Liebe Silvia, ich mag Deinen Schreibstil und freue mich auf Deinen neuen Reisebericht. Schon die anderen habe ich mit viel Spaß in einem Rutsch gelesen. Manche Situationen kamen mir bekannt vor. Letztes Jahr hatten wir eine ähnliche Reise geplant, sind dann aber wieder nach Namibia. Mein Mann kann sich mit Südafrika nicht so recht anfreunden. Viel Spaß beim Verarbeiten der Reise und schön, dass Ihr gut wieder zu Hause angekommen seid. Liebe Grüße Andrea
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Secret schrieb:Liebe Silvia, ich mag Deinen Schreibstil und freue mich auf Deinen neuen Reisebericht. Schon die anderen habe ich mit viel Spaß in einem Rutsch gelesen. Manche Situationen kamen mir bekannt vor. Letztes Jahr hatten wir eine ähnliche Reise geplant, sind dann aber wieder nach Namibia. Mein Mann kann sich mit Südafrika nicht so recht anfreunden. Viel Spaß beim Verarbeiten der Reise und schön, dass Ihr gut wieder zu Hause angekommen seid. Liebe Grüße Andrea
Liebe Andrea, was für ein schönes und motivierendes Kompliment. Hab vielen Dank für deine lieben Worte. Es freut mich sehr, dass du mit dabei bist, und ich hoffe, deine Unterhaltungserwartung wird nicht enttäuscht.
Uwe findet Namibia grundsätzlich auch schöner als Südafrika. Ich mag aber Abwechslung. Zum Glück lässt er mir bei der Urlaubsplanung komplett freie Hand und nimmt ohne Murren, was ich ihm serviere. Also plane ich immer abwechselnd Südafrika und Namibia. Wobei unsere Tour Richtung KTP und durch die Karoo schon oft echtes Namibia‑Feeling hervorgerufen hat – wir sind, wann immer möglich, den Teerstraßen ausgewichen und mit sehr wenig Verkehr durch wunderschöne, ländliche Gegenden gefahren.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Vom Kräutergarten zur Küstenkulisse
Kurzer Badezimmer-Stopp, dann schwingen wir uns in den Hilux. Auf dem Weg stoppen wir bei den Postkartenmotiven, die ich am Morgen entdeckt habe und kaufen im Supermarkt Getränke und Snacks ein – dann ab in den West Coast Nationalpark.
Die Lagune macht Siesta – die Vögel auch
Zur Mittagszeit ist das Licht hart, die Luft diesig, und die Lagune hat offenbar Entwässerungspillen geschluckt. Bei normalem Wasserstand leuchtet sie satt türkis – heute eher wie ein ausgewaschener Lappen.
Wir schlendern zum Vogel-Hide, aber wir wissen ja: Der frühe Vogel… Wir sind definitiv Team Mittag. Wir sehen zwar erstaunlich viele Vögel – allerdings nur auf den Fotos an der Wand. Immerhin entdecken wir einen Flamingo. Einen echten „Farr-Out“-Flamingo: ganz weit draußen.
Wir bleiben nicht lange. Mit den Vögeln wird das heute nichts, und die Lagune sieht aus wie in eine Pfütze gepinkelt.
Tischset statt Blütenteppich
Einige Blümchen lassen erahnen, wie grandios es hier im August/September aussehen muss. Teppiche sind es heute nicht. Aber ihr wisst ja, so viel brauch ich nicht um in Entzückung zu geraten. Für mich reicht auch ein Tischset, wenn gerade kein Teppich zur Verfügung steht.
Atlantik-View-Point – und plötzlich Action
Wir fahren weiter zum Atlantik-View-Point. Und was uns dort erwartet, verschlägt uns die Sprache. - Die Wellen donnern spektakulär gegen die Felsen. - Fontänen schießen in die Höhe. - Möwen und andere Vögel führen lautstarke Gespräche. - Wir beobachten, wie sie Muscheln fallen lassen, um an das Fleisch zu kommen – wenn nicht ein Konkurrent schneller ist.
Uwe klettert ein bisschen in den Felsen herum und ruft mir zu, dass es hier ganz schön nach Verwesung stinkt. Dann taucht er wieder hinter irgendeinem Felsen ab und unsere Augen führen uns in verschiedene Richtungen. Er kommt zurück und sagt: Bin gerade fast auf eine tote Robbe getreten. Er zeigt mir ein Foto. Ich muss echt suchen, denn das Tier ist schon ein bisschen aufgebläht und perfekt in seine Umgebung integriert. Ich hätte sie auch für einen Stein gehalten.
Wir stellen uns vor, was passiert wäre, wenn er wirklich draufgetreten wäre: Nein, stellt ihr es euch besser nicht vor. Belassen wir es dabei. Stundenlang treiben wir uns hier herum und sehen dabei zu wie gigantische Wellen auf die Felsen peitschen und ihre Gischt versprühen. Immer das Handy bereit zum Ablichten, falls doch noch eine größere Welle anrollt. Wie zwei Junkies im Glücksrausch warten wir auf den nächsten Schuss.
Darüber hinaus sehen wir Ibisse, Bonteboks, zwei Mangusten, zwei Straußenhähne, einen Hasen, diverse unbekannte Vögel und eine Vogelfamilie, die aussieht wie Natalfrankoline. Das ist weit mehr Getier als wir erwartet haben.
Jetzt am späten Abend sieht auch die Lagune so aus, wie wir uns das vorgestellt haben. Gut, dass wir noch mal dran vorbeifahren.
Sonnenkuss und Röstaromen
Die Sonne küsst uns aufdringlich, ja fast ein bisschen penetrant und sie hinterlässt Knutschflecken. Wir ignorieren sie, bemerken vor lauter Glücksrausch nur beiläufig, wie sich unsere Haut beschwert, und anfängt zu ziehen. Erst nach der Dusche am Abend erkennen wir das Ausmaß der Röstaromen, die wir angenommen haben. Unser Sonnenschutz war wohl eher ein symbolischer Akt. Heute kommt die Lotion sehr großzügig zum Einsatz, bis die Schwarte glänzt wie der Mondschein auf dem Wasser.
Mondschein, Magie & ein hug für den Koch
Heute freuen wir uns auf das Dinner im Gaaitjie. Es ist ein charmantes Strandrestaurant direkt am Wasser, und als wir eintreten, ziemlich voll. Wir dürfen uns an den letzten Tisch setzten und warten eine ganze Weile, bis Getränke und Menü kommen. Der Gastgeber entschuldigt sich mehrfach – völlig unnötig. Bei dieser Aussicht könnte man uns auch zwei Stunden parken, und wir würden immer noch selig dreinschauen.
Während wir warten, beobachten wir, wie der Mond aufsteigt und sich im Wasser spiegelt. Das sieht so märchenhaft aus, dass man fast vergisst, dass man eigentlich Hunger hat.
Und als das Essen dann kommt, ist es ein Gedicht: butterzartes Fleisch, feine Aromen, alles auf dem Punkt. Wir überlegen, ob wir mal kurz in die Küche gehen und den Koch knutschen, bevor wir gehen, belassen es dann aber dabei, dem Service zu sagen: “A big hug for the cook, please.”.
Dieses Restaurant können wir wärmstens empfehlen – genauso wie das Farr Out Guest House. Wir wohnen im Zimmer The East Wing. Es hat sogar eine kleine Küche, falls man Self Catering vorzieht… wobei wir uns ernsthaft fragen, wer hier freiwillig selbst kochen würde.
Melanie1982725 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Hallo Silvia,
tolle Bilder! Ich finde die Lagune bei eurem ersten Stopp auch schon nicht schlecht. Beim zweiten natürlich noch besser. Und der Aussicht später beim Abendessen - herrlich!
Bei euch ist es mit der Urlaubsplanung ähnlich wie bei uns. Ich hab (meistens) die Ideen und mein Mann gibt im Normalfall seinen Segen 😎 Allerdings verbringe ich auch liebend gerne unglaublich viel Zeit für die Planung und lese überall im Internet nach, darauf hat er sowieso keine Lust. Wir sprechen uns dann kurz ab, ich buche und kurz bevor es losgeht, kann er sich dann auch auf die Route einlassen.
beim Querlesen habe ich festgestellt, dass wir in 2 1/2 Wochen einen sehr ähnlichen Start in unsere diesjährige Reise rund ums Kap hinlegen werden wie ihr, vom Airport nach Paternoster und weiter zur Mount Ceder Lodge. Daher bin ich gleich hängengeblieben und sammle eifrig zusätzliche Vorfreude. Wir haben für unseren ersten Abend einen Tisch im Gaaitjie reserviert und ich freue mich, dass es dort für euch so gut gepasst hat. Fast 10 Jahre waren wir nicht mehr in der Gegend und ich bin sehr gespannt wie sich Paternoster vielleicht in der Zeit verändert hat. Vielen Dank fürs Teilen eurer Eindrücke.
Liebe Grüße Kordula 🙂
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Beatnick schrieb:Moin moin aus Hamburg,
die Lagune hat Tide. 🙂
Ich könnte direkt wieder los...
LG, Betti
Liebe Betti, ja, uns war auch gleich klar, dass die Lagune Gezeiten hat. Noch genieße ich es, die Erinnerungen aufleben zu lassen. aber bei mir wird es auch nicht lange dauern, bis das Reisefieber wieder aufflammt. Liebe Grüße
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Melanie1982 schrieb:Hallo Silvia,
tolle Bilder! Ich finde die Lagune bei eurem ersten Stopp auch schon nicht schlecht. Beim zweiten natürlich noch besser. Und der Aussicht später beim Abendessen - herrlich!
Bei euch ist es mit der Urlaubsplanung ähnlich wie bei uns. Ich hab (meistens) die Ideen und mein Mann gibt im Normalfall seinen Segen 😎 Allerdings verbringe ich auch liebend gerne unglaublich viel Zeit für die Planung und lese überall im Internet nach, darauf hat er sowieso keine Lust. Wir sprechen uns dann kurz ab, ich buche und kurz bevor es losgeht, kann er sich dann auch auf die Route einlassen.
Liebe Melanie, Danke für dein Foto-Lob. Das klingt ja fast als wären unsere Männer miteinander verwandt 😄 Und ich verbringe auch sehr viel Zeit damit, nach Inspiration zu suchen und mich zu informieren. In meiner Schublade liegen so viele fast fertige Reisepläne. Dafür bräuchte ich zwei Leben. Aber da geht es mir wir dir - es macht einfach Spaß. Liebe Grüße, Silvia
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Dandelion schrieb:Hallo Silvia,
beim Querlesen habe ich festgestellt, dass wir in 2 1/2 Wochen einen sehr ähnlichen Start in unsere diesjährige Reise rund ums Kap hinlegen werden wie ihr, vom Airport nach Paternoster und weiter zur Mount Ceder Lodge. Daher bin ich gleich hängengeblieben und sammle eifrig zusätzliche Vorfreude. Wir haben für unseren ersten Abend einen Tisch im Gaaitjie reserviert und ich freue mich, dass es dort für euch so gut gepasst hat. Fast 10 Jahre waren wir nicht mehr in der Gegend und ich bin sehr gespannt wie sich Paternoster vielleicht in der Zeit verändert hat. Vielen Dank fürs Teilen eurer Eindrücke.
Liebe Grüße Kordula
Liebe Kordula, dein Profilbild kommt mir bekannt vor 🤩
wir scheinen ähnliche Reisevorlieben zu haben 😄 wie es vor zehn Jahren in Paternoster war, kann ich natürlich nicht beurteilen. Seither dürften ein paar neue Häuser gebaut worden sein. Ich wäre tatsächlich gerne noch einen Tag länger geblieben.
Zweieinhalb Wochen sind ja nicht mehr lange. Ich wünsche euch einen Taumurlaub mit vielen unvergesslichen Momenten. Liebe Grüße, Silvia
Oh, da fahre ich auch gerne mit! Nach drei Namibiareisen fänden wir Südafrika auch spannend!
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202311. März 2026 ·
Liebe Jessika, Willkommen an Board, dann mach es dir bequem. Ich mag es sehr, Namibia und Südafrika abzuwechseln. Unsere erste Südafrikareise war eine Kombi aus Gardenroute und Krugerregion. Unsere diesjährige Route hat mir sogar noch besser gefallen. Da war deutlich mehr Namibia- Feeling drin, weil wir ja wann immer möglich durchs Hinterland gefahren sind.
Nächstes Jahr wird es dann mal Caprivi und Botswana.
Ach ja, Ideen gibt es viele, die reichen für zwei Leben 😄
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202312. März 2026 ·
Dienstag 3. Februar - Wer fliegt wie ein Adler, aber landet wie ein Brathähnchen?
Wenn Brathähnchen und Berge rufen
Unser Plan ist es, heute über Lamberts Bay zu fahren, um den Brathähnchen-Brutkasten zu besichtigen. In Clanwilliam, oder genauer gesagt im Yellow Aloe Guest House, soll es einen guten Coffee Shop geben. Dort nehmen wir gern einen Schluck Kaffee und ein Stück Kuchen. Danach möchten wir Schotter unter den Rädern haben und etwas von den Ceder Mountains sehen – und das geht doch am besten obenrum mit einer schönen Tour über den Pakhuis Pass, Hoek se Berg Pass und Kouberg Pass. Ziel ist die Cederberg Mountain Lodge.
Das ist eine rechte Strecke, aber für uns eine Genussfahrt. Es wird sowieso ein Stopp and Go, weil ich Uwe alle Furzlang zum Anhalten nötige, weil ich kurz mal aussteigen und ein Foto machen muss – das geht schließlich nicht immer aus dem Autofenster raus. Und ja, er muss auch für das eine oder andere Blümchen anhalten. Außerdem meldet sich ständig mein Schrittzähler und sagt mir: Laufen Sie herum! Und wenn der das sagt…
Gepflegter Schnack mit Marion – Zeitplan ade
Vor unserem großen Ausflugstag gibt es natürlich noch ein fürstliches Frühstück. Der Plan ist es, früh aufzubrechen, damit alles schön entspannt bleibt. Aber wenn ein Schnack mit einem waschechten Hamburger Mädel nicht drin ist, mach ich was falsch. Ich plane zwar, doch in der Praxis wird getan wonach uns gerade der Sinn steht – jetzt steht er nach quatschen mit Marion. Wir verquatschen uns natürlich. Sie erzählt uns von rückgängigen Besucherzahlen und dem Wunsch noch zehn Jahre weiterzumachen. Wir verstehen sie so gut. Paternoster ist halt ein Chill-Ort und keine Partystadt. Die Alten werden weniger und die Jungen kommen nicht nach. Wir fühlen mit ihr, wie mit einer Freundin und wünschen diesen beiden Herzensmenschen – ihr und Deon, dass es ihnen gelingt, mit ihrem wunderbaren Guesthouse so lange durchhalten zu können.
Ganz praktisch steht nah am Tisch eine Sammlung mit Kräutersalzen und Tees. Wir finden, das wäre ein perfektes kleines Mitbringsel für unsere lieben Nachbarn, und dann steht da noch so eine herzige Butterdose – die muss auch mit für unsere Tochter. Mission Mitbringsel ist damit erfüllt. Für uns selbst haben wir gar nicht drangedacht, etwas mitzunehmen. Als hätte es Marion geahnt, drückt sie uns zum Abschied noch ein Gastgeschenk in die Hand: Kräutersalz und Tee. Wir kommen fast eine Stunde später los als geplant. Aber macht nichts – im Grunde können wir auch erst am Abend ankommen. Unser Braai Paket ist ja vorbestellt.
Planung und Umsetzung – heute zwei linke Schuhe
Auf ein Wort zu unserer Routenplanung: Ich bin diejenige, welche die Unterkünfte aussucht, die Aktivitäten plant und schaut, wo es interessante Pisten und Pässe gibt. Dann schreibe ich die Route in Stichworten auf und gebe sie Uwe. Er muss sie dann ins Navi einpflegen – zum einen, weil er der Fahrer ist, zum anderen, weil er seine bevorzugte Map benutzt und ich das mit dem Einpflegen gar nicht kann. Manchmal weiß er nicht, was ich meine, weil seine Map ihm nicht anzeigt, was ich geschrieben habe. Fragt er nach, wenn ich auf etwas anderes konzentriert bin, höre ich oft nicht richtig zu – und dann kommt es zu Missverständnissen.
Willkommen im Kommunikationschaos
Irgendwie kam es auch bei dieser Route zu Missverständnissen. Denn wir suchen in Elands Bay nach Bird Island - Kap Tölpel Kolonie, und ich blicke nicht, dass wir gar nicht in Lamberts Bay sind. Uwe denkt, ich meinte, die Kaptölpel wären in Elands Bay. Ich verstehe sein Problem nicht – und er nicht, wo die Tölpel sind. Wir fragen Leute auf der Straße – die kennen Bird Island nicht, scheinen noch nie davon gehört zu haben. Kap Tölpel? Auch da klingelt nichts. Ich denke: Wie ist das möglich, dass die an ihrer eigenen Bay die Kap Tölpel nicht kennen? Liebe Güte, ist das ein Stress, und mein lieber Uwe und ich reden aneinander vorbei, wie es schlimmer nicht geht. Der Stresspegel steigt. Dicke Luft! Uwe will das Navi neu programmieren – aber just in dem Moment meldet es sich ab und verweigert seinen Dienst. Ich denke: Wir haben ja noch die Karte von unserer Reiseagentur. Die dürfte besser sein als das Ding aus meinem Reiseführer. Ich krame in den Unterlagen und bin verwirrt. Hä… Naukluft National Park? Der ist doch in Namibia….Häääää??? Ist das eine Doppelkarte? Nein, ist es nicht. Die Agentur hat uns versehentlich eine Namibia Karte mitgeliefert. Jetzt wissen wir nicht mehr recht weiter.
Endlich fällt der Groschen
Der scharfe Ton zwischen uns löst wohl den Knoten in der Hirnwindung, denn plötzlich fällt der Groschen und wir erkennen, dass wir noch gar nicht in Lamberts Bay sind. Wir fragen nach Lamberts Bay: Ahhhh, ja da müsst ihr in diese Richtung fahren…Okay, wir haben uns gar nicht verfahren, wir sind nur noch nicht da. Irgendwie schnallt das jetzt auch unser Navi. Nur haben wir wegen dieses Missverständnisses eine ganze Stunde Zeit verloren und heute Morgen beim Schnack mit Marion kamen wir auch schon eine Stunde später weg als geplant. Uwe fragt: sollen wir in Anbetracht der Zeit jetzt überhaupt noch nach Lamberts Bay fahren? Geht’s noch? Die Kaptölpel auslassen? Auf gar keinen Fall! Ich habe diese wunderschönen Vögel zum ersten Mal in Bettys Reisebericht gesehen und mich schockverliebt. Das ist eines meiner Highlights. Einfach streichen? Das wäre ein Frevel an meiner gesamten Urlaubsplanung. Also: weiter Richtung Lamberts Bay – egal, wie spät es wird. Wir werden es trotzdem locker vor Einbruch der Dunkelheit schaffen in der Lodge anzukommen.
Na endlich – Inselboden in Sicht
Na wer sagt’s denn – da vorne beginnt schon das Vogelparadies. Nur ein paar Meter mittels eines Steges vom Parkplatz getrennt. Ein Steinwurf, mehr nicht. Ich wusste nicht welche Parksituation uns hier erwarten würde und war darauf eingestellt, dass wir beide nur abwechselnd für ein Viertel Stündchen auf die Insel gehen könnten. Oder Uwe für fünf Minuten und ich für 25… Aber der Gedanke war überflüssig. Der Parkplatz ist leer. Daneben ein Restaurant dessen Angestellten auf Kundschaft warten und das tun sie vor der Tür stehend – das ist quasi eine kostenlose Auto-Security. Perfekt! Außerdem wird sich auf dem menschenleeren Platz und unter den Augen der Angestellten niemand trauen, unserem Auto zu nah zu kommen.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202312. März 2026 ·
Inselzugang mit Abenteuerfaktor
Das Wetter ist… nennen wir es mal „motivationsdämpfend“. Aber wir haben ja inzwischen gelernt, dass die gute Fee der Urlaubsplanung unsere Wünsche eher als unverbindliche Anregungen interpretiert. Ich bin schon dankbar, überhaupt hier zu sein – da kann ich über trübe Himmelsstimmung und suboptimalen Lichtverhältnisse großzügig hinwegsehen. Wir laufen über den Steg. Die Brüstung befindet sich im Ruhestand und liegt dekorativ am Boden. Die Sicherheitshinweise stehen im Kleingedruckten. Aber der Weg ist breit genug, dass ein Auto drüberfahren könnte. Solange es nicht stürmt, besteht keine Gefahr, über die „Bordsteinkante“ zu segeln, und die Möven auf ihren Felsen um Asyl bitten zu müssen.
Wo sind sie?
Es ist erstaunlich ruhig hier. Ich höre und sehe erst mal nur kreischende Möwen, dann auf etwa halbem Weg eine Gang schwarzer Kormorane. Ich schnuppere – der Ruf der Tölpel besagt ja, dass man sie riecht, bevor man sie sieht. Aber nein, heute nicht. Vielleicht hat der Wind gute Laune und bläst ihr "O de Toalette" heute jemand anderem ins Gesicht – wäre ja sehr nett von ihm.
Und dann: Da sind sie – meine Supermodel Westküsten Vögel. Ich liebe ihr cremeweißes Federkleid mit dem leichten Goldpuder Touch auf dem Kopf. Die Augen wie mit einem Eyeliner bis zum Schnabel nachgezogen und zur Krönung wunderschöne eisblaue Augen.
In der Luft sehen sie majestätisch und kräftig aus. Dann die Landung: Flügel rudern, Füße sortieren, „Huch, da war der Boden schneller als gedacht“. Liegt jemand im Weg – Pech gehabt. Der Landeanflug erinnert einfach ein bisschen an ein Brathähnchen, das versucht, nicht mit dem Schnabel im Boden zu landen.
Und wie schön es ist, ihnen beim Cuppeling zuzusehen, wenn sie sich gegenseitig das Gefieder pflegen. Das sieht sehr liebevoll aus.
Selfie Distanz
Ich hatte ja ernsthaft Sorge, dass ich mit meinem Handy nur weiße Pixel auf blauem Hintergrund fotografiere. Diese Sorge war unbegründet. Es gibt einen Hide. Verglast, offenbar so, dass uns die Vögel nicht sehen. Sie kommen ganz nah ans Fenster und schnäbeln sogar an der Scheibe herum. Ich fotografiere wie eine Wilde, auch wenn die Scheiben schon länger keinen Lappen mehr gesehen haben und man die Flecken auf den Fotos sehen wird. Aber egal. Die schönen Fotos gibt’s im Reisebericht von Betti. Sie liefert Kunst, ich die Flecken-Edition – aber mit dem Herzen waren wir wohl beide dabei.
Echt jetzt? Foto ohne Erlaubnis? Du hast Nerven!
Wir bleiben ungefähr 40 Minuten. Dann machen wir uns wieder auf die Socken. Wir fahren nach Clanwilliam einen Kaffee trinken – so der Plan.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202315. März 2026 ·
Cafe Verschwindikus
Es ist gut halb eins, als wir am Yellow Aloe Guesthouse ankommen. Tor zu. Schild dran. Gäste sollen anrufen. Ja klar – klingt total nach einem Café, das spontan Lust auf Kundschaft hat. Dabei sehe ich durch den Zaun einen Märchengarten, bei dessen Anblick ich kurz überlege, ob ich paparazzomäßig über den Zaun klettern und ein paar Fotos machen soll.
Was jetzt? Wir verspüren ein Hüngerlein und haben noch einen weiten Weg vor uns.
Plan B – Supermarktidylle
Ich zu Uwe: „Da war doch vorhin ein Supermarkt. Dann holen wir uns halt dort einen Gaumenkitzler. Kühle Getränke haben wir ja an Bord.“ Also rein, etwas Essbares geschnappt und auf schnellstem Weg wieder raus aus der Stadt.
Aber vorher natürlich noch die Wild Flower Church fotografieren. Die sieht doch echt wild geflowert aus – oder nicht?
Navi empfiehlt Mutprobe
Unser Navi schlägt wieder eine Route vor, die klingt wie: „Wenn ihr euch traut…“ Direkt durchs Township. Wir schauen uns an, zucken mit den Schultern und fahren los. Es ist ja Mittagszeit, was soll schon passieren? Komm wir Machens einfach! Und wir vermuten richtig. Die Leute sind alle entspannt und winken uns teilweise sogar zu. Ob es leichtsinnig ist? Ich weiß es nicht. Wir haben aber keine vernünftige Karte, mit der wir einen anderen Weg suchen könnten und das Navi will uns ums Verrecken da durch Lotsen – es zeigt null Diskussionsbereitschaft.
Kaum liegen die Baracken hinter uns, macht die Landschaft einen auf Hollywood: Zitrusplantagen, Olivenhaine, Postkartenpanorama. Leider auch verbranntes Land vom Feuer im Dezember/Januar. Aber selbst die verkohlten Bäume treiben schon wieder frisches Grün.
Glückseligkeit reist mit
Die Pässe enttäuschen uns nicht. Der Umweg ist jede Minute wert. Es geht rauf und runter über Teer, Schotter und Pflasterstein. Berge links, rechts und vor uns – ein bisschen Namibia-Feeling. Nur unserem Navi trauen wir noch nicht so ganz. Ob wir noch richtig sind? Andererseits, wie soll man sich hier verfahren? Und dann taucht sie auf die Mount Cederberg Lodge.
Warme Welcome – besser geht´s wirklich nicht
Wir werden mit großer Herzlichkeit empfangen. Zur Begrüßung entschuldigt sich die Rezeptionistin, weil sie uns ein Glas Oliven schenkt – das ist das Gastgeschenk des Hauses und sie weiß, dass ich den Salat ohne Oliven geordert habe. Aber auch wenn wir keine Olivenliebhaber sind: Wie süß ist das denn bitte? Ich bin echt gerührt.
Dann wird uns unser Braai Paket gebracht. Ich trau meinen Augen nicht und überlege, wie groß die Nachbarschaft ist, die wir einladen könnten. Davon können wir eine Woche essen. Wir fragen, ob die Portion für beide Abende ist – ist sie nicht. Dann müssen wir das für morgen wieder abbestellen. Alles okay lautet die Antwort – wird erledigt! Neben der riesigen Menge an Salat, Fleisch, Wurst, Brot und Dessert, ist es auch noch absolut schön und appetitlich angerichtet. Sogar eine Tischdecke wird mitgeliefert. Ich bin wirklich entzückt. Das verdient großes Lob.
Pepperboom- Filmkulisse
Im Inneren ist das Häuschen schnuckelig eingerichtet. Es hat den Charme vom Eagels Nest in Klein Aus Vista. Ein bisschen Großmutter- Vintage, wie bei den Waltons, wo man denkt: Gleich kommen John-Boy und Mary-Ann zur Hintertür rein.
Ich bin ein bisschen schockverliebt. In der Küche gibt es sogar einen Backofen und eine ähnliche Ausstattung, wie man es auch zuhause hat, nur halt nicht gerade auf Thermomix Niveau. Das ist hier eine richtige Perle. Draußen höre ich nur Naturgeräusche: Grillen, Vögel, Regentropfen.
Zu Besuch bei Fam. Waltons in den 1930ern
Vor lauter Pässe, Zitrusbäume und Olivenhaine, haben wir unterwegs gar nicht mehr ans Essen gedacht und unseren Snack vom Supermarkt nicht mal angerührt. Jetzt meldet sich unser Magen lautstark: „Hallo Hunger- Essen her, und zwar ein bisschen Dalli“
Richten muss ich ja zum Glück nichts. Uwe schmeißt den Grill an, während ich uns schon mal häuslich einrichte. Bald steigen uns die duftenden Grillaromen in die Nase. Ich habe noch einen Rest Wein von Paternoster, der ist jetzt genau richtig und Dank Fridge im Auto, schön gekühlt. Es regnet ganz sachte, aber zum Glück nicht lange. Wir können trotzdem draußen essen.
Der große Auftritt der Riesen
Nach dem Essen, das mich in einen Zustand glückseliger Bewegungsunfähigkeit versetzt hat, und einer Dusche, die mich wieder halbwegs funktionsfähig macht, kommt Uwe mit der Idee ums Eck, noch mal zum Haupthaus zu laufen. Mails checken. Wir sind ja schließlich zwei höchst wichtige Menschen, die zur Rettung der Welt unverzichtbar sind.
Wir hängen also in der Lobby rum, trinken was und tun so, als würden wir globale Krisen lösen. Zum Glück schau ich auch mal hoch und zum Fenster raus. Die Berge glühen! Nicht so ein „Oh, hübscher Sonnenuntergang“-Glühen, sondern eher: Wer hat da mal eben auf die Schnelle eine total unwirklich wirkende Filmkulisse aufgebaut?
Die Bergspitzen glühen so surreal, dass man meinen könnte das wären nur Lampen-Attrappen, die jemand von innen beleuchtet. Ich springe hoch wie von einer Tarantel gestochen und hechte nach draußen, um diesen Moment zwischen Traum und Wirklichkeit festzuhalten. Also wenn das nicht der siebte Himmel ist, weiß ich auch nicht.
Die große Schwitzorgie
Wir schlendern in unser Häuschen zurück. Da wartet noch der Abwasch, der ist allerdings schnell erledigt und wir dann auch. Jetzt die große Frage: Ehebett? Das ist schätzungsweise 1,40 Meter breit und eignet sich perfekt, um seine Ehe zu beenden, oder für einen Zweikampf, wenn man drauf steht aus dem Bett gekickt zu werden. Alternativ gibt es die schmalen Einzelbetten im Wohbereich. Aber – natürlich! – die Klimaanlage hängt über dem Ehebett. Uwe braucht nicht mal etwas zu sagen. Sein Blick sagt: „Ich schlafe da. Punkt.“. Ich würde gerne auch noch nach dem Urlaub verheiratet sein und gebe Klein bei. Für mich wird es in dem Fall dann eines der Einzelbetten ohne Venti, ohne Klimaanlage und ohne Überlebensgarantie. Na, dann gute Nacht.
Meine Güte – wie viel Schwitzen geht eigentlich? Die Backofentemperatur im Raum sorgt sehr schnell dafür, dass ich den Aggregatzustand Well done erreiche. Das kann ja kein normaler Mensch überleben. Ich brauche eine Lösung und greife zur Taktik: „Eco-Klimaanlage“, was in diesem Fall bedeutet: nasses Handtuch. Meine Rettung. So überstehe ich die Nacht zwar nicht gerade komfortabel, aber immerhin fühle ich mich nicht mehr wie ein Backofenprodukt.
Uwe schreckt mitten in der Nacht hoch – irgendwas ist nass. Scheiße, es regnet ihm ins Gesicht. Komisch, dabei hat es doch längst aufgehört zu regnen. Da! Wieder ein Tropfen. Und noch einer. Er knipst das Licht an und entdeckt den Übeltäter: Die Klimaanlage über dem Bett spuckt Kondenswasser. Direkt. In. Sein. Gesicht. Karma hat Humor.
Er zieht das Bett ein Stück von der Wand weg – und das Gestell überlebt diese Aktion nur knapp, ohne sich spektakulär in seine Einzelteile zu verabschieden. Doch damit nicht genug: Hinter dem Kopfteil hat sich bereits eine hübsche kleine Pfütze gebildet, und die Steckdose baumelt direkt darüber. Mit einem Kabel, das man eigentlich schon vor drei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand hätte schicken müssen.
Das ist der Moment, in dem Uwe die elektrische Lufterfrischung aufgibt und stattdessen beschließt, mich zum nächtlichen „wer verdampft das meiste Wasser“ herausfordert. Er gewinnt. Er kennt meine Eco Klimaanlage nämlich noch nicht.
obwohl es schon 10 Jahre her ist, ist uns Clanwilliam aus verschiedenen Gründen gut im Gedächtnis geblieben: Zum einen haben wir damals wirklich sehr schön im Yellow Aloe Guesthouse gewohnt. Ich freue mich zu hören, dass der Garten immer noch prächtig gedeiht. Schade, dass ihr nicht geklingelt habt, ich meine mich zu erinnern, dass man durch die doch recht verwinkelte Bauweise des Hauses mitunter einfach nicht mitbekommt, dass Gäste gekommen sind, je nachdem, wo sich das Personal gerade aufhält. Zum anderen haben wir in Clanwilliam in einem Restaurant zu Abend gegessen, wo man den Grundsatz, Rotwein bei Zimmertemperatur zu servieren, sehr genau genommen hat. Leider herrschten damals jedoch Außentemperaturen von über 40 Grad Celsius und der uns kredenzte Trunk hätte fast als Glühwein durchgehen können, so warm war er. Gott, was haben wir gelacht.
Danken möchte ich dir für den Hinweis auf die reichlich bemessenen Braai Portionen in der Mount Ceder Lodge. Wir haben uns nämlich ebenfalls einen Braaikorb für den ersten Abend bestellt und wollten am zweiten Abend eigentlich im Restaurant essen. Das scheint ja nach deiner Beschreibung nicht nötig zu sein. Auf die Klimaanlage in unserem Haus, wir wohnen im Waboomhoek, da dieses über einen von uns sehr geschätzten Hottub verfügt, werden wir definitiv ein Auge haben, damit wir nachts schön trocken bleiben. Ich freue mich auf die Fortsetzung deines Berichtes.
Liebe Grüße Kordula 🙂
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202316. März 2026 ·
Hallo liebe Kordula, Danke dir, dass du dich zu Wort meldest. Es ist immer wieder schön, wenn jemand reagiert.
Falls ich mich jemals dazu überwinden kann, in die Kälte zur Blumensaison eine Tour zu machen, steht das Yellow Aloe recht weit oben auf der Unterkunftsliste. Ja, vielleicht hätten wir klingeln sollen. Das verschlossene Tor wirkte halt nicht wie ein offenes Kaffee oder Restaurant. Der Garten war aber echt der Hammer. Den hätte ich mir zu gern genauer angesehen. Wenn du ihn vor zehn Jahren gesehen hast, ist er jetzt vermutlich noch schöner. Alter Baumbestand ist mit nichts anderem vergleichbar und verzaubert jede Anlage in ein Märchenambiente.
Bezüglich des Braai, hab ich nicht übertrieben. Das war für zwei Abende mehr als reichlich.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202318. März 2026 ·
Mittwoch 4. Februar – Wandern mit Verpuffungsgefahr
Urlaub und Ausschlafen – nope
Es ist kurz nach 5.00 Uhr - Augen Auf - Stille. Urlaub und Ausschlafen? Ein Mythos, den ich wohl nie verstehen werde. Während die Welt um mich herum noch im Tiefschlaf versinkt, steht mein Akku bereits auf 100%. Mein Blick wandert zum Fenster: Das erste, zaghafte Licht kriecht über den Rasen.
Mein taktischer Vorteil heute: Getrennte Schlafzimmer. Mein Revier in unmittelbarer Nähe zum Kühlschrank und – oder viel wichtiger – zum Wasserkocher. Uwe wird vor halb acht nicht zur Besinnung kommen. Meiner Mission steht nichts im Weg: Operation Verwöhn-Aroma.
Das leise Brodeln des Wassers ist der einzige Soundtrack im Haus. Ein Spritzer Wasser ins Gesicht, schnell in die Klamotten – und dann dieser erste, unvergleichliche Duft von frischem Filterkaffee.
Auf leisen Sohlen schleiche ich raus auf die Terrasse. Die Luft ist nach dem Regen heute Nacht noch angenehm mild und klar – doch es wird nicht lange dauern, bis die südafrikanische Sonne den Grill wieder anfeuern wird. Ich nehme den ersten Schluck Kaffee und genieße die Stille, die nur vom Morgenkonzert der Vögel unterbrochen wird. Einige hüpfen über das nasse Gras und suchen nach ihrem Frühstück. Manchmal wird auch um den Wurm der Begierde gezankt.
So sehr ich allerdings diese exklusive Morgenstimmung genieße, sitzt mir die Aussicht im Nacken, dass wir viel zu spät zu den Stadsaal Caves aufbrechen werden, denn das Frühstück wird erst um 8.00 Uhr serviert. Vorher hat Uwe den Elan eines Löwen in der Mittagshitze.
Ich empfinde diese späten Frühstückszeiten in vielen Unterkünften echt problematisch. Wer möchte denn im Sommer, wenn die Temperaturen gegen die 40 Grad-Marke steigen, erst um 9.00 Uhr los? Und dann kommt ja auch noch die Anfahrt zum Startpunkt dazu. Missmut macht sich in mir breit.
Notiz an mich, für die nächste Urlaubsplanung: Nur noch Unterkünfte mit kompletter Selbstversorgung buchen. Uwe muss ja noch nicht wissen, dass „Selbstversorgung“ bedeutet: Frühstück um 6.00 Uhr, Abmarsch um sieben. Problem gelöst.
Der „Expertencheck“ beim Frühstück
Während Uwe sein heiliges Frühstücksei genießt, bemüht er Mr. Google, um endlich herauszufinden, was ihn bei den Stadsaal Caves eigentlich erwartet. Er hat – wie üblich – keinen blassen Schimmer. Langsam dämmert ihm, dass heute eine Wanderung auf dem Programm steht, obwohl ich das mehr als einmal erwähnt habe, naja, vielleicht zu leise. Aber auf diesem Ohr hört er einfach schlecht.
Kauend murmelt er: „Schatz, da steht, wegen der Brände sind einige Wanderwege gesperrt. Willst du trotzdem hin?“ Natürlich wusste ich von den Flächenbränden, aber dass die Wanderwege immer noch nicht zugänglich sind, ist ein echter Dämpfer für meinen Entdeckerdrang. Ich hatte mich so auf die spektakulären Caves gefreut. Doch mein Motto steht: Lieber ein kleines Stück vom Paradies als gar nichts. Uwe nickt verdächtig schnell. Ich sehe es in seinen Augen: Er hofft inständig, dass die anstrengende Wanderung heute durch einen gemütlichen Spaziergang ersetzt wird.
Science-Fiction-Kulisse
Wie erwartet kommen wir spät los und haben noch über eine Stunde Fahrt vor uns. Grrrr! Der Himmel ist zwar gnädig bewölkt, dennoch steigt das Thermometer bereits auf die 30-Grad-Marke zu. Vor Ort folgt die Ernüchterung: Das Areal, das wir betreten dürfen, ist tatsächlich winzig. Der Dämpfer ist größer als gedacht und mir blutet das Herz – Bewegungsfreiheit sieht definitiv anders aus.
Doch dann stehen wir da und blicken auf eine Welt, die wie das Set eines Science-Fiction-Films wirkt. Links: Das totale Nichts. Schwarz, verbrannt, karg – die pure Endzeitstille. Rechts: Saftiges Grün und pralles Leben. Und mitten aus der Asche sprießen bereits die ersten hellgrünen Schösslinge. Es ist faszinierend zu sehen, wie die Natur sich ihr Revier einfach zurückerobert, kaum dass die Flammen erloschen sind.
Plan B - mach das Beste draus!
Weit und breit sind wir die einzigen Menschen hier. Es weht ein angenehmer Wind. Laufen is ja leider nicht. Also machen wir ein paar Fotos und setzen uns in eine der Höhlen. Draußen hat es ruck zuck 33 Grad. Hier drinnen auf unseren klimatisierten Logenplätzen lässt es sich aber erstaunlich gut aushalten
Keine Wanderung, kein Kilometerfressen. Stattdessen sitzen wir einfach nur da und schauen. Die Aussicht ist gigantisch, und das Einzige, was die Stille unterbricht, sind wir oder das private Vogelkonzert was uns hier geboten wird. Trotz der Zerstörung drumherum ist es unglaublich idyllisch.
Am frühen Nachmittag rollen wir zurück zum Papperboom House – bereit für eine Siesta und ein Eis.
NachoThemenstarter1’072 Beiträge · seit 202318. März 2026 ·
Der „familienfreundliche“ Wasserfall Walk
Optimismus bei 35 Grad
Um die Wanderung zum Wasserfall kommt Uwe heute nicht herum. Ich brauche Bewegung. Er auch (Er weiß es nur nicht). Es ist 17.00 Uhr. Das Thermometer steht leider immer noch bei 35 Grad! Aber ich denke, wir können davon ausgehen, dass es jetzt schnell kühler wird. Spoiler: Wird es nicht.
Es ist ziemlich bewölkt. Vielleicht regnet es noch und bringt zusätzlich Abkühlung. Regenklamotten gibt unser Gepäck aber leider nicht her. Bleiben wir optimistisch. Ansonsten gibt’s halt ne Dusche. Wer am kühlen Morgen den Elan eines schlafenden Löwen hat, muss halt am Abend zum Wasserloch traben.
Mit dem Wasserfall Walk habe ich uns auch einen sehr moderaten Spaziergang auswählt. Ich bin ja schließlich kein Unmensch und weiß, dass Wandern nicht zu Uwes Leidenschaften gehört und ich bin auch kein Langstreckenläufer. In der Broschüre heißt es, es sei ein familienfreundlicher Walk. Wenn Dreijährige ihn schaffen, schaffen wir ihn doch wohl auch.
An der Rezeption heißt es: „5,5 km fahren, dann kommt ein Gate.“ Wir hören: Gate = Tor. Klingt eindeutig. Wir fahren. 5,5 km. 6,5 km. 7,5 km. Nichts. Wie zwei demente Senioren fahren wir mehrmals hin und her, aber wir sehen kein Tor – nur ein parkendes Fahrzeug auf einem Abstellplatz. Ich sag: Das muss doch da irgendwo sein. Nach dem dritten Mal hin und her, sieht Uwe gegenüber dem Abstellplatz ein paar Steine am Boden liegen und ruft: Da! Das soll das Gate sein! Klar: Gate bedeutet nicht Tor sondern Zugang. Aha – wieder was gelernt.
Hydrierung vs. Koffein
Auto geparkt, Rucksack auf, Hut auf, los geht’s.
Die Wasserfrage klären wir minimalistisch: Es ist ja nur ein 40-minütiges Beine vertreten. Ich nehme einen halben Liter Wasser mit, Uwe einen Liter Cola. Ein ausgewogenes Verhältnis von Hydrierung zu Koffein. Im Auto haben wir genügend kühle Getränke, wenn wir zurück sind.
Der Weg beginnt harmlos. Dann wird’s schilfig. Dann buschig. Dann bücken wir uns ein bisschen und kriechen mehr oder weniger durch einen Dschungel Tunnel. Danach Steine. Große Steine. Kleine Steine. Matschlöcher. Ein bisschen hüpfen, ein bisschen kraxeln. Wir schwitzen, schnaufen und trinken deutlich mehr als erwartet.
Das „bemühte“ Rinnsal
Uns kommt eine Gruppe Wanderer entgegen: „Schöner Weg – aber ein bisschen tricky. Ein richtiger Dschungelpfad.“ Ach nee. Jetzt, wo ihr’s sagt…
Zehn Minuten später stehen wir vor dem Wasserfall. Wir sind jetzt gut 40 Minuten unterwegs gewesen – Huch, da habe ich die Broschüre wohl falsch verstanden und mit 40 Minuten war nur eine Richtung gemeint.
Der Weg runter war machbar, aber „familienfreundlich“? Ich weiß ja nicht, ob ich hier ein Kleinkind auf den Schultern tragen möchte. Oder ob ein Vierjähriges da freiwillig mitmacht und durchhält. Aber wir müssen es zum Glück nicht rausfinden.
Der Wasserfall? Ein Rinnsal. Ein sehr bemühtes Rinnsal. In der Beschreibung stand: „Badesachen mitnehmen, vielleicht mal reinhüpfen.“ Also bitte. In diese braune Brühe würde ich nicht mal meinen Zeh halten. Nicht mal im Dunkeln.
Trotzdem würde ich jetzt gerne ein paar Minuten hier sitzen. Aber ausgerechnet hier gibt es keinen einzigen Stein. Und in den Dreck setze ich mich nicht. Also bleiben wir stehen und das nicht allzu lange. Es ist auch fast schon sieben und kaum kühler geworden, doch der Tag verabschiedet sich — und wir uns vom Wasserfall.
Verpuffungsgefahr auf dem Dschungelpfad
Der Rückweg wird dann zur reinen Willensleistung. Die Hitze steht wie eine Wand zwischen den Bäumen. Ich habe das Gefühl, wir könnten jeden Moment einfach verpuffen. Meine Knie zittern, das Wasser ist längst aufgebraucht, und ich muss alle zehn Meter stehen bleiben. Ich schleiche nur noch wie in Trance durch das Dickicht, der Kopf schummrig, meine Umgebung flimmert.
Mein Fels in der Brandung
Uwe, der sonst eher den „Löwen in der Mittagshitze“ mimt, wird mir zum Felsen in der Brandung. Er besteht darauf, dass ich von seiner Cola trinke. Ich sorge mich, dass er sich selbst dehydriert, während er seinen Rest mit mir teilt. Er gibt sich souverän, aber ich sehe ihm an: Er kämpft gerade genauso hart gegen die 35 Grad wie ich.
Und falls einer von uns Schlapp macht und Hilfe braucht, dann lieber ich. Wenn sich Uwe auf meine Orientierung verlassen muss, sind wir beide am Arsch. Ich finde hier allein nie wieder raus.
Tatsächlich biegen wir einmal falsch ab. Nach ungefähr 10 Meter merkt es Uwe. Ich hätte schwören können, dass wir auf diesem Weg hergelaufen sind. Aber Uwe soll Recht behalten. Er führt uns sicher zurück auf den richtigen Pfad.
Die Erlösung am Parkplatz
Dann endlich nach zwei Stunden: Parkplatz in Sicht. Hört ihr wie der Stein von meinen Schultern plumpst?
Lektion gelernt: Das Wasser-Debakel
Ein Wort zum Thema „Genug trinken“: Ich gehöre zu den Menschen, die selten Durst spüren und ihren Bedarf massiv unterschätzen. Bei 35 Grad ist das eine gefährliche Kombination. Aus geplanten 40 Minuten „Spaziergang“ wurden zwei Stunden Marsch an der absoluten Belastungsgrenze.
Mein Rat: Nehmt die Warnungen in den Broschüren ernst. Wandert morgens um sieben, nicht in der Nachmittagshitze. Es kühlt einfach nicht ausreichend genug ab um noch bei Tageslicht den Rückweg zu schaffen.
Mein Fazit: Der Walk war wunderschön – ein echtes Dschungel-Abenteuer und ich bin kein einziges Mal hingeflogen! Aber: „Familienfreundlich“? Nur, wenn die Kinder Bergziegen-Gene haben oder ihnen das Wandern im Blut liegt. Für uns bleibt es eine peinliche, aber lehrreiche Lektion in Sachen Kondition.
Dusche, Braai und Feierabend
Wir kommen fix und fertig zurück, duschen zum zweiten Mal und essen das restliche Braai von gestern – das uns immer noch überlegen ist.
Später schlendern wir noch kurz zur Lounge für den E Mail Check. Dann zurück ins Häuschen – und wir fallen wie Fliegen ins Bett.