Neue Namen für Caprivi und Lüderitz...

153 Antworten · 21,9k Aufrufe · gestartet 08. Aug. 2013 von travelNAMIBIA
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Gast11. Aug. 2013 ·
Guido. schrieb: Ich finde aber 2 Punkte kritikwürdig und lasse mir von Dir auch nicht das Recht absprechen, diese Kritik zu äußern.
Wenn wir nun in einem persoenlichen Gespraech waeren, wuerde ich dich bitten, zu wiederholen was ich gesagt hatte.
Hier kannst du es oben einfach nachlesen. Ich habe geschrieben, dass es fuer mich unverstaendlich ist, wenn Leute aus Europa sich in einer fuer mich eher ueberheblichen Weise ueber demokratische Prozesse in einem afrikanischen Land aeussern. Ich habe dir nirgendwo das Recht abgesprochen es zu tun - ich stimme dir in deiner Kritik nur nicht zu. Was du daraus machst, liegt nicht in meiner Verantwortung.
Meine Meinung tendiert da eher in Volkers Richtung, auch voellig ohne darueber eine (fruchtlose) Offtopicdiskussion anfangen zu wollen.
Guido. schrieb: Ähmm, Du sonderst hier gleich 4 Beiträge zu dem Thema ab, fragst dann ernsthaft andere, ob es nichts Wichtigeres gibt und schüttelst den Kopf, wenn andere sich auch mit dem Thema beschäftigen? Spannende Argumentation.
Zunaechst mal: ich interessiere mich tatsaechlich fuer das Land in dem ich lebe 😉
Ich meinte auch nicht die Beschaeftigung mit dem Thema an sich, sondern eben diese leichte Ueberheblichkeit, die fuer mich bei deinem Beitrag rueberkam. Bei deiner Kritik, auch dem jetzigen Beitrag, kommt einfach ein Gefuehl bei mir auf, dass du es besser weisst (auch was die Verteilung der Gelder angeht), und Deutschland es besser kann (was man bei der Verwendung der Steuergelder allerdings auch bezweifeln darf). DAS ist es was mich stoert. Ich gebe aber gerne zu, dass dies ebenfalls eine Interpretation ist - vielleicht ist das von dir auch gar nicht so unterstellt wie es bei mir ankam.

Wenn jemand, so wie Tom, einfach der Meinung ist die Umbenennungen seien Quatsch, dann hab ich kein Problem damit. Er begruendet seine Aussage, und weder bewertet er noch interpretiert er. Damit kann ich gut leben - was natuerlich auch kein Kriterium sein soll, hier zu schreiben oder es zu lassen 🤩

Einen schoenen Sonntag noch an alle, egal wo ihr lebt, ob in Chemnitz oder Karl-Marx-Stadt, Mumbay oder Bombay, St Petersburg oder Leningrad, !Naminus oder Luederitzbucht 😉

(wer von euch wurde eigentlich befragt, bevor Chemnitz wieder Chemnitz wurde?)
lg
WoMa
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2013
2’474 Beiträge · seit 200611. Aug. 2013 ·
WoMa schrieb:

(wer von euch wurde eigentlich befragt, bevor Chemnitz wieder Chemnitz wurde?)
lg
WoMa
nur kurz dazu - hat ja mit Namibia nix zu tun... Also, ich wurde nicht gefragt, aber ich wohne da ja auch nicht 😉
1990 wurde aber eine Abstimmung in Chemnitz gemacht und damals haben sich 3/4 der Bewohner für die Umbenennung entschieden.

Liebe Grüße
Sanne
"Der letzte Beweis von Größe liegt darin, Kritik ohne Groll zu ertragen." Victor Hugo
Themenstarter33,3k Beiträge · seit 200611. Aug. 2013 ·
Hi Guido,
Will eine Bevölkerungsmehrheit diese Namensänderung überhaupt? Oder wollen es nur ein paar SWAPO-Leute, die vielleicht so in etwa auf der Wellenlänge von Sam Nujoma liegen?
Na ja, Namibia ist genauso wenig die Schweiz wie Deutschland, die USA etc. - hier entscheidet das demokratisch gewählte Parlament bzw. die Regierung - so wie in Deutschland z.B. auch. Eine direkte Volksbefragung ist gar nicht vorgesehen. Mal abgesehen davon, dass die Mehrheit der Namibier nun mal Ovambo sind und diese auch die Regierung stellen - somit will die Mehrheit es wohl...

Und man muss vielleicht zum Hintergrund wissen, dass in Namibia Regionen etc. extra nicht nach Volkszugehörigkeiten, geographischen Gegebenheiten etc. gezogen werden, sondern fast ausschließlich nach der Zahl der Bevölkerung im wahlfähigen Alter. Dieses macht eben die Schaffung neuer Regionen notwendig, da keine Region mehr als 250.000 Einwohner haben sollte usw.

Spannend wird ja nun die Umsetzung, z.B. die Caprivier/Caprivianer, wie sich alle Volkstämme im Caprivi als Zusammenschluss nennen, werden dann wohl in Zukunft Sambesier/Sambesianer heißen? Offiziell muss es seit dem 9. August nun auch eigentlich 28 Sitze im Nationalrat geben, da jede der Regionen (jetzt 14) 2 Abgeordnete entsendet. Rein praktisch ist das natürlich nicht so schnell umzusetzen; zudem muss auch eine Regionalratswahl nun in den neuen Regionen stattfinden; diese ist aber nach normalen Wahlkalender erst 2015 vorgesehen. Nkurenkuru als neue Hauptstadt von Kavango-West muss ja auch erstmal "etabliert" werden...
Da fehlt es der Politik anscheinend an Engagement, Zeit und Geld, um Menschenleben zu retten
Das ist schlichtweg Unsinn - die Regierung tut das, was sie tun kann und muss. Oder meinst Du eine Entscheidung w,ie 1/3 aller Tiere in Etosha schießen, damit die Menschen im Kaokoveld was zu essen haben ist keine kontroverse Entscheidung? Kaum ein Land in Afrika was ich kenne hat ein so funktionierendes "Desaster Management System" wie Namibia - denn hier hat man vor Einsetzen der großen Dürre bereits vieles in die Wege geleitet, wie z.B. Geldzahlungen vom Staat für den Verkauf von Nutztieren usw
Schon allein weil es hier keine seit über 20 Jahren mit ca. Drei-Viertel-Mehrheit alles dominierende Partei wie die SWAPO gibt.
Das klingt ja nach dem Demokratieverständnis der USA 😉 Wenn mir was nicht passt, dann kann es nicht demokratisch sein. Doch! Auch wenn eine Partei 20 Jahre lang 66+ % gewinnt, kann es durch einen demokratischen Wahlprozess zu Stande gekommen sein. Änderung ist nicht gleichbedeutend mit Demokratie! Aber das Thema würde jetzt etwas über die Thematik des Threads hinaus führen...

Viele Grüße aus dem a****kalten Windhoek
Christian
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983 Beiträge · seit 201111. Aug. 2013 ·
Hallo zusammen,

für Leute wie mich, die in Namibia nur Geld ausgeben, ist es letztlich egal, ob Namen geändert werden, mit lateinischen Buchstaben geschrieben oder geschnalzt/geklickt/gerülpst 😄 werden. Die Tourismusbranche nennt alle Orte sowieso wie es der Tourist gerne haben will. Man kann heute noch Reisen nach "Konstantinopel" buchen 🤪 Und der Name Lüderitz wird auch zukünftig in Prospekten stehen. Ich war letztes Jahr auch an den Victoria-Fällen und nicht an einem Mosi-i-sonst-was 😎

Wer aber dort geboren ist und zur (deutschen) Minderheit gehört, der sieht natürlich das Auslöschen deutscher Kultur etwas sensibler als der Tourist/Gast im Land - und da kann ich Hajo voll und ganz verstehen. In Namibia haben fast alle Deutsch-Namibier, die ich kennen gelernt habe, ein positives Selbstverständnis ihrer deutschen Kultur. Hier bei uns ist der kulturelle "Masochismus" weit verbreitet (Wir sind schuldig! Deutsches ist schlecht!). 😈 Wir reden hier im Forum manchmal aneinander vorbei, weil wir bei Diskussionen von Europa-Deutschen/-Schweizern und Deutsch-Namibiern das teilweise andere kulturelle Selbstverständnis zu wenig beachten.

Nun gut, unsere Diskussion ist ohnehin für die Katz, da die Änderungen beschlossen sind und das nicht mehr rückgängig gemacht wird.

Ich denke, dass die Änderungen rein politisch motiviert sind - als Ersatzhandlungen. Es ist aber besser, man vernichtet etwas "weiße" Kultur durch das Ändern von Namen als durch das Vernichten von Existenzen (Enteignungen und Gewalt gegen Weiße wie in Zimbabwe damals).
Beste Grüße rhh64
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2013
359 Beiträge · seit 201011. Aug. 2013 ·
Genau dieser arrogante und abwertende Ton hat mir schon bei meiner Namibiareise nicht gefallen und ist einer der Gründe dafür, warum es mich momentan irgendwie nicht so sehr dorthin zieht - trotz der tollen Landschaft und der Tiere! Und bitte keine Belehrung über Geschichte und eigene Erfahrungen usw.... es ist mein Bauchgefühl!!!

Bele
Vielen Dank, Bele.

Bin nicht mehr so oft im Forum und daher erst jetzt auf deinen Antwort-Beitrag gestossen. Aber da ich ja nunmal zwei Jahre in Namibia gelebt habe (eins davon in Katima), interessiert mich diese Diskussion dann schon.

Deiner Ansicht ist eigentlich gar nichts weiter hinzuzufügen. Genau aus diesem Grund zieht es mich nämlich leider, trotz vieler Bekannter und Freunde, z.Z. Null komma Null nach NAM. Ich kann ja auch nur eingeschränkt über den ehemaligen Caprivi jetzt Sambesi reden.

Der Kreis der Leute, die sich über die Namensgebung in dieser Region Gedanken machen dürften, wird sich (mal ganz vorsichtig nach meiner Einschätzung), im unteren Promillebereich bewegen. Namibier mit deutschen Wurzeln, oder Neu-Namibier mit deutschen Wurzeln oder zugezogene mit deutschen Wurzeln, oder historisch Interessierte gibt des dort ja sowieso nur sehr wenige. Die meisten "weißen" sind ehemalige Soldaten der südafrikanischen Armee...wenn es nach denen gehen würde, dann gäbe es bestimmt noch interessantere Namen......

Nunja, ich tus mal als Sommerloch-Aufregungs-Beitrag-z.d.A.

Gruß aus Berlin
Kowo
1’927 Beiträge · seit 200811. Aug. 2013 ·
Swakop1952 schrieb:Ich finde das alles ganz schön lustig, wie man was wie zu rechtfertigen versucht.
Und Leute zu verdammen sucht, die Mißstände oder Fehlentwicklungen in ihrer HEIMAT anprangern.
Wobei das demokratische Recht der Meinungsfreiheit mit Füßen getreten wird.

Und wenn die "Anderen" ab dem Jahr 2050 die Mehrheit in Germanien haben, möchte ich der Deutschen Gesichter sehen und das Geschrei hören, wenn durch Mehrheitsbeschluß nur noch anatolische und arabische Namen für die Städte gefunden und sie umgetauft werden, Deutschland dann in West-Anatolien umgetauft wird, alle großen Straßen umgetauft werden in Bin Laden, Erdogan, Muhammad, Ali Mufta, und sonstige Namen.
Na, denn Prost!
Dann möchte ich mal vom Jenseits aus gerne Mäuschen spielen und hören, wie die dann lebende Generation die heutige Elterngeneration ob ihrer naiven Blauäugigkeit in alle Ewigkeit verdammt.
Ist schon gut, regt Euch nicht auf, das sind alles nur Verschwörungstheorien (die aber manchmal wahr werden, wie die Abhöraffäre zeigt). 🤩 😗 😉
So Leute, seit gestern 21.43 Uhr liest eine Agentur aus Amerika mit, welcome..... 😗
709 Beiträge · seit 201111. Aug. 2013 ·
Sanne schrieb:...1990 wurde aber eine Abstimmung in Chemnitz gemacht und damals haben sich 3/4 der Bewohner für die Umbenennung entschieden...
Chemnitz hieß aber schon seit dem Mittelalter bis 1953 Chemnitz.

Rocky
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
1 Beiträge · seit 201311. Aug. 2013 ·
So, weil ich Diskussion so krude finde, hab ich mich angemeldet und melde mich zu Wort:

Zum einen ist es doch nachvollziehbar, dass Kolonialnamen als problematisch empfunden werden und OFFIZIELL ersetzt werden...

Auf der anderen Seite heißt das aber nicht, dass man die neuen Namen benutzen muss. Das ist eine typisch "deutsche Diskussion".(Übrigens gilt das auch für die gar nicht mehr so neue Rechtschreibung)

Lüderitz darf jeder weiterhin Lüderitz nennen. Und die meisten werden es auch tun.
Übrigens nennen wir auf deutsch zum Beispiel auch viele italienische Orte anders als im Italienischen. Wo ist das Problem. In anderen Sprachen ist das auch so. Es ist absurd, das ändern zu wollen....

In diesem Zusammenhang ist mal wieder bezeichnend, dass die dt. Wikipedia sofort, hyperkorrekt, auf den neuen Namen umgestellt wurde und Lüderitz nur noch dorthin verweist (http://de.wikipedia.org/wiki/!Nami%E2%89%A0N%C3%BCs) , während die englische lediglich aktualisiert wurde (http://en.wikipedia.org/wiki/L%C3%BCderitz)
Gast11. Aug. 2013 ·
Moin,
Volker schrieb:so ungehobelt kenne ich Dich noch gar nicht
Hmm, ich hab's gerade noch mal gelesen und die ungehobelten Stellen nicht so ganz erkennen können. Musst Du mir noch mal auf die Sprünge helfen. Gern per PM oder Telefon.
WoMa schrieb:Ich habe dir nirgendwo das Recht abgesprochen es zu tun - ich stimme dir in deiner Kritik nur nicht zu.
OK, dann habe ich das falsch interpretiert, so wie Du möglicherweise mein Posting etwas anders interpretiert hast, als es gemeint war. Dann entschuldige ich mich für die Passage.
WoMa schrieb:Wenn jemand, so wie Tom, einfach der Meinung ist die Umbenennungen seien Quatsch, dann hab ich kein Problem damit. Er begruendet seine Aussage, und weder bewertet er noch interpretiert er.
Wenn er schreibt, dass das Quatsch ist und mangelndes Selbstbewusstsein attestiert, dann ist das keine Bewertung? Irgendwie gelten Deine Maßstäbe etwas selektiv.
WoMa schrieb:(wer von euch wurde eigentlich befragt, bevor Chemnitz wieder Chemnitz wurde?)
Naja, das ist argumentativ nun aber perfekte Eigentor, denn das ist das genaue Gegenteil zu Lüderitz. Zum einen hieß Chemnitz jahrhundertelang Chemnitz und man hat dort nur eine politisch motivierte Umbenennung rückgängig gemacht. In Lüderitz ist es genau umgekehrt. Das hieß immer Lüderitz und soll nun politisch motiviert umbenannt werden. Zum anderen hat nicht Helmut Kohl entschieden, dass Karl-Marx-Stadt umbenannt werden muss, sondern dort wurden eben die Betroffenen befragt und durften demokratisch darüber abstimmen.
travelNAMIBIA schrieb: Na ja, Namibia ist genauso wenig die Schweiz wie Deutschland, die USA etc. - hier entscheidet das demokratisch gewählte Parlament bzw. die Regierung - so wie in Deutschland z.B. auch. Eine direkte Volksbefragung ist gar nicht vorgesehen.
Auf Bundesebene sind zwar keine Volksabstimmungen möglich. Auf den Ebenen darunter teilweise schon, siehe Umbenennung von Chemnitz oder Volksabstimmung zu Stuttgart21.
travelNAMIBIA schrieb: Dieses macht eben die Schaffung neuer Regionen notwendig, da keine Region mehr als 250.000 Einwohner haben sollte usw.
Entweder stimmt das Argument nicht oder es wird selektiv angewendet. Wenn das der entscheidende Punkt ist, dann hätte man die Khomas-Region doch zwingend schon lange teilen müssen. Da leben weit mehr als 250.000 Menschen und vor allem auch weit mehr Menschen als in der nun zu teilenden Kavango-Region.
travelNAMIBIA schrieb:Das klingt ja nach dem Demokratieverständnis der USA 😉 Wenn mir was nicht passt, dann kann es nicht demokratisch sein. Doch! Auch wenn eine Partei 20 Jahre lang 66+ % gewinnt, kann es durch einen demokratischen Wahlprozess zu Stande gekommen sein.
Wenn eine Partei seit 20 Jahren 3/4 der Parlamentssitze belegt und auch auf regionaler und kommunaler Ebene so ziemlich alle politischen Ämter belegt und darüber hinaus auch noch auf Verwaltungsebene so ziemlich jeden gehobenen Posten belegt, dann stellt sich für mich schon etwas die Frage, ob andere Parteien noch eine faire Chance haben. Das es zu den Wahlen in Namibia und insbesondere zur Wahlkommission heftige, begründete Kontroversen gibt, weißt Du selbst. Die Wahlen in Namibia sind frei aber nicht fair.
Siehe auch die Einschätzung hier, die ich in den meisten Punkten teile: http://www.kas.de/namibia/de/publications/18241/
Im Übrigen erkenne ich aber voll und ganz an, dass sich die SWAPO weitaus pragmatischer verhält als z.B. die Zanu-PF und Namibia deswegen bislang eine weitaus bessere Entwicklung genommen hat.

Beste Grüße

Guido
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2013
Themenstarter33,3k Beiträge · seit 200611. Aug. 2013 ·
Hi Guido,
Entweder stimmt das Argument nicht oder es wird selektiv angewendet. Wenn das der entscheidende Punkt ist, dann hätte man die Khomas-Region doch zwingend schon lange teilen müssen. Da leben weit mehr als 250.000 Menschen und vor allem auch weit mehr Menschen als in der nun zu teilenden Kavango-Region.
Deshalb mein "usw." - es gibt diverse weitere Bestimmungen im Regional Act, Local Authorities Act, Delimitation Act etc. Bei Khomas mit knapp 350.000 Einwohner hat Windhoek ja den Großteil und Municipalities und Städte unterliegen nicht der Regionalverwaltung. Verweise gerne nochmal auf http://de.wikipedia.org/wiki/Regionen_von_Namibia und auch http://de.wikipedia.org/wiki/Delimitation_Commission_of_Namibia

Über "frei und fair" lässt sich streiten... viele sehen es anders als Du, z.B. http://www.google.com/hostednews/afp/article/ALeqM5jf-SLYoIxKcqD6iMeNdFdGpnxnNQ

Sonnige Grüße
Christian
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Gast11. Aug. 2013 ·
Guido. schrieb:
OK, dann habe ich das falsch interpretiert, so wie Du möglicherweise mein Posting etwas anders interpretiert hast, als es gemeint war. Dann entschuldige ich mich für die Passage.
Interpretationen sind ja nicht grundsaetzlich falsch, nur fuehren sie, wie man sieht, selten dazu dass man einander wirklich versteht.
Ich kann dir sagen was wirklich in mir vorgegangen ist: ich habe mich darueber geaergert, dass jemand, der in Deutschland wohnt, Kritik uebt an der hiesigen Demokratie, und ganz deutlich auch sagt, dass Deutschland die bessere Demokratie hat, denn ich liebe dieses Land und seine Leute, und ich habe ein Beduerfnis nach Gerechtigkeit. Ich seh das mit der deutschen Demokratie naemlich voellig anders als du.
Das ist nun genau das, was ich gefuehlt hab, als ich deinen Post gelesen hab.

Ich hab es nur anschliessend in eine Sprache verpackt, die erneut Widerspruch ausloesen musste. So kann es gehen...
Guido. schrieb:Wenn er schreibt, dass das Quatsch ist und mangelndes Selbstbewusstsein attestiert, dann ist das keine Bewertung? Irgendwie gelten Deine Maßstäbe etwas selektiv.
Nur, weil du nicht liest was da steht:
Tom Swiss schrieb:
ich finde es einen Quatsch wenn man unbedingt neue Name erfinden muss für Orte die es vorher nicht gab. Dies ist für mich zB bei Lüderitz der Fall - die Geschichte ist wie sie ist und daran ändern andere Namen auch nichts.
Wenn es Orte hat die vor der Kolonialzeit einen anderen Namen hatten und man diesen wieder annimmt dann ist das für mich absolut in Ordnung. Dann lerne ich sogar gerne den Namen.
Namibia hat nun mal eine Kolonialgeschichte - damit selbstbewusster umzugehen und nicht einfach zu ändern, das wäre für mich grösseres Selbstbewusstsein.
Ich kann mich doch schlecht dagegen aeussern, wenn jemand eine Sache anders empfindet als ich. Das ist doch voellig normal.
Guido. schrieb:
WoMa schrieb:(wer von euch wurde eigentlich befragt, bevor Chemnitz wieder Chemnitz wurde?)
Naja, das ist argumentativ nun aber perfekte Eigentor, denn das ist das genaue Gegenteil zu Lüderitz.
Ich wuerde dir zustimmen, wenn es als Argumentation gedacht gewesen waere, aber es hat mich tatsaechlich interessiert. Ich diskutiere nicht mit dem Ziel, am Ende Recht zu haben. Ich moechte einzig und allein verstanden werden, was nicht bedeutet dass man mit mir einer Meinung sein muss.

Nichtsdestotrotz habe ich immer noch kein Problem mit der Umbenennung (obwohl ich ebenfalls Hajo verstehen kann, der ja schliesslich in einem voellig anderen Namibia aufgewachsen ist) 🙂

lg
WoMa
Gast11. Aug. 2013 ·
Es wird wohl laufend zig, in das Themenspektrum des Forums passende, Ereignisse im südlichen Afrika geben, die hinsichtlich Legitimation, Transparenz, Kompetenz (bzw. deren Gegenteile) ähnlich gelagert sind, wie die Umbenennung von Lüderitz. Es ist schon bemerkenswert, dass diese un- oder kaum erwähnt oder kommentiert bleiben, während auf eine simple Ortsnamensänderung mit derartigem Phantomschmerz reagiert wird. Das ist echt erhellend…vor allem auch für die echten oder selbsternannten „Überwinder des kolonialen Erbes“.
Werner
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2013
Gast11. Aug. 2013 ·
Hallo Woma
WoMa schrieb:Ich kann dir sagen was wirklich in mir vorgegangen ist: ich habe mich darueber geaergert, dass jemand, der in Deutschland wohnt, Kritik uebt an der hiesigen Demokratie, und ganz deutlich auch sagt, dass Deutschland die bessere Demokratie hat, denn ich liebe dieses Land und seine Leute, und ich habe ein Beduerfnis nach Gerechtigkeit. Ich seh das mit der deutschen Demokratie naemlich voellig anders als du.
Das ist nun genau das, was ich gefuehlt hab, als ich deinen Post gelesen hab.
Kann ich so voll und ganz akzeptieren und da habe ich kein Problem mit.

Beste Grüße

Guido
5’538 Beiträge · seit 200811. Aug. 2013 ·
Hallo Zusammen,

mit Spannung habe ich diese Diskussion bisher verfolgt und ich habe mir eben noch einmal den ganzen Thread von Anfang bis Ende "reingezogen".

Begonnen hat es mit einer Information von Christian über diverse Umbenennungen und Änderungen und - wie nicht anders zu erwarten war - daraus hat sich eine interessante Diskussion ergeben, die natürlich von den unterschiedlichsten Standpunkten aus geführt wird. Was mir dabei allerdings auffällt: Fast niemand versucht sich einmal in den Standpunkt des Anderen zu versetzen. Wenn wir zum Beispiel Hajos Standpunkt einnehmen wollten, dann müssten wir uns in die Lage eines zwar deutschstämmigen, aber eben nicht deutschen Bürgers des Staates Namibia versetzen. Hajo - ich will Dich jetzt nicht kränken, aber im Grunde ähnelt Deine Haltung derjenigen Deutschen aus den ehemaligen Ostgebieten, die sich im Bund der Vertriebenen zusammengefunden haben. Sprich: Es war Euer Land, aber es ist es nicht mehr und nun seht Ihr mit Schmerzen, wie es sich verändert.

Und wenn wir den Standpunkt von Herrn Pohamba nehmen, dann müssten wir versuchen, uns in die Lage der namibischen Regierung zu setzen. Solche Vergleiche werden hier zwar versucht und zwar leider in für mich nicht nachvollziehender abqualifizierender Weise, aber hat dabei schon wirklich jemand versucht, sich in die Lage der namibischen Regierung zu versetzen?

Wenn wir z. B. von geschichtlichen Entwicklungen sprechen, dann stelle ich die ernsthafte Frage, wie weit wir die denn zurückverfolgen müssen, um uns ein einigermaßen faires Urteil zu bilden. Beginnt die Geschichte Namibias 1989 mit seiner Unabhängigkeit oder um 1900 herum mit der Inbesitznahme durch das deutsche Reich oder beginnt sie nicht schon sehr viel früher mit den ersten Einwohnern dort?

Wir wie auch die Namibianer haben sowohl die Verfassung "von außen" aufoktroiert bekommen. Wir von den Kriegsgewinnern, insbesondere den Amerikanern und der Staat Namibia hat seine Verfassung unter maßgeblicher Beteiligung der UN bzw. einiger Mitgliedsstaaten erarbeitet oder sollte ich nicht besser sagen, dem Staat N................ist die Verfassung von der UN erarbeitet worden. Ich bin davon überzeugt, dass die Mehrheit der Mitglieder der "demokratischen" Gremien, die über die beiden Verfassungen vor ihrem Inkrafttreten abgestimmt haben, sich über viele der dort festgeschriebenen Bedingungen nicht im Klaren waren.

In den Verfassungen beider Länder sind auch die Außengrenzen festgeschrieben worden. Während die Außengrenzen der Bundesrepublik letztlich über Jahrtausende zustande gekommen sind (auch wenn wir bedingt durch den 2. Wletkrieg die Verluste der Ostgebiete hinnehmen mussten) und die im Staatsgebiet lebenden Stämme schon über Jahrhunderte ein gemeinsames (Staats-)Bewusstsein entwickeln konnten, wurden Namibias Grenzen - wie übrigens die der meisten Staaten dieses Kontinents - von außen und zwar ohne Rücksicht auf Stammesbindungen festgelegt. Bestimmend für die Grenzen waren einzig und allein machtpolitische Überlegungen der europäischen Kolonialherren des 19. Jahrhunderts. Deshalb haben diese Länder auch eigentlich nur eine kurze eigene Geschichte und die ist aus Sicht der Regierenden von den Weißen bestimmt. Ist es dann verwunderlich, wenn versucht wird, sich eine Geschichte zu schaffen und den Einfluss einer (jetzt noch) kleinen deutschen Minderheit in den Hintergrund zu verdrängen? Ich halte das auf jeden Fall für legitim (auch wenn es mir persönlich überhaupt nicht gefällt) und wir müssen das respektieren.

Noch eine Anmerkung zu Guido: Ich sehe keinen Unterschied, wie in Namibia oder Deutschland Demokratie gelebt wird. Wieso? Hast Du schon einmal versucht, mit einem SPD-Parteibuch in Bayern einen einflussreichen Posten in einem öffentlichen oder halböffentlichen Unternehmen zu bekommen? Wenn ja, dann musstest Du schnell feststellen, dass das so gut wie unmöglich ist, weil diese Positionen von CSU-nahen (bestenfalls von politisch neutralen) Personen besetzt sind. Und ob es das Parteibuch CSU oder die Stammeszugehörigkeit zu den Ovambos ist, die letztlich den Ausschlag für die Besetzung des Postens gibt, ist doch egal – oder? Und wenn man berücksichtigt, dass in ganz Afrika die wesentlichen Entscheidungsfaktoren in folgender Reihenfolge betrachtet werden

1. Was nutzt es mir und meiner Familie
2. Was nutzt es meinem Stamm und
3. Was nutzt es meinem Land,

dann ist ganz klar, dass der Stamm, der die Mehrheit der Bevölkerung stellt, auch die politische Mehrheit in den demokratischen Gremien hat.

Liebe Grüße
Gerd

PS: Ich frage mich bei den Wahlen auch immer zuerst, was es mir bringt, wenn ich die oder die Partei wähle, dann was es meiner Region bringt und zuletzt natürlich auch, was es Deutschland bringt. Wo unterscheide ich mich da von einem Ovambo?
Gast11. Aug. 2013 ·
Ein unerschöpfliches und heikles (weil emotionsbelastetes) Thema, bei dem es anscheinend nur Gewinner oder Verlierer gibt (obwohl das nicht zwingend so sein müsste), weil:
1) Orte, und damit auch ihre Namen, wirken oft identitätsstiftend: „Ich bin ein/e ……er/erin“. Wenn damit starke Emotionen erzeugt und konserviert werden, bewirkt jede Namensänderung oder deren Verweigerung (egal wie gut begründet und verständlich) zwangsläufig auch eine Verletzung von Gefühlen. Das macht den Umgang mit so einer Situation schwierig genug, wenn das dann aber mit einer Herabwürdigung der anderen Partei einhergeht (wie z. B. durch Swakop), dann ist der Deckel von Pandoras Büchse gelüftet und es läuft dann, wie auf Schienen, so wie eben hier.
2) Durch „Verewigung“ einer Person oder eines Ereignisses in Platz- und Straßennamen werden „Wertschätzungen“ zum Ausdruck gebracht. Diese ändern sich aber laufend mit den Veränderungen der Gesellschaft und ihres Geschichtsbildes, so dass Namensänderungen ein normaler und andauernder Prozess sind. Beispielsweise wurde kürzlich in Vindobona (derzeit Wien) der Dr. Karl Lueger-Ring in Universitätsring umbenannt, weil die, die diese Änderung betrieben und herbeigeführt hatten, meinten, dass der Antisemitismus von Lueger schwerer negativ wiegt als seine positiven Verdienste als Bürgermeister. Und man könnte derartige Beispiele ad infinitum aufzählen. Wer sich mit so was nicht abfinden kann, muss die Straßen und Plätze nummerieren wie in NY.
Ist natürlich alles Ansichtssache, Werner
zuletzt bearbeitet 12. Aug. 2013
709 Beiträge · seit 201111. Aug. 2013 ·
Neue Namen für Caprivi und Lüderitz...
...und irgendwann werden dann die Bilder in der ehem. Polizeistadion am Waterberg abgehängt, die Tafel am Fort Namutoni geändert in "Am 28. Januar 1904 schlachteten 7 Kolonialisten 500 friedliebende unschuldige Ovambos ab", die Reiterdenkmale eingeschmolzen und Swakop abgerissen! Deutsche Sprache, deutsche Produkte und deutsche Namen werden verboten!
So macht man das. Und DAS wäre wenigstens konsequent! Und in Diktaturen ist sowas ja auch völlig normal...
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2013
1’309 Beiträge · seit 200911. Aug. 2013 ·
Rocky1964 schrieb:Neue Namen für Caprivi und Lüderitz...
...und irgendwann werden dann die Bilder in der ehem. Polizeistadion am Waterberg abgehängt, die Tafel am Fort Namutoni geändert in "Am 28. Januar 1904 schlachteten 7 Kolonialisten 500 friedliebende unschuldige Ovambos ab", die Reiterdenkmale eingeschmolzen und Swakop abgerissen! Deutsche Sprache, deutsche Produkte und deutsche Namen werden verboten!
😮 Geht's noch? 🤨
Rocky1964 schrieb:So macht man das. Und DAS wäre wenigstens konsequent! Und in Diktaturen ist sowas ja auch völlig normal...
Diktatur?
So ne Diktatur wie in den Ländern, wo jegliche Kommunikation aufgezeichnet wird? So ne Diktatur wie in den Ländern, wo man 7 Jahre in der Psychiatrie bleibt, weil man irgendwem unbequem geworden ist? So ne Diktatur, wo man Jahre unschuldig im Knast gesessen hat und anschließend arbeitslos und mittellos jeden Nachweis bringen muss, damit Vater Staat wenigstens die Prozesskosten ersetzt, die man aufbringen musste, um seine Unschuld zu beweisen? Oder meinst du die Diktatur, wo man seine Gelder an der Steuer vorbei auf Schweizer Konten lagert und trotzdem Posten und Positiönchen beibehalten kann, weil das Parteibuch stimmt? Vielleicht denkst du ja auch an die Diktatur, wo nach dem grausamsten Krieg aller Zeiten eine kollektive Amnestie dazu geführt hat, dass viel Mitläufer und Mittäter hinterher wie vorher ihre ehrenwerten Rollen weiter ausüben konnten?
Ich kann wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln über das, was ich hier lese!
Das Land gehört den Einwohnern von Namibia und nicht den Touristen! Und Demokratie gibt es nicht nur in Deutschland. Und Deutschland hat nicht das Recht gepachtet, die Vorzeigedemokratie zu sein.
Kopfschüttelnde Grüße,
Nenette
Il n'y a pas un atome de cette poussière que je n'aime infiniment. Es gibt kein Atom in diesem Staub, das ich nicht unendlich liebe. (Elizabeth Riollet über Voi/Tsavo) Botswana 2010: http://nenette-f.over-blog.de/categorie-11610665.html Mein anderes Hobby: http://lauter-schoene-saetze.over-blog.com/
zuletzt bearbeitet 11. Aug. 2013
2’612 Beiträge · seit 200711. Aug. 2013 ·
Nenette,

Bravo, bravo, bravo - ich habe mir solch drastischen Worte verkniffen, Du sprichst mir aus der Seele.

Danke.

Volker
Bye bye Forum
5’538 Beiträge · seit 200812. Aug. 2013 ·
Hallo Rocky,

was hast Du vorhin getrunken? Muss ziemlich stark gewesen sein!

Danke Nenette, eine bessere Antwort kann ich auch nicht geben.

Liebe Grüße
Gerd
709 Beiträge · seit 201112. Aug. 2013 ·
Hey, ich bin in einer sogenannten Demokratie, welche sich gleichzeitig als "Diktatur des Proletariats" ansah, aufgewachsen. Da wurde sowas in dieser Art durchgezogen, natürlich auch voll demokratisch!

Ich habe ja noch evtl. Verständnis dafür, wenn mal die eine oder andere Straße umbenannt wird. Wenn aber schon Orte und Regionen umbenannt werden, wird's schon merkwürdig.

Und etwas schizophren ist es ja schon. Auf der einen Seite lebt man von Touristen, welche ja auch wegen der historischen Zusammenhänge kommen, nimmt gern die Entwicklungshilfe aus D an (sh. auch HP des AA http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/Namibia/Bilateral_node.html), das Land hat Einwohner europäischer Abstammung, nicht wenige Offiziere und Politiker genossen eine Ausbildung in einem deutschen Land, vor 1990 haben beide deutsche Länder auf beiden politischen Seiten Unterstützung gegeben usw usf und auf der anderen Seite betreibt man Bilderstürmerei.
-------------------------- ...der schon öfter 4x4 in Afrika war... http://www.4x4club-leipzig.de/ http://www.baja-deutschland.de/
zuletzt bearbeitet 12. Aug. 2013