie ich noch liegen soll. Das ist die reine Qual, bis es endlich Zeit ist aufzustehen. Dem Magen geht es danach wieder einigermaßen gut.
Ich dusche und hoffe, meinen Kreislauf damit ein wenig auf die Beine zu bringen. Im Atrium ist das Frühstück für uns gerichtet. Wir staunen nicht schlecht über das Angebot, obwohl wir die einzigen Gäste sind. Ich muss wirklich sagen: Das Personal arbeitet hier 1A. Alle Gemeinschaftsräume sehen sehr ansprechend aus, besonders das Atrium mit dem Pool. Aber leider nagt der Zahn der Zeit doch sehr offensichtlich an diesem alten Gemäuer.
Der Kaffee tut mir gut. Gleich nach dem Frühstück fragen wir den Manager, ob wir eine Nacht verlängern können – das ist kein Problem.
Das Wetter bleibt trocken, aber kühl und bedeckt. Wir schlagen die Zeit mit drei Spaziergängen tot, die wir über den Tag verteilen. Zum Essen gehen haben wir am Abend keine Lust mehr. Es gibt in fußläufiger Nähe einen Supermarkt; dort holen wir uns etwas und essen im Zimmer. Nun versuchen wir, so gut es geht zu entspannen und uns mental auf den morgigen Mammutflug einzustellen.
So ein langer Flug lässt sich nicht schönreden. Aber wir kommen ohne weitere Zwischenfälle zwei Tage später als geplant und ziemlich geschlaucht nach Hause. Die Zusatzkosten sind bitter, aber wir sind zutiefst dankbar dafür, dass wir nicht in Doha steckengeblieben sind.
Fazit:
Unsere Route hat uns tief berührt. Jede Landschaft, jeder Ort hatte seinen eigenen Zauber. Nur die Augrabies Falls Lodge würden wir wohl nicht noch einmal wählen, und im Rothman Manor gab es einfach zu viele Mängel im Zimmer – vielleicht ändert sich das ja, wenn irgendwann ein neuer Besitzer übernimmt. Alle anderen Unterkünfte waren großartig.
Erlebnistechnisch wurden wir reich beschenkt. Meer, Wüste, Berge, Wasserfälle, Botanik, Offroad Feeling, Wildlife… es war, als hätte die Reise uns einmal alles geboten, was Afrika zu bieten hat.
Zwar haben wir im KTP zwischendurch Frust geschoben, weil sich die gute Fee bei Conny offenbar überanstrengt und uns dafür ein bisschen vernachlässigt hat – aber unterm Strich hatten wir dennoch unglaublich viele Sichtungen, die unser Herz berührt haben. Es war eine fantastische, abwechslungsreiche, lebendige und intensive Zeit.
Nur die vielen Einzelnächte habe ich bedauert – aber das war ja der kurzfristigen Urlaubskürzung geschuldet und ursprünglich anders gebucht.
Beim Flug hatten wir einfach Pech. Nur wenige Tage nach unserer Buchung berichteten die Medien über die Eskalation des Konflikts zwischen Israel und dem Iran.
Und Tschüß
Liebe Leserschaft,
ich danke euch von Herzen für euer Interesse, euer Dabeisein und das fleißige Dankebutton Drücken – genauso wie für die vielen lieben Kommentare. Es hat mir Freude gemacht, diese Reise noch einmal nachzufühlen, in Worte zu fassen und mit euch zu teilen. Jetzt ist aber auch die Luft raus.
Ich hoffe, im Dezember noch meinen alten Urlaub verbraten zu können. Dann geht es vielleicht nochmal für zwei Wochen nach Südafrika. Mal sehen, ob wir dem Massentourismus ausweichen können. Falls jemand ganz schnell Ideen liefern kann, dann her damit. Ich muss ziemlich schnell buchen - sofern ich grünes Urlaubslicht bekomme 😄
Vielen Dank für diesen ausführlichen, großartig und humorvoll geschriebenen Bericht mit vielen Anregungen. Wir gehen langsam auch wieder in die Planung und lassen uns von eurer Reise inspirieren. Dass sie so dramatisch enden musste...!
Melanie1982696 Beiträge · seit 202310. Juni 2026 ·
Vielen lieben Dank für deinen tollen Bericht zu einer wirklich gelungenen Reise - nur das Ende hätte es nicht gebraucht. Schon allein die Geschichte mit dem Flug, dann noch dazu die Übelkeit, das braucht kein Mensch!
Ich hoffe, du konntest durch das Schreiben des Berichts trotzdem noch ein zweites Mal euren Urlaub genießen und die letzten Tage rücken ein wenig in den Hintergrund!
vielen Dank für diesen schönen Reisebericht, der ja auch immer sehr viel Arbeit ist. Das Ende war nun wirklich Murks, aber es freut mich sehr, dass ihr an allem anderen soviel Freude hattet. Wir könnten auch schon wieder los...
Vielen Dank für diesen mitreißenden Reisebericht ! Wir waren im Februar 25 bei extremer Hitze im KTP und haben uns nach schlaflosen Nächten, vor allem in Mata Mata, geschworen, es war das letzte Mal 😉 Um 22 Uhr wird da der Strom abgestellt und aufgrund der Stechmücken kann man kein Fenster aufmachen. Meist bin ich erst um 5 Uhr erschöpft eingeschlafen, wenn die Klimaanlage angesprungen ist..... Neulich hab ich irgendwo gelesen, es gibt jetzt die ganze Nacht Strom. Das und dein RB könnte doch noch einmal zu einem weiteren KTP Trip führen.
Noch eine Frage: Warum steht bei manchen Fotos von dir KI generiert ?
Auch von mir ein herzliches Dankeschön für diesen wirklich wunderbaren Reisebericht - ich habe mich immer schon auf das nächste Kapitel gefreut!
Und ja, mir ist das tatsächlich passiert... irgendsoein 24h Magenvirus schlug 2h nach Abflug von Johannesburg der Lufthansa zu. 🤢 Es kam so schnell, es musste alles vorne raus, als ich noch am Aufstehen Richtung Toiletten war. Das war sicher mein übelstes Flugerlebnis, ich weiß nur noch dass ich dachte, ich weiß nicht, wie ich die nächsten 8..7...6..Stunden durchbringen soll. Mit Schüttelfrost und Gliederschmerzen und allem.
Trotzdem überwiegen ja gottseidank die guten Erinnerungen 🙂
Besonders deine Offenheit und Authentizität macht den Bericht so besonders. ❤️ Nicht alles läuft immer Rund, aber das gehört eben dazu! Und da fiebert man mit dir gleich mit.
Viel Spaß bei der Planung für den nächsten Urlaub!