1. Station: Anreise und Bergen
Nachdem wir einige wunderbar sonnige und bis zum Rand mit Kulturprogramm gefüllte Tage im schönen Hamburg verbracht haben, geht für uns die Reise weiter nach Hirtshals in Dänemark, von wo unsere Fähre gen Bergen in See stechen wird. Uns war es wichtig, möglichst weit nördlich in Norwegen mit dem Auto zu starten, um den wirklich langen Weg hinauf auf die Lofoten nicht noch länger werden zu lassen.
Die Anfahrt nach Hirtshals zieht sich jedoch über eine gefühlt schnurgerade Autobahn ganz schön in die Länge und bei windigem Wolkenwetter erreichen wir am späten Nachmittag zuerst den rauen Nordseestrand, an dem wir uns ein wenig die Beine vertreten, und schließlich den Fähranleger.
Nun ist leider langes Warten angesagt: Ein LKW mit Anhänger ist auf einem der Fahrzeugdecks liegengeblieben, er lässt sich nicht mehr starten. Das Riesengefährt aus dem Bauch der Fähre zu entfernen, stellt sich als Herausforderung heraus, die unsere Abfahrt um einige Stunden nach hinten schieben wird. Und so stehen wir uns gemeinsam mit vielen anderen Menschen die Beine in den Bauch, bis irgendwann schweres Abschleppgerät herbeigeschafft ist und Erfolg vermeldet werden kann. Immerhin gab es Toiletten im Fährhafen, wenn auch nichts Anderes…
Erschöpft von dem Fahr- und Herumstehtag befahren wir schließlich die Fähre, die im Vergleich mit den „Kreuzfahrtfähren“ aus Kiel eher überschaubare Ausmaße hat.
Das Auto ist zum Glück schnell geparkt und wir können unsere Doppelstockbett-Viererkabine beziehen.
Im schwindenden Licht des Tages heißt es schließlich „Auf Wiedersehen, Dänemark!“
Die Fahrt verläuft zum Glück ruhig. Den Abend verbringen wir mit Deckspaziergängen, bei mittelmäßiger Pizza und – was meine Person betrifft – einer leichten Migräne. Daher freue ich mich sehr auf die Koje. Alles in allem ist diese Art zu reisen auch mit Kopfschmerzen viel schöner als ein Langstrecken-Nachtflug.
Am nächsten Morgen geht es mir wieder besser. Leider sind aber auf dieser Linie die Kabinen arg früh zu räumen und so müssen sich alle Passagiere irgendwo in den Aufenthaltsräumen der Fähre einen Platz suchen, um die letzten Stunden bis Bergen zu verbringen. Das ist bei einem beschränkt vorhandenen Sitzangebot gar nicht so einfach und bleibt auch, wenn man sein Plätzchen gefunden hat, eher beengt.
Zum Glück zeigt sich das Wetter so, dass man sich auch an Deck aufhalten kann. Es ist zwar ziemlich wolkig, aber die Fahrt entlang der norwegischen Küste ist es wert, sich die frische Brise um die Nase wehen zu lassen.
Als dann irgendwann noch eine große Schule Delfine die Fähre begleitet und immer wieder durch Sprünge und Spiralen zu unterhalten weiß, ist die Anfahrt eine beinahe rundum gelungene. Wäre nicht bloß das Teleobjektiv gut verschlossen im Kofferraum auf dem Fahrzeugdeck…
Schließlich kommt Bergen in Sicht und bereits vom Wasser aus bietet die Stadt ein schönes Bild. Eine Nacht werden wir hier verbringen. Damit haben wir eineinhalb Tage Zeit, um einen Ersteindruck von der Stadt zu bekommen.
Unsere Ferienwohnung liegt etwas außerhalb des Zentrums, man kann vor Ort nicht wirklich parken und so stellen wir unser Auto für heute und morgen in einer (teuren!) Tiefgarage ab und schleppen das nötige Gepäck samt sperriger Fotoausrüstung zur Herberge. Der Weg dorthin sah auf der Karte gar nicht so weit aus... Da Bergen aber ziemlich hügelig daherkommt, ist dies am Ende eine anstrengende Aktion – da hätten wir bei der Unterkunftswahl umsichtiger planen müssen. Aber wer es nicht im Kopf hat, hat es in den Beinen. Überdies ist die Wohnung noch nicht einmal wirklich schön. Aber für eine Nacht solls reichen.
Trotzdem lädt der heutige Tag noch zu einem ausgedehnten Stadtrundgang ein. Es ist trocken, aber eben ziemlich bewölkt. Ob sich das Grau in Grau von 2023 wiederholen wird? Schließlich regnet es in Bergen durchschnittlich an 19 Tagen im Monat… Ein Blick auf die Wetter-APP - wir vertrauen auch zuhause gern der Kompetenz von yr.no – lässt aufatmen. Kein Regen in Sicht und blauer Himmel für den kommenden Tag. Welch schöne (und unerwartete) Perspektive!
Wir besuchen am Ankunftstag den Hafen mit dem Blick auf das malerische Hanseviertel Bryggen. Die alten Holzhäuser und so manches dort festgemachte Schiff lassen uns unvermittelt an den Skandinavienbereich im Europapark denken. Eigentlich alles zu malerisch, um echt zu sein.
Einen Spaziergang durch die kleinen Gassen des Gebäudeensembles von Bryggen empfinden wir als sehr lohnend. Seit 1979 steht das Hanseviertel mit seinen etwa 60 Gebäuden auf der Liste des Weltkulturerbes der UNESCO und gilt als bedeutendste historische Sehenswürdigkeit Bergens. Ein Abstecher zum nahen Rosenkrantzturm rundet den schönen Altstadtspaziergang ab.
Überall gibt es hier nette Läden und Cafés, die zum Verweilen einladen. Wenn da nicht das norwegische Preisniveau wäre – aber für eine (leider mittelprächtige) heiße Schokolade wird es noch reichen. Auch gibt es am Hafen eine recht hippe Markthalle mit allerlei Speis und Trank – aber hier siegt dann doch am Ende die Sparsamkeit…
Der zweite Bergen-Morgen empfängt uns tatsächlich mit strahlendem Sonnenschein. Also nichts wie raus aus den Federn!
Der frühe Spaziergang lässt die Stadt im schönen Morgenlicht nochmal ganz anders wirken als am Vortag. Hier z.B. das Jugendstiltheater mit der Ibsen-Statue, bei der wir uns gefragt haben, ob sich der Dramatiker wohl so gefallen hätte.
Am Hafenbecken werden wir vom Morgennebel über dem Wasser empfangen. Das sorgt für eine ganz besondere Stimmung.
Und nun zur Fløibanen spaziert! Diese Standseilbahn zählt zu den Attraktionen Bergens. In etwa fünf Minuten bringt sie uns rund 300 Meter nach oben auf den 320 Meter hohen Fløyen. (Tipp: Man kann Fahrkarten entweder am Schalter oder am Automaten kaufen. Am Schalter kommt es oft zu Schlangenbildung, am Automaten nicht…)
Die Fahrt ist nett. Viel mehr als das – nämlich wirklich spektakulär – ist der Blick, der einen an der Bergstation erwartet – der Nebel tut dabei sein Übriges. Man kann sich gar nicht satt sehen.
Wir spazieren etwas auf dem Berg herum. Hier gibt es Wanderwege, einen schönen Spielplatz und Ziegen, an denen sich die Kinder erstmal feststreicheln. Ein beneidenswert schönes Naherholungsgebiet. Die Lebensqualität in Bergen scheint schon immens zu sein – 19 Tage Regen im Monat hin oder her.
Als wir zurück zur Bergstation kommen, hat sich der Nebel gänzlich aufgelöst. Toll ist der Blick noch immer.
Nach dem Runterfahren wird ausgiebig in einer bezahlbaren Bäckerei gefrühstückt und dann ruft auch schon die Weiterreise.
Kurzum: Bergen war für uns ein wunderbarer Ausgangspunkt für eine Reise durch Norwegen. Nach der Zeit in der Stadt freuen wir uns aber jetzt auf die großartige Natur Westnorwegens.