von Anfang an begleite ich euch ja, aber ich bin oft zu faul mich anzumelden und konnte daher den DANKE-Button nur selten drücken. Das habe ich heute mal in einem Schwung nachgeholt. Danke für die viele Mühe, die du dir mit eurem Reisebericht machst. Für mich ist es schön, mit euch all die bekannten Plätze zu besuchen. Irgendwie bekommt man ja "den Hals nicht voll" 😉
Deine sehr detaillierte "Genealogie" beeindruckt mich mal wieder. Du weißt ja, dass mir das ziemlich schnuppe ist, aber wenn man es dann mal so gut beschrieben liest, leuchtet alles ein. Ob ich das aber alles behalten kann ...? 😄 Von daher werde ich wohl immer wieder hin müssen. 😄 😄
Freue mich auf die baldige Fortsetzung.
LG Klaudi
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201517. Mai 2023 ·
Liebe Klaudia,
da geht es dir ähnlich wie Petra, die liest auch immer nur ohne Anmeldung. Vielleicht sollte ich mal ihr Bild beim Schlafen am Leo-Baum hochladen oder die nächste Leo-Begegnung, wo sie ebenfalls geschlafen hat, dass sie sich auch mal hier äußert 😄
Manchmal kann ich es selbst kaum glauben, dass ich mir das alles merken kann und erlebe im nächsten Moment wieder, wie schlecht dafür mein Kurzzeitgedächtnis funktioniert 😄
Wir freuen uns auf dich, bis demnächst 🙂 Fortsetzung ist in Arbeit.
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201517. Mai 2023 ·
14.03. Jäger und Gejagte
Als ich die Augen öffne, weiß ich nicht, wie ich diesen Tag jemals überstehen soll. Unfassbar, wie ausgelaugt ein Körper sein kann, so etwas habe ich vielleicht einmal in meinem ganzen Leben erlebt. Aber hilft ja alles nix - ich bleibe bestimmt nicht "daheim". Ich mache ein paar Übungen im Sitzen, um den Kreislauf anzukurbeln und muss den Weg vom Zelt zur Lounge extrem langsam gehen. Vielleicht hilft ja ein Kaffee. Spoileralarm - vielleicht hätten 10 geholfen, aber dieser eine jedenfalls nicht.
Es ist ein sehr trüber Morgen. Passt irgendwie zu meiner Stimmung. Sobald wir im Auto sitzen, mache ich nur noch die Augen zu und vertraue auf George. Um 6 Uhr ruckeln wir los und versuchen als Erstes, die Geparde von gestern wieder zu finden und zu schauen, ob sie heute Morgen einen neuen Jagdversuch starten würden. Aber noch bevor es richtig hell wird, begegnen wir einer sechsköpfigen Löffelhund Familie - welch eine Freude! Leider lassen sich die flinken und quirligen Gesellen nicht dazu herab, für ein Foto still zu halten. Es hätte bei mir ohnehin bloß für ein schlechtes Beweisbild gereicht.
Am Hyänenbau ist noch nicht viel los. Alle Clan-Mitglieder wurden heute Nacht ordentlich nass und auch jetzt fängt es wieder an, leicht zu nieseln. Ungemütliches Wetter, erst recht, wenn man sich nicht gut fühlt. Dem Hippo scheint es allerdings zu gefallen.
Da kommt eine nette Abwechslung in Form einer Gepardin doch gerade recht! Es handelt sich um Nariku, eine Tochter von Neema, die uns bei unserem letzten Besuch die spektakuläre Jagd gezeigt hat. Nariku war zu dieser Zeit noch mit ihren beiden Geschwistern bei der Mutter und ein paar Wochen nach unserem Besuch wurden sie langsam unabhängig. Es ist so toll, die Tiere wieder zu treffen!
Allerdings währt die Ruhe nicht lange an, denn oben am Horizont rennt ein Gnu um sein Leben - gefolgt von einer Hyäne! So etwas hatten wir auch noch nicht, also hinterher! Wir verlieren die beiden recht schnell aus den Augen, aber finden das Gnu relativ schnell wieder. Es hat sich in einen kleinen Bach geflüchtet, um wieder Kraft zu sammeln. Hyänen sind ganz schön ausdauernd, das muss man ihnen lassen. George erklärt uns auch, wie hartnäckig sie sein können, wenn sie eine Beute ausgemacht haben.
Ja, wir haben Mitleid mit dem Gnu. Und auch eine Tötung durch Hyänen müssen wir eigentlich nicht unbedingt erleben. Aber das ist die Natur. Die Stärksten überleben.
Nach einigen Minuten unternimmt das Gnu einen Fluchtversuch, allerdings nur bis zum nächsten Wasser. Es schnauft schwer vor sich hin. Mittlerweile kann man auch nicht mehr von Nieselregen sprechen, dicke Regentropfen fallen vom Himmel und die Stimmung ist bedrückend. Wird das Gnu es schaffen? George meint "This guy is gonna die today". Die Hyäne betritt nur sehr zögernd das seichte Wasser. Durch den Regen bewegt sich die Oberfläche und sie denkt dadurch, hier würden Krokodile lauern.
Nach 10 Minuten nimmt das Gnu seine letzte Kraft zusammen und flieht erneut, die Hyäne wie der Blitz hinterher! Ich kann gerade noch die Verfolgung filmen, da rennen die beiden über die Grenze in eine Conservancy. Ab hier dürfen wir nicht weiter. Allerdings sehen wir kurze Zeit später das Gnu weit weg wieder rennen und die Hyäne gibt tatächlich auf. Tja, auch ein George irrt sich mal. Hier lediglich zwei schlechte Videoausschnitte
Wir widmen uns nun wieder der schönen Nariku, die immerhin nicht sehr abgemagert aussieht. Sie streift herum, dicht gefolgt von einem Schakal, der sich vielleicht eine Jagd und somit Beute erhofft. Sie macht allerdings momentan keinerlei Anstalten dazu. Kann sich aber im Laufe des Tages noch ändern...
Um 9:15 Uhr genießen wir unser Frühstück mit Blick auf eine unheimlich schöne, grüne Landschaft. Beim Auspacken der Frühstücksboxen staunen wir nicht schlecht. Man mag sich nicht ausrechnen, wie viel Müll hier über die Tage zusammen kommt. Sogar die hartgekochten Eier sind in Alufolie gepackt - das geht gar nicht!
Danach sitzen wir erst wenige Minuten wieder im Auto, da erhält George einen Funkspruch. Diesmal verrät er uns nicht, was uns erwartet. Erklären muss er uns auch nichts als wir unser Ziel erreichen - das ist doch Lorgogol oder??? - "Yes, he walked a long distance". Er ist jetzt etwa 15 Kilometer von dort entfernt, wo wir ihn vor knapp einer Woche gesehen haben und er zeigt sich von seiner besten Seite! Übrigens bedeutet sein Name auch irgendwas mit Gurgel oder so, weil er diesen doch sehr ausgeprägten Hals hat. Die meisten Katzen werden nach einer Eigenschaft oder einem Merkmal benannt
Leider nicht für sehr lange, denn er verschwindet im dichten Buschwerk. Aber Halt, was ist das da hinten? Noch ein Leopard? Ich meine zu George nur, irgendwas mit Flecken 😄 Kaum zu glauben, aber etwa 300 Meter weiter läuft Gepardin Imani und nimmt malerisch auf einem Termitenhügel platz. Es entstehen unsagbar schöne Aufnahmen!
Auch sie ist weit gewandert. Wir entscheiden uns jedoch, wieder zu den Büschen zu fahren, in die Lorgogol verschwunden ist, in der Hoffnung, er lässt sich noch einmal blicken. Leider warten wir vergeblich und zwei von uns fallen die Augen zu. Ich habe eine gute Ausrede dafür, welche ist deine, Mama Petra? 😄
Wir können Lorgogol zwischen den Büschen zwar erspähen, doch er macht keine Anstalten, diese demnächst zu verlassen. Jennie und Petra wollen heute nach Talek auf den Markt, mir ist alles egal, Hauptsache ich muss mich körperlich nicht anstrengen. Ich will nicht jammern, aber mir geht es wirklich miserabel. Doch die beiden Kronenkraniche nehmen wir noch mit.
In Talek hat der Regen deutliche Spuren hinterlassen und wir steuern zuerst einen Stand für Schmuck an, wo Jennie und Petra ein paar Armbänder bestellen. Zu gerne würde ich auch etwas stöbern, aber ich bin zu nichts zu gebrauchen.
Wir schauen auch noch in der Werkstatt vorbei, die die Tische und Stühle angefertigt hat, die wir der Grundschule spenden wollen. Dieser Besuch ist für nächste Woche geplant, allerdings wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass die Kinder da noch frei haben werden. Ich schaffe es wenigstens, Petra aus dem Auto heraus zu fotografieren.
Als die beiden noch Geld ziehen wollen, entdeckt Petra gegenüber eine Apotheke und besorgt kurzerhand jetzt schon Hustensaft - und das ganz allein! Mama, ich bin stolz auf dich 🙂
Zurück im Zebra Plains essen wir zu Mittag und ich haue mich danach auf eines der Sofas in der Chillout Area für ein Nickerchen. Bis zum Zelt und dann nachher wieder zurück wäre zu anstrengend.
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201521. Mai 2023 ·
14.03. Jäger und Gejagte Fortsetzung
Das Schläfchen hat wahre Wunder bewirkt. Ich steige mit deutlich besserer Konstitution ins Auto und wir fahren um 15:30 Uhr wieder los. Rund ums Zebra Plains Camp grasen etliche Rinder und auch das ist ein gewohnter - zugegeben für uns immer noch ungewohnter - Anblick. Ich habe extra gefragt, ob ich ein Foto machen darf.
Die Guides scheinen zu spüren, wenn Geparde auf die Jagd gehen. Heute Morgen machte Nariku noch keinerlei Anstalten, nach Beute Ausschau zu halten, jetzt sieht das schon anders aus - sie ist auf Pirsch. Der Himmel zieht sich mehr und mehr zu, die ersten Regentropfen fallen und wir befinden uns ganz alleine an der quasi Hauptverkehrsstraße durch die Mara, von wo aus die Gepardin ihre Beute ins Visier nimmt.
Ja, auch das sind ungeschönte Bilder, die hier nicht ungewöhnlich sind. Die Gepardin stört sich daran nicht.
Es braucht zwei erfolglose Anpirschversuche, bis das Wetter ganz auf ihrer Seite zu sein scheint. Gespannt sind unsere Kameras schussbereit als plötzlich ein heftiger Regenguss auf die Erde prasselt. Genau das ist der beste Monent für einen Angriff und George gibt mir das Go zum Filmen. Ich halte auf die Thomson Gazelle drauf, aber Nariku kommt nicht nah genug ran. Hier wieder zwei Video Ausschnitte.
Als die Gazelle aus unserem Sichtfeld verschwindet, nehmen wir an, die Jagd wäre nicht erfolgreich. Doch George weiß es besser und gibt Gas. Die Gepardin hat die Gazelle tatsächlich zur Strecke gebracht und wir hätten nicht erwartet, dass sie sie mit einem so großen Abstand noch erwischt.
Der heftige Regenguss ist vorüber, aber es regnet stetig weiter. Als Nariku von der Kehle der Thommy ablässt, schaut sie sich nervös um. Wir befinden uns hier in einem Gebiet mit einem sehr großen Hyänenclan, in der Großstadt würde man sagen in einem Brennpunkt, scherzen wir. Für die Gepardin ist es allerdings kein Scherz, denn es geht um ihr Überleben. Sie frisst mit großer Eile und schaut immer wieder hoch, ob sich ein Feind nähert.
So schnell wie plötzlich eine Hyäne von links angelaufen kommt, kann ich den Startknopf zum Filmen gar nicht drücken und halte fototechnisch einfach nur drauf.
Achtung - die folgenden Bilder sind sehr blutig und nichts für schwache Nerven!!!
.
Wow, das haben wir nicht kommen sehen. Die fiese Diebin verfällt in einen ungeheuren Fress-Flash und haut innerhalb von Minuten 3/4 der Gazelle weg. Nariku kann nur zusehen. Zwar überlässt sie ihre Beute nicht kampflos, aber die Hyäne ist von ihrem Fauchen alles andere als beeindruckt. Hier zuerst zwei Video-Ausschnitte.
Ganz alleine stehen wir hier und verfolgen das Schauspiel, wie die Hyäne auf brutalste Art und Weise ihrem Instinkt nach geht. Knochen zerbrechen wie Cracker zwischen ihren gewaltigen Kiefern und dieses Geräusch werden wir so schnell nicht vergessen. Fasziniert und geschockt zugleich können wir den Blick nicht abwenden. Innerhalb von nur 15 Minuten ist lediglich noch der Kopf der Gazelle übrig und die Schakale freuen sich über ein paar Innereien, die die Hyäne übrig lässt.
Dieses zufriedene Gesicht muss wohl "satt" bedeuten. Die Hörner sind das einzige, was von Hyänen nicht gefressen wird, dennoch trägt sie auch diese Reste davon und muss nun erstmal verdauen.
Wir fahren nur ein paar hundert Meter weiter wo wir gerade noch so mitbekommen, wie ein ganzer Clan sich über die Reste eines Topis her macht. Diese Jagd dürfte vor maximal 10 Minuten stattgefunden haben. Vielleicht war die Hyäne von eben rangniedrig und machte sich deshalb so schnell über die leichte Beute her. Hier jedenfalls wird gezankt und gestritten, was das Zeug hält - ja, da wäre mir die andere Mahlzeit wohl auch lieber gewesen.
Ich kann nur immer wieder betonen, wie sehr ich Hyänen-Laute liebe! Und hier tönen diese in einer Lautstärke, wie ich es noch nie erleben durfte. Lachen, kreischen, knurren - jeder will ein Stück vom Kuchen! Auch ein paar Geier haben sich eingefunden und führen uns nur zu gerne ihre witzigen Laufkünste vor.
Wo man hinschaut, laufen Hyänen herum. Hier wird sicher gegangen, dass das Gegenüber auch zur eigenen Familie gehört und sich kein Schnorrer einschleicht.
Wow, das alles müssen wir nun erstmal verdauen und machen eine kurze Verschnaufpause. Viel läuft uns danach nicht mehr über den Weg.
Allerdings findet sich noch eine schöne Stelle für kurz vor dem Sonnenuntergang. Denn auch heute haben wir leider kein wirkliches Glück und die Sonne versinkt in einer dicken Wolkenschicht. Vorher aber bieten uns ein paar Zebras noch wundervolle Stimmungsbilder.
Anschließend brechen wir auf zum Camp, das wir schon in weiter Ferne hell erleuchtet erblicken. Der Regen hat zum Glück aufgehört und so können wir uns noch für einen Drink ans Lagerfeuer setzen. Was hatte ich mich auf die Cocktails hier gefreut, nachdem der Kühlschrank im Bella Camp nicht immer so gut gefüllt war. Aber Alkohol ist erstmal tabu. Die Abendstimmung im Camp ist toll!
Auch in unserem Zelt stehen nun beide Betten unterm Moskitonetz und jeder hat seine eigene Bettdecke.
Lala Salama!
Gefahrene Kilometer 78 - leider ohne verwendbare GPS Aufzeichnung.
Das ist ja nicht zu fassen. Wie kann EINE Hyäne das ALLES fressen?! 😮
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201524. Mai 2023 ·
rik m. schrieb:Das ist ja nicht zu fassen. Wie kann EINE Hyäne das ALLES fressen?! 😮
Jepp, hat alles reingepasst - wobei sie in der Fressgeschwindigkeit wohl schon einige Kalorien direkt wieder verbrannt hat 😄 und die Gepardin hatte ja zum Glück wenigstens eine ganze Keule für sich zu Anfang.
Liebe Laura, Ich muss mich schon fast entschuldigen, dass ich deinem Bericht nicht die nötige Aufmerksamkeit zukommen lasse. War die letzten Wochen anderweitig sehr aktiv…. Es macht so viel Spaß, euren Erlebnissen zu folgen! Tolle Fotos und wunderbar erzählt. Die Kleinen der Rongai Pride haben uns auch fasziniert… ich könnte stundenlang zuschauen dabei. Eine Ergänzung zu eurem Leoparden ohne Namen. Der Baum kam mir sehr bekannt vor… wir haben einen kompletten Vormittag an diesem Baum verbracht. Eigentlich wollten wir zum Sand River als unser Guide Philip die Leopardin hoch oben im Baum entdeckt hat. Mein Foto sieht fast genauso aus wie deines. Die Beute war allerdings schon deutlich kleiner… Nach 1,5 Stunden kam sie dann vom Baum, rannte zum nächsten Baum - verfolgt von den wartende Hyänen - und sprang auf diesen. Dort blieb sie wieder 1,5 Stunden bis sie herunterkletterte und das letzte große Stück sprang und mit einem irrsinnigen Tempo Richtung Busch rannte. Mir sind ein paar Fotos gelungene. Philip hat eines, auf dem man die Schnurrhaare und die Zeichnung im Gesicht erkennen kann, an eine Gruppe gegeben … kann sein, dass es eine Facebook Gruppe ist … die bestimmen die Tiere und verfolgen deren Aktivitäten… im Ergebnis ist diese Leopardin tatsächlich extrem scheu und wird sehr selten gesehen. Ihr Name ist Ntini und sie ist die Tochter von Blue Eye. Anbei ein zwei Fotos der Dame.
Nochmal ganz lieben Dank für deinen tollen Bericht und ich lese jetzt mal weiter! Liebe Grüße Birgit
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201525. Mai 2023 ·
Liebe Birgit,
also du musst dich doch nicht entschuldigen 🙂
Ich habe unsere Bilder mal so gut es ging verglichen und die Punkte im Gesicht der Leopardin könnten auf jeden Fall übereinstimmen. Wenn du sagst, der Riss war weniger, müsst ihr am nächsten Tag dort gewesen sein. Umso mehr freut es mich, dass es anscheinend die Hyänen waren und nicht die Autos, die sie am Tag zuvor so schlimm verschreckt haben. Ihre Mutter Noonkinye hat ihr Revier im Triangle und ist auf dem rechten Auge blind. Der Vater heißt, wie du schreibst, Blue Eye. Mittlerweile glaube ich auch George sagte nicht "no named" sondern "new named" Leopardin, denn sie erhielt ihren Namen erst vergangenen November. Ntini bedeutet "klein". Facebook sei Dank 😁
Und wenn ich mir deine Bilder und die auf deinem Instagram Account so anschaue, bedauere ich es sehr, nicht mal einen kleinen (Bilder-)Bericht von euch hier zu sehen! Toll, wie schön ihr sie beobachten konntet!
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201525. Mai 2023 ·
16.03. Ein kleines Schlamassel
In der Nacht hat es heftig geregnet. Die Luft ist feucht und schwer an diesem Morgen. Mir geht es zum Glück stetig besser, auch wenn ich zuhause wohl das Bett hüten würde - nein, das könnte ich mir hier nicht verzeihen, also los geht's um 6 Uhr.
Als wir die "stinky bridge" passieren, die Petra und ich noch gut vom letzten Besuch kennen, stellen wir fest, dass diese bei einem solchen Wetterumschwung gar nicht stinkt. Das hat aber auch einen guten Grund: Der Olare lief über Nacht so voll, dass er sogar wenige Zentimeter über die Brücke läuft und George beobachtet kurz konzentriert seine Fließgeschwindigkeit. Er scheint zu überlegen, ob wir die Brücke später noch einmal passieren können oder sie dann eventuell überflutet sein könnte. Nach kurzem Zögern fährt er aber weiter, sich seiner Sache sicher.
Wir kommen der Rhino Ridge, also dem Gebiet des Topi Pride immer näher und gerade Petra und ich würden uns ganz besonders freuen, den Topi Pride mit seinen mittlerweile 13 erwachsenen Cubs zu sehen, von denen wir beim letzten Mal 11 beobachten durften. Unglaublich, dass alle überlebt haben! Zunächst aber macht eine Hyäne den heutigen Anfang.
Dann fahren wir schnurstracks rechts von Rhino Ridge vorbei, wo wir in der Ferne schon wenige Autos entdecken. Die Salas Boys sind im Anmarsch! Bzw. zwei von ihnen machen eine kleine Rast im nassen Gras und in der Ferne erscheint irgendwann Nummer drei. Olepolos hier ist nicht unbedingt der hübscheste Löwe, liegt aber vielleicht auch einfach an der nassen Mähne, die lasch herunter hängt.
Orkitok bietet uns in der Ferne tolle Möglichkeiten, Filme aufzunehmen und Bilder zu knipsen. Er humpelt leider und ist verletzt. George erklärt, dass sie wohl eine Auseinandersetzung mit den vier noch namenlosen Nomaden hatten, die ihren Rekero Pride übernehmen wollen. Diese haben wir vor ein paar Tagen ja bei der Paarung mit den Mädels des Rudels beobachtet. Auch wenn die drei Salas Boys starke Löwenmänner sind, so hatten sie wohl keine guten Chancen gegen die vier jungen Männchen. Sie haben vorerst den Kürzeren gezogen.
Als Orkitok in den Büschen verschwindet, schwindet auch meine Hoffnung, alle drei zusammen auf ein Bild zu bekommen. Jetzt steht auch Osapuk auf und schreitet in großen Schritten auf uns zu.
Auch er verschwindet in den Büschen und zuletzt hat Olepolos seinen Auftritt. Die Bilder von ihm im Gehen habe ich dummerweise alle gelöscht, aber Jennie hat mir eins zur Verfügung gestellt, sodass ich zumindest noch eine Kollage der drei hinbekomme.
Schade, schade. Die drei zusammen hätten schon ein tolles Bild abgegeben! Der Topi Pride befindet sich momentan in unwegsamem Gelände, also haben wir hier heute kein Glück. Wir fahren nun die Rhino Ridge entlang und staunen immer wieder, wie nass die Wege sind. Und da passiert es plötzlich - wir stecken tatsächlich fest! Normalerweise ist George zu ehrgeizig, sich in einer solchen Situation helfen zu lassen, aber hier hat das Festfahren nichts mit verkehrtem Fahrverhalten zu tun, wir stellen nämlich fest, dass wir schlicht aufgesetzt haben, weil die Spurrillen so extrem tief sind, was man durch das viele Wasser nicht erkennen konnte.
Hilfe ist im Anmarsch und wir versuchen irgendwie trockenen Fußes ein wenig Abstand zum Auto zu gewinnen, da es vielleicht beim Herausziehen spritzen könnte. Kurze Zeit später kommt Alex angefahren und er und George ziehen den Cruiser routiniert aus der Misere. Schon beeindruckend, welche Kraft das andere Auto aufwenden muss.
Wir bedanken uns herzlich bei Alex und fahren weiter. Jetzt ein bisschen bedachter, einmal kann passieren, zwei mal könnte peinlich werden 😄 George erklärt, dass hier oben auf der Rhino Ridge das Revier von Bahati beginnt, eine der berühmtesten Leopardinnen der Mara, die uns letztes Mal leider fern blieb. Sie hat momentan ein Junges. Statt Bahati zu finden, freue ich mich aber endlich mal über das erste kenianische Dik Dik, das es auf meine Speicherkarte schafft und nicht panisch weg rennt.
Zum Frühstück steuern wir ein tolles Plätzchen an, das Petra und mir noch sehr gut bekannt ist. Hier fließen Talek und Olare zusammen und auch hier ist es heute dank des Regens gar nicht stinky. Unzählige Hippos inklusive zwei Honeymoonern dümpeln unter uns herum während wir erstmal eine Tasse Kaffee genießen. Ja, und mal wieder schaffen wir es, kein Bild von diesem tollen Platz zu machen. Jennie ist nur auf die Hippos fixiert, Petra genießt und ich bin sowieso noch nicht wieder übern Berg.
Nur wenige Meter weiter finden wir einen alten Hippo Schädel und Jennie als Zahnärztin interessiert brennend dessen Kauleiste. Also wird kurzerhand mal das Radkreuz zweckentfremdet.
Petra testet unterdessen mal, wie schwer so ein Unterkiefer eines Hippos ist.
Ich entdecke eine ganze Kolonie Mistkäfer, die immer wieder wissen, wie sie einen faszinieren können. Wie man aus Scheiße quasi Kunst macht.
Auf der Weiterfahrt bewundern wir mehr Georges Fahrkünste als irgendwelche Tiere, denn die machen sich ein wenig rar.
Die Brücke können wir problemlos passieren, der Wasserstand ist sogar etwas gesunken.
Kurz vor dem Camp sehen wir aber noch einen wunderschönen Kronenkranich, der uns sogar fast den Gefallen tut und abhebt.
Zurück im Camp beobachten Jennie und ich fasziniert die Arbeit der Webervögel im Baum, der zwischen den Hauptzelten steht.
Jetzt ist es Zeit für eine Siesta. Jennie nutzt die Zeit, um Bilder zu sortieren, Petra und ich hauen uns aufs Ohr.
Dankeschön liebe Laura… für die Ergänzungen und fürs Fotolob. Ich bin derzeit sehr aktiv auf Instagram und daher weniger im Namibia Forum. Wobei mich deine Aufmunterung schon motiviert… Aber einen so ausführlichen Reisebericht bekomme ich gar nicht mehr zusammen. Ohne Notizen… Ich bin blond und keine 20 mehr …. Ich überlege, ob ich mal einen Kurzbericht mit Schwerpunkt auf Fotos mache… wobei ich noch gar nicht alle Fotos bearbeitet habe… und das muss sein, da ich nur RAW mache. Aber das hohe Gras, die tollen Wolken, der Regen und viele tolle Katzen Sichtungen haben schon zu sehr guten Ergebnissen- wie ich finde - geführt. Ich behalte es im Hinterkopf!!! Dann freue ich mich jetzt mal auf deine Fortsetzung. Liebe. Grüße Birgit
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201529. Mai 2023 ·
Hallo picco,
gegenseitig hauen wir uns zwar auch mal auf's Ohr - vor allem verbal - aber in diesem Fall jeder auf's eigene 😄
Liebe Birgit,
also auch von einem reinen Foto-Bericht von euch wäre ich schon begeistert 🤩 ich wäre mega gespannt, wie du diese ganzen Wetterstimmungen eingefangen hast. Dein Sonnenaufgang lädt schon wieder zum Träumen ein!
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201529. Mai 2023 ·
16.03. Ein kleines Schlamassel Fortsetzung
Natürlich stelle ich meinen Wecker falsch und lasse Jennie hängen, mit der ich mich für 15 Uhr vorne verabredet hatte. Dafür bin ich hellwach und Petra und ich sind in Windeseile fertig, sodass wir zumindest noch einen Kaffee trinken können bevor es um 16 Uhr weiter geht.
Als erstes begegnet uns der Kronenkranich von heute Mittag, diesmal in Begleitung eines Hornraben.
George erhält von einem Hirten den Tipp, dass der Fig Tree Pride in der Nähe sein soll. Man kann sich das zuhause kaum vorstellen. Hier hüten teilweise sogar Kinder und Jugendliche das Vieh und überall können Raubtiere lauern. Talek ist rundum umgeben von Conservancys und somit lässt sich das nicht verhindern.
10 Minuten später entdecken wir das Rudel recht unfotogen in den Büschen. Die braune Farbe hebt sie allerdings wieder besonders schön hervor, erstrecht zwischen den grünen Ästen.
Als nächstes stehen auch endlich mal wieder Elefanten auf den Programm. Wir freuen uns sehr über die Dickhäuter, deren Junior noch immer Mittagsschlaf hält. Hat wohl auch den Wecker falsch gestellt.
Auch ein Sekretär erweist uns die Ehre und kreuzt anmutig unseren Weg.
Langsam erkenne ich die Gegend wieder, wir befinden uns erneut im Brennpunkt und steuern den Hyänenbau an. Diesmal haben wir Glück und die Kleinsten dürfen spielen, denn Mama, Tante oder Onkel - man weiß es bei denen ja nie - passt auf. Oder sagen wir, sie oder er ist zumindest körperlich anwesend.
Zuerst schauen sie skeptisch und vorsichtig aus dem Bau heraus, wer ihnen da einen Besuch abstattet. Wir verhalten uns ganz ruhig und sie verlieren schnell ihre Skepsis. Jetzt wird gespielt, gezankt und geübt, wie man dem anderen einen Knochen klaut. Eben alles, was Hyänen so lernen müssen.
Nach kurzer Zeit stoßen ein paar Clanmitglieder dazu und auch die Kleinsten müssen abchecken, ob die wirklich dazu gehören.
Fast eine Stunde verbringen wir hier bis die Sonne langsam hinter einer dicken Wolkendecke verschwindet. Aber Moment, da oben am Horizont läuft tatsächlich eine Giraffe im schönsten Licht, die können wir uns nicht entgehen lassen, wenn uns schon kein Sonnenuntergang vergönnt ist.
In der Ferne gießt es unaufhörlich und die verschiedenen Lichtstimmungen am heutigen Abend sind kaum zu toppen!
Kurz nach Sonnenuntergang erreichen wir das Camp und ich bestelle heute zumindest mal einen alkoholfreien Cocktail, um anzustoßen.
Gut, Cocktail kann man das nicht nennen, ist mehr ein undefinierbarer Smoothie. Petra verabschiedet sich schon ins Zelt, ihr Magen ist heute nicht ihr bester Freund. Ist vielleicht auch gar nicht verkehrt, denn während dem Abendessen stattet uns dieser kleine Kerl hier einen Besuch ab.
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201504. Juni 2023 ·
17.03. Die Ereignisse überschlagen sich
Ich hatte es bereits angekündigt, heute wird es spannend! Als würde ich das bereits ahnen, fällt mir das Aufstehen wieder ein bisschen leichter und es geht weiter bergauf. Das ist mein Glück, so können wir heute endlich wieder eine Ganztagestour starten! Wieder geht es um 6 Uhr Richtung Rhino Ridge und wir wagen erneut den Versuch, den Topi Pride zu finden. Außer einer tollen Morgenstimmung finden wir aber zunächst nichts.
Als wir wieder zum felsigen Gebiet gelangen, sind wir mehr als enttäuscht, den Topi Pride heute wieder verpasst zu haben, denn wir können sie weit weg beobachten, wie sie sich in die unzugänglichen Büsche bewegen, an die man aufgrund der vielen Felsen nicht ran kommt. George versucht es noch einmal von der anderen Seite, aber keine Chance. Tja, so spielt das Leben manchmal.
Dann plötzlich erhält George einen Funkspruch und es geht mit Vollgas Richtung Bila Shaka Gebiet. Dies liegt neben der Marsh Area, wenn ich mich recht erinnere. Es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell einem 30-40 km/h in der Mara vorkommen und würde ich nicht auf mein GPS Programm schauen, würde ich annehmen, wir fahren mind. 70. Natürlich haben auch andere den Funkspruch gehört und haben alle das selbe Ziel, von dem wir noch gar nicht wissen, was uns überhaupt erwartet.
Nach etwa 20 Minuten heißt es noch eine schlammige Durchfahrt zu meistern und wir sind fast am Ziel.
Auf der anderen Seite sehen wir bereits die anderen Autos und anscheinend hat sich hier der gesamte Fuhrpark der Mara aus unmittelbarer Nähe versammelt. Dies hat einen guten Grund: Das berühmte Marsh Rudel ist auf Büffeljagd! Trotz der vielen Autos - lass es hier um die 25 sein - herrscht die gewohnte Ordnung und jeder reiht sich brav ein, damit alle freie Sicht haben. George erklärt uns, auf welchen Büffel wir besonders achten müssen, denn von den drei Bullen haben sie bereits ein Opfer auserkoren. Dies lässt sich nach kurzer Zeit auch daran erkennen, dass sie anscheinend schon auf dem Rücken des Büffels waren, denn er blutet bereits.
Was mich ein wenig wundert ist, dass hier kein Pascha dabei ist. Der Marsh Pride wird aktuell alleine von Halftail regiert, der im letzten Jahr seinen Gefährten Logol verlor. Aus diesem Grund könnte es dazu kommen, dass er die jungen Männchen tolerieren und bei Erreichen der Geschlechtsreife nicht vertreiben wird. Immer wieder starten die jungen Löwen Versuche, an den Büffel heran zu kommen, aber dieser wird eisern von seinen beiden Mitstreitern beschützt. Er rettet sich immer wieder ins Wasser.
Nach über einer Stunde kommt langsam immer mehr Bewegung in die Sache und plötzlich passiert es und die beiden unverletzten Büffel überlassen ihrem Gefährten seinem Schicksal. Er rennt los, die Löwen hinterher. Einer Attacke folgt die nächste. Uns fasziniert die Zusammenarbeit der Löwen untereinander.
Bis er sich schließlich in den kleinen Flusslauf flüchtet, den wir vorher durchquerten. Jetzt heißt es für George und die anderen Fahrer, eine gute Stelle zum Durchqueren zu finden und wir fahren mindestens einen ganzen Kilometer in die andere Richtung. Zurück beim Büffel und den Löwen hat sich nun nicht viel getan. Der Büffel sammelt neue Kraft und die Löwen greifen ihn in der Senke nicht an. Einer der Guides fährt dicht heran, da er schauen soll, ob der Büffel noch da ist. Wir und alle anderen haben nämlich keine Sicht auf ihn. Er ist noch da, also warten wir. Und warten. Und warten.
Nach etwa 45 Minuten tut sich wieder was und der Büffel startet einen Fluchtversuch. Die Löwen bleiben dran und drängen ihn in dichtes Buschwerk, was für ihn nur von Vorteil ist. Sehen können wir nicht sehr viel. Dann flüchtet er plötzlich wieder auf die andere Seite und wir nehmen die Durchfahrt von heute Morgen. Jetzt heißt es wieder warten. Währendessen vertilgen wir schon mal unser Frühstück. Dann geht es wieder auf die andere Seite. Diesmal sind die Büsche nicht ganz so dicht und wir haben einen besseren Blick auf das Geschehen.
Übrigens - ist dieser Blick auf das Mara Triangle im Hintergrund nicht wunderschön?! 🤩
Dann flüchtet er sich erneut in die Senke. Bis auf uns und einem weiteren Auto haben mittlerweile alle anderen aufgegeben. Zugegeben, bei so vielen noch unerfahrenen Löwen und ohne Halftail ist die Sache auch nicht sehr aussichtsreich. Langsam fallen uns die Augen zu. Jennie und ich bekommen schon nichts mehr mit, da ruft Petra plötzlich "Da isser!!!". 1 zu 0 für den Büffel, er hat es geschafft und entkommt. Na, dann kann es ja endlich weiter gehen 😁
George steuert schon zielsicher das nächste Highlight an und mein Herz macht einen kleinen Sprung als er uns eröffnet, dass da vorne Halftail mit seinen Mädels zugange wäre! Das war der einzige Wunsch, den ich ihm vorab geschrieben hatte als ich erfuhr, dass Halftail wieder seit kurzem in der Gegend ist. Er ist der prächtigste Löwenmann der ganzen Mara. Zunächst aber "stolpern" wir noch über eine Großfamilie von Magusten, die die Kleinsten sogar kurz in ihrem Maul tragen. Sie sind einfach zu goldig!
So, jetzt werde ich aber ungeduldig und möchte unbedingt Halftail sehen. Er und seine zwei Mädels vom Marsh Pride haben sich einen schönen schattigen Baum ausgesucht und sorgen tatkräftig für die Arterhaltung. Wir alle drei sind von seiner Mähne begeistert! Als würde sie jeden Tag jemand föhnen und kämmen. Ganz geschmeidig weht sie im kräftigen Wind. Ob sie überhaupt schon einmal nass wurde? 😄
Seine Gegenwart löst in mir unheimliche Zufriedenheit aus und ihn umgibt eine ganz eigene Ära. Nach wie vor sind Löwenbegegnungen für uns immer etwas besonderes, aber genau diese Begegnung ist für mich einzigartig. Noch mehr genießen wir seine Nähe als wir eine Zeitlang ganz alleine bei den Dreien stehen. Halftail hat jede Menge zu tun, da hat er sich mit zwei Mädels auf einmal ganz schon was aufgehalst. Die meisten Narben im Gesicht tragen Löwenmänner übrigens nicht von Revierkämpfen davon...
Nach einiger Zeit reißen wir uns los und wollen langsam mal eine Mittagspause machen. Wir verlassen die Marsh Area oder Bila Shaka Area - keine Ahnung, wo da genau die Grenze ist - wieder und kehren zurück in die Grassavanne.
Weit kommen wir allerdings nicht und die Mittagspause muss warten - Fortsetzung folgt!
Flash2010Themenstarter1’425 Beiträge · seit 201510. Juni 2023 ·
17.03. Die Ereignisse überschlagen sich Fortsetzung
Zunächst geht es durch den Talek Fluss hindurch.
Zurück in der Gegend um den Talek dauert es nicht lange, bis wir auf drei andere wartende Safari Autos treffen. George erklärt, dass die beiden Gepardenbrüder, Mbili Bora genannt, auf der Jagd seien. Diese beiden waren einmal mit drei weiteren Geparden auf Streifzug und als die fünf Musketeers weltweit bekannt als die größte Geparden Koalition, die je in der Mara gesehen wurde. Als erstes wurde Olpadan ausgestoßen, den wir 2021 an unserem letzten Morgen trafen. Kurz darauf suchte er wieder die Nähe der anderen und wurde von ihnen im Januar 2022 getötet. Einen Monat später starb Olarishani aufgrund von erneuten Unruhen innerhalb der Koalition trotz Vet-Behandlung. Und kurz darauf starb auch noch Leboo, der angeblich von einem Speer getötet wurde. Übrig geblieben sind nun Winda und Olonyok. Als die Geparden noch zu fünft unterwegs waren, erlebte man spektakuläre Jagden auf ausgewachsene Gnus! Zu zweit unterwegs zu sein heißt natürlich auch, dass sie ihre Ansprüche etwas runter schrauben mussten, aber noch immer erfolgreiche Jäger geblieben sind.
Zurück zur aktuellen Situation - wie wir sehen, sehen wir nichts. George versucht zwar, uns genau zu erklären, wo die beiden auf der Lauer liegen, aber erkennen können wir rein gar nichts. Wir sollen uns auf die kleine Gruppe Topis mit Jungtier fokussieren.
Zwischendurch fährt Guide Alex in die Richtung der Geparden, um zu schauen, ob sie weiterhin die Topis ausspähen. Laut ihm stehen wir alle richtig. Nach fast einer Stunde rennen plötzlich links von uns Zebras im Affenzahn bergab und ich sehe noch für eine Milisekunde einen Geparden hinterher rennen. Keiner glaubt mir, dass da ein Gepard gerannt ist, bis es schließlich auch einer der anderen Guides sieht. Na, da haben sich heute auch mal alle Guides geirrt, denn die beiden Brüder haben nicht die Topis, sondern die Zebras fixiert. Ein junges Fohlen konnten sie erwischen und wir bekommen gerade noch den Kehlbiss mit.
Das Zebra scheint tot und während ich am Filmen bin, nähert sich bereits ein fieser Dieb und die Geparden weichen sofort fauchend zur Seite. Zum Glück hält Petra in dieser Situation drauf!
Wir können es kaum glauben. Da ist die Jagd tatsächlich erfolgreich und die Geparden verlieren ihre Beute umgehend an eine Hyäne, die auch noch mehr als gut genährt aussieht. George ist stink sauer. Und auch uns tun die beiden leid, die nun mit ansehen müssen, wie ihre hart erarbeitete Mahlzeit verschlungen wird. Es dauert keine Minute, bis eine zweite Hyäne eintrifft und sie sich zusammen über die leichte Beute hermachen.
Mbili Bora umkreisen die zwei Fress-Maschinen immer mal wieder, wissen aber nur zu gut, dass sie hier keine Chance haben.
Lediglich ein paar Innereien überlassen die Hyänen ihnen und tragen mit ihren mehr als fetten Bäuchen am Schluss auch noch die Reste davon.
So, jetzt brauchen wir aber definitiv eine Lunch Pause! Dafür sucht uns George ein tolles, schattiges Fleckchen in einem kleinen Wald aus. Der Schatten tut jetzt sehr gut!
Nach gut einer Stunde geht es weiter und ich bin gerade dabei, eine Herde Zebras zu fotografieren und filmen, denn das ist die erste größere Ansammlung von ihnen, die wir sehen.
Okay, das Krokodil haben wir auch noch irgendwo "mitgenommen"...
Da ertönt ein Funkspruch und George ist mehr als aufgeregt - so aufgeregt, dass er uns sogar direkt sagt, um was es geht - Akira, die Leopardin, die wir seit Tagen suchen, zeigt sich endlich. Seine Aufregung ist daher so riesig, da sie zwei kleine Cubs hat, die noch niemand fotografiert hat. Na, dann sind wir mal gespannt, was uns erwartet!
An unserem Ziel angekommen, ist die Ernüchterung ein bisschen größer als die Freude, denn hier haben sich noch mehr Autos versammelt als heute Morgen bei der Büffeljagd. Ich beneide Jennie, die dies ganz auszublenden scheint, denn für sie zählt nur die schöne Akira, die es sich auf einem Termitenhügel bequem gemacht hat. Sie ist die Tochter von Figlet, die wir 2021 an der Grenze zu einer Conservancy erwischen konnten und diese wiederum ist eine Tochter der berühmten Fig, die auf tragische Weise im letzten Jahr durch einen Löwenangriff starb und mit der wir ebenfalls eine tolle Zeit verbringen durften beim letzten Mal. Aber das Schöne hier ist, dass es nun bereits Ur-Enkel von Fig gibt und die Blutlinie weitergeführt wird. Akira ist in meinen Augen eine sehr kleine Leopardin und ich kann mir kaum vorstellen, dass sie bereits Junge haben soll.
Zuerst weigere ich mich, Bilder zu machen, da wir von unserer Position aus nun das erste Mal in der Mara ein Autodach im Hintergrund haben. Dann allerdings lasse ich mich zu einem Beweisbild hinreißen und mir nach dem Urlaub von jemandem das Dach im Bild entfernen. Kann sich sehen lassen.
Akira ist eine unheimlich hübsche Leopardin, besonders als das Licht ihr langsam mehr und mehr schmeichelt. Wir haben Glück und die ersten Autos müssen sich bereits losreißen, so erhaschen wir eine bessere Position.
Kurz nach Sonnenuntergang macht sie Anstalten, sich jetzt zu bewegen. Sie gähnt und putzt sich. George erkennt dies natürlich sofort und startet bereits vor allen anderen den Motor, um uns noch einmal schön in Position zu bringen als sie los läuft. Auch hier beobachten wir wieder, wie entspannt diese Katze ist und sich null von den Autos stressen lässt.
Dann wechselt sie auf die andere Seite des Bachlaufes und alle müssen nun eine Stelle zum Überqueren finden. Eigentlich hätten wir hier gesagt, dass George es gut sein lassen soll, aber er ist so erpicht darauf, eventuell die Cubs zu sehen, dass wir erstmal nichts sagen. Ich persönlich kann es mir nicht vorstellen, dass sie bei dieser Menge an Autos ihre Babys zeigen wird. Aber so ein erstes Bild von den Kleinen wäre für jeden noch anwesenden Guide eine große Trophäe!
Als wir sie nach 20 Minuten gänzlich verloren haben, dämmert es bereits und George gibt auf. Wir würden aber morgen in der Früh direkt noch einmal hier vorbei schauen, denn jetzt hätte man einen Anhaltspunkt, wo sie sich mit ihren Kleinen aufhält.
Zurück im Camp gibt es ein schnelles Abendessen und wir fallen mehr als erschöpft in die Betten. Danke auch an dieser Stelle nochmal an Mama Petra, die das falsche Nasenspray gekauft hat und dank der ich eine ätzende Nacht verbringen werde 😄 Aber alles ist besser als der andauernde Husten, der sich mittlerweile und auch dank des Hustensaftes gelegt hat.
Ihr habt ja absolut geniale Sichtungen, einfach nur wow! Dass man diese nicht für sich alleine hat, ist einerseits klar, andererseits habe ich da auch meine "Bauchschmerzen", wenn die Tiere zu sehr bedrängt werden. Mal sehen, wie wir es dann vor Ort empfinden. Freue mich auf die Fortsetzung.