tacitus schrieb:
Fazit: Bilharzia ist eine „Armeleutekrankheit“
Das ist in Afrika bei ganz vielen Krankheiten so, auch z.B. bei Malaria und TBC.
Ich schweife jetzt zwar völlig ab vom ursprünglichen Thema, möchte aber ein bisschen den Blick für die dortigen Verhältnisse schärfen.
In manchen Ländern kommt man z.B. in kein Krankenhaus und damit keinen Arzt auch nur zu Gesicht, wenn man nicht am Eingang sozusagen "Eintritt" bezahlt.
Beispiel aus Sierra Leone:
Ich war gegen Abend unterwegs in einer Gegend, in der es bei Dunkelheit auch für Einheimische gefährlich wird und wurde von jemandem wegen Geld für Medikamente angebettelt und habe ihn abgewimmelt und gemeint, ich müsse mir noch eine Unterkunft suchen, bevor es dunkel wird.
Am nächsten Tag begegnete er mir wieder und fragte nach Geld, damit er in der Apotheke Medikamente kaufen könne. Er zeigte mir seinen Ringfinger, der etwa dreimal so dick war wie die anderen und zudem schon eine sehr ungesunde Farbe angenommen hatte. Ich meinte, mit einer Apotheke sei es hier nicht getan und er solle in ein Krankenhaus.
Er kämpfte mit den Tränen und meinte, das könne er sich nicht leisten. Ich fragte ihn, wo das nächste Krankenhaus sei und ließ mir den Weg beschreiben. Ich fuhr mit dem Fahrrad hin und er für ein paar Cents mit dem Motorradtaxi. Schon beim Pförtner musste man umgerechnet fünf Euro bezahlen. Die Quittung berechtigte dann dazu, dass es sich ein Arzt anschaute. Bei der ersten Behandlung war ich dabei und der Arzt veranschlagte zwei Wochen Behandlung jeden zweiten Tag, eine Menge Tabletten, die der junge Mann in einer Plastiktüte mitbekam und Spritzen, die im Krankenhaus für ihn gekühlt eingelagert wurden.
Ich bezahlte die Rechnung für alle Behandlungen, Tabletten und Spritzen vorab und das kostete inkl. des "Eintritts" umgerechnet etwa 17 Euro. Wegen dieses für uns mickrigen Betrags hätte der junge Mann vielleicht seinen Finger oder noch viel mehr verloren. 2-3 Tage später kam er von schräg hinten nochmal auf mich zu, bedankte sich nochmal sehr und zeigte mir seinen Finger, der bereits deutlich auf dem Weg der Besserung war.
Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...