THEMA: Badger's Birding-Tours II - Indien-Edition
19 Jun 2025 18:38 #708172
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11. Kapitel: Ein Nachmittag in Agra

Die glühend heißen Stunden der Mittagszeit verbringen wir im Radisson Blu. Unser Zimmer ist gut heruntergekühlt und die Betten sind nach dem frühen Aufstehen und intensiven Besichtigen einladende Orte. Aber auch der Pool, der sich auf dem Dach des Hotels befindet, lädt zu einem Besuch ein. Während die Kinder im kühlen Nass herumplanschen, zerfließe ich im knappen Schatten, der sich hier oben bietet. Belohnt wird man jedoch mit schönen Blicken über Agra in Richtung Taj Mahal, ohne das die Skyline der Stadt zugegebenermaßen recht wenig zu bieten hätte.



Am Nachmittag geht die Besichtigungstour weiter. Als ersten Programmpunkt besuchen wir (unangekündigt :evil: ) eine Marmorwerkstatt. Eigentlich lehnen wir solche „Butterfahrt-Programmpunkte“ ab, aber Agra ist noch immer bekannt für dieses Kunsthandwerk und so möchten wir einen Blick riskieren. Bei der als Parchin Kari bekannten Kunstform werden Edel- oder Halbedelsteine wie Lapislazuli oder Jade per Hand so in Marmor eingearbeitet, dass florale und geometrische Muster entstehen. Wir werden freundlich empfangen, in klimatisierte Räume geführt und bekommen Kaltgetränke serviert. Das ist in Anbetracht der draußen herrschenden Temperaturen schonmal schön. Auch die Demonstration der Einlegearbeiten ist interessant: Eine zeitaufwändige Fingerspitzen- und Geduldsübung für die Kunsthandwerker.



Im Anschluss geht es in den unvermeidlichen Verkaufsraum. Hier wird psychologisch geschickt vorgegangen, denn in diesem Raum sind vor allem große Produkte ausgestellt: Tischplatten, Hocker… Das alles hat natürlich seinen Preis und wir können uns kaum vorstellen, dass der Durchschnittstourist einfach mal spontan einen neuen Esszimmertisch erwirbt. Wir lehnen also höflich dankend ab, müssen aber zugeben, dass das ein oder andere Stück wirklich sehr schön anzusehen ist. Solche Situationen sind uns einfach immer unangenehm… :S
Und auf dieses schlechte Gewissen baut der zweite Verkaufsraum, in dem eine Vielzahl kleinerer Produkte ausgestellt ist. Hier gibt es Zierteller, Glasuntersetzer, Döschen… Und auch hier ist vieles schön anzusehen, aber die aufwändige Handwerkskunst hat auch im Kleinformat ihren recht stolzen Preis. Trotzdem wechseln nach einigem Hin- und Herüberlegen ein paar Souvenirs den Besitzer. So ganz ohne Parchin Kari Kunstwerke wollen wir Agra dann doch nicht verlassen, auch wenn wir dies eine Stunde zuvor noch nicht wussten… :P

Weiter geht es nun zum Hauptprogrammpunkt des Nachmittags, dem Roten Fort, einer Festungs- und Palastanlage aus der Mogulzeit. Es diente im 16. und 17. Jahrhundert mit Unterbrechungen als Residenz der Mogulherrscher. Der Bau wurde 1565 unter Akbar dem Großen, der die Hauptstadt von Delhi nach Agra verlegen ließ, aufgenommen und unter seinen Nachfolgern, vor allem unter Shah Jahan, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erweitert.

Bereits vor dem Eingangstor ist der Anblick des gewaltigen Forts mit seinen mächtigen roten Mauern beeindruckend.





Die ältesten Teile des Forts sind aus rotem Sandstein gefertigt. Wir durchschreiten mit nur wenigen anderen Besuchern großzügige Höfe, betrachten schmuckvolle Verzierungen.





Dabei entdecken in einer dunklen Halle einige Fledermäuse, die sich durch ihr Fiepen und vor allem durch den Geruch ihrer Hinterlassenschaften verraten. Ein beeindruckendes Gebiss haben diese kleinen Kerle!





Vom Roten Fort aus bieten sich schöne Ausblicke auf das Taj Mahal.



Dessen Erbauer Shah Jahan wurde 1658 nach der Machtergreifung durch seinen Sohne bis zu seinem Tode hier unter Hausarrest gestellt. Aus der Ferne konnte er also das Grabmal seiner liebsten Frau bis zu seinem eigenen Ende betrachten.



Grund für die Entmachtung soll gewesen sein, dass Shah Jahan beabsichtigte, am gegenüberliegenden Ufer des Flusses Yamuna ein aus schwarzem Marmor gefertigtes Mausoleum als Gegenstück zum Taj Mahal für sich selbst zu errichten. Diese Unternehmung hätte die Staatskasse weiter geschröpft und so wurde der sehnsuchtskranke Vater kurzerhand entmachtet und unter dauerhaften Hausarrest gestellt.




Besonders prächtig sind die Gebäudeteile, die während der Herrschaftszeit von Shah Jahan entstanden sind.





Hier dominiert weißer Marmor mit aufwändigen Intarsien. Umgeben sind die Bauten von geometrisch angelegten Gärten. In der Mogularchitektur ist wenig dem Zufall überlassen.


Diwan-i-Khas mit privater Audienzhalle


Khas Mahal – ein Palast für die zwei Lieblingstöchter des Shah Jahan

Auch Rhesusaffen finden es hier schön. Und wir finden den Anblick wunderbar exotisch.



Die riesige Audienzhalle Diwan-i-Am beeindruckt mit luftigen Bogengängen.





Besonders schön ist aber der bereits unter Akbar erbaute Jahangir Palace, der Wohnstätte der Königinnen war.



Viel Zeit kann man in diesem riesigen Gebäudekomplex verbringen. Uns hat die Besichtigung trotz der hohen Temperaturen richtig gut gefallen.

Zum Sonnenuntergang fahren wir auf die gegenüberliegende Seite des Yamuna. Hier bietet sich von einem Aussichtspunkt der Agra Developement Authority (A.D.A.) ein schöner Blick auf das Taj Mahal. Auf dem Weg dorthin begegnet uns die ein oder andere Kuh.



Während das Licht des Tages immer schwächer wird, genießen wir von einer Bank aus schöne Blicke auf das Taj Mahal. Ein gelungener Tagesausklang und Abschied von der Mogularchitektur Agras.



Auf dem Rückweg zu unserem Auto geschieht dann leider noch unangenehm Aufregendes. Wir passieren eine kleine Kuhherde, als plötzlich Unruhe entsteht. Eine Kuh stürmt an uns vorbei, eine andere aber senkt den Kopf und geht mit hoher Geschwindigkeit unvermittelt zum Angriff über. :S Hier dehnen sich in der Erinnerung die Sekunden. Reflexartig packt jedes Elternteil eine Tochter und wir springen hinter eine Straßenabsperrung, die glücklicherweise gerade zur rechten Zeit am rechten Ort ist. Die Kuh bremst vor dem Stahlgitter ab und rennt davon, ohne uns aufgespießt zu haben. Das ist gerade nochmal gutgegangen. Der Schreck bei einigen Familienmitgliedern sitzt jedoch tief. Vor allem eine unserer Töchter möchte hier keinen Schritt mehr zu Fuß gehen. Zum Glück kann unser Guide ein Tuktuk heranwinken, in das wir uns dankbar flüchten und so durch die einsetzende Dunkelheit jeder noch so heiligen Kuh davonbrausen.

Zurück im Hotel können wir einmal mehr den aufwändigen Vorbereitungen einer Hochzeit beiwohnen.



Während in der Lobby lautstark gefeiert und getanzt wird, schleichen wir uns nach dem Abendessen kurz in ein bereits verlassenes Trauzimmer und besehen uns die bunte Dekoration aus der Nähe. Spannend.



Und auch aus dem Fenster unseres Zimmer können wir später Hochzeitsprozessionen beobachten, die mit viel Musik und beleuchteten Wagen tanzend durch die Straßen ziehen. Die Hochzeitskultur in Indien ist schon sehr besonders.

Am nächsten Tag werden wir Agra bereits wieder verlassen. Der legendäre Ranthambhore Nationalpark in Rajasthan erwartet uns. Ob sich die Tiger auch hier wieder so erfolgreich vor uns verstecken werden? :unsure:
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23 Jun 2025 12:16 #708348
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12. Kapitel: Willkommen in Ranthambhore!

Ein letztes Mal genießen wir das Fünf-Sterne-Frühstück in Agra, bevor wir uns auf den Weg zum circa 300 Kilometer entfernten Ranthambhore Nationalpark machen. Die Fahrt ist mit rund fünf Stunden angesetzt, wird aber bedeutend länger dauern, denn gar nicht weit von unserem Ziel entfernt kommt es auf einer Brücke, die sich über eine Ortschaft zieht, zu einem schier unauflösbaren Verkehrsinfarkt. :pinch: Ein LKW ist auf der zweispurigen Fahrbahn liegen geblieben. Zum Glück für uns steht er auf der Gegenfahrbahn. Aber kurz bevor wir die Stelle erreichen, springen einige Männer auf die Straße, um unsere Spur zu blockieren und es unserem Gegenverkehr endlich zu ermöglichen, an dem LKW vorbeizufahren. Das sehen einige Fahrzeuge hinter uns aber so gar nicht ein und so werden wir hupend und brüllend überholt, was dazu führt, dass der Gegenverkehr, der gerade auf unserer Spur unterwegs ist, von den uns überholenden Fahrzeugen geblockt wird. In alle noch so kleinen Lücken flitzen sogleich zahllose Mopeds und bilden damit den Mörtel in diesem Kuddelmuddel. Schachmatt! :S Jetzt geht für lange Zeit außer dem Quäken zahlloser Hupen gar nichts mehr. Und draußen liegen bei rund 40 Grad die Nerven immer blanker… Es wird wild gestikuliert und geflucht. Irgendwann fasst sich unser Fahrer ein Herz und steigt aus. CB übernimmt das Steuer. Mr Satdev in seinem blütenweißen Hemd bahnt sich den Weg zum Kern des Verkehrsknäuels. Mit einer enormen Gemütsruhe und Selbstsicherheit versucht er, das Schiebepuzzle aufzulösen und CB nutzt die freiwerdenden Räume, um unser Auto Meter für Meter vorwärtszubewegen. Der ganze Prozess dauert bestimmt eine Stunde. Und immer wieder muss ich tief durchatmen, um in dieser Enge und dem Geschrei vor unseren Fenstern keine Panik in mir aufsteigen zu lassen. :blink:
Als wir schließlich irgendwann den gröbsten Schlamassel hinter uns gelassen haben, schöpfen wir auch wieder Hoffnung, unsere Nachmittagssafari noch antreten zu können...

Gegen 13 Uhr erreichen wir schließlich unser Hotel für die kommenden drei Nächte. Wir werden im Mount Valley Resort in der Nähe des Parkeingangs wohnen. Hierbei handelt es sich um ein kleineres Vier-Sterne-Hotel, das zur Zeit unseres Besuchs kaum belegt ist.
Erstaunlicherweise haben wir keine Außenaufnahmen des Hotels gemacht. Daher „leihe“ ich hier eine Aufnahme von der Website des Hotels, die aber einen realistischen Eindruck liefert.



Es gibt einen kleinen Pool, der jedoch als rechteckiges und schattenloses Betonbecken direkt neben dem Haupthaus keinen großen Charme versprüht. Zur mittäglichen Abkühlung genügt das kühle Nass unseren Kindern jedoch vollumfänglich.
Unser Zimmer im ersten Stock ist nett im Kolonialstil eingerichtet und bietet über ein großes Fenster einen Blick auf den Dschungel von Ranthambhore, der sich jahreszeitenbedingt vor allem in verschiedenen Brauntönen präsentiert. Wir fühlen uns hier durchaus wohl. Anders als Katrin in ihrem Reisebericht beschrieben hat, haben wir Glück. Alles in Zimmer und Bad ist sauber und funktioniert einwandfrei.

Wir gönnen uns ein schnelles Mittagessen im kleinen Restaurant des Hotels. Hier sind wir die einzigen Gäste, was uns der ungeteilten Aufmerksamkeit des vier- bis fünfköpfigen Servicepersonals sicher sein lässt. ;) Die Speisen sind auch hier sehr schmackhaft, aber allzu viel können und wollen wir in Anbetracht der Temperatur und der gleich anstehenden Safari nicht zu uns nehmen.

Viel Zeit bleibt sowieso nicht, denn gegen 14 Uhr brechen wir zu unserer ersten Safari in den nahen Ranthambhore Nationalpark auf. Insgesamt werden wir in den kommenden Tagen sechs private Ausfahrten im Gypsy unternehmen. Dabei sind uns die Zonen eins, zwei, vier, fünf und zehn zugewiesen worden. Die Zonen 1 bis 5 befinden sich im Kerngebiet des Nationalparks und bieten insgesamt wohl deutlich höhere Chancen auf eine Tigersichtung.



Morgens und nachmittags dürfen insgesamt maximal 140 Fahrzeuge für dreieinhalb Stunden in alle zehn Safarizonen einfahren. Dabei ist in jeder Zone eine gleich hohe Zahl von Gypsys und Cantern erlaubt, so dass maximal 14 Fahrzeuge gleichzeitig in einer Zone unterwegs sind. Gefühlt waren es bei uns aber zum Teil eher deutlich weniger. Die Pisten jeder Zone umfassen dabei jeweils rund 25 Kilometer. Das zugewiesene Areal zu verlassen, ist strikt verboten – auch wenn eventuell ein Tiger in der Nachbarzone gesichtet wurde. Und daran wird sich penibel gehalten, denn der gesamte Park steht unter Videoüberwachung und Verstöße werden empfindlich geahndet. Das alles schränkt natürlich die Freiheit deutlich ein, aber es sorgt eben auch dafür, dass die Tiere nicht über Gebühr bedrängt werden und man als Besucher keine ausufernden Wagenburg-Erlebnisse haben sollte. Alles also etwas anders als in afrikanischen Nationalparks.

Bei jeder Ausfahrt werden wir von einem anderen Fahrer direkt am Hotel abgeholt. Mit dabei ist jeweils ein wechselnder Forestguide. Diese zwei besetzen die erste Reihe des Fahrzeugs. In Reihe zwei nehmen meine Frau und die Kinder Platz, CB und ich machen es uns in der hinteren Reihe gemütlich. Alles also so, wie im Corbett Nationalpark bereits eingespielt.

Nur wenige Minuten Fahrt sind es bis zum Parkeingang – das ist einer der großen Vorteile unseres Hotels. Die Einreiseformalitäten am Hauptgate sind schnell erledigt. Von hier aus führt eine geteerte Straße in die Tiefen der 282 Quadratkilometer großen Kernzone des Schutzgebiets, die nur zu einem Teil für den Tourismus geöffnet ist. Um die einzelnen Safari-Zonen im Kerngebiet des Parks zu erreichen, folgen alle Fahrzeuge dieser einen Straße bis zum Singhdwar Checkpost. An dieser kleinen Hütte zweigen sternförmig die Zonen eins bis fünf ab.



Hier werden erneut die Zugangspapiere kontrolliert und kurz darauf fahren wir in Zone 2 des Nationalparks ein.
Ranthambhore präsentiert sich uns als zerklüftete Landschaft, die von lichtem Trockenwald dominiert wird. Je nach Zone gibt es größere Seen, Flussläufe und Ruinen aus der Mogulzeit zu sehen. Zone 2 gehört im April in weiten Teilen zu den eher trockenen Bereichen, jedoch gibt es hier einige gut einsehbare Wasserstellen, die die Zone für allerhand Getier auch in der Trockenzeit als Lebensraum attraktiv bleiben lassen.

Voller neuer Hoffnung auf schöne Begegnungen rumpeln wir über die Pisten der Zone und sind dabei oft weitestgehend allein unterwegs.
Wir begegnen immer wieder den „üblichen Verdächtigen“, die sich hier durch den lichten Unterbewuchs auch dann beobachten lassen, wenn sie nicht direkt an der Piste stehen.
Auch in Ranthambhore gibt es sehr viele Pfauen.



Und auch hier sind unter den Huftieren die Axishirsche die am meisten zu sehenden Vertreter.





An einer Böschung begegnet uns eine ganze Kette von Dschungelwachteln (Jungle Quail) unterschiedlichen Alters, die wegen ihrer geringen Größe und dem Unterbewuchs gar nicht leicht zu fotografieren sind. Ein Beweisfoto gelingt dann aber zum Glück doch.



Weiter geht die Fahrt entlang eines mehr oder weniger trockenen Flussbetts. Durch das Geröll huscht plötzlich ein schlankes Etwas. Bei näherer Betrachtung stellt es sich als indische Rotmanguste (Ruddy Mongoose) heraus. Wieselflink ist das Tier unterwegs und ich bin froh, dass die Manguste für wenige Sekunden innehält, um uns einen Blick zuzuwerfen. Dann wird emsig weitergewuselt.



Dort wo der Fluss noch Restwasser führt, finden sich immer wieder Tiere, die ihren Durst stillen möchten. Und so können wir einen schönen Sambarhirsch einmal ganz unverstellt betrachten.



Bald darauf erreichen wir einen kleinen See, an dessen Ufer wir uns eine Weile aufhalten. Da wir auf beiden Kameras Teleobjektive montiert haben, gibt es nur wenige Fotos der schönen – aber eben sehr trockenen – Landschaft. Hier beobachten wir einige Axishirsche und können zu CBs Freude eine Braunbauch-Kielralle (Brown Crake) entdecken, die nach seiner Aussage nicht sehr oft so gut zu beobachten ist.





Fortgesetzt wird die Fahrt mit noch weiteren schönen Vogelsichtungen.


Dschungeldrossling (Jungle Babbler)



Dajalschama (Oriental magpie robin)

An einer weiteren Wasserstelle entdecken wir einen jungen Schwarzstorch, der wenig scheu vor uns posiert.



Wenig später kommt es zum Höhepunkt des heutigen Nachmittags. Während wir durch ein lichtes Waldstück fahren, werden Alarmrufe hörbar. Wir halten an und spähen in die Umgebung. Schnell gesellen sich einige Fahrzeuge hinzu und es dauert nicht lange, da rennt unser erster indischer Leopard (Panthera pardus fusca) in vielleicht fünfzig Metern Entfernung an uns vorbei. :woohoo: Jetzt geht alles ganz schnell und unser Fahrer versucht hektisch, mit dem Tier Schritt zu halten. Wegen des rumpeligen Wegs und des ständigen Wechsels von Anhalten und Anfahren ist an Fotos hierbei gar nicht zu denken und so verschwindet der Leopard, ohne dass wir ihn ablichten konnten. Schade. :side:

Aber was ist das? In der Richtung, aus der unser Leopard kam, erscheint noch ein zweiter. :cheer: Dieser ist viel bulliger als die erste Katze und damit auf den ersten Blick als ein ausgewachsener Kater zu erkennen. Auch er ist zielstrebig unterwegs. Aber da unser Auto nun in einer guten Position steht, können wir den Leoparden mehr oder weniger entspannt – wenn man davon bei dem einschießenden Adrenalin überhaupt sprechen kann – bei seinem Weg durch den Wald beobachten und sogar einige Fotos schießen, wenn er mal nicht zu sehr von Baum oder Strauch verdeckt wird. Und als er uns dann noch einen Blick zuwirft, ist der Fotograf happy. B)





Da Leopardensichtungen im Ranthambhore nicht so sehr auf der Tagesordnung stehen, sind wir schonmal sehr zufrieden mit dieser Begegnung auf unserer ersten Safari. Flecken: Check! :cheer: Bleiben noch die Streifen… :whistle:

Nach der schönen Leopardensichtung steuern wir eine nicht weit entfernte Wasserstelle an. In der Gegend lagert wohl eine Tigerin mit ihrem schon recht erwachsenen Nachwuchs. Vielleicht waren die Leoparden deshalb in so großer Eile unterwegs. Früher oder später – so ist die Hoffnung – würde einer der Tiger seinen Durst an dieser Wasserstelle stillen wollen. Wir warten also eine ganze Weile gemeinsam mit einigen anderen Fahrzeugen und können dabei immerhin einen Indienpirol (Indian Golden Oriole) entdecken: ein leuchtender Farbklecks im Braun des Trockenwalds.



Die Tiger haben aber leider gerade keine Lust, ans Wasser zu kommen und so fahren wir ohne eine Sichtung weiter. Schließlich können wir aber dennoch mindestens zwei der Tiger im dichten Gebüsch in einiger Entfernung der Piste erahnen. An vorzeigbare Fotos ist hier natürlich mal wieder nicht zu denken. Die Tiere liegen hinter Gestrüpp flach auf dem Boden. Immer wieder hebt eine der Katzen ihren Kopf und man kann dann recht gut Gesicht und Ohren erkennen. Irgendwann stehen die Katzen dann sogar auf und setzen sich in Bewegung. Aber leider marschieren sie in die falsche Richtung davon und so bleibt es einmal mehr bei einer fotografisch hochgradig unbefriedigenden Situation. So ein Pech. :(
So kann es aussehen, wenn ein Tiger zwar anwesend ist, sich aber im Wald nicht so recht den geneigten Reisenden präsentieren mag:



Zum Glück hatten wir die Leoparden. Und so verlassen wir in der Abenddämmerung Zone 2 mit einem Lächeln und kehren zufrieden ins Hotel zurück. Hier genießen wir wieder den ungeteilten Service der gesamten Restaurantbelegschaft, während wir ein schmackhaftes Dinner verputzen. Wir bestellen hier à la carte: Die Kinder freuen sich über Pasta mit leckerem Pesto, die Erwachsenen bleiben bei indischen Speisen. Auch in diesem Restaurant wird der Würzegrad wieder gut an unsere Gaumen angepasst. Alles wird in kleinen Schalen aufgetragen und am Tisch mit Zangen und Löffeln von den Kellnern akribisch auf unsere Teller verteilt. An so viel Aufmerksamkeit müssen wir uns erst noch gewöhnen… ;)

Morgen müssen wir wieder einmal vor fünf Uhr aus den Federn heraus: Es steht die nächste Safari im Nationalpark an. Wir sind gespannt!
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13. Kapitel: Eine Morgenausfahrt in Zone 1

Es dämmert schwach, als wir mit Müdigkeit in den Knochen das Hotel verlassen und vor dem Haupteingang auf unseren Gypsy warten. Nach wenigen Minuten erscheint unser heutiges Team gemeinsam mit CB und wir nehmen die bewährte Sitzaufteilung ein. Und schon geht die Fahrt durch das fahle Licht des Morgens los und wir werden durch den erfrischenden Fahrtwind schnell munterer.

Es dauert nicht lange, bis wir schlagartig ganz wach sind: Bereits vor unserer Ankunft am Gate sehen wir auf der Landstraße, die neben der Grenze zum Nationalpark verläuft, einige Gypsys stehen und erfahren schnell, warum es zu dieser Ansammlung gekommen ist. „Balou!“ hören wir es immer wieder raunen. :woohoo: Und tatsächlich: Im Gebüsch links von der Straße sind eine große und eine etwas kleinere schwarze Fellkugel unterwegs: eine Lippenbärmutter mit ihrem Nachwuchs. Kurz nachdem wir angehalten haben, rennen die beiden Bären auch schon in hohem Tempo direkt vor unserem Auto über die Straße. Die Kameras sind noch gar nicht bereit und die Tiere sind für die montierten Brennweiten auch viel zu nah. Und so entsteht hier nur ein schlechtes und unscharfes Belegfoto des Crossings.



Mutter Bär klettert sogleich behände die gut zwei Meter hohe Steinmauer herauf, die den Nationalpark umspannt. Nach einigen Anläufen schafft es auch der tapsige Nachwuchs auf die Mauerkrone. Und wenige Augenblicke später sind die zwei Bären auf der anderen Seite der Mauer verschwunden. Schließlich öffnet der Park gleich seine Pforten und man will ja nicht zu spät bei der Arbeit erscheinen… :P
Leider beobachten wir diese tolle Kletteraktion nur durch Geäst hindurch und können daher nicht fotografieren. Die Vegetationslücke, die sich wenige Meter vor uns öffnet, entdecken wir erst, als wir weiterfahren… :evil: Aber auch ohne Fotos ist das natürlich ein schöner Safaribeginn und eine ebensolche Erinnerung.

Nachdem die Einreiseformalitäten wieder ruckzuck erledigt sind, geht es auf der Teerstraße einmal mehr in Richtung Singhdwar Checkpost. Bereits auf dem Weg dorthin können wir die schöne Sichtung eines Perlspornhuhns (Painted Spurfowl) verzeichnen.



Die heutige Morgenausfahrt führt uns in Zone 1 des Nationalparks. Die enge Piste verläuft dabei durch Waldgebiete hin zu einem größeren See als Schlusspunkt.
Die Fahrt gestaltet sich weitestgehend ruhig und wir dürfen uns vor allem über Vogelsichtungen freuen.

Gleich zu Beginn kommen wir als Eulenfreunde voll auf unsere Kosten, denn wir können eine hübsche Halsband-Zwergohreule (Collared Scops Owl) in ihrem Tageseinstand entdecken, die uns ein paar müde Blicke zuwirft. Über eine neue Eulenspezies auf der Liste freue ich mich immer ganz besonders.



Bald darauf wird CB auf die Rufe von Brahmakäuzen (Spotted Owlet) aufmerksam und wir steuern einen nahen Baum an. Hier entdecken wir zwei adulte Käuzchen und zu unserer Freude auch einen Jungvogel, der uns interessiert aus seiner Baumhöhle heraus beobachtet. Dieses süße Kerlchen ist für uns das eigentliche Highlight der Morgenausfahrt.









Ganz in der Nähe lässt sich auch ein Braunliest (White-breasted Kingfisher) entdecken. Wieder einmal ein schöner Farbtupfer in der weitgehend ausgedörrten Umgebung.



Die weitere Fahrt bis zum See verläuft bis auf die obligatorische Sichtung einiger Axis- und Sambarhirsche ereignislos.



Und auch am See selbst ist nicht viel los. Einzig eine Zwergscharbe (Little Cormorant) schafft es auf die Speicherkarte. Es sind zwar auch Krokodile unterwegs, diese lassen aber nur ihre wenig Körperfläche aus dem Wasser ragen. Wir verzichten daher auf Fotos.



Plötzlich hören wir aus dem Wald einige Alarmrufe. Da hier die Grenze zu Zone 6 verläuft, können wir jedoch nicht weiter in die Richtung der Schreie vordringen. Und so hoffen wir, dass der Grund der Unruhe sich auf uns zu bewegen wird. Zuerst hat das auch den Anschein, denn die Alarmcalls werden lauter. Aber als nach längerer Wartezeit das Rufen schließlich verstummt, vermuten unsere Führer, dass sich das Raubtier niedergelegt haben wird. Ohne Tigersichtung setzen wir also unsere Fahrt fort. :S

Nach einigen Kilometern stoßen wir auf drei Canter, die den engen Waldweg vollständig versperren. Hier wird es wohl etwas Besonderes zu sehen geben! Als wir den Roadblock erreichen, können wir auch gleich erspähen, dass die Insassen der Fahrzeuge einen Lippenbären beobachten, der gerade eine Böschung hinaufwandert. Aber hinter den Cantern haben wir keine Chance auf eine gute Position und so können wir nur etwas frustriert wahrnehmen, dass der Bär sich bald aus dem Blickfeld verabschiedet, um nicht wieder aufzutauchen. Und erneut blutet das Fotografenherz bei einer Bärensichtung. Schade.

Wir steuern eine kleine Wasserstelle an und haben auch dort wieder schöne Vogelbeobachtungen. Faszinierend (und etwas grausam) ist es dabei zuzusehen, wie ein Wollhalsstorch eine etwas zu ambitioniert dimensionierte Beute vertilgen möchte. Der arme Frosch wird minutenlang malträtiert, bevor es dem Storch schlussendlich tatsächlich gelingt, den großen Brocken hinunterzuschlucken.





Schöner anzusehen ist da natürlich der prächtige Hainparadiesschnäpper (Asian Paradise Flycatcher).



Und auch ein Halsbandsittich (Ring-necked Parakeet) gibt sich die Ehre und erinnert uns an unsere rheinische Heimat, wo diese Art als Neozoon in großer Zahl anzutreffen ist und immer wieder unser Futterhäuschen plündert.



Schließlich können wir noch einen Bengalenspecht (Lesser Goldenback) beobachten.



Es wird immer heißer und so suchen auch die Huftiere Abkühlung im Dickicht oder in Wasserstellen und Suhlen. Ohne Kopfbedeckung und ausreichend Wasser sollte man im April keinesfalls auf Safari gehen. Und auch unsere feuchten Outdoor-Handtücher leisten uns wieder gute Dienste. Der Sambarhirsch dagegen muss sich zur Abkühlung in den Schlamm legen.



Als wir den Nationalpark am Ende der Safari verlassen, freuen wir uns rückblickend vor allem über die Sichtung der kleinen Eulen. Natürlich war es auch toll, drei Lippenbären zu sehen, aber hier nagt es dann doch an uns, dass keine guten Fotos entstanden sind. Und wer weiß, ob wir nochmal das Glück einer Slothbear-Sichtung haben werden? Und auch der Tigerdruck wird nach der morgendlichen Flaute so langsam wieder spürbar. Aber zum Glück haben wir ja noch vier Versuche übrig… :side:

Nach unserer Rückkehr ins Hotel lockt ein gutes Frühstück, das wir uns nach Gusto zusammenstellen können. Dem Personal wäre es am liebsten, wenn wir die ganze Karte herauf und herunterbestellen würden – leider haben wir aber jeweils nur einen Magen. Nach genussvoller Nahrungsaufnahme folgen schlummern, lesen, schwimmen und schließlich auch schon das Mittagessen, bevor es am frühen Nachmittag erneut in den Nationalpark gehen wird. Mal sehen, was uns in Zone 5 begegnen wird.

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14. Kapitel: Zone 5

Unsere Nachmittagssafari führt uns in Zone 5 des Nationalparks, die uns landschaftlich überaus gut gefällt. Die Piste folgt in einem weiten, bewaldeten Tal zumeist einem trockenen Flussbett, das nach einigen Kilometern zu einem größeren See führt. Von dort aus verengt sich das Tal zunehmend. Hier wird die Landschaft deutlich grüner und auch der Fluss führt sichtbar mehr Wasser.
Wir fahren gemeinsam mit nur wenigen anderen Gypsys in diese Zone ein. Auf der gesamten Fahrt werden uns insgesamt nicht mehr als fünf andere Autos begegnen. Canter sind keine unterwegs. „Verkehrstechnisch“ ist die Nachmittagssafari also eine sehr entspannte Angelegenheit.

Die Ausfahrt hält schöne Sichtungen für uns bereit. Gleich zu Beginn können wir an einer Wasserstelle kleinere Sumpfkrokodile beim Sonnenbad beobachten.



Auf der Fahrt durch den Wald folgt dann eine erste Nahbegegnung mit einem Nilgaubullen. Diese Antilopen mit ihrem blau-grau schimmernden Fell beeindrucken durch ihre Größe und Masse.





Bald darauf macht uns der Forestguide auf den Schlafbaum eines Fischuhus (Brown Fish Owl) aufmerksam. Als wir anhalten, stockt uns kurz der Atem, denn der große Vogel sitzt quasi direkt neben uns im niedrigen Geäst und lässt sich von unserer Anwesenheit überhaupt nicht beeindrucken. Eine ganz tolle Begegnung!



Nachdem wir uns von dem wunderbaren Vogel verabschiedet haben und noch keinen Kilometer weitergefahren sind, entdeckt Adlerauge CB nicht weit entfernt einen großen Komorandeluhu (Dusky Eagle Owl), der uns aufmerksam beäugt. Anders als der Fischuhu ist diese Eule nicht so entspannt im Angesicht unserer Anwesenheit und zieht sich bald zurück.



Nach Zwergohreule und Brahmakauz am Morgen nun diese zwei großen Arten. Heute ist definitiv ein guter Tag für Eulenfans. :)

Die weitere Fahrt führt uns an einem Tempel vorbei, der auch heute noch von Pilgern aufgesucht wird. Wir finden es erstaunlich, dass sich in einem Wildschutzgebiet mit dieser (Raub-)Tierdichte Menschen außerhalb von Fahrzeugen aufhalten dürfen. Und tatsächlich kommt es selten zu Zwischenfällen. Nicht lange vor unserem Besuch wurde ein siebenjähriger Junge nach einem Tempelbesuch im Nationalparkgebiet von einem Tiger attackiert und getötet. :(

Im lichten Wald rund um den Tempel treffen wir heute auf eine große Rotte Wildschweine. Die Tiere liegen links und rechts der Piste und dösen in der Hitze des Nachmittags.



Wanderbaumelstern (Rufous Treepie) – eine in der Gegend weit verbreitete und wenig scheue Vogelart – nutzen das Schweinelager zur Parasitensuche.



Selbstverständlich lassen sich auch hier Axishirsche beobachten.



An dem großen See in Zone 5 angekommen, lassen wir den Blick über die schöne Landschaft schweifen. Sambarhirsche lieben die Wasserpflanzen in solchen Seen und können daher oft am Uferbereich beobachtet werden.



Und auch die weitere Fahrt durch den Wald hält so manche Sambarbegegnung für uns bereit.



Am Flussufer können wir in einiger Entfernung zwei indische Weichschildkröten ausmachen, die ein Sonnenbad nehmen.



In einem trockenen Bereich des Flussbetts begegnet uns schließlich auf kurze Distanz eine Rotmanguste. Endlich gelingt ein überzeugendes Foto dieses schönen kleinen Räubers. :)



Als Neuzugang auf unserer Birdingliste präsentiert sich uns bald darauf ein männliches Exemplar der Haubenammer (Crested Bunting).



Und auch als sich das Flusstal weiter verengt und der Wald dichter und grüner wird, lassen sich interessante Vögel entdecken.


Paddyreiher (Indian Pond Heron)


Schopfwespenbussard (Oriental Honey Buzzard)

Als wir einen mit hohem Uferbewuchs bestandenen Teil des Flusses erreichen, stehen dort bereits zwei Fahrzeuge. Wir erfahren, dass nicht lange zuvor ein Tiger die Piste gequert hat und nun irgendwo im dichten Gras des Flussbetts lagert. Unser Puls wird schneller: So nah waren wir einem Tiger bisher noch nie – nur wenige Meter trennen Piste und dichte Vegetation voneinander. Und trotzdem können wir keinen Fitzel der Katze entdecken… :side:

Also warten wir eine Weile und werden schließlich tatsächlich belohnt. Der Tiger erhebt sich und kommt durch den dichten Bewuchs genau auf uns zu. :cheer:



Ganz aufgeregt sind wir jetzt. Wir rechnen damit, dass er in wenigen Momenten aus dem hohen Gras heraustreten wird und bringen die Kameras in Position. Jedoch tut der Tiger uns diesen Gefallen nicht. :pinch: Nach wenigen Schritten lässt sich das Tier im Dickicht des Ufergrases wieder nieder und entzieht sich damit unseren Blicken erneut vollständig. :S
Gemeinsam mit fünf anderen Fahrzeugen warten wir nun eine weitere Weile, während sich der Nachmittag so langsam seinem Ende zuneigt. Als erfahrene Löwenbeobachter wissen wir natürlich, dass eine Raubkatze, wenn sie einmal liegt, gern auch mal länger liegenbleibt… :side:

Während wir hier stehen, warten und hoffen, wird es in den offenen Fahrzeugen rings um uns herum immer lauter. Menschen unterhalten sich ungedämpft von Gypsy zu Gypsy. So etwas kennen wir aus Afrika eher nicht und wir zweifeln, dass sich der Tiger bei dieser Geräuschkulisse zeigen mag. Und erst als unser Forestguide schließlich interveniert, wird das unangemessene Palaver leiser.

Während wir auf das gnädige Erscheinen des Tigers warten, können wir zum Glück das ein oder andere Tier beobachten. So wird die Zeit nicht zu lang.
Wir freuen uns über Wachtelfrankoline (Grey Francolin) mit Nachwuchs, die direkt neben unserem Fahrzeug herumwuseln.



Außerdem landet irgendwann ein Storchschnabelliest (Stork-billed Kingfisher) in den Bäumen am anderen Flussufer und präsentiert sich uns in bestem Licht. Ein beeindruckend großer und schöner Vogel!



Ein zum Trinken kommender Sambarhirsch wittert den nahen Tiger und stößt in Habachtstellung laute Warnrufe aus.



Nur der Tiger mag sich nicht erheben. Von unserer Position aus haben wir keine Chance ihn im dichten Grün zu entdecken. Als einige Fahrzeuge in Anbetracht der fortgeschrittenen Zeit aufgeben und die Rückfahrt antreten – schließlich befinden wir uns hier fast am Endpunkt der Zone 5 – können wir umparken und haben einen weitaus besseren Blick auf die Lagerstelle des Tigers.
Er liegt mit erhobenen Kopf in vielleicht fünf Metern Entfernung im Gras und blickt immer wieder aufmerksam in unsere Richtung. Viel mehr als seine Augen und Stirn können wir aber nicht erkennen. So nah und von unseren Traumfotos doch noch meilenweit entfernt.





Als wir am Ende fast allein mit dem Tiger sind, wechseln wir erneut die Position und können aus erhöhter Warte die nun flachliegende Katze portraitieren. Auch hier ist das hohe und dichte Gras nicht hilfreich. Den Gefallen aufzustehen, tut uns der Tiger leider nicht.



Aber wir wollen nicht meckern: Dies war unsere bisher beste Tigersichtung – auch wenn ich nicht behaupten kann, dass wir am Ende wirklich befriedigt sind. Zu sehr wünschen wir uns eine unverstelltere Begegnung und bessere Fotogelegenheiten.

Auf der Rückfahrt machen wir ganz kurz Halt am See. Zu schön ist das Licht hier gerade.



Aber die weit fortgeschrittene Zeit mahnt in Person unseres Fahrers zum Aufbruch. Wir müssen unbedingt pünktlich den Park verlassen haben!

Trotzdem dürfen wir bei der Sichtung eines Schwarznackenhasens kurz anhalten.



Als wir schließlich am Schlafbaum des Fischuhus vorbeikommen, finden wir diesen verwaist vor. Der Vogel hat sich bereits zur Jagd ans nahe Flussbett aufgemacht. Dort sitzt er nun noch fotogener als am frühen Nachmittag und wirft uns aus seinen leuchtend gelben Augen aufmerksame Blicke zu. Eine Minute zur Eulenbeobachtung ist zum Glück noch drin… B)



Im Dämmerlicht verlassen wir über einen Umweg den Park. Das Hauptgate ist heute Abend auf Grund von Protesten der lokalen Bevölkerung wegen des von dem Tiger getöteten Jungen nicht passierbar. Und so werden wir etwas unsanft aus unserer „Safariblase“ in die Probleme und Schrecknisse der „echten“ Welt zurückgeholt. So etwas macht nachdenklich und wirft Fragen auf, wie Wildtierschutz und menschliches Leben bei steigendem Bevölkerungsdruck in Zukunft miteinander vereinbar sein sollen.

Zurück im Hotel führt uns ein erneut rundum gutes Dinner zurück in den Urlaubsmodus. Drei von sechs Safaris im Ranthambhore Nationalpark liegen nun hinter uns –und unsere Traum-Tigersichtung lässt leider noch auf sich warten. Und so hat meine Frau die Idee, nach dem Abendessen noch Whisky und Martini zu ordern, um die Sichtungsfee zu bestechen. :)

Wir stoßen also an, auf dass das Safariglück uns am folgenden Tag hold(er) sein soll. Und die Sichtungsfee seufzt erleichtert: „Na endlich – warum denn nicht gleich so?“
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02 Jul 2025 19:32 #708836
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15. Kapitel: Ein perfekter Safari-Morgen im Ranthambhore

Same procedure as last day: Zu Sonnenaufgang stehen wir mehr oder weniger müde parat, um unser neues Gypsy-Team zu begrüßen. Dieses Mal bekommen wir einen Fahrer, der schon diverse Filmteams betreut hat. Wenn das keine gute Voraussetzung für eine gelungene Ausfahrt ist!
Wir nehmen unsere Stammplätze ein und los geht die Fahrt. Wie schon gestern Morgen, so kommen wir auch heute nicht ohne Unterbrechung am Gate an. Wieder stehen einige Gypsys an der Landstraße. Ob es erneut Lippenbären zu sehen gibt? Als wir aber hören, was heute dort in den Büschen unterwegs sein soll, sind wir noch mehr euphorisiert: Eine Streifenhyäne wurde gesichtet! :woohoo: Sobald unser Fahrer die Hyäne im dichten Gebüsch erspäht hat, beweist er seine Vorausschau und biegt mit hoher Geschwindigkeit auf einen nahen Feldweg ein. Jetzt heißt es festhalten! Einige Sekunden später sind wir strategisch günstig am Rand einer Lichtung positioniert. Und tatsächlich tritt die Hyäne nach kurzer Zeit aus den Büschen heraus. Auch CB ist jetzt ganz aus dem Häuschen und betont, dass dies wahrlich ein seltenes Sighting sei. Streifenhyänen sind als nachtaktive Einzelgänger auf den Safaris in den Nationalparks kaum zu entdecken. Was so eine Sichtungsfee-Bestechung doch alles erreichen kann! :)
Begeistert beobachten wir die Hyäne, wie sie entspannt (und ganz unverbuscht!) an uns vorbeitrottet und einen alten Kuhkadaver ansteuert. Hier wird ausgiebig geschnüffelt. Was für ein beeindruckendes Tier!





Schließlich verabschiedet sich die Hyäne wieder in die dichten Büsche, die die Lichtung umgeben und entschwindet damit bald unserem Blick. Wir sind selig – eine Streifenhyänensichtung hatten wir gar nicht auf unserem Wunschzettel. Und dass dieses Mal auch unser Fotobedürfnis befriedigt wird, lässt die vergangenen Momente zu den unangefochtenen Safarihöhepunkten der Reise werden. :cheer:

Mit einem breiten Lächeln in den Gesichtern fahren wir wenig später in den Nationalpark ein. Heute Morgen ist uns erneut Zone 2 zugewiesen worden, an die wir wegen der Leopardensichtung gute Erinnerungen haben.
Wegen der Hyänensichtung sind die anderen Besucher der Zone bereits unterwegs und so sind wir zu Beginn der Ausfahrt ganz allein unterwegs. Nach kurzer Zeit treffen wir aber bereits auf einen Gypsy, der mitten auf der Piste steht. Was wohl der Grund ist?
Als wir näherkommen, entdecken wir einen Lippenbären, der gerade den Weg quert. Das geht ja heute Schlag auf Schlag! :woohoo:



Der Bär marschiert die Böschung neben der Straße herunter und verharrt für einige Momente direkt unterhalb unseres Fahrzeugs. Zeit genug, um einige Portraits dieses spannenden Zeitgenossen zu machen.





Als er unten in der Talsohle angekommen ist, wird es aber noch besser. Balou setzt sich gemütlich auf sein Hinterteil und beginnt damit, spielerisch auf einem Stock herumzugnaulen.





Und dann wird sich ausgiebig gekratzt und geschubbert. Der Bär sieht dabei so drollig aus und präsentiert uns seinen prächtigen schneeweißen Kragen. Ein schöner Kontrast zu seinem tiefschwarzen Zottelfell.







Einige Minuten können wir den Bären bei Fellpflege und beim Faulenzen beobachten, dann setzt er seinen Weg fort und wir lassen ihn glücklich ziehen. Das Lächeln auf unseren Gesichtern wird noch breiter. Der Sichtungswilli-Ersatz lebe hoch! :cheer:

Wir steuern als nächstes eine Wasserstelle an. Unser Forestguide weist uns auf dem Weg dorthin auf den Tageseinstand einer weiteren Halsband-Zwergohreule (Collared Scops Owl) hin.



Nicht weit entfernt warten bereits einige Fahrzeuge, denn im dichten Busch soll sich ein Tiger verbergen, den wir beim besten Willen nicht erkennen können. Unsere Guides vermuten, dass das Tier bald zum Trinken gehen wird uns so positioniert unser Fahrer das Auto am Rand eines kleinen Flusslaufs.
Und dieses Mal dauert es nicht lange, bis sie ihren Auftritt hat: Noori (T-105), eine 2016 geborene Tigerin, tritt aus dem Dickicht heraus und kommt genau auf uns zu.



Wieder hat unser Fahrer den richtigen Riecher bewiesen. Endlich dürfen wir einen Tiger gänzlich frei von Buschwerk in freier Wildbahn betrachten. Was sind wir aufgeregt und euphorisiert!





Ganz entspannt quert Noori vor unserem Fahrzeug die Piste und steigt ins Flussbett hinunter.



Hier können wir sie durch Gebüsch hindurch beim Trinken beobachten. Als sie sich nach einigen Minuten in die uns abgewandte Richtung bewegt, antizipiert unser Safari-Team erneut treffsicher ihren Weg. Mit recht hoher Geschwindigkeit setzen sich die anwesenden Gypsys in Bewegung und umfahren das Waldstück, in dem der Tiger verschwunden ist.
Nach kurzer Wartezeit tritt Noori aus dem Dickicht und präsentiert sich erneut unseren begeisterten Blicken. Ab jetzt können wir sie für eine ganze Zeit auf ihrem Revierspaziergang begleiten.





Dabei können wir spannendes Tigerverhalten beobachten, denn nachdem die Katze zuerst entspannt durch ihr Territorium stolziert ist, verändert sich ihre Körpersprache plötzlich deutlich. Noori hat in den Jagdmodus umgeschaltet. Langsam und geduckt pirscht der Tiger durch den dichten Bodenbewuchs.



Plötzlich beschleunigt Noori und rennt in ins Dickicht, aus dem unvermittelt bestimmt zwanzig Axishirsche herauspreschen. Wenig später wird auch die etwas bedröppelt wirkende Jägerin wieder sichtbar: Der Jagdversuch war nicht von Erfolg gekrönt. Wegen der Schnelligkeit des Angriffs und des dichten Bewuchses gelingen hier leider keine vorzeigbaren Fotos. Zum Glück hat aber CB alles auf Video festhalten können.

Wir begleiten Noori weiter auf ihrem Weg.





Bald können wir sie dabei beobachten, wie sie ihr Revier markiert.



Ein Bengal-Tigerweibchen beansprucht ein etwa 23 Quadratkilometer großes Revier. Das Streifgebiet männlicher Tiere ist in etwa drei Mal so groß.

Sie quert nicht weit von uns die Piste und wir können sie beobachten, wie sie einen Hang entlangspaziert. Immer höher schreitet sie hinauf, bis sie schließlich aus unserem Blickfeld entschwindet.



All der Druck, der sich über die bisherigen Safaris aufgebaut hat, fällt nun ab. Mit diesen Tigerfotos kehren wir gern nach Hause zurück. :cheer:

Ganz entspannt fahren wir noch ein wenig durch Zone 2 und statten dabei der Zwergohreule einen zweiten Besuch ab.



Am fortgeschrittenen Morgen steht das Licht viel besser auf ihrem Tageseinstand und wir können die kleine Eule lange bei der Gefiederpflege beobachten.

Bald darauf macht eine weitere Vogel-Erstsichtung die Ausfahrt noch eine Spur besser. Neben der Piste sind zwei Goldschulterspechte (White-naped Woodpecker) unterwegs und emsig damit beschäftigt, ihren Appetit zu stillen. Das Männchen erkennt man an der tiefroten und das Weibchen an seiner gelben Krone.



Ein besonderes Highlight für unsere kleine Tochter ist ein Rad schlagender Pfau. Eigentlich erstaunlich, dass dies bei so vielen Pfauen auf all den Ausfahrten die erste Sichtung dieser Art ist.



Ein wenig später treffen wir noch auf einen Keiler, der unlängst eine Halbkörper-Schlammpackung genossen hat.



Und nachdem der Tigerdruck sich gänzlich verflüchtigt hat, finden wir auch mal die Zeit, das auf dem Berg thronende Fort ausgiebig zu betrachten.



Nun ist es einmal mehr Zeit, den Park zu verlassen und so rumpeln wir glücklich mit Hyänen-, Bären- und Tigersichtung im Gepäck Richtung Gate.
So einfach lässt uns eine milde gestimmte Sichtungsfee jedoch nicht davonkommen… Denn plötzlich – gar nicht weit von der Zonengrenze entfernt – erblicken wir erst einen Gypsy, der auf dem Weg steht und dann erneut Noori, wie sie auf einem Felsen über der Piste entlangmarschiert. Manchmal hat man als neu Dazukommender einfach Glück, denn die Tigerin hält genau auf unser Fahrzeug zu. Schräg über uns erscheint in wenigen Metern Entfernung die prächtige Raubkatze – das ist in dem ringsum offenen Gefährt gleichsam faszinierend und beunruhigend. Meine Frau ist froh, dass sie durch den Sucher ihrer Kamera schauen kann – so wird wenigstens eine kleine Illusion von Distanz erzeugt.



Zum Glück hat der Tiger aber kein Interesse daran, neben uns auf der Gypsy-Sitzbank Platz zu nehmen und dreht an der Felskante, die uns überragt, ab, um wenige Meter hinter unserem Fahrzeug die Böschung herabzuklettern und die Piste zu queren.



Das ist alles viel zu nah für vorzeigbare Fotos und wir sind einmal mehr froh, dass CB ein Video von dieser Nahbegegnung aufgezeichnet hat. Als Noori, nicht ohne uns auf Armeslänge entfernt noch intensive Blicke zuzuwerfen, bald im Dickicht des Dschungels verschwindet, sind wir uns sicher, dass dies einer der besten Gamedrives war, den wir jemals erleben durften. :)

Selig und tiefenentspannt kehren wir ins Hotel zurück. Das Frühstück schmeckt mit diesen Erlebnissen im Gedächtnis gleich nochmal doppelt so gut und überhaupt ist die Welt gerade ein schöner Ort. B)

Nach der obligatorischen Pool- und Chill-Pause geht es am Nachmittag wieder zurück nach Ranthambhore. Alles, was jetzt noch kommt, ist Zugabe.
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16. Kapitel: Tyger, Tyger, burning bright

Im Tagesablauf stellt sich Routine ein: Erfrischt von Pool und Nickerchen nehmen wir gegen 14 Uhr einmal mehr unsere Plätze auf einem Gypsy ein. Heute Nachmittag wurde uns Zone 4 des Nationalparks zugeteilt und die ist Neuland für uns.

Wieder geht die Fahrt zuerst zum Singhdwar Checkpost. Hier warten wir ein wenig vor dem noch verschlossenen Tor zur Safari-Zone. Ein professionelles Filmteam darf bereits vor uns einfahren, wir beobachten derweil einige Languren.



Wenige Minuten später öffnet sich auch für uns das Tor. Und einmal mehr haben sich davor nur wenige Autos versammelt. :)
Die Zonen vier und fünf teilen sich das Eingangstor und den ersten Teil der Strecke. Nach einigen Kilometern zweigt dann die Piste zur vierten Zone nach rechts ab und führt durch sehr lichten Wald zu großen Seen. Der Blick auf das Wasser erfüllt uns mit Staunen – die Landschaft ist wunderschön und friedlich stehen zahlreiche Sambars knietief im Wasser. Hier wollen wir natürlich anhalten und verweilen, aber unser Safari-Team signalisiert uns deutlich, dass wir das später noch machen könnten. Das klingt ganz so, als hätten sie einen Plan. B)

Auf der Fahrt erzählen sie uns von der Tigerin Riddhi, die mit ihrem bereits weitgehend erwachsenen Nachwuchs in diesem Revier lebt. Drei junge Tiger sollen es sein. Und die Familie habe einen Riss in der Nähe des Seeufers, der jedoch nicht von der Piste aus zu sehen sei. Mit recht hohem Tempo wird unsere Fahrt also fortgesetzt.
Nach wenigen Minuten erreichen wir ein Flussbett, das gut fünf Meter unterhalb einer bewaldeten Böschung neben der Piste entlangführt. Als CB nach schräg unten schaut, meldet er fröhlich: Tiger! :cheer: Und tatsächlich: Durch dichtes Geäst können wir einen Tigerrücken erspähen. Wir bleiben jedoch nur wenige Momente an diesem Ort, denn die Piste führt bald zum Flussbett herab, um es zu queren und dahinter wieder die Böschung hinaufzuführen. Als wir unten angekommen sind, sehen wir, dass das Filmteam bereits neben der Piste auf einem Felsen geparkt hat. Wir finden daneben einen ebenso guten Spot in der ersten Reihe. Und damit sind die Premiumplätze auch bereits vergeben.

Vor uns eröffnet sich der Blick in ein weitgehend trockenes Flussbett, dessen Restwasser sich in kleineren Tümpeln sammelt. Landschaftlich ist das sehr schön, aber unsere Blicke heften sich natürlich sogleich an die zwei hier anwesenden Tiger.
Ein Weibchen liegt vielleicht 15 Meter von uns entfernt auf den Felsen und döst in der Nachmittagshitze vor sich hin.



Ein wenig weiter entfernt hat es sich im Schatten eines Baums ein männlicher Tiger gemütlich gemacht.



Das müssen zwei von Riddhis Cubs sein. Sie sind rund zwei Jahre alt und damit quasi ausgewachsen. Deutlich wird auch der Unterschied in Größe und Statur zwischen den Geschlechtern. Das Männchen ist trotz seiner jungen Jahre schon ziemlich bullig.

Die nächste Zeit verbringen wir damit, auf die herumliegenden Katzen zu starren. Viel passiert dabei nicht. Ein ab und an mal angehobener Kopf ist das höchste der Gefühle.



Dazu kommt, dass es zu dieser Tageszeit noch richtig heiß ist und wir in der prallen Sonne stehen. Ohne Hüte und Kühltücher hätten wir das nicht so lange aushalten können.
Abwechslung bieten einige Rufous Treepies, die wenig scheu die nahen Bäume und sogar die zwei Gypsys bevölkern, die sich in zweiter Reihe eingefunden haben. Irgendwann landet eine der Wanderbaumelstern sogar auf meinem Hut – was zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. :silly:



Oberhalb der Böschung stehen nun auch zwei Canter, auch wenn man von dort aus kaum einen guten Blick auf die Tiger hat. Und so sind wir gerade sehr froh, dass wir nicht darauf bestanden haben, am schönen Seeufer einen Stopp einzulegen. Der Kater steht nach einiger Zeit tatsächlich auf und sucht sich einen neuen Lagerplatz auf einer Wiese. Leider wendet er uns dabei stets den Rücken zu, sodass hier keine schönen Fotos entstehen.

Nach langen und heißen Minuten lagert sich schließlich auch die Tigerin endlich um. Sie steht kurz auf und lässt sich einige Meter weiter im flachen Nass am Rand des Tümpels wieder nieder. Jetzt ist sie deutlich aktiver.


Es wird herzhaft gegähnt.


Ausgiebig geputzt.


Es werden uns intensive Blicke zugeworfen. (Übrigens eines meiner Lieblingsfotos.)

Irgendwann steht die Katze dann endgültig auf. Was ist das für ein schönes Tier!





Sie macht sich schließlich daran, die felsige Böschung zu erklimmen, was dazu führt, dass die anwesenden Fahrzeuge in Aktion geraten. Alle möchten einen guten Platz haben, wenn die Tigerin zum nahen Seeufer schreitet. Und auch wir möchten unser Glück versuchen, denn ihr Bruder schläft augenscheinlich tief und fest. Unsere fantastische Position im Flussbett sorgt natürlich dafür, dass wir jetzt das Nachsehen haben und so fahren wir, als sich oberhalb der Böschung ein Kuddelmuddel aus Fahrzeugen bildet, einen Stichweg direkt zum Seeufer. Auch hier ist es landschaftlich wieder überaus schön. Noch schöner ist jedoch, dass wir am gegenüberliegenden Ufer einen umherstreifenden Lippenbären entdecken können.



Aus der Ferne können wir wahrnehmen, dass die Tigerin gar nicht vorhat zum Ufer zu kommen und sich weiter durch den Wald entfernt. Also beschließen wir, schnell ins Flussbett zurückzukehren, bevor ein anderes Fahrzeug unseren Premiumplatz einnehmen kann. Das gelingt zum Glück, denn nur das Filmteam ist an Ort und Stelle geblieben. Ein kurzer Blick in die Szenerie offenbart, dass unser Tigermännchen Gesellschaft bekommen hat: Sein Bruder ist während unserer Abwesenheit aufgetaucht und nun liegen beide auf der Uferwiese herum.





Ganz verzückt sind wir, als einer der beiden aufsteht und Kontakt zum anderen sucht. Es wird geschnüffelt und bald ausgiebig geschleckt. Ein toller Anblick bei diesen riesigen Katzen.



Während einer der Brüder sich wieder auf die Seite fallen lässt, um weiterzuschlafen, steht der andere auf, um seinen Durst zu stillen.



Danach kommt er direkt auf uns zu.



Schließlich ändert er seine Laufrichtung und klettert die Böschung hinauf. Wieder fahren wir mit rasanter Geschwindigkeit („Hold tight!“) zum Seeufer, um ihn dort zu erwarten. Hier haben sich nun auch schon einige andere Autos strategisch günstig positioniert. Unser Fahrer ist aber so versiert, dass wir immer einen guten Platz finden.
Bald erscheint er aus dem Dickicht: Ein Prachtkerl im warmen Licht des späten Nachmittags. Begeistert klicken unsere Kameras. Jetzt entstehen meine absoluten Lieblingsportraits. :cheer:







Der Tiger nähert sich dem Seeufer, legt sich dabei immer wieder nieder und setzt nach einigen Minuten seinen Weg fort.





Während er herumliegt, lassen wir unsere Blicke schweifen und können eine Goldschnepfe (Greater Painted Snipe) entdecken. Es handelt sich um ein Weibchen. Ungewöhnlich für die Vogelwelt ist, dass bei den Goldschnepfen das Weibchen das farbenprächtigere Geschlecht ist.



Bald wird unsere Aufmerksamkeit aber wieder von dem Tiger gefesselt, denn die Katze hat sich nun höchst fotogen auf einer kleinen Landzunge drapiert. Hier scheint es ihr zu gefallen, denn von nun an rührt sie sich nicht mehr vom Fleck. Das ist uns ganz recht, denn wir haben erneut einen sehr guten Beobachtungsplatz und können den Tiger im warmen Licht anschauen und fotografieren.





Zwischendurch nähert sich von hinten ein Sambarhirsch und stößt laute Warnrufe aus.



Unsere Kinder möchten keine Tiger sein. Sie finden es nicht erstrebenswert, ein Lebewesen zu sein, vor dem beim ersten Anblick gewarnt und geflohen wird. Man stelle sich das mal in der Schule vor: Wie gemein! ;)

Wir genießen unsere letzten Minuten in der Nähe des Tigers, denn schon bald müssen wir den Nationalpark verlassen.



Dass wir an diesem Nachmittag stundenlang auf Tiger starren dürfen, hat unsere Erwartungen weit übertroffen – die Sichtungsfee muss wirklich auf dem Trockenen gesessen haben… :laugh:

Tief zufrieden verabschieden wir uns vor dem wunderschönen Tiger: What immortal hand or eye could frame thy fearful symmetry?



Einmal halten wir noch kurz am Seeufer, um eine weitere Vogel-Erstsichtung zu dokumentieren: Ein Bronzeblatthühnchen (Bronze-winged jacana).



Auf dem Rückweg kommt es dann noch zu einem weiteren Highlight für uns. In einem Baum neben der Piste haben Dschungelnachtschwalben (Jungle Nightjar) ihren Schlafplatz.



Die Tiere müssen sich hier regelmäßig aufhalten, denn sonst kann ich mir nicht erklären, wir der Forestguide sie während der Fahrt trotz perfekter Tarnung entdecken konnte. Zwei Tiere können wir beobachten. Das ist für uns ein perfekter Abschluss eines perfekten Safaritags.

Nach unserer Rückkehr gibt es wieder ein gutes Trinkgeld für Fahrer und Forestguide. Ein letztes Mal genießen wir das sehr gute Abendessen des Hotels und fallen danach hundemüde in die Betten.

Tyger Tyger, burning bright,
In the forests of the night;
What immortal hand or eye,
Could frame thy fearful symmetry?

Ob wir von Tigern träumen werden?
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