Fluss überqueren (4x4)

21 Antworten · 1’826 Aufrufe · gestartet 27. Nov. 2024 von subsonic
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7’346 Beiträge · seit 200628. Nov. 2024 ·
tacitus schrieb:
Fazit: Bilharzia ist eine „Armeleutekrankheit“

Das ist in Afrika bei ganz vielen Krankheiten so, auch z.B. bei Malaria und TBC.

Ich schweife jetzt zwar völlig ab vom ursprünglichen Thema, möchte aber ein bisschen den Blick für die dortigen Verhältnisse schärfen.

In manchen Ländern kommt man z.B. in kein Krankenhaus und damit keinen Arzt auch nur zu Gesicht, wenn man nicht am Eingang sozusagen "Eintritt" bezahlt.

Beispiel aus Sierra Leone:
Ich war gegen Abend unterwegs in einer Gegend, in der es bei Dunkelheit auch für Einheimische gefährlich wird und wurde von jemandem wegen Geld für Medikamente angebettelt und habe ihn abgewimmelt und gemeint, ich müsse mir noch eine Unterkunft suchen, bevor es dunkel wird.
Am nächsten Tag begegnete er mir wieder und fragte nach Geld, damit er in der Apotheke Medikamente kaufen könne. Er zeigte mir seinen Ringfinger, der etwa dreimal so dick war wie die anderen und zudem schon eine sehr ungesunde Farbe angenommen hatte. Ich meinte, mit einer Apotheke sei es hier nicht getan und er solle in ein Krankenhaus.

Er kämpfte mit den Tränen und meinte, das könne er sich nicht leisten. Ich fragte ihn, wo das nächste Krankenhaus sei und ließ mir den Weg beschreiben. Ich fuhr mit dem Fahrrad hin und er für ein paar Cents mit dem Motorradtaxi. Schon beim Pförtner musste man umgerechnet fünf Euro bezahlen. Die Quittung berechtigte dann dazu, dass es sich ein Arzt anschaute. Bei der ersten Behandlung war ich dabei und der Arzt veranschlagte zwei Wochen Behandlung jeden zweiten Tag, eine Menge Tabletten, die der junge Mann in einer Plastiktüte mitbekam und Spritzen, die im Krankenhaus für ihn gekühlt eingelagert wurden.

Ich bezahlte die Rechnung für alle Behandlungen, Tabletten und Spritzen vorab und das kostete inkl. des "Eintritts" umgerechnet etwa 17 Euro. Wegen dieses für uns mickrigen Betrags hätte der junge Mann vielleicht seinen Finger oder noch viel mehr verloren. 2-3 Tage später kam er von schräg hinten nochmal auf mich zu, bedankte sich nochmal sehr und zeigte mir seinen Finger, der bereits deutlich auf dem Weg der Besserung war.

Gruß
Wolfgang
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
103 Beiträge · seit 202230. Nov. 2024 ·
Meine persönliche Grenze: ein Rad tief - also ca. 80cm beim Landcruiser. Vorher begehen: grundsätzlich schon, aber nicht in jedem Fall. Crocs im Fluss oder Löwen im Gebüsch sind auch zu bedenken - hatte beides schon. Bei fließendem Wasser mit deutlichem und plausiblen Strömungsmuster unterlasse ich es aber auch mal. Wichtigstes Indiz für Tauglichkei der Querungt: Art, Frische, Menge von Spuren von vorher querenden Autos. Eine improvisierte Querung ohne klar ersichtlichen Track würde ich niemals versuchen, außer vielleicht in größter Not.

Vorher: Freilaufnaben gelockt, Kompressor an (ARB-Sperre), Sperren gesetzt, Fernsteuerempfänger für die Winde ist eingesteckt?

Ich fahre übrigens immer MIT KONTROLLIERTER BUGWELLE und halte das auch für wichtig. Wenn die Geschwindigkeit passt, sieht man den Wellenberg vielleicht einen halben bis einen Meter vor (!!!) dem Auto und er bleibt die ganze Querung über genau dort. Damit kommt erheblich weniger bis gar kein Wasser in den Motorraum und ggf. auch in den Innenraum, falls irgendeine Türdichtung leckt.

Bei meinem Cruiser ist dafür L2 ideal und es braucht dazu knapp 3000 rpm. In diesem Betriebspunkt kann man unmöglich abwürgen, man hat andererseits aber noch etwas Luft nach oben (meine Redline ist bei 4500). Wenn die Geschwindigkeit aus unklarem Grund abnimmt, erst Vollgas, dann nachdenken.

Falls was schief geht: Tür zulassen, übers Fenster aussteigen. Motor bleibt unter allen Unständen an. Wiederanfahren wie ein Fahranfänger: 3000rpm, dann erst Kupplung kommen lassen (egal wieviel 10000km Kupplungsleben das kostet).
zuletzt bearbeitet 30. Nov. 2024