THEMA: 29 Lodge-Tage im Norden von Tanzania – Gnus satt
10 Mär 2021 11:40 #609343
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  • JP K am 10 Mär 2021 11:40
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Langes Fazit

Ich bin froh, dass ich mich gegen Madame’s Bedenken durchgesetzt habe und dass wir die Reise durchgezogen haben. Die Reise war ein Highlight in unserer Reisesammlung, wobei wir schon viele schöne Reisen gemacht haben. Wir haben viele tolle Eindrücke und Fotos mit nach Hause nehmen können.

Auch wenn wir nicht viel Kontakt zu Tanzaniern hatten, reichten doch die Besuche bei den Hadzabe, den Datoga und den Massai, zusammen mit den Beobachtungen auf den Fahrstrecken und den Erzählungen, Erklärungen und Anekdoten unseres Guides, um eine gewisse Vorstellung zu bekommen, was es heisst, dass der Durchschnitts-Tanzanier mit rd. 1.000 Dollar im Jahr auskommen muss. Tanzania steht beim Entwicklungsindex auf dem 163. von 189 Plätzen, das ist schon sehr sehr basic. Namibia steht etwa 30 Plätze besser, und Botswana nochmals 30 Plätze über Namibia. Diese beiden Länder hatten wir bereits vorher in Afrika besucht. Beim BIP pro Kopf ist die Spreizung gegenüber Namibia und Botswana noch größer. Die Strassenverhältnisse sind ebenfalls ein Indikator für den niedrigen Entwicklungsstand, den wir hautnah zu spüren bekamen, die notwendige Fahrtdauer kann anhand Google Maps leicht unterschätzt werden. Die Menschen, denen wir begegnet sind, leben sicherlich von uns als Touristen, und waren schon aus diesem Grund sehr freundlich zu uns. Aber auch wenn man versucht durch diese Abhängigkeit hindurchzusehen, schienen mir die Leute genuin zufrieden zu sein und ihr Ding zu leben. Man hat ja nur ein Leben, und darin sollte man glücklich sein bzw. nach Glück streben. Allerdings belegt Tanzania auch im World Happiness Report einen hinteren Platz… Auch aus diesem Grund fand ich die Reise nach Tanzania wertvoll, ich weiss jetzt wie es in einem der ärmsten Länder der Welt aussieht und werde hoffentlich Weltpolitik entsprechend besser würdigen können.

Zu unserer Reiseorganisation:

Was gefiel: perfekte Reiseplanung und Durchführung seitens der beiden Reiseveranstalter, nichts hat gehakt. Dass die Streckenführung hätte anders sein können, kann ich nicht den Reiseveranstaltern anlasten, ich hatte meine eigenen Vorstellungen, und ich bin als Kunde der König.

Was nicht gefiel: hoher Preis zusammen mit dem frustrierenden Gedanken, dass eine Wiederholung auf diesem Komfort-Niveau schwer möglich sein wird.

Streckenführung: was hätte ich lieber anders organisiert im Nachhinein: Die Fahrten ins Usambara Gebirge und zum Festlandstrand hinter Pangani waren elendig lange, es gingen dabei insgesamt 3 Tage an Hin- und Herfahren drauf, in denen wir nichts anderes tun konnten als aus dem Fenster starren. Das machen wir zwar auch bei einer Safari, aber es gibt interessanteres zu sehen während der Safari. Usambara würde ich trotzdem wieder machen, den Strand sicherlich nicht nochmal. Evtl. wäre Sansibar einfacher und schneller zu erreichen gewesen mit dem Flugzeug, das wollte ich nicht, weil es ja jeder macht. In der Nähe von Arusha zwischendurch ein paar Tage ausspannen, wäre evtl. besser gewesen. Überall könnte man längere Aufenthalte planen, aber priorisierend hätte evtl. die Serengeti tatsächlich einen 2 bis 3 Tage längeren Aufenthalt verdient. Ngorongoro Crater einmal ja, beim nächsten mal zugunsten eines anderen Reiseziels kürzen. Alle Reiseziele waren sehenswert, da würde ich keinen Ort besonders herausheben wollen.

Jahreszeit Nov./Dez.: Es war Nebensaison mit der angenehmen Folge, dass wenig Touristen unterwegs sind, und Corona hat diesen Umstand noch verstärkt. Ausserdem haben die Regenfälle begonnen ihre Wirkung zu zeigen und es grünte. Das ist mir viel lieber als verbranntes braunes Gras. Wenn ich nicht unbedingt das Mara-Crossing sehen möchte zwischen August und Oktober, würde ich immer in der grünen Jahreszeit fahren wollen. Ndutu war klasse, eine Wiederholung zur Kälber-Zeit im Februar ist nicht ganz ausgeschlossen vorbehaltlich akzeptabler Kosten.

Selbstfahren vs. Guide: wir sind froh, auch mal eine geführte Tour gemacht zu haben, der Guide Dennis hat uns sehr viele Tiere gezeigt, die wir ohne ihn nie gesehen hätten. Seine Erläuterungen zu allen Sichtungen waren klasse, sein häufiges Nachschauen in seinen mitgeführten Bestimmungsbüchern zeugten von hoher Professionalität. Ausserdem haben wir es gut mit ihm die lange Zeit ausgehalten. In Zukunft nur noch mit Guide? Nein, das Selberfahren bringt zu viel Spass und bietet eine höhere Flexibilität, als dass wir drauf verzichten wollen. Evtl. mal so und mal so. Die Wege hätte ich mir bis auf 2 kürzere Abschnitte in der Serengeti auch als Selbstfahrer in der kleinen Regenzeit zugetraut.

Tiere: ich habe mich an ihnen berauscht, sagenhaft geil, insbesondere die Great Migration. Namibia ist dagegen bis auf Etosha fast leer, und in Etosha hatten wir durch die vielen künstlich angelegten Wasserlöcher fast ein Zoo-Gefühl. Botswana kann sicherlich mithalten mit Tanzania und hat etwas andere Schwerpunkte (insb. Elefanten). Wir hatten viele Erstsichtungen, aber insbesondere die intensivierten Zweitsichtungen (z.B. Leoparden, Gnus, verschiedene Antilopen, Hyänen, Mangusten etc) und die vielen Erläuterungen zum Verhalten der Vögel und der Tiere durch Dennis haben es mir angetan. Der Kill durch eine Großkatze hat gefehlt und ist einer von vielen Gründen, wieder nach Afrika fahren zu wollen.

Länge des Urlaubs 4 Wochen: wir hatten Bedenken, dass 4 Wochen zu lang sein könnten, dass es irgendwann langweilig werden würde, dass wir die Tiere nicht mehr sehen möchten, dass nur im Auto rumsitzen irgendwann keinen Spass mehr bringen würde, dass uns der Guide irgendwann auf den Sack gehen könnte. Freunde meinten zu unserer Safari vorher sie sei viel zu lang, Safari für 1 Woche ja, aber dann ist die Aktivität auch abgehakt. Keine der Bedenken traf letztendlich zu, zu keiner Zeit. Es war die gerade richtige Länge, um sich nach einer solchen Zeitspanne wieder auf das eigene zu Hause freuen zu können, ohne gleich ins Heimweh zu verfallen. Die Tour und die Ziele waren abwechslungsreich genug, um das Interesse an der Reise, an den Tieren, an dem Land aufrecht zu erhalten.

Finanziell: Es wird wohl leider die einzige Reise auf diesem Preisniveau bleiben. Dass es auch günstiger geht, hat Nadine in ihrem Bericht hier im Forum vorgerechnet. Sicherlich kann man durch Ausschalten zumindest eines Reiseveranstalters wohl 10% sparen, dann hat man aber nicht mehr die Sicherheit einer Pauschalreise nach deutschem Recht. Komplett selber organisieren würde möglicherweise nochmal 10% sparen. Das Niveau der gebuchten Lodges: ich habe in der Zwischenzeit im Internet recherchiert, wenn man intensiv sucht, findet man tatsächlich Preisindikationen. Nach den gefundenen Übersichten waren wir eher im unteren Preis-Bereich unterwegs, einzig das Lake Natron Camp war im Vergleich zu den anderen am Ort verfügbaren Lodges über dem Durchschnitt (die Lage der Lodge war klasse!). Normalerweise erhalten Reiseveranstalter ja einen Abschlag auf die Rack Rates, so dass der Reisende keine finanziellen Nachteile durch die Einschaltung eines Reiseveranstalters hat, wie sich das in Tansania verhält, kann ich nicht sagen. Auch Selbstfahren könnte günstiger sein, obwohl es auch Aussagen gibt, dass es keinen großen Preisunterschied ausmacht. Leider ist mir die Kalkulation der Reiseveranstalter nicht transparent, es gab nur einen Betrag auf der Rechnung. Zu den Trinkgeldern hatte ich ja schon etwas geschrieben, ich finde die Erwartungen an die Trinkgelder unangemessen hoch, wobei wir uns zumeist nicht verleiten lassen haben, zu viel zu geben.

Lodges: zum Finanziellen siehe oben. In allen Lodges haben wir uns wohl gefühlt, es fehlte bis auf Wasserdruck unter der Dusche nichts, alle Lodges waren pikobello sauber, großzügig ausgelegt, boten guten Komfort und hatten schöne Aussichten (Aussicht insb. Lake Natron Camp und Mambo View Point). Der Schwerpunkt der Reise lag auf Tiersichtungen, wir haben keine kulinarische Schlemmerreise gebucht und auch nicht bekommen. Das Essen fand ich eher einfallslos englisch beeinflusst. Es schmeckte nicht schlecht, aber nirgendwo gab es einen Aha-Effekt – bis auf das Olpopongi-Boma: dort haben wir beide uns vielsagend angeschaut, Essen geht ja doch interessant in Tanzania.

Das Schreiben dieses Reiseberichts: hat nochmal viele Erinnerungen an unsere schöne Zeit in Tanzania zutage gebracht und war ebenfalls eine Bereicherung für mich. Vielen Dank fürs Lesen dieses Berichts! Über 700 Bilder sind in diesem Bericht gelandet, es gibt nicht das eine Lieblingsbild, es wären zu viele. Trotzdem mal eine Liste meiner persönlichen Highlights:
- Der Syke Monkey im Arusha NP
- Die Streifenmangusten im Tarangire NP
- Der Little Bee-Eater im Lake Manyara NP
- Der fliegende Pelikan mit seinem Stirnhöcker am Lake Natron
- Die Elefanten im Morgennebel und das Chamäleon in Ndutu
- Die Leopardenfamilie auf dem Felsen sowie der Sonnenaufgang in der Serengeti
- Der mit der Schlange kämpfende Reiher im Ngorongoro Crater
- Die Kinder im Mambo Dorf
- Der Fischer in seinem Holzboot in Kijongo
- Die Begrüßung im Olpopongi-Boma sowie die Gerenuks im West-Kilimanjaro-Gebiet

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