"Simbabwe kurz vor dem Zusammenbruch"

40 Antworten · 10,9k Aufrufe · gestartet 14. Juli 2007 von Hiluchs
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1’290 Beiträge · seit 200618. Juli 2007 ·
Außenhandel
An Ihren Rohstoffen wie Baumwolle oder Tabak ist niemand mehr interessiert, und völlig verblödete Rucksacktouristen die "Land und Leute" kennen lernen wollen sind das Letzte, was Sie gebrauchen können. Unterstützen Sie lieber die einzige Industrie Ihres Landes mit messbarem Umsatz: Den Elfenbeinschmuggel.
Für die Vermittlung lukrativer Geschäfte mit den Auslandsgeheimdiensten
befreundeter asiatischer Großmächte erzielen Sie Devisen, von denen die Weltbank und der Internationale Währungsfonds nie etwas sehen werden.

Dafür sind der außerplanmäßige Abriss von Bürohochhäusern in ausländischen Metropolen und die Sprengung von Botschaftsgebäuden eine mehr als faire Zusatzvereinbarung, deren Erfüllung Ihre Kapazitäten nicht überfordern sollte.
1’290 Beiträge · seit 200618. Juli 2007 ·
Papstbesuch

Der Besuch des Oberhauptes der römisch-katholischen Kirche zementiert Ihre Herrschaft für die nächsten Jahrzehnte! Niemand würde ernsthaft ein
Staatsoberhaupt in Frage stellen wollen, das dem Papst vor aller Welt einen Ring vom Finger gelutscht hat.
Zeigen Sie religiöse Initiative: Treiben Sie Staatsschädlinge und zur Zeit verfolgte Minderheiten vor den Kirchen zusammen, und lassen Sie sie in die Gotteshäuser entkommen. Einige abgeknallte Nachzügler auf den Stufen vor dem Portal lassen diese Szenen authentischer wirken. Jeder Priester in einer sonst leeren Kirche freut sich über diesen unerwarteten Zustrom von verzweifelten Menschen auf der Suche nach Dingen, an die sie glauben können.

Als flankierende Maßnahmen um den Papst anzulocken ahnden Sie Abtreibung und außerehelichen Sex mit der Todesstrafe durch öffentliche Steinigung, stellen den Besitz von Verhütungsmitteln unter Strafe, da die Weißen ja damit verhindern wollen, dass die Schwarzen sich fortpflanzen, und arrangieren staatliche
Zuschüsse für Teufelsaustreibungen durch witchdoctores auf Rezept.
(Die Krankenhäuser existieren ja sowieso nicht mehr.)

Der Mann wird kommen und den Betonboden Ihres "Platz der Republik" küssen. Der wohlwollenden Aufnahme Ihres Landes in den Kreis der fortschrittlichen christlichen Nationen steht damit nichts mehr im Wege.
1’715 Beiträge · seit 200618. Juli 2007 ·
Hallo Cartsen

Eigentlich sollten Deine Beiträge wohl sarkastisch sein, aber für mich kommen sie der Realität sehr nahe. Das ist doch gespenstisch.
Ansosten bin ich 100% Deiner Meinung, auch wenn ich kein Zimbabwe-Kenner bin aber die drei Wochen im 06 nahe bei der Bevölkerung hat mir einen Teil des Elends gezeigt.

Weil wir bei unserer Ankunft das aus- und umladen eines Containers fotografiert haben, dachte das Spitalperonal wir wären ausländische Agitatoren und wollten uns bei der Polizei melden. Soweit sind die Leute dort schon eingeimpft, und das war im Matabeleland.

gruss
swisschees
http://africanomads.wordpress.com/ www.nelson2africa.blogspot.com https://europenomads.travel.blog/ YouTube Kanal https://bit.ly/3uEEK59
580 Beiträge · seit 200619. Juli 2007 ·
an Kaisi:
...
Bei Nujoma muss ich sagen, dass er eben den Busch noch im Kopf hat und noch nicht in der Gegenwart angekommen ist.

Bitte Kaisi, was soll diese Aussage bedeuten?

an Guido:
...
Falls der Mann noch mal Präsident wird - worüber es Spekulationen gibt - ...

Das ist wohl eher unwahrscheinlich.
Gerade laufen ganz erhebliche Querelen innerhalb der SWAPO, und ich denke, der Weg Namibias wird sich deutlich positiver entwickeln. Man sollte nicht verkennen, daß eben auch die Ehemaligen und Gestrigen zufrieden gestellt werden müssen. Aber da ist natürlich auch viel Hoffen dabei.

Ich finde, man darf bei allen Einschätzungen auch nie vergessen, daß in Europa, in den rund 200 Jahren nach Kant (und vieler, vieler vorhergehender schlauer Leute) deutsche Kleinstaaterei, Machtstreben und -erhalt vor Gemeinwohl und Vernunft, zahlreiche Kriege, Völkervernichtung usw. bis zum heutigen Tage anhalten. Was erwarten wir von afrikanischen "Stammes" - Gesellschaften? Das soll aber den Wahnsinn in Zim und natürlich die exzellente und zutreffende Glosse von Carsten, die auch anderswo auf der Welt angewandt werden könnte, überhaupt nicht in Abrede stellen, dem ist nämlich nichts hinzuzufügen, leider auch nichts Hoffnungsvolles...
Steinbeisser
Gast19. Juli 2007 ·
Moin Steinbeisser,

Du schreibst:
Ich finde, man darf bei allen Einschätzungen auch nie vergessen, daß in Europa, in den rund 200 Jahren nach Kant (und vieler, vieler vorhergehender schlauer Leute) deutsche Kleinstaaterei, Machtstreben und -erhalt vor Gemeinwohl und Vernunft, zahlreiche Kriege, Völkervernichtung usw. bis zum heutigen Tage anhalten. Was erwarten wir von afrikanischen "Stammes" - Gesellschaften? Das soll aber den Wahnsinn in Zim und natürlich die exzellente und zutreffende Glosse von Carsten, die auch anderswo auf der Welt angewandt werden könnte, überhaupt nicht in Abrede stellen, dem ist nämlich nichts hinzuzufügen, leider auch nichts Hoffnungsvolles...“
Zu den hier anklingenden Fragen gibt es ein ausgezeichnetes Buch des langjährigen Afrika-Korrespondenten der ZEIT:
Ach, Afrika. Berichte aus dem Inneren eines Kontinents
Bartholomäus Grill
Goldmann Taschenbuch


Weiter schreibst Du:
Gerade laufen ganz erhebliche Querelen innerhalb der SWAPO, und ich denke, der Weg Namibias wird sich deutlich positiver entwickeln. Man sollte nicht verkennen, daß eben auch die Ehemaligen und Gestrigen zufrieden gestellt werden müssen. Aber da ist natürlich auch viel Hoffen dabei.
Da ist auch sehr viel Hoffen nötig!

Namibia ist eine Republik, eine parlamentarische Demokratie. Es besitzt Oppositionsparteien, die sich frei betätigen können. Es gibt eine freie Presse. Alles so weit, so gut also! Oder vielleicht doch nicht?

Die Regierungspartei SWAPO hat mit einem Wahlergebnis von zuletzt knapp mehr als 75% die absolute Gestaltungsmöglichkeit im Land. Sie ist Ovamvo-dominiert, der mit knapp 50% größten Volkesgruppe im Land. Die SWAPO stellt 55 von 78 Parlamentsabgeordneten. Die nächstgrößere Partei, der Congress of Democrats (COD), stellt mit etwas über 7% 5 Abgeordnete. De facto ist Namibia also ein Einparteienstaat. Muss ja in einem afrikanischen Land nicht unbedingt das Schlimmste sein. Wie sieht es aber nun aus?

Wie ZANU-PF und auch ANC ist die SWAPO von ihrer Herkunft und Struktur her eine marxistische Kaderpartei mit Zentralkomitee und Politbüro. Namen können Schall und Rauch sein, aber sind sie es auch?

In unserem letzten Urlaub 2006 wurde in der Druckausgabe des Namibians darüber berichtet, dass in der Region Gobabis und -meiner Erinnerung nach- in Rundu die Wahl der Parteitagsdelegierten durch örtliche Größen manipuliert wurde. Diese Manipulationen seien der SWAPO-Zentrale gemeldet worden. Was daraus gefolgt ist, vermag ich nicht zu sagen.

Ebenfalls zu der Zeit war im Namibian ein Rückblick auf die Wahl Pohambas zum offiziellen Präsidentschaftskandidaten. Darin wurde noch einmal auf Nujomas damalige Drohung (Überspitzt: Entweder Pohamba oder Bürgerkrieg) vor der entscheidenden Abstimmung hingewiesen und dass es niemals herausgefunden wurde, wer die Armeeeinheit herbei kommandiert hatte, die das Abstimmungsgebäude vor der Abstimmung umstellt hatte. Leider enthält die Website des Namibian nur einen Teil der Druckausgabe und kein Archiv mit Suchfunktion.

Die SWAPO behandelt, wie nahezu alle aus Befreiungsbewegungen hervorgegangenen politischen Parteien, Abweichler jedweder Art als Verräter. Die Einheit muss um jeden Preis erhalten werden. Dies verhindert eine offene Auseinandersetzung um Sachthemen und sichert dem „Big Man“ des Befreiungskampfes einen nahezu unüberwindbaren Vorteil im parteiinternen Machtkampf. Der Parteivorsitzende ist immer noch Nujoma und Pohamba, sein selbst ausgewählter Nachfolger als Staatspräsident, spielt dort nur eine nachrangige Rolle. Nujoma als nächsten Präsidentschaftskandidaten der SWAPO schon abschreiben zu wollen, halte ich für verfrüht. Dies zumal die Aufarbeitung der Ermordung vorgeblicher Verräter in den angolanischen Lagern der SWAPO immer noch aussteht, und es hier für die damaligen Verantwortlichen zu üblen Enthüllungen kommen dürfte.

Aber selbst eine so strukturierte Partei unter dem Kommando der Altvorderen kann ja immer noch etwas Gutes für das Land bewirken! Stimmt, könnte sie! Ich will jetzt auch gar nicht all die von mir hier schon geposteten Sachverhalte, die einer derartigen Einschätzung entgegenstehen, wiederholen. Ich beschränke mich auf zwei Ereignisse.

Das erste Ereignis ist die Beteiligung der namibischen Armee an der Seite u.a. Zimbabwes im kongolesischen Bürgerkrieg Ende der Neunziger. Meines Wissens hat es keine parlamentarische Aufklärung oder Entscheidung hinsichtlich des Grundes des Einmarsches dort, noch hinsichtlich der Kosten und der menschlichen Opfer oder der möglichen Profiteure in den Kreisen der üblichen Verdächtigen gegeben. Hierzu aus der englischsprachigen Wikipedia:
Zimbabwe
President Robert Mugabe was the most ardent supporter of intervention on Kabila's behalf, and was lured by Congo's rich natural resources and a desire to increase his own power and prestige in Africa. Kabila and Mugabe had signed a US$200 million contract involving corporations owned by Mugabe and his family, and there were several reports in 1998 of numerous mining contracts being negotiated with companies under the control of the Mugabe family. Mugabe had resented being displaced by South African Nelson Mandela as the premiere statesman of southern Africa and the war was also a chance to confront another prominent African president, Yoweri Museveni of Uganda. As the head of the SADC's Organ on Politics, Defence and Security Mugabe believed he could reclaim his position as southern Africa's premiere statesmen by aiding Kabila.

Namibia
President Sam Nujoma had interests in Congo similar to that of Mugabe, with several family members deeply involved in Congolese mining. Namibia itself has little issues of natural interest at stake in the DRC and the Namibian intervention was greeted with dismay and outrage by citizens and opposition politicians.

http://en.wikipedia.org/wiki/Second_Congo_War

Das zweite Ereignis hat die Unterstützung Mugabes mit 40 Millionen US$ durch NamPower zum Thema. Das Geld ist geflossen, die Kohlemine in Hwange liefert immer weniger, die Stromausfälle in Zimbabwe nehmen zu, aber im November soll Strom aus dem dortigen Kraftwerk zu Sonderkonditionen nach Namibia fließen. Mal sehen, ob das daraus wird, was ich vermute.

Besteht also Grund zur Hoffnung? Ich glaube nicht, da in Namibia schon alle „Strukturen“ für die totale Machtübernahme durch einen „Big Man“ errichtet wurden. Ich glaube, dass die Situation in Namibia ähnlich schnell kippen kann, wie sie das in Zimbabwe ab den späten Neunzigern tat. Ich sehe niemanden innerhalb der SWAPO, der die Autorität hätte, einer „Mugabisierung“ der Partei durch Nujoma und seine Spießgesellen entgegen zu treten.

Also hoffen wir mal weiter, dass nicht auch noch die Bevölkerung des letzten schwarzafrikanischen Landes von seinen Eliten verraten wird.

Gruß, Michael<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 19/07/2007 16:12
466 Beiträge · seit 200619. Juli 2007 ·
Hallo

ich möchte auch und unbedingt das Buch von Bartolomäus Grill (Michael enpfahl es schon) zum Lesen empfehlen. Es nimmt einem viel von der mitteleuropäischen Samariter-Mentalität, die in Afrika nicht hilft und nie geholfen hat. Sie hat eher zerstörerisch gewirkt, da die Despoten gestützt wurden und werden...
Wenn man das Buch gelesen hat, braucht man sich über Simbabwe nicht wundern.

http://www.amazon.de/Afrika-Berichte-Inneren-eines-Kontinents/dp/3886807541/ref=sr_1_4/028-5585116-6214161?ie=UTF8&s=books&qid=1184861535&sr=8-4

Gibts auch als Taschenbuch!

LG Jürgen
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77 Beiträge · seit 200619. Juli 2007 ·
ich frage mich nur immer, warum es ausgerechnet bob und konsorten schaffen, dass durchschnittsalter eines europaeers klar zu schlagen? vom durchschnittsalter im eigenen land mal ganz zu schweigen....


uta
Gast19. Juli 2007 ·
Moin Uta,

das ist doch ganz einfach: Genug Geld!

Die Ressourcen eines ganzen Staates auf ein Fingerschnippen zu Deiner Verfügung.
Genug Geld, sich erstklassig zu ernähren.
Genug Geld, sich eine erstklassige ärztliche Versorgung zu gönnen.
Totale Macht, um ein erfülltes Leben als Herr über Leben und Tod zu führen. Das hält jung!

Wie heißt es so schön im letzten Absatz des von Guido verlinkten Artikels?
“It’s all about power, baby. It’s all he ever knew and all he ever loved -- and he wants it all back.”

Gruß, Michael<br><br>Post geändert von: Yoshikawa, am: 19/07/2007 20:19
77 Beiträge · seit 200619. Juli 2007 ·
meine frage war auch eher rhetorisch. 🙂
911 Beiträge · seit 200721. Juli 2007 ·
Nachfolgender Artikel der Sächsischen Zeitung vom 20.07.2007 bringt zwar nichts Tiefgründiges, aber eine gute Zusammenfassung für diejenigen, die sich mit dieser Diktatur noch nicht näher beschäftigt haben:

Wenn ein Held zum Schurken wird
Frank Räther

Die Schotten sind konsequent geblieben. Zum ersten Mal hat die traditionsreiche Uni-versität Edinburgh am Montag jemandem die Ehrendoktorwürde aberkannt: Robert Mugabe. Der Herrscher über Simbabwe wurde unehrenhaft entlassen, nachdem Stu-denten und Politiker gegen die Ehrung protestiert hatten. Mugabe hatte den Titel 1984 wegen seiner Verdienste für das Bildungssystem in Afrika bekommen. Heute wird er für den Untergang des Landes im Süden des Kontinents verantwortlich gemacht und weltweit geächtet.

Als Robert Mugabe mit der Unabhängigkeit Simbabwes 1980 die Herrschaft übernahm, galt er als kluger Staatsmann und wurde mit Anerkennungen für seinen Kurs über-häuft. Er verkündete, dass Schwarz und Weiß künftig zusammenarbeiten und gemein-sam das Land entwickeln. "Lassen wir die Vergangenheit ruhen", sagte er. Und dies nach fast einem Jahrhundert britischer Kolonialunterdrückung und 15 Jahren weißer Minderheitsherrschaft, nach einem blutigen Befreiungskampf, der auf der Seite der schwarzen Bevölkerungsmehrheit viele Tausend Todesopfer gefordert hatte.

Sprecher des südlichen Afrika

Der 1924 geborene Mugabe hatte eine Ausbildung als Lehrer und in Sambia und Gha-na gearbeitet, wo er auch seine Frau Sally heiratete. Dann schloss er sich dem Befrei-ungskampf an. Wegen seines Engagements wurde er 1964 zehn Jahre lang einge-sperrt. In dieser Zeit erwarb er im Fernstudium vier weitere akademische Grade. Nach seiner Freilassung ging er 1975 ins gerade unabhängig gewordene Nachbarland Mo-sambik und erlebte dort den schnellen wirtschaftlichen Niedergang nach Flucht und Vertreibung der Weißen.

Sein Lehrerberuf, der Bildungsdrang des Volkes sowie die Erfahrungen in Mosambik beeinflussten später maßgeblich Mugabes Politik in Simbabwe. Er baute ein für Afrika beispielhaftes Bildungswesen auf, und er duldete die weißen Farmer und Geschäftsleu-te im Land. International kooperierte er mit Ost und West. Mugabe bezog Position ge-gen die Apartheid im benachbarten Südafrika und half deren Befreiungsbewegungen. Er galt als Führer der sogenannten Frontstaaten, also der Länder des südlichen Afrika, die unter den Aggressionen des damaligen Apartheidregimes in Pretoria litten. Die Welt sah ihn als den legitimen Führer und Sprecher des südlichen Afrika an.

Von Demokratie zur Diktatur

Aber schon damals gab es Warnzeichen, die nach der Zeit der Apartheid in Südafrika von vielen im Ausland nicht gesehen wurden. So drückte Mugabe den Führer der an-deren Befreiungsbewegung des Landes, Joshua Nkomo, aus dessen Staatsamt und führte von 1982 bis 1984 einen barbarischen Krieg gegen die Ndebele-Minderheit, die als Nkomos Anhänger galten. 20 000 Menschen wurden ermordet.

1987 änderte er die Verfassung, schnitt sie auf eigene Machtgelüste zu. Aus der De-mokratie wurde eine Diktatur Mugabes und seiner ZANU-PF-Partei. Seine Getreuen profitierten von Mugabes Patronagesystem. Gegner ließ er zunehmend von der Ge-heimpolizei verfolgen, die er immer stärker ausbaute.

Ausufernde Staatsausgaben belasteten mehr und mehr die Wirtschaft. Jährlich dräng-ten 300000 gut ausgebildete Schulabgänger auf den Arbeitsmarkt, der aber nur 30000 Arbeitskräfte aufnehmen konnte. Das Ergebnis: Immer mehr unzufriedene junge Leute ohne Job, steigende Preise und eine Währung, die ständig an Wert verliert.

Insbesondere Ereignisse in den Neunzigerjahren veränderten Mugabes Haltung: Der Ost-West-Konflikt löste sich auf. Die bis dahin von beiden Seiten gezahlten Gelder lie-fen aus, und in Südafrika endete die Apartheid. Nelson Mandela wurde freigelassen. Er löste mit seiner Popularität Mugabe als Führer des südlichen Afrika ab. Außerdem starb Mugabes Frau Sally, die mäßigend auf ihn gewirkt hatte. Mugabe heiratete seine junge Sekretärin und wollte ihr imponieren.

Das Ergebnis war katastrophal. Mugabe wurde immer diktatorischer und unberechen-barer. Volkswirtschaftlich unbedarft griff er zunehmend in das ökonomische und sozia-le Gefüge Simbabwes ein. Auf warnende Stimmen reagierte er hysterisch. Gegen die stärker werdende Opposition setzte er Polizei, den Geheimdienst und die Terrorbanden seiner Ex-Befreiungskämpfer ein. Verbote, Misshandlungen, Verhaftungen wurden zur Norm.

Nur Ja-Sager sind geduldet

Die Schuld am eigenen Versagen schob er der ehemaligen Kolonialmacht Großbritan-nien und den Weißen zu. Entschädigungslos enteignete er weiße Großbauern und machte damit den Brotkorb der Region zum Hungerland, da die übernommenen Far-men nur noch einen Bruchteil des Bisherigen produzierten. Da auch die Exporteinnah-men stark sanken, fehlten bald Devisen für den Import von Benzin und Ersatzteilen. Mugabe ließ immer mehr Geld drucken. Die Inflation galoppierte. Sie liegt bei 4500 Prozent und ruiniert das Land.

Mittlerweile sieht Robert Mugabe um sich herum nur noch Feinde, die ihn von der Macht verdrängen wollen. Fast schon paranoid verstärkt er den Terror, fälscht Wahlen in großem Stil und duldet nur noch bedingungslos ergebene Ja-Sager. Drei Millionen der 15 Millionen Simbabwer sind aus dem Land geflohen. Vier Millionen überleben nur durch ausländische Nahrungsspenden. Viele sagen: Aus dem Helden ist ein Schurke geworden.


Von mir kein Kommentar; ich balle nur die Fäuste in der Tasche...

Helgi
Reisebericht 2012: 8 Löwen und ein Oryx
Gast21. Juli 2007 ·
Dieser Bericht zeigt wieder einmal ganz deutlich, dass für Hunger und Elend in Afrika nicht die Weissen verantworlich sind. Wer das behauptet ist fern der Realität und Wahrheit. Das Stammesdenken in ganz Afrika ist die Wurzel allen Übels. Das wird sich niemals ändern.
Ich habe da grösste Befürchtungen für Namibia und Südafrika. Mugabe ist da überall.
Gast30. Juli 2007 ·
Moin zusammen,

Schlagzeilen und Auszüge aus dem Namibian von heute:

'Let Swapo rule forever'
ALL Namibians should support the ruling Swapo Party so that it can always win elections, as it is the only political organisation that can improve the living standards of all Namibians, its President, Sam Nujoma, says.
….


Emerging farmers' group calls for land grab
A NEW organisation of emerging commercial farmers has called for a "nationwide land grab" of farms owned by German nationals, charging that Germans had "robbed" Namibians of their land.
In reaction to a court case last week, in which three German nationals claimed that the procedures for expropriating their farms were not followed correctly, the Namibia Emerging Farmers' Association (Nefa) said it was "condemning those whites that would like to take Government to court" as Government had the right to expropriate farms.
"Nefa is calling for a nationwide land grape (sic) from German nationals," the organisation said in a statement at the end of last week.
Nokokure Tjizera, Executive Director of Nefa, said the three Germans "never came with land from Germany," neither would Namibians own land in Germany.
"When the Germans killed and robbed the Namibians of their lands, no compensation was given to Namibian nationals by the German government," Tjizera said in the statement.
"Why should the Namibian Government compensate those (German) foreigners who have land in a foreign country?" Tjizera asked.
The Namibian Government had the right to expropriate commercial farmland from whites, the statement said.
The German government should know it had obligations towards the Namibian people, the Nefa statement added.
"They (Germans) have raped, killed and robbed the Namibian nation of their valuable commodity, which is land."
According to the statement, Nefa wants the German government and German nationals to give back the land "to its original owners, the Namibian people" and pay them compensation.
In the same breath, Nefa said it welcomed German investment in Namibia, provided the investment was genuine and that German nationals knew they "must compensate Namibians for the land they robbed."

Zu dieser Organisation ist noch zu sagen, dass sie zurzeit wohl nur aus einigen Funktionären besteht.


Nujoma criticises internal bickering in Swapo
THE President of Swapo has strongly criticised what he called tribalism, factionalism and individualism within the approximately 600 000-member political party.
…
In his speech, Nujoma lambasted the internal Swapo differences, which were in his view "fermented (sic) by tendencies of individualism, factionalism and tribalism".
Internal disputes were not in line with the party's constitution and its political programmes, Nujoma criticised.
…
"The protagonists of these negative vices only want to achieve their self-serving interests," Nujoma said.
…
"These are comrades who are deliberately misleading and confusing our members," according to the Swapo President.
…


Es wird interessant werden, wer die SWAPO in Zukunft kontrolliert.

Gruß, Michael
Gast01. Aug. 2007 ·
Neuestes "Heilmittel" des Herrn Mugabe zur Dämpfung der Probleme in Simbabwe:
Die Einführung eines 200.000-Dollar-Scheins...

Guido
2’732 Beiträge · seit 200601. Aug. 2007 ·
Und was war er gleich noch einmal wert?

Schwarzmarkt 1 US$
offiziel: 15 US$

habe ich das noch richtig im Gedaechtnis?
Ein Gast bin ich im fremden Land geworden.
Gast02. Aug. 2007 ·
Moin zusammen,

so sieht es dann halt aus, wenn afrikanische Regierungschefs zusammen halten:
http://www.int.iol.co.za/index.php?set_id=1&click_id=13&art_id=vn20070802030225448C870248
Auch in Südafrika ist die Polizei zusammen gebrochen, sowie auch das Justizwesen. Das öffentliche Gesundheitswesen funktioniert nicht mehr. Die Armee ist nicht in der Lage, die Außengrenzen zu sichern. Die unkontrollierte –und wohl auch nicht mehr zu kontrollierende- Flucht aller, die es irgendwie schaffen können, aus Zimbabwe, ist ein weiterer Sargnagel für die Zukunftsaussichten der Südafrikaner. Ein Land mit ungefähr 40% Arbeitslosigkeit kann nicht auch noch mehrerer Millionen Zimbabwer mit durchschleppen. Insgesamt ist es genau diese Melange, die die zurzeit noch punktuell auftretende XDR-TB für die Zukunft so gefährlich macht.

Da es keine Krise an der Grenze gibt -was nicht sein darf, kann halt nicht sein!-...
http://www.news24.com/News24/South_Africa/Politics/0,,2-7-12_2157238,00.html
...muss Selbsthilfe unterbunden werden!
http://www.news24.com/News24/South_Africa/Politics/0,,2-7-12_2157331,00.html

Die Flüchtlinge strömen ins Land...
http://www.news24.com/News24/South_Africa/Politics/0,,2-7-12_2152213,00.html
...aber die Einrichtung von Flüchtlingslagern ist natürlich eine schlechte Idee:
http://www.news24.com/News24/South_Africa/Politics/0,,2-7-12_2148606,00.html

Warum soll eigentlich die Welt den Diktatoren immer die Arbeit erleichtern?
http://news.bbc.co.uk/2/hi/africa/6926651.stm


Gruß, Michael
3’173 Beiträge · seit 200602. Aug. 2007 ·
Mir wurde vorgestern an der Zimbabwe grenz nach Suedafrika erklaert, dass Mugabe eine Deadline gesetzt, wann genau konnte man mir nicht sagen, wohl bis Ende der Woche, danach darf Kein Zimbabwer mehr irgendetwas im Ausland einkaufen!
Ist das nicht toll?????

Unglaublich....<br><br>Post geändert von: Joerg, am: 02/08/2007 11:25
Gruss Joerg Es gibt NIX, das es nedd gibt
2’732 Beiträge · seit 200602. Aug. 2007 ·
Joerg,

das wurde schon einmal erwaehnt. Demnach ist das Mitbringen von Lebensmitteln im kleinen Grenzverkehr fuer Zimbabwer unter Strafe verboten!
Irgendwo im Artikel wurde auch erwaehnt, dass es deshalb eingefuehrt wird, weil nicht alle die Moeglichkeit haben dies zu nutzen. Der Artikelschreiber wies allerdings extra darauf hin, dass sonst schon viele verhungert waeren, wenn sie diese Moeglichkeit nicht haetten.
Ein Gast bin ich im fremden Land geworden.
982 Beiträge · seit 200602. Aug. 2007 ·
Lustig ist das sicherlich nicht. Ich finde es aber auch nicht wirklich spektakulär. Grundsätzlich finde ich das Motto "wehret den Anfängen" sehr gut, aber wir hier in D haben das wohl verpasst, wenn ich mir die ganzen rechte Parteien- und Gruppenlandschaft anschaue, ebenso wie die Übergriffe auf Ausländer hier. Da ist ein radikales Transparent in Namibia eher harmlos.
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