Nationalpark Monfragüe, Spanien
Im Frühjahr 2024 haben wir eine Rundreise durch Spanien unternommen. Dabei haben wir neben einem ausgesprochen lohnenswerten Kulturprogramm in Barcelona, Toledo und Madrid auch dem Nationalpark Monfragüe einen mehrtägigen Besuch abgestattet. Ein bisschen Wildlife muss schließlich sein.
Vor Antritt der Reise hatte ich schon viel über den Nationalpark gelesen und die Erwartungen waren entsprechend recht hoch. Und sie wurden absolut erfüllt.
Das Schutzgebiet liegt in der Extremadura und ist ein wahres Eldorado für Vogelbeobachtungen.
Es gibt einige ausgewiesene Trails zum Wandern und eine ausgebaute Straße, die sich am Fluss entlang durch den Nationalpark schlängelt. Diese Straße (auch wiederholt) zu fahren, ist sehr empfehlenswert. Sie führt durch schöne Landschaft und an einigen Aussichtspunkten vorbei, an denen man das Auto verlassen kann und die oftmals an malerischen Felsformationen liegen, die von diversen Vogelarten als Brutplatz genutzt werden. Und auch an der Straße sitzt der ein oder andere Vogel.
Am Mirador de la portilla del Tiétar brüten beispielsweise der seltene Iberienadler oder der Uhu, die wir beide bei unserem Besuch leider nicht entdecken konnten. Dafür flogen uns Schlangen- und Habichtsadler über den Weg.
Schlangenadler im Überflug - mit Beute
Andere Felsen sind primär das Brutrevier von Geiern. Am häufigsten sind mit Abstand die Gänsegeier. Aber es lassen sich auch die beeindruckenden Mönchsgeier und die kleinen Schmutzgeier beobachten.
Der unbestritten beste Aussichtspunkt ist wahrscheinlich der Salto del Gitano, der unterhalb des Castillo del Monfragüe liegt (linke gelbe Markierung auf der Übersichtskarte). An diesem steilen Felsen brüten unzählige Gänsegeier.
Aber auch die anderen Geierarten, der Wanderfalke, der Schlangenadler, der Schwarzmilan, der Schwarzstorch, die Zippammer, das Rothuhn oder die Blaumerle lassen sich hier auf kleinem Raum beobachten. Sich hier mit Fernglas und Teleobjektiv zu platzieren (und dabei gar nicht so viel Geduld haben zu müssen), führt garantiert zu schönen Beobachtungen. Da die Entfernung zwischen Aussichtspunkt und Brutplatz in der Regel doch etwas größer ist, sollte man nicht nur mit bloßem Auge ausgerüstet sein, wobei die Tiere fliegend einem teilweise doch recht nahe kommen und einige wenige Gänsegeierpaare auch direkt am Felsen neben der Beobachtungsstelle brüten.
Gänsegeier im Anflug
Schmutzgeier im Überflug
Der riesige Mönchsgeier
Blaumerle
Zippammer
Schwarzmilan
Schwarzstorch im Nest
Felsenschwalbe
In der Nähe des Salto del Gitano lohnt außerdem der Aufstieg zum Kastell unbedingt. Hier fliegen Geier auf Augenhöhe an einem vorbei. Auch lassen sich auf dem Weg steinzeitliche Felszeichnungen bewundern. Und der Ausblick über den Nationalpark entschädigt für den mäßig anstrengenden Anstieg.
Auf den kleineren Trails des Nationalparks entdeckt man beispielsweise den Iberienwürger, den Rotkopfwürger, die Blauelster oder die wirklich schöne Iberien-Bartgrasmücke.
Iberienwürger
Rotkopfwürger
Iberien-Bartgrasmücke
Außerdem ist der Park von wenig scheuem Rotwild bevölkert, das sich teilweise auch in den einzigen Ort des Schutzgebiets vorwagt und sich dort aus nächster Nähe beobachten lässt.
abendlicher Blick aus der Ferienwohnung
Dieser Ort, der eigentlich nur eine kleine Straße mit vielleicht zehn Gebäuden ist, heißt Villarreal de San Carlos.
Hier gibt es ein paar (einfache) Ferienwohnungen und ein kleines Besucherzentrum. Wir haben in einer der Wohnungen übernachtet und würden es immer wieder tun, denn das erspart den (u.U. weiten) Anfahrtsweg aus einer der umliegenden Ortschaften. Vom Fenster aus sahen wir morgens und abends (wie gesagt) Hirsche, nach einigen Schritten aus der Tür begegneten uns u.a. Haubenlerche, Flussregenpfeifer, Grauammer, Schwarzkehlchen… Das ist schon paradiesisch. Es gibt ein kleines Lokal, in dem wir aber nicht gegessen haben. Verpflegung sollte man ansonsten unbedingt mitbringen – es gibt keine größere Einkaufsmöglichkeit.
Haubenlerche
Schwarzkehlchen
Wenn man sich für Greife und andere Vögel interessiert, gibt es meines Erachtens in Europa gar nicht so viele Orte, die es mit dem Monfragüe Nationalpark (und der ihn umgebenden Extremadura) aufnehmen können.