RB: Boliviens Altiplano & die Pampa Uruguays

Reisebericht 42 Antworten · 3’574 Aufrufe · gestartet 19. Sept. 2024 von Sabine26
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200923. Sept. 2024 ·
Kiboko schrieb:
Ich hoffe, es gibt noch Platz für ein Nilpferd auf dem Dachgepäckträger.
Da kann Kiboko rechtzeitig runterspringen, wenn die Bremse nicht mehr geht.

Von einem Kurzbesuch aus Uruguay wurde der französische Blumenkübel wiedererkannt.
Hallo Bernd,

Asche auf mein Haupt. Du bist mir doch gestern glatt durchgerutscht 🤩 . Wir haben wohl zeitgleich gepostet. Zum Glück habe ich Deinen Eintrag eben gesehen und schon mal das Dach von unnötigem Plunder freigeräumt. Für Dich gibt es doch immer ein Plätzchen. Deinen Satz „die Herren Appendix und Seasick werfe ich sofort über Bord“. Wie könnte ich Dir da keinen Platz anbieten?

Der „französische Blumenkübel“ lässt einen (also mich) sofort die Kamera ziehen..



Huhu Elisabeth,

Tupiza war für uns mit den diversen Einschränkungen die ideale Route. Mittlerweile sind einige Strecken, die zuvor grauenhaft gewesen sein müssen, asphaltiert, wie z. B. Tupizu - Uyuni oder Santa Cruz de la Sierra - Sucre. Wäre das damals der Fall gewesen, hätten wir wahrscheinlich in Santa Cruz begonnen.
Ihr hatte eine andere (wunderschöne) Route, da macht es nichts, dass Tupiza nicht dabei war.

Ich habe gerade noch einmal nach Blackthorn geschaut. Stimmt, den habe ich vor einigen Jahren mal gesehen. … als ich mir eben den Trailer anschaute, ritt Sam Shephard genau durch das ausgetrocknete Flussbett mit den roten gezackten Felsen im Hintergrund, wie ich hier ein Foto eingestellt habe - witzig. Ich mag den Film „Zwei Banditen“ so gerne, den kennst Du aber sicherlich auch.

Gleich geht es auf den Salar.

Liebe Grüße

Sabine
zuletzt bearbeitet 23. Sept. 2024
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200923. Sept. 2024 ·
Tag 10
Farbenwechsel: Aus Rot wird Weiß


Die Nacht war kurz, aber das Aufstehen fällt in Anbetracht des heutigen Zieles leicht. Im lichtdurchfluteten Innenhof des zauberhaften La Petite Porte frühstücken wir, bevor zwei Toyota Landcruiser vorfahren, die uns vier heute über den Salar de Uyuni fahren werden.

Unser erster Stopp gilt dem Ort Colchani, 22 Kilometer nördlich von Uyuni gelegen. Colchani ist das Eingangstor zum Salar. Entlang der Hauptstraße des kleinen Ortes bieten Händler ihre Waren für Touristen an. Hier steht auch der mobile Verkaufswagen einer Frau, deren kleines Kind, ein Mädchen, daneben sitzt.

Ich spreche die Frau und die Kleine an. So erfahre ich ihren Namen und dass sie drei Jahre alt ist. Sie sitzt hier den ganzen Tag, während ihre Mutter Geld verdient. Es muss furchtbar langweilig für das Kind sein. Wir schenken ihr ein Malbuch und ein Set Buntstifte. Die Mutter freut sich so sehr und die Kleine weiß tatsächlich nicht, was sie da in der Hand hält. Später werden wir sehen, wie die Mutter ihr gezeigt haben muss, was sie damit machen kann und so sitzt die Kleine nun auf ihrem Stein und ist tief versunken in ihrem Malbuch.

In Colchani wird noch immer das Salz vom Salar per Hand in Tüten verpackt. M. führt uns in ein Haus, wo ein Mann dieser Tätigkeit nachgeht. Wir erfahren, dass nur Familien, die aus dem Ort stammen, auf dem Salar Salz ernten dürfen.


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Wie das bolivianische Salz in die Tüten gelangt, wissen wir jetzt, nun sehen wir mit eigenen Augen, woher dieses kommt. Wir fahren auf den Salzsee. Nur einige Monate im Jahr ist der Salar großflächig befahrbar. Während des bolivianischen Winters und der sich anschließenden Wochen steht eine mehrere Zentimeter hohe Wasserschicht auf dem weißen See.

Wir fahren zu den Ojos, die sich auch zu unserer Reisezeit noch am Rande des Sees halten. Unsere Fahrer wissen genau, wie weit sie fahren können, ohne das Risiko einzugehen, in dieser Wüste aus Salz einzubrechen. Aus diesen Augen sprudelt das Wasser in braunen Farbtönen und rundherum ist das Salz eingefärbt. Farblich erinnert mich diese Region ein wenig an den Salar de Atacama mit seinen Pastelltönen.


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Je mehr wir uns in unseren Landcruisern von den Ojos entfernen, umso weißer wird der Salar. Längst haben die Bolivianer erkannt, welcher monetäre Schatz unter diesem Naturschatz verborgen liegt. Bolivien gilt als eines der Länder mit den größten Lithiumvorkommen weltweit.

Wir fahren in den Norden des Salzsees. Diese Region wird bisher noch wenig von Touristen besucht und bald sind wir ganz alleine unterwegs. Es ist eigentlich kaum zu fassen, dass es dennoch immer wieder zu tragischen Verkehrsunfällen auf dem Salar de Uyuni kommt. Wenige Jahre zuvor stießen zwei Touristenfahrzeuge frontal zusammen und es gab viele Todesopfer.


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Wir fahren durch eine surreale Welt, aber eine so schöne und absolut beeindruckende. Es ist kaum zu fassen. 90 Kilometer von Colchani entfernt liegt der kleine Weiler Coqueza zu Füßen des 5.435 Meter hohen Vulkans Thunupa. Hier ist es wundervoll, das Weiß des Salars, das Tiefblau des Himmels, das Blau des Wassers am Rand der riesigen Salzfläche, in dem Flamingos nach Fressbarem suchen, das Grün, auf dem Lamas und Esel grasen, bis hin zu den Braun- und Rottönen des Vulkans Thunupa.


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Wir machen einen kleinen Spaziergang durch den sehr ärmlich wirkenden Ort und begegnen keinen weiteren Touristen. Ein kleines Mädchen kommt auf uns zu. Sie ist neugierig und erzählt und erzählt. Auch wenn ich längst nicht alles verstehe, so ist dies eine wundervolle Begegnung für, so hoffe ich, beide Seiten.
zuletzt bearbeitet 23. Sept. 2024
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200923. Sept. 2024 ·
The place to be eat

Vier Kilometer führt uns eine Piste bis zu einem Parkplatz auf 3.982 Höhenmeter. Wer zum Gipfel des aktiven Vulkans Thunupa möchte, der muss ab hier zu Fuß weiter. Wir gehen nun auch per Pedes mehrere Hundert Meter, bewegen uns aber in etwa gleichbleibender Höhe. Unser Ziel ist eine Höhle, in der sich sieben Mumien befinden. Schätzungen gehen davon aus, dass die Mumien seit etwa 900 Jahren in der Höhle sitzen/liegen sollen.

Die Aymara bringen in der Mitte des Höhlenraums, der nicht allzu groß ist und lediglich mit äußerst spärlichem Tageslicht aufwarten kann, nach wie vor ihre Opfergaben in Form von Zigaretten, Coca-Blättern und Münzen dar. Später werde ich beim Betrachten der Fotos eine Schlangenhaut, die ziemlich taufrisch ausschaut, im Schoß einer der Mumien entdecken.


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Der Blick von den Hängen des Vulkans Thunupa auf den Salar de Uyuni ist spektakulär, aber auch die Strecke in der dünnen Luft ist sehr schön zu laufen entlang von blühenden Kakteen und Pflanzen, mit denen ich hier gar nicht gerechnet hatte. Auch Apachetas, kleine Türmchen aus Steinen, begegnen uns immer wieder.


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Wir fahren hinunter und laufen entlang der Ojos und kleinen Lagunen. Das Farbenspiel ist fantastisch. Je nach Sonneneinfall und – so nehme ich an – je nach Zusammensetzung der Mineralien im Nass schauen wir auf Rot-/Brauntöne, auf Blautöne und bisweilen milchig wirkende Grautöne. Einzig der Thunupa ändert sich nicht mit seinen Spiegelungen.


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In der Zwischenzeit wird das Mittagessen für uns aufgebaut. Wir sind hin und weg von dieser Location auf dem endlosen Weiß unter dem roten Sonnenschirm. Das ist „The place to be eat“.


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1’625 Beiträge · seit 201523. Sept. 2024 ·
Sabine26 schrieb:Ich mag den Film „Zwei Banditen“ so gerne, den kennst Du aber sicherlich auch.
na klar einen Robert Redford Film lasse ich mir nicht entgehen 😊

so ein tolles Mittagessen hatten wir damals dort nicht - das ist ja Klasse.
Ach, es ist so schön Bilder von dieser einmaligen Landschaft zu sehen. Hab Dank fürs Berichten.
VG Elisabeth
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3’883 Beiträge · seit 201124. Sept. 2024 ·
Wow!
Sabine, das sind tolle Fotos und Erlebnisse. Ich sehe das kleine Mädchen mit dem Malbuch vor mir und denke: Hoffentlich ist das nicht ihr einziges Beschäftigungsangebot in dieser Langeweile. Jedenfalls wird sie sich lange an dieses Geschenk erinnern.

Gute Nacht
sacht freshy
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Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200929. Sept. 2024 ·
sphinx schrieb:
Sabine26 schrieb:Ich mag den Film „Zwei Banditen“ so gerne, den kennst Du aber sicherlich auch.
so ein tolles Mittagessen hatten wir damals dort nicht - das ist ja Klasse.
Absolut!
sphinx schrieb:
Sabine26 schrieb:Ich mag den Film „Zwei Banditen“ so gerne, den kennst Du aber sicherlich auch.
na klar einen Robert Redford Film lasse ich mir nicht entgehen 😊
Kann ich so etwas von nachvollziehen 🙂

LG
Sabine
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200929. Sept. 2024 ·
freshy schrieb:Wow!
Sabine, das sind tolle Fotos und Erlebnisse.
Danke, freshy.
46 Beiträge · seit 202201. Okt. 2024 ·
Wie schön, daß ich diesen Bericht entdeckt habe! Ich möchte mich sehr gerne der kleinen Reisegruppe anschließen, denn ich bin ein glühender Fan der Hochanden und kenne die erste Strecke (von Salta bis Quiaca) von eigenen Reisen, Bolivien steht hingegen noch auf meiner Wunschliste. Vielen lieben Dank, daß du dir die Mühe machst, deine Reise zu beschreiben, ich freue mich wirklich sehr darüber.

Die Eindrücke von der Uyuni sind großartig, die Bilder begeisternd schön, ich würde am liebsten gleich hinfliegen 😉 Habt ihr die heutige Tour auf dem Salar in Uyuni gebucht oder schon von zu Hause aus?
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200903. Okt. 2024 ·
Vielen Dank, mimo, für die netten Worte. Dass Du Fan der Hochanden bist, trifft sich gut 🙂 , das bin ich auch.

Das war alles bereits schon im Vorfeld gebucht. Wir hätten auch gar keine Zeit gehabt, dies vor Ort zu organisieren.
3’883 Beiträge · seit 201104. Okt. 2024 ·
Guten Morgen liebe Sabine,
in meiner Tageszeitung steht heute ein Bericht über riesige Brände im Pantanal, da musste ich beim Lesen sogleich an deinen RB denken. Ich hoffe, du schreibst ihn weiter, oder? Da ich diesen Teil unserer großen Welt in meinem Leben niemals mehr selbst erleben werde, bin ich sehr interessiert an authentischen Reiseberichten.

Ein schönes Wochenende
mit Zeit zum RB-Schreiben 😉 wünscht dir
freshy
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Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200904. Okt. 2024 ·
Hallo liebe freshy,

oh, Du erinnerst Dich noch an meinen RB aus dem Pantanal. Das freut mich sehr 😘 .
Es ist sehr bedauerlich mit den Bränden, die Menschen und die Tierwelt haben in den letzten Jahren immer wieder unter schrecklichen Bränden gelitten.

Ich schreibe gleich weiter.

LG

Sabine
zuletzt bearbeitet 04. Okt. 2024
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200904. Okt. 2024 ·
Haus des Inka und ein Palast aus Salz

Nach diesem irgendwie doch ein wenig dekadent anmutenden Mahl geht es südwärts über den Salar auf 3.653 Metern Höhe. Das Ziel für den späten Nachmittag ist eine Felseninsel und trägt den Namen Isla Incahuasi, was übersetzt so viel wie Haus des Inka bedeutet.

Mitten aus dem unwirklichen, endlosen Weiß ragen mehrere dieser Felsinseln empor. Die Isla Incahuasi ist wahrscheinlich die meistbesuchte von allen. Die Geländewagen zu Füßen der Insel können wir bereits aus der Entfernung erspähen, ein krasser Gegensatz zum nördlichen Bereich des Salzsees, von dem wir gerade kommen.


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Nichtsdestotrotz hat dieser Ort etwas Wundervolles. Auf der Insel stehen unzählige, bis zu 10 Meter hohe Kakteen der Gattung Trichocereus, die pro Jahr maximal 1 cm wachsen. Daher geht man davon aus, dass manche dieser Kakteen bereits 1.000 Jahre alt sein könnten. Über die Insel aus Granit führt ein felsiger Pfad, der mit 40 Minuten Dauer angegeben ist. Wir benötigen natürlich länger, die Aussicht ist ein ums andere Mal atem(be)raubend, dazu trägt das Nachmittagslicht mit den länger werdenden Schatten seinen Teil bei. In der Ferne ragt der Thunupa über das Weiß und die Erdkrümmung ist von hier oben nicht zu übersehen.

Trotz doch einer beachtlichen Anzahl Touristen, von denen die meisten schnell den Rundweg hinter sich bringen, nachdem ein paar Selfies geknipst wurden, genießen wir jeden Augenblick.


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Die Rückfahrt führt uns an einem ehemaligen Salzhotel vorbei. Dieses wurde vor einiger Zeit geschlossen, da das Abwasser ein Problem mitten auf dem Salar darstellte. Heute zieht es dennoch weiterhin Touristen - wie uns - für einen Fotostopp an.

Am Rand des Salars gibt es mittlerweile einige wenige weitere Salzhotels. Wir haben ein Zimmer im wohl komfortabelsten gebucht, im Palacio de Sal. Zugegeben hatte ich dennoch keine großen Erwartungen an diese Unterkunft, aber als wir das von außen so unscheinbar wirkende Gebäude betreten, bleibt mir fast die Luft weg und der Grund liegt nicht an der Höhe, auf dem sich der Palast aus Salz befindet.

Das Hotel ist von Reisegruppen gebucht und so erhalten wir als einzige Individualreisende des heutigen Tages zu unserer großen Freude Upgrades in die beiden einzigen Suiten. Das Abendessen lässt später keine Wünsche offen. Wir sind hellauf begeistert von dieser Unterkunft.


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Morgen werden wir diese unwirkliche Welt verlassen und fahren in die weiße Stadt, nach Sucre, Boliviens Hauptstadt.
zuletzt bearbeitet 04. Okt. 2024
46 Beiträge · seit 202204. Okt. 2024 ·
Wow - dieses Hotel trägt den Namen Palacio wahrlich nicht zu Unrecht!

Wundervolle Fotos wieder, sie regen meine Reiselust derart an, daß ich schon mit der Ausarbeitung einer eigenen Uyunitour begonnen habe... 🙂
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200904. Okt. 2024 ·
Mimo schrieb:Wow - dieses Hotel trägt den Namen Palacio wahrlich nicht zu Unrecht!

Wundervolle Fotos wieder, sie regen meine Reiselust derart an, daß ich schon mit der Ausarbeitung einer eigenen Uyunitour begonnen habe... 🙂
Vielen lieben Dank, Mimo! Es freut mich, dass Dir der Bericht und die Fotos so gut gefallen, dass Du sogar - wie cool ist das! - jetzt eine Tourplanung begonnen hast, und ich bin gespannt, wie Deine Route aussehen wird.

Kennst Du hier eigentlich meinen Bericht zur Puna? Ich weiß nicht, ob Du schon dort gewesen bist, aber wenn nicht, wäre der möglicherweise auch von Interesse für Dich.

LG
Sabine
zuletzt bearbeitet 04. Okt. 2024
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200904. Okt. 2024 ·
Tag 11 – Salar de Uyuni - Sucre
Züge, die nicht mehr fahren … und einmal mehr Butch Cassidy und Sundance Kid


Mit Wehmut verlassen wir den Salar de Uyuni und „unseren“ Salzpalast. Hier hätten wir es definitiv noch eine Nacht länger ausgehalten. Die Wehmut ist jedoch schnell verflogen, sie weicht Ungläubigkeit, als wir vor die Tür treten und das Gefährt sehen, das uns heute nach Sucre bringen soll. Wir hatten zwei Wagen gebucht, aber nur einer steht vor der Tür, in den wir, unsere neue, ebenfalls sehr freundliche Begleitung L. und unser Gepäck nur mit allergrößter Mühe hinein passen. Der Beifahrersitz, auf dem mein Mann Platz genommen hat, lässt sich in keiner Weise verstellen, er sitzt dermaßen unbequem, dass mir schon vom Zusehen ein Kribbeln in die Beine zieht.

Wir anderen sitzen auf den verbleibenden Plätzen eingequetscht mit angezogenen Beinen, die wir kaum bewegen können. Sieben Stunden reine Fahrtzeit bis zur Hauptstadt Boliviens liegen heute vor uns.

Nein, so werden wir keinesfalls bis Sucre fahren. Da sind wir uns alle sehr schnell einig. Wir müssen ohnehin noch einen kleinen Stopp in Uyuni bei der Niederlassung der Agentur einlegen, da gestern eine Tasche von unseren Freunden im Wagen vergessen wurde und wir diese abholen müssen.

Dort angekommen zücke ich unsere Reisebestätigung. Nach mehreren Telefonaten und Diskussionen ist dann auch dem letzten Verantwortlichen klar, ein weiteres Fahrzeug oder zumindest ein größeres Vehikel muss schnellstmöglich her. Während dieses Problem gelöst wird, stapeln wir uns erneut im Wagen und legen eine kurze Strecke zum nächsten Besichtigungspunkt ein.

Unweit von Uyuni gibt es einen skurrilen Friedhof, den Cementerio de los Trenes. Dieser Eisenbahnfriedhof gilt als der größte seiner Art. Eine fast dreistellige Anzahl an Lokomotiven und Wagen sollen hier ihr Dasein fristen, manche davon waren bereits vor mehr als 100 Jahren im Einsatz. Aufgrund des Klimas sind zahlreiche Exemplare noch recht gut erhalten, zumindest die äußere Hülle, denn vieles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde bereits entwendet.

Der Transport über Schienen war damals ungemein wichtig für Bolivien, um all die Rohstoffe, über die das Land verfügt, zu den Seehäfen im heutigen Norden Chiles zu transportieren. Mit der Aufgabe vieler Minen vor etwa acht Jahrzehnten war aber auch das Schicksal vieler Bahntrassen und der darauf verkehrenden Fahrzeuge mit der ausbleibenden Fracht besiegelt.


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Zurück bei der Agentur stellen wir erfreut fest, dass zwischenzeitlich ein zweites Fahrzeug mit Fahrer für uns bereit steht. So können wir – zwar mit einiger Verzögerung – unsere heutige Fahrtstrecke in Angriff nehmen. Mit einem letzten Blick hinunter zum Salar steuern wir Sucre an.


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Gehört der Cementerio de los Trenes in Uyuni mehr oder weniger zum Pflichtprogramm eines jeden Touristen, der den Salar de Uyuni besucht, verhält es sich mit dem Museo de los Trenes in Pulacayo anders. Hätte ich nicht die Folge Eisenbahnromantik über die Bahnstrecken Boliviens vor einiger Zeit gesehen, wären wir wohl heute unwissend an diesem an der Strecke liegenden Minenort vorbeigefahren. So aber habe ich diesen Ort auf 4.111 Metern Höhe auf unsere Reiseroute gesetzt. Hier stehen weniger Lokomotiven als auf dem Eisenbahnfriedhof von Uyuni, diese sind aber viel besser erhalten.

Um in den Ort zu kommen, müssen wir zuerst eine Kontrolle passieren. Wir lassen die Autos stehen und recht schnell haben wir das kleine Museo im Freien erreicht. Die hier stehende Lok mit Namen La Unión hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Während einer ihrer Einsätze soll der Zug im Jahr 1908 von Butch Cassidy und Sundance Kid überfallen worden sein.

Pulacayo wurde am 16.12.1883 gegründet und ist als Patrimonio Cultural Industrial deklariert. Wir laufen weiter in den Ort hinein. Alle Einwohner, die uns begegnen, freuen sich sichtlich über unseren Besuch und grüßen sehr freundlich. In der Nähe des Hauptplatzes kommen wir mit zwei Männern, die als Ingenieure für die Mine arbeiten, ins Gespräch. Wir erfahren, wie selten Touristen sich hierher verirren und als sie hören, dass wir aus Deutschland kommen, beginnt einer von beiden zu schwärmen von den alten deutschen Maschinen, die hier immer noch im Einsatz wären, ebenso von den deutschen Mechanikern, die seien seiner Meinung nach die Besten. Er erzählt uns, dass einige der Häuser im Ort von Deutschen erbaut wurden und im zweiten Weltkrieg drei Piloten hierher desertiert seien.

Im Ort leben derzeit ca. 1.500 Menschen. Nachdem die Population nach Schließung der Mine von staatlicher Stelle kontinuierlich sank, hat sie über die letzten Jahre wieder zugenommen. Eine Kooperative bewirtschaftet nun die Mine.

Ich kann mich kaum losreißen von dieser Begegnung und diesem so interessanten Gespräch, bei dem L. immer mal wieder hilft, wenn mein Spanisch nicht ausreicht, aber vor uns liegen noch viele Kilometer, die es heute noch zurückzulegen gilt. Wir machen ein Erinnerungsfoto, bedanken uns und verlassen diesen Ort, der so viel Geschichte mit sich bringt, mir aber einmal mehr das Leben in dieser lebensfeindlichen Höhe in diesem nicht gerade von Reichtum gesegneten Land vor Augen führt.


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Die Strecke nach Sucre sieht etwas anders aus, als ich es von Gegenden in ähnlichen Höhen aus dem Altiplano kenne, dennoch ist sie sehr interessant und versüßt die lange Fahrtzeit. Wir passieren Potosí, hier werden wir im Anschluss unseres Aufenthaltes in Sucre zwei Nächte in der Nähe verbringen, um die Stadt kennenzulernen.


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Wir sind heilfroh, als wir gegen 19:00 Uhr endlich Sucre erreichen, denn die Fahrweise der Bolivianer, insbesondere wegen der äußerst riskanten Überholmanöver, hat uns ein ums andere Mal die Luft anhalten lassen.

Drei Nächte haben wir im Parador Santa Maria Real gebucht. In unseren Junior Suiten fühlen wir uns sofort wohl. Es gibt eine Dachterrasse, von der man über die weiße Stadt blicken kann.
46 Beiträge · seit 202205. Okt. 2024 ·
Liebe Sabine, 

ich verschlinge deinen Bericht geradezu und kann es gar nicht erwarten, daß es weitergeht. Ich werde deine Uyuni-Tour als Blaupause für meine eigene nehmen, wenn auch mit ein paar Varianten. 

Dazu später mehr, jetzt aber ein Wort zu deinem Puna-Reisebericht. Selbstverständlich kenne ich den, ich habe ihn vor einer Weile mit großer Faszination gelesen. Wir (mein Partner und ich) haben die Puna sogar schon zweimal bereist, in etwa auf denselben Wegen wie du. Du hast allerdings noch ein bißchen mehr erlebt als wir, so konnten wir nicht in Antofalla übernachten, weil unser guide das nicht hingekriegt hat (er sagte, alles sei von den Minengesellschaften auf lange Frist belegt), dafür waren wir beispielsweise 3 Nächte in Tolar Grande. 

Auch die nördliche Puna haben wir durchquert, und zwar als Individualreisende. Die Strecke von Susques bis Cusi Cusi war einfach großartig, die von Salta über Purmamarca, Tilcara etc. bis La Quiaca kennen wir natürlich auch. 

Nun also die Uyuni - danach habe ich mich schon lange gesehnt (wir haben bisher nur zweimal Tagesausflüge von San Pedro aus gemacht), und dein wunderschöner Bericht hat die Glut der Leidenschaft zu heftigen Flammen entfacht 😉 Allerdings sind wir mittlerweile leider über 70 und auch nur zu zweit, was mich ein wenig zweifeln läßt, ob wir uns trotz großer Hochandenerfahrung (wir waren auch mehrfach in den chilenischen Hochanden, im Lauca etc) allein über die Uyuni wagen sollen. 

Aber ich will ja nicht über mich reden, sondern über deinen Reisebericht. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie dankbar ich dir bin, denn zu Bolivien findet man wirklich wenig, und bei dir weiß ich, daß wir einen ähnlichen Geschmack haben. 🙂 So habe ich auch gleich Pulacayo auf meine Liste gesetzt, das mir bisher nicht bekannt war. 

Daß die Fahrweise in Bolivien oft kriminell ist, habe ich schon mehrfach gelesen. Ich bin ein ängstlicher Mensch und möchte so etwas vermeiden. Wir fahren ja meistens selber (nicht nur deswegen, sondern weil ich es einfach schöner finde, frei zu sein), aber in Bolivien ist es ein Problem mit den Mietwagen. Da ich von deiner Punareise ausgehend annehme, daß du nur exzellente Anbieter wählst, würde es mich interessieren, ob dies bei euren Bolivientouren auch so war. Und dann trotzdem die hochriskante Fahrweise? 
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200906. Okt. 2024 ·
Liebe Mimo,

über Deine Zeilen habe ich mich sehr gefreut.

Wie toll, dass Ihr schon so viel in den Anden gesehen habt und bin überzeugt, dass es Dir in Bolivien auch gut gefallen wird. Insgesamt war es für mich doch sehr anders als z. B. die südlichen Nachbarn, aber auch wieder unterschiedlich zu Peru bzw. Ecuador.

Wir haben uns mit Absicht gegen Selbstfahren in Bolivien entschieden, obwohl wir gerne so unterwegs sind. Bzgl. der Infrastuktur hat sich doch einiges getan, soweit ich das über die letzten Jahre verfolgt habe. Unsere Fahrer in Bolivien (die in Argentinien und auch bei der kurzen Strecke von der Grenze nach Arica waren sowieso top!) sind insgesamt ordentlich gefahren. Auf der Strecke nach Sucre habe ich mich zweimal beschwert, weil auch er sehr riskant überholt hat, aber viel schlimmer empfanden wir die Fahrweise der anderen Verkehrsteilnehmenden.

Hinzu kommen auch die Straßensperren, mit denen wir zu unserer seinerzeitigen Reisezeit rechnen musste. Wie das derzeit ist, weiß ich nicht.

Viele Grüße

Sabine
Themenstarter1’394 Beiträge · seit 200925. Mai 2025 ·
Hallo zusammen,

einige von Euch waren ja an der Fortsetzung interessiert, nun endlich habe ich es geschafft, von diesem Bericht etwas auf meine Seite zu bringen. Der Bolivien-Teil unserer Reise ist nun komplett online:

https://www.passionate-about-travel.de/Bolivien-und-uruguay-2017

Viele Grüße

Sabine
3’883 Beiträge · seit 201127. Mai 2025 ·
Sabine26 schrieb:Hallo zusammen,

einige von Euch waren ja an der Fortsetzung interessiert, nun endlich habe ich es geschafft, von diesem Bericht etwas auf meine Seite zu bringen. Der Bolivien-Teil unserer Reise ist nun komplett online:

https://www.passionate-about-travel.de/Bolivien-und-uruguay-2017

Viele Grüße

Sabine
Lieben Dank Sabine,
aber ich kann diesen Teil leider erst in der zweiten Junihälfte lesen. Also nicht versehentlich löschen! 😄

LG freshy on Tour
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120 Beiträge · seit 201127. Mai 2025 ·
Sabine26 schrieb:Hallo zusammen,

einige von Euch waren ja an der Fortsetzung interessiert, nun endlich habe ich es geschafft, von diesem Bericht etwas auf meine Seite zu bringen. Der Bolivien-Teil unserer Reise ist nun komplett online:

https://www.passionate-about-travel.de/Bolivien-und-uruguay-2017

Viele Grüße

Sabine
Hallo Sabine,
vielen Dank für Deinen sehr guten Bericht über Bolivien - ich habe sehr viele Orte davon auch sehen dürfen und es ist toll, wieder einmal daran erinnert zu werden! Wir waren damals im alten Salzhotel für 2 Nächte und fanden das auch schon super - das neue ist aber tausendmal interessanter!! 🤩
Liebe Grüße
Ute