THEMA: Spontane Kurzreise durch Jordanien
12 Mär 2026 19:46 #722111
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Am nächsten Morgen finden wir am Ortsausgang einen kleinen Laden und wir treten ein, um schnell eine Cola zu kaufen, doch „schnell“ ist hier nicht. Der Ladenbesitzer und sein Mitarbeiter haben sich in einer Ecke des Ladens auf dem Fußboden zum Frühstück niedergelassen und bitten uns dazu. Es gibt Tee und Fladenbrot und dazu etliche Schälchen mit Beilagen – Schafskäsecreme, Knoblauchcreme, Hummus, Oliven, Feigen, Datteln, frische Kräuter und anderes mehr. So dauert der Kauf je einer Flasche Cola schnell mal eine halbe Stunde oder mehr.

Heutiges Tagesziel ist das historische Dana Village (Fotos dazu im nächsten Teil). Die Strecke ist wie gewohnt bergig und führt durch ebenfalls übliche Geröllwüste.

Es dämmert bereits und wir sind noch ziemlich entfernt. Als sich bei dem spärlichen Verkehr ein Kleinlaster nähert, halte ich ihn an und frage, ob er uns nach Dana Village mitnehmen könne. Macht er, fährt extra einen kleinen Umweg und als er uns bei einsetzender Dunkelheit absetzt, hole ich mein Portemonnaie raus und frage, was er für seine Hilfe haben möchte. Er schüttelt den Kopf und schenkt uns von seiner Ladung jeweils noch eine Flasche Bananenmilch.

Britta hatte hier vorab per Mail aus Deutschland schon eine Unterkunft reserviert (wusste ich vorher nicht), was auch gut war, denn viele Unterkünfte gibt es hier nicht. Wir verbringen noch eine Weile auf der Dachterrasse der Unterkunft, bevor wir uns in die stabile Seitenlage begeben.

Gruß
Wolfgang
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13 Mär 2026 14:34 #722147
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Am nächsten Tag erkunden wir zunächst die Umgebung von Dana Village mit dem Rad. Ich würde sie als bergig und steinig beschreiben.

Britta setzt sich anschließend auf die Dachterrasse in der Hoffnung, einen Gesprächspartner zu finden, um ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Ich laufe ein wenig durch das Dorf, welches in der heutigen Form vor etwa 500 entstand und von Beduinen aus Palästina erbaut wurde. Die heutigen Bewohner sind meist Nachfahren von Siedlern aus dem Osmanischen Reich.
An der Stelle des Dorfes gab es jedoch bereits 4.000 v. Chr. die erste Siedlung.

Die Steine der Häuser wurden ursprünglich ohne Mörtel verfugt. Stattdessen hat man wohl Lehm verwendet, was nach Regenfällen häufige Ausbesserungen nötig machte. Einige Häuser und Brücken sind verfallen, sollen aber wieder aufgebaut werden. Neu aufgebaute Häuser werden aber mit Mörtel verfugt.





















Am nächsten Morgen verlassen wir Dana Village. Natürlich geht es gleich wieder ordentlich bergauf. Von oben sieht man die interessante Lage des Dorfes, das direkt an einem Abhang zum Wadi Dana liegt.



Auf dem weiteren Weg nach Petra passiert nichts Spektakuläres außer einem weiteren Beispiel jordanischer Gastfreundschaft. In einem Dorf sehen wir um die Mittagszeit einen Baum. Davon gibt es nicht allzu viele in Jordanien. Wir stellen uns einen Moment in den Schatten. Wir stehen kaum dort, als sich die Haustür des Hauses öffnet, vor dem der Baum steht. Heraus kommt eine Frau mit einem Tablett, auf dem eine Flasche Wasser, eine Karaffe Saft und zwei Gläser stehen. Die Jordanier überraschen uns jeden Tag wieder.

Wir finden eine Unterkunft in fußläufiger Entfernung zur Felsenstadt Petra, die wir uns die nächsten zwei Tage ausgiebiger anschauen wollen.

Gruß
Wolfgang
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15 Mär 2026 10:47 #722219
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Wenn jemand „Jordanien“ hört, denkt er meist zunächst an die Felsenstadt Petra. Vor etwa 11.000 Jahren wurde die Region erstmals besiedelt, bevor einige hundert Jahre v. Chr. die Nabatäer kamen und die heutige Felsenstadt gründeten. Die Nabatäer waren sehr geschickt im Bau von Wasserleitungen. Sie zapften alle bekannten Quellen im Umkreis von 25 km an und bauten Leitungen nach Petra, das früher anders hieß, aber der genaue Name ist wohl gar nicht zweifelsfrei belegt.

Petra lag am Kreuzungspunkt mehrerer Karawanenwege und so wurde hier mit allerlei Waren gehandelt – Seide aus China, Gewürze aus Indien, Silber- und Goldschmiedekunst aus Syrien, Weihrauch aus den arabischen Ländern, Perlen aus dem Roten Meer, Elfenbein aus Afrika und viele Waren fanden auch über die Türkei den Weg in die Mittelmeerländer.

Man erreicht Petra durch eine 1,5 km lange Schlucht, den Siq. Auch hier ist in die Felswand eine Wasserrinne eingeschlagen.



Direkt vom Ausgang der Schlucht blickt man frontal auf das bekannteste Bauwerk Petras, das Khazne al-Faraun oder „Schatzhaus des Pharaos“.







In Wirklichkeit war das nie ein Schatzhaus (spätere Beduinen vermuteten, dass dort ein Schatz versteckt sei), sondern eine Grabstätte. Um das Bauwerk mal aus einer anderen Perspektive zu fotografieren als Tausende Male zuvor, klettere ich auf einen Felsen. Das ist zwar verboten, denn wenn jemand runterfällt, will es ja hinterher immer keiner gewesen sein, aber ausnahmsweise habe ich heute mal einen ignoranten Tag und beschließe, das Verbotsschild erst nach dem Runterklettern zur Kenntnis zu nehmen. Danach befolge ich es auch prompt und klettere nicht wieder hoch.



Ein Großteil der Besucher kehrt danach schon wieder um. 3 km zu Fuß – das reicht ihnen für den Tag. Aber jetzt geht der Weg ja erst richtig los. Man erreicht ein Tal, in dem sich die damalige Stadt befand. Die Wohnhäuser der Nabatäer sind längst zerfallen, aber die Überreste eines Theaters stehen noch und ich sehe förmlich Graham Chapman aus „Das Leben des Brian“ vor mir, wie er mit seinem Bauchladen umherläuft und seine Waren anbietet: „Otternasen, Finkenlebern, Ozelotohrläppchen …“.





Die nach mehreren Erdbeben umgefallenen Säulen eines Tempels liegen noch dort und man fragt sich, wie die damals die tonnenschweren Steinscheiben 20 m hoch aufeinandergestapelt haben. Die riesigen Grabmäler, die in die Felsen geschlagen wurden, haben die Jahrtausende überdauert.



Läuft man vom damaligen Stadtzentrum noch mal 7-8 km den Berg hoch, erreicht man mit dem Ad Deir das größte Bauwerk Petras. Es war ursprünglich auch ein Grabmal, aber im Mittelalter siedelten sich hier Mönche an. Ad Deir wird daher auch Monastery oder Kloster genannt.



Was wie eine Eingangstür mit Stufe aussieht, täuscht. Alleine die Stufe ist so hoch wie ein erwachsener Mensch und die „Tür“ ist 8 m hoch. Die Urne auf dem Dach misst 9 m. Ich habe auch mal ein Foto mit Menschen davor reingestellt, damit man sich die Dimensionen überhaupt vorstellen kann.



Gruß
Wolfgang
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17 Mär 2026 11:26 #722318
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Am nächsten Tag laufe ich nochmal bis ins damalige Stadtzentrum, verlasse dann aber die Wege und streife weiträumig querfeldein durch die Gegend. Auch hier stoße ich immer wieder auf Überreste der Vergangenheit. Es folgen hier noch einige Fotos von der Königswand im Stadtzentrum und von unterwegs im Gelände. Keine Ahnung, was ich da jeweils fotografiert habe. Hier stehen auch keine Verbotsschilder mehr, die das Rumklettern verbieten, weil sich hier ja niemand rumtreibt.

Das erste Verbotsschild sehe ich erst wieder, als ich den Mudhlim-Tunnel verlasse. Ich könnte schwören, es hing auf dem Hinweg noch nicht dort. „Betreten verboten, Lebensgefahr“, steht dort und eine Warnung vor Sturzfluten. Der Tunnel wurde von den Nabatäern in den Fels geschlagen, um nach heftigen Regenfällen die Wassermassen ins Wadi Mataha zu leiten und die Stadt vor Überschwemmungen zu schützen.







































Gruß
Wolfgang
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17 Mär 2026 16:29 #722348
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Herrjeh, ist das interessant und spannend. Leider werde ich dort nicht mehr hinkommen. Umso erfreulicher, dass du uns per Text und Fotos dorthin führst. Danke!

sagt freshy
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18 Mär 2026 12:42 #722394
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Danke für Dein Interesse. Da ich ja ohne vorherige Infos startete, habe ich mir die größtenteils hinterher zusammengesucht. Dass Petra z.B. so groß ist, war mir nicht bekannt. Ich kannte zuvor nur Fotos vom „Schatzhaus“ und das wurde häufig als „Felsenkirche“ beschrieben, was ja genauso wenig stimmt.

Ich wusste auch nicht, dass das Land so bergig und derart karg ist und dass in der Wüste des Wadi Rum Pilze wachsen. Davon dann u.a. im nächsten Teil …

Gruß
Wolfgang
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