Frühstück mit Giraffen Mai 25 - Revidierte Version

Reisebericht 42 Antworten · 2’089 Aufrufe · gestartet 12. Aug. 2026 von Nacho
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202306. Sept. 2026 ·
Freitag 16. Mai

Erste Hilfe Kurs bei Schlangenbissen

Heute ist schon wieder Abreisetag. Beim Frühstück, zwischen Spiegelei und Speck, kommt das Gespräch noch einmal auf die Puffotterzeit. Rolf liegt es sehr am Herzen, uns zur Vorsicht zu mahnen. Er ist in Namibia aufgewachsen, ein echtes Farmkind mit einer Leidenschaft für Flora und Fauna, die ihresgleichen sucht.

Von den Puffottern hatten wir es gestern schon, und das Thema ist noch nicht so recht verdaut. Rolf geht es hauptsächlich um den Schutz der Haustiere, also Hund und Katz. Mir geht es mehr um den eigenen Kragen, und ich werfe wieder einmal ein, dass ich im Ernstfall nicht wüsste, was zu tun sei — zumal ich die Viecher gar nicht unterscheiden kann. Für mich sehen die mehr oder weniger alle gleich aus. Also: Was tun im Ernstfall?

Das Wichtigste sei, darin sind wir uns alle einig, die Ruhe zu bewahren… Ha, ha, ha… eine sehr lösungsorientierte Feststellung. Klar, Aufregung und Panik treiben den Blutdruck hoch, und der jagt dann das Gift noch ein bisschen schneller durch den Körper. Aber sag mal zu jemandem, der gerade gebissen wurde: Ohhhmmmm, entspann dich, alles wird gut…

Eine befriedigende Antwort finden wir nicht wirklich. Deswegen werden unsere Gedanken kreativ. Wenn dich tatsächlich eine Giftspritze erwischt, ist das beste Gegenmittel eine Droge, die dich ruhig stellt — so nach dem Motto: „Macht doch, was ihr wollt, mir ist’s egal.“ Mit der entspannten Haltung gewinnst du Zeit und bekommst vielleicht noch rechtzeitig Hilfe, bevor dein Blut aus allen Körperöffnungen fließt oder sich deine Organe auflösen. Es wäre also sinnvoll, immer eine schnellwirkende Droge im Hosensack zu haben. Eine doppelte Dosis Valium macht den Schlangenbiss zu einem Kuss von deiner Liebsten. Dann bist du tiefenentspannt, fühlst dich wie im siebten Himmel und stirbst wenigstens mit einem Lächeln im Gesicht.

Auweia, ich hoffe, wegen meinem schwarzen Humor storniert jetzt niemand seine Reise. 😀

Nein, im Ernst: Du kannst tatsächlich nur versuchen, vielleicht mit Atemtechnik deinen Puls im Schach zu halten, das betroffene Körperteil — wenn möglich — unterhalb deines Herzens zu lagern, wenn du kannst ein Foto zu machen oder dir so viele Details wie möglich zur Identifizierung zu merken und so schnell wie möglich Hilfe zu holen. Letzteres wird schwierig, wenn du gerade fernab der Zivilisation unterwegs bist. Sofortmaßnahmen wie Schneiden, Aussaugen, Tourniquet oder Gegengifte im Notfallset sind sehr umstritten.

Panik vor dem Fall der Fälle habe ich trotzdem nicht, denn nicht jeder Schlangenbiss trifft eine Ader, und nicht jeder Biss wird mit Gift versetzt, und es sind auch nicht alle Schlangen lebensbedrohlich gefährlich. Es gibt deutlich mehr tödliche Unfälle als tödliche Schlangenbisse. Niemand kann sein Leben auch nur um einen Tag verlängern, als ihm bestimmt ist. Das ist meine Devise, und danach lebe ich letztendlich mit aller gebotenen Vernunft.

Zwei schöne, lustige und erlebnisreiche Tage auf Ababis gehen zu Ende.

Unser Wägelchen befördert uns Richtung Küste, möchte aber in Solitaire mit einem Espresso belohnt werden. Während es seinen Energie-Drink schluckt, nutze ich die Gelegenheit, die alten Autowracks zu fotografieren, die hier ihre letzte Ruhestätte gefunden haben. Man muss ihnen zugestehen, dass sie sehr charmant altern und immer wieder einen Hingucker wert sind. Ich liebe diese Schmuckstücke mehr als den berühmten Apfelkuchen den es hier gibt.



Bald sehen wir Solitaire nur noch im Rückspiegel und schrauben uns über den Gaub Pass, der mich wieder einmal restlos begeistert. Die Landschaft ist atemberaubend schön. Das weiße Gras trägt bereits Samen, die der Wind übers Land verteilt. Streckenweise sieht es aus, als hätte jemand einen flauschigen Teppich am Straßenrand oder auf den Felsen ausgelegt.



Auch den Kuiseb Pass nehmen wir mit und passieren den Canyon. Zum Reinfahren bräuchten wir ein Permit, das wir leider nicht haben. Aber er hat Geschichte, und ich bedauere es sehr, dass wir keinen Abstecher zur vorübergehenden Heimat von Martin Henno und seinem Freund machen können.

Falls du ihre Geschichte noch nicht kennst, hier eine kurze Zusammenfassung:

Henno Martin und sein Freund Hermann suchten dort zweieinhalb Jahre Zuflucht, um dem Zweiten Weltkrieg zu entkommen. In ihrem Buch „Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste“ beschreibt Henno eindrücklich, wie sie im Canyon ums Überleben kämpften – auf der Suche nach Wasser, Nahrung und einem Rhythmus, der sie mental nicht zerbrechen ließ.

Neben den Schilderungen über Hitze, Jagd und tägliche Arbeit bekommt der Leser Einblicke in ihre Gespräche über Freiheit, Glauben, Natur und Menschlichkeit. Sie tauschten Front und Schützengräben gegen Hitze, Hunger und Einsamkeit. Ihre Waffen waren Ausdauer, Einfallsreichtum und ein eiserner Wille.

Das Buch liest sich leicht, ist spannend und beeindruckend. Eine klare Leseempfehlung – es macht das Reisen in dieser Gegend noch interessanter. Namibia ist ein Land voller Geschichte, die überall spürbar ist.

Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version
zuletzt bearbeitet 07. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202306. Sept. 2026 ·

Planänderung in Swakopmund

Während wir es uns in Ababis gutgehen ließen, meldete sich unsere Reiseagentur mit der Anfrage, ob wir mit einem Upgrade in Swakopmund einverstanden wären. Unser Guesthouse sei überbucht, und man böte uns ein Zimmer im Strandhotel an. Guesthouse gegen Hotel klingt für mich leider gar nicht nach Upgrade.

Aber ehrlich gesagt – die Lust, mich an so einem schönen Ort wie Ababis und in der Gesellschaft von echten Charakterköpfen mit Unterkunfts‑Recherchen zu beschäftigen, hielt sich gewaltig in Grenzen. Auch auf lange WhatsApp‑Konversationen hatte ich keine Lust. SIM‑Karten hatten wir übrigens auch noch nicht organisiert – das hat sich bisher einfach nicht ergeben.

Da wir ohnehin nur eine Nacht in Swakop bleiben würden, entschieden wir: Augen zu und durch. Lass sie machen – wird schon okay sein. Unsere Agentur hat allerdings vergessen, uns die Adresse mitzuteilen, und ich habe tiefenentspannt von der Ababis‑Luft nicht daran gedacht, nachzufragen. Kurz vor unserer Abreise haben wir deshalb online die Adresse vom Beachhotel gesucht.

Schwer zu finden ist es nicht. Aber meine Güte, das ist ja ein echter Betonpunker. Genau die Art Unterkunft, die wir im Urlaub um jeden Preis zu vermeiden versuchen. Ich bin wirklich enttäuscht. Wie dumm von mir, so einem Blind Date zuzustimmen – auch wenn es nur für eine Nacht ist. Ich habe so viel Zeit und Mühe in meine Unterkunftssuche gesteckt.

Es fällt uns schwer zu glauben, dass uns dies hier als Upgrade angedreht wurde. Wir denken, dass es vielleicht noch ein anderes Beachhotel gibt und wir nur die falsche Adresse haben. Anrufen wäre jetzt nicht schlecht, aber ohne SIM‑Karte… Wir beraten uns und entscheiden, zum Guesthouse zu fahren, um dort nach der richtigen Adresse zu fragen.

Gesagt, getan: Die schicken uns aber allen Ernstes wieder zum Betonpunker zurück. Meine eh schon angeknackste Laune verabschiedet sich in den Keller.

Wie auf Bestellung versperrt uns jetzt ein großer Reisebus mit seinen dazugehörigen Gästen und Koffern die Zufahrt zum Parkplatz. Wenn du denkst: Schlimmer geht nimmer, kommt garantiert ein Bus ins Spiel.

Am Check‑in‑Schalter befindet sich eine endlose Warteschlange, die die ganze Lobby verstopft. Allerdings hat der Reiseleiter der Gruppe Erbarmen mit uns und bittet uns nach vorne. Das finde ich richtig nett – verbessert meinen Gemütszustand aber nicht exorbitant.

An der Rezeption hämmert der Angestellte in seine Tastatur und schüttelt den Kopf. Er findet unsere Buchung nicht und möchte unser Voucher sehen. Wir haben keines und erklären ihm die Umbuchung vom Guesthouse aufs Strandhotel. Wir zeigen ihm die WhatsApp. Jetzt klingelt es bei ihm: Er hebt den Kopf und erklärt uns, dass dies das Beachhotel ist. Das Strandhotel sei ganz woanders. Beachhotel – Strandhotel – doch nicht das Gleiche.

Hört ihr, wie der Stein von meinem Herzen plumpst: Hurra, wir müssen hier nicht bleiben. Der nette Mann erklärt uns noch den Weg, und dann sprinten zwei Deutsche wie von der Hummel gestochen aus der Lobby.

Dank der guten Wegbeschreibung finden wir das Hotel ohne weitere Umwege. Es präsentiert sich zwar rein äußerlich auch als Betonbunker, überrascht uns aber mit einem stilvollen Innenleben und bester Strandlage. Die Aussicht vom Zimmer aufs Meer ist wirklich traumhaft.



Die fehlende Sim- Karte nervt uns mit jedem Tag ein bisschen mehr. Heute wollen wir diesen Zustand endlich ändern und machen uns auf die Suche nach einem Anbieter.

Vor ein paar Tagen wehte der Ostwind durch Swakopmund und brachte ein wahres Backofen-Klima mit. Bei der Gluthitze fühlt sich unser Marsch zum SIM-Laden wie eine nicht enden wollende Marathon Strecke an. Wir schwitzen uns den Wolf. Vor der Little-Desert-Tour morgen haben wir jetzt schon eine gute Portion Ehrfurcht.

Irgendwann haben wir die Strecke geschafft. Der Wartebereich ist aber bumsvoll und die Uhr läuft gnadenlos Richtung Ladenschluss. Wir fürchten schon unverrichteter Dinge wieder weggeschickt zu werden. Doch nach 45 Minuten Sitzen und Schwitzen sind wir an der Reihe.
Die Mitarbeiterin ist ein echter Lichtblick: freundlich, hilfsbereit und mit einem Lächeln im Gesicht. Sie setzt sogar die SIM-Karten noch für uns ein. Das nenne ich Engagement so kurz vor Feierabend. Nach uns wird die Tür zackig abgeschlossen – und endlich erwacht unser Handy wieder zum Leben.

Das Cafe Anton liegt auf unserem Rückweg und bettelt förmlich darum, dass wir uns in den Schatten setzen und uns ein Becherchen Eis gönnen. Diesen Ruf können wir doch nicht einfach ignorieren. Allerdings fallen die Portionen riesig aus. Den Kampf gegen den Eisberg verlieren wir heute. Die Portion ist nicht zu schaffen. Der Gaumenschmaus erinnert stark an Fürst Pückler aus der Tiefkühltruhe. Aber nach unserem Hotel-Desaster heute und der Jagd nach einer SIM-Karte, ist das ja wohl Jammern auf hohem Niveau.

Zurück im Hotel haben wir im Grunde nur noch Zeit zum Duschen und einen kleinen Sundowner- Strandspaziergang. dann müssen wir uns schon wieder auf den Weg machen, weil wir im Old Steemer einen Tisch reserviert haben. Diesbezüglich war unser Abstecher ins Café Anton auch nicht die beste Idee des Tages.



Im Restaurant wird uns ein Tisch zugewiesen.
Es ist doch wie verhext. Neben uns an einer langen Tafel, sitzt eine Reisegruppe die sich angeregt und lautstark unterhält. 
Die Leute denken nicht im Traum daran, dass wir uns vielleicht auch gerne unterhalten würden, ohne uns über den Tisch anschreien zu müssen, damit unsere Worte am Ohr unseres Gegenübers ankommen.

Die Manieren der Tafel-Ritter am Nebentisch bieten allerdings beinahe schon wieder eine Show.
Es sind kleine, zierliche Gäste, aber sie holen sich Portionen vom Buffet, dass mir die Gesichtszüge einfrieren.
Ich kann meinen Blick nicht abwenden, muss sehen, ob sie das alles stehen lassen, oder tatsächlich essen.
Ich staune nicht schlecht, die leeren ihre Teller und machen sich fünf Minuten später, scheinbar ausgehungert ein weiteres Mal auf den Weg zum Buffet, und es kommt sogar noch eine dritte Runde dazu.

Ich bin fassungslos, sowas habe ich noch nicht gesehen. Echt jetzt, wo lassen die das? Neeein, die packen nichts ein, ich hab genau hingeschaut. Sie Schlucken wirklich alles runter. Und als hätten sie Angst beim dritten Gang vielleicht leer auszugehen, wird das Fleisch nicht erst zeitaufwändig geschnitten, sondern auf die Gabel gespießt und gleich abgebissen.

Tatsächlich bin ich viel zu sehr mit Beobachten beschäftigt, um selbst zum Essen zu kommen. Da bekommt doch die Redewendung: „Das Auge isst mit“ eine ganz neue Bedeutung. Ich werde jedenfalls schon beim Zuschauen satt. Ist mir auch echt egal, ob die sich von mir beobachtet fühlen. Mein Blick wandert permanent zum Ort des Geschehens. Was uns hier aus nächster Nähe geboten wird, ist zwar ein wenig eklig, aber zugleich höchst unterhaltsam. Das ist die reinste Reality Dinner Show. Oder versteckte Kamera?

Satt in jeder Hinsicht, macht sich langsam die Bettschwere breit. Wir verlassen die Gesellschaft der Buffet-Barbaren und nehmen Kurs auf unser Hotel. Der heutige Tag steckt voller Eindrücke, die wir mit in unsere Träume nehmen: Historische Begegnung mit Henno und Hermann, ein Hitzemarathon, eine Stadtrundfahrt mit Hotelbesichtigung und eine Dinnershow die ich so schnell nicht wieder vergessen werde. Na, dann gute Nacht - und süße Träume, jedenfalls bitte keinen in dem ich an der Gabel hänge.

Fazit zum Old Steamer Restaurant: Das Essen war in Ordnung, aber mehr darf man nicht erwarten. Die Fotos im Netz sahen vielversprechend aus – die Realität zeigt das Ambiente allerdings ohne Weichzeichner und Bildbearbeitung. Vor Ort kann man andere Gäste nicht einfach ausblenden, und sie prägen ein Erlebnis eben mit. Es war eine Erfahrung. Wir kommen zum Schluss: Ein Menü à la carte ist mehr unser Ding.




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Samstag 17. Mai

Die Wüste lebt



Der Wecker holt uns aus unseren Wikinger-Träumen. Wir machen uns salonfähig, packen unsere paar Besitztümer zusammen und geben die Koffer in die Aufbewahrung. Dann checken wir aus und auf geht es Richtung Frühstückssaal. Wir suchen uns einen schönen Platz im Wintergarten und beobachten, wie die Sonne über dem Meer und der Stadt aufgeht.


Wegen der Little Desert Tour sind wir heute die ersten Frühstücksgäste und bekommen die ungeteilte Aufmerksamkeit des Personals. Die Dame mit der Kaffeekanne bemerkt mein Herpesbläschen, welches sich gestern ungefragt auf meine Lippen gelegt hat.
Sie vermutet allerdings, dass ich einen Sonnenschaden habe und bietet mir fürsorglich ihre Aloe-Vera-Crema an- sie würde mir sogar ihre angebrochene Tube verkaufen. Aber sie hat sie leeeeider nicht dabei. Wenn wir nach ihrer Mittagspause noch da wären, würde sie sie uns mitbringen. Aber da sind wir zum Glück leeeeider schon abgereist. Während sie uns begeistert erklärt, wofür die Creme alles gut ist, stelle ich mir lieber nicht vor, wo sie schon überall im Einsatz war.
Ihre Hilfsbereitschaft ist rührend – aber vielleicht doch einen Hauch zu enthusiastisch.

Lange nachdem wir die Little Desert Tour gebucht haben, las ich irgendwo, dass sie manchmal im Konvoi gefahren wird. Darauf hatte ich ja so gar keine Lust, weshalb ich erst kurz vor unserer Reise um eine Umbuchung auf einen privaten Drive gebeten habe. Der neue Abholort für die Tour musste ebenfalls weitergeleitet werden. Ich habe Sorge, ob alles reibungslos ablaufen wird.

Tatsächlich rollt zu unserer Freude punkt 8.00 Uhr der Jeep der Little Desert Tour vor die Hoteltür. Der Fahrer steigt aus dem Wagen und stellt sich vor: Jürgen mein Name…ich sehe, dass er keine Schuhe trägt und denke: Barfuß-Jürgen… geschüttelt nicht gerührt. Schuhe braucht der Mann nicht. Er ist eher der Typ, der gerne Sand zwischen den Zehen spürt. Wir lernen ihn an diesem Morgen als eine echt coole Socke kennen.



Wir fahren nur ein kurzes Stück raus aus der Stadt - hinein in den Namib -Sandkasten. Jürgen stellt den Jeep ab, und wir laufen über den Wüstenboden. Die Fußspuren vom Vortag wurden längst vom Wind verweht. Die Wüste trägt wieder ihr gewohntes Gewand mit dem natürlichen Wellenmuster.



Die Buschzeitung liegt jetzt am Morgen noch weitgehend unbeachtet vor uns im Sand und Jürgen versteht sie meisterhaft zu lesen. Sein Herz schlägt spürbar für diese Landschaft - für das Ökosystem, die Vegetation und die Tierwelt. Sein Wissen scheint unerschöpflich zu sein und seine Begeisterung fasziniert uns. Er ist ein Mann, der den Schutz seiner geliebten Wüste zu seiner persönlichen Herzensangelegenheit macht.

Wir erwähnen die unglaubliche Hitze, die uns gestern in der Stadt in den Schwitzkasten genommen hat. Jürgen erklärt uns, dass der Ostwind dafür verantwortlich ist, aber er bringt nicht nur sengende Hitze mit sich, sondern er spielt auch eine Schlüsselrolle im Ökosystem der Namib.
Er transportiert feinste Staubpartikel und organische wie mineralische Spurenelemente vom Landesinneren bis weit über die Küste hinaus, wo sich die feinen Partikel schließlich wieder ablagern. Jürgen nennt es das Wüsten-Müsli. Die Bezeichnung gefällt mir.

Der Wind ist quasi der Frühstücksservice der Namib. Winzige Mikroorganismen ernähren sich von den veganen Cerealien, größere wiederum von ihnen. So greift alles ineinander – und aus ein bisschen Wind und Wüsten-Müsli entsteht der Circle of Life.

Während wir uns mit Jürgen unterhalten und beim Gehen Staub aufwirbeln, hält er seinen Blick immer auf den Boden gerichtet, auf der Suche nach verräterischen Spuren kleiner Tiere, die sich längst unter der Erde ihr Bettchen gerichtet haben. Denn die meisten Wüstenbewohner sind nachtaktiv.

Plötzlich bleibt Jürgen stehen – Da, er zeigt auf die Fährte eines Namib-Geckos. Genau den zu sehen hatte ich mir am meisten gewünscht. Er ist so klein, fast durchsichtig, herzig bis zum Geht – nicht - mehr. Man kann sehen, wie das Leben in ihm pulsiert, denn durch seine Haut schimmern die Organe. Zwischen den Zehen hat er Schwimmhäute, die wie Schneeschuhe im Wüstensand funktionieren – er ist wohl auch ein Barfußläufer, vielleicht ein Karma - Verwandter von Jürgen?



Wir betrachten das süße Kerlchen und achten darauf, dass es Schatten hat. Nach einer ausgiebigen Fotosession entlassen wir ihn wieder in sein Schlafgemach bzw. in ein neues. Jürgen gräbt ihm den Anfang vor. Aber hier gefällt es unserem Wüstenfreund nicht. Er gibt sich wählerisch. Jürgen 007 der Wüste, mit Lizenz zum Graben, sucht ihm ein anderes Baugrundstück. Er befeuchtet den Sand ein bisschen mit Wasser und siehe da, diese Wohngegend findet schon eher Wohlgefallen bei Mr. Gecko. Er lässt sich nicht lange bitten und verschwindet in kürzester Zeit von der Bildfläche.

Achtsamkeit à la Barfuß‑Jürgen

Wir sehen die Reifenspuren von Quads im Sand. Jürgen macht uns darauf aufmerksam, dass der durch das Gewicht der Fahrzeuge so stark verdichtet wird, dass die unterirdischen Gänge und Schlafkammern vieler Tiere einbrechen. Der Boden lässt keinen Sauerstoff mehr durch. Ganze Lebensräume verschwinden dadurch – oft dauerhaft. Das ist eine folgenschwere Konsequenz fürs fragile System und löst eine Kettenreaktion aus.

Ja, auch Jeeps haben Gewicht, und unter ihren Rädern wird ebenfalls Lebensraum zerstört. Würden alle Fahrer auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, bliebe mehr geschützter Raum für die Tiere. Es geht Jürgen gar nicht darum, uns den Spaß am Quadfahren zu verderben, sondern um Achtsamkeit und Vernunft.

Seine Aufklärung berührt mich zutiefst. Ich denke an den süßen Namib‑Gecko und all die anderen Lebewesen, denen unsere Unbedarftheit das Leben kosten könnte. So wie ich meine Fußspuren in den Wüstensand drücke, so drückt mir jetzt die Namib ein Flehen ins Herz, das mich zur Achtsamkeit auffordert.

Was mich an Jürgens Arbeit besonders beeindruckt, ist sein Verständnis dafür, dass die meisten Abenteurer gar nicht wissen, was unter ihren Rädern passiert. In seinen Worten liegt nicht der Hauch eines Vorwurfs – nur das ehrliche Bedürfnis, aufzuklären und Achtsamkeit zu fördern. Diese Haltung ist mir unglaublich sympathisch, und vielleicht finden seine Worte gerade deshalb den Weg in mein Herz.

Und damit uns auch bewusst wird, wer von unserer Achtsamkeit profitiert, finden wir noch eine ganze Reihe anderer Tiere, die auf unsere Umsicht angewiesen sind.



Ich frage Jürgen, ob er schon einmal eine White Lady Spider gefunden hat. Denn sie verbringt ihre Tage auch lieber in ihrer unterirdischen Residenz. Ich würde sie gerne persönlich kennenlernen, habe allerdings wenig Hoffnung.

Doch da unterschätze ich seine Fähigkeiten. Er freut sich an meinem Interesse und findet ihre Behausung nur ein paar Schritte weiter. Sein geschultes Auge erkennt die Hauptpforte zu ihrer Burg. Er kniet sich in den mittlerweile gut temperierten Sand und fängt an im ungefähr 30-Grad–Winkel zu buddeln.

In einer Tiefe von schätzungsweise 20 bis 25 cm findet er die Lady, die sofort versucht, aus ihrer Burg zu fliehen. Jürgen ist allerdings schneller. Kaum hat er sie auf der Hand, bleibt sie aber stolz wie eine Königin ganz ruhig sitzen und lässt unsere neugierigen Blicke über sich ergehen.

Zur Orientierung, für die Balz und als Warnsignal verursacht sie durch eine Art Tanzbewegung seismische Vibrationen, die andere Artgenossen über eine Entfernung von mehreren Metern wahrnehmen können. Das bedeutet: Sie ist die Königin der Buschtrommel.
Das Männchen trommelt ebenfalls mit den Füßen, wenn es sich zur Balz nähert. Macht es allerdings falsche Tanzschritte und ist sein Stepptanz nicht klar in der Aussage, kann es ihm passieren, dass ihm seine auserkorene Wüstentänzerin den Garaus macht. In dem Fall war schon allein die Vorstellung vom Sex, im wahrsten Sinn des Wortes „zum Sterben schön“.

Wir lassen die Königin der Wüste wieder in Ruhe und setzen sie im Sand ab. Sie ergreift sofort die Gelegenheit zur Flucht und sucht Schutz in ihrer Burg. Hoffentlich findet sie den richtigen Eingang wieder.



Wir hoffen, dass unser Wüsten-Scherlock eine Zwerg-Sandviper für uns entdeckt. Mit seinem geschulten Auge und seinem Wissen über ihre Lebensgewohnheiten, findet er sie schließlich – nur etwa zwanzig Zentimeter lang und geschickt versteckt zwischen grünen Wüsten-Bodendeckern.



Er zeigt uns, wo wir hinschauen müssen. Ich jedoch sehe nichts außer Sand. Dann geht er mit seinem Haken etwas näher heran. Ich sehe immer noch nichts. Mein Auge braucht eine halbe Ewigkeit, bis ich sie erkenne: Sie hat sich eingegraben und zeigt nur ein einziges Auge.

Jürgen erklärt uns, dass einige Vipern eine schwarze Schwanzspitze haben. Im Jagdmodus wird sie eingesetzt, um mit feinen Zuckungen ein Insekt zu imitieren, das Beutetiere anlockt. Lässt sich eines täuschen und meint, ihm würde ein Snack serviert, endet seine Reise mit einem One‑Way‑Ticket in die ewige Siesta.

Barfuß‑Jürgen warnt uns eindringlich davor, unbedacht hinter einem Busch mit entblößtem Hinterteil in die Hocke zu gehen. Er sagt: „Stellt euch vor, da liegt eine Schlange – und euer Hinterteil nähert sich ihr. Das arme Tier wäre für den Rest seines Lebens traumatisiert.“

Das Schlängerl ist nicht begeistert von unserem Besuch in seinem Revier. Es ist nervös und reagiert überraschend agil. Ich habe zu viel Respekt, um mit dem Handy nah genug heranzutreten.

Von diesem hier weiß ich jetzt, dass es zu den Hybrid‑Schlangen gehört und sein Gift sowohl neurotoxisch als auch hämatotoxisch ist. Das bedeutet: Es greift das Nervensystem an und zerstört sowohl die Blutgerinnung als auch das Gewebe. Zwar ist der Biss der Zwergpuffotter nicht lebensbedrohlich, aber der Schmerz soll bleibende Erinnerungen schaffen.

Unser Wüsten‑Profi arbeitet unter Einsatz seines Lebens für uns. Er nimmt mein Handy, wirft sich in den Sand und schenkt uns ein paar eindrucksvolle Aufnahmen. Während er im Staub liegt, die Viper mit dem Haken auf Abstand hält und gleichzeitig versucht zu fotografieren, ist mir nicht wohl bei dem Risiko, das er für uns eingeht.



Wir bewegen uns nur auf kleinem Raum. Ein paar Schritte hin und her – mehr ist gar nicht nötig, um erstaunlich viele Tiere zu entdecken. Aber die 38 Grad von gestern haben auch heute kein Erbarmen mit uns. So langsam brennt uns die Sonne ein Loch ins Hemd und wir haben keine Kopfbedeckung, weil der Wind beschlossen hat, sie uns vom Kopf zu wehen.

Ich frage Jürgen, ob er nicht langsam heiße Füße bekommt. Er antwortet, dass es erst bei 50 Grad anfängt zu prickeln. Unser 007 ist hart im Nehmen – ein echter Wüstenjunge halt.

Wir steigen wieder in den klimatisierten Jeep. Es wird nur eine kurze Fahrt. Dann gibt es einen weiteren kleinen Stopp und eine kleine Geologie Stunde. Vor uns liegt dunkler, violett-schwarzer Sand, der wie feiner Puderzucker über die hellen Dünen verteilt ist.

Es handelt sich um Magnetit. Das Meer übernimmt den Transport von Sossusvlei an die Küste und der Wind verbreitet es wie feines Make -up auf den Dünen.

Mit einem Magneten fährt Jürgen eine Handbreit über den Sand. Wie ein Staubsauger zieht dieser das puderzuckerfeine Magnetit an, das sich auf dem Magneten zu einem kleinen Igel formiert. Wissenschaft zum Anfassen!



Unsere Tour neigt sich dem Ende zu. Auf dem Rückweg hält unser Wüsten-007 immer wieder an, um Müll einzusammeln oder Klopapier kontrolliert abzufackeln. Zum Glück machen das alle Guides.

Aber Barfuß Jürgen hat auch dazu noch eine Anekdote parat. Er erzählt: „Ich habe meine Familie zum Sonnenaufgangs-Picknick eingeladen. Noch im Dunkeln breiten wir unsere Decke aus – und mit dem ersten Licht erkennen wir: Wir sitzen mitten in Freiluft Klo. 
Dazu muss er nicht mehr erzählen. Auch wir haben schon diverse Stellen im Busch entdeckt, die uns verrieten, dass wir nicht die ersten waren, die sich hier erleichterten. Dabei ist es doch ganz einfach: Loch puddeln, oder Klopapier kontrolliert abfackeln, sofern keine Brandgefahr besteht - wie im Sandkasten.

Wir rollen auf dem Rückweg in die Stadt über die letzten Dünen und bleiben einen Moment stehen, um noch einmal auszusteigen und die fantastische Aussicht bis zur Küste zu genießen.



Die Little Desert Tour wird uns im Gedächtnis bleiben und der Weckruf zur Achtsamkeit ebenso.

Jetzt heißt es: Gepäck verladen, vom Parkplatz rollen – und los geht es in die nächste Etappe. Unsere schwindenden Wasservorräte empfehlen einen Besuch im Spar und meine Lippen bitten um einen Abstecher in die Apotheke nebenan. Nachdem ich ja nun nicht in den Genuss der fürsorglich angebotenen Aloe-Vera-Creme gekommen bin, fordern sie ein anderes Rettungspaket.

Dann lassen wir Swakopmund hinter uns und nehmen die B2 unter die Räder. Sie empfängt uns nicht gerade charmant – eher wie ein gerissener Staubsaugerbeutel. Die LKWs vor uns verstärken den Effekt. Aber wenigstens ist die heutige Distanz nicht so Ultra lang und wir kommen trotz Staub und LKWs gut voran.

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zuletzt bearbeitet 07. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202307. Sept. 2026 ·

Unsere nächste Unterkunft ist die Spitzkoppen Lodge.

Leider verhüllt sich der Berg hinter einem Dunstschleier. Vereinzelte Wölkchen wandern über den Himmel. Bald erreichen wir die Lodgezufahrt, die uns mit einer Schaukel begrüßt. Da können wir nicht widerstehen. Die Perspektive ist einfach nur schön.



Nachdem wir das Tor zur Lodge passiert haben, öffnet sich eine noch schönere Landschaft. 
Zwei Zebras stehen gelassen im Veld. Wir halten an und beobachten sie eine Weile. Sie lassen sich nicht im Geringsten stören. 

Wir freuen uns sehr über die Pyjama-Donkeys. Eines von ihnen nimmt das Maul schon mal ziemlich voll. Bisher haben wir noch nicht allzu viele größere Tiere gesehen – da sind zwei entspannte Savannen-Läufer durchaus ein kleines Highlight



In der Spitzkoppen Lodge werden wir mit wohlriechenden feuchten Tüchern willkommen geheißen. Natürlich gehört auch ein Welcome-Drink zur Begrüßungszeremonie. In diesem Fall Sprudelwasser, dekorativ aufgewertet mit einer kleinen Frucht. Geschmacklich überraschend unaufdringlich – es wurde vorsorglich darauf geachtet, dass die Frucht keinen Eigengeschmack abgibt und das Wässerchen nicht versehentlich geschmacklich verfälscht. Aber in der Präsentation sieht man durchaus Ansätze von Ambitionen.

Dann dürfen wir uns aussuchen, ob wir heute Abend den inkludierten Drive machen möchten – morgen früh oder morgen Nachmittag. Wir wählen: morgen früh. Uns gefällt die Vorstellung dem Berg bei aufgehender Sonne ins Auge zu schauen.

Später sehen wir das Fahrzeug für die Tour, da finden sechzehn Persönlichkeiten samt ihren Meinungen Platz. Unsere Lust schwindet augenblicklich. Wir setzen uns ein Limit: Sechs Personen sind okay, drüber beginnt unsere Unverträglichkeit, dann verzichten wir lieber. Glücklicherweise klärt sich schnell – alle anderen reisen ab. Wir sind allein. Jackpot.

Die Lodge überzeugt sofort. Leider auch die zwei Busse am Parkplatz. Wir sind inzwischen schon ziemlich voreingenommen und werden das Gefühl von Reisegruppen verfolgt zu werden, langsam nicht mehr los.

Aber jetzt kommen wir erst mal an. Unser Gepäck wird auf einen Golfwagen gepackt – wir gleich mit. Dann gurken wir über den Steg, gesteuert von einer Mitarbeiterin, die die engen Kurven elegant meistert. Die Fahrt dauert ein bisschen, und die Aussicht ist zum Verlieben.



Zwischen den Chalets wurde ein angenehmer Abstand eingehalten. Wir haben das letzte. Es liegt vor einem großen Felsen. Später sehen wir, dass sich hinter diesem noch zwei weitere verstecken – aber dank seiner Barriere genießen wir wunderbaren Sichtschutz.

Der Blick nach innen hat Wow-Effekt: großzügig, durchdacht, einladend. Eine große Kofferablage, keine verzogenen Türen, ein geräumiges Badezimmer mit großer Dusche und zuverlässig heißem Wasser.

Ringsum lassen sich Fenster mit Fliegengitter versehen öffnen. Die Bodendielen und das Zeltdach bieten eine gute Belüftung. Den Ventilator werden wir kaum brauchen – die Luft zirkuliert angenehm.



Der Weg zum Restaurant fordert einen Fußmarsch von schätzungsweise einer Viertelstunde in gemütlichem Tempo.
Meines Wissens kann man sich auch mit dem Golfwagen fahren lassen. Aber die letzten Chalets liegen nun mal am schönsten – ruhig und privat.




Sollte jemand eines dieser Häuschen bewohnen und erst am Pool bemerken, dass er sein Handy im Zimmer vergessen hat, könnte er sich fragen, ob jetzt vielleicht der Moment gekommen ist, zu testen, ob er körperlichen oder seelischen Schaden nimmt, wenn er für ein–zwei Stunden versucht, ohne zu überleben.

Es ist ratsam, zum Dinner eine Taschenlampe mitzunehmen. Der Weg ist bei Dunkelheit kaum beleuchtet – und das gefällt uns. Denn wenn der Himmel wolkenlos ist, bekommen Mond und Sterne ihre Bühne. 

Im Chalet angekommen, richten wir uns ein, duschen, trinken auf unserer wunderbaren Terrasse einen Kaffee und lassen die fantastische Aussicht auf uns wirken. Der Himmel hat sich inzwischen ordentlich zugezogen.

Am frühen Abend machen wir uns auf den Weg zum Sundowner auf dem Sonnendeck der Lodge.


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zuletzt bearbeitet 09. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202309. Sept. 2026 ·
Kaum lassen wir uns mit unserem Cocktail in den Sessel fallen, kommen nach und nach die zwei Reisegruppen an den Pool, wohl ebenfalls in der Absicht, den Sonnenuntergang zu genießen – aber eben auf ihre ganz eigene Art.

Die einen hören Musik auf ihrem Handy – scheinbar in der Annahme, dass jeder im Umkreis von einem halben Kilometer mithören möchte. Sie glauben offenbar, ihr Musikgeschmack erfreue jedes Ohr. Andere telefonieren mit Lautsprechanlage – es wäre ja unverantwortlich, wenn wir uns von ihrer Konversation ausgeschlossen fühlen würden. Und dann gibt es noch die Fußballfans, die das Spiel in voller Lautstärke verfolgen – samt dem dazugehörigen Gegröle.




Bei künstlicher Beschallung im Urlaub schwillt mir der Kamm. Da bekomme ich Kragenweite XXL und wünschte mir, solche Leute würden ihren Urlaub in abgelegenen Selbstversorgerunterkünften verbringen – wo sie niemanden nerven können. Nicht alle Reisegruppen, aber Gäste wie diese verdienen Hausverbot. Was ist so schwer daran, einfach nur den Moment in Stille zu genießen?

Dann ist es Zeit fürs Dinner. Anstelle einer Speisekarte liegt eine Menükarte auf dem Tisch. Aha – keine Auswahl, hier lautet die Devise: Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Die Teller wurden durchaus kreativ angerichtet und sind optisch beeindruckend. Geschmacklich… na ja, vielleicht sind wir Gourmet-Banausen. Unser Ding sind sie nicht. Wir essen sie, überleben es auch, aber wir hoffen, dass unser Gusto morgen besser bedient wird.



Nach dem Dessert sind wir für heute durch. Wir genießen unseren romantischen Spaziergang zum Chalet. Die Luft ist lauschig, der Himmel bewölkt. An eine Taschenlampe haben wir zwar nicht gedacht, aber dank unserer Handys stolpern wir nicht gänzlich blind durch die Nacht.

Unter unserem Chalet tagt gerade die große Sattelheuschrecken-Konferenz. Uuui – eine wahre Invasion, die als Vorlage für einen Horrorfilm taugen würde. Schüttel… Zum Glück steht unser Häuschen auf Stelzen und ist rundum mit Fliegengittern gesichert. Drinnen müssen wir keinen ungebetenen Besuch dieser Art fürchten.



Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version
zuletzt bearbeitet 10. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202309. Sept. 2026 ·

Sonntag 18. Mai

Wer rauf will, muss auch wieder runter - nur wie?

Ausgeruht stehen wir auf, spritzen uns ein bisschen Wasser ins Gesicht und springen in unsere Klamotten. Wir sind gut in der Zeit und genießen den morgendlichen Spaziergang zum Parkplatz.

Die Heuschrecken-Konferenz scheint beendet zu sein. Keine Ahnung, welches Insektenmassaker in der Nacht hier stattgefunden hat – der Weg ist gepflastert mit Leichen, und wir laufen im Ekelmodus und leichtem Slalom über den Schlachtplatz mit hunderten von Todeskandidaten.

Beim großen Baum mit den beeindruckend vielen Webervogelnestern warten wir nur kurz auf unsere Abholung. Der Jeep, gelenkt von einer Mitarbeiterin, rollt pünktlich vor unsere Füße. Wir schwingen unseren Hintern in den Wagen und haben freie Platzwahl.



Die Mitarbeiterin ist entweder eher von der schweigsamen Sorte Mensch, oder noch auf der Suche nach ihrer Motivation. Jedenfalls ist sie nicht sonderlich mitteilsam. Wir lassen sie in ruhe ihren eigenen Gedanken nachhängen. Fahren kann sie aber, das muss man ihr lassen.
Wir werden allerdings den Eindruck nicht los, dass sie bewusst versucht, so viele Heuschrecken wie möglich ins Jenseits zu befördern. Naja, es gibt genug, die Verkehrsleichen machen dem Tierbestand wahrscheinlich nicht wirklich was aus.

Wir holpern über die Feldwege und verspüren eine leichte Namibia-Massage. Nach ein paar Minuten entdecken wir einige Zebras. Wir stoppen und beobachten sie eine Weile. Ob es die von gestern sind, lässt sich schwer sagen. Sie tragen alle die gleiche Uniform.



Wir fahren weiter, denn das Bushman‑Paradise wartet auf uns. Es ist ein Felsen, der mit einem Zaun gesichert und abgeschlossen ist, weil leider manch einer versucht hat, diese uralten Malereien mit seiner persönlichen „abstrakten Kunst“ zu ergänzen. 

Wir zählen nicht unbedingt zu den Enthusiasten der Felsenmalerei. Aber wir haben doch ein wenig mehr erwartet als ein Rhino, dessen Horn angeblich in Wasserrichtung zeigt, und einen Löwen, der ebenfalls im Gestein verewigt wurde. Mehr Hintergrundwissen wird uns auch nicht vermittelt.

Wenn ich ehrlich bin, hätte ich dafür nicht extra Geld bezahlen wollen. Viel zu erzählen weiß die Mitarbeiterin jedenfalls nicht (die Motivation ist anscheinend heute winkend an ihr vorbeigelaufen), was den Stopp nicht unbedingt interessanter macht. Wir bleiben nicht länger als fünf Minuten und tun ein bisschen interessiert. Dann steigen wir wieder in den Wagen.

Die Fahrt durch die Natur gefällt uns dafür deutlich besser. Die Felslandschaft ist unglaublich schön.



Wir stoppen am Zebra‑Pool. Als ich den Namen zum ersten Mal las, dachte ich tatsächlich, es handele sich um einen Wassertümpel, an dem sich häufig Zebras versammeln – ähnlich wie ein Hippo‑Pool. Aber der Name täuscht: Er bezieht sich auf die Streifen, die durch die Gesteinsschichten entstanden sind. Unsere Guide weiß auch hier nichts zum Erzählen. Aber eine schöne Aussicht haben wir allemal.

Es ist ein natürliches Felsenbecken, das sich mit Regenwasser füllt – und damit zu einer temporären Kneipp‑Oase wird. Im Moment hätten wir gute Karten zum Wasserstampfen. Die Tiefe des Beckens wäre heute sogar für eine Runde Aquagymnastik ausreichend.

Vom Parkplatz aus ist der Zebra‑Pool nicht zu sehen. Wir müssen ein Stück den Felsen hochkraxeln, was angesichts seiner glatten Oberfläche gar nicht so einfach für mich ist. Ich kann mich nirgends festhalten und habe Sorge, mit meinen Sneakern abzurutschen. Ein Wanderschuh wäre hier eindeutig die bessere Wahl. Zu meinem Glück geht es weder weit noch steil nach oben.

Das Wetter lädt heute nicht unbedingt zum Baden ein. Der Himmel ist bedeckt, und der Wind würde einen Perückenträger skalpieren. Kalt ist es auch. Wer heute hier untertaucht, verdient einen Orden.



Weiter geht es zum Rock Arch – dem Felsenbogen. Den Zugang durch eine schmale Felsspalte hätten wir allein wahrscheinlich nicht gefunden. Wie schon beim Zebra‑Pool habe ich auch hier keinen sicheren Tritt beim Hochkraxeln.

Ich staune umso mehr, wenn ich mir ansehe, welche Outfits die jungen Mädchen tragen: lange Kleidchen – vom Winde verweht – fürs Fotoshooting und Flip‑Flops. Wie schaffen die es mit ihren Zehenlappen da hoch?

Tapfer kämpfe ich mich bis nach oben – ohne darüber nachzudenken, dass ich auch wieder irgendwie da runter muss.

Leider wird der Bogen dauerhaft von einem Pärchen besetzt, sodass ich im schönsten Licht kein Foto ohne menschliches Portrait machen kann.

Ganz oben angekommen, bietet uns die Mitarbeiterin der Lodge an, den Fotografen für uns zu spielen. Der Wind ist der Meinung, ich brauche ein neues Haarstyling. Schön sieht anders aus – aber ich habe immerhin ein Beweisfoto, dass ich wirklich da war.



Dann holt mich die Verdrängung mit voller Wucht ein: Ich muss ja auch wieder irgendwie da runter. Ich überlege. Auf dem Hintern rutschen? Dann habe ich unten angekommen mit Sicherheit ein riesiges Loch in der Buchse. Geradeaus? Geht schon mal gar nicht. Uwe bietet an, vorzugehen und mir seine Hand zu reichen – ich probiere es. Fühlt sich schrecklich an. Nein, nein, nein… das geht alles nicht. Rückwärts im Vierfüßler? Noch peinlicher als alles, was mich ohnehin schon in Schamesröte taucht. Seitlich scheint die beste Option zu sein, in der Hoffnung, niemanden der hier Anwesenden je wieder zu sehen. 

Hurra, ich bin unten. Kein Knie verdreht, kein Knöchel verknackt – nur der Schmerz der Blamage hängt noch an mir. Aber auch der wird vergehen. 

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zuletzt bearbeitet 09. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202309. Sept. 2026 ·

Indiana-Jones lässt grüßen – wo ist die goldene Schlange?

Die Fahrt geht weiter. Den Rock Arch lassen wir hinter uns. Jetzt geht es auf die Suche nach der goldenen Schlange. Wir halten erneut. Zwei aneinandergelehnte Felsen bilden eine Spalte, die wie eine Pforte wirkt, die in einen geheimen Tempel führt. Einige Felsbrocken liegen verstreut im Zutrittsbereich. Alles hat eine leicht mystische Anmutung. In einem Film könnte dies das Portal zu einem verborgenen Heiligtum sein.



Hier soll also die goldene Schlange verborgen sein. Ein bisschen Indiana‑Jones‑Feeling liegt in der Luft. Es ist dunkel, unsere Augen brauchen einen Moment, um sich anzupassen.

Wir quetschen uns durch schmale Gänge. Eine Spalte wird von zwei Felsblöcken blockiert, die aussehen wie eine umgekippte Figur. Wir steigen über Steine und Baumwurzeln und achten darauf, nicht zu stolpern.

Es sind nur ein paar Schritte, dann bleibt unsere Reiseführerin stehen und zeigt auf eine Wandbemalung: eine große Schlange. Jaaa, die sehe ich auf Anhieb. Der goldene Touch fehlt ihr im Moment allerdings – das Festtagsgewand trägt sie vermutlich nur, wenn die Sonnenstrahlen durch einen Felsenspalt fallen und ihr den Bauch wärmen.

Wir warten auf die Geschichte… und warten… und warten. Dann kommt der Schlusssatz: Der Künstler wollte zeigen, dass es hier unterschiedlich gefährliche Schlangen gab. Ahhhh…

Das war’s. Mehr als diesen einen Satz hören wir nicht. Kurz. Prägnant. Auf den Punkt. Tja, es braucht eben nicht jeder so viele Worte wie ich.

Wegen mir muss das hier auch nicht künstlich in die Länge gezogen werden. Dann auf zum Frühstück.



Fazit: In Bezug auf die Naturkulisse finde ich den Drive sehr schön. Der kulturelle Hintergrund war für uns jetzt nicht sooo spannend. Bei einem Aufenthalt von zwei Nächten ist die Tour wie bereits erwähnt, inkludiert. Sie kann auch separat gebucht werden. Dann kostet sie pro Person ca. 15€. Mir wäre der Drive das Geld nicht wert gewesen. Den Rock Arche und den Zebra Pool kann man auch in Eigenregie besuchen und die Felsmalereien…naja, wenn sich jemand richtig dafür begeistern kann, warum nicht.
Der Drive dauert in etwa zwei Stunden.

Nach unserer Rückkehr zur Lodge zieht es uns schnurstracks zum Restaurant. Auf zur Frühstücksmission. Wir sind die einzigen Gäste. Wir wählen den Logen-Platz am Fenster und haben Frühstück mit Aussicht.

Während wir unsere Mission erfüllen und das Angebot des Buffets dezimieren, wird uns Vogelkino geboten.
Der Pool wird gerade gereinigt. Wir beobachten, wie einige Vögel im Flug versuchen ihre Snacks zu fangen.
Andere sind schlauer, sie warten bis der Pool-Reiniger sein Netz auf dem Stein ausklopft. Dann stürzen sie sich auf die Wasserleichen.
Schlaue Kerlchen, eingeweichte Insekten sind bestimmt schön saftig.



Angesichts der Entfernung zum Chalet schalten wir in den Energiesparmodus und planen taktisch. Unser Häuschen liegt ja sozusagen im „Funkloch“, weshalb wir unser Basislager auf die Liegestühle am Pool verlegen. Hier gibt es WLAN. Wir lassen es uns in der mittlerweile warmen Sonne gutgehen, lesen, schreiben, chillen und genießen die Ruhe.

Mein Kaffee, gehörte zur Sorte „To Go“. Er schickt mich mehrmals zum Tempel der Erleichterung. Ich nehme die Abkürzung zwischen den Felsen, wo einige Büsche wachsen, die sich verdächtig bewegen.
Meine Neugier ist sofort geweckt. Mit suchendem Blick scanne ich das Blattwerk.
Da entdecke ich zwischen den Astgabeln mehrere Dassis. Kaum vier Meter von mir entfernt, rund und putzig sehen sie mich mit ihren Knopfaugen an.



Ich bleibe natürlich stehen, nach und nach hüpft eine ganze Kinderstube aus den Felsspalten hervor. Die Tiere lassen sich durch mich nicht stören. Sie spielen und tollen miteinander herum. Ich bin hin und weg. So gerne würde ich Uwe rufen, der nur ein paar Meter weiter auf einem Liegestuhl liegt. Aber ich weiß: Ein Ton und die Show ist vorbei. Also entscheide ich mich fürs stille Genießen.

Während ich das tue, sehe ich im Augenwinkel eine Bewegung und drehe den Kopf. Da huscht eine bildhübsche Siedleragame über den Felsen und bleibt einen Moment sitzen. Gerade lange genug, damit ich ein Foto machen kann, dann macht sie sich aus dem Staub.
Der Vormittag entwickelt sich zu einem Energiespar-Buschwalk mit Kleintier-Sichtung. So liebe ich chillen.



Gegen späten Vormittag schlendern wir gemütlich zu unserem Häuschen. Die Terrasse ist perfekt, die Aussicht der absolute Traum. Hier geht die Sattelheuschrecken-Doku weiter.



Auf unserem Solarpanel neben der Terrasse herrscht Heuschrecken-Rushhour. Da gibt es kein vor und kein Zurück mehr. Die müssten doch ein leichtes Fresschen für die Vögel sein. Hängen sie ihnen bei dem Überangebot schon zum Hals raus? Sie könnten bequem aus dem Vollen schöpfen.
Oder sind die Portionen einfach zu groß? Der Panzer zu hart? Wir kommen zu dem Schluss: Die Vögel könnten sich auch als Straßenreiniger nützlich machen und die Leichen vom Weg entfernen. Da wäre der Braten direkt schon tranchiert.

Oh weh, ich denke, es ist an der Zeit, dass wir wieder ein bisschen mehr Großwild sehen. Heuschrecken-Feldforschung haben wir inzwischen reichlich betrieben. Ihr müsst aber zugeben, dass sie durchaus krimitauglich wären.

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zuletzt bearbeitet 09. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202309. Sept. 2026 ·
Am Nachmittag meldet sich der kleine Hunger, und ein Kaffee wäre toll. Wir schlendern wieder hoch zum Pool.



Verwöhnt von anderen Lodges suche ich ganz selbstverständlich die Kaffeestation. Die wurde allerdings noch nicht vorbereitet. Wir warten eine halbe Stunde – aber da kommt nix, gibt nix. Blöd gelaufen.

Okay, dann trinken wir halt einen Cocktail am Pool. Ich bestelle mir eine Piña Colada, Uwe wählt alkoholfrei. In dem Moment, als die Bar-Dame mein Glas auf den Tisch neben meinen Liegestuhl stellen möchte, gerät ihr Tablett in Schräglage, und der halbe Cocktail wird verschüttet. Sie entschuldigt sich, lässt mir das halbe Glas und bringt mir zusätzlich noch einen neuen.

Okay, das ist zwar lieb gemeint, aber jetzt sieht es schon ein bisschen nach schwerem Alkoholproblem aus. Als hätte ich mir gleich zwei bestellt. Peinlich… aber peinlich kann ich ja inzwischen. Nach dem halben Glas merke ich schon: Laufen ohne Geländer? Keine gute Idee.



Wir ziehen uns in unser Chalet zurück, ich muss mich bei Uwe einhaken. Aber es wird mit der Zeit besser – oder ich gewöhne mich an meinen Kamelschritt. Auch gut. Mir steht nämlich der Sinn nach einem kleinen Spaziergang. Uwe hat keine Lust, also mache ich mich allein auf den Weg. Die Berge werden langsam in rotgoldenes Licht getaucht, und am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Ein traumhaftes Naturschauspiel. Ich liebe die Landschaft hier sehr. Da geht mir das Herz auf.

Sonderlich weit komme ich allerdings nicht, dann ist Ende Gelände – ein Zaun versperrt mir den Weg. Nu gut, dann halt zurück. Am Fuß der Hügel stehen ein paar Zebras im Veld und grasen. Sie haben mich fest im Blick, und leider sind sie für ein Beweisfoto zu weit weg. Schön ist es trotzdem. Es fühlt sich so gut an, hier in dieser Weite und Stille spazieren zu gehen.



Die Zebras setzen sich wieder in Bewegung und ich auch - Richtung Heimathafen. Gemeinsam mit Uwe genieße ich den Weg zum Restaurant und die schöne Abendstimmung. Das heutige Dinner schmeckt uns übrigens deutlich besser als gestern.






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Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202309. Sept. 2026 ·

Montag 19. Mai

Es ist immer schwierig, schon am Vortag zu entscheiden, wann man frühstücken möchte. Wir haben uns auf 8.00 Uhr angemeldet, sind aber schon beim ersten Morgengrauen wach. Die Zeit nutzen wir, um unsere Pferde zu satteln, und dann nehmen wir einen ersten Kaffee auf unserer Terrasse.

Hinter den Bergen bricht der Morgen an, und das Licht schleicht langsam über die Gipfel. Es ist sooo eine grandiose Atmosphäre: Stille, Weite, lauschige Temperaturen, Uwe neben mir – und ein Herz voller Dankbarkeit und Zufriedenheit. Ich wünschte, jeder Tag meines Lebens könnte so beginnen.

Auch der morgendliche Spaziergang zum Restaurant ist wieder ein Genuss für die Sinne. In den kühlen Morgen -und Abendstunden läuft es sich sehr angenehm. Die Bewegung tut gut, und die felsige Umgebung ist märchenhaft schön. Es fehlt nur noch, dass ein Droll zwischen den Steinen sitzt – oder ein Dassie.



Am Fenster sitzend beobachten wir wieder wie, draußen das morgendliche Naturschauspiel beginnt. Vögel flattern um den Pool und sind damit beschäftigt, an ihrer Umfangsoptimierung zu arbeiten. Manche schnappen im Flug nach Schnarrheuschrecken. Die halten wir im ersten Moment wegen ihrer roten Flügel sogar für Schmetterlinge. Aber nein – wenn sie sich absetzen, verrät ihr Aussehen, welches einem Stück Baumrinde ähnelt, dass sie nur bluffen und in Wahrheit eben doch nur Heuschrecken sind.

Natürlich beobachten wir auch heute wieder die Flattermänner im Energiesparmodus, die das Netz des Poolreinigers hypnotisieren und auf saftige Wasserleichen warten.

Wer eine Heuschrecke oder ein anderes Insekt erfolgreich in seinen Fängen hat, muss sofort einige Kollegen abwehren, die ihm seinen Gaumenschmaus streitig machen möchten. Ein kleiner Vogel muss sich sogar mit einer großen Sattelheuschrecke anlegen, um seine Beute nicht zu verlieren. Ist das zu fassen?

In den Felsspalten turnt bereits der Dassie-Kindergarten herum. Die kleinen Fellnasen klettern über die Steine, kullern übereinander und schnuppern neugierig in jede Ritze. Früh übt sich, wer später im Leben die Überlebens-Tricks draufhaben will…

Ihnen bei ihren akrobatischen Übungen zuzusehen, lässt mein Herz Purzelbäume schlagen. Unsere Frühstückszeit gestaltet sich wieder einmal äußerst unterhaltsam. Freu, Freu!



Danach heißt es Check-out: Koffer verstaut und Schlüssel abgegeben. Es hat uns hier super gut gefallen. Einzig der Drive hätte nicht sein müssen. Das Essen ist nicht der Knaller, aber völlig in Ordnung. Die Chalets sind dafür ein Traum – vor allem die am Ende der Reihe.


Twyfeksfontein Adventure Camp - und wie das so ist mit hohen Erwartungen

Auf zum nächsten Abenteuer. Natürlich hoffen wir auf ein Rendezvous mit den legendären Wüstenelefanten. Ein bisschen majestätische Präsenz, wäre jetzt sehr willkommen.

Die D1930 zieht sich wie ein staubiges Band aus Schotter vorbei an traumhaft schönen Landstrichen. Melonen gibt es unterwegs auch. Ich staune. Sie wachsen einfach am Straßenrand. Mir scheint, wir sind irgendwo versehentlich auf die Melones-Avenue abgebogen.

Irgendwann sind wir schließlich auf der C35. Hier ist die Fullbody-Massage mit Schütteltrauma wieder inklusive. 


Entlang der Straße reihen sich erstaunlich viele „Shopping-Center“ – einfache Holzverschläge, in denen Steine, Feuerholz oder Herero-Kleidung angeboten werden. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die Kleidung tatsächlich zum Verkauf steht oder eher als modernes Firmenlogo dient, um Aufmerksamkeit zu erregen. Falls Letzteres zutrifft: Bingo. Es funktioniert hervorragend.

Kinder wie Erwachsene laufen uns vors Auto, um uns zum Anhalten zu bewegen. Wir hupen und rollen vorsichtig mit geschlossenen Fenstern im Schritttempo weiter. Kurz stelle ich mir vor, wie ich wohl in einem Herero-Kleidchen aussehe – und habe sofort das Bild eines Sofakissens auf zwei Beinen vor Augen.

An vielen Ständen winken uns Kinder mit Wasserflaschen – bettelnd oder auffordernd.

Einige Himba- und Herero-Frauen haben sich zusammengeschlossen. Die Herero-Frauen verbeugen sich regelrecht vor uns, während die Himba mit stolzer Präsenz und Leidenschaft tanzen. Sie haben sich hübsch hergerichtet. Vermutlich hoffen sie auf einen kleinen Lohn für die Tanzvorstellung oder ihre demütige Haltung.

Wir würden ja gerne jemandem ein kleines Einkommen ermöglichen, haben aber Sorge, in Sekundenschnelle von Menschen umringt zu werden, die uns ebenfalls etwas anbieten oder betteln. Also vermeiden wir eine Situation, mit der wir nicht umgehen können und fahren an ihnen vorbei – im Schlepptau ein schlechtes Gewissen, weil die Menschen auch nur versuchen zu überleben.

Abgesehen von diesem schwierigen emotionalen Abschnitt ist die heutige Strecke märchenhaft schön – wie gemalt. Bis hinauf zu den Gipfeln der Erongo-Hügel wachsen Gräser, Blumen, Büsche und Bäume. Wir überqueren den Huab und andere Trockenflüsse, deren Sandbetten immer noch feucht sind. Die Natur darf nach den Dürrejahren endlich wieder durchatmen.



Plötzlich taucht ein Elefant am Flussufer auf. Direkt am Straßenrand zeigt er sein Seitenprofil er macht keine Anstalten sich zu bewegen, während wir langsam näherkommen…Wenn auch nur auf einem Verkehrsschild. Haaa – reingefallen. 🤩 🤩

Nach gut vier Stunden Panoramafahrt inklusive kostenloser Rüttelmassage auf der Landstraße erreichen wir das Camp. Der Zufahrtsweg führt direkt an den Zelten vorbei – und wir hoffen, dass dies nicht die Premium-Zelte sind. Diese erinnern mehr an eine Reihenhaussiedlung mit privater Autobahnzufahrt.

Beim Check-in ist man darum bemüht, nicht allzu überschwänglich herzlich aufzutreten. Dafür dürfen wir direkt unsere Residenz beziehen, die sich – Trommelwirbel – gleich an zweiter Stelle neben der Küche und dem Restaurant befindet - mit privater Autobahnzufahrt.

Jeder Fußgänger und jedes Fahrzeug müssen an unserem Zelt vorbei, und der Kies unter den Rädern oder Sohlen, knirscht verräterisch. Sollte etwas interessantes passieren - ich werde es mitbekommen! Die Zelte stehen so dicht beieinander, dass wir bei offenen Rollos bequem den Tagesablauf unserer Nachbarn dokumentieren könnten.

Abgesehen davon ist die Aussicht aber Mega.



Beim Öffnen der Tür überrollt uns eine Hitzewelle wie aus dem Backofen. Wir reißen die Rollos auf und sorgen für Durchzug. Das funktioniert sogar besser als erwartet.

Die Inneneinrichtung hat aber wahrlich Wow Effekt. Es ist sehr stylisch eingerichtet und schön geräumig. Die Dusche punktet auch. Sie ist groß und hat einen guten Wasserdruck. Hier drin gibt es nichts zu meckern. Der Durchzug sorgt auch schnell für ein angenehmeres Raumklima.



Wir wissen: Oben auf dem Berg hinter dem Restaurant gibt es eine Bar mit spektakulärer Aussicht – ideal, um den Sundowner zu zelebrieren. Das ist für diesen Tag der letzte Kraftakt, zu dem wir bereit sind – sofern die Temperaturen rechtzeitig auf ein Niveau sinken, das uns nicht weiter flambieren möchte und uns erlaubt, wieder ohne Lungenröstung zu atmen. 

Aber jetzt ruft erst einmal eine erfrischende Dusche. Dann sind wir bereit das kulinarische Niemandsland zwischen Frühstück und Dinner zu überbrücken und uns im Restaurant an der Kaffeestation zu bedienen. Doch statt Kuchen, wird Gobi-Keks angeboten – Staubt schon beim Hingucken. Na gut, dann halt nur Kaffee. Obwohl…irgendeine Alternative wäre schon nicht schlecht. 

Während ich gedanklich den Konditor besuche, wird am Nebentisch eine Portion Eis serviert. Ohhh – das inspiriert mich doch zur Nachahmung. Wir fackeln nicht lange: und plädieren für Gleichbehandlung. Für uns bitte dasselbe. Da spüre ich doch gleich wie die Glückshormone durch meinem Körper tanzen. Denn kaum hingesetzt, sind wir schon reif für die nächste Dusche. Der Aggregatzustand tendiert eindeutig Richtung Dampfwolke. Abkühlung von innen ist wünschenswert.

Manchmal streicht uns ein sanftes Lüftchen über die Haut, mehr eingebildet als real. Doch nach einem Viertel Stündlein wird es aufbrausend. Es mutiert förmlich zu einem Sturm. Innerhalb von wenigen Minuten kühlt das Klima ab und erreicht Wohlfühltemperatur. Wow, eine natürliche Klimaanlage wie auf Bestellung.



Eis genießen, Leute beobachten – das verleiht manchem Urlaubstag eine unterhaltsame Würze.
An der Rezeption entfaltet sich eine kleine Szene: Zwei Männer möchten einchecken, doch ihre Reiseagentur hat offenbar ein Kommunikations-Desaster angerichtet. Völlig außer sich reagieren sie auf die Zuweisung eines Zeltes – eine Option, die sie kategorisch ausgeschlossen hatten. 

Während der Mitarbeiter an der Rezeption seine Ratlosigkeit mit bemerkenswerter Gelassenheit zelebriert, telefoniert einer der Gäste hitzig mit der Agentur. Doch der wortreiche Schlagabtausch führt zu keiner Lösung: Hier gibt es keine Alternativen, und für eine Weiterreise ist es mittlerweile zu spät. Widerwillig stimmen sie einer Übernachtung zu – für eine Nacht.

Der Rezeptionist sieht zufrieden aus. Auf seiner Stirn steht geschrieben: „Hätte ich dir gleich sagen können, aber wenn du auf Theater stehst…“

Die beiden Männer ziehen unsere Aufmerksamkeit weiter an. Nicht weit von uns sitzt ein junges Pärchen. Zwischen den Männern und den beiden entsteht ein Gespräch. Daraus entwickelt sich eine Anhänglichkeit, die keine Menschenseele auf diesem Planeten haben möchte.

Einer von ihnen textet die beiden so penetrant zu, dass selbst wir uns eine extra Portion geräuschdämmenden Ohrenschmalz wünschen. Ganz offensichtlich gehört er zur Vereinigung diplomierter Besserwisser. Ihm ist sehr daran gelegen, dass sich die beiden für seine Urlaubsgeschichten und Fotos rund um den Globus interessieren -für seine Heldentaten und sein beeindruckendes Wissen. Bei manchen seiner Behauptungen haut es mir schier den Nuckel raus.

Die beiden hilflosen jungen Leute sind viel zu nett, um das Gespräch unmissverständlich zu beenden. Wir hören mehrmals subtile Hinweise à la:, „Danke, fühl dich frei, auch andere Leute kennenzulernen.“

Doch auf dem Ohr hört der Mann nichts. Uns wird das Ganze bald zu viel. Wir ziehen uns zurück - nicht, dass er die Botschaft doch noch deschiffriert und womöglich uns seine ungeteilte Aufmerksamkeit schenkt.

Am frühen Abend nehmen wir die Felsentreppe zum Aussichtsspot in Angriff. Ich muss meinen altbewährten Trick anwenden und aus der erhöhten Position ein paar Fotos machen, bis ich wieder auf menschliche Atemfrequenz komme. Auf halber Höhe habe ich einen tollen Blick auf den Pool und das Restaurant, wo die Mitarbeiter bereits den Grill anfeuern.



Keuchend erreiche ich das Plateau. Endlich geschafft – Neeein, doch noch nicht. Der Weg windet sich um einen letzten Felsen, bevor ich tatsächlich oben bin. Aber was für eine Belohnung?
Die Aussicht ist fantastisch, der Himmel gießt bereits sein Honigtöpfchen über die Berge und Landschaften.



In Blickrichtung des Sonnenuntergangs warten einladende Stühle auf uns. Mit einer berauschenden Aussicht habe ich gerechnet, aber nicht mit dem Komfort auf einem Stuhl sitzen zu können- bin einigermaßen begeistert. Ich lasse mich nicht lange bitten und plumpse auf einen der Stühle. Uwe holt uns kühle Getränke und nach und nach finden auch die anderen Stühle einen dankbaren Abnehmer. Wer keinen mehr ergattern kann, setzt sich auf einen Felsen, was ja auch passend für einen Sundowner ist.



Die Szene ist perfekt. Wir haben einen weiten Blick ins Tal und auf die dahinter liegenden Berge. Die Gäste sitzen verteilt auf Stühlen, auf Felsen, mit Gläsern und ihrer Kamera in der Hand. Es wird geschwiegen oder geflüstert, so dass wir die Abendmusik der Vögel hören können. Auch das junge Pärchen hat den Aufstieg auf sich genommen und genießt seine Zweisamkeit auf einem Felsen sitzend.



Doch dann wird die Stille jäh von einer Stimme unterbrochen, die wir heute schon ausgiebig gehört haben. Mr. diplomierter Besserwisser hat den Aufstieg auch geschafft. Er entdeckt das Pärchen. Die Möglichkeit, dass sich die jungen Leute vielleicht nicht in unaussprechlichen Maße über seine Gesellschaft freuen, liegt außerhalb seiner Vorstellungskraft. Ihre bloße Anwesenheit wird als Einladung interpretiert, sich neben sie zu setzen und sie wieder an seinen unerschöpflichen Weisheiten teilhaben zu lassen.

Vorbei ist es mit Stille und Vogelgezwitscher.
Mit dem letzten Licht schiebt sich die Menschentraube langsam Richtung Felsentreppe zurück. Runter geht es deutlich schneller als rauf.



Im Restaurant sind schon einige Gäste am Essen und auch wir suchen uns direkt einen Tisch. Ich muss nicht erwähnen, dass unser bemitleidenswertes Pärchen ihre Urlaubsbekanntschaft auch beim Essen nicht loswird.

An der Rezeption wurde uns mitgeteilt, dass wir die Huab-Elefanten-Tour heute Abend beim Guide buchen können. Er käme zu den Tischen. Wir sehen ihn erst, als wir schon fast fertig sind mit Essen. Eigentlich würden wir jetzt gerne gehen. Aber er wird von einem Paar sicher zwanzig Minuten in ein Gespräch verwickelt und bevor er an unserem Tisch ankommt, sind noch andere vor uns dran. Wir warten eine  geschlagene dreiviertel Stunde, bis er endlich bei uns ist. Dann buchen die Tour und können uns endlich mit der nötigen Bettschwere in unser Zelt zurückziehen.



Leider hören wir von jedem Fußgänger das Knirschen des Kieses unter seinen Schuhen. Manche Gäste, die am Ende der Zeltreihe logieren, sind sogar die paar Zentimeter mit dem Auto gefahren. Das hören wir natürlich auch. Genauso wie die Gespräche der letzten Mitarbeiter und als diese dann ebenfalls Feierabend haben und wegfahren.
Mit dem Wunsch, morgen Elefanten zu sehen, schlafen wir heute zur Open-Air-Inszenierung der kleinen Nachtmusik ein – in Besetzung: Schuhsohlen, Autoreifen und Feierabendgespräche.
Gute Nacht Namibia!

Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version
zuletzt bearbeitet 11. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202310. Sept. 2026 ·

Dienstag 20. Mai

Wintereinbruch in Namibia

Die Nacht war ziemlich „freshly“ – im wahrsten Sinne. Kaum hebe ich die Bettdecke an, bekomme ich augenblicklich so etwas wie Gefrierbrand. Es ist schweinekalt! In Rekordgeschwindigkeit bin ich angezogen – und zwar mit allem, was irgendwie Wärme verspricht. Kaum zu glauben, dass uns gestern noch bei 38 Grad die Schwarte gegrillt wurde. Jetzt ist es sieben Uhr morgens, und die Wetter-App zeigt dreizehn Grad, die sich anfühlen wie sieben – faktisch also 25° Grad weniger als gestern Nachmittag. Ein Blick in den Himmel verrät: Heute ist der Winter eingekehrt.

Die Aussicht auf eine Fahrt im offenen Wagen – plus noch ein paar Grad weniger durch den Fahrtwind – lässt meine Vorfreude auf den Huab-Elefanten-Ausflug rapide schrumpfen. Bei der Vorstellung, einen halben Tag lang mit klappernden Zähnen unterwegs zu sein, würde ich die Tour am liebsten canceln. Aber wir sind ja überhaupt nur wegen dieser Tour hier. Und im Zelt ist es auch arschkalt. Hier gibt es nirgends die Möglichkeit, sich aufzuwärmen.

Nach dem Frühstück begeben wir uns zum Startplatz. Zwei Fahrzeuge sind startklar, und soweit wir das mitbekommen haben, werden beide voll besetzt sein.

Wir erkennen schon von Weitem Herrn diplomierten Besserwisser, wie er dabei ist, einem Guide ein Ohr abzukauen. Okay, offensichtlich fährt er im vorderen Jeep mit. Das bedeutet, dass unsere Füße automatisch den Weg zum zweiten Fahrzeug nehmen.

Das junge Pärchen kommt kurz nach uns und wird noch nicht von seiner Urlaubsbekanntschaft registriert. Wir winken ihnen zu und geben zu verstehen, dass in unserem Fahrzeug noch zwei Plätze frei sind. Sie nehmen den Hinweis dankbar an und klettern zu uns in den Wagen. Aber just in dem Moment, als sie sich setzen wollen, kommt unser Guide und zitiert sie wieder heraus. Sie wurden in die andere Gruppe eingeteilt.

Wie zwei Lämmer auf dem Weg zur Schlachtbank liefern sie sich wieder ihrem Ohrenkiller aus. Die Zwei tun mir echt leid. Sie erzählten uns, dass dieses Camp eigentlich nicht in ihrem Budget liegt und dass es eine Ausnahme ist. Oh weh – und dann gleich an beiden Tagen so ein Belästigungs-Desaster. Das ist echt bitter.

Bevor wir losfahren, holt uns Phillip, unser Guide, noch warme Ponchos für alle. Ein paar Shortträger steigen noch einmal aus und wechseln schnell die Hosen. Auch wenn es maßlos übertrieben aussieht und Uwe mich auslacht: Ich ziehe den Poncho von Phillip noch über meinen Mantel. Außerdem trage ich Mütze, Schal und Handschuhe. So, jetzt kann es losgehen. Damit sind meine letzten Bedenken, unterwegs erfrieren zu können, beseitigt. Die Kälte kann mich mal.

Um 8.00 Uhr starten wir. Unser Guide biegt ab und nimmt einen Feldweg unter die Räder. Nach etwa zwanzig Minuten entdecken wir einige Springböcke.



Der Himmel zeigt sich zwar in depressiver Stimmung, aber die Landschaft sieht dennoch malerisch aus. Das Flussufer des Huab ist dicht mit Büschen und Bäumen bewachsen. Phillip und der andere Guide suchen eine Stelle, an der sie die Böschung hinunter ins Flussbett fahren können.

Die beiden Männer steigen mehrmals aus, werfen einen Blick über die Uferkante und müssen zugeben, dass ein Versuch, dort hinunterzukommen, ein halsbrecherischer Akt wäre. Ein kurzer Blick genügt und sagt mehr als tausend Worte. Also wieder rein ins Auto und weiter zur nächsten Sackgasse.

Dieses Spiel wiederholt sich mehrmals. Irgendwann scheinen sie der Böschung eine Chance geben zu wollen. Phillip klettert hinunter, räumt ein bisschen Schwemmholz beiseite und gibt dem anderen Fahrer Anweisungen, wo und wie er fahren soll. Schon beim Zusehen stockt uns der Atem. Ob das gut geht? Natürlich tut es das. Die beiden fahren die Tour nicht zum ersten Mal und wissen, was geht und was nicht. Aber für uns fühlt es sich dramatisch an.

Jetzt sind wir dran. Phillip wird vom anderen Guide gelenkt. Es rumpelt und kracht, Zweige und Steine schlagen gegen den Unterboden. Wir krallen uns an den Handläufen fest, damit es uns nicht aus dem Jeep katapultiert. Die Fahrzeuge werden ordentlich auf Herz und Nieren geprüft. Schließlich stehen beide im noch feuchten Flussbett – eine reife Leistung.



Ich suche permanent das Gebüsch ab, immer in der Erwartung ein paar braune Ohren zu entdecken oder dass ein Elefant hinter einem Baum hervorkommt. Das ist aufregend und spannend. Aber was, wenn tatsächlich einer plötzlich vor uns auftaucht und der Meinung ist, dass wir hier nichts verloren haben? Ausweichen wäre unmöglich, bestenfalls Rückwärtsfahren aber rückwärts die Böschung hoch? Ausgeschlossen! Das macht diese Fahrt sehr abenteuerlich und spannend.

Vor lauter Schauen und Suchen merke ich gar nicht, dass unser Begleitfahrzeug  plötzlich weg ist. Die haben irgendeinen Seitenarm gewählt und wir sind jetzt allein was das Erlebnis noch einen Ticken schöner macht. 

Wir suchen nach frischen Elefanten-Spuren – und dazu eignet sich Dung ganz hervorragend. Denn wenn der Pub noch ein Dämpferl hat, ist der Eli nicht weit. Leider dampfen die Haufen, die wir finden, nicht mehr.

Wir fahren noch ein halbes Stündlein im Flussbett herum: Steilufer rauf und runter, im Gehölz hin und her, zeigen, was Fahrzeug und Fahrer können. Dann … da war doch was? Hat der Busch nicht gewackelt?
Doch – der bewegt sich, und Phillip fährt eine Kurve. Ja! Jetzt sehen ihn alle: Der erste Huab-Elefant zeigt uns erst seinen Kopf und dann seinen ganzen Körper … und es werden immer mehr braune Riesen sichtbar.



Wir sind alle im Fotorausch – nur geht eine Seite komplett leer aus, weil Phillip den Wagen so stellt, dass ausschließlich die andere freie Sicht hat. Ich sitze natürlich wieder auf der falschen Seite und habe konsequent Köpfe, Schultern oder fremde Kameras im Bild. Mir schwillt der Kamm. Wie kann ein Guide so unsensibel sein?

Uwe hat die bessere Sicht von uns beiden und übernimmt zwischendurch mein Handy, damit wenigstens ein paar brauchbare Fotos entstehen.

Phillip rangiert das Fahrzeug unermüdlich – aber immer zugunsten der anderen Seite. Dann endlich ist mir das Glück hold: Einige Elis tauchen direkt auf unserer Seite auf. Und was tut Phillip? Er schmeißt den Motor an und dreht den Wagen. Natürlich wieder zugunsten der anderen.

Selbst Uwe findet das inzwischen inakzeptabel und bittet ihn, das Fahrzeug so zu wenden, dass auch wir mal freie Sicht haben. Phillip folgt der Bitte – und endlich haben auch wir unseren Moment der Glückseligkeit.



Wir beobachten die Herde sehr lange, dann fahren wir weiter durch sehr idyllische Landschaften.



Unser Guide versucht, die zweite Herde zu finden, und es gelingt ihm auch. Aber leider habe ich wieder das Pech, auf der falschen Seite zu sitzen. Dieser ewige Kampf um gute Sicht ist frustrierend und verdirbt mir die Laune. Uwes Aufforderung auf Gleichbehandlung zu achten, hat nicht lange Früchte getragen.

Mit dem Trinkgeld sind wir immer sehr sensibel. Niemand soll leer ausgehen. Auch Phillip nicht – obwohl er an diesem Tag eigentlich einen kleinen Denkzettel verdient hätte. 



Während der weiteren Fahrt zurück zur Lodge, sehen wir kaum noch Tiere, aber wunderschöne Huab-Landschaften.



Das Lunch, das zur Tour gehört, wird uns im Camp-Restaurant in Aussicht gestellt. Heute, bei dem kalten und depressiven Wetter, ist uns das auch tatsächlich sehr recht. Bei gutem Wetter wäre es natürlich wesentlich schöner, irgendwo am Huab die Lunch-Pause zu haben. Vielleicht ist das ja auch so.

Zurück im Camp zieht es uns – ganz im Sinne der Natur - zuerst wieder zur Kaffeerückgabestation in unser Zelt.
Anschließend begeben wir uns ins Restaurant, wo uns ein sehr appetitlich angerichtetes Lunch serviert wird. Kaffee steht ebenfalls bereit – und jetzt, da der Tank leer ist, hat das heiße Bohnenwässerchen auch Platz.



Und wieder ist Reality-Show-Time angesagt: Herr diplomierter Ohrenkiller lässt das bemitleidenswerte Pärchen einfach nicht vom Haken. Er sitzt schon wieder neben ihnen und besteht darauf, dass sie ihre restliche Tour abgleichen und prüfen, ob es noch zeitgleiche Überschneidungen gibt. Zu seiner unaussprechlichen Freude ist das tatsächlich der Fall. Ich hoffe, die beiden können kostenlos stornieren und einen Plan B aus dem Ärmel schütteln– so viel Pech auf einer Reise ist ja eine Zumutung.

Während wir im Restaurant sitzen, kämpft sich die Sonne durch die Wolkendecke. Gemeinsam mit dem Kaffee bringt sie uns langsam wieder auf die normale Körpertemperatur eines lebenden Wesens. Allerdings weht ein kräftiger, kühler Wind, und der Feuerball kann sich nicht dauerhaft behaupten. Zurück im Zelt machen wir alle Löcher zu – und frieren immer noch. Da hilft nur noch, sich am Nachmittag ins Bett zu setzen und zuzudecken. Uwe macht neben mir ein Nickerchen, ich lese und schreibe, und so lassen wir den Rest des Tages an uns vorüberziehen.

Zum Dinner verlassen wir widerwillig das warme Bett – und das auch nur so lange wie unbedingt nötig. Es ist wirklich ungemütlich mit Wintermantel zu essen und ich sehne mich die ganze Zeit danach, mich wieder unter den Bettdecken vergraben zu können. Da fällt mir plötzlich ein: Ich habe doch eine Wärmflasche eingepackt! Ja Mensch, warum habe ich nicht früher daran gedacht? Ich freue mich gerade wie ein Kind über einen erfüllten Weihnachtswunsch. Zurück im Zelt werde ich nachher als allererstes den Wasserkocher bemühen. Mit einem Gefühl der Glückseligkeit nehme ich meine Wärmflasche in die Arme. Ich würde sagen, da habe ich einen neuen besten Freund gefunden und der darf sogar das Bett mit mir teilen.



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Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202310. Sept. 2026 ·

Mittwoch 21. Mai

Auf der Suche nach Rhinos in der Palmwag-Konzession

In weiser Voraussicht habe ich meine Klamotten schon gestern griffbereit neben mein Bett gelegt. Ich ziehe sie zum Anwärmen unter die Bettdecke und lese, bis Uwe aufwacht. Auch er wärmt seine Sachen im Bett vor. Das soll was heißen. In neuer Rekordgeschwindigkeit sind wir angezogen.

Gegen acht Uhr erscheinen wir in Wintermontur beim Frühstück. Überraschenderweise ist es draußen deutlich wärmer als im Zelt.

Im Restaurant suchen wir uns einen Platz in der Sonne. Die Seitenwände sind offen, wir sitzen mitten im Vogelparadies. Die Flattermänner beseitigen die Krümel auf den Tischen und haben keinerlei Hemmungen, sich direkt vor meinen Teller zu setzen. Das hat Unterhaltungswert.

Ich freue mich über die Aussicht, heute das Frosty-Land endlich verlassen zu können. Unsere Reise führt uns weiter in die Palmwag-Konzession – dort warten satte 30 Grad Grillhitze auf Frischfleisch. 

Nach dem Frühstück packen wir die Koffer und wechseln kurz vor dem Check-out noch die Klamotten. Die Fahrt wird heute nicht allzu lange dauern, also lassen wir es entspannt angehen. Eine Stunde Zeitpuffer geben wir zur angegebenen Fahrtzeit obendrauf. Wir sollen um halb zwei am Palmwag-Parkplatz sein. Unser Wägelchen bleibt dort stehen. Wir werden vom Guide des Desert Rhino Camps abgeholt – Selbstfahren ist hier nicht erlaubt.

Unterwegs werden wir förmlich von Bergen umarmt. 



Wir kommen gut voran – den großzügigen Zeitpuffer hätten wir uns glatt sparen können. Aber das weiß man ja vorher nie. Jetzt stehen wir jedenfalls eine Stunde zu früh am Tor. 

Der Gate Attendant begrüßt uns freundlich und fragt nach unserem Ziel. „Desert Rhino Camp“, sagen wir, „wir warten hier auf die Abholung.“ Da huscht ein Lächeln über sein Gesicht: „Der Fahrer ist schon da.“

Na wunderbar! Heute sind wir die einzigen Gäste, die abgeholt werden – keine Wartezeit.  Guide Loukie begrüßt uns ausgesprochen sympathisch. Mit ihm werden wir sicher Freude haben.

Unsere Koffer verschwinden im Jeep, und wir steigen ein. Uiii, das ist aber keine schnöde Safari-Karre, sondern ein rollendes Luxusmobil. Einzelsitze – zwei pro Reihe – mit einer gut gefüllten Kühlbox in der Mitte und Sicherheitsgurten. Das Dach ist so hoch, dass wohl auch ein Zweimetermann bequem darunter stehen könnte. Es besteht also keine Gefahr, sich eine Gehirnerschütterung zuzuziehen, wenn die Piste rauh wird. Die Gurte sind übrigens keine Dekoration, sondern durchaus sinnvoll. Denn das Gelände ist offroadverdächtig. Auch wenn die Wege angelegt sind, schüttelt es uns ordentlich durch. 



Zwischen den Grasflächen wachsen große, halbkugelförmige Euphorbien. Die Konzession wirkt fast wie ein gepflegter Park.

Unter dem Gras,  verbergen sich die zerklüfteten Basaltfelder mit ihrem groben, dunklen und rotbraunen Gestein. Im Hintergrund rahmen Kegel- und Tafelberge das Bild ein, dazwischen ziehen sich Schluchten und weites Land – soweit das Auge reicht.

Heute wirkt alles surreal. Selbst langjährige Mitarbeiter der Lodge erzählen uns später, dass sie die Konzession noch nie so grün und fruchtbar erlebt haben.

Auf große Distanz erkennen wir eine kleine Herde Springböcke und einige Zebras. Bewegungslos beobachten sie uns.
Ich frage Loukie, wie es sein kann, dass sich die Springböcke hier nicht die Beine brechen. Er antwortet: „Doch, das kommt tatsächlich oft vor und ist dann leider ihr Todesurteil.

Der Weg zum Camp gestaltet sich als eine herrliche Panoramafahrt – weite Ebenen, sanfte Hügel, und immer wieder eine Kulisse aus Basalt und Euphorbien. Nach etwa einer Stunde Fahrt nehmen wir eine Kurve, und plötzlich steht da ein einzelner Baum am Wegesrand, der großzügig Schatten spendet. Loukie hält an.

Was wir zunächst übersehen: Etwas zurückversetzt parkt ein Jeep der Lodge. Daneben ein kleiner Tisch, darauf eine Zinkwanne mit tropfnassen Handtüchern – und zwei strahlende Mitarbeiter, die uns herzlich begrüßen. Einer von ihnen legt uns das erfrischende Handtuch über die Schultern. Und das tut bei der Affenhitze unglaublich gut. Für die Zukunft merke ich mir, wie einfach man an so eine transportable Klimaanlage kommt.

Die Mitarbeiterin neben ihm öffnet die Kühlbox und zaubert zwei Gläser mit Fruchtsorbet hervor. Unsere Begeisterung schlägt Purzelbäume. Mit leuchtenden Augen und einem Grinsen von einem Ohr zum anderen, lassen wir uns nicht lange bitten.
Nach ein bisschen Smalltalk sind unsere Gläser leer und wir steigen wieder in unser rollendes Luxusmobil. 

Zehn Minuten später fahren wir auf den Parkplatz des Camps. Das gesamte Team erwartet uns bereits – und begrüßt uns mit einem traditionellen Lied. Nicht kitschig, nicht aufgesetzt oder befremdend. So stellt man sich die Lebensfreude der Afrikaner vor.  Die Mitarbeiter bewegen sich im Takt, ihre Energie ist ansteckend. Selbst ich spüre, wie mein Körper mitgeht. Tief berührt und bewegt fühlen wir uns aufrichtig willkommen.



Während des Check-ins wird unser Gepäck bereits ins Chalet gebracht. Es bietet herrliche Privatsphäre – und die Aussicht ist schlichtweg fantastisch. 



Aber findet ihr nicht, dass die nächste Peinlichkeit längst überfällig ist? Wo wäre sie eindrucksvoller als hier in diesem luxuriösen Umfeld?

Im Lounge- und Dining-Bereich gibt es auf dem Weg zur Toilette zwei Stufen. Sie fügen sich so gut ins Gesamtbild, dass man sie sind kaum wahrnimmt – erst recht nicht, wenn man in alle Himmelsrichtungen schaut, anstatt auf seine Füße. Ich bin grenzenlos begeistert von der Aussicht, dem beeindruckenden Baum in der Sitting-Area, und überhaupt… Auf dem Weg zum WC bin ich nur mit Gucken beschäftigt. 



Ich sehe die zwei Stufen nicht. Es schwartet mich volle Kanne hin – mit dem Knie genau auf die Treppenkante, und das vor versammelter Mannschaft. Kurz sehe ich Sternchen. Aber die Blamage tut noch mehr weh als das Knie.

Ich versuche mich schnell aufzurappeln, doch ein Mitarbeiter ist schneller und hilft mir hoch wie einer gebrechlichen Lady. Ich möchte vor Scham im Boden versinken und überspiele den Schmerz mit einem gequälten Lächeln.

Der Vorfall wird sofort einem Vorgesetzten gemeldet. Ich sitze inzwischen wieder bei Uwe am Tisch, als er erscheint und fragt, ob ich mich verletzt hätte. Wenn ich wünsche, ruft er einen Arzt. Das fehlt mir gerade noch.

Ich beteure, dass es mir gut geht – aber ein bisschen Eis fürs Knie wäre sicher nicht verkehrt. Diesem Wunsch kommt man sofort nach.  Alle paar Minuten erkundigt sich jemand nach meinem Befinden. Die Mitarbeiter zeigen sich sehr fürsorglich.

Jedes Mal versichere ich, dass es mir gut geht – und dass niemand außer mir selbst Schuld hat. Das Eis hilft ganz gut. Für heute komme ich mit einer Schmerztablette über die Runden. Drei Tage später habe ich ein schönes, mehrfarbiges Bodypainting am Knie. Doch ein tiefsitzender Schmerz, der schon bei leichtem Druck bemerkbar wird, bleibt mir mindestens vier Wochen erhalten.

Aber für heute komme ich rein körperlich erstaunlich gut klar.

Zum Sundowner sind wir mit drei netten Amerikanern unterwegs. Wir queren Flussbetten – noch feucht, stellenweise steht sogar Wasser darin. Große Steine liegen im Bett, die Ufer sind steil und von saftig grünen Bäumen und Sträuchern gesäumt. An manchen Stellen bilden kleine Bauminseln einladende Oasen. Ein Picknick wäre hier gut vorstellbar.


Der Sonnenuntergang wechselt im Minutentakt das Farbspektrum am Himmel. Wir stoßen mit einem Gin Tonic an und werden von drei Rhino-Rangern für unser morgiges Tracking instruiert.

Wir sollen hintereinander in einer Reihe laufen: vorne zwei Ranger, in der Mitte unser Loukie, hinten noch ein Ranger. Sollte ein Nashorn aggressiv werden, gilt: keine Panik, keine lauten Geräusche – und vor allem: nicht wegrennen. Die vorderen Ranger würden im Ernstfall die Aufmerksamkeit des Rhinos auf sich lenken, während die hinteren uns in Sicherheit bringen. 

Schon diese Instruktion lässt meinen Puls ansteigen. Zu Fuß einem vollkommen autark lebenden Rhino in seinem Habitat zu begegnen – der Zahn, dass das vergleichbar wäre mit einer Begegnung im privaten Reservat, wo die Tiere an Menschen gewöhnt sind und man noch relativ geschützt im Fahrzeug sitzt, wird uns ohne Betäubungsspritze gezogen.

Ich bin mir plötzlich gar nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich will. Der Respekt vor diesem Abenteuer kommt augenblicklich – und bleibt.



Innerhalb weniger Minuten ist es stockdunkel. Wir fahren zum Camp zurück - oder doch nicht? Der Jeep hält irgendwo mitten in der Wildnis. Wir steigen aus und werden zu einem Lagerfeuer eskortiert. Ein leckerer Cherry wird gereicht – habe ich vorher noch nie getrunken, könnte ich mich aber durchaus dran gewöhnen. Wir setzen uns im Halbkreis ans knisternde, funkensprühende Feuer. Über uns ein berauschend schöner Sternenhimmel.



Einige Mitarbeiter geben uns eine zwanzigminütige, stimmungsvolle Gesangs- und Tanzvorstellung. Man sieht ihnen an, dass Musik und Tanz tief in ihrer Kultur verwurzelt sind. Sie strahlen, lachen, bewegen sich mit Leichtigkeit – und wirken, als hätten sie tatsächlich selbst Spaß an der Show.

Ich bin schwer begeistert. Versuche, ein Video zu machen – was allerdings schwierig ist, weil ich vom Rhythmus mitgerissen werde. Die Stimmung ist großartig. Ungekünstelt, einfach echt und auch für europäische Ohren sehr melodisch. 



Dann werden wir mit unterhaltsamer Klicksprache – samt Übersetzung – zu Tisch gebeten. Als Vorspeise gibt es eine Maissuppe in einem herzigen Miniatur-Botje, das Hauptgericht besteht aus gegrilltem Fleisch und einem Beilagen-Buffet, zum Nachtisch wird eine Rotwein-Birne serviert.



Der einzige Wermutstropfen des Abends: ein Gast, der uns mit seinen endlosen Monologen regelrecht totquatscht. Vielleicht ist er der Bruder von Herrn diplomierten Besserwisser. Wir haben keine Chance auf ein Gespräch mit unseren Tischnachbarn. Mein unmittelbares Gegenüber versucht mehrmals, sich mir zuzuwenden – doch kaum holt sie Luft, erhebt Herr Alleinunterhalter wieder seinen Anspruch auf ungeteilte Aufmerksamkeit.

Sein Mitteilungsbedürfnis zieht sich wie Kaugummi und ist so ermüdend, dass ich zunehmend mein Gähnen unterdrücken muss.

Insofern bin ich froh, als der Nachtisch durch ist und wir zum Camp zurückgefahren werden. Sehr schade – das hätte ein toller Abend werden können.

Uns reicht die Konversation für heute. Wir ziehen uns direkt zurück und genießen noch ein wenig schweigende Zweisamkeit in unserem wunderbaren Chalet.

Gute Nacht, ihr Lieben.


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zuletzt bearbeitet 12. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202312. Sept. 2026 ·
Donnerstag 22. Mai

Adrenalin und noch mehr peinliche Momente

Mein Start in den Tag beginnt leider mit Migräne und leichter Übelkeit. Kein gutes Zeichen – zuhause bedeutet das in der Regel den Totalausfall. Aber hier? Ich will etwas erleben. Mein Respekt vor der Begegnung mit einem Rhino in freier Wildbahn ist nicht so groß wie meine Abenteuerlust. Ich hoffe inständig, dass Kaffee und Bewegung ein Wunder bewirken. Tabletten helfen mir leider nie. Also raus aus den Federn, rein in die Klamotten, am Frühstücksbuffet eine Tasse Kaffee ergattert und mit dem Koffein-Shake einen kleinen Spaziergang gemacht, um den Kreislauf zu pushen. Die Übelkeit schwindet, die Kopfschmerzen lassen so weit nach, dass ich mir die Fahrt zutraue. Der kalte Fahrtwind tut gut – das heftige Gerüttel eher weniger.

Wir sitzen wieder mit den drei Amerikanern im Jeep: eine etwas ältere Mutter, leicht mobilitätseingeschränkt, ihre Tochter und deren Ehemann. Das Ehepaar ist in unserem Alter. Heute klappt es mit dem Warmwerden zwischen uns deutlich besser als gestern. Uwe schließt die Mutter ein bisschen ins Herz und kümmert sich rührend um sie, weil sie vor ihm sitzt und hier und da Unterstützung braucht. Sie versteht sich großartig mit meinem Mann, und wir haben es lustig miteinander. Die drei sind schwer in Ordnung. Sie sprechen sogar ein bisschen Deutsch – und so wird das heute eine charmant gemischtsprachige Konversation.

Wir rollen über Hügel und durch kleine Täler, queren ein paar Flüsse und Bäche, in denen noch kleine Wasserpfützen stehen. Die Landschaft zieht sich endlos dahin, mit weißem Flor bedeckt, so weit das Auge reicht. Einige Welwitschien und Euphorbien durchbrechen die Grasflächen und setzen kleine Akzente, die das sonst sehr schöne, aber doch monotone Landschaftsbild beleben.



Immer wieder huschen Nama-Flughühner über den Weg – auch winzige, denen fast noch die Eierschalen am Hinterteil kleben. Erstaunlich flink für ihr zartes Alter, und überraschend weit entfernt von den Elterntieren. Ganz schön mutig, diese kleinen Federbündel. So wie es aussieht irrt auch ein Straußenbaby hier alleine herum. Weit und breit sind keine Elterntiere zu sehen. Ob es vergessen wurde? Oder ist der Langhals gar kein Strauß?



Auch eine Zebrafamilie ist unterwegs.



Nach etwa drei Stunden Fahrt wird es langsam ernst: Ich muss dringend einen Boxenstopp einlegen. Die Büsche rufen – und offenbar nicht nur mich. Es scheinen alle darauf gewartet zu haben, dass endlich jemand den Weg der Erleichterung einläutet. Ausnahmslos alle schließen sich der Expedition „Buschsuche“ an.

Ich bin die Erste, die aus den Wagen klettert, und will gerade einen Schritt zurück machen – natürlich, ohne auf den Boden zu sehen. Warum auch? Tja, dummer Fehler.

Ein stattlicher Wackerstein liegt hinter mir und ich stoße zielsicher dagegen. Mein Gleichgewicht verabschiedet sich nonchalant, die Erdanziehungskraft übernimmt den Rest. Plumps. Ich lande unsanft auf dem Hosenboden, vor versammelter Mannschaft- mal wieder.

Ich fasse es nicht… Haben es auch alle gesehen? Ja. Definitiv.

Na prima. In diesem Urlaub habe ich ja noch nicht genug Peinlichkeiten erlebt. Doch so ein Sturz, der unverletzt ausgeht, ist doch immer wieder eine amüsante Story wert – vor allem fürs Publikum. Ich bin ja so gerne die Hauptdarstellerin in peinlichen Situationen…

Jetzt fehlt nur noch, dass mein Hosenboden das Fenster zur Unterwäschewelt öffnet und die Zuschauer zu einer spontanen Dessous-Modenschau einlädt, oder dass ich in einem Dunghaufen sitze. Aber nein – den Gefallen tue ich euch nicht.

Die Hose ist heil, es klebt kein Dung an mir. Der Dreck lässt sich abklopfen, die Knochen sind zum Glück unversehrt. Nur mein Selbstbewusstsein liegt schwerverletzt am Boden und sehnt sich nach einer Rettungsaktion.

Loukie steht direkt neben mir, sieht noch, wie ich Bodenkontakt aufnehme, kann mich aber nicht mehr auffangen. Immerhin zieht er mich vom Boden hoch – mit dem gleichen Charme, als würde man einen Kartoffelsack aufrichten.

Nachdem alle ihre Busch-Expedition beendet haben, steigen wir wieder in den Wagen und rumpeln eine weitere Stunde durchs Gehölz. Außer diesem abgemagerten Kudu, sehen wir keine weiteren Tiere.



Dann hält der Jeep auf einem Plateau. Loukie steigt aus, läuft zur Kante und scannt mit dem Fernglas das Tal. Plötzlich ruft er uns: Wir sollen aussteigen und zu ihm kommen – da unten sei ein Rhino!

Wir sind bis zum Anschlag aufgeregt. Unsere Hoffnung, heute noch eines zu finden, befand sich bereits im Abschiedsmodus. An der Felskante stehend, pfeift uns ein Wind um die Ohren, der uns fast die Füße wegzieht. An Fotografieren ist nicht zu denken – weder Handy noch Kamera noch Fernglas lassen sich ruhig halten.

Ich suche eine gefühlte Ewigkeit und sehe… nichts. Uwe und Loukie erklären mir mehrfach, wo ich hinschauen muss. Dann endlich erkenne ich durchs Fernglas nicht viel mehr als einen dunklen Punkt.

Also bitte – das mag für Loukie ein Erfolg sein, für mich verdient das nicht den Titel Sichtungsglück. 

Loukie prüft die Windrichtung und entscheidet, dass wir vom Plateau runterfahren und eine große Kurve nehmen, um von unten näher an das Tier heranzukommen. Über Funk gibt er den anderen Rangern die Koordinaten durch, und zehn Minuten später stehen wir alle in der Nähe einer kleinen Abbruchkante.

Die drei Ranger treffen fast zeitgleich mit uns ein. Zwei steigen aus, während wir noch hundert Meter hinter der Kante im Wagen sitzen bleiben. Sie laufen bis zur Kante vor und beobachten das Rhino ein paar Minuten. Schließlich winken uns zu sich.

Wir steigen aus – und plötzlich scheint die gestrige Instruktion niemanden mehr zu interessieren. Alle laufen aufgeregt los, wie eine Schar Hühner, nur nicht im Gänsemarsch. Okay, mir ist nicht wohl dabei, aber was kann ich schon gegen die Gruppendynamik einer aufgescheuchten Hühnerschar ausrichten.

Der Wind ist gnadenlos. Wir müssen uns regelrecht dagegenstemmen. Der Boden ist geröllig, jeder Schritt ein Balanceakt. Sich gegen eine Böe zu stemmen, ohne beim plötzlichen Abflauen umzukippen – das macht den kurzen Walk nicht gerade gemütlich.

Wir stehen direkt an der Hangkante. Zwei, vielleicht drei Meter geht es hier runter. Ob das Rhino da hochkäme? Ich hoffe inständig, dass es nicht den Ehrgeiz entwickelt, es herauszufinden.

Jetzt sehe ich den Spitzmaul-Koloss auch ohne Fernglas. Er sieht riesig aus, viel größer als die Breitmaulnashörner, die ich bisher gesehen habe. Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass seine nervöse oder angepisste Ausstrahlung angsteinflößend ist. Da sieht ein Rhino womöglich deutlich größer aus als es tatsächlich ist.



Die Distanz zwischen uns? Vielleicht 150 Meter. Wenn es angreift, hätten wir etwa 15 Sekunden – nicht viel mehr als ein Wimpernschlag. Unser Wagen steht hundert Meter hinter uns. Da muss ich keine Mathe studiert haben, um mir auszurechnen, wie es aussieht, wenn uns diese Muskelmasse in die Mangel nimmt.

Ob die Ranger im Ernstfall wirklich den Mumm hätten, die Aufmerksamkeit des Tiers auf sich zu lenken? Ich weiß es nicht. Mein Puls hämmert mir bis in die Ohren. Diese intensive Anspannung habe ich so nicht erwartet. Das ist komplett etwas anderes, als wenn man im Fahrzeug sitzt und in einem privaten Game Reserve herumfährt.

In mir kämpfen Abenteuerlust und Sicherheitsbedürfnis um das Siegertreppchen. Die Abenteuerlust gewinnt – knapp. Aber ganz ehrlich: Das Rhino ist von unserem Besuch alles andere als begeistert. Es hat uns fest im Blick.

Immer wieder hören wir es pusten – ein dumpfer, kraftvoller Atemstoß, der durch den Wind zu uns herüberweht. Es macht mehrmals ein paar Schritte auf uns zu und dreht dann wieder ab. Wenn es steht, scharrt es mit den Füßen. Ein Zeichen? Eine Warnung? Ich denke: ja.

Habe ich schon erwähnt, dass mein Puls am Anschlag ist? Sch… ist das aufregend.

Nach etwa zehn Minuten entscheidet der Koloss, dass wir es nicht wert sind, seine Energie zu verschwenden. Er dreht uns den Hintern zu und galoppiert davon. Puh. Meine Anspannung löst sich. Es war nur eine kurze Begegnung – für meine Nerven allerdings lang genug.

Zum Schutz vor Wilderei tragen die Nasis leider keine Hörner mehr. Die Fotos sind auf die Distanz auch nicht ansprechend geworden. Aber was zählt, sind die Emotionen – und die haben sich tief eingebrannt.

Wir treten ebenfalls den Rückzug an, steigen wieder in den Jeep. Die Landschaftsfahrt geht weiter, vorbei an Buschland, Hügeln und über staubige Pfade.


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zuletzt bearbeitet 12. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202312. Sept. 2026 ·
Seit unserem Aufbruch heute Morgen sind wir mittlerweile gute sechseinhalb Stunden unterwegs. Es ist bereits Mittag, und ein deutliches Hungergefühl macht sich bemerkbar – kein Wunder, ich habe ja nichts gefrühstückt.

Wir erreichen eine grüne Insel mitten im Nirgendwo. Ein großer Mopane Baum breitet seine Krone aus wie ein schattenspendender Sonnenschirm. In seinen Ästen hängen unzählige Nester von Webervögeln, lauter kleine Einfamilienhäuschen. Ein kleines Vogelparadies.

Daneben parkt ein Jeep des Camps. Unter dem Baum steht ein wunderschön gedeckter Tisch mit bequemen Stühlen. Na das sieht ja vielleicht einladend aus.



Ein paar Meter weiter wird gegrillt, und die Aromen von Kohle und Fleisch würzen verheißungsvoll die Luft. Idylle pur – wieder so ein Jenseits‑von‑Afrika‑Moment.

Wir bekommen feuchte Tücher und ein Getränk unserer Wahl. Auf dem Tisch stehen Salate und Quiches, ein liebevoll angerichtetes Picknick in einer Traumkulisse. Über uns im Baum füttern die Vögel ihren Nachwuchs; wir hoffen nur, dass uns kein „Feedback“ auf dem Teller landet – bleibt uns zum Glück erspart. Die Stimmung ist harmonisch und locker.

Satt und zufrieden steigen wir für die letzte Etappe wieder in den Jeep. Insgeheim hoffen wir, dass die Fahrt nicht mehr lange dauert: landschaftlich sind wir gesättigt, durchgeschüttelt genug, Rhinos nicht mehr zu erwarten, und der Hintern bekommt langsam Druckstellen. Zehn Minuten später rollen wir tatsächlich schon über den Hof der Lodge. Acht Stunden Safari liegen hinter uns – intensiv, staubig, wunderschön.

Bevor wir uns in unsere Chalets zurückziehen, fragt Loukie mit seinem unerschütterlichen Enthusiasmus, ob wir noch Lust auf einen Sundowner‑Drive oder einen Walk hätten. Aber heute hat niemand mehr den Drang, noch etwas zu unternehmen. Loukie darf Feierabend machen – verdient –, und wir duschen den Abenteuerstaub ab.

Das Camp ist einfach zu schön, um gleich wieder loszuziehen.



Der Blick über die Graslandschaft und die dahinterliegenden Etendeka-Berge ist märchenhaft



Nach der Dusche genießen wir die Ruhe und unsere Zweisamkeit auf der Terrasse – und natürlich die fantastische Aussicht.

Am frühen Abend treffen wir uns mit unseren drei Weggefährten in der Sitting Area und lassen den Tag voller Safari‑Feeling und Adrenalin Revue passieren. Mit einem Cocktail in der Hand und dem Gefühl, genau zur rechten Zeit am richtigen Ort zu sein, genießen wir die letzten Stunden des Tages.



Die Sonne verabschiedet sich, der Brandmeister bringt die Feuerschale zum Lodern, die Dunkelheit bricht herein und beschenkt uns ein weiteres Mal mit einem Sternenhimmel zum Dahinschmelzen. Wir genießen noch ein Weilchen das Funkensprühen und die Lagerfeuerromantik, bevor wir zum Dinner gebeten werden.




Auch beim Essen unter freiem Himmel sitzen wir in vertrauter Runde zusammen, plaudern und lachen. Die romantische Atmosphäre passt perfekt, um diesen gelungenen Tag würdig ausklingen zu lassen.

Tiefenentspannt und glücklich schlendern wir anschließend zum Chalet. Über uns zeigt sich deutlich die Milchstraße, und die Sterne funkeln um die Wette.

In unserem Chalet gibt es diese kleine Open‑Air‑Kuschelecke. Als wir die Tür hinter uns schließen, entdecken wir dort ein Kerzenlicht, einen Kübel mit Eis, zwei Gläser und zwei kleine Amarula‑Absacker. Wie süß ist das bitte? Leider umschwirren Millionen Insekten das Licht, weshalb wir besser drinnen bleiben, statt uns den Viechern zum Fraß vorzuwerfen. Die beiden Betthupferl packen wir morgen ein – und nehmen uns vor, sie an einem anderen Abend zu genießen.



Na denn – sleep well. Bis morgen.

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Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202313. Sept. 2026 ·

Freitag und Samstag, 23. und 24. Mai

Abschied vom Rhino-Land

Abreisetag, aber nicht ohne ein letztes Foto mit der unglaublichen Morgenstimmung vor unserem Zelt.



Beim Frühstück sitzen wir mit unseren drei amerikanischen Safarigefährten am Tisch und tauschen uns über das Woher und Wohin aus. Dabei erfahren wir, dass sie per Fly-in reisen und dass ihre Route komplett aus der Hand einer Agentur kommt. 

Einmal die Welt von oben sehen, finde auch ich durchaus schön, aber eine ganze Reise? Undenkbar für uns. Wir sind nach dem Motto „Der Weg ist das Ziel“ unterwegs. Jeder Schlagloch-Slalom, jedes Tierchen am Wegrand, das Rütteln und die abwechslungsreichen Landstriche – alles ist für uns Teil der Reise. 

Ich erwähne den Etosha-Park und höre ein „Wo ist der?“ Ich verschlucke mich fast am Kaffee. Sie haben tatsächlich noch nie etwas vom Etosha-Park gehört. Dann erwähnen sie eine Lodge, deren Name mir bekannt vorkommt. Ich kann sie aber gerade nicht zuordnen und frage nach dem groben Gebiet, in dem sie liegt. Ratlose Blicke – das wissen sie nicht. Okay, offensichtlich lieben sie Überraschungen. Reisen, ohne zu wissen wohin, ist auch ein Konzept. Für mich euphorische Planerin wäre es ganz und gar unvorstellbar, meine komplette Routenplanung in fremde Hände zu geben. Für mich ist schon die Planung ein Stück Reiseerlebnis.

Wir verabschieden uns und machen uns auf den Weg zum Jeep. Um halb elf sind wir mit Loukie zur Abfahrt verabredet. Fünfzehn Mitarbeiter stehen am Auto und singen uns zum Abschied mit vollem Körpereinsatz ein Abschiedslied. Noch bevor der letzte Ton gesungen ist, tritt Loukie aufs Gaspedal, sodass wir leider keine Möglichkeit mehr haben auszusteigen und uns zu bedanken.

Wir wurden hier mit so viel Aufmerksamkeit und Herzlichkeit beschenkt, mit einer Überdosis Adrenalin, inklusive jeder Menge Jenseits-von-Afrika-Feeling. Dieser Ort und seine Mitarbeiter werden uns in bester Erinnerung bleiben.

Eine gute Stunde später stehen wir wieder am Parkeingang. Die Koffer wandern zurück in unser eigenes Gefährt. Mit Palmwag-Staub an den Schuhen und einem glücklichen Herzen übernimmt Uwe wieder das Steuer und wir verlassen dieses wunderbare Abenteuerland.

Ursprünglich hieß es, wir kämen erst gegen halb drei zurück zum Parkplatz. Daher wurde uns davon abgeraten, noch bis zur Vingerklip Lodge zu fahren – zu riskant bei Einbruch der Dunkelheit. Also haben wir schweren Herzens umgebucht: Damaraland Lodge statt Vingerklip Lodge. Jetzt, mit Blick auf die Uhr, wissen wir – die Strecke hätten wir locker geschafft. Aber gut, Entscheidungen trifft man mit dem Wissen von vorher.

Die Fahrt liefert wieder Futter für den Gedankentransfer ins Tagebuch.

Erster Stopp - eine Straßensperre.

Zwei Hunde eskortieren Ziegen über die Straße. Einen Hirten sehen wir nicht.  Aber die beiden machen ihren Job vorbildlich. Cool und effizient treiben sie die Herde auf die andere Seite. 
Auf unsrem Rücksitz liegen noch Leckerlis. Wir schmeißen ein paar aus dem Fenster. Die Hunde sehen sie, bleiben aber auf Abstand und behalten uns fest im Blick. Erst als wir weiterfahren, sehen wir im Rückspiegel, wie die Professionalität kurz Pause macht – und die Leckerlis doch noch weiterverarbeitet werden.



Zweiter Stopp drei Grazien, die dabei sind der Botanik eine neue Frisur zu verpassen.



Die Krönung der Fahrt: ein Kalahari-Ferrari – ach, was sag ich, das ist eine Stretchlimousine mit vier ES.



Am frühen Nachmittag erreichen wir die Damaraland Lodge. Über den knirschenden Kies fahren wir vors Hauptgebäude und parken da erst mal.

Der Weg durchs Atrium beeindruckt uns sofort. Große Glasfronten geben den Blick frei auf verschiedene Innenräume. Das offene Raumkonzept und der Stil des Interieurs gefallen uns schon mal sehr gut.



Das Check-in verläuft herzlich. Ohne Wartezeit dürfen wir direkt unser Chalet beziehen. Während Uwe das Auto umparkt, damit wir die Koffer nicht so weit schleppen müssen, laufe ich mit der Rezeptionistin zu unserem kleinen Sweet Home. Doch der Weg dorthin ist alles andere als gepflegt. Es sieht ziemlich wild aus – soll es vielleicht auch und trifft nur nicht meinen Sinn für " Muss so sein".  Von der Eleganz des Hauptgebäudes ist hier jedenfalls nichts mehr zu spüren. Der erste begeisterte Eindruck beginnt zu bröckeln. Die Chalets stehen nicht frei, sondern reihen sich brav aneinander – Reihenhaus-Charme statt Safari-Romantik. Zugegeben, das wussten wir schon vor der Buchung. Ich befürchte, dass wir mehr von unseren Nachbarn hören werden, als uns lieb ist.



Der Blick ins Chalet ist dafür wieder um so beeindruckender. Es gibt viel Platz, eine durchdachte Einrichtung, ein wunderschönes Badezimmer mit Tageslicht und alles ist blitzsauber und neuwertig. Der Blick von der Terrasse dann wieder verwuchertes Buschland – vielleicht ist das Konzept so gedacht, und ich versteh den Gedanken dahinter nur nicht.



Nachdem wir uns eingerichtet und frisch gemacht haben, zieht es uns zur Pool-Area. Wir blättern im Prospekt: Leider nichts für uns dabei. 

Naturfahrten? Davon hatten wir erst mal genug. Ein Ausflug zu den Huab-Elefanten klingt zwar interessant, aber beim Studieren des Kleingedruckten wird klar: Die Tour wird vom Twyfelfontein Camp angeboten, hatten wir schon und war zudem wegen der fehlenden Umsicht des Guides unbefriedigend. Die Distanz liegt übrigens bei 60 km, auch ein Argument dagegen. Das Himba Village ist dann vermutlich ebenfalls das beim Camp.

Ansonsten gibt es nur noch Wellness-Angebote: Massagen von Kopf bis Fuß und allem, was dazwischen liegt.

Na gut – dann lassen wir hier eben einfach die Seele baumeln und konzentrieren uns auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben: Lesen, Schreiben, Essen und Trinken. Ja, warum auch nicht. Wir sind schließlich im Urlaub und nicht auf Geschäftsreise. 

Vom Pool aus haben wir eine fantastische Aussicht. Als wir die Terrasse betreten, ist gerade die Couch-Ecke frei. Das geht ja gar nicht – und wir ändern das sofort, indem wir uns auf ihr breitmachen: Füße hoch, Cocktail bestellt, Chill-Modus eingelegt. Jawoll, das fühlt sich gut an.






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zuletzt bearbeitet 13. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202313. Sept. 2026 ·

Wir vermissen nichts. Rein gar nichts. Wir genießen das tiefenentspannte Nichtstun. Ambiente und Service lassen keine Wünsche offen. Wir bleiben einfach sitzen, bis die Sonne hinter den Bergen verschwindet. Warum sollten wir diesen perfekten Platz verlassen? Zum Dinner rutschen wir nur ein paar Zentimeter weiter an einen Zweier-Tisch am Geländer, mit Blick auf ein kleines Wasserloch. Wer weiß – vielleicht gibt es hier Wildlife.

Trotz einer Reisegruppe läuft alles ruhig und zivilisiert ab – na geht doch! Warum können das nicht alle?
In der Feuerschale zwischen Pool und Restaurant-Terrasse lodert ein romantisches Feuer. Die Beleuchtung zaubert überall kleine Inseln aus Licht – pure Romantik. Das Essen gibt es in Buffetform, das Fleisch wird frisch und nach Wunsch gegrillt. Es ist das beste Buffet unserer Reise. Wir genießen jeden Bissen, und ich gönne mir ein Weinchen. Die Hitze ist verschwunden, die Luft angenehm lauschig. 



Während des Essens besucht uns eine Motte. Aber nicht irgendeine – ein wunderschönes Exemplar mit goldenen Flügeln. Sie lässt sich auf dem Glas mit den Zuckertütchen nieder und leistet uns eine ganze Weile Gesellschaft. 

Am Wasserloch tut sich leider nichts Sichtbares. Dafür lernen wir noch eine echte Hoheit kennen: Eine Gottesanbeterin landet direkt vor unserem Tisch auf dem Geländer. Ich habe noch nie eine in freier Natur gesehen – und ganz ehrlich, heute reiht sich eine außergewöhnliche Sichtung an die nächste: Stretch Limousine mit 4-motorigem Eselsgespann, Hunde, die den Job eines Hirten übernommen haben,  eine goldene Motte wie aus einem Märchenbuch und jetzt noch eine Fotoshooting mit einer Gottesanbeterin. Ich bin ein bisschen entzückt.



Zum Finale des Abends gibt’s ein Dessert – sehr hübsch angerichtet, fast wie beim High Tea, dass ich mich frage, ob es wirklich für uns oder doch für ihre Majestät gedacht ist.



Auf dem Weg zu unserem Häuschen kommt uns der Hotelmanager entgegen und leuchtet einen großen Skorpion auf dem Weg vor uns an. Wir haben auch eine Taschenlampe dabei und hätten ihn vermutlich selbst entdeckt – aber seine Warnung hat es in sich: Der Skorpion gehört zu einer besonders giftigen Spezies. Okaaay... und ich bin hier mit Sandalen unterwegs. Uwe will ein Foto machen, doch er ist kamerascheu und verschwindet rasch im Gebüsch. Wir sind nicht drauf erpicht ihn aufhalten oder gar zu nerven.

Vor unserem Chalet sitzt ein Nachtwächter der laut am Telefonieren ist. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass seine Präsenz hier nötig ist – seine Anwesenheit beruhigt mich jetzt nicht wirklich. Sie legt nahe, dass zumindest Abschreckung notwendig ist. Und wenn da nur ein einzelner Wächter sitzt, frage ich mich zusätzlich, ob er nicht irgendwann einschläft und selbst zum Opfer wird, falls jemand mit ernsten Absichten auftaucht.

Im Bett hören wir ihn laut und deutlich quatschen, als würde er direkt neben uns stehen. In diesem Fall höre ich ihn gern – es bedeutet, dass er noch wach ist. Er spricht afrikaans, was uns immerhin erspart, zu verstehen, was er da so engagiert erzählt. Wir schlafen mit seinen Worten im Ohr ein – und wachen am nächsten Morgen unverletzt und quicklebendig auf.

Der Himmel schickt heute seine Schäfchen übers Land.



Unsere Idee: ein entspannter Pool Tag. Die Realität: ein Fliegenmassaker. Kaum sitzen wir, fallen ganze Schwärme über uns her – hier sitzen zu bleiben, würde bedeuten am lebendigen Leib aufgefressen zu werden. Da hilft nur die Flucht ins Chalet. Jetzt haben wir aber den Edelknast: alles da, außer Freiheit.

Der Rest des Tages plätschert dahin wie gestern.

An der Rezeption holen wir unsere Wäsche ab. Lieblos in den Sack gestopft, völlig zerknittert – das passt nicht zum sonstigen Standard und ärgert mich. Ich versuche sie ordentlich zusammen zu legen, tragbar ist sie so aber nicht. Dann entdecke ich in meiner Lieblingshose ein Loch am Gesäß. Das ist bitter. Hätte es nicht eine der anderen Hosen sein können, auch das wäre ärgerlich, aber ausgerechnet meine Lieblingshose?

Wo Menschen arbeiten, geht mal etwas kaputt – deshalb nehme ich es trotzdem schweigend hin.. Im Nachhinein denke ich allerdings: Die schlampig in die Tasche gestopfte Wäsche hätte ich dem Management zeigen sollen. So etwas sollte man nicht einfach hinnehmen. 




Samstag 24. Mai – Im Tal der Geier und Hausfriedensbruch

Nächste Etappe ist die Epacha Lodge.  Gleich ein paar hundert Meter nach der Einfahrt entdecken wir ein großes Wasserloch, gar nicht weit weg von unserer Pad. Und da grast eine Herde Oryx. Das nenne ich eine schöne Begrüßung.



Lodge in Sicht. Wir betreten das Hauptgebäude und bekommen einen ersten Eindruck – nicht überraschend, denn die Fotos kannten wir bereits. Der viktorianische Flair vergangener Zeiten ist überall spürbar: dunkel, schwer, rustikal. Der Staub wurde entfernt, die Atmosphäre ist geblieben. Die Vorstellung, wie das Personal in der Zeit behandelt wurde, ist hier sehr vorstellbar und wirkt beklemmend auf mich.

Warum wir trotz der Bilder im Netz hier gebucht haben? Weil das Reservat als besonders tierreich beworben wird und unser Selbstvertrauen in unsere Spotter-Fähigkeiten für den Etosha nicht gerade groß ist.



Die Chalets liegen schön verteilt auf einem Hügel. Uns wird zum Glück gleich das zweite zugeteilt und selbst da kommen wir bei den ersten Aufstiegen zum Schnaufen wie ein Maulwurf auf Asthma.

Unser Blick vom Balkon ist fantastisch. Im Inneren nagt der Zahn der Zeit unübersehbar. Die Sauberkeit lässt schwer zu Wünschen übrig. Das Badezimmer finde ich besonders schlimm. Keine Ahnung ob alle Zimmer so aussehen. Ich kann nur für unseres sprechen.




Wir richten uns kurz ein und machen uns dann auf den Weg zum Infinity Pool – schön gelegen, blitzsauber und mit herrlichem Ausblick. Noch bevor wir überhaupt merken, dass wir Durst haben, bringt uns der Barmann Handtücher und erkundigt sich nach unseren Getränkewünschen. Der Mann ist echt auf Zack. Wir lassen es uns gut gehen.

Später sitzen wir auf dem Deck mit Blick auf ein Wasserloch. Es raschelt im Gehölz, und dann entdecken wir Dassies. Sie klettern zwischen den Ästen herum, rennen, rangeln und verschwinden wieder im hohen Gras, um gleich darauf irgendwo anders wieder aus dem Nirvana aufzutauchen. Wir lehnen uns zurück, die Kaffeetasse in der Hand, und genießen das Naturkino in der ersten Reihe. Die Sonne scheint, ein leichter Wind streicht über das Deck, und ab und zu hören wir einen Vogel zwitschern. Was braucht es mehr als genau das, was gerade ist.

Gegen 16 Uhr treffen wir uns mit unserem Guide, der sich als Wacka-Wacka vorstellt, zum Sundowner Drive. Außer uns ist noch ein zweites Paar mit an Bord. Wir fahren eine ganze Weile durchs Buschland und sehen – na ja – nicht viel. Ein paar kunstvoll geflochtene Webervogelnester und ein paar Gabelracken. Ich finde sie sehr hübsch – auch wenn sie den Begriff „Wildlife“ eher im Mini-Format vertreten.



Es dauert sicher eine Stunde, bis sich die erste Antilope blicken lässt. Aber je mehr sich die Sonne verabschiedet, desto mehr erwacht der Busch zum Leben. Erst ein paar Oryx, dann Zebras...



...und schließlich ein ganzes Tal voller Geier. Hunderte. Ein bisschen gruselig, aber auch beeindruckend. Wacka-Wacka erklärt uns unterwegs eine Menge: wie man Männlein und Weiblein auseinanderhält, welcher „Pub“ zu wem gehört, was man aus dem Impala-Newsletter lesen kann, wie sich die Tiere verhalten und warum. Und wehe, du hörst nicht zu – oder verstehst nur Bahnhof wie ich. Dann wird’s peinlich. Denn Wacka-Wacka fragt gern nach. Und er hat sichtlich Spaß daran, wenn er merkt, dass man nicht aufgepasst oder nix verstanden hat.



Unser sympathischer junger Lehrer vermutet, dass irgendwo im Busch eine tote Giraffe liegt – was die absurde Anzahl an Geiern erklären würde, die sich dort versammelt haben. Also steuern wir den Hotspot an, in der Hoffnung, die Leiche zu finden, die da im Busch vergraben sein könnte. Dabei verlieren wir ein wenig die Zeit aus den Augen.

Den vermeintlichen Kadaver finden wir nicht. Dafür Geier. Ohne Ende. Die Szene erinnert ein bisschen an Hitchcock. Leider reicht unser Riecher nicht aus, um das Objekt der Begierde aufzuspüren.

Die Folge: Wir schaffen es nicht mehr rechtzeitig zum Sundowner-Platz. Also halten wir einfach mitten im Busch, um den Tag mit einem Gin Tonic zu verabschieden. Der Sonnenuntergang ist diesmal nicht berauschend – aber es ist weder unser erster noch unser letzter, also nicht dramatisch.



Wir fahren zurück zur Lodge. Uwe und ich besteigen unseren Mount Everest zum Chalet, um uns noch ein wenig aufzuhübschen. Als wir im Zimmer das Licht einschalten, bemerken wir mit Entsetzen, dass hier Hausfriedensbruch stattgefunden hat. Eine wahre Invasion von Stinkwanzen: Hunderte kleine Krabbeltiere bevölkern Wände, Bettdecke und Vorhänge. Die Käfer sind vielleicht einen halben Zentimeter groß – aber ihre Anzahl sprengt unsere Toleranzgrenze für Wildlife im Haus bei weitem.

Wir greifen zur chemischen Keule und sprühen, was das Zeug hält. Die Luft gleicht einer Insektengaskammer, wir halten die Luft an und werden hektisch. Schließlich bleibt uns nur die Flucht nach draußen. Aber es ist eh Zeit fürs Dinner – das passt ja.
Während wir hoffen, dass die ungebetenen Gäste das zeitliche segnen bevor wir zurück kommen, lassen wir uns das Dinner schmecken.



Anschließend kämpfen wir uns in romantischer Abendstimmung wieder den Berg hoch. Wir öffnen und schließen blitzschnell die Tür, um keine weiteren Insekten hereinzulassen. Der Turn-Down-Service war schon da – das Bett wurde aufgedeckt, die Vorhänge zugezogen, ein Hauch von Komfort.

Doch der Eindruck kippt schnell. Auf dem Moskito-Netz hängen immernoch unzählige Wanzen. Auf dem Boden liegen die Leichen derer, die den Gasangriff nicht überlebt haben. Es ist ekelerregend. Ich schlüpfe in die Hotelpantoffeln und vermeide es, mit meinen Füßen den Boden zu berühren. Leider haben es einige der Viecher auch ins Innere des Moskitosnetzes geschafft. Das ist nicht nur grenzwertig – das ist längst darüber.
Für die Wanzen mache ich niemanden verantwortlich. Aber dass nicht wenigstens die toten Tiere am Boden beseitigt wurden, ist schon hochgradig widerlich. 


Sonntag 25. Mai - Nicht wirklich was wir erwartet haben

Noch bevor die Sonne überhaupt daran denkt, aufzugehen, sind wir schon auf dem Sprung. Wacka Wacka rollt pünktlich wie ein Schulbus vor die Lodge. Wir sind noch ein klein bisschen müde – es fühlt sich eher nach Mitternacht an als nach Morgen. Die Hoffnung auf interessante Begegnungen mit der Tierwelt ist trotzdem groß. Die Voraussetzungen sind prima: Es wartet ein privater Drive auf uns. Den müssten wir hier mit einem Goldbarren bezahlen, hätten wir ihn gebucht. Aber weil wir im Moment die einzigen Gäste sind, gibt’s den Luxus gratis. Nehmen wir. Danke.

Die Landschaft hat sich seit gestern nicht verändert. Gras. Busch. Noch mehr Gras und hier und da ein Bäumchen.
Unser Guide zieht die Sichtungen von Gabelracken ein bisschen zu sehr in die Länge - vermutlich weil es im Bush nicht viel zu entdecken gibt und er sich dessen bewusst ist.  Die Geier sind auch schon wach. 


Herr Schabracke und Mr. Springbock treffen aufeinander – sie mögen sich ganz offensichtlich nicht. Mr. Springbock ist gleich auf Krawall gebürstet, senkt den Kopf und rennt auf den Schakal zu. Achtung Attacke – Herr Schakal sieht aus, als hätte er nicht mit der Angriffslust seines Kontrahenten gerechnet und wenn ich mich nicht täusche zuckt er ein wenig erschrocken zusammen, um in der nächsten Sekunde Versengeld zu geben. Mr. Krawallo gibt so schnell nicht auf und setzt dem Schakal noch ein Stück nach, bevor er den Slow Modus einlegt und anfängt zu grasen. Wow, sowas hab ich auch noch nicht gesehen.



Nicht weit neben uns im Gebüsch raschelt es. Ein Kudu kämpft sich durchs Dickicht auf die Lichtung. Ganz gechillt und tiefenentspannt bleibt es stehen und lässt sich eine Weile von uns beobachten. 

Wacka Wacka – unser Allwissender Busch-Dozent, beginnt umgehend mit dem Unterricht und testet unsere Feldkompetenz. Wir bekommen eine Lektion Kudu-Kunde. Er erzählt uns, dass mehr Kudus im Kampf sterben, weil sie ihre Hörner ineinander verkeilen und sich nicht mehr befreien können, als dass sie einem Raubtier zum Ofer fallen. Ich freue mich heute einen Sputnik zu sehen, befürchtete ich schon fast, dass ich in diesem Urlaub gar kein Kudu zu Gesicht bekomme.



Während Uwe und ich mit Schauen beschäftigt sind – leider in die komplett falsche Richtung – steht plötzlich eine riesengroße Giraffe direkt neben dem Weg. Die hätten wir glatt übersehen.


Unser Wacka, der locker als Grzimeks kleiner Bruder durchgehen könnte, erkennt jede Bewegung im Busch. Und schon gibt es die nächste Lektion in Tierkunde: Wie erkennt man eigentlich Giraffen-Männlein oder -Weiblein? Wir dürfen raten. Klar, schon hundertmal gehört – nichts Neues, aber immer wieder unterhaltsam.

Während die Damen, ganz wie es sich gehört, wenn man was auf sich hält, eine hübsche Frisur auf ihren etwas zarteren Hörnern tragen, kommen die Herren mit kräftigeren Hauptkronen daher und tragen vorwiegend Glatze – nicht aus modischen Gründen, sondern weil sie ihre paar Haare opfern, sobald der Macker-Modus aktiviert wird.

Die Hälse unterscheiden sich auch. Während die Damen lange, schlanke Hälse in den Himmel recken, haben die Herren überwiegend einen dicken Hals – Kragenweite XXL, weil sie durch den Giraffen-Kampf-Sport mit potenzieller Konkurrenz Muskelmasse bilden. Und insgesamt sind die Damen kleiner und zierlicher. Kurz gesagt: Wer aussieht wie ein Bodybuilder auf Stelzen, ist wahrscheinlich ein Männchen.



Dann noch ein paar Springböcke, Oryxe, ein Gelbschnabeltoko und ein hübscher Bienenfresser.



Bevor wir weiterfahren, richtet Wacka suchend seinen Blick nach unten. Er geht in die Hocke, fingert am Buschboden herum und hebt triumphierend einen Giraffen-Ködel hoch. „Frisch gepresst“, murmelt er und bricht ihn auseinander. Der Inhalt leuchtet uns entgegen wie ein Spinat-Smoothie – die reinsten Trüffel der Savanne. Haltbarkeitsdatum: safarifrisch.
Alles Klaro Wacka-Grzimek. Aber Händeschütteln gibt es heute nicht mehr.
Ein schöner Drive ist das heute Morgen und höchst zufrieden kommen wir in die Lodge zurück. Das Frühstücksbuffet wartet noch auf uns.

Wir setzen uns an den Tisch und warten ebenfalls. Fünf Minuten – Zehn Minuten…es fehlen Kaffee und Butter. Ich hab jetzt echt Frühstückshunger und klopfe an die Küchentür um nach dem edlen Tropfen zu fragen und Butter zu ordern.

Die zuständige Mitarbeiterin hat keine Eile. Ein Bein reißt sie sich nicht gerade aus. Dann bekommen wir jeder eine Tasse Kaffee. Ich hätte eher eine Kanne erwartet, aber ich bin so frei und lasse mir auch eine zweite Tasse bringen. Begeistert ist die Mitarbeiterin nicht unbedingt über den Energiezuschlag, den ich ihr abverlange. Ihr Blick sagt: „Jetzt übertreib nicht“.

In der Butter wurde schon rumgestochert. Bedeutet, die hatten schon andere Gäste zum Frühstück und sie wenigstens glatt zu streichen, um es nicht so offensichtlich zur Schau zu stellen, wäre doch nur unnötiger Aufwand für zwei Gäste. 

Nach dem Frühstück heißt es wieder Bergsteigen – auf zu unserem „Haus in den Bergen“. Unterwegs beobachten wir einige Dassies bei ihren morgendlichen Erledigungen.



Ein Blick ins Zimmer, das Bett ist gemacht. Aber schön geht anders. Das Bettzeug in der Ecke zu parken, anstatt es in einen Schrank zu räumen, passt zum Gesamteindruck der Unterkunft. Das Preis - Leistungsverhältnis hat hier deutliche Schräglage. Wir sprechen hier immerhin von etwa 700 Euro für HP pro Nacht, ohne Drives.



Unser Sundowner läuft ähnlich ab wie gestern und endet an einem Wasserloch mit toller Lichtstimmung.



Letzte Nacht - letztes Frühstück und Ortswechsel. 



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zuletzt bearbeitet 14. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202316. Sept. 2026 ·

Montag 26. Mai - Jetzt wird es spannend

Ja, die Spannung steigt. Wir sind voller Neugier und Erwartungen und freuen uns auf Elis, Katzen und Hyänen – so steht es zumindest auf unserem Wunschzettel.

Kurz vor acht Uhr stehen wir an der Rezeption und checken aus. Epacha lassen wir auf Nimmerwiedersehen hinter uns.

Eine knappe Stunde nach dem Aufbruch erreichen wir das Gate und rollen auf der C38 weiter Richtung Osten. Ich muss zugeben: Wir sind ein bisschen aufgekratzt – das hier ist unsere Nationalpark‑Jungfernfahrt, und wir halten alles für möglich: tote Hose, blindes Huhn (unsererseits) oder so viele Tiere, dass wir mit dem Schauen nicht mehr hinterherkommen. Eine kleine Achterbahn der Gefühle – große Erwartungen, große Hoffnungen und gleichzeitig die Sorge, enttäuscht zu werden.

Mit 30 km/h tuckern wir durch den Park – also fast schon Schrittgeschwindigkeit, aber wir möchten schließlich keinen Elefanten übersehen. Unser Ziel ist das Onguma Bush Camp, und da wir die Fahrt heute als Tagesausflug betrachten, müssen wir erst bei Sonnenuntergang dort sein.

Erster Stopp: Okaukuejo. Allerdings hat man hier nicht mit unserem Besuch gerechnet und die Tiere noch nicht am Wasserloch drapiert. Einzig ein Böckchen und zwei Vögel geben uns die Ehre. In sehr weiter Entfernung erkennen wir noch ein paar Zebras.



Von der Landschaft die an uns vorüberzieht bin ich ziemlich begeistert. Die habe ich mir längst nicht so beeindruckend vorgestellt. Ein Erdhörnchen auf der Piste bewegt uns zum Anhalten. So goldig wie es sich putzt und sich dabei überhaupt nicht von unserer Karre stören lässt.



Der nächste Kollege der uns ein Lächeln ins Gesicht zaubert ist ein Springbock, der sich sehr fotogen am Wegrand platziert hat.



Mit unserem Zeitpolster erlauben wir uns noch die Wasserlöcher Sueda und Salvadora anzufahren. Beide werden rege von Zebras frequentiert.

Unser Fahrzeug entlockt ihnen kein müdes Augenzwinkern, kein Ohrenwackeln – nichts. Völlig unbeeindruckt widmen sie sich ihrer Bestimmung: die Steppe zu pflegen.



Eine große Zebraherde in der Kneipp‑Anlage – oder doch beim Goldschürfen.



Wir sind wieder auf der Pad und fahren rechterhand an einer sehr großen Grasfläche vorbei. Anscheinend findet da gerade ein Marabu-Festival statt. Wir brauchen erst mal den Feldstecher, um zu erkennen, welches Federvieh da gerade am Tanzen ist. Durch den Späher erkennen wir dann die „Sackgesichter“ und können die Vögel identifizieren. Schick sind die nicht gerade, aber Schönheit liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Wir fragen uns, welche Funktion die Kinnlappen haben. Sind das Futterbeutel? Oder Kotzbeutel? Nein, es sind Partyballons. Wer hätte das gedacht? Wärt ihr da draufgekommen? Die Marabus können damit den großen Macker spielen, wenn sie auf Brautschau sind und das gewisse Etwas in ihre Stimme hineinlegen, auf das die Mädels so stehen. 



Eine Naturfahrt durch den Etosha - Tiere wären durchaus erwünscht, aber die Landschaft hat auch was.



Wir kommen nach Halali und steuern die Tanke an. Kein Benzin! Hier sitzt man auf dem Trockenen – und wir in dem Fall auch. Dumm gelaufen. In Onguma wollten wir nicht unsere Zeit mit der Suche nach einer Zapfsäule verplempern. Aber in dem Fall müssen wir dann doch in den sauren Apfel beißen.

Wir halten uns nicht lange auf – weiter geht’s. Okerfountein ist in Reichweite. Naja… 18 Kilometer – aber machbar. Also los – aber frag lieber nicht, wie. Kennt jemand diese Strecke? Echt jetzt: Das ist doch keine Straße, das ist ein Testgelände für Stoßdämpfer-Sadisten. Keine Schlaglöcher – Krater. Wir fahren Slalom durch ein Minenfeld aus Löchern und werden durchgeschüttelt wie im Schleudergang.

Aber dafür wartet am Wasserloch die große Überraschung: Nichts. Gar nichts. Null. Nada. Nicht mal ein Rascheln im Gebüsch. 

Dann halt wieder Landschaften und ab und zu mal ein Lebewesen auf vier Beinen.



Insgesamt sehen wir während der acht Stunden Fahrt erstaunlich wenige Tiere, manchmal stundenlang gar keine. Landschaftlich ist der Park wirklich schön – aber schöne Landschaften haben wir schon viele gesehen. Unsere Gefühle fahren Achterbahn, weil sich unsere Sichtungswünsche nicht so recht mit der Realität decken. Das konzentrierte Spotten und Fahren strengt an und wir verlieren so langsam unsere Begeisterungsfähigkeit.

Aber die Ankunft in Onguma, die schöne Anlage, der erste Eindruck, setzen sofort neue Energie frei.



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zuletzt bearbeitet 16. Sept. 2026
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202316. Sept. 2026 ·

Wir haben die Honeymoon Suite gebucht – den Settler Room –, weil wir dachten, die Suite würde uns eine exklusivere Lage im Camp bieten. Mehr Abgeschiedenheit, schönere Aussicht. Dafür haben wir rund 50 % mehr bezahlt als für eine der Standardhütten.

Doch statt zu einer abgelegenen Suite gebracht zu werden, landen wir in einem Zimmer mitten zwischen anderen. Das Gebäude könnte früher ein Stall gewesen sein. Wir wohnen hier also – Tür an Tür mit Alice. Ich kann das kaum glauben und google später, ob man uns versehentlich in die falsche Zimmerkategorie gesteckt hat. Spoiler: Nein, es ist keine Verwechslung.

Die Tür wird geöffnet – und mir schlägt ein Gestank entgegen, der mir den Atem raubt. Echt widerlich. Es stinkt wie ein alter, stockiger, vergammelter Putzlappen oder wie ein Brackwassertümpel nach einem langen Sommer.

Während ich gegen meinen Fluchtreflex ankämpfe, spaziert die Mitarbeiterin mit einer Haltung durch das Zimmer, als wäre es das Vorzeigeobjekt der ganzen Lodge – makellos, frisch geputzt, alles perfekt. Wenn ich den Geruch erwähnen würde, käme vermutlich ein irritiertes: Was meinst du.

Es gibt ein Wohnzimmer, ein Schlafzimmer, das Bad und hinten einen Garten, der die Bezeichnung nicht im Entferntesten verdient. Hier will kein Mensch draußen sitzen. Ein eingezäunter Bretterverschlag, der jede Sicht in die Natur blockiert, zwei unbequeme Holzstühle in einer Ecke, eine Wiese, die mehr Acker zeigt als Gras – und das war’s. Ich bin so empört, dass ich erst einmal sprachlos bin.

Blende ich den Geruch und den Garten aus, entsprechen die Räume im Inneren durchaus der gehobenen Kategorie, die wir gebucht haben. Das sieht schon hübsch aus. Und zum Glück besteht unser Aufenthalt hier nicht nur aus Hausarrest. Alles andere ist hier großes Kino, sodass wir letztendlich nur zum Duschen und Schlafen im Zimmer sein werden. Ein Standard Chalet wäre absolut ausreichend gewesen. Den eigentlichen Luxus bekommen alle, auch ohne Aufpreis.



Kaum ist die Mitarbeiterin verschwunden, reiße ich alle Fenster auf. Vielleicht hilft einmal gründlich durchlüften. Im Wohnzimmer stinkt es am meisten. Wir schnüffeln herum, um die Ursache zu finden, aber nichts. Auch im Garten steht keine Pfütze, die modrig riechen könnte. Es bleibt die Hoffnung, dass Lüften das Problem löst.

Derweil gönne ich mir eine Speed‑Dusche und flüchte anschließend aus dem Zimmer.

Auf dem Weg zum Deck spielt ein Gelbschnabel‑Toko mit mir Verstecken. Gehe ich rechts um den Baum, geht er links herum – und umgekehrt. Ein lustiges Spielchen.



Ich drehe eine kleine Erkundungsrunde und lande schließlich auf dem Deck – und hier gefällt es mir ausgesprochen gut. Ich bestelle mir ein Getränk und genieße den Blick aufs Wasser. Das erste Gnu lässt nicht lange auf sich warten. Auch eine kleine Herde Impalas schaut vorbei. Herrlich.



Uwe gesellt sich nach seiner Dusche ebenfalls zu mir. Gemeinsam lassen wir den Nachmittag ausklingen und genießen einen wunderschönen Sundowner, begleitet von grandiosen Farben. Eine Delegation von Giraffen schreitet, eingehüllt in rosa und violette Himmelsfarben, majestätisch aufs Wasser zu. Sie prüfen lange, ob die Luft rein ist, bevor sie sich in die gefährliche Grätsche wagen, um ihren Durst zu stillen. Aber sie tun uns den Gefallen.



Dieses Szenario macht alle kleinen Enttäuschungen des Tages mehr als wett.

Zum Dinner wird uns leider ein Tisch in zweiter Reihe zum Wasserloch zugewiesen. Schade, aber vielleicht bekommen wir morgen einen anderen, sonst werde ich mir die Freiheit nehmen und nachfragen. Für heute ist es okay. Wir hatten ja einen sehr beeindruckenden Sundowner samt fantastischen Wasserspiegelungen und zum Finale Giraffenbesuch.



Das Dinner schmeckt hervorragend, und der Service ist erstklassig. Wir werden von einem Mitarbeiter auf Deutsch angesprochen – und zwar in richtig gutem Deutsch. Wir sind so perplex, dass wir ihn fragen, ob er eine Zeitlang in Deutschland gelebt hat. Seine Antwort: „Ich komme aus Swakopmund.“ – Aha, alles klar. Ist ja fast dasselbe. Wir freuen uns und er freut sich, weil wir uns freuen.

Das üppige Mahl gibt uns für heute den Rest. Die Bettschwere macht sich breit. Oh weh – jetzt müssen wir zurück ins Stinkzimmer. Hoffentlich hat das Lüften geholfen. Wir öffnen die Tür und merken sofort: Das Lüften hat nicht geholfen.

Beim Dinner war das Restaurant ziemlich voll – es liegt nahe, dass auch die Zimmer ausgebucht sind. Ich überlege ernsthaft, ob ich jetzt noch um ein anderes Zimmer bitten soll. Aber die Vorstellung, übermüdet wie wir gerade sind, zu diskutieren, die Koffer wieder zu packen… nein, das brauch ich heute wirklich nicht mehr.

Ich nehme mir vor, morgen früh, direkt vor dem Frühstück, die Sache anzusprechen. Uwe will mir weismachen, dass er nichts riecht, oder nur ganz wenig, weil es ihm höchst unangenehm ist, sich zu beschweren. Mir fällt es auch schwer – mit Sprachbarriere erst recht –, aber ich will ja keinen Bonus, sondern nur ein Zimmer, in dem ich frei atmen kann.

Gute Nacht ihr Lieben.






Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202316. Sept. 2026 ·
Dienstag 27. Mai - jede Menge Zebrastreifen


Ich schlafe sehr schlecht und wache immer wieder auf. Der Geruch ist penetrant und erschwert das Wiedereinschlafen. Was bin ich froh, als die Nacht endlich vorbei ist und wir aufstehen und das Zimmer verlassen können. Nein, ich kann den Mief nicht ertragen. Da muss eine Lösung her.

Mit Uwes Unterstützung bei meinem Bestreben nach einem anderen Zimmer – gerne auch ein Standard‑Rondevel – kann ich leider nicht rechnen. Mein Sprachdefizit zwingt mich zu kreativen Maßnahmen, also tippe ich meine Worte in den Translator ein. Damit marschiere ich kampfbereit zur Rezeption.

Doch die zuständige Mitarbeiterin beherrscht ihren Job. Sie denkt nicht im Traum daran, uns ein anderes Zimmer zuzuweisen. Naja, vielleicht gibt es auch einfach keine freien Zimmer mehr. Stattdessen fragt sie, ob wir den Ursprung des Geruchs lokalisieren können. Nein, können wir nicht. Der Zimmerservice werde sehen, was man machen kann, lautet die Antwort.

Ich belasse es fürs Erste dabei. Heute haben wir einen Besuch im Hide gebucht. Danach werde ich prüfen, ob etwas unternommen wurde – und werde zur Not nochmal Beschwerde einlegen.

Ein Wermutstropfen bezüglich des Hides ist, dass wir erst gegen neun Uhr abgeholt werden. Da ist es ja eigentlich schon gelaufen mit dem schönen Licht und der Aktivität der Tiere. Aber offenbar gibt es kein extra Fahrzeug, um die Gäste hinzubringen. Wir müssen warten, bis die Morning‑Driver zurück sind. Echt doof.

Wir setzen uns so lange aufs Deck und schauen, was hier am Wasserloch so los ist. Erst kommt das Gnu von gestern wieder – zumindest hat es den Anschein.

Es trinkt kurz ein paar Schluck Wasser, dann muss es Energie abbauen. Es scharrt mit den Hufen und pudert sich die Nase – besser gesagt den ganzen Körper. Der Staub nebelt das Tier regelrecht ein.



Ein Geschwader Helm‑Perlhühner trabt an, um nach Würmern und Insekten zu suchen oder einen Morgenplausch am See zu halten. Sogar ein Schakal lässt sich kurz blicken. Er verschwindet allerdings so schnell wieder, wie er gekommen ist.



Wir werden pünktlich abgeholt und im Hide abgesetzt. Etwas später kommt ein Guide mit weiteren Gästen dazu und bleibt auch bei uns.

Die Perspektive ist schon sehr cool.

Eine Handvoll Gnus war schon vor uns hier. Sie halten sich aber recht weit hinter dem Wasserloch auf. Einige stehen da wie Skulpturen aus Bronze. Sie zucken höchstens mit dem Fell, um die Fliegen abzuwehren, während es sich ein paar andere am Boden gemütlich machen und ihr Fahrgestell einklappen. Wir beobachten sie durch den Feldstecher. Da tut sich nichts. Oh doch, jetzt bewegt sich was… ach nein, es ist nur ein weiteres Gnu, das die Hufe einklappt und sich in die Waagrechte begibt.



Mann, ist das aufregend – wie, wenn du einem Faultier beim Marathon zusiehst. Du weißt, es kommt irgendwann ans Ziel, aber bis dahin kannst du locker ein Buch schreiben.
Eine Herde Zebras nähert sich von links. Sie zögern und schauen immer zu uns rüber. Keine Ahnung, ob sie uns wittern.
Gaaanz langsam, fast als sollte es wie zufällig aussehen, kommen sie dem Wasser näher. Nach einer gefühlten Ewigkeit wagen sie es, zu saufen.

Auch ein Muttertier mit Fohlen ist unter ihnen, und so wie es aussieht, hat es schon den nächsten Braten in der Röhre. Und pupsen kann die Lady – sowas habt ihr noch nicht gehört. Die pupst uns den Marsch in mehreren Strophen, und das im Viertelstundentakt.




Und welches Vieh darf in so einer Doku auf keinen Fall fehlen? Elefanten? Baaah, nööö – die erwartet ja jeder. Giraffen? Laaangweilig. Löwen? Zu viel Pulsschlag für Senioren. Neein: Helmperlhühner natürlich. Sie scheinen nicht einmal zu wissen, dass sie Flügel haben.

Eine ganze Armada marschiert im Stechschritt auf das Wasserloch zu. Doch eines der Zebras fühlt sich offensichtlich belästigt und greift beherzt ein. Es scheucht die Hühner wild durch die Gegend – und auch wenn es gemein klingt: Es sieht einfach lustig aus.



Man kann das Federvieh förmlich denken hören: „Huch! Eieieiei, wohin soll ich rennen? Geradeaus? Nein, keine gute Idee. Ich probier’s mal links … Mist, der Gaul ist mir immer noch auf den Fersen. Dann eben rechts … Verdammt, der klebt mir an der Hacke. Hilfe! Wohin jetzt? Hiiilfeee! Kann mir mal jemand helfen? … Moment mal – ich hab ja Flügel! Wie cool ist das denn? Ob ich damit fliegen kann? Ich probier’s einfach mal aus … Jaaaa, das geht tatsächlich!“

Das Huhn flattert dem Zebra davon und ist aus der Schusslinie. Das Zebra sucht sich gleich das nächste Opfer für kostenlosen Flugunterricht.



Auch die Impalas sind sehr schön anzusehen.



Also, mal aufzählen: Welche Gattungen sind denn jetzt hier vertreten? Gnus, Zebras, Hühner, Impalas… Die Szenen wiederholen sich. Drei Stunden sind viel Zeit, um Fotos von vier Gattungen zu machen, ohne die Position zu verändern.

Was macht denn heute eigentlich die Vogelwelt? Es flattert einiges hier herum, und manche Vögel kann ich weder fotografieren noch benennen. Aber einer ist sehr markant – den haben wir schon öfter gesehen. Ich spreche von der Spitzschwanz‑Paradieswitwe. Ein Männchen. Es fliegt immer wieder hin und her und stellt seinen schönen langen, schwarzen Schwanz zur Schau, um Bräute anzubaggern. Tja, den muss er allerdings opfern, sobald er eine Dame erfolgreich bezirzt hat.

Wenn denn eine dazu bereit ist, ihm ein Ei zu legen, tut sie das nicht im eigenen Nest – neeeein, die Braut ist freiheitsliebend. Sie verbringt doch nicht ihre kostbare Lebenszeit damit, die bucklige Verwandtschaft großzuziehen. Schlau wie sie ist, schmuggelt sie die Nachwuchskapsel in fremde Nester, zum Beispiel bei den Prachtfinken. Die dürfen sich dann mit der Aufzucht herumschlagen, während Madame sich wieder dem schönen Leben widmet.

Dann landet ein großer Vogel am Ufer des Tümpels. Echt groß – richtig groß! Ein Geier legt eine Rast ein. Aber er ist ganz allein. Wo sind die anderen? Ist er irgendwo falsch abgebogen? Hat er unterwegs seine Reisegesellschaft verloren?

Wir haben im Etosha schon so viele Geier gesehen wie Zebras – und das will was heißen. Aber fast immer in Gruppen. Dieser einsame Geselle hockt in der Sonne und scheint es nicht eilig zu haben. Oder weiß er einfach nicht mehr, wie er nach Hause kommen soll? Hat der Arme einen dementen Aussetzer? Einen Sonnenstich vielleicht?

Nach zehn Minuten spannt er seine enormen Flügel und hebt – etwas schwerfällig – ab. Aber klar: Bei dem Körpergewicht muss man erst mal ordentlich Schub unter die Flügel bekommen.



Der anwesende Guide bietet uns Kaffee und diverse Snacks wie Trockenobst und Nüsse an. Da kann meiner einer echt nicht widerstehen. Kaffee und ich – wir gehören einfach zusammen wie die Streifen zum Zebra.

Aber ihr wisst ja: Der edle Tropfen will irgendwann auch wieder raus. Zum Glück gibt es hier ein WC. Darüber habe ich mich natürlich informiert, bevor ich das schwarze Wässerchen getrunken habe. Jetzt ist es so weit – ich mache mich auf die Suche. Und zu meinem Erstaunen: Das WC hat keine Tür. Okaaay … das ist schon ein bisschen exotisch.

Immerhin ist es nicht bloß ein Bengel zum Draufsetzen. Und der Nächste mit dringendem Bedürfnis muss nicht lange vor einer verschlossenen Tür stehen oder klopfen – er kann mich einfach gepflegt mit Augenkontakt fragen: „Na, bald fertig? Ich müsste dann auch mal.“

Nach knapp drei Stunden ist unsere Zeit im Hide vorbei. Reicht ehrlich gesagt auch, wenn es sonst keine anderen Tiere hierherzieht. Abholung um 9.00 Uhr, Ankunft nochmal zehn Minuten später – das ist einfach keine optimale Zeit. Sehr schade, dass man dieses Erlebnis nicht zum Sonnenaufgang haben kann.

Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version
Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202316. Sept. 2026 ·

Wir werden zusammen mit den sechs anderen ins Fahrzeug verladen und am Bush-Camp abgesetzt. Mein erster Weg führt zur Rezeption. Ich will wissen, ob wir ein anderes Zimmer bekommen können. Die Dame erklärt mir, sie hätten nichts gefunden – vermutlich habe gestern „etwas in der Luft gelegen“. Ich bin skeptisch. Aber wenn alles ausgebucht ist, hat sie wenig Spielraum, uns eine Alternative anzubieten.

Wir öffnen angespannt die Tür und laufen schnüffelnd durch den Wohnbereich. Es riecht tatsächlich bei weitem nicht mehr so schlimm wie gestern und heute Morgen. Aber ganz verschwunden ist der Mief nicht. Ich prüfe das Schlafzimmer: Hier ist Gott sei Dank die Luft rein – im Badezimmer war eh alles okay. Gut, das reicht mir.

Wenn ich die Wahl habe, im Zimmer oder am Wasserloch zu sitzen, muss ich nicht überlegen, wo ich lieber sein möchte. Der Mief im Wohnzimmer kann mich mal. Hauptsache ich kann im Schlaf wieder atmen wie ein Mensch. Und falls der Wind morgen wieder dreht und den Mief zurückbringt, muss ich mich halt komplett am Aussichtsdeck einrichten. Ich stelle mir das gerade bildlich vor, wie ich da auf dem Deck auf dem Sofa liege, den Koffer neben mir und am Morgen kommt das Personal und kann mir direkt Frühstück ans Bett liefern. Ein Upgrade mit Aussicht und Frischluftgarantie.

Zwar ist der tierische Besuch am Wasserloch nicht sonderlich abwechslungsreich, aber das macht nichts. Die Aussicht und der Blick aufs Wasser sind einfach Balsam für die Seele. Ein Buch, ein kühles Getränk, mein Uwe neben mir, ein bisschen Vogelgezwitscher … ich bin im Paradies.



Am späten Nachmittag schwingen wir uns wieder ins Auto und starten zum nächsten Self-Drive-Abenteuer. Ziel: Twee Palms. Klingt nach zwei Palmen, oder? Denkste. Wir kurven um die Fischer’s Pan, halten Ausschau nach der idyllischen Wasserstelle – und finden stattdessen eine ganze Palmplantage. Hübsch, aber das ist definitiv nicht das Wasserloch. Vielleicht haben wir die Abzweigung verpasst? Die Wegweiser-Steine sind so verwittert, da kann man mehr raten als lesen – nicht sehr hilfreich.


Also weiter. Twee Palms fällt für heute aus. Wir entdecken Elefanten-Dung – allerdings ohne Dämpferl. Sprich: nicht frisch. Wir folgen dem Elefanten-Dung-Kompass, denn ehrlich gesagt gibt es auch gar keinen anderen Weg als diesen.



Unser nächstes Ziel ist der Wasserspender Auroe. Der Zufahrtsweg könnte auch mal eine pflegende Hand vertragen. Wir nähern uns dem Wasserloch, und unser Puls steigt. Jeden Augenblick rechnen wir damit, dass ein Eli aus dem Gebüsch traben könnte. Aber wir hören nichts rascheln, nichts knacken, keinen Trompetenstoß – nur Stille. Und so sieht es auch am Tümpel aus: nichts als gähnende Leere und das Schweigen der Lämmer.

In dem Wissen, dass man im Nationalpark Geduld haben muss, bleiben wir eine Weile stehen und warten – aber das Schweigen hält an. Kein Rascheln, kein Knacken, kein Eli, der im Galopp aus dem Gebüsch stürmt und uns den Marsch bläst. Unsere Gefühle fahren Achterbahn – und gerade geht es wieder bergab. Wir lassen Auroe hinter uns.

Tsumcor ruft. Wir umrunden die Salzpfanne. Wo sonst um diese Jahreszeit der aufgerissene Salzboden das Landschaftsbild prägt, bläst jetzt der Wind sanfte Wellen über das Wasser. 



Na endlich, da ist ja sogar was los. 


Abgesehen von der Tierwelt, die sich rarmacht, bin ich wirklich angetan von diesem großartigen Park. Solche schönen Landschaften hätte ich nicht einmal ansatzweise erwartet.

Wir fahren mit offenen Fenstern und sehr langsam. Ungefähr zwei Kilometer vor Tsumcor hören wir ein Knacken und Rascheln. Es kommt von rechts, und schneller, als wir es lokalisieren können, rennt plötzlich ein Elefant vor uns über die Straße. Etwa zehn Meter neben der Pad gibt es ein Schlammloch, das wir vom Weg aus gar nicht gesehen haben.

Er springt ungebremst hinein und saut sich mit Hochgenuss so richtig schön ein. Er dreht sich einmal um sich selbst und sieht aus, als hätte er sich einen Knoten in die Beine gemacht – der reinste Stepptanz. Mit dem Rüssel verquirlt er den Schlamm, und spritzt sich mit der cremigen Matsche ein.

Das ist ganz großes Kino. Der Vorteil, wenn man nichts mehr erwartet: Man wird überrascht – und zwar so richtig.

Leider reicht es nur ein Beweisfoto. 



In Tsumcor steht ein Fahrzeug in Pole-Position. Wir versuchen, den zweitbesten Platz zu ergattern – aber egal wie wir uns drehen und wenden, der freie Blick reicht maximal für die halbe Pfütze. Erstmal passiert: nichts. Ein paar Vögel flattern herum, schnappen sich im Tiefflug entweder einen Schluck Wasser oder picken Insekten von der Oberfläche.

Wir warten. Und werden belohnt – mit einem Giraffenbullen vom Feinsten. Ein stattlicher Kerl nähert sich dem Wasserloch, ganz gemächlich. 

Der feine Herr zögert. Und zögert. Und zögert. Zwanzig Minuten lang steht er da wie bestellt und nicht abgeholt, bevor er sich endlich zur Grätsche herablässt. In der Zwischenzeit wird’s hier richtig voll.



Uwe wird zusehends unruhig. Wir haben weder in Halali noch in Namutoni Motorplörre für den Hilux bekommen. Mein Herzblatt fürchtet, dass es morgen knapp werden könnte, wenn wir stundenlang unsere Runden im Park drehen. Die nächste Tanke liegt allerdings gute 40 Kilometer vom Tor entfernt.

Also entscheiden wir uns relativ spät und spontan, nicht bis zum Torschluss im Park zu bleiben, sondern die Kilometer heute noch runterzuspulen. Es wird knapp mit dem Tageslicht, aber die Uhr sagt: wir können es gerade noch schaffen.
Die Strecke zieht sich allerdings elend lange hin. Ich würde unterwegs gern den einen oder anderen Baum im wunderbaren Abendlicht fotografieren – aber leider haben wir keine Minute zu verschenken, wenn wir uns ans Tempolimit halten wollen - Und das ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Ein paar Meter vor dem Zapfsäulen-Park gibt es eine Kontrollstelle. Wir rollen in Zeitlupe auf die Beamtin zu – sie ist allerdings so in ihr Handy vertieft, dass sie uns keines Blickes würdigt. Also fahren wir, im Schneckentempo an ihr vorbei und biegen ein paar Meter weiter nach rechts ab zur Futterquelle.

Wie ein Schluckspecht beim Frühshoppen genehmigt sich der Hilux reichlich den wertvollen Bodensaft und überlässt uns die Zeche. Während wir warten, bis er seinen Durst gestillt hat, verabschiedet sich die Sonne zusehends, und wir bekommen Nervenflattern: Die Uhr behauptet zwar, wir schaffen es auf die letzte Minute – aber das Licht erzählt eine ganz andere Geschichte.

An der Kontrollstelle wird das Fahrzeug vor uns gründlich gefilzt. Der zuständige Beamte gibt der Handy-Lady den Befehl, uns zu übernehmen. Sie hat unser Fahrzeug offenbar doch registriert – jedenfalls erkennt sie uns sofort und schnauzt uns dermaßen an, dass uns Hören und Sehen vergeht.

Sie faltet uns nach allen Regeln der Kunst, weil wir vorhin nicht angehalten haben. Ich sehe, wie Uwe ansetzt, etwas zu erwidern, flüstere ihm aber zu, er solle seinen Kommentar besser schlucken und sich reuevoll geben. Erstaunlicherweise tut er, was ich sage. Auch er merkt, dass sie gerade Macht demonstrieren will. Und in diesem Spiel haben wir definitiv die schlechteren Karten.
Wir geben uns demütig, fast unterwürfig, und versichern ihr, dass sie natürlich recht hat, dass wir hätten anhalten müssen, und dass es uns leidtut – es käme nie wieder vor.

Plötzlich ist es, als hätte jemand einen Schalter umgelegt. Sie nimmt einen sachlichen, fast beamtenhaften Tonfall an und lässt uns passieren. Was für eine Dramaqueen – alles nur für ein bisschen Aufmerksamkeit des Chefs.

Der Zwischenfall kostet uns gute zehn Minuten. Deshalb werden die letzten Kilometer durchs Reservat zur Nachtfahrt mit Wildtierlotterie. Klar, man plant seine Fahrten natürlich mit Zeitpuffer – aber Theorie und Praxis sind halt zwei verschiedene paar Schuhe. Dieser Nervenkitzel wird unter „Lehrgeld“ verbucht.

Wir sind heute sehr spät dran – die letzten, die zum Dinner erscheinen.



Gerade als uns das Dessert gebracht wird, spazieren etwa zehn Giraffen ans Wasser, darunter zwei Jungtiere. Am Himmel steht der Mond und taucht die Szene in Schwarz-Weiß. Sein Licht spiegelt die Palmen im Wasser – ein Bild wie gemalt.
Romantik pur, gewürzt mit einer Prise Safari-Feeling.

Dieser Tag war ein Gefühls-Cocktail: Erwartung, Enttäuschung, Überraschung, Stress, Romantik…Beinahe ein bisschen viel für einen einzigen Urlaubstag.



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Themenstarter1’058 Beiträge · seit 202316. Sept. 2026 ·
Mittwoch 28. Mai - Aufregung am Wasserloch und Überraschungen im Etosha Park

Um fünf Uhr schälen wir uns aus dem Bett. Eine halbe Stunde später sitzen wir beim Frühstück – als Erste. Mitten auf dem Restaurantdeck empfängt uns ein Kamin, in dem ein Feuerchen wohlig vor sich hin prasselt und Körper, Geist und Seele wärmt. Ich verzichte auf den Tisch in vorderster Reihe zum Wasserloch – es ist ja eh noch stockdunkel – und dirigiere Uwe an einen Platz direkt an der Wärmequelle. Es hat nur acht Grad, und wir sitzen schließlich im Freien.


Wir lassen uns Joghurtmüsli mit frischen Früchten und Croissants schmecken, dazu dampfender Cappuccino. Wer so früh im Restaurant sitzt, hat nur eins im Sinn und dies wissen auch die Angestellten. Aufmerksam wie sie sind, werden wir gefragt, ob wir ein Lunchpaket mitnehmen möchten – und wie wir das wollen. Her damit – wer weiß, wie lange uns Elefanten den Weg versperren, Löwen ihre Beute jagen oder eine Hyäne Knochenarbeit leistet. Besser, wir sind vorbereitet und haben ein Kehrpaket dabei.

Plötzlich ertönt die Alarmanlage der Savanne. Ein Impala fordert Aufmerksamkeit. Die bekommt es nicht nur von seiner Herde- die ausnahmslos in angespannter Körperhaltung in die gleiche Richtung schaut. Auch das Service-Personal sucht nach der Gefahrenquelle. Wortlos spähen sie ins Dickicht auf der anderen Seite des Sees. Es ist noch Nacht. Nur das Licht des Wasserlochs, nicht mehr als eine Funzel macht die Dunkelheit zu einem diffusen Schattenspiel. Zu wenig, um zu sehen, doch genug, um sich etwas einbilden zu können.
Dann entdeckt einer etwas. Leise tritt er an unseren Tisch und flüstert: „Ein Leopard sitzt im Gebüsch.“ Wir, und die wenigen anderen Gäste, die inzwischen da sind, stehen auf, treten vorsichtig zur Brüstung, die Augen angestrengt ins Dunkel gerichtet. Ich wünsche mir so sehr, ihn zu sehen. Doch ich erkenne nichts. Nur Schwarz. Und dunkelschwarz - und Anton den Reiher.



Uwe meint, er habe ihn entdeckt. Er zeigt mir eine Richtung, flüstert: „Da – siehst du ihn?“ Aber für mich bleibt der Leopard unsichtbar. Dafür wird meine Fantasie sehr aktiv. Ich rechne fest mit einem Kill und spüre meinen Puls.

Die Impalas stehen noch immer wie eingefroren, jeder Muskel gespannt, bereit zur Flucht. Minuten vergehen. Dann – ein Schakal. Arglos trabt er geradewegs auf den vermeintlichen Leoparden zu. Falls der überhaupt noch dort sitzt und nicht schon längst einem Impala am Hintern klebt. Herr Schabracke nähert sich gefährlich dem Busch, in dem die Katze sitzen soll. Die Impalas lösen sich aus ihrer Starre und verschwinden lautlos von der Bildfläche. Da kommt doch der Schakal gerade recht. Der setzt sich sogar hin und genießt das Morgengrauen. Boah, ist das spannend….aber es bleibt ruhig. Entweder ist der Leo schon hinter den Impalas her, oder er hat schon gefrühstückt und keinen Appetit mehr. So lautlos wie die Katze gekommen ist – wenn es denn wirklich eine war – so ist sie auch wieder verschwunden. Wie ein Geist in der Nacht.

Noch sitzen wir im Restaurant am Wasserloch, der Weg zum Lindequist-Tor ist kurz und wir liegen gut in der Zeit. Eine weitere Herde Impalas erscheint zum Buschpicknick.
Einige der hübschen Damen hätten gerne einen Schluck Wasser. Doch ihr Macker scheucht sie jedes Mal zurück zur Herde, sobald eine trinken möchte. Dann beginnt er zu röhren – mit einer für so ein zartes Böckchen beeindruckend tiefen Stimme. Ein ausgewachsener Hirsch könnte da durchaus neidisch werden. Ich bin wirklich überrascht von der Tiefe und Lautstärke seines Rufs. Nur: Warum darf sein Harem nicht trinken?

Des Rätsels Lösung kommt von der anderen Seite: Eine zweite Herde nähert sich dem Wasser, und deren Bock erwidert den „Gruß“. Aha – das scheint eine Ansage zu sein, ganz nach dem Motto: „Wehe, du wagst es, meine Mädels anzuschmachten.“
Es ist pures testosterongesteuertes Macho-Gehabe, um Eindruck zu schinden – sowohl bei den Damen als auch bei der männlichen Konkurrenz. Die Böcke haben wohl beide nur das eine im Sinn: Gruppensex – und zwar mit Exklusivrecht.

Unser Kehrpaket wird geliefert und ein Blick in die Box verrät: Dass sieht leeeecker aus - war eine sehr gute Idee. Wir starten unseren Drive in den Etosha. Benzin haben wir jetzt genug. Die erste Aufregung des Tages hat sich gelegt und gleichzeitig auch unsere Abenteuerlust angefeuert.

Es ist immer noch mehr Nacht als Tag, während wir durchs Reservat Richtung Toreingang fahren. Plötzlich steht uns eine sehr große Giraffe im Weg und macht keine Anstalten zur Seite zu treten. Hinter ihr leuchten zwei Augen, nicht auf Giraffenhöhe und auch nichts Kleines. Spannend, was ist das? Für eine Katze sitzen die Leuchtdioden ein bisschen weit oben. Wobei man die Größe eines Löwen durchaus unterschätzen kann. Wir haben eine Vermutung.
Doch erstmal müssen wir warten.



Als die Giraffe uns lange genug ihr Vorfahrtsrecht demonstriert hat, schreitet sie gemächlich weiter und biegt in den Busch ab. Die Augenpaare bewegen sich nicht. Wir fühlen uns ins Visier genommen. Dann bewegt sich das Tier und jetzt bestätigt sich unsere Vermutung: Das andere Augenpaar gehört zu einem Gnu.
Es steht am Seitenrand wie angewurzelt.


Wir rollen ganz langsam im Bogen an ihm vorbei. Als es neben mir ist, will ich sein Porträt von ihm machen - geräuschlos mit dem Handy. Aber plötzlich merkt es, dass Kumpel- Giraffe, schon im Busch verschwunden ist und setzt sich fast panisch in Bewegung. Es rutscht vor Hektik mit den Klauen auf dem Kies ab und ich denke einen Moment, es stolpert mit seinen Hörnern in unser Auto. Ein Schreckensmoment – doch das Gnu bringt den Schleudergang wieder ins Lot und erspart unserem Fahrzeug eine unfreiwillige Perforierung.

Trotz der Giraffenpause stehen wir zwanzig Minuten zu früh vor dem Tor – falsch über die Öffnungszeiten informiert. Vor uns wartet bereits ein Camper. Unser Permit für die gesamte Aufenthaltszeit im Park haben wir bereits am Anderson Gate bezahlt. Trotzdem müssen wir nun hinter dem Camper eine halbe Ewigkeit warten, bis wir endlich durchs Tor rollen können. Währenddessen fährt ein Safari-Fahrzeug nach dem anderen durch den Eingang neben unserer Spur in den Park – und die haben wir später alle vor uns. Oder hätten wir da auch mit unserem Permit ohne Warten reinfahren dürfen? Weiß das jemand von euch?

Ich bin ungeduldig. Die beste Zeit des Tages möchte ich lieber an einem Wasserloch verbringen als hinter einem Fahrzeug herzufahren, das uns die Sicht versperrt.
Doch auch heute haben wir wieder Glück: Die Jeeps halten an, sobald sich ein Springbock oder Impala zeigt – und wir können alle überholen. Der Camper biegt in eine andere Richtung ab und verschwindet ebenfalls bald aus unserem Sichtfeld.

Wir sind unterwegs nach Kalkheuwil. Die Zufahrtsstrecke ist eine wahre Lochmuster- und Rillenpiste - Offroad für Fortgeschrittene.
In Schrittgeschwindigkeit kommen wir, wenn auch später als gedacht, ans Ziel. Doch der Wasserspender ist wieder einmal verwaist. Wir warten…und warten…und warten….Nob, da tut sich nix – der Gedanke, irgendwo anders könnte was los sein und wir verpassen es mit unserer Warterei, treibt uns weiter. Vielleicht haben wir woanders mehr Glück. Irgendwo müssen die Tiere ja sein.

Auf dem Weg nach Cudorb begegnen wir der ersten wirklich großen Herde Gnus, sogar in Gesellschaft einiger Oryx. Zebras sind im Park ebenfalls keine Seltenheit. Man sieht sie beinahe so häufig wie Springböcke und Impalas.



Die nächste Barrikade lässt nicht lange auf sich warten. Diesmal sind die Verursacher Schwarzgesicht-Impalas. Wir haben sie bisher nur selten gesehen – und ich finde, sie haben ganz besondere Augen: groß, ausdrucksstark, fast wie mit Kajal nachgezogen, damit sie noch größer wirken.



Wenn die großen Tiere ausbleiben, richten wir unser Augenmerk viel mehr auf Federvieh und Krabbeltiere. Hier im Park herrscht eindeutig mehr Luftverkehr als Wildwechsel. Leider haben wir weder das Geschick noch das notwendige Fotozeugs, um unser Fotobuch mit beeindruckenden Vogelportraits zu füllen.



Und plötzlich passiert es. Völlig unvorbereitet werden wir von unserem Highlight des Tages überrumpelt. Wir stehen gerade, vertieft in die Beobachtung eines Vogels, als sich am Rand des Feldes etwas bewegt. Es rennt – direkt auf uns zu. Nicht klein, nicht groß. Irgendetwas dazwischen. Was ist das? Sekundenbruchteile später schießt eine Hyäne aus dem Gras, galoppiert vor unserer Kühlerhaube über die Pad und verschwindet im Gebüsch. So schnell, dass ich nicht einmal daran denke, mein Handy zu zücken. 

Meine Freude lässt sich kaum in Worte fassen – und gleichzeitig spüre ich diesen kleinen Stich: Der Moment war fast schneller vorbei, als ich ihn begreifen konnte. Ich bedaure es sehr, dass wir diese Begegnung nicht länger auskosten durften.

Wir lassen den Moment noch kurz nachwirken, bevor wir weiterfahren. Uwe lenkt unseren Wagen nach Klein und Grot Okevi. Auch diese Wasserlöcher sind bis auf die Geier-Walli einsam und verlassen.  



Ich muss gestehen: Unsere Self-Drives bieten ein Wechselbad der Gefühle: Frust, Freude, Spannung, Glücksmomente – und dann solche Überraschungen wie die Begegnung mit der Hyäne. All das macht das Selbstfahren für uns zu einem echten Abenteuer, das uns restlos begeistert.
Bei der Reiseplanung hatten wir vorsichtshalber nur drei Nächte in Onguma vorgesehen – wir wussten ja nicht, ob Self-Drives wirklich unser Ding sind. Jetzt wünschte ich, wir hätten viel mehr Zeit gehabt. Nicht nur im Osten, sondern am liebsten im ganzen Park. Beim nächsten Mal wird anders geplant.

Etwa sieben Kilometer hinter Tsumcor passiert etwas, das wir nicht ansatzweise erwartet haben. Da stehen sechs, sieben Fahrzeuge in einer Reihe, alle in dieselbe Richtung ausgerichtet. Da muss was sein. Wir reihen uns ein und sehen schon ohne Feldstecher: Zwei Raubtiere sind am Werk, beschäftigt mit einem Riss. Genaueres lässt sich ohne Fernglas nicht erkennen. Also her mit dem Feldstecher, Schärfe eingestellt – yeeep, das sind zwei Geparde. Bratensoße im Gesicht, Latz verschmiert. Von dem Böckchen ist nicht mehr viel übrig.

Das Foto muss leider sehr vergrößert werden, wenn ihr die Katzen erkennen möchtet. Mit solchen Distanzen ist mein Handy definitiv überfordert.

Einer der beiden ist schon satt, entfernt sich vom Riss, legt sich in den Schatten und beginnt damit, sein Besteck zu reinigen. Der andere ist noch schwer beschäftigt – mit Hingabe leistet er echte Knochenarbeit.



Ansonsten gibt es noch diverse Vögelchen zu sehen. Insgesamt halten wir uns für lausige Spotter. Wahrscheinlich haben wir die Hälfte der Buschbewohner gar nicht erkannt, vielleicht sogar dicht neben der Piste liegend übersehen. Die Geparden waren schon extrem weit weg fürs bloße Auge und die Hyäne eine Sekundensichtung. Mit Highligths können wir also nicht wirklich glänzen. Daher entscheiden wir, heute Abend noch einen geführten Drive in Onguma zu buchen.



Es ist längst Mittagszeit, als wir zurück zur Lodge kommen. Ich gehe zuerst duschen – der Staub des Tages muss runter – und danach zieht es mich direkt wieder aufs Deck mit Blick zum Wasserloch.


Schmiere stehen für ein Steak - Südafrika im Februar 2026 Mauritius – Das andere Afrika (Dezember 2024) Two in One – Kruger Region & Garden Route (Südafrika 2023) Frühstück mit Giraffen – Mai 25 (Revidierte Version) https://www.namibia-forum.ch/forum/thema/10307120-fruehtsueck-mit-giraffen-mai-25-revidierte-version