THEMA: Die Eulenmuckels auf Birding-Tour
10 Nov 2014 21:57 #361613
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Samstag, 12. Juli 2014 – Erledigungen in Maun und Abendbesuche

Baines Baobabs – Kaziikini Community Camp

In der Nacht hörten wir außer dem regelmäßigen, leisen Klicken des Fotoapparates draußen weiterhin die Rufe der Schleiereulen. Irgendwann erwachten wir, da eine der beiden unser Zelt als Aussichtspunkt erkoren hatte. Sie landete auf dem Dach unseres Campers und kratzte mit ihren Krallen am Metall herum. Entweder fand sie auf der glatten Oberfläche keinen guten Halt und rutschte immer wieder ab, oder es machte ihr einfach Spaß, ein wenig an unseren Nerven zu zerren. Als Eulentoilette eignete sich der neue Ausguck auf jeden Fall ganz prima, wie wir am nächsten Morgen feststellen mussten. Na super!
Wir standen auf, als es bereits hell war.



In den ersten Sonnenstrahlen war es gar nicht kalt. Uwe kochte Kaffee und Tee und frühstückte ein wenig Müsli (Grüßli, liebe Anita!). Ruth stapfte ein wenig in der Gegend herum und versuchte, eine Schleiereule aufzuspüren, die immer noch rief. Wie sich herausstellte, versuchte die Eule, einen Gleitaar zu vertreiben, der ihr wohl zu nahe im Baum saß.
Nach dem Frühstück fuhren wir noch einmal zu den Baines Baobabs. Dort waren inzwischen zwei junge Amerikaner angekommen, die sich nach ihrer Doktorarbeit ein wenig Urlaub im südlichen Afrika gönnten. Einer der beiden interessierte sich auch sehr für Vögel, und wir tauschten ein paar besondere Sichtungen aus.





Zurück nahmen wir den nördlichen Weg, der etwas weiter, aber dafür weniger sandig war. Immer wieder hielten wir an und versuchten, Termitenschmätzer zu fotografieren. Aber meistens flogen die scheuen Vögel bereits auf, wenn wir nur in ihre Nähe kamen.



Der Weg zurück zum Gate war sehr rappelig, und die hohen Bodenwellen waren anstrengend zu fahren. Nach der Ausfahrt aus dem Park pumpten wir wieder Luft in die Reifen. Zuerst wollte der Kompressor nicht anspringen, aber zum Glück fanden wir einen Wackelkontakt, und es funktionierte doch.
Die Strecke nach Maun war gesät mit fiesen Schlaglöchern, bei denen es Uwe nicht immer gelang, rechtzeitig auszuweichen.
In Maun hatten wir ein ordentliches Programm. Zuerst ging es zum Wildlife Office, wo wir den Parkeintritt für die kommenden sechs Tage im Moremi und Chobe bezahlten. Anschließend fuhren wir zum Büro von SKL und versuchten, für die mittleren zwei Tage einen Campingplatz am Khwai zu bekommen. Obwohl wir eigentlich nicht damit gerechnet hatten, war noch etwas frei. Vor einigen Monaten, als wir diesbezüglich nachgefragt hatten, war selbstverständlich alles ausgebucht gewesen. So freuten wir uns über unsere Wunschcampsites.
Nun fuhren wir zum Supermarkt und kauften Lebensmittel für die kommende Woche. Nur das Fleisch gefiel uns nicht sonderlich. Beim Tanken stellte Uwe fest, dass eine Metallschnalle gebrochen war, mit der das Zelt unseres Buschcampers verschlossen ist. Nun stand es hinten links einen Spalt offen, so dass es hineinstaubte. Der Tankwart wies uns den Weg zu einem Reparaturservice. Drei Jungs saßen mit ihrem Schweißgerät am Straßenrand und werkelten. Innerhalb von fünf Minuten hatten sie die losen Enden der Metallschnalle wieder professionell miteinander verbunden. Wir waren begeistert.





Zwischendurch bekamen wir einen Schrecken, weil Ruth vermutete, dass sie ihre Kreditkarte im Supermarkt verloren hatte. In ihrer Hosentasche war sie nicht mehr. Zum Glück fand sie sie bald wieder zwischen den Polstern des Autositzes. Puh! Solche Vorkommnisse sind auch der Grund, warum ausschließlich Uwe bei uns die Vorherrschaft über die Autoschlüssel innehat.
Der nächste Stopp war bei einem Metzger, der jedoch leider schon geschlossen hatte. Dann hielten wir beim Souvenirladen in der Airport Road und erstanden zwei kleine handgetöpferte Schalen von Okavango Ceramics.
Nun wollten wir uns bei Hillarys Coffee Shop ein wenig ausruhen und ein leckeres Sandwich, Suppe, Kaffee und Kuchen bestellen. Den ganzen Tag schon hatten wir uns auf diese kleine Auszeit gefreut, mussten nun aber erkennen, dass das kleine Café leider geschlossen war. Wir waren sehr enttäuscht und setzten uns stattdessen direkt am Flughafen in das nur wenig gemütliche Restaurant. Der Burger und die Fritten waren mit Hillarys liebevollen Speisen nicht zu vergleichen. Danach holten wir Geld und versuchten unser Glück bei der Jagd auf Fleisch im zweiten Spar des Ortes. Doch auch hier sagte uns das Angebot nicht zu. Wenigstens ein annehmbares Stück Beef hätte es geben dürfen. So begnügten wir uns mit ein paar Portionen Boerewors.
Nach diesen vielen Besorgungen brachen wir Richtung Moremi auf. Am Straßenrand kauften wir noch ein paar Bündel Holz. Nun war der Laderaum gut gefüllt. Es war schon kurz vor Sonnenuntergang, als wir das Kaziikini Community Camp erreichten. Wir bekamen den letzten freien Stellplatz unmittelbar hinter dem Eingang. Ein wenig wunderten wir uns über den Preis, der seit letztem Jahr deutlich erhöht worden war. Wir bezahlten für eine Nacht stolze 512 Pula, also etwa 50 Euro.
Die Dusche, die wir wählten, hatte leider nur kaltes Wasser. Heute war anscheinend nicht unser Tag. Außerdem bekamen wir, als wir gemütlich im Dunkeln saßen, noch weitere Gäste auf unseren Platz zugeteilt. Zwei Autos fuhren mit voller Beleuchtung knapp hintereinander bis unmittelbar hinter unseren Wagen. Aus dem aufgeregten, lautstarken Gerede aller Beteiligten konnten wir entnehmen, dass die dreiköpfige Familie soeben per Abschleppseil aus dem Moremi geborgen worden war. Wir konnten nachempfinden, dass ihnen die Aufregung und Anstrengung noch in den Knochen saß, hatten wir doch vor sechs Jahren auch für drei Tage mit einem Motorschaden in Xakanaxa festgesessen. Trotzdem war es mit der Ruhe natürlich vorbei: Zeltstangen wurden ineinander gesteckt, Heringe in den Boden geklopft und mehrere Luftmatratzen mit lautem Getöse aufgepumpt. Danach marschierten die drei nacheinander mit grellen Taschenlampen leuchtend direkt an unserem Tisch vorbei. Sind wir so empfindlich, oder ist ein kleines „Guten Abend!“ tatsächlich zu viel verlangt?
Als die drei endlich beim Essen saßen, wurde es allmählich ruhiger. Auf Grund des späten Mittagessens hatten wir noch keinen großen Appetit. So saßen wir warm in unsere Decken gewickelt mit einem Getränk und einem Buch vor unserem Auto uns lauschten den Geräuschen der Nacht. Eine Hyäne heulte, und eine Ginsterkatze huschte an unserem Platz vorbei. Nach einiger Zeit hörte Ruth einen merkwürdigen Laut aus den Baumwipfeln über ihr. Zu unserer großen Freude bestätigte sich ihre Vermutung, dass er zu einem Buschbaby gehörte. Das kleine Wesen sprang mit riesigen Sätzen in einem Wahnsinnstempo über uns durch die Äste. Wir waren völlig aus dem Häuschen, da wir dieses flinke Äffchen erst einmal in den vergangenen zehn Jahren beobachten konnten. Als wir mit der Taschenlampe das Gebüsch um uns herum ableuchteten, reflektierten in einiger Entfernung immer wieder Augenpaare in den Ästen. Wir verzichteten auf ein Foto dieser wirklich drolligen Tiere, da wir sie nicht lange und unmittelbar mit dem Lichtstrahl anleuchten wollten. Außerdem bewegten sie sich so sicher und geschickt mit weiten Sprüngen, dass wir sie entweder sowieso nicht richtig erwischt hätten oder die reinste Lasershow mit unseren Taschenlampen hätten veranstalten müssen. Wir freuten uns auch ohne Foto wahnsinnig über diese tolle Sichtung und standen noch lange draußen. Mindestens sechs der kleinen Fellpuschel flitzten durch die Bäume, jagten sich oder sprangen mehrere Meter hinüber zum nächsten Baum. Wir waren ganz fasziniert und lauschten atemlos auf das näher kommende Geraschel im Gebüsch, mit dem sich ein weiterer kleiner Besucher ankündigte.
Trotzdem konnten wir die Gemütlichkeit im Kaziikini Camp von früher leider nicht empfinden, und der hohe Preis schreckte uns ab. Insgesamt war sehr viel los. Ständig fuhren Autos hin und her, Menschen spazierten quer über unseren Platz, und es klang lautes Gerede von der Bar herüber.

Kilometer: 254
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12 Nov 2014 21:23 #361993
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Sonntag, 13. Juli 2014 – Black Pools

Kaziikini Community Camp – South Gate, Moremi

Wir standen bei Dunkelheit auf und klappten schnell das Zelt zusammen. Noch vor Sonnenaufgang machten wir uns auf den Weg zum South Gate des Moremi. Im ersten Tageslicht sahen wir eine Reihe Weißscheitelwürger, die sich dicht aneinander auf einen Ast gekuschelt hatten.



Elsterdrossling



Am Gate ließen wir Luft aus den Reifen und fragten die Ranger nach den Straßenzuständen. Die Parkangestellten hatten jedoch entweder keine Ahnung oder waren ziemlich wortkarg. So fuhren wir los in die Black Pools Region südlich des Gates. Dort trieben wir uns bis zum frühen Nachmittag herum.

Rotschnabelfrankolin



weiblicher Sattelstorch



Es gibt sehr viele Wege und Abzweige. Bereits letztes Jahr sind wir durch dieses relativ neu erschlossene Gebiet gefahren. Wir sahen fünf Hornraben, die mal wieder schnell das Weite suchten, als wir anhielten. Hinter jeder Kurve warteten neue Tiere. Es gab Leierantilopen, eine große Herde Büffel und zwei kämpfende Giraffenbullen. Sie standen mitten auf der Fahrspur und schlugen ihre Hälse aneinander, dass es krachte. Dabei versuchten sie mit ihren Hörnern möglichst empfindliche Stellen ihres Kontrahenten zu treffen. Der Rest der Herde blieb von diesem Schauspiel völlig unbeeindruckt und knabberte fröhlich weiter die Blätter von den Bäumen.







Wir aber sahen gebannt dabei zu, wie sich die beiden Bullen verdroschen. Ein klarer Sieger war nicht auszumachen. Als die beiden endlich den Weg freigaben, setzten wir unseren fort und entdeckten noch einige Elefanten, Letschwes, viele Impalas, Tokos und Gabelracken.

junger Waffenkiebitz



Gelbschnabel-Toko





Am Picknickplatz bei den Black Pools machten wir unter den großen Bäumen Rast und aßen ein paar Brötchen und Brote.



Ihr seht richtig: Es gibt Nutella und Leberwurst (nacheinander!)
In den Bäumen über uns saßen zahlreiche Glanzstare und Graulärmvögel, die ein Heidenspektakel veranstalteten. Der Boden war übersät von kleinen, blauschimmernden Federn, und gelegentlich schlug ein Obststein neben uns ein. Die Vögel verspeisten kugelförmige, grüne Früchte, die in den Bäumen über uns wuchsen und machten sich – wie es schien – einen Spaß daraus, uns damit zu bespucken.
Da ist uns die Gabelracke natürlich lieber.

Letzte Änderung: 12 Nov 2014 21:24 von Eulenmuckel.
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12 Nov 2014 21:26 #361996
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Wir versuchten, fast jede Strecke in der Region zu fahren. An zwei Stellen führte der Weg jedoch ins Wasser, so dass wir umkehrten. Wir entdeckten eine große Gruppe Zebramangusten, die so schnell über den Weg und davon huschte, dass wir kein einziges Foto machen konnten. Weiterhin sahen wir die unterschiedlichsten Wasservögel wie Sattelstörche, Klunkerkraniche, Ibisse, Blaustirnblatthühnchen, Enten, Gänse und Eisvögel.

Witwenenten







Die Gegend mit ihren Wassertümpeln gefiel uns so gut, dass wir den ganzen weiteren Tag ohne Pause unterwegs waren. Mal entdeckten wir einen scheuen Buschbock, dann standen wir lange bei einer Gruppe Hippos, die friedlich vor sich hingrunzte, oder wir beobachteten eine Herde Zebras.





Am Nachmittag besuchten wir die Xini-Lagoons, und anschließend fuhren wir ein Stück den Bodumatau-Loop bis zur Hidden Lagoon. Zwei wunderschöne Elefanten marschierten genau auf uns zu, schlugen dann aber ihren Weg zum Wasser ein. Überall lagen einzelne Letschwe am Ufer, und die Mengen an Waffenkiebitzen konnten wir schon gar nicht mehr zählen.





Waffenkiebitz



Auf dem Rückweg stießen wir wieder auf die Hauptstraße von Third Bridge nach South Gate. Zwei Fahrzeuge kamen uns entgegen. Ein Fahrer fragte uns nach dem Abzweig zu den Xini Lagoons. Wir erklärten, dass sie bereits daran vorbei gefahren seien.
Etwa 20 Kilometer vor dem South Gate blockierte ein Lastwagen mit Anhänger die Fahrbahn. Es war eine Reisegruppe mit Fahrer und Guide. Der Motor des LKW hatte einen Schaden und sprang trotz funktionierendem Anlasser und ausreichend Diesel nicht mehr an. Wir suchten im Tiefsand eine Umfahrung um den Truck. Dabei mussten wir zunächst mit Schwung aus der tiefen Fahrrinne heraus und dann über mehrere kleine Büsche. Als wir wohlbehalten durch das Gesträuch wieder auf der Spur standen, boten wir der Gruppe unsere Hilfe an. Die beiden anderen Fahrzeuge, denen wir eigentlich den Abzweig zu den Xini Lagoons hatten zeigen wollen, hielten ebenfalls. Ein weiteres Safari-Fahrzeug traf ein. Die Lösung sah so aus, dass sich die Reisegruppe aus dem defekten LKW mitsamt Gepäck auf alle anderen Fahrzeuge verteilte. Zunächst wollten wir anbieten, den LKW bis zum South Gate abzuschleppen. Aber da dieser eine Druckluftbremse besitzt, die ohne laufenden Motor nicht funktioniert, war uns das zu gefährlich. So nahmen wir einen netten Kanadier mit, während Ruth hinten auf einer Tasche Platz nahm.
Da wir nun später als geplant am South Gate eintrafen, blieb nicht mehr viel Zeit vor dem Sonnenuntergang. Zunächst suchten wir unseren Campingplatz, der ein wenig versteckt lag. Leider war dort bereits ein Zelt aufgebaut. Komisch, trotz gültiger Reservierung lange im Voraus, überrascht uns so etwas schon längst nicht mehr. Meist müssen wir bei der Planung von unseren Wunschterminen abweichen, Alternativen suchen und Abstriche machen, da immer alles „fully booked“ ist. Hat man dann endlich eine Campsite ergattern können, heißt das aber selbstverständlich nicht, dass man diese auch tatsächlich bekommt. Nur nicht ärgern! Wir wichen also auf die nächste Nummer aus, die noch frei war. Wie sich später herausstellte, hatten die drei Norweger auf unserer Nummer 9 eigentlich die Nummer 8 reserviert, die jedoch von einer Gruppe Südafrikaner belegt wurde. So beließen wir alles, wie es war und machten Feuer.
Wir grillten das letzte Paket Rinderfilet und machten Salat und Grillbrote. Der Abend war recht warm, und so saßen wir gemütlich beim Essen, bis plötzlich eine Hyäne über Uwes Schulter schaute. Sie hatte sich tatsächlich völlig lautlos bis auf wenige Schritte herangepirscht, bevor Ruth sie entdeckte und verscheuchte. Es ist nicht sicher, worüber Uwe mehr erschrak. Über den plötzlichen Schrei von Ruth oder den Atem der Hyäne im Nacken. Im Dunkeln und so nah sehen die Schattenschleicher dann auch gar nicht mehr so nett aus, noch dazu, wenn man sitzt und ihnen auf Augenhöhe begegnet. Danach waren wir ein wenig wachsamer. Noch einige Male sahen wir die zwei Augenpaare unserer Hyänennachbarn im Lichtkegel der Stirnlampen reflektieren.
Das Abendessen war sehr lecker (so dachten wohl auch die Hyänen). Das Spülen sparten wir uns wieder mal für den kommenden Tag auf. Während Deutschland das Finale der Fußballweltmeisterschaft bestritt, krabbelten wir ins Zelt.

Kilometer: 136
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13 Nov 2014 22:31 #362190
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Montag, 14. Juli 2014 – Einmal Xakanaxa und zurück

South Gate, Moremi

Mit Sonnenaufgang standen wir auf und machten uns fertig. Da wir bereits am Abend immer Tisch und Stühle einräumen, bleibt am Morgen lediglich das Zelt einzuklappen. So starteten wir schnell in den Park.



Der erste Weg führte uns wieder in die Black Pools Region. Wir hofften, die große Büffelherde vom Vortag erneut zu finden. Und tatsächlich lief sie uns über den Weg. Allerdings war das Licht äußerst ungünstig. (Der Beleuchter war kurzzeitig wohl von Bord gegangen!)
Eine Familie Zwergmangusten saß auf einem großen Termitenhügel und wärmte sich das Fell. Die sonst so wuseligen Tiere waren noch recht schläfrig und blinzelten träge in die Sonne.



Dafür hatte ein Kampfadler in den Bäumen darüber aber schon seinen Hypnoseblick aufgesetzt und beobachtete alles umso genauer.



Coucal (keine Angst, wir eröffnen nicht wieder die Diskussion, um welche Art genau es sich handelt!)



Vorbei an der Fuchsmanguste, die auch auf einem Termitenhügel Ausschau hielt, ging es weiter zu den Black Pools. Die Gruppe Flusspferde vom Vortag war wie erwartet noch dort, und wir konnten sie lange beobachten. Sie sonnten sich ebenfalls, tauchten mit lautem Schnaufen entweder auf oder unter, spritzten kleine Wasserfontänen, kabbelten sich ein wenig oder spazierten an Land umher.















Dahinter zog grasend am gegenüberliegenden Ufer eine große Herde Letschwes vorüber. Zwei Böcke kämpften miteinander.





Krokodile lagen reglos am Ufer, und viele Jacanas staksten mit ihren riesigen Füßen durch das Grün im flachen Wasser. Es war sehr idyllisch.







Leider hatte sich ein Tourguide diesen schönen Platz als Picknickplatz ausgesucht. Es wird immer mehr zur Mode, dass jedermann, wo ihm gerade danach ist, anhält und einfach herumspaziert. Das Aussteigen ist aber im Moremi generell verboten, auch für die Besucher dieser geführten Touren (wir haben uns extra erkundigt). Natürlich war es eine gut einsehbare Stelle und daher auch für die Gäste nicht gefährlich, zumindest nicht gefährlicher als an der ausgewiesenen Picknick-Stelle ganz in der Nähe. Trotzdem verschwanden die zahlreichen kleinen Wasservögel in Ufernähe sofort. Das blieb den Black Pool-Wanderern aber wahrscheinlich verborgen.
Letzte Änderung: 13 Nov 2014 22:33 von Eulenmuckel.
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13 Nov 2014 22:35 #362192
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Wir brachen also zum echten Picknickplatz auf, suchten uns wie gestern eine Bank unter den Leberwurstbäumen und den Bäumen mit den grünen Früchten und den Steinspucker-Vögeln, kochten Kaffee und aßen Marmeladenbrötchen. Ruth entdeckte einige grüne Fruchttauben. Dabei war es gar nicht so einfach, die Kamera längere Zeit so steil nach oben in die Baumkronen gerichtet ruhig zu halten.







Nachtflughuhn



Silberreiher



Kurz vor Mittag schlugen wir den Weg nach Third Bridge ein. Dieser zog sich wie immer sehr dahin und war teilweise tiefsandig. Unter Brücke eins und zwei stand jeweils Wasser. Beide Brücken waren aber sehr gut in Schuss.



Bei Third Bridge machten wir Pause und spülten das Geschirr. Ruth duschte. Den Zustand der dritten Brücke konnte man schwer einschätzen, da sie fast vollständig unter Wasser lag. Wir fuhren sehr vorsichtig darüber und tauchten nur ganz am Ende ein wenig tiefer ein.



Über die vierte „Autobahn“-Brücke setzten wir unseren Weg nach Xakanaxa fort, welches wir nach keinen nennenswerten Sichtungen auch bald erreichten. Da Xakanaxa unser Lieblingscamp ist und natürlich „fully booked“ war, sahen wir uns den Platz einmal genauer an. Nur wenige Stellplätze waren belegt, und wir konnten uns beim besten Willen nicht vorstellen, dass sich das heute noch so drastisch ändern würde, dass sich nicht noch ein Plätzchen für uns finden ließe. Aber anstatt sich einfach unauffällig an den Rand zu stellen und abzuwarten, was passieren würde, wollten wir es ganz offiziell machen. So fragten wir am Gate, ob es möglich sei, unseren Stellplatz vom South Gate nach Xakanaxa zu tauschen. Bezahlt war eh alles, ein Preis, gleicher Verein, unsere Campsite am Southgate eh besetzt, hier dafür genügend Platz, also kein Problem, so dachten wir. Aber weit gefehlt!
Ein netter Parkangestellter stimmte uns zu und war sich recht sicher, dass noch genügend Plätze in Xakanaxa frei seien. Gerne bestätigte er uns, nachdem er unsere Buchung für South Gate gesehen hatte, dass wir eine Nacht hier bleiben könnten. Doch nun kam Mr. Oberwichtig aus dem Hinterzimmer ins Spiel. Der Ranger meinte, er müsse zuerst am South Gate anrufen. Am Telefon wechselte er einige uns unverständliche Sätze, um uns dann zu versichern, dass wir mit einer Reservierung vom South Gate auch dort übernachten müssten. Unsere Argumentationskette, dass wir dort ja eh auf einen anderen Platz ausweichen müssten, brach zusammen, als er uns bestimmt mitteilte, dass unsere Campsite dort nun frei sei. Wir versuchten trotzdem den Platz zu tauschen, aber er blieb hart und bestand darauf, dass wir Xakanaxa verlassen. Hätten wir doch nicht gefragt!
Ziemlich enttäuscht und übel gelaunt zogen wir von dannen, da wir nicht so recht einsehen wollten, warum er uns weggeschickt hatte.

Graufischer



Zurück am Southgate fuhren wir auch sogleich wieder zu unserem Platz und stellten zu unserer grenzenlosen Freude fest, dass er immer noch von den Norwegern besetzt war.
Während Uwe noch überlegte, wie er möglichst diplomatisch der Frau im Büro seinen Ärger erklären konnte, war Ruth auf 180. Sie verlangte zu wissen, mit wem der Ranger aus Xakanaxa gerade eben telefoniert habe. Was? Telefoniert? Wer hat mit wem telefoniert? Keine Ahnung! Nein, das konnte die nette Dame ihr wirklich nicht sagen. Und warum wir denn überhaupt so aufgebracht wären? Uwe erklärte, dass von uns beim Wechsel der reservierten Stellplätze Flexibilität erwartet würde, man uns diese aber nicht entgegenbringe und unser Wunsch in Xakanaxa zu bleiben ignoriert und abgeschmettert wurde. Noch dazu, wo unser Stellplatz immer noch belegt sei.
Aber das sei doch gar kein Problem. Sollen wir uns doch einfach wieder auf die Nummer 10 stellen. Ruth schnappte nach Luft, und Uwe erklärte, dass es uns darum ja gar nicht gegangen sei, sondern dass wir lieber in Xakanaxa geblieben wären. Die Bürotante verstand nur Bahnhof. Wir hatten auch nicht das Gefühl, dass sie sich sehr dafür interessierte, um was es uns eigentlich ging. Sie wollte uns nur möglichst schnell wieder loswerden. Daher schlug sie gutgelaunt vor, dass wir doch vielleicht JETZT mal eben wieder nach Xakanaxa fahren könnten, der Übernachtungspreis sei ja derselbe. Bevor ihr Ruth nach einem gepressten „Haben-Sie-mal-auf-die-Uhr-geguckt?-Man-darf-nicht-im-Dunkeln-fahren!-Und-wollen-Sie-uns-eigentlich-verarschen?“ über den Tresen springen konnte, schob Uwe sie kurzerhand aus dem Büro. Draußen tobte sie noch eine ganze Zeit lang weiter, hatte sie doch niemanden gefunden, den sie anschreien konnte. Also kapitulierten wir und zogen wieder auf Nummer 10.

Die letzte knappe Stunde vor Sonnenuntergang fuhren wir noch ein paar Kilometer Richtung Black Pools. Dabei sahen wir ein paar Schakale und Zebras.



Büffelweber





Zum Abendessen machte Ruth Wurstsalat. Uwe duschte. Durch einen Anruf zu Hause erfuhren wir, dass Deutschland Fußballweltmeister geworden ist. Heute Abend kam anstelle einer Hyäne ein Honigdachs zu Besuch. Auch dieser kleine Kerl brachte es fertig, uns zu erschrecken. Während wir diesmal mit dem Rücken zum Auto saßen, um dem Hyänenblick über der Schulter zu entgehen, beschwerte sich Ruth, warum Uwe seine Füße nicht ruhig halten konnte. Sie hätte es ahnen müssen. Es war kein hyperaktiver Uwe, sondern der Honigdachs, der von hinten unter dem Auto hindurchgeschlüpft war und seine Nase an ihren Schuhen und ihrem Bein rieb. Damit hatten wir nicht gerechnet und sprangen ähnlich wie gestern schnellstens auf. Dem Dachs imponierte das wenig, er war kein bisschen scheu und ließ sich weder durch Rufen noch durch Klatschen vertreiben. Ganz im Gegenteil. Er schnüffelte an unserem Tisch herum, und wir befürchteten schon, dass er die ganze Decke herunterziehen würde. Zwar würde uns so ein Dachs wahrscheinlich nicht gleich mit Haut und Haaren auffressen, aber einen Biss wollten wir trotzdem nicht riskieren. Und so blieb uns nach mehrmaligem Verteidigen unseres Wurstsalates und den erfolglosen Versuchen, den Störenfried zu vertreiben, nichts anderes übrig, als abzuräumen und ein schnelles Mahl im Stehen einzunehmen. Schließlich trollte er sich, um unsere Nachbarn zu erschrecken, was ihm auch gelang, wie uns lautes Rufen und In-die-Hände-Klatschen von der Campsite nebenan bewies. So wusste man immer, wo sich das kleine Kerlchen gerade aufhielt. Im Laufe des Abends schaute es auch noch einige Male bei uns vorbei.
Bevor der Mond aufging, machten wir noch ein paar Sternenaufnahmen. Eine Hyäne rief.
Wir wissen nicht, ob es an dem noch nicht ganz verblassten Ärger mit Xakanaxa liegt, an den vielen Stellen, wo wir uns über laute Mittouris geärgert haben oder insgeheim vielleicht doch an der Tatsache, dass uns trotz sechs Tagen Aufenthalts in Nationalparks der Katzengott noch nicht wirklich bedacht hat – Auf jeden Fall empfinden wir den bisherigen Urlaub doch als ein wenig anstrengend. Vielleicht können wir in den kommenden Tagen etwas mehr entspannen.

Kilometer: 166
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Dienstag, 15. Juli 2014 – Katzenglück?

South Gate, Moremi – North Gate, Moremi

Heute standen wir eine Viertelstunde früher auf. Das fiel uns auch nicht allzu schwer, weil wir bereits über 10 Grad hatten. Wir fuhren auf direktem Weg nach Xakanaxa. Auf der Verbindungsstraße sahen wir eine Herde Rappenantilopen mit Jungtieren. Leider waren sie sehr scheu und bereits in den Büschen verschwunden, bis wir den Fotoapparat bereit hatten. Noch mehr ärgerten wir uns aber über die nächste verpasste Gelegenheit. Etwas später stand etwa 50 Meter vor uns, mitten auf der Straße ein Tier. Viel mehr als „Tier“ können wir gar nicht sagen, da es in dem Moment, in dem wir es wahrgenommen hatten, auch schon wieder verschwunden war. Trotzdem waren wir uns relativ sicher, dass es sich um eine Katze handelte. Aber was war das gewesen? Für einen Geparden stimmte die Landschaft nicht, für einen Löwen war sie zu klein und für eine Ginsterkatze zu groß. Wir fuhren so schnell es ging zu der Stelle, an der wir das Tier auf der Straße vermutet hatten. Doch wir fanden noch nicht einmal seine Spuren. So sehr wir uns auch anstrengten und ins Gebüsch starrten, während wir langsam auf denselben fünf Metern immer wieder vor und zurück rollten, der Leopard blieb verschwunden. Oder vielleicht hatten wir auch gerade unseren ersten Serval verpasst? War die Katze nicht ein bisschen zu groß dafür gewesen? Hätte ja auch ein besonders riesiger Serval sein können. Es war zum verrückt werden! Bevor wir noch mehr halluzinieren konnten und die Schatten der Blätter und Äste vor unseren Augen zu immer absurderen Fell-Fleckenmustern verschwammen, machten wir uns wieder auf den Weg. Zu doof aber auch! Wir waren schon neugierig, was wir da gerade eben verpasst hatten.
Wir trösteten uns mit ein paar Perlhühnern. Wenigstens die kamen nicht schnell genug von der Straße.



Bei Xakanaxa drehten wir eine Runde durch die Paradise Pools. Dort stand deutlich mehr Wasser als in den vergangenen Jahren, so dass unser Aktionsradius stark eingeschränkt war. Wir sahen viele Impalas, auf denen Madenhacker herumhüften und -pickten, Herden von Letschwe-Antilopen mit puscheligen Jungtieren und einen Trupp Meerkatzen. Relativ lange schauten wir ihrem eiligen Treiben am Boden und in den Bäumen zu.













Hammerkopf



Nach einiger Zeit schlugen wir den Weg Richtung North Gate ein. An einer tiefsandigen Stelle standen drei Fahrzeuge, von denen sich eines mit Anhänger im Sand festgefahren hatte. Der Fahrer arbeitete mit seiner Schaufel, um die Räder frei zu bekommen. Wir hielten und boten an, ihn aus dem Sand zu ziehen. Er lehnte jedoch ab. Sie seien genügend Fahrzeuge und wollten es alleine schaffen.
Nun fuhren wir relativ zügig weiter. Es war schon halb zwölf, und wir hatten noch immer kein richtiges Frühstück. Trotzdem kehrten wir noch einmal um, als wir linkerhand eine große Impalaherde etwas abseits am Rand einer Lichtung grasen sahen. Uwe fand zwar, dass er für heute genügend Impalas gesehen habe, aber es waren auch ein paar Leierantilopen dabei. Daher bogen wir von dem Hauptweg in einen Seitenweg ein, um uns die Tiere aus der Nähe anzusehen.




Noch bevor wir die Herde erreicht hatten, stießen einige Impalas einen Warnruf aus. Ehe wir uns versahen, waren sie gemeinsam mit den Leierantilopen aufgesprungen und in einer Staubwolke auf die kleine Ebene gerannt. Auch dort beruhigten sie sich nicht und schnaubten weiter. Dabei blickten sie immer wieder an uns vorbei in dieselbe Richtung.



Wir waren uns sicher, dass ein oder mehrere Raubtiere in der Nähe sein mussten. Also suchten wir angestrengt die gegenüberliegende Seite ab. Solange die Antilopen so ein Spektakel veranstalteten, musste doch etwas zu entdecken sein! Tatsächlich wurde unsere Ausdauer diesmal belohnt, und Ruth rief ganz aufgeregt: „Da liegt der Leopard!“ Und tatsächlich: Nur etwa 10 Meter entfernt von unserem Wagen kauerte er sich ins hohe Gras.







Zwischen den Halmen war er ziemlich gut getarnt. Sicherlich hatte er es auf eines der Impalas abgesehen, und wir hatten ihm versehentlich die Tour vermasselt. Für einen Angriff war die Entfernung zwischen ihm und den Antilopen zu groß, und außerdem hatte er nun den Überraschungsmoment nicht mehr auf seiner Seite. Nach weiteren 10 Minuten hatte er das wohl auch erkannt, erhob sich und trollte sich ins tiefere Gestrüpp, wo er im Unterholz verschwand. Trotzdem waren wir glücklich! Ein selbst entdeckter Leopard.
Letzte Änderung: 16 Nov 2014 19:41 von Eulenmuckel.
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