THEMA: RB: Boliviens Altiplano & die Pampa Uruguays
04 Okt 2024 14:12 #694776
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  • Sabine26 am 04 Okt 2024 14:12
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Hallo liebe freshy,

oh, Du erinnerst Dich noch an meinen RB aus dem Pantanal. Das freut mich sehr :kiss: .
Es ist sehr bedauerlich mit den Bränden, die Menschen und die Tierwelt haben in den letzten Jahren immer wieder unter schrecklichen Bränden gelitten.

Ich schreibe gleich weiter.

LG

Sabine
Letzte Änderung: 04 Okt 2024 14:13 von Sabine26.
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04 Okt 2024 14:16 #694777
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  • Sabine26 am 04 Okt 2024 14:12
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Haus des Inka und ein Palast aus Salz

Nach diesem irgendwie doch ein wenig dekadent anmutenden Mahl geht es südwärts über den Salar auf 3.653 Metern Höhe. Das Ziel für den späten Nachmittag ist eine Felseninsel und trägt den Namen Isla Incahuasi, was übersetzt so viel wie Haus des Inka bedeutet.

Mitten aus dem unwirklichen, endlosen Weiß ragen mehrere dieser Felsinseln empor. Die Isla Incahuasi ist wahrscheinlich die meistbesuchte von allen. Die Geländewagen zu Füßen der Insel können wir bereits aus der Entfernung erspähen, ein krasser Gegensatz zum nördlichen Bereich des Salzsees, von dem wir gerade kommen.











Nichtsdestotrotz hat dieser Ort etwas Wundervolles. Auf der Insel stehen unzählige, bis zu 10 Meter hohe Kakteen der Gattung Trichocereus, die pro Jahr maximal 1 cm wachsen. Daher geht man davon aus, dass manche dieser Kakteen bereits 1.000 Jahre alt sein könnten. Über die Insel aus Granit führt ein felsiger Pfad, der mit 40 Minuten Dauer angegeben ist. Wir benötigen natürlich länger, die Aussicht ist ein ums andere Mal atem(be)raubend, dazu trägt das Nachmittagslicht mit den länger werdenden Schatten seinen Teil bei. In der Ferne ragt der Thunupa über das Weiß und die Erdkrümmung ist von hier oben nicht zu übersehen.

Trotz doch einer beachtlichen Anzahl Touristen, von denen die meisten schnell den Rundweg hinter sich bringen, nachdem ein paar Selfies geknipst wurden, genießen wir jeden Augenblick.




















Die Rückfahrt führt uns an einem ehemaligen Salzhotel vorbei. Dieses wurde vor einiger Zeit geschlossen, da das Abwasser ein Problem mitten auf dem Salar darstellte. Heute zieht es dennoch weiterhin Touristen - wie uns - für einen Fotostopp an.

Am Rand des Salars gibt es mittlerweile einige wenige weitere Salzhotels. Wir haben ein Zimmer im wohl komfortabelsten gebucht, im Palacio de Sal. Zugegeben hatte ich dennoch keine großen Erwartungen an diese Unterkunft, aber als wir das von außen so unscheinbar wirkende Gebäude betreten, bleibt mir fast die Luft weg und der Grund liegt nicht an der Höhe, auf dem sich der Palast aus Salz befindet.

Das Hotel ist von Reisegruppen gebucht und so erhalten wir als einzige Individualreisende des heutigen Tages zu unserer großen Freude Upgrades in die beiden einzigen Suiten. Das Abendessen lässt später keine Wünsche offen. Wir sind hellauf begeistert von dieser Unterkunft.








Morgen werden wir diese unwirkliche Welt verlassen und fahren in die weiße Stadt, nach Sucre, Boliviens Hauptstadt.
Letzte Änderung: 04 Okt 2024 14:26 von Sabine26.
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04 Okt 2024 15:01 #694779
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Wow - dieses Hotel trägt den Namen Palacio wahrlich nicht zu Unrecht!

Wundervolle Fotos wieder, sie regen meine Reiselust derart an, daß ich schon mit der Ausarbeitung einer eigenen Uyunitour begonnen habe... :)
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Mimo schrieb:
Wow - dieses Hotel trägt den Namen Palacio wahrlich nicht zu Unrecht!

Wundervolle Fotos wieder, sie regen meine Reiselust derart an, daß ich schon mit der Ausarbeitung einer eigenen Uyunitour begonnen habe... :)

Vielen lieben Dank, Mimo! Es freut mich, dass Dir der Bericht und die Fotos so gut gefallen, dass Du sogar - wie cool ist das! - jetzt eine Tourplanung begonnen hast, und ich bin gespannt, wie Deine Route aussehen wird.

Kennst Du hier eigentlich meinen Bericht zur Puna? Ich weiß nicht, ob Du schon dort gewesen bist, aber wenn nicht, wäre der möglicherweise auch von Interesse für Dich.

LG
Sabine
Letzte Änderung: 04 Okt 2024 20:58 von Sabine26.
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04 Okt 2024 20:56 #694804
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  • Sabine26 am 04 Okt 2024 14:12
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Tag 11 – Salar de Uyuni - Sucre
Züge, die nicht mehr fahren … und einmal mehr Butch Cassidy und Sundance Kid


Mit Wehmut verlassen wir den Salar de Uyuni und „unseren“ Salzpalast. Hier hätten wir es definitiv noch eine Nacht länger ausgehalten. Die Wehmut ist jedoch schnell verflogen, sie weicht Ungläubigkeit, als wir vor die Tür treten und das Gefährt sehen, das uns heute nach Sucre bringen soll. Wir hatten zwei Wagen gebucht, aber nur einer steht vor der Tür, in den wir, unsere neue, ebenfalls sehr freundliche Begleitung L. und unser Gepäck nur mit allergrößter Mühe hinein passen. Der Beifahrersitz, auf dem mein Mann Platz genommen hat, lässt sich in keiner Weise verstellen, er sitzt dermaßen unbequem, dass mir schon vom Zusehen ein Kribbeln in die Beine zieht.

Wir anderen sitzen auf den verbleibenden Plätzen eingequetscht mit angezogenen Beinen, die wir kaum bewegen können. Sieben Stunden reine Fahrtzeit bis zur Hauptstadt Boliviens liegen heute vor uns.

Nein, so werden wir keinesfalls bis Sucre fahren. Da sind wir uns alle sehr schnell einig. Wir müssen ohnehin noch einen kleinen Stopp in Uyuni bei der Niederlassung der Agentur einlegen, da gestern eine Tasche von unseren Freunden im Wagen vergessen wurde und wir diese abholen müssen.

Dort angekommen zücke ich unsere Reisebestätigung. Nach mehreren Telefonaten und Diskussionen ist dann auch dem letzten Verantwortlichen klar, ein weiteres Fahrzeug oder zumindest ein größeres Vehikel muss schnellstmöglich her. Während dieses Problem gelöst wird, stapeln wir uns erneut im Wagen und legen eine kurze Strecke zum nächsten Besichtigungspunkt ein.

Unweit von Uyuni gibt es einen skurrilen Friedhof, den Cementerio de los Trenes. Dieser Eisenbahnfriedhof gilt als der größte seiner Art. Eine fast dreistellige Anzahl an Lokomotiven und Wagen sollen hier ihr Dasein fristen, manche davon waren bereits vor mehr als 100 Jahren im Einsatz. Aufgrund des Klimas sind zahlreiche Exemplare noch recht gut erhalten, zumindest die äußere Hülle, denn vieles, was nicht niet- und nagelfest war, wurde bereits entwendet.

Der Transport über Schienen war damals ungemein wichtig für Bolivien, um all die Rohstoffe, über die das Land verfügt, zu den Seehäfen im heutigen Norden Chiles zu transportieren. Mit der Aufgabe vieler Minen vor etwa acht Jahrzehnten war aber auch das Schicksal vieler Bahntrassen und der darauf verkehrenden Fahrzeuge mit der ausbleibenden Fracht besiegelt.














Zurück bei der Agentur stellen wir erfreut fest, dass zwischenzeitlich ein zweites Fahrzeug mit Fahrer für uns bereit steht. So können wir – zwar mit einiger Verzögerung – unsere heutige Fahrtstrecke in Angriff nehmen. Mit einem letzten Blick hinunter zum Salar steuern wir Sucre an.








Gehört der Cementerio de los Trenes in Uyuni mehr oder weniger zum Pflichtprogramm eines jeden Touristen, der den Salar de Uyuni besucht, verhält es sich mit dem Museo de los Trenes in Pulacayo anders. Hätte ich nicht die Folge Eisenbahnromantik über die Bahnstrecken Boliviens vor einiger Zeit gesehen, wären wir wohl heute unwissend an diesem an der Strecke liegenden Minenort vorbeigefahren. So aber habe ich diesen Ort auf 4.111 Metern Höhe auf unsere Reiseroute gesetzt. Hier stehen weniger Lokomotiven als auf dem Eisenbahnfriedhof von Uyuni, diese sind aber viel besser erhalten.

Um in den Ort zu kommen, müssen wir zuerst eine Kontrolle passieren. Wir lassen die Autos stehen und recht schnell haben wir das kleine Museo im Freien erreicht. Die hier stehende Lok mit Namen La Unión hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Während einer ihrer Einsätze soll der Zug im Jahr 1908 von Butch Cassidy und Sundance Kid überfallen worden sein.

Pulacayo wurde am 16.12.1883 gegründet und ist als Patrimonio Cultural Industrial deklariert. Wir laufen weiter in den Ort hinein. Alle Einwohner, die uns begegnen, freuen sich sichtlich über unseren Besuch und grüßen sehr freundlich. In der Nähe des Hauptplatzes kommen wir mit zwei Männern, die als Ingenieure für die Mine arbeiten, ins Gespräch. Wir erfahren, wie selten Touristen sich hierher verirren und als sie hören, dass wir aus Deutschland kommen, beginnt einer von beiden zu schwärmen von den alten deutschen Maschinen, die hier immer noch im Einsatz wären, ebenso von den deutschen Mechanikern, die seien seiner Meinung nach die Besten. Er erzählt uns, dass einige der Häuser im Ort von Deutschen erbaut wurden und im zweiten Weltkrieg drei Piloten hierher desertiert seien.

Im Ort leben derzeit ca. 1.500 Menschen. Nachdem die Population nach Schließung der Mine von staatlicher Stelle kontinuierlich sank, hat sie über die letzten Jahre wieder zugenommen. Eine Kooperative bewirtschaftet nun die Mine.

Ich kann mich kaum losreißen von dieser Begegnung und diesem so interessanten Gespräch, bei dem L. immer mal wieder hilft, wenn mein Spanisch nicht ausreicht, aber vor uns liegen noch viele Kilometer, die es heute noch zurückzulegen gilt. Wir machen ein Erinnerungsfoto, bedanken uns und verlassen diesen Ort, der so viel Geschichte mit sich bringt, mir aber einmal mehr das Leben in dieser lebensfeindlichen Höhe in diesem nicht gerade von Reichtum gesegneten Land vor Augen führt.

















Die Strecke nach Sucre sieht etwas anders aus, als ich es von Gegenden in ähnlichen Höhen aus dem Altiplano kenne, dennoch ist sie sehr interessant und versüßt die lange Fahrtzeit. Wir passieren Potosí, hier werden wir im Anschluss unseres Aufenthaltes in Sucre zwei Nächte in der Nähe verbringen, um die Stadt kennenzulernen.

















Wir sind heilfroh, als wir gegen 19:00 Uhr endlich Sucre erreichen, denn die Fahrweise der Bolivianer, insbesondere wegen der äußerst riskanten Überholmanöver, hat uns ein ums andere Mal die Luft anhalten lassen.

Drei Nächte haben wir im Parador Santa Maria Real gebucht. In unseren Junior Suiten fühlen wir uns sofort wohl. Es gibt eine Dachterrasse, von der man über die weiße Stadt blicken kann.
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04 Okt 2024 22:39 #694811
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  • Mimo am 04 Okt 2024 15:01
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Liebe Sabine, 

ich verschlinge deinen Bericht geradezu und kann es gar nicht erwarten, daß es weitergeht. Ich werde deine Uyuni-Tour als Blaupause für meine eigene nehmen, wenn auch mit ein paar Varianten. 

Dazu später mehr, jetzt aber ein Wort zu deinem Puna-Reisebericht. Selbstverständlich kenne ich den, ich habe ihn vor einer Weile mit großer Faszination gelesen. Wir (mein Partner und ich) haben die Puna sogar schon zweimal bereist, in etwa auf denselben Wegen wie du. Du hast allerdings noch ein bißchen mehr erlebt als wir, so konnten wir nicht in Antofalla übernachten, weil unser guide das nicht hingekriegt hat (er sagte, alles sei von den Minengesellschaften auf lange Frist belegt), dafür waren wir beispielsweise 3 Nächte in Tolar Grande. 

Auch die nördliche Puna haben wir durchquert, und zwar als Individualreisende. Die Strecke von Susques bis Cusi Cusi war einfach großartig, die von Salta über Purmamarca, Tilcara etc. bis La Quiaca kennen wir natürlich auch. 

Nun also die Uyuni - danach habe ich mich schon lange gesehnt (wir haben bisher nur zweimal Tagesausflüge von San Pedro aus gemacht), und dein wunderschöner Bericht hat die Glut der Leidenschaft zu heftigen Flammen entfacht ;-) Allerdings sind wir mittlerweile leider über 70 und auch nur zu zweit, was mich ein wenig zweifeln läßt, ob wir uns trotz großer Hochandenerfahrung (wir waren auch mehrfach in den chilenischen Hochanden, im Lauca etc) allein über die Uyuni wagen sollen. 

Aber ich will ja nicht über mich reden, sondern über deinen Reisebericht. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie dankbar ich dir bin, denn zu Bolivien findet man wirklich wenig, und bei dir weiß ich, daß wir einen ähnlichen Geschmack haben. :-) So habe ich auch gleich Pulacayo auf meine Liste gesetzt, das mir bisher nicht bekannt war. 

Daß die Fahrweise in Bolivien oft kriminell ist, habe ich schon mehrfach gelesen. Ich bin ein ängstlicher Mensch und möchte so etwas vermeiden. Wir fahren ja meistens selber (nicht nur deswegen, sondern weil ich es einfach schöner finde, frei zu sein), aber in Bolivien ist es ein Problem mit den Mietwagen. Da ich von deiner Punareise ausgehend annehme, daß du nur exzellente Anbieter wählst, würde es mich interessieren, ob dies bei euren Bolivientouren auch so war. Und dann trotzdem die hochriskante Fahrweise? 
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