NWR schließt Shark Island Sept. 2025

25 Antworten · 2'430 Aufrufe · gestartet 12. Aug. 2024 von Logi
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Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201212. Aug. 2024 · #1
Ich mache dazu ein neues Thema auf, da der Konflikt mittlerweile schon seit geraumer Zeit vor sich in köchelt:

Worum geht es?
Der Hafen von Lüderitz soll, in Erwartung der kommenden Investitionen, ausgebaut werden. Betroffen davon wäre Shark Island (Haifischinsel) und die darauf befindlichen Gräber plus Gedenkstätte(n).

Nama und Ovaherero tragen Kampf gegen Shark Island vor die UNO

Nama und Ovaherero tragen Kampf gegen Shark Island vor die UNO:
Um die geplante Erweiterung des Hafens von Lüderitz zu stoppen, da befürchtet wird, dass durch das Bauvorhaben das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Shark Island zerstört werden könnte, haben die Nama Traditional Leaders Association (NTLA) und die Ovaherero Traditional Authority (OTA) im vergangenen Monat einen Eilappell an das Komitee für die Beseitigung jeder Form von Rassendiskriminierung (CERD) gerichtet. ...


LG
Logi
zuletzt bearbeitet 18. Aug. 2025
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201231. Juli 2025 · #2
Shark Island: No more tourism

Shark Island: Kein Tourismus mehr
Shark Island, Schauplatz eines der dunkelsten Kapitel Namibias, wird nicht mehr als Tourismusziel genutzt.
Das Ministerium für Umwelt, Forstwirtschaft und Tourismus bestätigte diese Woche, dass das Kabinett die Übertragung des Geländes von Namibia Wildlife Resorts (NWR) an den National Heritage Council (NHC) genehmigt hat.
Shark Island vor der Küste von Lüderitz war während des Völkermords an den Nama und Ovaherero von 1904 bis 1908 Standort eines Konzentrationslagers der deutschen Kolonialverwaltung. Tausende kamen unter brutalen Bedingungen um, und auf der Insel befinden sich mehrere Massengräber.
Der Sprecher des Ministeriums für Umwelt und Tourismus, Ndeshipanda Hamunyela, bestätigte dies gegenüber The Whistle.
Es liegt ein Kabinettsbeschluss zur Übertragung von Shark Island an den National Heritage Council (NHC) vor. Namibia Wildlife Resorts (NWR) stellt seinen Betrieb schrittweise ein, um die Übergabe an den NHC vorzubereiten. Die Schließung erfolgt jedoch nicht sofort, da noch Buchungen bis Dezember 2025 vorliegen. NWR nimmt keine neuen Reservierungen oder Buchungen mehr an.


LG
Logi
593 Beiträge · seit 202431. Juli 2025 · #3
Hallo,
Wenn ich ganz ehrlich bin.... Ich habe Shark Island dieses Jahr mal aus dem Auto heraus angesehen., weil ich Jahre nicht mehr dort war. Fazit war, Lage nach wie vor schön, aber alles nur trostlos.
Ich finde es nicht schade das er nun entsprechend anders genutzt wird.
Bin doch wieder nach Klein Aus Vista zurück gefahren.
VG
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201215. Aug. 2025 · #4
Logi schrieb:Shark Island: No more tourism

Shark Island: Kein Tourismus mehr
Die Schließung erfolgt jedoch nicht sofort, da noch Buchungen bis Dezember 2025 vorliegen. NWR nimmt keine neuen Reservierungen oder Buchungen mehr an.
Wichtig! Änderung!

Der Termin wurde vorverlegt:


SharkIsland.jpg



Alle, die nach diesem Termin eine Reservierung haben, sollten unbedingt Kontakt mit dem NWR aufnehmen.

LG
Logi
1'942 Beiträge · seit 201116. Aug. 2025 · #5
Hallo allerseits,
betrifft das nur NWR oder auch andere Vermieter auf shark island?

Liebe Grüße
Solitaire
www.margit-noehrer.com FB und Insta: reisende.autorin Buch: Der glühende Atem der Wüste Meine Solo-Reise von der Namib in die Kalahari
33,1k Beiträge · seit 200616. Aug. 2025 · #6
solitaire schrieb:Hallo allerseits,
betrifft das nur NWR oder auch andere Vermieter auf shark island?

Liebe Grüße
Solitaire
es geht nur um das NWR-Rastlager und damit den historischen Standort des Konzentrationslagers. Alles andere auf Shark Island ist Privatland, gehört Namport etc

Beste Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
593 Beiträge · seit 202416. Aug. 2025 · #7
Hallo Solitaire,
Welche Vermieter gibt es denn dort noch? Oder wen meinst du.
Geht es nicht darum, lediglich das Gelände des kolonialen "KZ" nicht mehr touristisch zu nutzen? Also das Gelände nicht mehr für 'Fun&Spaß" zu benutzen. Es gab mal eine Reportage, wo das gezeigt wurde, wo sich die Lager der verschiedenen intervenierten Volksgruppen befanden. Es betraf aus meiner Erinnerung nur die Spitze der heutigen Halbinsel, also das Gebiet des heutigen Campingplatzes. Lege aber für mein Wissen darüber nicht die Hand ins Feuer.
VG
22 Beiträge · seit 202516. Aug. 2025 · #8
Das ist sehr schade. Hatten im März erst den Leuchtturm gemietet, die Unterkunft hatte uns überaus gut gefallen. Ist denn bekannt, ob die NWR-Unterkünfte auf Shark Island „für immer“ für den Tourismus geschlossen sein werden, oder das temporär ist?
33,1k Beiträge · seit 200616. Aug. 2025 · #9
Für immer, da es eben um einen der wichtigsten Erinnerungsorte an den Völkermord gilt und deshalb nicht durch Tourismus "missbraucht" werden soll. Hat möglicherweise auch irgendwelche rechtliche Hintergründe wegen des dort eigentlich geplanten Ausbaus des Hafens., der von der Nama-Gemeinschaft vehement abgelehnt wird.

Viele Grüße
Christian
Vom 23. August bis 6. September, 10. Oktober bis 18. Oktober 2026, 5. Dezember 2026 bis 17. Januar 2027 und 1. bis 30. Mai 2027 nicht/kaum im Forum aktiv!
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201216. Aug. 2025 · #10
R51 schrieb:Lege aber für mein Wissen darüber nicht die Hand ins Feuer.
Nein, es gibt viel weiter vorne auch noch Gräber. Die wurden erst bei Untersuchungen jüngeren Datums entdeckt.

Im Januar 2024 hatten wir dort eine geführte Besichtigung und wenn man uns nicht darauf aufmerksam gemacht hätte, wären wir da glatt dran vorbei marschiert.

LG
Logi
Themenstarter16,9k Beiträge · seit 201216. Aug. 2025 · #11
travelNAMIBIA schrieb:Hat möglicherweise auch irgendwelche rechtliche Hintergründe wegen des dort eigentlich geplanten Ausbaus des Hafens., der von der Nama-Gemeinschaft vehement abgelehnt wird.
Das denke ich auch, die Verhinderung des Hafenausbaus wird die tatsächliche Motivation dazu sein. Die Ernennung zur
Nationalen Gedenkstätte ist nunmehr doch schon ein paar Jahre her und da war das noch nicht so das Thema.
Fahrt nahm die Angelegenheit erst so richtig auf, als ins Gespräch kam, einen Teil der Insel für den umgestalteten Hafen
wegzureißen.

LG
Logi
78 Beiträge · seit 202317. Aug. 2025 · #12
Also ich finde das auch richtig so. Auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers zu campen finde ich schon geschmacklos.
571 Beiträge · seit 200617. Aug. 2025 · #13
Wir waren im September 2023 dort und sind wegen des starken Windes lieber eine Nacht in den vom Campwächter angebotenen Leuchtturm gezogen. Außer uns waren noch mehrere südafrikanische Camper, ein Spanier mit Dachzelt, zwei mit Selbstausbaucampern und ein Rotelbus auf der Campsite. Dass dort Gräber sind, war uns nicht bewusst, obwohl wir schon wussten, dass dort zeitweilig ein Gefängnislager war. Beim Herumlaufen sahen wir dann drei kleinere, mit Steinen und teilweise Absperrband eingefasste Areale, in denen jeweils einige kleinere Knochen lagen. Für uns nicht erkennbar, welcher Art diese waren, fragten wir am Morgen bei der Abreise den Wächter danach. Er meine, er wüsste es auch nicht genau, vermutlich seien es Affen. Der Mann war kein Nama, aber ob er es bösartig meinte, kann ich aber nicht sagen. Aber natürlich war es Unsinn, wer grenzt denn Tierknochen ab?
Die Schließung als Campingplatz ist sicher richtig, egal, ob die Hafenthematik nun mit eine Rolle spielt oder nicht.

steinbeisser
593 Beiträge · seit 202417. Aug. 2025 · #14
Hallo,
Hier die oder eine Reportage über Lüderitzbucht und Shark Island.
Ich hoffe, das dadurch hier keine politische Diskussion angefacht wird.
Einfach anschauen und Wissen erweitert.
https://youtu.be/ny6isCC2SxQ?si=FUA4pNdyCkVPbE5_
VG
1'127 Beiträge · seit 202217. Aug. 2025 · #16
Mape schrieb:Also ich finde das auch richtig so. Auf dem Gelände eines ehemaligen Konzentrationslagers zu campen finde ich schon geschmacklos.
Du hast recht, nur würde ich "geschmacklos" mit pietätlos ersetzen..... aber, die meisten Leute wissen es einfach nicht, weil ????? ....
es sie nicht interessiert, sie einfach nur Urlaub machen wollen. Und wer schon für die heimische Geschichte kein Interesse für so was hat, wird es auch nicht für das Gastland haben.

als Begründung ein Zeitreise nach dahoam:

Nach den Gemetzeln von zwei Weltkriegen und dem Terror von Nazis, Faschisten und Kommunisten und und und … mit Komplizenschaft von „Zivilisten“, ist Europa übersät mit Friedhöfen und Gräbern von Soldaten, Kriegsgefangenen, zivilen Opfern der Kampfhandlungen, von Zwangsarbeit, industriell organisierter rassischer und politisch motivierter Verfolgung und Ausrottung….. in hoher zweistelliger Millionenzahl

Die Barracken und Zäune der Lager wurden, mit den wenigen Ausnahmen der bekannten Gedenkstätten, nach 1945 rasch beseitigt und diese „Brachen“ für den „Wiederaufbau“ freigegeben und bebaut. Der Umgang damit reichte von Erhaltung der Opfergräber, Anlegung von Massengräbern mit Gedenktafeln…. bis einfach „drüber gefahren und bebaut“. Für die Bewohner der dringend benötigten Wohnungen und Eigenheime war das, grosso modo, kein Problem.

Viele Orte sind noch bekannt und erinnert, viele aber auch absichtlich verschwiegen und daher vergessen und wurden und werden bei Bauarbeiten udgl. wieder freigelegt. Die alten Leute die wussten, was hinter dem Stacheldrahtzaun geschah, sind längst tot.

Man konnte und muss nach Jahrzehnten nur mehr eines machen, nämlich die Überreste exhumieren und würdig woanders neu bestatten und kennzeichnen. Unzählige Heime und Arbeitsstätten der Nachfolgegenerationen wurden auf derartigem Gelände errichtet. (Fast) Niemand fand und findet etwas dabei.
Dazu nur ein Beispiel.
Am ehemaligen KZ-Gelände in Ebensee am Traunsee haben die Familien von italienischen Opfern einen Gedenkstein errichtet mit der Inschrift "Zur ewigen Schmach des deutschen Volkes". Er wurde nach 1950 gesprengt ...... PS: weil er für die Bebauung im Weg stand
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2025
387 Beiträge · seit 202117. Aug. 2025 · #17
tacitus schrieb: aber, die meisten Leute wissen es einfach nicht, weil ????? ....
es sie nicht interessiert, sie einfach nur Urlaub machen wollen. Und wer schon für die heimische Geschichte kein Interesse für so was hat, wird es auch nicht für das Gastland haben.
Ziemlich arrogante und selbsterhöhende Unterstellung.

Ich behaupte mal ohne Beweise dass sich die meisten Deutschen, die in Namibia Urlaub machen, der deutschen Kolonialgeschichte bewusst sind - ansonsten wären sie blind und taub, so häufig wird man drauf gestoßen im Land. Lüderitz und insbesondere die Haifischinsel anzusteuern als deutscher Tourist ist doch zumeist motiviert aus der deutschen Kolonialgeschichte heraus, oder? Es gibt wohl keinen deutschsprachigen Reiseführer, der nicht die Geschichte von Lüderitz und die Haifischinsel behandelt, ich gehe davon aus, dass Touristen sich die entsprechenden Seiten im Reiseführer durchlesen. Man muss ja nicht zwingend gleich als Vorbereitung auf einen Namibia-Urlaub ein Geschichtsseminar belegen. Und: wieviel Betroffenheit erwartest Du von einem Touristen? Bei der Sichtung des nächsten Oryx in der Wüste ist die Betroffenheit auch wieder verflogen, so funkioniert nun mal das menschliche Gehirn, das halte ich auch nicht für verwerflich.
1'127 Beiträge · seit 202217. Aug. 2025 · #18
JP K schrieb:Und: wieviel Betroffenheit erwartest Du von einem Touristen?
Keine, hab' ich doch gesagt, ohne irgendeine Wertung. Es ist eine Tatsachenfeststellung, die auf Viele, aber nicht Alle zutrifft.
Meine Zuschrift sagt nur, dass es sich im Umgang mit unserer eigenen Geschichte auch nicht anders zuträgt.
Ich habe unzählige Diskurse erlebt, diese "alten Geschichten doch endlich ruhen zu lassen", Kommunen haben sich erbittert dagegen gewehrt, wenigstens eine Gedenktafel anzubringen .... usw., usw.

Wie weiter mit Shark Island? ist in den Händen der Namibier. Ich wünsche ihnen Glück dabei.
Die Chancen stehen gut, Hyphen in dieser Größenordnung ist so gut wie tot mM.
Guten Abend
zuletzt bearbeitet 17. Aug. 2025
1'127 Beiträge · seit 202218. Aug. 2025 · #19
hallo JP K PS PS,
es ist dein gutes Recht mich für arrogant zu halten,
Aber deine angeführten Argumente .... alle Touristen kennen Kolonialgeschichte ... wissen doch, aus Reiseführern... fahren deswegen hin .... widerlegen nicht meine Einschätzung, die ich ohne Geringschätzung geäußert habe.
Denn wenn eh bekannt ist, dass GANZ Shark Island ein KZ-Vernichtungslager war, ist die Frage nach Ausgrenzung eines Friedhofs von der touristischen Nutzung (den es aus den geschilderten Gründen in dieser Kapazität nicht gegeben haben könnte), eigentlich sekundär.

Und nochmals, ich halte das für eine Sache der Namibier und habe bloß auf Parallelen mit unserem eigenen Umgang mit unserer Geschichte hingewiesen
zuletzt bearbeitet 18. Aug. 2025
571 Beiträge · seit 200618. Aug. 2025 · #20
Titelergänzung: Shark Island und der moralisch integre Tourist

Dann melde ich mich nochmal, da wir ja in 2023 zu uninformiert waren und auf Shark Island übernachteten. Vorweg, ich halte die Schließung als Campingplatz für angebracht und gut.
Wir sind damals nicht, wie JP K meint, aus kolonialhistorischem Interesse dort gelandet, sondern einfach, weil wir in zig Namibiaaufenthalten niemals in Lüderitz waren. Und das wollten wir bei unserer voraussichtlich letzten Tour in diesem Land nachholen, zumal es auf dem Weg zum Richtersveld lag. Shark Island war als einziger Campingplatz auch gesetzt, wir sind dann wie erwähnt nur wegen des für uns zu starken Windes in den Leuchtturm gegangen.
Das alles ohne Gedanken an die Historie, wie ich zugeben muss. Erst das Nama-Denkmal auf dem Gelände führte dann zum Nachdenken und die erwähnten Knochenteile ergaben einen nochmals betroffeneren Blick auf das Thema. Dass über 300 Gefangene dort umkamen, war uns in der Tat nicht bewusst und hätte uns sicher von der Planung abgehalten. Die an der Hafenerweiterung Interessierten vielleicht nicht (!). Apropos: In Namutoni bietet der NWR auch einen Campingplatz an, auch dort waren wir mehrmals, wie sicher ein Großteil der Foriker. Gut möglich, dass im Zuge der aktuellen Erinnerungskultur die Ovambo dort auch eine Stilllegung durchsetzen. Manches ist dem Zeitgeist oder der jeweils im Lande sich entwickelnden Diskussion geschuldet.
Wir sind historisch durchaus interessiert, lesen vor einem Urlaub noch altmodische Reiseführer, aber wir recherchieren nicht alles bis ins Detail. Das von R51 eingestellte Video kannten wir nicht. Und wir sehen es auch nicht als Pflicht, derart intensiv zu forschen, wenn wir einen Urlaub planen. Andere mögen dies tun, ist auch ok. Wir haben auch keinen spezifisch deutschen – und auf deutsche Untaten fokussierten – Betroffenheitsblick. Wohin könnten wir dann noch fahren?
Wenn wir - ob im Urlaub oder im Alltag - an einer Gedenkstätte, einem Soldatenfriedhof, an Mahntafeln und anderen Denkmälern vorbeikommen, bleiben wir oft stehen, lesen und halten inne. Aber nicht mit spezifisch deutscher Perspektive, sondern einer allgemeinen ethischen Haltung. Und ja, wir wollen im Urlaub möglichst unbeschwert sein, die Gegenwart genießen. Da ist, siehe Beitrag von tacitus, zu viel Bewusstheit nicht immer hilfreich.
steinbeisser
zuletzt bearbeitet 18. Aug. 2025