30. November 2024 - Maison Marocaine und das erste Birden!
Nachdem wir unseren Neunsitzer-Ford endlich bekommen haben, fährt uns Jürgen routiniert zu unserer ersten Unterkunft. Durch ein großes Tor fährt man auf das mit einer Mauer umgebene Gelände, und schnell und ohne viel Gedöns haben wir auch unsere Zimmer verteilt. Daran merkt man auch immer gleich ein bisschen, ob man mit komplizierten Menschen unterwegs ist oder nicht (wie zum Glück in meinem Fall).
Ich bin sehr happy, meine Einheit liegt direkt an der Terrasse, auf der wir auch essen werden, und überall um mich herum blüht und zwitschert es. Und ich kann mit dem Besitzer schon die ersten Sätze auf Französisch wechseln, wie schön!
Hier links geht es zu meinem Zimmer, die meisten Fotos hab ich von deren Homepage geklaut, weil ich mal wieder vergessen habe, das zu dokumentieren:
Die sehr schöne Terrasse, von der aus man einige Vögel beoabchten kann:
Platz habe ich mehr als genug, und auch wenn die Einrichtung eher schlicht ist, die Dusche nur tröpfelt, das Wasser sehr zögerlich bis gar nicht abfließt, und die Toilette als Sichtschutz eine Mauer hat, an der man sich die Knie anstößt, erinnert es mich doch eher positiv an meine bisherigen Afrikaaufenthalte als dass es mich stört.
Wie versprochen können wir schon die ersten Hausammern beobachten.
Es ist sehr warm, eher heiß, und wir ziehen uns schnell sommerlich an, bevor es schon zum ersten Birden losgeht.
Zum besseren Verständnis: Nr.1 ist unsere Unterkunft, Nr.2 die Stelle am Qued Souss, an der wir dann nach Vögeln schauen, Nr. 3 der Königspalast, wegen dem man seit neuestem nicht mehr weiter Richtung Meer gehen oder fahren darf, und Nr.4 die Brücke, unter der am Ende auch nochmal angehalten wird.
Unterwegs hält Jürgen an und kauft noch schnell Wasser für uns alle, und das brauchen wir auch dringend bei der sehr trockenen Luft.
Am Qued Souss angekommen werden schnell die Spektive inkl. Stative aus dem Kofferraum geholt, Ferngläser und Kameras umgehängt und dann geht es los! Ruckzuck wird alles aufgebaut, sobald wir am Ufer sind, und wie aus der Pistole geschossen werden unzählige Limikolen & Co. bestimmt, die ich noch nicht mal sehe mit meinem Ferngläschen

. Boah, die spielen echt in einer anderen Liga als ich

.
Das sieht alles nicht soooo besonders lieblich, da sehr urban und dreckig aus hier und übrigens: meine Mitreisenden kümmern sich nicht etwa um die Flamingos im Vordergrund, sondern um das Kleinzeug in der 2. Reihe!
Das Birden der anderen läuft sehr engagiert, manchmal euphorisch, aber nie besserwisserisch oder von oben herab ab. Wobei…. Wenn ich "Von oben" schreibe fällt mir ein, dass Klaus nach kurzer Zeit in Lachen ausbricht und meint: "Bele, du musst dich nicht immer bücken, wenn du unter meinem Fernglas durchgehst…"

Okay, wo er recht hat, hat er recht, uns trennen ca. 40cm Höhenunterschied und nun müssen wir beide lachen!
Die Profis weisen sich gegenseitig auf diverse Limikolen hin (die kann ich eh nicht, musste heute schon wieder Matthias bei zweien fragen, wie sie heißen

), diskutieren über die richtige Bestimmung und ich versuche, mit Hilfe meiner Kamera auch ein bisschen was zu sehen. Was wir alle entdecken, und das ist wahrlich nicht schwer, ist der viele Müll, der überall herumliegt und wir schwanken zwischen Kopfschütteln und Entsetzen. Allerdings können es die Spektivkucker vermutlich viel besser ausblenden als ich, die mit der Kamera auch versucht, ein bisschen die ganze Umgebung einzufangen.
Kann man den ganzen Abfall erkennen?
Ein paar Vögele lichte ich aber auch genauer ab, wenngleich es die Entfernungen und das Licht nicht einfach machen:
Flamingos (ja ne iss klar

) - leider auch wieder mit Müll-Deko:
Grünschenkel
Rotschenkel
Beide zusammen:
Die süßen, aber sehr flinken Samtkopf-Grasmücken:
Lachmöwe:
Maghreb-Elster:
Seidenreiher:
Und sogar einen Fischadler gibt es auf der anderen Uferseite zu sehen!
Mit all den anderen Sichtungen, von denen ich kein Foto habe und die ich großteils auch nur von den anderen gehört habe, werde ich euch aber nicht langweilen. Ganz am Ende des Berichts stelle ich unsere Sichtungsliste ein, für die, die es interessiert – das muss reichen!
Nachdem wir unsere erste Dromedar-Begegnung der besonderen Art haben,
fährt Jürgen uns noch zur Brücke. Es handelt sich dabei um ein ausgesprochen hässliches Exemplar (und ich bekomme Sehnsucht nach den Brücken im Moremi), viel Beton und umgeben von noch mehr Müll!
Auch hier erkenne ich, wie schmerzfrei echte Birder und Birderinnen sind

: mitten im Abfall stehend freuen sich die Vier da unten über einen Löffler (nein, ich habe kein Foto von ihm, das müsst Ihr einfach glauben).
Hier entspinnt sich unsere erste (und ich glaube auch letzte) ernsthafte, aber immer freundlich geführte Diskussion: es besteht nämlich Uneinigkeit darüber, ob wir hier dieselbe Zeit wie in Deutschland/der Schweiz haben oder nicht. Entsprechend unsicher sind wir auch, ob wir wohl rechtzeitig oder zu früh oder gar zu spät zum Abendessen kommen. Ich bin mir zwar sehr sicher, dass wir keine Zeitverschiebung haben, aber wirklich geklärt wird es erst in der Unterkunft, als wir den Chef des Hauses fragen. Alles klar, wir haben hier MEZ, was für ein Glück!
Nachdem wir geduscht haben, gibt es in diesem schönen Ambiente mein erstes marokkanisches Abendessen.
Es fühlt sich so herrlich an, an einem Novemberabend draußen zu sitzen

! Ich hatte vegetarisch bestellt und das klappt hier auch ausgezeichnet: alle bekommen einen leckeren Salat vorab, dann gibt es Tagine für jeden, meine ist nur mit Gemüse und schmeckt hervorragend. Der Nachtisch ebenso, man merkt, dass sie Chefin Französin ist. Die Stimmung ist bestens, Jürgen erzählt uns Anekdoten von seiner Hochzeit in Marokko, teilweise wird auch über unsere verschiedenen Berufe gesprochen, und es stellt sich heraus, dass ein Großteil als Gutachter arbeitet und viel Zeit mit Kartierungen im Freien verbringt, oder genau solche Gutachten dann prüft. Kein Wunder wissen die alle so gut Bescheid

!
Was am Ende des Tages natürlich nicht fehlen darf: das Bearbeiten der besagten Sichtungsliste! Egal wie müde man ist, das muss sein! Erst danach darf man ins Bettchen verschwinden! Gute Nacht!