THEMA: Schlaflos in Norwegen - Sommer 2024
26 Jan 2025 18:58 #701444
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  • H.Badger am 26 Jan 2025 18:58
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2. Station: Lunde Turiststasjon, Bøyabreen und Jølstravatnet

Als wir am Vormittag Bergen gen Norden verlassen, liegen 230 Kilometer Wegstrecke vor uns, auf die wir uns freuen. In Norwegen fährt man im Vergleich zu unserer Heimat so herrlich entspannt und die Landschaft weiß einen auch durch das Autofenster sehr oft gut zu unterhalten. Und für den Fall der Fälle sind die Akkus von Switch und Tablet gut geladen – damit Spotify und Co einspringen können, wenn der Blick aus dem Fenster für die Kids mal an Reiz verlieren sollte.
Für die Strecke weist Google Maps eine Fahrzeit von knapp vier Stunden aus. Auf das langsame Vorankommen waren wir eingestellt und wir verlängern die Zeit noch gern durch regelmäßige Stopps am Wegesrand zum Beinevertreten und „Ah und Oh“-Sagen. Immer wieder gibt es Gelegenheit an kleinen Bachläufen zu halten, um die Füße ins kühle Nass zu halten oder um auf Felsbrocken herumzuklettern. So wird die Fahrt auch für die Kinder nicht zu lang. Das schöne Wetter tut sein Übriges: Wir haben richtig gute Laune.

Die Landschaft ist von Wasser und Bergen geprägt. Quasi im Minutentakt gibt es schöne Aussichten.





Bald steht auch eine kleine Fährfahrt über den Sognefjord an. Wir finden es immer wieder bemerkenswert, wie Straßen hier einfach an einem Fährkai enden.



Auch diese Fähre ist eine willkommene Abwechslung auf der Fahrt. Aussteigen, an Deck stehen, den Wind und die vorbeiziehende Landschaft genießen und dabei vielleicht Pølse essen: Das ist schon alles sehr fein.





Nachdem wir wieder an Land gefahren sind, setzen wir die Fahrt bis zum Huldefossen fort und erleben einen Wasserfall, der unbedingt einen Abstecher wert ist. Von einem kleinen Parkplatz läuft man etwa 500 Meter zum Wasserfall. 92 Meter fallen die Wassermassen hier laut rauschend in die Tiefe. Ein lohnender Anblick!





Unser heutiges Etappenziel – die Lunde Turiststasjon – liegt am südwestlichen Rand des Jostedalsbre, dem größten europäischen Festlandgletscher. In Nord-Ost-Richtung hat er eine Länge von etwa 40 Kilometern und ist in südwestlicher Richtung etwa 15 Kilometer breit. Seine Eisschicht ist bis zu 500 m dick. Auf der weiteren Fahrt eröffnen sich erste Blicke auf die Ränder dieser gigantischen Eismassen.



Unser Quartier kennen wir bereits von unserer Reise im Vorjahr – trotz des grauen Wetters hatte uns es dort damals so gut gefallen, dass wir unbedingt wiederkommen wollten. Das liegt vor allem an der Lage der kleinen Unterkunft in einem recht engen Gletschertal. Zur einen Seite öffnet sich das Tal malerisch zum Jølstravatnet, einem großen See, zur anderen wird es von schroffen Felswänden abgeschlossen. Oben thront der Jostedalsbre.



Lunde ist eine Ansammlung weniger Häuser. In der Hauptsache besteht es aus einem Bauernhof, zu dem auch der Gastbetrieb gehört. Dieser umfasst einige Zimmer im Haupthaus und eine Handvoll Blockhütten.



Alles recht einfach mit (sauberem) Gemeinschaftsbad und rein auf Selbstversorgung ausgelegt. Aber hier zählt Lage, Lage, Lage: Vor unserem Häuschen ein rauschender Wildbach, darüber Gletscherkante und Wasserfälle. Norwegen aus dem Bilderbuch.


(Blick vor unserem Häuschen)


(Teleobjektivblick von unserer Terrasse zum Jostedalsbre)

Dieses Jahr spielt das Wetter sehr gut mit und wir erleben die Schönheit der Umgebung bei strahlendem Sonnenschein. Eine wunderbare Kontrasterfahrung zu 2023.

Schnell sind die Betten mit der mitgebrachten Bettwäsche bezogen und wir beschließen, die Gunst der Stunde zu nutzen, um Bøyabreen einen Besuch abzustatten. Dieser Auslassgletscher des Jostedalsbre liegt nur etwa 9 Kilometer von unserer Unterkunft entfernt – den größten Teil davon fährt man durch einen nicht enden wollenden Tunnel.
Der Bøyabre wird als Hauptzunge des Jostedalsbre angesehen. Seinen höchsten Punkt hat er bei 1700 Metern, der untere Zungenrand befindet sich derzeit auf etwa 300 Metern Höhe.
Vom Parkplatz ist es ein kurzer Spaziergang bis zum See, der sich unterhalb der Gletscherzunge gebildet hat. Von dort bieten sich ganz wunderbare Blicke auf den Gletscher und die steilen Felswände mit ihren Wasserfällen. Das war auch 2023 bei starker Bewölkung schon beeindruckend. Jetzt aber, wo das Eis in schönem Kontrast zum Blau des Himmels steht, ist es nochmal um Einiges besser.







Die weiteren Nachmittagsstunden verbringen wir am nahen Ufer des Jølstravatnet östlich von Lunde. Hier sind wir ganz allein und können die Ruhe und die Landschaft in vollen Zügen genießen. Ich selbst bin ja das Gegenteil einer Wasserratte. Der Rest der Familie aber nutzt den schönen - und dank Gletscherwasser gehörig kalten - See und das wunderbare Sommerwetter dazu, um ausgiebig zu schwimmen. So stellt sich der Nachwuchs einen gelungenen Sommerurlaub vor.



Wir bereiten ein einfaches Abendessen in unserer Hütte und nutzen dann die frühen Abendstunden für einen Spaziergang in Richtung See. Letztes Jahr konnten wir hier viel Rotwild beobachten, das sich in diesem Sommer leider nicht zeigen mag. Wir müssen uns also mit dem abendlichen Blick auf den Jølstravatnet begnügen.



Der Tag wird von einem weiteren echten Höhepunkt abgeschlossen. Bei unserem ersten Aufenthalt 2023 haben wir entdeckt, dass Lunde einen Hot Tub anbietet. Unter freiem Himmel und mit Premiumblick auf die zauberhafte Landschaft kann man hier im warmen Wasser vor sich hin sprudeln und dümpeln. Dieses Familienerlebnis, das wir beim ersten Mal im kühlen Nieselregen genießen durften, wollten wir unbedingt wiederholen und haben deshalb den Whirlpool direkt bei unserer Buchung für uns reserviert. Und auch heute ist es wieder eine großartige Sache, wenn auch die Außentemperatur so ist, dass man das Wasser des Hot Tubs gar nicht zum Aufwärmen nötig hat. Aber allein der Blick und das gemeinsame Erleben – einfach wunderbar. :)

Den morgigen Tag, das nehmen wir uns vor, wollen wir mit einem Frühstück am Bøyabre beginnen. Nun sind wir richtig angekommen.
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26 Jan 2025 19:26 #701446
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H.Badger schrieb:
Es rauscht der wilde Wasserfall
vom Berg hinab ins tiefe Tal.
Vom Berge rauscht der Wasserfall,
wenn's nicht mehr rauscht, ist's Wasser all.
;-)
Mit dem Fahrrad unterwegs in Namibia, Zambia, Zimbabwe, Malawi, Tanzania, Kenya, Uganda, Kamerun, Ghana, Guinea-Bissau, Senegal, Gambia, Sierra Leone, Rwanda, Südafrika, Eswatini (Swaziland), Jordanien, Thailand, Surinam, Französisch-Guyana, Alaska, Canada, Neuseeland, Europa ...
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27 Jan 2025 07:59 #701471
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Hallo Badger,
tolle Fotos! Weckt Sehnsucht in mir, zumal ich einiges wiedererkenne!

Danke für den Bericht!
Grüße
Dieter
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27 Jan 2025 22:23 #701504
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@ Wolfgang
Danke für den Reim! Jetzt haben die Kinder etwas Neues im Repertoire. :)

@ Dieter
Wie schön, dass die Fotos schöne Erinnerungen wecken. So soll es sein!

@ all
Ich habe mal in unseren 2023er Norwegen-Fotos geschaut.
Hier einige Aufnahmen. Gleicher Ort, anderes Wetter, ganz andere Stimmung.
Ich bevorzuge ja die 2024er Version. :P


Blick auf Lunde


Bøyabreen

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28 Jan 2025 22:20 #701563
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Station 3.1: Die Insel Runde, der südlichste Vogelfelsen Norwegens

Auch heute ist es trocken und so können wir unseren Plan in die Tat umsetzen. Wir packen ein Picknick, fahren zum nahen Bøyabre, besetzen eine der Bänke am Gletschersee und genießen ein ausgiebiges Frühstück.
Die Kinder wünschen sich auf jeden Fall noch Zeit am See, bevor wir die Weiterfahrt antreten, und natürlich kommen wir als gute Eltern diesem Wunsch gern nach.





Dann heißt es Abschied nehmen von Lunde. Schön war es, diesen Ort bei Sonnenschein erleben zu dürfen. Falls wir mal wieder in der Gegend sein sollten, wäre ein Zwischenstopp in Lunde immer gesetzt.

Heute wird uns der Weg wieder gen Küste führen. Die „Vogelinsel“ Runde ist unser Ziel für die nächsten zwei Tage. Die Etappe ist mit etwa 160 Kilometern überschaubar – trotzdem sind wir gut drei Stunden unterwegs. Am Nordfjord entlang geht es ein ganzes Stück nach Nordwesten, um in Küstennähe dann stracks nach Norden zu fahren. Dabei bieten sich landestypisch immer wieder schöne Ausblicke.



Runde ist der mit Abstand am einfachsten zu erreichende Ort in Norwegen, wenn es darum geht, Papageitaucher und andere Seevögel zu beobachten. Die Insel ist über eine Brücke mit dem Festland verbunden. Auch auf den Lofoten kann man auf den Inseln Værøy und Røst Puffins beobachten – aber das Hinkommen gestaltet sich umständlich und ist ohne eine Übernachtung vor Ort wohl auch wenig sinnvoll. Daher sind wir rückblickend sehr froh, Runde auf dem Weg in den höheren Norden als Etappenziel eingebaut zu haben.

Wir haben für die nächsten Tage eine Ferienwohnung im Runde Miljøsenter gebucht. Es ist eine von acht Wohnungen, die angeschlossen sind an ein Umweltzentrum mit Café und kleiner Naturkundeausstellung. Auch werden hier abendliche Puffin-Safaris angeboten. Über den Sinn dieser geführten Aktivität haben wir gegrübelt, denn das Auffinden der Papageitaucher stellt nicht die größte Herausforderung auf Runde dar.



Abgesehen von dem Miljøsenter gibt es nur wenige Betten auf der kleinen Insel. Unterkunft findet man vor allem auf dem Campingplatz. Früher konnte man auf Runde Bootstouren zu den Vogelfelsen unternehmen, das kleine Ausflugsboot „Aquila“ liegt noch im Hafen. Als wir dort waren, wurde uns jedoch gesagt, dass diese Touren nur noch Campingplatzgästen vorbehalten sind und eigentlich gar nicht mehr so richtig angeboten werden. Ich denke, dies mag daran liegen, dass der Bootsführer nicht mehr der jüngste ist. Ich finde es bemerkenswert, dass Bootsausflüge, die sicher eine gute Einnahmequelle während der Brutsaison wären, hier nicht mehr regelmäßig durchgeführt werden. Vielleicht sollten wir saisonal auswandern? :P

Und so kommt man nur zur Fuß zu den Vögeln. Und das kostet auf Runde tatsächlich einige Mühe. Der Weg, der gleich hinter dem Campingplatz abzweigt, zieht sich steil (!) hinauf auf den Felsen, der die Insel dominiert. Der Anstieg ist wirklich kräftezehrend. Unermüdlich stapfen wir am späten Nachmittag hinauf. Viel früher lohnt sich der Aufstieg für die Papageitaucherbeobachtung auch nicht, denn die kleinen Vögel kehren erst in den Abendstunden in großer Zahl von der Nahrungssuche auf dem offenen Meer zu ihrem Brutfelsen zurück. Brutsaison ist von April bis etwa Anfang August.

Herrscht auf Meereshöhe am Saum der Insel noch recht klare Sicht, so begeben wir uns, je höher wir steigen, in die tiefhängenden Wolken, die vom frischen Wind über die Küste getragen werden und sich dabei gern zäh am gigantischen Felsblock Rundes festsetzen. Nach all der Anstrengung des Aufstiegs haben wir Sorge, durch den Wolkennebel kaum einen Vogel entdecken zu können.



Das Plateau des Felsens wird von niedriger Vegetation dominiert, die von einigen Bohlenwegen durchzogen wird. Es zeigen sich Schafe im Nebel.



Von Fernsicht kann heute Nachmittag wahrlich keine Rede sein, da ist es ein schöner Moment, als wir eine Bekassine direkt neben dem Bohlenweg entdecken können, die mit zwei Küken unterwegs ist. Immerhin ein vernünftiges Portrait des Altvogels entsteht im dichten Bodenbewuchs, bevor die Schnepfen sich unseren Blicken entziehen.



Lundeura, der Brutfelsen der Puffins, ist durch Holzwegweiser gut ausgeschildert. Und so erreichen wir den schroffen Ort nach einem guten Fußmarsch, der am Ende an der Steilküste Rundes entlangführt. Schon hier lichtet sich die lästige Wolkenwand und wir sind guter Dinge, dass wir gleich den ein oder anderen Papageitaucher entdecken werden können.



Am Puffinfelsen ist man wahrscheinlich selten allein. Trotz der Beliebtheit dieser Beobachtungsstelle ist sie erstaunlich unwegsam. Um gute Beobachtungspositionen zu finden, muss man durchaus über nass-glatte Felsbrocken und Schlammpfützen kraxeln. Dann aber kann man das muntere Treiben der Papageitaucher so richtig genießen.





Oft sieht man die Vögel von oben herab an den Felswänden hocken – keine schöne Fotoposition. Immer wieder aber sitzen die Puffins jedoch auch auf Augenhöhe und teilweise in erstaunlicher Nahdistanz. So gelingen uns einige Portraits dieser Charaktervögel des Nordens.







In ein paar hundert Metern Entfernung kann man vom Lundeura den Rundebranden erspähen. An diesem Felsen brütet eine große Kolonie von Basstölpeln. Leider lag der Felsen aber bei jedem unserer Annäherungsversuche in dichten Wolken verborgen. Wir haben das lautstarke Gezänk der Tölpel gut hören können, Blicke waren uns kaum vergönnt.



Irgendwann beginnt es zu nieseln und die Kinder haben aus nachvollziehbaren Gründen auch keine rechte Lust mehr. Und so machen wir uns auf den Rückweg. Auf dem Plateau brüten einige Paare der Großen Raubmöwe (Skua), die wir beim Aufstieg noch nicht entdecken konnten. Trotz des Nieselregens hat sich die Weitsicht nun eher verbessert und so können wir noch einen Vertreter dieser enorm großen Vögel im Flug erwischen. Das freut den Birder.



Ziemlich erschöpft erreichen wir zu fortgeschrittener Stunde unsere Unterkunft und legen uns erstmal hin. Der Regen hat aufgehört und was nun folgt, gehört zu den „Magic Moments“ dieser Reise. Die untergehende Sonne präsentiert uns ein Farbenspiel, das wir in dieser Intensität kaum je erlebt haben. Dunkelrot leuchtet die Festlandküste. Eine Stimmung, die unsere Fotos nur unvollständig wiedergeben können. Wir sind absolut verzaubert.









Hundemüde geht es dann – wieder einmal viel zu spät – in unsere Betten. Morgen steht zum Glück nochmal ein ganzer Tag auf der Insel Runde an. Wir freuen uns darauf.
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Letzte Änderung: 28 Jan 2025 22:26 von H.Badger.
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29 Jan 2025 06:08 #701569
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Hallo Sascha, auch ich möchte mich für Deinen Bericht bedanken. Ich lese ihn paralell zu Carstens und Eure Bilder machen Lust auf Norwegen. Wenn man nur das Wetter auch dazu buchen könnte.
Im Februar reise ich errstmals nach Sri Lanka. Auch dazu hat mir Dein Reisebericht und der von Tina wertvolle Tips und Eindrücke gewährt. Ich bin gespannt.
Liebe Grüße Kirsten
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