Botswanadreams schrieb:Hallo Swakop
Darf ich dir drei Fragen stellen.
1. Wenn Du einen Wunsch frei hättest, sollte dann Namibia noch immer Deutsche Kolonie sein?
2. Das Apartheidsystem in Südafrika und etwas abgeschwächt in Namibia, war es das beste was diesem Staat passieren konnte, um die Entwicklung voran zu bringen?
3. Welchen Weg hättest Du bestritten, damit Namibia ein unabhängiger Staat wird oder hätte es den nie gebraucht?
Bitte lass dabei den Kalten Krieg oder besser gesagt den Stellvertreter-Krieg auf afrikanischem Boden weg.
LG
Christa
Hallo Christa,
1. Nein, ich mag keine Deutschtümelei, aber man sollte zu dem stehen was man ist. Und zu den Tatsachen. Kolonialismus ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Tatsache ist jedoch, daß ein Großteil der heutigen Infrastruktur bereits durch die Deutsche Kolonialregierung geplant und in Angriff genommen wurde, und auch von Südafrika in dem Sinne fortgeführt wurde. Staudämme wie von Bach, Hardap, Naute usw. waren bereits zu deutscher Zeit geplant, dann ausgeführt und finanziert durch die Südafrikaner.
2. Realistisch gesehen hat die späte Unabhängigkeit von Südafrika Namibia auf eine Entwicklungsstufe gebracht, um die es von den gesamten afrikanischen Ländern beneidet wird. Als es im gesamten Rest von Afrika durch die Kwame Nkrumah´s, Idi Amins, Mobutos, Kaunda´s etc. nur abwärts ging, da ging es noch immer in Namibia aufwärts mit einer geordneten Entwicklung mit kaum Korruption. Die Entwicklungen der vergangenen Jahre waren nur möglich mit hunderten Millionen Euros von Spendern, Leihern und Korrumpierern. Vorher wurde alles
ALLEINE durch europäischstämmige Weiße und später unter Beteiligung von farbigen und schwarzen Steuerzahlern finanziert. Es kamen keine hunderte Millionen jedes Jahr wie ein Geldregen.
3. Ich habe absolut nichts gegen eine schwarze Herrschaft mit schwarzer Regierung, was ich verlange ist eine geordnete transparente Rechtsstaatlichkeit und nicht die vorherrschende Inkompetenz, Kleptokratie und verdeckter Rassismus, den es so übel unter der Apartheid auch nicht schlimmer gab. Dazu gehört aber auch, daß die heutigen Regierenden auch Ihren Dreck der Vergangenheit auf den Tisch legen müssen, bevor sie die Gegenseite nur diffamieren. Und das ohne Rücksicht auf die Verursacher und Täter.
Ich fange hier keine Apartheids-Diskussion an, denn ich kann nicht mit Menschen diskutieren die ideologisch durch den Mainstream vorprogrammiert sind und in ihrer Oberflächlichkeit die Tiefe und Tragweite in Europa im Zuschauersessel sitzend nicht verstehen. Ich war nie ein Anhänger der noch in den 70iger Jahren in Südafrika praktizierten Apartheid. Die wenigsten wissen das die Apartheit in Namibia bereits Mitte der 70iger Jahre abgeschafft wurde. Die allerwenigsten wissen auch, daß es in der südafrikanischen Armee keine Apartheid gab. Tatsache ist daß in der sog. Apartheidszeit von 1960 bis 1975 ein vielfaches an Häusern für die schwarzen Bewohner Namibias gebaut wurden als was die heutige Regierung in 20 Jahren trotz riesigem Geldregen getan hat. Die kleinen Häuser in den Townships sind 1000x besser als jede Blechhütte, geschweige denn Grashütte. Eine kleptokratische Elite der Regierenden sorgt dafür daß die Bevölkerung immer Ärmer wird. Es gab ein besonders gutes Gesundheitssystem. Was ist übrig von den einst perfekt geführten staatlichen Krankenhäusern?
Tatsache ist auch daß Ihr alle in einem intakten Land Urlaub machen könnt ohne das Gefühl zu haben, nur über Ruinen waten zu müssen wie in den Ländern weiter nördlich und zum Teil östlich. Dieses haben Menschen aus Namibia und vor allem Südafrika mit einem hohen Blutzoll bezahlt, wobei der Fall des Ostblocks erst den Übergang auf die Mehrheit begünstigt hat. Auch da sollte man bei den unideologischen Realitäten bleiben.
Wer hat sich für mich von einer lästigen Laus zu einem Giganten des Anstandes herauskristallisiert?
Bischof Desmond Tutu ! Leider ist der Mann heute 50 Jahre zu alt, denn er wäre das Gewissen im südlichen Afrika, der ohne Ansehen der Person auch die Seite anprangert, der er mit zur Macht verholfen hat.
Selbst in Europa fehlen solche Leute.
H.