THEMA: April 2016: Von Maun nach Kasane als Lodgehopper
16 Aug 2016 06:59 #441137
  • leofant
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  • leofant am 16 Aug 2016 06:59
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So, kommen wir zum letzten Teil meines RB. Der wiederum gliedert sich in zwei Hälften.
Zunächst kommen einige unkommentierte Schnappschüsse von der Chobe Riverfront, dann gibt es noch etwas Text.























Sonntag 02.05.2016

Es ist Sonntag, welcher Tag wäre bei Sonntagskindern besser geeignet für einen letzten Paukenschlag? Wir fahren am Vormittag in den Park, beobachten einige Tiere, legen einen Stop bei Serondela ein. Auf der Rückfahrt – genau an einer „Strassenecke“ finden wir eine Python, die einen Impalabock getötet hat. So etwas haben wir noch nie gesehen. Das Reptil hat den Antilopenkörper komplett umschlungen, der – im Vergleich zum Impalakörper – relativ schmale Kopf bewegt sich hin und her und die Schlange züngelt unentwegt. Wie bitte will sie den Bock hinunterschlingen? Kann sie den Unterkiefer wirklich so weit aushängen? Was für die Schlange ziemlich ungünstig ist: Mit ihrer Beute liegt sie – wie bereits geschrieben direkt am Pistenrand. Immer wieder halten Fahrzeuge und die Gäste wollen Fotos machen. Unter solchen Umständen haben wir natürlich überhaupt keine Chance zu beobachten, was sie jetzt mit ihrer Beute anstellt. Die Python fühlt sich gestört und bleibt lieber mal in Lauerstellung. Am Nachmittag fahren wir noch einmal mit dem Boot raus, denn es ist unser letzter Abend auf dem Chobe und da ist ein Sonnenuntergang auf dem Boot nun mal Pflicht. Am nächsten Vormittag fahre ich mit John in den Park, Schlange und Beute sind verschwunden. Wir können allerdings noch eine Schleifspur sehen. Während der Nacht hat sie es anscheinend geschafft, das Impala an eine versteckte Stelle zu ziehen. Schade, ich hätte natürlich nur allzu gerne miterlebt, ob und wie die Python es fertig gebracht hat, den Impalabock zu verschlingen.















Montag 02.05.2016

Ich wache zur gewohnten Zeit auf und warte noch ein paar Minuten, bis sich auch Ruth neben mir bewegt. Im Gegensatz zu den letzten drei Wochen bin ich heute etwas melancholisch. Unsere Abreise nach Deutschland steht auf dem Programm und das kann mich gar nicht heiter stimmen. Aber was hilft´s, wir müssen raus aus dem Bett! Damit der Tag nicht ganz so traurig wird, habe ich mich mit John zu einem letzten Gamedrive verabredet. Meine Frau möchte den Vormittag lieber in der Lodge verbringen, also besuchen nur ihre beiden Männer den Park.
Wir fahren noch einmal das Ufer ab, durchqueren die Ebene Richtung Serondela und ich mache – wie könnte es anders sein - ein paar Fotos. Ja! Ich habe bereits gefühlte 10.000 Elefantenbilder und auch meine Kollektion an Impalafotos ist nicht gerade klein, aber irgendeine neue Situation finde ich immer. Natürlich kommt es, wie es kommen muss. Ausgerechnet heute, wo wir ein Zeitlimit haben, treffen wir auf ein Löwenrudel. Wenigstens einige Bilder muss ich noch machen, das ist klar. Während die anderen Wagen hinter dem Rudel herfahren, sind wir gezwungen, uns Richtung Ausgang orientieren. Der Flieger wartet leider nicht auf mich.







So geht der Vormittag viel zu schnell vorbei und um 10:45 erreichen wir die Lodge. Ich habe noch Zeit um zu duschen und die restlichen Sachen zu packen. Das Angenehme an der Sache ist, dass wir nur mit Handgepäck zurück fliegen, denn im November kommen wir ja wieder, dann wird die Kleidung einmal durchgewaschen und wir haben wieder frische Wäsche für die kommenden drei Wochen. Um kurz vor 12:00 nehmen wir ein kleines Lunch zu uns, sitzen noch einmal auf der Terrasse, blicken hinunter zum Chobe und sind irgendwie gar nicht motiviert, diesen Ort zu verlassen :S

Dann ist es soweit. Wir verabschieden uns von Emily, Mark, Craig, Nyalli und all den anderen. John hat bereits unser Gepäck rausgebracht, wir steigen in den Landcruiser und verlassen die Lodge. Etwa 20 Minuten später stehen wir bereits in der Eingangshalle des Kasane Airports. Jetzt wird es Zeit, Lebewohl zu John zu sagen, das fällt uns noch mal richtig schwer. Zumindest wissen wir, dass wir uns in etwa sechs Monaten wieder sehen werden :woohoo:

Wir checken ein, leider kann man uns hier in Kasane keine Bordkarten für den Lufthansaflug ausdrucken. Das müssen wir also im Transferbereich des Terminals in Johannesburg erledigen. Zunächst warten wir, bis der Air Botswana Flug abgefertigt ist, dann können wir durch die Gepäck- und Passkontrolle laufen, um uns in die Wartehalle zu setzen. Es ist jetzt 13:15, aber kein Airlink Flieger landet. Komisch … naja, etwas Verspätung ist nicht schlimm, denn wir haben ja einen Zeitpuffer, die Lufthansa Maschine startet erst um 19:10. Der Zeiger der Wanduhr tickt weiter, nichts passiert. Die ersten Passagiere werden unruhig. Eine „Offizielle“ taucht auf, wird befragt und teilt uns mit, die Maschine hätte Probleme und würde sich etwas Verspäten. Naja, wie gesagt, wir haben einen Zeitpuffer, so denke ich. Gegen 14:00, also zur eigentlichen Abflugzeit, hören wir das Grollen von Düsentriebwerken, die Airlink Maschine ist gelandet. Wir sind etwas erleichtert. Die Passagiere verlassen die Maschine, wir können sie an unserem Warteraum vorbeilaufen sehen. Sonst passiert aber nichts. Eine halbe Stunde später, es ist bereits kurz vor 15:00 werden einige Passagiere wieder unruhig. Sie versuchen, Irgendjemanden aufzutreiben, der vielleicht mal eine Info für uns hat. Das gelingt auch, allerdings teilt man uns nur mit, die Maschine hätte ein technisches Problem und man würde sich bemühen, dieses Problem zu lösen. Hmmm… irgendwie klingt das nicht gut. Neben uns sitzt ein Paar aus Japan. Wir kommen ins Gespräch und er zeigt mir sein Ticket für den Weiterflug nach Tokyo. Sogar ich als Laie kann erkennen, dass er diese Maschine wohl nicht mehr erreichen wird.

Die Zeit vergeht, wir sitzen – inzwischen sind alle genervt – noch immer hier und warten. Auch ich werde immer nervöser, denn unser Zeitpuffer schmilzt dahin hin, wie das berühmte Eis in der Sonne. Ich rechne unseren Zeitplan durch. Die Maschine startet um 19:10, der Schalter, an dem wir die Bordkarten erhalten, schliesst 45 Minuten vorher, also um 18:25. Wir sind noch nicht mal gestartet. Oh, oh, das wird knapp.

Es ist jetzt 16:00. Ich beginne mir Gedanken zu machen, was eigentlich passiert, wenn wir den Flug nicht erwischen. Das schöne Upgrade für die Business Class ist dann futsch, wir müssen in Johannesburg übernachten und ich muss einen Rückflug in der Economy Class für den folgenden Tag buchen. Das sind keine tollen Aussichten. Meine Gedanken werden durch zwei Mitarbeiterinnen von Airlink unterbrochen. Sie laufen tatsächlich zur Glastür und verkünden mit lauter Stimme, das Boarding könne jetzt beginnen. Fast alle Passagiere sind ziemlich gereizt, manche applaudieren höhnisch, wir packen unsere Sachen und stellen uns an. Jetzt zählt jede Minute. Wir laufen über das Flugfeld zur Maschine, alle steigen ein, die Uhr tickt unerbittlich. Irgendwann sitzen alle, die Türen werden verschlossen und es geht los. Ich kann nicht anders, immer wieder schaue ich auf meine Uhr, obwohl ich den Flug dadurch keine Sekunde beschleunigen kann.

Um kurz vor 18:00 landen wir in Johannesburg. Meine kurz aufflackernde Hoffnung, dass wir vielleicht direkt an einem Gebäude andocken und dadurch Zeit sparen, zerschlägt sich. Wir parken ausserhalb und werden in Busse verfrachtet. Ich spreche mit einer Begleiterin von Airlink. „Hören sie, wir sind unheimlich spät dran und müssen noch bei der Lufthansa die Bordkarten besorgen, können sie uns helfen?“ Die Dame lächelt uns an „Bitte melden sie sich noch mal bei mir, wenn wir am Terminal sind.“ Naja, das ist ja immerhin etwas. Der Bus startet. Fährt er langsamer als sonst? Nein, ich glaube, das ist nur mein subjektiver Eindruck. Ich bin wohl gerade etwas verspannt. Wir halten am Terminal und steigen aus. Ich wende mich wieder an die Mitarbeiterin von Airlink. „Was können wir jetzt tun? Können sie sich mit Lufthansa in Verbindung setzen und sagen, dass wir ein paar Minuten später zum Schalter kommen?“ Sie schaut mich nur freundlich an und sagt: „Sorry, ich kann doch nichts für sie tun. Ich muss mich um andere Passagiere kümmern. Ich wünsche ihnen viel Glück!“. Dann dreht sie sich um und spricht mit anderen hektischen Reisenden.
Das kann doch wohl nicht wahr sein! So also sieht die Hilfestellung von Airlink aus? :evil: :evil:
Ich habe noch nicht mal Zeit, um zu reklamieren. Ich schaue meine Frau an und sage: „Wir müssen jetzt rennen und hoffen.“ Unser Vorteil ist, dass wir genau wissen, wohin wir rennen müssen. Und los geht´s, hinein in die Halle, die Rolltreppe hoch und mit Höchstgeschwindigkeit die langen Gänge entlang. Die Uhr tickt. Irgendwann erreichen wir die Passkontrolle kurz vor den Schaltern für die Bordkarten. Dort befindet sich – wie kann es anders sein – eine lange Menschenschlange. Wir rennen darauf zu und ich rufe mit letzter Kraft: „Sorry, sorry, unser Flug startet gleich, bitte lassen sie uns durch!“ Bereitwillig machen tatsächlich alle Platz, wir ducken uns, um die Absperrungen abzukürzen und werden dabei interessiert von den Beamten bei der Passkontrolle beobachtet. Dann haben wir einen Schalter erreicht. Zu meiner Überraschung winkt uns der Beamte zu sich, schaut sich kurz die Pässe an und stempelt sie ab. „Go, go, go“ ruft er und schmunzelt dabei. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen. Noch einen Gang, dann erreichen wir die Schalter.

An einer Stelle sehen wir das Lufthansa Logo, dort sitzen zwei Frauen in Uniform. Wir erreichen den Schalter und winken kurz, denn es ist mir unmöglich, etwas zu sagen. Ich bin völlig ausgepumpt und muss erst einmal zu Atem kommen, meiner Frau geht es nicht anders. Wortlos lege ich erst einmal unser e-Ticket und die Pässe auf den Tresen. Dann kann ich wieder sprechen und erkläre unsere Situation. Eine Mitarbeiterin schaut in ihren Computer und tatsächlich findet sie unsere Plätze. „No Problem, “ sagt sie, „ich drucke die Bordkarten aus.“ Wir atmen immer noch schwer und ich hebe meine Hand und lasse mir von beiden Ladys die „High Five“ geben. Jetzt müssen sie lachen, machen aber bereitwillig mit. WIR HABEN DAS RENNEN GEWONNEN!

Kurz darauf erhalten wir unsere Bordkarten, durchlaufen die Gepäckkontrolle und sind auf dem Weg zum Gate. Immerhin haben wir unsere Aufgabe ca. fünf Minuten vor Schalterschluss gemeistert. Das muss gefeiert werden. Also machen wir noch einen kurzen Abstecher in die Lounge, ordern ein Glas Weisswein und zehn Minuten später laufen wir – immer noch ausgepumpt, aber glücklich – zum Boarding. Selten waren wir so froh ein Flugzeug zu besteigen, wie heute. Wir machen es uns völlig entspannt auf unseren Plätzen gemütlich und ich überlege: Man kann es uns wirklich nicht recht machen. Heute früh waren wir traurig, weil wir Afrika wieder verlassen mussten. Dann wollte das Schicksal unseren Aufenthalt verlängern, das mochten wir aber auch wieder nicht. Ja was denn nun? Vielleicht liegt es ja daran, dass wir für solch spontane Verlängerungen einfach zu alt sind. Ich muss mal darüber nachdenken :whistle:

Nachtrag

Während ich diesen Reisebericht fertigstelle, zählen wir die Tage bis zur nächsten Reise. Am 08.11. geht es endlich wieder los! Wie üblich besuchen wir um diese Zeit für ca. 3 Wochen unsere Freunde Gabi und Phil in der Garden Lodge. Aber halt! Diesmal müssen wir noch eine Woche vor Ort ARBEITEN! Für eine Woche werden wir Botswana verlassen und zwei Camps in Zimbabwe besuchen. Da ist zunächst einmal das runderneuerte Somalisa Camp im Hwange Nationalpark. Das kennen wir nur im „alten“ Zustand und ich muss sehen, ob die Elis den Pool immer noch als Tränke benutzen. Ausserdem verbringen wir drei Nächte im Kanga Camp (Mana Pools) in der Nähe des Zambezi Flusses. Diese Gegend gilt als sehr tierreich und vielleicht habe ich die Gelegenheit, Fotos von Elis zu machen, die auf den Hinterbeinen stehen, um an die Marulafrüchte im Baum zu gelangen. Als mir Beks (der Mitbesitzer) diese Bilder zeigte, hatte ich das gleiche Gefühl, wie damals vor dem ersten Besuch in Somalisa.
DA MUSS ICH UNBEDINGT HIN !

Ganz liebe Grüsse an alle Mitleser
von Walter



Anhang:
Letzte Änderung: 17 Aug 2016 07:52 von leofant.
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