THEMA: Spontane Kurzreise durch Jordanien
10 Mär 2026 13:23 #721915
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  • BikeAfrica am 10 Mär 2026 13:23
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Am nächsten Morgen geht’s gleich los. Jordaniens Hauptstadt Amman liegt fast 800 Meter hoch und es geht zunächst ein kleines Stückchen bergauf zum Berg Nebo. Hier starb Moses im zarten Alter von angeblich 120 Jahren. Von hier hat man eine Aussicht aufs sog. Gelobte Land, was zugegebenermaßen besser klingt als „bergige Kieswüste“.

Ein Auto überholt uns und fährt an den Straßenrand. Der Fahrer steigt aus und wartet auf uns. Er hat erkannt, dass wir Touristen sind, gibt uns die Hand und wünscht uns eine gute Reise. Nur deswegen hat er angehalten, steigt anschließend wieder ein und setzt seine Fahrt fort.





Nun geht es abwärts von über 800 Metern auf etwa 430 Meter unter dem Meeresspiegel zum Toten Meer. Nirgendwo anders auf der Welt kann man auf dem Festland eine so tiefe Stelle erreichen.
Ich will ausprobieren, ob das stimmt, dass man sich hier wegen des hohen Salzgehalts einfach so aufs Wasser legen kann. Es ist total irre. Ich kann mich hier sogar seitwärts aufs Wasser legen, den einen Oberarm aufs Wasser, den Unterarm nach oben und den Kopf drauf ablegen. Das klappt allerdings immer nur so 1-3 Sekunden, bevor es mich wieder auf den Rücken dreht. Dennoch ist es ein lustiges Erlebnis, das ich so nie für möglich gehalten hätte.





Meine kurze Sporthose, die ich mangels Badehose verwendet habe, zeigt mir noch ein weiteres Phänomen. Sie fühlt sich hinterher an wie in Olivenöl eingeweicht. Außen am Gepäck befestigt braucht sie trotz Sonne und trockener Luft zwei Tage zum Trocknen. Danach ist sie so hart wie ein Stück Holz …

Gruß
Wolfgang
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10 Mär 2026 15:21 #721924
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  • freshy am 10 Mär 2026 15:21
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Nun bin ich auch zugestiegen und werde bis zum Ende des Trips nicht wieder aussteigen!

Danke Wolfgang für dieses weitere Abenteuer
freshy
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11 Mär 2026 15:57 #721992
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  • BikeAfrica am 10 Mär 2026 13:23
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Das Tote Meer ist echt eine lustige Sache, außer man will eigentlich einen Tauchurlaub am Roten Meer machen und verwechselt zwei Buchstaben. Dann ist es scheiße. Und zwischen „R“ und „T“ hat man sich schnell mal vertippt … 😉

Am Ende des Tages sind wir insgesamt etwa 1.250 Höhenmeter runter gefahren und diejenigen, die in der Schule aufgepasst haben, ahnen es bereits; Wenn man am tiefsten Punkt der Erde ist, dann geht es in jede Richtung immer nur bergauf. Damit ist klar – morgen ist erstmal Schluss mit lustig.

Aber zuvor ist zunächst Zeit, die Augenlider auf innere Verletzungen zu untersuchen und einen Platz zum Übernachten zu finden. Wir erreichen das Wadi (al) Mujib, das auch als Grand Canyon Jordaniens bezeichnet wird (und nebenbei das tiefstgelegene Naturschutzgebiet der Welt ist) und finden direkt am Ende des Canyons eine geeignete Stelle zum Übernachten.
Schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite ist ein Militärcamp und wir fragen, ob es ok ist, wenn wir gegenüber zelten. Das ist kein Problem, sagen sie.

Im Verlaufe des Abends wird es immer lauter und es klingt, als ob die sich im Camp ordentlich den Helm zulöten.
Jetzt dürfen Moslems aus religiösen Gründen keinen Alkohol trinken, aber sie sind ja anders als Asiaten keine Schlitzaugen, sondern Schlitzohren und sehr erfindungsreich. In Jordanien gibt es einen Schnaps namens Arrak (ähnlich wie Ouzo). Den mischt man mit Wasser, woraufhin das eine weißlich trübe Mischung ergibt. Dies nennt man nun Kamelmilch und Kamelmilch ist nach dem Koran nicht verboten. Man kann sich damit nun aber prima den Helm zulöten.

Gruß
Wolfgang
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11 Mär 2026 17:10 #721997
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  • Cora am 11 Mär 2026 17:10
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Hallo Wolfgang,
ich freue mich über deinen Bericht, ich war 2015 in Jordanien (als der Krieg in Syrien im vollen Gange war) und hatte damals viele Orte fast für mich "alleine". In Petra waren an den 2 Tagen an denen ich dort war nur ca. 100 weitere Gäste. (normal vorher ca. 6000 Touristen pro Tag) Ich habe Jordanien als schönes, sehenswertes und auch sicheres Reiseland in Erinnerung. Auf dem Berg Nebo und im oder besser auf dem Toten Meer war ich auch. Bin gespannt auf deine weiteren Reiseerlebnisse.
LG Cora
Reisen: Marokko 2006-2024 18 mal, Jordanien 2015, Namibia 2016, Nam-Bot-Sim 2017, Malawi-Sambia 2018, Tansania 2019, Uganda 2020, Oman 2022, Südafrika 2023, Madagascar 2023, Kenia 2024, Kambodscha 2025, Usbekistan 2025
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11 Mär 2026 21:11 #722021
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Hallo Cora,

Jordanien empfand ich auch als sehr entspanntes Reiseland mit super netten und hilfsbereiten Menschen. Vergleichbares habe ich wohl nur in Gambia und Kamerun erlebt, wobei in Gambia allerdings die Polizei das genaue Gegenteil war und das Reiseerlebnis erheblich trübte.

Jordanien war zu unserer Reisezeit wegen befürchteter Unruhen touristisch auch kaum frequentiert. Damals war in Petra auch fast niemand. Mit Menschenmassen müsste ich das auch nicht erleben.

Gruß
Wolfgang
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11 Mär 2026 21:51 #722025
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Wadis sind im arabischen Raum das, was die Trockenflüsse oder Riviere in Namibia sind. Aufgrund der bergigen Topologie und der felsigen Umgebung sind das in Jordanien meist Canyons mit erheblichem Gefälle. Man will in Namibia schon nicht in so etwas geraten, wenn da Wasser läuft, aber in Jordanien geht das dann nochmal ganz anders zur Sache.

Normalerweise kann man das Wadi Mujib auf einer mehrstündigen Wanderung erkunden. Es gibt einen Weg, der seitlich an der Felswand befestigt ist. Vor unserer Reise gab es massive Regenfälle. Ob es dabei den Weg beschädigt hat oder man zeitweise unten läuft, wo jetzt Wasser steht, wissen wir nicht, jedenfalls ist der Weg gesperrt.





Auf der langen Steigung durch die Berge halten im Laufe des Tages zwei Fahrer von Pickups an und fragen, ob wir nicht lieber mitfahren wollen, denn die Steigung dauere noch lange. Wir bleiben auf den Rädern. Das folgende Foto beschreibt den Großteil des Tages.



In einem Dorf lädt uns ein Mann von der Straße weg zum Tee ein. Wir sitzen mit seiner Frau und einer ganzen Schar Kinder auf dem Fußboden. Britta bekommt eine Decke gereicht, um ihre Schultern und Beine zu bedecken. Als wir weiterfahren, fehlt ihr Tacho, den jemand geklaut hat.
Etwa eine Stunde später überholt uns unser Gastgeber von vorhin mit dem Auto, hält uns den Tacho vor die Nase, entschuldigt sich und sagt, den habe er eben bei einem seiner Kinder entdeckt.

Kurz vor unserem heutigen Zielort passieren wir eine Schafherde, die rechts der Straße oberhalb einer höheren und steilen Böschung friedlich vor sich hin grast. Weniger friedlich kommt urplötzlich ein großer zotteliger Hirtenhund mit wütendem Gekläffe die Böschung hinab auf mich zugestürmt.
Aus Reflex „belle“ ich so laut ich kann zurück. Es muss furchteinflößend geklungen haben, denn der Hund ist auf der Stelle ruhig und will panisch zurückrennen. Am steilen Hang findet sein Vierbeinantrieb auf dem losen Schotter keinen Halt und er rennt sekundenlang auf der Stelle. Diese Situation hätte ich selbst gerne nochmal auf Video gesehen.
Der Schäfer steht am linken Fahrbahnrand und hält sich inzwischen vor Lachen den Bauch. Er entschuldigt sich dafür, dass er nicht aufgepasst habe, weil er durch ein Gespräch mit einem Bekannten abgelenkt war.

In der nächsten Kleinstadt finden wir eine feudale Unterkunft. Angesichts eurer Fotos der häufig erbärmlichen Räumlichkeiten eurer ärmlichen Unterkünfte möchte ich hier nicht großspurig herumprotzen mit Bildern unseres luxuriösen Schlafgemachs im Westflügel dieses pompösen Palasts. Ihr würdet vor Neid platzen und wer muss die Sauerei dann am Ende wieder aufwischen? Ja, eben …





Ich glaube, keiner von euch wäre dort abgestiegen, aber als Radfahrer ist man nicht so wählerisch. Vor allem, wenn man keine Wahl hat.
Eigentlich scheint das Hotel die Privatwohnung einer 3er-WG zu sein, die ein Zimmer vermietet. Dusche und WC wird gemeinsam genutzt. Egal, passt für uns.

Gruß
Wolfgang
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