Namibia afrikanisiert sich immer mehr

29 Antworten · 8'422 Aufrufe · gestartet 02. Nov. 2007 von Satara
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503 Beiträge · seit 200606. Nov. 2007 · #21
Hallo Traudel, hallo Michael,
auch ich gehöre zu denen, die einige Projekte in Namibia unterstützen, zum einen aus den Motiven, die Du, Traudel, genannt hast, darüber hinaus aber auch über Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland, um denen eine Stimme zu verschaffen, die im Land keine haben. Und dennoch gehen mir immer auch die Gedanken nach, die Du, Michael, formuliert hast: zementieren wir damit ein System, deren Leidtragende eigentlich einen revolutionären Geist entwickeln müssten? Die Frage stellt sich für mich aber erst einmal nicht für ein fremdes Land, über das ich eigentlich gar nicht urteilen kann und vor allem auch nicht will, sondern mehr für uns selbst. Ich glaube nämlich nicht, dass wir in Deutschland staatliches Handeln nur ergänzen. Vielmehr bin ich der Meinung, dass wir hier bei uns einen ungeschriebenen Gesellschaftsvertrag haben, bei dem der Staat Wunden schlägt, die Wohlstandsschere immer weiter auseinander driftet und gleichzeitig die Wohlfahrtsverbände und Kirchen durchaus großzügig alimentiert werden, um ein revolutionäres Potential nicht entstehen zu lassen. Ich schreibe das ganz bewusst als jemand, der von diesem Alimentationssystem profitiert und damit seinen Lebensunterhalt gut verdient, und gleichzeitig, je älter ich werde, darüber nachdenkt, ob ich mich wirklich für ein solches System instrumentalisieren lassen möchte. Ich bin da in den letzten Jahren verbitterter geworden, auch vor dem Hintergrund, den Patrick wie ich finde völlig richtig beschrieben hat. Da tue ich mich mit Hilfe in Namibia noch eher leichter, weil ich es schwierig finde, als saturierter Europäer jemand anderem Revolution als Therapie zu verschrieben. Da verstehe ich mich eher als Teil der einen Welt, der wenn er einen Kranken sieht, ihm eben auch die Wunden verbinden will. Systemisch ändert das nichts, personal schon. Aber dahinter steckt eben eine strategisch-ideologische Fragestellung, bei der ich selbst auch immer wieder hin und her gerissen bin.

Nachdenkliche Grüße
Martin
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573 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #22
oribi schrieb:
18 Jahre nach der Wiedervereinigung und einige haben es offenbar noch immer nicht kapiert und laufen nach wie vor blind durchs Leben.
Falsch! Achtzehn Jahre nach der Wiedervereinigung (was für ein Unwort, wie kann ich mich mit jemandem wiedervereinen, mit dem ich nie etwas zu tun hatte?)haben immer mehr verstanden, was da im fürchterlichen Jahr 1990 gelaufen ist. Und aus Dauerblinden sind Sehende geworden. Warum bitteschön hat man mich mit einem Staat zwangsvereinigt, mit dem mich nie etwas verbunden hat, dessen Menschen mir fremder waren und noch immer sind, wie es fremder nicht sein kann. Eine Vereinigung mit Frankreich oder den Niederlanden wäre mir 1990 deutlich näher gewesen. Aber wer wollte Ostdeutschland und die Ostdeutschen schon haben? Sogar Gorbi hat 1989 erkannt, dass er sie so schnell wie möglich los werden muss und sie seinem Freund Helmut regelrecht aufgedrängt. Und der dumme Kohl hat auch noch Danke gesagt.

Kanzler
zuletzt bearbeitet 07. Nov. 2007
2'612 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #23
Kanzler,

ich will hoffen, dass Dein Nick sich aus Deinem Namen ableitet und nicht aus Deiner Berufung. Dein Beitrag ist absolut daneben, ich will da auch nicht im Detail drauf eingehen, lohnt die Zeit nicht. Denke nur mal über einen Punkt nach: hast Du vielleicht "Glück" gehabt, dass Deine Eltern/Großeltern in den Nachkriegswirren im Westen waren? Und noch einer: sind wir wirklich den Holländern und Franzosen näher als den Ostdeutschen, angefangen mit der Sprache? Aber mit dem Denken ist es manchmal schwierig...

Ein kopfschüttlender Volker
Bye bye Forum
Gast07. Nov. 2007 · #24
Ich wollte mich zu dem Thread nicht äußern, weil der an Unsachlichkeit kaum zu überbieten ist und eine sachliche Diskussion sowieso nicht möglich zu sein scheint. Aber langsam tun einige Aussagen doch weh.
Warum bitteschön hat man mich mit einem Staat zwangsvereinigt, mit dem mich nie etwas verbunden hat, dessen Menschen mir fremder waren und noch immer sind, wie es fremder nicht sein kann.
Korrigiere mich, aber meines Wissens wurdest nicht Du mit der Ex-DDR wiedervereinigt, sondern die BRD wurde mit der Ex-DDR wiedervereinigt. Vielleicht könntest Du Deine extrem Ich-bezogene Sichtweise der Dinge mal hinterfragen?

Ich finde es ansonsten extrem traurig, was für platte Vorurteile hier ausgetauscht werden. Bei Leuten, die so ferne Länder wie Namibia bereisen, hätte ich einen weiteren Horizont und eine holistische Sichtweise erwartet.

Guido
Gast07. Nov. 2007 · #25
@Kanzler:

Ich glaube mit deinen "Beiträgen" bist du in diesem Forum falsch - du wärst besser aufgehoben bei ossihasser.de oder ähnlichen Foren wo du dich in den Kreis der Jammerlappen und Ewig-Gestrigen einreihen kannst, jedenfalls solange du um dieses Thema kreist das nichts mit dem eigentlichen Thread zu tun hat.
Bin übrigens kein Ossi, nur so zur Info.
Aus diesem Grund hoffe ich sehr dass sich weiter niemand mehr zu deinem Geschreibsel äußert - das hat nämlich leider sehr vom Thema abgelenkt. 🙁


Viel interessanter finde ich was Martin, Michael und Traudel geschrieben haben. Ich hoffe dass viele Leute das Lesen und sich Gedanken über dieses wichtige Thema machen: Soll man sich jetzt in Afrika einmischen und helfen (und wie soll die Hilfe dann aussehen?) oder lieber im eigenen Land (gleiche Frage) oder den Dingen/der Natur ihren Lauf lassen? Ich persönlich denke da mehr in Traudels Richtung: Hilfe ja, aber mit einheimischem Personal und bestmöglicher Kontrolle über die Mittel die zur Verfügung gestellt werden. Ich bin auch sehr dafür dass man bei den Kindern anfängt und sie dabei lehrt, dass die Hilfe von außen nur eine Starthilfe sein kann um später auf eigenen Beinen zu stehen. Manche Projekte verpflichten ihre Schützlinge, später etwas von der Unterstützung zurück zu geben indem sie für eine bestimmte Zeit selbst dort arbeiten; somit wird ihnen Verantwortung für sich und andere beigebracht. Ich habe die feste Hoffnung, dass es speziell in Namibia schon vorangeht und setze meinen Glauben auf die kommenden Generationen, auch wenn das jetzt blauäugig klingt. Bin eben ein Optimist;)

viele liebe Grüße an alle Afrikaliebhaber
Maxi
2'780 Beiträge · seit 200707. Nov. 2007 · #27
Meines Erachtens sollte unsere Entwicklungshilfe in einem Rahmen so stattfinden dass wenn innerhlab des Landes aus X oder Y Gründen kurzfristig die Spielregeln ändern sollten unser Weggang die Lage der vom Hilfswerk begünstigten nicht drastisch verschlimmert. Damit es für sie nicht schlimmer ist als vorher, als sie ohne unsere Hilfe auskommen mussten.

Zum Beispiel finde ich die über Jahre dauernden Lieferungen von Nahrungsmitteln und deren plötzliche Unterbrechung das Grausamste was passieren kann und die wenigst weitsichtige Hilfe, die ich zudem nur in zeitlich begrenzten Krisenmomenten unterstütze aber nicht als reguläres über Jahre dauerndes Hilfsmittel.

Hilfsprojekte wo man Frauen in Afrika lernt Wasserbrunnen und Pumpen zu bauen, oder Frauen in Nepal lernen ein Toilettenhäuschen zu bauen und richtig zu benützen, oder einen Ofen zu benutzen anstelle auf dem rauchigen offenen gesundheitsschadenen Feuer am Boden zu kochen, dies sind Hilfsprojekte die ich ideologisch unterstütze.

Die Ermöglichung dass alle Kinder die Schule besuchen können und eine richtige Aids-aufklärung erhalten sind meines ERachtens die Hauptpunkte heute in Afrika. Wieviel mehr dürfen wir uns einmischen? wo ist unsere Hemmschwelle? wo beginnt der Schaden?

In einem Rahmen in welchem die Begünstigten nicht abhängig von unseren Spenden und Gaben werden, sondern das geistige Gut erhalten bleibt bei einem allfälligen zudrehen des Geldhahns (durch ihre eigenen Politiker zB) dies scheint mir das Maximum an positiver Hilfe.

Auch mir tut es weh hungernde Babies in den Armen von zu jungen Müttern, aidskranke arbeitslose Jünglinge und bettelnde Alte zu sehen. Ist es nicht so dass schon die Hälfte der Bewohner dieser Erde unter dem Existenzminimum leben ? Es ist eine verfahrene Situation.
Gruss Leona
Gast16. Nov. 2007 · #28
Moin zusammen,

anbei der Link zu einem Bericht des UN Integrated Regional Information Networks zu den Folgen der bisher durchgeführten Landreform in Namibia:
http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=75333

Gruß, Michael
2'612 Beiträge · seit 200716. Nov. 2007 · #29
Yoshikawa schrieb:
Moin zusammen,

anbei der Link zu einem Bericht des UN Integrated Regional Information Networks zu den Folgen der bisher durchgeführten Landreform in Namibia:
http://www.irinnews.org/Report.aspx?ReportId=75333

Gruß, Michael
Positiv erwähnt wird der Ansatz, den Südafrika fährt - sollte an der Stelle nicht unerwähnt bleiben 😉
The authors suggest the adoption of a land-reform model used in South Africa as alternative: farmworkers are trained to perform management roles and provided with higher skills levels, with the intention that land title could gradually be handed over to farmworkers or other poor people with the requisite skills to operate the farm.
Bye bye Forum
Gast17. Nov. 2007 · #30
Moin Volker,

natürlich
Positiv erwähnt wird der Ansatz, den Südafrika fährt - sollte an der Stelle nicht unerwähnt bleiben
, aber darauf würde ich Deiner Stelle keinen größeren Betrag setzen. Schaun wir mal in fünf Jahren wieder drauf 😉

Schönes Wochenende, Michael