THEMA: Ganz spontan durch Surinam (Reisebericht)
28 Mär 2021 15:19 #611133
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Mitten im Regenwald

Da der Abstecher nach Sipaliwini zu den azurblauen Pfeilgiftfröschen nicht klappte, flogen wir in eine andere abgelegene Region in den Regenwald. Dies war dann jedoch kurzfristig über einen Reiseveranstalter vor Ort organisiert. Ein kleiner Abstecher in die touristische „Normalität“.
Zwei Stunden ging es mit einem Propellerflugzeug in Richtung Süden und wir landeten auf einem Grasfeld.






Von dort ging es etwa 200 Meter zu Fuß zum Camp. Hier standen Betten mit extrem löchrigen Moskitonetzen unter einem Wellblechdach. Über das Flugfeld streifte gelegentlich ein Jaguar und unter dem Wellblechdach befand sich alle 30-40 cm eine Vogelspinne, die durch die teilweise 15-20 cm großen Löcher in den Moskitonetzen mühelos zu nächtlichen Besuchern hätten werden können. Das ist nicht für jedermann ein angenehmer Gedanke. Aber auch Vogelspinnen sind ja nicht ganz blöd. Sie warten lieber passiv auf Nahrung, als sich von panischen Touristen totschlagen zu lassen. Es gab also quasi einen Nichtangriffspakt. Alle Seiten blieben friedlich.

Wir kamen mit einigen Niederländern, zwei Italienern und einem Forscher unbekannter Nationalität (vermutlich aus Surinam – wir haben nicht gefragt) dort an. Der Forscher wurde von zwei Indios mit dem Boot ein Stück flussaufwärts in ein anderes Camp auf der anderen Flussseite gebracht, wo er die nächsten Wochen völlig alleine zubringen würde. Wir durften die drei auf der Überfahrt begleiten. Der Forscher erzählte, dass er hier an vielen Stellen Fotofallen aufbaue, um ggf. neue Tierarten zu entdecken oder solche, die zwar bekannt sind, aber in dieser Region bislang nie gesehen wurden.



Gleich am ersten Abend schnappten Thomas und ich unsere Taschenlampen und zogen los, um zu sehen, was es zu entdecken gab. In der Nähe des Flugfeldes standen einige Palmen. Auf jeder Palme wohnte eine Avicularia (Baumvogelspinne). Jeden Abend bei Einbruch der Nacht kletterten sie hinunter und warteten in 1,5-2 Meter Höhe auf Beute. Sie hatten einen Durchmesser von etwa 12-15 cm, doch eines der Exemplare war nahezu doppelt so groß und fast so lang wie ein DinA4-Blatt (eine bodenbewohnende Theraposa blondi erreicht sogar bis zu 32 cm Länge, aber Baumvogelspinnen sind üblicherweise deutlich kleiner).
Für mich sah sie optisch aus wie eine Avicularia metallica, aber es passt von der Größe einfach nicht. Die gesichtete Spinne war mehr als doppelt so groß wie die offiziell angegebene Größe dieser Art. Allerdings habe ich in der Literatur überhaupt noch keine Angaben zu einer Baumvogelspinne dieser Größe gefunden. Auf den anderen Bäumen wohnte diese Baumvogelspinnen natürlich auch. Sie waren nur schwerer zu erkennen, weil die Stämme der Bäume dunkler waren als die der Palmen. Hier mal unser Prachtexemplar:




Wir waren an drei Abenden immer zur gleichen Zeit dort und sahen sie hinunter kommen. Dieses eine extreme Exemplar hätte eine vollwertige Mahlzeit ergeben. Für fünf Personen, weil vier davon der Hunger vergangen wäre. Und die fünfte Person wird derzeit noch gesucht.

Auch ziemlich große Kröten waren in der Nacht unterwegs. Die fressen alles, was ins Maul passt. Auch Artgenossen …






Fortsetzung folgt …

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Wolfgang
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30 Mär 2021 20:18 #611284
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Am nächsten Tag brachen wir zu einer Wanderung zum Voltzberg auf. Morgens lag noch Nebel über dem Fluss direkt am Camp und es war angenehm kühl. Das änderte sich jedoch sehr bald.



Direkt am Camp führte auch eine Ameisenstraße vorbei. Ob es sich um Blattschneiderameisen handelte, weiß ich nicht, aber immerhin schleppten alle eifrig Teile von Blättern - zumindest in eine Richtung. In beide Richtungen wäre es ja Quatsch gewesen.



Wir wanderten in zwei Gruppen. Die größere wanderte direkt zum Berg, das italienische Pärchen, Thomas und ich nahmen mit einem zweiten Guide einen Umweg, um eine seltene orange Papageienart zu sehen. Gesehen haben wir sie tatsächlich auch, aber im dunklen Regenwald wurden die Fotos so schlecht, dass sie nicht zu gebrauchen sind.
Bereits bei der ersten kurzen Pause musste ich mein T-Shirt auswringen (ich schwitze sehr schnell). Es war vom Schweiß bereits so nass, als hätte ich es gerade aus dem Wasser gezogen. Thomas meinte, er hätte so etwas noch nie gesehen, als das Wasser zu Boden plätscherte.

Wir holten die zweite Gruppe bereits am Voltzberg ein, dem eigentlichen Ziel und Mittelpunkt der Wanderung. Wir stiegen von links auf den Berg, machten eine längere Pause und genossen die Aussicht. Hier trocknete ich mein T-Shirt zum zweiten Mal, indem ich es auf den heißen Fels legte.





Ich hatte bei der Reise zwei Paar Schuhe mit, ein Paar Fahrradschuhe, die ich aber wegen der Hitze nie trug und ein Paar Sandalen. Bei der Wanderung im Regenwald trug ich die Radschuhe zum ersten Mal. Hier waren sie jedoch völlig ungeeignet, aber eben noch immer besser als Sandalen (ich meine auch, offene Schuhe wären nicht erlaubt gewesen). Die harten Sohlen sorgten dafür, dass ich ganz schlecht Halt fand und dauernd rutschte. Das war besonders an den Stellen blöd, an denen wir über Steine oder Baumstämme die Bäche unterwegs überqueren mussten. Auch hatten sich fast alle Teilnehmer beim Wasserbedarf verschätzt. So kam es dann dazu, dass der Großteil der Teilnehmer auf dem Rückweg an einem Bach die Flaschen auffüllte.

Unterwegs sahen wir einige Tiere, aber das war ziemlich überschaubar.









Nach der Wanderung war selbst meine Hose so nass, als käme sie gerade ungeschleudert aus der Waschmaschine, roch aber leider nicht so gut.
Am Abend hatten aber alle Teilnehmer der Wanderung ihre Klamotten auf dem Geländer auf dem Weg zur Toilette zum Trocknen abgelegt. Der Weg zur Toilette war ein olfaktorisches Erlebnis der Sonderklasse. Es war immerhin im Preis inbegriffen.

Der Guide unterwegs war ein absoluter Knaller. Er konnte die Geräusche diverser Vogel- und Affenarten so nachahmen, dass sie auf seine Rufe wieder antworteten. Es schien so, als könne er sich mit ihnen richtig unterhalten. Das war schon richtig beeindruckend. Als Indio war er im Wald geboren und aufgewachsen. Das war sein Zuhause und das merkte man auch in anderen Momenten.

Kurz vor dem Camp konnten wir noch in einem kleinen Bach mit Tümpel und Wasserfall ein Bad nehmen.



Am letzten Abend im Regenwald spielten die Raleigh-Boys (die Region dort heißt Raleighvallen). Alle Mitglieder des Teams, ob Koch, Guide oder was auch immer gehörten zur Band (ich habe mit Absicht keine Fotos eingestellt, auf denen sie von vorne zu sehen sind). Die Musikinstrumente waren oft sehr einfach und selbstgebaut. Einer der Musiker konnte sein Instrument während des Auftritts stimmen. Ich vermute, dass die leere Flasche am besten klingt, zumindest arbeitete er auf dieses Ziel hin.







Es gab am Abend kostenlose Getränke in Form von Fruchtsaft, der mit 90prozentigem Rum gemischt war. Da das ganze in einem großen Bottich gemischt wurde, war Fruchtsaft ohne Rum nicht erhältlich. Man hat den Rum fatalerweise nicht in dem Maße wahrgenommen, was einem der jungen Niederländer schnell zum Verhängnis wurde. Nach bereits einer gefühlten halben Stunde hielt er zu Ehren von Villeroy&Boch eine längere Andacht vor dem weißen Porzellanaltar ab und verschwand dann ins Bett.


Fortsetzung folgt …

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30 Mär 2021 20:34 #611285
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Als wir das Camp wieder verließen, hatten wir längst gelernt, auch tagsüber Vogelspinnen aufzuspüren. Ich vermute bei den folgenden Exemplaren handelte es sich um Jungtiere der gleichen Art, die in ausgewachsenem Zustand dann die Palmen besiedeln. Zumindest hatten sie die gleichen roten Füße und der Pelzmantel sah auch so ähnlich aus.
Sie umspinnen die jungen Blätter von Ananaspflanzen, so dass sich eine Röhre bildet, in der sie sich tagsüber verstecken. Wird es dunkel, kommen sie nach draußen und setzen sich außen auf die Blätter wie es ihre größeren Verwandten an den Palmen auch tun.







Auf dem Rückweg nach Paramaribo fuhren wir mit einem Motorboot – sechs Stunden – durch strömenden Regen. Das Boot war zwar überdacht, aber Thomas und ich saßen ganz vorne. Das Dach war von der Länge her nach vorne etwas knapp bemessen, der Regen peitschte uns entgegen und die Fahrtgeschwindigkeit sorgte dafür, dass wir die gesamte Zeit im strömenden Regen saßen. Ich hatte gleich zu Beginn mein T-Shirt ausgezogen und im Boot eine Reihe weiter nach hinten gereicht, damit die es dort hinter meiner Rückenlehne regengeschützt ablegen. Nach sechs Stunden Fahrt erreichten wir ein kleines Indianerdorf und die erste Piste (und erste Pinkelpause als Hinweis für Menschen mit schwacher Blase). Von dort ging es mit einem kleinen Bus weiter. Thomas behielt sein T-Shirt im Boot an, was zur Folge hatte, dass er nun auch noch die gesamte Busfahrt über fror.
Die lange Rückfahrt machte uns erst richtig klar, wie weit wir abseits der Zivilisation waren.
Thomas und ich waren durchgefroren, obwohl es eigentlich sehr warm war. Sechs Stunden bewegungslos durchnässt bei Fahrtwind im Regen sitzen ist aber kein riesiges Vergnügen.

Auf Radreisen lernt man aber, dass Reisen nicht immer nur Vergnügen ist und nimmt das halt hin. Man kann es ja sowieso nicht ändern.


Fortsetzung folgt …

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Wolfgang
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31 Mär 2021 22:34 #611342
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Noch ein bisschen Flora und Fauna – ein Beitrag voller Vermutungen

Im Amazonasgebiet gibt es unheimlich viele Pflanzen- und Tierarten. Viele der Pflanzen haben als Zimmerpflanzen (z.B. Philodendren, Monstera, Dieffenbachien, Bromelien) Einzug in unsere Wohnzimmer gehalten. Um im Regenwald zu überleben, müssen sie robust sein und deshalb schaffen es viele auch in unseren weniger luftfeuchten Räumen zu überleben. Andere Pflanzen wie Syngonium (Purpurtute) benötigen aber hohe Luftfeuchtigkeit und sind schwerer zuhause zu halten.

Auf folgendem Foto wuchern mehrere Pflanzen ineinander. Die vor dem Baumstamm befindliche könnte eine junge Monstera deliciosa sein, während ich bei der zweiten eher eine Monstera obliqua vermute. Bei beiden kann ich natürlich daneben liegen.





Und hier vermute ich eine Xanthosoma, deren Knollen unter dem Namen „Tannia“ als Lebensmittel bekannt sind. Die Blätter werden bis zu einem halben Meter lang. Ich denke, auch die würden sich wie Spinat zubereiten lassen, aber ich würde lieber warten, bis es jemand tut, der sich etwas sicherer damit auskennt als ich.



Manche Pflanzen haben erstaunliche Eigenschaften entwickelt, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Auch ich würde mir daraus keinen Salat machen.



Die folgende Pflanze erinnerte mich an einen Nestfarn (Asplenium nidus), aber die gibt es in Südamerika gar nicht. Die Blütenstände links und unten erinnern wiederum eher an ein Aronstabgewächs.



Hier irgendeine schöne Blüte, zu der ich gar keine Vermutung habe und ein Baum, von deren Ästen an langen Schnüren Samenschoten hängen. Da in der Nähe des Äquators die Zentrifugalkraft aufgrund der Erdumdrehung bekanntlich besonders stark ist, hängen sie immer schräg. ;-)
Das kann man sich ungefähr so vorstellen wie bei einem Kettenkarussell. Da hängt auch immer alles schräg dran, so lange es sich dreht.





Die Tierwelt ist ebenso vielfältig wie erstaunlich. Tiere wie der (auf einem schlechten Foto) gezeigte Nasenbär oder der (nicht gezeigte und nicht gesichtete) Tapir (wir haben nur Spuren gesehen, die der Guide im Regenwald fand) erscheinen seltsam, aber die Natur hat sich wohl etwas dabei gedacht. Es gibt 3 cm lange Ameisen, deren Biss schmerzhaft ist und die zudem giftig sind, die bereits gezeigten Skolopender, Pfeilgiftfrösche, Vogelspinnen in rauen Mengen und vielen Arten, riesige Frösche und Kröten und Zitteraale, die Stromstöße von bis zu 500 Volt erzeugen können. Sie tun dies zur Orientierung in dem trüben Wasser. Falls man also davon hingerafft wird, sollte man im letzten Moment keine nachtragenden Gedanken haben. Die Tiere meinen es ja gar nicht böse. Und mit den Jaguaren gibt es sogar Katzen, die im Wasser Jagd auf Kaimane machen. Und natürlich sind auch viele bunte Schmetterlinge unterwegs. Dieser hier dürfte ein Morphofalter, vermutlich ein Morpho achilles sein, aber darunter gibt es noch einmal verschiedene, die sich teilweise sehr ähnlich sehen. Leider blieb er immer nur wenige Sekunden sitzen, so dass ich nicht nahe genug heran kam.



Und es gibt auch reichlich Schlangen in Surinam. Uns sind bis zu sechs Stück am Tag begegnet, die sich aber jeweils (bis auf eine) schnell verkrümelt haben. Wir haben auch nicht danach gesucht, sondern sie einfach zufällig entdeckt.
Nur diese eine konnte ich fotografieren und unser Schlangenspezialist Monokelkobra/Marco hier im Forum hat sie im Vorfeld des Berichts als Green Vine Snake (Oxybelis fulgidus) identifiziert, auf Deutsch Glanzspitznatter. Sie ist angeblich (laut Wikipedia) nur schwach giftig, was wir zu diesem Zeitpunkt natürlich nicht wussten. Thomas hat sie mit einem weit verzweigten (das bot ein wenig mehr Schutz) längeren Ast von der Straße in den Straßengraben befördert, damit sie nicht überfahren wird. Sie reagierte dabei ein wenig ungehalten, da sie offensichtlich Suicidgedanken hatte und lieber auf der Straße liegenbleiben und sich überfahren lassen wollte.






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Letzte Änderung: 01 Apr 2021 01:45 von BikeAfrica.
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01 Apr 2021 13:49 #611382
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Es folgt nun in einem Beitrag ohne Fotos ein spannendes Thema – Tropenkrankheiten.

Da ich häufig in Regionen ohne vernünftige ärztliche Versorgung bzw. unter einfachen hygienischen Bedingungen unterwegs war und bin, habe ich mich darüber ausführlich informiert und tue dies laufend. Dadurch lässt sich evtl. die ein oder andere Sache vermeiden oder die Situation im Falle von Problemen besser einschätzen. Hat die Behandlung noch Zeit bis in die nächste Stadt oder gar bis Deutschland, muss man dringend ins nächste Buschhospital oder zum Schamanen oder setzt man sich einfach nur in den Schatten und genießt noch die letzten 15 Minuten?

Viele Tropenkrankheiten werden über Insekten verbreitet und das geschieht häufig über Viren (z.B. bei Dengue oder Gelbfieber). Wesentlich mehr üble Tropenkrankenheiten werden vermutlich jedoch durch Parasiten ausgelöst. Dazu gehören z.B. Onchozerkose (Flussblindheit – hier zerfressen Fadenwürmer die Netzhaut), Trypanosomiasis (Schlafkrankheit) oder Leishmaniose, wozu auch die bekannte Elephantiasis gehört. Zu den durch Parasiten verursachten Krankheiten gehört aber auch die bekannte Malaria, die durch verschiedene Stechmücken der Gattung Anopheles übertragen wird, von denen übrigens auch einige Arten in Deutschland verbreitet sind.

Während die Parasiten bei Malaria (in dem Fall Plasmodien) fürs bloße Auge unsichtbar bleiben, werden sie bei Würmern und Maden deutlich sichtbar und erreichen z.T. beachtliche Größen. Im Falle von z.B. Fuchsbandwurm muss man dazu nicht einmal in die Tropen.
Eine unappetitliche Art Tropenkrankheit sind z.B. die von Mangofliegen verursachten Tumbu Fly Boils. Die Mangofliegen (o.ä. wie Dasselfliegen) legen Eier auf zum Trocknen ausgelegte Kleidungsstücke. Zieht man diese an, bohren sich die geschlüpften Larven durch die Haut und ernähren sich dort vom Körper des Menschen. Tagsüber ist alles so weit ok, aber wenn sich der betroffene Mensch zum Schlafen legt, werden die Maden hungrig und beginnen zu fressen.

Einer der Niederländer war am Rücken von einigen dieser (oder ähnlicher) Maden befallen und stöhnte die erste Nacht vor Schmerzen. Am nächsten Tag entfernten die Indios die Maden und ich konnte zuschauen, wie man das im Regenwald so macht. Die Öffnung, durch die sich die Maden ursprünglich reingefressen haben, dienen ihnen in der Folge zum Luftholen. Sie sind auch in der Regel entzündet und es bilden sich kleine Beulen.
Diese Öffnungen wurden ein paar Stunden mit feuchtem Tabak bedeckt und abgeklebt. Um atmen zu können, kamen die Maden nun näher an die Oberfläche. Dort wurden sie dann wie Pickel ausgedrückt. Sobald die Maden zum Vorschein kamen, wurden sie vorsichtig mit etwas Toilettenpapier herausgezogen, damit sie nicht auseinander rissen. Sie waren etwa 1 cm lang. Die Indios meinten, man müsse mit der Behandlung warten, bis sie eine gewisse Größe haben, weil es sonst nicht funktioniert.

Ich fand dies sehr spannend, aber sowohl der Befall als auch die Behandlung war offensichtlich sehr schmerzhaft. Die Indios gratulierten ihm anschließend noch, dass er es so gut ertragen hatte. Interessant war, dass man die ganze Stelle vorher mit Rum desinfizierte. Den hätte man schließlich auch trinken können. Deshalb mag man im Regenwald keine Mangofliegen und ähnliche. Die gleiche Sache kann man sich übrigens auch in Afrika einfangen und auch nicht nur im Regenwald.

Der Niederländer kam anschließend in Paramaribo stationär in eine Klinik wegen der Entzündungen.
Unschöne Sache, das ganze.


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Letzte Änderung: 01 Apr 2021 13:50 von BikeAfrica.
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02 Apr 2021 12:12 #611417
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Am letzten Abend in Paramaribo gingen wir noch einmal in das anfangs erwähnte chinesische Restaurant, von dem wir wirklich begeistert waren, auch wenn das Ambiente –wie soll ich sagen- noch in Nuancen kleine Verbesserungsmöglichkeiten böte. Aber besser so mit tollem Essen als ein tolles Ambiente mit Furz und Feuerstein und das Essen taugt nichts.



Wir trafen uns dann mit einer der Niederländerinnen an der Waterfront (von ihr erfuhren wir auch vom Krankenhausaufenthalt ihres Kumpels), wo es mehrere Kioske und Sitzgelegenheiten gab und nahmen noch die ein oder andere Hopfenkaltschale zu uns.





Am nächsten Morgen verpackten wir die Räder mit den Kartons, die wir in der Unterkunft für die Dauer der Reise deponieren konnten. Hier hatten sich auch schon wieder Tiere eingenistet – Prachtexemplare von Kakerlaken, die aber schnell das Weite suchten. Nur legen Kakerlaken ja auch gerne mal Eier in Wellpappe …
Wieder zuhause wurde der Karton gleich am Flughafen entsorgt und das restliche Gepäck stand erst einmal zwei Wochen in der frostigen Garage, um evtl. weitere Exemplare loszuwerden. Kakerlaken sind zwar sehr anpassungsfähig, aber die tropischen Varianten überstehen den Frost angeblich wohl nicht.

Wer allerdings Haustiere mag, aber nicht viel Zeit hat, sich darum zu kümmern, sollte darüber nachdenken, ein weibliches Tier dieser Gattung nach Hause zu schmuggeln. Kakerlaken als Haustiere sind genügsam, vermehren sich prächtig und suchen sich sogar ihr Futter selbst. Einfacher geht’s gar nicht. Selbst während der Zeit des Urlaubs muss man niemanden finden, der sie füttert. Kein Vergleich zu Hunden oder Katzen oder gar Pfeilgiftfröschen …
„Kannst Du bitte mal alle drei Tage meine Kakerlaken füttern?“ ist ein Satz, den sicherlich noch niemals jemand auf der ganzen Welt gehört hat.

Wir sind nun am Ende dieses Berichts. Es folgt demnächst nur noch ein kurzes Fazit.

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