THEMA: April 2016: Von Maun nach Kasane als Lodgehopper
07 Jul 2016 09:20 #436904
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Liebe Fomis,
ja, ja, die Zeit, sie rennt! Seit Anfang Mai sind wir schon wieder zurück aus Botswana, aber ich habe einfach keine Zeit gefunden, meinen Bericht zu schreiben. Jetzt sieht es zeitlich bei mir ein wenig besser aus, also starte ich mein Tagebuch und hoffe, in einem akzeptablen Zeitraum bis zum Ende durchzukommen.
Wie jedes Jahr im (deutschen) Frühjahr wurde ich losgeschickt, um einige Eindrücke von Unterkünften – diesmal nur in Botswana - zu sammeln. Ich habe nun mal ein hartes Los. Da wo andere Urlaub machen, muss ich „auf Arbeit“ hinfahren. Glücklicherweise hat mich auch diesmal wieder meine Frau Ruth unterstützt, das machte mir den Aufenthalt ein bisschen leichter ;-)

Unsere Tour in Stichpunkten:

12.04.16 Abflug Frankfurt – Johannesburg (zum ersten Mal mit Lufthansa)
13.04.16 Ankunft in JNB, weiter mit Airlink nach Maun, von dort weiter mit dem Buschflieger (Safari Air) an den Rand des Makgadikgadi Nationalparks. 3 Übernachtungen in Leroo La Tau (Desert & Delta)
16.04.16 Transfer mit dem Buschflieger (Mack Air) ins Okavango Delta, 2 Übernachtungen in der Sandibe Safari Lodge ( & Beyond)
18.04.16 Transfer (Mack Air) in den südlichen Teil des Deltas, 1 Übernachtung im Xudum Safari Camp ( & Beyond)
19.04.16 Tansfer (Mack Air) in den nördlichen Teil, 3 Übernachtungen im Camp Okavango (D & D)
22.04.16 Transfer (Safari Air) in den Moremi NP, 3 Übernachtungen im Camp Moremi (D & D)
25.04.16 Flug (Safari Air) nach Savute, 2 Übernachtungen in der Savute Safari Lodge (D & D)
27.04.16 Flug (Safari Air) nach Kasane, 5 Übernachtungen in der Garden Lodge
02.05.16 Abflug mit Airlink von Kasane nach Johannesburg, dann weiter mit LH nach Frankfurt

Während wir im Frühjahr 2015 überwiegend in Südafrika als Selbstfahrer unterwegs waren, sollte es diesmal wieder eine Reise unter dem Motto: „Betreutes Reisen – Betreutes Wohnen“ werden, bei der wir uns um nichts kümmern wollten. Ja, ja, ich habe bei dieser Beschreibung auf einen Fomi-Ausdruck zurückgegriffen, ich denke mal, Bele wird es erlauben :whistle:



Dienstag 12.04.16
Wir sitzen im Auto meines Schwagers und lassen uns zum Frankfurt Airport chauffieren. Der ist nicht wirklich weit entfernt von unserem Wohnort (ca. 15 Minuten), wir starten aber trotzdem relativ früh, denn wir wollen eine neue LH Lounge im Terminal E testen. Wir haben ein Upgrade für die Businessclass in der Tasche, das machte die Sache ziemlich angenehm. In all den Jahren flogen wir ausschliesslich mit der SAA ins südliche Afrika, deshalb bin ich gespannt, wie die Lufthansa im Vergleich abschneiden wird. Im Vorfeld hatte ich die Info bekommen, dass es nicht möglich sei, mit der LH zu fliegen und trotzdem das Gepäck bis Maun durchzuchecken. Das erwies sich als falsch. Die Dame am LH Schalter konnte uns sogar die Bordkarten für den Airlink Flug am nächsten Tag ausdrucken. Damit war das Thema „wir müssen nach SA einreisen, im Domestic Departure Bereich bei Airlink einchecken und dann wieder zurück zur International Departure Halle" vom Tisch. Um bei einer eventuellen Verspätung ja nicht unter Zeitdruck zu kommen hatte ich sicherheitshalber den Bidvest VIP Service gebucht, das hätte ich mir also sparen können. Trotzdem schicke ich an dieser Stelle ein Dankeschön an das Fomi Cecile für die Infos :kiss:

Der Weg durch die Handgepäckkontrolle ist schnell absolviert, schon bald sitzen wir in der Lounge organisieren uns zwei Gläser Weisswein, prosten uns zu und beginnen damit „ganz offiziell“ unsere Reise nach Botswana. Wir werden (einen dreitägigen Besuch im Tuli Block eingerechnet) immerhin zum 15. Mal botswanischen Boden betreten. Ja ! Wir lieben dieses Land :)

Etwa 21:30 machen wir uns auf den Weg zum Gate und besteigen die Boeing 747. Die Business Class macht einen guten Eindruck. Was für uns erfreulich ist: Genau wie bei der SAA lassen sich die Sitze in eine waagrechte Position stellen, man hat also ein „richtiges“ Bett zur Verfügung. Ich bin nicht mehr der Jüngste und meine alten Knochen sind dankbar für diese Art der Reiseerleichterung. Das Personal in der Kabine ist ausgesprochen freundlich und gut gelaunt, wir fühlen uns sofort wohl an Bord. Pünktlich werden die Türen geschlossen und wir rollen zur Startbahn. Nach dem Start suchen wir uns das Abendmenü aus und lehnen uns völlig entspannt zurück. Ach ist das schön! Morgen um diese Zeit können wir schon auf unserer Terrasse mit Blick auf den Boteti sitzen und den Sternenhimmel des südlichen Afrika bewundern. Dazu gibt es garantiert ein Konzert verschiedener Tierstimmen …
ICH KANN ES KAUM ERWARTEN! :woohoo: :woohoo:

Mittwoch 13.04.16
Irgendwann am frühen Morgen wachen wir ganz von alleine auf. Ich schaue meine Frau an und wir nicken uns zu: Ja, wir haben ganz gut geschlafen und sind bereit für unsere kleinen Abenteuer in Botswana. Bald darauf gibt es Frühstück, dann dösen wir noch ein wenig und landen um kurz vor 09:00 in Johannesburg. Wegen einer Gewitterfront mussten wir einen kleinen Umweg fliegen, deshalb haben wir etwas Verspätung. Wir verabschieden uns von den Flugbegleitern (innen). Ich muss es noch mal sagen: Die Crew war extrem nett, für unsere Begriffe sogar noch etwas freundlicher als bei der SAA. Kaum haben wir das Flugzeug verlassen, werden wir auch schon von einer Bidvest Mitarbeiterin in schicker grün-weisser Uniform erwartet. Sie hat ein Schild mit unserem Namen in der Hand, wir haben also keine Probleme, sie zu erkennen. Ich erkläre ihr, dass unser Gepäck bereits durchgecheckt ist und dass wir ihre Hilfe eigentlich nicht mehr benötigen, aber davon will sie nichts hören. Sie hat den klaren Auftrag, sich um uns zu kümmern und den führt sie selbstverständlich aus. Sie schnappt sich ein Stück Handgepäck von Ruth und los geht´s durch die langen Gänge des Transitbereichs. Unterwegs fragt sie, wie unser Flug war und ob wir das erste Mal in Afrika sind. Nachdem wir ihr sagen, wie oft wir schon ins südliche Afrika gereist sind, ist sie beeindruckt und meint, wir müssen diese Region wohl sehr lieben. Das können wir natürlich ohne Einschränkung bejahen. Wir erreichen die Passkontrolle, unsere Begleiterin achtet darauf, dass wir so schnell wie möglich durchgeschleust werden, wenig später folgt noch die Kontrolle des Handgepäcks, dann fahren wir die Rolltreppe hoch und erreichen die riesige Abflughalle mit den vielen, vielen Geschäften. Ein paar Minuten müssen wir noch laufen, dann kommen wir zu „unserer“ Rolltreppe, die hinauf zur SAA Baobab Lounge führt. Unsere Begleiterin betritt mit uns die Lounge, läuft zielstrebig vor uns her und sucht uns zwei Sessel aus. Wir stellen unsere Sachen ab und bedanken uns bei ihr. Ich muss noch quittieren, dass der Service ok war, dann lächelt sie uns noch einmal an, wünscht uns eine gute Reise und verlässt die Lounge.

Meine Frau organisiert uns ein zweites Frühstück, während ich einige SMS an die Lieben zuhause schreibe. Um 11:00 machen wir uns schon wieder auf den Weg zum Gate. Auch diesen Weg sind wir schon einige Male gelaufen, müssen uns also überhaupt nicht neu orientieren. In dem Moment, als wir den Schalter erreichen, beginnt die Prozedur des Boardings. Wir sind deshalb die ersten und können uns im wartenden Bus unseren Lieblingsplatz aussuchen. Gegen 11:45 werden wir zu dem Flieger aufs Vorfeld gefahren. Bald darauf sitzen wir in Reihe 1 und warten darauf, dass alle Passagiere ihre Plätze eingenommen haben, dann geht es auch schon los.



Der Flug nach Maun dauert gut 1 ½ Stunden. Bei klarem Himmel zieht die Landschaft unter uns vorbei. Die Salzpfannen der Makgadikgadi Pans leuchten zu uns herauf, wenig später kann ich auch schon den Thamalakane River erkennen. Ich sehe, dass er nicht besonders viel Wasser führt, die Regenzeit war nicht wirklich ergiebig. Wir überfliegen den Fluss und schwenken nach rechts, dann liegt auch schon der Maun International Airport in unserem Blickfeld. Die Landung ist sanft, wir rollen zum Haltepunkt vor dem Flughafengebäude und wenige Minuten später können wir auch schon aussteigen. Ruth und ich haben immer ein paar Einreiseformulare vorrätig. Die konnten wir deshalb schon in Johannesburg ausfüllen. Wie immer begrüssen wir die Beamtin am Schalter mit ein paar Brocken der Sprache Setswana, sie lächelt und antwortet und Ruckzuck ist für uns die Einreiseprozedur vorüber. Bald darauf können wir unser Gepäck in Empfang nehmen. Am Zoll kümmert sich niemand um uns, dann betreten wir die kleine Empfangshalle. Sofort erkennen wir die Dame von Desert und Delta. Auch sie hält ein Schild mit unserem Namen in der Hand. Wir begrüssen sie – natürlich wieder auf Setswana. Ich frage sie, wie sie geschlafen hat, stelle fest, dass heute ein heisser Tag ist und sie ist überglücklich, dass ein deutscher Tourist mit ihr in ihrer Muttersprache redet, so etwas passiert nämlich sehr selten. Englisch ist neben Setswana die offizielle Umgangssprache in Botswana, deshalb machen sich die wenigsten Gäste die Mühe, ein paar Worte in Setswana zu lernen. Zwei Gäste aus Frankreich stossen jetzt zu uns, damit ist unsere Reisegruppe komplett. Unser Gepäck wird auf einen kleinen Rollwagen geladen, während wir uns bei der Handgepäckkontrolle anstellen. Danach sitzen wir noch ein paar Minuten in einem Raum (Halle wäre etwas übertrieben). Dann erscheint unser Pilot, wir treten aufs Vorfeld und besteigen einen kleinen Bus, der uns zum Buschflieger bringt. Um 14:15 rollt die kleine Maschine zur Startbahn und kurz darauf schwingen wir uns in die Lüfte. Keine Wolke zeigt sich am blauen Himmel, es verspricht ein ruhiger Flug zu werden.


Etwa 40 Minuten später sind wir bereits in den Sinkflug übergegangen. Ich schaue aus dem Fenster und kann einige Elefanten an einer Wasserstelle erkennen. Wir fliegen jetzt parallel zur Teerstrasse, die das Städtchen Maun mit dem Ort Nata verbindet, dann taucht die staubige Landepiste vor uns auf. In niedriger Höhe überfliegen wir den Airstrip, der Pilot schaut, ob auch keine Tiere die Piste blockieren, dann fliegen wir eine scharfe Kurve und setzen ziemlich genau um 15:00 sehr sanft auf der Piste auf. Flug Nummer 1 haben wir ohne Probleme absolviert, so kann es weiter gehen :)




Kaum hat der Pilot die Cessna am Rand der Piste geparkt und den Motor abgestellt, nähert sich auch schon ein Safarifahrzeug. Wir werden freundlich begrüsst und das Gepäck wird umgeladen. Dann warten wir noch, bis der Buschflieger wieder gestartet ist. Jetzt machen wir uns auf den Weg zur Lodge. Wir folgen einer schmalen Sandpiste. Mal windet sie sich durch dichtes Buschwerk, mal öffnet sich die Landschaft. Einige Vögel fliegen an uns vorbei, grosse Tiere sind aber nicht auszumachen. Nach ca. 30 Minuten haben wir unsere erste Station, Leroo La Tau, erreicht. Wie wir es aus von anderen Unterkünften gewohnt sind, werden wir mit Gesang und einem kühlen Getränk von der Staff begrüsst. Die Angestellten stellen sich einzeln vor und jede bzw. jeder gibt uns die Hand. Natürlich haben wir keine Chance, uns die ganzen Namen zu merken, aber zum Glück tragen alle Namensschilder, das macht die Sache für uns viel einfacher. Es wäre uns unangenehm wenn wir mit unseren Vornamen angesprochen werden und wir keine Ahnung hätten, wie unser Gegenüber heisst. Wir werden von einem der Manager auf die offene Veranda geführt. Während man unser Gepäck zur Unterkunft trägt, bekommen wir einige Informationen zur Lodge und dem täglichen Ablauf.

Leroo La Tau liegt am Rand des Boteti River. Auf der anderen Uferseite beginnt bereits der Makgadikgadi Nationalpark. Die Lodge hat 12 Chalets, es können also bis zu 24 Gäste übernachten. Der Uferrand ist an dieser Stelle über 20 Meter hoch, deshalb hat man vom Hauptgebäude und von den Chalets einen tollen Ausblick über den Fluss bis in den Park hinein. Acht Jahre zuvor standen wir genau auf der gegenüberliegenden Seite im Park. Damals war der Boteti ausgetrocknet und im Flussbett tummelten sich viele Gnus, Zebras und Elefanten. Ich konnte hoch oben ein Chalet erkennen und hatte schon damals den Wunsch, irgendwann mal genau dort zu stehen und das bunte Treiben im Flussbett zu beobachten. Dieser Wunsch ging also jetzt endlich in Erfüllung, auch wenn – wegen des Wassers im Flussbett und wegen einer anderen Jahreszeit – die Tiere nicht so zahlreich sind wie damals. Egal ob man sich am Haupthaus, auf der Veranda neben dem Pool oder in den Chalets befindet, man hat immer diesen phantastischen Ausblick, Ruth und ich sind uns schon nach wenigen Minuten einig: Das ist ein wirklich schöner Platz hier, wir können mal wieder nicht meckern.

Der normale tägliche Ablauf sieht so aus: 06:00 Wecken, 06:30 Frühstück, 07:00 Abfahrt zum Gamedrive. Gegen 11:00 Rückkehr (je nachdem, was man so sieht), ca. 11:30 Lunch. Die Zeit bis zum High Tea dient der Entspannung. Um 15:00 trifft man sich wieder, um 15:30 startet man zum Nachmittags-Gamedrive. Gegen 18:00 stoppt man zum Sundowner, um 18:30 ist man wieder in der Lodge. Dann bleibt einem eine gute halbe Stunde um sich frisch zu machen, bevor man zum Sundowner an der Bar abgeholt wird. Danach wird das Dinner serviert.
Dann begleitet man uns zu unserem Chalet. Es besteht aus einem grosszügigen Wohn- Schlafraum, sowie einem separaten Bad mit Duscheinheit. Die ganze Front ist verglast und bietet einen traumhaften Ausblick über den Boteti und in den Park. Auch auf der Aussichtsterrasse lässt es sich gut aushalten.

















Wir richten uns kurz ein, dann werden wir auch schon wieder zum High Tea und zu der ersten Ausfahrt erwartet. Unser Guide Lasty stellt sich vor. Er wird unser Begleiter für die nächsten 3 Tage sein. Es dauert nur kurze Zeit, dann merke ich schon, dass wir uns gut verstehen werden. Zufrieden machen wir uns auf den Weg zum Wagen, mit uns kommt ein Ehepaar aus Kanada, sowie Chris aus England. Der Weg führt hinunter zum Boteti. Der ist an einigen Stellen komplett trocken, deshalb durchqueren wir das sandige Flussbett ohne Kontakt mit dem Wasser.

Der Gamedrive verläuft sehr entspannt, die „üblichen Verdächtigen“ wie Impalas, Kudus, Zebras tauchen auf. Wir kommen an einen Flussabschnitt, der Wasser führt. Am Ufer grasen Impalas und Kudus. Während ein Kudu ziemlich entspannt durch das Wasser zur anderen Seite läuft bewegt sich ein Impala vorsichtig an den Rand des Wassers und springt dann mit einem Riesensatz ans andere Ufer. Das nächste Impala reagiert genauso. Es scheint so, als hätten diese Antilopen schlechte Erfahrungen mit Krokodilen gemacht.




Wir sind jetzt eine halbe Stunde Minuten unterwegs, plötzlich hören wir ein komisches Geräusch. Lasty stoppt, steigt aus und betrachtet sich den hinteren Reifen. Tja, der sieht ziemlich platt aus! Also heisst es für uns: Aussteigen und die Landschaft geniessen, während Lasty in der Nachmittagshitze schuften muss. Unser Angebot ihm zu helfen lehnt er ab. Bald darauf ist der Ersatzreifen montiert und wir setzen unsere Fahrt fort.


Wie immer, wenn wir auf der Pirsch sind, vergeht die Zeit sehr schnell. Es ist kurz vor 18:00, die Sonne steht bereits knapp über dem Horizont. Wir halten an einer übersichtlichen Stelle und steigen aus. Lasty holt einen Klapptisch hervor, darauf kommt ein Tischdeckchen, dann werden verschiedene Getränke und Häppchen angeboten. Wir haben bereits vor dem Gamedrive Weisswein geordert, deshalb reicht er uns jetzt zwei gut gefüllte Gläser. Wir bedanken uns und drehen uns automatisch Richtung Sonne, die sich rot verfärbt und die Bäume am gegenüberliegenden Steilufer als schwarze Scherenschnitte präsentiert. In unserer unmittelbaren Umgebung herrscht wieder einmal diese wunderbare friedliche Stimmung, die wir während der „goldenen Stunde“ schon so oft erlebt haben. Das sind die Sundowner, die meine Frau liebt! Leider versinkt die rote Sonnenscheibe in den Tropen extrem schnell, wenige Minuten später wird der rosafarbene Himmel langsam grau. Wir sehen noch einen Geier vorbeifliegen, der sein Nest in einer hochstämmigen Palme ansteuert, dann steigen wir bei beginnender Dämmerung wieder in den Wagen und fahren zurück.





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08 Jul 2016 09:55 #437032
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Es ist schon dunkel, als wir die Lodge erreichen. Deshalb werden wir von einem Guide zum Chalet begleitet. Die Lodge hat zwar einen elektrischen Zaun, der ist aber so hoch angebracht, dass er nur die Elefanten an einem Besuch hindert, alle anderen Tiere können auf dem Areal umherstreifen – wenn sie es denn möchten. Wir gehen kurz duschen und werden ein knappe halbe Stunde später zum Dinner abgeholt. Zunächst wird uns ein Rotwein an der Bar serviert, hier treffen wir auch das Ehepaar aus Frankreich wieder. Wir verstehen uns gut mit ihnen, viel besser als mit den Kanadiern, aber leider sind sie in einem anderen Fahrzeug. Nach einem Glas Rotwein gehen wir an den langen Tisch. Hier sitzen Gäste, Guides und die Manager Nelson + Hannah zusammen, genießen das gute Essen und die nette Unterhaltung. Zunächst werden die einzelnen Gänge des Menüs vom Küchenchef / der Küchenchefin vorgestellt, dann erklärt der Weinkellner, welcher Rot- oder Weisswein heute ausgeschenkt wird. Selbstverständlich kann man auch Bier, oder antialkoholische Getränke bestellen. Grosse Krüge mit Wasser stehen sowieso immer auf dem Tisch.

Um 21:00 sind wir todmüde und lassen uns zurück bringen. Wir gehen noch einmal kurz auf die Terrasse um den Sternenhimmel zu bewundern. Aus den Büschen neben dem Chalet hören wir die Stimme einer Nachtschwalbe, eine andere antwortet. Fledermäuse schwirren nah an uns vorbei. Es ist genauso, wie ich es mir vor knapp 24 Stunden erträumt habe! Dann machen wir uns bettfertig, krabbeln unter die Decken und sind wenige Minuten später auch schon eingeschlafen.

Donnerstag 14.04.2016

Um 05:45 summt unser Wecker, allerdings sind wir bereits wach. Dafür hat schon ein Francolin gesorgt, dass irgendwo in unmittelbarer Nähe den Tag beginnen möchte. Obwohl ich diese Art von Weckruf schon so oft gehört wird meine Zuneigung zu diesen Vögeln wohl auch in Zukunft eher verhalten sein :evil: Ich finde nämlich, man kann ruhig warten, bis die Sonne aufgegangen ist, bevor man müde Touristen mit seinem Gegackere nervt. Wir haben noch etwas Zeit, bevor jemand an unsere Tür klopfen wird. Deshalb bleiben wir noch im Bett und schauen durch die Glasfront hinaus. Draussen verfärbt sich der Horizont erst blutrot, später orange. Die Sonne wird genau gegenüber aufgehen, einfach fantastisch!

Während wir uns mit einer Katzenwäsche erfrischen und die Zähne putzen, ruft jemand nach uns. Richtig! Das ist der „Wakeup Call“, Zeit für die Langschläfer, auch aufzustehen. Wir sind kurz darauf schon fertig für den Tag. Ich mache noch ein paar Fotos, dann laufen wir zum Haupthaus. Wir sind mal wieder die ersten, aber das Minibuffet ist bereits vorbereitet. Um diese Zeit gibt es Joghurt, Muffins, Cornflakes, etc und Kaffe oder Tee. Wenn wir am späten Vormittag zurückkommen, dann wartet ein reichhaltiges Essen auf uns. Zwischen 06:30 und 07:00 versammeln sich alle Gäste, ziemlich genau um 07:00 brechen wir auf. Die Mannschaft ist die gleiche wie gestern, also die zwei Kanadier und Chris. Zu dem Ehepaar aus Kanada haben wir irgendwie keinen „Draht“, während wir uns mit Chris richtig gut verstehen und viel Spass haben. Das mag an seinem typisch englischen Humor liegen, den schätzen wir ja sehr.

Zunächst fahren wir wieder ins Flussbett. Alles scheint noch ruhig und friedlich. Wir beobachten ein paar Vögel, etwas weiter entfernt steht ein Elefantenbulle am Wasser. Lasty stoppt und zeigt uns relativ frische Löwenspuren. Da hat jemand am frühen Morgen einen Kontrollgang gemacht. Am Hippopool ist auch nicht viel los, einige Nilgänse streiten sich, ein Waffenkiebitz fliegt zeternd um uns herum, mehr Action wird uns nicht geboten.







Dann erreicht uns ein Funkspruch. Wir verstehen das Wort „Tau“, also Löwe. Tatsächlich dreht Lasty um, wir fahren zurück, queren das Flussbett und fahren am anderen Ufer entlang. Hier befindet sich ein „Private Game Reserve“, ein Privatgebiet, und da dürfen wir – im Gegensatz zum Nationalpark – auch querfeldein fahren, wenn wir etwas Interessantes sehen. Etwas später biegen wir tatsächlich von der Piste ab und nähern uns einigen Büschen. Dort steht schon ein Fahrzeug der Lodge. Jetzt sehen wir auch die Ohren im Gras, wir haben die Löwen gefunden.
Es ist bereits 09:30 und ziemlich heiss. Deshalb hat sich die Löwentruppe in den Schatten verzogen und döst vor sich hin. Lasty erklärt uns, dass dieses Rudel von zwei Löwenmännern beherrscht wird, sie werden „Blondie & Blackie“ genannt. Während Blondie sich bei seinen Mädels aufhält, bleibt Blackie für uns unsichtbar. Als wir ganz nah bei den Löwen anhalten macht sich die Kanadierin in unserem Wagen bemerkbar. „Oh, oh, Lions, oh“ stöhnt immer wieder. Wenn ich jetzt die Augen zu machen und mich auf ihr Stöhnen konzentrieren würde, dann würde mir eine ganz bestimmte Art von Film einfallen :whistle:





Wir beobachten das Rudel eine gute halbe Stunde, dann fahren wir ein Stück weiter, steigen aus und machen eine Kaffeepause. In gemütlichem Tempo geht es dann zurück zur Lodge. Wir ziehen uns etwas luftiger an und treffen uns zum Lunch, danach wird bei ca. 30° Lufttemperatur auf der eigenen Terrasse relaxt. Unter uns, am Ufer des Boteti, liegt ein grosses Croc auf der Lauer. Wir sind erstaunt, wie nah sich ein Graureiher an das Reptil heranwagt. Ist das eine Art Mutprobe?

Pünktlich um 15:00 versammeln sich alle Gäste am Haupthaus. It´s Tea Time ! Irgendwie haben alle Lust auf den Gamedrive, denn bereits 20 Minuten später geben wir unseren Guides dezent zu verstehen, dass es jetzt losgehen könnte. Also fahren wir zum Boteti. Wir entdecken eine Herde Impalas, die von einem einzigen Gnu begleitet wird. Einige Meerkatzen beäugen uns interessiert, während sie ihre Jungen sicherheitshalber hinter sich verstecken. In den Palmen am Ufer sitzen einige Geier, fliegen immer wieder weg und landen im Flussbett, um sich Zweige für den Nestbau zu holen.



Plötzlich werden wir auf ein lautes Gezeter aufmerksam. Ein Glanzstar fliegt immer wieder in das Geäst eines Baumes und attackiert irgendetwas. Als wir näher kommen, sehen wir den Grund. Eine schwarze Mamba schlängelt sich durch die Zweige und der Glanzstar akzeptiert ihre Anwesenheit nicht. Deshalb stürzt er sich todesmutig ohne Unterbrechung auf die Schlange. Die lässt sich aber nicht wirklich beeindrucken und so lässt er irgendwann von seinem „Opfer“ ab und fliegt mit viel Lärm in den nächsten Baum.



Sonst ist es eher ruhig im Busch, also fahren wir auf die andere Seite und schauen, was die Löwen denn so treiben. Tatsächlich finden wir sie unter den gleichen Büschen wie am Vormittag. Und sofort geht das Gestöhne „Oh, oh, Lions“ in unserem Auto wieder los. Mich würde mal interessieren, ob ihr Mann sich zuhause in gewissen Situationen immer als Löwe verkleiden muss :whistle:





Die Löwen gehen leider nicht auf die Jagd, also cruisen wir weiter Richtung Boteti und dann zum Hippopool. Dort stoppen wir für unseren Sunddowner. Auf der anderen Uferseite erscheint ein Trupp Elis, sie gönnen sich wohl ebenfalls einen Sundowner ;)





Heute warten wir nicht, bis die Sonne untergegangen ist, sondern wir besuchen noch einmal die Löwen. Tatsächlich sind sie jetzt etwas aktiver und bewegen sich sogar, immerhin etwas. Gegen 18:30 verlassen wir das Rudel, denn die richtige Action ist immer noch nicht in Sicht.





Wieder in der Lodge angekommen, wiederholt sich die Prozedur des Vortages. Ab ins Zimmer, etwas aufhübschen und schon wird man zum Dinner abgeholt. Der Unterschied heute: Die gesamte Staff inklusive Guides singt und tanzt für die Gäste. Selbstverständlich werden einige von uns in die Tanzgruppe integriert. Da ich nicht so der Tänzer bin gelingt es mir, mich mit der Vortäuschung einer schweren Verletzung durch einen Löwenangriff aus der Affäre zu ziehen ;)

Auch heute Abend sind wir nach einem guten Essen und gutem Wein relativ zeitig in unserem Chalet. Wir geniessen noch ein paar Minuten die wunderbare Nachtstimmung auf der Terrasse, dann geht es bald ins Bett. Waaaaas ? Das ist erst unser zweiter Abend in Botswana ? Wir können es kaum glauben, denn wir sind wieder einmal in Rekordzeit in unser „afrikanisches Leben“ eingetaucht.

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Freitag 15.04.2016

Der heutige Morgen ist eigentlich eine exakte Kopie des gestrigen. Wieder wachen wir vor dem Wecker auf, wieder sind wir die ersten beim Frühstück. Eine Sache ist heute allerdings anders. Bei einem längeren Aufenthalt (mindestens 3 Nächte) kann man einen Ganztagsausflug in den Nxai Pan NP und zu den Baines Baobabs machen. Genau das wollen alle anderen Gäste auch tun. Wir wiederum hatten daran kein Interesse, denn wir waren vor zwei Jahren in der Gegend und haben auch die Baines Baobas schon gesehen. Die Fahrt dorthin ist von hier aus ziemlich lang und geht hauptsächlich über Tiefsandpisten.

Ja! Man muss die Baobabs mal gesehen haben, ich finde, es ist ein magischer Platz, aber ich habe heute die Chance, ganz alleine mit Ruth und Lasty im Park herumzufahren und diese Chance will ich mir nicht nehmen lassen. Während wir sonst Rücksicht auf die mitfahrenden Gäste nehmen müssen, können wir heute überall stoppen, wo es – zumindest für mich – etwas Interessantes gibt. Und das sind nicht unbedingt schlafende Löwen oder ähnliches, sondern das sind meistens Vögel oder vielleicht auch mal ein Mistkäfer oder Schmetterling. Und genau diese Tiere sind normalerweise nicht unbedingt das Ziel von Gästen, die möglicherweise das erste Mal in Afrika sind.

Wir starten nach dem Frühstück Richtung Flussbett. Die Geier in den Palmen sind auch schon aktiv und bauen ihre Nester weiter aus. Wir sichten eine Herde Impalas, dann heisst es: Finden sie den Fehler! Ein Tier passt nicht ganz zur Herde. Es ist ein junges Kudu, das sich den Impalas angeschlossen hat. Vermutlich hat es seine Mutter verloren und ist froh, wenigstens die Impalas in seiner Nähe zu haben. Wir fahren weiter und plötzlich sehe ich das Objekt meiner Begierde. Lasty kennt den „Spezialauftrag“ am heutigen Morgen, stoppt sofort und ich darf aussteigen und meinen Fotoapparat zücken. Was habe ich denn so tolles entdeckt ? Naja, es ist nicht jedermanns Sache. Ich bin hinter einem Mistkäfer her, der unseren Weg kreuzt. Um diese Jahreszeit ist das gar nicht so einfach, ihn zu finden.





Am Wegrand sitzen einige Vögel. Trauerdrongo, Grautoko, Halbmondtaube, Grauer Lärmvogel und natürlich Gabelracke heissen die gefiederten Freunde. Ein kleiner Falke, ein Perl-Sperlingskautz und einige Bienenfresser lassen sich ebenfalls blicken. Wir erreichen einen Platz in der Nähe des Hippopools. Auf dem ganzen Areal haben sich Flughühner versammelt. Als wir näher kommen, fliegen sie in einer dichten Wolke davon. Ganz schön viele davon gibt es hier. Ein anderer Schwarm taucht auf, lässt sich ganz kurz am Wasser nieder und ein paar Sekunden später sind sie schon wieder in der Luft. Lasty erklärt uns sie kommen von der Nxai Pan herüber, sammeln Wasser in den Federn und bringen es zurück zu ihren Jungen. Der Schwarm zieht über uns hinweg, man hört das Gurren der Vögel pausenlos.







Wir bleiben noch eine Zeit lang vor Ort und machen eine Kaffeepause. Schwarm um Schwarm kommt angeflogen, um zu trinken und Wasser aufzusammeln. Irgendwann starten wir und kehren nach einem entspannten Gamedrive gegen 11:00 zur Lodge zurück. Wir ziehen uns um, dann geht es zum Lunch. Ich überbrücke die heisse Mittagszeit mit einem Schläfchen, während Ruth auf der Terrasse liest und die Crocs im Wasser unter uns beobachtet. Die liegen nicht nur still da, manchmal streiten sie sich um die besten Jagdreviere, dann ist lautes „Brummen“ und wildes Geplätscher angesagt.

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Letzte Änderung: 11 Jul 2016 21:04 von leofant.
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11 Jul 2016 10:03 #437330
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Um 15:00 laufen wir zur Main Area und probieren den Kuchen und die vorbereiteten Häppchen. Nach einer Viertelstunde packen wir unsere Sachen und ab geht´s zum Gamedrive. Lasty ist überhaupt nicht überrascht, dass wir schon aufbrechen wollen, er weiss bereits, dass ich liebend gerne auf die Pirsch gehe, je länger desto besser.

Bei kuscheligen 32° am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Boteti. An den Abschnitten mit Wasser schwirren wieder die Flughühner herum. Es ist immer das gleiche Bild. Der ganze Schwarm lässt sich für einige Sekunden am Wasser nieder und schon sind sie wieder in der Luft, fliegen eine Kurve, wiederholen die Prozedur, um dann endgültig Richtung Nxai Pan zu starten. Auch die Geier sind wieder damit beschäftigt, Zweige für ihre Nester einzusammeln. Im Gras taucht ein Kopf auf. Ein Schakal beobachtet uns misstrauisch und verschwindet unter einem Baumstamm, der auf dem Boden liegt. Einige der allgegenwärtigen Rotschnabelfrankoline haben sich an einer Wasserstelle versammelt und streiten sich um den besten Platz. Auf der gegenüberliegenden Seite kommt ein Schwarm kleiner Vögel angeflogen und lässt sich in einem Busch nieder. Es sind Blutschnabelweber, ähnlich wie die Flughühner fliegen sie immer in dichten Schwärmen und bilden dabei interessante Figuren, die fortlaufend wechseln. Ein Graulärmvogel hebt vom Boden ab und fliegt zu einem Busch. Dort wird er schon sehnsüchtig erwartet und beginnt, einen Artgenossen zu füttern. Ein Elsterwürger sitzt in einem toten Baum und sucht nach Insekten. Am Boden sehen wir einen Gelbschnabeltoko mit einem dicken Käfer im Schnabel. Er mag unsere Anwesenheit nicht besonders und läuft davon. Es sieht lustig aus, wie er durch den Sand stakst. Das laute Gegackere eines Rotschnabelfrankolins auf der Spitze eines Termitenbaus bildet die musikalische Untermalung dieser Szene.







Wir lassen unseren Blick über die Landschaft streifen und können uns – speziell im goldenen Licht des Nachmittags – einfach nicht satt sehen. In der Mitte des Flussbetts bewegen sich zwei Elefanten gemütlich zum Wasser. Hier und da wird ein Büschel Gras ausgerupft, dann stellen sie sich ins kühle Nass und trinken ausgiebig. Sie queren den Fluss. Auf „unserer“ Uferseite bleiben sie zunächst im Wasser stehen, wedeln mit den Ohren und scheinen vor sich hin zu träumen. Plötzlich sehen wir einen hellen Fleck im Gras. Es ist der Kopf einer Löwin, die interessiert die beiden grauen Riesen beobachtet. Sie befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite, schleicht sich vorsichtig an und legt sich dann ins Gras, ohne die Elis aus den Augen zu lassen. Ist diese Beute nicht ein bisschen arg gross für eine einzelne Jägerin? :whistle:



Wir fahren weiter zum Hippopool. Die Flusspferde entfernen sich vom Ufer, bewegen sich auf die andere Seite und beobachten uns genau. Wir wiederum beobachten die Hippos. Bald verlieren sie das Interesse an uns. Zwei junge Bullen messen ihre Kräfte ansonsten bleibt alles ziemlich ruhig. Plötzlich schnattern einige Nilgänse aufgeregt, verlassen den Uferabschnitt und fliegen ein Stück weiter. Jetzt können wir den Grund erkennen. Es ist die Löwin. Sie ist uns gefolgt, wandert auf der anderen Uferseite entlang und gönnt sich jetzt einige Schlucke Wasser. Sofort drehen sich alle Hippoköpfe zu ihr um und ein Flusspferd reisst auch mal sein Maul auf, um ihr zu drohen. Sie zeigt sich nicht sonderlich interessiert und läuft weiter. Dann ändert sie ihre Richtung und verschwindet im Busch.

Es ist inzwischen kurz vor 18:00, die Sonne steht bereits knapp über Horizont. Normalerweise stehen wir ja um diese Zeit mit einem Sundowner in der Hand vor dem Auto, um die besondere Stimmung zu geniessen. Heute jedoch haben wir noch nicht gestoppt. Was ist los mit Lasty ? Er weiss doch, dass Ruth die Sonnenuntergänge „zelebrieren“ möchte, ganz besonders, wenn wir nicht durch irgendwelche Funksprüche wie „Leopard gesichtet“ gestört werden. Ein paar Minuten später ist alles klar. In einem trockenen Abschnitt flackert ein Lagerfeuer. Einige Campingstühle stehen vor dem Feuer, an der Seite ist ein Tisch mit Häppchen und Getränken aufgebaut. Wir werden bereits erwartet. Kaum sind wir aus dem Wagen gestiegen, bekommen wir auch schon unseren Sundowner angeboten und können das Farbenspiel der untergehenden Sonne bewundern. Jetzt ist auch meine Frau wieder vollkommen zufrieden.





Wir sitzen noch eine Weile (zusammen mit zwei neuen Gästen) gemütlich am Feuer, dann fahren wir zurück zur Lodge. Gegen 19:00 haben wir unser Ziel erreicht und werden gleich zum Chalet gebracht. Eine kurze Dusche, frische Klamotten werden angezogen und schon holt man uns zum Dinner ab. Die anderen Gäste sind inzwischen auch wieder da. Der Ausflug in die Nxai Pan und zu den Baines Baobabs hat ihnen gut gefallen, spektakuläre Sichtungen gab es jedoch nicht. Ruth und ich sind total happy, dass wir diesen Tag alleine mit Lasty verbringen konnten. Auch wir hatten zwar keine einzigartigen Begegnungen, trotzdem hat uns dieser Tag sehr gut gefallen und wir vermissen nichts. Es müssen ja nicht immer die Big Five sein, ein schöner Gamedrive in einer tollen Landschaft hat durchaus seine Reize. Wir setzen uns an den Tisch. Uns wird bewusst, dass es unser letzter Abend hier ist. Schade, ich wäre gerne noch länger geblieben, aber so ist es halt. Man ist auf der einen Seite traurig, dass eine schöne Zeit zu Ende geht, auf der anderen Seite warten schon neue Abenteuer auf uns. Also geniessen wir unser letztes Dinner auf Leroo la Tau, haben noch Spass an der Unterhaltung mit Chris und den Managern und freuen uns, dass wir morgen Vormittag noch einmal alleine mit Lasty unterwegs sind. Nach dem Essen setzen wir uns eine halbe Stunde ans Feuer, dann geht es zum Chalet. Zurück auf unserer Terrasse beobachten wir noch einmal besonders intensiv den Sternenhimmel und die Landschaft um uns herum. Wir werden unseren Aufenthalt hier nicht so schnell vergessen, das steht fest.

Samstag 16.04.2016

Es ist 05:45, wir bleiben noch eine kurze Zeit im Bett, ich öffne die Glasfront und wir bestaunen noch ein paar Minuten den blutroten Horizont direkt gegenüber, dort kündigt sich der neue Tag an. Wir ziehen uns an und ich betrete die Terrasse. Über dem Flussbett liegt ein leichter Nebelschleier, er wird in ein zartrosa Licht getaucht, die Stimmung ist einfach grossartig! Dann nehmen wir unsere Sachen und laufen zum Haupthaus. Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Chris und dem Ehepaar aus Frankreich, jetzt starten wir unseren letzten Gamedrive entlang des Boteti.

Langsam rollen wir auf der Pad entlang. Die Geier sind schon wieder aktiv, zwei Waffenkiebitze untersuchen einen Elefantenhaufen, eine Gabelracke fliegt vorbei und ihre blauen Federn leuchten in der Sonne. Das Gurren der Tauben ist ebenso zu hören wie das Zwitschern der Blutschnabelweber, die uns scheinbar begleiten. Plötzlich höre ich einen Pfiff. Moment mal, den kenne ich doch! So pfeifen die Goldbugpapageien! Diese netten Vögel haben mich in der Vergangenheit schon fast zum Wahnsinn getrieben. Egal ob im Hwange oder im Linyanti Gebiet, ich habe sie schon öfter verfolgt. Dann haben sie sich irgendwo auf einen Ast gesetzt. Sobald wir mit dem Auto näher kamen, und ich mir Hoffnungen auf ein schönes Foto machte, sind sie schnell ein Stück weiter geflogen. Natürlich nur soweit, dass ich sie sehen und den nächsten Versuch starten konnte. Dieses Spielchen haben sie mit wachsender Begeisterung gespielt, ich war aber irgendwie immer der Verlierer. Während ich sie bisher nur als Paar sehen konnte sitzen heute tatsächlich 5 Papageien relativ nahe am Wegrand. Ich kann es kaum glauben. Wir fahren näher und sie bleiben sitzen! Was ist los? Sind sie festgeklebt? Nein, sie warten tatsächlich nur solange, bis ich einige Bilder gemacht habe, dann fliegen sie weg vom Flussbett in den dichten Busch. Ich bin richtig froh, denn damit hätte ich hier nie gerechnet.





Unser Weg führt jetzt oberhalb des Flussbettes entlang. In den Büschen sitzen Glanzstare, Gabelracken, Bienenfresser, am Boden sehen wir Perlhühner, Tokos und Nachtflughühner. Unter uns sitzt in einem Baum ein Fisheagle und scheint sich zu sonnen. Vor uns befindet sich ein Nachtflughuhn im Sand und vertraut seiner Tarnung. Als wir uns vorsichtig nähern, fliegt es dann doch lieber davon.



Unten am Boteti tauchen wieder Schwärme von Flughühnern auf. Ein Raubadler sitzt auf einem kahlen Ast und beobachtet die Schwärme. Plötzlich wird er von zwei Waffenkiebitzen attackiert. Laut zeternd steigen sie in die Luft und fliegen immer wieder Angriffe auf den Adler. Irgendwann hat er genug und macht sich davon. Wir starten unsere Kaffeepause und geniessen die Einsamkeit, denn wir sind das einzige Fahrzeug weit und breit.

Ich schaue Lasty an und seufze. Wir hatten eine Menge Spass zusammen, aber nun ist es an der Zeit, die Rückfahrt anzutreten. Wir schrecken einen Elefantenbullen auf. Er schnaubt und schüttelt seinen mächtigen Kopf. Ein Zeichen, dass er sich gestört fühlt. Dann kommt er auf uns zu und überquert dicht vor uns die Pad. Das ist ebenfalls ein klares Zeichen dass er weiss, wer hier der Chef im Busch ist! Unten im Flussbett angekommen, können wir in einige Entfernung einige Klunkerkraniche erkennen. Sie gehören zu den bedrohten Arten, auch mit denen hätte ich hier nicht unbedingt gerechnet.

Zurück in der Lodge sitzen wir wieder zum Brunch im Freien. Dann wird noch mal geduscht, die Sachen werden gepackt und nun ist es Zeit für den Abschied. Wir bedanken uns bei den Managern für die schöne Zeit, umarmen die Mädels vom Service und verlassen schweren Herzens die Lodge. Würden wir noch mal hier her kommen? Ja! Jederzeit!

Um 12:45 steigen wir zu Lasty ins Fahrzeug und los geht´s Richtung Airstrip. Dort angekommen müssen wir nicht allzu lange warten, dann sehen wir schon einen weissen Punkt im blauen Himmel und hören wenig später das Brummen des Motors. Die kleine Cessna landet sanft, zieht eine Staubfahne hinter sich her und rollt vor uns aus. Jetzt ist es an der Zeit, Lasty Lebewohl zu sagen. Wir umarmen uns, sind beide etwas traurig und versichern uns, dass wir uns in Zukunft bestimmt mal wieder über den Weg laufen werden. Ich hätte nichts dagegen. Auch Ruth wird gedrückt, dann klettern wir in die Maschine. Ich sitze auf meinem Lieblingsplatz neben dem Piloten, während Ruth sich auf den zwei hinteren Sitzen ausbreiten darf.

Es ist jetzt 13:20, Sekunden später startet der Pilot den Motor, wir rollen zur Startbahn und der Pilot gibt Gas. Ein letztes Mal können wir Lasty zuwinken, dann heben wir ab und sehen die Gegend aus der Vogelperspektive. Die Maschine nimmt Kurs nach Nordwesten Richtung Okavango Delta, denn wir werden nonstop zu unserem nächsten Ziel geflogen.





Stück für Stück nähern wir uns dem Delta. Es fällt uns auf, wie trocken die Gegend ist. Dort wo sich sonst viele kleine Kanäle durch die Landschaft winden, glitzern diesmal nur vereinzelt einige Wasserstellen in der Sonne. Wir haben den Eindruck, das Land braucht dringend Wasser. 55 Minuten später haben wir unser Ziel erreicht, vor uns ist der Chitabe Airstrip zu sehen. Wie immer fliegen wir zunächst eine Platzrunde, um nach Tieren Ausschau zu halten, die eventuelle die Piste blockieren, dann landen wir mit einem kleinen Hüpfer beim Aufsetzen. Auch Flug Nummer 2 war ruhig und angenehm, so kann es bleiben.

Wir rollen aus, der Motor wird abgestellt, bevor wir richtig herausgeklettert sind empfängt uns bereits ein Mitarbeiter der Sandibe Safari Lodge. „City“ stellt sich vor, transportiert unser Gepäck zum Fahrzeug und bietet uns erst einmal eine Flasche Wasser an. Die tut nach dem Flug richtig gut. Dann warten wir, bis der Flieger gestartet ist und fahren in Richtung Lodge. Wir hatten in den letzten Jahren schon zweimal Gelegenheit, diesen Ort zu besuchen, deshalb haben wir einen guten Vergleich. Während wir früher immer wieder Wasserkanäle und Sumpfflächen durchfuhren, ist diesmal alles trocken. Allerdings steht das Gras ziemlich hoch, die Sichtung von kleineren Tieren dürfte also recht schwierig werden.

Eine gute halbe Stunde später haben wir unser Ziel erreicht. Wie immer begrüsst man uns mit Gesang, wir bekommen ein feuchtes Tuch und eine Erfrischung, die Staff stellt sich vor und dann werden wir zur Main Area geführt, wo einer der Manager uns einige nützliche Informationen gibt. Unser Gepäck wird in der Zwischenzeit in unsere Unterkunft gebracht. Die Sandibe Safari Lodge befindet sich in der Nähe von Chiefs Island, sozusagen auf halber Strecke zwischen Maun und dem Moremi Nationalpark. Wie gesagt waren wir bereits in der Vergangenheit hier zu Gast. Mir ist die Gegend deshalb so gut in Erinnerung geblieben, weil wir hier schöne Leoparden Begegnungen hatten und weil uns die Lodge gefallen hat. Allerdings wurde sie vor kurzem komplett umgebaut und es erinnert nur noch sehr wenig an die „guten alten Zeiten“.

Sandibe bietet in 12 Chalets insgesamt 24 Gästen eine Übernachtungsmöglichkeit. Die äussere Hülle der Main Area erinnert an ein Pangolin (Schuppentier). Während die Chalets früher ebenerdig waren, stehen sie jetzt auf Stelzen und sind um einiges geräumiger. Das Areal ist nicht eingezäunt, man muss also immer wachsam sein, denn die Elefanten kommen öfter mal auf eine Stippvisite vorbei. Wie kann ich Sandibe beschreiben? Zunächst einmal ist alles natürlich noch sehr neu, Patina sucht man vergebens. Dann: Very stylish, very fancy. Ein 5-Sterne Hotel mitten im Busch. Vielleicht nicht jedermanns Sache, auch was die Preise betrifft. Während ich mir bis heute noch keine klare Meinung gebildet habe ist meine Frau sofort von der gesamten Bauweise begeistert. Ja! Es gibt hier alles, was das Herz begehrt, man muss als Gast auf absolut nichts verzichten, aber natürlich stellt sich die Frage: Wieviel Luxus braucht man in der Wildnis? Ich kann es nicht beantworten, deshalb schreibe ich einfach weiter und konzentriere mich auf unsere Erlebnisse.

Der tägliche Ablauf: 05:30 Wecken, 06:00 Frühstück, 06:30 Gamedrive. Gegen 11:30 ist man wieder zurück. Gegen 12:30 gibt es Lunch (man kann seine Zeit variieren), um 16:00 ist Teatime, um 16:30 Gamedrive. Wir sind in einem privaten Gamereserve unterwegs, deshalb können wir auf den Gamedrives auch querfeldein fahren.









Nach den Infos stellt sich noch Thusi vor. Sie ist für unser Wohl verantwortlich. Wann immer wir einen Wunsch haben, Thusi wird sich darum kümmern. Als wir das letzte Mal hier waren, war ein Angestellter mit Namen Tatayote (kurz TT) unser persönlicher Betreuer. Ich habe ein Foto von ihm und mir dabei und frage nach ihm. Thusi kann es kaum glauben, dass ich mich noch an ihn erinnere und sagt, er wäre am nächsten Tag da. Ich freue mich, denn ich bin mir sicher, er wird sehr überrascht sein, wenn ich ihm das Bild gebe.

Jetzt werden wir zu unserem Chalet geführt. Und wieder fällt mir nur ein: Very stylish, very fancy. Wir stehen in einem grossen Raum mit einem schönen Doppelbett, dahinter gibt es einen separaten Ankleidebereich, die zwei Waschbecken sind aus Metall, wir sehen eine Innendusche und eine Aussendusche, eine riesige Terrasse mit privatem Pool. Der Ausblick in den Sumpf ist traumhaft. Wow! Das alles für 2 Leute! Es wirkt auf mich, als wären wir die ersten Gäste, quasi wie in einem Musterhaus. Meine Frau inspiziert das Chalet, öffnet die grossen Schiebetüren zur Terrasse und sagt: „Wieso sind wir hier nur 3 Tage?“ Ich möchte betonen, dass meine Frau absolut kein „Luxusweibchen“ ist, aber Sandibe hat es ihr angetan.





Wie auch immer, die Zeit läuft. Wir duschen, ziehen uns um und bald darauf ist es Zeit für den High Tea. Im Gegensatz zu Leroo la Tau sitzt man hier nicht an einem grossen Tisch, sondern die Gäste haben separate Tische, in unserem Fall also ein Zweiertisch. Das Angebot an Kuchen und Häppchen ist enorm, meine Frau probiert aber lieber etwas anderes aus. Es gibt nämlich unter anderem einen Pizzaofen. Man kann sich seine Pizza selbst zusammenstellen und die Köchin / Pizzabäckerin übernimmt dann die restliche Arbeit. Hier sein Gewicht zu halten erscheint mir unmöglich! Jetzt kommt unser Guide an den Tisch und stellt sich vor. Er nennt sich SK. Während es bei „Desert & Delta“ grundsätzlich nur einen Guide (Fahrer) gibt, begleiten uns bei „&beyond“ zwei „Aufpasser“, ein Fahrer und ein Tracker. Der hat seinen Sitz ausserhalb des Autos. Nur wenn wir uns Raubkatzen nähern kommt er auf den Beifahrersitz. Gerade bei neugierigen Löwen ist das wohl absolut angebracht :whistle:

Wir werden heute Nachmittag mit einem anderen Gast unterwegs sein. Chrissie kommt aus Australien. Wir sind ziemlich optimistisch, dass wir uns gut verstehen werden, denn in der Vergangenheit sind wir mit Australiern tatsächlich immer gut ausgekommen, naja, wir werden sehen. Um 16:30 laufen wir zu unserem Fahrzeug, dort werden wir von City, unserem Tracker begrüsst. Den kennen wir ja schon, der hat uns vom Airstrip abgeholt.

Und los geht´s. Ein paar Minuten weiter stoppen wir kurz. Einige Meerkatzen begutachten uns, sie sind nicht wirklich ängstlich, aber trotzdem halten sie lieber Abstand.



Dann stellen sich ein paar Vögel vor. Woodland Kingfisher (Senegalliest), Coppery-tailed Coucal (Kupferschwanzkuckuck), Hammerkop. Eine Schlankmanguste klettert auf einem verlassenen Termitenbau herum. Wir fahren an einer Grasfläche vorbei. Das Gras steht ziemlich hoch. City, der Tracker, spricht mit SK. Sie diskutieren kurz, dann fahren wir durch das Gras zu einem Baum. Und siehe da! Zwei Löwinnen dösen im Gras. Gut gemacht City! Für uns ungeübte war nichts zu erkennen. Wir beobachten die zwei Katzen eine Weile, dann fahren wir weiter.



Wir sehen einige Tsessebes, eine Herde Kudus in der Dämmerung, dann taucht eine Giraffe auf. Im rötlichen Licht sieht alles irgendwie unwirklich schön aus. Wir nehmen die grandiose Stimmung in uns auf. Nicht weit entfernt sehen wir eine Wasserstelle. Hier halten wir an. Unsere Begleiter stellen einen Tisch auf und bieten uns Getränke und Häppchen an. Der rote Himmel, der sich im Wasser spiegelt ist einfach nur kitschig. Wir stellen uns mit Chrissie in eine Reihe, richten uns auf die untergehende Sonne auf und seufzen kurz. Könnte es uns in diesem Moment überhaupt besser gehen? Wir bezweifeln es stark!







Die Sonne ist hinter dem Horizont verschwunden, es ist Zeit diesen schönen Platz zu verlassen. City packt den Scheinwerfer aus und leuchtet bei der Rückfahrt nach links und nach rechts, um nachtaktive Tiere aufzuspüren. Tatsächlich laufen uns zwei Löffelhunde über den Weg. Sie sind allerdings sehr scheu und schnell ausser Sichtweite. Hin und wieder glühen einige Augenpaare, City schaltet schnell den Spot aus und wir erkennen schemenhaft Impalas oder auch mal Tsessebes. Dann haben wir die Lodge erreicht. Man begleitet uns zum Chalet, wir machen uns frisch und warten zur vereinbarten Zeit auf unserer Treppe, bis wir das Licht einer Taschenlampe sehen. Wie gesagt, hier gibt es keine Zäune, deshalb ist es unbedingt ratsam, auf den Abholer zu warten.

Wir setzen uns an unseren Zweiertisch, dann wählen wir unser Dinner und die Getränke aus. Die verschiedenen Gerichte wurden bereits am Nachmittag auf eine Tafel geschrieben. Das Essen ist wirklich gut. Meine Frau, eine begeisterte Köchin, kann sozusagen „keine Haar in der Suppe“ finden :) Unser Tisch befindet sich am Rand der Main Area. Während wir noch beim Dessert sind, knackt es in den Büschen. Ein Elefant erscheint in unserer Nähe. Er reisst da und dort ein paar Äste ab, um sie zu verspeisen, dabei kommt er immer näher. Nun ist es an der Zeit, das Dessert zu nehmen und den Platz zu verlassen, wir möchten nämlich ungern teilen ;)

Eine Viertelstunde später zieht sich der graue Riese wieder in den Sumpf zurück und wir haben unsere Ruhe. Nachdem wir ein kleines Schwätzchen mit unseren Tischnachbarn aus Australien gehalten haben, beenden wir diesen Abend. Einige Minuten später betreten wir unser Chalet und machen uns bettfertig. Obwohl es tagsüber ziemlich warm ist (ca. 32°), kühlt es am Abend ab, deshalb muss der Deckenventilator auch nur auf Stufe 2 laufen. Zufrieden legen wir uns ins Bett. Ein schöner Tag geht zu Ende, mal sehen, was uns morgen so erwartet…

... wird fortgesetzt ...
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Sonntag 17.04.2016

Der Wecker summt. Ich schaue auf die Uhr, es ist 05:30. Heute bin ich nicht vorher wach geworden, aber wir sind ja auch ½ Stunde früher dran. Was hilft´s! Raus aus den Federn und rein ins nächste Abenteuer. Meine Frau ist um diese Zeit noch etwas unwillig, aber zwei Minuten später hat sie den inneren Schweinehund erfolgreich bekämpft und steht auch auf. In den umliegenden Bäumen ist bereits lautes Zwitschern angesagt. Das ist schön, man hat also um diese Uhrzeit schon Musik :whistle: Nachdem ich mich angezogen habe öffne ich die Schiebetüren und trete hinaus auf die Terrasse. Hmmm … heute ist es etwas kühler als in den letzten drei Tagen, obwohl der Sand in der Kalahari üblicherweise weniger Wärme speichert und wir jetzt im Delta sind. Aber man darf auch nicht vergessen, dass es auf der südlichen Halbkugel um diese Zeit von Woche zu Woche kühler wird, weil wir ja hier dem Winter entgegen gehen.

Wir laufen zur Main Area. Heute sind wir nicht die ersten. Das Frühstücksbuffet ist bereits aufgebaut und wir können uns bedienen. Nach einer Minute ist auch Thusi schon mit dem Kaffee da. So früh am Morgen kann sie schon lächeln und gut gelaunt antworten als ich sie (auf Setswana) frage, ob sie gut geschlafen hat. Langsam erscheinen alle Gäste, auch unsere Mitfahrer aus Australien sind jetzt da. Pünktlich um 06:30 holt uns SK zum Gamedrive ab. Tracker City hat heute eine Wollmütze und eine dicke Jacke an, der sollte mal in einem kalten Winter nach Europa kommen :laugh:



Wir starten, passieren ein Palmenwäldchen und fahren eine grasbewachsene Ebene entlang. Knapp über dem Boden liegt ein Nebelschleier, es sieht tatsächlich fast aus, wie an einem Herbstmorgen in Deutschland! Ein Stück weiter erreichen wir wieder ein Wäldchen, fahren um die Kurve und ich rufe „STOP!“ SK hält sofort an und schaut fragend auf mich. „Bitte ein kleines Stück zurück“ sage ich, SK fährt zurück. Jetzt habe ich mein Traummotiv vor mir. Am Horizont geht gerade die Sonne auf. Sie wird teilweise von den Ästen eines Baums verdeckt, so dass sie nicht blendet. Der Bodennebel glüht in gelbem Licht. Jetzt verstehen auch Chrissie und Roland, warum ich unbedingt hier stoppen wollte. Sie zücken die Kamera und knipsen ebenfalls. Ich bin zufrieden, denn für so eine Morgenstimmung hat sich die frühe Abfahrt absolut gelohnt.
Anmerkung: Das von mir geplante Panoramabild weigert sich beharrlich, hier zu erscheinen. Na dann eben nicht!



Wir kurven durch die Gegend, aber es tut sich nicht viel. „Today, it´s really quiet in the bush …“ diesen Kommentar haben wir in der Vergangenheit schon sehr oft gehört. Aber mir ist es egal, ich geniesse die Fahrt durch diese unwirkliche Landschaft. Die Sonne steigt höher und höher, der Nebel verschwindet und dann tauchen ein paar Tsessebes und Zebras auf. City deutet auf die Pad. „Hier sind frische Spuren von einem Gepard“, sagt er. Ich schaue mir das hohe Gras um uns herum an und denke: „Den finden wir hier nie“. Falsch gedacht! City zeigt auf einen Termitenbau, der ein ganzes Stück entfernt aus dem Gras ragt. Was? Wo soll denn da was sein? Ruth nimmt das Fernglas und scannt die Umgebung. „Ja, da ist der Cheetah“, sagt sie. Und tatsächlich, wenn ich ganz genau hinschaue, dann sehe ich direkt hinter dem Bau einen Kopf und den Teil seines Schwanzes. Die Katze schaut jetzt sogar in unsere Richtung. „Gut gemacht, City“, loben wir unseren Tracker. SK fährt jetzt mitten durch das hohe Gras in Richtung des Geparden. Während dieser durch das hohe Gras läuft, kann man gerade noch den Kopf erahnen. Dann erreicht er einen Busch, sucht den Schatten und lässt sich auf den Boden fallen. Jetzt ist er komplett unsichtbar. Wir nähern uns vorsichtig. Die Rennkatze schaut uns etwas misstrauisch an, macht aber keine Anstalten, sich zu bewegen. Wären wir nur ein paar Minuten später hier entlang gekommen, dann hätten wir den Geparden niemals gesehen.

Wir machen unsere Fotos, während SK per Funk unseren Standort mitteilt. 20 Minuten später erscheint ein zweites Fahrzeug auf der Bildfläche. Jetzt wird es Zeit, dass wir uns zurückziehen, denn wir wollen die Katze nicht mehr als nötig stören und sie soll sich auf keinen Fall bedrängt fühlen.





Wir folgen der Pad und erreichen einen Teich mit einem einzigen Hippo darin. Es hebt bei unserer Ankunft noch nicht mal den Kopf und döst einfach weiter. Wir wissen, dass Hippos – bevorzugt in der kühlen Nacht – um die 30 Km zurücklegen können, deshalb überrascht uns das einsame Hippo im Nirgendwo gar nicht.



Eine halbe Stunde später stoppt SK für eine Kaffeepause. Wir steigen aus dem Wagen. Das ist eine schöne Stelle. Wir stehen unter schattigen Bäumen und vor uns erstreckt sich eine weite Sumpffläche. Am Rand steht ein Schild. Darauf steht, dass hier die Grenze des Moremi NP verläuft und dass man diese Grenze nicht passieren darf. Etwas später geht es für uns weiter. Die Pad windet sich durch dichtes Buschwerk. Wir erhalten einen Funkspruch. „Cheetah gesichtet!“ Allerdings handelt es sich nicht um unseren Einzelgänger, sondern um eine Mutter mit Kind. Zwanzig Minuten später erreichen wir das Areal. Wir können zwei Fahrzeuge sehen, die sich durchs dichte Buschwerk kämpfen. Einen Funkspruch später suchen auch wir uns einen Weg. Wir rangieren hin und her, müssen uns vor den Zweigen schützen, die in den Wagen peitschen. Es ist wirklich nicht einfach, hier die Übersicht zu behalten. Dann sehen wir Mutter und Kind. Die Mama schaut ziemlich hektisch, während sie bemüht ist, mit ihrem Jungen durch besonders dichtes Gestrüpp zu laufen. Dumm ist sie nicht, die Mama! Wir umfahren die Stelle und geben Gas. Ein Stück weiter stoppen wir und SK macht den Motor aus. Wenig später erscheint die kleine Familie tatsächlich in unserer Nähe. Als die Mutter uns entdeckt, ändert sie sofort die Richtung und wird immer schneller. SK schaut uns fragend an: „Wollen wir den Cheetahs hinterher fahren?“ Wir einigen uns mit unseren australischen Mitfahrern, dass wir genug von der „Jagd“ haben und Mutter und Kind nicht hetzen wollen. SK lächelt zufrieden und wir fahren zurück auf die Pad.

Als wollte Mutter Natur uns für diese Entscheidung belohnen, wird es plötzlich lebendig im grossen Freiluftkino. Eine Elefantenherde mit Jungtieren steht am Rand der Pad, es folgt ein Trupp Giraffen. Wie so oft schauen sie scheinbar gelangweilt und etwas hochnäsig auf uns herab. Hinter der nächsten Kurve erscheinen eine Menge Zebras, ebenfalls mit Jungtieren. Drei Strausse sprinten davon, als wir näher kommen. Dann müssen wir anhalten, denn einige Giraffen denken gar nicht daran, die Pad freizumachen. Und immer wieder schaue ich mir die tolle Landschaft an. Es hat schon seinen Grund, warum wir das Delta so lieben!





Eine halbe Stunde später sind wir zurück in der Lodge. Es ist ziemlich heiss geworden und wir freuen uns auf die Dusche. Meine Frau „springt“ unters Wasser und ich betrachte mir ihren Rücken. Oh, oh, aus kleinen Moskitostichen haben sich grosse, rote „Hügel“ auf ihrer Haut entwickelt. In den letzten Jahren reagiert sie immer sensibler auf Stiche. Mein Vorteil: Ich werde meistens von den Plagegeistern verschont, denn sie stürzen sich viel lieber auf Ruth. Gegen 12:30 laufen wir zur Main Area, denn der Magen knurrt. Es ist nicht viel los, wir haben freie Tischwahl. Thusi kommt auf uns zu, im Schlepptau hat sie einen männlichen Begleiter. Na den kenne ich doch! Tatayote kommt lächelnd auf mich zu und wir begrüssen uns. Ich war auf die Begegnung vorbereitet und zeige ihm das Bild, das ich vor ein paar Jahren gemacht habe. Jetzt grinst er wie ein Honigkuchenpferd. Wir plaudern noch ein wenig über alte Zeiten, dann kommt unser Lunch und TT muss wieder arbeiten. Er geht zu den Mitarbeitern und zeigt stolz sein Bild. Jetzt wissen sie, wie er in jungen Jahren ausgesehen hat :)

Das Essen ist wieder ganz nach dem Geschmack meiner Frau. „Mit Pfiff“, wie sie sagt. Danach sehe ich mich noch ein wenig auf dem Gelände um. Ich schaue mir den Fitnessraum (benutzt den jemand?) und den Wellnessbereich an, während Ruth auf die Boutique zusteuert und dort noch ein Schwätzchen hält. Was hat sie denn da in der Hand? Ach so, ein paar Schlüsselanhänger gehen immer. Etwas später relaxen wir auf unserer Terrasse. Es ist herrlich ruhig, nur ein paar Vögel singen ihre Lieder.

Punkt 16:00 sind wir „mit leichtem Gepäck“ zum High Tea anwesend. Um kurz vor 16:30 laufen wir mit Chrissie + Roland zum Auto. Auch heute Nachmittag liegt die Temperatur über 30°, Jacken sind also überflüssig. Es ist Sonntagnachmittag, das denken sich die Tiere wohl auch, denn es ist sehr ruhig im Busch. Na gut, dann müssen die Vögel halt wieder mal als Models herhalten. Rotschnabelfrankolin, Swainsons Frankolin, Hammerkop, Woodland Kingfisher und einige Glanzstare. Ach ja, da war ja noch die schöne Landschaft :) :) :kiss:






Eine Paviangruppe kreuzt unseren Weg. Der „Big Boss“ sitzt auf einem Termitenhügel, flankiert von zwei Palmen. Ein nettes Bild, das nehme ich gerne mit.








Sonst ist es absolut ruhig, kein anderes Tier will sich zeigen. SK erhält einen Funkspruch, den will er uns nicht vorenthalten. „Leopard im dichten Buschwerk gesichtet“. Wir müssten etwa eine halbe Stunde fahren und die Chance, den Leo noch zu sehen, ist ziemlich klein. Also entscheiden wir uns, darauf zu verzichten. SK steuert stattdessen den Airstrip an. Und siehe da: Hier haben sich einige „Darsteller“ versammelt. Spielerisch kämpfende Giraffen werden von drei Schakalen interessiert beobachtet. Im Hintergrund stehen Zebras, Impalas am Rande des Landestreifens. Etwa 20 Nilgänse suchen eifrig nach Futter, zwei Strausse überqueren den Airstrip, ein Stück weiter können wir die grauen Rücken von Elefanten im dichten Busch ausmachen. So ist es halt auf den Gamedrives. Eben ist es noch totenstill und im nächsten Moment ist Action angesagt.





Es ist 18:00, die Sonne sinkt immer tiefer und wir haben noch keinen Platz für einen Sundowner gefunden. Was ist los? SK denkt nicht daran anzuhalten. Wir fahren weiter und weiter. Er spricht in sein Funkgerät. Eine halbe Stunde später – die Sonne ist bereits untergegangen - kommen wir an die Wasserstelle, die wir bereits vom gestrigen Abend kennen. Am Boden stehen Sturmlaternen mit flackerndem Licht. Neben einem Termitenbau steht ein toter Baum. Dort hängt – an einem Seil aufgehängt – ein Tablett mit Gläsern und einer Sektflasche darauf. Ich glaub´s doch nicht, was ist das denn. SK grinst und hält an, jetzt können wir aussteigen. Er löst das Seil, lässt das Tablett herunter, Öffnet die Flasche und schenkt vier Gläser ein. Des Rätsels Lösung: Roland hat Geburtstag und Chrissie hat diese Überraschung für ihn organisiert. Als Mitfahrer dürfen wir selbstverständlich auch „einen Schluck aus der Pulle“ nehmen.





Eine Viertelstunde später ist es stockdunkel, es wird Zeit, ins Auto zu steigen. Man weiss ja nie, ob vielleicht ein paar Löwen in der Nähe sind. City hat den Spot schon ausgepackt und leuchtet unseren Weg ab, aber auf der Rückfahrt zeigt sich nichts Interessantes. Der Rest des Abends ist Routine. Aufhübschen, Dinner geniessen und zeitig ins Bett gehen. Als wir ins Zimmer kommen, ist es mit Teelichtern dekoriert. In einem Sektkübel steht eine Flasche, dekoriert mit zwei Gläsern. Hilfe! Wir können nicht mehr! Wollen die uns zu Alkoholikern machen? Dann fällt uns ein: Ach ja, es ist ja unser letzter Abend und der Sekt soll uns wohl den Abschiedsschmerz erleichtern :S

Wir gehen noch mal auf die Terrasse, schauen über den Sumpf und hören ein Plätschern. Irgendwo da draussen stapft ein Eli durch das Schilf. In der Ferne hören wir ein Hippo grunzen. Wir lieben diese Geräusche! Trotzdem ist es jetzt an der Zeit, die Sachen einzupacken und alles für unsere Abreise vorzubereiten. Dann geht es ins Bett.

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Montag 18.04.2016

Heute früh schaffen es die Vögel, mich vor dem Wecker wach zu bekommen. Also stelle ich ihn ab, höre noch einen Moment dem Gesang zu und wecke dann meine Frau. Bereits vor dem Wakeup Call sind wir auf den Beinen. Nach dem Frühstück müssen wir nicht auf unsere Mitfahrer warten. Die haben heute noch einen Flug nach Johannesburg vor sich und wollen den Tag deshalb gemütlich in der Lodge angehen. Also sind es nur Ruth und ich, die mit City und SK auf die Pirsch fahren.

Heute am Morgen ist es mit ca. 14° ähnlich kühl wie gestern, trotzdem sehen wir keine Nebelschleier. Als wir auf einen Termitenbau zufahren, werden wir von einer Zebramanguste mit vorwurfsvollem Blick gemustert, dann verschwindet sie in einem der zahlreichen Löcher. Wir sehen Impalas, Elefanten, Paviane, Giraffen, Zebras und noch mehr Impalas.





An einer Wasserstelle werden wir genauestens von einem Hippo beobachtet. Eine Paviangruppe von bestimmt 50 Tieren taucht aus dem Busch auf. Auch die Vogelwelt lässt sich nicht lange bitten. Woodland Kingfisher, Sporengänse, Klunkerkraniche, Strausse, Glanzstare, es gibt laufend etwas zu sehen. Wir kommen um eine Kurve und erreichen einen Tümpel. Die zahlreichen Nilgänse sind richtig erschrocken, ein wildes Gekrächze ertönt und sie retten sich flügelschlagend an den gegenüberliegenden Uferrand. Ein Stück weiter steht ein Baum, dekoriert mit vielen Webervogelnestern. Wir stoppen und beobachten die flinken Vögel. Es ist faszinierend, mit welcher Geschwindigkeit sie in die schmalen Eingänge fliegen. Jetzt kommen wir an ein Wäldchen. Das riesige Nest des Hammerkops in einer Astgabel ist unmöglich zu übersehen. Einer der beiden Vögel renoviert das Nest ausserhalb, während der zweite im Eingang sitzt und an einigen Zweigen herumzupft. Wir fahren weiter durch die Landschaft. Ich bin immer wieder von den unterschiedlichen Formen der Termitenhügel fasziniert. Es ist unglaublich, welch mächtige Bauwerke so kleine Tiere zustande bringen. SK stoppt für den Morgenkaffee. Mensch, ist es wirklich schon wieder so spät?









Ein Blick auf die Uhr bestätigt meine Befürchtung. Es ist 09:30. Dieser Morning Game Drive hatte einiges zu bieten, aber leider müssen wir langsam aber sicher zurück zur Lodge. Eine Stunde später haben wir Sandibe erreicht. Wir packen den Rest zusammen, erhalten noch eine kleine Mahlzeit, dann wird es Zeit, Abschied zu nehmen. Unsere Betreuerin Thusi bekommt eine längere Umarmung und ich verabschiede mich von ihr mit dem Satz: „Sala sentle, omunte mma“. (In etwa: Mach´s gut, schöne Frau). Sie lacht und bedankt sich bei mir. Ich glaube, spätestens jetzt kann sie mich richtig gut leiden ;) Die anderen Mitglieder der Staff haben es gehört, lachen und winken, draussen am Fahrzeug wird für uns noch mal zum Abschied gesungen. Würden wir Sandibe noch mal besuchen? Für meine Frau ist das überhaupt keine Frage, sie hat sich von Anfang an in diese Lodge verliebt. Ich würde gerne noch mal in 3, 4 Jahren hierher kommen um zu sehen, wie sich die „Ausstrahlung“ (ein besseres Wort fällt mir nicht ein) verändert hat.



Als wir starten ist es fast auf die Minute genau 11:30. Wir haben genügend Zeit, deshalb fahren wir nicht besonders schnell und stoppen hier und da für ein paar Fotos. Etwas wirklich Aufregendes sehen wir allerdings nicht mehr. Gegen 12:15 erreichen wir den Airstrip. 10 Minuten später landet auch schon unser Buschtaxi. Vier Leute steigen aus, Ruth und ich steigen ein. Die Maschine ist etwas grösser und es sitzen noch zwei Leute in der vorderen Sitzreihe. Das stört uns aber nicht besonders, denn wir sind ja nur etwa 20 Minuten in der Luft. Auch dieser Flug ist ruhig und die Landung ist sehr sanft. Flug Nummer 3 kann also auch abgehakt werden.





Wir werden bereits erwartet, schnell ist das Gepäck umgeladen, die Begrüssung unseres Fahrers sowie die Verabschiedung des Piloten gehen schnell vonstatten und schon rauscht der Flieger an uns vorbei und erhebt sich in den Himmel.

Auf geht´s nach Xudum. Uns ist diese Gegend des Deltas schon bekannt. Nicht weit von hier ist das Pom Pom Camp, bzw. Nxabega und in beiden Unterkünften waren wir schon. Aber auch hier wir den Eindruck: Es ist alles ziemlich trocken. Ich frage unseren Fahrer nach seiner Meinung und er bestätigt mir, dass das Wasser aus dem Norden nur sehr langsam vorankommt. Allerdings soll es ergiebige Regenfälle in Angola gegeben haben. Deshalb hofft man auf Wassernachschub.

Die Fahrt nach Xudum dauert knappe 45 Minuten. Bei unserer Ankunft um 14:30 werden wir von der Managerin begrüsst. Sie fragt uns, ob wir noch etwas essen wollen. Ja, das wäre nicht schlecht! Also setzen wir uns sofort an einen Tisch, während unser Gepäck zur Unterkunft getragen wird. Bald darauf können wir etwas essen und ich gönne mir ein kaltes Windhoek Lager. Das tut bei der Hitze richtig gut :woohoo: Nachdem wir gegessen haben gibt es noch die nötigen Infos zu Xudum. Das Camp bietet maximal 18 Gästen in 9 Chalets eine Übernachtungsmöglichkeit. Die Häuschen liegen nebeneinander mit Blick auf eine Lagune. Die war allerdings während unserer Anwesenheit so gut wie ausgetrocknet. Es ist genügend Abstand da, um sich ungestört vom Nachbarn zu fühlen. Die Zeiten für Frühstück, Lunch, Dinner und die Gamedrives sind genauso wie in Sandibe. Für die Mahlzeiten haben wir wieder einen Zweiertisch. Xudum ist im Gegensatz zu Sandibe nicht brandneu und ich mag den Charme dieses Camps. Es ist für mich ein Tick mehr das „richtige“ Afrika. Meine Frau, die ja eher „Sandibe-geprägt“ ist, findet Xudum „halt ok“. Richtige Begeisterung sieht bei ihr anders aus. Hier scheiden sich die Geister, denn ich fühle mich hier wohl.





Nachdem wir alle Infos haben, werden wir von der sehr sympathischen Hausdame zu unserer Unterkunft gebracht. Die Chalets haben einen Hauptraum mit grossem Doppelbett und ein etwas tiefer gelegtes Badezimmer mit Dusche und Badewanne. Eine Aussendusche gibt es natürlich auch. Die Terrasse liegt in Richtung der Lagune, dort befindet sich auch der kleine private Pool. Hier draussen gibt es auch noch eine kreisrunde Liege, auf der man wunderbar relaxen kann. Einen Stock höher, unter einer überdachten Aussichtsplattform, finde ich ein Bett, es ist also möglich im Freien zu übernachten, wenn man möchte. Wir finden, das Chalet hat alles, was wir so brauchen und sogar meine Frau ist jetzt zufrieden. Nachdem die Hausdame alles erklärt hat lässt sie uns allein.









Schnell sind unsere Sachen untergebracht, meine Frau nutzt die Gelegenheit, um erst einmal ein Bad im Pool zu nehmen. Während sie also entspannt im Wasser steht, raschelt es plötzlich im Gebüsch. Ich bin neugierig und komme zum Pool, leider, leider ohne Fotoapparat. In diesem Moment erscheint ein Eli direkt vor dem Pool. Er schaut uns kurz an, dann wandert er langsam weiter. Ahhhhh! Ich bekomme Schnappatmung! Nicht weil es eine gefährliche Situation wäre, sondern weil ich ein richtig gutes Foto verpasst habe. Meine Frau im Pool und vielleicht drei Meter weiter der Elefant, der sie auch noch anschaut. Und wieder einmal heisst es für mich: Knapp daneben ist auch vorbei :evil:

Ich renne hinein und hole die Kamera. Der Eli steht nur wenige Meter entfernt im Busch und frisst. Ich hoffe, dass er vielleicht noch mal zurück kommt und befehle meiner Frau, auf jeden Fall im Pool zu bleiben. So warten wir und warten, aber der Spielverderber beschliesst, in die andere Richtung zur Main Area weiterzuwandern. Das ist gemein! Ich gebe auf und erlaube Ruth, den Pool zu verlassen und sich für den Nachmittag vorzubereiten. Pünktlich zum High Tea um 15:30 inspizieren wir den Kuchen und die Häppchen, die wir als kleine Stärkung angeboten bekommen. Jetzt lernen wir auch unseren Guide TG und unsere Mitfahrer kennen. Wir werden mit zwei Engländern und zwei Südafrikanern unterwegs sein. Gegen 16:00 brechen wir auf, unser Tracker Eric erwartet uns schon beim Fahrzeug.

Kaum sind wir gestartet wird Ruth und mir schon klar, dass uns nicht die Idealbesetzung begleitet. Die anderen Gäste sind ziemlich laut, auch wenn wir anhalten, um Tiere zu betrachten. Einer macht gerne Witze und besonders die zwei weiblichen Gäste brechen dann sofort in schallendes Gelächter aus. Zack! verschwindet das Warzenschwein im hohen Gras und Zack! rennen die Mangusten beim ersten Gelächter sofort davon. Oh je! Das ist so gar nicht unsere Welt. Eigentlich ist es ganz gut, dass wir nur eine Nacht hier sind, denn diese Gruppe bleibt noch zwei Tage :S

Zumindest was die Tiere betrifft, verläuft der Nachmittag ziemlich ruhig. Erst suchen wir ein Löwenrudel, das die anderen am Vormittag aufgespürt hatten, aber die Tiere sind verschwunden Wir sehen viele Lechwe Antilopen, stoppen an einem Hippopool und können bald darauf auf einer freien Fläche zum Sundowner aussteigen.







Auch hier hält sich heute unsere Kommunikation in Grenzen, die vier sind halt nicht unsere Welt. Dann halte ich mich doch lieber an den Guide bzw. Tracker. Als wir wieder ins Auto klettern ist es bereits dunkel geworden. Eric holt den Scheinwerfer hervor und leuchtet die Gegend ab. Wir sehen eine kleine Eule am Boden sitzen. Sie schaut uns mit grossen Augen an (wer hätte das gedacht?). Ein Stück weiter treffen wir auf einen Löwen. Eric schiebt einen roten Filter vor den Spot, jetzt wird die Katze rot angeleuchtet. Damit soll eine unnötige Blendung vermieden werden. Nach einer Viertelstunde fahren wir weiter Richtung Camp, dort kommen wir gegen 20:30 an. Obwohl wir also über vier Stunden unterwegs gewesen waren, haben wir nicht sehr viele neue Eindrücke sammeln können.

Wir gehen nicht zurück zum Chalet, sondern waschen uns nur kurz Gesicht und Hände und setzen uns dann an den Tisch. Der steht auf der Aussichtsterrasse völlig im Freien. Ein schöner Platz, das kann man schon sagen. Die anderen vier Gäste sitzen ein gutes Stück von uns entfernt, das ist auch gut so! Ausser uns übernachtet heute noch eine Gruppe von Reiseveranstaltern aus den USA in Xudum. Auch die sitzen etwas weiter weg, deshalb hat unser Dinner schon einen privaten Charakter. Das Essen ist gar nicht schlecht, der Wein schmeckt natürlich auch wieder und so sind wir eigentlich ganz zufrieden. Das Highlight für meine Frau: Hier funktioniert das W-LAN, sie kann sich mit ihrem Smartphone einloggen und mit der Heimat kommunizieren! So geht der Abend schnell zu Ende und gegen 22:00 lassen wir uns zu unserer Unterkunft bringen. Wir packen die meisten Sachen bereits ein, denn morgen verlassen wir das Camp. Dann geht es ab ins Bett und bald darauf befinden wir uns bereits im Reich der Träume.

Dienstag 19.04.2016

Auch hier werden wir schon vor dem Wakeup Call um 05:30 von Vogelgezwitscher geweckt. Aber das macht mir nichts aus. Das ist allemal schöner als das Gegackere der Francolins! Um kurz vor 06:00 stehen wir vor unserem Häuschen, kurz darauf flackert das Licht einer Taschenlampe. Wir werden zum Frühstück abgeholt. Auf dem Weg zur Main Area raschelt es auf dem Boden. Dann laufen zwei Stachelschweine vor uns über den Weg. Unser Begleiter folgt ihnen, aber sie haben es mächtig eilig und verschwinden in einer Höhle. Ich würde diese Tierchen mal wirklich gerne bei Tageslicht sehen.

Nach dem Frühstück starten wir in der gleichen Besetzung wie gestern zum Gamedrive. Draussen im Busch tut sich noch nicht viel. Um 06:45 lugt die rote Sonnenscheibe hinter ein paar Büschen am Horizont hervor, 10 Minuten später stoppen wir an einem kleinen, flachen See. In der Mitte tummeln sich etwa 20 Hippos, am Rand haben sich zahlreiche Vögel versammelt. Marabus, Nimmersatte und Reiher laufen in der Uferzone herum und fressen, Pelikane schwimmen zwischen ihnen. In den Bäumen rundherum sitzen Fisheagle. So viele Adler auf einem Fleck habe ich noch nie gesehen. Alleine in einem Baum kann ich 10 Fisheagle zählen! Der Grund: Das Gewässer trocknet langsam aber sicher aus und die Fische darin können sich nicht mehr verstecken. Ein Paradies für alle Fischfresser! Pausenlos fliegen die Fisheagle herum und stossen auf die Wasseroberfläche herab. Fast immer sind sie erfolgreich.



Wir sehen uns das Spektakel eine gute halbe Stunde an, dann kommt ein Funkspruch: „Leopard gesichtet“. Also startet TG den Motor und wir fahren weiter. Eine knappe halbe Stunde später erreichen wir die Stelle. Am Rand eines Wäldchens steht ein anderes Fahrzeug. TG informiert sich, wo der Leo sein könnte. Er hat sich in den dichten Busch zurückgezogen. Eric verlässt seinen Sitz ausserhalb und kommt ins Auto. Also heisst es für uns wieder einmal: Augen und empfindliche Stellen schützen und ab geht´s durch die Mitte. Es kracht ziemlich laut, als wir uns den Weg durch die Büsche bahnen. Wenn ich der Leo wäre, dann hätte ich schon längst das Weite gesucht. Aber dem ist nicht so. Wir kommen an eine kleine Lichtung und da taucht er auf. Er schaut uns nur kurz mit einem – wie ich finde – arroganten Blick an, dann schaut er in der Gegend herum.



Keine 20 Sekunden später taucht er wieder ab. TG nimmt die Verfolgung auf. Es kracht und knackt. Wir müssen umgestürzte Bäume umfahren, zwängen uns zwischen dichten Büschen hindurch, dann sehen wir den Leo wieder. Er blickt kurz in unsere Richtung, fast schaut es aus als würde er hämisch grinsen, dann verschwindet er wieder im dichtesten Teil des Buschwerks. Wir haben uns jetzt so fest gefahren, dass TG zentimeterweise rangieren muss, um wieder herauszufinden. Wir umfahren ein paar Büsche, der Leo bleibt verschwunden. Dann entscheiden wir gemeinsam, dass wir genug von der Verfolgung haben.

Die nächste Stunde bleibt es extrem ruhig. Einige Impalas, ein paar Tsessebes, eine Gruppe Paviane, das war´s. An einer Wasserstelle halten wir für die Kaffeepause. Bald darauf hält ein Landcruiser mit Aussichtsplattform auf dem Dach. Darauf sitzt eine junge Frau. Es handelt sich um Wissenschaftler, welche die Löwenpopulation in der Gegend überwachen. Hmmm… da würde ich jetzt auch gerne mitfahren. Natürlich oben auf dem Dach. Leider haben sie heute noch keine Katzen gesehen.

Irgendwann starten wir, um zum Camp zu fahren. Gegen 10:15 sind wir wieder zurück, verabschieden uns von unseren Mitfahrern (das fällt uns gar nicht so schwer), erhalten ein Brunch, dann holen wir unsere Sachen. Würden wir hierher wiederkommen? Ich eigentlich schon. Eine Nacht war definitiv zu wenig, um einen guten Eindruck zu bekommen, aber ein längerer Zeitraum war halt planungstechnisch nicht möglich. Für meine Frau war es nicht so der Brüller. Ich vermute, das Camp in seiner jetzigen Form wird nicht mehr lange bestehen. Nachdem Sandibe und Nxageba gerade völlig umgebaut wurden kann ich mir vorstellen, dass Xudum auch schon auf der Liste steht. Aber das ist nur eine Vermutung.

Um 10:45 sitzen wir im Auto und TG fährt uns zum Airstrip. Den erreichen wir um 11:30. Als wir ankommen, steht unser Flieger bereits da und zwei Gäste steigen aus. Na das nenne ich eine Punktlandung! Zwei Minuten später ist unser Gepäck verladen, wir verabschieden uns von TG und klettern in die kleine Maschine. Heute sitze ich mal wieder auf meinem Lieblingsplatz neben dem Piloten, Ruth auf der Rückbank. Um 11:40 schwingen wir uns die Lüfte und steuern unserem nächsten Ziel, dem Camp Okavango, entgegen.
... wird fortgesetzt ...

Letzte Änderung: 14 Jul 2016 10:49 von leofant.
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